Der lange Atem der Bäume

  • Wie Bäume lernen, mit dem Klimawandel umzugehen –
  • und warum der Wald uns retten wird,
  • wenn wir es zulassen
  • von Peter Wohlleben
  • LUDWIG Verlag, Juli 2021 http://www.ludwig-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Format: 12,5 x 20 cm
  • 256 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A), 30,90 sFr.
  • ISBN 978-3-453-28094-6
Der lange Atem der Baeume von Peter Wohlleben

Der lange Atem der Baeume von Peter Wohlleben

WILDNISWÄLDER  WACHSEN  LASSEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bäume und Wälder spielen eine Schlüsselrolle für das Weltklima und für das lokale Klima. Die beste Klimaleistung hinsichtlich intakter Bodenporen und Wasserspeicher- kapazität sowie Co₂-Speicherung, Luftfilterung, Regenregulierung und Verdunstungs- kühlung bieten Urwälder, in die der Mensch sich so wenig wie nur möglich einmischt.

Laubwälder mit einheimischen Buchen und Eichen, die zudem noch ein natürliches hohes Alter erwachsen dürfen, wirken ebenfalls ausgleichend und wasserhaushalterisch und kommen mit gestiegenen Temperaturen und längeren Trockenphasen besser zurecht als etwa Nadelbaummonokulturen.

Der deutsche Wald verfügt jedoch nur in geringem Umfange über natürlich gewachsen- en Baumbestand. Der Großteil unserer Wälder besteht aus Baumplantagen mit nicht standortgemäßen Nadelbäumen (Fichten und Kiefern), die in Hinsicht auf schnellen Holzertrag angelegt werden und die inzwischen nach mehreren sehr trockenen Sommern massenhaft absterben. Tonnenschwere Erntemaschinen beschleunigen die Holzfällarbeit, aber sie zerstören nachhaltig die Bodenporen, der Boden verdichtet sich und verliert dauerhaft die Fähigkeit zur Wasserspeicherung. 

Als Ausgleich für die Nadelholzverluste durch Trockenschäden wird nun vermehrt in den letzten Restbeständen der alten Laubwälder Holz eingeschlagen. So stirbt der Wald gleich zweimal.

Dabei sind gerade die alten Laubbäume wesentlich anpassungsfähiger und im Vergleich zu den Bäumen aus monokultureller Massenbaumhaltung auch genetisch vielfältiger. Bäume können sich an Veränderungen hinsichtlich Trockenheit und Temperatur an- passen und ihre Lebenserfahrung und ihr Anpassungsverhalten an die nächste Gene-ration weitergeben. Da keimt die berechtigte Hoffnung, daß die Natur sich sehr gut selbst zu helfen weiß, wenn der Mensch sie nicht durch schädliche Eingriffe daran hindert.

Eindringlich schildert Peter Wohlleben, wie überlebenswichtig der Erhalt der noch vor-handenen alten Laubwälder und ihrer komplexen Lebenskreisläufe ist. Zudem ist die Kohlenstoffspeicherleistung des Waldbodens in Wäldern mit alten Bäumen wesentlich größer als ins Plantagen mit kurzlebigen Bäumen.

Die Suche nach Baumsorten aus trockeneren Weltgegenden, die dann wieder unheimisch hier in Plantagen gepflanzt werden, ist keine nachhaltige Lösung. Auch wenn medienwirksame Baumpflanzaktionen wie beispielsweise mit Douglasien vordergründig als klimaaktivistischer Naturschutz erscheinen.

Anschaulich listet Peter Wohlleben die tradierten Fehler der konventionellen Forstwirt-schaft auf, beklagt naturschädliche Fördergeldvergaben, die nicht verpflichtend und kontrolliert an nachhaltige Umweltstandards gebunden sind, und berichtet von wissen-schaftslobbyistischen Manipulationen, die ausgerechnet Baumfällungen und Holzver-feuerung als klimafreundlich und Co₂-neutral darstellen.

Peter Wohlleben plädiert durchaus für mehr Aufforstungen, aber nach naturverträg- lichen Kriterien. So regt er beispielsweise eine natürliche Wiederbewaldung ohne menschliche Beeinflussung an und die Verbreitung von Agroforstsystemen, in denen Bäume und Nutzpflanzen gemeinsam wachsen. Außerdem plant er gemeinsam mit Professor Pierre Ibisch die Einrichtung eines neuen Studiengangs „Ökologische Waldbewirtschaftung“.

Auch auf das Thema Fleischproduktion und den damit einhergehenden Flächenbedarf geht der Autor ein und empfiehlt eine generelle Reduktion des Fleischkonsums. Als Hilfe beim Ausstieg aus der industriellen Massentierhaltung, könnte man Landwirten, die einen Teil ihrer Flächen wieder zu Wald werden lassen, pro Hektar und Jahr einen finan- ziellen Ausgleich bieten, der ein besseres Einkommen generiert als der krankhafte Preis- wettbewerb um Billigfleisch. So könnte der Landwirt gewissermaßen auf Klimawirt umschulen.

Ein möglichst naturbelassener Wald ist die beste und erprobteste Klimaanlage. Und selbst ein einzelner Baum – gerne auch ein Obstbaum -, den Sie in Ihrem Garten wach- sen lassen, beeinflußt das lokale Klima positiv, und besonders in der Stadt würden deutlich mehr Straßengrün und Alleen einen wertvollen Beitrag zur Abkühlung, zum Wasserhaushalt und zur Artenvielfalt leisten.

Kurz gesagt: Waldschutz muß vor Holznutzung stehen! Und wir müssen wesentlich mehr Bäume ihr von der Natur vorgesehenes Alter von bis zu mehreren Jahrhunderten erreichen lassen!

„Wir müssen den Nutzungsdruck auf die Natur senken, müssen den Wald verstärkt sich selbst überlassen und sowohl Forstwirtschaft als auch Jagd zurücknehmen.“ (Seite 141)

Peter Wohlleben kritisiert sehr deutlich die aktuellen politischen Fehlsteuerungen und richtet einen ebenso deutlichen Appell an die Politik, neue wissenschaftliche Erkennt- nisse zur ökologischen Waldbewirtschaftung und der Selbstheilungskompetenz der Natur nicht mehr zu ignorieren oder gar als evidenzlos zu diffamieren. Leider fehlt an dieser Stelle eine kritische Auseinandersetzung mit dem massiven Flächenverbrauch durch Windkraftanlagen.

Der Autor versteht es, eine beachtliche Wertschätzung für die Natur zu vermitteln. Auch sein neuestes Buch bietet wieder eine ebenso einprägsame wie faszinierende Kombina-tion aus fundiertem Fachwissen, praktischer Erfahrung und lebhaftem Naturschutz- engagement sowie einfühlsamer und achtsamer Beziehung zur Natur. Das ist ökolo- gische Bewußtseinsbildung mit Herz und Verstand. So kann man Menschen aufklären, sensibilisieren und aktivieren und sie hoffnungsvoll mit dem Atem der Bäume verbinden.

Hier entlang zum BUCH und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Der-lange-Atem-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e515831.rhd

Und wer den akustischen Weg der Auditüre bevorzugt, kann sich mit der ungekürzten Hörbuchfassung, gelesen von Peter Kaempfe, beschäftigen. Hier entlang zum HÖRBUCH und zur HÖRPROBE:
https://www.penguinrandomhouse.de/Hoerbuch/Der-lange-Atem-der-Baeume/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e595235.rhd

PS:
Nur eine sprachstilistische Angelegenheit habe ich zu kritisieren: Wenig amüsiert haben mich die vorgeblich geschlechtergerechten Formulierungen etwa die zwar modische, aber sprachlich falsche Benutzung des Partizips Präsenz. Da wimmelt es im Text leider von Waldbesitzenden, Forschenden und Studierenden. Diesen Gerechtigkeits-Etiketten- schwindel nenne ich Buchstabenverschwendung ohne sozialen Mehrwert.

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstver- waltung. Heute arbeitet er in der von ihm gegründeten Waldakademie in der Eifel und setzt sich weltweit für die Rückkehr der Urwälder ein. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Mit seinen Bestsellern „Das geheime Leben der Bäume“, „Das Seelenleben der Tiere“, „Das geheime Netzwerk der Natur“ und „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“« hat er Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Seit 2019 erscheint das Magazin „Wohllebens Welt“. Für seine emotionale und unkonventionelle Wissensvermittlung wurde ihm 2019 die Bayerische Naturschutzmedaille verliehen. 350.000 Menschen sahen im Kino den 2020 erschienenen Film zum gleichnamigen Buch „Das geheime Leben der Bäume“.« https://www.wohllebens-waldakademie.de/

Querverweis zu fünf weiteren wissenswerten Werken von Peter Wohlleben:

Das geheime Band zwischen Mensch und Natur
Das geheime Band zwischen Mensch und Natur

Das geheime Leben der Bäume  Das geheime Leben der Bäume
Das geheime Netzwerk der Natur Das geheime Netzwerk der Natur
Die Geheimnisse der Natur  Geheimnisse der Natur
Das Seelenleben der Tiere  Das Seelenleben der Tiere

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Sternflüstern

  • Die Geschichte eines Neuanfangs
  • von Paula Carlin
  • Roman
  • Diederichs Verlag, August 2021 www.diederichs-verlag.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • 288 Seiten
  • Format: 12,5 x 20,0 cm
  • 18,00 € (D), 18,59 € (A), 25,90 sFr.
  • ISBN 978-3-424-35116-3

Sternflüstern

MOSAIKSTÜCKE UND LICHTBLICKE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Irith arbeitet am Empfang eines kleinen Hotels in Berlin. Da sie über eine ausgeprägte künstlerische Ader verfügt, hat sie auch an der innenarchitektonischen Ausstattung der Hotelräume mitgewirkt. Gerald, der Inhaber und Direktor des Hotels, schätzt die kleinen Mosaiken und Collagen, die Irith aus allen möglichen Resten, Scherben und Naturfund-stücken gestaltet. Deshalb bittet er Irith, für die Wand der Hotelempfangshalle ein großes Mosaik zu kreieren. Dafür solle sie mit den von ihr bevorzugten Materialien arbeiten, außerdem mit den gesammelten Überbleibseln der Hotelgäste: Bonbon- papierchen, Eintrittskarten, Filmrollen, Knöpfe, Haarklammern, Schlüssel, Stadtplan- fetzen, Münzen usw…

Doch Irith ist noch von der schmerzlichen Trauer um den Verlust ihres langjährigen Freundes Lunis geschwächt und fühlt sich zudem der sehr großen Wandfläche nicht gewachsen. Lunis war ein Künstler, der filigrane, transparente Landschaften in Glas-objekte ritzte, und sie hatte ihn kennengelernt, als ihm auf seinem Handwerkermarkt-stand eine bunte Schale heruntergefallen war und er ihr spontan die Scherben schenkte. Damals entstand aus diesen Scherben ihr erstes Mosaik.

Die Beziehung zu Lunis wuchs – ausgehend von Freundschaft – in Liebe hinein. Dennoch lebten sie in räumlicher Distanz und stets nur phasenweise miteinander. Lunis weilte zumeist in seiner abgeschiedenen Waldhütte mit Wintergarten und Werkstatt, und Irith durfte ihn dort regelmäßig besuchen. Sein großes Bedürfnis nach Einsamkeit und Freiheit hatte er Irith von Anfang an deutlich gemacht, und auch seine weitgehende Verschwiegenheit über seine Vergangenheit mußte respektiert werden.

Irith fühlte sich trotz des nicht geteilten Alltags bei Lunis gut aufgehoben, er war Ent-decker, Freund, Ermutiger, Genießer des Einfachen, Horizontöffner, Liebhaber und musischer Mentor und regte sie zu mehr Eigenwilligkeit, künstlerischen Experimenten und unkonventionellem Selbstausdruck an. Solange er lebte, spielte die räumliche Ent-fernung keine Rolle. Irith und Lunis waren inspirativ verbunden, und für Irith war Lunis der vertraute Bezugsrahmen für ihre eigene Kreativität und beständige Aussicht auf Austausch und lange Nächte unter Sternenhimmel mit tiefen Gesprächen und Stern- flüstern.

Lunis‘ plötzlicher Tod und seine testamentarische Verfügung, daß Irith über die Dinge in seiner Waldhütte und Werkstatt verfügen möge, wie sie wolle, und der posthume Auf-trag, ein Päckchen an eine ihr unbekannte Frau namens Alix zu schicken, lösen einen Stillstand in Iriths Entscheidungsfähigkeit aus. Sie konzentriert sich auf die Arbeit im Hotel, fügt Tag an Tag an Tag und weicht der Bitte ihres Chefs wegen des Hotelfoyer-Mosaiks aus.

Auf dem Rückweg vom Hotel zu ihrer Wohnung verläßt Irith eines sommerhitzigen Abends einige Haltestellen früher den stickigen Bus und geht ein Stück zu Fuß. An einem schönen alten Haus, das von einem großen verwilderten Garten eingerahmt wird, meint sie Lunis‘ Stimme zu hören.

Sie sieht ein Verkaufsschild für das leerstehende Haus und schleicht sich heimlich in den verwunschenen Garten. Die Atmosphäre dort ist trotz einiger Verfallserscheinungen an-genehm friedlich, und auf dem ausgedörrten Rasen funkeln im Abendsonnenlicht einige bunte Glasscherben von der zerbrochenen Verglasung der Hausterrasse. Diese Glas-scherben erscheinen Irith wie ein ferner Gruß von Lunis, und sie packt sie vorsichtig ein.

Dieser Zufall ist ein erster Lichtblick des Neuanfangs – auch wenn Irith dies zunächst noch nicht erkennt. Der nächste Lichtblick steht zwei Wochen später leibhaftig vor Irith am Hoteltresen, fragt nach einem freien Zimmer und betrachtet außergewöhnlich lange Iriths Namenschild. Es ist eine zierliche junge Frau, namens Sophie, die einst auf einem Flohmarkt ein kleines Mosaik von Irith gekauft hat. Und da Lunis Irith stets dazu ange-halten hatte, ihre Werke zu signieren, freut sich Sophie nun über diese zufällige Begeg-nung, und auch Iriths Neugier ist geweckt, und sie reagiert aufgeschlossen auf das unverhoffte Kontaktangebot der jungen Frau.

Es stellt sich heraus, daß Sophie aus Holzresten und Holzabfällen, alten Fenster- und Türrahmen sowie Totholz Rahmen herstellt. Auch Iriths kleines Mosaik hat sie einge-rahmt, und Irith ist von der harmonischen Wirkung berührt und begeistert. So bietet sie Sophie an, gemeinsam mit ihr das große Mosaik für die Hotelempfangshalle zu kompo- nieren. Sophie ist sogleich Feuer und Flamme, und in Irith regt sich wieder die Freude der Inspiration und des gemeinsamen Gestaltens.

Im Garten des alten Hauses „organisieren“ sie genug herabgefallene Äste für die Ein-rahmung und viele Scherben von zerbrochenen Blumentöpfen und zersprungen Glas- bausteinen für die Darstellung der Stadtsilhouette, die ebenfalls Bestandteil des Mosaiks werden soll. 

Sophie befindet sich ebenso wie Irith an einem Wendepunkt ihres Lebens und muß sich neu finden und orientieren. Während der Vor- und Hauptarbeiten am Hotelmosaik freunden sich die beiden Frauen an. Das Mosaik entwickelt sich gut und ermutigt vom freudigen schöpferischen Schub nimmt Irith endlich Kontakt zu der unbekannten Frau auf, der sie Lunis‘ Paket schicken soll …

Man könnte an diesem Roman kritisieren, daß es zu viele beinahe märchenhafte, vorhersehbare  glückliche Fügungen gibt, aber meiner Einschätzung nach, sind solche Fügungen durchaus möglich.

„Sternflüstern“ bietet sich besonders für musische Menschen an sowie für Menschen, die einen zwischenmenschlichen Verlust verkraften müssen. Im Roman folgen nach der Schwere der Trauer das heilsame Loslassen und die dankbare Würdigung des Gewesen- en sowie der nicht zu unterschätzende Trost inniger, freundschaftlicher, ja, schicksal- hafter Verbundenheit. So können Leichtigkeit und Lebensfreude wiederkehren und sogar neue sternflüsternde Augenblicke.

Besonders bemerkenswert ist der zärtliche Blick, mit dem beispielsweise Irith die künst-lerischen Möglichkeiten weggeworfener Bruchstücke erkennt, wie sie Reste, Scherben und zusammenhanglose Überbleibsel in eine neue konstruktive und ästhetische Ordnung bringt. Die liebevoll-wertschätzende, detailreiche Betrachtung der Natur und die lebhafte Aufmerksamkeit, mit der sowohl Irith als auch Sophie die Farben, Formen, Konturen, Muster und Texturen der Dinge wahrnehmen, ist anregend und sinnlich, ebenso die einfühlsame Art, wie sie im verlassenen Haus den Lebensspuren des einstigen Besitzers nachspüren – das ist eine große Lesefreude und zeugt von weiser Lebensbejahung angesichts der Vergänglichkeit.

»Wir sind alle aus Teilen zusammengesetzt, die scheinbar nicht zusammenpassen und doch ein interessantes Bild ergeben. Bei den Menschen gilt das meist eher innerlich als äußerlich. Aber stell dir vor, man könnte es sehen!« (Seite 59)


Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:

https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Sternfluestern/Paula-Carlin/Diederichs/e589085.rhd

Die Autorin:

»Paula Carlin ist das Pseudonym der deutschen Spiegel-Bestsellerautorin Patricia Koelle. Sie wurde 1964 in Alabama/USA geboren und lebt seit 1965 in Berlin. Ihre größte Leidenschaft gilt dem Schreiben, in dem sie ihr immerwährendes Staunen über das Leben, die Menschen und unseren sagenhaften Planeten zum Ausdruck bringt.« https://paula-carlin.life/

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Bertie Pom und das große Donnerwetter

  • Text und Illustration von Daniela  Drescher
  • Verlag Urachhaus, August 2021 www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20,8 x 23 cm
  • 24 Seiten
  • ISBN 978-3-8251-5284-0
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Bertie Pom und das große Donnerwetter

MITEINANDER   STURMERPROBT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bertie Pom ist ein Apfelwicht, der zwischen den Wurzeln eines Apfelbaumes in seinem Wichtelhaus wohnt. Ausgestattet mit Speisekammer, Ofen und einem weichen Bett ist es dort sehr behaglich, und nette Gesellschaft hat Bertie mit den niedlichen Insekten- mitbewohnern Rüsselchen, Krabbelfuß und Pünktchen noch dazu.

„Wie jeden Morgen wird Bertie von seinem leeren Bauch geweckt.“ Wer kennt das nicht? Mit einem leckeren Frühstück fängt jeder Tag gut an. Doch bevor sich Bertie den ersten Löffel Haferbrei mit Rosinen, Äpfeln und Honig einverleiben kann, klopft der Dachs an die Haustür und warnt vor einem aufziehenden Gewitter. Bertie betrachtet den sich verdunkelnden Himmel und verkündet seinen Mitbewohnerchen, daß sie sich ange- sichts der Gewitteraussichten einfach einen gemütlichen Tag zu Hause machen sollten.

Rüsselchen, Krabbelfuß und Pünktchen tragen sogleich Spiele, Decken, Handarbeits- zeug, Bauklötze, Kissen und Knabberkram zusammen – die unerläßlichen Zutaten für einen „Gemütlichkeitstag“.

Bertie Pom und das große Donnerwetter.Interieur. png

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2021

Plötzlich fällt Bertie die alte Krähe mit dem lahmen Flügel ein, die hoch oben im Apfel-baum wohnt. Hilfsbereit geht Bertie hinaus und klettert von Ast zu Ast hinauf zur alten Krähe, deren Nest schon ganz vom Wind zerzaust ist. Nach kurzen vergeblichen Nestbe-festigungsversuchen lädt Bertie die Krähe in sein Haus ein, denn das Gewitter ist schon fast über ihnen, der Donner grollt und der Wind weht stürmisch. Auf dem Weg nach unten lädt Bertie auch gleich noch das Eichhörnchen ein, dessen Kobel vom Wind mitge-rissen wurde. Der Kauz, in dessen Baumhöhle es nun schon hineinregnet, wird ebenfalls aufgefordert mitzukommen und auch der Gartenschläfer, der erschreckt von Blitz und Donner aus seiner Asthöhle direkt in Berties Arme springt.

Bertie Pom und das große Donnerwetter.Gartenschläfer. png

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2021

In Berties Wichtelhaus ist es warm, trocken und sehr gemütlich. Als guter Gastgeber tischt Bertie seine besten Vorräte aus der Speisekammer auf, und so überstehen sie das heftige Gewitter ausgezeichnet.

Nach dem Gewitter ist der Himmel wieder ungetrübt blau. Gemeinsam sammeln die Tiere die heruntergefallenen Äpfel für Berties Speisekammer auf, reparieren das Nest der alten Krähe, flechten für das Eichhörnchen einen neuen Kobel und helfen beim Trockenwischen der Wohnhöhlen von Kautz und Gartenschläfer.

Nach diesen Freundschaftsdiensten ist es wieder Zeit für ein kleines Festessen auf der Wiese unter „dem blauesten Himmel, den du dir vorstellen kannst“.

Bertie Pom und das große Donnerwetter.Wiesenfest. png

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2021

In dieser Geschichte geht es um elementare Bedürfnisse: Geborgenheit und Schutz, Nahrung und Wärme und die Freuden des ebenso spielerisch-genüßlichen wie auch konkret hilfsbereiten, freundschaftlichen Miteinanders. Daniela Drescher stellt diese allgemein-menschlichen Bedürfnisse in eine natürliche Kulisse mit einer attraktiven Prise Naturmagie.

Ihre Illustrationen sind gleichermaßen märchenhaft wie botanisch und zoologisch präzise. Viele liebevolle und verspielte Details laden Kinder zum Entdecken ein und sensibilisieren für die Farb- und Formenvielfalt der Natur.

Daniela Dreschers warmherziger Erzählstil spricht Kinder ganz unmittelbar – gleichsam auf Herzenshöhe – an. Der Fließtext erscheint auf jeder Bilderbuchseite in einer anderen Farbe, die stets harmonisch mit der Farbtönung der jeweiligen Illustrationen abge- stimmt ist.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Daniela-Drescher/Bertie-Pom-und-das-grosse-Donnerwetter.html

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966, ist eine international gefeierte Illustratorin und Autorin. Ihre Bilderbücher und illustrierten Kinderbücher bestechen durch einen Stil, der Kinder und Erwachsene weltweit anspricht. In ihren mittlerweile über 40 Büchern vermittelt sie ihren jungen Leserinnen und Lesern einen unmittelbaren Zugang zur Natur sowie zu sozialen Themen. Darüber hinaus setzt sie sich regelmäßig für Naturschutzorganisationen ein.« www.danieladrescher.de

Querverweis:

Hier entlang zu einer weiteren sympathischen, naturgeistigen Figur aus Daniela Dreschers Feder und Pinsel und Nachbarschaft: Giesbert, der Regentonnenwicht.

„Giesbert in der Regentonne“ (Band 1) Giesbert in der Regentonne
„Giesbert hört das Gras wachsen“ (Band 2) Giesbert hört das Gras wachsen
„Giesbert und der Gluckerbach“ (Band 3) Giesbert und der Gluckerbach

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Hanf

HANF
BEWUSSTSEINSERWEITERND

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ute Woltrons Buch ist eine Hommage an den Hanf. Elegant mäandert sie zwischen kulturhistorischen und botanischen Hanfbetrachtungen, persönlichen Hanfanbau- erfahrungen, Hanfzubereitungen und den segensreichen natürlichen Heilwirkungen des Hanfs.

Wußten Sie, daß die Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt wurde, daß Karl der Große seinen Bauern den Hanfanbau ausdrücklich gebot und diese ihre Steuern mit Hanfsamen zahlen durften, daß das Zeitalter der Segelschiffe von den witterungsbe- ständigen und reißfesten Segeln und Tauen aus Hanffaser beflügelt wurde? Wußten Sie, daß es – belegt durch archäologische Funde in China – bereits zwischen 800 und 400 vor unserer Zeitrechnung Hanfttextilien und sogar noch ältere Hanfpapiere gab? Wußten Sie, daß die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten des Cannabis die Linderung von Asthma, Migräne und Übelkeit, chronischen Schmerzen, Grünem Star, Multipler Sklerose, Polyarthritis, Tinnitus u.v.a. umfassen?

Ich möchte fast wetten, daß Sie dies nicht wußten, sondern stattdessen so wie ich mit der dramatisch-propagandistischen Warnung vor Hanf bzw. Cannabis/Marihuana als fatale Einstiegsdroge, Abstieg in unweigerliche Kriminalität und unausweichliche Sucht vertraut sind. Wie kam es dazu, daß eine Pflanze, die der Menschheit seit Jahrtausenden als schnellwachsender, robuster Fasermateriallieferant, Futter-, Heil- und Nahrungs- mittel diente, dermaßen in Verruf geriet und kriminalisiert wurde?

Der Kreuzzug gegen die „Droge“ Hanf begann Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA, pflanzte sich von dort aus weltweit propagandistisch fort und führte dazu, daß auch der Anbau von Hanfsorten, welche über keinen nennenswerten, psychoaktiven THC-Gehalt verfügen, wie beispielsweise Faserhanf, verboten wurde.

Als sich im Jahre 1937 die American Medical Association gegen das Verbot von Hanf aus-sprach und den medizinischen Wert des Marihuanas betonte und eine weitere Studie zu dem Ergebnis kam, daß der Genuß von Marihuana keine gefährlichen persönlichkeits- verändernden Wirkungen habe, bezeichnete der lobbygelenkte oberste politische Drogenbekämpfer, Harry Jacob Anslinger, diese Studien als unwissenschaftlich, veran- laßte eine Gegenstudie und verbot kurzerhand für die Zukunft weitere Studien zur Wirkungsweise von Cannabis.

Das acht Jahrzehnte währende Verbot von Hanf ist ein lehrreiches Beispiel für eine welt-weite politische und mediale Diffamierungskampagne im Interesse wirtschaftlicher Profiteure aus Baumwollfarmern, Papier- und Pharmakonzernen. Der schnellwach- sende Hanf und die wesentlich haltbareren Produkte, die sich aus seinen Fasern herstellen lassen, standen in Konkurrenz zu den vergleichsweise minderwertigen und kurzlebigen Produkten aus Zellstoff und Baumwolle.

Erst seit den 90er Jahren werden die Hanf-Verbote gelockert, medizinische Anwendung-en schrittweise zugelassen und der Anbau von Faser- und Futterhanf – behördlich kon-trolliert – genehmigt. Es bedurfte mutiger Ärzte und Patienten, deren letzter Heilungs-ausweg Cannabis war, um Hanf nach und nach zu rehabilitieren und wieder salonfähig zu machen.

Eine Studie der WHO aus dem Jahre 1997 kommt zu folgendem Ergebnis:

„Es gibt gute Gründe festzustellen, dass Cannabis nicht dieselben Risiken für die öffent-liche Gesundheit mit sich bringt wie Alkohol und Tabak, selbst wenn genauso viele Men-schen Cannabis benutzen wie jetzt Alkohol trinken oder Tabak rauchen.“ (Seite 116)

Man könnte fast sagen, daß die Autorin Ute Woltron von der Hanfpflanze höchstper-sönlich dazu aufgefordert wurde, sich unvoreingenommen mit ihr zu beschäftigen. Eines Tages tauchte in einem ihrer Gartenbeete eine Hanfpflanze auf. Sie ließ die Pflanze wachsen und gedeihen und begann, sich theoretisch und praktisch in das Thema Hanf zu vertiefen und Stoff für ihr Buch zu sammeln.

Die Autorin bettet die aufklärenden botanischen, gesellschaftspolitischen, juristischen, kulinarischen, kulturhistorischen und medizinischen Sachinformation zum Hanf in einen lebendigen, mit köstlichen Anekdoten gewürzten literarischen Erzählton, der die Lektüre sowohl inhaltlich als auch stilistisch zu einem spannenden, sinnlichen, ja, sogar ausdrücklich Hanfappetit weckenden Genuß macht.

Und zum Abschluß kann ich hier wieder meinen lobeshymnischen Refrain zur buch- gestalterischen Materie der Reihe NATURKUNDEN singen. So ist auch der Band „Hanf“ (NATURKUNDEN Nr.61) aus schmeichelgriffigem Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten hergestellt. Die Typographie ist satt und lesefreundlich, der lindgrüne Kopf-schnitt ist farblich fein abgestimmt mit der Farbgebung des Bucheinbandes; die Faden-heftung erscheint diesmal interessant farbkontrastisch in violett und die zahlreichen alten und neuen Illustrationen sind ebenso schön wie aussagekräftig.

Hier finden wir den harmonischen Einklang zwischen substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf!

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/hanf.html?lid=4

Die Autorin:

»Ute Woltron, geboren 1966 in Neunkirchen, studierte Architektur in Wien und arbeitet als Journalistin zum Thema Wirtschaft, Architektur und Reisen. Zu ihren Veröffentlich-ungen zählen u. a. Menschen sind auch nur Gärtner: Freche Gartengeschichten (2009) sowie 99 Genüsse, die man nicht kaufen kann – Selbstgemachte Köstlichkeiten aus Natur & Garten (2011).«

Die ungekürzte Hörbuchausgabevollendet gelesen von Frank Arnoldist im April 2020
bei DAV (der Audio Verlag https://www.der-audio-verlag.de/ ) erschienen.

  • 3 CDs in Pappklappschuber
  • Laufzeit: 3 Stunden, 29 Minuten
  • 20,00 €
  • ISBN 978-3-7424-1512-7

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.der-audio-verlag.de/hoerbuecher/hanf-ein-portrait-woltron-ute-978-3-7424-1512-7/

hanf-ein-portrait-woltron-ute-9783742415127-HÖRBUCH

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Wir beide passen richtig gut zusammen

  • Der kleine Siebenschläfer
  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag, Juli 2021   www.thienemann.de
  • 16 abgerundete Pappseiten
  • Format: 165 x 165 mm
  • 7,99 € (D), 8,30 € (A), 11,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45950-1
  • Pappbilderbuch ab 2 Jahren

Wir-beide-passen-richtig-gut-zusammen-isbn-978-3-522-45950-1_1
MITEINANDER  ANDERSSEIN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer erweist sich als sehr bilderbuchvermehrungsfreudig. Nach sechs Bilderbüchern für Kinder ab 4 Jahren ist mit dem vorliegenden Band „Wir passen richtig gut zusammen“ nun das vierte Pappbilderbuch für Kinder ab 2 Jahren erschienen.

Der sympathische kleine Siebenschläfer und seine noch kleinere Freundin, die Hasel- maus, sind der Ansicht, daß sie gut zusammenpassen. Doch dann zählen sie auf, was sie alles unterscheidet. Da wären die unterschiedlichen Körpergrößen, die Fellfarben, die Schwanzform und die Eßvorlieben.

Ja, sie sind ja doch sehr verschieden, und vor lauter Verschiedenheit fremdeln die beiden einen Moment lang miteinander. Doch dann fällt dem kleinen Siebenschläfer zum Glück ihre wesentliche Gemeinsamkeit ein – sie mögen einander, und das verbindet sie über alle Unterschiede hinweg, und schon passen sie wieder richtig gut zusammen.

Wir-beide-passen-richtig-gut-zusammen-isbn-Innenabbildungen

Illustration Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2021

Die einfachen, kurzen Dialoge zwischen Siebenschläfer und Haselmaus sowie die possierliche, körpersprachlich ausdrucksvolle zeichnerische Darstellung der beiden Tierchen vermittelt kleinen Kindern anschaulich und altersgemäß die Spannung zwischen Unterschieden und Gemeinsam- keiten.

So können Kinder spielerisch erkennen, daß es in Ordnung ist, anders und unterschiedlich zu sein, und daß man darüber hinaus über die wechsel- seitige Zuneigung zum Anderen zu einem auskömmlichen Miteinander finden kann.

Die festen, abgerundeten Pappseiten sind strapazierfähig und kommen der noch ungeübten Kleinkindmotorik freundlich entgegen.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/wir-beide-passen-richtig-gut-zusammen-isbn-978-3-522-45950-1

Hier entlang zum ersten Band: Das ist noch nicht gemütlich
Hier entlang zum zweiten Band: Gleich ist alles wieder gut

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchron-sprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben.
Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nacht-zeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene, geboren 1981 in Haan, studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesignerin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.«  www.kerstinschoene.de

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Speak German!

  • Warum Deutsch manchmal besser ist
  • von Wolf Schneider
  • Rowohlt Verlag, April 2013 http://www.rowohlt.de
  • E-Buch
  • 192 Seiten
  • 8,99 €
  • ISBN: 978-3-644-02921-7

SPEAK GERMAN

IN  STAUB  MIT  ALLEN  FEINDEN  UNSERER MUTTERSPRACHE!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In seinem geistreichen, sprachbewußtseinsbildenden Buch „Speak German“ analysiert, kritisiert und reflektiert Wolf Schneider kenntnisreich und humorvoll die seltsame deutsche Untertänigkeit gegenüber englischen und amerikanischen Begriffen. Die Kritik der chronischen Anglomanie wird zudem um eine kulturhistorisch wertschätzende Liebe zur deutschen Sprache und konstruktive Anregungen zur alltäglichen und bildungspolitischen Rettung des deutschen Sprachschatzes ergänzt.

Wolf Schneider geht es nicht um einen pauschal alle englischen Fremdwörter aus-schließenden Stil, sondern um die zahlreichen albernen, aufgesetzten, miß- bis unver-ständlichen, häßlichen, sinnlosen, überflüssigen und unangebrachten Anglizismen. Dabei unterscheidet er aufmerksam zwischen Fremdwörtern, die man besser ins Deutsche übersetzen sollte, und Fremdwörtern, die wortwörtlich zu übernehmen durchaus sinnvoll und bereichernd sein kann. So kritisiert der Autor auch keineswegs die englische Sprache an sich, sondern listet einige ihrer typischen Vorzüge auf, die sie für eine Weltsprache qualifizieren.

Doch wußten Sie schon, daß Deutsch seit 200 Jahren das Esperanto der Weltliteratur ist? Ja, Deutschland ist Weltmeister im Literaturübersetzen! »Nach der Statistik der Unesco wird in keine andere Sprache so viel übersetzt wie in die deutsche – mehr als ins Spanische und Französische, mehr als doppelt so viel wie ins Englische.« (Seite 30)

Jenseits der Literatur begegnen wir indes im Alltag vielfältigen geschriebenen und ge-sprochenen Texten, die vor Anglizismen nur so wimmeln. Da kommt es häufig zu einem eklatanten Mißverhältnis zwischen der von Werbeagenturen, Medienredaktionen und Unternehmensgeschäftsleitungen übereifrig eingearbeiteten englischen Begriffe und Redewendungen und einer in der deutschen Bevölkerung keineswegs flächendeckend ausgeprägten fremdsprachlichen Kompetenz. Besonders die Werbetexter erzielen mit solchen Sprüchen häufig eine zweifelhafte Informationsvermittlung und Werbewirk- samkeit.

2003 untersuchte das Institut »Endmark« die korrekte Verständlichkeit zwölf gängiger englischer Werbesprüche in der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Nur ein Spruch erzielte knapp 60 Prozent Verständnis und die anderen bis zu fünfundsiebzig Prozent Un- bis Fehlverständnis. Die Auflistung der Übersetzungen, oder besser gesagt, Deu-tungen ins Deutsche ist brüllkomisch (aber auch kreativ) und zeigt, daß nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung über umfassende und differenzierte Englischkenntnisse verfügt.

Das „Human Resources Department“ hat gegenüber der PERSONALABTEILUNG, die „Corporate Identity“ gegenüber dem UNTERNEHMENSBILD und „Customer Relationship“ gegenüber der KUNDENBETREUUNG keinerlei Allgemeinverständnisvorteil. Solche Wort- gebilde entsprechen nur einem abgehobenen, imponiergeschwätzigen Wirtschafts- jargon.

Ein erhellendes Beispiel ist auch der „Service Point“ der Deutschen Bahn, zu dem der Autor folgendes schreibt: »Mutwillige Verfremdung der AUSKUNFT durch die Deutsche Bahn. Hätte man den Schalter internationalisieren wollen, so wäre  INFORMATION  in viel mehr Sprachen verständlich gewesen als  Service Point(Seite 67)

Wolf Schneider kritisiert nicht, daß sich unterschiedliche Landessprachen wechselseitig beeinflussen – schließlich gibt es auch willkommene deutsche Vokabelexporte in andere Länder, aber die hierzulande grassierende Anglomanie trägt gelegentlich Züge von sprachlicher Selbstverachtung.

Das in Deutschland übliche Übermaß der willfährigen Übernahme von Anglizismen verbindet schlechtes muttersprachliches Selbstbewußtsein mit einer pseudopolyglotten Weltläufigkeit, die sich zudem häufig auf fehlerhaftes Nachplappern englischer Vokabeln und Satzstellungen sowie anglizistische Fehlkonstruktionen (Denglisch) reduziert.

So ist beispielsweise die Formulierung  „nicht notwendigerweise“ eine Ableitung der englischen Formulierung „not necessarily“- auf Deutsch heißt es jedoch kurz und bündig: NICHT UNBEDINGT. Ebenso fehlkonstruiert ist das unsägliche „Sinn machen“, welches eine gänzlich unsinnige Ableitung des englischen „making sense“ ist. Im Deutschen hat etwas Sinn, ergibt Sinn, ist sinnlos oder sinnvoll, unsinnig oder sinnig usw… Leider widersetzen sich u.a. weder die Dudenredaktion noch das Goetheinstitut dieser Entwicklung.

In seinem Sprachstilratgeber „Speak German!“ unterscheidet Wolf Schneider mit scharf-sinnig gespitzter Feder, sprachkenntnisreicher Eloquenz und anschaulichen Beispielen zwischen sinnvollen und unsinnigen Anglizismen und empfiehlt mehr unbefangene Wertschätzung für unsere Landessprache.

Für Menschen, die der allzuvielen Anglizismen überdrüssig sind, bietet diese Lektüre hervorragende Argumente zur sprachlichen Selbstverteidigung und zum Erhalt der Ausdruckskraft und Vielseitigkeit der eigenen Sprache.

 

 

Hier entlang zum elektronischen Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.rowohlt.de/buch/wolf-schneider-speak-german-9783644029217

 

Der Autor:

»Wolf Schneider, geboren 1925, ist Träger des «Medienpreises für Sprachkultur» der Gesellschaft für deutsche Sprache. Er war Soldat von 1943 bis 1945, Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» in Washington, Verlagsleiter des «Stern», Chefredakteur der «Welt», Moderator der «NDR-Talk-Show» und 16 Jahre lang Leiter der Hamburger Journalistenschule. 2011 erhielt er den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk, 2012 wurde er vom «Medium Magazin» als Journalist des Jahres für sein Lebenswerk geehrt. Wolf Schneider hat zahlreiche Sachbücher veröffentlicht, darunter große, erzählende Bücher ebenso wie Standardwerke zu Sprache, Stil und Journalismus. Zuletzt erschien 2013 bei Rowohlt «Der Soldat. Ein Nachruf». Er lebt in Starnberg.«

PS:

VERLOSUNG!!!

Dieses Buch begleitet mich ebenso inspirierend wie bestätigend schon seit vielen Jahren, deshalb erschien mir meine obige Rezension überfällig. Inzwischen gibt es nur noch die E-Buch-Ausgabe. Doch da ich bei Begeisterungsbüchern zu Vorratskäufen neige, habe ich noch eine gebundene Ausgabe doppelt, die ich hier nun gerne zur Verlosung anbieten möchte.

Wer mir in Verlauf der nächsten drei Tage auf der Kommentar-Konversationsebene Beispiele für besonders alberne und unsinnige Anglizismen erzählt bzw. zitiert, kommt in den Lostopf für ein ECHTES Buch.

Ich habe schon seit langem eine chronisch-akute Anglizismen-Allergie und benutze mündlich und schriftlich nur äußerst selten welche und dann auch nur diejenigen, die schon fast nicht mehr als Fremdkörperwort wirken oder tatsächlich einen gewissen Charme, eine von mir erwünschte Nuance oder ein stimmungsvolles Lokalkolorit ausstrahlen.


Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Nur ein kleines bisschen

  • von Olivier Tallec
  • Originaltitel: »Un peu beaucoup«
  • Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
  • Gerstenberg Verlag, Juli 2021 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 28 cm
  • 36 Seiten
  • durchgehend farbig
  • matt laminiert
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-6121-9
  • Bilderbuch ab 3 Jahren laut Verlag
  • ab 4 Jahren nach meiner Einschätzung

Nur ein kleines bisschen Titelbild 9783836961219

GIER  VERSUS  GENÜGSAMKEIT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Schauen wir doch einmal, ob das Eichhörnchen, das in Olivier Tallecs Vorgängerband (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/09/22/das-ist-mein-baum/) so extrem besitzanspruchsvoll seinen Baum bewachte, ein bißchen dazugelernt hat und inzwischen ein klügeres Verhalten an den Tag legt.

Zunächst fängt es gut an. Das Eichhörnchen proklamiert demonstrativ: „Ein Baum ist superempfindlich, man muss gut auf ihn aufpassen.“ Und es umarmt seinen Baum, spricht flüsternd durch die Rinde zu ihm und ermahnt sich selbst und die geneigten Bilderbuchbetrachter, nicht zu viele Zapfen vom Baum wegzufuttern.

Nur ein kleines bisschen - letzter Zapfen 9783836961219

Illustration und Text von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2021

Doch dann nimmt die Freßgier überhand, und das Eichhörnchen futtert ratzeputz alle Zapfen weg. Da bleiben noch die Nadeln, die ihm ebenfalls schmecken, und der Baum hat doch so viele, viele Nadeln vorrätig. Wieder ermahnt uns das Eichhörnchen mit erhobenem Pfotenzeigefinger, daß man nur so viele Nadeln futtern solle, wie man wirklich brauche.

Nur ein kleines bisschen - Nadeln 9783836961219

Illustration und Text von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2021

Doch schon auf der nächsten Seite ist der Baum kahlgefressen. Da bleiben nur noch die vielen, vielen Zweige, von denen das Eichhörnchen erst nur einige kleine abbricht, um ein kleines Feuerchen zu machen – nun, man kann sich schon ausmalen, wie diese seltsame Form der Baumfürsorge und Genügsamkeit, die das Eichhörnchen praktiziert, endet.

Schließlich steht nur noch der Baumstumpf da, und das Eichhörnchen baut sich aus dem Restholz ein kleines Häuschen. Durch den Kahlschlag ist das Eichhörnchen weithin sichtbar. So wird es von einer Schar Kinder entdeckt, die mit dem entzückten Ausruf „Oh! Ein Eichhörnchen!“ dem erschrocken fliehenden Eichhörnchen hinterherjagen.

Der ironische letzte Satz „Ein Eichhörnchen ist superempfindlich, man muss gut darauf aufpassen!“ bietet nun reichlich Interpretationsspielraum für den möglichen Fortgang der Geschichte.

Olivier Tallecs Illustrationen geben dem Bilderbucheichhörnchen eine ebenso amüsant-ausdrucksvolle Körpersprache wie eine deutlich „sprechende“ Mimik. Der Erzähltext kommt mit wenigen Sätzen und einfachen Ansagen und Beschreibungen aus.

Das Eichhörnchen zeigt ein aus der niederen Menschenwelt und hohen Politik wohlbe-kanntes Verhalten: Großartige Lippenbekenntnisse und Gesten werden vom tatsäch- lichen praktischen Handeln konterkariert und ins Gegenteil verkehrt. Obwohl sich die politische Ebene der kleinkindlichen Wahrnehmung entzieht, bleibt das Thema gleich- wohl auf der zwischenmenschlichen Ebene anschaulich zugänglich und illustriert den Unterschied zwischen guten Vorsätzen und egoistischen Impulsen.

Interessant sind hier auch die Ausreden, die das Eichhörnchen immer wieder für sein widersprüchliches Verhalten findet. Damit läßt sich ein geradezu philosophisches Ge-sprächsfeld eröffnen, in dem Gedanken und Fragen zu den langfristigen Folgen des eigenen Handelns, dem richtigen Maß, Gier und Genügsamkeit, Impulskontrolle, Mitge-fühl und Naturrücksichtnahme sowie die Suche nach einvernehmlichen Lösungen mit Kindern erwogen werden können. 
 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite
https://www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Bilderbuch/Nur-ein-kleines-bisschen.html?noloc=1

Hier entlang zum Vorgängerband: Das ist mein Baum
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/09/22/das-ist-mein-baum/

Der Autor und Illustrator:

»Olivier Tallec, geb. 1970, hat an der École Nationale Supérieur des Arts Décoratifs in Paris studiert und teilt seit dem seine Zeit zwischen Design und  Ullistration. Seine Bücher wurden in zahlreichen Ländern veröffentlicht und ausgezeichnet.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Was macht Püüüp?

  • von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels
  • illustriert von Nikolai Renger
  • Esslinger Verlag, Juli 2021, www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 232 x 300 mm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-480-23669-5
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Was-macht-pueueuep-isbn-978-3-480-23669-5_1
L A U T M A L E R E I

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Püüüp ist ein kleines, gelbes Geräusch, das noch nicht weiß, zu welchem Lebewesen oder Ding und einer entsprechenden Tätigkeit oder Funktion es gehört. Seine erste Begegnung mit einem anderen Geräusch ist die mit dem tropfenförmigen, blauen PLOPP, das für das Wassertropfengeräusch zuständig ist. Plopp erklärt Püüüp, daß er selbst herausfinden müsse, wer oder was PÜÜÜP mache, und dann sei er an seinem richtigen Platz als Geräusch angekommen und könne „geräuscheln“.

Vorfreudig sucht Püüüp nun verschiedene Orte auf. Im städtischen Straßenverkehr und auf einer Baustelle lernt er viele laute Geräusche kennen – von BRUMM über TA TÜÜ TA TAA bis RATATA. Im Konzerthaus lauscht Püüup musikalischen Tönen, indes weisen diese notenförmigen Töne, die Namen wie Cis, Fis, G und hohes C tragen, Püüüp etwas herablassend darauf hin, daß er als simples Geräusch bei Tönen nicht erwünscht sei.

Im nahegelegenen Museum trifft Püüüp auf einem Dinosaurierskelett ein freundliches, sehr altes Geräusch, welches das Dinosaurierbrüllen verkörpert und nun zu seinem Bedauern nur noch manchmal heimlich ein ROAAAH durch das leere Museum brüllt.

Was-macht-pueueuep-Wasserhahn

Illustration von Nikolai Renger/Text von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels © Esslinger Verlag 2021

Im Supermarkt rattert ihm als erstes RATTER über den Weg, der für das Rattern der Einkaufswagen zuständig ist. Nach einer püüüpsigen Geräuschprobe meint Ratter, daß Püüüp vielleicht im Kassenbereich zuständig sein könne. Doch das hektische PLIPP, PLIPP, PLIPP des Wareneinlesegeräts ist auch nicht das richtige für Püüüp.

Im Wald lernt Püüüp viele Naturgeräusche kennen, es klackt, knackt, knockt, pock pockt, plätschert, raschelt und tschilpt und echot sogar, aber auch die wilde Natur scheint nicht der passende Ort für ihn zu sein.

Püüüp fühlt sich inzwischen schon ganz überflüssig und unerwünscht, da zieht es ihn unwiderstehlich in einen Garten – aufmerksame Bilderbuchkinderaugen werden gewiß wiedererkennen, daß es der gleiche Garten ist, in dem Püüüp sich zum ersten Male manifestiert hat.

Dort entdeckt Püüp zwischen den Geräuschen QUIETSCH (Schaukel), PLATSCH (Plansch-becken) und SCHLÜRF (Trinkgläser) ein kleines Kind, das die Lippen zum Pfeifen gespitzt hat, ohne daß ein Geräusch dabei entsteht. Nun hat Püüüp endlich seine Bestimmung gefunden …

Was-macht-pueueuep-Natur

Illustration von Nikolai Renger/Text von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels © Esslinger Verlag 2021

Es ist eine ebenso lustige wie analog-anschauliche Idee, Geräuschen personifizierte Gestalt zu geben. Sind Geräusche sonst eher etwas für die atmosphärische Kulisse einer Geschichte, so stehen sie hier einmal als lebhafte Charakterfiguren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Die visuelle Darstellung der Geräusche ist höchst amüsant. Ganz besonders pfiffig sind die bühnenreifen Gesellen TA TÜÜ TA TAA, aber auch die eleganten Noten, der zackige RATTER, der wassertropfige PLOPP und die LAUBRASCHEL sowie das schwungvolle ECHO. Der kleine großäugige Püüüp selbst ist von rundlich niedlicher Gestalt und zudem ziemlich geräuschempfindlich. Seine offensichtliche Verletzlichkeit weckt Beschützer-instinkte, und seine Suche nach Zugehörigkeit ist für Kinder unmittelbar verständlich.

Das größte Vergnügen werden Kinder wohl an den vielen buchstäblich lautmalerischen Geräuschen haben, die man beim Vorlesen dieser Geschichte leicht dramaturgisch inszenieren kann. Kinder werden gewiß auch gerne diese Geräusche mitsprechen oder vielleicht sogar spontan noch weitere Geräusche hinzufügen wollen.

„Was macht Püüüp?“ ist ein heiteres Erhörungsbuch/BilderHÖRbuch, das mit der personifizierten, visuellen und lautmalerischen Darstellung von Geräuschen vielsaitige vorlesemitspielerische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/was-macht-pueueuep-isbn-978-3-480-23669-5
Und hier entlang zum sehenswerten BILDERBUCHWERBEFILMCHEN:
https://www.thienemann-esslinger.de/blog/buchtrailer-zu-was-macht-pueueuep

Die Autoren:

»Bernhard Hoëcker, 1970 in der wunderschönen Pfalz geboren, begann seine künst-lerische Karriere indem er auf Kindergeburtstagen Bälle in die Luft warf und meistens wieder auffing. Nachdem er sein Wirtschaftsstudium erfolgreich abgebrochen hatte, konzentrierte er sich ganz auf seine Arbeit als Fernseh- und Bühnenkünstler. Er be-geisterte Jugendliche, indem er zeigte wie gefährlich es ist Silvester-Raketen in ge-schlossenen Räumen zu zünden. Mit seinen Geo- caching-Büchern locken Kinder ihre Eltern raus in die Natur, und er bringt Enkel und Groß- eltern wieder zusammen, die dann gemeinsam vor dem Fernseher sitzen und raten. Für die ganz Kleinen leiht er seine Stimme „Trudes Tier“, liest mit der Stiftung Lesen in Kindergärten und hat jetzt alle seine Lieblingswörter in einem Kinderbuch zusammengefasst: knarz, ratter und plopp.«

»Eva von Mühlenfels wurde 1979 geboren und wuchs in der romantischen Quadratestadt Mannheim auf, wo sie nach der Schule Anglistik studierte. Ihre akademische Reise begann im Barockschloss und endete in Zentralalaska, wo sie zwischen Bären und Elchen in einer Block- hütte im Wald wohnte. Entsprechend geradlinig ging es nach ihrem Studium schnurstracks nach Köln zum Fernsehen. Dort werkelte sie als Producerin an verschiedenen Unterhaltungs-Formaten, die unter anderem mit dem Comedy- und Grimmepreis ausgezeichnet wurden. Um auch außerhalb der besten Sendezeit wunderschöne Comedy zu erleben, machte sie eine Fernsehpause und gründete eine Familie. Ihre gesammelten Erfahrungen aus Sprachwissen- schaft, Eiseskälte, Geschichtenerzählen und dem Abkratzen getrockneter Haferflocken stopfte sie in einen Sack, schüttelte ihn, warf ihn gegen die Wand und herunterfiel das erste Kinder- buch. Und manchmal, wenn es bitterkalt ist, und die Kinder schon schlafen, heult sie noch heute den Mond an. Haouuuu!«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für  verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

REJOICE

  • Die letzte Entscheidung
  • von Steven Erikson
  • Roman
  • Originaltitel: »Rejoice«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Andreas Decker
  • Deutsche Erstausgabe
  • Piper Verlag, November 2019, http://www.piper-science-fiction.de
  • Klappenbroschur
  • 520 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-492-70558-5

REJOICE

NACHHILFE  IN  VERNUNFT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Entspannen Sie sich, öffnen Sie Ihren Lesehorizont dem weisen Einfluß interstellarer Zivilisationen, deren ethische und technische Entwicklung der unseren um Lichtjahre voraus ist. Hier wird kein Sternenkriegerszenario entworfen, sondern eine freundlich-lenkende Rettung vor der Zerstörung unseres Planeten und die Gestaltung einer attraktiven Postmangel-Gesellschaft.

Die außerirdischen Spezies, die ein Interesse daran haben, die Biosphäre der Erde zu bewahren und zu regenerieren, entsenden ein Raumschiff mit einer KI, die das gesamte Sonnensystem sensorisch überwacht und auf der Erde eine Flächenpräsenz installiert. Dies bleibt der Menschheit zunächst noch verborgen, bis am hellichten Tage die Science-Fiction-Autorin Samantha Fox von einem Lichtstrahl, der aus einem offensichtlichen Ufo kommt, vom Bürgersteig gepflückt wird.

Samantha wurde von den Außerirdischen als Botschafterin ausgewählt, um der Mensch-heit eine Kooperation mit der außerirdischen Macht schmackhaft zu machen. Während die KI, die den passenden Namen Adam trägt, Samantha über die friedlichen Absichten und ihre besondere Rolle im geplanten gesellschaftlichen Paradigmenwechsel informiert, wird die Flächenpräsenz aktiviert.

Dieses Kraftfeld verhindert nun jede Form der Gewaltausübung, Waffen funktionieren nicht und Schläge, Stiche, Tritte usw. werden sofort aufgehalten, ja, selbst drängelndes Autofahrerdominanzverhalten wird buchstäblich ausgebremst. Außerdem entstehen große Exklusionsräume, die von Menschen nicht mehr betreten werden können, und zwar hauptsächlich dort, wo sich noch weiträumige und weitgehend menschenleere Natur befindet. Weltweit taucht bei technischen Firmen eine Datei auf, die den Bauplan für die Konstruktion einer emissionsfreien, regenerativen, skalierbaren Energiequelle enthält, die sich den natürlichen Elektromagnetismus des Planeten „ausleiht“ – mit dem ausdrück-lichen Vermerk „Patentieren verboten.“

Im weiteren Verlauf der Geschichte erlesen wir das Geschehen aus sehr, sehr vielen verschiedenen Figurenperspektiven, die mit wahlweise anrührenden oder entlarvenden Psychogrammen ausgestattet sind. Soldaten können nicht mehr kämpfen, ein Waffen-händler wird arbeitslos, eine israelische Soldatin weint gemeinsam mit einem jungen Palästinenser, eine mißhandelte Ehefrau muß sich erst daran gewöhnen, daß sie nicht mehr geschlagen wird, amerikanische, kanadische, chinesische und russische Staats- chefs diskutieren mehr oder weniger konstruktiv mit ihren Ministern, Beratern und Wissenschaftlern, Blogger und Verschwörungstheoretiker stellen Vermutungen an, Ingenieure folgen der außerirdischen Bauanleitung und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus …

Milliardäre und Medienkonzernbesitzer reagieren mit der gewohnten egosphärischen Überheblichkeit und bedienen sich der vertrauten Manipulationsmethoden, die jedoch nicht mehr funktionieren, da die Flächenpräsenz die Unterdrückung und Verzerrung von Information und Wissen nicht mehr zuläßt. Die absolute Vergeblichkeit dieser Macht-spielchen im Kontext einer wahrlich rational überlegenen „Aufsichtsinstanz“, die mediale Transparenz garantiert, eröffnet bei der Lektüre die Aussicht auf einen erfri- schend freidenkerischen Horizont und offenen Diskurs, in dem propagandistischer Kampagnenjournalismus nicht mehr funktioniert. 

Die unterschiedlichen menschlichen Erlebnis- und Bewertungsperspektiven wechseln sich erzählerisch ab mit den lebhaften technisch-aufklärenden und gesellschafts- kritischen Gesprächen zwischen Adam und Samantha. Hier verbindet der Autor scharfe Kritik an Konzernkapitalismus, Natur- und Menschenausbeutung, Politik, Partikular- interessen, Geheimhaltungen und menschliche Schwächen mit der Hoffnung auf ein gänzlich neues menschliches Selbstverständnis.

»Kapitalismus gründet sich auf die selektive Umsetzung der Freiheit einiger weniger zulasten aller anderen.« (Seite 223)

»Sobald Konzerne das Recht gewannen, Menschen  gleichgestellt zu werden, war der Normalbürger entrechtet, denn das Gesetz wurde zum offiziellen Kontrollsystem, mit dem Konzerninteressen vor seine Interessen gestellt werden. Konzerne behandeln Bürger als Wirtschaftseinheiten. Damit nehmen sie ihnen ihre essenzielle Menschlich-keit. Es gibt nichts Inhumaneres als ein Konzern und seine Interessen. [… ] Glücklicherweise ist mein Interventionsprotokoll darauf ausgerichtet, die Menschheit wie auch das planetare Biom über die antiquierten, konzernbasierten Wirtschafts- systeme zu erheben. « (Seite 316)

Das Spektrum der menschlichen Reaktionen auf die außerirdische Intervention reicht von Entspannung angesichts des gewaltfreien Zustands bis hin zu Ängsten vor Ver- sklavung, Befürchtungen vor einem finanzwirtschaftlichen Zusammenbruch und schwierigen psychischen Neuorientierungen und Identitätskrisen besonders bei Menschen, die zuvor viel Gewalt und Macht ausgeübt oder erlitten haben.  

»Das mag jetzt für viele Menschen eine Überraschung sein, […] aber die Annahme, dass eine außerirdische Zivilisation daran interessiert sein könnte, die künstliche Hierarchie zu bestätigen, die Ihre Spezies sich selbst auferlegt hat, ist unweigerlich das Erste, das einer Neujustierung bedarf.« (Seite 33)

Auch wenn die außerirdische Intervention ihre Absicht zunächst durch die erziehe- rischen und beschützenden Eingriffe der Flächenpräsenz durchsetzt, so soll die Menschheit sich dennoch bewußt entscheiden, ob sie diesen neuen Weg freiwillig beschreiten will. Wenn die Menschen den notwendigen lebensstilistischen Para-digmenwechsel begrüßen und gegenüber den großzügigen außerirdischen Unter- stützungs- und Wissensangeboten aufgeschlossen sind, werden sie selbstbestimmte Mitgestalter einer anderen Welt als die bisherige.

»Je eher Ihre Spezies ihr kollektives Selbstverständnis findet, umso besser wird es offensichtlich sein.« (Seite 403)

Dieser faszinierende Roman ist komplex und eignet sich besser als Langstreckenlektüre, damit sozusagen die geistige Flächenpräsenz des Lesers nicht allzu oft unterbrochen wird. Der vielschichtige Aufbau der Szenarien und Figurenperspektiven nebst einge- fügter fiktiver Zeitungsartikel, Mail-Korrespondenzen, Blogbeiträge und Interviews bietet eine Multiperspektive, die Lesekonzentration beansprucht.

Neben der Thematisierung einer lebenswerten oder tödlichen Zukunft der Erde und der Menschheit kommen viele biologische, historische, soziologische, psychologische, spirituelle und religiöse Aspekte des Menschseins zur Sprache.

Steven Eriksons weiträumig durchdachter Science-Fiction-Roman spielt mit visionären technischen Möglichkeiten von pazifistischer KI, medizinischen Nanosuiten bis hin zu Terraforming. Dabei ist er ebenso gesellschaftskritisch wie unterhaltsam sowie auf philosophisch-reflektierende Art spannend.

Einige köstliche Prisen Humor finden sich u.a. hinsichtlich einer gewissen Genreselbst-ironie. So erfährt Samantha von Adam, daß sie wegen ihrer mehr humanistisch als technisch orientierten Science-Fiction-Romane als besonders geeignete Person für die Anfangsphasen eines Erstkontaktes betrachtet wird und deshalb für diese Mission aus-gewählt wurde. Beiläufig läßt Adam sie dann noch wissen, daß sie intergalaktisch gesehen mehrere Milliarden außerirdischer Leser hat. Wenn das kein Hoffnungs- schimmer für die Menschheit ist …

»Die menschliche Fantasie ist eine äußerst wertvolle Währung.« (Seite 179)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.piper.de/buecher/rejoice-isbn-978-3-492-70558-5

Eine ergänzende Buchbesprechung von Thursdaynext, die mich zu diesem Roman geführt hat, findet sich auf dem Bücherblog „Feiner reiner Buchstoff“: https://feinerreinerbuchstoff.blog/2019/11/12/rejoice-ideas-for-future-not-only-for-fridays/

Der Autor:

»Steven Erikson ist Archäologe und Anthropologe. Mit seiner international gefeierten Reihe um „Das Spiel der Götter“ etablierte er sich als eine der wichtigsten Stimmen der phantastischen Literatur. Der Autor lebt in Kanada.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

 

Schnick Schnack Schabernack

  • Das Hausbuch der Reime und Lieder für die Allerkleinsten
  • Herausgegeben von Renate Raecke und Monika Blume
  • Illustrationen von Gerda Raidt
  • Gerstenberg Verlag, 6. Auflage Juli 2021 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Halbleinen
  • Format: 22 x 27 cm
  • 144 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A), 32,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5198-2

Schnick Schnack Schabernack Titelbild 9783836951982

WÖRTERKLANG  &  SPRACHGEFÜHL

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Vor dem Sprechenlernen kommt das Lauschen! Damit schon die Kleinsten nicht nur Koseworte und Geplauder zu hören bekommen, sondern darüber hinaus mit melo- dischem Sprachklang angesprochen und angesungen werden können, stellt das vorliegende Buch eine vielsaitige Auswahl amüsanter und poetischer Texte zur Verfügung.

Wir finden hier Versspiele, Abzählreime, Kinderlieder (mit Noten), Fingerspiele, Festtags-reime, Kniereiter, Zahlen- und Buchstabenreime, Nonsensgedichte, Erzählgedichte und Zaubersprüche. Die Sammlung enthält überlieferte und moderne Texte sowie Anleitungen zur begleitenden gestisch-körperlichen Handhabung beim Aufsagen von Fingerspielversen und Kniereitern.

SCHNICK_SCHNACK_SCHABERNACK-43

Illustration von Gerda Raidt © Gerstenberg Verlag 2021

Die luftig-heiteren Illustrationen von Gerda Raidt setzen die in den Texten angesproch-enen Situationen und Themen mit einem Hauch von Nostalgie schön in Szene. Ein alphabetisches Verzeichnis der Autoren, Gedichte und Lieder sowie dazugehörige Quellenangaben erleichtern das Wiederfinden persönlicher Textlieblinge.
  
Mit einem solchen Hausbuch der Reime und Lieder läßt sich spielerisch und vergnüglich kindliche Sprachfreude, Sprachkompetenz und Ausdrucksvielfalt fördern. Dank der Verbindung von Wort, Berührung und Bewegung, wie sie bei vielen Fingerspielen und Kniereitern üblich ist, werden alle kindlichen Sinne angesprochen. Diese umfassende kommunikative Zuwendung zum Kind prägt sich besonders nachhaltig ein und bereichert nebst der familiären Bindung vor allem Wortschatz und Ausdrucksvielfalt – und einen Beitrag zur musikalischen Früherziehung leistet sie noch dazu.

SCHNICK_SCHNACK_SCHABERNACK-34

Illustration von Gerda Raidt © Gerstenberg Verlag 2021

 „Schnick Schnack Schabernack“ ist ein gutes Geschenk für werdende Eltern, zur Geburt, zur Taufe sowie zum ersten oder zweiten Kindergeburtstag. Dieses Hausbuch ist eine Wortschätzespeisekammer für die ganze Familie, mit kunterbunter Geschmacksvielfalt und abwechslungsreichen Themenkreisen, die sich mindestens bis zur Einschulung als melodisches, poetisches und sprachspielerisches Vademecum eignet.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Hausbuch/Schnick-Schnack-Schabernack.html?noloc=1

Die Herausgeberinnen:

»Renate Raecke, geboren 1943, studierte Literatur- und Kunstgeschichte und arbeitete als Buchhändlerin und in verschiedenen Verlagen, bevor sie als freie Lektorin und Herausgeberin tätig wurde. Sie lebt in Pinneberg.
Monika Blume, geboren 1951, hat Erziehungswissenschaften und Soziologie studiert. Heute lebt sie mit Familie in München und arbeite nach Stationen in Verlag und Buchhandel als Autorin und Lektorin, aber auch als Pädagogin für Institutionen und Projekte.«

Die Illustratorin:

»Gerda Raidt, geboren 1975, lebt mit ihrer Familie in Leipzig. Sie studierte freie Grafik in Halle und Leipzig, darauf folgte ein Meisterschülerstudium in Leipzig. Seit 2004 arbeitet sie als freie Illustratorin.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/