Die Schneemacher

  • Bilderbuch
  • Illustrationen von Renata Liwska
  • Text von Marsha Diane Arnold
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Gerstenberg Verlag   September 2017  www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Format: 20 x 22,5 cm
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 13,30 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5975-9
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

S C H N E E R E Z E P T E

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Es ist Winter und Dachs schaut in sehnsüchtiger Erwartung von Schnee durch sein Fernrohr in den Himmel. Angesichts von Dachsens Ungeduld sagt Igel nur weise: „Es schneit, wenn es so weit ist.“

Damit gibt sich Dachs nicht zufrieden. Er trommelt auf Töpfen und Pfannen herum, um den Himmel aufzuwecken. Doch davon schneit es keineswegs; nur Kaninchen, Wühlmaus und Beutelratte laufen herbei und fragen, weshalb Dachs einen solchen Lärm veranstalte.

Igel erklärt, daß Dachs den Himmel zum Schneien bewegen will. Kaninchen schlägt  vor, Steine in die Wolken zu werfen, damit die Wolken Löcher bekämen, aus denen dann der Schnee fiele. Alle Tiere, außer dem geduldigen Igel, werfen Steine in den Himmel, aber es fallen nur Steine und kein bißchen Schnee.

Wühlmaus erinnert sich an ein Schneerezept ihrer Oma: Man müsse einen besonderen Schneetanz mit guten Freunden tanzen. Gesagt – getan, aber außer der Freude am Tanzen und Blasen an den Füßen zeitigt auch der Schneetanz kein Ergebnis.

Illustration von Renata Liwska © Text von Marsha Diane Arnold © Gerstenberg Verlag 2017

Auch Beutelrattes Rat, die Schlafanzüge falsch herum anzuziehen, um Schnee zu provozieren, bringt keine einzige Schneeflocke hervor. 

Geknickt sitzen die Tiere beieinander, der Igel gemahnt noch einmal weise an die unberechenbare Zuverlässigkeit des Jahreslaufes, und die Tiere finden sich nunmehr einfach damit ab, auf den Schnee zu warten. Sie versüßen sich die Wartezeit mit Spielen und kleinen Nickerchen. Und dann – endlich! – fallen die ersten Schneeflocken …

Illustration von Renata Liwska © Gerstenberg Verlag 2017

Die niedlich gezeichneten, weich konturierten, etwas stofftierig anmutenden Figuren mit ihrer drolligen Mimik und Körpersprache schmiegen sich leicht ans Kinderherz.

Der Text beschreibt in anschaulichen, einfachen Worten die eifrigen Bemühungen der „Schneemacher“. Die lebhaften Dialoge werden durch die ruhigen Erklärungen des Igels entspannt und ausgeglichen.

Ungeduld ist zwar keine Tugend, angesichts von kindlicher Schneesehnsucht jedoch verständlich. Gleichwohl lernen wir aus diesem feinen Bilderbuch, daß sich Schnee nicht machen läßt. Schnee kann – wie so vieles im Dasein – einfach nur geschehen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959759&highlight=schnee

 

Die Autorin:

»Marsha Diane Arnold, geboren 1948 in den USA, wuchs auf einer kleinen Farm in Kansas auf und wohnt heute in Florida. Sie studierte Literatur und hatte lange Jahre eine Zeitschriftenkolumne, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Kinderbüchern widmete.«

Die Illustratorin:

» Renata Liwska, geboren in Polen, wuchs in Warschau auf und lebt heute in Calgary, Kanada. „Das laute Buch. Das leise Buch“ wurde mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet und stand auf der Liste Die besten 7. 2010 erhielt sie die Goldmedaille der Society of Illustrators.  «

 

Verschneite Querverweise:

Hier entlang zum einem weiteren von Renata Liwska illustrierten Bilderbuch:
Stille Nacht. Ein leises Weihnachtsbuch“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/22/stille-nacht/

Und zu Sebastian Meschenmosers Schneesucher-Bilderbuch:
Herr Eichhorn und der erste Schnee“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

Sowie zu Loek Koopmans‘ tierischer Schneehandschuh-WG:
Ein Märchen im Schnee:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/23/ein-marchen-im-schnee/

 

 

Advertisements

Stille Nacht, fröhliche Nacht

  • von Julie Völk
  • Bilderbuch
  • Gerstenberg Verlag  September 2017   www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25 x 30 cm
  • 32 Seiten
  • 16,95 € (D), 17,50 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5602-4
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

B E S C H A U L I C H K E I T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bei Julie Völk erzählen allein die Bilder eine Geschichte, Worte kommen nur vereinzelt als  Bestandteil der komplexen Szenerien vor – z.B. als Ladenlokalbeschriftung. Für den Betrachter teilt sich nur das mit, was er den Bildern abliest. Je aufmerksamer, geduldiger und aufgeschlossener dies geschieht, umso mehr gibt es zu entdecken und zu erzählen. Jedes neue Durchblättern erschließt weitere Details, verborgene Bezüge und Deutungsmöglichkeiten.

Auf den ersten Seiten blättern wir eine weite Winterlandschaft auf. Ein Hirsch und ein Hase schauen einer bunten Wagenkolonne nach. Das zusammengefaltete, gestreifte Zelt auf einem der Wagen weckt sogleich eine Assoziation zum Zirkus.

Die bunten Wagen fahren in eine kleine Stadt und passieren einen Marktplatz, auf dem ein munteres vorfestliches Treiben zu beobachten ist. Menschen erledigen letzte Einkäufe, heimeliges Licht strahlt aus allerlei Ladenlokalen, winzige Einblicke in diverse Wohnungsfenster zeigen weihnachtliche Dekorationen, Kinder fahren Karussell, und überall wimmelt es von Fuß- und Schlittenspuren im Schnee.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2017

 

Die Zirkuswagen nähern sich einem Haus am Stadtrand und halten dort. Erwachsene und Kinder steigen aus. An der geöffneten Haustür werden die Gäste von einer lächelnden Frau empfangen, und ihre kleine Tochter läuft freudestrahlend in die geöffneten Arme ihres Vaters.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2017

Alle helfen bei den Vorbereitungen für ein opulentes Festmahl, Geschenke werden eingepackt, der Tannenbaum wird geschmückt, und immer musiziert irgendjemand, wahlweise mit einer Geige oder einer Ziehharmonika.

Nach dem Essen sitzt, liegt und akrobatiert die heitere Gesellschaft gemütlich zusammen, und schließlich schlafen alle mit einem seligen Lächeln im Gesicht ein, geborgen aneinandergekuschelt …

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2017

Wie schon der Vorgängerband „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ (siehe meine Rezension: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/04/guten-morgen-kleine-strassenbahn/ ) ist „Stille Nacht, fröhliche Nacht“ ein Bilderbuch, mit dem man sein Kind dazu animieren kann, vieles selbst zu den Bilderabfolgen zu formulieren.

Die zarten, detailverspielten Blei- und Buntstiftzeichnungen haben einen eigenwilligen, attraktiv-altmodischen Charme. Die warmherzige Darstellung des geglückten zwischenmenschlichen Miteinanders sowie die deutliche Empfindung von Lichtwärme, die alleine schon von der Lichtaura der Straßenlaternen und der erleuchteten Fenster im Kontrast zur winterlichen Schneekühle ausgeht, ist beeindruckend.

Die filigranen Zeichnungen lassen Raum, vielen Betrachtungspfaden zu folgen: die Fußspuren im Schnee verraten etwa, woher jemand kommt, Mimik und Körpersprache der Figuren enthalten Miniaturepisoden, und einige tierische Mitspieler wie Hasen, Katzen und einige Vögel verfolgen am Rande des Geschehens ihre eigenen Absichten …

Kleine Anspielungen auf die beiden vorhergehenden Bilderbücher sind ebenfalls zu entdecken. So findet sich auf dem Karussell ein Löwe, der an das Bilderbuch „Das Löwenmädchen“ erinnert, und ich könnte schwören, der Straßenbahn- schaffner aus „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ befindet sich ebenfalls unter den zahlreichen Passanten der kleinen Stadt.

In Julie Völks schelmisch-zärtlicher und geheimnisvoll-verspielter Bilderwelt öffnet sich still und leise und nachhaltig ein weiter Herzensraum.

Also: Hereinspaziert!

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836956024&highlight=stille

Hier entlang zu meiner begeisterten Besprechung von Julie Völks zweitem Bilderbuch „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ : https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/04/guten-morgen-kleine-strassenbahn/

 

Die Illustratorin:

»Julie Völk, geboren 1985 in Wien, wuchs im ländlichen Niedersachsen auf. Sie studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihr Debüt Das Löwenmädchen ist gleich mit dem Nachwuchspreis Serafina und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis 2015 ausgezeichnet worden. Für ihr zweites Bilderbuch Guten Morgen, kleine Straßenbahn! erhielt sie den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2017. Die Künstlerin lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich. «  http://www.julievoelk.de

 

Fliege, Falter, Honigbiene

  • Die Welt der Insekten
  • Sachbilderbuch
  • Text von Virginie Aladjidi
  • Illustrationen von Emmanuelle Tchoukriel
  • Originaltitel: »Inventaire illustré des insectes«
  • Aus dem Französischen von Cornelia Panzacchi
  • Gerstenberg Verlag   Juni 2016   www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 cm x 30,5 cm
  • 48 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A), 18,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5911-7
  • ab 5 Jahren

INSEKTENKUNDE  FÜR  KLEINE ENTDECKER

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das vorliegende Sachbilderbuch bietet einen übersichtlichen und anschaulichen Einstieg in ein Gebiet, das Millionen Lebewesen zählt, von denen längst noch nicht alle bestimmt und entdeckt wurden. Doch man darf – zumal als Kind – ruhig klein anfangen und sich zunächst mit den hier vorgestellten 65 Insektenarten vertraut machen.

Ein zweiseitiges Vorwort bietet eine kurze Einführung in den Körperbau und die Entwicklungsstadien der Insekten und führt in die Ordnung der Insektenarten ein. Auf den darauf folgenden 34 Farbtafeln sind die Insekten gruppenweise sortiert nach Käfern, Schmetterlingen, Zweiflüglern, Hautflüglern usw.

Illustration von Emmanuelle Tchoukriel © Gerstenberg Verlag 2016 ( KLEINER FUCHS )

Dieses Sachbilderbuch zeigt etwa Marienkäfer, Maikäfer, Haselnußbohrer, den Heiligen Pillendreher, Rosenkäfer, Goliathkäfer, Kartoffelkäfer (auch im Larvenkostüm), Hirschkäfer, Apollofalter, Monarchfalter, Admiral, Kaisermantel, Zitronenfalter, Aurorafalter, Atlasspinner, Stechmücke und Stubenfliege, Hornissenschwebfliege, Wespe, Honigbiene, Ameisen, Libellen, Wanzen, Schaben, Langfühlerschrecken …

 

Illustration von Emmanuelle Tchoukriel © Gerstenberg Verlag 2016 ( SIEBENPUNKT-MARIENKÄFER )

 

 

Die feinen, sehr detailreichen Abbildungen wurden von der Illustratorin Emmanuelle Tchoukriel mit Zeichenstift und Tusche gezeichnet und mit Aquarellfarben farbig-transparent ausgemalt. Jedes einzelne Insektenportrait wird durch einen kurzen Begleittext, der mit prägnanten Informationen aufwartet, ergänzt.

 

 

Illustration von Emmanuelle Tchoukriel © Gerstenberg Verlag 2016 ( FELD-SANDLAUFKÄFER )

So lernt man beispielsweise sehr einprägsam, wie man beim Gemeinen Ohrwurm die Männchen von Weibchen unterscheiden kann: Die Hinterleibszange ist beim Ohrwurm-Männchen leicht gekrümmt und beim Ohrwurm-Weibchen gerade. Na, da weiß man doch demnächst sogleich, woran man ist.

Die Illustrationen sind ebenso wissenschaftlich präzise wie wunderschön. Es gelingt ihnen hervorragend, den kindlichen und den erwachsenen Betrachter für die Formen, Farb– und Mustervielfalt der Insekten zu faszinieren. Und Faszination ist der erste Schritt, um das Fremdeln gegenüber Insekten auf ein natürliches Maß zu bringen und als menschliches Wesen Achtung und Respekt für die kleinen Krabbler, Hüpfer und Flieger zu entwickeln.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959117&highlight=fliege+falter+honigbiene

 

Die Illustratorin:

»Emmanuelle Tchoukriel lebt und arbeitet als freie Illustratorin in Paris. Sie hat an der Estienne in Paris ihr Diplom in Illustration gemacht und sich auf medizinische und wissenschaftliche Zeichnungen spezialisiert.«

Die Autorin:

»Virginie Aladjidi hat zunächst als Journalistin gearbeitet und sich dann dem Schreiben von Kinderbüchern zugewandt. Rund 50 Bücher sind von ihr bereits erschienen. Ihre sechs Kinder haben sie jeweils als Erste getestet.«

 

In ähnlicher Ausstattung gibt es beim Gerstenberg Verlag außer der Welt der Insekten noch weitere Bücher zu entdecken, die sich folgenden Themen widmen:

Birke, Buche, Baobab
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836957489

Käfer, Katze, Krokodil
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836953283

Kiwi, Kürbis, Kokosnus
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836953641

Lavendel, Lilie, Löwenzahn
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959490

Riesen, Zwerge, Schwergewichte
Über 100 Naturrekorde
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836958684

Was ist das?

  • Ein Spiel- und Ratebuch
  • Antje Damm
  • Pappbilderbuch
  • Gerstenberg Verlag  4. Auflage Januar 2017  http://www.gerstenberg-verlag.de
  • 48 Seiten
  • Format: 15 x 15 cm
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 13,30 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5231-6
  • ab 2 Jahren

W A N D E L B A R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Auf der ersten Seite sehen wir zwei schlanke Möhrchen; drehen wir die Seite um, sehen wir einen in Kreide hinzugezeichneten Hasen, und die Möhrchen sind jetzt seine Öhrchen.

So geht es von Seite zu Seite, von Verwandlung zu Verwandlung. Die Überraschung gelingt gänzlich ohne Worte und ist dabei eine amüsante Schule des Sehens.

Bildgestalterische Mischtechniken sind Antje Damms Spezialität. Sie kombiniert und arrangiert alltägliche Gegenstände mit ergänzenden Zeichnungen, diversen Bastel- und Naturmaterialien und verwandelt solcherart einen Gartenschlauch in eine Schlange,  eine grüne Wäscheklammer in ein Krokodil, ein Brötchen in eine Schildkröte, eine Gemüsebürste in einen Igel, bunte Bonbons in Käfer, ein Wollknäuel in ein Schaf usw.

Illustration Antje Damm © Gerstenberg Verlag 2017

Illustration Antje Damm © Gerstenberg Verlag 2017

Kinder werden mit diesem Bilderbuch dazu angeregt, neugierig mitzuraten, Dinge neu, anders und in ungewohnten Verbindungen zu erkennen sowie das verborgene „Leben“ einer Form oder Struktur spielerisch weiterzudenken. Vielleicht bekommen sie sogar Lust, selber solche Bilderrätsel herzustellen.

Dank der übersichtlichen Darstellungsweise, der dicken Pappseiten und dem handlichen Format ist „Was ist das?“ ein Bilderbuch, mit dem schon kleine Kinder ab zwei Jahren vergnüglich die inszenierten Verwandlungen betrachten und „beraten“ können.

Ich will bloß hoffen, daß sich meine Zahnbürste gleich nicht in einen Tausendfüßler verwandelt – indes, Sie merken jetzt schon, daß die Beschäftigung mit solchen Büchern nicht nur bei Kindern ganz schön die Phantasie anregt …

 

Querverweis:

Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich!
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/

 

Die Autorin:

«Antje Damm wurde in Wiesbaden geboren. Sie studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt heute mit ihrer Familie, ihrem Mann und vier Kindern, in der  Nähe von Gießen. Nach den Geburten ihrer ersten beiden Töchter begann sie mit dem Schreiben und Zeichnen von Bilderbüchern und ist damit außerordentlich erfolgreich.«

Ramas Flucht

  • Bilderbuch
  • Bilder von Nizar Ali Badr
  • Text von Margriet Ruurs
  • Arabischer Text von Falah Raheem
  • Originaltitel »Stepping Stones. A Refugee Family’s Journey«
  • Aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günter
  • Deutsch-arabische Ausgabe
  • Gerstenberg Verlag  Januar 2017    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 18,5 x 24 cm
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • ISBN 978-3-8369-5973-5
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ab 4 Jahren

DIE  STIMMEN  DER  STEINE

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

„Ramas Flucht“ ist ein Bilderbuch, das Steine sprechen läßt, den Horizont weitet, das Herz öffnet.

Der syrische Bildhauer Nizar Ali Badr hat für die Geschichte von Ramas Flucht Steincollagen gelegt, deren tiefe, elementare  Ausdruckskraft überrascht und beein-druckt. Seine Bildkompositionen aus einfachen Kieselsteinen sind erstaunlich beredt.
Die menschlichen Figuren strahlen durch ihre steinerne Körpersprache sehr differenziert bewegte und bewegende Gefühle aus, und an manchen Stellen bringt Nizar Ali Badr sogar Steine zum Blühen.

Rama erzählt vom glücklichen Lebensalltag ihrer Familie, der Vater arbeitet auf dem Feld, der Großvater geht fischen und erzählt abends unter dem häuslichen Orangenbaum von den Ahnen, die Mutter näht und kocht, die Kinder spielen fröhlich miteinander, man kauft auf dem Markt ein, und man trinkt gelegentlich Tee mit den Nachbarn und plaudert.

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Dann kommt der Krieg, Bomben fallen, Lebensmittel werden knapp, die ersten Nachbarn verlassen das Dorf, die Abschiede und Verluste häufen sich, die Angst wächst, und schließlich flieht auch Ramas Familie vor Gewalt und Unfreiheit.

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Die Mühsalen, Gefahren und Schmerzen der Flucht zu Land und zu Meer werden beschrieben, aber auch die Hoffnung auf ein anderes Leben an einem Ort, an dem Frieden herrscht. Ramas Familie findet ein neues Zuhause und Menschen, die ihnen helfen …

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Die Autorin Margriet Ruurs hat für Ramas Geschichte einen feinen, leise-eindringlichen, poetischen und zugleich präzisen Tonfall gefunden, der wunderbar mit der empfindsamen Kraft der Steinbilder harmoniert. Der Text erscheint zudem zweisprachig auf Deutsch und Arabisch.

Dieses außergewöhnliche Bilderbuch wird dem Anspruch gerecht, den es mit dem vorangestellten Zitat von Albert Einstein erhebt:

„Frieden kann nicht durch Gewalt erhalten werden.
Er kann nur durch Verständnis erreicht werden.“

„Ramas Flucht“ eignet sich hervorragend, um Kindern das Thema Flucht begreifbar und verständlich zu machen. Die Stein-Collagen sind anrührend und ergreifend, aber nicht abschreckend wie beispielsweise Nachrichtenfotos. Außerdem ist diese Art der Bildgestaltung auch eine kreative Anregung für den Kunstunterricht und/oder für therapeutische Ausdrucksformen – insbesondere für Kinder, die selbst Fluchterfahrungen hinter sich haben.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959735&highlight=ramas+flucht

 

PS:
Die außergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Nizar Ali Badr und Margriet Ruurs ist ein schönes Beispiel für die Überwindung von Grenzen. Margriet Ruurs entdeckte die kunstvollen Steinbilder Nizar Ali Badrs im Internet und wollte eine Geschichte dazu schreiben. Sie bemühte sich geduldig um Kontakt. Nach einigen Umwegen und vermittels eines englischsprachigen Freundes des syrischen Künstlers konnte dieses Buchprojekt schließlich verwirklicht werden.

PPS:
Auf Karins Sternschnuppen-Blog finden sich drei kurze, sehenswerte YouTube-Filme über die Arbeiten von Nizar Ali Badr:
https://11sternschnuppe11.wordpress.com/2017/07/25/pictures-of-the-east/

PPPS:
Gerne reihe ich auch diese Bilderbuchbesprechung in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein:
https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Der Illustrator:

»Nizar Ali Badr, geboren 1964 in Latakia, Syrien, lebt auch heute noch in der syrischen Hafenstadt. Er ist Künstler und Bildhauer. Badr sammelt Steine in der näheren Umgebung, aus denen er im Atelier auf dem Dach seines Hauses eindrucksvolle Kunstwerke schafft.«

Die Autorin:

»Margriet Ruurs, geboren 1952 in den Niederlanden, lebt schon lange in Kanada. Sie schreibt Gedichte, Bilder-, Sach- und Schulbücher. Heute wohnt sie auf Saltspring Island, einer kleinen Insel im Pazifik, wo sie ein Bed & Breakfast für Buchliebhaber betreibt.«

 

 

Bienen

  • Bilderbuch
  • Text und Illustrationen von Piotr Socha
  • Redaktionelle Mitarbeit und fachliche Beratung
  • von Wojciech Grajkowski
  • Originaltitel: „Pszczoty“
  • aus dem Polnischen von Thomas Weiler
  • Gerstenberg Verlag   Juni 2016    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 27 x 37 cm
  • 80 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 24,95 € (D), 25,70 € (A), 31,60 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5915-5
  • ab 5 Jahren
    BIENEN Titelbild

EIN  BILDERBUCH  ZUM  SCHWÄRMEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Selten findet man einen so vielseitigen, ganzheitlichen und humorvollen Umgang mit einem naturwissenschaftlichen Thema wie im vorliegenden Sachbilderbuch „Bienen“ des Illustrators Piotr Socha. Man merkt Text und Zeichnungen die Liebe und Begeisterung für das Fachgebiet an – schließlich ist Piotr Socha der Sohn eines Imkers, und er ist mit Bienen sozusagen groß geworden.

Auf 36 Bildtafeln, die dank des großzügigen Folioformats des Buches auch viele Feinheiten sichtbar machen, wird das Leben der Bienen umfassend dargestellt. Die kurzen Textabschnitte bieten konzentriertes Fachwissen, das kindgerecht aufbereitet wird und in einem heiteren Plauderton vieles Wissens- und Bemerkenswerte rund um das Thema Bienen vermittelt.

Wir erfahren von der evolutionären Beziehung und Entwicklung zwischen Bienen und Blüten und wie die Bienen sich auf vegetarische Ernährung spezialisierten.

Der Körperbau der Bienen und ihre körperlichen Fähigkeiten kommen ebenso zu Wort und Bild wie die „familiäre“ Organisation des Bienenvolkes, die Fortpflanzung und Brutaufzucht, die Honigherstellung, die kluge Vorratshaltung, die faszinierende Kommunikation über Rund- und Schwänzeltänze sowie die unermeßlich wertvolle Bestäubungsleistung der fleißigen Bienen.

Bienenstockinnenleben

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Nach einem Abstecher zur Bionik und zur Stabilität des Wabenbaus lernen wir zahlreiche Früchte und Gemüsesorten kennen, die wir der Bestäubung durch Bienen verdanken – übrigens gehören auch Kaffeebohnen und Baumwolle zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen, deren Ernte ohne Bienen ziemlich mager ausfallen würden.

Ein historischer Schlenker in die Steinzeit zeigt Höhlenzeichnungen, auf denen Menschen offenbar Wildbienennester ausbeuten. Die alten Ägypter hingegen pflegten bereits vor 4000 Jahren die Imkerei und nutzten Honig auch schon medizinisch zur Wundbehandlung. Weitere historische Schlenker streifen die Bedeutung von Bienen und Honig in der klassischen griechischen Antike, bei den alten Römern und den vorchristlichen Slawen.

Napoleon Bonaparte ersetzte die bourbonischen Lilien auf Wappen, Siegeln, Standarten und öffentlichen Gebäuden durch Bienen und ließ die Krönungsmäntel für sich und seine Kaiserin Joséphine mit goldenen Bienen besticken.

Bienen mit Bär

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Von der Zeidlerei, der Waldbienenzucht, und den strengen Strafen für Honigraub, welche die Zeidlergerichte – gegen Menschen und Bären – verhängen durften, geht es weiter zur gegenwärtigen Imkerei mit allem dazugehörigen Handwerkszeug.

Bienenkorbdieb

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Außerdem wird eine Vielzahl von Bienenbeuten – so heißen die unterschiedlichen Behausungen, die Imker den Bienen zum Bezug anbieten – gezeigt. Es gibt Bienenkörbe, Tongefäße, mit Stroh umwickelte, hohle Baumstämme, hölzerne Fässer und Kisten bis hin zu modernen Magazinbeuten mit herausnehmbaren Wabenrähmchen…

Die mobile Imkerei, die auf Bestellung Orangen- und Mandelblütenplantagen in den USA mit Bienenbestäubungsfleiß versorgt, befindet sich im interessanten Kontrast zur lebensgefährlichen Honigernte in Südostasien, bei der sogenannte Honigjäger hohe Berghänge und Felsen mit Seilen und Strickleitern erklimmen müssen, um die Waben  der asiatischen Riesenhonigbienen zu erreichen, die hinter einer mehrschichtigen Hülle aus angriffslustigen Bienen verborgen sind.

Vorgestellt werden außerdem Trachtpflanzen, die besonders viel Nektar produzieren, Honigsorten, Honiggebäck (mit Rezepten) und Bienenfeinde von tierisch bis umweltgiftig. Bienensterben und Blütenbestäubung durch menschliche Handarbeit (China) sowie die neumodische innerstädtische Stadtimkerei auf Dächern und Balkonen werden ebenso thematisiert wie die besten Hausmittel zur Behandlung von Bienenstichen.

Die kunterbunten Illustrationen in diesem Bienen-Sachbilderbuch sind eine wahre Augenweide: naturwissenschaftlich stilisiert mit einer schelmischen zeichnerischen Verspieltheit, die der Anschaulichkeit und Untermalung der Textinformationen vortrefflich dient.

Die Bildtafeln laden große und kleine Leser zu freudiger Entdeckerlust ein und vermitteln eine einfühlsame und multiperspektivische Betrachtungsweise der für uns Menschen so ernährungsrelevanten fleißigen Bestäuber und Honigproduzenten.

Bienengestalt

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2016

Der Autor und Illustrator:

»Piotr Socha, geboren 1966, wuchs als Sohn eines Imkers mit Bienen auf. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau betätigte er sich als Illustrator für diverse bekannte polnische Zeitungen und Zeitschriften und illustrierte zahlreiche Bücher. Heute ist er einer der beliebtesten Cartoonisten Polens.«

 

Querverweis:

Ergänzend – für ältere Leser – empfehle ich den Roman „Die Bienen“ von Laline Paull: „Die Bienen“ ist ein faszinierender, speziesübergreifender erzählerischer Annäherungsversuch an die komplexe Lebensform eines Bienenschwarms, übersetzt in menschliche Gefühlskategorien: Spannend, voller Lebensgefahren und tapferer Kämpfe wie ein Abenteuerroman, komplexe, beziehungsdynamische Verhältnisse wie in einer Familiengeschichte, berührend, gefühlvoll und sinnlich wie eine Liebesgeschichte und dabei betörend-duftbetont und auch mit einigen Prisen Humor bestäubt.

Hier entlang zur vollständigen Rezension:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/

Guten Morgen, kleine Straßenbahn!

  • Bilderbuch
  • von Julie Völk
  • Gerstenberg Verlag   Juni 2016    www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 28,5 x 21 cm
  • 32 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A), 19,40 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5912-4
  • ab 3 Jahren
    Guten Morgen, kleine StraßenbahnTITELBILD

ERZÄHLE WAS, DAS NICHT GESCHRIEBEN STEHT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ ist ein Bilderbuch, das sich ganz auf die Aussagekraft seiner Bilder verläßt und das es sich tatsächlich leisten kann, auf einen vorgedruckten erzählenden Begleittext zu verzichten.

Die meisterhaft-kindlichen Blei- und Buntstiftzeichnungen von Julie Völk stecken voller liebenswerter Details, zahlreicher Wiedererkennungs-merkmale und zu entdeckender Bezugsebenen und Querverweise, die sich nur dem achtsamen Betrachter und der neugierig wiederholten Aufmerksamkeit erschließen. Die sonnenwarme Farbgebung, die Darstellung der Stadtkulisse und die weichgerundeten Formen der Straßenbahn  erzeugen ein behaglich-nostalgisches Flair.

Schriftliches erscheint in den detaillierten Zeichnungen lediglich in Form von Straßennamen, Geschäfts- und Lokalaushängeschildern, einer Denkmaltafel (sehr lustig übrigens!)  und als Litfaßsäulenplakate sowie als lesbare Schlagzeilen einer Tageszeitung, die von einer unentwegt zeitungslesenden Frau immer wieder umgeblättert wird.

Die kleine Straßenbahn steht an der Haltestelle „Morgenstund“, und der Straßenbahnschaffner, dessen Wecker sechs Uhr früh anzeigt, rekelt sich gähnend, während man beim noch geschlossenen Bäckerladen nebenan schon Licht sieht. Der Tag erwacht, die Vögel zwitschern, der Bäcker öffnet sein Geschäft, der Kioskmann schiebt sein Rollrollo hoch, und der Schaffner öffnet den ersten Fahrgästen die Tür.

Einer alten Dame mit einem Korb voll roter Strickwolle hilft er freundlich die Einstiegsstufen hinauf, dann steigt noch eine Frau mit einer Ladung Fische ein, gefolgt von einer Katze und einem Jungen mit Schulranzen, der gerade an der Haltestelle ein kleines Spielzeugriesenrad gefunden hat, das er nun ausgiebig bewundert.

Guten Morgen, kleine Straßenbahn Winken

Guten Morgen, kleine Straßenbahn! Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2016

Die Bahn fährt los, die Straßenszenerie verändert sich; unterwegs winkt der Schaffner dem Postboten freundschaftlich zu, neue Fahrgäste steigen ein, die Fischfrau steigt aus, und der Schaffner bekleckert sich mit seinem Kaffee.

Guten Morgen, kleine Straßenbahn Fahrgäste 1

Guten Morgen, kleine Straßenbahn! Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2016

Die Fahrt geht gemächlich weiter. Neue Menschen steigen ein: Eine Mutter in Begleitung von drei Kleinkindern und einem Säugling im Kinderwagen, ein Mann mit drei kleinen, bärtigen Hunden, eine junge Frau, die fast ganz hinter der Tageszeitung verschwindet, in deren Lektüre sie vertieft ist. Außerdem ist da noch ein großer Mann, der offenbar etwas schüchtern ist, denn er neigt dazu, fast unsichtbar mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Der Strickschal, an dem die alte Dame schon während der ganzen Fahrt eifrig-konzentriert strickt, ist inzwischen so lang geworden, daß eines der Kinder sich fröhlich darin einwickelt.

Guten Morgen, kleine Straßenbahn Fahrgäste 2

Guten Morgen, kleine Straßenbahn! Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2016

Die nächste Doppelseite zeigt eine Panoramansicht der kleinen Stadt und des Schienen-netzes der kleinen Straßenbahn, die dem geneigten Betrachter einen interessanten und informativen Überblick verschafft.

Guten Morgen, kleine StraßenbahnStadtpanorama

Guten Morgen, kleine Straßenbahn! Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2016

An der nächsten Haltestelle am „Tiergarten“  steigt ein Mädchen mit einem grünen Rucksack ein, und die alte Dame steigt aus; ich verrate nicht, wem sie den ellenlangen Schal mitbringt …

Das Mädchen mit dem grünen Rucksack und der Junge mit dem Spielzeugriesenrad kommen ins Gespräch; später werden sie gemeinsam zum echten Riesenrad gehen, das auf dem Marktplatz steht.

Nun habe ich schon viel erzählt, aber längst nicht alles, denn die Fahrt der kleinen Straßenbahn geht noch weiter, und ich habe nur einen kleinen Teil der mitwirkenden Figuren und möglichen Geschichtenkeime erwähnt. So gibt es beispielsweise einen entlaufenen Pinguin, eine Liebeserklärung … und auch noch kleine Episoden, die sich im Hintergrund beim Blick durch die Straßenbahnfenster nach draußen zeigen …

 

Guten Morgen, kleine Straßenbahn Warteschlange

Guten Morgen, kleine Straßenbahn! Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2016

Ein solch leises und angenehm langsames Bilderbuch, das gleichwohl sehr vielsagend ist, begegnet einem nicht oft. „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ ist ein Bilderbuch, das sich wunderbar dafür eignet, aus dem angebotenen Bilderreichtum, selber Geschichten und phantasievolle Interpretationen zu entwickeln und auf offene Fragen eigene Antworten zu finden.

Ich habe selbst beim siebten Durchschaublättergang noch neue Anspielungen, weitere amüsante Einzelheiten und ergänzende Zusammenhänge gefunden.

Gewiß wird es eine spannende und unterhaltsame Erfahrung sein, welche Geschichten und Deutungsspielräume das erwachsene „Vorleserauge“ in dem vorgegebenen Bilderrohstoff sieht und welche Geschichten und Deutungsspielräume der kindliche Blick entdeckt.

„Guten Morgen, kleine Straßenbahn“ ist ein außergewöhnliches, verspielt-geheimnisvolles Bilderbuch und eine zauberhafte Einladung, zum bilderentziffernden Geschichtenentdecker zu werden.

 

 

Die Illustratorin:

»Julie Völk, geboren 1985 in Wien, wuchs im ländlichen Niedersachsen auf. Sie studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihr Debüt Das Löwenmädchen ist gleich mit dem Nachwuchspreis Serafina und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis 2015 ausgezeichnet worden. Die Künstlerin lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich.«
Mehr unter http://www.julievoelk.de
Guten Morgen, kleine StraßenbahnTITELBILD

 

 

 

Wildes Leben in der Stadt

  • Sachbilderbuch
  • Text von Ilka Sokolowski
  • Illustrationen von Janna Steimann
  • Gerstenberg Verlag 2015   http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 22,5 x 29 cm
  • 64 Seiten, farbig illustriert
  • gebunden, Fadenheftung
  • 14,95 € (D), 15,50 € (A), 19,40 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5779-3
  • ab 5 Jahren

Wildes Leben in der Stadt

WILDNISNÄHE

Sachbilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Wildes Leben in der Stadt“ illustriert in Wort und Bild einen interessanten und gut zugänglich beobachtbaren Fundus wilder Tiere, die als sogenannte Kulturfolger die Stadtlandschaft besiedeln und beleben.

Jedes Tier wird auf einer Doppelseite dargestellt, übersichtlich auf die wesentlichen Lebensbedürfnisse des Tiers abgestimmte Textabschnitte informieren über Aussehen, Nahrungsbedarf, Verhaltensweisen, Fortpflanzung und besondere, artgemäße Spezialitäten. Die naturalistisch-detailreichen, farbigen Zeichnungen runden die biologischen Beschreibungen mit lebhaften Szenerien gekonnt ab. Ein kleines Steckbrief-Infokästchen wiederholt stichwortartig die wesentlichen Erkennungsmerkmale.

Das Buch ist sinnvoll nach sechs Lebensräumen gegliedert: Luft, Wasser, Erdboden, Brachland, Park und Wiese sowie menschliche Behausung.

Lehrreiche Beobachtungstipps, Hinweise auf Achtsamkeit und Respekt gegenüber allen Tieren sowie weiterführende Adressen von Naturschutzorganisationen ergänzen die Informationspalette.

Der Text  macht ganz klare, deutliche Ansagen und vermittelt auf einfache, verständliche und kindgemäße Weise Wissen. Dabei werden faszinierende Details aufgegriffen, die Verständnis und Einfühlung in die Verhaltensweisen von Tieren fördern.

So erfahren wir, daß Stubenfliegen mit Geschmackshärchen an den Füßen schmecken oder daß Wespen gar nicht angriffslustig sind, wenn sie vor einem auf und ab und hin und her fliegen, sondern daß sie uns nur optisch „abscannen“, weil ihre Augen aus vielen Einzelaugen bestehen, die nur Einzelbilder erfassen, die zu einem Gesamteindruck zusammengefügt werden müssen. Mauersegler können beim Fliegen schlafen, und Regenwürmer bekommen tödlichen Sonnenbrand, wenn sie sich nicht unter der Erde in Schutz bringen können.

Von großer Einfühlsamkeit ins kindliche Gemüt zeugt auch die Erklärung des Begriffs „gemein“ in Zusammenhang mit  der Bezeichnung „Gemeiner Regenwurm“ – sehr nett wird erläutert, daß „gemein“ nicht im Sinne von „fies“ gemeint sei, sondern nur im Sinne von allgemein und häufig vorkommend.

Besonders amüsant fand ich die Information, wie man das Geschlecht von Stechmücken bestimmen kann. Da tatsächlich nur die Weibchen stechen und Blut saugen (um Eier ausbilden zu können), sollte man schon wissen, wer einen da umschwirrt. Schauen Sie nur genau hin: Die Mückenmännchen haben gefiederte Fühler! Da weiß man doch demnächst, woran man ist. Und Kinder brauchen wahrscheinlich auch noch keine Lupe, um solche Feinheiten zu erkennen.

Außer den bereits erwähnten werden noch folgende Tiere dargestellt: Amsel, Spatz, Rabenkrähe, Turmfalke, Stockente, Höckerschwan, Hufeisen-Azurjungfer, Maulwurf, Ohrwurm, Rotfuchs, Schwarze Wegameise, Wildkaninchen, Eichhörnchen, Hausmaus, Steinmarder, die Große Winkelspinne, Marienkäfer und Schmetterlinge.

Mit „Wildes Leben in der Stadt“ bekommen Kinder (und ihre Erwachsenen) eine vorbildliche Schatzkarte für anregende Entdeckungen und natürliche Lebenskostbarkeiten in der unmittelbaren Umgebung.

 

Die Autorin:

»Ilka Sokolowski wurde 1965 in Stadthagen geboren. Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie in Hannover arbeitete sie mehrere Jahre als Redakteurin der Zeitschrift spielen und lernen und als Lektorin der „Treff-Jugendbücher“. Seit 1998 ist sie freiberufliche Autorin mit dem Schwerpunkt Kindersachbuch.«

Die Illustratorin:

»Janna Steimann, geb. 1981 in Unna, studierte Kunst an der HAW Hamburg. Sie ist Diplom-Designerin (Schwerpunkt Illustration) und seit 2007 als freiberufliche Illustratorin tätig. In ihrem Atelier „Kunststück“ bietet sie auch Mal- und Zeichenkurse sowie Kreativworkshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Sie lebt mit ihrer Familie in Unna.«
www.janna-design.de

 

Die wundersamen Abenteuer von Pippa Katzenöhrchen

  • von Martine Glaser
  • mit Bildern von Eline van Lindenhuizen
  • aus dem Niederländischen von Meike Blatnik
  • Gerstenberg Verlag Januar 2016     http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 16 x 21,5 cm
  • gebunden
  • 240 Seiten
  • 14,95 e (D), 15,40 € (A), 19,40 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5891-2
  • ab 8 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
    Die wundersamen Abenteuer von Pippa Katzenöhrchen

ZAUBERGLÜCK  UND  ZAUBERPECH

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Einzigartigkeit spielt in diesem Kinderbuch eine wichtige Rolle. Das kleine Mädchen Pippa hat ganz besondere Ohren: Sie laufen spitz zu wie bei einer Katze, und sie haben einen feinen Haarflaum. Ihre Eltern haben Pippa deshalb direkt nach der Geburt den Kosenamen Pippa Katzenöhrchen gegeben.

Als Pippa nach der Einschulung von einigen Kindern wegen ihrer Ohren aufgezogen wird, stellt sie sich nach einer Phase der Verunsicherung vor den Spiegel, betrachtet ihre Ohren von allen Seiten und sagt sich selbstbewußt: „Ich bin Pippa Katzenöhrchen und mich gibt es nur einmal: Alle blöden Quälgeister können mir mal den Buckel runterrutschen.“ (Seite 8)

Eines Tages langweilt sich Pippa; ihre Mutter ist konzentriert damit beschäftigt, einen Tisch anzustreichen, und Pippa bequengelt sie damit, doch bitte mit ihr den Jahrmarkt zu besuchen. Die Mutter weist darauf hin, daß sie viel zu tun habe, und Pippa weist darauf hin, daß sie mit ihren Katzenöhrchen schon die ganze Zeit die fröhliche Musik höre und unbedingt zum Jahrmarkt müsse. Genervt sagt die Mutter, daß sie sich wünsche, Pippas Öhrchen würden verschwinden.

Zu beider Schrecken erfüllt sich dieser Wunsch augenblicklich. Während ihre Mutter erschüttert mit dem herbeigerufenen und ratlosen Doktor spricht, schwingt sich Pippa wütend auf ihr Fahrrad, um sich auf die Suche nach ihren Ohren zu machen. Denn ohne ihre Katzenöhrchen fehlt ihr ein wesentliches Element ihres Selbstverständnisses.

Sie begegnet einem Zauberer, Magister Hippolytus Weißlein, der sich nach einem Zauberunfall den eigenen Körper weggezaubert hat, und hilft ihm pfiffig dabei, sich wieder an den Zauberspruchversprecher zu erinnern und den richtigen Umkehrzauber-spruch zu finden. Nur Pippas Ohren kann der Zauberer nicht wieder herbeizaubern. Magister Weißlein schenkt Pippa zum Abschied und als Dank für ihre Hilfe fünf Zauberkraft-Pillen, die sie beim erfolgreichen Bestehen der folgenden Abenteuer unterstützen.

Pippa lernt sprechende Schlangen kennen, die es gar nicht seltsam finden, daß sie keine Ohren hat, denn Schlangen haben auch keine Ohren und kommen gut damit zurecht.

Nach einer Flugreise – dank Zauberflugpille – muß Pippa auf dem Boot von Hermann dem Rächer notlanden. Hermann will Wale vor Walfängern retten, und Pippa hilft ihm gerne und tatkräftig dabei. Anschließend transportiert Hermann Pippa zur nächsten Hafenstadt und teilt sein letztes bißchen Geld mit ihr.

In der fremden Stadt muß sich Pippa alleine durchschlagen; sie trifft auf einige wenig vertrauenerweckende Menschen, und ihre Sehnsucht nach der Geborgenheit ihres Zuhauses wird immer größer.

Als sie schon ganz verzweifelt ist und nicht weiß, wo sie nachts schlafen soll, begegnet sie einem freundlichen Jungen namens Pablo, der sie mit zu sich nach Hause nimmt. Sie teilt sich ein Bett mit Pablos Schwester, und beim Frühstück lernt Pippa Pablos Mutter und seine sieben Geschwister kennen. Pablos Vater malt wunderschöne Bilder, aber er ist ein unbekannter Künstler, und die Familie ist arm. Doch Pippa gelingt es, zusammen mit Pablo und dank einiger glücklicher Zufälle, dem unbekannten Maler zu sensationeller Bekanntheit zu verhelfen.

Bereichert um ermutigende Lebenserfahrungen und neue Freundschaften, kehrt Pippa schließlich glücklich nach Hause zurück. Und die Ohren? Nun, soviel sei hier verraten: die Katzenöhrchen kommen auch wieder zurück.

Denn, wie Magister Weißlein raten würde: „Alles, was du brauchst, trägst du bereits bei dir. Die besten Lösungen kommen von innen, nicht von außen.“ (Seite 63)

Die Autorin, Martine Glaser, erzählt Pippas Geschichte in einfacher, eingängiger und schelmisch-witziger Sprache, und die zahlreichen, begleitenden Schwarz-weiß-Zeichnungen von Eline van Lindenhuizen geben die jeweilige Handlung angemessen wieder.

Ich konnte indes beim Lesen mit Pippa nicht richtig warm werden. Die emotionale Ebene und die Figurenzeichnung bleiben – für mein Empfinden – zu oberflächlich, und auch der Handlungsverlauf erscheint mir zu konstruiert; selbst die durchaus phantasievollen Details wirken auf mich in ihrer Darstellungsweise seltsam nüchtern und unterkühlt. Die sehr direkte Artikulation aller Emotionen, dieses sofortige Stimmungsausplaudern, ohne daß zuvor zwischen den Zeilen erzählerisch eine Stimmung erzeugt wurde, verhindern genau die zauberhaften Erzählnuancen, die der Geschichte märchenhaftes Herzblut eingeflößt hätten.

Für mich ist „Die wundersamen Abenteuer von Pippa Katzenöhrchen“ kein Herzensbuch, sondern einfach nur ein nettes Buch.

 

Die Autorin:

»Martine Glaser wollte eigentlich Malerin werden. Ein Ferienjob nach ihrem Kunststudium bescherte ihr jedoch eine Anstellung im sozialen Wohnungsbau. Hier war sie bis 2007 tätig, zuletzt in leitender Funktion. Seitdem arbeitet sie freiberuflich als Schriftstellerin für Kinder und Jugendliche und als Journalistin für verschiedene Radiosender und Magazine. Die wundersamen Abenteuer von Pippa Katzenöhrchen ist ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.»

Die Illustratorin:

»Eline van Lindenhuizen, geboren 1983 in Meppeln, lebt in Kampen. Nach einem Illustrationsstudium an der Minerva Academy in Groningen arbeitet sei als freie Illustratorin. Neben Zeichnen und Malen liebt sie Bücher und Flohmärkte.

Die Übersetzerin:

«Meike Blatnik, geboren 1974, studierte Neuere deutsche Literatur und Philosophie in Berlin. Seit Studienende arbeitet sie in der Presseabteilung eines Berliner Verlages und übersetzt vornehmlich Kinder- und Jugendbücher aus dem Niederländischen.«

Ein Garten für den Wal

  • von Toon Tellegen
  • Illustrationen von Annemarie van Haeringen
  • Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
  • Gerstenberg Verlag Januar 2016      http://www.gerstenberg-verlag.de
  • 64 Seiten
  • Format: 18,5 x 24 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5901-8
  • ab 7 Jahren zum Selberlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
    Ein Garten für den Wal Titelbild

W Ü N S C H E N S W E R T E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Vorstellung eines erfüllten Wunsches kann manchmal schöner sein als seine tatsächliche Verwirklichung. Diese elementare Lebenslektion wird in „Ein Garten für den Wal“ in Wort und Bild anschaulich vorgeführt.

Eigentlich ist der Wal mitten im Ozean ganz und gar in seinem Element. Er hat endlos Platz, und das Wasser wiegt ihn wohlig in Schlaf, wo immer er sich gerade treiben läßt. Eigentlich fehlt ihm nichts, aber da ist doch noch sien Wunsch nach einem kleinen Garten. Immerhin hat er bereits einen Springbrunnen, der würde fein mit einer Holzbank und bunten Blumen harmonieren.

Wenn der Wal in schlaflosen Nächten hinauf in den Himmel schaut, stellt er  sich gerne vor, daß der Mond mit den Sternen ein Fest im Himmelsgarten feiert, und vielleicht – so träumt der Wal – würde er  auch einmal dorthin eingeladen.

Wal mit Mond

Illustration von Annemarie van Haeringen © Gerstenberg Verlag 2016

Der Wunsch nach einem Garten auf seinem eigenen Walrücken ist schließlich so groß, daß der Wal einen Brief an den Grashüpfer schreibt und alles gartenmögliche Zubehör bestellt. Der Grashüpfer nimmt diese Bestellung sehr ernst und macht sich mit seinem vollgeladenen Boot auf den Weg zum Wal.

Freudig wird er vom Wal begrüßt, und eifrig beginnt der Grashüpfer, den Garten anzulegen. Der Wal stellt derweil schon mal seinen Springbrunnen an und fragt den Grashüpfer, ob er auch Veilchen dabeihabe und einen Sonnenschirm, eine Schaukel, Flieder und Geißblatt undundund … doch der Grashüpfer hat wirklich an alles gedacht, was zu einem einladenden Garten gehört.

Als der Garten fertig gestaltet ist, hat der umsichtige Grashüpfer sogar einen Spiegel dabei, damit der Wal den Garten überhaupt besichtigen kann. Erschöpft ruht sich der Grashüpfer auf der Gartenbank gegenüber vom Walspringbrunnen aus, und der Wal malt sich vorfreudig aus, wer ihn bald alles besuchen käme und seinen Garten bewundere.

Ein Garten für den Wal: Wal im Wasser

Illustration von Annemarie van Haeringen © Gerstenberg Verlag 2016

Zunächst kommen viele Fische vorbeigeschwommen und bestaunen den Garten, und ein Albatros landet auf der Gartenbank und sagt, er habe noch nie einen so schönen Garten gesehen.

In der Nacht fällt dem Wal zwar auf, daß er sich nicht auf den Rücken drehen kann, um die Sterne zu betrachten, aber das nimmt er hin. Der Grashüpfer hatte ihn auch bereits ermahnt, nicht zu laut zu lachen, da sonst der ganze Garten wackle und bebe.

Am nächsten Morgen verabschiedet sich der Grashüpfer, und kurz darauf kommen zwei neue Besucher: Das Nilpferd und das Nashorn. Die beiden verhalten sich leider etwas trampelig, sind aber große Bewunderer der schönen Gartenaussicht. Der nächste Besucher ist das Walroß, welches es sogar schafft, sich im Garten zu verlaufen und dabei einige Blumen zu zertrampeln. Anschließend unterhalten sich der Wal und das Walroß angeregt über das Leben im Meer.

Nach einer Weile wird dem Wal bewußt, daß alle außer ihm seinen Garten genießen können, und kurzentschlossen macht er einen großen Sprung aus dem Wasser in die Luft und tief ins Meer zurück. Der ganze Garten wird von seinem Rücken weggespült, und die Garteneinzelteile treiben auf den Wellen davon. Der Wal schaut ihnen gelassen nach und merkt, daß er keinen Garten braucht. Er hat seinen Springbrunnen und das weite, weite Meer. Er ist glücklich mit all dem, was er schon immer hatte.

Manche Wünsche fallen offensichtlich besser ins Wasser, aber der Wal muß dies über den Umweg der Wunscherfüllung ganz praktisch selbst erfahren, um eine angemessenere Perspektive auf die Lebensbedingungen zu belangenen, die bereits erfüllend sind.

Toon Tellegen erzählt diese Geschichte mit einfachen Worten auf herzliche Weise und mit leisetönender Heiterkeit. Die farbigen Illustrationen von Annemarie van Haeringen geben dem ebenso klugen wie verträumt-poetischen Text sehr stimmig spielerische Gestalt und lebhafte Dynamik.

Ein Garten für den Wal: Grashüpfer schaukelt

Illustration von Annemarie van Haeringen © Gerstenberg Verlag 2016

 

Der Autor:

»Toon Tellegen, geboren 1941, arbeitete als Arzt in Kenia und Amsterdam, wo er noch immer lebt. Die Tiergeschichten erzählte er ursprünglich seiner Tochter. Tellegen erhielt alle großen niederländischen Preise: mehrere Goldene und Silberne Griffel, den Woutertje-Pieterse-Preis, die Goldene Eule und den Theo-Thijssen-Preis

Die Illustratorin:

»Annemarie van Haeringen, geboren 1959, wuchs zwischen Hunden, Katzen, Fröschen und Schildkröten auf. Sie studierte Kunst an der Rietveld-Akademie. Für ihre Werke wurde sie dreimal mit dem Goldenen Pinsel, dem wichtigsten niederländischen Preis für Illustration, ausgezeichnet. 2015 wurde sie für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«

Die Übersetzerin:

»Andrea Kluitmann, geb. 1966, studierte Germanistik in Bochum und Amsterdam. Seit 1993 arbeitet sie als Literatur- und Fachübersetzerin aus dem Niederländischen. Sie lebt seit vielen Jahren sehr gerne in Amsterdam.«