Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch

  • von Andreas Steinhöfel
  • illustriert von Peter Schössow
  • vierter Rico-und-Oskar-Band
  • CARLSEN Verlag  November 2017    www.carlsen.de
  • gebunden
  • 272 Seiten
  • Format: 15 x 21 cm
  • mit vierfarbigen Illustrationen
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-551-55665-3
  • ab 10 Jahren

KINDERHERZLICHE  NÄCHSTENLIEBE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es gibt bereits drei Bände von Rico und Oskar, und als es damals im Jahre 2011 beim Erscheinen des dritten Bandes „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ hieß, die Reihe sei abgeschlossen, war ich betrübt, daß es mit diesen außergewöhnlich liebenswerten und originellen Kinderbuchcharakteren nicht weitergehen sollte. Nun bin ich hocherfreut, daß Andreas Steinhöfel den Leselebensfaden von Rico und Oskar doch noch weitergesponnen hat.

Der tiefbegabte Rico und der hochbegabte Oskar sind die besten Freunde füreinander. Die beiden Jungs ergänzen sich mit ihren jeweiligen Eigenheiten, Stärken und Schwächen, und sie entwickeln sich aneinander weiter.

Oskar kann ausgezeichnet kopfrechnen, weiß viel und ist ein wandelndes Lexikon. Deshalb ist er sich jedoch auch allzu vieler möglicher Lebensgefahren bewußt, was eine Neigung zum Tragen von Kopfbedeckungen (Sturzhelme, diverse Mützen) zur Folge hat. Besonders auffällig ist dies bei Bommelmützen im Hochsommer und wenn er darauf besteht, die Kopfbedeckung auch in Innenräumen nicht abzulegen. In entspanntem Zustand kann Oskar jedoch gut auf eine Kopfbedeckung verzichten.

Rico kann schlecht rechnen, weil ihm – wie er selber sagt – im Gehirn die passende Abteilung für Mathematik fehle. Bei Reizüberflutung kann er gar nicht mehr denken, weil in seinem Kopf die „Bingotrommel“ losgeht und ihn die  wild und laut herum- klackernden Bingokugeln total verwirren. Manchmal versteht er Dinge etwas zu wörtlich, was zu witzigen Mißverständnissen führt. Rico verfügt über sehr viel Einfühlungsvermögen und geht wesentlich geduldiger an seine Mitmenschen heran als Oskar, der die Begriffsstutzigkeit von Erwachsenen und Kindern nur schwer ertägt.

Mit Ricos ausgeprägtem Gefühlsspürsinn und Oskars klugem Köpfchen haben die beiden Jungs schon einige aufregende Abenteuer gut überstanden. Die Freunde wohnen in einem Altbauhaus in der „Dieffe 93“ in Berlin. Das ist ganz praktisch, zumal Rico eine ausgeprägte Rechtslinksschwäche hat und sich räumlich schnell verirrt.

Oskar wohnt bei seinem Vater Lars in der zweiten Etage. Rico lebt mit seiner Mutter und seinem frisch angeheirateten Stiefvater in einer zusammengelegten Wohnung, die sich  über die vierte und fünfte Etage erstreckt. Ricos Mutter ist hochschwanger und achtet inzwischen konsequent auf gesunde Ernährung, was Ricos Süßigkeitenkonsum drastisch einschränkt. Und kürzlich behauptete seine Mutter auch noch, er habe heimlich ihre Silberzwiebelchen weggefuttert. Mann, Mann, Mann – dabei war er wirklich unschuldig.

Wir schreiben den 24. Dezember. Rico schaut schneeflockenhypnotisiert aus dem Fenster auf das dichte Schneetreiben und ist mit seiner Geschenkevorfreude beschäftigt. Er wünscht sich einen Kriminalkoffer und eine Detektivausrüstung, schließlich hat er mit Oskar zusammen schon einige Kriminalfälle gelöst, und überdies ist sein neuer Papa  Polizist – da dürften ja wohl mal ein paar Handschellen & Co drin sein.

Um halb elf gehen Rico und Oskar zu Fuß zum Karstadt. Oskar will noch ein Geschenk für seinen Vater und für Otto kaufen, den besten Kumpel seines Vaters. Außerdem vielleicht noch eine Kleinigkeit für Anna, die neue Freundin, die Otto heute zum Festessen und Kennenlernen mitbringen wird. Rico will noch ein ganz raffiniertes, sehr um die Ecke gedachtes Geschenk für sein zukünftiges Brüderchen oder Schwesterchen kaufen – einen Schwimmreifen, mit dem es bei der Geburt durchs „Obstwasser“ schwimmen soll. Ich freue mich jetzt schon auf die Verfilmung dieses lustigen Verkaufsgesprächs …

Auf dem Weg zum verabredeten Wiedertreffpunkt in der Herrenabteilung – bei Karstadt verirrt sich Rico nämlich unerklärlicherweise nie – beobachtet Rico von der Rolltreppe aus, daß Oskar an einem Sonderangebotstisch für weiße Damenunterwäsche herum-wühlt. Rico wundert sich, fragt aber später nicht nach.

Zurück in der Dieffe 93 muß erst einmal Ricos Vater vor der im Treppenhaus einge-klemmten etwas übergroßen Weihnachtstanne gerettet werden. Das kommt davon, wenn man irgendwelche unterwegslichen Sonderangebote wahrnimmt, anstatt wie versprochen seinen Sohn zum Baumaussuchen mitzunehmen.

Doch das renkt sich alles wortwörtlich wieder ein, zumal Lars, Otto, Anna und sogar der muffelige Hausmeister Mommsen tüchtig mitanpacken. Rico darf zum Ausgleich den Baum schmücken, und Mamas beste Freundin Irina beginnt derweil ein traditionelles russisches Weihnachtsmenü vorzubereiten, denn Ricos Mama kann mit ihrem Wasserballbauchumfang nicht so lange in der Küche hantieren und soll sich lieber schonen und ausruhen.

Rico macht eine kleine Stippvisite bei Frau Dahling, seiner alten Freundin und Nachbarin aus dem dritten Stock, die sich Sorgen macht, da ihr Verehrer noch nicht da ist. Rico tröstet sie und meint, daß er wegen des vielen Schnees einfach länger unterwegs sei. Ein paar leckere Müffelchen staubt er beiläufig auch noch ab. Frau Dahling erzählt, daß Oskar bei seinem letzten Besuch eine Riesenmenge Müffelchen alleine verputzt habe. Rico wundert sich erneut über Oskars ungewohntes Verhalten.

Müffelchen sind kleine Schnittchen mit Käse und Aufschnitt, mit kulinarischer Dekoration aus Gürkchen, Oliven, Ei, Petersilie, salziger Sardelle und Silberzwiebelchen. Wenn Frau Dahling mit Rico und Oskar Filmschnulzen guckt, gibt es immer Müffelchen, und da wäre man wirklich selber gerne mal dabei.

Der Schneesturm wird immer heftiger. Rico packt liebevoll das Geschenk für sein Geschwisterchen ein und kuschelt eine Runde mit Porsche, seinem kleinen Jack-Russell-Terrier.

Rico denkt über Oskar nach, über das verschwundene Essen, über die Damenunter-wäsche und diverse weitere Auffälligkeiten. Kaum hat er richtig kombiniert, daß Oskar offenbar jemanden versteckt und durchfüttert, da klingelt Oskar und bittet seinen Freunde dringend um Hilfe …

Das wird sehr dramatisch und schneewehisch, aber auch ganz wunderwunderbar familiär und nächstenlieb – wie es sich für den Heiligen Abend gehört …

Wer eine spannende und zugleich gefühlvoll-nachdenkliche sowie humorvolle Kinderlektüre sucht, ist bei Rico und Oskar sehr gut aufgehoben. Hier finden sich ein reicher Fundus lebensechter Charaktere, ein warmherziger, wortspielerisch- er Erzählstil, eine lebenskluge Balance von perfekter Dramaturgie und emotionaler Reflektion sowie vielfältige familiäre, lustige, milieuspezifische, zwischenmenschliche und kindgemäß-geistreiche Aspekte.

Alleine schon für die Worterklärungskästchen, die Rico immer formuliert, wenn er ein neues Fremdwort gelernt hat, lohnt sich die Lektüre, wie das nachfolgende Zitat zeigt:

»PROFILNEUROSE: Wenn jemand sich vor anderen wieder und wieder darstellen muss, auch wenn die ihn schon jahrelang kennen und das langweilig finden. Es ist die Vorstufe von Narzissmus, wo einer nur noch sich selber sieht und liebt. Keine Ahnung, was das alles mit Rosen und Narzissen zu tun hat, aber es betrifft nicht nur Gärtner.« (Seite 156)

Die farbigen Illustrationen von Peter Schössow geben Rico und Oskar mit ausdrucksvollem Minimalismus anschaulich-knuffelige sowie äußerst textgetreue Gestalt, und die schneebeflockten Kapiteltrennseiten tragen zusätzlich zur winterlichen Gestimmtheit der Geschichte bei.

Im vorliegenden vierten Band von „Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch“ sind die Kinder im Vergleich zu den ersten drei Bänden etwas reifer und selbstbe- wußter geworden. Ricos Kopfbingogekugel hat deutlich nachgelassen, und Oskar trägt nicht ständig eine Kopfbedeckung. Gleichwohl sind sie Kinder und brauchen Halt, Orientierung und Hilfe von erwachsenen Erwachsenen. Es gibt in diesem Buch sehr anrührende Szenen, welche das tiefe kindliche Bedürfnis nach familiärer Geborgenheit, Schutz, Trost und Vertrauen in anschaulichen Formulierungen wiedergeben.

Ricos Angst vor Liebesverlust durch das erwartete Geschwisterchen begegnet Oskar mit folgender sehr weisen Antwort:

»Liebe ist, glaube ich, etwas ziemlich Unerschöpfliches. Dir wird nichts weggenommen – wenn jemand Neues dazukommt, wächst für den einfach neue Liebe dazu. Deshalb muß man auch keine Vorräte anlegen, es ist immer genug für alle da.« (Seite 94)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.carlsen.de/hardcover/rico-oskar-und-das-vomhimmelhoch-rico-und-oskar-/61384

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band „Rico, Oskar und die Tieferschatten“:
https://www.carlsen.de/hardcover/rico-oskar-und-die-tieferschatten-rico-und-oskar-1/30991
zum zweiten Band: „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“:
https://www.carlsen.de/hardcover/rico-oskar-und-das-herzgebreche-rico-und-oskar-2/25135
und zum dritten Band: „Rico, Oskar und das Herzgebreche“:
https://www.carlsen.de/hardcover/rico-oskar-und-der-diebstahlstein-rico-und-oskar-3/23133
Hier entlang zu einem weiteren Kinderbuch von Andreas Steinhöfel, in dem sich ebenfalls zwei Außenseiter erfolgreich zusammentun: „Glitzerkatze und Stinkmaus“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/02/11/glitzerkatze-und-stinkmaus/

Der Autor:

»Andreas Steinhöfel wurde 1962 in Battenberg geboren, arbeitet als Übersetzer und Rezensent und schreibt Drehbücher – vor allem aber ist er Autor zahlreicher, vielfach preisgekrönter Kinder- und Jugendbücher, wie z. B. »Die Mitte der Welt«. Für »Rico, Oskar und die Tieferschatten« erhielt er u. a. den Deutschen Jugendliteraturpreis. 2009 hat Andreas Steinhöfel den Erich-Kästner-Preis für Literatur verliehen bekommen, 2013 wurde er mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk ausgezeichnet und 2017 folgte der James-Krüss-Preis. Andreas Steinhöfel ist als erster Kinder- und Jugendbuchautor Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Der Illustrator:

»Peter Schössow, Jahrgang 1953, gehört zu den renommiertesten deutschen Illustratoren. Nach seinem Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg arbeitete er unter anderem für Spiegel, Stern und Die Sendung mit der Maus. Darüber hinaus hat er eine Vielzahl von Kinderbüchern verfasst und illustriert, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Peter Schössow lebt in Hamburg.«

 

Meine lokale KAUFEMPFEHLUNG:

Für meine Solinger Mitleser weise ich gerne darauf hin, daß die Buchhandlung
DIE SCHATZINSEL stets einen satten Vorrat an Andreas-Steinhöfel-Büchern pflegt.
Von „Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch“ sind sogar noch
vom Autor signierte Exemplare (von der Solinger-Steinhöfel-Lesung vom 6.11.2017) vorrätig.

Die Schatzinsel
Buch & Meer
Forststr. 1
42697 Solingen
Tel:   0212  –  38 32 95 10
Fax:  0212  –  38 32 95 11
http://www.schatzinsel-solingen.de

 

 

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Irgendwo brennt ein Feuer im Eis

  • Eine Erzählung über Vulkane, Gebirge und die Schätze der Erde
  • Text und Fotos von Andreas Pflitsch
  • Illustrationen von Dirk Steinhöfel
  • Arena Verlag  Juni 2017    www.arena-verlag.de
  • 48 Seiten
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 26 cm x 32,8 cm x 1,2 cm
  • abgerundete Buchecken
  • ISBN 978-3-401-60248-6
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A)
  • ab 9 Jahren

FEUER, WASSER, ERDE, LUFT  UND  EIS

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

» Aber so ist das im Leben. Manche Dinge brauchen Zeit, um sich zu entwickeln.
So wie die Gegend hier.
«  (Seite 8)

Dieses Zitat sollten wir in Anbetracht der erdgeschichtlichen Zeiträume und Zusammen-hänge, die uns in diesem erzählenden Abenteuersachbuch vermittelt werden, stets im Sinn behalten.

Wie schon im ersten Gemeinschaftswerk von Andreas Pflitsch und Dirk Steinhöfel, das uns das Geheimnis der Höhlen erschloß (siehe meine Rezension vom  Oktober 2014 https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/08/irgendwo-in-der-tiefe-gibt-es-ein-licht/), erwartet den geneigten Leser und Betrachter auch im neuen Buch eine interessante und lebendige Einführung in ein erdgeschichtliches Wissensgebiet. Hier wird auf spannende Weise Wissen vermittelt und mit beeindruckendem Bildmaterial Forscherdrang und Entdeckerfreude geweckt.

Die Geschwister Jonas und Sophie haben wieder eine Einladung von ihrem amerika-nischen Urgroßvater Elias bekommen. Diesmal geht es nach Alaska. Voll aufgeregter Vorfreude steigen sie in Anchorage aus dem Flugzeug und werden von ihrer Tante Janis herzlich in Empfang genommen.

Elias hat sich versteckt und läßt den Kindern nach und nach bruchstückhafte Botschaften und Hilfsmittel zukommen, damit sie die von ihm gestellte, zunächst ganz rätselhafte Suchaufgabe lösen. Bereits dem Einladungsbrief lag das Bruchstück einer alten Kupferplatte mit geheimnisvollen Gravierungen bei. Im Verlauf der Suche werden sich die Hinweise und die Metallplatte zu einem sinnvollen Ganzen runden.

In Begleitung ihrer Tante erkunden die Kinder die Gegend und bewundern die imposanten Berge. Viele davon sind, obwohl schneebedeckt, Vulkane – eine gute Gelegenheit, einen kleinen Exkurs über Plattentektonik, Gebirgsbildung, Gebirgsfaltung, und Vulkantypen (Schildvulkane, Schichtvulkane) ins Gespräch zu bringen.

Illustrationen von Dirk Steinhöfel © Fotos von Andreas Pflitsch © Arena Verlag 2017

Im Informationszentrum des Wrangell-St.-Elias-Nationalparks schauen sich die Kinder eine Landkarte mit eingezeichneten Kontinentalplatten an, und Tante Janis‘ Erläuterungen zur unterschiedlichen Konsistenz der Erdschichten und Erdmantel- schichten werden in anschauliche Graphiken übersetzt.

Das ist der Moment, in dem man ein bißchen das Gefühl für den festen Boden unter den Füßen verliert. Denn unser fester Boden ist eine vergleichsweise dünne Haut – die sogenannte kontinentale Kruste -, die auf der Lithosphäre liegt, und diese wiederum befindet sich auf dem Erdmantel, der aus plastischem Material besteht. Das, was wir – außer bei Erdbeben – als unbewegliche Landmasse erleben, schwimmt tatsächlich auf dem zähflüssigen Gestein des Erdmantels. Dazu kommen noch die Ozeanböden, welche die ozeanische Kruste bilden.

Ozeanböden sind schwerer als Kontinentalböden, und sie sinken nach und nach in die weichere Erdmantelschicht ab. So entstehen Risse und Spalten in der Ozeanplatte, aus denen Magma aufsteigt, und dies drückt die Ozeanplatten auseinander und läßt sie bis zu 12 cm jährlich wachsen.

Illustrationen von Dirk Steinhöfel © Fotos von Andreas Pflitsch © Arena Verlag 2017

Parallel zur Suche nach Elias wird das Thema Vulkanismus, die Entstehung von Erdbeben, Magmablasen, die Funktion von Stratovulkanen, die Rolle von Wasser und Wasserdampf sowie die Ausfällung von Metallen und die Entstehung von Gold-, Silber- und Kupferadern, aber auch unterschiedlicher Gesteinsarten und Fossilien erklärt. Daneben eröffnen sich uns großartige Ausblicke auf imposante Vulkanausbrüche, Lavaströme und wunderschöne Gebirgslandschaften.

Und die Kinder finden natürlich auch ihren Urgroßvater wieder, in einer alten verlassenen Minenstadt …

Die Verknüpfung einer zwischenmenschlichen Rahmenhandlung mit der Vermittlung von naturwissenschaftlichem Sachwissen hat den Reiz, daß die Informationen im familiären Gespräch erzählt, erörtert und rekapituliert werden. Das ist lebhafter und für Kinder gewiß anregender zu lesen als ein rein faktischer Sachbuchtext.

Das faszinierende Bildmaterial und die 3D-Optik bannen sowohl den kindlichen wie den erwachsenen Betrachter ganz unmittelbar. Bereits das außergewöhn- liche Großformat und die grafische Gestaltung von Dirk Steinhöfel, die dem Buch detailverspielt das Aussehen eines verwitterten Forschertagebuchs gibt, ist eine Einladung zum Leseabenteuer.

Dirk Steinhöfel hat die Fotografien mit eigenen Illustrationen ergänzt und teilweise collagiert und ein spannendes, computergraphisch montiertes Layout gestaltet, das den sachkundig-erzählenden Text von Andreas Pflitsch kongenial untermalt und veranschaulicht.

Ich hoffe, daß dieses wissens- und sehenswerte Buch von vielen jungen Lesern entdeckt wird und sie auf eine spannende und aufschlußreiche Lesereise in unterirdische Gefilde mitnimmt.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.arena-verlag.de/artikel/irgendwo-brennt-ein-feuer-im-eis-978-3-401-60248-6

Hier entlang zum ersten Abenteuersachbuch von Andreas Pflitsch und Dirk Steinhöfel:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/08/irgendwo-in-der-tiefe-gibt-es-ein-licht/

 

Der Autor:

» Prof. Dr. Andreas Pflitsch wurde 1958 geboren. Er lehrt in den Bereichen Geografie und Sicherheitsforschung und arbeitet als Spezialist für  Klimatologie an extremen Standorten (Gletscherhöhlen, Lavahöhlen, U-Bahntunnel). Neben Arbeiten in Alaska, den Rocky Mountains und dem Mittleren sowie Süd-Westen der USA baut er das Forschungszentrum zur Lava- und Eishöhlenforschung „Akeakamei“ auf Hawaii auf. «  http://www.andreas-pflitsch.de

Der Illustrator:

» Dirk Steinhöfel wurde 1964 geboren. Als freiberuflicher Autor und Illustrator im Bereich Kinder- und Jugendliteratur entwickelt er vor allem detaillierte Graphic Novels sowie Cover für Fantasyliteratur und Dystopien. « www.der-dreizehnte-engel.de

 

PS:

Schade finde ich, daß der Verlag offenbar bei der Herstellung nachlässig war.

Das Titelbild ist, verglichen mit dem spektakulären Bildmaterial des Buches und im Vergleich mit dem geheimnisvoll einladenden Titelbild des Vorgängerbandes, leider etwas lahm und zahm geraten. Hatte der Verlag dabei Angst vor der Angst? Vulkanismus ist nun einmal kein gemütliches Gebiet, sondern ein durchaus dramatisches und auch beängstigendes Thema, das liegt einfach in der Natur der Sache.

Wieso sind die Buchnieten, die man außen auf dem Titelbild sieht, auf den Innenseiten plötzlich verschwunden? Im Vorgängerband wurden die Blattlochungen und die Buchbindeschnur des Forschertagebuchs auch auf den Innenseiten weitergeführt, was die dreidimensionale optische Wirkung verstärkte.

Ausgerechnet bei der plakativen Autorenkurzinfo auf dem hinteren Buchdeckel fand für den Autor eine unerklärliche Umschulung zum Geologen statt. Tatsächlich ist Andreas Pflitsch jedoch Klimageograph und Höhlenforscher und beim ersten Buch wußte der Verlag das auch noch.

 

 

Enno Anders

  • Löwenzahn im Asphalt
  • von Astrid Frank
  • Illustrationen von Regina Kehn
  • Verlag Urachhaus  März 2017    http://www.urachhaus.com
  • gebunden, Fadenheftung
  • 160 Seiten
  • 14,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-5122-5
  • ab 9 Jahren

ANDERS  ANDERS  ALS  ANDERE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der elfjährige Enno Anders ist ein phantasievoller Tagträumer; nicht oberflächlich, sondern gedankentief. Allerdings ist er manchmal so sehr in seine Gedankengänge vertieft, daß er eine einfache Aufgabe, wie beispielsweise den Frühstückstisch zu decken, nicht im konventionell-ordentlichen Sinne erledigt oder eine an ihn gestellte Frage nicht hört oder sie im assoziativen Zusammenhang mit der Geschichte beantwortet, die er sich gerade ausdenkt.

Enno ist nun zum zweiten Mal in der vierten Klasse, weil seine schlechten Noten eine Klassenwiederholung geboten. Seine sehr feinen Wahrnehmungsantennen machen Enno das Leben oft schwer. In der Schule irritiert ihn das laute Knacken der Heizungs- systeme und das Geschniefe seines Sitznachbarn, und es gelingt ihm nicht immer, diese für ihn sehr intensiven Reize auszufiltern und dem Unterricht konzentriert zu folgen.

Er mag keine gewalttätigen Filme und kann während der Pausen bei den angesagten Filmen, die seine Klassenkameraden gesehen haben, nicht mitreden. Auch wettbe- werbsbetonte Spiele, in denen es Verlierer und Gewinner gibt, erfüllen ihn nicht mit Freude.

Durch sein untrügliches Gespür für Wahrhaftigkeit und hat er schon so manche Täuschung – beispielsweise seiner egozentrischen Tante – entlarvt. Doch wenn er einen solchen Verdacht äußert, glaubt ihm zunächst niemand, und wenn sich dann seine Wahrnehmung offensichtlich für alle bestätigt, schaut ihn seine Familie an, als wäre er ein unheimlicher Außerirdischer mit Röntgenblick. Dabei ist es Enno unheimlich, daß die anderen nicht mitbekommen, wenn jemand lügt.

Sein bester Freund ist – ausgerechnet – der hochbegabte Nachbarsjunge Olsen, der mit seinen elf Jahren schon in die siebte Klasse geht und nebenbei noch Vorlesungen in Mathematik und Physik besucht, damit sein Superhirn besser ausgelastet ist. Beide Jungs haben gemeinsam, daß sie Außenseiter sind und wesentlich komplexer über die Dinge nachdenken. Bei Olsen fühlt sich Enno verstanden und angenommen, einfach so wie er eben ist. Olsens Mutter ist stolz auf ihren Sohn, und Enno hat den Eindruck, daß sie Olsen gerade wegen seiner Besonderheit umso mehr liebt.

Seine eigene Mutter, das spürt Enno ganz deutlich, hätte ihn gerne anders, also normaler und funktioneller, und sie sorgt sich, was aus ihrem Sohn einmal werden solle. Seine große Schwester Elena geht erfolgreich aufs Gymnasium, und Ennos Mutter wünscht sich, daß Enno dieses Bildungsziel ebenfalls erreicht. Um jedoch eine schulische Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen, braucht Enno bessere Noten, u.a. wenigstens ein „befriedigend“ im Fach Deutsch.

Manchmal denkt Enno, daß er ein Außeririscher sei, denn so richtig zu Hause fühlt er sich in der menschlichen Gesellschaft nicht. Egal wieviel Mühe er sich gibt, die Menschenwelt mit ihren unzähligen groben Reizen, der schmerzhaften Lautstärke und den leistungsorientierten Regeln strengt ihn an, und er sehnt sich nach leiseren, langsameren, friedlicheren Gefilden.

Als kreatives Ventil dient ihm eine Geschichte, an der er schon eine Weile heimlich schreibt. In diesem fiktiven Freiraum ist Enno tatsächlich ein Außerirdischer, der das seltsame Leben der Erdmännchen und Erdweibchen erforscht und reflektiert. Die Lesekostproben, die – farblich abgesetzt – ins Buch integriert sind, offenbaren Ausdrucksstärke, Humor und Fantasie sowie einen beträchtlichen Nachholbedarf bei Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Nachdem er seine Geschichte fertig geschrieben hat, druckt er sie für seinen Freund Olsen aus. Olsen ist begeistert und regt Enno an, den Text  bei einem Schreibwettbe- werb einzureichen, aber Enno traut sich nicht – wegen seiner schlechten Deutschnote …

Enno lebt in ständigem Konflikt zwischen seinem kindlichen Bedürfnis, von seiner Familie eine positive Resonanz auf sein Sosein zu bekommen, und dem Gefühl, sich für positive Bestätigung verstellen zu müssen. Der Konflikt spitzt sich angesichts der drohenden Empfehlungsschreiben für die weiterführende Schulart zu.

Er belauscht ein Gespräch zwischen seiner Mutter und seinem Vater. Während sein Vater der Ansicht ist, Enno müsse nicht aufs Gymnasium gehen, die Realschule täte es auch und von dort aus könne er später immer noch aufs Gymnasium wechseln, bringt seine Mutter, aufgeregt durch ein Schreiben der Klassenlehrerin, die Frage nach ADS, Entwicklungsdefiziten und sogar einer Förderschule ins Gespräch.

Auf Anregung von Olsens Mutter geht Ennos Mutter mit ihm zu Doktor Müller, dem Psychologen, der Olsens Hochbegabung festgestellt hatte. Enno ist mißtrauisch, aber der Psychologe ist sympathisch und wohlwollend. Nach einigen Tests und einfühlsamen Befragungen erklärt Doktor Müller, daß Enno über eine durchschnittliche Intelligenz mit besonderer Stärke im sprachlichen Sektor verfüge. Außerdem habe er keinerlei Entwicklungsstörungen, sondern nur eine spezielle Eigenschaft, die ihn von der Mehrzahl seiner Altersgenossen unterscheide: Er ist hochsensibel!

Ennos Mutter begreift nun, wie sehr ihre Zweifel an ihrem Sohn ihn zusätzlich belastet haben, da Hochsensible sehr genau spüren, was andere Menschen über sie denken. Die Weichen für besseres wechselseitiges Verständnis sind nun gestellt. Während Ennos Mutter die Neuigkeit für sich verarbeitet, geht Enno rüber zu Olsen, und sie recherchieren und besprechen ausführlich das Thema „Hochsensibilität“.

» „Also, du meinst, die meisten Leute sind wie Löwenzahn. Sie kommen sogar mit nicht so guten Lebensbedingungen zurecht, weil sie sich daran anpassen können. Und dann gibt es Leute, so wie mich zum Beispiel, die sind wie Orchideen. Wenn um sie herum alles total super ist, dann geht es ihnen gut und sie bringen manchmal sogar mehr zustande als die Löwenzahnmenschen.“
Olsen nickt und grinst begeistert: „Genau“, sagt er. „Aber wenn man eine Orchidee nicht gut pflegt…“ « (Seite 149)

Diese Innenansichten eines hochsensiblen Jungen bieten einen aufschlußreichen Einblick in Lebenserfahrung, Daseinsbedingungen und die besonderen zwischenmenschlichen Herausforderungen eines hochsensiblen Kindes. Die Mißverständnisse und pädagogischen Fehldeutungen, mit denen hochsensible Kinder häufig konfrontiert sind, werden deutlich thematisiert und konstruktiv korrigiert.

Ganz besonders gelungen ist die Darstellung der hohen Empathie des hochsensiblen Kindes sowie seine Schwierigkeit, die eigenen Gefühle und die des Gegenübers auseinanderzuhalten. So spürt Enno sehr wohl, daß seine Mutter ihn liebt, aber ebenso, daß sie von ihm enttäuscht wäre, wenn er beispielsweise nicht aufs Gymnasium käme. Diese Gefühlsmelange aus eigener Traurigkeit und der Traurigkeit über die Traurigkeit des anderen wird sehr anschaulich und anrührend in Szene gesetzt.

Normalsensiblen Kindern, Eltern und Betreuern kann diese Lektüre eine Ahnung von der Wahrnehmungsintensität, Denkkomplexität und Empathie- begabung hochsensibler Menschen vermitteln.

Dieses Kinderbuch bietet für hochsensible Kinder breite Identifikations- möglichkeiten und es stärkt auf einfühlsame, humorvolle und kindgerechte Weise Selbstverständnis und Selbstwertschätzung für das individuelle Anderssein sowie Vertrauen in das intuitive, hochsensible Wahrnehmungs- spektrum und die damit verbundene feinsinnig-empfindsame zwischenmenschliche Kompetenz.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825151225/enno-anders

Die Autorin:

»Astrid Frank, geboren 1966, verdiente ihr erstes eigenes Geld noch zu Schulzeiten als Tellerwäscherin in einer Krankenhausküche. Später studierte sie Biologie, Germanistik und Pädagogik und arbeitete bereits während des Studiums als Lektorin und Übersetzerin für mehrere deutsche Verlage und schreibt seit 1999 Geschichten für Kinder und Jugendliche. Sie lebt mit ihrer Familie in Köln. Im Verlag Urachhaus ist bereits ihr Jugendbuch Unsichtbare Wunden erschienen.«   http://www.astridfrank.de

PS:
Diese Buchbesprechung widme ich gerne und aus hochsensibler Selbster- fahrung und Überzeugung Petra Pawlowskys Fundgrube KINDER IM AUFWIND: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Querverweis auf ergänzende Bücher:

Für Sachbuchstoff zum Thema Hochsensibilität linsen Sie bitte unter die nachfolgenden Links: Eliane Reichhardt: Hochsensibel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/06/20/hochsensibel/
Sylvia Harke: Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/23/hochsensibel-ist-mehr-als-zartbesaitet/

Querverweis auf weiterführende Webseiten zur Hochsensibilität:

Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität,
IFHS e.V. in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
http://www.hochsensibel.org/
www.zartbesaitet.net
www.ifhs.ch
(Berufs-)verband pro Sensitivität und Empathie im Beruf,
VSEB e.V.:  www.vseb.org
Hilfe für hochsensible Kinder und Jugendliche: www.hochsensiblehilfe.de

Wer gerne wissen möchte, ob er hochsensibel ist, kann den nachfolgenden kleinen Test absolvieren. HSP-Test-Fragebogen: http://www.zartbesaitet.net/survey/site.php?a=su_onepage&su_id=1

 

Die Gorgel

  • von Jochem Myjer
  • Originaltitel: »De Gorgels«
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • mit farbigen Illustrationen von Rick de Haas
  • Verlag Freies Geistesleben  März 2017   http://www.geistesleben.com
  • gebunden
  • 175 Seiten
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2789-0
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren
  • zum Selberlesen ab 7 Jahren

J U B E L D I B A M B A M!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In Jochem Myjers Kinderbuch gibt es Gorgel, kleine spitzohrige Wesen, die mit einem Holzstock bewaffnet sind und schlafende Kinder vor den giftgrünen, schädlichen Scheußlingen beschützen. Die Scheußlinge, mit ihrer unverkennbaren Duftmarke fauliger Schweißsocken, brauchen Kinder nur anzuhauchen, und schon bekommen sie eine fiese Erkältung, Bauchweh, Kopfschmerzen oder auch schlimmere Krankheiten.

Die meisten Kinder können weder die Gorgel noch die Scheußlinge sehen, und sie ahnen nichts von den freundlichen Hütern ihres Schlafes und von den Kämpfen, die gelegentlich für ihr Wohlergehen ausgefochten werden.

Doch Melle ist ein Junge, der über eine sehr gute Beobachtungsgabe verfügt; er ist sehr naturkundig, kennt viele Vögel und betrachtet die Welt mit aufgeschlossenem Herzen. So sieht er eines Nachts ein kleines Wesen mit muskulösen Ärmchen und Beinchen auf seiner Bettkante sitzen. Als das Wesen begreift, daß Melle es sehen kann, versteckt es sich blitzschnell; aber so leicht läßt sich Melle nicht abwimmeln.

Es dauert zwar eine Weile, doch schließlich kommt Melle mit dem Gorgel, der Bobba heißt, ins Gespräch. Bobba spricht mit einem lustigen Akzent und führt stolz seine Stockfechtkünste vor, und er erklärt Melle, welche wichtigen Aufgaben Wachgorgel erfüllen. Sie sorgen dafür, daß Kinder gut schlafen, sie heilen Wunden, helfen Kindern bei der Genesung, und sie beschützen sie vor dem schädlichen Einfluß der Scheußlinge.

Alle Gorgel stammen von einer nahegelegenen Insel, auf der zufällig auch Melles Großeltern zu Hause sind. Melle erfährt, daß sein Großvater bei den Gorgeln bekannt und beliebt ist, weil er als Kind ebenfalls die Gorgel sehen konnte und die Freundschaft zu ihnen pflegte.

Als Melle seinem Vater von Bobba erzählt, ist er sehr besorgt, denn rege Wachgorgel-aktivität deutet auf nahende Scheußlingsbedrohung hin. Die Sorge ist berechtigt. Schon in der nächsten Nacht dringt ein Scheußling in Melles Zimmer ein. Bobba kämpft energisch und äußerst tapfer gegen ihn und katapultiert den Scheußling aus dem Fenster, aber der hat Bobba vorher noch ins Bein gebissen, und nun sorgt sich Melle um Bobbas Gesundheit.

Melle und sein Vater beschließen, mit dem verletzten Gorgel einen Besuch bei den Großeltern zu machen. Denn Melles Großvater weiß sehr viel über Gorgel, und auf der Insel leben Bobbas Artgenossen, die ihn hoffentlich heilen können. Der Großvater läßt Melle als Erste-Hilfe-Medizin sogleich Moosbeeren sammeln, mit denen er den fiebernden Bobba füttert.

Melle macht sich mit Bobbas geschwächter Hilfe auf die Suche nach den Inselgorgeln. Dies gelingt reibungslos, die Gorgel nehmen Bobba in ihre Obhut, und sie warnen vor einer Invasion von Scheußlingen, da sie mit ihren feinen Nasen schon die nahende, fiese Duftnote einer großen Gruppe „Grönländischer Scheußlinge“ wittern. Wenn es nicht gelänge, diese Scheußlinge aufzuhalten, dann würden viele Kinder krank werden.

Der findige Melle entwickelt aus den vorhandenen Mitteln des Meeres einen raffinierten Plan, um gemeinsam mit den Inselgorgeln die Scheußlinge zu verjagen. Es erweist sich als großer Glücksfall, daß er naturkundig ist und viel über Tiere und ihre Verhaltens-weisen weiß und trickreich die Hilfe von Taschenkrebsen, Löfflern, Möwen und Seehunden in Anspruch nehmen kann.

Jochen Myjer hat mit „Die Gorgel“ eine ebenso warmherzige wie spannende und naturverbundene Geschichte geschrieben, in der trotz einiger Gefahren und Bedrohungen ein wohltuender Grundton familiärer Geborgenheit, zuverlässiger Fürsorge und inniger Freundschaftsbindung vorherrscht.

Die Gorgel  wecken auf jeden Fall spielend die kindliche Sympathie und Neugier, und ihre zwar geheimnisvoll-märchenhafte, gleichwohl handfest-tatkräftige und zugewandt-lustige Wesensart ist eine Inspiration für große und kleine Menschen mit Beschützerinstinkten und Phantasie.

Dieses Kinderbuch gibt Anlaß zum Lesejubel oder – wie man auf Gorgelisch begeistert auszurufen pflegt – JUBELDIBAMBAM!

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.geistesleben.de/buecher/9783772527890/die-gorgel

 

Der Autor:

»Jochem Myjer 1977 geboren, ist einer der bekanntesten und beliebtesten Kabarettisten und Comedians in den Niederlanden. Sein Biologiestudium gab er nach zwei Jahren auf, um sich ganz dem Kabarett zu widmen. Er war u.a. Moderator der Kindersendung «Kinderen voor Kinderen» und spricht auch im Radio. 2010 gewann er den Cabaret Award als bester Kabarettist. Er lebt mit der Sängerin Marloes Nova zusammen und hat mit ihr zwei Kinder. Sein Buch Die Gorgel wurde 2016 mit dem Prijs van den Nederlandse Kinderjury ausgezeichnet.«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mach die Biege, Fliege!

  • Text und Illustrationen von Kai Pannen
  • Tulipan Verlag Februar 2017  www.tulipan-verlag.de
  • 104 Seiten
  • Format: 24,5 x 17 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-86429-339-9
  • ab 4 Jahren zum Vorlesen
  • ab 8 Jahren zum Selberlesen


HERAUSSPAZIERT!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Stubenfliege Bisy und Hausspinne Karl-Heinz leben seit dem letzten Weihnachtsfest in einträchtiger Wohngemeinschaft zusammen. Wie es zu dieser außergewöhnlichen Freundschaft kam, erfährt man aus dem ersten Band „Du spinnst wohl“ (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/27/du-spinnst-wohl/ ).

Es genügt zu wissen, daß Karl-Heinz Bisy zuliebe Vegetarier geworden ist und daß die Temperamente der beiden Freunde sehr unterschiedlich sind. Bisy ist quirlig, gesellig, vorwitzig, unternehmungslustig, hat ein flottes Mundwerk und kennt sich mit der Welt außerhalb des Hauses aus. Karl-Heinz ist einzelgängerisch, schüchtern, schwerfällig, vorsichtig, hat gerne seine ungestörte Ruhe und scheut Veränderungen.

Bisy wird nach den langen Wintermonaten frühjahrsmunter und sehnt sich nach mehr Aufregung und Spannung, aber Karl-Heinz hockt lieber gemütlich auf seinem Sofa und will sich von Bisy nicht zu neuen Abenteuern animieren lassen. Beide schmollen und fragen sich, ob sie auf Dauer noch zusammenpassen.

Der gnadenlos-gründliche Frühjahrsputz der Menschen zwingt die beiden zur Flucht nach draußen. Karl-Heinz reagiert zögerlich auf die Attacken von Staubwedel, Putzbürsten und Wischlappen und liest erst noch einmal in seinem „Haushaltsratgeber für Krabbeltiere“ nach, was es mit dem sogenannten Frühjahrsputz auf sich hat, und gibt sich der Illusion hin, noch ein sichereres Plätzchen im Hause zu finden.

Bisy drängt Karl-Heinz zur Eile und schwärmt ihm von der großen, weiten Welt des Gartens vor, von Freiheit, Frischluft und Pflanzenfülle. Erst als das Dröhnen des Staubsaugers immer näher kommt, rafft sich Karl-Heinz widerwillig auf und folgt Bisy zum Fenster und von dort aus in den Garten.

Auf der Suche nach einem geeigneten Plätzchen für ein neues Wohnnetz krabbelt der naturbanausige Karl-Heinz zum ersten Mal in seinem Leben durch Wiesengras, hört es überall rascheln und flüstern und wird von Bisy über die Lebensgefahr durch Vögel aufgeklärt. Das Wetter ist feuchtkalt und windig, und Karl-Heinzens Laune ist nicht sehr wetterfest.

Sie begegnen einer revierverteidigenden Wespenkönigin, hilfsbereiten Kellerasseln, einer Truppe preußischer Ameisensoldaten und einem Regenwurm, der das feuchte Wetter als ganz vorzüglich lobt und vor einer Aufheiterung des Wetters warnt.

Illustration © Kai Pannen Tulipan Verlag 2017

Schließlich finden sie eine Buchenhecke, in deren Geäst Karl-Heinz ein unkonventionelles Netz knüpft. Die Regenwolken verziehen sich, und die Sonne scheint auf das neue Heim der ungleichen Freunde. Kaum haben sie sich „häuslich“ eingerichtet, da kreuzt eine griesgrämige Blattwanze auf und verlangt eine Baugenehmigung.

 

Bisy macht sich über das beamtische Gehabe lustig, und Karl-Heinz überlegt, ob er sich eine Ausnahme im vegetarischen Speiseplan erlauben könne – natürlich nur bei nervigen Mitinsekten, zumal Blattwanze doch ziemlich nach Gemüse klinge.

Illustration © Kai Pannen Tulipan Verlag 2017

Während Bisy einen größeren Erkundungsausflug unternimmt und beinahe von einer Libelle gefangen wird, macht Karl-Heinz in der obersten Etage der Buchenhecke Bekanntschaft mit Constanze, einer molligen, kapriziösen Schmetterlingsraupendiva, die ihn „dicker Herr Spinnerich“ nennt.

Außerdem entdeckt Karl-Heinz in der näheren Umgebung den Bonbonmarkt der  Blattläuse. Sie fabrizieren aus süßen Pflanzensäften  Ahorndrops, Birkenlutscher, Efeuschlotzer, Fliederbonschen, Holunderpastillen, Kirschstangen, Ligusterheckenkamellen, Rosengutsle … So langsam findet Karl-Heinz das Leben in der Wildnis ganz attraktiv.

Illustration © Kai Pannen Tulipan Verlag 2017

Er strickt für Bisy einen Wespenanzug, damit er keine Angst mehr vor Libellenangriffen haben muß, und  Bisy bastelt für Karl-Heinz ein Skateboard für seine körperliche Ertüchtigung.

Illustration © Kai Pannen Tulipan Verlag 2017

Bisy organisiert heimlich eine Geburtstagsfeier für Karl-Heinz, es gibt heftigen Streit, ja, sogar Freundschaftsverrat wegen Constanze. Bisy zieht aus dem Netz aus und sucht vergeblich eine anderweitige Bleibe. Nach einigem Hin und Her und lehrreichen zwischeninsektischen Erfahrungen finden die beiden jedoch wieder zueinander.

Illustration © Kai Pannen Tulipan Verlag 2017

Und das mit der Baugenehmigung klappt dann übrigens auch noch!

Sowohl zeichnerisch als auch sprachlich wartet „Mach die Biege, Fliege!“ mit einfühlsamen, farbenfröhlichen, phantasievollen und witzigen Details auf. Die 23 Einzelkapitel sind zwischen drei bis fünf Seiten lang und großzügig illustriert. Der Lesespaß dürfte somit für Vorlesenehmer, Vorlesegeber und Selbstleser garantiert sein.

Die Beziehungsdynamik zwischen den beiden schrägen Insektentypen speist sich aus ihren sehr unterschiedlichen Charakteren, ihrer gegenseitigen Anhänglichkeit und den Reaktionen der Mitwelt auf ihre ungewöhnliche Verbindung. Vordergründig ist dies amüsant, skurril und oft situationskomisch. Zwischen den Zeilen enthält diese Geschichte indes gänzlich unaufdringlich eine Riesenportion beispielhafter Toleranzübung, kommunikativer Kompetenz und Herzensbildung.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.tulipan-verlag.de/Buecher/Kinderroman/Mach-die-Biege-Fliege.html?listtype=search&searchparam=biege
Und als Hörbuch gibt es den versponnenen Spaß (2 CDs zu 14,95 €)  auch noch:
http://www.headroom.info/neu-2-cds-mach-die-biege-fliege.html

 

Der Autor und Illustrator:

»Kai Pannen wurde am Niederrhein geboren. Er studierte Malerei und Film in Köln und arbeitet seitdem als Illustrator und Trickfilmer. In den letzten Jahren hat er zahlreiche Bücher für verschiedene Verlage illustriert. An der Animation School Hamburg war er Dozent für Animation und Storyboard. Daneben betätigt er sich als Produzent für animierte Kinder-Kurzfilme. Kai Pannen lebt mit seiner Familie in Hamburg.«
Mehr auf www.kaipannen.de.

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band mit Bisy und Karl-Heinz: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/27/du-spinnst-wohl/

Opa Mammut

  • Eine Familien-Weltgeschichte für Kinder
  • von Dieter Böge und Bernd Mölck-Tassel
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart  August 2016 http://www.jacobystuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • durchgehend farbig illustriert
  • 128 Seiten
  • Format: 20,1 x 25,4 cm
  • 19,95 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-946593-07-2
  • ab 10 Jahren (zum Selberlesen)
  • ab 6 Jahren (zum Vorlesen)

Z E I T R A F F E R

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Vom gemeinschaftlichen Lagerfeuer in der Wohnhöhle bis zum vereinzelnden Lichtfensterchen des Smartphones war es ein langer, langer Weg.

Illustration von Dieter Böge und Bernd Mölck-Tassel © Jacoby & Stuart Verlag 2016

Die Autoren dieses Kinderbuches lassen einen unserer Urururururururur…–Ahnen die Menschheitsgeschichte im vertraulich-familiären Tonfall erzählen. Durch die Flammen des Feuers, dessen Beherrschung der epochale Fortschritt in der Zeit von Opa Mammut ist, schaut der altsteinzeitliche Erzähler in die Zukunft, und wir schauen mitlesend in die Vergangenheit unserer Menschheitsfamilie.

Im Vorwort sagt Opa Mammut: „Stell dir ein Buch mit tausend Seiten vor. Auf der ersten Seite wäre ich, dann käme eines meiner Kinder, danach die Kinder meiner Kinder – immer weiter durch die Zeit, auf jeder Seite eines meiner Enkelkinder, und auf der letzten Seite wärst du.“

Diese einleitenden Worte werden auf der nächsten Doppelseite mit den Stilmitteln konkreter Poesie in eine sehr gelungene graphische Zeittafeldarstellung gebracht. Erst danach erfolgt die menschheitsgeschichtliche Überlieferung aus dem Munde von Opa Mammut.

Illustration von Dieter Böge und Bernd Mölck-Tassel © Jacoby & Stuart Verlag 2016

Zunächst berichtet Opa Mammut vom bewegungsreichen Wanderleben der Altsteinzeit, vom Sammeln und Jagen, von magischen Höhlenmalereien, vom Jagdfortschritt durch die Erfindung von Pfeil und Bogen, von Bestattungsritualen und von frühen flöten-musikalischen Bemühungen.

„Wenn ich heute daran denke, was es in der Steinzeit noch nicht gab – man musste praktisch alles selbst machen. Was man nicht konnte, gab es nicht. …  Es gab auch keinen Marmorkuchen, obwohl es ja die Steinzeit war.“ (Seite 24)

Opa Mammut berichtet vom Verschwinden der großen Mammutherden, vom Seßhaft-werden in der Jungsteinzeit, von Ackerbau und Viehzucht und von der Erfindung des Rades. Da man inzwischen auch gelernt hatte, Stoffe zu weben, kam Fellbekleidung fast ganz aus der Mode. Die Tradition des mündlichen Erzählens und Bewahrens wurde gepflegt, da es noch keine Schrift gab.

Und so schreiten wir fort von der Errichtung des geheimnisvollen Kulturdenkmals Stonehenge zum neuen Werkstoff Bronze, zur Entwicklung des Handels, zum Werkstoff Eisen und dem hohen gesellschaftlichen Ansehen, welches das Schmiedehandwerk genoß.

Es folgen: Hannibals Feldzüge, Christi Geburt, Römer und Barbaren, die Völkerwande-rung, Karl der Große, Klostergründungen, ritterliche Lebensweise, die Pest, die Erfindung des Buchdrucks, die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges, die Umwälzungen der Französischen Revolution, die Industrialisierung, die Verlegung des Überseekabels auf dem atlantischen Meeresgrund, ein gemütlicher Blick in die Gründerzeit sowie ein ungemütlicher Blick in die Trümmerreste des Zweiten Weltkrieges, und schließlich betreten wir ein Wirtschaftswunder-Wohnzimmer mit Nierentisch und Schwarz-Weiß-Fernseher.

Das vorletzte, mit „Smart 2010“ betitelte Kapitel zeigt Menschen, die gebannt in ihre jeweiligen Smartphones starren und eine seltsam anmutende, äußerst abstrakte Beziehung „miteinander“ pflegen.

Illustrationen von Dieter Böge und Bernd Mölck-Tassel © Jacoby & Stuart Verlag 2016

Licht- und Schattenseiten zwischenmenschlicher, gesellschaftlicher und technischer Entwicklungen werden beiläufig angesprochen, und auch an ironischen Kommentaren fehlt es nicht; beispielsweise wird der Feldherr Hannibal mit dem lakonischen Satz charakterisiert: „Wahrscheinlich hatte wieder einer zu viel Ehrgeiz.“ (Seite 62)

Die historischen Figuren werden nicht mit ihren Namen genannt. So erscheint Karl der Große nur unter seinem Titel Kaiser und Jesus als kleiner Junge, der im Jahre 0 geboren wurde und dessen Geburtstag zum Weihnachtsfeiertag wurde. In Anbetracht dessen, daß unsere aktuelle Kalenderzeitrechnung mit Christi-Geburt beginnt, hätte etwas mehr christliches Selbstverständnis dem Text an dieser Stelle nicht geschadet.

Andererseits könnte ich dann auch noch hinterfragen, warum die dreifaltige Muttergöttin, die in der Steinzeit und auch noch darüber hinaus verehrt wurde, überhaupt keine Erwähnungswürdigkeit fand. Doch geben wir uns zufrieden – die Themenfülle ist zu groß, um jeder historischen Neigung gerecht zu werden.

Kurze, konzentrierte Texte mit kindgemäßen Bezugsebenen und einfacher Sprache berichten von 52 Generationen der Menschheitsgeschichte; begleitet werden sie von sehr aussagekräftigen Illustrationen, die jeweils exemplarisch eine Alltagszene aus der beschriebenen Zeit zeigen. Die Zeichnungen, die Ähnlichkeit mit grobgestochenen Stahlstichen haben, ergänzen und bereichern die Textinformationen, und sie sind sehr präzise in der Darstellung der historischen Details: Architektur, Landschaft, Kleidung, Waffen, Werkzeuge etc.

Fast 20 000 Jahre Menschheitsgeschichte von Altsteinzeit, Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, Mittelalter bis in die Neuzeit und unmittelbare Gegenwart werden in diesem Buch auf 128 Seiten nacherzählt. Daß dies nur streiflichternd und – für den historisch bewanderten erwachsenen Mitleser – nur mit schmerzlichen historischen Lücken möglich ist, erklärt sich von selbst.

Gleichwohl erzeugt der zugewandte, ebenso humorvolle wie nachdenkliche Plauderton eine wünschenswerte emotionale Nähe zur Vergangenheit und weckt Interesse und Neugier, sich anschließend mit der einen oder anderen Epoche oder auch generell mit Geschichte ausführlicher zu beschäftigen.

„Opa Mammut“ gelingt es, Geschichte auf vergnüglich-informative Weise anschaulich lebendig werden zu lassen und Kinder für die faszinierenden Entwicklungsschritte der Menschheitsfamilie zu sensibilisieren.

Schon Goethe erkannte in seinem West-östlichen Diwan:

„Wer nicht von dreitausend Jahren
sich weiß Rechenschaft zu geben,
bleib im Dunkeln unerfahren,
mag von Tag zu Tage leben.“

Wohin das weitgehende Ausblenden der historischen Dimension gerade auch an Schulen führt, ist u.a. an der enkeluntauglich-kurzsichtigen Perspektive nicht weniger Politiker schmerzhaft abzulesen. In diesem Zusammenhang bietet „Opa Mammut“ wertvollere Bildungsförderung als manche sogenannte Lehrplanreform.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinder-jugendsachbuch/kindersachbuch/opa-mammut/

 

Die Autoren und Illustratoren:

»Dieter Böge, geboren 1958, ist Zeichner, Maler und Autor. Er lehrt an der Akademie JAK in Hamburg und ist deren künstlerischer Leiter.
Bernd Mölck-Tassel, geboren 1964, ist Professor für Illustration an der HAW Hamburg.
Beide arbeiten seit über zwanzig Jahren zusammen. Von 2008 bis 2013 erschienen ihre Comicstrips Dr. Dominos Weltgeschichte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.«

 

Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

  • Kinderbuch
  • Illustrationen: Marc Boutavant
  • Text: Toon Tellegen
  • Übersetzung aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
  • Carl Hanser Verlag 2015 www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden,  Fadenheftung
  • Format: 19 x 27 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-446-24677-5
  • ab 6 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 4 Jahren zum Vorlesen
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MUT  ZUR  WUT

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wut hat viele Gesichter und Ausdrucksformen, einige davon werden in den zwölf Geschichten des Bilderbuches „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ anschaulich vorgeführt.

Da können sich Käfer und Regenwurm nicht darüber einigen, wer von ihnen am wütendsten ist, und geraten darüber so richtig feurig-wetteifernd in Rage. Doch nachdem sie sich ausgetobt haben, können sie sich auch wieder miteinander vertragen.

Die Grille nimmt beim Käfer Nachhilfeunterricht im Wütendsein. Sie lernt den intensiv funkelnden Blick, die passende Mimik und Körperhaltung, aber sie kann sich einfach keine bösen Gedanken ausdenken. Schließlich provoziert der Käfer die Grille, indem er sie und ihr Grillenzirpen als häßlich bezeichnet. Da wird die Grille wirklich wütend und verpaßt dem Käfer eine Ohrfeige, die ihn umwirft. Freundlich hilft die Grille dem Käfer wieder auf, denn ihre bösen Gedanken sind schon wieder verflogen, und sie ist nicht nachtragend. Allerdings ist jetzt der Käfer beleidigt …

Der Elefant ist wütend auf sich selbst, weil er bei seinem Konflikt zwischen Gefühl und Verstand eine schmerzliche Erfahrung – wider besseres Wissen – wiederholt …

Der Igel hingegen wundert sich, daß er das Gefühl der Wut noch nie selbst empfunden hat und es nur aus der Beobachtung anderer Tiere kennt …

Der Klippschliefer ist wütend auf die Sonne, die jeden Abend untergeht und nicht wenigstens einmal für den Klippschliefer eine Ausnahme macht. Doch egal wie sehr er tobt und schimpft: Die Sonne macht, was sie will, und kümmert sich nicht um den Wunsch des Klippschliefers. Ja, wahrscheinlich hört sie ihm noch nicht einmal zu, gleichgültig wie böse er auf sie wird …

Das Eichhörnchen läßt sich von den Unverschämtheiten der wütenden Spitzmaus nicht zu einer Wutreaktion verleiten. Trotz der heftigen Wortattacken und Beleidigungen bleibt es  gelassen, was die Spitzmaus zum enttäuschten Rückzug veranlaßt.

Nilpferd und Nashorn begegnen sich auf einem schmalen Weg, und keines von beiden will ausweichen und den anderen vorbeilassen. Nachdem sie drohend klargestellt haben, daß keines von ihnen nachzugeben bereit ist, setzen sie sich erst einmal hin und schweigen. Dann teilen sie ihren Proviant, schließlich tanzen sie sogar miteinander, und am Abend verabschieden sie sich freundlich und versprechen sich gegenseitig gutgelaunt, einander beim nächsten Treffen auf keinen Fall aus dem Wege zu gehen.

Der Krebs kommt mit einem Musterkoffer voller Wut zur Maus ins Maleratelier und bietet seine Ware an. Die Maus entgegnet, daß sie ganz gut von alleine wütend sein könne, wenn sie das wolle, aber sie läßt sich dennoch das ganze Sortiment zeigen: „leichte, hellrote Wut, runzliger grauer Ärger, grünlicher Zorn und schneeweiße Raserei“.

Ganz unten im Koffer zieht etwas Hellblaues die Aufmerksamkeit der Maus auf sich. Das sei Wehmut, sagt der Krebs, und diese sei eigentlich unverkäuflich. Die Wehmut schaut aus wie ein halbdurchsichtiger Schal, und den wickelt sich die Maus um den kleinen Hals, und schon sagt sie seufzend „Ach…“

Die Ameise erklärt der wütenden Kröte, was sie mit ihrer Wut machen könne. Sie könne die Wut wegpusten, begraben, vergessen, aufessen, ins Meer werfen, sie wegsingen, übermalen, mit ihr tanzen, aber sie könne sie auch hegen und pflegen – doch am besten würfe sie die Wut einfach weg. Also wirft die Kröte die Wut weg, und danach unterhalten sich die beiden über die Zufriedenheit, mit der man nämlich „nie etwas tun müsste.

Die in diesem Kinderbuch versammelten Wutepisoden zeigen, daß Wut (oder sogenannte böse Gefühle und Gedanken) zum Empfindungsspektrum des Daseins gehören. Die vorgestellten Wutszenarien sind nicht todernst, sondern lustig, selbstironisch und leise philosophisch. Die Wut ist keine unausweichliche Naturgewalt, sondern sie ist beherrschbar, dosierbar und sogar verwandelbar.

Die  ausdrucksvollen Zeichnungen von Marc Boutavant geben den Figuren und ihren wechselvollen Gefühlen glaubwürdige Gestalt.

Der Autor Toon Tellegen plaudert nicht alles plakativ aus, sondern deutet an, läßt offen und weckt ein psychologisch-poetisch-philosophisches Nachspürecho, das der Reflexion und Akzeptanz eigener Wuterfahrungen dienlich sein kann. Mit diesem Bilderbuch können Kinder lernen, der eigenen und der fremden Wut mitfühlend zu begegnen und sie etwas schelmischer zu betrachten. Die zwölf Wutgeschichten eignen sich auch als Impuls, um mit Kindern über Wut und Wutanfälle zu sprechen, deren Ursachen zu entdecken und konstruktive Umgangsformen mit der Wut zu finden.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/man-wird-doch-wohl-mal-wuetend-werden-duerfen/978-3-446-24677-5/

 

Der Illustrator:

»Marc Boutavant, 1970 im französischen Dijon geboren, lebt und arbeitet in Paris. Er zählt zu den stilprägenden Illustratoren seiner Generation und ist insbesondere für seine farbenfrohen Werke für Kinder bekannt. Die Geschichten um seinen Bären Mouk und den Esel Ariol wurden beide für das Fernsehen verfilmt. Im Hanser Kinderbuch erschien nach Die große Reise des kleinen Mouk (2008) das von ihm illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen (2015).«

Der Autor:

»Toon Tellegen, am 18.11.1941 in Den Briel, Niederlande geboren, studierte Medizin in Utrecht, arbeitete als Arzt in Kenia und ließ sich als Lyriker in Amsterdam nieder. Heute ist er einer der bekanntesten Schriftsteller der Niederlande. 1997 erhielt er den Theo Thijssenprijs für Literatur, 2004 den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, den Goldenen Griffel bekam er 1988 und 1994, den Silbernen Griffel 1990, 1994, 1997 und 1999. Im Hanser Kinderbuch erschienen sind Josefs Vater (1994), Richtig dicke Freunde (1999) sowie Briefe vom Eichhorn an die Ameise (Hanser 2001). 2015 folgte das von Marc Boutavant illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“.«

Querverweis:

Hier geht es zu einem weiterem Kinderbuch von Toon Tellegen: Ein Garten für den Wal
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/27/ein-garten-fuer-den-wal/

PS:
Da der konstruktive Umgang mit Gefühlen ein wesentlicher Bestandteil  heilsamer kindlicher Herzensbildung ist, reihe ich meine Rezension von „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ gerne bei  Petra Pawlowskys Projekt KINDER IM AUFWIND ein. Die Künstlerin Petra Pawlowsky hat auf ihrer Webseite „da sein im Netz“ https://pawlo.wordpress.com/ das Projekt KINDER IM AUFWIND initiiert:
»Fragt Ihr Euch auch manchmal, wie unsere Kinder all das verkraften, was an Nachrichten auf sie einstürzt?  Wie sie mit dem anspruchsvollem Leistungsdruck, der Hetze im Alltag, den Medien, den stumpfen Blicken vieler Erwachsener um sie herum zurechtkommen? Wie wir ihnen eine Basis geben können, gelassen, selbstsicher und hoffnungsvoll zu leben und in die Zukunft zu schauen? Eben im Aufwind zu bleiben…«

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/18/kinder-im-aufwindchildren-upwind/

Sie lädt weitere Blogger dazu ein, thematisch passende Texte, Bilder, Fotos, Musik, Gemälde, digitale Kunst, Gedichte, Lieder, Zitate usw. per Linkhinweis ergänzend hinzuzufügen. Die bisherigen gesammelten Beitragslinks der anderen aufwindigen Teilnehmer finden sich – thematisch geordnet – hier: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

Die wilde Meute

  • von Ilse Bos
  • Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
  • Originaltitel: »Troep«
  • Mit Illustrationen von Linde Faas
  • Verlag Urachhaus  August 2016    http://www.urachhaus.com
  • gebunden, Fadenheftung
  • 303 Seiten
  • 17,90 € (D), 18,40 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-7924-4
  • zum Vorlesen ab 7 Jahren
  • zum Selbsterlesen ab 10 Jahren
    die-wilde-meute-titelbild

K I N D E R K O M P E T E N Z

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dreizehn Kinder, die ohne alltägliche elterliche Aufsicht auf einem am Ufer einer verwilderten Landzungenspitze verankerten Schiff hausen – das kann ja heiter werden und gefährlich. Wenn das das Jugendamt wüßte …

Doch das Jugendamt, personifiziert von der weichgerundeten Frau Weiblen, die tränenreich nahe am Wasser gebaut ist und großzügig ihr sozialpädagogisches Vorschußmitleid verteilt, hat zum Glück noch nicht herausgefunden, wie unbeaufsichtigt das Leben der Kinder wirklich ist.

Wie konnte es so weit kommen? Die zwölfjährige Pola erzählt folgende Familiengeschichte: Tineke, Polas Mutter, führte vor Polas Geburt ein reiselustiges Leben. Sie nähte und strickte Kleidung für Zirkusartisten und Schiffsbesatzungen. Auf einer Schiffsfahrt nach Reykjavik verliebte sie sich in den Maschinisten Willem Vanderwerff, und die beiden kamen sich sehr, sehr nahe. Doch ein Mißverständnis führte dazu, daß sich ihre Wege – beiderseits ungewollt – trennten.

Wenig später bemerkte Tineke, daß sie ein Kind erwartete. Sie suchte vergeblich nach Willem und kehrte zur Geburt des Kindes zur Blauschute zurück, dem Schiff ihres Vaters. Kurz nach Polas Geburt setzte Tineke ihre reisende Berufstätigkeit in Begleitung ihrer kleinen Tochter fort und suchte in vielen verschiedenen Ländern nach dem Verbleib ihrer großen Liebe Willem. Unterwegs in Kiew nahm sie Wladimir, ein verwaistes Straßenkind, mit einer ausgeprägten Begabung für Technik und Mechanik, in ihre Obhut. So bekam Pola ihren ersten Bruder.

Als Pola und Wladimir das schulpflichtige Alter erreichten, wurden sie in Amsterdam auf der Blauschute seßhaft, während ihre Mutter weiterhin weltweit arbeitete, reiste und nach Polas Vater suchte. Nach und nach strandeten noch einige sogenannte heimische Problemkinder auf der Blauschute und wurden von Tineke als offizielle Pflegekinder angenommen.

Einmal brachte sie auch eine erneute Schwangerschaft mit – als Reiseandenken eines Flirts mit einem surinamesischen Fischer. So ergänzen inzwischen die Zwillinge Flip und Tutti mit ihren Rastazöpfchen und ihrer eigenen Zwillingssprache den bunten Kinderreigen.

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Nun ist Pola zwölf Jahre alt, und das Zusammenleben der Kinder funktioniert ziemlich gut, die Zähne werden geputzt, die Wäsche wird wöchentlich gewaschen, es wird regelmäßig gegessen, die Schule wird (meist) pünktlich besucht, jedes Kind kann irgendetwas besonders gut und bringt seine Fähigkeit in die Gemeinschaft ein.

Der schweigsame Knut kocht täglich einfache, leckere Gerichte, Wolke kann mit Tieren sprechen, Asala ist sehr musikalisch und singt gerne, Jan kann gut stricken, häkeln, nähen und heulen. Pola ist die Älteste und somit die Bestimmerin (auch wenn sie mal nicht weiterweiß) …  Wenn es ernste Probleme gibt, wird der Geschwisterrat einberufen, und es werden Lösungsstrategien ausdiskutiert und gefunden.

Die ungezwungenen, kinderselbstbestimmten häuslichen Verhältnisse tragen in dieser abenteuerlich-unkonventionellen Familiengeschichte dazu bei, daß sich die Einzigartigkeit der Kinder ausdrücklich entfaltet, daß sie von- und miteinander lernen und ihr Zusammenleben kooperativ gestalten: Eine Miniaturdemokratie mit Toleranz, konstruktiver Streitkultur und viel Improvisationstalent.

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Die reisende Mutter schickt regelmäßig Bargeld und ruft jeden Samstagnachmittag um Punkt fünf Uhr an. Sie kommt nur noch alle drei Monate nach Hause und kümmert sich dann um die Angelegenheiten, die die Kinder nicht alleine regeln können. Allerdings war sie schon seit zwei Jahren nicht mehr beim Elternsprechtag, und dies ruft Frau Weiblen vom Jugendamt auf den Plan.

Frau Weiblen gibt Pola eine schriftliche Einladung für ihre Mutter mit; sollte die Mutter nicht beim Elternsprechtag erscheinen, drohe ein Hausbesuch des Jugendamts. Während der Geschwisterrat um eine Lösung ringt (die Mutter ist zu weit fort, um kurzfristig zu kommen), bietet sich den Kindern zufällig ein hilfsbereiter Nachbar, ein arbeitsloser Schauspieler, als Vaterfigur an. Maarten ist arbeitslos, weil er sich mit seiner Rolle immer so sehr identifiziert, daß er aus dem Rollencharakter nicht mehr herausfindet. Das ist in diesem Falle durchaus von Vorteil und nimmt Frau Weiblen erst einmal den Wind aus den sozialpädagogisch geblähten Segeln …

Es gibt aber noch andere Sorgen. In der Stadt entstehen plötzlich unerklärliche Löcher, die angeblich mit dem Bau der neuen U-Bahn-Linie in Zusammenhang stehen. Maartens Zwillingsbruder ist der Chef der U-Bahn-Tunnel-Baufirma, aber er ist verschwunden.

Außerdem müssen die Kinder einen neuen Anlegeplatz für die Blauschute ausfindig machen, da die städtische Bebauung bald das verwilderte Restrefugium „zivilisieren“ wird.

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachaus 2016

Maarten hilft den Kindern, und die Kinder helfen Maarten. Und so beginnen zwei Expeditionen: Die eine, angeführt von Maarten, führt in die unterirdischen Gefilde der Stadt, um Maartens Bruder zu suchen. Die andere, angeführt von der belesenen Antonia, macht sich mit dem motorisierten Beiboot der Blauschute auf die Suche nach einem alternativen Liegeplatz.

Weitere überraschende Unterstützung kommt von den „Unbezweckten“, einer phantastischen, kollektiven Lebensform, die ihre Gestalt wechseln kann und auf zweckfreien Lebensraum angewiesen ist …

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016


Ernsthafte Gefahren müssen überstanden werden, Traum und Wirklichkeit verschwimmen ein bißchen, Rätsel lösen sich, lose Fäden werden sinnvoll verknüpft, familiäre Zusammenhänge klären sich… Alle Gesuchten werden glücklich wiedergefunden, ja, sogar Polas Vater taucht auf, und schließlich kehrt auch Polas Mutter zurück, und der künftigen Bilderbuchfamilie steht nun nichts mehr im Wege …

Sosehr die Kinder ihre wilde Freiheit und ihre weitgehende Selbständigkeit auch genießen, so sehnen sie sich doch nach beständiger, liebevoller, elterlicher Präsenz und Geborgenheit. Die Wahlgeschwister sind gewitzt, tapfer und lebenspragmatisch, aber auch verletzlich und oft genug überfordert. Es gibt Lebenslagen, da sollten Kinder unbedingt getragen und begleitet werden. Als Maarten in die Vaterrolle schlüpft, sonnen sich alle Kinder gerne an der väterlichen Herzenswärme und Tatkraft, die er ihnen bietet.

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Die Geschichte der wilden Meute wird von Ilse Bos auf eine Weise erzählt, die die charakteristischen Eigenheiten und sprachlichen Spezialitäten aller Kinder ausdrücklich und lebhaft zu Wort kommen läßt. Der Autorin gelingt es mit spielerischer Leichtigkeit, die Charaktere und Stimmungen aus der Innenperspektive anschaulich zu machen.

Die spannende und komplexe Dramaturgie wird begleitet von heiterer Situationskomik, feinem kindlichen Wortwitz (besonders gelungen bei der Sprache der Zwillinge und dem Akzent von Wladimir) und der einfühlsamen Darstellung der geschwisterlichen Beziehungen, die nicht immer harmonisch sind, jedoch auf der Basis grundsätzlicher Solidarität und Fürsorge stehen.

Die zahlreichen Figuren und ihre verborgenen sowie offensichtlichen Beziehungen zueinander erfordern indes ein beträchtliches Maß an Lesekonzentration und Aufmerksamkeit. Angesichts des umfangreichen Personenreigens ist es nützlich, daß sich im Anschluß an die Geschichte ein Personenregister der dreizehn Geschwister mit Kurzsteckbriefen zum Nachschlagen befindet.

Die zarten, textdetailgetreuen warmherzigen Zeichnungen von Linde Faas spiegeln die Charaktere, Szenerien und das emotionale Klima subtil und farbenfroh sowie situationsweise lebhaft-dynamisch oder still-versunken wider.

„Die wilde Meute“ handelt von einer Art Pippi-Langstrumpf-WG, in der die Grenze zwischen ‚Kindern etwas zuzutrauen′ und ‚Kindern etwas zuzumuten′ fließend ist. Es wird ausgelotet, wie weit kindliche Selbstbestimmung und Selbstversorgung funktionieren, und wie wünschenswert – bei aller Liebe zur Freiheit – zuverlässige, liebevolle und ANWESENDE erwachsene Bezugspersonen sind.

Kindererziehung ist gleichwohl immer ein Abenteuer – ob in der Fiktion oder in der Wirklichkeit. Die im vorliegenden Kinderbuch vorgestellten Spielarten der Kinderkompetenz könnten überbehütete Kinder zu mehr Freiraum und Selbständigkeit ermutigen. Doch dies möchte ich nicht als Warnhinweis verstanden wissen, sondern als ausdrückliche Empfehlung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825179274/die-wilde-meute

 

Die Autorin:

»Ilse Bos, geboren 1966, hat Sprachen und Journalismus studiert. Nach einigen Jahren des Unterrichtens hat sie sich stärker auf das Dasein als Journalistin konzentriert und irgendwann begonnen, Geschichten zu schreiben. Ilse Bos lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Amsterdam. Die wilde Meute ist ihr Debüt.«

Die Illustratorin:

»Linde Faas wurde 1985 in Zeist in den Niederlanden geboren. Nach ihrem Studium an der Kunstakademie in Breda begann sie, sich als Illustratorin einen Namen zu machen. Für den Verlag Urachhaus hat sie u.a. drei Bücher des niederländischen Autors Paul Biegel illustriert – darunter Die Prinzessin mit den roten Haaren, für das sei im Jahr 2015 mit dem begehrten »Penzberger Urmel« ausgezeichnet wurde.«

Hier entlang zu: „Die Prinzessin mit dem roten Haaren“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/11/20/die-prinzessin-mit-den-roten-haaren/

Was wir uns wünschen

  • von Ulf Stark
  • Originaltitel: »En liten bok om kärlek«
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Mit Schwarz-weiß-Illustrationen von Lina Bodén
  • Verlag Urachhaus     August 2016   www.urachhaus.com
  • gebunden
  • 112 Seiten
  • 12,90 € (D), 13,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-7984-7
  • ab 7 Jahren
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MIT  GEFÜHL

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Was wir uns wünschen“ ist eine warmherzige Weihnachtsgeschichte, die in der Vergangenheit spielt und gleichwohl die Zeitlosigkeit elementarer zwischenmenschlicher Bedürfnisse zeigt.

Eine Kindheit im Krieg ist kein Zuckerschlecken; davon kann der Junge Fred ein Lied singen. Alle Lebensmittel sind rationiert, und zum alltäglichen Mangel kommt ein besonders kalter Winter belastend hinzu. Seine Mutter, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hat, arbeitet als Straßenbahnschaffnerin, und Fred hilft nachmittags einem freundlichen Nachbarn als Ausrufer und Lieferant beim Weihnachtsbaummarktstand aus.

So kann er auch etwas zum Haushalt beitragen. Fred darf zusätzlich zu seiner kleinen Umsatzbeteiligung alle Holz- und Zweigreste mitnehmen, mit denen später der häusliche Kachelofen befeuert wird.

Fred vermißt seinen Vater, der als Soldat an der Grenze zu Finnland dient, und er ärgert sich über den Politiker mit dem kleinen schwarzen Schnurrbart, der diesen Krieg angefangen hat.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Wenn Fred wichtige Lebensfragen hat, setzt er sich in die Kleiderkammer unter den Sonntagsanzug seines Vaters und holt sich väterlichen Rat, indem er das Rauschen der Lüftungsklappe in echte Antworten uminterpretiert. Manche Dinge muß man eben von zu Mann zu Mann besprechen.

Fred ist sehr gut in Mathematik und heimlich verliebt in seine Klassenkameradin Elsa. Bei der nächsten Klassenarbeit versucht er, Elsa die Lösung für eine Rechenaufgabe, mit der sie offensichtlich nicht klar kommt, zuzustecken. Dabei wird er erwischt, und seine Absicht, sich bei Elsa beliebt zu machen, wird pompös und peinlich verfehlt.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Nach der Schule arbeitet er wieder am Weihnachtsbaumstand und bedient eine elegante, offensichtlich wohlhabende Dame. Fred trägt ihr den Weihnachtsbaum nach Hause, und sie gibt ihm ein sehr üppiges Trinkgeld. Seufzend äußert sie ihren Wunsch nach Frieden, und Fred (dessen Name Frieden bedeutet) stimmt ihr zu. Daraufhin schenkt sie ihm noch eine Tafel Schokolade und ein kristallenes Parfümfläschchen, in dem noch ein kleiner Rest von Parfüm ist. Fred hält die Dame für eine gute Fee, denn immer, wenn er ein Tröpfchen von ihrem Parfüm verreibt, fühlt er sich froh und zuversichtlich.

Fred beratschlagt sich in seinen imaginativen Gesprächen mit seinem Vater, wie er das Mogelzettelproblem lösen und Elsas Herz erreichen könne. Liebe sei nichts für Feiglinge, meint sein Vater.

Fred besteht in den folgenden Tagen eine Mutprobe ganz anderer Art als geplant. Geplant ist ein offenes Wort an Elsa; das führt jedoch, durch Freds schüchterne Wortverlegenheit, nur zu weiteren Mißverständnissen. Ungeplant und ganz spontan öffnen Fred und sein bester Kumpel Oskar heimlich die Schulvitrine mit den naturwissenschaftlichen Schauobjekten und bekleben das dortige Skelett mit einem Hitlerbärtchen aus schwarzem Isolierband.

Am nächsten Schultag gibt es auf der Suche nach den „Tätern“ ein dickes Donnerwetter vom Schuldirektor. Fred und Oskar beweisen Zivilcourage und gestehen ihren Streich. Sie bekommen eine Verwarnung und eine Fünf in Betragen. Bei der Verwarnung, die von der Klassenlehrerin für die Eltern verfaßt wird, beweist diese wiederum viel Zivilcourage durch die unkonventionelle Formulierung, die ein ausdrückliches Lob für den Schülerstreich enthält.  Dementsprechend positiv reagiert Freds Mutter, die zudem mein, daß Freds Vater stolz auf seinen Sohn wäre, wenn er von seiner „Heldentat“ erführe.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Von seinem Vater weiß Fred, daß man für die Liebe manchmal ein Opfer bringen müsse. Also packt er seine Trinkgeld-Schokolade in ein herausgerissenes Blatt aus einem alten Popeye-Comic und schreibt ein Liebesbriefchen dazu. Beide Gaben schmuggelt er am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in Elsas Schreibpult.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Obwohl sein Brief ein wenig holperig und ungeschickt ist, kommt er entschieden positiv bei Elsa an. Sie wartet auf dem Schulhof auf Fred und begleitet ihn zum Weihnachts-baummarktstand, wo er noch einen versprochenen Restweihnachtsbaum abholen darf. Gemeinsam tragen sie den Baum zu Freds Wohnhaus. Dort umarmt Elsa Fred und schenkt ihm einen blauen Taschenspiegel mit der Bemerkung: „Wenn du da reinguckst, siehst du einen, den ich gern hab.“ (Seite 89)

Nun, diese Herzensangelegenheit ist schon mal gut eingefädelt und läßt hoffen. Und die Sehnsucht nach dem Vater wird ganz überraschend auch noch gestillt – wenigstens für Heiligabend …

Ulf Stark transportiert uns mit seinem einfühlsamen Text schnurstracks in Freds Herz. Schon nach wenigen Seiten ist der atmosphärische Zeitsprung in die Vergangenheit perfekt, und die verschiedenen Charaktere werden uns vertraut. Freds Klassenlehrerin, die eine wahre pädagogische Lichtgestalt repräsentiert, verdient ganz besondere Leseaufmerksamkeit.

Die feinen, konzentrierten Schwarz-weiß-Illustrationen von Lina Bodén bringen den Zeitgeist und die Gefühlstemperatur der Erzählung stimmungsvoll zur Geltung.

Anrührend sind außerdem die – im Vergleich zu heutigen Usancen –  bescheidenen kindlichen Weihnachtswünsche. Es geht um Schlittschuhe und eine Mundharmonika, aber ansonsten ist der Wunschtraum nach üppigen Nahrungsmitteln und nach Frieden viel ausgeprägter als der nach spielerischen Dingen. Fred zeigt auch großen Einfalls- reichtum beim Geschenkebasteln. So holt er vom Schrottplatz Messingmuttern, poliert sie blank und fädelt sie zu einem glänzenden Armband auf, das er seiner Mutter schenkt.

In einer Sprache, die einfach und zugleich ganz zartfühlend und sinnlich-greifbar ist, stellt der Autor die kindlichen Herzensregungen dar: voller Mitgefühl, mit leisem Tiefgang und mit einer freundlichen Portion schelmischen Humors.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825179847/was-wir-uns-wuenschen

Der Autor:

»Ulf Stark, geboren 1944 in Stockholm, knüpfte bereits in seiner Gymnasialzeit Kontakte zu Schriftsteller- und Künstlerkreisen und debütierte 19-jährig mit einem Lyrikband. Seit Jahrzehnten ist er freier Kinderbuchautor und seine Bücher sind nicht nur in Schweden, sondern auch in vielen anderen Ländern sehr erfolgreich und wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Nils-Holgersson-Plakette, dem Astrid-Lindgren-Preis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis

Die Illustratorin:

»Lina Bodén, geboren 1980 in Stockholm, hat an der traditionsreichen Beckmanns Designhochschule studiert und malt seit fast einem Jahrzehnt erfolgreich Illustrationen für Kinderbücher und Belletristik, für Zeitungen, Werbung, Verpackungen und Textildruck. Sie lebt mit ihrer Familie in Stockholm.«

Du spinnst wohl!

  • Eine außergewöhnliche Adventsgeschichte in 24 Kapiteln
  • Text und Illustrationen von Kai Pannen
  • Tulipan Verlag 2015      http://www.tulipan-verlag.de
  • 104 Seiten
  • Format: 24,5 x 17 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • mit zahlreichen farbigen Illustrationen
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3.86429-231-6
  • zum Selbsterlesen ab 8 Jahren
  • zum Vorlesen ab 4 Jahren
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WENN DER WEIHNACHTSBRATEN DIE  FLIEGE MACHT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Du spinnst wohl!“ ist eine außergewöhnliche, köstliche Geschichten- zubereitung. Ebenso skurril wie besinnlich verkörpern hier eine Stubenfliege und eine Hausspinne den friedenstiftenden Geist der Weihnacht. In 24 Kapiteln werden aus Fremden Freunde, und  aus Feindschaft wird Nächstenliebe.

Stubenfliege Bisy geht ausgerechnet am 1. Dezember der Hausspinne Karl-Heinz ins Netz. Bisy zappelt herum, Karl-Heinz wird aus seinem Mittagsschläfchen gerissen, erhebt sich von seinem Sofa, „schlüpft in vier seiner sechs Pantoffeln“, begutachtet seine Beute und wickelt die Fliege mit Spinnfäden ein. Bisy schimpft empört herum, er habe Termine und könne sich nun gar nicht hier einwickeln lassen und einfach abhängen. Ungerührt verkündet Karl-Heinz, daß Bisy nun nur noch einen einzigen Termin zu erwarten habe, nämlich den, als Weihnachtsbraten für Karl-Heinz zu enden.

Am 2. Dezember quengelt Bisy so lange herum, bis Karl-Heinz für ihn seine Termine schriftlich – nach Diktat von Bisy – absagt.

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2o15

Am 3. Dezember leidet Bisy unter Juckreiz und behauptet, sterben zu müssen, wenn Karl-Heinz ihm nicht unverzüglich die Nase kratze. Entnervt seilt sich Karl-Heinz zu seinem zukünftigen Braten ab und kratzt ihn ganz vorsichtig. Dabei entspinnt sich ein Gespräch über die ungesellige Lebensweise der Spinnen. Bisy bedauert Karl-Heinz, der niemanden hat, der ihm den Rücken kratzt. Karl-Heinz erklärt ganz sachlich, daß Spinnen nun mal dazu neigen, alles zu fressen, was sich in ihre Nähe wage, einschließlich anderer Spinnen, und daher lebten Spinnen eben besser alleine.

 

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2o15


Am 4. Dezember  knurrt Bisys Magen so laut, daß Karl-Heinzens Ruh‘ dahin ist. Er verhungere, klagt Bisy, und Karl-Heinz ist besorgt, er will schließlich keinen verhungerten Braten essen. Also bietet er an, was seine Vorratskammer hergibt. Diverse Insektenspezialitäten werden von Bisy empört abgelehnt, aber gegen ein Honigbrot hat er nichts einzuwenden.

 

Langsam findet Karl-Heinz Gefallen daran, Bisy zu füttern, gerät in großzügige Gastgeberlaune und serviert Erdbeeren mit Sahne, Marzipantorte und Pfannkuchen. Nach dem gemeinsamen Schmaus betont Karl-Heinz jedoch, daß er Bisy nur deshalb mit seinen Leckereien gefüttert habe, damit er am Weihnachtsabend besser schmecke.

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2o15

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von  Adventskalendertag zu Adventskalendertag kommen sich Bisy und Karl-Heinz immer näher, sie diskutieren, streiten und vertragen sich wieder. Als Bisy erkrankt, entführt Karl-Heinz den Doktor (einen Skarabäus), der eine Erkältung diagnostiziert und einen Heilsaft verordnet.

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2015

Sie unternehmen kleine Ausflüge durchs Haus (Bisy bleibt dabei angeleint). Die beiden backen zusammen Weihnachtsplätzchen, tauschen Kochrezepte aus, das Netz wird weihnachtlich geschmückt, sie spielen Ich-seh-was-was-du-nicht-siehst, und sie erzählen sich gegenseitig Geschichten, Witze und Lebenserinnerungen.

 

 

Und am 24. Dezember gibt eine wirklich schöne – vegetarische – Bescherung …

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2o15

Die Idee, eine Fliege und eine Spinne miteinander zu verknüpfen ist herrlich schräg, und die farbenfrohen, lustigen Illustrationen mit ihren verspielten Details bieten eine ausdrucksvoll-dynamische Darstellung der ungleichen Charaktere und ihrer Entwicklung.

Bisy ist weltgewandt, gesellig, sehr unternehmungslustig und verfügt über kommunikativ-suggestive Geschicklichkeit. Karl-Heinz ist mißtrauisch, einzelgängerisch, häuslich, und er will unhinterfragt seinen Gewohnheiten folgen.

Während Bisy mit seinem unerschütterlichen Optimismus darauf hofft, Karl-Heinz durch neue Erfahrungen zu einer Veränderung seiner „spinnenden“ Lebenseinstellung zu bewegen und natürlich auch sein eigenes Leben zu retten, ist Karl-Heinz anfangs noch so stur seiner Spinnentradition verbunden, daß er zunächst  seine Sympathie für den zukünftigen Weihnachtsbraten nicht so recht wahrhaben will.

Bisy denkt nicht daran, sich seinem vermeintlich unabwendbaren Schicksal zu fügen. Im Gegenteil: Er besteht darauf, daß man sich selbst und seine Situation immer verändern kann. Mit seiner kommunikativen Kompetenz, seinem Ideenreichtum, seinem Humor und seinem Mitgefühl, das sogar den Freßfeind mit einbezieht, umgarnt er Karl-Heinz und bewegt ihn zu einem Sinneswandel.

Der feine Humor des Autors zeigt sich in vielen kleinen Details; so lehnt z.B. der Skarabäus-Doktor nach der Behandlung von Bisy eine Einladung zum Tee ab, da er noch einen Termin bei „einem Tausendfüßler mit Fußpilz“ habe. Oder Bisy erzählt eine Geschichte von einem schmächtigen, tapferen Spinnenmädchen und verkleidet sie mit einem Spiderman-Kostüm.

Diese schräg-charmante und zwischen den Zeilen der witzigen Dialoge durchaus tiefsinnige Adventsgeschichte läßt kleine und große Leser die Welt mit anderen Augen sehen. Das lob‘ ich mir!

 

 

Hier geht es zum Buch auf der Verlags-Webseite, dort gibt es auch einen kurzen Einblick ins Buch: http://www.tulipan-verlag.de/Buecher/Du-spinnst-wohl.html?listtype=search&searchparam=Du%20spinnst

Und als Hörbuch gibt es den versponnenen Spaß (2 CDs zu 14,95 €) auch noch:
http://www.headroom.info/du-spinnst-wohl-237.html

Und hier gibt es außerdem noch einen digitalen Adventskalender zum Buch/Hörbuch,Türchen für Türchen mit Hörproben und Überraschungen …
http://www.duspinnstwohl.de

 

Der Autor und Illustrator:

»Kai Pannen wurde am Niederrhein geboren. Er studierte Malerei und Film in Köln und arbeitet seitdem als Illustrator und Trickfilmer. In den letzten Jahren hat er zahlreiche Bücher für verschiedene Verlage illustriert. An der Animation School Hamburg war er Dozent für Animation und Storyboard. Daneben betätigt er sich als Produzent für animierte Kinder-Kurzfilme. Kai Pannen lebt mit seiner Familie in Hamburg.«
Mehr auf www.kaipannen.de.