Der Tierigent

  • Text von Cornelia Boese
  • Illustrationen von Manuela Olten
  • Gerstenberg Verlag Juni 2019 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25 x 27 cm
  • 32 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 19,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-6025-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

EIN  PLATZ  FÜR  DEN  SPATZ

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Der Tierigent“ zeigt Kindern in heiteren Bildern und – dank des gelungenen vers-förmigen Begleittextes von Cornelia Boese – auch sprachmelodisch, die Vielsaitigkeit von Musikinstrumenten. Der Hauptcharakter, ein niedlicher Spatz mit einem festlichen Zylinder auf dem Köpfchen, weckt spontan Sympathie und Empathie, und man wünscht ihm unwillkürlich, daß sein unermüdlicher musikalischer Eifer zum Ziel führen möge.

Im Stadtpark auf der Freilichtbühne probt eine Schar von Tieren für ein Konzert. Der Spatz möchte gerne mitmusizieren, aber egal bei welchem Tier er nachfragt: keines traut ihm ein Instrument zu.

Bei den Streichern wird ihm gesagt, er sei zu klein, für die Holzblasinstrumente fehlten ihm die Tatzen, für die Blechblasinstrumente fehlte ihm der lange Atem, das Schlagzeug ist dem Spatz zu laut, und auch ein zartes Schnabelzupfen an der Harfe führt nicht zum gewünschten Erfolg. Und von seinem Spatzentschilp-Gesang wollen die Musikantentiere auch nichts hören.

Inzwischen hat sich ein kunterbuntes Publikum eingefunden, und der betrübte Spatz setzt sich ganz still dazu.

Illustration von Manuela Olten © Gerstenberg Verlag 2019

Das Konzert beginnt, doch von Wohlklang und Harmonie ist es weit entfernt. Alle spielen durcheinander und versuchen sich zu übertönen. Da hat der Fuchs ein weises Einsehen, bittet um Ruhe und erklärt, daß sie einen Leiter brauchten, der über Einsatz, Rhythmus, Ton und Takt bestimmt, und er wüßte da auch schon:

 „ein künstlerisch begabtes Tier,
 das alle Instrumente kennt.
 Herr Spatz, sei du der Dirigent!“

Hochmotiviert betritt der Spatz die Bühne, verbeugt sich und dirigiert als wahres Natur-talent mit beflügeltem Rhythmus die Vielfalt der Instrumente und Musiker zu einem harmonisch-klangvollen und fröhlichen Miteinander.

Illustration: Manuela Olten © Text: Corneilia Boese © Gerstenberg Verlag 2019

Im Anschluß an die Geschichte werden die beanspruchten vierzehn Musikinstrumente (Tuba, Horn, Trompete, Posaune, Fagott, Klarinette, Oboe, Querflöte, Schlagzeug, Harfe, Geige, Bratsche, Cello, Kontrabaß) auf einer Doppelseite noch einmal solo in Wort und Bild dargestellt.

Illustration von Manuela Olten © Gerstenberg Verlag 2019

Die Illustrationen von Manuela Olten geben der Handlung ein farbenfrohes und dynamisches Bilderbuchbühnenbild mit abwechslungsreichen, lustigen Tiercharakteren.

Diese tierisch musikalische Geschichte wird von Cornelia Boese in heiteren Reimen und Dialogen erzählt, so daß die Sprache selbst – sofern der geneigte Vorleser redlich mitmacht – auch als Instrument erklingen kann.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836960250

Die Autorin:

»Cornelia Boese, geboren 1970 in Würzburg, studierte an der Hochschule für Musik und arbeitete als Opernsouffleuse, Bühnenmusikerin und Kinderkonzertmoderatorin. Seit 2015 lebt sie als freischaffende Dichterin. Der Tierigent ist ihr drittes Buch bei Gerstenberg.« http://www.boesesouffleuse.de/

Die Illustratorin:

»Manuela Olten, geboren 1970, ist Fotografin und Diplom-Designerin. Sie studierte Illustration an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, wo sie heute noch lebt. Manuela Olten wurde mit dem Troisdorfer Bilderbuchstipendium und dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet und war für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«

 

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Als Nino fast in den Zirkuswagen zog

  • von Sigrid Zeevaert
  • Illustrationen von Julie Völk
  • Gerstenberg Verlag Juni 2018 http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Format: 16 x 21,5 cm
  • 176 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A), 18,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5607-9
  • zum Selberlesen ab 7 Jahren
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren

K I N D E R L E I C H T – K I N D E R S C H W E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nino ist das jüngste Kind unter vier Geschwistern. Flori, sein nur vierzehn Monate älterer und nur vier Zentimeter größerer  Bruder, behandelt Nino oft, als wäre er noch kleiner und jünger als er ist, und auch seine beiden älteren Schwestern, Mira und Jana, bezeichnen ihn manchmal als „Mamakind“, weil er recht schnell weint und naiver ist als die großen Kinder.

Während sich Flori oft draufgängerisch, großspurig, sportlich und risikobereit verhält, ist Nino empathisch, vorsichtig, rücksichtsvoll und sehr sensibel. Da sich die beiden Brüder ein Zimmer teilen, gibt es immer wieder Reibereien zwischen ihnen, und Flori äußert neuerdings sogar ausdrücklich den Wunsch nach einem eigenen Zimmer für sich alleine.   

Die Eltern verkünden beim familiären Abendbrot, daß ihnen Großtante Ella ihren Zirkus-wagen geschenkt habe. Großtante Ella ist Künstlerin und Buchillustratorin, und sie hat sich früher gerne zum Malen in diesen Zirkuswagen zurückgezogen. Doch inzwischen ist sie alt, braucht mehr Unterstützung im Lebensalltag, und zieht deshalb in ein Senioren-heim und trennt sich von Dingen, die sie nicht mehr braucht.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Die Kinder sind begeistert von der Aussicht, bald einen echten Zirkuswagen im eigenen Garten stehen zu haben. In der Schule erzählt Nino sofort seinem Freund Joshua davon und lädt ihn ein, in den nächsten Tagen einmal bei ihm im Zirkuswagen zu spielen.

Als Joshua Nino besucht, hat Flori den Zirkuswagen schon mit zweien seiner Fußball-freunde „besetzt“, und die Rabauken lehnen es ab, mit den „Kleinen“ zu spielen. Nino zieht sich gekränkt mit Joshua ins Kinderzimmer zurück und leiht ihm später den voll-automatischen Sattelschlepper seines Bruders, ohne dafür um Erlaubnis zu fragen.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Nicht zum ersten Mal denkt Nino darüber nach, wie es wäre, keinen Bruder zu haben und ganz alleine zu leben. Doch dann ist er gleichwohl wieder ganz anhänglich, denn Flori ist schließlich nicht immer gegen ihn, sondern auch oft zugewandt-brüderlich. So beschließen die beiden, am Wochenende zusammen im Zirkuswagen zu übernachten. Nachdem die Eltern und die Schwestern ihnen gute Nacht gesagt haben, sind die Brüder ganz alleine im Dunkeln, und eine Menge ungewohnter, unheimlicher Nachtgeräusche sorgen für Aufregung. Diesmal ist jedoch Nino der Mutigere, und er besteht darauf, daß sie nicht ins Haus zurückgehen; und schließlich schläft Nino ein und träumt lebhaft von Tante Ella.

Am nächsten Morgen stellt Nino fest, daß er alleine im Zirkuswagen liegt und sein Bruder sich heimlich wieder ins Haus geschlichen hat. Erstaunt bemerkt Nino, daß Flori offenbar nicht so groß und mutig ist, wie er immer behauptet. Als Nino zum Frühstück ins Haus kommt, ist Flori verheult und verstimmt, da die Eltern mit ihm geschimpft haben, weil er Nino in der Nacht einfach im Stich gelassen hat.

Da angesichts der momentanen familiären Stimmung nicht mit spielfreudigen Ge-schwistern zu rechnen ist, macht Nino einen Spaziergang zum Park. Er braucht sowieso etwas Abstand, um seine Gedanken zu ordnen und sich an sein neues mutiges Selbst-bewußtsein zu gewöhnen. So geht er – von Betrachtungen über seine Unabhängigkeit und Selbstgenügsamkeit beflügelt – viel weiter als geplant und verläuft sich prompt.

Da wird es ihm doch mulmig, und ein paar Tränen kann er nicht zurückhalten. Zwei Passanten erklären ihm freundlich den Rückweg. Zwar ist Nino unsicher, ob er sich die Hinweise richtig merken kann, aber er ist wild entschlossen, es alleine zu schaffen. Dennoch ist die Erleichterung groß, als er seine Schwester Mira und seinen Bruder Flori sieht, die schon nach ihm gesucht haben und sich aufrichtig freuen, daß sie ihn endlich wiedergefunden haben.

Einträchtig gehen sie nach Hause, und Nino findet es schön, nicht mehr alleine unter- wegs zu sein. Später planen sie, für den 16. Geburtstag der älteren Schwester Jana Zirkuskunststücke einzuüben und sie mit einer echten Zirkusaufführung zu über- raschen. Ninos Freund Joshua darf auch mitmachen und einige seiner Zaubertricks zeigen …

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Dieses Kinderbuch behandelt sehr einfühlsam und familienszenisch-anschaulich die Themen Geschwisterliebe und Geschwisterrivalität, Streit und Versöhnung, Angst und Mut, Bindungsbedürfnisse und Freiheitsbedürf- nisse, familiäre Anhänglichkeit und Geborgenheit, Freundschaft, zwischen- menschliche Abgrenzung und das Zusammenspiel unterschiedlicher Temperamente sowie emotionale Reifungsschritte.

Die nostalgisch-zärtlichen, mit verspielten Details angereicherten Schwarz-weiß-Illustrationen von Julie Völk begleiten und untermalen den Text harmonisch und geben den Figuren kindgerechte Gestalt.

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Wir erlesen hier Familienalltagsleben. Abgesehen von der Requisite Zirkus- wagen geschieht nichts Spektakuläres, und doch macht Nino elementare, bedeutungsvolle Erfahrungen, die den Radius seines Herzens über den rein familiären Bezugskreis hinaus erweitern. Der Autorin Sigrid Zeevaert gelingt mit leichten Worten, einfachem Satzgefüge und lebhaften Dialogen eine glaubwürdige und anrührende, ebenso schmunzlerische wie ernsthafte erzählerische Darstellung kindlicher Bedürfnisse, Entwicklungsspielräume, Gefühle und Gedanken.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836956079

 

Die Autorin:

»Sigrid Zeevaert lebt mit ihrer Familie in Aachen. Schon während des Studiums begann sie mit dem Schreiben; ihre Kinder- und Jugendbücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk erhielt sie den Friedrich-Bödecker-Preis. Bei Gerstenberg ist von ihr außerdem das Kinderbuch „Annabel und Anton – Tür an Tür in Haus Nr. 9“ erschienen.« www.sigridzeevaert.de

Die Illustratorin:

»Julie Völk, geb. 1985 in Wien, wuchs im ländlichen Niedersachsen auf. Sie studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihr Debüt Das Löwenmädchen ist gleich mit dem Nachwuchspreis Serafina und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis 2015 ausgezeichnet worden. Für ihr zweites Bilderbuch Guten Morgen, kleine Straßenbahn! erhielt sie den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2017. Die Künstlerin lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich.« www.julievoelk.de

Querverweis:

Hier entlang zu „Annabel und Anton – Tür an Tür in Haus Nr. 9“, einem weiteren Kinderbuch von Sigrid Zeevaert, das einfühlsam und humorvoll von einer neuen Kinderfreundschaft durch nachbarschaftlichen Zuzug zu erzählen weiß. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/04/30/annabel-und-anton/

 

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Der große Mann und die kleine Maus

  • Illustrationen von Birgitta Sif
  • Text von Mara Bergman
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Gerstenberg Verlag Januar 2019  www.gerstenberg-verlag.de
  • 32 Seiten
  • durchgehend farbig
  • Format: 22,5 x 29,5 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5667-3
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

H I L F R E I C H T U M

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im Bilderbuch „Der große Mann und die kleine Maus“ lebt der große Mann auf einem großen Berg und weiß garnicht, daß sein großes Wohnhaus eine kleine Maus als Untermieterin beherbergt.

Der große Mann ist tagaktiv und nutzt dabei seine Körperlänge: Er hilft beim Äpfel-pflücken, er entwirrt Schaukeln, er rettet Kätzchen aus Bäumen und ist dabei stets gutgelaunt und freundlich.

Die kleine Maus hingegen ist nachtaktiv und sammelt kleine Krimskramsdinge wie Garnrollen, Korken, Klammern, Nägel und glänzende Münzen und legt sie in ein improvisiertes Ziehwägelchen.

Eines Tages verstummt die Turmuhr im Ort: „ …sie sagte nicht tick und sie sagte nicht tack! … sie machte nicht klick und sie machte nicht klack!“ Der große Mann bemüht sich, sie zu reparieren, doch es will ihm trotz vielfältigen Werkzeugeinsatzes nicht gelingen.  Zuhause blättert er in Büchern, sucht nach einer Lösung und schläft schließlich erschöpft auf dem Sofa ein.

Illustration von Birgitta Sif, Text von Mara Bergman © Gerstenberg Verlag 2019

In der Nacht sammelt die kleine Maus wieder allerlei Sächelchen ein und legt sich im Schuh des großen Mannes zum Schlafen nieder. So kommt es, daß am nächsten Morgen der große Mann beim Anziehen zum ersten Mal der kleinen Maus und ihrem beträcht- lichen Sammelsurium begegnet.

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2019

Nach kurzem Erstaunen und einer freundlichen Betrachtung von Maus und Kleinkram erkennt der Mann die Klugheit und Wendig- keit der kleinen Maus und bittet sie um Mithilfe bei der Reparatur der Turmuhr. Die kleine Maus quiekt ihre Zustimmung, krabbelt auf die Schulter des großen Mannes, und sie gehen gemeinsam zur Turmuhr. Dort dringt die kleine Maus, sicher angeseilt an einen Garnrollenfaden, in das Uhrwerk ein, findet nach einigem Suchen die Blockade und kann sie geschickt lösen.

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2019

Alle freuen sich, daß die Turmuhr wieder schlägt, und der große Mann und die kleine Maus tun sich zusammen und werden gute Freunde.

Die Autorin Mara Bergman erzählt die Geschichte vom großen Mann und der kleinen Maus in kurzen gereimten Verszeilen, die weitgehend vorleseflüssig vom Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn ins Deutsche übertragen wurden.

Die Illustratorin Birgitta Sif hat das vorliegende Bilderbuch mit warmherzigen, sanftmütigen Bildern in weichen, pastelligen Farben ausgestattet. Entdeckungswürdige, verspielte Details (man beachte die putzige Musterung der Unterwäsche des großen Mannes und den Inhalt des Kinder- wagens einer Passantin) und Zusammenhänge (man beachte den Papierflieger) enthüllen sich beim wiederholten Durchblättern.

„Der große Mann und die kleine Maus“ bietet leichte, heiter-unbeschwerte Bilderbuch-kost, die einleuchtend vermittelt, wie sich Gegensätze harmonisch und hilfreich ergänzen können.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836956673

Die Autorin:

»Mara Bergman, geboren in New York und aufgewachsen auf Long Island, hat bereits zahlreiche Kinderbücher veröffentlicht. Heute arbeitet sie in London und lebt in Kent.«

Der Übersetzer:

»Uwe-Michael Gutzschhahn, geb. 1952, studierte Anglistik und Germanistik, arbeitete in Verlagen und lebt heute als Autor, Übersetzer, Herausgeber und freier Lektor in München. Er hat zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht. Sowohl für seine eigenen Bücher als auch für seine Übersetzungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.«

Die Illustratorin:

»Birgitta Sif wurde in Reykjavik geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Skandinavien und Amerika. Heute lebt sie mit ihrer Familie in England und wurde für ihre Bilderbücher bereits mehrfach ausgezeichnet.«

Querverweis:

Hier entlang zum Bilderbuch „Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“, das ebenfalls von Birgitta Sif illustriert wurde. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/24/henriettes-heim-fuer-schuechterne-und-aengstliche-katzen/

 

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Pflanzen für Honigbienen

  • Wie Sie Ihren Garten zum Summen bringen
  • von Sarah Wyndham Lewis
  • Originalausgabe: »Planting for Honeybees«
  • Aus dem Englischen von Julia Paiva Nunes
  • mit Illustrationen von James Lewis Weston
  • Gerstenberg Verlag Juni 2018 http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 14 x 19 cm
  • 144 Seiten, durchgehend farbig
  • ISBN 978-3-8369-2152-7
  • 16,95 € (D), 17,50 € (A), 21,90 sFr.

BIENEN-BÜFETT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Man kann es garnicht oft genug wiederholen: Wirklich jeder kann etwas dafür tun, daß Bienen in unserer Mitwelt genug nektarspendable Blühpflanzen vorfinden. Sarah Wynd-ham Lewis serviert zur Einführung in ihr Buch „Pflanzen für Honigbienen“ zunächst einige nahrhafte, wohlportionierte Wissenshäppchen über Honigbienen und Wild- bienen, Nektar, Pollen, Bienenwachs, Honig und Propolis, die Koevolution von Bienen und Blüten sowie über die Notwendigkeit eines vielfältigen, möglichst alle vier Jahres- zeiten berücksichtigenden Pflanzenangebots.

Sie rät dringend dazu, einheimische, biologisch angebaute Pflanzen, Zwiebeln, Samen und Blumenerde zu bevorzugen, da nur diese ohne schädliche „Mitgift“ auskommen, und selbstverständlich sollte man auch selbst ökologisch gärtnern.

Vom Allgemeinen kommt sie dann zum Speziellen und empfiehlt Pflanzen für verschie-dene Örtlichkeiten: Fenstersims und kleiner Balkon, Innenhof, Veranda, Terrasse, kleine Gärten, große Gärten, Dachterrassen, begrünte Dächer und vertikale Gärten. Nach vier Jahreszeiten strukturiert, listet sie passende Pflanzen auf, die wiederum in die Katego- rien Blumen, Kletterpflanzen, Sträucher und Bäume sowie eßbare Pflanzen eingeteilt werden.

Illustration von James Lewis Weston © Gerstenberg Verlag 2018

Zusätzlich gibt sie Hinweise für Bienenpflanzen, die sich für feuchte Böden und Teich-ränder eignen, und für Naschgärten mit Kräutern, Gemüse, Weinreben, Obststräuchern sowie Obst- und Nußbäumen. Bei den Anregungen für einen wilden Rasen listet die Autorin natürlich auch einige nützliche und ausdauernde Wildblumen auf.

Für ungeduldige Leser, die sofort mit dem Pflanzen loslegen wollen, gibt es im Anschluß an den Fließtext eine tabellarische Pflanzenliste in der bewährten Aufteilung nach Blumen, Kletterpflanzen, Sträuchern, Bäumen und Blühzeiten.

Ein Kapitel widmet die Autorin bewundernswerten Fakten über Honigbienen, die uns ihre immense Bedeutung für die Bestäubung zahlreicher Nahrungspflanzen und die faszinierend-komplexen Fähigkeiten der freundlich-fleißigen Bienen noch einmal ganz deutlich vor Augen führen. So besuchen Honigbienen etwa für ein 450g-Honigglas „über zwei Millionen Blüten und fliegen etwa 80.000 Kilometer.“ (Seite 112)

 

Illustration von James Lewis Weston © Gerstenberg Verlag 2018

Ein alphabetisches Register der Pflanzen mit deutscher und lateinischer Bezeichnung, ein ausführliches Quellenverzeichnis mit nützlichen Literaturhinweisen und Internet-Adressen zum Thema Bienen und Imkern, Bezugsquellen für bienenfreundliche Pflanzen, Beratung zur Dachbegrünung und für vertikale Gärten sowie Hinweise auf bienenfreundliche Schaugärten in Deutschland runden diesen Ratgeber erfreulich ganzheitlich ab.   

Die charmanten Illustrationen von James Lewis Weston sind zwar farblich nicht naturge-treu, sondern dekorativ-graphisch stilisiert, dennoch haben die Abbildungen zumindest in Bezug auf die Pflanzenwuchs-, Blatt- und Blütenformen echten Wiedererkennungs- wert.

Sarah Wyndham Lewis‘ Buch ist sehr übersichtlich und systematisch aufgebaut. Es infor-miert klar, konzentriert und praxisnah. Mit den Anregungen aus „Pflanzen für Honigbie-nen“ können Anfänger ebenso wie erfahrene Gärtner ein Schlaraffenland für Bienen gestalten.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836921527

 

Die Autorin:

»Sarah Wyndham Lewis schreibt seit über 30 Jahren als freiberufliche Autorin und Jour-nalistin über verschiedene Themen. Seit 2007 führt sie zusammen mit ihrem Ehemann Dale Gibson den nachhaltigen Bienenzucht- und Imkerbetrieb »Bermondsey Street Bees« Die beiden leben in London und Suffolk, wo Sarah ihr Projekt eines bienenfreundlichen Gartens weiterhin fortführt. In London arbeiten sie mit gemeinnützigen Vereinen und Geschäftsleuten zusammen, um öffentliche Plätze mit Pflanzen für Honigbienen zu begrünen.
Als Insektenallergikerin ist Sarah zwar ein eher ungewöhnlicher Bienenfan, aber die vielen Jahre des engen Zusammenlebens mit Bienen, das Lernen, Schreiben und das Verkosten von Honig hat aus ihr eine leidenschaftliche Fürsprecherin für die Bedürfnisse dieses sanften, fleißigen Insekts gemacht.«

Querverweis:

Eine bienensummende Ergänzung zu „Pflanzen für Honigbienen“ ist das Buch „Die Stadtbienen“ von Erika Mayr. Dort wird dem geneigten Leser auch das Imkerhandwerk animierend schmackhaft gemacht. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/04/25/die-stadtbienen/

Außerdem lege ich Ihnen gerne und nachdrücklich Almuths bienenfleißige Webseite „Natur auf dem Balkon“ ans Herz. Dort finden sich viele praktikable Anregungen für (wild)bienenförderliche Lebensbedingungen, zu denen jeder etwas beitragen kann. Feine Fotos und liebevoll-informative Texte bieten jede Menge wissenswerte Nachhilfe in Hinsicht auf die Gestaltung eines bienenfreundlichen Balkon-Ambientes. https://naturaufdembalkon.wordpress.com/

 

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Bäume

  • von Piotr Socha und Wojciech Grajkowski
  • Originaltitel: »Drzewa«
  • Aus dem Polnischen von Thomas Weiler
  • Gerstenberg Verlag September 2018 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,5 x37,5 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig
  • ISBN 978-3-8369-5654-3
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A), 31,60 sFr.
  • Sachbilderbuch ab 5 Jahren

W U R Z E L W I S S E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Piotr Socha hat bereits mit seinem Bienen-Sachbilderbuch (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/) seine beeindruckende ebenso sachkompetente wie heitere Zeichenkunst demonstriert. Dies setzt er nun in Kooperation mit dem Biologen Wojciech Grajkowski mit einem Sachbilderbuch über Bäume fort.

„Bäume“ bietet uns eine weitverzweigte, ganzheitliche Darstellung der größten und langlebigsten Lebewesen unserer Erde. Große Schautafeln illustrieren die faszinierende Vielfalt der Bäume und zeigen ihre kulturelle und ökologische Bedeutung.

Dabei wird auch auf den Rohstoff Holz eingegangen, der für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit eine tragende Rolle spielt. Der älteste archäologische Holzfund ist eine fast 40 Zentimeter lange Eibenholz-Lanzenspitze aus Clacton-on-Sea (Südengland), die 400 000 Jahre alt ist.  Aus Holz wurden und werden Boote, Schiffe, Häuser, Tempel, Masken, Musikinstrumente, Räder, Schlitten, Skier, Waffen, Werkzeuge und Papier hergestellt.

Vom riesig-hochgewachsenen Mammutbaum und umfangreichen Baobab-Baum bis zum zierlichen Bonsai lernen wir viele exotische, aber auch alltägliche und einheimische Bäume kennen. Sogar ausgestorbene Bäume, von denen sich versteinerte Abdrücke und komplette Versteinerungen erhalten haben, werden vorgestellt.

Des weiteren geht das Buch anschaulich und interesseweckend auf folgende Baum-facetten ein: Die Photosynthese, Blattformen, Wurzelarten, Baumsamen und Baum- früchte und ihre natürlichen Verbreitungswege, die Erscheinungsformen des Baumes im Wechsel der Jahreszeiten, Baumbeschneidung, Tiere, die auf oder von Bäumen leben, Tiere, die sich als Rinde, Zweig oder Blatt tarnen, heilige Bäume, Bäume in verschieden- en Religionen, Mythen und Legenden (Robin Hood), Kirchen und Tempel aus Holz, Baumhäuser, Urwälder, Holzfällerwerkzeug und seine Verwendung, Holzmusikinstru- mente, Darwins Lebensbaum und der familiäre Stammbaum …

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2018

Piotr Socha und Wojciech Grajkowski widmen sich der Thematik in der Tat um- fassend, spannen den Bogen vom spannenden Detail zum großen Ganzen der Natur und Kultur. Besonders hervorzuheben ist der diesem Buch eigene Tenor der Dankbarkeit und respektvollen Demut gegenüber Bäumen, die vielleicht am deutlichsten auf der Doppelseite zum Ausdruck kommt, welche in die jahresbe- ringte Lebensspanne eines Mammutbaumes (von 1370 v.Chr. bis zum Jahr 1900 n.Chr.) unzählige Epochen, kulturelle Meilensteine und große Charaktere der Menschheitsgeschichte einfügt und diese fast wie Eintagsfliegen erscheinen läßt.

Die Illustrationen von Piotr Socha verknüpfen naturalistische Präzision und Anschaulichkeit mit farbenfröhlichen, vergnüglich-augenzwinkernden Elementen, die einen perfekten Neugierköder für kindliche Betrachter bieten.

Die erklärenden Texte von Wojciech Grajkowski sind konzentriert-informativ und amüsant-einprägsam. So wird beispielsweise erläutert, daß unverdaute Obstkerne von Vögeln zunächst weiter transportiert werden, um dann schließlich mit dem Vogelkot wieder ausgeschieden zu werden, was dem luftgereisten Obstkern nach der Landung auf der Erde sogleich den passenden Dünger beigibt.

Diesem großformatigen, sorgfältig gestalteten Sachbilderbuch gelingt es, spielerisch und wissenswertvoll am Beispiel der Bäume die vielfältige Verflochtenheit unseres Lebens mit der Natur aufzuzeigen. So kann Wissen Wurzeln schlagen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836956543

Hier entlang zu Piotr Sochas Bienen-Bilderbuch, das 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten hat: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/)

 

Der Illustrator:

»Piotr Socha studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Seither arbeitet der Illustrator, der zu den beliebtesten Cartoonisten Polens gehört, für diverse bekannte Zeitungen und Zeitschriften und illustrierte zahlreiche Bücher. Für sein Sachbilderbuch Bienen erhielt er 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Er lebt in Warschau.« http://www.piotrsocha.pl

Der Autor:

»Wojciech Grajkowski ist als promovierter Biologe in Warschau sehr vielseitig tätig: Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit schreibt er Biologiebücher für den Grundschulbereich und organisiert Workshops für Lehrer und Studenten. Er hat Piotr Socha schon beim Bienen-Buch beraten.«

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Das schlaue Buch vom Büchermachen

  • Text und Illustration von Daniel Napp
  • Gerstenberg Verlag  Januar 2016   http://www.gerstenberg-verlag.de
  • 40 Seiten
  • Format: 25 cm x 21,5 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • durchgehend farbig illustriert
  • ISBN 978-3-8369-5882-0
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A), sFr. 18,00
  • Sachbilderbuch ab 5 Jahren

B Ü C H E R G E B U R T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer Bücher mag und gerne liest, interessiert sich auch früher oder später einmal dafür, wie Bücher gemacht werden. „Das schlaue Buch vom Büchermachen“ zeigt und erläutert anschaulich und kindgemäß den Prozeß des Büchermachens von der ersten Idee bis zum greifbaren Buch.

In diesem Bilderbuch wird das Autoren-, Illustratoren-, Verlags-, Herstellungs- und Vertriebspersonal zeichnerisch in diverse, lustige Tierfiguren verkleidet. Dies ermöglicht amüsante Arbeitsabläufe – so hüpfen beispielsweise im Auslieferungslager „Hörnchen GmbH“ eifrige Eichhörnchen mit Lieferscheinen von Regal zu Regal und befüllen die Lieferwannen mit Büchern.

Die Kinderbuchautorin Petra Fuchs hat ihre besten Schreibideen auf ihrer Lieblingsbank im Park. Diesmal schwebt ihr die Geschichte eines Hasen vor, der Astronaut werden möchte. Mit dem Illustrator Julius Dachs spricht sie über den Text und seine möglichen Illustrationen. Julius Dachs beginnt mit Probezeichnungen und Petra Fuchs formuliert sorgfältig die Geschichte aus.

Auf der Frankfurter Buchmesse treffen sie sich mit vielen Verlagsleuten und stellen ihren Bilderbuchentwurf vor. Die Lektorin Renate Reh vom Paul Igel Verlag begeistert sich für den „Astronautenhasen“; nach diversen verlagsinternen Verhandlungen zwischen Lektorat, Herstellungsabteilung und Programmleitung bekommen Petra Fuchs und Julius Dachs einen Verlagsvertrag.

Illustration von Daniel Napp © Gerstenberg Verlag 2016

Von Seite zu Seite begleiten wir nun die Fertigstellung des „Astronautenhasen“ –  zu besichtigen sind dabei: das Lektorat, Text- und Bildkorrekturen, die Titelbildwahl, die Verwandlung der Bilderbuchblätter in Computerdaten, Probeausdrucke, Druckdaten-korrekturen, Bildretuschierungen, Farbechtheitsprüfung, das Drucken der Druckbögen, das Auslieferungslager …  Erwähnung finden zudem die Verlagsvertreter, welche die lokalen Buchhandlungen besuchen, um das fertige Buch vorzustellen, damit man es, vorausgesetzt der Buchhändler hat es auch beim Verlag bestellt, dort als Kunde entdecken und kaufen kann.

Eine kleine Mäusefigur namens Konrad Maus erscheint auf jeder Buchseite, kommen- tiert per Sprechblase das Geschehen und gibt informative Zusatzerklärungen ab. Das fängt buchstäblich schon bei den Vorsatzblättern an, deren Funktion als Verbindung zwischen Buchdeckel und Buchblock sogleich beschrieben wird.

Eine separate Seite stellt interessante Buchrekorde, vor u.a. den, daß es in Deutschland über 10 000 öffentliche Bibliotheken und 6000 Buchhandlungen gibt.

Nach diesem heiter-informativen Blick hinter die Kulissen des Büchermachens weiß jedes Kind, daß hinter einem Buch nicht nur ein Schriftsteller und ein Illustrator stehen, sondern eine ganze Reihe von Menschen mit unterschiedlichen Berufen, die alle dazu beitragen, daß es nun ein solches Buch betrachten und lesen kann.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836958820&highlight=b%C3%BCchermachen

Der Autor und Illustrator:

»Daniel Napp, geb. 1974, studierte in Münster Grafikdesign. Schon während seines Studiums wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er arbeitet als freier Illustrator in einer Ateliergemeinschaft in Münster und hat bereits zahlreiche Bilder- und Kinderbücher illustriert.« www.daniel-napp.de

 

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Die Geschichte des Buches in 100 Büchern

  • 5000 Jahre Wissbegier der Menschheit
  • von Roderick Cave & Sara Ayad
  • Originaltitel: »A History of the Book in 100 Books«
  • aus dem Englischen von Anke Albrecht
  • Gerstenberg Verlag   Juni 2015   www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21 x 26 cm
  • 288 Seiten
  • 34,00 € (D),  35,00 € (A), 41,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-2104-6

B Ü C H E R R E I C H

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Von der mesopotamischen Tontafel, die in Keilschrift das Gilgamesch-Epos erzählt, bis zum fast körperlosen elektronischen Buch der Gegenwart war es ein langer und in Hinsicht auf die Gestalt des medialen Datenträgers abwechslungsreicher Weg.

„Die Geschichte des Buches in 100 Büchern“ stellt in elf chronologisch und geographisch geordneten Kapiteln Bücher aus fast aller Welt und unterschiedlicher Genres vor. Diese Bücher werden inhaltlich, stilistisch, buchbinderisch, schreib- und drucktechnisch, typo-graphisch und bezüglich der verwendeten Materialien ausführlich beschrieben sowie in den jeweiligen historischen Kontext eingeordnet und auf zahlreichen, oft ganzseitigen Fotos gezeigt.

Dieses Bücherbuch ist wissensvoll, dabei unterhaltsam und spannend. Den Autoren gelingt es, uns zeitlich und kulturell fremde Perspektiven sehr anschaulich zu vermitteln.

Wer hat sich nicht schon gelegentlich gefragt, warum chinesische Schriftzeichen von oben nach unten in schmalen Reihen geschrieben werden? Hat man erst einmal die Guodian-Bambustexte gesehen, die um 300 v.Chr. auf schmale Bambusleisten geschrie-ben wurden, begreift man unwillkürlich, wie bestimmte Schreib- und Lesegewohnheiten entstanden sind.

Die Wechselwirkung zwischen dem vorhandenen ursprünglichen Beschriftungsmaterial und der Gestaltung der Textbotschaft ist offensichtlich. Obwohl in China später auch Papier und Seide als Textträger verwendet wurden, blieb die Spaltenform der Texte bis heute erhalten.

Ich kann hier nur streiflichternde Einblicke gewähren:

Da geht die Lesereise vom kostbaren Manuskript mit feinsten Buchillustrationen im Book of Kells aus dem 8. Jahrhundert und dem ältesten gedruckten Buch, einer Schrift- rolle mit dem buddhistischen Diamant-Sutra, das 868 in China gedruckt wurde, bis zum preisgünstigen Fortsetzungsroman, der im 19. Jahrhundert von Charles Dickens und seinem Verleger erfunden wurde, vom islamischen Standardwerk der Astronomie, dem handgeschriebenen und –gezeichneten „Buch der Fixsterne“ von Al-Sufi aus dem 10. Jahrhundert bis zum Meisterwerk der Bibelforschung aus dem frühen 16. Jahrhundert, der sechsbändigen, polyglotten Complutense-Bibel, welche die Bibeltexte spaltenweise in Aramäisch, Hebräisch, Griechisch und Latein wiedergibt und deren Herstellung und Druck insgesamt fünfzehn Jahre in Anspruch nahmen, von Newtons Principia, das die moderne Wissenschaft beflügelte, bis zur Nano-Thora, für die der gesamte Text in 0,0002 mm „großen“ Buchstaben per Ionenstrahl auf einen goldbeschichteten, nur einen halben Quadratmillimeter kleinen Silizium-Chip eingraviert wurde.

Ein ausführliches Glossar erhellt die verwendeten Fachbegriffe zu den angesprochenen Themen Buch- und Papierherstellung, Druckverfahren, Papierformaten, Schriftarten und Typographie. Interne Querverweise helfen bei der thematischen Verknüpfung.

Während der Lektüre dieses Raum und Zeit durchstreifenden Bücherbuchs wächst die Bewunderung und Dankbarkeit für die Schriftkultur, für die Bewahrung des kulturellen und wissenschaftlichen Gedächtnisses und für die Vielfalt und den Einfallsreichtum der Schreiber und Büchermacher, die auf Bambus, Palmblättern, Papyrus, Pergament und Rindenpapier bis in die Gegenwart zu uns sprechen.

„Liber insularium archipelagi“ MANUSKIRPT-Seite aus dem Reisebericht/Reiseführer von Cristoforo Buondelmonti aus dem Jahre 1420 © Gerstenberg Verlag 2015

So begegnen uns im Verlaufe der Geschichte des Buches viele zeitlos aufgeschlossene, tolerante Wissenshüter, aber auch religiös-fanatisierte, wahlweise christlich oder islamisch motivierte Wissensverhüter und Bücherverbrenner. Angesichts der zer- störten antiken Bibliothek von Alexandria und der Zerstörung des Bait al-Hikma (Haus der Weisheit), das im 9. Jahrhundert vom Kalifen Harun al-Raschid als Bibliothek, Forschungszentrum und Observatorium in Bagdad gegründet wurde, fragt man sich unwillkürlich, ob wieviel wir noch von dem wissen, was wir schon einmal wußten.

Doch manchmal findet man Verlorenes wieder, und zwar als Palimpsest auf alten Pergamenten. Pergament ist verhältnismäßig dick, und da es ein sehr kostbarer Beschreibstoff ist, hat man früher häufig alten Text abgeschabt, abgekratzt (vom griech. palimpsēstos) oder abgewaschen und anschließend neu beschrieben. Doch es bleiben Spuren der vorherigen Schrift erhalten, die buchstäblich durchschimmern.

Palimpseste faszinieren und bewahren so manchen vielleicht noch unentdeckten Manu-skriptschatz. So wurden etwa sieben Traktate des Archimedes als Palimpsest unter den im 13. Jahrhundert neu beschrifteten Seiten eines Byzantinischen Gebetbuches entdeckt und durch moderne Bildgebungsverfahren wieder ans Leselicht geholt.

„Die Geschichte des Buches in 100 Büchern“ empfiehlt sich allen Bibliophilen und Wißbegierigen. Es blättert ungeahnte Bücherhorizonte auf, bereitet informatives und hochinteressantes Lesevergnügen und lehrt uns immer wieder das Staunen.

Wußten Sie beispielweise, daß man im antiken Griechischen und Etruskischen die Schreibweise Bustrophedon pflegte? Bustrophedon leitet sich ab von „wenden wie pflügende Ochsen“ und bedeutet, daß ein Text zeilenweise die Schreibrichtung wechselt, also ein von links nach rechts verlaufender Text in der nächsten Zeile von rechts nach links fortgesetzt wird.

Vertraut mit der vergleichsweise simplen Schreibrichtung von links nach rechts ist gerade noch die semitische Schreibweise von rechts nach links vorstellbar, aber die Vorstellung des bustrophedonischen Schreibstils ist wohl eine herausfordernde Denkgymnastik.

Doch genau dafür waren und sind Bücher doch gut, nicht nur um Blätter zu wenden, sondern auch um das Denken zu wenden, zu bewegen und damit zu belüften.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836921046

Die Autoren:

»Roderick Cave ist Bibliothekar und Spezialist für historische Bücher. Er berät Bibliotheken, Museen und Universitäten in den USA, Australien und Ostasien sowie die British Library in England.«

»Sara Ayad beschäftigte sich ihr ganzes Leben lang mit Büchern; als Bibliotheksassistentin, Buchhändlerin, Lektorin und zuletzt als Forscherin für Abbildungen. Seit 2001 ist Ayad eine gefragte Bildrechercheurin für renommierte britische Kunstinstitute«

 

Querverweis:

Das Kinderbuch „Lee Raven“ von Zizou Corder inszeniert auf faszinierende Weise die Freundschaft eines analphabetischen Straßenkindes mit einem charakterstarken, geheimnisvoll-mythischen Verwandlungsbuch und reflektiert damit anschaulich und kindgerecht die Entwicklungsgeschichte und den Wertgehalt des Buches.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/25/lee-raven/

Für erwachsene Leser, die das Thema PAPIER gerne vertiefen möchten, bietet sich Erik Orsennas Sachbuch „Auf der Spur des Papiers“ an. Es ist das imponierend-abenteuerliche Sachbuch eines Autors, dem man die Liebe zu seinem Stoff anmerkt und der bei seinen Recherchen wahrlich keine Mühen gescheut hat, um einen weltumspannenden Bogen lebendigen Papierwissens für uns Leser zu erreisen.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/06/17/auf-der-spur-des-papiers/

 

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Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh

  • von Julie Völk
  • Gerstenberg Verlag  Juni 2018    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25,2 x 30 cm
  • 32 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 16,95 € (D), 17,50 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5669-7
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

SCHULE  DES  SEHENS

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit Julie Völks Bilderbuch „Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh“ betreten wir eine erstaunliche und vergnügliche Schule des Sehens.

In Zeiten digital-beschleunigter Wisch-und-weg-Aufmerksamkeit bietet Julie Völks Bilderbuch einen äußerst betrachtenswerten Gegenpol. Da ihre Bilderbücher reine Bildgeschichten ohne jeden Begleittext sind, erschließen sich die vielfältigen Erzählfäden nur mit geduldiger Entdeckungsneugier, meditativer Langsamkeit und detailverliebter Verknüpfungsbegeisterung.

Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, verabschieden sich von ihren Eltern und machen sich zu Fuß auf den Weg zur Schule. Der Blick in die gemütliche Küche zeigt diverse Zutaten, die auf einen musisch-künstlerischen Haushalt schließen lassen. Man sieht einen Becher mit Pinseln, Bücher, eine Gitarre und in einer Ecke zwischen Wand und Küchenschrank eine Schultüte mit Musiknotendekor. Eine schwarze Katze mit weißem Gesicht lugt possierlich hinter einem Türflügel hervor.

Durch die geöffnete Flügeltür erblickt man ein herbstlich getöntes Birkenwäldchen, das die Kinder auf der nächsten Doppelseite Hand in Hand durchqueren. Wenig später holen sie ein Nachbarmädchen ab, dessen Eltern eine kleine Flußfischerei betreiben. Nach der Überquerung  des Flusses  kommen die Kinder an einem Bauernhof vorbei, auch dort schließt sich ein weiterer Mitschüler an.

Lachend und verspielt herumstaksend, nähern sich die vier Kinder der Stadt, in der schon von weitem erkennbar ein Zirkus gastiert. An der am Stadtrand gelegenen Autowerkstatt werden ein Paar Zwillingsmädchen abgeholt, an den Zirkuswohnwagen ein weiterer Junge. Die Kinder passieren eine Bäckerei, eine Zoohandlung und Wohn- häuser, und so wächst die Kinderschar und wird immer bunter. Schließlich sitzen sechsundzwanzig Kinder im Klassenraum schauen und uns erwartungsvoll an …

Illustration Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Julie Völk reichert diesen alltäglichen Schulweg mit einfühlsam-zwischenmenschlichen und verspielt-phantasievollen Feinheiten an. So taucht auf fast jedem Bild ein winziges zwerglich-menschliches Wesen auf, das den Kindern heimlich folgt und schließlich auch mit seinen ungefähr 40 cm Körpergröße mit im Klassenzimmer sitzt bzw. steht, da es nur im Stehen über die Tischplatte hervorlugt.

Auch die schwarzweiße Katze aus dem künstlerischen Haushalt ist den Kindern, mal mehr mal weniger sichtbar, bis in die Schule gefolgt. Wo sie sich später im Klassenraum verbirgt, werde ich jedoch nicht verraten, das müssen Sie und ihre Mitguckkinder schon selber herausfinden.

Jede erneute „Lektüre“ des Bilderbuches erschließt andere Perspektiven und Details. So läßt etwas ein Junge unterwegs seinen roten Turnbeutel stehen. Eines der Zwillingsmäd-chen, das seinen Schultornister vergessen hat und noch einmal nach Hause zurückläuft, bringt auch diesen Turnbeutel wieder mit und wird entsprechend freudig von dem Jungen in Empfang genommen. 

Illustration Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2018

Der Lehrer – leicht erkennbar an seiner ledernen Aktentasche – hat sich verschlafen und rennt eilig zur Schule und verliert bei seinem Sprint lose Blätter, so daß man stets die Spuren seines Wegs und schließlich auch die seiner Ankunft und Anwesenheit mitverfolgen kann.

Die Wohnaccessoires der verschiedenen Haushalte, in die wir Einblick bekommen, bieten Charakterisierungszugaben, mit deren Deutung man sich lange und unter- haltsam beschäftigen kann.

Ich bin jetzt fünfmal mit den Bilderbuchkindern augenfußläufig zur Schule gegangen und habe jedesmal eine weitere amüsante Einzelheit und einen neuen Zusammenhang gefunden.

Mit oberflächlich-kurzfristigen Bildschirmklick-Sehgewohnheiten findet man sich jedoch keineswegs in diese leise sprechenden Bilder hinein. Nur langsames, verweilendes Hinschauen führt zu Einsicht, erschließt beim wiederholten Betrachten und Blättern nach-und-nach-gemach Details, Querverbindungen, Handlungsabläufe und Schlußfolgerungen sowie Pointen.

Julie Völks Bilderbuch „Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh“ mutet nostalgisch an. Man fragt sich unwillkürlich, wie viele Kinder heute, angesichts der zwanghaften Übermotorisierung, noch zu Fuß zur Grundschule gehen und Erfahrungen sammeln, wie die Kinder aus dem vorliegenden Bilderbuch.

Dieses Bilderbuch ist eine wahre Augenweide voller lebensbereichernder Facetten und vermittelt mit seinen warmherzigen Szenerien und ebenso einfühlsamen wie schelmischen Details eine wünschenswerte Entdeckung und Wertschätzung der Langsamkeit.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836956697&highlight=wenn+ich+in+die+schule

Die Illustratorin:

»Julie Völk, geboren 1985 in Wien, wuchs im ländlichen Niedersachsen auf. Sie studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihr Debüt Das Löwenmädchen ist gleich mit dem Nachwuchspreis Serafina und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis ausgezeichnet worden. Für ihr zweites Buch Guten Morgen, kleine Straßenbahn! erhielt sie den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Die Künstlerin lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich.« www.julievoelk.de

Querverweis:

Hier entlang zu zwei weiteren Bilderbüchern  von Julie Völk:
„Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/04/guten-morgen-kleine-strassenbahn/
„Stille Nacht, fröhliche Nacht“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/18/stille-nacht-froehliche-nacht/

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ANATOMIE

  • Das faszinierende Innenleben des Menschen
  • von Hélène Druvert
  • in Zusammenarbeit mit Jean-Claude Druvert
  • Originaltitel: »Anatomie«
  • Aus dem Französischen von Sarah Pasquay
  • Gerstenberg Verlag   Januar 2018  http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25,5 cm x 36,5 cm
  • 40 Seiten, durchgehend farbig
  • mit Ausklappseiten und Lasercut-Scherenschnitten
  • 26,00 € (D), 26,80 € (A), 32,70 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5989-6
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren

VON  KOPF  BIS  FUSS

Sachbilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

So ästhetisch-entspannt, verspielt-informativ und heiter-lebendig haben Sie anatomische Darstellungen noch nicht gesehen. Dieses ANATOMIE-Bilderbuch von Hélène Druvert ist von beeindruckender Qualität und Sehenswürdigkeit.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

 

Charmant eingestimmt wird man schon gleich zu Beginn mit dem Anblick des noch  bekleideten anatomischen Modells, das einen flotten Strandanzug im Retrostil und einen feschen Schnurrbart trägt. Klappt man das Modell um, so trägt es immerhin noch eine gepunktete Unterhose, und erst auf der sich daran anschließenden Illustration können wir die freigelegte Muskulatur bewundern, ergänzt um einen einführenden Text über Muskelarten und –Funktionen und zusätzliche Abbildungen, die das Zusammen- spiel von Sehnen und Muskeln beim Hantelheben des Modells zeigen, sowie einige weitere Details zum Thema Muskeln.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

 

Die nächsten Seiten illustrieren und erklären Verdauungssystem, Blutkreislauf, Atmung, Nervensystem und Skelett. Man erhält einen einprägsamen, räumlich-dreidimensio- nalen Eindruck des Körpers. Besonders deutlich und ansprechend ist dies bei den Scherenschnitt-Darstellungen der ebengenannten Körpersysteme und Kreisläufe, die hintereinander aufgereiht einen wunderbar filigran-faszinierenden Durchblick eröffnen.

Illustration von Hélène Druvert © Gerstenberg Verlag 2018

Nachfolgende Illustrationen mit aufklappbaren Körperregionen und Organen vertiefen schichtweise vom Allgemeinen zum Detaillierten körperinnere Strukturen und Funktionen. Die Begleittexte konzentrieren sich auf Basiswissen, ergänzt um interessante Einzelheiten.

Jedem der fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) ist eine Doppelseite gewidmet. Auch hier führen aufklappbare Schautafeln und präzise Erläuterungen an-schaulich zu anatomischen Feinheiten. So sind beispielsweise beim Tastsinn außer den freien Nervenenden für Temperatur und Schmerz noch weitere Rezeptoren aktiv: Die Pacini-Körperchen, die hauptsächlich in den Fingern vorkommen, sind für die Wahrnehmung von Druckveränderungen und Vibrationen zuständig, die Meissner-Körperchen in der Handfläche lassen uns Beschaffenheit und Form eines Objekts erkennen, und die Ruffini-Körperchen in den Gelenken lassen uns Dehnungen der Sehnen spüren.

Zum guten Schluß gibt es noch einen Einblick ins männliche und weibliche Fortpflanzungssystem, nebst der Aussicht auf ein kleines neues Leben …

Dieses Buch vermittelt Grundlagenwissen über die menschliche Anatomie und lehrt zugleich das Staunen über die Komplexität körperlicher Strukturen und Kreisläufe. Es eignet sich für Kinder und Eltern, für den Grundschulunterricht und für den anatomisch interessierten Laien sowie für Kinderärzte und fürs Arztwartezimmer.

Der Verlag empfiehlt dieses Buch ab acht Jahren. Dies erscheint mir auch in Hinblick auf die Textinformationen angemessen, die mit sehr gut erklärten, jedoch anspruchsvolleren medizinischen Einzelheiten und Fachbegriffen aufwarten. Die Illustrationen dürften gleichwohl auch schon deutlich jüngere Kinder interessieren und faszinieren, so daß man es bei diesen einfach einmal auf den Betrachtungsversuch ankommen lassen kann.

Die großartige Anschaulichkeit der Laser-Scherenschnitte, die detaillierten Aufklapptafeln und die in einfachen, konzentrierten Sätzen formulierten Begleittexte bieten einen sinnlich-analogen, wissenswundervollen Einblick in den menschlichen Körper und seine Funktionsweise. Eine mögliche und wünschenswerte Nebenwirkung der Beschäftigung mit diesem Sachbilder- buch ist eine erkenntnisvertiefte Nähe und Vertrautheit mit dem eigenen Körper.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836959896

 

Die Illustratorin:

»Hélène Druvert, ausgebildete Textil-Designerin, ist seit ihrem Abschluß an der École Duperré, Paris, freiberuflich tätig. Sie lebt in Paris und im Baskenland, wo sie ihre Siebdruckwerkstatt hat. Perspektivische Scherenschnitte sind ein Schwerpunkt ihrer vielfältigen Tätigkeit.«

Der Autor:

»Jean-Claude Druvert, der Vater der Illustratorin, zeichnet für den Text verantwortlich. Er ist praktizierender Arzt.«

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Die Schneemacher

  • Bilderbuch
  • Illustrationen von Renata Liwska
  • Text von Marsha Diane Arnold
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Gerstenberg Verlag   September 2017  www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Format: 20 x 22,5 cm
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 13,30 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5975-9
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

S C H N E E R E Z E P T E

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Es ist Winter und Dachs schaut in sehnsüchtiger Erwartung von Schnee durch sein Fernrohr in den Himmel. Angesichts von Dachsens Ungeduld sagt Igel nur weise: „Es schneit, wenn es so weit ist.“

Damit gibt sich Dachs nicht zufrieden. Er trommelt auf Töpfen und Pfannen herum, um den Himmel aufzuwecken. Doch davon schneit es keineswegs; nur Kaninchen, Wühlmaus und Beutelratte laufen herbei und fragen, weshalb Dachs einen solchen Lärm veranstalte.

Igel erklärt, daß Dachs den Himmel zum Schneien bewegen will. Kaninchen schlägt  vor, Steine in die Wolken zu werfen, damit die Wolken Löcher bekämen, aus denen dann der Schnee fiele. Alle Tiere, außer dem geduldigen Igel, werfen Steine in den Himmel, aber es fallen nur Steine und kein bißchen Schnee.

Wühlmaus erinnert sich an ein Schneerezept ihrer Oma: Man müsse einen besonderen Schneetanz mit guten Freunden tanzen. Gesagt – getan, aber außer der Freude am Tanzen und Blasen an den Füßen zeitigt auch der Schneetanz kein Ergebnis.

Illustration von Renata Liwska © Text von Marsha Diane Arnold © Gerstenberg Verlag 2017

Auch Beutelrattes Rat, die Schlafanzüge falsch herum anzuziehen, um Schnee zu provozieren, bringt keine einzige Schneeflocke hervor. 

Geknickt sitzen die Tiere beieinander, der Igel gemahnt noch einmal weise an die unberechenbare Zuverlässigkeit des Jahreslaufes, und die Tiere finden sich nunmehr einfach damit ab, auf den Schnee zu warten. Sie versüßen sich die Wartezeit mit Spielen und kleinen Nickerchen. Und dann – endlich! – fallen die ersten Schneeflocken …

Illustration von Renata Liwska © Gerstenberg Verlag 2017

Die niedlich gezeichneten, weich konturierten, etwas stofftierig anmutenden Figuren mit ihrer drolligen Mimik und Körpersprache schmiegen sich leicht ans Kinderherz.

Der Text beschreibt in anschaulichen, einfachen Worten die eifrigen Bemühungen der „Schneemacher“. Die lebhaften Dialoge werden durch die ruhigen Erklärungen des Igels entspannt und ausgeglichen.

Ungeduld ist zwar keine Tugend, angesichts von kindlicher Schneesehnsucht jedoch verständlich. Gleichwohl lernen wir aus diesem feinen Bilderbuch, daß sich Schnee nicht machen läßt. Schnee kann – wie so vieles im Dasein – einfach nur geschehen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959759&highlight=schnee

 

Die Autorin:

»Marsha Diane Arnold, geboren 1948 in den USA, wuchs auf einer kleinen Farm in Kansas auf und wohnt heute in Florida. Sie studierte Literatur und hatte lange Jahre eine Zeitschriftenkolumne, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Kinderbüchern widmete.«

Die Illustratorin:

» Renata Liwska, geboren in Polen, wuchs in Warschau auf und lebt heute in Calgary, Kanada. „Das laute Buch. Das leise Buch“ wurde mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet und stand auf der Liste Die besten 7. 2010 erhielt sie die Goldmedaille der Society of Illustrators.  «

 

Verschneite Querverweise:

Hier entlang zum einem weiteren von Renata Liwska illustrierten Bilderbuch:
Stille Nacht. Ein leises Weihnachtsbuch“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/22/stille-nacht/

Und zu Sebastian Meschenmosers Schneesucher-Bilderbuch:
Herr Eichhorn und der erste Schnee“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

Sowie zu Loek Koopmans‘ tierischer Schneehandschuh-WG:
Ein Märchen im Schnee:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/23/ein-marchen-im-schnee/

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