Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds

  • Bilderbuch
  • Text von Gundi Herget
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Magellan Verlag Juli 2016    http://www.magellanverlag.de
  • gebunden, fadengeheftet
  • Format: 24,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2024-3
  • ab 3 Jahren
    Mozart und Robinson Titelbild

MONDANSCHAUUNGEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Glaube, daß der Mond aus Käse sei, ist ein weitverbreitetes Wunschdenken in der Bilderbuchtierwelt, und im vorliegenden Bilderbuch beflügelt er zwei Mäuse gar zum Weltraumflug – doch ich greife vor, denn noch kennen Sie die beiden kleinen Helden nicht. Darf ich vorstellen: Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus.

Mozart Hausmaus führt ein gepflegtes, kultiviertes Leben in der geborgenen Sicherheit eines Menschenhauses. „Nach draußen geht Mozart nie. Viel zu gefährlich!“

Robinson Feldmaus führt ein freies, wildes Leben auf dem Feld, das sich an den Garten  von Mozart Hausmausens Haus anschließt. „Ins Haus geht Robinson nie. Viel zu gefährlich!“

Mozart Hausmaus ist ganz alleine zu Haus, da seine Zweibeiner gerade in Urlaub gefahren sind. Von seinem Lieblingsfensterplatz aus bewundert er den Vollmond. Im Mondlicht auf der Wiese sieht er etwas herumspringen, und die Neugier treibt ihn, ganz gegen seine vorsichtigen Gewohnheiten, hinaus in den Garten.

Mozart und Robinson Streitgespräch

Illustration Nikolai Renger © Magellan Verlag 2016 „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“

Erstaunt stellt er fest, daß eine Maus dort im Kreise herumtanzt. Höflich stellt sich Mozart Hausmaus vor, und Robinson Feldmaus erwidert die Vorstellung. Robinson erklärt Mozart weltmausmännisch, daß er einen Tanz für den großen, mächtigen Käsemond tanze. Und schon streiten sie lebhaft darüber, ob der Mond aus Käse sei, wie Robinson es von seinem Opa weiß oder aus Stein, wie Mozart es aus dem Fernsehen weiß.

Als Robinson Feldmaus einen Beweis für Mozarts Theorie verlangt, hat Mozart Hausmaus eine abenteuerliche Idee und läuft ins Haus zurück. Robinson folgt zögerlich und hilft unter Mozarts kundiger Bastelanleitung eifrig dabei, eine Rakete aus einer Klopapierpapprolle zu bauen. Einem Erkundungsflug zum Mond steht nun nichts mehr im Wege.

Mozart und Robinson Flug

Illustration Nikolai Renger © Magellan Verlag 2016 „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“

Die beiden tragen ihre Rakete aufs Dach, und mit Hilfe einer gummibandbetriebenen Startrampe schaffen sie einen kühnen, mondbeschienenen Flug durch die Luft und landen ziemlich schnell in einem Käseschlaraffenland.

Robinson fängt gleich an zu futtern, während Mozart bezweifelt, daß sie wirklich auf dem Mond gelandet sind. Doch dem leckeren Käseduft kann er nicht widerstehen, und er nascht eifrig mit. Während sie schmatzend diskutieren, ob sie auf dem Mond sind oder nicht, fällt der Schatten eines Menschen auf sie, gefolgt von einem „Igitt! Mäuse!“-Ausruf. Eilig flüchten die kleinen Helden von der Käseplatte, die Teil eines Gartenfeierbufetts im nachbarlichen Garten ist.

Verborgen im heimischen Garten teilen sie sich freundschaftlich ein Stück Beutekäse. Der Mond bescheint die kleinen Käseweltenbummler, und eigentlich ist es nun ganz egal, ob der Mond aus Käse oder aus Stein ist.

Diese herzig-humorvolle Freundschaftsgeschichte wird von der Autorin Gundi Herget in anschaulichen Worten und lustigen Dialogen erzählt. Und die farbenfrohen, heiteren Illustrationen von Nikolai Regner geben den originellen Mäusecharakteren einfühlsam und witzig mimische und körpersprachliche Gestalt. Auf den Vorsatzblättern des Bilderbuches befindet sich zudem eine präzise und kindgerechte Bastelanleitung für eine Klopapierrollenrakete, was den kindlichen Erlebnishorizont in erfreulich analoger Weise um eine greifbare Erfahrung erweitert.

Was will man mehr?  Ganz einfach, man will mehr von Hausmaus Mozart und Feldmaus Robinson lesen, da sie einem mit ihrer liebenswerten Wesensart ganz tüchtig ans Herz gewachsen sind. Und wie schön, daß ich Ihnen nun schon verraten darf, daß „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“ der gelungene Auftakt zu einer neuen Bilderbuch-Reihe ist. Und die Wartezeit auf den Folgeband können Sie sich ja mit etwas Käse versüßen …

 

Die Autorin:

»Gundi Herget beschlich mit  vier Jahren zum ersten Mal das Gefühl, dass Bücher mit ihren vielen Seiten voller schwarzer Striche, Punkte und Kringel das Aufregendste sein könnten, das es gibt. Und so war es dann auch. Mit zehn Jahren wollte sie schon Schriftstellerin werden, hat dann aber erst mal Abitur gemacht, in München und Pisa Literatur studiert, Schlagzeug spielen gelernt, Redakteurin gelernt, die Welt bereist und ein Kind bekommen, was sie an den Vorsatz ihres zehnjährigen Ichs erinnert hat. Sie schreibt seitdem vor allem Kinderbücher.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

Querverweis:

Schon in Sebastian Meschenmosers Bilderbuch „Herr Eichhorn und der Mond“ bot die Annahme, daß der Mond aus Käse sei, köstlichen Erzählstoff.
Hier entlang zum Besprechungslink:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

 

Klangmeditationen für Körper & Seele

  • Geführte Meditationen zur Entspannung und Stärkung der Selbstheilungskräfte
  • von Bettina Steiner
  • Text und Stimme: Bettina Steiner
  • Klangschalen, Gongs, Monochord und Harfe: Bettina Steiner
  • Percussion: Martin Ruhland
  • Aufnahme, Mischung und Mastering: Rhythmus Studio Berlin, Alex Hötzinger
  • Grafikdesign: Ela Samson
  • Fotos: Monika Moosreiner
  • 1 CD in Pappklappschuber
  • Spieldauer 57:30 Min.
  • 17,80 €
  • Bezug über:
  • http://www.malamusic.de/
  • http://www.silenzio.com/
  • http://www.buecher.de/
    KLANGMEDITATIONEN CD-Titelbild

    CD Klangmeditationen © Bettina Steiner

     

GESTIMMTE  STILLE

CD-Besprechung von Ulrike Sokul ©

Für diese Heilkur brauchen Sie keinen langen Weg zurückzulegen. Sie können einfach bequem zu Hause bleiben,  Sie legen die CD ein, machen es sich im Sitzen oder Liegen gemütlich und geben sich dem Lauschen hin, und Sie können die Klangmeditationen sooft es Ihnen gefällt, wiederholen und genießen …

Bettina Steiners natürlich-sanftmütige Stimme leitet Sie nach einer kurzen Einleitung und klanglichen Einstimmung in eine geführte Körperentspannung (ca. 22 Minuten Dauer); im Anschluß daran erfolgt eine klangliche Harmonisierung und danach eine geführte Meditation zum Ursprung der Selbstheilungskräfte (ca. 20 Minuten Dauer); zum Ausklang gibt es eine kurze klangliche Harmonisierung und Aktivierung.

Die instrumentale Begleitung – musikalisch wäre zuviel gesagt, da keine Melodien erklingen –  durch Gongs, Klangschalen, Monochord, Harfe und Percussion erzeugt lange nachschwingende, leise verhallende Töne, welche die Stille einleiten.

Der CD-„Beipackzettel“ verlautet: »Folgen Sie dem Klang der Stille und kommen ganz bei sich an. Die Klänge finden ganz von selbst ihren Weg dorthin, wo sie heilsam und harmonisierend wirken können… Die Klänge der Klangschalen und Gongs entspannen und wirken auf der Körperebene wie eine feinstoffliche Massage.«

Der Wechsel von Klang, Stille und Stimme ruft ein Empfinden von Zeitlosigkeit und innerer Weite hervor. Der Raum zwischen Klang und Stille ist eine sanfte Übung des Nach-innen-Hörens.

Während die erste Meditation den Körper entspannt und „erleichtert“ und dadurch seine Präsenz und Empfänglichkeit erhöht, führt die zweite Meditation imaginativ in eine Seelenlandschaft und verbindet den Lauschenden mit seinen natürlichen Selbstheilungskräften. Dies kann uns auf eine heilsame Balance von Körper, Geist und Seele einstimmen.

Die erstaunliche Entspannungswirkung der Klangmeditationen kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Vor lauter Entspannung verschlief ich dreimal hintereinander die zweite geführte Meditation. Erst am vierten Tage war ich offenbar ausgeRUHT genug, um beiden Meditationen bewußt und aktiv zu lauschen.

Mit ihrer klaren, sympathisch-vertrauenerweckenden Stimme, in der ein Lächeln mitschwingt, mit der liebevollen Wortwahl und der dezenten Klangbegleitung gelingt es Bettina Steiner, dem Hörer harmonisierende Impulse zu vermitteln.

Auf diesem Wege vertiefen wir auch den EINKLANG mit unserer Seele…

Direktlink zur CD nebst Hörproben:
http://www.malamusic.de/praxis-cds/klangmeditationen-f%C3%BCr-k%C3%B6rper-und-seele/

 

Die Klangkünstlerin:

»Bettina Steiner wirkt als Licht- und Klangheilerin. Sie gibt Einzelsitzungen, veranstaltet Klangmeditationen sowie Klangreisen und leitet Seminare zu den Themen Medialität, Licht- und Klangheilung. Sie empfindet Licht und Klang als die Ursprünge unserer Schöpfung und somit als liebevolles und wirkungsvolles Instrument der Heilung.«
mehr unter: www.herz-und-seele.com
www.lichtklaenge.com

Außerdem pflegt Bettina Steiner das sehr empfehlenswerte, liebevoll inspirierende WordPress-Blog:
HERZUNDSTERNENKIND      https://herzundsternenkind.wordpress.com/
Hier finden sich energetische „Erste Hilfe“-Anregungen, Meditationen, kleine Geschichten aus dem Allgäu, herzerfüllte musikalische Kostproben und heilsame Rezepte sowie berührende Lichtimpulse und ein poetischer Sternenspaziergang

 

 

 

Die Liebesbriefe Dylan Thomas

  • Dylan Thomas
  • Originalausgabe: »The Love Lettters of Dylan Thomas«
  • Aus dem Englischen von Margit Peterfy
  • Mit einem Nachwort von Elke Heidenreich
  • Fischer Taschenbuch Verlag Mai 2008  www.fischerverlag.de
  • 116 Seiten
  • 7,95 € (D), 8,20 € (A)
  • ISBN 978-3-596-17513-0
    Die Liebesbriefe Dylan Thomas

WÖRTERSCHWÄRME  UND  SCHWÄRMWÖRTER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bei so manchem Dichter ist die Liebe auf dem Papier tragfähiger als im wirklichen Leben. Diesen Eindruck bekommt man auch bei der Lektüre von Dylan Thomas‘ Liebesbriefen.

Seine Briefe sind ausführlich und spannend, lebhaft, überschwenglich, selbstironisch, übervoll mit Ideen und Betrachtungen zu seinen eigenen Texten, aber auch zu den Werken anderer Dichter. Er philosophiert, schwadroniert und kritisiert geistreich und launisch. In originellen Worten beschreibt er seine Befindlichkeiten, Geldnöte, Katerzustände und seine Eindrücke von Land und Leuten.

Besonders beeindruckend sind die Briefe an Pamela Hansford Johnson, seine erste Freundin und Dichterkollegin. Die jugendliche Frische und assoziations-ekstatische, wortspielerische Gewandtheit sind ein inspirierender Genuß und zeugen von Dylan Thomas‘ unkonventionellem Geist und wildem Herzen.

Dylan Thomas‘ Liebesgefühle kommen in schwärmerischen Komplimenten für die jeweils Angebetete zu Wort, in sehnsüchtigen Heraufbeschwörungen vergangener Nähe, Lust, Heiterkeit und Wärme sowie in großzügigen Liebesewigkeits- und Einzigartigkeitsbeteuerungen. Die Briefe erscheinen gleichsam einfach drauflosgeschrieben; gleichwohl indes wirken sie raffiniert komponiert.

Seine Liebesbriefe wenden sich an verschiedene Frauen. Dylan Thomas scheint leicht entflammbar gewesen zu sein, und Treue zählte nicht zu seinen Tugenden, obwohl er, wenn er auf Reisen war, auch viele sehnsüchtige Briefe an seine Frau Caitlin schrieb. Das ist die Sorte Liebe, die nur auf Entfernung funktioniert und harmoniert und an alltäglicher Nähe scheitert.

Als Nachleser dieser Briefe erlebt man die Liebesschwüre an seine Frau mit gemischten Gefühlen, da man weiß, wie wechselhaft und unbeständig sein Lieben war, wie fadenscheinig seine Liebesversprechungen.

Dylan Thomas war ein Süchtiger, er trank unmäßig, rauchte und bewegte sich stets am Saum der Selbstzerstörung. So ist er auch ein Liebessüchtiger und fleht in seinen Briefen immer wieder um Liebesbestätigung. Da schreibt kein liebeVOLLES, sondern ein zutiefst hungriges und einsames Herz.

Dylan Thomas‘ Liebesbriefe sind wortüberwältigend und intensiv. In ihrer Stärke und Schwäche, Hoffnung und Verzweiflung, ihrem Ernst und ihrer Verspieltheit, ihrem Scharfsinn und ihrer Verschmitztheit offenbaren sie einen äußerst schreibschöpferischen – vielleicht sogar überregen – Geist.

Es ist eine Freude und ein Abenteuer, seiner Formulierungslust zu folgen, seinem Übermut, seiner Wortfindungskraft, seiner spontan improvisierten prosaischen Poesie.

 

Querverweis:

Hier geht es zu meiner Rezension von Dylan Thomas‘ weltberühmtem, ohrenbetörenden Hörspiel »Unter dem Milchwald«:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/06/24/unter-dem-milchwald-under-milk-wood/

 

Der Autor:

»Dylan Thomas, 1914 in Swansea geboren, ging 1934 nach London, wo er für Zeitschriften und die BBC arbeitete. Ab 1949 lebte er mit seiner Frau Caitlin und den drei Kindern in dem Fischerort Laugharne in Süd-Wales. Weltberühmt wurde er mit ›Unter dem Milchwald‹ (1953). Dylan Thomas starb 1953 während einer Vortragsreise in New York.«

Und hier ist ein interessanter FAZ-Artikel von Jakob Strobel y Serra über Dylan Thomas‘ Lebenspuren in Wales, nebst einer fünfminütigen O-Ton-Gedichtlesung des Dichters:
http://www.faz.net/aktuell/reise/wales-auf-den-spuren-von-dylan-thomas-13222261-p6.html

 

PS:
Ich liebe Liebesbriefe und möchte gerne in Zukunft weitere Bücher lesen und rezensieren, in denen Liebesbriefe eine bedeutende Rolle spielen. Gerne dürfen es auch Liebesbriefsammlungen oder Sachbücher zur Kultur des Liebesbriefes sein.

Wer also ein empfehlenswertes Liebesbrief-Buch kennt, möge es mir bitte in der Kommentarsektion nennen.

Folgende Bücher liegen mir bereits vor:

»Ich küsse dich von Kopf bis Fuß…«
Liebesbriefe berühmter Männer und Frauen
Hrsg. von Werner Fuld
DIANA Taschenbuchverlag 2000

Dieter Hildebrandt: Die Kunst, Küsse zu schreiben.
Eine Geschichte des Liebesbriefs
Sachbuch, HANSER Verlag 2014

Cathleen Schine: Der Liebesbrief
Roman, HANSER Verlag 1996

A. Raffelsberg: Lieber Schatz!
Briefsteller und Ratgeber für die gesamte Liebeskorrespondenz
unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Sitte und des feinen Taktes
Rudolph’sche Verlagsbuchhandlung Dresden 1921

Das Herz der Puppe

  • von Rafik Schami
  • Mit Bildern von Kathrin Schärer
  • Hanser Verlag  2012       www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden
  • 192 Seiten
  • 12,90 € (D), 13,30 € (A), 18,90 sFr.
  • ISBN 978-3-446-23896-1
  • ab 8 Jahren
    Schami_23896_MR.indd

PUPPENVERSTEHER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Warmherzig und weise sowie mit einem stets schelmisch-verständnisvollen Blick für die kindliche und die elterliche Perspektive – so zeigt sich Rafik Schamis Erzählkunst auch in dieser Geschichte.

Die kleine Nina besucht mit ihren Eltern einen Flohmarkt. Während ihre Eltern mit einem Standinhaber über den Preis einer Lampe verhandeln, hört Nina zu, was verschiedene Stofftiere und Spielzeugfiguren ihr erzählen. Nina ist ein intuitives und empfindsames Kind, das noch die Beseeltheit der Dinge wahrnehmen kann.

Ganz verborgen, im Gekürmel unter dem Verkaufstisch entdeckt Nina eine alte Puppe mit grünen Augen und feuerroten Haaren. Für Nina ist es Liebe auf den ersten Blick, und nachdem sie den Preis von drei Euro auf zwei Euro heruntergehandelt hat, drückt sie die neue, alte Puppe an ihr Herz.

Die Puppe, die Widu heißt, hatte lange vergessen auf einem Dachboden gelegen, und sie freut sich sehr, nun wieder einem Kind Gesellschaft leisten zu können. Widu kann viele Geschichten erzählen, sie hat stets guten Rat für die alltäglichen Ängste, Probleme und Sorgen Ninas, und sie kann Nina die Angst sogar aus dem Herzen saugen. Seit Nina mit Widu im Arm schläft, haben Albträume keine lange Haltbarkeitsdauer mehr, und Nina fühlt sich weniger alleine.

Nina hat sehr liebevolle, aber vielbeschäftigte Eltern und eine warmherzige Tante. Nach dem kürzlich erfolgten Umzug sind ihre alten Kinderfreundschaften beendet, in der neuen Schule ist Nina noch nicht heimisch, und in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt leider gar kein Kind, was Widu zu der  treffenden Bemerkung veranlaßt: „Ohne Kinder ist jede Straße eine Wüste.“

Widu übt mit Nina lustige Zungenbrecher und Scherzverse,  philosophiert aber auch über ernste Themen  wie beispielsweise Leben und Tod. Dabei erfährt Nina, daß Puppen, da sie kein Herz hätten, unsterblich seien. Sie könnten sich allerdings ein Herz wünschen, doch dann wäre ihre Lebensdauer davon abhängig, wie lange das Kind, zu dem sie gehören, das Staunen nicht verlerne.

Die Verbundenheit mit Widu ermutigt Nina zu mehr Selbstvertrauen. Als Nina bei einem vorweihnachtlichen Einkaufsgehetze ihre Puppe verliert, ist sie fast untröstlich. Nach drei schlaflosen Nächten kann Nina ihre Puppe jedoch in einem ganz besonderen Fundbüro wieder abholen. Der Leiter des Fundbüros gehört jedenfalls zu der Sorte Erwachsener, die das Staunen nicht verlernt haben; aber das ist eine andere Geschichte …

Widu ist eine humorvolle und wunderbar-wortspielerische Begleiterin. Mit Widus kluger Hilfe lernt Nina, sich gegen einen aufdringlichen Schulkameraden zu wehren, und sie lernt den Unterschied zwischen echter und unechter Freundschaft.

Als Nina wegen einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus muß, kommt Widu selbstverständlich mit. Den Gesprächen  der Krankenschwestern entnimmt Widu, daß die Lage sehr ernst ist …  Zum Glück erwacht Nina aus ihrer Bewußtlosigkeit, und sie wird wieder gesund.

Das erste, was Nina spürt, als ihr Fieber sinkt, ist das Herzklopfen ihrer Puppe. Verwundert fragt Nina, warum Widu denn ihre Unsterblichkeit aufgegeben habe. Und Widu antwortet: „… Weißt du, Puppen möchten eigentlich kein Herz haben, und ich habe mir lange eingeredet, dass das auch bei mir nicht anderes sein kann. Ich habe mich versteckt, aber die Liebe findet einen doch. Sie braucht ein Zuhause, und sie braucht ein Herz.“ (Seite 183)

Keine Frage, daß Nina sich schwört, niemals ihr Kinderherz zu verlieren und auch als Erwachsene ein Kind zu bleiben! Das Rezept dafür bekommt sie von Widu:

„Solange du Raureif und Tau für ein Wunder hältst und jeden Vollmond anschaust, als stünde er zum ersten Mal am Himmel, solange du über jede Blume staunst und jeden Schmetterling und jeden Stern als einzigartiges Wunder betrachtest – so lange bleibst du ein Kind.“ (Seite 184)

Dieses Buch voller Alltag und Wunder, spielerischem Tiefsinn und poetischer Phantasie zeugt von Rafik Schamis lebendigem Kinderherzen. Ich lege es Lesern von acht bis achtundachtzig Jahren ans Herz.

Link zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-herz-der-puppe/978-3-446-23896-1/

Der Autor:

»Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren und lebt seit 1971 in Deutschland. 1979 promovierte Rafik Schami im Fach Chemie. Seit 2002 ist er Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste. Sein Werk wurde in 24 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so u.a. mit dem Preis „Gegen das Vergessen – Für Demokratie“ (2011) und zuletzt mit dem Großen Preis der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur sowie dem Preis der Stiftung Bibel und Kultur (2015). Im Hanser Kinderbuch erschien zuletzt Das Herz der Puppe (2012) und Meister Marios Geschichte (2013), im Erwachsenenprogramm des Verlages Die dunkle Seite der Liebe (Roman, 2004) Das Geheimnis des Kalligraphen (Roman, 2008), Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte (2011) und Sophia oder Der Anfang aller Geschichten (2015).«
Mehr auf: http://www.rafik-schami.de/

Querverweis:

Hier geht es zu meiner Besprechung von Rafik Schamis Kinderbuch Meister Marios Geschichte, in der sich Marionetten als Freiheitskämpfer entpuppen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/22/meister-marios-geschichte

Die Unglückseligen

  • Roman von
  • Thea Dorn
  • Hörbuch, Vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag, erschienen Februar 2016   http://www.hoerverlag.de
  • Regie: Roman Neumann
  • Sprecherin: Bibiana Beglau
  • Buchvorlage Knaus
  • 2 mp3-CDs
  • Gesamtlaufzeit: 18 Stunden, 48 Minuten
  • 24,99 € (D), 28,10 € (A), 35,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2213-6
    Die Unglueckseligen von Thea Dorn

UNSTERBLICH  STERBLICH
oder: Von wannen kommt Euch jene Wissenschaft?

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Hier hören wir einen Leckerbissen für Sprachliebhaber! Jede der drei Hauptfiguren verfügt über eine ihr maßgeschneiderte Sprache. Mit diesem kunstvollen sprachkompositorischen Stilmittel illustriert Thea Dorn dem Leser/Hörer die unterschiedlichen Charaktere sowie die überaus reiche Ausdruckskraft der deutschen Sprache. Die weitverzweigte Handlung ist keine leichte Lesekost – gleichwohl ist sie nicht unverdaulich.

Am Anfang dieses Romans ergreift sogleich der Teufel das Wort; er spricht in rhythmischem Versmaße und schaut sich das irdische Treiben an. Er beschreibt, kommentiert, kritisiert, lamentiert, retrospektiert und spekuliert darüber, was die beiden menschlichen Hauptcharaktere erleben. Gerne spricht er auch den Hörer/Leser metafiktiv-zugeneigt direkt an und seufzt beispielsweise über die veränderten Lesegewohnheiten unserer Gegenwart, in der das Lesen von Frakturschrift schon nicht mehr zu den selbstverständlichen Kulturtechniken gehört. Eigenwilliger, unkonventioneller Exegesen zu Schöpfung, Paradies, Sündenfall und Gottessöhnen kann er sich ebenfalls nicht ganz enthalten.

Die weibliche Hauptfigur ist Johanna Mawet, eine Molekularbiologin, die ein gängiges Alltagsdeutsch spricht, durchsetzt mit naturwissenschaftlichem Fachvokabular und Anglizismen.

Die männliche Hauptfigur, Johann Wilhelm Ritter, spricht das kultivierte, poetisch-empfindsame, höfliche, ja, schwärmerische – satzbaulich manchmal etwas umständliche – Deutsch des 18. Jahrhunderts.

Das Problem, um das alle kreisen, ist die Unsterblichkeit. Der Wunsch nach Unsterblichkeit scheint eine unheilbare Krankheit zu sein. Und als Stoff für einen Roman ist es eine mehr als abendfüllende Beschäftigung. Die beiden menschlichen Hauptfiguren im vorliegenden Roman vertreten gegensätzliche Haltungen zur Möglichkeit oder Unmöglichkeit sowie zu Sinn und Unsinn der Unsterblichkeit, und die dritte Hauptfigur, der Teufel ganz persönlich, beobachtet und beschreibt – amüsiert bis konsterniert -, wie sich diese beiden Streithähne wissenschaftlich und zwischenmenschlich zusammenraufen.

Wie bereits gesagt: Der Wunsch nach Unsterblichkeit scheint eine unheilbare Krankheit zu sein. Seitdem der DNA-Code geknackt ist, arbeiten Genetiker, Mediziner, Molekularbiologen & Co an der Optimierung der Regenerationskraft von Zellen und der Verlängerung der Überlebenschancen des biologischen Körpers.

Es gibt einige Tierarten, die über eine außerordentliche Zellerneuerungsfähigkeit verfügen, z.B. Zebrafische. Diese können nicht nur verletzte Flossen wiederherstellen, sondern sogar Herzmuskelfasern vollständig erneuern. Zebrafische sind also ein beliebtes Forschungsobjekt, wenn es um – zumindest lebensverlängernde – Fortschritte geht.

Im vorliegenden Roman hat die Molekularbiologin Johanna Mawet bereits erfolgreich Zebrafisch-Gene in Mäuse-DNA eingefügt, und, es ist ihr damit gelungen, die Lebensdauer „ihrer“ Mäuse signifikant zu erhöhen.

Für Johanna ist die Sterblichkeit des Menschen eine Zumutung, Krankheit und Alter eine persönliche Beleidigung. Sie forscht mit verbissenem Eifer an der Abschaffung der Zellalterung. Ein nennenswertes Privatleben hat sie nicht, sie ist nicht besonders sozialkompetent, und Empathie kann sie höchstens buchstabieren. Distanziert naturwissenschaftlich und sehr streng bewertet sie die Menschen und ihre unsterbliche Dummheit. Natürlich ernährt sie sich möglichst gesund sowie maßvoll und bezeichnet durchaus treffend viele industrielle Lebensmittel als „Lebensverkürzungsmittel“ und Supermärkte als „Umschlagplätze des Todes“.

Johann Wilhelm Ritter hingegen, die männliche Hauptfigur, scheint unsterblich zu sein. Er wurde im Jahre 1776 geboren und sieht immer noch aus wie ein knapp Vierzigjähriger. Gleichwohl ist er darüber nicht glücklich, denn er würde gerne sterben, zumal er sich in der modernen Welt nicht zu Hause fühlt und ihm die Geisteshaltungen, Umgangsformen und Sprachgewohnheiten unserer Gegenwart fremd, verwirrend und teils auch abstoßend erscheinen.

Er ist auch Naturwissenschaftler, Physiker gar, und er hat seinerzeit – also zur Zeit der Frühromantik – allerlei Experimente an seinem eigenen Leibe vorgenommen, die wohl seine körperliche Regenerationskraft übernatürlich verbessert haben. Nur weiß er nicht, welches Experiment tatsächlich ausschlaggebend für seine Unsterblichkeit gewesen ist, und er rätselt  verzweifelt herum, was diese – in seinen Augen verfluchte – Überlebenskraft ausgelöst hat. Sein wechselvolles Leben hat ihn nach Amerika verschlagen, wo er als Witwentröster ein zurückgezogenes Leben führt.

Zu Beginn der Geschichte hält sich Johanna wegen eines Forschungsauftrages in den USA auf und kauft im Supermarkt einige gesunde Vorräte ein. Ein dort angestellter Taschenpacker fällt ihr wegen seines ungewöhnlich alterslosen Aussehens und seines merkwürdig ausdrucksstarken Gesichts auf. Er hat ein Gesicht, wie man es eigentlich nur von alten Ölgemälden her kennt, aber „solche Gesichter wurden heutzutage nicht mehr gemacht“.

Nach turbulenten Mißgeschicken und Mißverständnissen lernt Johanna schließlich diesen seltsamen Mann näher kennen, der behauptet, Johann Wilhelm Ritter zu sein. Zunächst hält sie ihn für einen Spinner, zumal dieser Ritter laut Wikipedia-Eintrag 1810 an den Folgen seiner galvanischen Selbstversuche verstorben ist.

Seine altmodische Redeweise und seine Berichte vom einstigen regen Austausche mit Goethe, Alexander von Humboldt, Brentano und Novalis überzeugen sie nicht, indes weckt seine offensichtlich schnelle Wundheilungsfähigkeit ihre wissenschaftliche Neugier. Sie nimmt Ritter bei sich auf und gibt ihn als ihren Onkel aus. Sie läßt heimlich seine DNA sequenzieren, und als ihre Kollegen anfangen, unbequeme Fragen zu stellen, beschließt sie, mit Ritter nach Deutschland zurückzukehren und an ihrem heimatlichen Institut das Geheimnis von Ritters Unsterblichkeit zu entschlüsseln.

Außerdem nimmt sie mit Ritters Hilfe die gleichen galvanischen und ziemlich selbstquälerischen Experimente an sich vor, die Ritter einst an sich vollzog – alles in der irren Hoffnung, damit eine ebensolche Zellerneuerungsfähig zu gewinnen. Johannas wissenschaftlicher Eifer verwandelt sich in leidenschaftlichen Wahn …

Der Roman „Die Unglückseligen“ regt sehr dazu an, über den Unterschied zwischen dem Machbaren und dem Wünschenswerten nachzudenken.

Besonders entlarvend ist das Kapitel, in dem Johanna an einem „Weltkongress der Immortalisten“ teilnimmt, um dort einen Vortrag über ihre Forschung zur Überwindung der Zellalterung zu halten. Die dort versammelten teils wissenschaftlichen, teils kommerziellen und teils spirituellen Heilslehren, nebst fanatischen Christen als Gegendemonstranten, illustrieren ebenso erschreckend wie unterhaltsam, die seltsamen Hybrisblüten unserer Zeit.

Eine vorzügliche kulturkritische und zugleich amüsante Szene ergibt sich, als Ritter bei der Ankunft auf dem Münchner Flughafen angesichts der zahllosen englischsprachigen Hinweisschilder und Werbetafeln, die er konsterniert vorliest, „nimmer nicht“ glauben mag, tatsächlich in Deutschland gelandet zu sein.

Johanna als Vertreterin eines neuzeitlich-wissenschaftlichen Strebens nach berechenbarer Kontrolle über Alter und Krankheit sowie Leben und Tod steht in eklatantem Gegensatz zu Ritter, der eine demütigere und ganzheitlichere Weltsicht hat und Johanna vorwirft, mit ihren kalten Zahlenspielen nur „Bruchteilpfuscherei“ zu betreiben und des „Lebens heil’gen Sinn“ vollkommen zu  verpassen.

Johanna und Ritter streiten oft, ihre Weltanschauungen sind einfach nicht vereinbar. Wo Johanna willkommene Berechenbarkeit, Meßbarkeit  und Funktionalität sieht und sich an Fortschritt und Erkenntnisgewinn berauscht, sieht Ritter unheilsame Detailkrämerei, die das Ganze – den „Weltenatem“ – vergißt. Während Ritter eine genießerische und sinnliche Naturverbundenheit spürt und durch ausgiebige Spaziergänge pflegt, schaut Johanna tagelang auf den Bildschirm ihres „Apfelkastens“ und analysiert Ritters Gene, um jene Mutationen zu finden, die seine unglaubliche Zellregenerationskraft bedingen.

Oft ergeht sich Ritter in wehmütigen Retrospektiven, die uns einen interessanten Einblick in die naturwissenschaftlichen Gepflogenheiten und die Lebenswelt der Romantik gewähren, und wir werden Zeugen seiner Schuldgefühle gegenüber all den Lieben, die längst vor ihm den Weg alles Irdischen gegangen sind.

Ritter ist empfänglich für den Zauber verborgener Harmonien und das zyklische Wesen der Natur. Johanna hingegen sieht in der Natur einen tödlichen Feind, den es zu überlisten gilt. Johanna schimpft Ritter einen Schwärmer und Träumer, und Ritter bezeichnet sie wiederum als maschinengläubig, da sie sich in so vieler Hinsicht auf die Rechenkünste des Computers verläßt.

„Dass die Gegenwart auf Schritt und Tritt sich mit Artefakten umgab, deren Innenleben sie nicht im Ansatz begriff, damit hatte er sich längst abgefunden. Aber zu erfahren, dass unterdessen auch die Wissenschaft sich, gleich einer Küchenmagd, genügte, Maschinen zu bedienen, anstatt sie zu begreifen, dies erschütterte ihn bis ins Mark.“

Die Vorleserin dieses komplexen Werkes ist die Schauspielerin Bibiana Beglau. Mit ihrer angerauhten Stimme belebt sie Charakter- und Gefühlsnuancen von zartester Empfindsamkeit bis zu eiskalter Wut. Ihre stimmliche Klaviatur umfaßt das nonchalante und manchmal auch exaltierte Versmaßräsonieren des Teufels, die kühle Herablassung und wissenschaftliche Nüchternheit Johannas, die zärtliche Wehmut und liebevolle Hingabe Ritters oder gar das piepsige Plappern einer Fledermaus, die eine kurze Beobachter-Nebenrolle spielt, als Johanna sich vergeblich bemüht, den Teufel zu beschwören.

„Die Unglückseligen“ ist ein in jeder Hinsicht und „Hörsicht“ außergewöhnlicher Roman. Mit seiner sprachlichen Spannbreite, seinen anschaulichen Figuren, seinen lebensweltlichen Retrospektiven, seinen historischen und zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Darbietungen und seiner Liebe zum verspielten Detail entwickelt er eine eigenwillige Dynamik und faszinierende Komplexität.

Sprachkompositorisch und dramaturgisch ist er bewundernswert und trotz einiger etwas sperriger Passagen (z.B. einige langatmige Exkurse zu den teils grausamen, teils abstrusen psychiatrischen Behandlungsmethoden des 18. und 19. Jahrhunderts) bleibt die Handlung bis zum Ende spannend und überraschend.

Ob körperliche Unsterblichkeit ein erstrebenswertes Ziel ist, mag jeder für sich selbst entscheiden – die ethischen, wissenschaftlichen und zwischenmenschlichen Aspekte dieser unmöglichen Möglichkeit werden hier lebhaft diskutiert. Nachdenken, Nachspüren und eine eigene Haltung finden – das darf der Leser nach eigenem Gusto.

Die Schwermut dessen, der indes die Erfahrung von Unsterblichkeit längst gemacht und das „Alphabet des Kummers“ zur Genüge schon buchstabiert hat, kommt vielleicht in keinem Satze Ritters so deutlich zum Ausdruck wie im folgenden:

„Wie wollt ihr je lieben?“,  fragte er so leise, dass Johanna ihn kaum hören konnte. „Wie wollt ihr je lieben, wenn ihr ewiglich an euch selbst genug habt?“

 

Ein informatives Interview mit der Autorin findet sich hier:
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Die-Unglueckseligen/Thea-Dorn/der-Hoerverlag/e502952.rhd#\|trailer

Link zur Hörprobe auf der Verlagswebseite: http://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Die-Unglueckseligen/Thea-Dorn/der-Hoerverlag/e502952.rhd

Buchvorlage:

Thea Dorn
Die Unglückseligen
Knaus Verlag Februar 2016
Gebunden mit Schutzumschlag
560 Seiten
Format: 13,5 x 21,5 cm
24,99 € (D), 25,70 € (A), 33,90 sFr.
ISBN: 978-3-8135-0598-6

Link zum Buch aus der Verlagswebseite:
http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Unglueckseligen/Thea-Dorn/Knaus/e446553.rhd#\|biblios

Querverweise:

Eine weitere Rezension gibt es bei Mina: https://aigantaigh.wordpress.com/2016/04/12/rezension-thea-dorn-die-unglueckseligen/

Link zum Wikipediaeintrag über Johann Wilhelm Ritter: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wilhelm_Ritter

Die Autorin:

»Thea Dorn, geboren 1970, studierte Philosophie und Theaterwissenschaften in Frankfurt, Wien und Berlin und arbeitete als Dozentin und Dramaturgin. Sie schrieb eine Reihe preisgekrönter Romane und Bestseller (u.a. „Die Hirnkönigin“), Theaterstücke, Drehbücher und Essays (u.a. „Die neue F-Klasse – Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird“) und zuletzt mit Richard Wagner den Sachbuch-Bestseller „Die deutsche Seele“. Sie moderierte die Sendung „Literatur im Foyer“ im SWR-Fernsehen und kuratierte unter dem Motto „Hinaus ins Ungewisse!“ das „forum:autoren“ beim Literaturfest München 2012. Der Film „Männertreu“, zu dem sie das Drehbuch geschrieben hat, wurde 2014 mit dem „Deutschen Fernsehpreis“ als bester Fernsehfilm des Jahres und 2015 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Thea Dorn lebt in Berlin.«

Die Sprecherin:

»Bibiana Beglau, 1971 geboren, erhielt ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Seit 1995 arbeitet sie fürs Theater. Als Bibiana Beglau in Thomas Ostermeiers „Disco Pigs“ auf der Bühne stand, wurde sie von Volker Schlöndorff entdeckt und für die Hauptrolle im Kinofilm „Die Stille nach dem Schuss“ (2000) engagiert, für die sie u. a. mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. 2007 erhielt sie mit dem TV-Film „Unter dem Eis“ den Grimme-Preis. Seit 2011 gehört sie zum Ensemble des Residenztheaters München. 2012 hat sie den Kurt-Meisel-Preis in Anerkennung ihrer großen Schauspielkunst am Residenztheater erhalten. 2014 wurde Bibiana Beglau von der renommierten Zeitschrift „theater heute“ zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Beim Hörverlag ist sie u. a. in der hochgelobten Hörbuchinszenierung von „Sturmhöhe“ (2012) in der Rolle der Nelly Dean zu hören, sie spricht Paula Dalys „Die Schuld einer Mutter“ sowie Sue Monk Kidds „Die Erfindung der Flügel“.«

Der Fluch der Spindel

  • Graphic Novel
  • von Neil Gaiman
  • Illustriert von Chris Riddell
  • Originaltitel: „The Sleeper and the Spindle”
  • Aus dem Englischen übersetzt von Reinhard Tiffert
  • Deutsche Erstausgabe KNESEBECK Verlag September 2015
  • http://www.knesebeck-verlag.de
  • Format: 19 x 26,2 cm
  • gebunden mit transparentem Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • 72 Seiten
  • durchgehend zweifarbig illustriert
  • 16,95 € (D), 17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-86873-872-8
    Der Fluch der Spindel Titelbild

 

S C H L A F W A N D E L

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Neil Gaiman spielt im „Fluch der Spindel“ nonchalant mit dem Bruch der Märchenkonvention und schafft eine anspielungsvolle Melange aus bekannten Märchenzutaten,  genreselbstironischen Elementen und eigenwilligem Rollentausch.

Eine schöne, junge Königin macht sich so ihre Gedanken eine Woche vor ihrer Hochzeit. Wachgeküßt ist sie bereits, und der Gedanke an die Endgültigkeit des Ehelebens scheint ihr nicht so recht zu behagen.

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Der Fluch der Spindel: Illustration von Chris Riddell © KNESEBECK Verlag 2015

Drei Zwerge wollen im benachbarten Reich ein Hochzeitsgeschenk für ihre Königin erwerben. Unterwegs erfahren sie von einem Wirt, in dessen Schänke sie eine Pause machen, von einer geheimnisvollen Seuche, die sich immer weiter im Land ausbreite.

Es handelt sich um einen Zauberschlaf, der von einem alten Fluch herrühren soll. Vor ungefähr hundert Jahren sei eine Prinzessin durch den Stich einer Spindel mitsamt ihrem Hofstaat in Dauerschlaf gefallen. Die Burg wäre inzwischen von undurchdringlichen Dornenranken überwuchert, in denen schon so mancher tapfere Held sein Leben verlor. Seit einiger Zeit dehne sich nun aber dieser Zauberschlaf aus, und die Menschen wären auf der Flucht vor der unwiderstehlichen Müdigkeit.

Beunruhigt kehren die Zwerge sogleich zurück und berichten ihrer Königin von der Gefahr, die früher oder später auch ihr Reich berühren werde. Kurzentschlossen läßt sie sich Kettenhemd,  Schwert,  Pferd und Proviant geben, gibt ihrem prinzlichen Verlobten einen Abschiedskuß und macht sich auf den Weg, die Prinzessin zu retten und den Fluch zu brechen. Die drei tapferen Zwerge begleiten sie.

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Der Fluch der Spindel: Illustration von Chris Riddell © KNESEBECK Verlag 2015

Zwar muß die Königin, je näher sie der verfluchten Burg kommen, gegen den Drang einzuschlafen, kämpfen, doch die Zwerge, die diesem Zauber gegenüber immun sind, halten sie wach. Ziemlich pragmatisch lösen sie das Problem mit der Dornenhecke und dringen in die Burg ein.

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Der Fluch der Spindel: Illustration von Chris Riddell © KNESEBECK Verlag 2015

Tatsächlich liegen alle Lebewesen in tiefem Schlaf, scheinen ansonsten jedoch unversehrt, abgesehen davon, daß sie eingestaubt und spinnwebenüberzogen sind. Im Turm finden sie die wunderschöne schlafende Prinzessin und eine ganz, ganz alte Frau, die nicht schläft.

Doch die Prinzessin ist nicht die Lieblichkeit, die sie zu sein scheint. Die Königin ist jedoch klug und stark und läßt sich nicht umgarnen …

Der Fluch wird gebrochen, das Böse weicht dem Guten, und alle erwachen wieder aus dem Zauberschlaf.

Und die weitere Heldenreise der jungen Königin?
Nun, ich will einmal ganz märchenhaft ausdrücken: Und wenn sie nicht geheiratet hat, dann abenteuerreist sie wohl noch heute …

Die zahlreichen ganz- und doppelseitigen Illustrationen von Chris Riddell erzeugen eine durchaus düstere Spannung und eine unheimlich gruftige Stimmung, die für meinen Geschmack etwas zu nekrophil gestaltet ist. Gleichwohl ist der Anblick nicht so finster, daß man Albträume davon bekommen muß.

Neil Gaimans zwischen den Zeilen schwebender, magisch durchwobener Schreibstil und sein charmanter schwarzer Humor harmonieren vorzüglich mit der morbiden zeichnerischen Ästhetik Chris Riddells.

Für Liebhaber makaber-magischer, skurriler, schwarzhumoriger Geschichten und Bilder, die viel Interpretationsspielraum offenlassen, bietet „Der Fluch der Spindel“ reizvollen Stoff.

Hier geht es zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.knesebeck-verlag.de/der_fluch_der_spindel/t-1/403

Querverweis:

Hier geht es zu Neil Gaimans „Das Graveyard Buch“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/das-graveyard-buch/
und hier zu: „Der Ozean am Ende der Straße:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/14/der-ozean-am-ende-der-strase/

Der Autor:

»Neil Gaiman schrieb bereits zahlreicher Bücher für Kinder und Erwachsene, die von den Kritikern gefeiert wurden, zuletzt Der Ozean am Ende der Straße (2013). Sein Werk Das Graveyard Buch erhielt zahlreiche Preise und die New York Times hat seine mehrere Millionen Mal verkaufte Graphic Novel-Serie Der Sandmann als Meilenstein der Comicgeschichte bezeichnet. Viele seiner Bücher wie Coraline oder Sternenwanderer wurden verfilmt oder als Hörspiel adaptiert. Außerdem hat er einige Episoden der Serie Doctor Who verfasst und tat als er selbst bei den Simpsons auf.«

Der Illustrator:

»Chris Riddell ist ein beliebter und vielfach ausgezeichneter Illustrator und Cartoonist unter anderem für den Observer. Er hat bereits zahlreiche Preise gewonnen, darunter zwei Kate Greenaway Medals, und ist Mitautor des New York Times Bestsellers Die Klippenland-Chroniken

Aus der Lesevorratskammer Nr. 2

Buchbesprechungssammelsurium von Ulrike Sokul ©

Meiner Meinung nach werden Neuerscheinungen maßlos überbewertet. Daher nutze ich die Publizierungsfreiheit, über die ich hier verfüge, um einige ältere Titel aus der Lesevorratskammer ins Rampenlicht der Leseaufmerksamkeit zu stellen.
Außerdem ist Sommerferienzeit, da ist vielleicht – dank größeren Zeitwohlstandes – der Leseappetit ebenfalls größer.

Ich eröffne den Reigen mit leichter Lesekost:

Stella Gibbons
Der Sommernachtsball
Roman
MANHATTTAN Verlag
558 Seiten

Der Sommernachtsball von Stella Gibbons

Der „Sommernachtsball“ von Stella Gibbons ist eine vergnügliche Lektüre mit gleichwohl nachdenklichen Seiten. Die englische Originalausgabe erschien in den 1930er-Jahren; bei der nun vorliegenden Übersetzung von Gertrud Wittich handelt es sich um die deutsche Erstausgabe. Vordergründig bekommen  wir hier eine Aschenputtelvariante zu lesen:

In Stella Gibbons Roman ist das Aschenputtelthema die ROMANtische Verpackung für eine scharfsinnige, selbstironisch-sozialkritische Darstellung zwischenmenschlicher Stärken und Schwächen. Die Charaktere werden uns geschminkt und ungeschminkt vorgeführt. Es bleibt uns nichts erspart: keine Dummheit, Selbstgefälligkeit und Eitelkeit, keine männlichen und weiblichen Klischees, aber auch keine echte Herzensöffnung. Die Entwicklung der Figuren bekommt dadurch eine angenehm-desillusionierende, amüsante und zeitlose Glaubwürdigkeit.

Die Einblicke in die hintersten Hinterstübchen ihrer Gedanken (Seite 44) gehören zu den psychologischen Stilmitteln, die diesem Roman einen besonderen und augenzwinkernd-bissigen Reiz verleihen.

Hier geht es zur vollständige Rezension:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/01/15/der-sommernachtsball/

 

Ein Roman für kinderliebe Erwachsene:

Der beste Freund, den man sich denken kann
Roman
von Matthew Dicks
Berlin Verlag
448 Seiten
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„Der beste Freund, den man sich denken kann“   –  nämlich ein imaginärer Kindheitsfreund  – vermittelt in diesem Buch einen lebhaften, humorvoll-nachdenklichen Eindruck vom Leben und Umgang mit dem Asperger-Syndrom.

Budo ist der imaginäre Freund des neunjährigen Max. Max hat das Asperger-Syndrom und keine Freunde, da Sozialkontakte für ihn ein fast unüberwindliches Problem bzw. – genauer ausgedrückt  –  ein schwer zu lösendes Rätsel sind. Was für die meisten Menschen eine selbstverständliche und einfache Angelegenheit ist, erscheint für Max kompliziert, beängstigend und verwirrend undurchschaubar.

Budo liefert uns folgende Erklärung: „Max mag Menschen nun mal nicht so gern wie andere Kinder es tun. Er mag Menschen schon, aber es ist eine andere Art von mögen. Er mag sie von Weitem.“  (Seite 16)

Max ist gerne alleine und spielt gerne alleine, aber seinen imaginären Freund hat er sich maßgeschneidert zu seinen Bedürfnissen ausgedacht und ihn mit großer Sorgfalt gestaltet. Deshalb sieht Budo aus wie ein richtiger Junge und nicht wie ein Stofftier, eine Märchengestalt oder ein nur flüchtig hingekritzeltes Strichmännlein.

Das tragende Element von Maxens und Budos Beziehung ist, daß Budo kein Bedürfnis hegt, Max zu verändern, und ihn einfach so sein läßt, wie er ist. Das ist etwas, was die meisten anderen Menschen, einschließlich Maxens Eltern, nicht oder nur zum Teil können.

Ich verbringe fast den ganzen Tag mit ihm und sehe, wie anders er ist verglichen mit den Kindern in seiner Klasse. Max lebt auf der Innenseite, und die anderen Kinder leben auf der Außenseite. Das macht ihn so anders. Max hat keine Außenseite. Max besteht komplett aus Innenseite.“ (Seite 28)

Hier geht es zur vollständigen Rezension:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/06/26/der-beste-freund-den-man-sich-denken-kann/

Und immer heiter weiter:

Mein innerer Elvis
Roman
von Jana Scheerer
Verlag Schöffling & Co
245 Seiten
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„Das Glück ist wie das Licht, es braucht den Schatten des Leides!“

Das ist mein Lieblingssatz aus Jana Scheerers Buch:„Mein innerer Elvis“. Diese Weisheit leitet eine sehr amüsante Szene ein, bei der Antje von ihrer kleinen, sechsjährigen Schwester Klara dazu aufgefordert wird, mit ihr „Paartherapie“ zu spielen.

Antje wird bald 16 und hat am gleichen Tag wie Elvis Geburtstag, und sie liebt Elvis und seine Musik. Und sie will nach Graceland, um selbst herauszufinden, ob Elvis noch lebt oder nicht.

Antjes Vater ist Dozent und sehr dick, vielleicht sogar fett. Das Thema Übergewicht spielt eine ungewisse Rolle in der weiteren Geschichte, denn ich war mir nie ganz sicher, ob Antje und ihr Vater wirklich sooo fett sind oder ob Antjes Wahrnehmung übertrieben ist.

Die  schlanke Mutter ist Psychologin und wartet ein wenig zu häufig mit psychologischen Erklärungen auf, die meist eine eher peinliche, als hilfreiche Wirkung haben, aber in der töchterlichen Reflexion sehr treffend ironisch gebrochen werden.

Die Familie verbringt ihren Sommerurlaub in Amerika und besucht einen ehemaligen Kollegen des Vaters, der vor einigen Jahren an einem Forschungsprojekt in Deutschland teilgenommen hat und dessen Tochter Nelly ein Jahr mit Antje zur Schule gegangen ist.

Die pädagogisch verordnete Freundschaft der beiden Mädels funktioniert in beiderseitiger Ablehnung kein bißchen, aber bis nach Graceland raufen sie sich doch mehr oder weniger zusammen …

Außerdem erfreut uns das Buch mit sehr gelungenen, scharfsinnigen Kommentaren zur unterschiedlichen deutschen und amerikanischen Mentalität.

Hier geht es zur vollständigen Rezension:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/14/mein-innerer-elvis/

 

Jetzt wird es ernst:

Wem gehört Deutschland?
Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen
von Jens Berger
WESTEND Verlag
218 Seiten

Wem gehört Deutschland
Alljährlich können wir in zahlreichen Veröffentlichungen von Banken und in der Tagespresse nachlesen, um wie viel das Geldvermögen der privaten Haushalte wieder einmal gestiegen sei. Viel seltener liest man dagegen etwas über die Spreizung der Vermögensschere und die Reichtumsunmäßigkeiten in unserem reichen Land.

Jens Berger befaßt sich in seinem Buch „Wem gehört Deutschland?“ ausführlich damit, diesen statistischen Reichtum den tatsächlichen Vermögensinhabern zuzuordnen. Außerdem faßt er aufschlußreich zusammen, welcher EinflußREICHTUM auf Politik und Gesellschaft damit in Verbindung steht.

Die mehr als 5 Billionen Euro privaten Geldvermögens sind leider kein Ruhekissen fürs Volk, sondern sie konzentrieren sich zum größten Teil bei einer elitären Minderheit. Das Statistische Bundesamt untersucht keine Haushalte, deren Einkommen mehr als 18 000 Euro pro Monat beträgt. Während Armut statistisch lückenlos erfaßt und präzise definiert wird, gibt es offenbar für die Superreichen einen Schonraum.

Und kommen Sie mir jetzt nicht mit der Unterstellung von Neidgefühlen. Vermögen ist nicht einfach nur Geld. Es geht hier nicht um das Geld, das in existenziellen oder luxuriösen Konsum umgesetzt wird, sondern um sehr viel äußerst „überflüssiges“ Geld. Solche großen Vermögen bedeuten Macht und großen Einfluß auf die Politik unseres Landes.

Viele der auflagenstärksten Tageszeitungen sind im Besitz von Personen und Familien, deren Vermögen sich in drei bis vierstelliger Millionenhöhe befindet. Da brauchen wir uns nicht mehr zu wundern, wessen Interessen in den entsprechenden Medien vertreten werden und daß Themen wie die extreme Öffnung der Vermögensschere oder gar die Wiedereinführung der Vermögenssteuer keine Berichtenswertigkeit haben.

Jens Berger beschreibt in klaren Worten und mit überdeutlichen Zahlen, wie sich in unserem Verteilungssystem privater Reichtum und öffentliche Armut wechselseitig bedingen.

Vollständige Rezension: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/27/wem-gehort-deutschland/

Auch Schwermut kann ich Ihnen nicht ersparen:

Die Brandungswelle
Roman
von Claudie Gallay
btb Verlag
557 Seiten

Die Brandungswelle von Claudie Gallay
„Die Brandungswelle“
wird von einem Ich erzählt, dessen Namen wir bis zum Schluß nicht erfahren, doch das fällt mir erst jetzt beim Schreiben dieser Buchbesprechung auf. Auch der verstorbene Liebste der Erzählerin, an den sie manchmal unmittelbar das Wort richtet, bleibt für uns Leser ein namenloses Du.

Die Erzählerin ist Biologiedozentin, hat sich nach dem Tod ihres Mannes von der Universität beurlauben lassen und sichtet nun im Auftrag eines ornitologischen Zentrums Vögel an der nordwestlichen Küste der Normandie. In dem kleinen Hafenort La Hague wohnt sie im ersten Stockwerk eines Hauses, das gefährlich nah am Meer steht. Im Stockwerk darunter wohnt der Bildhauer Raphaël zusammen mit seiner jüngeren Schwester Morgane. Diese drei Zugereisten leben familiär-freundschaftlich beieinander.

Jeder ist auf seine Weise in La Hague gestrandet und vorläufig geblieben. Jeder respektiert den verletzlichen Gefühlsraum und das Schweigen des anderen, überbrückt aber auch die individuelle Einsamkeit durch eine Form des Mitgefühls, die mehr in körperlichen Gesten als in tiefschürfenden Worten  zum Ausdruck kommt.

Lambert,  ein neuer Gast in La Hague, erweckt die vorsichtige Neugier der Erzählerin und sorgt bei den Einheimischen für Unruhe. Er bezieht das alte Ferienhaus seiner Eltern, und wir erfahren, daß er als Kind bei einem tragischen Bootsunfall seine Eltern und seinen kleinen Bruder verloren hat …

Während Lambert seine Nachforschungen vorantreibt und auch die Erzählerin ihren Anteil am Entwirren der Schicksalsfäden hat, kommen sich diese beiden verlustgeprüften Menschen sehr behutsam und langsam näher.

Die Sprache, in der diese Geschichte vom Verlieren und Finden gestaltet ist, verdient besondere Beachtung; sie ist von ganz außergewöhnlicher Textur. Wie der Bildhauer Raphaël mit seinen Figuren unausgesprochenen Gefühlen sichtbare Gestalt gibt, so meißelt die Autorin ihre Geschichte aus der Sprache heraus: schnörkellos, karg, rauh, elementar, durchatmet von einer beeindruckenden Demut. Sie erschafft damit eine naturbelassene Gefühlslandschaft von starker und unmittelbarer Präsenz.

Vollständige Rezension: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/die-brandungswelle/

 

Und nun zur geistreich-heiteren Entspannung ein moderner Klassiker im vollendeten Hörspielgewand:

Tante Julia und der Kunstschreiber
Roman
von Mario Vargas Llosa
Hörspiel
der Hörverlag
10 CDs
Spielzeit 723 Minuten
Sprecher: André Jung, Herlinde Latzko, Christoph Bantzer u.a.

978-3-86717-725-2
Applaus – für  diese großartige Hörspielproduktion des Schweizer Radios DRS aus dem Jahre 2002! Acht Jahre vor der Verleihung des Literaturnobelpreises an Mario Vargas Llosa wurde seinem Roman „Tante Julia und der Kunstschreiber“ mit dieser Hörspielfassung  kongenial die Ehre gegeben.

Unter der Regie von Claude Pierre Salmony und der sehr originaltextnahen Hörspielbearbeitung und Co-Regie von Daniel Howald ist ein geistreicher und opulenter Ohrenschmaus entstanden. Mit viel Liebe zum Detail wurden die Dialoge mit Originalaufnahmen aus Lima hinterlegt. Die Geräusche von Straßen, Cafés und Kirchen sowie gelegentliche musikalische Einstreuungen tragen sehr zur dramaturgischen Einstimmung bei und werden durch die wiederkehrende, sehr tänzerische Einspielmelodie vor jedem neuen Kapitel ergänzt.

In „Tante Julia und der Kunstschreiber“ erzählt Vargas Llosa die autobiographisch inspirierte Liebesgeschichte von Mario und Julia. Im Lima der Fünfzigerjahre studiert Mario nachlässig Jura, arbeitet als Nachrichtenredakteur für Radio Panamericana und träumt davon, als Schriftsteller in einer Mansarde in Paris zu leben. Seine Erzählungen landen zwar meist im Papierkorb, aber Mario ist von seiner schriftstellerischen Berufung überzeugt. Er wohnt bei seinen Großeltern und ißt bei den diversen Tanten und Onkeln seines ausufernden Familienclans zu Mittag. Bei einem dieser Essen trifft er auf seine angeheiratete Tante Julia, die frisch geschieden nach Lima gekommen ist, um einen neuen Ehemann zu finden.

Am gleichen Tag hört er zudem zum ersten Mal von Pedro Camacho, dem neuen Hörspielautoren des Radiosenders. Die leibhaftige Begegnung mit dem Hörspielwunder läßt nicht lange auf sich warten, und Mario beobachtet staunend die unglaubliche Produktionsmenge und Schnelligkeit des eigenwilligen Schreibers. Pedro Camacho verfaßt und inszeniert neun Hörspielepisoden täglich und verschafft dem Sender große Hörerzuwächse und entsprechend höhere Werbeeinnahmen.

Pedro Camacho kultiviert diverse Manierismen: er trinkt Kamillentee mit Pfefferminze, er zelebriert höfische Verbeugungen und pflegt in jedes Hörspiel gnadenlos seine persönlichen Zu- und Abneigungen einzubauen; so ist die jeweilige Hauptfigur grundsätzlich „in der Blüte seiner Jahre, nämlich 50“, also genau in Pedro Camachos Alter.

Vargas Llosa wechselt die Kapitel der wirklichen Liebesgeschichte von Mario und Julia mit den fiktiven Hörspielepisoden von Pedro Camacho ab …

Und hier ist der Weg zur vollständigen Besprechung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/tante-julia-und-der-kunstschreiber/

 

Für freche, etwas lesefaule, aber doch wortspielerisch ansprechbare Leser ab 8 Jahren habe ich noch etwas ganz Besonderes auf Lager:

Die Mr Gum-Reihe von Andy Stanton
mit charakterstarken Zeichnungen von David Tazzyman:
Band 1: Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum!
Band 2: D Mr Gum und der Mürbekeksmilliardär
Band 3:Der entsetzliche Mr Gum und die Kobolde
DTV Verlag

sie_sind_ein_schlechter_mensch_mr_gum-9783423715065 mr_gum_und_der_muerbekeksmilliardaer-9783423715225
der_entsetzliche_mr_gum_und_die_kobolde-9783423715508Das Lesen dieser Buchbesprechung ist für Kinder verboten: Eltern haften für ihre Buchkaufent-scheidung! Es handelt sich um eine ganz schrecklich-lustige Buchreihe mit übersichtlicher Textmenge und komischen, demonstrativ-undekorativen Zeichnungen, die ausgezeichnet zum Text passen.

Das Leben in der kleinen Stadt „Bad Lamonisch an der Bibber“ könnte so friedlich sein, gäbe es nicht den alten Kinderschreck Mr Gum. Mr Gum ist STINKfaul, und das ist nicht bloß metaphorisch gemeint. Er wohnt in einem total verkommenen Haus, macht nie sein Bett und putzt sich nie und nimmer die Zähne. Er guckt alles und jeden stets nur grimmig und knurrig an, und wenn er überhaupt mal etwas tut, so klaut er Kindern die Spielsachen und macht sie kaputt, denn das verschafft ihm einsame Genugtuung. So lernen wir im ersten Band „Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum“ den schlechten Menschen Mr Gum kennen und fürchten.

Nur sein Garten ist „der hübscheste, grünlichste, geblümteste, gartenartigste Garten von ganz Bad Lamonisch“.  Was niemand außer uns Lesern erfährt, ist folgendes: Mr Gum steht unter der SCHLAGfertigen Fuchtel einer Fee, die ihn mit der Bratpfanne* traktiert, wenn er den Garten nicht hübsch pflegt.

Ein häufiger und gern gesehener Gast in der ländlichen Kleinstadtidylle ist der Hund Jakob. Ein großer, pelziger, kinderfreundlicher und fröhlicher Hund, der zu niemand Bestimmtem gehört und bei Kindern und den meisten Erwachsenen sehr beliebt ist und der mit kleinen Leckereien durchgefüttert wird.

Eines schönen Tages (nicht, daß Mr Gum einen schönen Tag zu würdigen wüßte) entdeckt Jakob Mr Gums Garten und bringt dort alles durcheinander, und zwar drei Wochen lang täglich. Mr Gum wird durch die „Streicheleinheiten“ mit Bratpfanne, die seine Gartenaufsichtsfee ihm gnadenlos verabreicht, aus seinem Faulenzerdasein gerissen und überlegt sich einen teuflischen Plan, um den Hund loszuwerden …

Der Autor kombiniert den Handlungsverlauf der Geschichten mit typographischen Spezialeffekten, z.B. liebliche Schnörkelbuchstaben für die Beschreibung schöner Elemente, gaaanz kleine Buchstaben, wenn es was zu flüstern gibt, comicartige Lautmalereien bei dramatischen Szenen und Frakturschrift bei altertümlichen Formulierungen. Das unterstreicht auf abwechslungsreiche Weise die Ausdruckskraft des Textes.

Wortspielereien finden sich in den Mr Gum-Büchern wie das sprichwörtliche Heu im Heuhaufen, und dieser ganze improvisatorisch-spontan wirkende, flapsige Erzählstil und die irrwitzigen Wendungen und „lakomischen“ Randbemerkungen erinnern mich ein bißchen an die Werke von Helge Schneider.

Und hier müssen Sie weiterlesen, sonst Bratpfanne* … (s.o.)😉 :
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/10/21/mr-gum-band-1-bis-3/

 

Aber auch für zartfühlende Gemüter ab 8 Jahren habe ich etwas:

Lola auf der Erbse
von Annette Mierswa
Tulipan Verlag
195 Seiten
ab 8 Jahren

  Lola

„Lola auf der Erbse“ ist keine Prinzessin auf der Erbse, sondern ein achtjähriges Mädchen, das mit seiner Mutter auf einem Hausboot lebt.

Lola ist klein für ihr Alter und wird oft für viel jünger gehalten, als sie ist. Die kleine Lola will nicht mehr wachsen, seitdem ihr Vater vor drei Jahren die Familie verlassen hat. Sie weigert sich auch, ihren Hals zu waschen, weil sie den letzten Kuß ihres Vaters dort gleichsam aufbewahrt. Außerdem trägt sie stets Schuhe mit einem weißen und einem schwarzen Schnürsenkel, um sich daran zu erinnern, „dass ihr Vater zuletzt gesagt hatte, alles habe zwei Seiten und sie solle immer darauf achten, beide zu sehen. Denn es gebe keinen Schatten ohne Licht, keinen schönen Tag ohne einen trüben und keine Mama ohne einen Papa.“ (Seite 7)

Kurz vor Lolas neuntem Geburtstag kommt es zu einer familiären Krise, weil Lolas Mutter sich neu verliebt hat. Lola ist wild entschlossen ist, den neuen Mann nicht zu mögen.

Die kindliche Anhänglichkeit und Solidarität mit dem Vater, die unterschwellige Hoffnung, der Vater möge vielleicht doch irgendwie zurückkehren, das Festhalten an alten Erinnerungsschätzen und die dennoch langsam aufkeimende Sympathie zu dem neuen Partner der Mutter werden sehr feinfühlig und in all ihrer aufwühlenden Widersprüchlichkeit erzählt.

„Lola auf der Erbse“  ist ein wunderbar warmherziger Kinderroman, in dem die Kinder Kinder sind und in dem die Erwachsenen  –  auf erfreulich unneurotische Weise  – erwachsen sind und eine zwischenmenschliche Orientierung bieten, an der ein Kind wahrlich wachsen kann.

Hier ist die vollständige Rezension:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/17/lola-auf-der-erbse/

Für ganz kleine Bücherlinge habe ich noch ein zauberhaftes Papp-Bilderbuch:

Heute bin ich Tigermaus
Allererste Vorlesegeschichten
von Stefanie Dahle
Arena Verlag
ab 2 ½ Jahren

978-3-401-09630-8.jpg Heute bin ich Tigermaus
Der kleine Mäuserich Friedrich lebt mit einigen Mitmäusen in einem gemütlichen Trödelladen. Des Nachts erkundet er das schöne Sammelsurium heimatloser Dinge.

In der Einstiegsgeschichte weckt eine rot-goldene Puderdose seine Mäuseneugier. Da er weiß, daß die Menschen sich mit Puder verschönern, beschließt er, sich ebenfalls mit diesem Puder anzuhübschen. Außerdem hofft er, damit nicht mehr so langweilig mausbraun auszusehen und  die Aufmerksamkeit der kleinen Mäusedame Milla zu erregen. Vor dem Schlafengehen bestäubt er sich ausgiebig mit dem Puder bis sein Fell vor lauter Puder glänzt und glitzert.

Als Friedrich in der nächsten Nacht aufwacht (zweite Geschichte), hat er ein Tigerfell. Offenbar enthält die Puderdose keinen gewöhnlichen Schminkpuder, sondern einen geheimnisvollen Zauberpuder. Stolz präsentiert er sich den anderen Mäusen als starke Tigermaus, aber die machen sich – mit Ausnahme von Milla – über ihn lustig. Und dann riecht er auch noch nach Katze, das ist gar nicht mäusemäßig. Also bestäubt er sich in der Hoffnung auf eine bessere Verwandlung erneut mit dem Zauberpuder…

„Heute bin ich Tigermaus“ von Stefanie Dahle  ist ein schönes, phantasievolles und warmherziges Vorlesebuch mit kurzen und trotzdem handlungsreichen Geschichten. Die ganzseitigen Illustrationen sind romantisch-verträumt, freundlich-bunt und im besten Sinne niedlich…

Link zur vollständigen Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/09/25/heute-bin-ich-tigermaus/

 

Und zu guter Letzt noch ein Bücherbuch für erwachsene Leser:

Ein Buchladen zum Verlieben
von Katarina Bivald
btb Verlag
445 Seiten

Ein Buchladen zum Verlieben von Katarina Bivald

Der Roman „Ein Buchladen zum Verlieben“ ist eine Liebeserklärung an Menschen (und ihre Schwächen) und eine Liebeserklärung an Bücher (und ihre Stärken). Das Buch handelt davon, wie Leseerfahrung zu Lebenserfahrung und Lebenserfahrung zu Leseerfahrung führen kann.

Es ist eine unterhaltsame Lektüre, die uns eine sympathisch unglamouröse, amerikanische Kleinstadtmilieustudie und ganz besondere alltägliche Menschen aufblättert.

Man nehme eine arbeitslose, mauerblumige Buchhändlerin (Sara) aus Schweden, die sich mehr mit Büchern als mit Menschen verbunden fühlt, die jedoch eine vertrauensvolle Brieffreundschaft mit einer belesenen, weise-abgeklärten alten Dame (Amy) aus einer angestaubten Kleinstadt (Broken Wheel) in Iowa (USA) pflegt. Amy lädt Sara sehr herzlich zu einer dreimonatigen Auszeit zu sich nach Hause ein, und Sara kommt gerade noch rechtzeitig in Broken Wheel an, um an Amys Begräbnis teilzunehmen.

Sara wird von Amys Freundes- und Nachbarschaftskreis dazu eingeladen, trotz des Todesfalles eine Weile zu bleiben und im Hause ihrer verstorbenen Gastgeberin zu wohnen.

Zögerlich läßt sich Sara auf dieses Abenteuer ein und lernt die Menschen, die sie aus Amys brieflichen Beschreibungen kennt, nun im wirklichen Leben kennen und nach und nach wirklich schätzen. Fast jedes Kapitel wird durch einen Brief Amys ergänzt, so daß die zwischenmenschlichen Vorgeschichten der relevanten Charaktere nacherzählt werden.

Da Sara die ihr entgegengebrachte allgemeine Großzügigkeit gerne erwidern möchte, kommt sie auf die Idee, in einem der vielen leerstehenden Ladenlokale der einzelhändlerisch fast ausgestorbenen Haupt- und Geschäftsstraße mit dem Büchernachlaß von Amy eine Buchhandlung zu eröffnen …

Hier entlang zu vollständigen Besprechung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/13/ein-buchladen-zum-verlieben

 

 

Löwen zählen

  • Tiere der Wildnis ganz nah
  • Illustrationen von Stephen Walton
  • Text: Katie Cotton
  • Mit einem Vorwort von Virginia McKenna
  • Originaltitel: „Counting Lions“
  • Aus dem Englischen von Brigitte Elbe
  • Verlag Freies Geistesleben  Februar 2016   http://www.geistesleben.com
  • Format: 28 x 34 cm
  • 32 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 19,90 € (D), 20,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7725-2790-6
  • ab 5 Jahren
    Countin_Lions_U1.indd

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Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Worte verblassen angesichts der stillen Schönheit dieser Bilder!

Stephen Walton ist ein Künstler, dem eigene und fremde Fotografien als Vorlage für seine Kohlezeichnungen dienen. Seine Tierzeichnungen sind sehr lebendig und geben die Texturen von Fell und Gefieder sowie die artspezifische Körpersprache wunderbar plastisch wieder. So echt und dreidimensional erscheinen die aufgeblätterten Tiere, daß man unwillkürlich versucht, sie zu streicheln.

Es werden keine dramatischen Szenen dargestellt, sondern ruhige, friedlich-aufmerksame Momentaufnahmen; gleichwohl haben sie eine starke Ausstrahlung ungezähmter, freier und würdevoller Wildheit.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

Ehrfurcht und Staunen wachsen von Seite zu Seite. Es gibt keine Handlung, sondern einfach nur kurze, meditativ-poetische Bildbeschreibungen. Faszination und Spannung entströmen der beinahe atmenden, körperlichen Nähe zu den abgebildeten Tieren.

Gezeigt werden ein Afrikanischer Löwe, zwei Berggorillas, drei Giraffen, vier Tiger, fünf Afrikanische Elefanten, sechs Äthiopische Wölfe, sieben Kaiserpinguine, acht Unechte Karettschildkröten, neun Gelbbrustaras und zehn Steppenzebras.

Bei der Betrachtung dieser Tiere geht es indes nur beiläufig ums Zählen, sondern recht eigentlich geht es darum, Mitgefühl zu wecken.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

 

Auf den letzten vier Seiten des Bilderbuches gibt es zoologische und ökologische Hintergrundinformationen zu den vorgestellten Tieren sowie deutliche Hinweise auf den jeweiligen Schutzstatus und die Bedrohung ihres Lebens und Lebensraumes durch den Menschen und weiterführende Links zu Naturschutzorganisationen. Das eindringliche Vorwort der Naturschützerin Virginia McKenna unterstreicht die Schutzbedürftigkeit der Wildtiere und die damit verbundene Verantwortung des Menschen.

Die eindrücklichste Qualität, die das vorliegende  Bilderbuch auszeichnet, liegt jedoch in der feinsinnlichen Bildersprache von Stephen Walton, der es mit ihrer intensiven Präsenz nachhaltig gelingt, große und kleine Betrachter zu respektvoller Naturverbundenheit zu animieren.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

Der Illustrator:

»Stephen Walton ist Betreuer und Fotograf im Bury Art Museum in Manchester. Seine künstlerische Ausdrucksform und seine Technik haben sich parallel zu seiner Liebe für die Fotografie herausgebildet. Er wurde als Wildlife Artist des Jahres 2013 ausgezeichnet.«

Die Autorin:

»Katie Cotton, die an der Universität Oxford Englisch studiert hat, war im Bildungsbereich tätig. Bevor sie anfing, Bilderbücher für Kinder zu schreiben und herauszugeben.«

 

Rigo und Rosa

  • 28 Geschichten aus dem Zoo und dem Leben
  • Bilderbuch
  • Text von Lorenz Pauli
  • Bilder von Kathrin Schärer
  • Atlantis Verlag  Februar 2016   www.atlantis-verlag.ch
  • Format: 17,6 x 26,4 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • durchgehend vierfarbig
  • 16,95 € (D), 17,50 € (A), 26,80 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0710-0
  • ab 5 Jahren
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P H I L O Z O O L O G I S C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eines Abends findet der alte und schon etwas müde Zooleopard Rigo eine kleine Maus in seinem Gehege. Kurz ist er geneigt, sie einfach aufzufressen, aber da sie ihn so rührend und vertrauensselig um Schutz vor bösen Tieren bittet, unterhält er sich amüsiert mit ihr. Die Maus heißt Rosa und darf schließlich, eingekuschelt in den Leopardenschwanz, bei Rigo übernachten.Rigo und Rosa Innen 1

Aus: Rigo und Rosa © Atlantis Verlag 2016 Text: Lorenz Pauli / Illustration: Kathrin Schärer

Am nächsten Morgen geht das Kennenlernen und Miteinanderplaudern munter weiter. Rosa ist jung, neu- und wißbegierig und springlebendig. Rigo genießt die täglichen Besuche von Rosa und die abwechslungsreichen Ideen, Phantasien und Fragestellungen, die sie stets mitbringt.

In heiter-schelmischen Dialogen erörtern sie die Themen Angst und Vertrauen, richtige und falsche Geschenke, wie man Feste feiert, die Kugelform der Erde, Schönheit und Wahrheit sowie Freude und Weisheit, und sie beschäftigen sich damit, wie man die Welt verändert, Langweile vertreibt, Schnupfen mit Kräutern heilt u.v.a.m.Rigo und Rosa Innen 2

Aus: Rigo und Rosa © Atlantis Verlag 2016 Text: Lorenz Pauli / Illustration: Kathrin Schärer

 

Während all dieser spielerisch-philosophischen Betrachtungen geht es auch immer wieder um die wechselseitig wachsenden freundschaftlichen Gefühle, und manchmal erfinden sie auch ganz neue Worte, wie z.B. „flatterastisch“ für die Schönheit der Schmetterlinge oder „extratopoflorios“ für eine besonders schöne Pflanzen- und Tautropfenszenerie.

„Alles, was wir tun, ist wichtig.
Wenn du willst, dass etwas passiert,
dann musst du es selber tun.
Du musst es tun, als ob es nur auf dich
alleine ankommen würde.
Denn es kommt auf dich an.“  (Seite 115)

In diesen 28 Geschichten gibt Lorenz Pauli großen Gedanken, tiefsinnigen Fragen und lebhaften Gefühlen mit meisterhafter Einfachheit kindgerecht einen warmherzigen, erzählerischen Entwicklungsraum. Die weitgehend naturbelassenen Illustrationen von Kathrin Schärer werden den beschriebenen Charakteren mimisch, gestisch und szenisch ausdrucksvoll gerecht und harmonieren wunderbar mit dem einfühlsam-nachdenklichen, humorvollen Tonfall des Textes.

Hier geht es zum Buch auf der Verlagswebseite, dort gibt es auch Einblick ins Buch: http://ofv.ch/kinderbuch/detail/rigo-und-rosa/101821/

Der Autor:

»Lorenz Pauli, geboren 1967. Nach einer Banklehre machte er die Ausbildung zum Kindergärtner. Seit 1989 arbeitet er in einem Kindergarten in Zollikofen; längst mit reduziertem Pensum, denn oft ist er unterwegs als Erzähler. Mit wenigen Requisiten und mit sympathischer Bühnenpräsenz fasziniert er Kinder und Erwachsene. 2012 bekam Lorenz Pauli Ehrerweisung auch von offizieller Seite – mit einem Platz auf der IBBY-Honour-List für die Qualität seines Textes in »Oma Emma Mama« (2010, Atlantis). Pauli lebt mit seiner Familie in Bern. Hinweise auf seine Veröffentlichungen in Berner Mundart, auf Bücher und Tonträger unter: Webseite:  http://www.mupf.ch  «

Die Illustratorin:

»Kathrin Schärer, 1969 geboren, studierte an der Hochschule für Gestaltung Basel, wo sie auch lebt. Sie hat wiederholt eigene Texte illustriert und in langjähriger Zusammenarbeit und mit Erfolg Geschichten von Lorenz Pauli. Für ihr Gesamtwerk war sie für den Hans-Christian-Andersen-Preis 2012 und den Astrid Lindgren Award 2014 nominiert. Zuletzt wurde „Der Tod auf dem Apfelbaum“ (2015, Atlantis) stark beachtet und mehrfach ausgezeichnet. Infos unter:  www.kathrinschaerer.ch  «

Querverweis:

Hier geht es zu meiner Besprechung eines weiteren Bilderbuches von Kathrin Schärer „Der Tod auf dem Apfelbaum“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/20/der-tod-auf-dem-apfelbaum/

 

Hochsensibel

  • Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potenzial entfalten
  • Mit umfangreichem Selbsttest
  • von Eliane Reichardt
  • IRISIANA Verlag   Februar 2016        www.irisiana.de
  • 256 Seiten, mit Tabellen und Grafiken
  • Klappbroschur
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A),  26,90 sFr.
  • ISBN 978-3-424-15293-7
    Hochsensibel Titelbild

S E I S M O G R A P H E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eliane Reichardt macht den Leser auf feinfühlige und konzentrierte Weise mit dem Phänomen Hochsensibilität vertraut. Das Buch dient dem Normalsensiblen als Einblick in die Wahrnehmungsperspektive, geistige Verarbeitungsform und psychischen Verhaltensweisen des Hochsensiblen. Für den hochsensiblen Menschen (kurz: HSM) bietet es eine erfreulich bestätigende Schatzkarte seiner besonderen  Wesensart.

Beiläufig geht die Autorin auch auf die Merkmale von Hochbegabung und Synästhesie ein, die häufig in Kombination mit Hochsensibilität auftreten.

Endlich verstehe ich nun, warum mich normalsensibel veranlagte Menschen manchmal nicht verstehen, und ich verstehe ebenfalls besser, warum ich umgekehrt die Verhaltensweisen und Wahrnehmungsmuster normalsensibler Menschen manchmal nicht verstehe. Offenbar komme ich nicht von einem anderen Stern, sondern bin einfach nur hochsensibel😉 .

Treten Sie näher: Hochsensibilität ist nicht ansteckend, denn sie ist keineswegs eine Krankheit, Neurose oder Heulsusigkeit, sondern ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, das bei ungefähr 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung auftritt. Hochsensible Menschen HABEN nicht Hochsensibilität, sondern sie SIND hochsensibel!

Wissenschaftlich belegt ist bisher, daß HSM eine höhere Gehirnaktivität, einen anderen Hirnstoffwechsel und auch genetische Spezialitäten aufweisen. Der Theologe und Therapeut Eduard Schweingruber schrieb bereits in seinem in den 1930er-Jahren erschienenen Buch Der sensible Mensch, daß die Sensibilität keiner Therapie bedürfe, sondern ein natürliches und zentrales Persönlichkeitsmerkmal sei:

„Die gesamte Eigenart ist das Instrument, auf dem der Sensible die Melodie des Lebens zu spielen hat.“

Elaine Aron prägte Mitte der 1990er-Jahre den Begriff „Hochsensibilität“ und veröffentlichte mehrere Fachbücher und Ratgeber zum Thema und vertieft  weiterhin ihre Forschungen zu HSM.

Im vorliegenden Buch folgt auf eine kurze Einleitung ein umfänglicher Selbstbe-fragungstest, der teilweise auf Elaine Arons Test zur Hochsensibilität basiert und von  Eliane Reichardt noch um einige Schattierungen ergänzt wurde.

Noch nie habe ich einen psychologischen Fragebogen mit so vielen Zustimmungshäkchen versehen wie diesen. Nicht, daß mir meine Sensibilität (und Synästhesie) nicht schon zuvor bewußt gewesen wären, aber eine solch differenzierte Analyse des Phänomens Hochsensibilität hat noch einige Puzzleteile meines persönlichen Psychogramms  in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht. Das tut gut und schafft mehr Ordnung im Gefühlshaushalt.

Kennzeichen von HSM sind u.a. intuitive Wahrnehmung, ausgeprägte Empathie, komplexe (divergente) Denkweise, große Reflexionsneigung, kreative, künstlerische Fähigkeiten, starkes Gerechtigkeitsempfinden und Wahrheitsliebe, reiches Innenleben, rege Fantasie, schöngeistige Interessen, Naturverbundenheit, philosophisch-sinnsucherische Neigungen, feine Wahrnehmung von Zwischentönen, aufmerksames Zuhören, hohe Empfindlichkeit gegenüber Lärm, Geruch, Geschmack, Licht, Farben sowie Berührungen und Stimmungen, Meidung von Menschenmassen, Abneigung gegen „Small Talk“ sowie die Ablehnung von Gewalt und Wettbewerbsorientierung.

Bei HSM ist die kognitive und körperlich-sensorische Wahrnehmung detailreicher, intensiver, mitfühlender und reizvoller. Dementsprechend komplexer sind die neurologische Verarbeitung und die Abspeicherung. HSM haben meist ein sehr gutes Gedächtnis und ihre Gefühle einen langen Nachklang. Die Belastungsgrenze, an der eine Pause und ein Reflektieren des Erlebten ratsam wäre,  ist schneller erreicht. Ist kein Abstand zu weiteren eindrücklichen Eindrücken möglich, ist ein HSM schneller erschöpft als ein Normalsensibler.

Im erhellenden Kapitel „Hochsensibilität gestern und heute“ gewährt uns die Autorin einen streiflichternden Rückblick auf die beschleunigten gesellschaftspolitischen und technischen Veränderungen der letzten 55 Jahre mit ihren bedenklichen Entwicklungen in Hinsicht auf Lebens- und Naturentfremdung, Reizüberflutung und Informationsüberfluß, neoliberale Arbeitsbedingungen, Konkurrenz- und Leistungsdruck, Datenkonformität, Multitaskingansprüche, soziale Ungleichgewichte, Fastfood und künstliche Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln, Lärmbelastung, Oberflächlichkeit und Kommerzialisierung.

Dies alles sind Streßfaktoren, die HSM in besonderer Weise „angreifen“ und schwächen, wenn sie nicht gelernt haben, sich davor zu schützen, oder wenn sie sich einem System anzupassen versuchen, das im Widerspruch zu ihren ethisch-idealistischen Werten und empfindsamen Bedürfnissen steht.

Hochsensibilität bedeutet nicht, daß ein Mensch emotionaler reagiert, sondern daß seine besondere neurologische Ausstattung eine ganzheitlichere Wahrnehmung bedingt, die u.a. auch unausgesprochene emotionale Zwischentöne „heraushört“.

Für viele Hochsensible ist es eine Offenbarung, wenn sie erfahren, daß sie hochsensibel sind. Das vage – manchmal leidvolle – Gefühl des Andersseins bekommt einen sinnvollen Bezugsrahmen, eine entspannende Bestätigung und bejahende Selbstwertschätzung. Deshalb ist es wichtig und heilsam, daß sich dieses Thema herumspricht.

Der mögliche Leidens- und Anpassungsdruck eines HSM hängt davon ab, wie gut oder schlecht er in seinem familiären, sozialen und beruflichen Umfeld Raum und eine positive Spiegelung seiner feinfühligen Eigenart erfährt. Ein Leben gegen die eigene Wesensart kann zu wirklichen psychischen Erkrankungen (Depression, chronische Erschöpfung etc.) führen.

Im zweiten Teil ihres Buches gibt Eliane Reichardt ganz praktische Hinweise und Anregungen, wie HSM mit typischen Streßsituationen in Schule und Beruf, beim Einkaufen, Ausgehen, Feiern, bei Arztbesuchen usw. konstruktiv umgehen können.

Sobald man Hochsensibilität nicht als Schwäche betrachtet, sondern als Kompetenz, ist man schon auf einem guten Wege. Wenn man seinen Verhaltensmustern und Bedürfnissen mit Selbstachtung begegnet, kann daraus ein besseres Selbstverständnis erwachsen. Ein selbstverständliches Selbstwertgefühl erleichtert und harmonisiert auch den kooperativen oder – gegebenenfalls abgrenzenden – Umgang mit Normalsensiblen.

Eliane Reichardts Ratgeber ist bemerkenswert klar strukturiert. Das beginnt schon mit der informativen Inhaltsübersicht und setzt sich im Fließtext sowie im eingängigen und substantiellen Schreibstil erfreulich fort. Eine umfängliche Liste über weiterführende Literatur und Internetadressen runden dieses Vademecum für Hochsensible sinnvoll ab.

Hier geht es zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.randomhouse.de/Paperback/Hochsensibel-Wie-Sie-Ihre-Staerken-erkennen-und-Ihr-wirkliches-Potenzial-entfalten/Eliane-Reichardt/Irisiana/e487915.rhd

Die Autorin:

»Eliane Reichardt wurde 1959 geboren und lebt in der Nähe von Münster, sie studierte Architektur, BWL und Psychologie. Selbst hochsensibel, hochbegabt und Synästhetin, arbeitet Frau Reichardt als freie Dozentin, Beraterin und Coach für Hochsensible und Hochbegabte. In ihrer Eigenschaft als Counselor unterstützt sie Unternehmen beim Umgang mit hochsensiblen Mitarbeitern.«
http://www.eliane-reichardt.de

Musikalischer Querverweis:

Die Stuttgarter Sängerin und Liedermacherin Rebekka Adam kann sogar ein Lied von Hochsensibilität singen: https://beckyadam.wordpress.com/2013/10/17/13/

Weiterführende Webseiten zur Hochsensibilität:

Prof. Dr. Elaine Aron: www.hsperson.com

Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität,
IFHS e.V. in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
http://www.hochsensibel.org/
www.zartbesaitet.net
www.ifhs.ch

(Berufs-)verband pro Sensitivität und Empathie im Beruf,
VSEB e.V.:  www.vseb.org

Hilfe für hochsensible Kinder und Jugendliche: www.hochsensiblehilfe.de

Wer gerne wissen möchte, ob er hochsensibel ist, kann den nachfolgenden kleinen Test absolvieren. HSP-Test-Fragebogen: http://www.zartbesaitet.net/survey/site.php?a=su_onepage&su_id=1

Wer mag, kann mir seine hochsensible Punktezahl in der Kommentarsektion kundtun.

Ich habe 282 ……………………………………………………………………………………………………………………………..