Bei dir piept’s wohl!

  • Lerne mich kennen und tu was für mich
  • von Bärbel Oftring
  • KOSMOS Verlag  2019   www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • Format: 217 x 185 x 13 mm (LxBxH)
  • 144 Seiten
  • 300 Farbfotos
  • 14,99 €
  • ISBN 978-3-440-16405-1

HEIMATLICHE VOGELKUNDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bärbel Oftring bietet mit „Bei dir piept’s wohl!“ ein übersichtliches Vogelbestimmungs-buch. Ergänzende naturnützliche Hinweise auf Pflanzen und Gestaltungsmaßnahmen vermitteln praktische Anregungen, wie man den eigenen Garten und Balkon für Vögel einladender machen kann.

Mit den 95 Vogelportraits von Amsel bis Zilpzalp, inklusive einiger Wasser- und Greif- vogelarten, lernen wir nicht nur, wie die Vögel aussehen, sondern auch welche Be- dürfnisse sie in Hinsicht auf Nahrung, Schutzgehölze, Badestellen und Brutplatz haben.

Die Vögel werden jeweils in Wort und Bild auf einer Doppelseite portraitiert. Stets be-kommen wir drei Fotos zu sehen, welche die Vögel in unterschiedlichen Körper- haltungen, beispielsweise im Anflug, im Ansitz, beim Futtersuchen und -Sammeln, Kükenfüttern, beim Baden, beim Zwitschern oder manchmal auch im oder am Nest zeigen. Dies erhöht die Aussagekraft der Fotos erheblich und hilft beim späteren Wiedererkennen in Natur und Garten.

Eine Reihe von im Vorwort anschaulich erklärten Symbolen hilft bei der schnellen Einordnung: Zugvogel, Ganzjahresvogel, Körner- oder Insektenfresser, Höhlen- oder Freibrüter, Futterstellenbesucher usw…

Die kurzen, konzentriert-informativen Begleittexte beschreiben Farbe, Muster und Auffälligkeiten von Gefieder, spezifische Verhaltensweisen, Flugbewegungen, Nistbe-dingungen und Bruthäufigkeit, Standort- und Nahrungsvorlieben sowie den art- typischen Vogelgesang. Als kostenlose Zugabe gibt es eine Kosmos-Plus-App  plus.kosmos.de   https://www.kosmos.de/content/buecher/ratgeber/kosmos-plus-app/  für Smartphone und Tablet, die sich durch die Eingabe des bei jedem Vogelportrait eingefügten Zahlencodes abrufen läßt. So kann man die Lektüre mit echtem Vogelgezwitscher lebhaft animieren und den eigenen akustischen Horizont ornithologisch erweitern.

Weiterführende Adressen von Naturschutzorganisationen und seriösen Anbietern von Naturschutzprodukten sowie einige Literaturhinweise erleichtern entgegenkommend die Suche nach sinnvollem Zubehör für die Gestaltung einer vogelfreundlichen Umgebung.

Ein Rezept für selbstgemachte Meisenknödel und Empfehlungen zu den Mindestmaßen für ein brauchbares Vogelfutterhaus, nebst vogelgerechtem Streufutter, runden dieses wissenswerte Buch für aktive Vogelliebhaber ganzheitlich und praktisch ab.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber/natur/voegel/10112/bei-dir-piept-s-wohl

 

Die Autorin:

»Bärbel Oftring liebte es schon als Kind, durch die Feld-, Fluss- und Waldlandschaft ihrer Heimat zu streifen und die Tiere und Pflanzen darin zu erkunden. Seit über 25 Jahren setzt die Diplom-Biologin ihre Liebe zur Natur als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin von Sachbüchern für Kinder und Erwachsene, in erlebnisreichen Naturforscheraktionen mit Kindern sowie in der Zusammenarbeit mit dem Ornithologen Prof. Dr. Peter Berthold in die Tat um. Heute lebt die engagierte Naturforscherin mit Familie und Hund bei Böblingen.«

Querverweis:

Für weitere vogelmäßige Augenweiden empfiehlt sich der Bildband „Vögel ganz nah“ des Fotografen Roine Magnusson und der Autoren Mats und Åsa Ottosson.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/01/04/voegel-ganz-nah/

Zur Vertiefung der Vogelbeobachtung empfiehlt sich ergänzend das Buch „Federnlesen“ von Johanna Romberg. Dieser Autorin gelingt es, mit einer Kombination aus subjektiven Naturerfahrungserlebnissen und konzentrierten naturkundlichen Informationen sowohl  nützliches Wissen als auch konstruktive Anregungen zur persönlichen Mitwirkung beim Vogelschutz sowie zur Praxis der Vogelbeobachtung zu vermitteln. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/02/federnlesen/

Wer seinen Wortschatz gerne vielsaitig und vogelgesangsspezifisch erweitern möchte, blättere im Handwörterbuch der Vogellaute „Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er?“ von Peter Krauss eine faszinierende und klangvolle Wörtersammlung auf.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/02/singt-der-vogel-ruft-er-oder-schlaegt-er/

 

 

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Gleich ist alles wieder gut

  • Der kleine Siebenschläfer
  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag  Januar 2019  www.thienemann.de
  • Format: 165 mm x 165 mm
  • 18 abgerundete Pappseiten
  • 7,99 € (D),  8,30 € (A), 11,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45910-5
  • Pappbilderbuch ab 2 Jahren

ERSTE  HILFE  AUF  UMWEGEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer tummelt sich nun schon in seinem zweiten Pappbilderbuch. Nachdem er im ersten Band erfolgreich auf die Suche nach der optimalen Gemütlichkeit gegangen ist (siehe meine Besprechung https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/08/23/das-ist-noch-nicht-gemuetlich/ ) ,braucht er diesmal Heilung für seine Bauchschmerzen.

Die Hilfe naht in Gestalt der Haselmaus, die eine Wärmflasche holt und sie – nach einigen Umwegen von Kopf bis Fuß – endlich an die richtige Stelle platziert. Inzwischen ist die Wärmflasche längst abgekühlt, und der kleine Siebenschläfer hat bei den „Fehlbe- legungen“ der Haselmaus schon einige gymnastische Bewegungen vollzogen, die dazu beitragen, daß das Bauchweh nachläßt.

Doch ist die haselmäusige Improvisation, nun einfach Bäuchlein an Bäuchlein mit dem kleinen Siebenschläfer zu kuscheln, ganz gewiß die allerbeste Medizin gegen Bauchweh. So bietet dieses Bilderbuch ebensoviel Ablenkung und Trost bei akutem Bauchweh wie auch bei anderen tröstungsbedürftigen Unpäßlichkeiten von kleinen Menschenwesen.

Der kleinkindgemäße Text von Sabine Bohlmann führt mit freundlich-zugewandten Dialogen zwischen Haselmaus und Siebenschläfer durch die Handlung.

Die herzigen Illustrationen von Kerstin Schoene geben den Gefühlen der Figuren durch abwechslungsreiches Minenspiel und possierliche tierische Körpersprache lebhaften Ausdruck.  

Die harmonisch-heitere Entsprechung von Wort und Bild und die sympathische Nied-lichkeit der Figuren erreichen kleine Bilderbuchbetrachter ab zwei Jahren mit spielerischer Leichtigkeit und bieten angemessenen kindlichen Identifikationsspiel- raum. Die festen, abgerundeten Pappseiten sind strapazierfähig und verkraften gegebenenfalls auch ungeübte Kleinkindmotorik.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/der-kleine-siebenschlaefer-gleich-ist-alles-wieder-gut-isbn-978-3-522-45910-5/

Hier entlang zum Vorgängerband:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/08/23/das-ist-noch-nicht-gemuetlich/

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchron-sprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben.
Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nacht-zeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene, geboren 1981 in Haan, studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesignerin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.«  www.kerstinschoene.de

 

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Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war

  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag Februar 2019 www.thienemann.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 296 mm x 237 mm
  • 32 Seiten
  • 13,00 € (D), 13, 40 € (A)
  • ISBN 978-3-522-45909-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

G R A N T E L L A U N E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer bespielt nun schon seinen vierten Bilderbuchband, und diesmal ist er einfach unerklärlich grummelig und verschlossen, ja beinahe schon grantelig.

Unermüdlich bieten seine Freunde Igel, Haselmaus, Eichhörnchen, Maulwurf, Schnirkel-schnecke und Fuchs nacheinander ihre selbsterfahrenen Rezepte gegen schlechte Laune an. Doch nichts wirkt, obwohl der kleine Siebenschläfer immerhin alle Anregungen aus-probiert. Von positivem Denken über Yoga bis hin zur sprichwörtlichen Laus, die ihm über die Leber gelaufen sein könnte, kommen allerhand Erklärungen und Lösungen zur Anwendung. Die Grummeligkeit ist jedoch hartnäckig, und auch ein Biß in eine Zitrone – da sauer angeblich lustig mache – versauert dem kleinen muffeligen Siebenschläfer nur zusätzlich die Laune.

Nach wie vor grummelig, verzieht sich der kleine Siebenschläfer nunmehr unter seine blaue, getüpfelte Schnuffeldecke, bis er nach einer Weile doch seine lieben Freunde vermißt. Gerade als er sich selbstmitleidig in seiner Grummeligkeit bestätigt sehen will, kommen seine Freunde mit einer süßen Lösung zu ihm zurück, die seine Mundwinkel und seine Stimmung schließlich wieder aufwärts heben.

Wie gut, wenn man Freunde hat, die sich von Grummeligkeit nicht abschrecken lassen!

Die sympathischen Tiercharaktere demonstrieren wahrlich guten Willen und echte freundschaftliche Hilfe, um die schlechte Laune des kleinen Siebenschläfers zu vertreiben.

Die Autorin Sabine Bohlmann erzählt die Geschichte vom grummeligen Siebenschläfer in einfachen Worten, mit anschaulichen Dialogen und einem zärtlichen Blick auf kindliche Empfindungen.

Die Illustrationen von Kerstin Schoene setzen die warmherzige Stimmung und schmunz-lerische Dramaturgie des Textes durch die naturalistisch-niedlichen Tierportraits und ihre lebhafte Mimik und Körpersprache harmonisch in Szene.

Kinder finden in dieser Geschichte hilfreiches emotionales Identifikationspotenzial. Und vielleicht regt die Vorlesesituation sogar dazu an, ergänzende eigene Rezepte gegen Grummeligkeit anzusprechen oder zu entwickeln.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/der-kleine-siebenschlaefer-die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war-isbn-978-3-522-45909-9/

 

Hier entlang zu den drei Vorgänger-Siebenschläfer-Bänden:

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/09/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte/

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchron-sprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben.
Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene, geboren 1981 in Haan, studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesignerin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.«  www.kerstinschoene.de

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Magie des Staunens

  • Die Liebe zur Natur entdecken
  • von Rachel Carson
  • Originaltitel:»The Sense of Wonder. A Celebration of Nature for Parents and Children«
  • Aus dem Amerikanischen von Wieland Freund und Andrea Wandel
  • Klett-Cotta Verlag 1. Auflage  März 2019    www.klett-cotta.de
  • in Leinen gebunden mit eingeklebtem Titelschild
  • mit Illustrationen von Johann Brandstetter
  • Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • 88 Seiten
  • ISBN 978-3-608-96410-3
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)

FÜHLER  AUSSTRECKEN !

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Rachel Carson ist hierzulande in den Sechzigerjahren durch ihr Buch „Der stumme Frühling“ https://www.chbeck.de/carson-stumme-fruehling/product/26790608 bekannt geworden. Dieses Werk beflügelte weltweit die Umweltbewegung und führte zum Verbot des Pflanzenschutzmittels DDT.

In Amerika war Rachel Carson bereits als Schriftstellerin in der Tradition des „Nature Writing“ bekannt, und sie wurde für ihr Buch „The Sea Around Us“, das 1951 erschienen ist, mit dem National Book Award ausgezeichnet.

Das vorliegende schmale, gleichwohl gehaltvolle Buch ist eine Anleitung zur Naturver-bundenheit. Die Autorin erzählt sehr persönlich und in poetischen Formulierungen, wie sie mit ihrem kleinen Neffen die Natur erkundet. Sie betrachten die Meeresbrandung, sammeln Muscheln, spazieren (auch im Regen) durch den Wald, entdecken Fichtensetz-linge und spekulieren, für welches Tier – je nach Größe – ein solcher „Weihnachtsbaum“ passend sei, sie setzen sich den Elementen aus, werden naß und dreckig und bleiben nachts auf, um den Vollmond oder Sternschnuppen zu bewundern.

Dies geschieht nicht mit wissenschaftlicher Strenge oder explizierter Lernabsicht, sondern mit beiläufiger Selbstverständlichkeit, spielerisch, ja, einfach durch die sinnliche Erfahrung der Natur sowie durch die Bereitschaft des erwachsenen Begleiters, das kindliche Staunen und die kindliche Entdeckungsfreude aufrichtig zu teilen. Naturentwöhnten Erwachsenen empfiehlt die Autorin, alle Sinne wieder auf Empfang zu stellen und sich mit den Fragen: „Was, wenn ich dies nie zuvor gesehen hätte? Was, wenn ich wüsste, ich würde es nie wieder sehen?“ (Seite 40) der Schönheit und der Zauberkraft der Natur wieder neu zu öffnen.

Illustration (Moor) von Johann Brandstetter ©

Kinder haben ein instinktives Gespür für keine Dinge und Wesen, für geheimnisvolle Tiefen und verborgene Zusammenhänge und einen frischen, unverbrauchten Blick. Staunen wir mit ihnen über das Auskeimen von Samen, über Sandkörner, Steine und Felsen, Knospen, Blüten, Früchten, Vogelstimmen, Vogelflug, den Mikrokosmos von Flechten und Moosen, Grillenzirpen, Farnkrautleuchten, Rindenmuster, Blattformen, Holzfeuerduft, Wind und Wolken, flüsternde Lüfte, tosende Stürme, Sonne, Mond und Sterne, Ebbe und Flut, den Wechsel der Jahreszeiten sowie Himmel und Erde und die unzähligen Farben, Texturen, Stimmen und Daseinsformen dazwischen.

„Die Kehrreime der Natur bergen etwas unendlich Heilsames – … (Seite 66)

Rachel Carson konnte dieses literarische Kleinod tiefempfundener Naturliebe wegen ihres frühen, krankheitsbedingten Todes nicht zu Ende schreiben. Im Nachwort würdigt der Übersetzer streiflichternd Leben und Werk der Autorin, und einige Schwarz-weiß-Fotografien zeigen sie alleine und in Gesellschaft ihres Neffen in der Natur.

Die überaus schönen Illustrationen von Johann Brandstetter begleiten und ergänzen den Text ebenso stimmungsvoll wie filigran-detailreich und spiegeln den im Text be- schworenen Zauber der Natur und die Faszination des Lebendigen harmonisch wieder.

Illustration (Breitblättriges Knabenkraut) von Johann Brandstetter ©

Die sorgfältige optische (attraktive Illustrationen, satte Typographie, Kapitelversalien) und materialhaptische (schmeichelgriffiges Papier, Lesebändchen, Leineneinbindung) Gestaltung des Buches machen die Lektüre ebenfalls zu einem sinnlichen Genuß.

„Die Magie des Staunens“ ist eine wunderbar unkomplizierte, lebensnahe, animierende Aufforderung, sich der Natur mit offenem Herzen und mit allen Sinnen zu nähern und sie durch Erfahrung buchstäblich zu begreifen. Rachel Carsons wiederholter Hinweis auf die elementare Bedeutung der sinnlichen Wahrnehmung ist angesichts aktueller bildschirmflacher, lebensferner Wisch-und-Weg-Wahrnehmungen aktueller denn je.

Mit diesem Buch hat uns Rachel Carson ein poetisches, zeitlos-wegweisendes Vermächt-nis hinterlassen, wie wir der Natur und Kindern auf Herzenshöhe begegnen können. Es ist nun an uns, dieses Vermächtnis zu pflegen und mit echtem Leben zu füllen.

„Wenn Fakten Samen sind, aus denen später Wissen und Weisheit wachsen, dann sind Gefühle und Sinneseindrücke der Nährboden, in dem die Samen reifen müssen. Die frühen Kindheitsjahre sind die Zeit, den Boden zu bereiten. Sind die Gefühle erst einmal geweckt – ein Sinn für das Schöne; die Begeisterung für das Neue und Unbekannte; Mitleid, Erbarmen, Bewunderung oder Liebe -, dann wollen wir über den Gegenstand unseres Fühlens auch etwas wissen. Haben wir ihn erst entdeckt, ist seine Bedeutung von Dauer. Es ist wichtiger, dem Kind den Weg zum Wissenwollen zu ebnen, als es auf eine Diät aus Fakten zu setzen, die es nicht aufnehmen kann.“  (Seite 34/35)

Illustration (Muschel) von Johann Brandstetter ©

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPORBE auf der Verlagswebseite:
https://www.klett-cotta.de/buch/Leben/Magie_des_Staunens/101196

Hier entlang zu einer weiteren begeisterten Rezension auf dem Sachbuchblog „Elementares Lesen“:

Rachel Carson: Magie des Staunens

Die Autorin:

»Rachel Carson, 1907 in einfachen Verhältnissen geboren, arbeitete nach einem Studium der Meeresbiologie als Wissenschaftlerin für die US-Fischereibehörde – als erst zweite Frau überhaupt. Mit ihren Büchern begründete sie die Umweltbewegung. Nach ihrem frühen Tod 1964 wurde sie posthum mit der Medal of Freedom ausgezeichnet. Heute gilt sie als einer der einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts.«

Der Illustrator:

Da der Klett-Cotta-Verlag aus unerfindlichen Gründen keinerlei Angaben zum Illustrator Johann Brandstetter macht, verweise ich interessierte Leser einfach auf seine eigene Webseite: https://www.johann-brandstetter.com/

Querverweis:

Dieses Buch ergänzt sich hervorragend mit dem Sachbuch „Natur tut gut. Warum Kinder draußen glücklicher sind“ von Andreas Weber:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/natur-tut-gut-9783548376486.html
und mit Andreas Webers biophilosophischem Buch „Alles fühlt“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/

 

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Alte Sorten

  • von Ewald Arenz
  • Roman
  • Dumont Buchverlag   März 2019  www.dumont-buchverlag.de
  • gebunden
  • LESEBÄNDCHEN
  • 256 Seiten
  • ISBN 978-3-8321-8381-3
  • 20,00 € (D)

WACHSENDES  VERTRAUEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Literarische Figuren, die eine solch atmende Wahrhaftigkeit ausstrahlen wie in Ewald Arenz‘ Roman „Alte Sorten“ haben Seltenheitswert.

Es ist Spätsommer, und die siebzehnjährige Sally wandert einen Weinberg hinauf. Sie verfolgt kein Ziel; sie will einfach nur weg, weg von der Klinik, in der ihre Magersucht geheilt werden soll, weg von den Menschen, die sie nicht in Ruhe und nicht so sein lassen wollen, wie sie ist, und Sallys Wut mit ihrer therapeutischen Sanftmut erst recht zur Weißglut treiben. Noch scheint ihre Flucht nicht aufgefallen zu sein, und Sally überlegt, ob sie sich zutraut, draußen in der Natur oder vielleicht in einer Scheune im Heu zu übernachten.

Die Landwirtin Liss ist zwischen ihren Weinstöcken mit dem Anhänger ihres Traktors in einer Rinne stecken geblieben und fragt Sally, ob sie ihr kurz helfen könne, das Rad zu befreien. Sally ist von dieser direkten Frage und einfachen Bitte angenehm überrascht und packt unwillkürlich mit an. Nachdem der Wagen wieder an den Traktor angekuppelt ist, bietet Liss Sally spontan eine Übernachtung auf ihrem Hof an.

Sally wundert sich, aber sie nimmt das Angebot mit mißtrauischer Dankbarkeit an. Am nächsten Morgen – Liss ist längst mit Hofarbeiten beschäftigt – findet Sally auf dem Küchentisch eine abgedeckte Schale mit kleingeschnittenem Obst, Nüssen und Honig sowie eine Kanne mit schwarzem Tee. Als Sally vorsichtig vom Obst nascht, schmecken ihr die Birnenstückchen überraschend gut.

Sally, das Stadtkind, bleibt auf dem Bauernhof und findet schnell Gefallen am Land- leben. Sie hilft Liss bei der Kartoffel- und Obsternte, beim Holzstapeln, bei der Bienen- pflege und beim Brotbacken. Liss ist Mitte bis Ende vierzig, sie ist groß und stark und bewirtschaftet ihren Hof alleine; offensichtlich leisten ihr außer einer Schar Hühnern nur noch unzählige Bücher Gesellschaft. Sallys Fragen nach ihrer Vergangenheit weicht sie aus.

Beide Frauen haben enttäuschende, schlechte, verletzende Erfahrungen mit zwischen-menschlicher Nähe gemacht, beide lieben ihre Freiheit, reagieren allergisch auf Manipu-lationsversuche und verhalten sich gewohnheitsmäßig eher spröde bis abweisend. Aus regelmäßigen Erinnerungsrückblenden erfahren wir nach und nach von ihren jeweiligen biographischen und emotionalen Werdegängen.

Naturerfahrungen, die körperlich anstrengende, gleichwohl sichtbar-sinnerfüllte Arbeit, die einfachen Speisen und die Freiheit, die Liss Sally läßt, führen dazu, daß Sally wieder Geschmack am Leben findet, daß sie besser geerdet ist und zu sich findet. Liss, die sich in ihrer Einsamkeit eingerichtet hat und eingeschmiegt in die Gesetzmäßigkeiten der Jahreszeiten alle notwendigen Landarbeiten mit meditativer Präzision erledigt, empfindet zaghafte Freude an der Gesellschaft und an der lebhaften Mithilfe und Wißbegier von Sally.

Die Entwicklung des für beide Frauen ungewohnten zwischenmenschlichen Vertrauens verläuft keineswegs reibungslos. Die beiden Außenseiterinnen ringen oft um Worte und Erklärungen, bewegen sich aufeinander zu und entfernen sich wieder. Es gibt Mißver-ständnisse und unbeabsichtigte Verletzungen, und besonders Sallys jugendlicher Zorn ist vorschnell, oft maßlos und durchaus anstrengend, doch auch Liss‘ besonnene, lebenserfahren-selbstreflektierte Wesensart hat – in Anbetracht ihrer nicht undrama- tischen Lebensgeschichte – Grenzen, die nicht überstrapaziert werden dürfen.

Hier begegnen sich zwei Seelenverwandte, deren vorsichtige Öffnung und wechsel- seitige Zuneigung sich durch alte Wunden, Krusten, Narben, Ängste und Vermeidungs- strategien kämpfen müssen. Liss rettet Sally das Leben, indem sie ihr den Raum läßt, wirklich zu werden und ein ungezwungenes Miteinander zu erfahren.

Es bleibt nicht aus, daß andere Menschen sich störend einmischen, denn Sally wird ja polizeilich gesucht … Diese Einmischung und die damit verbundenen Konsequenzen stürzen Liss in eine existenzielle Sinnkrise, aus der sie wiederum von Sally gerettet wird.

Am Ende steht eine sturmerprobte Freundschaft, die für Liss und Sally deutlich kon- struktivere und zuversichtlichere Lebensweichenstellungen möglich macht.

Ewald Arnez gelingen in diesem Roman nicht nur sehr überzeugende, einfühlsame Psychogramme und feinsinnige Sprachbilder für alle Gefühlslagen, sondern er schafft dabei auch eine greifbar sinnliche, ebenso poetische wie handfest-elementare ländliche Atmosphäre. Man spürt den Sommer auf dem Lande beim Lesen, man riecht, schmeckt, hört und fühlt mit. Eine Textpassage aus einer Szene im Obstgarten, in der Sally ver-schiedene Birnensorten verkostet, möge diese ansprechende literarische Sinnlichkeit illustrieren:

„Sally schnitt sich diesmal ein größeres Stück ab. Sie wollte das Rot und das Weiß schmecken. Es war schwer, ein Wort für diese Mischung aus fest und zergehend zu fin-den, die das Fleisch im Mund hatte. Und sie meinte, das Rot süßer zu schmecken und im Weiß eine winzige Spur Bitterkeit, und zusammen war es ein Geschmack, der … vielleicht würde Sonnenlicht so schmecken, wenn es nach einem langen Sommer durch das weite Blau des Himmels und dann durch das alte Grün hoher Bäume direkt auf die Zunge fiele.“ (Seite 114)

Die buchgestalterische Aufmachung des Romans korrespondiert optisch und haptisch mit der Sinnlichkeit des Textes. Das leicht angeraute an grobes Leinen erinnernde Ein- bandpapier und die mit glänzendem Prägedruck aufgebrachte botanische Illustration eines fruchtenden Birnbaumzweiges sowie der zarte Sonnenstrahl des leuchtend gelben Lesebändchens geben einen stimmigen Vorgeschmack auf die Lektüre.

„Alte Sorten“ ist ein bemerkenswerter Roman voller lebenszärtlicher Betrachtungen, inniger Naturverbundenheit und beiläufiger, gleichwohl eindrucksvoller Weisheit und berührender Herzenstiefe.

„Es war so selten, dass die Dinge im Gleichgewicht waren. Ohne Glück und ohne Trauer. Oder anders: dass Glück und Traurigkeit in einem so in der Schwebe waren, in so einer perfekten Balance, dass man sich nicht bewegen wollte. Vielleicht fühlten sich Seil- tänzer so, wenn sie hoch oben waren, in dem einen Moment, in dem eine gerade Linie genau durch die Mitte des Körpers geht und genau durch die Seele des Seils und bis zum Boden und dann bis zum innersten Kern der Erde; in dem einen bewegungslosen Moment der Mitte.“ (Seite 127)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der  Verlagswebseite:
http://www.dumont-buchverlag.de/buch/arenz-alte-sorten-9783832183813/

Hier entlang zu Bris Rezension, die mich dankenswerterweise als erste auf Ewald Arenz‘ Roman aufmerksam machte: https://feinerbuchstoff.wordpress.com/2019/05/19/der-eine-bewegungslose-moment-der-mitte/

Der Autor:

»Ewald Arenz, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium in Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe von Fürth.«

 

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Als Nino fast in den Zirkuswagen zog

  • von Sigrid Zeevaert
  • Illustrationen von Julie Völk
  • Gerstenberg Verlag Juni 2018 http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Format: 16 x 21,5 cm
  • 176 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A), 18,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5607-9
  • zum Selberlesen ab 7 Jahren
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren

K I N D E R L E I C H T – K I N D E R S C H W E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nino ist das jüngste Kind unter vier Geschwistern. Flori, sein nur vierzehn Monate älterer und nur vier Zentimeter größerer  Bruder, behandelt Nino oft, als wäre er noch kleiner und jünger als er ist, und auch seine beiden älteren Schwestern, Mira und Jana, bezeichnen ihn manchmal als „Mamakind“, weil er recht schnell weint und naiver ist als die großen Kinder.

Während sich Flori oft draufgängerisch, großspurig, sportlich und risikobereit verhält, ist Nino empathisch, vorsichtig, rücksichtsvoll und sehr sensibel. Da sich die beiden Brüder ein Zimmer teilen, gibt es immer wieder Reibereien zwischen ihnen, und Flori äußert neuerdings sogar ausdrücklich den Wunsch nach einem eigenen Zimmer für sich alleine.   

Die Eltern verkünden beim familiären Abendbrot, daß ihnen Großtante Ella ihren Zirkus-wagen geschenkt habe. Großtante Ella ist Künstlerin und Buchillustratorin, und sie hat sich früher gerne zum Malen in diesen Zirkuswagen zurückgezogen. Doch inzwischen ist sie alt, braucht mehr Unterstützung im Lebensalltag, und zieht deshalb in ein Senioren-heim und trennt sich von Dingen, die sie nicht mehr braucht.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Die Kinder sind begeistert von der Aussicht, bald einen echten Zirkuswagen im eigenen Garten stehen zu haben. In der Schule erzählt Nino sofort seinem Freund Joshua davon und lädt ihn ein, in den nächsten Tagen einmal bei ihm im Zirkuswagen zu spielen.

Als Joshua Nino besucht, hat Flori den Zirkuswagen schon mit zweien seiner Fußball-freunde „besetzt“, und die Rabauken lehnen es ab, mit den „Kleinen“ zu spielen. Nino zieht sich gekränkt mit Joshua ins Kinderzimmer zurück und leiht ihm später den voll-automatischen Sattelschlepper seines Bruders, ohne dafür um Erlaubnis zu fragen.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Nicht zum ersten Mal denkt Nino darüber nach, wie es wäre, keinen Bruder zu haben und ganz alleine zu leben. Doch dann ist er gleichwohl wieder ganz anhänglich, denn Flori ist schließlich nicht immer gegen ihn, sondern auch oft zugewandt-brüderlich. So beschließen die beiden, am Wochenende zusammen im Zirkuswagen zu übernachten. Nachdem die Eltern und die Schwestern ihnen gute Nacht gesagt haben, sind die Brüder ganz alleine im Dunkeln, und eine Menge ungewohnter, unheimlicher Nachtgeräusche sorgen für Aufregung. Diesmal ist jedoch Nino der Mutigere, und er besteht darauf, daß sie nicht ins Haus zurückgehen; und schließlich schläft Nino ein und träumt lebhaft von Tante Ella.

Am nächsten Morgen stellt Nino fest, daß er alleine im Zirkuswagen liegt und sein Bruder sich heimlich wieder ins Haus geschlichen hat. Erstaunt bemerkt Nino, daß Flori offenbar nicht so groß und mutig ist, wie er immer behauptet. Als Nino zum Frühstück ins Haus kommt, ist Flori verheult und verstimmt, da die Eltern mit ihm geschimpft haben, weil er Nino in der Nacht einfach im Stich gelassen hat.

Da angesichts der momentanen familiären Stimmung nicht mit spielfreudigen Ge-schwistern zu rechnen ist, macht Nino einen Spaziergang zum Park. Er braucht sowieso etwas Abstand, um seine Gedanken zu ordnen und sich an sein neues mutiges Selbst-bewußtsein zu gewöhnen. So geht er – von Betrachtungen über seine Unabhängigkeit und Selbstgenügsamkeit beflügelt – viel weiter als geplant und verläuft sich prompt.

Da wird es ihm doch mulmig, und ein paar Tränen kann er nicht zurückhalten. Zwei Passanten erklären ihm freundlich den Rückweg. Zwar ist Nino unsicher, ob er sich die Hinweise richtig merken kann, aber er ist wild entschlossen, es alleine zu schaffen. Dennoch ist die Erleichterung groß, als er seine Schwester Mira und seinen Bruder Flori sieht, die schon nach ihm gesucht haben und sich aufrichtig freuen, daß sie ihn endlich wiedergefunden haben.

Einträchtig gehen sie nach Hause, und Nino findet es schön, nicht mehr alleine unter- wegs zu sein. Später planen sie, für den 16. Geburtstag der älteren Schwester Jana Zirkuskunststücke einzuüben und sie mit einer echten Zirkusaufführung zu über- raschen. Ninos Freund Joshua darf auch mitmachen und einige seiner Zaubertricks zeigen …

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Dieses Kinderbuch behandelt sehr einfühlsam und familienszenisch-anschaulich die Themen Geschwisterliebe und Geschwisterrivalität, Streit und Versöhnung, Angst und Mut, Bindungsbedürfnisse und Freiheitsbedürf- nisse, familiäre Anhänglichkeit und Geborgenheit, Freundschaft, zwischen- menschliche Abgrenzung und das Zusammenspiel unterschiedlicher Temperamente sowie emotionale Reifungsschritte.

Die nostalgisch-zärtlichen, mit verspielten Details angereicherten Schwarz-weiß-Illustrationen von Julie Völk begleiten und untermalen den Text harmonisch und geben den Figuren kindgerechte Gestalt.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Wir erlesen hier Familienalltagsleben. Abgesehen von der Requisite Zirkus- wagen geschieht nichts Spektakuläres, und doch macht Nino elementare, bedeutungsvolle Erfahrungen, die den Radius seines Herzens über den rein familiären Bezugskreis hinaus erweitern. Der Autorin Sigrid Zeevaert gelingt mit leichten Worten, einfachem Satzgefüge und lebhaften Dialogen eine glaubwürdige und anrührende, ebenso schmunzlerische wie ernsthafte erzählerische Darstellung kindlicher Bedürfnisse, Entwicklungsspielräume, Gefühle und Gedanken.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836956079

 

Die Autorin:

»Sigrid Zeevaert lebt mit ihrer Familie in Aachen. Schon während des Studiums begann sie mit dem Schreiben; ihre Kinder- und Jugendbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk erhielt sie den Friedrich-Bödecker-Preis. Bei Gerstenberg ist von ihr außerdem das Kinderbuch „Annabel und Anton – Tür an Tür in Haus Nr. 9“ erschienen.« www.sigridzeevaert.de

Die Illustratorin:

»Julie Völk, geb. 1985 in Wien, wuchs im ländlichen Niedersachsen auf. Sie studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihr Debüt Das Löwenmädchen ist gleich mit dem Nachwuchspreis Serafina und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis 2015 ausgezeichnet worden. Für ihr zweites Bilderbuch Guten Morgen, kleine Straßenbahn! erhielt sie den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2017. Die Künstlerin lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich.« www.julievoelk.de

Querverweis:

Hier entlang zu „Annabel und Anton – Tür an Tür in Haus Nr. 9“, einem weiteren Kinderbuch von Sigrid Zeevaert, das einfühlsam und humorvoll von einer neuen Kinderfreundschaft durch nachbarschaftlichen Zuzug zu erzählen weiß. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/04/30/annabel-und-anton/

 

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Einfach anziehend

  • Der Guide für alle, die Wegwerfmode satthaben
  • von Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn
  • Oekom Verlag  Oktober 2018   www.oekom.de
  • Klappenbroschur
  • 144 Seiten
  • Format: 16,5 x 22,5 cm
  • ISBN 978-3-96238-054-0
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)

KLEIDUNG  FÜRS  LEBEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es gibt nichts Teureres als billig – dieser kluge Rat gilt nicht nur für Lebensmittel, Werk-zeuge, Möbel, Geschirr, Besteck, Schuhe usw. sondern auch für Textilien.

Das hochinformative Buch „Einfach anziehend“ von Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn liefert nützliche Hinweise, wie man aufdringlicher Fast-Fashion entkommen kann, und überzeugende Argumente, warum man der nur scheinbar billigen Wegwerfmode wider-stehen sollte. Mit fundierter Materialkunde, Orientierung über glaubwürdige Textil- siegel, Hintergrundinformationen zu den mitwelt- und mitmenschschädlichen Neben- wirkungen der konventionellen Textilproduktion, anschaulicher Freude an eigenwilli- gem Kleidungsstil und zahlreichen Hinweisen auf einfallsreiche, kreative, nachhaltige Alternativen zur Massenware werden wir buchstäblich zu dem Stoff geführt, aus dem eine ökologische und fair produzierte sowie individuell-stilvolle Garderobe besteht.

Wußten Sie, daß jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke kauft?

Wußten Sie, daß bei der Herstellung eines Kleidungsstücks bereits 25 % „Abfall“ übrig bleiben und namhafte Billig-Modemarken, aber auch Edelmarken alljährlich tonnen- weise unverkäufliche Ware verbrennen?

Wußten Sie, daß die Textilindustrie zwar Arbeitgeber für weltweit 75 Millionen Menschen ist, diese aber miserabel und keineswegs existenzsichernd bezahlt? Arbeit- nehmerrechte, Arbeitsschutzmaßnahmen und geregelte Arbeitszeiten kommen ebenfalls nicht vor.

Sie wollen noch mehr wissen? Nachfolgend liste ich nur noch drei Nebenwirkungen der massenhaften Billigmode auf:

Die Textilindustrie ist verantwortlich für 20 % der weltweiten Wasserverschmutzung und für den Einsatz von 1,7 Millionen Tonnen Farbstoffen und vielen weiteren Chemi- kalien. Die Herstellung einer einzigen Jeans beansprucht etwa 7.000 Liter Wasser.

Für den konventionellen Baumwollanbau kommen 16 % der weltweit genutzten Pestizide zum Einsatz.

Über 60 % der Stoffe enthalten Polyester. „Die billige Kunstfaser ist der große Treiber der Fast-Fashion-Industrie – und entpuppt sich als Desaster für die Ozeane. Denn Kleidungsstücke fusseln bei jeder Wäsche: eine einzige Fleecejacke kann bis zu einer Million Fasern pro Waschgang freisetzen, die dann in Flüsse und Meere gelangen.“
(Seite 13)

Und nun zum Hoffnungsschimmer: Es gibt inzwischen eine Menge kleiner Textilher-steller, die ökologisch und fair produzieren und eine große modische Geschmacks- und Designvielfalt aufweisen. Selbstverständlich hat diese Kleidung einen höheren Preis, da sowohl bei der Qualität der verarbeiteten Materialien als auch bei der Bezahlung der Näherinnen nicht gespart wird.

Bei einem konventionellen Kleidungsstück schlägt die Kalkulationsmarge für  die soge-nannte Konfektion, in der der Arbeitslohn enthalten ist, mit lediglich etwa 1,6 Prozent des Verkaufspreises zu Buche. Produziert man mit fairen Löhnen, dann muß diese Marge deutlich höher sein. Dafür bekommt man jedoch ein Textil, das langlebiger ist und meist problemlos recycelt werden kann.

Und wer sagt denn, daß Kleidung immer neu sein muß? Wie wäre es mit Kleidertausch unter Freunden und Freundinnen, mit Kleidung aus zweiter Hand, mit Selbernähen oder pfiffigen Ausbesserungen und kreativem Upcycling? In Berlin gibt es mit dem Verein „Bis es mir vom Leibe fällt“ ein Atelier für „den kreativen Umgang mit gebrauchten Textilien in einer reparaturbedürftigen Welt“ https://bisesmirvomleibefaellt.com/. Dort findet man interessante Anregungen, um aus alt neu zu machen.

Auch Modehersteller bieten Ausbesserungen an, so wie die deutsche Männermode-Firma Brainshirt, bei der man verschlissene Kragen und Manschetten austauschen lassen kann, um die Lebensdauer der Hemden zu verlängern.

Ja, sogar Leihkleidung ist inzwischen eine Alternative, um Abwechslung in den Klei- dungsstil zu bringen, ohne ein Mehr anzuhäufen. So kann man etwa bei »Kilenda«, »Kindoo« oder »Räubersachen« Kinderkleidung mieten. Erwachsene werden fündig bei »Kleiderei« oder »myonbelle.de«

Die Autoren regen dazu an, zunächst einmal den Inhalt des eigenen Kleiderschranks genau zu inspizieren und zu sortieren. Was nicht gefällt, nicht mehr paßt usw. wird wahlweise verschenkt, getauscht oder gespendet. Kleidungsstücke, die einer Ausbesser-ung bedürfen, werden entweder selbst oder vom Schneider des Vertrauens in Ordnung gebracht. Dies führt zu einem übersichtlichen, ja, bestenfalls sogar minimalistischen Kleiderschrankinhalt, der nur noch die Textilien enthält, die man auch wirklich anzieht und mag und die sich gut miteinander kombinieren lassen. Ergänzend bietet sich zudem eine Klamottenkur an: https://jetztrettenwirdiewelt.de/aktionen/klamottenkur/

Man sollte seinen eigenen Stil finden und kultivieren, um sich von flatterhaften Mode-diktaten zu befreien. Anstatt dem neuesten Trend nachzueifern, lohnt es sich, in Secondhand- und Vintage-Läden hochwertige, preisgünstige oder einfach originelle Kleidung zu finden. Und wenn es denn unbedingt etwas Neues sein soll, dann geht man dank der Informationen aus dem vorliegenden Buch wesentlich bewußter und textil- sachkundiger einkaufen und fällt nicht auf Wegwerfmode herein.

Seien Sie wählerisch in Hinsicht auf Qualität und ethischen Anspruch, und auch wenn Sie biologisch angebaute Naturfasern wählen, behalten Sie gleichwohl folgendes im Sinn: „Das umweltfreundlichste Kleidungsstück ist dasjenige, das ich schon seit zehn Jahren trage.“ (Seite 114)

Die Autoren listen die geläufigsten Textilfasern auf, beginnend mit Naturfasern (Baum-wolle, Leinen, Hanf, Wolle, Seide, Daunen), über Synthetikfasern (Polyester, Polyacryl, Polyamid, Elastan) und Cellulose-Regeneratfasern (Viskose, Modal, »EcoVero«, Lyocell, Bambusfaser) bis hin zu unterschiedlichen Recyclingfasern. Dabei erläutern sie Vor- und Nachteile, Trageeigenschaften, die ökologischen Konsequenzen sowie die mögliche oder unmögliche Wiederverwertbarkeit der jeweiligen Faser. Die Kombination von Natur- fasern mit Kunstfasern ist übrigens problematisch: Nur 1 % Elasthan erschwert die Wiederverwertung eines Stoffes bereits drastisch.

Interessante, vielversprechende neue Fasern werden ebenfalls vorgestellt – wie beispielsweise die aus Milchabfällen hergestellte Milchfaser »Qmilk«, »Orange Fiber«, die aus Schalen und Pressrückständen der Orangensaftproduktion erzeugt wird, und »Piñatex«, ein lederartiges Textilvlies aus gepreßten Ananasblattfasern.

Eine kurze Abschweifung zu Schmuck aus fair gehandelten Edelmetallen und Recycling-Gold und -Silber erweitert den Nachhaltigkeitsaspekt ganzheitlich auch um dekorative Accessoires.

Im umfangreichen Serviceteil von „Einfach anziehend“ finden sich zahlreiche Hinweise, Adressen und Links auf weiterführende Modeblogs, wissenswerte Dokumentationen, Kampagnen und Organisationen, Buchempfehlungen zum Thema Öko-Textilien und Minimalismus sowie eine deutschlandweite, nach Städtealphabet geordnete Adressenliste mit über 130 Geschäften, die sich auf nachhaltige Mode spezialisiert haben.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/einfach-anziehend.html

Hier entlang zum Blog zum Buch:
https://www.einfach-anziehend.de/

Die Autoren:

»Kirsten Brodde ist Deutschlands profilierteste Kritikerin der Textilindustrie. Sie leitet die globale Detox-Kampagne von Greenpeace, die sich mit den Umweltschäden der über-hitzten Modebranche beschaäftigt. Ihr Buch „Saubere Sachen“ (2008) ist ein Standartwerk zum Thema Ökomode.«

»Alf-Tobias Zahn ist Blogger und arbeitet als Kommunikationsberater und Projektleiter bei „Studio GOOD Berlin“. Er bloggt und schreibt seit Jahren über Grüne Mode. In seinem Blog GROSS∆RTIG https://www.grossvrtig.de/ stellt er grüne Schätze mit Substanz und Stil vor.«

 

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Einfach Mensch sein

  • Von Tieren lernen
  • von Sy Montgomery
  • aus dem Amerikanischen von Heide Sommer
  • Originaltitel: »How to Be a Good Creature. A Memoir in Thirteen Animals«
  • mit Illustrationen von Rebecca Green
  • und einem Nachwort von Donna Leon
  • DIOGENES Verlag  März 2019   http://www.diogenes.ch
  • in Leinen gebunden
  • mit Schutzumschlag
  • 208 Seiten
  • 22,00 € (D). 22,70 € (A), 30,00 sFr
  • ISBN 978-3-257-07064-4

BIOGRAPHISCHE  TIERSCHAU

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sy Montgomery ist durch ihre Arbeit als Wissenschafts- und Umweltjournalistin weit in der Welt und der Natur herumgekommen. Für das vorliegende Buch „Einfach Mensch sein“ berichtet sie von verschiedenen Tieren, die ihr auf Expeditionen begegnet sind, und von Tieren, die ihr Privatleben geteilt und begleitet haben. Dabei geht sie lebens- chronologisch vor.

Mit der Scotchterrier-Hündin „Molly“ beginnt der Reigen tierischer Freunde, ja, Familien-mitglieder. Sy Montgomery bekam im zarten Alter von drei Jahren von ihren Eltern diesen Welpen geschenkt, und die innige Kind-Hund-Beziehung begründete ihre lebens-lange Tierliebe. Während es Montgomerys Mutter lieber gewesen wäre, wenn ihre Tochter mehr „Mädchenhaftigkeit“ entwickelt hätte, strebte Sy Montgomery nach mehr „Hündchenhaftigkeit“, bewunderte Mollys Fähigkeiten und ihre Wildheit und wollte so weit wie menschenmöglich daran teilhaben.

Viele Jahre später „adoptierte“ die Autorin ein Ferkel, einen sogenannten „Kümmerling“, der kränkelte und nur halb so groß wie seine Geschwister war. Gemeinsam mit ihrem Mann päppelte sie das kleine Sorgenkind, nannte es Christopher Hogwood, und nach fünf Jahren wog das Schwein, das einst in einen Schuhkarton gepaßt hatte, mehr als siebenhundert Pfund. Begeistert erzählt Sy Montgomery von der speziesübergreifenden Kontaktfreudigkeit Christopher Hogwoods und schwört, daß sie die kommunikativen Nuancen seines Schweinegrunzens verstehen konnte.

Auch in der Wildnis geht die Autorin nahe an Tiere heran. Während einer Expedition in Australien gelingt es ihr, mit geduldiger Ausdauer und langsamer Gewöhnung das Ver- trauen von drei wilden Emus zu gewinnen und sich ihnen bis auf einen Meter Entfern- ung zu nähern und sogar an ihrem Schlafplatz zu verweilen. Stets ist sie mit weit geöffnetem Herzen und allen Sinnen bei den Tieren und voller Dankbarkeit für das lebendige Wissen, das sich in ihnen offenbart.

Egal ob es um ihre häuslichen Hühner geht oder um Vogelspinnen, um seltene Baum- kängurus, einen Oktopus, ein vorwitziges Wiesel oder diverse Hunde – stets begegnet sie jedem Lebewesen auf Augenhöhe oder, besser gesagt, auf Herzenshöhe.

Die den Text begleitenden verspielten Zeichnungen von Rebecca Green spiegeln gekonnt die überaus zärtlich-zugewandte und fürsorgliche Naturperspektive der Autorin.

Dieses Buch wird naturverbundene Tierfreunde unmittelbar ansprechen. Die Autorin unterscheidet nicht zwischen possierlichen und weniger possierlichen Tieren. Sie öffnet ihr Herz gewiß weiter und konsequenter für alle Tiere als der durchschnittliche Mensch.

Die achtsame Berührung mit Tieren verbindet uns Menschen wieder mit dem wilden Herzen des Lebens und lehrt uns Respekt, Staunen und natürliche Demut. Ob sich Sy Montgomerys extrem intensive Mensch-Tier-Verbundenheit einer quasi-religiösen Über-höhung nähert, die zwischenmenschliche Beziehungen eher erschweren mag, sollte jeder Leser selbst entscheiden. Unstreitig sind indes die zutiefst beeindruckenden lebhaften Tierportraits.

Mit ihren ebenso berührenden wie biologisch-informativen, sinnlich-stimmungsvollen, tiereinfühlsamen Beschreibungen vermittelt sie anschaulich und glaubhaft, daß Tiere über Charakter, Individualität und Seelenstärke verfügen und daß wir, wenn wir uns wirklich auf sie einlassen, von ihnen ergänzende Wahrheiten erfahren können, die unser Leben bereichern und inspirieren.

„Eine Spinne kann die Welt mit ihren Füßen erschmecken. Vögel sehen ungeahnte Farbnuancen. Eine Grille kann mit den Beinen singen und mit den Knien hören. Ein Hund kann Töne wahrnehmen, die weit über den Frequenzen des menschlichen Hörvermögens liegen, und spürt, wenn man verärgert ist, noch ehe man es selber weiß.“ (Seite 10)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/sy-montgomery/einfach-mensch-sein-illustriert-von-rebecca-green-9783257070644.html

 

Die Autorin:

»Sy Montgomery, geboren 1958 in Frankfurt am Main, ist die Autorin des Bestsellers Rendezvous mit einem Oktopus. Zur Recherche für ihre Bücher war sie mit Piranhas, rosa Delphinen, Zitteraalen und Schneeleoparden unterwegs – um dann die wahren Wunder der Natur vor dem eigenen Fenster zu entdecken. Montgomery lebt in New Hampshire.
2019 wurde sie mit dem „Award for Environmental Excellence“ der Antioch New England Graduate School, Fachbereich Umweltwissenschaften für herausragende Beiträge für Umwelt und Nachhaltigkeit gewürdigt.«

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Alle sehen eine Katze

  • von Brendan Wenzel
  • Originaltitel: »THEY ALL SAW A CAT«
  • übersetzt von Thomas Bodmer
  • NordSüd Verlag 2018   http://www.nord-sued.com
  • Format: 28 x 23 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 44 Seiten, durchgehend farbig illustriert
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 19,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10405-3
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

A U G E N S C H E I N

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Brendan Wenzel eröffnet uns mit seinem Bilderbuch „Alle sehen eine Katze“ spannende Perspektiven und andersgeartete Sichtweisen.

Zunächst sehen wir eine Katze aus der menschlichen bzw. kindlichen Perspektive, und der Anblick erscheint uns selbstverständlich und vertraut. Während die Katze durch die Welt streift, wird sie von verschiedenen anderen Tieren gesehen. Doch in den Augen dieser Tiere, die über unterschiedliche Sinnesspezialisierungen verfügen, variiert das Aussehen der Katze beträchtlich.  

Brendan Wenzel illustriert mit diversen Zeichenmaterialien (Acrylfarben, Bunt- und Graphitstiften, Kreiden, Kohle, Wasserfarben und Papierschnipseln) und deren Kombi-nation das unterschiedliche sinnliche Wahrnehmungsspektrum verschiedener Tiere und verknüpft dieses zusätzlich mit einem emotionalen Blickwinkel.

So sieht die Biene mit ihren Facettenaugen deutlich weniger räumlich, und auch die Farbwahrnehmung und Bildschärfeauflösung weicht von menschlichen Sehgewohn- heiten ab. Die Schlange wiederum sieht die Katze als Infrarotbild, und der Regenwurm übersetzt  die Vibrationen, welche die Katze durch ihre Fortbewegung auf dem Boden erzeugt, in ein unterirdisches Katzenkörperbild.

In den Augen der Maus ist die Katze ein zähne- und krallenbewehrtes Ungeheuer und in den Augen des Flohs eine riesige Landschaft aus Fell.

„Die Katze ging durch die Welt mit ihren Schnurrhaaren, Ohren und Pfoten“ – dieser wiederholte Refrain führt durch die visuellen Variationen tierischen Sehvermögens und die Begegnungen der Katze mit Hund, Fuchs, Fisch, Maus, Biene, Vogel, Floh, Schlange, Stinktier, Wurm und Fledermaus sowie schließlich auch zu ihrer eigenen optischen Spiegelung in einer Wasseroberfläche.

Anschaulich inszeniert Brendan Wenzel mit seinen Illustrationen, daß die menschliche Sichtweise nur eine von vielen möglichen ist. Dies weckt Neugier auf die besonderen Fähigkeiten der tierischen Mitgeschöpfe und dürfte viele Fragen zu den Details dieses anderen Wahrnehmungsvermögens nach sich ziehen.

Diese hintergründigen zoologischen Sachfragen beantwortet der sparsame Begleittext zwar nicht, aber die dynamische, abwechslungsreiche Bildersprache öffnet dem geneigten – kindlichen und erwachsenen – Betrachter gleichwohl buchstäblich die Augen für andere Wahrnehmungsmöglichkeiten und Sichtweisen und lehrt uns staunen.

 

Hier entlang zum Buch, zur LESEPROBE und zum unbedingt sehenswerten Buchtrailer auf der Verlagswebseite: https://nord-sued.com/programm/alle-sehen-eine-katze/

 

Der Autor & Illustrator:

»Brendan Wenzel studierte am New Yorker Pratt Institute. Seine besondere Vorliebe gilt der Darstellung von Tieren. Er arbeitet mit verschiedenen Magazinen und Umweltorgani-sationen zusammen. 2017 gelang ihm der internationale Durchbruch mit dem Buch »They All Saw a Cat«, das in die Ehrenliste der Caldecott-Medaille aufgenommen wurde. Brendan Wenzel lebt im Bundesstaat New York.«  https://brendanwenzel.info/

 

 

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Der große Mann und die kleine Maus

  • Illustrationen von Birgitta Sif
  • Text von Mara Bergman
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Gerstenberg Verlag Januar 2019  www.gerstenberg-verlag.de
  • 32 Seiten
  • durchgehend farbig
  • Format: 22,5 x 29,5 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5667-3
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

H I L F R E I C H T U M

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im Bilderbuch „Der große Mann und die kleine Maus“ lebt der große Mann auf einem großen Berg und weiß garnicht, daß sein großes Wohnhaus eine kleine Maus als Untermieterin beherbergt.

Der große Mann ist tagaktiv und nutzt dabei seine Körperlänge: Er hilft beim Äpfel-pflücken, er entwirrt Schaukeln, er rettet Kätzchen aus Bäumen und ist dabei stets gutgelaunt und freundlich.

Die kleine Maus hingegen ist nachtaktiv und sammelt kleine Krimskramsdinge wie Garnrollen, Korken, Klammern, Nägel und glänzende Münzen und legt sie in ein improvisiertes Ziehwägelchen.

Eines Tages verstummt die Turmuhr im Ort: „ …sie sagte nicht tick und sie sagte nicht tack! … sie machte nicht klick und sie machte nicht klack!“ Der große Mann bemüht sich, sie zu reparieren, doch es will ihm trotz vielfältigen Werkzeugeinsatzes nicht gelingen.  Zuhause blättert er in Büchern, sucht nach einer Lösung und schläft schließlich erschöpft auf dem Sofa ein.

Illustration von Birgitta Sif, Text von Mara Bergman © Gerstenberg Verlag 2019

In der Nacht sammelt die kleine Maus wieder allerlei Sächelchen ein und legt sich im Schuh des großen Mannes zum Schlafen nieder. So kommt es, daß am nächsten Morgen der große Mann beim Anziehen zum ersten Mal der kleinen Maus und ihrem beträcht- lichen Sammelsurium begegnet.

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2019

Nach kurzem Erstaunen und einer freundlichen Betrachtung von Maus und Kleinkram erkennt der Mann die Klugheit und Wendig- keit der kleinen Maus und bittet sie um Mithilfe bei der Reparatur der Turmuhr. Die kleine Maus quiekt ihre Zustimmung, krabbelt auf die Schulter des großen Mannes, und sie gehen gemeinsam zur Turmuhr. Dort dringt die kleine Maus, sicher angeseilt an einen Garnrollenfaden, in das Uhrwerk ein, findet nach einigem Suchen die Blockade und kann sie geschickt lösen.

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2019

Alle freuen sich, daß die Turmuhr wieder schlägt, und der große Mann und die kleine Maus tun sich zusammen und werden gute Freunde.

Die Autorin Mara Bergman erzählt die Geschichte vom großen Mann und der kleinen Maus in kurzen gereimten Verszeilen, die weitgehend vorleseflüssig vom Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn ins Deutsche übertragen wurden.

Die Illustratorin Birgitta Sif hat das vorliegende Bilderbuch mit warmherzigen, sanftmütigen Bildern in weichen, pastelligen Farben ausgestattet. Entdeckungswürdige, verspielte Details (man beachte die putzige Musterung der Unterwäsche des großen Mannes und den Inhalt des Kinder- wagens einer Passantin) und Zusammenhänge (man beachte den Papierflieger) enthüllen sich beim wiederholten Durchblättern.

„Der große Mann und die kleine Maus“ bietet leichte, heiter-unbeschwerte Bilderbuch-kost, die einleuchtend vermittelt, wie sich Gegensätze harmonisch und hilfreich ergänzen können.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836956673

Die Autorin:

»Mara Bergman, geboren in New York und aufgewachsen auf Long Island, hat bereits zahlreiche Kinderbücher veröffentlicht. Heute arbeitet sie in London und lebt in Kent.«

Der Übersetzer:

»Uwe-Michael Gutzschhahn, geb. 1952, studierte Anglistik und Germanistik, arbeitete in Verlagen und lebt heute als Autor, Übersetzer, Herausgeber und freier Lektor in München. Er hat zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht. Sowohl für seine eigenen Bücher als auch für seine Übersetzungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.«

Die Illustratorin:

»Birgitta Sif wurde in Reykjavik geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Skandinavien und Amerika. Heute lebt sie mit ihrer Familie in England und wurde für ihre Bilderbücher bereits mehrfach ausgezeichnet.«

Querverweis:

Hier entlang zum Bilderbuch „Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“, das ebenfalls von Birgitta Sif illustriert wurde. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/24/henriettes-heim-fuer-schuechterne-und-aengstliche-katzen/

 

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