Wildlife Gardening

  • Die Kunst, im eigenen Garten die Welt zu retten
  • von Dave Goulson
  • Originaltitel: »The Garden Jungle or Gardening to Save the Planet«
  • Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke
  • Illustrationen von Nils Hoff
  • Hanser Verlag März 2019 http://www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag und LESEBÄNDCHEN
  • 304 Seiten
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 978-3-446-26188-4

WAS  UNS  BLÜHT  UND  FRUCHTET

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dave Goulson vermittelt uns mit seinem neuen Buch „Wildlife Gardening“ fundiertes, nachhaltiges und vielseitiges Wissenswerkzeug, um im Einklang mit der Natur und unseren pflanzlichen und tierischen Mitgeschöpfen einen ebenso schönen wie fruchtbaren Garten zu gestalten.

Anschaulich verknüpft der Autor seine Kenntnisse als Insekten- und Bienenforscher mit seiner persönlichen biologischen Gartenpraxis. Zwar stehen nicht jedem Leser Dave Goulsons 8000m²-Gartenfläche zur Verfügung, aber selbst auf nur einem einzigen Qua- dratmeter oder in einem einzigen Blumentopf lohnt es sich, mit der Natur zu gärtnern.

„Für ein erfolgreiches Naturgärtnern ist das, was man nicht tut, genauso wichtig wie das, was man tut.“ (Seite 13)

So muß man beispielsweise nicht unbedingt umständlich mit Rasenbodenabtragung, Sanduntermischung und der Aussaat von Wildblumensamen eine Wildblumenwiese gestalten, sondern man kann zunächst einfach nur den Rasen wachsen lassen und schauen, welche Stauden in Wartehaltung sich daraufhin ausbreiten, da sie endlich Gelegenheit zur Blüten- und Samenbildungsreifung haben.

Die Arten, die von Natur aus bereits am gegebenen Standort gedeihen, kann man um zusätzliche Inselpflanzungen weiterer einheimischer Wildblumen ergänzen. Gegen ein Übermaß horstiger Gräser hilft die Aussaat von Kleinem Klappertopf, einer einjährigen Wiesenpflanze, deren Sämlinge parasitisch „die Wurzeln der umliegenden Gräser anzapfen und die Nährstoffe heraussaugen…“ (Seite 47/48) Das Gras wird deutlich reduziert, und es entsteht mehr Freiraum für den Klappertopf und auch für andere Wildblumen.

Pestizide, Insektizide & Co. sowie Kunstdünger werden selbstverständlich keinesfalls benutzt. Mit durchaus gebotener Eindringlichkeit beschreibt Dave Goulson die zerstör-erischen Auswirkungen solcher „Pflanzenschutzmittel“, deren Einsatz in der indu- striellen Landwirtschaft, aber auch in privatem und kommunalem Gebrauch lebens- feindliche Teufelskreise aus stärkerem Schädlingsbefall, stärkerem Gifteinsatz und kumulierenden Giftanreicherungen im Boden, in Wasserkreisläufen und pflanzlichen, tierischen und menschlichen Nahrungsketten zur Folge haben.

Selbst als besonders bienenfreundlich etikettierte Blumen, die man im konventionellen Gartenhandel erwerben kann, sind in ihrer Aufzucht vielen Giften ausgesetzt gewesen, die sie systemisch – also im gesamten Pflanzenorganismus – über ihre Pollen und den Nektar weitergeben.

Haben Sie einen Hund oder eine Katze? Womit werden Ihre Vierbeiner gegen Flöhe behandelt? Ein häufiger Wirkstoff, mit dem Halsbänder imprägniert werden oder der in flüssiger Form auf die Hundehaut aufgebracht wird, ist Imidacloprid, ein Neonicotin- oid, dessen Bienengiftigkeit erwiesen ist. Wenn Sie Ihren Hund streicheln, kommen Sie unweigerlich in Berührung mit Neurotoxinen. Wahrscheinlich sind diese Toxine auch im Urin des Hundes und werden beim Gassigehen verteilt. Die 250 Milligramm Imadaclop- rid, mit denen ein mittelgroßer Hund gegen Flöhe „imprägniert“ wird, reichen aus, um 60 Millionen Honigbienen zu töten.

Sie sehen schon: Man muß sehr ganzheitlich und weit vorausschauend handeln, um Giftbelastungen für die Mitwelt und für sich selbst möglichst zu vermeiden. Pflanzen und Samen aus Biogärtnereien, freundschaftlicher und nachbarschaftlicher Ableger- austausch und das Gärtnern mit den bereits vorhandenen Pflanzenschätzen sind gute Voraussetzungen, um die Welt wenigstens im eigenen Garten zu retten. 

Beim Wildnisgärtnern hält man eine maßvolle Ordnung, die ungestörte Nist- und Über-winterungsmöglichkeiten für Wildbienen, Insekten, Vögel und Kleintiere bietet, bei- spielsweise durch Insektenhotels, Steinhaufen, Totholzstapel und Schutzhecken. Stand- ortgemäße, abwechslungsreiche Nektar- und Pollenpflanzen, Gemüsemischbeete und Kräuter und – je nach Raumverfügung – auch Obstbäume, Beerensträucher sowie vielleicht sogar ein selbstgestampfter Lehmteich erhöhen die Artenvielfalt und verbessern das natürliche Gleichgewicht im Garten.

Für den Garten gilt die Grundregel: » … je mehr Vegetation, desto mehr Co₂-Speicher- ung « (Seite 249). Mehr Pflanzenvielfalt zieht mehr Insektenvielfalt an und mehr Insekten wiederum mehr Vögel.

In Dave Goulsons Obstgarten halten Ohrwürmer die Blattläuse in Schach, was ihn zu einem regelrechten Loblied auf den Ohrwurm veranlaßt und uns interessante Einblicke in das Liebesleben und die erstaunlich ausgeprägte Mutterliebe der Ohrwürminnen gewährt. Überaus köstlich ist beim Thema Obstanbau die Schwärmerei des Autors über die vielen außergewöhnlichen Apfelsorten, die er hegt und pflegt und genießt und die uns im Supermarktangebot wohl kaum jemals begegnen werden.

Wir erfahren ausführlich von der enormen Leistung, die Regenwürmer für die Boden-fruchtbarkeit, die Bodenbelüftung und Bodenlockerung erbringen. Angesichts der wesentlich höheren Regenwurmdichte in Gärten im Vergleich zu Ackerböden kann man Dave Goulsons Forderung nach einem „landesweiten Langzeit-Wurmüberwachungs-programm“ (Seite 207) zur Erforschung der besten Wurmdichtebedingungen nur zustimmen.

Empfehlungen zum Kompostieren oder wahlweise zur Installation eines kleinen Wurm-farmbehälters sowie übersichtliche Listen mit Blühpflanzen für Bestäuber und Beeren-pflanzen für Vögel runden diesen facettenreich-informativen Gartenratgeber sinnvoll ab. Die feinen Zeichnungen von Nils Hoff greifen die Thematik ebenso naturalistisch wie gelegentlich etwas augenzwinkernd-ironisch auf.

Dave Goulson leitet jedes Kapitel seines Buches mit einem Koch- oder Backrezept ein. Dies fügt sich harmonisch zur abschließenden, hoffnungsnährenden Erkenntnis, daß der Ernteertrag aus Gärten und Schrebergärten den Ertrag der konventionellen Landwirt-schaft um das Vier- bis Elffache übertrifft.

Mit „Wildlife Gardening“ gelingt Dave Goulson eine ermutigende Balance aus ökologischer Aufklärung und aufwühlender Gefahrenanalyse sowie praktisch-konstruktiven zukunftsweisenden Anregungen, die vorhandenen natürlichen Handlungsspielräume selbstwirksam im eigenen Garten und Lebensalltag zu nutzen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/wildlife-gardening/978-3-446-26188-4/

Hier entlang zu Dave Goulsons erstem Werk Und sie fliegt doch. Eine kurze Geschichte der Hummel: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/08/09/und-sie-fliegt-doch/
sowie zu Dave Goulsons Buch „Wenn der Nagekäfer zweimal klopft. Das geheime Leben der Insekten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/07/wenn-der-nagekaefer-zweimal-klopft/

Der Autor:

»Dave Goulson, Jahrgang 1965, ist einer von Europas führenden Hummel- und Wild-bienenschützern. Bei Hanser erschienen Und sie fliegt doch (2014), Wenn der Nagekäfer zweimal klopft (2016) und Die seltensten Bienen der Welt (2017). Dave Goulson lebt in Blackboys, East Sussex, wo er seit vielen Jahren Wildlife Gardening betreibt.«
www.sussex.ac.uk/lifesci/goulsonlab
https://twitter.com/DaveGoulson

Die Übersetzerin:

»Elsbeth Ranke, geboren 1972, hat in Erlangen und Nantes Romanistik, Latein und Angewandte Sprachwissenschaft studiert. Sie übersetzt aus dem Französischen und Englischen u.a. Erin Hunter, Frédéric Lenoir, E.O. Wilson, Lewis Wolpert und Hélène Beauvoir. 2004 erhielt sie den André-Gide-Preis.«

Der Illustrator:

Seltsamerweise erfährt man vom Verlag – bis auf den Namen – nichts über den Illustrator. Deshalb verweise ich nachfolgend auf die Webseite von Nils Hoff: http://www.nilshoff.de/info/

Querverweis:

Gerne und nachdrücklich lege ich Ihnen noch Almuths bienenfleißige Webseite „Natur auf dem Balkon“ ans Herz. Dort finden sich viele praktikable Anregungen für welt- rettende (wild)bienenförderliche Lebensbedingungen, zu denen jeder etwas beitragen kann. Feine Fotos und liebevoll-informative Texte bieten jede Menge wissenswerte Nachhilfe in Hinsicht auf die Gestaltung eines bienen- und insektenfreundlichen Balkon-Ambientes. https://naturaufdembalkon.wordpress.com/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/
Werbeanzeigen

Die verlorenen Wörter

  • Ein Buch der Beschwörungen
  • von Robert Macfarlane
  • Originaltitel: »The Lost Words«
  • Aus dem Englischen von Daniela Seel
  • illustriert von Jackie Morris
  • NATURKUNDEN No. 49 www.naturkunden.de
  • 1. Auflage Matthes & Seitz Verlag, Oktober 2018  www.matthes-seitz-berlin.de
  • 2. Auflage Januar 2019
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 33,4 cm x 22,6 cm
  • 134 Seiten mit 100 Abbildungen
  • 38,00 €
  • ISBN 978-3-95757-622-4

WÖRTER  WECKEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Von Blauglöckchen bis Zaunkönig blättern wir mit diesem Buch ein verwunschenes Alphabet der Natur auf. Es wurzelt in dem alten, magischen Glauben, daß die Namen der Wesen, diese Wesen hervorrufen können.

Die Verarmung der Natur spiegelt sich in der Verarmung des Wortschatzes. Im Vorwort dieses Buches wird vor allem der die Kinder betreffende Wortverlust beklagt – die Wörter für die Natur gingen leise und fast unbemerkt verloren, „ein Verdunsten wie von Wasser auf Stein“. Die Entfremdung von der Natur korrespondiert mit dem Verschwin- den von Worten, die einst selbstverständlich in den Mund genommen wurden, weil man mit der lebendigen Natur alltäglich in Berührung war.

Mit dem vorliegenden Buch lassen sich einige solcher Wörter und Wesen bewahren, wiederentdecken und heraufbeschwören. „Die verlorenen Wörter“ ist eine wunderbare Spurensuche, die wechselwirksam von der Sprache ins wilde Leben und vom Leben in die Sprache führt.

So finden wir beispielsweise auf einer Doppelseite die Blauglöckchen zunächst buch-stäblich verstreut als blauviolette Buchstaben, die zwischen Baumstämmen „wachsen“. Auf der nächsten Doppelseite wird das Blauglöckchen in einer schönen botanischen Illustration gezeigt und von einem wildpoetischen Text begleitet, dessen Zeilenan- fangswort – nach der Versform des Akrostichons – stets mit dem Buchstaben beginnt, welcher der Buchstabenfolge des Wortes BLAUGLÖCKCHEN entspricht. Dann folgt eine Doppelseite mit einer Illustration, die das Blauglöckchen in seiner natürlichen Umgebung zeigt.

Buchstaben werden hier zu Wortgebilde-Bildern geformt, die sich zu Zeilen und gemalten Bildern verdichten. Blauglöckchen, Brombeere, Efeu, Eiche, Eisvogel, Elster, Farn, Heide, Kastanie, Lerche, Löwenzahn, Molch, Natter, Otter, Rabe, Reiher, Star, Weide, Wiesel und Zaunkönig werden sinnlich-assoziativ-imaginativ beschworen und mit Worten eingefangen. Das klingt manchmal wie ein Märchen, manchmal wie ein Zauberspruch oder Rätsel und immer respektvoll-bewundernd. Zudem bleibt stets eine freie, offene Atemweite, die der geneigte Betrachter und Leser selbst ergänzen kann.

Illustration von Jackie Morris © Matthes & Seitz Verlag 2018

Die verspielten Buchstabengebilde, welche die Wuchsformen, die Flugbahnen oder die Silhouette der Naturwesen aufgreifen, stimmen auf das im folgenden Text beschriebene Wesen ein. Die sich daran anschließenden Illustrationen fügen das Einzelwesen dann in seine natürliche Umgebung und Gesellschaft ein.

Dem im Vorwort angekündigten löblichen pädagogische Anspruch, dem verlorenen sprachlichen Terrain der Natur in der Lebenswelt von Kindern etwas entgegenzusetzen, wird dieses Buch meiner Ansicht nach nur bedingt gerecht. Die Texte und die Wortwahl sind sehr anspruchsvoll und entfalten ihre literarisch-lyrische Sprachmagie durch gekonntes Vorlesen. Ob dadurch wirklich viele Kinder erreicht werden können, sei einmal dahingestellt.

Jackie Morris Illustrationen sind ebenso botanisch und zoologisch präzise wie schön und einfühlsam. Das Suchen und Finden, Lauschen und Schauen, Erinnern und Imaginieren, das uns dieses bemerkenswerte Buch bildlich sowie sprachlich ermöglicht, sind ein zauberhaftes, wildniswirksames Vergnügen, bei dem wir in den geheimnisvollen Wortwedeln, Fiederzeilen, Fragefrüchten, Rankenzeichen und Federworten des Autors Robert Macfar-lane der Natur begegnen.

Sehr ansprechend sind auch die wortschöpferischen Namensvariationen, die sich aus den Beschreibungen ergeben. So wird beispielsweise der Löwenzahn u.a. „Schirmchenstreu“ genannt, was wirklich entzückend anschaulich ist. Die lyrische Sprachmelodie und die Bindung an die Anfangsbuchstabenfolge (Akrostichon) waren gewiß eine übersetzerische Herausforderung, der die Übersetzerin, Daniela Seel, gleichwohl kongenial gewachsen war.

Das großzügige Quart-Buchformat, das schmeichelgriffige 150g/m² Papier, die satte, lesefreundliche Typografie, die Kombination aus sorgfältigen naturalistischen Illustrationen und naturliebhaberischem Sprachstil zeugen für den harmonischen Einklang von substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf …

 

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen, unbedingt sehenswerten LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/die-verlorenen-woerter.html

 

Der Autor:

»Robert Macfarlane, geboren 1976 in Nottinghamshire, studierte Literaturwissenschaft in Cambridge und begann schon als Kind mit dem Bergsteigen. Sein erstes Buch Mountains of the Mind (2003) erhielt zahlreiche Preise, darunter den Somerset Maugham Award. Nach einer wissenschaftlichen Arbeit über Plagiate im 19. Jahrhundert veröffentlichte er 2007 The Wild Places. Es wurde von Kritik und Publikum gefeiert und zur Grundlage einer bbc-Dokumenta- tion. 2012 erschien die Fortsetzung Old Ways. 2011 wurde Macfarlane, der auch als Essayist und Kritiker für den Guardian tätig ist, zum Mitglied der Royal Society of Literature ernannt. Macfarlane gilt als wichtigster britischer Autor des Nature Writings. Im März 2015 erschien Landmarks; Robert Macfarlane untersucht darin die Verbindung von Sprache und Natur. In deutscher Sprache erschienen bei Matthes & Seitz Berlin bislang Karte der Wildnis, Alte Wege und Die verlorenen Wörter, welches mit dem BAMB Beautiful Book Award 2017, dem Hay Festival Book of the Year und dem The Sunday Times Top Ten Bestseller ausgezeichnet wurde.«

Die Illustratorin:

»Jackie Morris 1961 in Birmingham geboren, lebt als freie Autorin und Künstlerin in Wales. Ihre Illustrationen zu Verlorene Wörter wurden mehrfach ausgezeichnet und brachten dem Buch u.a. den von britischen Buchhändlern vergebenen Titel Schönstes Buch des Jahres ein

Die Übersetzerin:

»Daniela Seel 1974 in Frankfurt am Main geboren, ist Verlegerin des unabhängigen Verlags kookbooks, Übersetzerin und Lyrikerin. Zuletzt erschien ihr Gedichtband »was weißt du schon von prärie« (kookbooks). Daniela Seel lebt in Berlin.«

 

Querverweis:

„Die verlorenen Wörter“ ergänzen sich für erwachsene Leser gut mit Andreas Webers empathiesophischen, sprachempfindsamen Naturkunden „Alles fühlt“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/ und „Minima Animalia“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/03/12/minima-animalia/
Für Kinder eignet sich ergänzend Antje Damms BuchWas wird aus uns? Nachdenken über die Natur: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/02/28/was-wird-aus-uns/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Was wird aus uns?

  • Nachdenken über die Natur
  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag 2018    www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17,1 x 17,1 cm
  • 144 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-356-8
  • Kinderbuch ab 6 Jahren

NATÜRLICHE  GEDANKENGÄNGE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ähnlich wie schon in ihrem Buch „Frag mich! 118 Fragen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen“  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/ kombiniert Antje Damm in „Was wird aus uns?“ auf jeder Doppelseite eine Frage mit ein bis zwei Fotos oder Illustrationen, welche die gestellte Frage motivisch begleiten und dadurch zu vielerlei Assoziationen anregen.

So wird beispielsweise die Frage „Kann Löwenzahn wütend werden?“ mit Fotos eines Löwenzahns, der am Bordsteinrand wächst, illustriert. Auf der einen Seite wächst der Löwenzahn einfach aus einer Ritze zwischen Pflastersteinen in die Welt, auf der anderen Seite ist der gleiche Löwenzahn umzingelt von Zigarettenkippen und Verpackungsmüll.

Fragen Sie sich einfach einmal selbst, wie Sie die Löwenzahnfrage beantworten würden – oder auch eine der nachfolgenden Fragen:
 
Haben Pflanzen Rechte?
Verstehen uns Tiere?
Welche Fragen würdest du gerne einem Tier stellen?
Was würdest du gerne können, was nur ein Tier kann?
Was können wir von der Natur lernen?

Wie wäre es, für immer in der Wildnis zu leben?
Können sich Steine an ihre Geschichte erinnern?
Kann man mit einer Topfpflanze befreundet sein?
Haben Tomaten Angst vor uns?
Woher kennen die Kraniche ihren Weg?
Woran erkennt man, ob etwas lebt?
Wozu inspiriert dich Natur?

Dieses Buch offeriert über sechzig bedenkenswerte Fragen zur Natur, die, wenn Sie es gemeinsam mit Ihrem Kind durchblättern, gewiß auf vielfältige Weise beantwortet werden können. Sofern Kinder bereits lesefähig sind, kann es auch einfach Kinder untereinander zu einem lebhaften Erfahrungs- und Gedankenaustausch zum Thema Naturfragen animieren.

„Was wird aus uns?“ ist in Wort und Bild ein feinsinniger Wegweiser zu interessanten Perspektivwechseln, philosophischen Überlegungen und Gedankenspielen über unsere Natur und zugleich auch ein Impulsgeber für die Wahrnehmung und Benennung natürlicher Phänomene und unser menschliches Verhältnis zur Natur.

Aus den anschaulich gestalteten Fragestellungen erwächst hier gleichsam organisch ein Gespür für die Rolle der Natur in unser aller Leben und dafür, wie vertraut oder fremd wir ihr gegenübertreten, obwohl wir tatsächlich selbst ein verkörperter Teil von ihr sind.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Was-wird-aus-uns.html

 

Nachfolgend noch weitere lesens- und sehenswerte Bücher von
Antje Damm:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich! 118 Fragen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das? Ein Spiel und Ratebuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, 1965 in Wiesbaden geboren, ging nach dem Abitur zunächst als Aupair-Mädchen nach Italien, bevor sie in Darmstadt Architektur studierte. Dies führte sie erneut nach Italien, denn in Florenz verbrachte sie ein Auslandsemester. Danach arbeitete sie mehrere Jahre freiberuflich für diverse Architekturbüros. Seit ihre Töchter auf der Welt sind, schreibt und illustriert sie Kinderbücher. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in einem alten Fachwerkhaus in der Nähe von Gießen.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Geheimnisse der Natur

  • Phänomene in Garten, Wald und Wiese
  • beobachten und verstehen
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • Buchvorlage pala Verlag
  • Produktion: Der Hörverlag 2017
  • gekürzte Lesung von Peter Kaempfe
  • erschienen im Hörverlag Februar 2018  www.hoerverlag.de
  • 9 CDs in Pappkästchen
  • Gesamtlaufzeit 10 Stunden, 51 Minuten
  • 24,99 € (D), 28,10 € (A), 34,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2823-7

A U G E N Ö F F N E R

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wie alle Bücher Peter Wohllebens ist auch „Geheimnisse der Natur“ ein praktisches und buchstäblich lebensnahes Heilmittel gegen Naturferne und eine spannende und wissenswertvolle Schule des Sehens.

Das vorliegende Hörbuch entfaltet auf neun CDs das gebündelte Wissen aus zwei Sachbüchern von Peter Wohlleben. Die ersten vier CDs konzentrieren sich auf das Verständnis von leicht zu beobachtenden Naturerscheinungen (Buchtitel: Von Kranichflug bis Blumenuhr), und die fünf folgenden DCs umkreisen weitläufig das Thema Bäume (Buchtitel: Bäume verstehen).

Peter Wohlleben erklärt Naturphänomene und die zahlreichen damit verknüpften wechselwirksamen Zusammenhänge höchst anschaulich und einleuchtend.

Beispielsweise erfahren wir, wie wichtig die unterirdischen Ameisenbautätigkeiten für die Bodenlockerung, Bodenbelüftung und die bessere Durchwurzelung der Erde sind – was beiläufig auch für die Grabetätigkeit des Maulwurfs gilt.

Wir lernen, mit Hilfe des Gänseblümchens das Wetter vorherzusagen. Gänseblümchen-blüten schließen ihr Blüteninneres, wenn Regen oder Gewitter nahen. Dies tun sie durch thermonastische Bewegungen, d.h. daß die Oberseite der Gänseblümchen-Blütenblätter bei steigender Temperatur schneller wächst als die Unterseite, wodurch sich die Blüte öffnet. Sinkt hingegen die Temperatur, wächst die Unterseite der Blütenblätter schneller, und die Blüte schließt sich. So zeigen geschlossene oder geöffnete Gänseblüm- chenblüten tagsüber zuverlässig an, ob Regen im Anzug ist oder nicht.

Das Wissensspektrum des Hörbuches reicht von der korrekten Deutung der Schnee-flockengröße und Wolkenfärbung bis zur sichtbaren Unterscheidung von Planeten und Sternen am nächtlichen Himmel, von Bodentypen (Sand, Schluff, Ton, Lehm) und ihren unterschiedlichen Wasser- und Kohlenstoffspeicherkapazitäten bis Humusförderung, Erosionsverhinderung und lebenswichtigen Regenwürmern. Weitere Stichworte sind Klimawandel, Windgeschwindigkeiten, Zeigerpflanzen, tierisches Revierverhalten, Vogelruf und Vogelzug, das natürliche Gleichgewicht zwischen sogenannten Nützlingen und Schädlingen, Streusalzschäden, Mondphasen und Lichtverschmutzung …

Weiter geht es mit Aufbau und Lebenslauf der Bäume durch alle Jahreszeiten von der Wurzel bis zum Blatt sowie vom Sämling bis zur Frucht. Es folgen Baumportraits von Eiche, Birke, Fichte, Linde, Pappel, Vogelkirsche, Kiefer, Apfelbaum, Hainbuche und Rotbuche, Baumwuchsformen, Baumalter und Baumkrankheiten, korrekter Baum- schnitt, die Gartentauglichkeit oder -Untauglichkeit bestimmter Bäume, die unterschiedlichen Überlebensstrategien von Bäumen und Sträuchern und die Unterschiede zwischen stör- und sturmanfälligen Plantagenwäldern und nachhaltig-lebenstüchtigen Urwäldern.

Peter Wohlleben weist deutlich auf die Gefahren für die Bodenfruchtbarkeit und den natürlichen Wasserkreislauf durch die industrielle Landwirtschaft hin. In diesem Zusammenhang spielt die Bodenverdichtung durch tonnenschwere Land- und Forstmaschinen eine besonders problematische Rolle.

Seine Ausführungen zur heute üblichen Jagdpraxis verdienen besondere Erwähnung. Die natürliche Wilddichte pro km² beträgt ein Reh und sogar noch etwas weniger Hirsch und Wildschwein. Das genügt den Jagd- und Trophäenbedürfnissen gewisser Kreise jedoch nicht, also werden die Wildbestände durch Fütterung und Schonung der weiblichen Tiere auf das 50 bis 100fache an Wilddichte pro km² erhöht.

Die Lieblingsspeise von Rehen sind Laubbaumknospen. Ein Reh pro km² hindert den Wald nicht an seiner natürlichen Erhaltung, 50 bis 100 Rehe, die sich an der Gipfelknospe von Jungbäumen gütlich tun und damit das Leben des Baumnachwuchses beenden, schaden der Laubwalderhaltung indes gravierend.

Der Autor hofft auf die Rückkehr von Wölfen und Luchsen, die den Wildtierbestand wieder ins Gleichgewicht bringen können, sofern diese Raubtiere nicht – angesichts lascher behördlicher Kontrollen und Sanktionen – heimlich illegal abgeschossen werden. Er zitiert ein altes russisches Sprichwort, das ich hier gerne wiederhole:

„Wo der Wolf geht, wächst der Wald.“

Peter Wohlleben vermittelt uns eine überaus informative, sinnliche und zutiefst ganzheitliche Naturbetrachtung und Naturentzifferung. Komplexe Zusammenhänge werden eingängig erklärt, und alle angesprochenen Themen fügen sich zu einem sinnvollen Zusammenhang, der beeindruckt. Seine Anleitung zu einer achtsamen und wertschätzenden Wahrnehmung der Natur wirkt bewußtseinsbildend und kann die Liebe zur Natur reanimieren.

Der Vorleser Peter Kaempfe liest mit einer sonoren Souveränität und ausdrucksvollen Gelassenheit, die sehr gut zu den im erzählerischen Ton formulierten Sachtexten von Peter Wohlleben passen.

„Geheimnisse der Natur“ legt uns mit Gefühl diese Natur ans Herz und hebt uns mit Verstand ihre feinverästelte Komplexität ins Bewußtsein.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Geheimnisse-der-Natur/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e533263.rhd

Hier entlang zu den dazugehörigen Buchausgaben und LESEPROBEN beim pala Verlag:
Kranichflug und Blumenuhr https://pala-verlag.de/buecher/kranichflug-und-blumenuhr/
Bäume verstehen https://pala-verlag.de/buecher/baeume-verstehen/

Querverweis zu drei weiteren wissenswerten Werken von Peter Wohlleben:

Das geheime Leben der Bäume https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/02/06/das-geheime-leben-der-baeume/
Das geheime Netzwerk der Natur https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/01/13/das-geheime-netzwerk-der-natur/
Das Seelenleben der Tiere https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforst-verwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel. Dort arbeitet er an der Rück-kehr der Urwälder. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Mit seinen Bestsellern Das geheime Leben der Bäume und Das Seelenleben der Tiere hat er Menschen auf der ganzen Welt begeistert.«   http://www.wohllebens-waldakademie.de

Der Sprecher:

»Peter Kaempfe, seit 43 Jahren erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler, startete seine Karriere mit Engagements in Tübingen, München und Hamburg. Er war Gründungs-mitglied der Bremer Shakespeare Company und erhielt mit dem Wintermärchen den Förderpreis der Akademie der Künste, Berlin. Seine ausdrucksstarke Stimme ließ ihn zum erfolgreichen Kommentarsprecher in mehr als 800 Fernsehdokumentationen für alle deutschen Sendeanstalten werden. Außerdem ist er zu hören in über 300 Hörspielen und Hörbüchern, dazu immer wieder in vielen Live-Lesungen und Solo-Programmen.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Grüner Faden

  • Der grüne Jahresplaner für ein
  • einfaches und nachhaltiges Leben
  • Immerwährender Buchkalender
  • Herausgeber: smarticular Verlag  August 2018 http://www.smarticular.net
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 20 x 13 x 2 cm
  • 256 Seiten
  • 2 LESEBÄNDCHEN
  • ISBN 978-3-946658-15-3
  • 22,90 € (D), 23,55 € (A)

VON  TAG  ZU  TAG  NACHHALTIG

Kalenderbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Wer gerne mit einem achtsamen, nachhaltigen, müllvermeidenden, rohstoffschonenden und einfach selbstgemachterem Leben beginnen möchte oder dafür nach alltäglichen praktischen Anregungen sucht, wird in diesem Kalender garantiert fündig.

Jede Woche hat hier kalendarisch auf einer Doppelseite Raum, an die sich eine Seite mit saisonalen, konzentriert-formulierten Tipps und eine freigebliebene Seite für längere Notizen oder Skizzen anschließt. Im hinteren Kalenderteil gibt es ergänzend eine Doppelseite, die den Monatskalender abbildet, und wieder eine freie Seite für persön- liche Einträge. Dank der zwei Lesebändchen lassen sich die aktuelle Woche und der aktuelle Monat übersichtlich markieren.

Da bei den kalendarischen Planungsseiten kein Datum vorgedruckt ist, sondern nur die Wochenzahl und die Wochentage, kann man jederzeit mit dem Kalender anfangen und einfach das Datum selbst eintragen. So muß man nicht zwangsläufig von Januar bis Dezember vorgehen, sondern kann jahresübergreifend je nach Einstieg auch von Mai bis April, Juni bis Juli usw. mit dem Kalender arbeiten.

Der Grüne Faden ist mit über 200 saisonalen Rezepten, Ideen und Handlungsimpulsen, mehr als 100 Illustrationen sowie einem wöchentlichen weisen Zitat sinnvoll angerei- chert. Am hinteren Buchinnendeckel befindet sich ein aufklappbares Täschlein, in dem Papierkleinkram (Visitenkarten, Quittungen etc.) untergebracht werden können.Nach dem Hauptkalenderteil bleibt noch Platz für eine Wunschzetteldoppelseite, einen Gemüse- und Wildpflanzensaisonkalender mit Querverweisen zu Rezepten und Anwen- dungen, die im Jahresverlauf bereits thematisiert wurden, sowie eine freie Seite mit der Überschrift „Ideenparkplatz“.

Alle Rezepte und Ideen verfügen über einen Stichwort-Linkhinweis zu smarticular.net, wo sich zusätzliche und vertiefende Informationen aufrufen lassen. Die großzügigen Kalenderblätterfreiräume und Selbstgestaltungsmöglichkeiten fügen diesem Jahres- planer spielerisch einen individuellen Mehrwert hinzu.

Es versteht sich von selbst, daß der Grüne Faden auf wiederverwertetem Papier in Deutschland gedruckt und gebunden wurde. Der Grüne Faden bietet vielseitige und motivierende Nachhaltigkeitsinformationen, die zu konstruktivem, selbstwirksamem Handeln einladen.

Hier entlang zum Kalender und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.smarticular.net/gruener-faden/

Wahlweise gibt es den Grünen Faden übrigens auch in den Farben: Beere, Erde, Morgentau, Ozean, Provence, Sonne und Wald

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Bäume

  • von Piotr Socha und Wojciech Grajkowski
  • Originaltitel: »Drzewa«
  • Aus dem Polnischen von Thomas Weiler
  • Gerstenberg Verlag September 2018 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,5 x37,5 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig
  • ISBN 978-3-8369-5654-3
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A), 31,60 sFr.
  • Sachbilderbuch ab 5 Jahren

W U R Z E L W I S S E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Piotr Socha hat bereits mit seinem Bienen-Sachbilderbuch (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/) seine beeindruckende ebenso sachkompetente wie heitere Zeichenkunst demonstriert. Dies setzt er nun in Kooperation mit dem Biologen Wojciech Grajkowski mit einem Sachbilderbuch über Bäume fort.

„Bäume“ bietet uns eine weitverzweigte, ganzheitliche Darstellung der größten und langlebigsten Lebewesen unserer Erde. Große Schautafeln illustrieren die faszinierende Vielfalt der Bäume und zeigen ihre kulturelle und ökologische Bedeutung.

Dabei wird auch auf den Rohstoff Holz eingegangen, der für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit eine tragende Rolle spielt. Der älteste archäologische Holzfund ist eine fast 40 Zentimeter lange Eibenholz-Lanzenspitze aus Clacton-on-Sea (Südengland), die 400 000 Jahre alt ist.  Aus Holz wurden und werden Boote, Schiffe, Häuser, Tempel, Masken, Musikinstrumente, Räder, Schlitten, Skier, Waffen, Werkzeuge und Papier hergestellt.

Vom riesig-hochgewachsenen Mammutbaum und umfangreichen Baobab-Baum bis zum zierlichen Bonsai lernen wir viele exotische, aber auch alltägliche und einheimische Bäume kennen. Sogar ausgestorbene Bäume, von denen sich versteinerte Abdrücke und komplette Versteinerungen erhalten haben, werden vorgestellt.

Des weiteren geht das Buch anschaulich und interesseweckend auf folgende Baum-facetten ein: Die Photosynthese, Blattformen, Wurzelarten, Baumsamen und Baum- früchte und ihre natürlichen Verbreitungswege, die Erscheinungsformen des Baumes im Wechsel der Jahreszeiten, Baumbeschneidung, Tiere, die auf oder von Bäumen leben, Tiere, die sich als Rinde, Zweig oder Blatt tarnen, heilige Bäume, Bäume in verschieden- en Religionen, Mythen und Legenden (Robin Hood), Kirchen und Tempel aus Holz, Baumhäuser, Urwälder, Holzfällerwerkzeug und seine Verwendung, Holzmusikinstru- mente, Darwins Lebensbaum und der familiäre Stammbaum …

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2018

Piotr Socha und Wojciech Grajkowski widmen sich der Thematik in der Tat um- fassend, spannen den Bogen vom spannenden Detail zum großen Ganzen der Natur und Kultur. Besonders hervorzuheben ist der diesem Buch eigene Tenor der Dankbarkeit und respektvollen Demut gegenüber Bäumen, die vielleicht am deutlichsten auf der Doppelseite zum Ausdruck kommt, welche in die jahresbe- ringte Lebensspanne eines Mammutbaumes (von 1370 v.Chr. bis zum Jahr 1900 n.Chr.) unzählige Epochen, kulturelle Meilensteine und große Charaktere der Menschheitsgeschichte einfügt und diese fast wie Eintagsfliegen erscheinen läßt.

Die Illustrationen von Piotr Socha verknüpfen naturalistische Präzision und Anschaulichkeit mit farbenfröhlichen, vergnüglich-augenzwinkernden Elementen, die einen perfekten Neugierköder für kindliche Betrachter bieten.

Die erklärenden Texte von Wojciech Grajkowski sind konzentriert-informativ und amüsant-einprägsam. So wird beispielsweise erläutert, daß unverdaute Obstkerne von Vögeln zunächst weiter transportiert werden, um dann schließlich mit dem Vogelkot wieder ausgeschieden zu werden, was dem luftgereisten Obstkern nach der Landung auf der Erde sogleich den passenden Dünger beigibt.

Diesem großformatigen, sorgfältig gestalteten Sachbilderbuch gelingt es, spielerisch und wissenswertvoll am Beispiel der Bäume die vielfältige Verflochtenheit unseres Lebens mit der Natur aufzuzeigen. So kann Wissen Wurzeln schlagen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836956543

Hier entlang zu Piotr Sochas Bienen-Bilderbuch, das 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten hat: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/)

 

Der Illustrator:

»Piotr Socha studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Seither arbeitet der Illustrator, der zu den beliebtesten Cartoonisten Polens gehört, für diverse bekannte Zeitungen und Zeitschriften und illustrierte zahlreiche Bücher. Für sein Sachbilderbuch Bienen erhielt er 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Er lebt in Warschau.« http://www.piotrsocha.pl

Der Autor:

»Wojciech Grajkowski ist als promovierter Biologe in Warschau sehr vielseitig tätig: Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit schreibt er Biologiebücher für den Grundschulbereich und organisiert Workshops für Lehrer und Studenten. Er hat Piotr Socha schon beim Bienen-Buch beraten.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

Vögel ganz nah

  • Fotos von Roine Magnusson
  • Text von Mats Ottosson und Åsa Ottosson
  • Originaltitel: »Nära Fåglar«
  • aus dem Schwedischen von Claudia Huber
  • SIEVEKING Verlag 2018    http://www.sieveking-verlag.de
  • gebunden in Schweizer Bindung
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 23,5 cm
  • 272 Seiten
  • 74 Abbildungen
  • 35,00 € (D), 36,00 € (A)
  • ISBN 978-3-944874-85-2

VO G E L P E R S P E K T I V E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

So federwesensnah sind Sie Vögeln bisher wohl kaum nahegekommen wie in diesem außergewöhnlich-naturschönen Bildband.

Alleine schon das Titelbild mit der anmutig-vorwitzigen, flügelballerinaartigen Blau- meise ist hinreißend, und die weiteren Vögel, die ihr im Buch folgen, sind mindestens ebenso faszinierend und bewundernswert – von Seite zu Seite blättert man von Erstaunen zu Entzücken zu Begeisterung. Solch lebendige Nahaufnahmen gelingen nur mit Fingerspitzengefühl und Respekt vor den Geschöpfen der Natur.

Der Fotograf, Roine Magnusson, hat für diese Vogelfotos mit schwedischen Vogelbering-ungsstationen zusammengearbeitet. Die eingefangenen Vögel werden nach der Bering-ung und Fütterung in eine Freilaßbox gesetzt; doch dort verhalten sie sich zu lebhaft – jedenfalls für die Art Fotos, die der Fotograf im Sinn hatte.

(Distelfink) Fotografie © Roine Magnusson Aus: Vögel ganz nah, Sieveking Verlag 2018

Um die Vögel so behutsam wie möglich und doch so nah wie erwünscht aufzunehmen, baute er Lichtzelte in verschiedenen Größen aus weichem, weißen Stoff. Das impro-visierte Fotostudio wurde weitmöglichst abgedunkelt, da sich Vögel erfahrungsgemäß in Dunkelheit schneller beruhigen. Dadurch verhielt sich das Fotomodell meist unaufge- regt, posierte entspannt und natürlich und wurde nach wenigen Minuten wieder in die Freiheit entlassen. War ein Vogel gelegentlich doch nervös oder verblieb in bewegungs- loser Schreckstarre, verzichtete der Fotograf auf die Aufnahme.

(Rotkehlchen) Fotografie © Roine Magnusson Aus: Vögel ganz nah, Sieveking Verlag 2018

So entstanden natürliche Studioaufnahmen von über dreißig bekannten, europäischen Vogelarten wie Amsel, Bachstelze, Buchfink, Fasan, Gartenrotschwanz, Kohl- und Blaumeise, Mehlschwalbe, Rotkelchen, Stieglitz, Sperber, Sperlingskauz, Sturmmöwe, Trauerschnäpper, Wintergoldhähnchen und Zaunkönig.

(Blaukehlchen) Fotografie © Roine Magnusson Aus: Vögel ganz nah, Sieveking Verlag 2018

Der Hintergrund der charakterstarken Vogelportraits ist wahlweise weiß oder schwarz. Da es keine ablenkende Kulisse gibt, treten die Feinheiten der Farben und Formen sowie der Gefiedermuster und der Körpersprache und, ja, sogar das spürbar Wesensmäßige des jeweiligen Vogels deutlich hervor. Mehr als einmal konnte ich der Versuchung, das Foto zu streicheln, nicht widerstehen.

(Sperlingskauz) Fotografie © Roine Magnusson Aus: Vögel ganz nah, Sieveking Verlag 2018

Die begleitenden Texte von Mats und Åsa Ottosson vermitteln in komprimiert-erzähle-rischer Weise ornithologische und ökologische Information zu den porträtierten Vögeln. Die Autoren ergänzen sie um anrührende und amüsante persönliche Vogelerlebnisse und poetische Zitate von vogelzugeneigten Naturforschern, Amateuren und Dichtern. Im Einleitungstext spüren sie der Faszination nach, die Vögel auf uns Menschen ausüben, und geben streiflichternd bewundernswerte Einblicke in den aktuellen Forschungsstand zu Vogelstimmen, Vogelflug und Vogelzug.

Die naturverbundene Achtung vor den Vögeln und ihrer Lebenskunst ist dabei der rote Faden, der alle Texte harmonisch mit den Fotos verbindet.

„Für Vögel empfänglich zu sein ist viel einfacher und viel mehr. Das ist kein Hobby, sondern eine liebevolle Offenheit gegenüber einem größeren Wir, zu dem wir als Menschen gehören dürfen.“ (Seite 41)

Neben dem für Vogelliebhaber unwiderstehlichen bildlichen und wissens- wertvollen Inhaltsreichtum besticht dieser Bildband auch durch seine sorgfältige Gestaltung. Die verwendete Schweizer Bindung, bei der der Buchblock nur auf der rechten Seite mit dem Einband verbunden wird, ermöglicht ein gefälliges, weites Aufschlagen und Aufblättern der Seiten, die flach liegen bleiben und sich nicht störend aufwölben. Das schmeichel-griffige Papier, die satte, lesefreundliche Typografie und die porentief klare Reproduktion der exzellenten Fotografien sind ein bibliophiler Genuß.

 

Hier entlang zum Buch und zur Betrachtungs- und Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://sieveking-verlag.de/produkt/voegel-ganz-nah/
Dort findet sich außerdem eine achtminütige, unbedingt sehenswerte YT-Filmdokumentation (Schwedisch mit deutschen Untertiteln) über den Fotografen Roine Magnusson, in der er die spezielle fotografische Technik sowie seine fotografische Haltung sehr aufschlußreich und sympathisch erklärt und vorführt.

Ergänzend gibt es außerdem einen immerwährenden Monatskalender
„Vögel – wiederkehrende Freunde“ mit Fotografien von Roine Magnusson
Format: 24 x 30 cm
Spiralbindung zum Aufhängen
SIEVEKING Verlag 2018
19,90 €  (D)   20,50 €  (A)
ISBN 978-3-944874-95-1

Hier entlang zum Kalender auf der Verlagswebseite:
https://sieveking-verlag.de/produkt/voegel-immerwaehrender-kalender/

 

Der Fotograf:

»Roine Magnusson ist ein Fotograf, der auf unkonventionelle Weise versucht, sich dem Bild zu nähern. Er porträtierte in den Büchern Lor – en kärleks-historia (Pandabuch des Jahres 2012) und Till träden Kühe und Bäume als die Persönlichkeiten, die sie sind. Während der Arbeit an Den underbara resan (Pandabuch des Jahres 2007) flog er auf Nils Holgerssons Spuren in Ultraleichtflugzeugen.«

Die Autoren:

»Mats und Åsa Ottosson sind freie Journalisten, Autoren und Dozenten mit einem starken Empfinden für die schwedische Natur. Sie haben rund zwanzig Bücher geschrieben, mehrere zusammen mit Roine Magnusson. Mats Ottosson schreibt jedes Jahr Texte für das populäre Fågeldagbok des Verlags Bonnier Fakta. Er ist auch Programmleiter für die Rundfunksendung „Naturmorgon“ von Sveriges Radio.«

Querverweis:

Als vogelliebhaberische Lektürezugabe kann ich zudem das von Florian Frick illustrierte Sachbuch „Federnlesen. Vom Glück Vögel zu beobachten“ von Johanna Romberg empfehlen. „Federnlesen“ ist eine persönliche Naturkunde, die ihre Leser für Vogelbe- obachtung begeistern und zum Vogelschutz animieren möchte. Die Kombination aus konzentrierten klaren Informationen und subjektiver Naturerfahrung  vermittelt mit Gefühl und Verstand sowohl nützliches Wissen als auch konstruktive Anregungen zur persönlichen Mitwirkung beim Vogelschutz sowie zur Praxis der Vogelbeobachtung.  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/02/federnlesen/

Und das Buch „Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er? Handwörterbuch der Vogellaute“ von Peter Krauss bietet sich zur naturverbundenen, vogelgesangsspezifisch-wortschatz-erweiternden Abrundung an: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/02/singt-der-vogel-ruft-er-oder-schlaegt-er/

 

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

 

Manolito

  • Ein fantastischer Märchen-Roman
  • von Friedrich Hechelmann
  • Knesebeck Verlag September 2017   www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 19,5 x 23,00 cm
  • 176 Seiten
  • mit 10 schwarzweißen Abbildungen
  • und 30 farbigen Abbildungen
  • ISBN 978-3-95728-060-2
  • 29,95 € (D), 30,80 € (A)
  • ab 10 Jahren

LE B E N S K R Ä F T E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Friedrich Hechelmann ist Maler und Buchillustrator, und er hat für das vorliegende Buch nicht nur zum Pinsel, sondern auch selbst zur Feder gegriffen. Achtsame Liebe zur Natur, Ehrfurcht vor der Schöpfung und eine naturmagisch-poetische Perspektive lassen sich an seinen Bildern ablesen.

Mit seinem Märchen-Roman-Debüt „Manolito“ erzählt Friedrich Hechelmann in Wort und Bild ein modernes Märchen über die Bedrohung der Natur und des Lebens durch menschliche Herzenskälte und Profitgier und über eine mögliche Bewußtseinswende durch heilsame, naturgeistige Lebenskräfte.

Knuth Rabenhorst arbeitet in einem wissenschaftlichen Versuchslabor der Pharma-industrie und führt gehorsam die verlangten Versuche an den „Probanden“ durch. Des Nachts meldet sich bei ihm jedoch angesichts der Qualen der Versuchskaninchen immer häufiger das Gewissen, denn eigentlich ist Knuth ein empfindsamer Mensch – so pflegt er beispielsweise eine Fütter-Freundschaft mit einem dem Raben Kasimir, der ihn regelmäßig auf seinem Balkon besucht.

Doch erst als Knuth seine Anstellung verliert, kommt er ernsthaft  zur Besinnung. In seiner Labor-Kitteltasche findet er den heimlich entflohenen Probanden Nr. 226. Nr. 226 ist nur kichererbsenklein, er hat eine menschliche Gestalt und fleht Knuth an, ihn nicht wieder in das schreckliche Labor zurückzubringen. Knuth läßt endlich sein Mitgefühl zu und verspricht Nr. 226 Schutz und Hilfe und gibt ihm den Namen „Manolito“.

Manolito freut sich, daß er keine Nummer mehr ist, und Knuth freut sich über die anre-gende Gesellschaft Manolitos. Sie diskutieren lebhaft das menschliche, lebensfeindliche Verhalten gegenüber den natürlichen Geschöpfen, und Knuth überlegt sich berufliche Alternativen, da er sich an diesem Zerstörungswerk nicht mehr beteiligen mag.

Während sich Knuth auf Arbeitssuche begibt, erkundet Manolito sein neues Zuhause und freundet sich mit der Hausspinne Liesa und dem Raben Kasimir an. Manolito ist die körperliche Miniaturausgabe eines Menschen, indes hat er die Seele eines Elfen, und deshalb kann er mit allen Tieren sprechen. So erfährt er auch, daß sich immer mehr Tiere auf den geheimen Kontinent Aronia zurückziehen, um der menschlichen Grausamkeit und den durch Umweltverschmutzung lebensverarmten und zerstörten Lebensräumen zu entkommen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zugang nach Aronia wurde vor vielen Jahrtausenden von den Elfen hinter einer für Menschen unsichtbaren Wasserwand verborgen. Tiere finden den Weg nach Aronia jedoch instinktiv, und die wenigen Elfen, die noch als Botschafter in der Menschenwelt unterwegs sind, haben selbstverständlich ebenfalls leichten Zugang. Und so landet Manolito nach einer dramatischen Wende unvermittelt in Aronia.

Die Hummelkönigin Klara nimmt Manolito als Flugpassagier auf und zeigt ihm die wilden, menschenleeren Landschaften Aronias, in denen außer den noch in der Menschenwelt existierenden Tieren auch ausgestorbene Tiere und fast vergessene Fabelwesen leben und wirken. Im Herzen Aronias liegt der Elfenwald. Dort erfährt Manolito mehr über seine Herkunft und seine Bestimmung, und er bekommt ein wertvolles Geschenk, das ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe dienlich sein wird.

So groß, weitläufig und verborgen Aronia auch ist, es ist nicht unverwundbar. Die menschliche Gier nach Bodenschätzen unterhöhlt buchstäblich auch dieses Refugium, und es besteht die akute Gefahr, daß Aronias Schutzschleier gelüftet wird. Aronia benötigt elementare Unterstützung, um sich gegen einen Angriff und eine drohende Invasion der Menschen zu verteidigen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zentrale Rat der Vereinigten Arten Aronias beauftragt Manolito, die Hummelkönigin Klara, die Grasmücke Mathilde, die Fledermaus Philomena und weitere tierische Ver-bündete zum Meister des Windes zu reisen und um seine Unterstützung zu bitten. Die Bewohner Aronias werden ihr Refugium nicht kampflos den „Paarfüßlern“ – so werden die Menschen von den Tieren genannt – überlassen.

Es wird eine sehr abenteuerliche Reise mit harten Bewährungsproben und mit unverhofft-hilfreichen und inspirierenden Begegnungen. So weiß beispielsweise der Delphin Ody, der sie beim Überqueren des Meeres vor dem Ertrinken rettet, weitsichtige Worte über das Wasser zu sagen:

»Ich weiß es vom Wasser … Es hat die gesamte Geschichte der Erde und seiner Bewohner gespeichert. Dem Wasser kann man nichts vormachen. Was man dem Wasser antut, tut man sich selbst an. Bei Luft und Erde ist es dasselbe. Das haben die Paarfüßler nur bis heute nicht begriffen.« (Seite 111)

Die spannende, märchenhafte Handlungsinszenierung fügt sich wunderbar in die vielfältigen Landschaften, ja, eigentlich Seelenlandschaften, die Friedrich Hechelmann entwirft. Dabei eröffnet er einfühlsam Perspektiven der Tiere auf das Handeln der Menschen.

Die katastrophal-zerstörerischen Folgen lebensabgehobener Naturentfremdung werden deutlich formuliert, indes fehlt es keineswegs an weisen Anregungen zu einem Leben in naturachtsamer, wechselseitiger Verbundenheit.

Friedrich Hechelmanns phantastische Illustrationen bieten der Imagination des Lesers ein einladendes Bühnenbild voll geheimnisvoller Lebenstiefe und poetischer Vielschichtigkeit. Sein Erzählstil ist im Vergleich dazu schnörkellos und präzise sowie in den Dialogpassagen gelegentlich etwas schelmisch. Er benutzt klare Worte und kurze Sätze. „Manolito“ ist ein leseleichter, gleichwohl substanzieller und inspirierender Märchen-Roman für kleine und große Menschen, denen die Natur am Herzen liegt. Ich würde die Lesealtersangabe des Verlages dahingehend korrigieren, daß „Manolito“ eine Lektüre von 10 bis 100 Jahren ist.

Zum Ausklang lasse ich uns gerne die Hummelkönigin Klara ihre Vision ins Ohr summen:

»Ich wollte, die Menschen fänden zu ihrer Bestimmung zurück und gingen achtsam mit der Natur um, würden die Geschöpfe und alles, was lebt, bewahren und lieben. Die Erde wird auch dann kein Paradies sein. Solange der Planet um sich selbst und um die Sonne kreist, wird es Tag und Nacht geben. Jedes Ereignis, jedes Lebewesen wird eine dunkle und eine helle Seite haben. Aber im Kern jeden Lebewesens sollte der Respekt vor dem Geheimnis des Lebens stehen. Wenn es so weit ist, werden auch die Elfen ihre Isolation aufgeben und zu uns zurückkehren, zum Wohle aller.« (Seite 90)

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/manolito/t-1/594

Querverweis:

Hier entlang zu einer von Friedrich Hechelmann illustrierten Märchensammlung
Das Buch der Märchen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/01/28/das-buch-der-maerchen/

 

Der Autor und Illustrator:

»Friedrich Hechelmann wurde 1948 in Isny im Allgäu geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und zählt seither zu den bedeutendsten Malern des Realismus. In der Kunsthalle im Schloss Isny im Allgäu, wo er heute lebt und arbeitet, hat er einen besonderen Ort gefunden, den er durch großes Engagement zu einem kulturellen Zentrum verwandelt hat. In den mit großer Liebe zum Detail restaurierten Räumen des Schlosses stellt er seine Originalwerke aus, darunter auch Buchillustrationen. Denn Friedrich Hechelmann wurde auch als Illustrator zahlreicher Bücher populär, wie Michael Endes Momo (2009), Cornelia Funkes Die Geisterritter (2011) oder Selma Lagerlöfs Nils Holgersson (Knesebeck, 2013). Manolito ist der erste Roman des Künstlers.«
Besuchen Sie Friedrich Hechelmann auf seiner Webseite: www.hechelmann.de

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

Die Humusrevolution

  • Wie wir den Boden heilen,
  • das Klima retten und die
  • Ernährungswende schaffen
  • von Ute Scheub und Stefan Schwarzer
  • oekom Verlag Februar 2017   www.oekom.de
  • Klappenbroschur
  • 240 Seiten
  • Format: 14,8 cm x 22,5 cm
  • ISBN 978-3-86581-838-6
  • 19,95 e (D), 20,60 € (A)

DIE RETTUNG DER ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wir leben auf der Erde und wir leben von der Erde. Der faszinierend komplexe Lebens-raum unter unseren Füßen mit seinen unzähligen Mikroorganismen, ökosystemischen Symbiosen und Wurzelpilzgeflechten ist die Grundlage unserer Ernährung. Von der fruchtbaren Humusschicht hängen die Lebenszyklen von Pflanzen, Tieren und Menschen ab. Sie erhöht zudem die Wasserspeicherkapazität der Erde – für jeden Prozentpunkt Zuwachs an Humusgehalt kann der Boden 16 Liter mehr Wasser pro Quadratmeter speichern. Die Humusschicht beträgt zwischen 15 und 20 Zentimetern – die Natur braucht hundert Jahre, um einen Zentimeter Humus aufzubauen.

Die industrielle Landwirtschaft, im folgenden „Agroindustrie“ genannt, zerstört durch Gift, Gülle, Gene, Monokulturen und großmaschinelles Umpflügen die Regenerations- fähigkeit der Erde und den Aufbau der lebenswichtigen Humusschicht. Entwaldung, Flächenversiegelung durch Straßen- und Siedlungsbau und weitgehend menschen- gemachte Bodenerosion tragen zusätzlich dazu bei, daß fruchtbare Erde schwindet.

Der Zusammenhang von Humus mit dem Klima besteht darin, daß Humus hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht. Eine starke und intakte Humusschicht ist in der Lage, viel Kohlenstoff zu speichern und diesen Pflanzen zum Wachstum zur Verfügung zu stellen, und diese wiederum transportieren über ihre Wurzeln einen Teil davon langfristig in tieferen Bodenschichten.

»Kohlenstoff spielt für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und eines gesunden Boden-lebens eine zentrale Rolle. Mit Humusaufbau kann man nicht nur das Klima positiv beeinflussen, sondern auch bessere Ernten erzielen, Hunger und Mangelernährung bekämpfen, unzählige sinnvolle Jobs schaffen. Man kann damit für gesunde Pflanzen, Tiere und Menschen sorgen, die Artenvielfalt mehren, die Wasserhaltefähigkeit der Böden und die Grundwasservorräte erhöhen sowie ganze Landschaften regenerieren.«
(Seite13/14)

Humusaufbau durch regenerative Agrikultur holt CO₂ aus der Atmosphäre und bringt es zurück in den Boden, wo es dringend gebraucht wird. Die Rekarbonisierung der Erde führt auf diesem Wege zur Dekarbonisierung der Luft. Eine globale regenerative Agrikultur in Verbindung mit regenerativer Energieerzeugung könnte bis zum Jahre 2050 »das atmosphärische CO₂-Niveau auf vorindustrielles Niveau drücken«.

Das erste Kapitel beginnt mit einer kleinen Geschichte des Ackerbaus von der Steinzeit bis heute und setzt sich fort in einer ausführlichen Beschreibung der in ökologischer und sozialer Hinsicht dramatisch-lebensfeindlichen Entwicklung der Landwirtschaft unter dem massiven Einfluß der Chemiekonzerne seit Mitte der 50er Jahre. Kunstdünger und Pestizide haben ihren wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Ursprung in der Entwicklung von Kriegswaffen. »Aus Verfahren zur Sprengstoffherstellung wurde Stickstoffdünger, aus Kampfgasen Pestizide und aus Panzern Traktoren. Wo der Krieg gegen Menschen aufhörte, begann der Krieg gegen die Natur und umgekehrt.«
(Seite 26)

Die ökosozialen Schäden dieser „Chemo-Therapie“ (»Deutschland ist das am meisten überdüngte Land der EU«) werden anschaulich dargestellt – vom Artenschwund bis zur Massentierhaltung mit seiner Stickstoffüberlastung durch die anfallenden Güllemengen und die damit verbundene Nitratbelastung des Trinkwassers, über die Verschwendung von Erdöl für die Produktion von Stickstoffdünger (»… laut Fraunhofer-Institut werden weltweit etwa 100 Millionen Tonnen Stickstoffdünger hergestellt was rund 200 Millionen Tonnen Erdöl erfordert und 1.000 Millionen Tonnen CO₂ produziert«), die Klimaschäd-lichkeit von Methan, Lachgas und weiterer Stickoxide, die als Neben- oder Abbau- produkt bei der Herstellung sowie dem Abbau von Kunstdünger entstehen, bis hin zu Bodenerosion und Kohlenstoffverlusten durch tiefes Pflügen, Bodenverdichtung und unterirdischem Sauerstoffmangel durch die Druckbelastung schwerer Landmaschinen sowie einer EU-Agrarpolitik, die Kleinbauern benachteiligt und und und – die Aufzählung ist noch lange nicht zu Ende, sprengt jedoch den Rahmen einer Buchbesprechung.

Konzentrieren wir uns auf die gefährlichste Nebenwirkung der Agroindustrie – die  Zerstörung des Bodenlebens und den damit verbundenen dramatischen Schwund der Humusschicht. Dem Kapitel des Schreckens der globalen Bodendegradation folgen fünf Kapitel mit hoffnungsvollen, erprobten Lösungen aus aller Welt und ein Kapitel mit der heiter-inspirierenden Vision einer geglückten Agrarwende hin zu regenerativer Agrikultur und der damit verbundenen Rettung der Erde.

Die Autoren reisen nach Zürich und besuchen Hans Herren, den preisgekrönten Insekten-forscher und Gründer der Stiftung Biovision www.biovision.ch, der das „Push and Pull“-Prinzip entdeckte und in Kenia zur Anwendung brachte: »Über 100.000 kleinbäuerliche Familien können nun ihre Maisernte verdoppeln und verdreifachen, indem sie Desmodium in ihren Maisfeldern anbauen. Das Bohnengewächs verdrängt durch kräftige Wurzeln das Striga-Unkraut und wehrt den maisfressenden Stängel- bohrer durch seinen Geruch ab (Push) Das Insekt flüchtet auf das Elefantengras, das rund ums Feld gepflanzt wird, seine Larven bleiben dort kleben (Pull). Die nahrhaften Pflanzen werden ans Vieh verfüttert, das wiederum mehr Milch gibt.« (Seite 72)

In Mittelamerika praktizieren Kleinbauern und Gärtner schon seit jeher sogenannte „Milpas“: »Pflanzengemeinschaften, bei denen Mais, Bohnen und Kürbis in einem Beet wachsen und voneinander profitieren: Bohnen nutzen den Mais zum Ranken; Mais profitiert vom Stickstoff der Bohnen; Kürbisse bedecken und schützen den Boden.« (Seite 64)

Von Charles und Perrine Hervé-Gruyer www.fermedubec.com , die ihre Mikrofarm Bec Hellouin biointensiv mit Permakultur, Marktbeeten und kleinteiligen Mischkulturen erfolgreich und fruchtbar in Handarbeit beackern, über die Chinesin Yin Yuzhen, die gemeinsam mit ihrem Mann seit 40 Jahren mehr als 300.000 Bäume in der Ordos-Wüste gepflanzt hat, so daß der Regen zurückkam und auf kleinen Flächen im Schatten der Bäume wieder Gemüse gedeiht, bis zur Permakulturlandschaft der Ökodorfgemein- schaft Schloß Tempelhof und dem Holistischen Weidemanagement von Allan Savory (Simbabwe) oder Joel Salatin (USA) mit seiner Rinderfarm Polyface, auf deren Weide-wiesen mindestens 40 verschiedene Pflanzenarten wachsen und gedeihen – weltweit gibt es viele regenerative Anbaumethoden, die mit der Natur kooperieren, und eigenwillige, naturverbundene Pioniere, die gesunde Lebensmittel produzieren und gleichzeitig den Boden mit Humus anreichern und die Vielfaltisierung fördern.

Grafik aus: Eckhard Jedicke, 1993 „Im Boden steckt Leben: Allein die obersten 30 Zentimeter enthalten Milliarden Organismen – die meisten davon sind für uns unsichtbar.“

Die Palette menschenmöglichen, lebensdienlichen Handelns ist groß: Biointensivkulturen, Bodenbedeckung, Beisaaten, Gründüngung, Holistisches Weidemanagement, Kreislaufwirtschaft, Permakultur, pfluglose Bodenbearbeitung, Mischkulturen, Zwischensaaten, Terra Petra, Urbanes Gärtnern, Waldgärten, Regenwasserableitung in den Boden statt in die Kanalisation, Symbiotische Landwirtschaft, Wasserrückhaltelandschaften, Wassersammelsysteme, Wüstenbegrünung, Reaktivierung der Allmenden …

Ein Kapitel widmet sich ganz der regenerativen Bodenpflege. Nach einer amüsant-informativen „Modenschau der Bodenlebewesen“ – Biodiversität beginnt bereits im Boden – erlesen wir die elementare Bedeutung einer guten Durchwurzelung, da diese nicht nur eine bessere Pflanzenernährung, sondern auch Schutz vor Bodenverdichtung und Erosion bedeutet und der Humusbildung dient. Zur Durchwurzelung gehören die Mykorrhizapilze, die unterirdisch Nährstoffe zu den Wurzeln transportieren und über ihr ausgedehntes Pilzfädengeflecht (in 20 g humusreichem Boden befinden sich ein Kilometer Pilzfäden) die Bodenpartikel miteinander verbinden.

 

Foto: Hans-Peter Schmidt © Mykorrhiza-Wurzeln

Vorgestellt werden zudem zahlreiche Initiativen, die sich für eine Agrarwende einsetzen. Sie propagieren und praktizieren an lokale Bedingungen angepaßte, teilweise uralte Anbau- und Bodenbelebungsmethoden und fördern, forschen, erproben und ergänzen sie mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen. Außerdem leisten sie Aufklärungsarbeit und stellen politische Forderungen für eine Agrarwende und die „Humusrevolution“. Nachfolgend nur eine kleine Auswahl als Kostprobe:

Biovision (Stiftung von Hans Herrenwww.biovision.ch
Humusaufbauinitiative 4pour1000     www.4p1000.org
Permakultur-Institut   www.permakultur-institut.de
Regeneration international   www.regenerationinternational.org
Save Our Soils (EU-weite Bodenkampagne)   www.saveoursoils.com/de
Via campesina (globales Bündnis kleinbäuerlicher Betriebe)   www.viacapesina.org
Wir haben es satt    www.wir-haben-es-satt.de
Zukunftsstiftung Landwirtschaft    www.zukunftstiftung-landwirtschaft.de

Eine abschließende übersichtliche, stichwortartige Auflistung grundlegender Handlungs- und Forderungsempfehlungen vom Lokalen bis zum Globalen sowie viele nützliche Linkhinweise laden jeden dazu ein, seine persönliche Mitwirkungsmacht bewußt wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. Jedes Kapitel enthält eine Doppelseite mit anregend-anschaulichen Praxistipps für den Garten, und damit schließt sich ebenfalls der Kreis vom lokalen Handlungsspielraum bis zum globalen Einfluß.

„Die Humusrevolution“ bietet ein weltenweites, wissenswertvolles Füllhorn einfacher, ganzheitlicher, nachhaltiger Lösungen für die Regeneration der Erde und der Wasserkreisläufe. Die beeindruckend große Vielfalt der konstruktiven und komplexen Landbelebungsmöglichkeiten, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind erfreulich und sehr ermutigend – so wird Hoffnung genährt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/die-humusrevolution.html

Und zum Manifest „Regeneration ist möglich“:
https://www.oekom.de/fileadmin/user_upload/Manifest_Die_Humusrevolution.pdf

 

Grafik: Conservation Research Institute „Wiesenpflanzen haben unterscheidlich lange Wurzeln, hier ein Beispiel aus den USA. Im Gegensatz zu den metertiefen Wurzeln der natürlichen Wiesenvegetation sind die des ausgesäten Futtergrases (Poa pratensis) gerade mal wenige Zentimeter kurz (im Bild ganz links).“

Die Autoren:

»Ute Scheub ist promovierte Politikwissenschaftlerin und Publizistin, sie lebt mit ihrer Familie in Berlin. Die mehrfach mit Preisen ausgezeichnete taz-Mitbegründerin hat bisher 17 Bücher vor allem zu friedens-, frauen- und umweltpolitischen Themen veröffentlicht, darunter „Terra Petra – die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/terra-preta-die-schwarze-revolution-aus-dem-regenwald-erweiterte-neuauflage-1.html und „Glücksökonomie“  https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/gluecksoekonomie.html «

»Stefan Schwarzer ist Physischer Geograf und Permakultur-Designer. Er arbeitet seit 2000 für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Genf, wo er sich mit  globalen Umweltthemen beschäftigt. Die Verbindung globaler Ziele mit lokalen Handlungen, vor allem in Form von einer aufbauenden Landwirtschaft in Anlehnung an die Permakultur, ist eines seiner Hauptanliegen. Er lebt seit Ende 2012 in der Lebensgemeinschaft Schloss Tempelhof.«

Querverweis:

Ergänzende und vertiefende Informationen bezüglich der Lebensfeindlichkeit der Agroindustrie finden sich in Ute Scheubs Buch »Ackergifte – Nein Danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft«:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/12/ackergifte-nein-danke/
Ergänzend zum lebhaften Bodenleben fügt sich das Buch von Amy Stewart ein:
»Der Regenwurm ist immer der Gärtner«:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/23/der-regenwurm-ist-immer-der-gaertner/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Bist du noch zu retten?

  • Pflanzenkrankheiten & schädliche Insekten erkennen und das Richtige tun
  • von Bärbel Oftring
  • KOSMOS Verlag    www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • 144 Seiten
  • Format: 216 x 185 x 14mm (LxBxH)
  • 336 Farbfotos
  • 6 Farbzeichnungen
  • 16,99 € (D), 17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-440-15968-2

ERSTE-HILFE-KURS  FÜR  PFLANZENSCHUTZ

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In Bärbel Oftrings Vorgängerbuch „Wird das was – oder kann das weg?“ (siehe meine Besprechung:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/08/wird-das-was-oder-kann-das-weg/) ging es darum, im frühzeitigen Wachstumsstadium zu erkennen, welche Pflanze sich im Garten angesiedelt hat, und dementsprechend zu entscheiden, ob und in welchem Ausmaße diese Pflanze erwünscht sei oder eher nicht. In ihrem neuen Buch „Bist du noch zu retten?“ thematisiert sie die präzise Früherkennung und Behandlung von Krankheiten, Mangelerscheinungen, Insekten- und Pilzbefall an und in Pflanzen.

Dabei führt uns Bärbel Oftring auf ganzheitliche Weise durch den Garten und vermittelt kein simples Schwarz-Weiß-Bild von Nützlingen und Schädlingen, sondern eine komplexe Betrachtungsweise, die Bodenbeschaffenheit, richtige und falsche Pflanzen- standorte, Lichtverhältnisse, Feuchtigkeit, Trockenheit und Überdüngung sowie den ökologischen Sinn natürlicher Pflanzenzersetzung mit einbezieht.

Auf generelle Hinweise zum ökologischen Gärtnern und naturgemäßen Pflanzenschutz folgen steckbriefartige Darstellungen verschiedener Krankheiten und Schäden durch Mangelerscheinungen, Frost, Sonnenbrand, Insekten, Pilze und Bakterien. Fotos und kurze informative Diagnosebeschreibungen sowie praktische Empfehlungen zur Behandlung – bzw. gegebenenfalls auch Entfernung – der erkrankten Pflanze sowie Hinweise auf resistente Alternativpflanzen helfen bei der korrekten Bestimmung der Krankheit und der Wahl der naturgemäßen Pflanzenschutzmaßnahme.

Beschrieben werden u.a. Stickstoffmangel, Stickstoffüberschuß, Kali-, Magnesium- und Eisenmangel, Frostschäden und Staunässe, Apfelschorf, Birnengitterrost, Echter Mehl- tau und Falscher Mehltau, Grauschimmel, Monila, Kohlhernie, Himbeerrutenkrankheit, Rostpilze, Rußtaupilze, Kräuselkrankheit, Borkenkäfer, Dickmaulrüßler, Drahtwürmer, Gallmilben, Haselnußbohrer, Minierfliegen, Möhrenfliege, Nacktschnecken, Spinn- milben, Trauermücken, Wanzen, Blattflöhe und Blattläuse sowie die hochgefährliche  Bakterienkrankheit Feuerbrand, die sogar beim Pflanzenschutzamt meldepflichtig ist.

Verschiedene Piktogramme zeigen auf den ersten Blick, ob eine Krankheit oder ein Insektenbefall harmlos und zu tolerieren ist oder ob eine aufmerksame Kontrolle und Entwicklungsbeobachtung bzw. ein radikales Entfernen und Entsorgen befallener Pflanzen im Restmüll erforderlich sind. Ein weiteres Piktogramm weist auf Pflegefehler (falscher Standort, zuviel oder zuwenig Feuchtigkeit oder Trockenheit, Überdüngung) hin, die leicht zu beheben sind.

Ein alphabetisches Register erleichtert das Nachschlagen bei bereits diagnostizierten Schäden, und die detaillierten Fotos nebst der eingängigen, sinnvoll strukturierten Begleittexte helfen zuverlässig beim Bestimmen noch unbekannter Krankheiten und bei der Behandlung und Stärkung betroffener Pflanzen.

Für fast alle Krankheiten und Probleme bietet die Autorin natürliche Lösungen und biologische Stärkungsmittel an. Bezugsadressen für biologische Pflanzenpflegeprodukte und Nützlinge runden dementsprechend diesen anschaulichen Erste-Hilfe-Kurs für Pflanzenschutz praktisch ab.

Bärbel Oftring schreibt in einem sehr sympathischen, naturliebhaberischen Stil, der von ihrer respektvollen, achtsamen Sicht und ihrer lebendigen Erfahrung mit der Natur zeugt.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber/garten/gartenpraxis/9445/bist-du-noch-zu-retten

 

Querverweis:

Hier entlang zu Bärbel Oftrings Buch „Wird das was oder kann das weg?:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/08/wird-das-was-oder-kann-das-weg/

Die Autorin:

»Bärbel Oftring ist Diplom-Biologin und setzt ihre Liebe zur Natur als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin von Sachbüchern und Ratgebern in die Tat um. In ihrem neuesten Buch zeigt sie, welche Ursachen es haben kann, wenn Pflanzen einen ungesunden Eindruck machen und was dann zu tun ist. «

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/