Das geheime Netzwerk der Natur

  • Wie Bäume Wolken machen und Regenwürmer Wildschweine steuern
  • von Peter Wohlleben
  • LUDWIG Verlag   September 2017  http://www.ludwig-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 224 Seiten
  • ISBN 978-3-453-28096-0
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A)  26,9o sFr.

N A T U R L I E B H A B E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohllebens neues Buch öffnet unser Denken und unsere Sinne für die komplexen natürlichen Kreisläufe und Wechselwirkungen unserer Mitwelt. Dabei spielen große und kleine sowie kurzfristige und langfristige Zusammenhänge zwischen den zoologischen und botanischen Arten ebenso eine tragende Rolle wie geologische und klimatische Entwicklungen und der Einfluß der menschlichen Zivilisation.

Das Spektrum der anschaulichen Beispiele für natürliche Gleichgewichte und Selbst-organisationen sowie positive und negative menschliche Einflußnahmen reicht vom winzwinzigen, unterirdischen Mikroorganismus bis zum Baumriesen, vom Moospolster, das ein Vielfaches seines Gewichtes an Wasser speichern kann, bis zur Gewitterwolke, die innerhalb weniger Minuten pro Quadratkilometer bis zu 30 000 Kubikmeter Wasser abregnen lassen kann, vom CO₂- und Stickstoffkreislauf bis zum Für und Wider winterlicher Vogelfütterung, von Ameisen-Blattlaus-Lebensgemeinschaften bis zum evolutionären Hörwettbewerb zwischen Fledermäusen und Nachtfaltern …

Peter Wohlleben weckt sogleich im ersten Kapitel mit der Überschrift „ Warum Wölfe Bäumen helfen“ unsere Neugier. Denn der Zusammenhang zwischen Bäumen und Wölfen ist ja zunächst nicht offensichtlich.

Im 19. Jahrhundert wurden im Yellowstone-Nationalpark auf Druck der umliegenden Farmer systematisch alle Wölfe ausgerottet. Das hatte zur Folge, daß sich die Hirsche massiv vermehrten und insbesondere die Gräser und Baumschößlinge an den Flußufern wegfraßen. Die verödeten, pflanzenarmen Uferregionen boten zu wenig Nahrung für Vögel, deren Artenspektrum abnahm; Biber, die auf Uferbäume angewiesen sind,  verschwanden ebenfalls. Da die Uferböschungen kaum noch einen schützenden Pflanzenbewuchs hatten, wurde bei Hochwasser viel Erdreich mitgerissen, die Erosion beschleunigte sich, und die Flußläufe mäandrierten beträchtlich.

1995 wurden wieder Wölfe im Yellowstone-Nationalpark angesiedelt, und es begann eine „trophische Kaskade“, d.h. „eine Veränderung des gesamten Ökosystems über die Nahrungskette, von oben beginnend“. (Seite 11) Die Wölfe jagten die Hirsche, die Hirschpopulation nahm ab, und die verbliebenen Hirsche hielten sich nur noch kurz an den offenen Uferstreifen auf, da sie die Wölfe fürchteten und sich zum Selbstschutz bevorzugt in weniger sichtoffenen Waldarealen aufhielten.

Die Bäume und die Pflanzenvielfalt kehrten zurück, und nach einigen Jahren waren die Flußufer wieder natürlich befestigt, die Biber kehrten zurück, und in Folge der Biberstaudämme gab es mehr Tümpel, mehr Tümpel förderten die Ansiedlung von Amphibien, und auch die Vogelvielfalt wurde wieder größer …

In Anbetracht der Tatsache, daß „Deutschland auf die Fläche bezogen eines der wildreichsten Länder der Erde ist“ (Seite 16), sollten wir die Rückkehr der Wölfe also gelassen begrüßen und nicht auf hysterische Schlagzeilen gewisser Blättchen hereinfallen. Menschen gehören nicht zum Beutespektrum des Wolfs, und selbst Vieh und Haustiere machen lediglich 0,75 Prozent seiner Nahrung aus. Tatsächlich sind streunende oder verwilderte Hunde viel gefährlicher, da sie keine natürliche Scheu vor Menschen haben.

Peter Wohlleben vermittelt dem Leser eine ganzheitliche Perspektive, er berichtet ausgewogen von Chancen, Gefahren und möglichen Lösungen für menschengemachte Probleme. Er schreibt eigentlich nicht, sondern er erzählt, und dies auf eine solch lebendige, interesseweckende und faszinierende Weise, daß selbst schon sehr naturverbundene Leser nach der Lektüre mit noch wacherem Blick durch Wald und Wiesen streifen.

„Das geheime Netzwerk der Natur“ legt uns mit Gefühl die Natur ans Herz und hebt uns mit Verstand die feinverästelte Komplexität der Natur ins Bewußtsein.

Kritiker, die Peter Wohllebens einfühlsame Erzählweise als unwissenschaftlich bemängeln, verkennen in verkopfter oder profitbeschränkter Welt- und Selbstsicht unsere eigene menschliche Natur, die nämlich am erfolgreichsten durch eine emotionale Ansprache berührt und motiviert wird. Nur wer die Natur liebt, wird ihr mit Achtsamkeit und Respekt begegnen, lebensfeindliche Einmischungen vermeiden und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um ihren Erhalt und Schutz bemühen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Netzwerk-der-Natur/Peter-Wohlleben/Ludwig/e515800.rhd

Das Hörbuch ist parallel zum Lesebuch im Hörverlag erschienen, in bewährter sonorer Stimmqualität gelesen von Peter Kaempfe.

Das geheime Netzwerk der Natur

von Peter Wohlleben
gelesen von Peter Kaempfe
der Hörverlag  http://www.hoerverlag.de
Hörbuch CD (gekürzt)
6 CDs in Pappklappschachtel
Laufzeit: ca. 6 Stunden, 44 Minuten
ISBN: 978-3-8445-2727-8
19,99 € (D), 22,50 € (A) , 28,50 sFr.

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Das-geheime-Netzwerk-der-Natur/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e528126.rhd

 

Querverweis:

Hier entlang zu meiner Rezension von Peter Wohllebens „Das geheime Leben der Bäume“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/02/06/das-geheime-leben-der-baeume/ und „Das Seelenleben der Tiere“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforst-verwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute eine Waldakademie in der Eifel. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Mit seinen Bestsellern Das geheime Leben der Bäume und Das Seelenleben der Tiere hat er Menschen auf der ganzen Welt begeistert.« https://wohllebens-waldakademie.de/

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Die spirituelle Weisheit der Bäume

  • Eine Entdeckungsreise
  • von Pierre Stutz
  • Mit Fotografien von Andrea Göppel
  • Patmos Verlag   Februar 2017     http://www.patmos.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 17 x 26 cm
  • 64 Seiten
  • 17,– € (D), 17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8436-0875-6

B A U M W Ä R T S

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Die spirituelle Weisheit der Bäume“ handelt davon, wie eine einfühlsame Baum- perspektive das menschliche Selbstverständnis ganzheitlich ausgleichen kann. Pierre Stutz erzählt im Vorwort von der lebendigen, innig vertrauten Beziehung, die er als Kind zu seinem Lieblingsbaum, einer Birke,  gepflegt hat. Als sie gefällt wurde, war der Schmerz über den Verlust dieses Vertrauenswesen groß. Die spirituelle Beziehung zu Bäumen pflegte er indes weiter, und der innere Dialog mit ihnen begleitet seinen Lebensweg.

Kurze, meditative Zeilen in ebenso einfach-zugänglicher wie zugewandter Sprache sowie die anrührend-ausstrahlungstiefen Baum-, Allee- und Waldfotografien von Andrea Göppel laden zu einem inspirierenden Waldspaziergang ein, der die fruchtbaren und heilsamen Seelenkräfte natürlicher Lebensverbundenheit und geduldigen Wachstums auslotet und beschreibt.

Manchmal greift der Autor als Ausgangspunkt seiner Texte zu einem Film (El Olivio – Der Olivenbaum, Das Geheimnis der Bäume), der sich mit dem Thema der ganzheitlichen Lebensrelevanz von Bäumen befaßt. Manchmal wählt er ein Zitat und reiht seine Gespräche mit den Bäumen in eine Tradition menschlicher Naturverbundenheit (Henry David Thoreau, Peter Wohlleben) ein.

Ganz pragmatisch weist er zudem darauf hin, daß auch das Unterschreiben von Petitionen zur Rettung der Urwälder und alltägliches solidarisches, ökologisches Handeln zu einem baumverbundenen und spirituellen Lebenswandel gehören.

Man kann dieses Buch auch sehr gut – orakelartig – an einer beliebigen Stelle aufblättern und sich von der anregenden Ausgewogenheit der Baumbetrachtungen wahlweise beflügeln oder bewurzeln lassen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.patmos.de/die-spirituelle-weisheit-der-baeume-p-8723.html

PS:
Bei einigen der verwendeten Baumfotos mit landschaftlicher Kulisse, hätte ich mir einen Hinweis auf den Ort der Aufnahme gewünscht.

 

Der Autor:

»Pierre Stutz ist einer der gefragtesten spirituellen Lehrer unserer Zeit. Er lebt am Genfer See und inspiriert in Vorträgen und Kursen im gesamten deutschsprachigen Raum die Menschen zu einer geerdeten und befreienden Spiritualität. Seine über vierzig Bücher haben eine Auflage von mehr als einer Million Exemplaren und wurden in sechs Sprachen übersetzt. Schreiben ist für Pierre Stutz ein »feu sacré«, ein inneres Feuer.«
www.pierrestutz.ch

Die Fotografin:

»Andrea Göppel ist Fotografiemeisterin und Buchgestalterin. Die Philosophie ihrer Fotografie liegt darin, „Augenblicke des Lebens, Stimmungen der Natur, kaum bemerkte Details sichtbar werden zu lassen“.«
http://www.andreagoeppel.de

Das geheime Leben der Bäume

  • Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
  • die Entdeckung einer verborgenen Welt
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • gelesen von Roman Roth und Peter Wohlleben
  • vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag 2015/16
  • erschienen im Hörverlag Oktober 2016   www.hoerverlag.de
  • Buchvorlage: Ludwig Verlag
  • 6 CDs in Pappschachtel
  • Laufzeit: ca. 6 Stunden, 54 Minuten
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2477-2
    Das geheime Leben der Baeume von Peter Wohlleben

B A U M S C H U L E

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohlleben führt uns mit Gefühl, Verstand und Sinnlichkeit durch den Wald und lehrt uns das Staunen. Er doziert nicht, er erzählt!

Aktuelle naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden von ihm sehr eingängig- komprimiert wiedergegeben und um seine langjährigen persönlichen Erfahrungen als Förster kurzweilig ergänzt.

Hätten Sie gewußt, daß Buchen gerne kuscheln? Ja, auch wenn sie sehr nahe beieinanderstehen, konkurrieren sie keineswegs miteinander um Nährstoffe, Licht und Wasser, sondern bei Bedarf füttern sie sich wechselseitig – über das komplexe unterirdische Wurzel- und Pilzfädchensystem – mit Glucoselösung. Buchenkinder stehen sehr lange im Schatten ihrer Mutter, weshalb sie nur langsam wachsen können. Doch diese „Erziehung durch Lichtdrosselung“ führt zu wesentlich stabilerem Wachstum und somit auf lange Sicht zu überlebenstüchtigeren Buchen.

Bäume kommunizieren über Duftstoffe und über chemische sowie elektrische Signal-übertragungen miteinander. Werden beispielsweise die Blätter eines Baumes von Raupen angefressen, so teilt der befallene Baum dies seiner Nachbarschaft über Duftsignale mit. Sowohl der befallene Baum wie auch die benachbarten verändern daraufhin die chemische Zusammensetzung des Pflanzensafts in ihren Blättern – was von Bitterstoffen bis hin zu  insektenspezifischen Giftstoffen reicht. Darüber hinaus verfügen Bäume auch über besondere Rettungslockdüfte, um natürliche Freßfeinde der angreifenden Insekten herbeizurufen.

Auch unterirdisch wird lebhaft kommuniziert. Ein Teelöffel Waldboden enthält mehrere Kiometer Pilzhypen. Der Vergleich dieser Pilzfäden mit der Glasfaservernetzung des Internets liegt nahe. Tatsächlich spricht man inzwischen schon vom „woodwideweb“.

Peter Wohlleben beschreibt die Bäume mithin nicht als isolierte Einzelwesen, sondern als Teil einer Lebensgemeinschaft. Dazu gehören auch Waldtiere, konkurrierende sowie kooperative Verhältnisse zwischen Bäumen und anderen Pflanzen sowie der erst zu einem kleinen Teil erforschte Mikrokosmos des Waldbodens. Die Mikroorganismen, die an der „Schnittstelle von Werden und Vergehen“ ihre wertvolle, unsichtbare Arbeit verrichten, werden ebenso gewürdigt wie Klimarelevanz, Luftfilterwirkung, Wasser- und CO₂-Speicherkapazität der Bäume.

Schädliche menschliche Eingriffe in den Gleichgewichtsorganismus Wald werden fundiert kritisiert und sinnvollen Maßnahmen zur ökologischen Bewirtschaftung, zum Schutz, Erhalt und zur Reanimierung heimischer Urwälder gegenübergestellt.

Egal welchem Detail sich der Autor widmet, stets ist seine Darstellung faszinierend, anschaulich und geradezu spannend, und stets fügen sich die Einzelheiten zu einer ganzheitlich Einheit.

Peter Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume“ ist ein wahrer Lichtblick in der Vermittlung von Wissen über Wald und Bäume. Seine einfühlsame, naturliebhaberische Haltung ist in jeder Zeile zu spüren und dürfte vielen Lesern/Hörern eine lebensdienliche Baumperspektive eröffnen.

Die Hörbuchversion enthält eine Bonus-CD, auf der Peter Wohlleben von seinem beruflichen Werdegang erzählt. Dies ist eine interessante Zugabe – im O-Ton -, die sehr authentisch davon berichtet, wie ein Mensch seiner Berufung folgt und nicht damit aufhört, von den Bäumen zu lernen.

Hier geht es zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e514159.rhd

Das geheime Leben der Baeume von Peter WohllebenDie Buchausgabe ist im Mai 2015 beim Ludwig Verlag erschienen: Das geheime Leben der Bäume
Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
die Entdeckung einer verborgenen Welt
von Peter Wohlleben
gebunden, mit Schutzumschlag, 224 Seiten
19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
ISBN 978-3-453-28067-0
Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e478046.rhd
Seit Oktober 2016 gibt es das Buch zusätzlich als Bildband: https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e502460.rhd

 

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel, den er zu einem urwaldähnlichen Laubwald zurückgeführt hat. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Im Ludwig Verlag erschien 2016 sein Bestseller „Das Seelenleben der Tiere“.«

Der Vorleser:

»Roman Roth, geboren 1980 in Frankfurt am Main, hat über Umwege zu seiner jetzigen Tätigkeit als Schauspieler und Sprecher gefunden. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann. Nach ersten Erfahrungen als Schauspieler entschied er sich 2006 für eine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Er übernimmt regelmäßig Rollen in Theater, Film und Fernsehen, spielte u.a.    in dem Spielfilm Der letzte Zug. Seit 2012 lebt er als freischaffender Schauspieler in Berlin.«

Querverweis:

Hier entlang zu Peter Wohllebens Buch „Das Seelenleben der Tiere“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/
und zu Christopher D. Stones Klassiker des Umweltrechts „Haben Bäume Rechte?“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/06/18/haben-baume-rechte/

 

PS:
Schon mein Leben lang habe ich ein inniges Verhältnis zu Bäumen. Was dabei herauskommen kann, wenn man Bäumen zuhört, mag ein Poem illustrieren, das ich meiner alten Lieblingsbuche abgelauscht habe:

 

BAUMSCHULE

 

Ich sehe was
was Du nicht siehst
sagt mir der Baum
mit einer Hand in der Erde
mit der Anderen im Himmel
aus meinem Holz
sind Türen gemacht
die sich nur nach innen öffnen
komm näher Menschlein
hier lernst Du was fürs Leben
verlier ruhig ein bißchen
den Verstand
und laß Dich ein
sieh nur
hör nur
spüre
und vergiß es nie
auch in Deinem Körper
schlägt das Herz der Erde

 

Ulrike Sokul©
10/ 1995

 

 

 

 

Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen

  • Bilderbuch
  • Text von Alicia Potter
  • Bilder von Birgitta Sif
  • Aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günther
  • Gerstenberg Verlag Januar 2015     http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 20 x 28 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 40 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5888-2
  • ab 4 Jahren
    Hernriettes Heim Titelbild

LÖWENMUT  AUF  KATZENPFÖTCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Bilderbuch nähert sich den Themen Angst, Schüchternheit und Mut auf ebenso humorvolle wie einfühlsame Weise.

Henriette hat ein großes Herz für Katzen und eröffnet ein Tierheim für eine ganz besondere Sorte von Katzen. Auf dem Schild vor ihrem gemütlich-verwunschenen Häuschen am Waldrand steht: „Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“.

Henriettes Heim Katzenauflistung

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2016

(Anklicken vergrößert die Bilderansicht)

An Nachfrage fehlt es nicht; es werden viele große und kleine Katzen bei Henriette abgegeben. Eine Katze flüchtet vor Mäusen, eine andere fürchtet sich vor Vögeln, wieder andere können nicht auf Bäume klettern, weigern sich zu schnurren oder haben einfach Angst vor fast allem, z.B. vor Besen. Auch herrenlose Streunerkatzen werden von Henriette gütig aufgenommen. So kommt auch ein sehr, sehr ängstlicher Kater ins Haus geschlichen. Da er sich immer versteckt und der kleinste von allen ist, nennt Henriette ihn Krümel.

Henriettes Heim Wohnstube mit Klavierbegleitung

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2016

Henriette gibt den Katzen Unterricht und trainiert mit ihnen katzenspezifische körperliche Fähigkeiten: Sie üben, wie man den Schwanz aufrecht hält, einen Buckel macht, tüchtig springt und auf Bäume hinauf- und wieder herunterklettert. Es gibt außerdem Nachhilfeunterricht im Freundschaft-Schließen und den Rat, immer an etwas Schönes zu denken, um Ängste zu überwinden oder wenigstens aushalten zu können.

Henriettes Heim Krümel unterm Bett

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2016

Manche Katzen sehen dem Unterricht nur zu, aber das ist bei Henriette erlaubt. Auch Krümel schaut aus seinen versteckten, dunklen Eckchen aufmerksam zu. Gerne liegt er unter Henriettes Bett, und eines Abends gesteht sie ihm, daß sie ihn dafür bewundert, keine Angst vor dunklen Ecken zu haben. Sie selbst habe Angst vor Dunkelheit, vor Pilzen und vor Eulen.

Eines Nachmittags macht sich Henriette mit zwei Eimern auf den Weg, um neue Milch zu holen. Doch auf dem Rückweg stolpert sie, verstaucht sich ihren Knöchel und fällt in einen Graben. Es wird dunkel … Henriette versucht, an etwas Schönes zu denken und die Eulenrufe zu überhören.

Zu Hause sitzen die Katzen ratlos vor leeren Milchnäpfchen und fragen sich ängstlich, was sie nun tun sollen. Da faßt ausgerechnet der kleine Krümel großen Mut, stellt sich ins Mondlicht, hält den Schwanz aufrecht, macht einen Buckel und fordert die anderen Katzen auf, ihm zu folgen und Henriette zu suchen.

Henriettes Heim Nachtweg

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2016

Als Bewaffnung nehmen sie den alten Besen mit und ihren plötzlich erwachenden Rettermut. Unterwegs schüchtern sie giftige Pilze ein, überschnurren die Eulenrufe, springen tapfer durch die Dunkelheit, finden Henriette, helfen ihr aus dem Graben heraus und geleiten sie nach Hause.

So haben nun alle eine großartige Gelegenheit gehabt, sich ihrer Angst zu stellen und ihren Mut zu erproben. Und als alle wieder behaglich im Wohnzimmer versammelt sind, hält Henriette eine kurze Dankesrede für ihre löwenmutigen Retter und bemerkt sehr treffend: „ … euren Mut werde ich nie vergessen.“

Und ich glaube, die Katzen werden auch nicht mehr vergessen, wie es sich anfühlt, mutig zu sein und etwas zu wagen. Und über Solidarität haben sie beiläufig auch noch einiges gelernt.

Die Illustrationen von Birgitta Sif geben den Katzencharakteren auf eine sanft-schräge Weise mimische und gestische Lebhaftigkeit. Ihre Darstellung der Katzenkörpersprache ist überaus gelungen und schwungvoll. Als roter Faden dient die Figur von Krümel, den man auf fast jeder Seite suchen und neu entdecken kann.

„Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“ illustriert in Wort und Bild, daß man den konstruktiven Umgang mit Ängsten und Schwächen lernen und üben kann. Außerdem zeigt es überaus glaubwürdig und identifikations-stiftend, wie unverhoffter Mut daraus erwachsen kann, daß man jemand anderem helfen will. Man wird gewissermaßen aus Zuneigung für jemanden mutiger, als man nur für sich alleine mutig gewesen wäre.

Diese ermutigende Lektion wird von der Autorin Alicia Potter mit katzenanschmiegsamer Kindgerechtigkeit wunderbar herzensklug und herzenswarm erzählt.

Henriettes Heim Sofakatzenkuschelknäuel

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2016

( Anklicken vergrößert die Bilderansicht )

Meinen Solinger Leseabonnenten kann ich zudem erfreut kundtun, daß dieses katzenvolle Bilderbuch in der Buchhandlung „Die Schatzinsel“ STAPELWEISE vorrätig ist und  ganz und gar nicht ängstlich oder schüchtern auf begeisterte Abnehmer wartet:

 Die Schatzinsel
Buch & Meer
Forststr. 1
42697 Solingen
Tel: 0212 – 38 32 95 10
Fax: 0212 – 38 32 95 11
http://www.schatzinsel-solingen.de

 

Die Autorin:

»Alicia Potter lebt als freischaffende Kinderbuchautorin und Rezensentin in Boston. Sie hat bereits mehrere Bilderbücher veröffentlicht – und als Tierschützerin schon so mancher Katze aus der Patsche geholfen.«

Die Illustratorin:

»Birgitta Sif wurde in Reykjavik geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Skandinavien und Amerika. Heute lebt sie mit ihrer Familie in England und wurde für ihre Bilderbücher bereits mehrfach ausgezeichnet.«

 

 

PS:
Die Künstlerin Petra Pawlowsky hat auf ihrer Webseite „da sein im Netz“ https://pawlo.wordpress.com/ das Projekt KINDER IM AUFWIND initiiert. In ihren eigenen Worten:

»Fragt Ihr Euch auch manchmal, wie unsere Kinder all das verkraften, was an Nachrichten auf sie einstürzt?  Wie sie mit dem anspruchsvollem Leistungsdruck, der Hetze im Alltag, den Medien, den stumpfen Blicken vieler Erwachsener um sie herum zurechtkommen? Wie wir ihnen eine Basis geben können, gelassen, selbstsicher und hoffnungsvoll zu leben und in die Zukunft zu schauen? Eben im Aufwind zu bleiben…«

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/18/kinder-im-aufwindchildren-upwind/

Sie lädt weitere Blogger dazu ein, thematisch passende Texte, Bilder, Fotos, Musik, Gemälde, digitale Kunst, Gedichte, Lieder, Zitate usw. per Linkhinweis ergänzend hinzuzufügen.

Da ich der kindheitsselbsterfahrenen Überzeugung bin, daß gute Kinderbücher Kinderherzen stärken und ermutigen können, habe ich mich für das obig besprochene Bilderbuch entschieden, das sich ausdrücklich dem konstruktiven Umgang mit Angst und Schüchternheit widmet.

 

Haben Bäume Rechte?

  • Plädoyer für die Eigenrechte der Natur
  • von Christopher D. Stone
  • Originaltitel: »Should Trees Have Standing?«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Hanfried Blume
  • Akt 112, thinkOya 2014                      http://www.think-oya.de
  • 128 Seiten, Broschur
  • 10 €
  • ISBN 978-3-927369-81-8
    9783927369818.jpg Haben Bäume Rechte

N A T U R G E R E C H T I G K E I T

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die amerikanische Originalausgabe von „Haben Bäume Rechte“ ist im Jahr 1972 erschienen. Die Neuauflage dieses Klassikers des Umweltrechts ist nun in deutscher Übersetzung bei thinkOya erschienen. thinkOya ist ein Imprint der Drachen Verlag GmbH in Kooperation mit der Zeitschrift »Oya – anders denken. andersleben« http://www.oya-online.de/home/index.html .

Der Autor, Christopher D. Stone, ist Professor emeritus an der University of Southern California. Er studierte Rechtswissenschaften in Harvard und Yale und ist Experte für Eigentumsrecht und Internationales Umweltrecht. Er zählt zu den weltweit bedeutendsten Fürsprechern der Rechtsfähigkeit der Natur.

In der Einleitung seines Buches schreibt er: „Ich möchte hier den ernsthaften Vorschlag unterbreiten, den Wäldern, Ozeanen, Flüssen und anderen sogenannten Naturobjekten – ja, der natürlichen Umwelt insgesamt – eigene Rechte zu verleihen.“ (Seite 12)

Zwar gibt es Gesetze zum Schutze der Natur… Umweltschutzorganisationen sowie Bürgerinitiativen und Privatpersonen können z.B. eine Papiermühle wegen Wasserverschmutzungen verklagen, aber rechtliche relevant sind allein die menschlichen Interessen an sauberem Wasser, mögliche menschliche Gesundheitsgefährdungen oder kommerzielle Einbußen wegen schwindender Fischbestände. Der betroffene Fluß an sich hat jedoch keinen Unterlassungsanspruch und keinerlei Klage- oder Entschädigungsrecht.

Christopher D. Stone plädiert für die Installation von Rechtsvertretern, die sich – ähnlich der Vormundschaft bei nicht geschäftsfähigen Menschen – im Sinne des Wohlergehens und Schutzes der betroffenen Naturobjekte für deren Rechte einsetzen und Gefahren von ihnen abwenden.

Ist es so undenkbar, der Natur auf diese Weise eine juristische Bedeutung, Stimme und Eigenrechte zu verleihen? Ist es nicht längst überfällig?

Christopher D. Stone gewährt uns einen kurzen, lehrreichen Rückblick in die Rechtsgeschichte und beschreibt anschaulich, wie selbstverständlich es einst war, Sklaven, Frauen und Kindern keine Eigenrechte einzuräumen, und sie der Gnade und Willkür der weißen, männlichen und erwachsenen Rechtsinhaber auszusetzen. Bezogen auf Sklaven, Frauen und Kinder gab es einen gesellschaftlichen Bewußtseinswandel und dementsprechend neue Gesetze und Rechtmäßigkeiten.

Der Autor betrachtet ausführlich die rechtspraktischen Aspekte der wünschenswerten Legitimation von „Naturgerechtigkeit“. Anschließend geht er auf ethische, psychische und sozialpsychologische Seiten der Thematik ein, und er weist darauf hin, daß die Ausdehnung der Eigenrechte der Natur eine deutliche Reduktion des menschlichen Rechtes auf Ausbeutung, Mißachtung und Verwertung der Natur impliziert. Kurz – er verabschiedet sich und uns vom Wirtschaftswachstumswahn und seinen lebensleeren, falschen Versprechungen.

„Ein Großteil des sogenannten materiellen Komforts bedeutet nicht nur eine Übersteigerung der biologischen Bedürfnisse – er steht diesen sogar diametral entgegen.“ (Seite 67)

Angesichts der komplexen, wechselseitigen Lebens- und Stoffkreisläufe der Natur ist es lebenswichtig, die Erde als ganzheitlichen Organismus wahrzunehmen und zu respektieren. Christopher D. Stone spricht sogar von einer „Planetarisierung des Bewusstseins“:

„Und weil Gesundheit und Wohlergehen der Menschheit von der Gesundheit der Umwelt abhängen, werden sich die beiden Ziele so häufig wechselseitig fördern, dass man auf die Entscheidung verzichten kann, ob unsere grundlegende Handlungsmaxime darin liege, ›unser‹ Fortkommen zu betreiben oder das eines neuen ›Wir‹, das die Umwelt mit einschlösse.“
(Seite 62)

„Haben Bäume Rechte?“ ist ein sehr vordenkerisches und weise-weitsichtiges Buch, das jetzt noch aktueller und notwendiger ist als vor 42 Jahren.

Als dieses Buch1972 erschien, war ich acht Jahre alt und beweinte den alten Kirschbaum, den Nachbarn gefällt hatten, um mehr Licht für ihre Erdbeerpflanzen zu bekommen. Für mich war dieser Baum kein bloßes Objekt, sondern eine natürliche „Bezugsperson“, die ich liebend gerne verteidigt hätte.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://think-oya.de/buch/haben_baeume_rechte.html

PS:
thinkOya Akt: ›Akt‹ (von lat. agere, handeln) steht für Aktion, Ereignis, Handlung. Als philosophischer Begriff bezeichnet ›Akt‹ eine realisierte Wirklichkeit im Gegensatz zur ›Potenz‹, einer (noch) nicht manifesten Möglichkeit. In der Reihe » thinkOya Akt« erscheinen Aufklärungs-, Streit- und Flugschriften, die zu konkreten Handlungen anstiften. Jeder Band ist eine Ideenwerkstatt zu den drängenden Herausforderungen unserer Zeit. Im Weiterdenken und Aktivwerden der Leserinnen und Leser können diese Ideensamen zu konkreten Utopien heranreifen.