Das Leben der Eichhörnchen

  • von Josef H. Reichholf
  • mit Illustrationen von Johann Brandstetter
  • Carl Hanser Verlag 2019 www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag
  • 224 Seiten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-446-26407-6

EICHHÖRNCHEN – EINFACH UNWIDERSTEHLICH!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Josef H. Reichholf hat bereits vor zehn Jahren mit seinem bekannten Buch „Raben-schwarze Intelligenz. Was wir von Krähen lernen können“ https://www.piper.de/buecher/rabenschwarze-intelligenz-isbn-978-3-492-25915-6 mein Wissen über Rabenvögel erweitert und meine Zuneigung zu ihnen beflügelt. Mit seinem neuen Buch „Das Leben der Eichhörnchen“ bietet er nun eine ganzheitlich Darstellung der Lebensbedingungen, Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Eichhörnchen.

Der erste Teil des Buches widmet sich der Biologie des Eichhörnchens, seinen körper- lichen Gegebenheiten und Fähigkeiten, der extremen Beweglichkeit, dem Energie- haushalt, der Tarnung, dem Nestbau und der Reproduktion, der Flexibilität hinsichtlich geeigneter Lebensräume (Eichhörnchen sind sehr erfolgreiche Kulturfolger), seiner Nahrung und Vorratshaltung sowie seinem Spielverhalten.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Eichhörnchen nicht grünfellig oder grünbraun-camouflagefarben sind? Wären sie als Baumbewohner dann nicht besser getarnt? Tja, das ist die anthropozentrische Betrachtungsfalle: Wir Menschen sehen Farben anders als die meisten Säugetiere, die nämlich häufig rotgrünblind sind und für die rote und grüne Farbtöne als Abstufungen von grau und/oder braun erscheinen. Hinsichtlich des natürlichen Hauptfeinds des Eichhörnchens, dem Baummarder, sind also – seiner Rotgrünblindheit wegen – unsere rotbraunen Eichhörnchen farblich optimal getarnt.

Im zweiten Teil wendet sich der Autor verschiedenen Eichhörnchenarten und Hamstern, Mäusen, Ratten, Siebenschläfern, Bibern, Murmeltieren und weiteren europäischen Nagetieren zu. Herbei werden vergleichend Gemeinsamkeiten und Unterschiede der körperlichen Spezialisierung sowie der Ernährung, Anpassungsfähigkeit, Überlebens-strategie und notwendigen ökologischen Mitweltbedingungen dargestellt.

Im  dritten Teil folgt ein berührender, persönlicher Bericht des Autors über die Aufzucht eines Siebenschläfers. Reichholf war noch Zoologiestudent, als bei ihm zu Hause zwei winzige Siebenschläferbabys abgegeben wurden. Es gelang ihm, eines der Jungtiere zu retten, und es bekam den Namen „Schmurski“. Schmurski lebte viele Jahre einträchtig mit Reichholfs Familie zusammen, war stubenrein, neugierig, zutraulich, kommunikativ und verspielt und eine lebhafte Bereicherung für alle. Erst im dritten Winter futterte er sich genug Fett an, um in den arttypischen Winterschlaf zu fallen. Sein Schlafkästchen wurde in einen ungeheizten Raum gestellt, und so konnte Schmurski seinem natür- lichen Jahresrhythmus folgen und den ganzen Winter verschlafen. Die possierlichen und amüsanten Erfahrungen und Szenen, von denen der Autor berichtet, zeugen vom wechselseitigen Wert solcher Nahbeziehungen zwischen Mensch und Tier.

Derartige Rettungsbemühungen sind heutzutage genehmigungspflichtig. Eine arten-schutzrechtliche Ausnahmegenehmigung ist ein bürokratischer Aufwand, den nur wenige Menschen auf sich nehmen. Artenschutz ist wichtig, und es sollten selbst- verständlich keine Tiere willkürlich aus Nestern entnommen werden. Aber es sollte willigen Naturfreunden erlaubt sein, verwaiste Wildtiere zu retten. Der Autor kritisiert, daß beispielsweise die Aufzucht eines verwaisten Eichhörnchens einer Genehmigung bedarf, während die Forstwirtschaft bei der Holzernte genehmigungsfrei ganze „Nester mit den kleinen Jungen darin vernichten“ darf. Offensichtlich ist für wirklich sinnvolle Arten- und Naturschutzregelungen noch reichlich Nachbesserungsbedarf.

„Das Leben der Eichhörnchen“ bietet eine animierende Kombination aus interesseweckender Wissensvermittlung und persönlichem Naturerleben. Der Autor versteht es, naturwissenschaftliche Details und komplexe Zusammenhänge eingängig zu beschreiben und wichtige, ja, notwendige Denkanstöße hinsichtlich einer wesentlich größeren Achtsamkeit und komplexeren Betrachtungsweise gegenüber der Natur und ihren Geschöpfen zu geben.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-leben-der-eichhoernchen/978-3-446-26407-6

Eine weitere Besprechung findet sich auf Jargs Blog:
Das Leben der Eichhörnchen : mit Illustrationen von Johann Brandstetter / Josef H. Reichholf

 

Der Autor:

»Prof. Dr. Josef H. Reichholf, 1945 in Niederbayern geboren, Evolutionsbiologe, war bis April 2010 Leiter der Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung München und Professor für Ökologie und Naturschutz an der Technischen Universität München. Er ist Träger der „Treviranus-Medaille“, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Biologen, und des Grüter-Preises für Wissenschaftsvermittlung. 2007 wurde er zudem mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet. 2010 wurde sein Bestseller „Rabenschwarze Intelligenz“ als „Wissenschaftsbuch des Jahres“ prämiert. Zuletzt erschienen von ihm „Evolution – Eine kurze Geschichte von Mensch und Natur“ (2016), der als Wissensbuch des Jahres ausgezeichnete Band „Symbiosen“ und „Haustiere“ (beide 2017 in der Reihe Naturkunden), Schmetterlinge – Warum sie verschwinden und was das für uns bedeutet (2018) sowie Das Leben der Eichhörnchen (2019).«

Querverweis:

Für alle Eichhörnchenliebhaber empfehle ich ergänzend sehr gerne noch die entzückend lebendigen und warmherzigen HERR-EICHHORN-Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser:

HERR EICHHORN UND DER MOND
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/
HERR EICHHORN UND DER ERSTE SCHNEE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/
HERR EICHHORN UND DER BESUCHER VOM BLAUEN PLANETEN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/
HERR EICHHORN WEISS DEN WEG ZUM GLÜCK
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weis-den-weg-zum-gluck/
HERR EICHHORN UND DER KÖNIG DES WALDES
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes/

 

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Kann ich das essen – oder bringt mich das um?

  • Essbare und giftige Wildpflanzen erkennen
  • von Katrin und Frank Hecker
  • Kosmos Verlag 2020   www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Format: 216 x 186 x 14 mm
  • 144 Seiten
  • 300 Farbfotos
  • 17,00 €
  • ISBN 978-3-440-16326-9

AUGEN  AUF  BEI  DER  WILDPFLANZENERNTE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit diesem Buch können botanische Anfänger eine beachtliche Anzahl von eßbaren und nicht eßbaren Wildpflanzen kennen und erkennen lernen. Sehr anschaulich wird ver-mittelt, wie man die genießbaren Pflanzen von ähnlich aussehenden giftigen Doppel-gängern unterscheidet. Im Zweifelsfalle – so raten die Autoren wiederholt – läßt man einfach die Finger von einer Pflanze, die man nicht sicher einordnen kann, denn leichtsinnige Kostproben könnten lebensgefährlich werden.

Zwar riechen und schmecken viele Giftpflanzen unangenehm, wie beispielsweise der Gefleckte Schierling, dessen Blüten, wenn man sie zerreibt, nach Mäuseurin riechen, andere hingegen, etwa die schwarzen Beeren der Tollkirsche und die roten Beeren des Aronstabs, schmecken süßlich und schauen auch recht appetitlich aus, sind aber für Menschen giftig.

Doch hinsichtlich der eßbaren Wildpflanzen ist Achtsamkeit ebenfalls wichtig. Wild-pflanzen sollen nur eine Ergänzung zu unserem Speiseplan sein und nicht die Haupt-nahrungsquelle. Also pflücke man nur kleine Mengen und verschwende nichts.

Die Autoren ordnen die vorgestellten Wildpflanzen systematisch nach Jahreszeitenvor-kommen – differenziert nach eßbaren Blüten, Wurzeln, Samen und Früchten. Wir er-fahren,  welche Pflanzenteile besser frisch und roh, welche besser gekocht oder getrock-net zu nutzen sind. Es gibt Rezepte für die Zubereitung von Marmeladen, Chutneys, Kräuter- und Blütensalzen sowie Hinweise zum Einlegen in Öl, Essig und Alkohol und Anleitungen für Teezubereitungen und Wurzelkaffees.

Viele Wildpflanzen verfügen zudem über heilsame Substanzen, die man sich neben dem kulinarischen Genuß ebenfalls einverleiben kann.
 
So lernen wir etwa, daß vom Gänseblümchen alle oberirdischen Pflanzenteile eßbar sind und sich die Blüten nicht nur als dekorative und schmackhafte Salat- und Suppenzutat eignen, sondern sich zudem in Form von Teeaufguß oder Ölauszug als Heilmittel zur bronchialen Schleimlösung, als Kräftigungsmittel für die Magen- und Darmschleimhaut sowie als äußeres Heilmittel bei Hautverletzungen und Ekzemen anbieten. Die Brennes- sel ist ein reichhaltiger Nährstofflieferant, und Scharbockskraut bietet viel Vitamin-C usw…

Nach den Frühjahrspflanzen (Wiesen-Schaumkraut, Hirtentäschel, Gundermann, Vogel- miere, Wald-Sauerklee, Knoblauchsrauke, Giersch, Spitzwegerich, Löwenzahn, Weg- warte, Schnittlauch, Waldmeister, Bärlauch sowie diversen eßbaren Blättern von Bäu- men und Büschen) folgen die Sommerpflanzen (Schwarzer Holunder, Echte Kamille, Nelkenwurz, Wasserminze, Johanniskraut, Mädesüß, Wilder Dost, Brunnenkresse, Sauerampfer, Beifuß, Queller, Wiesen-Pastinak, Rot-Klee, Feld-Thymian, Schafgarbe, Wilde Möhre, Nachtkerze, Königskerze) und diverse weitere eßbare Blüten, Wurzeln und Samen.

Sodann folgt ein bunter Reigen giftiger Pflanzen, die in bebilderten Kurzsteckbriefen mit sinnlichen Details zur Unterscheidung von ähnlich aussehenden eßbaren Pflanzen be-schrieben werden.

Für den Spätsommer und Herbst gibt es eine ausführliche Lektion über eßbare Beeren, Wildfrüchte und Nüsse, gefolgt  von Kurzsteckbriefen über giftige Beeren und Früchte. Auch hier wird detailliert auf Verwechslungsmöglichkeiten mit eßbaren Früchten hingewiesen.

Ein alphabetisches Register der vorgestellten Pflanzenarten und Rezepte hilft beim gezielten Nachschlagen. Hinweise auf weiterführende und ergänzende Literatur sowie Adressen von Vergiftungs-Informationszentralen runden das Wissensangebot sinnvoll ab.  

„Kann ich das essen – oder bringt mich das um?“ wartet mit anwendungs- freundlich-aussagekräftigen Bestimmungsfotos und eingängigen bota- nischen Beschreibungstexten auf. Die Informationen sind ganzheitlich-vielfältig, ohne zu überfrachten. Die Darstellung ist in Wort und Bild sinnlich ansprechend und animierend – so macht Pflanzenlernen Freude! Das Risiko, sich zu vergiften, dürfte nach der aufmerksamen Lektüre dieses Buches verschwindend gering sein.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/natur/pflanzen/11098/kann-ich-das-essen-oder-bringt-mich-das-um

 

Die Autoren:

»Katrin und Frank Hecker sind Diplom-Biologen mit den Schwerpunkten Botanik, Zoologie und Meeresbiologie. Gemeinsam leben und arbeiten sie als Naturfotografen und Autoren auf ihrem Wildwuchs-Grundstück mit Wald, Bach und Wiesen im schleswig-holsteinischen Panten. Im Rhythmus der Natur heimische Kräuter, Wurzeln und Früchte zu sammeln gehört zu ihrem Leben ebenso selbstverständlich dazu wie ihre zwei Kinder, eine Schar Hühner, Schafe und Hunde. Liebend gern geben sie ihr über viele Jahre gewachsenes Wissen über die kostbaren Naturschätze an ihre Leserinnen und Leser weiter. Ihre an die 50 verschiedenen Sachbücher für Kinder und Erwachsene wurden in viele  verschiedene Sprachen übersetzt und die Naturfotos aus ihrem umfangreichen Bildarchiv erscheinen regelmäßig in namhaften Zeitschriften und Sachbüchern.«
Kontaktadressen:  www.naturfoto-hecker.de
www.facebook.com/katrinundfrank.hecker: „naturverbunden“

 

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Pflanzen für Schmetterlinge

  • Wie Sie in Ihrem Garten ein Flattern erzeugen
  • von Jane Moore
  • Originaltitel: »Planting for Butterflies«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Anke Wagner-Wolff
  • illustriert von James Weston Lewis
  • Gerstenberg Verlag, Mai 2020 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 144 Seiten
  • Format: 13,5 x 18,5 cm
  • 18,00 € (D), 18,50 €(A), 24,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-2170-1

S C H M E T T E R L I N G E  F Ü T T E R N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer dem dramatischen Verlust natürlicher Lebensräume und Artenvielfalt entgegen-wirken möchte, kann damit tatsächlich im eigenen Garten, ja, sogar auf dem Balkon anfangen. Es ist leicht, Pflanzen für Schmetterlinge und auch für Raupen im Garten oder auch in Pflanztöpfen anzusiedeln. Man muß nur wissen, welche Pflanzen sich dafür eignen. „Pflanzen für Schmetterlinge“ bietet einen übersichtlichen Einstieg in die Gestal-tung eines schmetterlingseinladenden Lebensraumes.

Einleitend werden uns dort Grundzüge zur Biologie der Schmetterlinge und ihrem faszinierenden Entwicklungszyklus von der Raupe über die Verpuppung bis zum Schmetterling vermittelt. Es überrascht vielleicht, daß von den rund 3700 einheimischen Schmetterlingsarten nur rund 190 zu den Tagfaltern gehören. Die Mehrheit der Falter gehört also zu den Nachtschwärmern und ist dadurch zumindest für den Laien etwas schwieriger zu beobachten. Dennoch lohnt sich beispielsweise die Anpflanzung von Nachtkerzen, die sich auf die Bestäubung durch Nachtfalter spezialisiert haben und dementsprechend auch erst zur Abenddämmerung ihre Blüten öffnen.

 

Illustration von James Weston Lewis © Gerstenberg Verlag 2020

Eine kleine Anatomie des Schmetterlings wird ergänzt um zehn wichtige Fakten über diese Falter. Beispielsweise lernen wir hier, daß Schmetterlinge mit den Füßen schmecken, daß sie kurzsichtig sind und die Farben Rosa, Lila, Gelb und Weiß bevor-zugen.

Während die Raupen meist nur ein oder zwei Futterpflanzen verspeisen, trinken Schmetterlinge den Nektar diverser Blüten. Gutes Raupenfutter bieten beispielsweise Efeu, Kapuzinerkresse, Stechpalme, Veilchen, Nachtviolen, Sauerampfer, Borretsch, Brennesseln und Brombeersträucher.

Illustration von James Weston Lewis © Gerstenberg Verlag 2020

Eine kleine Auswahl häufiger Tag- und Nachtfalter mit den jeweilig bevorzugten Raupen- und Schmetterlingsfutterpflanzen werden in Kurzportraits dargestellt. Danach folgen Portraits beliebter Schmetterlingspflanzen: Schmetterlingsflieder, Fetthenne, Skabiosen und Knautien, Patagonisches Eisenkraut, Astern, Spornblumen, Goldlack, Dost, Lavendel und Disteln.

Ergänzend sind klassische Küchenkräuter (Rosmarin, Schnittlauch, Thymian, Minze, Zitronenverbene) förderlich und – je nach Standortbedingungen – Kletterpflanzen wie Efeu, Geißblatt und Hopfen. Wer viel Platz zur Verfügung hat, kann eine Wildblumen-wiese anlegen oder zumindest einige Wildblumen (Schafgarbe, Kornblume, Schlüssel-blume, Veilchen) ins Staudenbeet integrieren oder sogar eine blühende Hecke aus Weißdorn, Brombeeren u.a. Wildsträuchern pflanzen.

Illustration von James Weston Lewis © Gerstenberg Verlag 2020

Hinweise und Adressen zu weiterführenden und vertiefenden Informationen, Literatur-empfehlungen, Unterrichtsmaterial zum Natur- und Schmetterlingsschutz und Bezugs-quellen für Schmetterlingspflanzen runden den Wissenshorizont sinnvoll ab.

Die hübschen Illustrationen von James Weston Lewis geben Schmetterlinge und Pflan- zen in einer graphisch stilisierten und farblich reduzierten Weise wieder, was den Wiedererkennungseffekt für Anfänger leider mindert.

Gleichwohl finden sich in diesem Buch viele anschaulich-praktische Anregungen für ein ebenso ökologisch-nützliches wie ästhetisch-ansprechendes Schmetterlingsbüfett.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836921701&highlight=schmetterlinge

 

Die Autorin:

»Jane Moore ist seit 30 Jahren engagierte Gärtnerin. Einst beaufsichtigte sie den Garten einer Benediktinerabtei, später wurde sie Autorin für Gartenmagazine und Redakteurin für Gartensendungen der BBC. Moore verfügt über ein erstaunliches Pflanzenwissen, das sie mit Begeisterung an andere weitergibt.«

Querverweis:

Wer mehr Schmetterlinge nebst ihren bevorzugten Nahrungspflanzen kennenlernen möchte, möge sich in das ausführliche Buch „Wie Schmetterlinge leben“ von Elke Zippel (Text) und Johann Brandstetter (Illustrationen) vertiefen.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/07/09/wie-schmetterlinge-leben/

 

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Wie Schmetterlinge leben

  • Wundersame Verwandlungen,
  • raffinierte Täuschungen und prächtige Farbspiele
  • Text von Elke Zippel
  • Illustrationen von Johann Brandstetter
  • Haupt Verlag 2019  http://www.haupt.ch
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 19 x 25 cm
  • 224 Seiten
  • 58 Bildtafeln und 250 Abbildungen
  • 34,00 € (D), 35 € (A), 39,00 sFr.
  • ISBN 978-3-258-08143-4

S C H M E T T E R L I N G S K U N S T

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Wie Schmetterlinge leben“ eröffnet uns ein anschauliches und informatives Panorama von Schmetterlingsarten mit ihren spezifischen Lebensbedürfnissen, Verhaltensweisen und Entwicklungsphasen. Zunächst werden unterschiedliche Lebensräume (Magerrasen, Hochmoore, Feuchtwiesen, Hochgebirge, Auwald, Tundra und Regenwald) mit den dazu-gehörigen typischen Schmetterlingen und einigen ausgewählten Futterpflanzen vorge- stellt.

Die Besonderheiten der jeweiligen Biotope und die Bedrohung dieser Refugien durch Zersiedelung, industrielle Landwirtschaft mit ihren sterilen Monokulturen sowie Gift- und Gülleeinträgen werden ebenfalls deutlich benannt. Angesichts der filigranen wech- selseitigen Abhängigkeitsbeziehungen zwischen bestimmten Pflanzen und Schmetter- lingen und der teilweise bis zu drei Jahre langen Puppenruhe bis zum Schlupf des ausge- wachsenen Schmetterlings wird greifbar, wie wichtig ungestörte Wildnisbereiche mit natürlicher Pflanzenvielfalt sind und daß eine zu aufgeräumte Landschaft (auch im eigenen Garten) für den Entwicklungszyklus von der Raupe zum Schmetterling kontraproduktiv ist.

(Bläulinge) Illustration © Johann Brandstetter

Auf die Beschreibung der Lebensräume folgt eine ausführliche Darstellung der zahl- reichen Schmetterlingsfamilien. Es gibt Gruppenportraits, die von einer gebündelten Texterklärung begleitet werden, sowie Einzelportraits mit den dazugehörigen Futter-
pflanzen wie beispielsweise der Eisenhut-Goldeule, die sich auf den Blauen Eisenhut spezialisiert hat und dessen hochgiftige Alkaloide zur Selbstverteidigung nutzt, oder dem Seerosenzünsler, dessen Raupen sich in einem luftgefüllten Köcher unter der Wasseroberfläche verstecken und später dort verpuppen. Auch der komplexe Entwicklungszyklus des Wiesenknopf-Ameisenbläulings, dem es durch Dufttarnung gelingt, seine Raupen von Ameisen durchfüttern zu lassen, wird in Wort und Bild anschaulich vorgeführt.

(Eisenhut-Goldeule) Illustration © Johann Brandstetter

Schmetterlinge sind Meister der Tarnung, Täuschung, Mimikry und Mimese, und zwar sowohl in optischer und olfaktorischer als auch in akustischer Hinsicht. So ahmt der Gebänderte Wollbär die Ultraschallaute anderer ungenießbarer, giftiger Nachtfalter nach und täuscht auf diese Weise Fledermäuse darüber hinweg, daß er eigentlich ungiftig und genießbar wäre.

Die Sachtexte von Elke Zippel vermitteln wohlportioniertes, spannend formuliertes Wissen über biologische Details und ökologische Zusammenhänge des Schmetterlings-lebens und geben dabei zahlreiche nützliche Hinweise, wie sich eine schmetterlings-freundliche Garten- und Kulturlandschaft gestalten läßt.

(Bärenspinner) Illustration © Johann Brandstetter

Ein alphabetisches Register der Pflanzen- und Falterarten sowie der Systematik der im Buch vorgestellten Arten hilft bei der gezielten Suche nach bestimmten Arten. Eine Literaturliste mit einer Auswahl empfehlenswerter Schmetterlingsbestimmungsbücher bietet weiterführende Hinweise zur thematischen Vertiefung.

Angesichts nur allzu offensichtlich schwindsüchtiger Schmetterlingsvorkommen zeigt uns dieses Buch, welche Schätze die Natur heute noch bietet und wie groß der Verlust ist, der uns droht, wenn nicht endlich wesentlich mehr Rücksicht auf die komplexen Lebensbedürfnisse von Schmetterlingen genommen wird.

(Großer Schillerfalter) Illustration © Johann Brandstetter

Johann Brandstetter fängt die natürliche Schönheit und Anmut der Schmetterlinge illustratorisch so meisterlich ein, als hätte er sie mit ihrem eigenen Flügelstaub gemalt. Die Farben wirken dank der speziellen Lasur- technik, die Johann Brandstetter verwendet, erstaunlich lebensecht. So verbindet sich zeichnerische, biologische Präzision mit Poesie und bietet uns faszinierende Schmetterlingsportraits, die wir in der vorhandenen Restnatur nur noch selten bewundern können.

Der Respekt vor der Kunstfertigkeit des Illustrators verschmilzt beim Betrachten und Eintauchen in dessen Bilder mit der Achtung vor der Natur, die eine solche Farben-, Formen- und Lebensfülle entstehen läßt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.haupt.ch/Verlag/Buecher/Natur/Tiere/Wie-Schmetterlinge-leben.html?cur=1

 

Ergänzend gibt es zudem ein Postkartenbuch mit Illustrationen aus vorliegendem Buch – so lassen sich liebe Grüße auf Schmetterlingsflügeln versenden.

  • Schmetterlinge                                  
  • Das Postkartenbuch
  • von Johann Brandstetter
  • Haupt Verlag Oktober 2019
  • 40 Postkarten
  • Format: 12 x 16,5 cm
  • 19,90 € (D/A), 22,00 sFr.
  • ISBN 978-3-258-08144-1

Hier entlang zum Postkartenbuch und zur BETRACHTUNGSPROBE auf der Verlagswebseite: https://www.haupt.ch/Verlag/Buecher/Natur/Tiere/Schmetterlinge-Das-Postkartenbuch.html?cur=1

 

Die Autorin:

»Dr. Elke Zippel ist Kustodin der Dahlemer Saatgutbank am Botanischen Garten Berlin. Sie ist u.a. für die Sammlung und Sicherung von Wildpflanzensamen sowie für Wiederan-siedlungen seltener Pflanzenarten verantwortlich. Elke Zippel studierte an der Freien Universität Berlin Biologie mit den Schwerpunkten systematische Botanik und Zoologie, Geobotanik und Ökologie und promovierte anschließend über Moose der Kanarischen Lorbeerwälder.«

Der Illustrator:

»Johann Brandstetter, Künstler und Illustrator, wurde schon mehrfach für seine Werke ausgezeichnet. Seit 2014 zählt er zu den „200 Best Illustrators Worldwide“. Er ist spezialisiert auf Naturthemen. Schmetterlingen gilt sein besonderes Interesse – einige Schmetterling wurden nach ihm benannt. Das 2017 gemeinsam mit Josef H. Reichholf herausgegebene Werk „Symbiosen“ wurde von Bild der Wissenschaft zum „Schönsten Wissensbuch 2017“ ernannt.«

 

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Wilde Kübel

  • unkompliziert
  • naturnah
  • insektenfreundlich
  • von Simone Kern
  • Kosmos Verlag 2020  www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Format: 241 x 171 x 13mm
  • 144 Seiten
  • 212 Farbfotos
  • 17,00 €
  • ISBN 978-3-440-16717-5

K U N T E R B U N T E   K Ü B E L K U N D E     

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Jedes Gebäude, jede noch so kleine Nische und Fuge kann zum Lebensraum werden – falls wir es zulassen. Pflanzen und Tiere sind dankbare Bewohner, wenn wir ihnen die richtige Umgebung anbieten.“ (Seite 10)

Das vorliegende Buch blättert uns vielfältige Anregungen und praktische Anleitungen zur nachhaltig-naturnahen Gestaltung von Kübelbepflanzungen auf. Anstelle von saisonweise nachzukaufenden, meist künstlich überzüchteten einjährigen Blühpflanzen werden einheimische, mehrjährige Wildpflanzen und Kräuter sowie eine kleine ergän- zende Auswahl nektar- und pollenreicher Kulturpflanzen empfohlen, die problemlos überwintern können und sich durch Samen und Ableger vermehren und reproduzieren lassen.

Nach einer einleitenden Erklärung des ökologischen Werts und Sinns einer solchen nachhaltigen Bepflanzung folgt eine kurze Kübelkunde, die verschiedene Werkstoffe (Ton, Terrakotta, Naturstein, Beton- und Kunststein, Holz, Metall und – mit Einschrän- kung – auch Kunststoff in Hinsicht) auf ihre jeweiligen Qualitätsmerkmale und ihre Zweckmäßigkeit darstellt. Auch ausgediente Emaille-Kochtöpfe, Zinkwannen, Weiden- körbe, Holzkisten, Paletten usw. lassen sich gut zu Pflanzgefäßen umfunktionieren; man sollte nur den Boden durchlöchern, damit Wasser abfließen kann, denn Staunässe muß grundsätzlich vermieden werden.

Einheimische Wildpflanzen sind Hungerkünstler und kommen mit mageren Böden zurecht; sie müssen auch deutlich weniger gegossen werden, meist vertragen sie Trockenheit besser als Nässe. Dünger – selbstverständlich nur organischer wie Horn-späne, Hornmehl oder selbstangesetzte Kräuterjauche aus Beinwell oder Brennessel – sollte sehr sparsam und nur vom späten Frühling bis frühen Sommer zum Einsatz kommen.

Abgestimmt auf sonnige und schattige Standorte gibt die Autorin Empfehlungen zum Mischungsverhältnis von Kompost, Erde, Blähton, Sand und Kies, mit denen die Kübel befüllt werden.

Aufgeteilt nach unterschiedlichen Standortbedingungen (heiß und trocken, sonnig, schattig, windig) und verschiedenen Pflanzgefäßen (große und kleine Töpfe sowie Kübel, Hängeampeln und Balkonkästen) werden anschaulich in Wort und Bild schöne Gestal-tungsbeispiele geboten. Thematisiert werden zudem vertikale Bepflanzungen, Sicht-schutzwände mit Kletterpflanzen, Kleingehölze, Stauden und Zwiebelpflanzen sowie Wasserstellen, Vogeltränken und Miniteiche sowie Sumpfbeete in Zinkwannen.
 
Die Kübel werden meist überaus reizvoll mit Kombinationen aus verschiedenen Pflanzen befüllt. So finden wir beispielsweise einen Balkonkasten mit den sieben Kräutern der berühmten „Frankfurter Grünen Soße“ (Seite 82) oder eine Wiese im Topf mit bis zu 35 Blumenarten (Seite77). Kleine Gehölze vertragen sich gut mit einer Unter- bepflanzung aus niedrig wachsenden Stauden, die den „nackten Fuß“ bedecken und natürlich beschatten. Stets werden praktische Gestaltungshinweise zur passenden Kombination und Komposition verschiedener Pflanzen gegeben, gleichwohl aber auch Pflanzen dargestellt, die als eher als Solitär im Topf zur Geltung und Entfaltung kommen.

Kurzportraits besonders geeigneter Pflanzen mit ihren Wuchseigenschaften, Standort-bedürfnissen, Substratansprüchen und ihrer Insektendienlichkeit (für Wildbienen und Schmetterlinge) bieten lebhafte Anregungen für eine erste Auswahl. Eine übersichtliche Liste mit Bezugsquellen für Blumen, Saatgut und Naturschutzprodukte sowie Organisa-tionen, die Informationen zum naturgemäßen Gärtnern zur Verfügung stellen, rundet die lebendige Wissensvermittlung ab.

„Wilde Kübel“ ist eine ebenso ganzheitlich-praktische wie ästhetisch-inspirierende Anleitung zum nachhaltigen Gärtnern mit Kübeln. Dank der lebendigen, sehr animierenden Wissensvermittlung und der Augenweiden- fotos wird hier ganz unmittelbar Lust auf praktisches, naturschützliches Tun geweckt.  Indem man auch auf kleinem Raum Insekten Nahrungs- und Lebensraum anbietet, gibt man der Natur sozusagen ein Stück Natur zurück. Finden sich an einem Ort viele solcher Lebensoasen, können sie ein Mosaik bilden, das dem Verlust der Artenvielfalt entgegenwirkt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartenpraxis/10814/wilde-kuebel

 

Hier entlang zu zwei weiteren empfehlenswerten Büchern von Simone Kern:

Der antiautoritäre Garten
Gärten, die sich selbst gestalten:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/05/26/der-antiautoritaere-garten/
Mein Garten summt
Ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln

https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartengestaltung/8183/mein-garten-summt

 

Die Autorin:

»Simone Kern studierte Landschaftsarchitektur und hat im Allgäu ihr eigenes Planungs-büro. Schwerpunkt ihrer vielfältigen Projekte sind naturnahe Anlagen. Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei die Schaffung von Gärten, in denen sich Menschen wohl und geborgen fühlen. Aber vor allem auch Pflanzen und Tiere sollen darin neue Lebensräume finden. Viel draußen in der Natur und im eigenen Garten sein, beobachten, Landschaften erfahren – hier holt sie sich ihre Inspiration.
Darüber hinaus engagiert sich Simone Kern seit langem im Rahmen des überregionalen „Netzwerks Blühende Landschaft“ ( https://bluehende-landschaft.de/ ) mit konkreten Projekten, insbesondere für den Schutz von Insekten. Ihr praktisches wie theoretisches Wissen gibt sie gerne in Workshops, durch Fachvorträge und Veröffentlichungen weiter.«

 

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Duette mit ihm

  • Über die Freundschaft mit einem Rotkelchen
  • von Alexandra Röhl
  • Verlag Freies Geistesleben 1968
  • 22. Auflage 2020   www.geistesleben.com
  • kartoniert
  • 103 Seiten
  • ISBN 978-3-7725-0564-5
  • 12,00 € (D), 12,40 € (A), 14,90 sFr.

E I N S T I M M U N G S F Ä H I G K E I T

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Duette mit ihm“ ist schon ein etwas älteres Buch; die erste Auflage erschien im Jahre 1968. Gleichwohl ist die darin beschriebene Begegnung und freundschaftliche Annähe-rung zwischen Wildtier und Kulturmensch von zeitloser Qualität.

Die Autorin findet an einem Novembertag im Jahre 1957 am Straßenrand ein verletztes Rotkehlchen. Spontan nimmt sie es mit nach Hause, in ihr einsam gelegenes Waldhaus. Das Rotkehlchen hat eine Kopfprellung und einen gebrochenen Schenkel. Kurz erwägt die Autorin die Konsultation des Tierarztes, verwirft diesen Gedanken jedoch, da sie befürchtet, daß der lokale Landtierarzt nicht mit einem solch filigranen Patienten umzugehen wüßte.

Sie läßt den Vogel frei im Zimmer fliegen, und er sucht sich in der Fensterecke ein ver-stecktes Plätzchen. Eifrig bietet sie dem Vogel Mehlwürmer, Unkrautsamen und Regen-würmer an, doch zunächst bleibt er apathisch und stumm und fastet. Erst am dritten Tag fängt er an, jene Unkrautsamen, die in den Untersatz eines Blumentopfes gefallen und dort vom Wasser aufgequollen sind, zu fressen. Voller Zuneigung beobachtet die Autorin, wie das kleine Wesen wieder zu Kräften kommt, die „Zimmerlandschaft“ erkundet, interessiert aus dem Fenster schaut, mit dem Schnabel sein verletztes Bein „bearbeitet“ und auch aufmerksam und neugierig das menschliche Tun beäugt.

Mit Gefühl, Verstand und organisatorischer Umsicht richtet sie dem Rotkehlchen das Zimmer so artgemäß wie möglich ein, stellt einen abgedunkelten Badeplatz zu Ver- fügung und eine kleine Tanne als Schlafbaum. Sie beseitigt Gefahrenquellen, sogar ihren Tagesrhythmus paßt sie dem des Vogels an. Der Vogel wird zutraulicher, langsam heilt sein verletztes Bein, er fängt wieder an zu singen, und er lauscht gerne klassischer Musik aus dem Radio, ja, er fordert die Autorin sogar gelegentlich durch gezieltes Ansingen des Radios dazu auf, das Radio einzuschalten.

Nach und nach entwickelt sich eine wechselseitige, kommunikative Beziehung zwischen der Autorin und ihrem Rotkelchen. Die Autorin übt eifrig Pfeifen, um annähernd die Tonhöhe ihres gefiederten Gastes zu erreichen, und sie singen schließlich sogar u.a. die mozartsche Liedmelodie von „Reich mir die Hand, mein Leben“ im Duett miteinander.

Nach einem dreiviertel Jahr entläßt die Autorin den vollständig auskurierten Vogel in die Freiheit. Doch der kommunikative Kontakt bricht daraufhin zur Freude der Autorin keineswegs ab. Immer wieder wird sie draußen von ihrem Rotkelchen angesungen und besucht, auch zum Brüten kommt es in ihren Garten, und es „schimpft“, wenn Brenn- nesseln, deren Samen Rotkehlchen gerne fressen, gejätet oder wenn Holunderbeeren gepflückt werden, auf die das Rotkehlchen ebenfalls Appetit hat. Auch ihre eingeübten Duette singen sie immer wieder miteinander.

Neben den anrührenden Mensch-Vogel-Annäherungen und „Gesprächen“ ist bei diesem Bericht bemerkenswert, wie außerordentlich anpassungs- und lernwillig sich die Auto- rin an den Lebensbedürfnissen des Rotkehlchens orientiert und geradezu aufopferungs- voll ihrem kleinen Findling und seinem Wohlergehen dient. Der zärtliche Blick und die bewundernden Worte, welche die Autorin für jede kleine Lebensregung und Kontakt- aufnahme ihres Schützlings findet, zeugen anschaulich davon, wie bereichernd die mitfühlende Einstimmung auf ein anderes Wesen sein kann.

Das ebenso naturverbundene wie musikalische Buch „Duette mit ihm“ ist für alle Vogelliebhaber ein schönes und inspirierendes Geschenk.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.geistesleben.de/Wissenschaft-und-Lebenskunst/Naturwissenschaft/Duette-mit-ihm.html

 

Die Autorin:

»Alexandra Röhl wurde 1899 als Tochter eines Rittergutbesitzers in Friederikenruh (Ostpreußen) geboren. Sie studierte in Weimar Malerei und bekam auch bald Kontakt zum dortigen Bauhaus. Feininger, Klee, Schlemmer, Kandinsky gehörten zu ihren enge-ren Bekannten. Nach einigen Jahren Ehe mit Karl Peter Röhl machte sie eine Schneider-lehre, dann die Meisterprüfung und eröffnete am Kurfürstendamm in Berlin ein Mode-atelier, das bald zu hohem Renommee gelangte. Nach dem Krieg übersiedelte sie in die Nähe von Amorbach im Odenwald. Dort fand sie das Rotkehlchen, von dem sie im vor-liegenden Buch, ihrem ersten (1968), berichtet. Es folgte 1975 »Geflügelte über uns«, ihre Betrachtung über den Vogel in Mythos und Geschichte, Natur- und Geisteswissen-schaft. Zuletzt galt ihr Engagement dem Tierschutz, sie war eine erklärte Gegnerin von Tierversuchen. Alexandra Röhl starb 1976 in Buchen.«

 

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Das Evangelium der Aale

  • von Patrik Svensson
  • Hörbuch
  • ungekürzte Lesung von Johann von Bülow
  • Buchausgabe: Hanser Verlag 2020
  • Übersetzung von Hanna Granz
  • Der Audio Verlag DAV, Januar 2020  https://www.der-audio-verlag.de/
  • 1 mp3-CD in Pappklappschuber
  • Laufzeit: ca. 7 Stunden, 54 Minuten
  • 23,00 € (D), 25,80 € (A)
  • ISBN 978-3-7424-1379-6

AALFRAGEN,  AALANTWORTEN  UND  DAS  LEBEN  DAZWISCHEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im Vergleich zu Delphinen, Walen oder Tintenfischen führen Aale in der allgemeinen naturliebhaberischen Aufmerksamkeit eher ein Schattendasein. Die Auditüre dieses Hörbuches wird dies allerdings schnell ändern und erstaunliche Einblicke in die außer- gewöhnliche Lebensweise einer nach wie vor nicht gänzlich erforschten Fischart ver- mitteln. Was wir heute über den Aal wissen, ist zwar viel, aber längst noch nicht alles.

Alle europäischen Aale stammen aus der Sargassosee. Die Sargassosee, die der Autor „als Meer im Meer“ beschreibt, ist ein Meer ohne Küsten, eingerahmt von mehreren großen Meeresströmungen, etwa 500 Millionen km² groß und stellenweise 7000 m tief und durchwachsen von großen Algenteppichen aus der Braunalge Sargassum.
  
Aale sind Virtuosen der Metamorphose und der Navigation. Als millimeterkleine, durch-sichtige Larven, die man Weidenblatt (1. Stadium) nennt, schlüpfen sie in der Sargasso-see, treiben mit der Meeresströmung zur europäischen Küste, die sie als sogenannte Glasaale (2. Stadium) erreichen. Von der Küste aus schwimmen sie in Binnengewässer, Flüsse, Seen, Teiche und Sümpfe, meistern den Wechsel  von Salz- zu Süßwasser und verwandeln sich in den Gelbaal (3. Stadium). Sie bleiben äußerst anpassungsfähig und standorttreu in dem Gewässer, das sie sich ausgesucht haben. In den ersten drei Stadien seines Lebens ist der Aal geschlechtslos.

Irgendwann nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren zieht es den Aal zurück in die Sargassosee, denn nur dort wird er sich fortpflanzen. Dies initiiert sein viertes und letztes Lebensstadium als Blankaal. Erst zum Zeitpunkt seiner vierten Metamorphose entwickelt sein Körper Geschlechtsorgane, das Verdauungssystem bildet sich zurück, die Hautfarbe ändert sich zu blauschwarzgrau, die Augen werden größer und wandeln ihre Farbe von schwarz zu blau, damit er auf seiner langen Reise zurück zu seinem Ursprung in der Tiefsee besser sehen kann.

Aristoteles glaubte, der Aal werde mit Hilfe von Regenwasser aus dem Schlamm geboren. Jahrhundertelang gaben die fehlenden Keimdrüsen des Aals jedem Natur- forscher Rätsel auf; sie konnten nicht ahnen, daß die Geschlechtsorgane im Stadium des Gelbaals einfach noch nicht vorhanden sind. Noch im 19. Jahrhundert sezierte der junge Zoologiestudent Sigmund Freud auf der Suche nach den Keimdrüsen dieses Fischs 400 Aale – eine vergebliche Mühe, aber auch eine köstliche Ironie des Schicksals, bedenkt man seine spätere Beschäftigung mit den psychologischen Untiefen menschlicher Geschlechtsidentität. 

1896 beobachteten die italienischen Forscher Giovanni Battista Grassi und Calandruccio zum ersten Mal die Verwandlung einer Weidenblattlarve in einen Glasaal. Nun erkannte man, daß die Weidenblattlarve keine eigenständige Fischart ist, sondern die Vorstufe des Glasaals, und daß der Aal offenbar durch den Atlantik „wandert“.

Erst dem dänischen Biologen Johannes Schmidt gelang es schließlich Anfang des zwan-zigsten Jahrhunderts, durch jahrelange, akribische Kartographierung der abnehmenden Körpergröße der Weidenblattlarven den Geburtsort der Aale in der Sargassosee zu lokalisieren.

Auch Literaten befaßten sich mit der geheimnisvollen Existenz und Wirkung des Aals, beispielsweise im Roman „Die Blechtrommel“ von  Günter Grass oder im Roman „Der Schaum der Tage“ von Boris Vian.

In Patrick Svenssons „Evangelium der Aale“ werden die bisherigen Erkenntnisse über den Aal und die manchmal abenteuerlichen Wege, die zu diesen Erkenntnissen geführt haben, ebenso spannend und vielschichtig wie wissensbereichernd dargestellt. Bei allen naturwissenschaftlichen Anekdoten und meßbaren Fakten zum Aal bleibt Raum für das unmittelbare Staunen angesichts eines Lebewesens, das sich so geschickt der menschlichen Kontrolle entzieht.

Jedem natur- oder kulturhistorischen Kapitel über die Erforschung oder Thematisierung des Aals folgt ein persönlich-biographisches Kapitel, in dem der Autor von seinen Kind-heitserinnerungen und den Aalfangerfahrungen mit seinem Vater erzählt. So ist die schrittweise Lösung der Rätsel, die der Aal aufgibt, verflochten mit Betrachtungen zur familiären Herkunft, zum sozialen Milieu, zu Erlebnissen von zwischenmenschlicher Nähe und Verbundenheit. Stimmungsvolle Naturbeschreibungen, eine detailreich-liebevolle Charakterisierung und Würdigung des Vaters und die hinterfragende Refle- xion kindlicher Wahrnehmungen vermitteln ein berührendes Lebensbild, durch das sich die theoretische und praktische Beschäftigung mit dem Aal als roter Faden schlängelt.

Johann von Bülow liest „Das Evangelium der Aale“ mit stimmlicher Klarheit, ruhiger Präsenz  und hörbarem Staunen.
 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:

Das Evangelium der Aale

Hier entlang zur Buchausgabe und LESEPORBE auf der Hanser-Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-evangelium-der-aale/978-3-446-26584-4/

Der Autor:

»Patrik Svensson, geboren 1972, ist an der schwedischen Aalküste aufgewachsen. Er studierte Sprachen und Literatur und arbeitet als Kulturjournalist. „Das Evangelium der Aale“ ist sein Debüt und löste schon vor Erscheinen einen internationalen Hype aus.«

Der Sprecher:

»Johann von Bülow, 1972 in München geboren, debütierte 1995 an der Seite von Franka Potente in 2Nach fünf im Urwald“. Darauf folgten zahlreiche Filmrollen, u.a. in „Elser“ und „Kokowäh“. Von Bülow ist zudem regelmäßig im Fernsehen zu sehen, z. B. in „Herr und Frau Bulle“ und „Mord mit Aussicht“. Für DAV las er zuletzt die „Subutex“-Trilogie von Virginie Despentes ein.«

 

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Algen

  • Ein Portrait
  • von Miek Zwamborn
  • Originaltitel: »Zeewier«
  • Aus dem Niederländischen von Bettina Bach
  • mit farbigen Illustrationen von Falk Nordmann
  • Verlag Matthes & Seitz 2019, http://www.matthes-seitz-berlin.de
  • NATURKUNDEN Nr. 51 http://www.naturkunden.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Kleinoktav-Format: 12 x 18 cm
  • ISBN 978-3-95757-696-5
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)

Ü B E R L E B E N S K Ü N S T L E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Von den winzigen Kieselalgen, die einen „Großteil des Sauerstoffs in der Erdatmosphäre erzeugen“ (Seite 13), bis zu den riesigen Algenteppichen, aus der gold-braunen Algenart „Sargassum“, in denen sich in früheren Zeiten viele Schiffe buchstäblich verstrickten und die der Sargassosee ihren Namen gegeben haben, stellt uns die Autorin eine anschaulich-spannende Auswahl von Algen vor. 

Meeresalgen sind schon seit 1,7 Milliarden Jahren auf der Welt. Der botanisierende Mensch zählt sowohl die Mikro- als auch die Makroalgen zu den niederen Pflanzen. Algen finden sich in allen Klimazonen, und sie sind wahre Überlebenskünstler. Ausge- trocknete Algen lassen sich durch Bewässerung leicht reanimieren, was u.a. daran liegt, daß jede einzelne Zelle einer Alge sich autark mithilfe von Fotosynthese ernährt.   

Es gibt eine Grünalgenart (CCCryo 101-00), die nachweislich kosmische und ultraviolette Strahlung und das Vakuum im Weltall überlebt hat, da sie sechzehn Monate an der Außenseite der ISS mitgereist war. Aus den UV-Licht absorbierenden Pigmenten dieser Alge soll nun eine Sonnenschutzcreme für Menschen entwickelt werden.

Algen bieten vielen Meerestieren Nahrung und Schutz. Doch auch für Menschen sind Algen Nahrungsmittel und Heilmittel, sie eignen sich als natürlicher Dünger und als Tierfutter. Mischt man Algen unter das Viehfutter, so „mindert das den schädlichen Methanausstoß der Kühe“ (Seite 112). Manche Algenarten wie beispielswiese der Meer-salat eignen sich wegen ihrer großen Stickstoffbindekapazität zur Abwasserreinigung. Die Algenzucht könnte – regional und ökologisch betrieben – einige Probleme der Menschheit lösen, möglicherweise läßt sich sogar ein Kraftstoff aus Algen gewinnen.

Doch neben dem praktischen Algennutzen fehlt es der Autorin keineswegs an Bewun-derung und Achtung für die wellenwiegenden Wasserwesen. Sie berichtet von persön-lichen Tauchgängen und eigenen Beobachtungen, von Entdeckungsfreude, Sammellust, natürlicher Schönheit und Anmut.

Die sinnliche Farb- und Formenvielfalt der Algen findet Widerhall in künstlerischen Darstellungen vom Ausdruckstanz bis zu Stoffentwürfen. Wir finden hier Algengedichte, ja, sogar ein irisches Wiegenlied, in dem der irische Seetang den wiederkehrenden Refrain bildet.

Die Autorin berichtet vom filigranen Algenherbar der Algologin Eliza M. French (1809 – 1889) sowie vom ältesten Fotobuch der Welt, das mit erstaunlich lebendigen Cyano- typien von Algen aufwartet.

Botanische Erklärungen, historische und künstlerische Algenaspekte treffen sich in diesem Buch mit Hinweisen auf medizinische und kosmetische Verwendungsmöglich-keiten. Auch einige Algenkochrezepte, u.a. Pfeffertang-Joghurt, Knotentangbrot und Seejungfrauen-Konfetti, werden serviert.

Die Einzelporträts ausgewählter Algen (Federtang, Drahtalge, Meersalat, Trichteralge, Blasentang, Zuckertang, Fingertang, Sägetang, Purpurtang, Lappentang, Korallenmoos und Knorpeltang) beschreiben die botanischen Eigenschaften, den Nährstoffgehalt und kulinarische Verwendungsmöglichkeiten; so wird beispielsweise aus Knorpeltang das vegetarische Gelier- und Filtermittel Agar-Agar hergestellt. Ebenso botanisch-präzise wie künstlerisch-ästhetische Illustrationen von Falk Nordmann ergänzen und bereichern jede vorgestellte Algenart.

Und zum Abschluß kann ich hier wieder meinen lobeshymnischen Refrain zur buch- gestalterischen Materie der Reihe NATURKUNDEN singen. So ist auch der Band „Algen“ (NATURKUNDEN Nr. 51) aus schmeichelgriffigem Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten hergestellt. Die Typographie ist satt und lesefreundlich, der Kopfschnitt und die Fadenheftung in dunkelgrün farblich fein abgestimmt mit der Farbgebung des Buch-einbandes, und die zahlreichen alten und neuen Illustrationen sind ebenso schön wie aussagekräftig.

Hier finden wir den harmonischen Einklang zwischen substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf!

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der  Verlagswebseite:
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/algen.html?lid=7

 

Die Autorin:

»Miek Zwamborn, geboren 1974 in Schiedam, ist bildende Künstlerin, Autorin und Übersetzerin von Arno Camenisch. Nach dem Studium der Bildenden Kunst in Amsterdam arbeitete sie 15 Jahre als Schleusenwärterin. Sie arbeitet und lebt auf der Isle of Mull, Schottland.«

Der Illustrator:

»Falk Nordmann, Zeichner und Illustrator, lebt und arbeitet in Berlin. Ab 2007 Umschlaggestaltungen und Autorenportraits, seit 2013 Tierillustrationen der Reihe Naturkunden für Matthes & Seitz Berlin.«

 

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Korallen

  • Ein Portrait
  • von Jutta Person
  • Verlag Matthes & Seitz, 2019 http://www.matthes-seitz-berlin.de
  • Naturkunden Nr. 50  www.naturkunden.de
  • Illustrationen: Falk Nordmann
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 192 Seiten
  • Kleinoktav-Format: 12 x 18 cm
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-95757-697-2

M E E R E S A R C H I T E K T E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Jutta Persons Buch eröffnet einen weitverzweigten Blick in die Natur- und Kulturge-schichte der Korallen. Wir lernen Korallen kennen als Lebewesen, Sammel- und Schmuckobjekt, Amulett, Symbol sowie natürliches und schützenswertes Wunderwerk.

Die meisten Korallen gehören zu den sogenannten Blumentieren. Der äußere Körper besteht aus einem stabilen Kalkskelett, das von kleinen Korallenpolypen belebt wird, die des Nachts mit ihren Tentakeln Plankton und kleine Fische fangen und diese über ihr Schlundrohr in den Magen transportieren. Tagsüber ziehen sich diese Tentakel zurück, was erklärt, daß man lange Zeit den zoologischen Charakter der Korallen nicht erkannt hat.

So ordnete man sie zunächst seit der Antike den versteinerten Pflanzen bzw. Steinpflan-zen zu und hielt die Tentakel der Polypen für Blüten. Erst im 18. Jahrhundert entdeckte der Marseiller Naturforscher Jean-André Peyssonnel (1694 – 1758) die Korallenpolypen und „beförderte“ die Korallen vom Pflanzen- ins Tierreich.

Die rätselhafte Natur der Korallen förderte die Faszination, die sie auf den Menschen ausüben. Man betrachtete sie als Heil- und Schutzmittel und nutzte sie als Amulett. Als dekoratives Material für Gewandfibeln, Gürtel, Pferdegeschirre, Schwertgriffe und Schmuck fanden rote Edelkorallen seit der Eisenzeit Verwendung sogar in Landstrichen, die sich weit entfernt vom Meer befanden.

Der Betrachtungsbogen der Korallen-Kulturgeschichte spannt sich von weit vorchrist-lichen, mythologischen bis christlichen Traditionen der Wertschätzung von Korallen und der ihnen zugeschriebenen schützenden, heilenden und böse Kräfte abwehrenden Macht über den ikonographischen Farbtupfer der Korallen in religiösen Gemälden, wie beispiels-weise bei Piero della Francescas Gemälde „Madonna di Senigallia“ (um 1474), bis hin zu literarischen Huldigungen in Ovids Metamorphosen, bei Shakespeare, bei Jules Verne und in Joseph Roths Erzählung „Der Leviathan“, in dem ein Korallenhändler und seine innige Zuneigung zu Korallen das zentrale Thema sind.

Korallenriffe sind weltweit durch die Erhöhung der Meereswassertemperatur und die Versauerung der Ozeane gefährdet. Die rote Farbe der riffbildenden Steinkorallen ent-steht durch Symbiose mit Zooxanthellen. Diese Mikroalgen produzieren bei steigender Wassertemperatur Giftstoffe und werden daraufhin von den Korallen abgestoßen. Dies führt zum Farbverlust (Korallenbleiche) und zu einer schlechteren Energieversorgung der Korallen, die schließlich bei längerer Fortdauer der zu hohen Wassertemperatur ganz absterben.

Die Autorin nimmt uns bei ihren Tauchgängen mit in lebendige Korallenriffe und beschreibt diese faszinierenden Unterwasserwelten mit ansteckender und durchaus andächtiger Begeisterung für die kleinen Lebewesen, die ganze Meereslandschaften gestalten und als Kollektivwesen riesige Riffe bauen.

Hauptsächlich thematisiert Jutta Person die rote Edelkoralle (Corallium rubrum). In den zwölf Einzelportaits am Ende des Buches werden auch andere Korallenarten (u.a. Dädalus-Hirnkoralle, Tiefseegorgonie, Wunderkoralle) beschrieben und von Falk Nordmann anschaulich und ästhetisch illustriert. Die kultur- und naturgeschichtlichen Rückblenden werden mit entsprechenden zeitgenössischen Abbildungen garniert.

Dieses Buch ist ein animierendes Wissenskleinod, das neben inhaltlicher Vielfalt mit einem geistreich-anschmiegsamen, naturpoetischen und ge- legentlich schmunzlerischem Sprachstil aufwartet, der das Eintauchen in die Lektüre zu einem einladenden Vergnügen macht.

Und zum Abschluß kann ich hier wieder meinen lobeshymnischen Refrain zur buchge-stalterischen Materie der Reihe NATURKUNDEN singen. So ist auch der Band „Korallen“ (NATURKUNDEN Nr. 50) aus schmeichelgriffigem Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten hergestellt. Die Typographie ist satt und lesefreundlich, der Kopfschnitt und die Fadenheftung in korallenrot sind farblich fein abgestimmt mit der Farbgebung des Bucheinbandes, und die zahlreichen alten und neuen Illustrationen sind ebenso schön wie aussagekräftig.

Hier finden wir den harmonischen Einklang zwischen substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATUR- KUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf!

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/korallen.html?lid=2

 

Die Autorin:

»Jutta Person ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie wurde 1971 in Südbaden geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Germanistik, Italianistik und Philosophie in Köln und Italien und promovierte mit einer Arbeit zur Geschichte der Physiognomik im 19. Jahrhundert. Sie schreibt für die Süddeutsche Zeitung, für Literaturen, Die Zeit und das Philosophie Magazin. Von 2004 bis 2007 war sie Redakteurin bei Literaturen, seit Oktober 2011 betreut sie das Ressort Bücher beim Philosophie Magazin. 2012 war sie Mitglied in der Jury des Deutschen Buchpreises. In der Reihe NATURKUNDEN hat sie 2013 das Portrait „Esel“ veröffentlicht. Sie lebt in Berlin.«

Der Illustrator:

»Falk Nordmann, Zeichner und Illustrator, lebt und arbeitet in Berlin. Ab 2007 Umschlaggestaltungen und Autorenportraits, seit 2013 Tierillustrationen der Reihe Naturkunden für Matthes & Seitz Berlin.«

 

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Die kleine Waldfibel

  • Text & Illustration von Linda Wolfsgruber
  • Buchgestaltung von Christiane Dunkel-Koberg
  • KUNSTANSTIFTER Verlag, Januar 2020 www.kunstanstifter.de
  • gebunden
  • geprägter Buchdeckel
  • Fadenheftung
  • Format: 135 x 210 mm
  • 144 Seiten
  • 12 illustrierte Transparentblätter
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 978-3-942795-92-0

WALDSPAZIERGANG  AUF  DEM  PAPIER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses kleine Waldwissensbuch bietet ein beachtliches Fest der Sinne. Das beginnt schon mit dem Einbandpapier des Buchdeckels, das mit seiner griffig-feinporigen Struktur optisch und haptisch an Baumrinde erinnert, und setzt sich fort in den schönen, lebendig-naturalistischen Aquarell- und Tuschezeichnungen.

Der sinnlich-informative Waldspaziergang geht zum einen durch alle Jahreszeiten und stellt eine übersichtliche Anzahl häufiger Laub- und Nadelbäume vor. Hinzu kommen als atmosphärische Ergänzung einige stimmungsvolle Waldgedichte und als kulinarische Zugabe schmackhafte Rezepte für die Verwertung von Waldfrüchten.

Die Baumsteckbriefe beschreiben kurz und knapp botanische Kennzeichen und die unterschiedlichen Holzeigenschaften von Berg-Ahorn, Birke, Eiche, Erle, Esche, Hasel, Linde, Rotbuche, Schwarzpappel, Vogelkirsche, Weide, Lärche, Fichte, Kiefer, Tanne und Zirbe. Zusätzlich werden die dazugehörigen Blätter und Baumsamen abgebildet. Von einer mit der kompletten Baumsilhouette illustrierten Transparentpapierseite blättern wir jeweils vom belaubten Sommerkleid des Baumes zu seinem entlaubten Winterkleid, welches die artspezifische Stamm- und Verzweigungsstruktur deutlich sichtbar macht.

 

„© Linda Wolfsgruber / kunstanstifter“

„© Linda Wolfsgruber / kunstanstifter“

Streiflichternd folgen Erklärungen und Illustrationen zur Photosynthese, zur Windbe-stäubung einhäusiger und zweihäusiger Bäume sowie zur Blütenbestäubung durch Insekten. Die Unterschiede zwischen Tief-, Flach- und Herzwurzlern, die wichtige Wasserregulationsfähigkeit des Waldbodens sowie die Entstehung der Jahresringe und noch einiges weitere zum Lebensraum Wald und seiner tierischen Mitbewohner runden „Die kleine Waldfibel“ ganzheitlich ab.

„Die kleine Waldfibel“ bietet übersichtliche Textinformationen, die durch die attrak- tiven Illustrationen anschaulich bereichert werden. Ergänzt um ein abwechslungs- reiches und klares Layout und eine leseangenehme Typografie auf schmeichelgriffigem 130 g/m²-Papier finden wir hier eine gelungene Kombination aus Gefühl (Gedichte), Verstand (Sachinformation) und buchstäblich-sinnlicher Buchgestaltung.

Dieses Sachbuch ist im Kinderbuchverlag „Kunstanstifter“ erschienen. Gleichwohl spricht es altersunabhängig jeden Waldliebhaber unmittelbar an und dürfte wegen der hochwertigen Ausstattung neben biophilen auch vielen bibliophilen Lesern gefallen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

Die kleine Waldfibel

 

Die Autorin & Illustratorin:

»Linda Wolfsgruber, geboren 1961 in Bruneck (Südtirol), lebt in Wien. Sie besuchte die Kunstschule in St. Ulrich in Gröden sowie die »Scuola del Libro« in Urbino und absol- vierte eine Ausbildung zur Schriftsetzerin und Grafikerin in München und Bruneck. Seit 1986 illustriert sie (Kinder-)Bücher. Darüber hinaus arbeitet Wolfsgruber seit den 1990er Jahren als Dozentin an der »Scuola di Illustration di Sarmede« und ist auch selbst als Autorin tätig.«

Die Buchgestalterin:

»Christiane Dunkel-Koberg, geboren 1969 in Linz an der Donau, aufgewachsen am Wald-rand, studierte Kunsterziehung und Textilgestaltung in Linz und Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Typografie in Kiel. Sie liebt alte Bäume, grüne Seen und ihre Arbeit als freie Grafikerin in Hamburg. Ihre Arbeit wurde von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.«

 

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