100 Sachen, die Geschichte machten

  • Von der Bronzeaxt bis zum Roboter
  • von Dr. Patrick Henßler
  • Verlag arsEdition, September 2019 www.arsedition.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 264 x 198 mm
  • 240 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-8458-3192-3
  • Kindersachbuch ab 10 Jahren

GESCHICHTE  ZUM  ANFASSEN

Buchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Unzählige Entwicklungsschritte führen von den ersten menschlichen Handabdrücken steinzeitlicher Höhlenbewohner bis zur Rechnertastatur, auf der ich jetzt diese Buch- besprechung tippe, die später auf digitalem Wege durch die Netzwelt reisen wird. „100 Sachen, die Geschichte machten“ bietet in hundert Kapiteln einen streiflichternden Überblick über die kulturhistorische Entwicklung der Menschheit von der Vor- und Frühgeschichte über die Antike, das Mittelalter und die Frühe Neuzeit bis hin zur Moderne.

Jedes Kapitel beginnt mit einem der jeweiligen Zeitspanne entstammenden Gegenstand und führt von diesem Gegenstand weiter zu den Lebensbedingungen und kulturge-schichtlichen Gegebenheiten sowie zu historisch-prägenden Persönlichkeiten, gesell-schaftlichen Veränderungen, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Fortschritten der betreffenden Epoche.

Dr. Patrick Henßler © Verlag arsEdition 2019

So führt der Faustkeil durch die Steinzeit, die ersten Tongefäße zur Vorratshaltung mar-kieren den Beginn von Ackerbau und Viehzucht, und Lehmziegel zeugen von den ersten Stadtgründungen im geographischen Gebiet des sogenannten „fruchtbaren Halb- monds“. Die Erfindung des Rades wird am Beispiel des ägyptischen Streitwagens er- läutert, die Schrifttafel illustriert den Übergang von der Bilder- zur Keilschrift und führt schließlich zur Entstehung des ersten phönizischen Alphabets. Die Bronzeaxt steht exemplarisch für die Erfindung der Metallverarbeitung (Legierung) und den Wechsel von Steinwerkzeugen und –Waffen zu Bronzewaffen und –Werkzeugen.

Zum Ausklang der einzelnen Epochen faßt eine illustrierte Doppelseite mit einer infor- mativen Zeitstrahlübersicht die wichtigsten Etappen noch einmal kurz und bündig zusammen.

Zwischen den Einzelkapiteln der verschiedenen Epochen wird gelegentlich ergänzend auf einer Doppelseite die Veränderung einzelner Gegenstände oder Kulturtechniken chronologisch dargestellt. Beispielsweise finden wir eine Übersicht „Mit der Zahnbürste durch die Zeit“ eine andere, die sich mit „Musik im Wandel der Zeit“ befaßt.

Dr. Patrick Henßler © Verlag arsEdition 2019

Die beschriebenen Gegenstände weisen manchmal auf gesellschaftliche Mißstände und entsprechende Umbrüche hin. So „beleuchtet“ die Bergwerkslampe die Kinderarbeit zur Zeit der Frühindustrialisierung, und der Plastikstrohhalm steht exemplarisch für die gefährliche Plastikflut der Gegenwart.

Gleichwohl werden auch positive demokratische, zivilisatorische und freiheitliche Errungenschaften thematisiert. So etwa die Unterzeichnung des deutschen Grund- gesetzes am 23. Mai 1949. Stichwortgeber für dieses Ereignis unserer Geschichte ist der hochwertige Füller, mit dem die Mitglieder des Parlamentarischen Rates den Gesetzestext unterschrieben.

Dr. Patrick Henßler © Verlag arsEdition 2019

Dieses Sachbuch macht Geschichte einerseits anschaulich durch die An- knüpfung an konkrete Gegenstände, die mit sehr ansprechender bildlicher Begleitung in Szene gesetzt werden, andererseits durch die sehr klaren, komprimierten, kindgemäßen Erklärungen zur buchstäblich fortschritt- lichen Bedeutung und Wirkung dieser Gegenstände auf die Lebensumstände der Menschen und die wandelbaren gesellschaftlichen Herrschaftsformen, Strukturen und Regeln. 

„100 Sachen, die Geschichte machten“ ist sehr geeignet, Kindern stufen- weises und zusammenhängendes Wissen über die Vergangenheit zu vermitteln, ihren historischen Horizont zu weiten und die beachtlichen Entwicklungsschritte der Menschheit zu würdigen. Im Gegensatz zum heute üblichen kurzatmigen Geschichtsunterricht haucht dieses Buch Kindern einen deutlich längeren historischen Atem ein.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.arsedition.de/produkte/detail/produkt/100-sachen-die-geschichte-machten-9031/

 

Querverweis:

Als Ergänzung zu „100 Sachen die Geschichte machten“ empfiehlt sich das illustrierte Kindersachbuch Opa Mammut/Eine Familien-Weltgeschichte für Kinder“ von Dieter Böge und Bernd Mölck-Tassel, in dem die Entwicklungsgeschichte der Menschheit als Familiengeschichte in 52 Generationen-Kapiteln nacherzählt wird: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/18/opa-mammut/

 

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Petronella Apfelmus, Band 7

  • Hexenfest und Waldgeflüster
  • von Sabine Städing
  • mit Illustrationen von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2019   www.boje-verlag.de
  • gebunden mit LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 13,00 € (D)
  • ISBN 978-3-414-82546-9
  • Kinderbuch ab 8 Jahren zum Selberlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen

ZAUBERHAFTE  GASTGEBERIN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Apfelbaumhexe Petronella Apfelmus ist ganz aus dem Apfel-Häuschen angesichts der Aufgabe, das Fest der diesjährigen Walpurgisnacht auszurichten. Außerdem ist sie für den „Goldenen Hexenzopf“ nominiert worden, was in Hexenkreisen als sehr ehren- volle Auszeichnung gilt, da es eine Vorbedingung dafür ist, eines Tages auch in den Hexenrat aufgenommen zu werden.

Wer mit den Gegebenheiten rund um Petronella Apfelmusens Apfelgarten und ihre fleißigen Apfelmännchen sowie ihre Freundschaft mit den Zwillingen Lea und Luis noch nicht vertraut ist, möge sich bitte zu meiner Besprechung des ersten Bandes bemühen, um sich kundig zu machen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/

Zu Petronellas Spezialitäten gehört es, daß sie sich nach Belieben und Bedarf vergrö- ßern oder verkleinern kann. Dazu benutzt sie eine magische Strickleiter: Wenn sie diese apfelbaumaufwärts klettert, wird sie so klein, daß sie bequem in einem Apfel wohnen kann, klettert sie hingegen apfelbaumabwärts, nimmt sie eine menschliche Größe an. Für unterwegs hat sie außerdem ein Döschen mit silbernen Apfelkernen, mit denen sich ebenfalls zauberhaft verkleinern oder vergrößern läßt.

Neben der sorgfältigen Pflege der alten, seltenen Apfelbäume betreibt Petronella auch eine regelmäßige Sprechstunde für kranke und verletzte Tiere. So kümmert sie sich trotz der vielen organisatorischen Arbeiten für das Hexenfest fürsorglich um eine verletzte Haselmaus, die ihre Schwanzspitze in einer Mausefalle eingebüßt hat.

Lea und Luis sind zwar enttäuscht, daß sie als Menschenkinder nicht am Walpurgis- nacht-Hexenfest teilnehmen dürfen, gleichwohl helfen sie gerne bei den Vorbereitungen mit und stapeln mit Feuereifer Bruchholz für das große Hexenfeuer auf, denn laut Hexenverordnung dürfen bestimmte festliche Vorarbeiten tatsächlich nicht mit Hilfe von Zauberei ausgeführt werden.

Illustration von SaBine Büchner © Petronella Apfelmus Band 7, Boje Verlag 2019

Der Festplatz ist eine große Wiese, die sich direkt an den Apfelgarten anschließt. Dieses Areal wird von Petronella mit einem Zauberschleier vor unbefugten Blicken geschützt; wenn alle Hexengäste eingetroffen sind, kommt noch ein undurchdringlicher Bannkreis hinzu, der mit folgendem Zauberspruch gezogen wird:

»Regenwand mit Blitz und Donner,
schütze Festplatz, Baum und Feen.
Lass nur magische Geschöpfe
durch dein Zaubertürchen gehn.«
(Seite 100)

Nun, ganz so undurchdringlich ist der Bannkreis dann aber doch nicht. Denn Lea und Luis gelangen mit Hilfe von Petronellas Cinderella-Zauber doch noch heimlich auf das Fest. Sie bestaunen die hübschen Marktstände, die allerlei Zauberzutaten feilbieten, und die zahlreich anwesenden unterschiedlichen Hexentypen und Zauberer. Die miß- günstige, klatschsüchtige und intrigante Hexe Hexobine Höckerbein, deren unange- nehme Bekanntschaft die Zwillinge in einer früheren Episode bereits gemacht haben, ist auch unter den geladenen Gästen.

 

Illustration von SaBine Büchner © Petronella Apfelmus Band 7, Boje Verlag 2019

Ausgerechnet gegen diese Hexobine Höckerbein muß nun Petronella Apfelmuß zum Wettkampf um den „Goldenen Hexenzopf“ antreten. Die Prüfung besteht darin, den zuvor vom Hexenrat raffiniert in der magischen Welt versteckten „Goldenen Hexenzopf“ wiederzufinden und zum Festplatz zurückzubringen. Beide Hexen bekommen einen rätselhaften Zettel, auf dem Ortsangaben zu entschlüsseln sind. Lea hilft Petronella bei dieser Entschlüsselung der seltsamen Buchstabenfolgen, während sich Hexobine und ihr Hilfszauberer damit schwertun. Dies verschafft Petronella einen kleinen Vorsprung beim Zugang zur magischen Welt.

Illustration von SaBine Büchner © Petronella Apfelmus Band 7, Boje Verlag 2019

Durch Kristallkugeln verfolgen das Hexenpublikum und die Zwillinge gespannt, wie sich die Suche der beiden Hexen gestaltet. Hexobine arbeitet, wie es ihre Unart ist, mit fiesen Tricks und Rücksichtslosigkeit und bringt Petronella durchaus in die eine oder andere Bedrängnis; doch schließlich findet Petronella in einem Feenhügel den „Goldenen Hexenzopf“ und wird bei ihrer Rückkehr feierlich empfangen und geehrt.

Endlich kann der vergnügliche Teil des Hexenfestes beginnen, und Lea und Luis tanzen begeistert mit ums Hexenfeuer.

Die Autorin erzählt diese Geschichte in einem einfühlsam-augenzwinkern- den Stil, mit spannender Dramaturgie, lebhaften Dialogen, phantasievollem Abwechslungsreichtum und amüsanten Zauberspruchreimen. Die knuffigen Schwarz-weiß-Illustrationen von Sabine Büchner greifen den heiteren Tonfall auf und übertragen ihn in text- und detailgetreue Szenerien mit wiedererkennungseffektvollen Charakterzeichnungen.

Auch der siebte Band der Petronella-Reihe bietet wieder märchenhaften Stoff für die kindliche Herzensbildung. Ebenso anschaulich wie unauf- dringlich-spielerisch werden hier zwischenmenschliche Werte wie Empathie, Freundschaft, Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, Mit- und Lebensfreude sowie Naturverbundenheit vermittelt.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-hexenfest-und-waldgefluester/id_6615088

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-hexenfest-und-waldgefluester/id_6615120

 

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

 

Hier entlang zu den sechs vorherigen Petronella-Apfelmus-Bänden:

Band 1: Verhext und festgeklebt
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Band 2: Zauberschlaf und Knallfroschchaos
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Band 3: Schneeballschlacht und Wichtelstreiche
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Band 4: Zauberhut und Bienenstich
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Band 5: Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/
Band 6: Schnattergans und Hexenhaus
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/10/30/petronella-apfelmus-band-6/

 

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Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe

  • von Micheal Ende und Wieland Freund
  • Hörbuch
  • ungekürzte Lesung
  • von Christoph Maria Herbst
  • Silberfisch Hörbuch Hamburg, Januar 2019 www.silberfisch-hoerbuch.de
  • 5 CDs in Pappklappschuber
  • Laufzeit: ca. 331 Min.
  • 20,00 € (D), 22,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7456-0082-7
  • Buchausgabe: Thienemann Verlag
  • Kinderbuch ab 6 Jahren zum Vorlesen
  • ab 8 Jahren zum Selberlesen

WAHRHEIT,  LÜGE  UND  DIE  GESCHICHTEN DAZWISCHEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul

Diese Geschichte wurde von Michael Ende begonnen und von Wieland Freund fort- gesetzt. Es ist ein kinderbuchliterarischer Gewinn, daß die ersten drei Kapitel, die Michael Ende noch selbst geschrieben hat, nun über zwanzig Jahre später zu einer ganzen Geschichte heranwachsen konnten. Wieland Freund hat aus dem vorhandenen Material eine stimmige Fortsetzung entwickelt, die voller Achtung für Michael Endes Vorgaben die von ihm angelegten Charaktere einfühlsam ausführt und dramaturgisch ergänzt.

Knirps ist ein unbekümmertes, furchtloses Kerlchen. Er ist der einzige Sohn von Mama und Papa Dick, die mit ihrem von drei treuen Eseln gezogenen Kastenwohnwagen als Puppenspieler durch die Lande ziehen. Die Geschichte spielt im finsteren Mittelalter und beginnt in einer stürmischen Nacht, in der die Puppenspielereltern plötzlich bemerken, daß ihr Söhnchen verschwunden ist.

Aufgeregt und besorgt irren sie im Dunkeln am Rande des Waldes umher und rufen nach Knirps. Nur der alte, kluge und sprachbegabte Papagei Sokrates behält einen klaren Kopf und regt an, am nächsten Morgen bei Tageslicht systematisch mit der Suche nach dem vorwitzigen Bübchen zu beginnen.

Knirps ist unterdessen munter und gänzlich freiwillig auf dem Weg durch den sogenann-ten Bangewald, um den berüchtigten Raubritter Rodrigo Raubein in seiner Schauder- burg aufzusuchen und sich ihm als sein Knappe anzudienen. Denn Knirps findet seine braven Eltern langweilig und spießig, und er will unbedingt schnell erwachsen werden. Er hat nämlich irgendwo aufgeschnappt, daß man, um erwachsen zu werden, lernen müsse, Gut und Böse zu unterscheiden. Da scheint ein ausgemachter Bösewicht wie Rodrigo Raubein der richtige Fachmann für Knirps und sein ersehntes Heranreifen zu sein.

Mitten in der Nacht erklimmt Knirps den steilen Weg zur düsteren Burg. Den Weg säu-men Grabsteine mit aussagekräftigen Inschriften, die von den großartigen Kämpfen und Siegen des Raubritters gegen gefährliche Feinde erzählen; an einer Felswand hängen sogar angekettete Skelette. Knirps fühlt sich an der richtigen Adresse, springt furchtlos über die fehlende Planke in der wackeligen Zugbrücke und klopft an. Keiner öffnet, aber das entmutigt Knirps keineswegs. Er kauert sich in die Tornische und schläft einfach ein.

Raubritter Rodrigo Raubein hingegen hat sehr wohl das nächtliche Klopfen gehört, aber vorsichtshalber das Tor nicht geöffnet, in der Hoffnung, der Besucher oder Angreifer werde sich schon trollen, wenn keiner zuhause sei. Denn Rodrigo Raubein ist zwar ein großer Ritter mit großen Händen und mit einem struppigen Bart, aber keineswegs böse oder grausam, sondern ängstlich und friedlich. Er lebt zurückgezogen auf seiner Burg, baut Gemüse im Burghof an und pflegt auf der Fensterbank seines Wohnturms Kakteen, denen er sogar Namen gibt.

Rodrigo Raubein hat einfach nur dafür gesorgt, daß der Ruf seiner rücksichtslosen Gna-denlosigkeit, unbezwingbaren Stärke und seines Mutes ihm vorauseilt, und durch die Inszenierung einer entsprechend schaurig-grausigen Burgkulisse ist es ihm bisher nach-haltig gelungen, die Menschen von sich fernzuhalten. Die Grabsteine und Skelette fertigt er in seiner Gipswerkstatt selbst an, und nach Regengüssen muß er sie regelmäßig erneuern.

Rodrigo Raubein wagt es erst am nächsten Morgen nachzuschauen, ob der nächtliche Anklopfer irgendwelche aufschlußreichen Spuren hinterlassen habe. Er staunt nicht schlecht, als Knirps hereinspaziert, sich als sein neuer Knappe vorstellt, mehrfach heftig niest, da er sich in der stürmischen Nacht eine Erkältung geholt hat, und selbstbewußt nach einem Frühstück fragt. Eigentlich will Rodrigo den kleinen Eindringling so schnell wie möglich loswerden, doch als er merkt, daß Knirps fiebert, pflegt er ihn erst einmal fürsorglich gesund. Während der Genesungstage erzählen sich die beiden gegenseitig und mit ebenbürtigem Phantasietalent von ihren erfundenen Schurkenstreichen.

Nach Knirpsens Genesung besteht er dickköpfig immer noch darauf, Rodrigos Knappe zu werden. Rodrigo denkt sich eine schwere Knappenprüfung aus, damit Knirps endlich seine Burg verläßt. Knirps soll ganz alleine ein gefährliches Verbrechen seiner Wahl  be-gehen, um sich als Raubritter-Knappe zu bewähren. Und Knirps marschiert tätigkeits- froh und unverzüglich los.

Unterwegs fällt Knirps in ein Sumpfloch und verläßt dieses mit einem stinkenden Über- zug aus Schlamm. Wenig später nähert sich eine königliche Kutsche. Knirps läuft angriffslustig auf diese Kutsche zu, und die Eskorte flieht vor dem Anblick des Schlam- monsters. Empört schaut und schimpft er den Feiglingen nach, die sich nicht dem Kampf mit ihm stellen wollen und findet in der Kutsche eine durch und durch echte Prinzessin.

Was liegt näher, als nun diese Prinzessin zu entführen, zumal sie ihn selber auf diese Idee bringt? Denn in Hinsicht auf Furchtlosigkeit kann Prinzessin Filippa Annegunde Rosa, kurz Flip genannt, Knirps durchaus das Wasser reichen. Sie erzählt Knirps, daß sie auf dem Wege zu König Kilian dem Letzten gewesen sei, der schon lange an schwerer Melancholie leide und sie als seine Thronfolgerin einzusetzen gedenke. Zwar hoffe der Hofmedicus Padrubel, den König heilen zu können; doch falls der König schließlich seiner Melancholie erliege, wäre die Anwesenheit von Prinzessin Filippa Annegunde Rosa bei Hofe höchst erwünscht.

Nun, nachdem Knirps noch flott mit Schlamm „Lang lebe Raubritter Rodrigo Raubein“ auf die weiße Kutschentür geschrieben hat, macht er sich zusammen mit Flip auf den Rückweg zur Schauderburg, um seinen Fang zu präsentieren.

Inzwischen haben Papa und Mama Dick mit Hilfe des vorausschauenden Papageis Rodrigo Raubein in seiner Burg aufgesucht und erfahren, was Knirps sich vorgenommen hat. Rodrigo Raubein fühlt sich nun verantwortlich und verpflichtet, sich an der Suche nach Knirps zu beteiligen, obwohl es ihn beträchtliche Überwindung kostet, seine Burg zu verlassen und sich in die Welt hinauszuwagen.

Da Knirps einen anderen Weg zur Schauderburg gewählt hat als seine Eltern, dauert es eine ganze Weile, bis alle wieder zueinanderfinden. Es kommt zu weiteren dramatischen Verwicklungen, diversen Mißverständnissen, erkenntnisreichen Enttäuschungen und einer Menge zu bestehender Gefahren und zu meisternder Rettungen. Der intrigante Zauberer Rabanus Rochus, der nicht zaubern kann, aber machtgierig König Kilians Thron anstrebt, und ein goldgieriger ghudipanischer Nachtdrache mischen dabei noch bösartig und tüchtig mit. So erfährt Knirps auch endlich, wie sich Angst und Mut anfühlen; denn mutig ist nur einer, der tapfer seine Angst überwindet.

Nach der glücklichen Entwirrung sämtlicher Handlungsfäden werden Mama und Papa Dick zufrieden in der Schauderburg seßhaft, Rodrigo Raubein wird Puppenspieler, zieht in Begleitung von Sokrates durch die Lande, und Knirps wird der Knappe von Prinzessin Flip. So finden alle zu dem ihnen gemäßen Platz im Leben.

„Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe“ ist ein märchenhaftes Schelmenstück über Wahrheit und Lüge, Angst und Mut, innere und äußere Freiheit und die wunderbare Zaubermacht von Geschichten.

„Wer lügt, sagt mit Absicht die Unwahrheit über etwas, das in Wirklichkeit ganz anders ist. Wer eine Geschichte erzählt, sagt hingegen die Wahrheit, selbst wenn er die Wirklichkeit dabei ein bißchen verdreht. Er sagt auf eine komplizierte Weise die Wahrheit, obwohl er es manchmal selber nicht weiß.“

Dieses Hörbuch hat Christoph Maria Herbst hervorragend geleseschau- spielert! Egal ob kindlicher Knirps oder raubeiniger Rodrigo Raubein, Papa oder Mama Dick, eloquent schnarr-schnabelnder Papagei, keck-kluge Prin- zessin, qualmender Drache mit Räucherakzent, machtgierig-ungeduldiger Zauberer, melancholisch-mattstimmiger König nebst stimmverstärkendem Leibdiener oder besonnen-sonorer Hofmedicus – alle Charaktere werden mit unüberhörbarer Spielfreude und virtuoser Klangfarbenschattierung von ihm verstimmlicht. Aber Christoph Maria Herbst gibt nicht nur jeder Figur eine eigene unverwechselbare Stimme, sondern liest auch den reinen Erzähltext mit dramaturgischer Raffinesse und explizit-atmosphärischer Evokationskraft.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zu einem einladenden Einblick ins Aufnahmestudio mit Erläuterungen von Christoph Maria Herbst sowie einer vorköstlichen HÖRPORBE: https://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/freund-rodrigo-raubein-und-knirps-sein-knappe-4775/

 

Zur Buchausgabe:

Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe  
von Michael Ende und Wieland Freund
illustriert von Regina Kehn
Thienemann Verlag,  Januar 2019
gebunden
208 Seiten
Format: 173 x 245 mm
17,00 €
ISBN 978-3-522-18500-4
Kinderbuch ab 6 Jahren zum Vorlesen
ab 8 Jahren zum Selberlesen

Hier entlang zur Buchausgabe und LESEPROBE  auf der Verlagswebseite: https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/rodrigo-raubein-und-knirps-sein-knappe-isbn-978-3-522-18500-4/
Und hier entlang zu einem interessanten INTERVIEW mit Wieland Freund: https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/extras-events/geschichten-detail/interview-mit-wieland-freund/

Die Autoren:

»Michael Ende (1929 – 1995) zählt zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern. Neben Kinder- und Jugendbüchern schrieb er poetische Bilderbuchtexte, Bücher für Erwachsene, Theaterstücke und Gedichte. Sie wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von über 35 Millionen Exemplaren erreicht.«  www.michaelende.de

»Wieland Freund wurde 1969 geboren, gerade rechtzeitig, um als Zehnjähriger „Die Unendliche Geschichte“ zu lesen. Er studierte Germanistik und Anglistik und blieb Michael Ende bis heute treu. Der Romanautor wurde für seine Kinderbücher mehrfach ausgezeichnet und 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«

Der Sprecher:

»Christoph Maria Herbst ist ein gefeierter Schauspieler (u.a. Grimme-Preis, Bayrischer Fernsehpreis) und Hörbuchsprecher. Dem Autor Michael Ende ist er besonders verbunden: Im Kinofilm Jim Knopf und „Lukas der Lokomotivführer“ spielte er den Herrn Ärmel. Für Silberfisch hat er den „Satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“ und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ eingelesen.«

 

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Die kleine Waldfibel

  • Text & Illustration von Linda Wolfsgruber
  • Buchgestaltung von Christiane Dunkel-Koberg
  • KUNSTANSTIFTER Verlag, Januar 2020 www.kunstanstifter.de
  • gebunden
  • geprägter Buchdeckel
  • Fadenheftung
  • Format: 135 x 210 mm
  • 144 Seiten
  • 12 illustrierte Transparentblätter
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 978-3-942795-92-0

WALDSPAZIERGANG  AUF  DEM  PAPIER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses kleine Waldwissensbuch bietet ein beachtliches Fest der Sinne. Das beginnt schon mit dem Einbandpapier des Buchdeckels, das mit seiner griffig-feinporigen Struktur optisch und haptisch an Baumrinde erinnert, und setzt sich fort in den schönen, lebendig-naturalistischen Aquarell- und Tuschezeichnungen.

Der sinnlich-informative Waldspaziergang geht zum einen durch alle Jahreszeiten und stellt eine übersichtliche Anzahl häufiger Laub- und Nadelbäume vor. Hinzu kommen als atmosphärische Ergänzung einige stimmungsvolle Waldgedichte und als kulinarische Zugabe schmackhafte Rezepte für die Verwertung von Waldfrüchten.

Die Baumsteckbriefe beschreiben kurz und knapp botanische Kennzeichen und die unterschiedlichen Holzeigenschaften von Berg-Ahorn, Birke, Eiche, Erle, Esche, Hasel, Linde, Rotbuche, Schwarzpappel, Vogelkirsche, Weide, Lärche, Fichte, Kiefer, Tanne und Zirbe. Zusätzlich werden die dazugehörigen Blätter und Baumsamen abgebildet. Von einer mit der kompletten Baumsilhouette illustrierten Transparentpapierseite blättern wir jeweils vom belaubten Sommerkleid des Baumes zu seinem entlaubten Winterkleid, welches die artspezifische Stamm- und Verzweigungsstruktur deutlich sichtbar macht.

 

„© Linda Wolfsgruber / kunstanstifter“

„© Linda Wolfsgruber / kunstanstifter“

Streiflichternd folgen Erklärungen und Illustrationen zur Photosynthese, zur Windbe-stäubung einhäusiger und zweihäusiger Bäume sowie zur Blütenbestäubung durch Insekten. Die Unterschiede zwischen Tief-, Flach- und Herzwurzlern, die wichtige Wasserregulationsfähigkeit des Waldbodens sowie die Entstehung der Jahresringe und noch einiges weitere zum Lebensraum Wald und seiner tierischen Mitbewohner runden „Die kleine Waldfibel“ ganzheitlich ab.

„Die kleine Waldfibel“ bietet übersichtliche Textinformationen, die durch die attrak- tiven Illustrationen anschaulich bereichert werden. Ergänzt um ein abwechslungs- reiches und klares Layout und eine leseangenehme Typografie auf schmeichelgriffigem 130 g/m²-Papier finden wir hier eine gelungene Kombination aus Gefühl (Gedichte), Verstand (Sachinformation) und buchstäblich-sinnlicher Buchgestaltung.

Dieses Sachbuch ist im Kinderbuchverlag „Kunstanstifter“ erschienen. Gleichwohl spricht es altersunabhängig jeden Waldliebhaber unmittelbar an und dürfte wegen der hochwertigen Ausstattung neben biophilen auch vielen bibliophilen Lesern gefallen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

Die kleine Waldfibel

 

Die Autorin & Illustratorin:

»Linda Wolfsgruber, geboren 1961 in Bruneck (Südtirol), lebt in Wien. Sie besuchte die Kunstschule in St. Ulrich in Gröden sowie die »Scuola del Libro« in Urbino und absol- vierte eine Ausbildung zur Schriftsetzerin und Grafikerin in München und Bruneck. Seit 1986 illustriert sie (Kinder-)Bücher. Darüber hinaus arbeitet Wolfsgruber seit den 1990er Jahren als Dozentin an der »Scuola di Illustration di Sarmede« und ist auch selbst als Autorin tätig.«

Die Buchgestalterin:

»Christiane Dunkel-Koberg, geboren 1969 in Linz an der Donau, aufgewachsen am Wald-rand, studierte Kunsterziehung und Textilgestaltung in Linz und Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Typografie in Kiel. Sie liebt alte Bäume, grüne Seen und ihre Arbeit als freie Grafikerin in Hamburg. Ihre Arbeit wurde von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.«

 

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Die königlichen Kaninchen von London

  • von Santa Montefiore und Simon Sebag Montefiore
  • Originaltitel: »The Royal Rabbits of London«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Claudia Müller
  • Band 1
  • Deutsche Erstausgabe
  • mit farbigen Illustrationen von Kate Hindley
  • WooW Books, August 2017  www.WOOW-Books.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 25,8 cm
  • 144 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 (A)
  • ISBN 978-3-96177-001-4
  • Vorlesebuch für Kinder ab 7 Jahren (laut Verlag)

K A N I N C H E N K R I E G E R

Kinderbuchverriß von Ulrike Sokul ©

Shylo Tawny-Tail, ein ängstliches, kleines schmächtiges Kaninchen mit einer roten Augenklappe (um sein Schielen zu korrigieren) lebt auf dem Lande, in der Nähe eines Bauernhofes. Er wird alltäglich von seinen großen, kräftigen und dementsprechend leistungsfähigeren (in Hinsicht auf Nahrungsbeschaffung) Geschwistern aufgezogen, gehänselt und gemein behandelt. Nur seine Mutter liebt ihn und sorgt sich um ihren Kümmerling.

Shylo ist zwar körperlich klein, aber geistig aufgeweckt, und er besucht regelmäßig heimlich ein altes Kaninchen, namens Horatio, das allein in einer etwas abgeschie- denen Wohnhöhle im Wald lebt und von den anderen Kaninchen gemieden wird. Horatio trägt zahlreiche Spuren schwerer alter Verwundungen und besitzt einen Spazierstock, in dem eine Schwertklinge verborgen ist. In Horatios Höhle gibt es viele Bücher, und der alte Kaninchen-Veteran liest Shylo gerne aus dem Buch „Aufstieg und Fall des Großen Kaninchen-Reichs“ vor. Die Anspielung auf das koloniale „British Empire“ ist dabei mehr als offensichtlich und beabsichtigt.

Durch Horatio erfährt Shylo von den „Königlichen Kaninchen von London“, einer streng geheimen Organisation von speziellen Kaninchen, die sich schon zur Zeit von König Arthur dem Schutz der Königlichen Familie verschworen hat. Damals lebten sie in einer Höhle unter Schloß Camelot, später zogen sie mit der königlichen Familie nach London um und bauten unter dem Buckingham-Palast ein Höhlensystem, das über diverse Geheimgänge und verborgene Türchen Zugang zu allem Palastzimmern bietet.

Zu den erklärten Todfeinden der Kaninchen gehören alle Ratten und Hunde. Zufällig kann Shylo im Wald ein Gespräch zwischen drei großen Ratten belauschen, die planen, in den Buckingham-Palast einzudringen und ein Foto von der Queen im Nachthemd zu schießen und dieses gewinnbringend an die Webseite „rattenscharfe-promis.com“ zu verkaufen.

Aufgeregt eilt Shylo zu Horatio und berichtet ihm davon. Horatio klärt Shylo darüber auf, daß es sich um sogenannte Papa-Ratzi-Ratten handele, die besonders böswillig und gefährlich seien. Und dann schickt er Shylo nach London mit dem Auftrag, die König- lichen Kaninchen über diesen hinterhältigen Plan zu informieren. Ausgestattet mit einem Geheimcode, einigen Verhaltensregeln bezüglich des Umgangs mit geheimen Kaninchenagenten und schwankend zwischen Angst und Abenteuerlust macht sich Shylo auf den Weg.

Er kommt heil in London an und findet Zugang zu den Königlichen Kaninchen, die über ein umfangreiches unterirdisches Höhlensystem verfügen. Tapfer trägt Shylo dem Generalissmo-Kaninchen Nelson vor, was er erfahren hat, und zu seinem Schrecken wird er auch sogleich in den Papa-Ratzi-Abwehrplan miteinbezogen.

Die Königlichen Kaninchen sind streng militärisch-hierarchisch organisiert und mit – wer hätte das gedacht – Kaninchen aus Amerika verbündet. Deshalb ist gerade ein Gast-Captain aus Amerika zugegen, ein weibliches Kaninchen namens Laser, dessen Arme in den Farben der amerikanischen Flagge eingefärbt sind. Mann, Mann, Mann, da weiß der erwachsene, demokratisch geschulte Leser doch gleich wieder, wer die Weltordnungs-kompetenz per se verkörpert, sogar noch in einer Inkarnation als Hoppelkaninchen.

Nun, um den heldenhaften Kampf um die Ehre der Queen abzukürzen: Shylo, Captain Laser und ein weiterer martialischer Kampfsoldat machen sich gemeinsam auf den Weg. Doch es ist schließlich der kleine Shylo, der ganz alleine die miesen Papa-Ratzi direkt in den palasteigenen Hundezwinger lockt, wo die Ratten von den Hunden zerfleischt werden. Kurz bevor sie sich zum Nachtisch auf Shylo stürzen, seilen sich zwei Königliche Kaninchen herab und retten Shylo vor den Hunden.

Der kleine Shylo ist nun der große Held, er wird dazu aufgefordert, sich der Eliteeinheit der Königlichen Kaninchen anzuschließen, er bekommt sein erstes rotes Pfoten-Abzeichen, eine Ehren-Medaille und eine Extra-Portion Selleriestangen. 

Doch jetzt mal Butter bei die Karotten: Was ist das für ein gewalttätiger, militanter, patriotismustriefender Kaninchendrill? Welche zweifelhaften Werte werden Kindern hier vermittelt? Freund und Feind sind von Anfang an plakativ-schwarz-weiß-malerisch festgelegt, die Kaninchen kämpfen für die übergeordnete Ehre der Königlichen Familie, sie sind edel, hilfreich und gut – mal abgesehen von Shylos rücksichtlosen Geschwistern – und Ratten und Hunde sind böse, egoistisch, ekelig, gefräßig, gierig, häßlich und abstoßend.

Gänzlich unerträglich finde ich zudem diese demonstrative NATO-Propagan- da im Kinderbuchformat. Wer nun meint, ich sähe das zu streng, den ver- weise ich auf den zweiten Band dieser Buchreihe, in dem die Königlichen Kaninchen verhindern wollen, daß der amerikanische Präsident bei seinem Staatsbesuch in London von den Papa-Ratzi-Ratten medial lächerlich ge- macht wird. Ja, geht’s auch mit ein bißchen weniger anglo-amerikanischer Bündnis-Anschmiegsamkeit?

Nachfolgend noch ein kleines Zitat zum Beweis des aufdringlichen NATO-Überheblichkeitsfaktors dieses Kinderbuches: „Jetzt ist Amerika das mächtigste Land in der Menschen-Welt, und die amerikanischen Kaninchen sind die Mächtigsten in der Kaninchen-Welt.“ (Seite 14)

Ich kann von diesem kaninchenkriegerischen, nato-propagandistischen Kinderbuch nur lebhaft abraten!

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.w1-media.de/produkte/die-koeniglichen-kaninchen-von-london-bd-1-491

Die Autoren:

»Simon Sebag Montefiores Bücher wurden bereits in über 45 Sprachen übersetzt – viele davon sind weltweit Bestseller. Sowohl für seine Romane als auch für seine Sachbücher hat Montefiore schon zahlreiche literarische Auszeichnungen erhalten.«
»Santa Montefiore wurde 1970 geboren und wuchs in Hampshire (England) auf. Sie ist eine international erfolgreiche Autorin und mit dem Historiker Simon Sebag Montefiore verheiratet. Die beiden wohnen mit ihren zwei Kindern Lily und Sasha in London.«

Die Übersetzerin:

»Claudia Müller studierte Anglistik und Germanistik an der Universität Göttingen. Nach dem Studium war sie in verschiedenen Kinder- und Jugendbuchverlagen als Lektorin tätig. Seit 2016 arbeitet sie als Programmplanerin bei einem Verlag sowie als freie Lektorin und Übersetzerin. Sie lebt in Hamburg und reist so oft es geht nach England, wo sie auch ein Jahr lang gelebt hat. Als sie bei ihrem letzten Londonbesuch durch den Green Park spazierte, hatte sie das Glück, einige der Königlichen Kaninchen mit eigenen Augen zu sehen. Ihre Geschichte ins Deutsche zu übersetzen, war ihr ein großes Vergnügen.«

Die Illustratorin:

»Kate Hindley ist eine talentierte junge Illustratorin, die 2008 ihr Studium an der Falmouth-Kunstakademie abgeschlossen hat. Kate lebt in Worcestershire.«

 

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Petronella Apfelmus Das Adventskalenderbuch

  • Text von Sabine Städing
  • Illustrationen von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2019 www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • 112 Seiten
  • 10,00 €
  • ISBN 978-3-414-82547-6
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

APFELMUSIGER  WEIHNACHTSVORGESCHMACK

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nicht jeder kann eine sympathische Apfelhexe wie Petronella Apfelmus in seiner un- mittelbaren Nachbarschaft haben. Indes kann sie uns dank des vorliegenden Advents- kalenderbuches zauberhafte Impulse für eine dekorative, rätselraterische, ausma- lerische, gemütliche und schmackhafte Vorweihnachtszeit vermitteln.

Auf vierundzwanzig Doppelseiten, deren vorperforierte rechte Seitenversiegelung sich kinderleicht von Adventskalendertag zu Adventskalendertag öffnen läßt, wird in diesem Buch adventswartezeitverkürzende Unterhaltung und Kinderbeschäftigung geboten.

Aufgewartet wird mit fünf neuen Geschichten, die mit dem aus den Petronella-Apfel- muserzählbänden (siehe die entsprechenden Linkhinweise am Ende dieser Buchbesprech- ung) bereits vertrauten zauberhaften Geschichtenpersonal um das Thema Weihnachts- vorbereitungen und –Überraschungen kreisen. Für Abwechslung sorgen appetitliche Backrezepte (Apfelplätzchen, Lebkuchen-Muffins, Bauernbrot- und Gänsefüßchen- plätzchen …), verhexte Zahlenrätsel, Suchbild-, Labyrinth- und Kreuzworträtsel, Nono- gramme, Ausmalseiten, geheime Runenalphabet-Botschaften, die zu entschlüsseln sind, Bastelanleitungen für ein Daumenkino, ein Naturmobile, ein Eichelhütchen-Memory-Spiel, winterliche Duftsäckchen und Weihnachtskarten …

Das Petronella-Apfelmus-Adventskalenderbuch bietet zauberhaft-verspielte Kinderbe-schäftigung und ebenso sinnlich-genüßliche wie analog-denknüßliche Anregungen. Die augenzwinkernd heiteren Illustrationen von Sabine Büchner geben den menschlichen und märchenhaften Figuren wie immer einfühlsam Gestalt, und sie sparen auch keineswegs mit weihnachtlichen Dekorelementen.

PS:
Ich habe nur eine Kleinigkeit zu kritisieren: Bei der Bastelanleitung für die Weihnachts- karten wird die Verwendung von Sekundenkleber empfohlen – das ist ein Klebstoff, den ich Kinder höchstens unter strengen Sicherheitsvorkehrungen benutzen lassen würde. Wer schon mal das Drama miterlebt hat, wie zwei Kinderfingerchen unfreiwillig durch Sekundenkleber fixiert waren, läßt fürderhin buchstäblich die Finger von diesem Kleber. Ich denke, mit Tapetenkleister oder Papierklebestift läßt es sich gefahrloser kleben und fixieren.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-das-adventskalenderbuch/id_7538903

Querverweis:

Das Adventskalenderbuch läßt sich noch ergänzen durch „Petronella Apfelmus – Mein weihnachtliches Back- und Bastelbuch“, das voriges Jahr erschienen ist: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/06/petronella-apfelmus-mein-weihnachtliches-back-und-bastelbuch/

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

Hier finden Sie zum ersten Band der Erzählreihe von Petronella Apfelmus:
Verhext und festgeklebt
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Hier zum zweiten Band:
Zauberschlaf und Knallfroschchaos
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Zum dritten Band:
Schneeballschlacht und Wichtelstreiche
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Zum vierten Band:
Zauberhut und Bienenstich
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Zum fünften Band:
Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/
Zum sechsten Band:
Schnattergans und Hexenhaus
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/10/30/petronella-apfelmus-band-6/

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Petronella Apfelmus, Band 6

  • Schnattergans und Hexenhaus
  • von Sabine Städing
  • illustriert von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2018  www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 13,00 €
  • ISBN 978-3-414-82514-8
  • Kinderbuch ab 8 Jahren zum Selberlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen

MILCHSTRASSENSTREUSEL  &  HEIDELBÄREN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Zwillinge Lea und Luis Kuchenbrand haben ein zauberhaftes Geheimnis; seit sie mit ihren Eltern in das alte Müllerhaus mit dem schönen halbverwilderten Garten gezogen sind, pflegen sie eine außergewöhnliche Freundschaft mit Petronella Apfelmus, der Hüterin der alten Apfelbäume. (Siehe meine Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/ )

Die Eltern halten Petronella für eine etwas schrullige Nachbarin; nur die Kinder wissen, daß Petronella eine Apfelhexe ist. Gerne besuchen sie Petronella und ihren Freund und Mitbewohner, den Hirschkäfer Lucius, in ihrem Wohnapfel. Mit Hilfe von Petronellas magischer Strickleiter wird man nämlich beim Hinaufklettern immer kleiner und paßt schließlich bequem in einen Apfelinnenraum, und beim Hinabklettern wächst man wieder in seine normale Größe zurück. Außerdem sind sie auch vertraut mit den kleinen ebenso fleißigen wie eigenwilligen Apfelmännchen, die Petronella bei der Pflege des großen Gartens helfen.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Im vorliegenden Band berichten Lea und Luis Petronella freudestrahlend, daß sie in den Sommerferien Urlaub auf einem Bauernhof in der Heide machen werden. Da es schon bald losgeht, bitten sie Petronella, sich während ihrer Abwesenheit um ihre kleine Hühnerschar zu kümmern. Dies ist für Petronella eine leichte Übung, zumal sie mit allen Tieren sprechen kann. Für die Reise gibt sie den Kindern Milchstraßenstreusel mit, damit sie bei Bedarf den schnellsten Weg zur nächstgelegenen Hexe finden. Denn wie es der Zufall will, wohnt Petronellas Cousine Erika, raffiniert versteckt, in einem Hexen- häuschen in der Heide.

Lea und Luis fühlen sich auf dem Bauernhof schnell heimisch. Lea begeistert sich für die vielen Tiere und freundet sich besonders mit den beiden zutraulichen Gänsen Frida und Fritz an. Luis hofft, daß er einmal auf dem Traktor mitfahren darf, und der freundliche Sohn von Bauer Erdmann will dies für ihn arrangieren.

Alles wäre wunderbar, wenn da nicht die Ferienwohnungsnachbarn, die Familie Brumm-mund mit ihren beiden sehr nervigen Kindern, wären. Schon kurz nach der Ankunft auf dem Bauernhof machen Lea und Luis unangenehme Bekanntschaft mit Rita und Knut Brummmund, die nicht nur gerne andere Kinder ärgern, sondern sich auch bei den Tieren rücksichtslos austoben – wobei zu erwähnen ist, daß sich Lea und Luis durchaus zu wehren wissen.

Petronella kämpft derweil ihre eigenen Kämpfchen aus, denn sie hat für einige schwere-re Gartenarbeiten einen Gartenzwerg engagiert, und es bedarf einiger diplomatischer Verhandlungen, bis die dramatischen Mißverständnisse und unterschiedlichen gärt- nerischen Auffassungen zwischen Apfelmännchen und Zwerg harmonisiert sind.

Die Bauernhof-Feriengäste nehmen an einer typischen Heidekutschfahrt teil und pflücken bei dieser Gelegenheit an der Rast- und Picknickstelle eifrig Heidelbeeren. Rita und Knut spielen mit einem Brennglas und entfachen auf dem trockenen Waldboden ein Feuer, das mit den vereinten Kräften der Familie Kuchenbrand und der Kutscher gerade noch gelöscht werden kann. Lea und Luis sind empört, zumal die kleinen Brandstifter trotz der elterlichen Strafpredigt keineswegs Reue erkennen lassen.

Nach der Rückkehr zum Bauernhof beäugt Lea mißtrauisch das weitere Verhalten der nachbarlichen Quälgeister. Alle haben in diversen Gefäßen Heidelbeeren mitgebracht, und die Quälgeist-Geschwister haben u.a. eine kleine Bonbondose mit Heidelbeeren auf ihrer Terrasse liegengelassen. Lea bemerkt, daß sich diese Dose bewegt. Als sie heimlich mit Hilfe ihres wohlweislich mitgebrachten Feensteins in diese Dose schaut, zeigt sich ihr ein kleines dickliches, blaues Wesen. Gemeinsam mit Luis beschließt sie, daß nun guter Hexenrat gefragt ist.

In der Nacht finden die Kinder dank Petronellas Milchstraßenstreusel auf geheimnis- vollen Pfaden Cousine Erika, und diese verhilft den Kindern zu einem informativen, zauberhaft kabellosen Telefongespräch mit Petronella. So erfahren sie, daß ein echter Heidelbär also ein Heidelbeeren-Pflanzenschutzgeist in die Sammeldose geraten ist. Nun müssen Lea und Luis einen Plan aushecken, um diesen Heidelbären zu retten.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Da die schrecklichen Feriennachbarn mit den Vorbereitungen für ihre Abreise sehr abge-lenkt sind, gelingt es Lea und Luis, die Dose mit dem Heidelbären zu entwenden. Doch kurz vor der Abfahrt kaufen die Brummmunds zwei Gänse vom Hof, die Herr Brumm-mund für seine Jubiläumsfeier als Gänsebraten haben möchte. Ausgerechnet Rita und Knut dürfen diese Gänse auswählen, und sie entscheiden sich hämisch für die beiden Gänse, mit denen sich Lea und Luis angefreundet haben.

Doch da haben die Fieslinge die Rechnung ohne Petronella Apfelmus gemacht, deren hexenbesengeschwinde Interventionen ebenso den Heidelbären wieder zu seinen Heidelbeersträuchern expediert, wie sie die Gänse dazu überredet, zum Müllerhaus und zum dazugehörigen Mühlteich zu fliegen, um dem Schicksal als Gänsebraten erfolgreich zu entfleuchen.

Als die Kuchenbrands gut erholt aus dem Urlaub zurückkehren, staunen die Eltern über die beiden Gänse, die sich in ihrem Garten niedergelassen haben, und Lea und Luis freuen sich mitwisserisch und dankbar über dieses lebendige Andenken an ihren Urlaub auf dem Bauernhof.

Die Autorin Sabine Städing erzählt auch den sechsten Band von Petronella Apfelmus in leichtem, heiterem Tonfall mit spielerischem Tiefsinn, an- schaulicher Dramaturgie und großer Warmherzigkeit. Phantasievolle Details und lustige gereimte Zaubersprüche runden das Lese- und Vorlesevergnügen apfelmusisch ab.

Die knuffigen Schwarz-weiß-Illustrationen von Sabine Büchner greifen den heiteren Tonfall auf und übertragen ihn in spannende und märchenhafte Szenerien mit detailgetreuen amüsanten Charakterzeichnungen.

Beiläufig vermittelt jedes Petronella-Abenteuer zudem Achtsamkeit und Respekt für die Natur und ihre sichtbaren und unsichtbaren Gaben. Alle Probleme werden mit kommunikativer Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Zivilcourage sowie einigen Prisen magischer Nachhilfe gemeistert.

Die Petronella-Apfelmus-Buchreihe ist einfach buchstäblich und illustra- torisch apfelrundherum gelungen und vermittelt Kindern zauberhaft-vergnügliche, naturverbundene und lebenswertvolle Herzensbildung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_6434114

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-schnattergans-und-hexenhaus/id_6434174

 

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Hier finden Sie zum ersten Band von Petronella Apfelmus:
Verhext und festgeklebt

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Hier zum zweiten Band:
Zauberschlaf und Knallfroschchaos

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Zum dritten Band:
Schneeballschlacht und Wichtelstreiche

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Zum vierten Band:
Zauberhut und Bienenstich

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Zum fünften Band:
Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/
Zum siebten Band:
Hexenfest und Waldgeflüster
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/04/29/petronella-apfelmus-band-7/

Hier entlang zum apfelmusigen weihnachtlichen Back- und Bastelbuch mit Petronella:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/06/petronella-apfelmus-mein-weihnachtliches-back-und-bastelbuch/
Petronella Apfelmus: Das Adventskalenderbuch (WEIHNACHTEN, KINDERBUCH)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/12/01/petronella-apfelmus-das-adventskalenderbuch/

 

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

 

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Ein Baum für Tomti

  • von Nina Blazon
  • mit Bildern von Karin Lindermann
  • Carlsen Verlag, August 2019 www.carlsen.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 144 Seiten
  • Format: 17,30 x 24,50 cm
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-551-65018-4
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

B A U M F R E U N D E

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Familie Lindemann, bestehend aus Mutter, Vater und den Töchtern Maja und Finja sowie den beiden Wellensittichen Nelly und Nelson, wohnt in der Stadt, in einem Hochhaus. Seit kurzem sind in der Nacht seltsame Geräusche aus der Küche zu hören, oft liegen verstreute Lebensmittel herum, und stets steht die Käfigtür der Wellen- sittiche offen, aber immer wenn die Eltern nachschauen, ist niemand zu sehen.

Maja, die ältere der beiden Lindemann-Töchter, schleicht sich in der nächsten Nacht heimlich in die Küche, lauscht und schaltet den Lichtschalter an – und siehe da: sie er-wischt einen kleinen grüngewandeten Jungen mit einer Jacke aus Gras, einer Mütze aus Moos und Schuhen aus Birkenrinde, der sie vor Schreck erst einmal mit den Walnüssen bewirft, die er aus einer Schale vom Küchentisch geklaubt hat. Der Junge hält Maja in ihrem langen Nachthemd für ein Gespenst, doch es gelingt ihr, den fremden Jungen zu beruhigen und ihn ins Kinderzimmer mitzunehmen.

Majas kleine Schwester Finja fragt den Jungen, wer er denn sei, und dieser antwortet, er sei ein Baumgeist und er heiße Tomti. Dann fängt er an zu weinen und erzählt, daß er aus seinem Heimatbaum habe fliehen müssen, sich den Kopf angeschlagen und sich plötzlich in einer Zimmerpalme wiedergefunden habe. Dort habe er sich eine ganze Weile – leider etwas unbequem, da dies nicht seine angestammte Baumart sei – versteckt, und als er sich endlich herausgetraut habe, hätten ihm die Wellensittiche gesagt, daß er sich nun in der Höhle von federlosen Riesen befinde. Außerdem habe er seinen Nachnamen vergessen und wisse nicht mehr, von welchem Baum er abstamme.

Finja ist entzückt, daß Tomti mit Tieren sprechen kann, und Tomti ist verwundert darüber, daß die Schwestern Lindemann nicht von einer Linde, sondern von Eltern abstammen – ein Fortpflanzungskonzept, das sie dem kleinen Baumgeist erst einmal erklären müssen.

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Maja und Finja versprechen Tomti, ihn bei der Suche nach dem richtigen Baum tat- kräftig zu unterstützen. Da sich Tomti unsichtbar machen kann und in Zukunft kein Chaos mehr in der Küche veranstalten wird, fällt den Erwachsenen der botanische Untermieter nicht weiter auf.

Gemeinsam mit Majas bestem Freund Konrad fangen sie gleich schon am nächsten Nachmittag an, die Stadt nach einem Baum für Tomti zu durchstreifen. Tomti ist ganz eingeschüchtert von den vielen kalten, grauen Flächen, den stinkenden Autos und dem Lärm der Stadt. Konrad peilt einen großen Baum – eine Platane – auf einer Verkehrsinsel an. Doch nach kurzer Inspektion befindet Tomti, daß diese Baumwohnung viel zu laut für ihn sei.

In den folgenden Monaten besuchen und kartographieren die Kinder nach und nach die Bäume in der Nachbarschaft. Tomti erklärt fachbaumgeistig, daß man erst mit Hilfe eines Borkenklopfers feststellen muß, ob ein Baum bereits bewohnt sei. Ist der Baum noch frei, dann schlüpft man als Baumgeist einfach in den Baum hinein und bewohnt ihn. Baumgeister können sich zwar frei im Raum bewegen, aber sie brauchen den Aufenthalt im Baum für ihr Wohlbefinden. Immer wenn Tomti zu lange draußen bleibt, bekommt er juckenden Grüntau-Ausschlag.

Durch die Suche nach dem passenden Baum und die Erklärungen Tomtis zu den Lebens-bedingungen von Bäumen lernen die Kinder viele Baumarten kennen, u.a. Birke, Gingko, Hasel, Holunder, Kastanie, Linde, Pappel, Tanne, Ulme und Zaubernuß.

Dank eines Schrumpfungs-Zauberspruchs kann Tomti seine Freunde mit ins Innere der Bäume nehmen, und sie machen auch Besuche bei bereits bewohnten Bäumen und lernen einige sehr eigenwillige Baumgeistpersönlichkeiten kennen.

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Birgid Birkenblank, die strenge Hüterin einer kleinen Gruppe von Birken, nimmt es mit der Sauberkeit sehr ernst und bietet Tomti einen Platz in einer der kleineren Birken an, wenn er sich als Baumputzhilfe nützlich machen wolle. Das ist nicht nach Tomtis Geschmack und auch bestimmt nicht die richtige Baumart für ihn.

Nachdem die Suche bei den Stadtbäumen ergebnislos verlaufen ist, besuchen die Kinder übers Wochenende Konrads Tante und Onkel, die eine halbe Autostunde entfernt in einem Dorf auf dem Lande leben.

Dort lernen sie auf einer Streuobstwiese Mela Apfelrot kennen, die Tomti gerne als Apfelpolierer oder Wurmzähler in die Apfelbaumgemeinschaft aufnehmen würde. Dies ist dem kleinen Baumgeist jedoch entschieden zu durchorganisiert und frühaufsteherisch.

Holla Holundra, die heilsame Hüterin des Holunders, der hinter dem Wohnhaus von Konrads Verwandten wächst, erscheint um Mitternacht auf der Fensterbank von Majas Zimmer und lobt ihr fürsorgliches Verhalten gegenüber Tomti und ihrer kleinen Schwester. Per Eingebung sorgt Holla Holundra dafür, daß Konrads Tante am nächsten Morgen Holunderküchlein aus Holunderblütendolden zum Frühstück serviert. Diese Holunderküchlein schmecken lecker, und sie lindern Konrads Pollenallergie, Finjas Bren-nesselbeulen und Tomtis Grüntau-Juckreiz, was Maja zu einem wissenden Lächeln und einem leisen Dankeschön in Richtung Holunderstrauch veranlaßt.

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Geradezu ritterlich geht es bei Knut von Kastanius zu, denn der Kastanienbaumgeist, dessen ehrwürdige Bekanntschaft sie während eines Familienpicknicks im Wald machen, trägt eine stachelige Kastanienschalenrüstung und begrüßt die Kinder mit folgenden Worten. „Und was suchen vier kleine Grünlinge wie ihr in meiner Festung?“ (Seite 110)

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Schließlich finden sie im Wald eher zufällig als absichtlich den richtigen Baum für Tomti. Welcher das ist, wird hier natürlich nicht verraten, denn dies ist die Frage, die in der sich an die Buchbesprechung anschließenden Verlosung* beantwortet bzw. erraten werden kann.

Nina Blazon ist mit „Ein Baum für Tomti“ eine einfühlsame, phantasievolle, spannende und vergnügliche Verflechtung von Naturbegeisterung, Wissensvermittlung und kindlich-zwischenmenschlichen Wachstumsschritten gelungen. Die botanischen und zoologischen Informationen fließen beiläufig in die Handlung ein und greifen oft Details auf, die bestimmt das Interesse von Kindern wecken, z.B. das Gingko-Bäume schon den Dinosauriern Gesellschaft geleistet haben und daß sie, obwohl sie Blätter tragen, zu den Nadelbäumen zählen.

Die faszinierende Personifizierung der Natur durch den liebenswerten kleinen Baum- geist Tomti ist gut geeignet, kindliches Mitgefühl und Verständnis für Mitlebewesen und ihre natürlichen Bedürfnisse zu fördern und zu vertiefen.

Die schönen, ebenso naturgetreuen wie heiter-verspielten Illustrationen von Karin Lindermann (Nomen est omen!) begleiten die Geschichte harmonisch und bereichern sie um stimmungsvolle Szenenbilder.

Ergänzt wird die Geschichte zudem um einige allgemeine Sachinformationen zu Bäumen und Sträuchern, Borke und Rinde, Baumgeschlecht, Wurzeltelefon und Wasserbedarf sowie eine kleine Baumschule, die zweiundzwanzig Baumarten kurz und bündig botanisch beschreibt. Karin Lindermann hat dazu alle Bäume illustriert und zeigt sie in ihrer arttypischen Baumgestalt und mit der dazugehörigen Blattform und Baumfrucht.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.carlsen.de/hardcover/ein-baum-fuer-tomti/109258

 

Als hörenswertes Hörbuch gibt es „Ein Baum für Tomti“ ebenfalls – in einer von herb bis zart und laut bis leise erstaunlich wandelbaren rindenrauhen Stimmklaviatur lebhaft und warmherzig gelesen von Katharina Thalbach.

  • Nina Blazon                                                                                                      
  • Ein Baum für Tomti
  • ungekürzte Lesung
  • von Katharina Thalbach
  • Laufzeit ca. 152 Min.
  • 2 DCs in Pappklappe
  • Silberfisch Hörbuch Hamburg
  • August 2019 www.silberfisch-hoerbuch.de
  • 13,00 € (D), 14,60 € (A)
  • ISBN 978-3-7456-0102-2
  • Hörbuch ab 6 Jahren

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/blazon-ein-baum-fuer-tomti-4878/

 

ACHTUNG: HIER GIBT ES EINE VERLOSUNG!*

Wer mag, kann gerne auf der Kommentarebene raten, welcher Baum denn Tomtis Herkunftsbaum ist, und auch Ideen für einen passenden Nachnamen für Tomti kundtun. Als kleine Hilfestellung weise ich nur dezent darauf hin, daß Tomtis Stammbaum zu den nordischen Nadelgehölzen gehört.

Wer in den nächsten drei Tagen miträtselt, kommt in den Lostopf für die Verlosung eines Hörbuch-Exemplars von „Ein Baum für Tomti“. In 72 Stunden werde ich dann hier die Lösung verkünden und per E-Post oder Kommentar den Gewinner informieren.

Und hier folgt nun die Auflösung:

Tomtis vollständiger Name lautet Tomti Tannson, sein Stammbaum ist also eine Tanne.

 

Die Autorin:

»Nina Blazon studierte Germanistik und Slawistik und arbeitete als Journalistin und Texterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Heute schreibt sie Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und liebt es, in ihrer Freizeit lange Wanderungen im Wald zu machen. Wenn sie ein Baumgeist wäre, würde sie am liebsten in einem Walnußbaum leben, weil sie Eichhörnchen liebt und Walnußtorte liebt.«

Die Illustratorin:

»Karin Lindermann studierte Design mit Schwerpunkt Illustration in Münster. Sie arbeitet als Lehrerin und als freie Illustratorin – sie liebt jede Art von Grünzeug! Wenn sie ein Baumgeist wäre, würde sie am liebsten in einer alten Dorflinde leben, dann wäre um sie herum immer etwas los (und sie hätte von ganz oben eine tolle Aussicht).«

 

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Tischsets für kleine Küchenkünstler

  • von Marion Deuchars
  • Originaltitel: »Let‘s make some great Placement Art«
  • Übersetzung von Christine Schnappinger
  • Knesebeck Verlag, Februar 2014   www.knesebeck-verlag.de
  • Malblock
  • mit 9 Motiven in vierfacher Ausführung
  • Format: 37 x 26 cm
  • 36 Seiten
  • ablösbare Klebebindung
  • ISBN 978-3-86873-695-3
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • MALBLOCK ab 6 Jahren

M A L R E Z E P T E

Besprechung von Ulrike Sokul ©

Mit den „Tischsets für kleine Küchenkünstler“ werden Kinder mit Stift und Phantasie zu Tisch gebeten. Neun Malvorlagen, die lustige kulinarische und künstlerische Malanre- gungen und viel Spielraum für freies Zeichnen lassen, laden Kinder dazu ein, ihr Lieb- lingsessen zu malen, sich am Lächeln der Mona Lisa zu versuchen, neue Nudelformen nebst eigenen Nudelnamenskreationen auszudenken, Säulen und leere Fenster- öffnungen sowie Sprechblasen mit malerischem Leben zu füllen und sich Speisen und Besteck für Astronauten, Außerirdische, Wölfe usw. auszumalen. Eine anschauliche Anleitung zum Vogelzeichnen aus einfachen geometrischen Grundformen, nebst Vorbildern für mimische Ausdrucksvarianten, runden die köstliche Kombination aus Kulinarik und Kunst schmackhaft ab.  

Neun verschiedene Motive in jeweils vierfacher Ausführung bieten 36 Kindern ein animierendes Malblatt, das anschließend wahlweise als Bild oder Tischset Verwendung finden kann. Damit kann man Kindern das Warten aufs Mittagessen versüßen oder ihnen eine kreative Verdauungspause lassen, und kleine Kindergeburtstagsgäste können sich solcherart auch eine gute Weile selbst beschäftigen.

Text & Illustration von Marion Deuchars © Knesebeck Verlag 2014

Darüber hinaus lassen sich diese Malrezepte in der Grundschule fächerübergreifend in eine Unterrichtseinheit zum Thema Ernährung einfügen. Und als Kinderbeschäftigung in Restaurants wären diese Tischsets gewiß auch eine willkommene Ablenkung und ein wohlbekömmliches Mittel gegen unausweichliches Wartezeiten-Gequengel.

„Tischsets für kleine Küchenkünstler“ nährt die kindliche Vorstellungskraft, macht Appetit auf Phantasie und analoges Malen und Zeichnen und würzt das kreative Menü beiläufig mit einigen Prisen Kunstgeschichte.


Hier entlang zum Tischset-Ausmalblock und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

https://www.knesebeck-verlag.de/tischsets_fuer_kleine_kuechenkuenstler/t-1/315

Die Autorin und Illustratorin:

»Marion Deuchars hat Illustration und Grafik studiert. Sie arbeitet für internationale Design-und Werbeagenturen. Bekannt wurde Sie durch ihre Mitmach-Kinderbücher zum Thema Kunst. Bei Knesebeck ist bereits „Fingerprints“ (2013) https://www.knesebeck-verlag.de/fingerprints/t-1/1  erschienen.«

 

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Als Nino fast in den Zirkuswagen zog

  • von Sigrid Zeevaert
  • Illustrationen von Julie Völk
  • Gerstenberg Verlag Juni 2018 http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Format: 16 x 21,5 cm
  • 176 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A), 18,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5607-9
  • zum Selberlesen ab 7 Jahren
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren

K I N D E R L E I C H T – K I N D E R S C H W E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nino ist das jüngste Kind unter vier Geschwistern. Flori, sein nur vierzehn Monate älterer und nur vier Zentimeter größerer  Bruder, behandelt Nino oft, als wäre er noch kleiner und jünger als er ist, und auch seine beiden älteren Schwestern, Mira und Jana, bezeichnen ihn manchmal als „Mamakind“, weil er recht schnell weint und naiver ist als die großen Kinder.

Während sich Flori oft draufgängerisch, großspurig, sportlich und risikobereit verhält, ist Nino empathisch, vorsichtig, rücksichtsvoll und sehr sensibel. Da sich die beiden Brüder ein Zimmer teilen, gibt es immer wieder Reibereien zwischen ihnen, und Flori äußert neuerdings sogar ausdrücklich den Wunsch nach einem eigenen Zimmer für sich alleine.   

Die Eltern verkünden beim familiären Abendbrot, daß ihnen Großtante Ella ihren Zirkus-wagen geschenkt habe. Großtante Ella ist Künstlerin und Buchillustratorin, und sie hat sich früher gerne zum Malen in diesen Zirkuswagen zurückgezogen. Doch inzwischen ist sie alt, braucht mehr Unterstützung im Lebensalltag, und zieht deshalb in ein Senioren-heim und trennt sich von Dingen, die sie nicht mehr braucht.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Die Kinder sind begeistert von der Aussicht, bald einen echten Zirkuswagen im eigenen Garten stehen zu haben. In der Schule erzählt Nino sofort seinem Freund Joshua davon und lädt ihn ein, in den nächsten Tagen einmal bei ihm im Zirkuswagen zu spielen.

Als Joshua Nino besucht, hat Flori den Zirkuswagen schon mit zweien seiner Fußball-freunde „besetzt“, und die Rabauken lehnen es ab, mit den „Kleinen“ zu spielen. Nino zieht sich gekränkt mit Joshua ins Kinderzimmer zurück und leiht ihm später den voll-automatischen Sattelschlepper seines Bruders, ohne dafür um Erlaubnis zu fragen.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Nicht zum ersten Mal denkt Nino darüber nach, wie es wäre, keinen Bruder zu haben und ganz alleine zu leben. Doch dann ist er gleichwohl wieder ganz anhänglich, denn Flori ist schließlich nicht immer gegen ihn, sondern auch oft zugewandt-brüderlich. So beschließen die beiden, am Wochenende zusammen im Zirkuswagen zu übernachten. Nachdem die Eltern und die Schwestern ihnen gute Nacht gesagt haben, sind die Brüder ganz alleine im Dunkeln, und eine Menge ungewohnter, unheimlicher Nachtgeräusche sorgen für Aufregung. Diesmal ist jedoch Nino der Mutigere, und er besteht darauf, daß sie nicht ins Haus zurückgehen; und schließlich schläft Nino ein und träumt lebhaft von Tante Ella.

Am nächsten Morgen stellt Nino fest, daß er alleine im Zirkuswagen liegt und sein Bruder sich heimlich wieder ins Haus geschlichen hat. Erstaunt bemerkt Nino, daß Flori offenbar nicht so groß und mutig ist, wie er immer behauptet. Als Nino zum Frühstück ins Haus kommt, ist Flori verheult und verstimmt, da die Eltern mit ihm geschimpft haben, weil er Nino in der Nacht einfach im Stich gelassen hat.

Da angesichts der momentanen familiären Stimmung nicht mit spielfreudigen Ge-schwistern zu rechnen ist, macht Nino einen Spaziergang zum Park. Er braucht sowieso etwas Abstand, um seine Gedanken zu ordnen und sich an sein neues mutiges Selbst-bewußtsein zu gewöhnen. So geht er – von Betrachtungen über seine Unabhängigkeit und Selbstgenügsamkeit beflügelt – viel weiter als geplant und verläuft sich prompt.

Da wird es ihm doch mulmig, und ein paar Tränen kann er nicht zurückhalten. Zwei Passanten erklären ihm freundlich den Rückweg. Zwar ist Nino unsicher, ob er sich die Hinweise richtig merken kann, aber er ist wild entschlossen, es alleine zu schaffen. Dennoch ist die Erleichterung groß, als er seine Schwester Mira und seinen Bruder Flori sieht, die schon nach ihm gesucht haben und sich aufrichtig freuen, daß sie ihn endlich wiedergefunden haben.

Einträchtig gehen sie nach Hause, und Nino findet es schön, nicht mehr alleine unter- wegs zu sein. Später planen sie, für den 16. Geburtstag der älteren Schwester Jana Zirkuskunststücke einzuüben und sie mit einer echten Zirkusaufführung zu über- raschen. Ninos Freund Joshua darf auch mitmachen und einige seiner Zaubertricks zeigen …

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Dieses Kinderbuch behandelt sehr einfühlsam und familienszenisch-anschaulich die Themen Geschwisterliebe und Geschwisterrivalität, Streit und Versöhnung, Angst und Mut, Bindungsbedürfnisse und Freiheitsbedürf- nisse, familiäre Anhänglichkeit und Geborgenheit, Freundschaft, zwischen- menschliche Abgrenzung und das Zusammenspiel unterschiedlicher Temperamente sowie emotionale Reifungsschritte.

Die nostalgisch-zärtlichen, mit verspielten Details angereicherten Schwarz-weiß-Illustrationen von Julie Völk begleiten und untermalen den Text harmonisch und geben den Figuren kindgerechte Gestalt.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Wir erlesen hier Familienalltagsleben. Abgesehen von der Requisite Zirkus- wagen geschieht nichts Spektakuläres, und doch macht Nino elementare, bedeutungsvolle Erfahrungen, die den Radius seines Herzens über den rein familiären Bezugskreis hinaus erweitern. Der Autorin Sigrid Zeevaert gelingt mit leichten Worten, einfachem Satzgefüge und lebhaften Dialogen eine glaubwürdige und anrührende, ebenso schmunzlerische wie ernsthafte erzählerische Darstellung kindlicher Bedürfnisse, Entwicklungsspielräume, Gefühle und Gedanken.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836956079

 

Die Autorin:

»Sigrid Zeevaert lebt mit ihrer Familie in Aachen. Schon während des Studiums begann sie mit dem Schreiben; ihre Kinder- und Jugendbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk erhielt sie den Friedrich-Bödecker-Preis. Bei Gerstenberg ist von ihr außerdem das Kinderbuch „Annabel und Anton – Tür an Tür in Haus Nr. 9“ erschienen.« www.sigridzeevaert.de

Die Illustratorin:

»Julie Völk, geb. 1985 in Wien, wuchs im ländlichen Niedersachsen auf. Sie studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihr Debüt Das Löwenmädchen ist gleich mit dem Nachwuchspreis Serafina und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis 2015 ausgezeichnet worden. Für ihr zweites Bilderbuch Guten Morgen, kleine Straßenbahn! erhielt sie den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2017. Die Künstlerin lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich.« www.julievoelk.de

Querverweis:

Hier entlang zu „Annabel und Anton – Tür an Tür in Haus Nr. 9“, einem weiteren Kinderbuch von Sigrid Zeevaert, das einfühlsam und humorvoll von einer neuen Kinderfreundschaft durch nachbarschaftlichen Zuzug zu erzählen weiß. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/04/30/annabel-und-anton/

 

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