Tischsets für kleine Küchenkünstler

  • von Marion Deuchars
  • Originaltitel: »Let‘s make some great Placement Art«
  • Übersetzung von Christine Schnappinger
  • Knesebeck Verlag, Februar 2014   www.knesebeck-verlag.de
  • Malblock
  • mit 9 Motiven in vierfacher Ausführung
  • Format: 37 x 26 cm
  • 36 Seiten
  • ablösbare Klebebindung
  • ISBN 978-3-86873-695-3
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • MALBLOCK ab 6 Jahren

M A L R E Z E P T E

Besprechung von Ulrike Sokul ©

Mit den „Tischsets für kleine Küchenkünstler“ werden Kinder mit Stift und Phantasie zu Tisch gebeten. Neun Malvorlagen, die lustige kulinarische und künstlerische Malanre- gungen und viel Spielraum für freies Zeichnen lassen, laden Kinder dazu ein, ihr Lieb- lingsessen zu malen, sich am Lächeln der Mona Lisa zu versuchen, neue Nudelformen nebst eigenen Nudelnamenskreationen auszudenken, Säulen und leere Fenster- öffnungen sowie Sprechblasen mit malerischem Leben zu füllen und sich Speisen und Besteck für Astronauten, Außerirdische, Wölfe usw. auszumalen. Eine anschauliche Anleitung zum Vogelzeichnen aus einfachen geometrischen Grundformen, nebst Vorbildern für mimische Ausdrucksvarianten, runden die köstliche Kombination aus Kulinarik und Kunst schmackhaft ab.  

Neun verschiedene Motive in jeweils vierfacher Ausführung bieten 36 Kindern ein animierendes Malblatt, das anschließend wahlweise als Bild oder Tischset Verwendung finden kann. Damit kann man Kindern das Warten aufs Mittagessen versüßen oder ihnen eine kreative Verdauungspause lassen, und kleine Kindergeburtstagsgäste können sich solcherart auch eine gute Weile selbst beschäftigen.

Text & Illustration von Marion Deuchars © Knesebeck Verlag 2014

Darüber hinaus lassen sich diese Malrezepte in der Grundschule fächerübergreifend in eine Unterrichtseinheit zum Thema Ernährung einfügen. Und als Kinderbeschäftigung in Restaurants wären diese Tischsets gewiß auch eine willkommene Ablenkung und ein wohlbekömmliches Mittel gegen unausweichliches Wartezeiten-Gequengel.

„Tischsets für kleine Küchenkünstler“ nährt die kindliche Vorstellungskraft, macht Appetit auf Phantasie und analoges Malen und Zeichnen und würzt das kreative Menü beiläufig mit einigen Prisen Kunstgeschichte.


Hier entlang zum Tischset-Ausmalblock und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

https://www.knesebeck-verlag.de/tischsets_fuer_kleine_kuechenkuenstler/t-1/315

Die Autorin und Illustratorin:

»Marion Deuchars hat Illustration und Grafik studiert. Sie arbeitet für internationale Design-und Werbeagenturen. Bekannt wurde Sie durch ihre Mitmach-Kinderbücher zum Thema Kunst. Bei Knesebeck ist bereits „Fingerprints“ (2013) https://www.knesebeck-verlag.de/fingerprints/t-1/1  erschienen.«

 

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Als Nino fast in den Zirkuswagen zog

  • von Sigrid Zeevaert
  • Illustrationen von Julie Völk
  • Gerstenberg Verlag Juni 2018 http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Format: 16 x 21,5 cm
  • 176 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A), 18,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5607-9
  • zum Selberlesen ab 7 Jahren
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren

K I N D E R L E I C H T – K I N D E R S C H W E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nino ist das jüngste Kind unter vier Geschwistern. Flori, sein nur vierzehn Monate älterer und nur vier Zentimeter größerer  Bruder, behandelt Nino oft, als wäre er noch kleiner und jünger als er ist, und auch seine beiden älteren Schwestern, Mira und Jana, bezeichnen ihn manchmal als „Mamakind“, weil er recht schnell weint und naiver ist als die großen Kinder.

Während sich Flori oft draufgängerisch, großspurig, sportlich und risikobereit verhält, ist Nino empathisch, vorsichtig, rücksichtsvoll und sehr sensibel. Da sich die beiden Brüder ein Zimmer teilen, gibt es immer wieder Reibereien zwischen ihnen, und Flori äußert neuerdings sogar ausdrücklich den Wunsch nach einem eigenen Zimmer für sich alleine.   

Die Eltern verkünden beim familiären Abendbrot, daß ihnen Großtante Ella ihren Zirkus-wagen geschenkt habe. Großtante Ella ist Künstlerin und Buchillustratorin, und sie hat sich früher gerne zum Malen in diesen Zirkuswagen zurückgezogen. Doch inzwischen ist sie alt, braucht mehr Unterstützung im Lebensalltag, und zieht deshalb in ein Senioren-heim und trennt sich von Dingen, die sie nicht mehr braucht.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Die Kinder sind begeistert von der Aussicht, bald einen echten Zirkuswagen im eigenen Garten stehen zu haben. In der Schule erzählt Nino sofort seinem Freund Joshua davon und lädt ihn ein, in den nächsten Tagen einmal bei ihm im Zirkuswagen zu spielen.

Als Joshua Nino besucht, hat Flori den Zirkuswagen schon mit zweien seiner Fußball-freunde „besetzt“, und die Rabauken lehnen es ab, mit den „Kleinen“ zu spielen. Nino zieht sich gekränkt mit Joshua ins Kinderzimmer zurück und leiht ihm später den voll-automatischen Sattelschlepper seines Bruders, ohne dafür um Erlaubnis zu fragen.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Nicht zum ersten Mal denkt Nino darüber nach, wie es wäre, keinen Bruder zu haben und ganz alleine zu leben. Doch dann ist er gleichwohl wieder ganz anhänglich, denn Flori ist schließlich nicht immer gegen ihn, sondern auch oft zugewandt-brüderlich. So beschließen die beiden, am Wochenende zusammen im Zirkuswagen zu übernachten. Nachdem die Eltern und die Schwestern ihnen gute Nacht gesagt haben, sind die Brüder ganz alleine im Dunkeln, und eine Menge ungewohnter, unheimlicher Nachtgeräusche sorgen für Aufregung. Diesmal ist jedoch Nino der Mutigere, und er besteht darauf, daß sie nicht ins Haus zurückgehen; und schließlich schläft Nino ein und träumt lebhaft von Tante Ella.

Am nächsten Morgen stellt Nino fest, daß er alleine im Zirkuswagen liegt und sein Bruder sich heimlich wieder ins Haus geschlichen hat. Erstaunt bemerkt Nino, daß Flori offenbar nicht so groß und mutig ist, wie er immer behauptet. Als Nino zum Frühstück ins Haus kommt, ist Flori verheult und verstimmt, da die Eltern mit ihm geschimpft haben, weil er Nino in der Nacht einfach im Stich gelassen hat.

Da angesichts der momentanen familiären Stimmung nicht mit spielfreudigen Ge-schwistern zu rechnen ist, macht Nino einen Spaziergang zum Park. Er braucht sowieso etwas Abstand, um seine Gedanken zu ordnen und sich an sein neues mutiges Selbst-bewußtsein zu gewöhnen. So geht er – von Betrachtungen über seine Unabhängigkeit und Selbstgenügsamkeit beflügelt – viel weiter als geplant und verläuft sich prompt.

Da wird es ihm doch mulmig, und ein paar Tränen kann er nicht zurückhalten. Zwei Passanten erklären ihm freundlich den Rückweg. Zwar ist Nino unsicher, ob er sich die Hinweise richtig merken kann, aber er ist wild entschlossen, es alleine zu schaffen. Dennoch ist die Erleichterung groß, als er seine Schwester Mira und seinen Bruder Flori sieht, die schon nach ihm gesucht haben und sich aufrichtig freuen, daß sie ihn endlich wiedergefunden haben.

Einträchtig gehen sie nach Hause, und Nino findet es schön, nicht mehr alleine unter- wegs zu sein. Später planen sie, für den 16. Geburtstag der älteren Schwester Jana Zirkuskunststücke einzuüben und sie mit einer echten Zirkusaufführung zu über- raschen. Ninos Freund Joshua darf auch mitmachen und einige seiner Zaubertricks zeigen …

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Dieses Kinderbuch behandelt sehr einfühlsam und familienszenisch-anschaulich die Themen Geschwisterliebe und Geschwisterrivalität, Streit und Versöhnung, Angst und Mut, Bindungsbedürfnisse und Freiheitsbedürf- nisse, familiäre Anhänglichkeit und Geborgenheit, Freundschaft, zwischen- menschliche Abgrenzung und das Zusammenspiel unterschiedlicher Temperamente sowie emotionale Reifungsschritte.

Die nostalgisch-zärtlichen, mit verspielten Details angereicherten Schwarz-weiß-Illustrationen von Julie Völk begleiten und untermalen den Text harmonisch und geben den Figuren kindgerechte Gestalt.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Wir erlesen hier Familienalltagsleben. Abgesehen von der Requisite Zirkus- wagen geschieht nichts Spektakuläres, und doch macht Nino elementare, bedeutungsvolle Erfahrungen, die den Radius seines Herzens über den rein familiären Bezugskreis hinaus erweitern. Der Autorin Sigrid Zeevaert gelingt mit leichten Worten, einfachem Satzgefüge und lebhaften Dialogen eine glaubwürdige und anrührende, ebenso schmunzlerische wie ernsthafte erzählerische Darstellung kindlicher Bedürfnisse, Entwicklungsspielräume, Gefühle und Gedanken.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836956079

 

Die Autorin:

»Sigrid Zeevaert lebt mit ihrer Familie in Aachen. Schon während des Studiums begann sie mit dem Schreiben; ihre Kinder- und Jugendbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk erhielt sie den Friedrich-Bödecker-Preis. Bei Gerstenberg ist von ihr außerdem das Kinderbuch „Annabel und Anton – Tür an Tür in Haus Nr. 9“ erschienen.« www.sigridzeevaert.de

Die Illustratorin:

»Julie Völk, geb. 1985 in Wien, wuchs im ländlichen Niedersachsen auf. Sie studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihr Debüt Das Löwenmädchen ist gleich mit dem Nachwuchspreis Serafina und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis 2015 ausgezeichnet worden. Für ihr zweites Bilderbuch Guten Morgen, kleine Straßenbahn! erhielt sie den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2017. Die Künstlerin lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich.« www.julievoelk.de

Querverweis:

Hier entlang zu „Annabel und Anton – Tür an Tür in Haus Nr. 9“, einem weiteren Kinderbuch von Sigrid Zeevaert, das einfühlsam und humorvoll von einer neuen Kinderfreundschaft durch nachbarschaftlichen Zuzug zu erzählen weiß. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/04/30/annabel-und-anton/

 

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Wie laut war eigentlich der Urknall ?

  • Wie sich die Menschen unser Universum vorstellen
  • Text & Illustrationen von Guillaume Duprat
  • Wissenschaftliche Beratung: Jean-Philippe Uzan
  • Originaltitel: »Univers. Des mondes grecs aux multivers«
  • Aus dem Französischen  von Susanne Schmidt-Wussow
  • KNESEBECK Verlag 2018 www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 26 x 27 cm
  • 48 Seiten mit zahlreichen Illustrationen
  • 20,00 €
  • ISBN 978-3-95728-208-8
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren (laut Verlag)

KOSMISCHE  PERSPEKTIVEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem Guillaume Duprat in seinem vorherigen Buch das Erdenrund betrachtet hat, siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/04/21/seit-wann-ist-die-erde-rund/ widmet er sich in seinem neuen Buch dem Weltall. Mit diesem Werk gelingt es ihm, uns einen Zipfel der Unendlichkeit des Universums in die Hand zu geben.

Die Faszination für den gestirnten Himmel und die Frage, wie das Universum entstanden sei, hat die Menschheit immer schon beschäftigt. Das Sachbilderbuch „Wie laut war eigentlich der Urknall?“ beschreibt und illustriert verschiedene Vorstellungen vergangener Zeiten sowie moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und spekulative Vermutungen aus der aktuellen Astrophysik, Kosmologie und Quantenphysik.

Im antiken Griechenland (Aristoteles, Ptolemäus) etwa stellte man sich den Kosmos ebenso kugelförmig vor wie die Erde. Die Erde bildet den unbeweglichen Mittelpunkt und wird umkreist von Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn, und die Fixsterne sind an der geschlossenen Kugel des Kosmos (der sogenannten Fixstern- sphäre) befestigt.

Arabische und europäische, mittelalterliche Gelehrte kultivierten diese geozentrische Vorstellung des Universums weiter, bis der Astronom Nikolaus Kopernikus mit seiner heliozentrischen Vorstellung des Kosmos, die Sonne in den Mittelpunkt stellte und die Erde damit „nur“ zu einen Planeten unter anderen Planeten wurde. Die Fixsternsphäre blieb dabei jedoch erhalten.

1576 löste sich der britische Astronom Thomas Digges von der Vorstellung einer ge-schlossenen Fixsternsphäre und ersetzte sie durch einen grenzenlosen Raum. Der Philosoph Giordano Bruno wurde für die revolutionäre Idee eines unendlichen Weltalls 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und Galileo Galilei wurde für die Auffassung, daß die Erde um sich selbst kreise und daß das Universum – im Gegensatz zur Kirchen-lehre – unendlich sei, 1633 zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, und er mußte seinem „Irrglauben“ abschwören.

Es gab immer schon Menschen, die ihrer Zeit weit, weit, weit voraus waren. So gab es im antiken Griechenland eine „Schule der Atomisten“, die der Auffassung war, daß unsere Erde nur eine von unendlich vielen Welten sei, und Nikolaus von Kues (14. Jahrhundert) stellte sich ein Universum ohne Mittelpunkt mit einer beweglichen Erde vor.

1671 revolutioniert Isaak Newton mit seinem Gravitationsgesetz nachhaltig unsere Betrachtungsweise des Universums.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt Albert Einstein die Relativitätstheorie, in der er einen Zusammenhang zwischen Raum und Zeit herstellt und die Vorstellung einer elastischen Raumzeit in die berühmte Formel E = mc² faßt. Das Universum selbst betrachtet Einstein jedoch noch als statisch.

Der Russe Alexander Friedmann und der Belgier Georges Lemaître schlußfolgern aus Einsteins Relativitätstheorie, daß das Universum dynamisch sei. 1927 kann der amerikanische Astronom Edwin Hubble mit Hilfe des leistungsstärksten Teleskops seiner Zeit die Expansion des Universums beobachten und die Existenz anderer Galaxien beweisen. Die Urknalltheorie ist nicht mehr aufzuhalten und wird 1964 durch die Messung der kosmischen Hintergrundstrahlung bewiesen.

Die moderne Physik vergleicht die Gesetzmäßigkeiten von Makro- und Mikrokosmos und findet  im Inneren der Materie auffällige Teilchen, die zur Theorie der Quanten- mechanik führen. Von hier aus betreten wir Leser das Reich der wissenschaftlichen Spekulation und betrachten Schwarze Löcher, Wurmlöcher, Multiversen und sogar Räume mit mehr als unseren gewohnten vier Dimensionen …

„Wie laut war eigentlich der Urknall“ ist eine intergalaktisch gute, kom- pakte Darstellung der naturwissenschaftlichen Ausdehnung des mensch- lichen Wissenshorizonts über die Struktur und Entstehung des Universums. Der Wissensstoff  ist in übersichtliche, klar konzentrierte Textportionen eingeteilt. Die ebenso ästhetisch wie anschaulich-präzisen Illustrationen fördern und vertiefen das Verständnis der durchaus anspruchsvollen Thematik, und die zahlreichen integrierten Aufklappseiten wecken und stillen die kindliche Forscherneugier. Ein Glossar erklärt zusätzlich kurz und bündig Fachbegriffe von Dunkler Materie bis Urknall.

Die Gestaltung dieses Sachbilderbuches ist äußerst animierend, wahrlich faszinierend und eröffnet buchstäblich neue Wissensräume. „Wie laut war eigentlich der Urknall“ ist eine wissensfunkelnde Buch-Sternschnuppe, die wenig zu wünschen übrig läßt, außer vielleicht der lichtgeschwinden Anschaffung eines sehr, sehr guten Teleskops …

Indes erscheint mir die Altersangabe des Verlages (ab 8 Jahren) in Hinsicht auf das hohe sprachliche und inhaltliche Niveau dieses beeindruckenden Buches recht gewagt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/wie_laut_war_eigentlich_der_urknall/t-1/710

Hier entlang zu Guillaume Duprats Sachbilderbuch „Seit wann ist die Erde rund?“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/04/21/seit-wann-ist-die-erde-rund/

 

Der Autor & Illustrator:

»Guillaume Duprat wurde 1973 in Paris geboren und arbeitet als Illustrator und Autor. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Kinderbücher geschrieben. Bei Knesebeck erschienen zuletzt seine erfolgreichen Bücher Seit wann ist die Erde rund? und Was sieht eigentlich der Regenwurm?«
http://www.cosmologik.wordpress.com

 

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Seit wann ist die Erde rund ?

  • Wie sich die Völker unseren Planeten vorstellten
  • Text & Illustrationen von Guillaume Duprat
  • Originaltitel: »Le Livre des Terres imaginées«
  • Aus dem Französischen von Stephanie Singh
  • KNESEBECK Verlag 2009 www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 26 x 27 cm
  • 64 Seiten mit 60 Illustrationen
  • 22,00 €
  • ISBN 978-3-86873-135-4
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren

W E L T B I L D E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wir wissen, daß unsere Erde ein rundlicher Planet ist, der im Weltall kreist und Teil eines Sonnensystems ist. Aber in früheren Zeiten, an anderen Orten und bei anderen Völkern war (und ist) das durchaus anders.

Das Sachbilderbuch „Seit wann ist die Erde rund?“ erweitert unseren Horizont um andere Weltbetrachtungen und Erdkörpererklärungen, die oft poetisch-mythisch-religiös inspiriert, manchmal kurios, manches Mal jedoch auch erstaunlich nahe an unserer modernen, an alltägliche Satellitenbilder gewöhnten Perspektive sind.

Guillaume Duprat blättert uns vielfältige Erdgestalten auf: Inselwelten, Wasser- und Luftwelten, unterirdische, bergige, birnenförmige, eckige, dreieckige, flache, kreisför-mige, linsenförmige, scheibenförmige, gewölbte, hohle und kugelrunde Welten.

Die Inselwelten ruhen oft auf einer Riesenschlange, auf einem Wasserbüffel, auf einer Riesenschildkröte oder auf Elefantenrücken. Nach einer Sage der Tartaren schwimmt die Erde auf dem Rücken eines riesigen Fisches durchs Meer. So hat man auch gleich eine plausible Erklärung für Erdbeben, denn wenn eines der Tiere sich bewegt oder kratzt, wackelt die Erde zwangsläufig mit.

Im 11. Jahrhundert v. Chr. erklärten die taoististischen Chinesen die Erde als viereckig und schwer (Yang) und den Himmel als rund und leicht (Yin). Drachen in vielen Farben leben an den Grenzen der Erde, und einer davon, ein Grünfarbener, ist dafür zuständig, Wolken zu speien. Die alten Ägypter (um 1800 v. Chr.) stellten sich die Erde quadratisch vor, und bei den Azteken wiederum war die Erde flach und kreuzförmig.

Persische, babylonische, afrikanische, indianische, christliche, muslimische, hinduis- tische, buddhistische, asiatische, russische und europäische Vorstellungen von der Gestalt der Erde sind in diesem wahrlich weltläufigen Buch versammelt. Einleuchtend ist, wie maßgeblich dabei die lokalen landschaftlichen Bedingungen und mythisch-religiösen Systeme sinnvoll miteinander verknüpft wurden und ein wechselwirksam sich selbstbestätigendes Weltbild etablieren konnten.

Im antiken Griechenland glaubte man aufgrund der Beobachtung von Mondfinster- nissen und des kreisförmigen Erdschattens, der dabei sichtbar wird, daß die Erde eine Kugel sei. Auch Platon (5. Jahrhundert v. Chr.) und Pythagoras teilten diese Ansicht und stellten sich die Erde unbeweglich im Raum schwebend vor. Platon stellte zudem Spekulationen zur Landgröße und zum einstigen Standort des versunkenen Atlantis an und vermutete das Vorhandensein weiterer unbekannter Kontinente.

Der Astronom und Mathematiker Ptolemäus (Griechenland, 2. Jahrhundert) fand eine Methode, um den kugelförmigen Körper der Erde auf einer flachen Landkarte darzustellen.

Die Vorstellung der Erde als Kugel führte zu Überlegungen, wie das Erdinnere beschaffen sein könnte. Leonardo da Vinci (Italien, 15. Jahrhundert) vermutete, daß das Erdinnere mit Wasser gefüllt sei, Galileo Galilei (Italien, 17. Jahrhundert) vermutete einen gigan-tischen magnetischen Stein. Athanasius Kirchner (Deutschland, 17. Jahrhundert) nahm an, daß es im Inneren der Erde ein Kanalsystem mit Feuer oder Wasser gebe.

Isaac Newton (England, 17. -18. Jahrhundert) bezweifelte die kugelrunde Form der Erde und vertrat die Ansicht, die Erde sei durch ihre Eigenrotation an den Polen abgeflacht, und somit sei die Erde nicht ganz rund, sondern elliptisch geformt. Mehrere damalige Forschungsreisen und Vermessungen bestätigten Newtons Ansicht, die bis heute Gültigkeit hat.

Das letzte Kapitel bringt uns schließlich auf den gegenwärtigen Stand des Wissens über unsere Erde. Die abschließende Doppelseite verschafft durch eine Zeittafel von 1000 v. Chr. bis zum Jahr 2000 einen schnellen Überblick über die vorgestellten Weltbilder und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und ihre geographische und historische Einordnung.

Die ansprechenden farbigen Illustrationen von Guillaume Duprat verleihen den vielfältigen Erdvorstellungen lebhafte und faszinierende Gestalt. Diverse Aufklappseiten vermitteln Entdeckerlust und spannende, zusätz- liche Perspektiven. Das ausgewogene Verhältnis zwischen Textinformation und Bildmaterial erschließt Kindern ebenso spielerisch wie konzentriert weltbewegendes Wissen.

 

Auf www.cosmologik.wordpress.com  finden wißbegierige Eltern zudem ein ausführliches – allerdings französischsprachiges – Literaturverzeichnis der Quellen, aus denen Guillaume Duprat für die Gestaltung seines Buches geschöpft hat. Ein solcher Hinweis ist bei Kindersachbüchern leider eher selten, weshalb er hier lobend erwähnt sein soll.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/seit_wann_ist_die_erde_rund/t-1/701

 

Der Autor und Illustrator:

»Guillaume Duprat wurde 1973 in Paris geboren und arbeitet als Illustrator und Autor. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Kinderbücher geschrieben. Bei Knesebeck erschienen zuletzt seine erfolgreichen Bücher Wie laut war eigentlich der Urknall? und Was sieht eigentlich der Regenwurm?«  http://www.cosmologik.wordpress.com

 

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Viele Grüße vom Kap der Wale

  • von Megumi Iwasa
  • aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
  • Originaltitel: »Watashi wa Kujira-Misaki ni Sumu Kujira to Iimasu«
  • mit Illustrationen von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag  Juli 2018   www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 112 Seiten
  • Format: 15 x 21,8 cm
  • 10,95 € (D), 11,30 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-368-1
  • Kinderbuch ab 6 Jahren

NÄHE  &  FERNE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kluge, alte Walprofessor lebt sehr einsam am Kap der Wale. Pinguin, sein letzter, ehemaliger Schüler, hat inzwischen in einiger Entfernung auf der Pinguininsel selber eine Schule gegründet.

Im vorhergehenden Band (siehe: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/04/04/viele-gruesse-deine-giraffe/ ) hatte Pinguin eine Brieffreundschaft mit einer Giraffe gepflegt und dadurch nicht nur seinen Horizont erweitert und eine interessante neue Freund- schaft geschlossen, sondern auch das Postwesen aktiv belebt. Robbe und Pelikan fungieren seitdem als eifrige Postboten.

Der Walprofessor hat ebenfalls viele Briefe verschickt. Während er nun sehnsüchtig auf Antwort wartet, schaut er ins Blaue und erinnert sich an seine Jugendzeit, in der noch viele Wale mit ihm zusammen in der Walsee lebten. Damals veranstalteten sie alljähr- lich Olympische Spiele im Wettschwimmen und Fontäneblasen und hatten viel Spaß dabei.

Endlich erhält der Walprofessor einen Brief von einem ganz jungen Wal namens Waldo. Dieser berichtet, daß sein verstorbener Großvater vom Kap der Wale stamme und bei den dortigen Olympischen Spielen stets eine Silbermedaille gewonnen habe. Einige andere Wale kommen als Reaktion auf die Briefe des Walprofessors direkt zu Besuch zum zum Kap der Wale, und auch der kleine Waldo taucht dort schließlich auf.

Die Wiedersehensfreude ist groß, und die versammelten Wale beschließen, wieder eine Olympiade zu organisieren. Die Wale, einige Robben und viele Pinguine helfen begeistert bei den Vorbereitungen, und so gibt es ein Wettschwimmen der Robben, ein Wettlaufen der Pinguine und ein Fontäne-Wettblasen der Wale. Sogar Giraffe reist extra aus Afrika an und vergrößert das Publikum.

Sehr erfreulich ist, daß der Wettbewerb heiter und keineswegs konkurrenzbetont abläuft und viel Raum für wechselseitige Unterstützung läßt. Es gibt zwar eine Sieger- ehrung mit Medaillen, gleichwohl ist das wesentliche Element das heitere Miteinander der tierischen Teilnehmer.

Nach dem Ende der Olympischen Spiele bedanken sich die Wale für die schöne gemein-same Zeit und reisen wieder zurück in ihre jeweiligen Meeresgebiete. Doch der kleine Waldo und eine nette, etwas kokette Waldame namens Waltraut bleiben gerne beim Walprofessor am Kap der Wale …

„Viele Grüße vom Kap der Wale“ erzählt einfühlsam und spielerisch von der Über- windung der Einsamkeit und vom Wert freundschaftlichen Miteinanders. Der in einfachen Worten und kurzen Sätzen erzählte Fließtext wird durch handschriftliche Briefe und lebhafte Dialoge abwechslungsreich aufgelockert. Megumi Iwasa verleiht den Tierfiguren stimmungsvoll Charakter, und die zahlreichen lustigen Illustrationen von Jörg Mühle geben den Figuren und der Handlungskulisse anschauliche Gestalt.

Kindliche Lese- und Briefschreibeanfänger finden in diesem Buch eine warmherzige Geschichte mit amüsanten Details und feine kommunikative Anregungen.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Erstlesebuecher/Viele-Gruesse-vom-Kap-der-Wale.html

Hier entlang zum ersten Band „Viele Grüße, Deine Giraffe“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/04/04/viele-gruesse-deine-giraffe/

 

Die Autorin:

»Megumi Iwasa wurde 1958 geboren. Sie studierte Grafikdesign an der Kunsthochschule in Tokio, an der sie nach ihrem Diplom auch arbeitete. Megumi Iwasa lebt auch heute noch in Japans Hauptstadt. Die Geschichte zu Viele Grüße, Deine Giraffe hatte sie zunächst geträumt und dann aufgeschrieben. «

Der Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor, hat eine Tochter im besten Kinderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind (siehe: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/29/tupfst-du-noch-die-traenen-ab/ ) erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

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Was wird aus uns?

  • Nachdenken über die Natur
  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag 2018    www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17,1 x 17,1 cm
  • 144 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-356-8
  • Kinderbuch ab 6 Jahren

NATÜRLICHE  GEDANKENGÄNGE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ähnlich wie schon in ihrem Buch „Frag mich! 118 Fragen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen“  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/ kombiniert Antje Damm in „Was wird aus uns?“ auf jeder Doppelseite eine Frage mit ein bis zwei Fotos oder Illustrationen, welche die gestellte Frage motivisch begleiten und dadurch zu vielerlei Assoziationen anregen.

So wird beispielsweise die Frage „Kann Löwenzahn wütend werden?“ mit Fotos eines Löwenzahns, der am Bordsteinrand wächst, illustriert. Auf der einen Seite wächst der Löwenzahn einfach aus einer Ritze zwischen Pflastersteinen in die Welt, auf der anderen Seite ist der gleiche Löwenzahn umzingelt von Zigarettenkippen und Verpackungsmüll.

Fragen Sie sich einfach einmal selbst, wie Sie die Löwenzahnfrage beantworten würden – oder auch eine der nachfolgenden Fragen:
 
Haben Pflanzen Rechte?
Verstehen uns Tiere?
Welche Fragen würdest du gerne einem Tier stellen?
Was würdest du gerne können, was nur ein Tier kann?
Was können wir von der Natur lernen?

Wie wäre es, für immer in der Wildnis zu leben?
Können sich Steine an ihre Geschichte erinnern?
Kann man mit einer Topfpflanze befreundet sein?
Haben Tomaten Angst vor uns?
Woher kennen die Kraniche ihren Weg?
Woran erkennt man, ob etwas lebt?
Wozu inspiriert dich Natur?

Dieses Buch offeriert über sechzig bedenkenswerte Fragen zur Natur, die, wenn Sie es gemeinsam mit Ihrem Kind durchblättern, gewiß auf vielfältige Weise beantwortet werden können. Sofern Kinder bereits lesefähig sind, kann es auch einfach Kinder untereinander zu einem lebhaften Erfahrungs- und Gedankenaustausch zum Thema Naturfragen animieren.

„Was wird aus uns?“ ist in Wort und Bild ein feinsinniger Wegweiser zu interessanten Perspektivwechseln, philosophischen Überlegungen und Gedankenspielen über unsere Natur und zugleich auch ein Impulsgeber für die Wahrnehmung und Benennung natürlicher Phänomene und unser menschliches Verhältnis zur Natur.

Aus den anschaulich gestalteten Fragestellungen erwächst hier gleichsam organisch ein Gespür für die Rolle der Natur in unser aller Leben und dafür, wie vertraut oder fremd wir ihr gegenübertreten, obwohl wir tatsächlich selbst ein verkörperter Teil von ihr sind.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Was-wird-aus-uns.html

 

Nachfolgend noch weitere lesens- und sehenswerte Bücher von
Antje Damm:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich! 118 Fragen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das? Ein Spiel und Ratebuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, 1965 in Wiesbaden geboren, ging nach dem Abitur zunächst als Aupair-Mädchen nach Italien, bevor sie in Darmstadt Architektur studierte. Dies führte sie erneut nach Italien, denn in Florenz verbrachte sie ein Auslandsemester. Danach arbeitete sie mehrere Jahre freiberuflich für diverse Architekturbüros. Seit ihre Töchter auf der Welt sind, schreibt und illustriert sie Kinderbücher. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in einem alten Fachwerkhaus in der Nähe von Gießen.«

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Das kleine weiße Pferd

  • von Elizabeth Goudge
  • Die englische Originalausgabe erschien 1946
  • unter dem Titel »The Little White Horse«
  • bei University of London Press Ltd.
  • Aus dem Englischen von Sylvia Brecht-Pukallus
  • Mit den Illustrationen der englischen Originalausgabe
  • von C. Walter Hodges
  • Umschlagillustration von Robin Corfield
  • Neuausgabe August 2018 Verlag Freies Geistesleben www.geistesleben.com
  • gebunden
  • 320 Seiten
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 16,00 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2723-4
  • Kinderbuch ab 9 oder 10 Jahren (für versierte Leser)
  • sonst eher ab 11 oder 12 Jahren

MO N D L I C H T Z A U B E R

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Braucht ein Kinderbuchklassiker noch eine weitere Empfehlung, wenn es das öffentlich erklärte Lieblingskinderbuch von Joanne K. Rowling ist? Ich finde eine etwas ausführ-lichere Empfehlung meinerseits indes durchaus angebracht und mache mich gerne und mit Vergnügen ans Werk.

Die dreizehnjährige Maria Merryweather reist im Jahre des Herrn 1842 mit ihrer Gouver-nante Miss Jane Heliotrope und Wiggins, ihrem verwöhnten King-Charles-Spaniel, von London nach Devonshire. Nach dem Tod ihres Vaters – die Mutter starb schon, als Maria noch ein Säugling war – hat ihr Vetter zweiten Grades, Sir Benjamin Merryweather, Maria eingeladen, auf seinem Herrensitz Moonacre Manor zu leben.

Auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause fährt die Kutsche durch den weitläufigen nächt-lichen Park von Moonacre Manor, und auf einer mondbeschienenen Lichtung erspäht Maria flüchtig ein kleines weißes Pferd, das einige Tage später in einem dramatischen Moment eine wegweisende Rolle spielen wird.

Schon bald werden die Damen nebst Hündchen sehr warmherzig von Sir Benjamin Merryweather im Herrenhaus empfangen. Maria und ihr Vetter sind sich auf den ersten Blick sympathisch, und auch Miss Heliotrope fühlt sich herzlich angenommen. Maria wird ein schön eingerichtetes Turmzimmer zugewiesen, das für ihre zierliche, beinahe feenhafte Gestalt maßgeschneidert zu sein scheint. Es hat eine gerippte Gewölbedecke, in deren Mitte eine von Sternen umrahmte Mondsichel eingemeißelt ist.

Illustration von C. Walter Hodges © Verlag Freies Geistesleben 2018

Die anfängliche Sorge, das Landleben könne unbequem sein, erweist sich als gänzlich unbegründet. Das Anwesen ist wunderschön und von vielen Gärten und einem großzü-gigen Park umgeben, und der eigenwillige, zwergenhafte Küchenchef Marmaduke Scarlet zaubert die köstlichsten Speisen.

Obwohl sich Sir Benjamin und Marmaduke Scarlet auf ihre chronisch-junggesellige Art rühmen, daß seit zwanzig Jahren kein weibliches Wesen mehr auf Schloß Moonacre weilte, sind sie doch sehr freundlich zugewandt und aufmerksam gegenüber Maria und Miss Heliotrope und bemühen sich ebenso sehr um ihre Behaglichkeit wie um ihre Zerstreuung.

Äußerst verständige Tiere gehören ebenfalls zum Haushalt; da wären der prächtige Kater Zacharias, der sogar schreiben kann, Wrolf, ein sehr, sehr großer Hund, der eigentlich ein Löwe ist, die weiße Häsin Serena sowie einige Pferde und Ponys.

Maria fühlt sich schnell heimisch. Sir Benjamin zeigt ihr das nahegelegene Dorf Silvery-dew, und nach dem ersten Sonntagsgottesdienst lernt sie den unkonventionellen und musikalischen Pfarrer, Louis de Fontanelle, kennen und schätzen. Im Hirtenjungen Robin findet sie einen treuen Freund und Helfer, und Robins Mutter Loveday ist beinahe so etwas wie eine gute Fee, auch wenn sie ganz menschlich ist.

Illustration von C. Walter Hodges © Verlag Freies Geistesleben 2018

Zunächst erscheint alles in geradezu paradiesischer Harmonie, doch nach und nach zeigt sich, daß sich schlechte Taten aus lang vergangener Zeit bis in die Gegenwart als böse Schatten, Unfrieden und Gefahr für das liebliche Tal und seine Bewohner auswirken.

In der Dorfkappelle betrachtet Maria die lebensgroße Steinskulptur, die den Sarkophag ihres Urahnen Sir Wrolf Merryweather bedeckt. Die Skulptur zeigt einen Ritter in voller Montur, mit einem echten, eisernen Schwert an seiner Seite.

Vor vielen Jahrhunderten eignete sich dieser Urahn aus Habgier das Grundstück und das fruchtbare Weideland des nahegelegenen Klosters, das auf dem Paradiesberg rund um eine heilige Quelle errichtet worden war, widerrechtlich an. Die Mönche wurden vertrie-ben und das Kloster verfiel.

Außerdem trug Sir Wrolf Merryweather eine langjährige, erbitterte Fehde mit Sir William Cocq de Noir aus, dem die Kiefernwälder gehörten, die hinter Schloß Moonacre zur Bucht von Merryweather führen. Im Verlauf dieser Auseinandersetzungen gab es böse Kämpfe, Hinterlist, wahre und unwahre Liebe, tragische Mißverständnisse und ungeklärte Todesfälle.

Eine Folge dieser historischen Altlast ist, daß die Nachfahren von Sir William Cocq de Noir den Bewohnern von Silverydew den Zugang zum Meer verwehren und daß sie sich dreist räuberisch an den Feldfrüchten der Dorfbewohner bedienen und hemmungslos überall grausame Fallen aufstellen und wildern.

In jeder Merryweather-Generation, so geht die Sage, gäbe es eine Mondprinzessin, in deren Herz und Hand es läge, diese familiäre Verstrickung zu lösen und eine Aus- söhnung herbeizuführen. Bisher ist dies jedoch immer mißlungen.

Maria hegt nicht den geringsten Zweifel daran, daß es nun ihre Aufgabe sei, diese ver-worrenen Konflikte zu bereinigen, und sie bekommt von Robin, Loveday, dem Pastor und den weisen Tieren lebhafte Unterstützung. Sie muß nun Geheimisse entschlüsseln und sich Gefahren stellen, ihre Angst überwinden und auch ihren eigenen Stolz. Doch dank ihres gesunden Menschenverstandes und ihrer Intuition findet sie einen für alle gangbaren Weg des Ausgleichs und der Versöhnung – aus Feinden werden Freunde und gute Nachbarn und schließlich werden viele Herzen geheilt …

„Das kleine weiße Pferd“ ist ein niveauvolles Kinderbuch, das mit vielschichtigen inhalt-lichen und sprachlichen Feinheiten sowie fantasievollem Detailreichtum aufwartet. Die verschnörkelt abzweigungsreiche Geschichte wird mit beschaulicher Spannung und Dramaturgie gemächlich erzählt – von andante zu andantino bis zum abschließenden Gloria tutti.

Illustration von C. Walter Hodges © Verlag Freies Geistesleben 2018

Dieses Buch ist im Jahre 1946 erschienen und verfügt über einen überaus reizvoll-blumigen altmodischen Charme. Den sinnlichen und appetitanregenden Beschreibun- gen der Speisen kann man eine Wertschätzung für Nahrungsmittel ablesen, die sich gewiß aus der Erfahrung der Autorin mit kriegs- und nachkriegsbedingter Nahrungs- mittelknappheit speist.

Die feinlinierten, an alte Stiche erinnernden Schwarz-Weiß-Illustrationen von C. Walter Hodges geben die dunkel-geheimnisvollen und gemütlich-heiteren Aspekte der Hand- lung textgetreu wieder. Das vordere Vorsatzblatt ziert eine detailgetreue Zeichnung des Moonacre Anwesens und das hintere Vorsatzblatt eine Übersichtskarte mit den wesent-lichen Schauplätzen rund um Moonacre. Die feenstaubig-silbrigen Glitzereffekte auf dem Buchdeckel passen vorzüglich zum zauberhaften Buchinhalt.

Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert, und dementsprechend sind die Umgangsformen und die Geschlechterrollen ausgestaltet. Drei misogyne Bemerkungen aus launiger Jung-geselligkeit kann auch die heutige Leserin gelassen und traumafrei abperlen lassen, zu-mal die Herren sich in ihrem tatsächlichen Handeln gegenüber Frauen als durchwegs freundlich, gütig und zugeneigt erweisen.

Maria Merryweather ist ein selbstbewußtes, sensibles und neugieriges Mädchen. Sie ist feenhaft zart und zugleich tapfer, trotz kleiner Eitelkeiten nicht oberflächlich, sondern mitfühlend und hilfsbereit. Ihre blaublütig edle Gesinnung verträgt sich durchaus mit ganz natürlicher, leiblich-kulinarischer Genußfreude.

Der Schauplatz des Geschehens ist märchenhaft zeitlos. Das Reich von Moonacre verfügt über Daseinsbedingungen, die man sonst eher dem Feenreich zuordnet; so blühen jahreszeitenübergreifend alle möglichen Blumen, und Ebereschen tragen schon im Früh-jahr rote Beeren. Es gibt ganz selbstverständlich zwergenhafte Hausbedienstete, und Tieren wird großer Respekt entgegengebracht – wenn man einmal großzügig darüber hinwegsieht, daß bei den ausgiebigen Mahlzeiten doch recht viel Fleisch verzehrt wird.

Obwohl die Menschen in diesem Buch dem christlichen Glauben angehören, ist die Geschichte mit zahlreichen, sehr naturverbundenen, vorchristlich-keltischen Symbolen verflochten. Die Beschreibungen der häuslichen und landschaftlichen Kulissen sind von lebhaftester Anschaulichkeit und erfüllt von einer geheimnisvollen mythischen Präsenz.

Gleichwohl geht die stärkste Ausstrahlungskraft von der meisterlichen Charakterzeich-nung der Figuren aus. Die differenzierte, köstlich-augenzwinkernde Darstellung der Personen zeugt von großer Menschenkenntnis und bereitet ein delikates Lesevergnü- gen. Es ist wunderbar, wie Elizabeth Goudge wechselwirksam vom Inneren zum Äußeren und vice versa der verschiedenen Persönlichkeiten berichtet – so entsteht eine gleichsam greifbare Nähe zu den Charakteren. Sie bleiben uns durch ihre zwischen- menschliche Einzigartigkeit in unvergeßlich-leuchtender Leseerinnerung.

 

»Sie (Maria) ging von einer Ecke zu anderen, legte ihren Mantel, ihr Häubchen und den Muff in eine der Truhen, strich vor dem Spiegel ihr Haar glatt, wusch sich die Hände in dem Wasser, das sie aus der kleinen Silberkanne in die Silberschale goss,und berührte all die schönen Dinge mit den Fingerspitzen, als könnte sie sich mit dieser Liebkosung in ihrem Herzen bei den Menschen bedanken, die das alles geschaffen und hergerichtet hatten.«  Seite 35)

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.geistesleben.de/Buecher-die-mitwachsen/Kinderbuch/Das-kleine-weisse-Pferd.html

Die Autorin:

»Elizabeth Goudge (1900 – 1984), war als Kunstgewerbelehrerin tätig, bis sie das Schreiben als ihren Beruf erkannte. Ihr erster Roman Inselzauber erschien 1934. Seither sind ihre Bücher in Millionen Exemplaren in der ganzen Welt erschienen.«

 

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Die Schneeschwester

  • Eine Weihnachtsgeschichte in 24 Kapiteln
  • von Maja Lunde
  • Originaltitel: »Snøsøsteren«
  • aus dem Norwegischen von Paul Berf
  • Buchvorlage:  btb Verlag
  • Hörbuch Oktober 2018 der Hörverlag  www.hoerverlag.de
  • vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag 2018
  • Regie: Caroline Neven Du Mont
  • gelesen von Axel Milberg
  • Laufzeit: ca. 3 Stunden und 40 Minuten
  • 3 CDs
  • 14,99 € (D), 16,90 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-3246-3
  • Kinderbuch ab 10 Jahren aufwärts bis 100 Jahren

DIESSEITS  VON  WEIHNACHTEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Die Schneeschwester“ ist eine außergewöhnliche Weihnachtsgeschichte, die das Herz zum Schmelzen bringt und die Daseinsdankbarkeit wachküßt. Dieses Hörbuch ist advents-kalendermäßig in 24 Kapitel eingeteilt, bietet jedoch keine leichte Süßkost, sondern tiefberührende, gefühlsechte, ernste und heitere, schmerzliche und freudige Lebensgeschmacksvielfalt.

Julian ist ein Weihnachtskind, denn er kam am Heiligen Abend zur Welt, und da in Norwegen Weihnachten Jul heißt, trägt er den Namen Julian. Seine kleine Schwester heißt nach dieser familiären Namenstradition Augusta und seine große Schwester Juni. Julian liebt Weihnachten und das ganze stimmungsvoll-gemütliche und kulinarische Zubehör: Kaminfeuerwärme, Kerzenlicht, Pfefferkuchen, Räucherwerk, Sternchen-dekoration, Zimt, Schnee, Tannenbaum, Musik, Gesang, Geschenke und Kakao sowie das geborgene und heitere familiäre Miteinander.

Dieses Jahr wird Julian zehn Jahre alt – ein runder Geburtstag und Heilig Abend! Dies könnte eigentlich ein Anlaß für besonders viel Vorfreude sein. Doch im Sommer ist Julians große Schwester gestorben, und die Familie befindet sich in Trauererstarrung. Alle Lebensäußerungen sind gedämpft, und manchmal hat Julian den Eindruck, daß seine Eltern nur noch leblose Kopien sind, die zwar den Alltag ordentlich regeln, aber nicht wirklich da sind. In einer Woche ist nun Weihnachten, aber die häusliche Situation wirkt, als fiele das Fest dieses Jahr aus. Noch nicht einmal der Adventskerzenhalter ist bisher aufgestellt worden.

Bezüglich des großen Verlustes herrscht familiäre Sprachlosigkeit, und auch mit seinem besten Freund kann Julian nicht über das sprechen, was ihm auf dem Herzen liegt. Dabei hatten sie sich früher immer endlos viel zu sagen gehabt.

Julian dreht seine Schwimmrunden im Hallenbad. Beim Schwimmen muß er sich ganz auf seinen Atemrhythmus und die Bewegungsabläufe konzentrieren, was eine willkommene Ablenkung von den betrüblichen Gedanken und Gefühlen ist, die ihn seit Junis Tod begleiten und belasten.

Während einer Schwimmpause sieht er ein Mädchen mit rotem Mantel, das mit leuch-tenden grün-grauen Augen von draußen durch die Glaswand in die Schwimmhalle hineinschaut. Nach diesem überraschenden Blickkontakt winkt sie ihm zu, und Julian winkt spontan zurück. Daraufhin schenkt ihm das unbekannte Mädchen ein solch strahlend-offenes Lächeln, daß er das Lächeln einfach erwidern muß.

Als er nach dem Schwimmen die Halle verläßt, wartet das Mädchen am Eingang auf ihn. Sie empfängt ihn überschwenglich, stellt sich als Hedvig Hansen vor, redet wie ein Wasserfall auf ihn ein und schwärmt ihm von der Schönheit Weihnachtens vor. Sie lädt Julian in ihr Elternhaus, die Villa Mistel, ein. Dort ist schon alles weihnachtsfestlich ge-schmückt und so warmherzig eingerichtet, daß sich Julian sehr wohlfühlt. Hedvig kocht Kakao für sie, und so beginnt eine wunderbare Freundschaft, die in Julian endlich wieder zarte Fünkchen von Freude hervorruft.

Mit Hedvig kann Julian sogar über seine verstorbene Schwester reden. Hedvig scheut das schmerzliche Thema nicht und reagiert sehr einfühlsam auf alles, was Julian ihr erzählt. Ihr Mitgefühl und ihre lebensfrohe Zugewandtheit bekommen ihm gut, und die Kinder verbringen eine anregende Zeit miteinander.

Julian wundert sich gelegentlich über altmodische Worte, die Hedvig benutzt, und trotz all der verspielten Heiterkeit und eloquenten Munterkeit hat auch Hedvig ihre Verletz- lichkeiten und verschwiegenen Geheimnisse; beispielsweise kann sie nicht schwimmen. Dies gibt Julian die Gelegenheit, ihr Schwimmunterricht zu geben und dabei die Erfahrung zu machen, wie schön es sein kann, jemandem zu helfen.

Bestärkt durch die intensive Freundschaftserfahrung und Hedvigs ansteckende Lebens-lust, fühlt sich Julian dazu ermutigt, die Gefühlserstarrung seiner Eltern in Frage zu stellen und zu überwinden. Außerdem ist seine Herzensbildung inzwischen so ausge-prägt, daß er alleine schon seiner kleinen Schwester zuliebe unbedingt dafür sorgen will, daß die vertraute familiäre Weihnachtstradition fortgesetzt wird. Das ist nicht leicht und bedarf mehrerer zunächst vergeblicher Anläufe, aber schließlich gelingt es ihm, indem er seine Eltern auf sehr kreative Weise mit seiner liebevollen Erinnerung an seine Schwester Juni überwältigt.

Julian entschlüsselt nach und nach auch Hedvigs Geheimnis. Die Loslaßübung, bei der er am Ende Hedvig liebevoll unterstützt, wird auch für ihn eine tiefe, ja, transformierende Erfahrung, die sein Leben bereichert. Hier wird das Leben bejaht, ohne den Tod zu verneinen.

Das subtil übersinnliche Element, welches mit der Figur von Hedvig verknüpft ist, wird von der Autorin virtuos von Anfang an in zahlreichen Anspielungen angedeutet, die sich indes erst in der Leserückblende voll und ganz erschließen.

Maja Lunde schreibt sehr nahe und glaubwürdig am kindlichen Herzen entlang, ihre Sprache ist empfindsam, anschaulich und sehr zärtlich, die Charaktere sind lebhaft und ausstrahlungsstark und verfügen über eine reichhaltige emotionale Bandbreite. Sehr positiv aufgefallen ist mir zudem, daß die Autorin dem Unerklärlichen unausgesproch- enen Raum zwischen den Zeilen läßt.

Die Liebe zum Leben überwindet die Schwerkraft der Trauer – von nichts weniger handelt dieses bemerkenswerte Buch. Angesichts des Todes das Leben zu verneinen ist ebenso unheilsam und unsinnig wie angesichts des Lebens den Tod zu verneinen. Schmerzlichen Gefühlen sollte ebenso Ausdruck gegeben werden dürfen wie schönen Erinnerungen und der Dankbarkeit für das Gewesene. Diese Lektion begreift Julian durch die Begegnung mit Hedvig früher als seine Eltern.

Ja, diese Geschichte wird Sie zum Weinen bringen – und dennoch trösten. „Die Schnee- schwester“ gehört zu der kostbaren Sorte Kinderbuch, für die man niemals zu alt ist.

Axel Milberg liest „Die Schneeschwester“ in einem warmherzigen basso continuo, mit unaufdringlichen Gefühlsausschlägen und einfühlsamen figur- und situationsbezogenen Nuancen. Man könnte einwenden, daß eine erwachsene Stimme für den kindlichen Ich-Erzähler zu alt sei, aber in meinen Ohren klingt der Sprecher sehr wahrhaftig.

Zum Ausklang lasse ich gerne Hedvigs poetisches Bild der Freude zu Wort kommen:

„Es ist, als würde das Herz auf Schlittschuhen stehen
 und sich in Pirouetten drehen und drehen,
 bis mir ganz schwindelig wird – wunderbar schwindelig.“

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-Schneeschwester/Maja-Lunde/der-Hoerverlag/e553153.rhd

 

Die Autorin:

»Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Ihr Roman „Die Geschichte der Bienen“ wurde mit dem norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet, in 30 Länder verkauft und sorgte auch international für Furore. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und war der meistverkaufte Roman des Jahres 2017. Im Frühjahr 2018 erschien mit „Die Geschichte des Wassers“ der zweite Teil ihres literarischen Klima-Quartetts, das sich mit den Folgen menschlichen Handelns für die Natur beschäftigt.«

Der Übersetzer:

»Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.«

Der Sprecher:

»Axel Milberg war bis 1997 Mitglied des Ensembles der Münchner Kammerspiele und arbeitete mit Regisseuren wie Dieter Dorn, Thomas Langhoff oder Peter Zadek. Mitte der 90er-Jahre wandte sich der wandelbare Schauspieler verstärkt Film und Fernsehen zu. Seither war er in zahlreichen erfolgreichen Produktionen zu sehen, z. B. in „Jahrestage“ (2000), „The International“ (2009), „Ludwig II.“ (2012), „Hannah Arendt“ (2012). Seit 2003 ist Axel Milberg außerdem in seiner Heimatstadt Kiel als „Tatort“-Kommissar Klaus Borowski auf Verbrecherjagd.«

 

Die BUCHAUSGABE ist im btb-Verlag erschienen
Die Schneeschwester
von Maja Lunde
aus dem Norwegischen von Paul Berf
durchgehend farbig illustriert von Lisa Aisato
gebunden
mit Schutzumschlag
Format: 21,5 x 24,3 cm
200 Seiten
15,00 € (D), 15,50 € (A), 21,50 sFr.
ISBN 978-3-442-75827-2
Kinderbuch ab 10 Jahren aufwärts bis 100 Jahren
Hier entlang zur BUCHAUSGABE und LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Schneeschwester/Maja-Lunde/btb-Hardcover/e552755.rhd

 

 

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Petronella Apfelmus Mein weihnachtliches Back- und Bastelbuch

  • Text von Sabine Städing
  • Illustrationen von SaBine Büchner
  • Boje Verlag  September 2018  www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 80 Seiten
  • 9,00 €
  • ISBN: 978-3-414-82522-3
  • Kinderbuch ab 6 Jahren

APFELMUSISCHE WEIHNACHTEN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sollten Sie noch nicht die Lesebekanntschaft von Petronella Apfelmus gemacht haben, können Sie sich bei den unter dieser Besprechung eingefügten Besprechungs-Links einen lebhaften Eindruck ihrer naturverbundenen und warmherzigen Wesensart verschaffen.

Petronella Apfelmus ist eine Apfelhexe und dementsprechend die Hüterin eines alten Apfelgartens, der zu einer alten Mühle nebst Mühlteich und Müllerhaus gehört. Zusam-men mit einigen Apfelmännchen pflegt sie Pflanzen und Tiere, fabriziert köstliche Kuchen, Marmeladen und Heiltränke und kümmert sich auch gerne um die benach- barten Zwillinge Lea und Luis, die im Müllerhaus wohnen.

Lea und Luis haben schon viel mit ihrer heimlichen Freundin Petronella erlebt und so manches Problem – mit etwas magischer Nachhilfe – gelöst. Stets hexelt, menschelt und wichtelt es ganz ordentlich in und um Petronellas Apfelgarten.

Nach sechs Petronella-Apfelmus-Büchern, in denen zwischen zauberhaft-abenteuerlichen Geschehnissen kulinarische Genüsse den entspannenden und sozialverbindenden Gegenpol bilden, ist es konsequent, nun auch ganz konkrete Rezepte anzubieten. So können Kinder einige der bereits erlesenen Köstlichkeiten von Petronella Apfelmus selber nachbacken.

Ergänzt um weihnachtliche Dekorationsideen und Anregungen für selbstgebastelte Weihnachtsgeschenke, läßt sich die Vorweihnachtszeit mit diesem Buch genüßlich und kreativ gestalten.

Eine Doppelseite informiert zudem noch über weihnachtliche Hexentraditionen, von denen hier nur der Haferbrei mit Zaubermandel erwähnt sei, der sich im hohen Norden großer Beliebtheit erfreut.

Die drei Buchkapitel (Rezepte aus der Hexenküche, Bastelspaß und Geschenkideen) werden von einer fortlaufenden kurzen Erzähl-Geschichte („Hexenweihnacht im Apfel“) eingerahmt und mit bekannten und beliebten Charakteren aus den früheren Petronella-Apfelmus-Geschichten schelmisch illustriert.

In drei Abstufungen wird der Schwierigkeitsgrad der Rezepte und Bastelanleitungen angegeben: Ein Apfel steht für leichten, zwei Äpfel signalisieren mittleren Schwierig- keitsgrad und drei Äpfel Profiaufgaben, bei denen hier und da ausdrücklich die Mitwirkung von Erwachsenen angezeigt ist.

Bei den Rezepten finden sich viele Klassiker wie Bratäpfel, Gebrannte Mandeln, Lebku- chen, Rosinenschnecken, Vanillekipferl, Zimtsterne, aber auch Holunderbeerensirup, Mandarinen-Smoothie, Schokoknusperflocken und Weihnachtsapfelpunsch.

In der Bastelabteilung tummeln sich u.a. getrocknete Orangenscheiben neben Knopf- bäumen, Tannenzapfen-Landschaften, Vogelfutterspendern und Wäscheklammer-Sternen. Von dort sind die Übergänge fließend zu den Geschenkideen, z.B. selbstgestal- teten Weihnachtskarten und Plätzchentüten, zauberhaften Teelichtern, verschiedenen Schlüsselanhängern, Schneekugeln und duftenden Hexenbesen aus Kräutern.

Die Anleitungen sind klar, kindlich-entgegenkommend formuliert und geben auch den einen oder anderen nützlichen Küchentipp mit.

Lesen kann so lecker sein …

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_6959918

 

Hier entlang zu den ersten fünf Petronella-Büchern:

Hier finden Sie zum ersten Band von Petronella Apfelmus:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Und hier zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Und hier zum dritten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Sowie zum vierten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt. « http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft. «

 

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Giesbert hört das Gras wachsen

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus   August 2018  www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 104 Seiten
  • Format: 17 x 24 cm
  • 18,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-5174-4
  • Kinderbuch ab 5 Jahren

LIEBENSWERTER GARTENGESELLE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das Wiederlesen mit dem Regenrinnen-Wicht Giesbert ist die reine Freude und beglückt mit schelmischem Humor, Naturverbundenheit und lebhaftem Miteinandersein.

Falls Sie Giesbert noch nicht kennen, nehmen Sie doch erst einmal eine Leseabzweigung zu meiner Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/10/giesbert-in-der-regentonne/

Giesbert lebt nun schon eine ganze Weile im Hause der Autorin und Illustratorin Daniela Drescher. In der warmen Jahreszeit wohnt er im Garten und planscht in seiner Regen-tonne, in der kalten Jahreszeit wohnt er im Haus und planscht in der Badewanne.

Er ist ein freundlicher und hilfsbereiter kleiner Naturgeist, der voller Lebensfreude und Entdeckerlust ist und dankbar die Annehmlichkeiten jeden Tages wahrnimmt, auf seiner Gartenschaukel schaukelt, fröhliche Melodien auf seiner Holunderholzflöte spielt und gelegentlich, z.B. nach dem Kosten frisch gekochter Himbeermarmelade oder einer philosophischen Begegnung mit einem Raben, ein kleines Gedicht reimt.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

In dreizehn Episoden nehmen wir Leseanteil an Giesberts Alltag, seinen konstruktiven Problemlösungen, seiner Fähigkeit, einfache Freuden wertzuschätzen, und seinem freundschaftlichen Miteinander mit benachbarten Wichteln, Pflanzen und Tieren.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Allerdings kann er auch mal wütend werden, z.B. wenn ein frecher Ziegenbock störrisch seine Regentonne attackiert. Giesberts Wut äußert sich dann darin, daß er einen roten Kopf bekommt und Wasser zum Überlaufen bringt. Im Falle des unnachgiebigen Ziegen-bocks entsteht sogar eine kleine Regenwolke, die exakt auf den Ziegenbock abregnet, und das wirkt ungemein abschreckend.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Giesbert lernt einen klugen Raben kennen, der seine Frage, warum der Himmel blau sei, damit beantwortet, daß Blau die Lieblingsfarbe der Vögel sei. Ein verirrter Wolf bekommt von Giesbert astronomische Wegweisung in den Norden, ein eigenbröt- lerischer, staubiger Eckenwicht wird mit Hilfe von Haferkeksen zu etwas mehr Umgänglichkeit bestochen.

Als Giesbert eines blühenden Frühlingsmorgens eine tote Amsel findet, wird sie von ihm und zwei Mitwichteln würdevoll beerdigt. Giesbert wird vom Kätzchen Ilvi nach einem Sturm aus dem Baum, in den der Wind ihn geweht hat, gerettet. Und am schönsten ist die spontane Geburtstagsfeier für Giesbert, der eigentlich garnicht weiß, wann er Geburtstag hat und wie alt er ist.

„Giesbert hört das Gras wachsen“ bietet auch praktische Anregungen zur Beschäftigung in und mit der Natur. So erklärt er der Autorin fachwichtelmännisch, wie man einen Lausche-Tag verbringt: Man schließe die Augen, sehe sich die Welt mit den Ohren an und sammle die Geräusche, die man dabei hört.

Die Erzählkapitel haben einen vorleseangenehmen Textumfang von vier bis acht Seiten, und sie werden von zahlreichen, teilweise ganzseitigen Bildern harmonisch begleitet.

Daniela  Dreschers atmosphärisch-naturverbundenen, botanisch und zoologisch ebenso präzise wie verspielten Illustrationen verzaubern kleine und große Betrachter auf den ersten Blick.

Giesberts lebensfröhliches Wesen und Wirken, sprechende Tiere, farben- frohe, wildwüchsige Vegetation und knollennasig-knuffige Pflanzen- und Hausgeister-Wichtel sowie gelegentlich augenzwinkernde metafiktive Kommentare der Autorin vermitteln ein warmherziges und schelmisches Lese- und Vorlesevergnügen mit behutsam-beiläufigen, naturmagischen Anregungen und Andeutungen, welche die kindliche Vorstellungskraft lebhaft bereichern. So werden Märchen wahr.

 

Zum Ausklang noch ein Gedicht von Giesbert:

»Warum ist der Rabe schlau?
Und warum ist der Himmel blau?

Wieso können Wale singen
und das Meer zum Schwingen bringen?

Woher weiß das Spinnenkind,
wie Netze gut zu spinnen sind?

Wie viel Duft ist in der Blüte?
So viele Fragen – meine Güte!

Ist die Welt nicht irgendwie
voller Wunder und Magie?«

Daniela Drescher ©
(Seite 45)

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE und zum anschaulichen Buchtrailer auf der Verlagswebseite: https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Giesbert-hoert-das-Gras-wachsen.html

Hier entlang zum ersten Giesbert-Band „Giesbert in der Regentonne“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/10/giesbert-in-der-regentonne/

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.« http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.

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