Denkt endlich an die Enkel!

  • Eine letzte Warnung, bevor alles zu spät ist
  • von Wolf Schneider
  • Rowohlt Verlag 2019, Juli 2019 http://www.rowohlt.de
  • gebunden
  • Format: 11 x 17 cm
  • 80 Seiten
  • 8,00 € (D), 8,30 € (A)
  • ISBN 978-3-498-00153-7

K  L  A  R  T  E  X  T

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wolf Schneider, dessen Anleitungen zum klaren, kultiviert-stilvollen, präzisen und acht-samen Umgang mit der deutschen Sprache ich überaus schätze und immer wieder gerne zu Rate ziehe, hat nun ein kurzes, pointiert formuliertes Buch verfaßt, welches er seinen vierzehn Enkeln und Urenkeln widmet: Es geht hier um nichts Geringeres als die dramatisch schwindenden Zukunftsaussichten der Menschheit.

»Wer wider besseres Wissen glaubt, die Katastrophe wird sich schon gedulden, bis wir sie kostenlos verhindert haben, der hat die Zukunft unserer Enkel schon verspielt!«
(Seite 19)

Der energieverschwenderische, naturausbeuterische, gierige Lebensstil der Menschheit kostet buchstäblich die Welt. Die reichen Industrienationen sind mit ihrer Anbetung des Wirtschaftswachstums, der Vergötterung des Automobils und der mehr als überflüssi- gen Warenproduktion die größten Zerstörer. Die Bevölkerung der ärmeren Weltregio- nen strebt verständlicherweise ebenfalls nach dem Wohlstand, der für uns normal ist. (Wobei auch bei uns der Zugang zu Wohlstand, ja, selbst zu einem nur auskömmlichen Dasein – dank jahrzehntelanger neoliberaler Arbeitsmarktverzerrungen und der Mini- mierung solidarischer, gemeinwohlorientierter Rahmenbedingungen zu Gunsten privatwirtschaftlicher Profite – drastisch reduziert wurde;  indes, die soziale Frage wird in Schneiders Buch nicht thematisiert.)

Wolf Schneider bezeichnet das Auto zutreffend als „unsere Heilige Kuh auf vier Rädern“, er kritisiert die maßlosen PS-Steigerungen und schwergewichtigen Blechaufplusterun- gen und fällt nicht auf die angebliche Rettung durch das E-Mobil herein. Denn der Ener- giebedarf für E-Mobilität ist sehr groß, alleine die Herstellung der Batterien verbraucht Strom, ganz zu schweigen vom Bedarf an Kupfer, Kobalt, Lithium, Mangan, Nickel und Seltenen Erden, vom giftigen Schrott, den jede verbrauchte Batterie hinterläßt sowie von den zahllosen Kabeln, die für die dazugehörige Infrastruktur gebraucht werden.

Deutlich weniger Autos wären zielführender und ein besseres Eisenbahn-Schienennetz ebenfalls. Stattdessen haben wir „47 Millionen Autos für 82 Millionen Bundesbürger – gut ein halbes Auto pro Kopf!“ (Seite 15) und eine Mineralölsteuerbefreiung für Flug- zeuge.

Schneider greift mit ebenso interessanter wie informativer historischer Herleitung das Thema Überbevölkerung auf. Dabei läßt er meines Erachtens keinen Zweifel daran, daß Europa ein Recht hat, Migrationsströme im Enkelinteresse zu begrenzen. Seine Warnung vor einer „Invasion“ des „alternde(n) Erdteil(s)“ Europa ist sehr deutlich (Seite 66).  Er be-schreibt streiflichternd Flächenverbrauch, bereits vorhandene und vermehrt drohende Wasserknappheit, Vermüllung und Vergiftung von Erde, Luft und Wasser, Artensterben, Flächenversiegelung durch Massentourismus, die skandalöse Stromverschwendung für Sommerskihallen, Schneekanonen in Wintersportorten, Lichtreklamen und Sportveran-staltungen. Die Aufzählung menschlicher Unvernunft wird darüber hinaus noch  ergänzt um Hinweise auf tonnenweise Lebensmittelverschwendung, Mikroplastik in der Nah- rungskette, den Zusammenhang zwischen maßloser Fleischproduktion und Welthunger und die wachsende Gefahr von Ressourcenkriegen.

Sind wir überhaupt noch zu retten? Wolf Schneider läßt diese Frage offen. Er sieht nur eine kleine Chance: SOFORTIGES Handeln.

Dieses Manifest ist deutlich und drastisch, der Autor verwendet anschauliches Zahlen-material und klare, kurze unmißverständliche Ansagen, seine Kritik an unserem zer- störerischen, enkeluntauglichen Lebensstil ist berechtigt und durchaus angebracht.  

Wolf Schneider erstellt eine schonungslose Diagnose, nur ein Rezept zur Heilung bleibt er uns schuldig, vielleicht weil ihm die Unvernunft des Menschen therapieresistent erscheint oder weil sein negatives Menschenbild diese Hoffnung nicht erlaubt. Kritik ist notwendig, aber hoffnungslose Kritik wird die Welt erst recht nicht retten. 

Warum nicht einfach das Naheliegende tun und gerade dieses Buch auf wesentlich ressourcenschonendere Weise produzieren? Statt bloß auf einem FSC-Papier-Mix hätte das vorliegende Buch auf wiederverwertetem Papier gedruckt werden können, wie es vorbildlicherweise der Oekom-Verlag (https://www.oekom.de/) schon seit dreißig Jahren praktiziert. Ist hier etwa die Kluft zwischen Theorie und Praxis auch beim Autor und beim Verlag noch viel zu groß?

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der  Verlagswebseite:
https://www.rowohlt.de/hardcover/wolf-schneider-denkt-endlich-an-die-enkel.html

Eine ergänzende hörenswerte Audiobesprechung findet sich bei Andruck-Deutschland-funk: https://www.podcast.de/episode/413939638/Wolf+Schneider+-+%22Denkt+endlich+an+die+Enkel%22/

Der Autor:

»Wolf Schneider, geboren 1925, hat vier Kinder, zehn Enkel und vier Urenkel. Er ist Autor von 28 Sachbüchern, darunter drei Bestsellern und einer großen Kulturgeschichte der Menschheit „Der Mensch – eine Karriere“ – laut Neuer Zürcher Zeitung »ein grandioses, mit gewaltigem Wissen und immensem Sachverstand geschriebenes historisches Panorama«.
Schneider war Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Washington, Verlagsleiter des Stern, Chefredakteur der Welt, Moderator der NDR-Talkshow und 16 Jahre lang Leiter von Deutschlands renommiertester Journalistenschule. Er ist Honorarprofessor der Universität Salzburg, Träger des Medienpreises für Sprachkultur der Gesellschaft für deutsche Sprache und des Henri-Nannen-Preises für sein publizistisches Lebenswerk.
Sein großes Thema „Wie geht es mit der Menschheit weiter?“ bewegt ihn seit 61 Jahren:
1958 erschien in der Süddeutschen Zeitung, anläßlich der dritten Menschheitsmilliarde, seine erste Warnung vor der drohenden Überfüllung der Erde – und 1966 sein Leitartikel „Tod dem Verbrennungsmotor“.«

PS:
Für Leser mit ökologisch-nachhaltiger Handlungsbereitschaft, ausgeprägtem Mitwelt-gefühl und konsequenter Selbstverantwortung gibt es jede Menge Bücher, Zeitschriften (z.B. »OYA – enkeltauglich leben«  https://oya-online.de/about/was.html ),  Informations- portale und Organisationen mit aufklärenden und wegweisenden Informationen. Alleine auf meiner Webseite finden sich unter der Kategorie
„Natur &
Ökologie“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/category/natur-okologie/
und „Nachhaltigkeit“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/category/nachhaltigkeit/
sowie „Bienen & Co“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/category/bienen-co/
mehr als 50 Bücher, die naturliebhaberisches, konsumkritisches und kleinwelten- retterisches Wissen und entsprechende praktische Handlungsimpulse vermitteln.

 

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Der Weihnachtskarpfen

  • Text von Rita Törnqvist-Verschuur
  • Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch
  • Illustrationen von Marit Törnqvist
  • Verlag Urachhaus, August 2016  www.urachhaus.com
  • Auflage 2017
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x29,5 cm
  • 32 Seiten
  • 16,00 €
  • ISBN 978-3-8251-7986-1
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

ES  MUSS  NICHT  IMMER  KARPFEN  SEIN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Thomas verbringt die Winterferien bei seinem Großvater in Prag. Die Gesellschaft des Enkels soll dem kürzlich verwitweten Großvater die Festtage erhellen. Am Tag vor Heiligabend wollen die beiden den traditionellen Weihnachtsbaum und den traditio- nellen Weihnachtskarpfen kaufen gehen.

Um des Großvaters Kräfte zu schonen, teilen sie sich diese Aufgaben. Der Großvater will den Baum besorgen, und Thomas wird auf dem Markt einen Karpfen auswählen.

Die lebenden Karpfen werden in großen Wasserbottichen angeboten und Thomas ent-deckt schnell einen Karpfen, der ihm gefällt. Er gibt ihn auch gleich einen Namen und verspricht ihm, daß er in der Badewanne mit Thomas‘ Segelboot schwimmen dürfe. Die Fischhändlerin steckt den lebenden Karpfen in eine Plastiktüte, und Thomas versucht während des Bezahlens zu übersehen, daß ein anderer Kunde lieber einen toten Karpfen kauft und welch blutige Handlung dafür notwendig ist.

Illustration von Marit Törnqvist © Verlag Urachhaus 2016

Eilends macht sich Thomas auf den Heimweg und wässert unterwegs mehrfach seinen Karpfen in der Tüte. Er verläuft sich und muß den Karpfen vor einer Katze, einer Gans, einer Gruppe von Schwänen und einem Hund beschützen. Doch schließlich finden die beiden wohlbehalten zurück.

Illustration von Marit Törnqvist © Verlag Urachhaus 2016

Der Großvater empfängt den Enkel an der Wohnungstür, und sie füllen für den Karpfen die Badewanne mit Wasser. Thomas spielt noch eine Weile mit dem Karpfen, und dann ist Schlafenszeit.

 

Illustration von Marit Törnqvist © Verlag Urachhaus 2016

Am nächsten Tag backt Thomas gemeinsam mit seinem Großvater karpfenförmige Kekse, und sie basteln aus Walnußschalenhälften kleine Kerzenschiffe. Sie lassen die Kerzenschiffchen auch in der Badewanne schwimmen, damit der Karpfen sie sehen kann.

Als der Großvater Thomas schließlich auffordert, eine Stunde draußen zu spielen, ahnt Thomas, was währenddessen geschehen soll, und er fleht deshalb seinen Großvater an, eben dies nicht zu tun.

Der Großvater beruhigt seinen Enkel und schickt ihn gleichwohl für eine Stunde in den Hof zum Spielen. Thomas ist voller Sorge um seinen Karpfen und vergißt darüber sogar seinen Wunschzettel. Schließlich ruft ihn der Großvater zum Abendessen herein, und auf dem Küchentisch steht ein Aquarium mit dem lebenden Karpfen.

Illustration von Marit Törnqvist © Verlag Urachhaus 2016

Thomas ist glücklich und tanzt zusammen mit seinem Großvater ein Freudentänzchen. Sie essen Suppe und Brot, der Großvater entzündet die Kerzen am Weihnachtsbaum, einträchtig musizieren sie gemeinsam und packen dann ihre Geschenke aus. Empathisch lenkt der Großvater Thomas dahin, zu erkennen, was wohl das schönste Geschenk für den Karpfen sei, und so wird der Karpfen am nächsten Tag in die Freiheit, sprich: in die Moldau entlassen.

Rita Törnqvist-Verschuur erzählt in „Der Weihnachtskarpfen“ mit ruhigem, stimmungsvollem Tonfall von weihnachtlicher Vorfreude, inniger fami- liärer Bindung und Vertrautheit, von Mitgefühl, Zugewandtheit und vom Loslassen.

Die schönen Illustrationen (Aquarelle) von Marit Törnqvist ergänzen den Erzähltext harmonisch um eine attraktive architektonische Prager Stadt- kulisse und das gemütliche Interieur der großväterlichen Altbauwohnung. Für die Beziehung zwischen Thomas und seinem Großvater findet sie eine mimisch und körpersprachlich warmherzig-ausdrucksvolle Darstellung.

Thomas geht trotz seines zarten Alters sehr einfühlsam mit seinem alten Großvater um, und der Großvater bricht lieber mit einer Tradition, als das Herz seines Enkelkindes zu brechen. In der herzerwärmenden Unmittel- barkeit des kindlichen Mitgefühls mit einem anderen Geschöpf zeigt sich, wie uns die kindliche Perspektive Gewohnheiten in einem anderen Licht erscheinen lassen können.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.geistesleben.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Der-Weihnachtskarpfen.html

 

Die Autorin:

»Rita Törnqvist-Verschuur wurde 1935 in Amsterdam geboren. Im Alter von 12 Jahren zog sie mit ihrem Vater nach Schweden, wo sie die Landessprache studierte, Astrid Lindgrens Bücher ins Niederländische übersetzte und bald selbst zu schreiben begann. Seit 1971 lebt sie wieder in den Niederlanden.«

Die Illustratorin:

»Marit Törnqvist wurde 1964 in Uppsala, Schweden geboren. Mit fünf Jahren zog sie mit ihrer Familie in die Niederlande. Sie studierte Malerei in Amsterdam und veröffentlichte 1995 ihr erstes Buch. Ihr Name ist untrennbar mit dem Astrid Lindgrens verbunden, deren Bücher sie illustrierte. Marit Törnqvist lebt in Amsterdam und Südschweden.«

 

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Petronella Apfelmus Das Adventskalenderbuch

  • Text von Sabine Städing
  • Illustrationen von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2019 www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • 112 Seiten
  • 10,00 €
  • ISBN 978-3-414-82547-6
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

APFELMUSIGER  WEIHNACHTSVORGESCHMACK

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nicht jeder kann eine sympathische Apfelhexe wie Petronella Apfelmus in seiner un- mittelbaren Nachbarschaft haben. Indes kann sie uns dank des vorliegenden Advents- kalenderbuches zauberhafte Impulse für eine dekorative, rätselraterische, ausma- lerische, gemütliche und schmackhafte Vorweihnachtszeit vermitteln.

Auf vierundzwanzig Doppelseiten, deren vorperforierte rechte Seitenversiegelung sich kinderleicht von Adventskalendertag zu Adventskalendertag öffnen läßt, wird in diesem Buch adventswartezeitverkürzende Unterhaltung und Kinderbeschäftigung geboten.

Aufgewartet wird mit fünf neuen Geschichten, die mit dem aus den Petronella-Apfel- muserzählbänden (siehe die entsprechenden Linkhinweise am Ende dieser Buchbesprech- ung) bereits vertrauten zauberhaften Geschichtenpersonal um das Thema Weihnachts- vorbereitungen und –Überraschungen kreisen. Für Abwechslung sorgen appetitliche Backrezepte (Apfelplätzchen, Lebkuchen-Muffins, Bauernbrot- und Gänsefüßchen- plätzchen …), verhexte Zahlenrätsel, Suchbild-, Labyrinth- und Kreuzworträtsel, Nono- gramme, Ausmalseiten, geheime Runenalphabet-Botschaften, die zu entschlüsseln sind, Bastelanleitungen für ein Daumenkino, ein Naturmobile, ein Eichelhütchen-Memory-Spiel, winterliche Duftsäckchen und Weihnachtskarten …

Das Petronella-Apfelmus-Adventskalenderbuch bietet zauberhaft-verspielte Kinderbe-schäftigung und ebenso sinnlich-genüßliche wie analog-denknüßliche Anregungen. Die augenzwinkernd heiteren Illustrationen von Sabine Büchner geben den menschlichen und märchenhaften Figuren wie immer einfühlsam Gestalt, und sie sparen auch keineswegs mit weihnachtlichen Dekorelementen.

PS:
Ich habe nur eine Kleinigkeit zu kritisieren: Bei der Bastelanleitung für die Weihnachts- karten wird die Verwendung von Sekundenkleber empfohlen – das ist ein Klebstoff, den ich Kinder höchstens unter strengen Sicherheitsvorkehrungen benutzen lassen würde. Wer schon mal das Drama miterlebt hat, wie zwei Kinderfingerchen unfreiwillig durch Sekundenkleber fixiert waren, läßt fürderhin buchstäblich die Finger von diesem Kleber. Ich denke, mit Tapetenkleister oder Papierklebestift läßt es sich gefahrloser kleben und fixieren.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-das-adventskalenderbuch/id_7538903

Querverweis:

Das Adventskalenderbuch läßt sich noch ergänzen durch „Petronella Apfelmus – Mein weihnachtliches Back- und Bastelbuch“, das voriges Jahr erschienen ist: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/06/petronella-apfelmus-mein-weihnachtliches-back-und-bastelbuch/

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

Hier finden Sie zum ersten Band der Erzählreihe von Petronella Apfelmus:
Verhext und festgeklebt
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Hier zum zweiten Band:
Zauberschlaf und Knallfroschchaos
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Zum dritten Band:
Schneeballschlacht und Wichtelstreiche
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Zum vierten Band:
Zauberhut und Bienenstich
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Zum fünften Band:
Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/
Zum sechsten Band:
Schnattergans und Hexenhaus
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/10/30/petronella-apfelmus-band-6/

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Der kleine Prinz Bilderbuch

  • Der kleine Prinz
  • Nacherzählt von Agnès de Lestrade
  • Übersetzt von Anna Taube
  • Illustriert von Valeria Docampo
  • MIXTVISION Verlag, Juli 2019 www.mixtvision.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 56 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-958454-141-2
  • Bilderbuch ab 3 Jahren (laut Verlag)
  • ab 5 Jahren (nach meiner Einschätzung)

K I N D E R G R Ö S S E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Der kleine Prinz“ erlebt eine Form der bibliophilen Reinkarnation, die sich in unter- schiedlichen Nacherzählungen und/oder Fortsetzungen manifestiert. So erschien voriges Jahr eine einfühlsame Fortsetzung dieser Geschichte von Martin Baltscheit „Der kleine Prinz feiert Weihnachten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/12/der-kleine-prinz-feiert-weihnachten/

Die hier nun vorliegende Nacherzählung von Agnès de Lestrade wendet sich an Kinder, denen vorgelesen wird. Die Autorin hat Antoine de Saint-Exupérys Klassiker kindgerecht abgekürzt und vereinfacht, ohne dabei den weiten Herzenshorizont und die emotionale Vielschichtigkeit von Saint-Exupérys Vorlage zu vernachlässigen.

Der kleine Prinz trifft in der Wüste Sahara auf den notgelandeten Piloten. Dieser malt ihm das gewünschte Schaf in einer Holzkiste, und der kleine Prinz berichtet dem Piloten von seiner Reise von Planet zu Planet sowie von den eigenartigen Charakteren, denen er dort begegnet ist. Selbstverständlich wird auch von der kapriziösen Rose erzählt und von der freundschaftlichen Zähmung des Fuchses. Der unvermeidliche Abschieds- schmerz am Ende wird mit dem Trost des himmlischen Sternenfunkelns gelindert.

Illustration von Valeria Docampo © MIXTVISION Verlag 2019

Agnès de Lestrades Erzählton ist behutsam, ja, geradezu zärtlich, und die Illustrationen von Valeria Docampo übersetzen den Text mit sanfter Farbpalette in märchenhafte, verträumte Bilder, die zugleich auch den zwischenzeiligen, lebensphilosophischen und mitmenschlichen Perspektiven verspielten Ausdruck geben.

Illustration von Valeria Docampo © MIXTVISION Verlag 2019

Agnès de Lestrade und Valeria Docampo ist eine kindgemäß-ansprechende und poetische Bilderbuchversion des kleinen Prinzen gelungen. Die Altersempfehlung des Verlages (ab drei Jahren) ist allerdings nicht angemessen, dafür ist die lebensphiloso-phische Substanz zu anspruchsvoll. Im Alter von fünf Jahren – so schätze ich – haben Kinder einen besseren Zugang zu den emotionalen Schattierungen und gedanklichen Tiefen dieser Geschichte.

Mehr als peinlich erscheint mir jedoch, daß in diesem Bilderbuch dem Autor des Originals noch nicht einmal durch Nennung seines Namens die ihm gebührende Achtung und Ehre erwiesen wurde.

PS:
Wie ich soeben vom MIXIVISION-Verlag erfahren habe, ist die fehlende Erwähnung Antoine de Saint-Exupérys ein Versehen, das in der nächsten Auflage korrigiert wird. Also wollen wir bitte mit Nachsicht darüber hinwegsehen – Fehler können geschehen. 😉

Hier entlang zum Buch auf der  Verlagswebseite:

Der kleine Prinz

 

Die Autorin:

»Agnès de Lestrade schreibt Bücher, erfindet Gesellschaftsspiele und dichtet Lieder. Seit ihrem Debüt 2003 erschienen zahlreiche erfolgreiche Bücher in französischer Sprache.«

Die Illustratorin:

»Valeria Docampo findet die Inspiration für ihre Illustrationen im Alltag. Geboren wurde sie in Buenos Aires, Argentinien, wo sie auch ihr Diplom in Grafikdesign machte. Seit 2003 widmet sie sich ganz der Illustration von Kinderbüchern.«

Querverweis:

Hier entlang zum bisher bekanntesten Bilderbuch von Agnès de Lestrade und
Valeria Docampo: „Die große Wörterfabrik“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/08/die-grose-worterfabrik/

Und noch zwei feine Werke aus der bewährten Kooperation von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo:
Der Bär und das Wörterglitzern“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/04/der-baer-und-das-woerterglitzern/
Die Schneiderin des Nebels
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/11/13/die-schneiderin-des-nebels/

Sowie noch ein Weihnachtsmärchenklassiker-Bilderbuch, mit Illustrationen von Valeria Docampo: „Der Nußknacker“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/18/der-nussknacker/

 

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CORVUS 2020

  • Monatskalender
  • Illustrationen von Achim Natzeck
  • Weingarten Verlag, 2019 www.weingarten-kalender.de
  • Format: 30 x 39 cm
  • 14 Blätter
  • Spiralbindung
  • 16,99 € (D/A)
  • ISBN 978-3-8400-7780-7

R A B E N F E D E R N A H

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Corvus ist der lateinische Gattungsoberbegriff für Raben- und Krähenvögel. Für den Corvus-Kalender 2020 hat der Illustrator Achim Natzeck die Würde, Wildheit und geheimnisvolle Gewitztheit der Rabenvögel mit der Tusche- feder aufmerksam eingefangen und gewährt uns dadurch eine anschauliche Betrachtungsnähe.

Nicht umsonst wurde dieser außergewöhnliche Kalender am 16. Oktober 2019 auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels in der Kategorie „Bestes Kunst- und Grafikkonzept“ ausge- zeichnet.

Jedes Monatsblatt zeigt eine andere arttypische Körperhaltung des charakterstarken Vogels. Das Kalendarium wurde abwechslungsreich dem Raumbedarf der jeweiligen Körperhaltung angepaßt und befindet sich manchmal oberhalb, manchmal unterhalb und einmal seitlich der großflächigen Illustrationen.

Illustration von Achim Natzeck © Weingarten Verlag 2019

Vor dem grafisch und farblich dezent zurückhaltenden Hintergrund der Kalendermonatsblätter treten die feinen, naturalistischen Tusche- zeichnungen fast plastisch hervor.

Es ist keineswegs übertrieben zu  behaupten, daß uns in diesem Kalender der Rabe begegnet, wie er leibt und lebt, und seinen unergründlichen Rabenblick auf uns wirft.

Dieser Kalender ist somit das ideale Geschenk und ein beflügelnder Jahresbegleiter für alle Naturliebhaber, Hexen und Zauberer.

 

Hier entlang zum Kalender und zur vollständigen BETRACHTUNGSPROBE auf der Verlagswebseite: https://weingarten-kalender.de/corvus-2020/

Hier entlang zur Webseite des Illustrators Achim Natzeck:
https://www.natzeck-design.de/

Illustration von Achim Natzeck © Weingarten Verlag 2019

 

 

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Der Oktobermann

  • Eine Tobi-Winter-Story
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »The October Man«
  • Deutsch von Christine Blum
  • Deutsche Erstausgabe
  • DTV Verlag, September 2019 www.dtv.de
  • 208 Seiten
  • Kurzroman
  • Krimi mit magischen Elementen
  • 8,95 € (D), 9,20 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21805-4

M A G I S C H E   W E I N L E S E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer mit dem komplexen Hintergrund der siebenbändigen übersinnlichen Krimi-Serie von Ben Aaronovitch noch nicht vertraut ist, möge sich bitte durch die Lektüre meiner Buchbesprechung des ersten Bandes mit der magischen Materie vertraut machen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/

Ben Aaronovitch hat für seine treue deutsche Leserschaft einen magieverdächtigen Kurzkrimi geschrieben, der diesmal nicht in England, sondern in Deutschland spielt. Der deutsche Ermittler und Zauberpolizist heißt Tobias Winter und arbeitet beim KDA, der kriminalistischen Abteilung für „Komplexe und diffuse Angelegenheiten“.

Tobias Winter soll in Trier einem eigenartigen Todesfall auf den Grund gehen und dabei seine kriminalistisch-zauberhaften Spezialkenntnisse und Ermittlungsmethoden anwen-den. Vanessa Sommer, seine örtliche Kollegin von der „normalen“ Polizei, steht ihm hilfreich und ausgesprochen magieaufgeschlossen zur Seite.

Vanessa und Tobias begutachten in der Rechtsmedizin einen Toten, dessen Körper völlig von einem Schlauchpilz überwuchert ist, der im Weinanbau zur Impfung von Weintrau-ben verwendet wird, um die sogenannte Edelfäule anzuregen, die wiederum bei richti- ger Anwendung eine besondere Süße des Weins bewirkt. Menschen werden normaler- weise nicht von „Botrytis cinerea“ befallen, geschweige denn getötet. Es handelt sich eindeutig um einen Mord mit magischer Einflußnahme. Ob die freigelegte Tätowierung auf dem Arm des Opfers, die einen stilisierten Weingott darstellt, ein magischer oder zufälliger Hinweis ist, wird sich im Verlaufe der Fallaufklärung noch zeigen.

Da der Tote am Rande eines Weinbergs gefunden wurde, vernehmen die Ermittler Frau Stracker, die Besitzerin des betroffenen Weinberges. Dabei erfahren sie, daß Frau Strackers Großvater früher alljährlich eine Opfergabe (einige Flaschen Wein) am Flußufer deponiert habe, da er der Überzeugung war, sich solcherart den Segen der Flußgöttin und weitere gute Weinernten zu sichern.

Tobias findet, es sei nun an der Zeit, diese Brauch zu reanimieren, um die Flußgöttin hervorzulocken und sie zu befragen. Nach einigen bezaubernden Treffen mit der recht abweisenden, aber dennoch kooperativen Flußgöttin und ihrem vorwitzigen Nach- wuchs, der aufwendigen Dekontamination eines halben Weinberges, einem weiteren Todesfall sowie  der Verfolgung diverser magischer und menschlicher Spuren erweist sich, daß die Wurzel der aktuellen Probleme in einem halb menschlichen und halb magischen Verbrechen, welches bereits vor Hunderten von Jahren geschah …

„Der Oktobermann“ ist im lockeren, selbstironischen Plauderton, mit leb- haften Dialogen,  phantasievollen Details und süffisanter Kritik an bürokra- tischen Abläufen geschrieben, wie er für Ben Aaronovitch so angenehm bezeichnend ist. Gleichwohl merkt man diesem Kurzroman deutlich an, daß der Autor im deutschen Ambiente nicht wirklich zuhause ist. Es leuchtet beispielsweise nicht ein, wieso er den deutschen Flußgöttinnen (schlag nach bei Wagner) englische Namen gegeben hat, zumal er sich beim restlichen Figurenpersonal durchaus die Mühe gemacht hat, passable deutsche Namen auszuwählen.

Die Geschichte ist trotz des deutlichen Weineinflusses und Weingenusses nicht so flüssig, die Dramaturgie nicht so quecksilbrig und funkensprühend, wie man es aus den vorher-gehenden Romanen gewohnt ist. Die Charaktere bleiben blaß, und dementsprechend schwächelt die potentiell vielver- sprechende Beziehungsdynamik zwischen Tobias und Vanessa. Auch die magischen Sonderermittlungsmethoden wurden schon ausführlicher und aufregender dargestellt; gelegentliche nette Anspielungen (nur für Lese- eingeweihte) auf  Peter Grant und Thomas Nightingale, die in den anderen Bänden der Serie magisch maßgeblich sind, verstärken diese Schwach- stellen eher noch.

„Der Oktobermann“ ist im Vergleich zu  Ben Aaronovitchs Vorgängerro- manen kein raffiniertes Fünf-Gänge-Menü, sondern ein unterhaltsamer, maßvoll spannender, leicht verdaulicher Leseimbiß mit etwas provin- ziellem Nachgeschmack.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-der-oktobermann-21805/

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wuchs in einer politisch engagierten, diskussionsfreudigen Familie in Nordlondon auf. Er hat Drehbücher für viele TV-Serien, darunter „Doctor Who“ geschrieben und als Buchhändler gearbeitet. Seine Urban-Fantsay-Serie „Die Flüsse von London“ ist nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland sensationell erfolgreich und führt regelmäßig die Bestsellerlisten an. Inzwischen widmet sich Ben Aaronovitch ganz dem Schreiben, zur Freude seiner zahlreichen Fans. Er lebt nach wie  vor in London.«

Hier entlang zu den Vorgängerbänden:

Band 1: DIE FLÜSSE VON LONDON
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/21/schwarzer-mond-uber-soho/
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/28/ein-wispern-unter-baker-street/
Band 4: DER BÖSE ORT
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/30/der-bose-ort/
Band 5: FINGERHUT-SOMMER
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/14/fingerhut-sommer/
Band 6: DER GALGEN VON TYBORN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/07/27/der-galgen-von-tyburn/
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/06/10/die-glocke-von-whitechapel/

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:

GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/28/geister-auf-der-metropolitan-line/

Hier entlang zur interessanten und informativen DTV-Webseite zur Peter-Grant-Serie:
https://www.dtv.de/special-ben-aaronovitch-urban-fantasy/startseite/c-184

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Der Kinder Kalender 2020

  • Mit 52 Gedichten und Bildern aus der ganzen Welt
  • Wochenkalender
  • Herausgegeben und ausgewählt
  • von der Internationalen Jugendbibliothek, München www.ijb.de
  • Mehrsprachig
  • Erschienen im Verlag edition momente,  Juni 2019 www.edition-momente.com
  • Graphische Gestaltung von Max Bartholl
  • 60 Blätter
  • 52 vierfarbige Illustrationen
  • Format: 33 x 30,5 cm
  • Spiralbindung
  • 20,00 €, 30,50 sFr.
  • ISBN 978-3-0360-5020-1
  • Für Kinder jeden Alters

POETISCHE  PRISEN  AUS  ALLER  KINDER  LÄNDER

Kalenderbegeisterung von Ulrike Sokul ©

Kindheit ist heutzutage viel zu sehr stundenplanmäßig durchgetaktet; da ist eine verspielte Zeitrechnung in Kindergedichten, wie sie der Kinder Kalen- der aus dem Verlag edition momente bietet, eine wohltuende und bereich- ernde Anregung zum musischen Innehalten, verweilenden Betrachten und lyrischen Hinlauschen, ja, zum buchstäblich poetischen Atemholen.

Die Mitarbeiter der Internationalen Jugendbibliothek* wählen alljährlich aus ihrem umfangreichen internationalen Kinderbuchfundus jene Poeme und die dazugehörigen Originalillustrationen aus, welche dann – ergänzt um die ebenso einfühlsame wie professionelle deutsche Übersetzung – die Kalenderblätter füllen.

Max Bartholl, der Hausgraphiker des Verlags, hat die Originalgedichte und Übersetzungen vor dem Hintergrund der Illustrationen in ein farbharmo- nisches und auch typographisch angenehm korrespondierendes Layout gefügt.

So blättert man mit dem Kinder Kalender Woche für Woche ein neues Land, ein neues Gedicht und ein neues Bild auf. Da die Gedichte stets auch in der Herkunftssprache und -Schrift abgedruckt sind, lassen sich zudem inter- essante, fremde Schriftarten betrachten.

Herzensbildung und Horizonterweiterung gehen bei diesem ausgesprochen vielstimmigen Kalender Hand in Hand.

Der abwechslungsreichen Vielfalt der Länder und Sprachen entsprechen die Vielfalt der Gedichtformen, Themen und Gefühlsstimmungen sowie die farbenfrohe Variationsbreite der Illustrationsstile. Es gibt lange und kurze Poeme, gereimte und ungereimte, einfache und komplexe, lautmalerische und wortverspielte, geheimnisvolle und offensichtliche, lustige und philoso-phische sowie schelmische und zärtliche. Zur Sprache kommen Tag und Nacht, Stadt und Land, Natur und Technik, alle Jahreszeiten und viele Tiere, Musik und Vogelstimmen, Phantasie und Wirklichkeit, Zeit und Raum, ein Traumschmetterling, eine Baumliste und ein Blätterkonzert, Weltneugier und Lebensfreude sowie eine amüsante Faulpelzwoche …

Als animierende Zugabe gibt es zudem ein freigebliebenes Kalenderblatt, das die Kinder selber „bedichten“ und bemalen können. Dieses selbstge- staltete Kalenderblatt kann bis zum 1. Dezember 2020 an die Internatio- nale Kinderbibliothek gesandt werden, welche die fünf schönsten Blätter auswählt und mit einem Kinder Kalender 2021 belohnt. Daß die Kinder- bibliothek jedes Jahr Hunderte von Einsendungen bekommt, zeigt eine erfreuliche poetisch-kreative Ansprechbarkeit der kindlichen Kalender- nutzer.

Dieser Kalender bietet Eltern und Kindern eine anschauliche und vorles- bare facettenreiche Lebensgeschmacksvielfalt, die durchaus dazu einlädt, gelegentlich ein Gedicht in den Mund zu nehmen und weiterzusagen.

In Hinsicht auf eine nachhaltige Kalenderverwendung nach Jahresablauf bietet es sich zudem ganz praktisch an, die Kalenderblätter, die man sich nicht selber aufbewahren oder – vielleicht sogar gerahmt – an die Wand hängen möchte,  später als Bastel-, Geschenk- oder Briefpapier weiterzu- verwerten.

Da er die kindliche Sprachentwicklung fördere, wurde der Kinder Kalender 2020 aus dem Verlag edition momente am 16. Oktober 2019 auf der Frank- furter Buchmesse mit dem Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels in der Kategorie „Bester Nutzwert“ ausgezeichnet. Dies erscheint mir wohlverdient!

 

Hier entlang zum Kalender und zur Blätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.edition-momente.com/kalender/der-kinder-kalender-2020.html

 

* »Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg in München hat, ist die weltweit größte und renommierteste Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von der deutsch-jüdischen Emigrantin Jella Lepman gegründet, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, mit Kinderbüchern Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen. Bücher sollten die Fantasie der deutschen Nachkriegskinder anregen und ihnen eine offene Weltsicht vermitteln.
Die Idee des interkulturellen Dialogs und die Liebe zu guter Literatur bestimmen seit mehr als 60 Jahren die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist ein Ort, an dem die Literaturvermittlung einen hohen Stellenwert hat und an dem mit Kindern und Erwachsenen der Diskurs über Bücher, Autoren, Illustratoren und Themen gesucht wird
.«  Weitere Informationen:  http://www.ijb.de

Wer Mitglied im »Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek« wird, der bekommt u.a. im ersten Jahr den Kinder Kalender als Begrüßungsgeschenk. http://www.ijb.de/ueber-uns/freundeskreis.html

Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Verlag edition momente außer dem hier besprochenen Kinder Kalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert:

Der Jazz Kalender 2020
Mit Texten von Roger Willemsen
https://www.edition-momente.com/kalender/der-jazz-kalender-2020.html

Der literarische Küchenkalender 2020
Mit Texten, Rezepten & Bildern

Herausgegeben von Sybil Gräfin Schönfeldt
https://www.edition-momente.com/kalender/der-literarische-kuechenkalender-2020.html

Der Literatur Kalender 2020
Vom Glück und Leid des Seins
Mit Texten und Bildern aus der Weltliteratur

Herausgegeben von Elisabeth Raabe
https://www.edition-momente.com/kalender/der-literatur-kalender-2020.html

Der Musik Kalender 2020
Beethoven und ich
https://www.edition-momente.com/kalender/der-musik-kalender-2020.html

Hier entlang zur unwiderstehlichen, stilvollen und amüsant-informativen Kalenderrezension von Maestro Random Randomsen, die neben sprachlicher Eloquenz  auch noch mit abwechslungs- reichen Beethoven-Hörkostproben aufwartet.
https://randomrandomsen.wordpress.com/2019/12/01/eine-runde-sache-zum-runden-geburtstag/

 

 

 

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Der Literatur Kalender 2020

  • Vom Glück und Leid des Seins
  • Texte und Bilder aus der Weltliteratur
  • Herausgegeben von Elisabeth Raabe
  • Gestaltet von Max Bartholl
  • Wochenkalender
  • Verlag edition momente, Juni 2019 www.edition-momente.com
  • 60 Blätter
  • 55 Fotos und Abbildungen
  • Format: 32,5 x 24 cm
  • Spiralbindung
  • 22,00 €, 33,50 sFr.
  • ISBN 978-3-0360-2020-4

© 2019 edition momente GmbH, Raabe + Vitali, Zürich-Hamburg

G E M I S C H T E   G E F Ü H L E

Kalenderbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Das Glück ist wie das Licht, es braucht den Schatten des Leides!“dieses Zitat aus dem Roman „Mein innerer Elvis“ von Jana Scheerer könnte als Geleitwort für den Literatur Kalender 2020 stehen.

Der Literatur Kalender zeigt und zitiert ebenso weltberühmte wie nischenbekannte und auch ganz in Vergessenheit geratene Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus aller Welt. Jede Woche haben wir so die anregende Gelegenheit, neue literarische Bekannt- schaften zu machen und alte Bekanntschaften aufzufrischen.

Unter dem Jahresmotto für 2020 „Vom Glück und Leid des Seins“ beklagt Umberto Eco den Abschiedsschmerz, der ihm jeder vollendete Roman bereitet, Rudolf Borchardt schwärmt vom Garten und vom Gärtnern, der afroamerikanische Lyriker Langston Hughes besingt mit seinem berühmten Poem „I, too, sing America“ seine Vision der Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß, die Lyrikerin Maya Angelou würdigt den Wert und Trostgehalt afroafrikanischer Dichtung, Anna Achmatowa läßt abgeklärt den Abendsonnenschein erklingen, Sophie Mereau schreibt einen von Mut beschwingten Liebesbrief an Clemens Brentano, Amos Oz ist freudetrunken, weil sein literarisches Vorbild – Samuel Agnon – ihn in einem Brief ausdrücklich gelobt hat, Franz Werfel trauert schöpferisch um seine verstorbene Stieftochter, Boris Pasternak weint in schönen Worten um den Tod seines Dichterfreundes Paolo Jaschwili, Leonard Cohen erinnert sich dankbar daran, wie er durch die Lektüre der Gedichte García Lorcas zu seiner eigenen Stimme fand, Susan Sontag appelliert daran, daß Mitgefühl auch zu Erkenntnis und Verantwortung führen muß, der türkische Satiriker Aziz Nesin gibt seiner frühverstorbenen Mutter ebenso innig-liebevoll wie anklagend-gesellschafts- kritisch die Ehre und Jorge Luis Borges preist angesichts der Höhen und Tiefen des Lebens den Gleichmut …

© 2019 edition momente GmbH, Raabe + Vitali, Zürich-Hamburg

Die Zitate stammen überwiegend aus Autobiographien, Briefen, Essays, Reden und Tage-büchern. Kurze ergänzende Anmerkungen stellen das Zitat in den entsprechenden bio- graphischen oder publikatorischen Zusammenhang. Am Kalenderende finden sich in namensalphabetischer Reihenfolge weitere kurzbiographische Hinweise und Querver- weise.

Ausgesucht ausdrucksvolle, charakterstarke Fotos, gelegentlich auch Ge- mälde, Stiche oder Zeichnungen, die gewohnt ausgewogene, stilsichere graphische Gestaltung durch Max Bartholl und die einfühlsame, informa- tive Korrespondenz zwischen Zitaten und erläuternden Begleittexten der Herausgeberin Elisabeth Raabe servieren Woche für Woche ein attraktives literarisches Amuse-Gueule, das gewiß den Appetit auf die eine oder andere Vertiefung durch Buchlektüre weckt.

Der Literatur Kalender ist zudem als kultiviertes Gegengewicht zu der zwanghaft-neophilen Rezeption des Buchmarkts gut geeignet. Hier finden sich bekannte und unbekannte Größen und so manches Gesicht und Werk, die es verdient haben, dem Vergessen entrissen zu werden.

 

Hier entlang zum Kalender nebst vorköstlicher Blättermöglichkeit auf der Verlagswebseite: https://www.edition-momente.com/kalender/der-literatur-kalender-2020.html

 

© 2019 edition momente GmbH, Raabe + Vitali, Zürich-Hamburg

Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Verlag edition momente außer dem hier besprochenen Literatur Kalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert:

Der Jazz Kalender 2020
Mit Texten von Roger Willemsen
https://www.edition-momente.com/kalender/der-jazz-kalender-2020.html

Der literarische Küchenkalender 2020
Mit Texten, Rezepten & Bildern

Herausgegeben von Sybil Gräfin Schönfeldt
https://www.edition-momente.com/kalender/der-literarische-kuechenkalender-2020.html

Der Kinder Kalender 2020  (meine Besprechung folgt in einigen Tagen)
Mit 52 Gedichten und Bildern aus aller Welt

Mehrsprachig
Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek München
https://www.edition-momente.com/kalender/der-kinder-kalender-2020.html

Der Musik Kalender 2020
Beethoven und ich
https://www.edition-momente.com/kalender/der-musik-kalender-2020.html

Hier entlang zur unwiderstehlichen, stilvollen und amüsant-informativen Kalenderrezension von Maestro Random Randomsen, die neben sprachlicher Eloquenz auch noch mit abwechslungs- reichen Beethoven-Hörkostproben aufwartet.
https://randomrandomsen.wordpress.com/2019/12/01/eine-runde-sache-zum-runden-geburtstag/

 

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Der Sprung

  • von Simone Lappert
  • Roman
  • Diogenes Verlag, August 2019 www.diogenes.ch
  • in Leinen gebunden
  • 336 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A), 30,00 sFr.
  • ISBN 978-3-257-07074-3

K O N S T E L L A T I O N E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit dem Roman „Der Sprung“ hat Simone Lappert eine spannende und vielschichtige Choreographie des Schicksals geschrieben, die von sensibler Beobachtungsgabe für vielsaitige zwischenmenschliche Schattierungen und Lebenswelten zeugt.

Wenn eine junge Frau in Gärtnerlatzhose, die eindeutig kein Dachdecker ist, auf einem Dach steht und dort herumbalanciert, scheint die Vermutung naheliegend, daß es sich um eine suizidgefährdete Person handelt. Dementsprechend fällt das Polizeiaufgebot aus, von der Feuerwehr wird prophylaktisch ein Sprungkissen aufgepumpt, und die ersten schamlosen Schaulustigen versammeln sich entlang der Polizeiabsperrungen vor dem Haus. Einige Gaffer filmen rücksichtlos mit ihren Handykameras drauflos und son- dern blöde, herzlose und sensationsgierige Sprüche ab. Kaum jemand kommt auf die Idee, daß hier vielleicht ein fatales Mißverständnis vorliegt.

Als Leser schauen wir im weiteren Verlauf aus abwechslungsreichen Persönlichkeitsper-spektiven verschiedener Angehöriger, Anwohner und Passanten auf diese Situation. Streiflichternd und gleichwohl mit präziser Charakterzeichnung umkreisen Menschen, die nah, ganz entfernt oder nur indirekt mit der jungen Frau in Beziehung stehen, den Schauplatz.

Da ist Roswitha, die ein kleines Café betreibt. Sie ist berühmt für ihre frischen Schnitt-lauchschnittchen, und mit ihrer großzügigen, herzhaften, lebenserprobten und unkon- ventionellen Wesensart serviert sie so manchem Gast heilsame Impulse zum Nachtisch.

Egon Moosbach, der vegetarische Hutmacher, ist Stammgast bei Roswitha. Er ver- schenkt einen Hut aus seiner letzten Kollektion an den Fahrradkurier Finn und löst damit unverhofft eine Reihe glücklicher Fügungen für sich und andere aus.

Da sind Theres und Werner, die einen kleinen Lebensmittelladen betreiben und durch den Medienrummel und die vielen Gaffer soviel Umsatz machen wie schon lange nicht mehr. Dies führt auch zu einem deutlichen Aufschwung ihrer Lebenszuversicht.

Finn, der Fahrradkurier, ist zunächst nur genervt wegen der Straßenabsperrungen und wegen des Zeitverlusts, den diese für seinen dringenden Botenauftrag bedeuten. Doch dann schaut er wie die anderen Schaulustigen zum Dach hinauf und erkennt, wer dort oben steht – unmittelbar wird er vom unbeteiligten Beobachter zum zutiefst Betroffenen.

Felix, der Polizist, der vom Dachfenster aus vergeblich versucht, die junge Frau über ein therapeutisches Gespräch zum Zurückklettern ins Haus zu bewegen, kämpft mit seinen eigenen inneren Dämonen, die – ausgelöst durch seinen Aufenthalt auf dem staubigen Dachboden – seine Souveränität und seine kommunikative Kompetenz erschüttern.

Astrid, die ehrgeizige ältere Schwester der jungen Frau, erweist sich angesichts der dramatischen öffentlichen „Inszenierung“ als unerhört feige und hilflos.

Maren, die Besitzerin des Hauses, auf dessen Dach das Spektakel stattfindet, ist zur Genüge mit ihrem frisch geschlüpften Freiheitsdrang beschäftigt, und auch die Schülerin Winnie und Edna, die Nachbarin, die als erste die Polizei alarmiert hat, sind mit ihren eigenen Problemen ausgelastet.

Alle diese Menschen reagieren auf das Ereignis, bewerten und kommentieren es mehr oder weniger empathisch aus ihrer eigenen Befindlichkeit heraus.

Als meditativer Gegenpol erscheint der naturkundige, sympathische, weise Obdachlose Henry, der aus seinem Bauchladen für zwei Euro kleine Zettel mit klugen selbstverfaß- ten Fragen, die das Leben verändern können, an willige Passanten verkauft. Nachfol- gend eine Kostprobe:

„Wenn Sie einen Tag aus Ihrem bisherigen Leben wiederholen könnten, für welchen würden Sie sich entscheiden und warum?“  (Seite 234)

Die Komposition dieses außergewöhnlichen Romans ist detailliert durch- dacht, komplex verknüpft und empfindsam durchfühlt. Wie sich die Wege der Figuren kreuzen, manchmal verbinden, manchmal trennen, manchmal nur beiläufig streifen, wie ihre Erinnerungen, Gedanken, Selbstwahr- nehmungen, Gespräche und Handlungen sich freiwillig oder unfreiwillig, absichtlich oder unabsichtlich mitwirkend ins Geschehen fügen – das ist sehr beeindruckend.

Dabei verleiht die Autorin mit bewundernswerter sprachlicher Unge- zwungenheit und anschmiegsamer Formulierungskunst jeder Figur einen unverwechselbaren charakteristischen Tonfall und einen greifbar-sinn- lichen atmenden Körper. So kommen unterschiedliche soziale Milieus, Altersstufen und psychologische Klippen ebenso zu Wort wie scharfsinnige – durch das jeweilige Persönlichkeitsprisma gebündelte – zeitgeist- und gesellschaftskritische Bemerkungen.

Die schönen und die schrecklichen Augenblicke, die lauten und die leisen Stimmen, die Reibungen zwischen Innenwelt und Außenwelt, die lösbaren und die unlösbaren Verstrickungen, die aufkeimenden und welkenden Hoffnungen, die Selbsterkenntniswendepunkte und neuen Lebensweichen- stellungen der verschiedenen Figuren bilden ein faszinierend changierendes literarisches Episodenmosaik.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/simone-lappert/der-sprung-9783257070743.html

Und hier entlang zu einem aussagekräftigen Interview mit der Autorin:
https://www.diogenes.ch/leser/blog/2019/08/simone-lappert-der-sprung-interview.html

Eine weitere begeisterte Buchbesprechung gibt es bei „Feiner reiner Buchstoff“ von Bri:
https://feinerbuchstoff.wordpress.com/2019/08/29/von-aussen-sieht-manches-anders-aus/

Die Autorin:

»Simone Lappert, geboren 1985 in Aarau in der Schweiz, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Mit ihrem Debütroman ›Wurfschatten‹ stand sie auf der Shortlist des ›aspekte‹-Preises. Sie ist Präsidentin des Internationalen Lyrikfestivals Basel und Schweizer Kuratorin für das Lyrikprojekt ›Babelsprech.International‹. 2019 erschien der Roman ›Der Sprung‹, der für den Schweizer Buchpreis nominiert ist. Sie lebt und arbeitet in Basel und Zürich.«  https://www.simonelappert.com/

 

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Petronella Apfelmus, Band 6

  • Schnattergans und Hexenhaus
  • von Sabine Städing
  • illustriert von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2018  www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 13,00 €
  • ISBN 978-3-414-82514-8
  • Kinderbuch ab 8 Jahren zum Selberlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen

MILCHSTRASSENSTREUSEL  &  HEIDELBÄREN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Zwillinge Lea und Luis Kuchenbrand haben ein zauberhaftes Geheimnis; seit sie mit ihren Eltern in das alte Müllerhaus mit dem schönen halbverwilderten Garten gezogen sind, pflegen sie eine außergewöhnliche Freundschaft mit Petronella Apfelmus, der Hüterin der alten Apfelbäume. (Siehe meine Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/ )

Die Eltern halten Petronella für eine etwas schrullige Nachbarin; nur die Kinder wissen, daß Petronella eine Apfelhexe ist. Gerne besuchen sie Petronella und ihren Freund und Mitbewohner, den Hirschkäfer Lucius, in ihrem Wohnapfel. Mit Hilfe von Petronellas magischer Strickleiter wird man nämlich beim Hinaufklettern immer kleiner und paßt schließlich bequem in einen Apfelinnenraum, und beim Hinabklettern wächst man wieder in seine normale Größe zurück. Außerdem sind sie auch vertraut mit den kleinen ebenso fleißigen wie eigenwilligen Apfelmännchen, die Petronella bei der Pflege des großen Gartens helfen.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Im vorliegenden Band berichten Lea und Luis Petronella freudestrahlend, daß sie in den Sommerferien Urlaub auf einem Bauernhof in der Heide machen werden. Da es schon bald losgeht, bitten sie Petronella, sich während ihrer Abwesenheit um ihre kleine Hühnerschar zu kümmern. Dies ist für Petronella eine leichte Übung, zumal sie mit allen Tieren sprechen kann. Für die Reise gibt sie den Kindern Milchstraßenstreusel mit, damit sie bei Bedarf den schnellsten Weg zur nächstgelegenen Hexe finden. Denn wie es der Zufall will, wohnt Petronellas Cousine Erika, raffiniert versteckt, in einem Hexen- häuschen in der Heide.

Lea und Luis fühlen sich auf dem Bauernhof schnell heimisch. Lea begeistert sich für die vielen Tiere und freundet sich besonders mit den beiden zutraulichen Gänsen Frida und Fritz an. Luis hofft, daß er einmal auf dem Traktor mitfahren darf, und der freundliche Sohn von Bauer Erdmann will dies für ihn arrangieren.

Alles wäre wunderbar, wenn da nicht die Ferienwohnungsnachbarn, die Familie Brumm-mund mit ihren beiden sehr nervigen Kindern, wären. Schon kurz nach der Ankunft auf dem Bauernhof machen Lea und Luis unangenehme Bekanntschaft mit Rita und Knut Brummmund, die nicht nur gerne andere Kinder ärgern, sondern sich auch bei den Tieren rücksichtslos austoben – wobei zu erwähnen ist, daß sich Lea und Luis durchaus zu wehren wissen.

Petronella kämpft derweil ihre eigenen Kämpfchen aus, denn sie hat für einige schwere-re Gartenarbeiten einen Gartenzwerg engagiert, und es bedarf einiger diplomatischer Verhandlungen, bis die dramatischen Mißverständnisse und unterschiedlichen gärt- nerischen Auffassungen zwischen Apfelmännchen und Zwerg harmonisiert sind.

Die Bauernhof-Feriengäste nehmen an einer typischen Heidekutschfahrt teil und pflücken bei dieser Gelegenheit an der Rast- und Picknickstelle eifrig Heidelbeeren. Rita und Knut spielen mit einem Brennglas und entfachen auf dem trockenen Waldboden ein Feuer, das mit den vereinten Kräften der Familie Kuchenbrand und der Kutscher gerade noch gelöscht werden kann. Lea und Luis sind empört, zumal die kleinen Brandstifter trotz der elterlichen Strafpredigt keineswegs Reue erkennen lassen.

Nach der Rückkehr zum Bauernhof beäugt Lea mißtrauisch das weitere Verhalten der nachbarlichen Quälgeister. Alle haben in diversen Gefäßen Heidelbeeren mitgebracht, und die Quälgeist-Geschwister haben u.a. eine kleine Bonbondose mit Heidelbeeren auf ihrer Terrasse liegengelassen. Lea bemerkt, daß sich diese Dose bewegt. Als sie heimlich mit Hilfe ihres wohlweislich mitgebrachten Feensteins in diese Dose schaut, zeigt sich ihr ein kleines dickliches, blaues Wesen. Gemeinsam mit Luis beschließt sie, daß nun guter Hexenrat gefragt ist.

In der Nacht finden die Kinder dank Petronellas Milchstraßenstreusel auf geheimnis- vollen Pfaden Cousine Erika, und diese verhilft den Kindern zu einem informativen, zauberhaft kabellosen Telefongespräch mit Petronella. So erfahren sie, daß ein echter Heidelbär also ein Heidelbeeren-Pflanzenschutzgeist in die Sammeldose geraten ist. Nun müssen Lea und Luis einen Plan aushecken, um diesen Heidelbären zu retten.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Da die schrecklichen Feriennachbarn mit den Vorbereitungen für ihre Abreise sehr abge-lenkt sind, gelingt es Lea und Luis, die Dose mit dem Heidelbären zu entwenden. Doch kurz vor der Abfahrt kaufen die Brummmunds zwei Gänse vom Hof, die Herr Brumm-mund für seine Jubiläumsfeier als Gänsebraten haben möchte. Ausgerechnet Rita und Knut dürfen diese Gänse auswählen, und sie entscheiden sich hämisch für die beiden Gänse, mit denen sich Lea und Luis angefreundet haben.

Doch da haben die Fieslinge die Rechnung ohne Petronella Apfelmus gemacht, deren hexenbesengeschwinde Interventionen ebenso den Heidelbären wieder zu seinen Heidelbeersträuchern expediert, wie sie die Gänse dazu überredet, zum Müllerhaus und zum dazugehörigen Mühlteich zu fliegen, um dem Schicksal als Gänsebraten erfolgreich zu entfleuchen.

Als die Kuchenbrands gut erholt aus dem Urlaub zurückkehren, staunen die Eltern über die beiden Gänse, die sich in ihrem Garten niedergelassen haben, und Lea und Luis freuen sich mitwisserisch und dankbar über dieses lebendige Andenken an ihren Urlaub auf dem Bauernhof.

Die Autorin Sabine Städing erzählt auch den sechsten Band von Petronella Apfelmus in leichtem, heiterem Tonfall mit spielerischem Tiefsinn, an- schaulicher Dramaturgie und großer Warmherzigkeit. Phantasievolle Details und lustige gereimte Zaubersprüche runden das Lese- und Vorlesevergnügen apfelmusisch ab.

Die knuffigen Schwarz-weiß-Illustrationen von Sabine Büchner greifen den heiteren Tonfall auf und übertragen ihn in spannende und märchenhafte Szenerien mit detailgetreuen amüsanten Charakterzeichnungen.

Beiläufig vermittelt jedes Petronella-Abenteuer zudem Achtsamkeit und Respekt für die Natur und ihre sichtbaren und unsichtbaren Gaben. Alle Probleme werden mit kommunikativer Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Zivilcourage sowie einigen Prisen magischer Nachhilfe gemeistert.

Die Petronella-Apfelmus-Buchreihe ist einfach buchstäblich und illustra- torisch apfelrundherum gelungen und vermittelt Kindern zauberhaft-vergnügliche, naturverbundene und lebenswertvolle Herzensbildung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_6434114

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-schnattergans-und-hexenhaus/id_6434174

 

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Hier finden Sie zum ersten Band von Petronella Apfelmus:
Verhext und festgeklebt

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Hier zum zweiten Band:
Zauberschlaf und Knallfroschchaos

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Zum dritten Band:
Schneeballschlacht und Wichtelstreiche

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Zum vierten Band:
Zauberhut und Bienenstich

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Zum fünften Band:
Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/

Sowie zum apfelmusigen weihnachtlichen Back- und Bastelbuch mit Petronella:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/06/petronella-apfelmus-mein-weihnachtliches-back-und-bastelbuch/

 

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

 

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