Petronella Apfelmus, Band 6

  • Schnattergans und Hexenhaus
  • von Sabine Städing
  • illustriert von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2018  www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 13,00 €
  • ISBN 978-3-414-82514-8
  • Kinderbuch ab 8 Jahren zum Selberlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen

MILCHSTRASSENSTREUSEL  &  HEIDELBÄREN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Zwillinge Lea und Luis Kuchenbrand haben ein zauberhaftes Geheimnis; seit sie mit ihren Eltern in das alte Müllerhaus mit dem schönen halbverwilderten Garten gezogen sind, pflegen sie eine außergewöhnliche Freundschaft mit Petronella Apfelmus, der Hüterin der alten Apfelbäume. (Siehe meine Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/ )

Die Eltern halten Petronella für eine etwas schrullige Nachbarin; nur die Kinder wissen, daß Petronella eine Apfelhexe ist. Gerne besuchen sie Petronella und ihren Freund und Mitbewohner, den Hirschkäfer Lucius, in ihrem Wohnapfel. Mit Hilfe von Petronellas magischer Strickleiter wird man nämlich beim Hinaufklettern immer kleiner und paßt schließlich bequem in einen Apfelinnenraum, und beim Hinabklettern wächst man wieder in seine normale Größe zurück. Außerdem sind sie auch vertraut mit den kleinen ebenso fleißigen wie eigenwilligen Apfelmännchen, die Petronella bei der Pflege des großen Gartens helfen.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Im vorliegenden Band berichten Lea und Luis Petronella freudestrahlend, daß sie in den Sommerferien Urlaub auf einem Bauernhof in der Heide machen werden. Da es schon bald losgeht, bitten sie Petronella, sich während ihrer Abwesenheit um ihre kleine Hühnerschar zu kümmern. Dies ist für Petronella eine leichte Übung, zumal sie mit allen Tieren sprechen kann. Für die Reise gibt sie den Kindern Milchstraßenstreusel mit, damit sie bei Bedarf den schnellsten Weg zur nächstgelegenen Hexe finden. Denn wie es der Zufall will, wohnt Petronellas Cousine Erika, raffiniert versteckt, in einem Hexen- häuschen in der Heide.

Lea und Luis fühlen sich auf dem Bauernhof schnell heimisch. Lea begeistert sich für die vielen Tiere und freundet sich besonders mit den beiden zutraulichen Gänsen Frida und Fritz an. Luis hofft, daß er einmal auf dem Traktor mitfahren darf, und der freundliche Sohn von Bauer Erdmann will dies für ihn arrangieren.

Alles wäre wunderbar, wenn da nicht die Ferienwohnungsnachbarn, die Familie Brumm-mund mit ihren beiden sehr nervigen Kindern, wären. Schon kurz nach der Ankunft auf dem Bauernhof machen Lea und Luis unangenehme Bekanntschaft mit Rita und Knut Brummmund, die nicht nur gerne andere Kinder ärgern, sondern sich auch bei den Tieren rücksichtslos austoben – wobei zu erwähnen ist, daß sich Lea und Luis durchaus zu wehren wissen.

Petronella kämpft derweil ihre eigenen Kämpfchen aus, denn sie hat für einige schwere-re Gartenarbeiten einen Gartenzwerg engagiert, und es bedarf einiger diplomatischer Verhandlungen, bis die dramatischen Mißverständnisse und unterschiedlichen gärt- nerischen Auffassungen zwischen Apfelmännchen und Zwerg harmonisiert sind.

Die Bauernhof-Feriengäste nehmen an einer typischen Heidekutschfahrt teil und pflücken bei dieser Gelegenheit an der Rast- und Picknickstelle eifrig Heidelbeeren. Rita und Knut spielen mit einem Brennglas und entfachen auf dem trockenen Waldboden ein Feuer, das mit den vereinten Kräften der Familie Kuchenbrand und der Kutscher gerade noch gelöscht werden kann. Lea und Luis sind empört, zumal die kleinen Brandstifter trotz der elterlichen Strafpredigt keineswegs Reue erkennen lassen.

Nach der Rückkehr zum Bauernhof beäugt Lea mißtrauisch das weitere Verhalten der nachbarlichen Quälgeister. Alle haben in diversen Gefäßen Heidelbeeren mitgebracht, und die Quälgeist-Geschwister haben u.a. eine kleine Bonbondose mit Heidelbeeren auf ihrer Terrasse liegengelassen. Lea bemerkt, daß sich diese Dose bewegt. Als sie heimlich mit Hilfe ihres wohlweislich mitgebrachten Feensteins in diese Dose schaut, zeigt sich ihr ein kleines dickliches, blaues Wesen. Gemeinsam mit Luis beschließt sie, daß nun guter Hexenrat gefragt ist.

In der Nacht finden die Kinder dank Petronellas Milchstraßenstreusel auf geheimnis- vollen Pfaden Cousine Erika, und diese verhilft den Kindern zu einem informativen, zauberhaft kabellosen Telefongespräch mit Petronella. So erfahren sie, daß ein echter Heidelbär also ein Heidelbeeren-Pflanzenschutzgeist in die Sammeldose geraten ist. Nun müssen Lea und Luis einen Plan aushecken, um diesen Heidelbären zu retten.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Da die schrecklichen Feriennachbarn mit den Vorbereitungen für ihre Abreise sehr abge-lenkt sind, gelingt es Lea und Luis, die Dose mit dem Heidelbären zu entwenden. Doch kurz vor der Abfahrt kaufen die Brummmunds zwei Gänse vom Hof, die Herr Brumm-mund für seine Jubiläumsfeier als Gänsebraten haben möchte. Ausgerechnet Rita und Knut dürfen diese Gänse auswählen, und sie entscheiden sich hämisch für die beiden Gänse, mit denen sich Lea und Luis angefreundet haben.

Doch da haben die Fieslinge die Rechnung ohne Petronella Apfelmus gemacht, deren hexenbesengeschwinde Interventionen ebenso den Heidelbären wieder zu seinen Heidelbeersträuchern expediert, wie sie die Gänse dazu überredet, zum Müllerhaus und zum dazugehörigen Mühlteich zu fliegen, um dem Schicksal als Gänsebraten erfolgreich zu entfleuchen.

Als die Kuchenbrands gut erholt aus dem Urlaub zurückkehren, staunen die Eltern über die beiden Gänse, die sich in ihrem Garten niedergelassen haben, und Lea und Luis freuen sich mitwisserisch und dankbar über dieses lebendige Andenken an ihren Urlaub auf dem Bauernhof.

Die Autorin Sabine Städing erzählt auch den sechsten Band von Petronella Apfelmus in leichtem, heiterem Tonfall mit spielerischem Tiefsinn, an- schaulicher Dramaturgie und großer Warmherzigkeit. Phantasievolle Details und lustige gereimte Zaubersprüche runden das Lese- und Vorlesevergnügen apfelmusisch ab.

Die knuffigen Schwarz-weiß-Illustrationen von Sabine Büchner greifen den heiteren Tonfall auf und übertragen ihn in spannende und märchenhafte Szenerien mit detailgetreuen amüsanten Charakterzeichnungen.

Beiläufig vermittelt jedes Petronella-Abenteuer zudem Achtsamkeit und Respekt für die Natur und ihre sichtbaren und unsichtbaren Gaben. Alle Probleme werden mit kommunikativer Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Zivilcourage sowie einigen Prisen magischer Nachhilfe gemeistert.

Die Petronella-Apfelmus-Buchreihe ist einfach buchstäblich und illustra- torisch apfelrundherum gelungen und vermittelt Kindern zauberhaft-vergnügliche, naturverbundene und lebenswertvolle Herzensbildung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_6434114

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_6434174

 

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Hier finden Sie zum ersten Band von Petronella Apfelmus:
Verhext und festgeklebt

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Hier zum zweiten Band:
Zauberschlaf und Knallfroschchaos

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Zum dritten Band:
Schneeballschlacht und Wichtelstreiche

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Zum vierten Band:
Zauberhut und Bienenstich

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Zum fünften Band:
Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/

Sowie zum apfelmusigen weihnachtlichen Back- und Bastelbuch mit Petronella:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/06/petronella-apfelmus-mein-weihnachtliches-back-und-bastelbuch/

 

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

 

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Ein Baum für Tomti

  • von Nina Blazon
  • mit Bildern von Karin Lindermann
  • Carlsen Verlag, August 2019 www.carlsen.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 144 Seiten
  • Format: 17,30 x 24,50 cm
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-551-65018-4
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

B A U M F R E U N D E

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Familie Lindemann, bestehend aus Mutter, Vater und den Töchtern Maja und Finja sowie den beiden Wellensittichen Nelly und Nelson, wohnt in der Stadt, in einem Hochhaus. Seit kurzem sind in der Nacht seltsame Geräusche aus der Küche zu hören, oft liegen verstreute Lebensmittel herum, und stets steht die Käfigtür der Wellen- sittiche offen, aber immer wenn die Eltern nachschauen, ist niemand zu sehen.

Maja, die ältere der beiden Lindemann-Töchter, schleicht sich in der nächsten Nacht heimlich in die Küche, lauscht und schaltet den Lichtschalter an – und siehe da: sie er-wischt einen kleinen grüngewandeten Jungen mit einer Jacke aus Gras, einer Mütze aus Moos und Schuhen aus Birkenrinde, der sie vor Schreck erst einmal mit den Walnüssen bewirft, die er aus einer Schale vom Küchentisch geklaubt hat. Der Junge hält Maja in ihrem langen Nachthemd für ein Gespenst, doch es gelingt ihr, den fremden Jungen zu beruhigen und ihn ins Kinderzimmer mitzunehmen.

Majas kleine Schwester Finja fragt den Jungen, wer er denn sei, und dieser antwortet, er sei ein Baumgeist und er heiße Tomti. Dann fängt er an zu weinen und erzählt, daß er aus seinem Heimatbaum habe fliehen müssen, sich den Kopf angeschlagen und sich plötzlich in einer Zimmerpalme wiedergefunden habe. Dort habe er sich eine ganze Weile – leider etwas unbequem, da dies nicht seine angestammte Baumart sei – versteckt, und als er sich endlich herausgetraut habe, hätten ihm die Wellensittiche gesagt, daß er sich nun in der Höhle von federlosen Riesen befinde. Außerdem habe er seinen Nachnamen vergessen und wisse nicht mehr, von welchem Baum er abstamme.

Finja ist entzückt, daß Tomti mit Tieren sprechen kann, und Tomti ist verwundert darüber, daß die Schwestern Lindemann nicht von einer Linde, sondern von Eltern abstammen – ein Fortpflanzungskonzept, das sie dem kleinen Baumgeist erst einmal erklären müssen.

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Maja und Finja versprechen Tomti, ihn bei der Suche nach dem richtigen Baum tat- kräftig zu unterstützen. Da sich Tomti unsichtbar machen kann und in Zukunft kein Chaos mehr in der Küche veranstalten wird, fällt den Erwachsenen der botanische Untermieter nicht weiter auf.

Gemeinsam mit Majas bestem Freund Konrad fangen sie gleich schon am nächsten Nachmittag an, die Stadt nach einem Baum für Tomti zu durchstreifen. Tomti ist ganz eingeschüchtert von den vielen kalten, grauen Flächen, den stinkenden Autos und dem Lärm der Stadt. Konrad peilt einen großen Baum – eine Platane – auf einer Verkehrsinsel an. Doch nach kurzer Inspektion befindet Tomti, daß diese Baumwohnung viel zu laut für ihn sei.

In den folgenden Monaten besuchen und kartographieren die Kinder nach und nach die Bäume in der Nachbarschaft. Tomti erklärt fachbaumgeistig, daß man erst mit Hilfe eines Borkenklopfers feststellen muß, ob ein Baum bereits bewohnt sei. Ist der Baum noch frei, dann schlüpft man als Baumgeist einfach in den Baum hinein und bewohnt ihn. Baumgeister können sich zwar frei im Raum bewegen, aber sie brauchen den Aufenthalt im Baum für ihr Wohlbefinden. Immer wenn Tomti zu lange draußen bleibt, bekommt er juckenden Grüntau-Ausschlag.

Durch die Suche nach dem passenden Baum und die Erklärungen Tomtis zu den Lebens-bedingungen von Bäumen lernen die Kinder viele Baumarten kennen, u.a. Birke, Gingko, Hasel, Holunder, Kastanie, Linde, Pappel, Tanne, Ulme und Zaubernuß.

Dank eines Schrumpfungs-Zauberspruchs kann Tomti seine Freunde mit ins Innere der Bäume nehmen, und sie machen auch Besuche bei bereits bewohnten Bäumen und lernen einige sehr eigenwillige Baumgeistpersönlichkeiten kennen.

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Birgid Birkenblank, die strenge Hüterin einer kleinen Gruppe von Birken, nimmt es mit der Sauberkeit sehr ernst und bietet Tomti einen Platz in einer der kleineren Birken an, wenn er sich als Baumputzhilfe nützlich machen wolle. Das ist nicht nach Tomtis Geschmack und auch bestimmt nicht die richtige Baumart für ihn.

Nachdem die Suche bei den Stadtbäumen ergebnislos verlaufen ist, besuchen die Kinder übers Wochenende Konrads Tante und Onkel, die eine halbe Autostunde entfernt in einem Dorf auf dem Lande leben.

Dort lernen sie auf einer Streuobstwiese Mela Apfelrot kennen, die Tomti gerne als Apfelpolierer oder Wurmzähler in die Apfelbaumgemeinschaft aufnehmen würde. Dies ist dem kleinen Baumgeist jedoch entschieden zu durchorganisiert und frühaufsteherisch.

Holla Holundra, die heilsame Hüterin des Holunders, der hinter dem Wohnhaus von Konrads Verwandten wächst, erscheint um Mitternacht auf der Fensterbank von Majas Zimmer und lobt ihr fürsorgliches Verhalten gegenüber Tomti und ihrer kleinen Schwester. Per Eingebung sorgt Holla Holundra dafür, daß Konrads Tante am nächsten Morgen Holunderküchlein aus Holunderblütendolden zum Frühstück serviert. Diese Holunderküchlein schmecken lecker, und sie lindern Konrads Pollenallergie, Finjas Bren-nesselbeulen und Tomtis Grüntau-Juckreiz, was Maja zu einem wissenden Lächeln und einem leisen Dankeschön in Richtung Holunderstrauch veranlaßt.

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Geradezu ritterlich geht es bei Knut von Kastanius zu, denn der Kastanienbaumgeist, dessen ehrwürdige Bekanntschaft sie während eines Familienpicknicks im Wald machen, trägt eine stachelige Kastanienschalenrüstung und begrüßt die Kinder mit folgenden Worten. „Und was suchen vier kleine Grünlinge wie ihr in meiner Festung?“ (Seite 110)

Text von Nina Blazon/Illustration von Karin Lindermann © Carlsen Verlag 2019

Schließlich finden sie im Wald eher zufällig als absichtlich den richtigen Baum für Tomti. Welcher das ist, wird hier natürlich nicht verraten, denn dies ist die Frage, die in der sich an die Buchbesprechung anschließenden Verlosung* beantwortet bzw. erraten werden kann.

Nina Blazon ist mit „Ein Baum für Tomti“ eine einfühlsame, phantasievolle, spannende und vergnügliche Verflechtung von Naturbegeisterung, Wissensvermittlung und kindlich-zwischenmenschlichen Wachstumsschritten gelungen. Die botanischen und zoologischen Informationen fließen beiläufig in die Handlung ein und greifen oft Details auf, die bestimmt das Interesse von Kindern wecken, z.B. das Gingko-Bäume schon den Dinosauriern Gesellschaft geleistet haben und daß sie, obwohl sie Blätter tragen, zu den Nadelbäumen zählen.

Die faszinierende Personifizierung der Natur durch den liebenswerten kleinen Baum- geist Tomti ist gut geeignet, kindliches Mitgefühl und Verständnis für Mitlebewesen und ihre natürlichen Bedürfnisse zu fördern und zu vertiefen.

Die schönen, ebenso naturgetreuen wie heiter-verspielten Illustrationen von Karin Lindermann (Nomen est omen!) begleiten die Geschichte harmonisch und bereichern sie um stimmungsvolle Szenenbilder.

Ergänzt wird die Geschichte zudem um einige allgemeine Sachinformationen zu Bäumen und Sträuchern, Borke und Rinde, Baumgeschlecht, Wurzeltelefon und Wasserbedarf sowie eine kleine Baumschule, die zweiundzwanzig Baumarten kurz und bündig botanisch beschreibt. Karin Lindermann hat dazu alle Bäume illustriert und zeigt sie in ihrer arttypischen Baumgestalt und mit der dazugehörigen Blattform und Baumfrucht.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.carlsen.de/hardcover/ein-baum-fuer-tomti/109258

 

Als hörenswertes Hörbuch gibt es „Ein Baum für Tomti“ ebenfalls – in einer von herb bis zart und laut bis leise erstaunlich wandelbaren rindenrauhen Stimmklaviatur lebhaft und warmherzig gelesen von Katharina Thalbach.

  • Nina Blazon                                                                                                      
  • Ein Baum für Tomti
  • ungekürzte Lesung
  • von Katharina Thalbach
  • Laufzeit ca. 152 Min.
  • 2 DCs in Pappklappe
  • Silberfisch Hörbuch Hamburg
  • August 2019 www.silberfisch-hoerbuch.de
  • 13,00 € (D), 14,60 € (A)
  • ISBN 978-3-7456-0102-2
  • Hörbuch ab 6 Jahren

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/blazon-ein-baum-fuer-tomti-4878/

 

ACHTUNG: HIER GIBT ES EINE VERLOSUNG!*

Wer mag, kann gerne auf der Kommentarebene raten, welcher Baum denn Tomtis Herkunftsbaum ist, und auch Ideen für einen passenden Nachnamen für Tomti kundtun. Als kleine Hilfestellung weise ich nur dezent darauf hin, daß Tomtis Stammbaum zu den nordischen Nadelgehölzen gehört.

Wer in den nächsten drei Tagen miträtselt, kommt in den Lostopf für die Verlosung eines Hörbuch-Exemplars von „Ein Baum für Tomti“. In 72 Stunden werde ich dann hier die Lösung verkünden und per E-Post oder Kommentar den Gewinner informieren.

Und hier folgt nun die Auflösung:

Tomtis vollständiger Name lautet Tomti Tannson, sein Stammbaum ist also eine Tanne.

 

Die Autorin:

»Nina Blazon studierte Germanistik und Slawistik und arbeitete als Journalistin und Texterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Heute schreibt sie Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und liebt es, in ihrer Freizeit lange Wanderungen im Wald zu machen. Wenn sie ein Baumgeist wäre, würde sie am liebsten in einem Walnußbaum leben, weil sie Eichhörnchen liebt und Walnußtorte liebt.«

Die Illustratorin:

»Karin Lindermann studierte Design mit Schwerpunkt Illustration in Münster. Sie arbeitet als Lehrerin und als freie Illustratorin – sie liebt jede Art von Grünzeug! Wenn sie ein Baumgeist wäre, würde sie am liebsten in einer alten Dorflinde leben, dann wäre um sie herum immer etwas los (und sie hätte von ganz oben eine tolle Aussicht).«

 

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Der unbekannte Kosmos

  • Alexander von Humboldt
  • Feature von Hans Sarkowicz
  • Regie: Leonhard Koppelmann
  • mit Ulrich Noethen als Humboldt
  • gelesen von: Ulrich Noethen, Friederike Ott, Birgitta Assheuer,
  • Moritz Pliquet und Reinhart von Stolzmann
  • Produktion: Hessischer Rundfunk/Der Hörverlag 2019
  • erschienen im Hörverlag Mai 2019  http://www.hoerverlag.de
  • 8 CDs in Pappschachtel
  • Laufzeit: ca. 10 Stunden und 7 Minuten
  • Textbeilage mit Zeittafel, Inhaltsübersicht und
  • Originalzeichnungen
  • 40,00 € (D), 44,90 € (A), 52,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-3305-7

DEN  ENTDECKER  ENTDECKEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Hörbuch-Feature von Hans Sarkowicz vermittelt durch wohlgewählte, klug kom- binierte Textauswahl und facettenreiches Geistesfunkeln einen ebenso lehrreich-interessanten wie vielstimmig-spannenden Einblick in Alexander von Humboldts Leben, Persönlichkeit und Werk.

2019 ist ein Alexander-von-Humboldt-Jubiläumsjahr. Vor 250 Jahren, am 14.9.1769, wurde Alexander von Humboldt geboren. Dies ist fürwahr Anlaß genug, dem gegen-wärtigen Lesepublikum Humboldts bemerkenswert weltläufiges – in seiner ganzheit- lichen, fächerübergreifend-weitsichtigen Perspektive erstaunlich aktuelles – Werk ins Bewußtsein zu rufen.

Die für das Hörbuch ausgewählten Originaltexte folgen einer chronologischen, topo-graphischen und thematischen Ordnung. Begleitet werden sie von konzentriert-zusammenfassenden Erläuterungen sowie zeitgeschichtlich und wissenschaftshistorisch einordnenden Kommentaren acht verschiedener Humboldt-Spezialisten (Prof. Dr. Oliver Lubrich, Prof. Dr. Stefan Brönnimann, Dr. Tobias Kraft, Dr. Ulrike Leitner, Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm, Thomas Nehrlich M.A., Prof. Dr. Karl Schlögel, Prof. Dr. Heinz Veit) und einigen, recht amüsant-launigen Zeitzeugenberichten (z.B. aus der Feder Ludwig Börnes) sowie literarischen Querverweisen.

Humboldt war ein vielseitig interessierter Gelehrter und wißbegieriger Forscher. Er war Bergbaufachmann, Botaniker, Geograph und Kartograph und befaßte sich u.a. mit Anthropologie, Anatomie, Astronomie, Archäologie, Geologie, Klimatologie, Kunst, Mineralogie, Pflanzengeographie, Vulkanismus und Zoologie. Zusammen mit Goethe machte er in Jena galvanische Experimente und scheute sich dabei nicht, seinen eigenen Körper als Versuchsobjekt und Meßinstrument einzusetzen.

Als Bergbauspezialist konzentrierte sich Humboldt nicht nur auf die Erschließung von Bodenschätzen, sondern erfand auch ein Atmungsgerät und eine luftreinigende Gruben-lampe, welche die Sicherheit der Bergleute erhöhen sollte.

Die Länder, die uns heute als Ecuador, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Peru und Venezuela bekannt sind, waren zu Humboldts Zeiten noch spanische Kolonien. Humboldt reiste mit einer Sondergenehmigung des spanischen Königs und in Begleitung des Arztes und Botanikers Aimé Bonpland von 1799 bis 1804 durch Süd- und Mittelamerika. Trotz der Strapazen empirischer Feldforschung in Urwäldern und bei gefährlichen Bergbestei-gungen protokollierte er unermüdlich seine Messungen, Beobachtungen, Entdeckungen und Erkenntnisse.

Stets führte er die neuesten und besten astronomischen und physikalischen Instru- mente (Barometer, Chronographen, Cyanometer, Elektrometer, Hygrometer, Sextanten, Thermometer usw.) mit sich und vermaß so buchstäblich die Welt, die er bereiste und erkundete. Die Natur und die fremde Landschaft faszinierten und begeisterten ihn; er sei, so schrieb er, in den Tropen ganz in seinem Element.

Seine Erfahrungen in den Kolonien machten ihn zu einem entschiedenen Kritiker und Gegner von Kolonialismus und Sklaverei, und er gab den Kampf für ein globales Verbot der Sklaverei niemals auf. Er beklagte die Zerstörung der kulturellen Zeugnisse der indi- genen Urbevölkerung (Azteken, Inkas und Mayas) durch die spanischen Eroberer und christlichen Missionare und setzte sich dafür ein, daß die verbliebenen Reste und die vom Vergessen bedrohten indigenen Sprachen erforscht, dokumentiert und bewahrt wurden.

Seinen Ruf als Universalgelehrter können wir guten Gewissens um den eines Humanisten ergänzen. Das nachfolgende Zitat von 1852 mag einen Eindruck seiner außergewöhnlich unabhängigen Geisteshaltung vermitteln:

„Indem wir die Einheit des Menschengeschlechts behaupten, widerstreben wir auch jeder unerfreulichen Annahme von höheren und niederen Menschenrassen. Es gibt bildsamere, höher gebildete, durch geistige Kultur veredelte, aber keine edlere Volksstämme. Alle sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt; … „

Humboldt war in vieler Hinsicht seiner Zeit voraus, er dachte in größeren Zusammen-hängen, forschte und schlußfolgerte interdisziplinär und erkannte damals schon den Einfluß menschlichen Handelns (Abholzungen) auf das Klima und betrachtete „die Natur als ein komplexes System von Wechselwirkungen“ – verfügte also bereits über eine ökologische Perspektive, als es den Begriff Ökologie noch garnicht gab.

Die stilistische Eleganz, fesselnde Eloquenz und anschauliche Ausdruckskraft seiner Sprache zeigen Humboldt als begabten Schriftsteller und empfindsam-aufnahme- fähigen, feinsinnigen Beobachter. Sein zeichnerisches Talent war eine nützliche Ergänzung – so konnte er seine Reiseberichte mit vielen naturalistischen Illustrationen auch bildlich dokumentieren.

Ulrich Noethen spricht Alexander von Humboldts Texte mit würdevoller Emphase und gibt ihnen lebhafte stimmliche Gestalt, und auch die versammelten Humboldt-Spezialisten können sich angenehm und redeflüssig hören lassen.

Die akustische Kulisse aus Federkratzen, Hufgetrappel, Insektensummen, Wasserrau-schen, Hammerklopfen, Vogelrufen usw. und die gelegentliche sanfte oder dramatische musikalische Grundierung animieren die Begegnung mit Humboldts Beobachtungen, Erkenntnissen, Berichten, Stellungnahmen und Ideen und machen uns zu imaginären Reisebegleitern seiner Expeditionen durch Amerika und Rußland.

Diese Hörbuchdokumentation informiert facetten- und abwechslungsreich über Alexander von Humboldt und seine maßgebliche Bedeutung für die Naturwissen- schaften des neunzehnten Jahrhunderts. Wir bekommen einen nachhaltigen Eindruck von Humboldts regem, weitem Geist, seiner Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen wahrzunehmen, seiner Entdeckungsfreude und Forschungshingabe, seiner aufklärerischen und weitherzigen Aufgeschlossenheit, seinem demokratischen Verständnis von Wissenschaft und seinem hoffnungsvollen Glauben an den Fortschritt von Vernunft und Wissenschaft zum Wohle der Menschheit.

„Wissen und Erkennen sind die Freude und die Berechtigung der Menschheit.“

Meine Faszination und Begeisterung gehen derweil soweit, daß ich Alexander von Humboldt nun gerne in die erlesene Gästeliste meines imaginären Salon d’ésprit einreihe, in der ich Persönlichkeiten aus der Vergangenheit versammle, mit denen ich mich gerne einmal unterhalten würde.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Der-unbekannte-Kosmos-des-Alexander-von-Humboldt/Alexander-von-Humboldt/der-Hoerverlag/e544935.rhd

Alexander von Humboldt:

»Alexander von Humboldt (1769–1859), deutscher Universalgelehrter und Expeditions-reisender von internationalem Renommee, machte als Pionier diverser naturwissenschaft- licher Fachdisziplinen von sich reden: von der Botanik und Zoologie über die Klimatologie bis hin zur Astronomie. Seit seiner Amerikanischen Forschungsreise 1799-1804 gilt er als «wissenschaftlicher Wiederentdecker Amerikas» und Mitbegründer der empirisch fundierten Geographie. Doch auch als Ethnologe, Kulturtheoretiker und couragierter Humanist war er seiner Mitwelt weit voraus.«

Ulrich Noethen:

»Ulrich Noethen, 1959 in München geboren, begann seine Schauspielkarriere 1985 am Theater. Anfang der 90er Jahre wechselte er zu Film und Fernsehen. Der große Durchbruch gelang ihm 1997 mit Joseph Vilsmaiers Comedian Harmonists. Seitdem war er in unzähligen Kino- und TV-Produktionen zu sehen. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter zweimal mit dem Grimme-Preis sowie mit dem Deutschen Filmpreis. 2017 wurde er als Bester Interpret mit dem Deutschen Hörbuchpreis geehrt. Für den Hörverlag las Ulrich Noethen zuletzt Königskinder von Alex Capus.«

Der Herausgeber:

»Hans Sarkowicz studierte Germanistik und Geschichte in Frankfurt/Main. Seit 1979 arbeitet er beim Hessischen Rundfunk. Er leitet das hr2-Ressort Literatur und Hörspiel und ist Autor von zeitgeschichtlichen und kulturhistorischen Publikationen, unter anderem zur Kunst und Literatur im Nationalsozialismus.«

Zur Buchausgabe:

Wer lieber lesen als lauschen möchte, kann sich mit dem Buch „Der Andere Kosmos“ anhand einer Auswahl von 70 exemplarischen Texten (Aufsätze, Artikel, Essays) aus 70 Jahren (von 1789 bis 1859) mit Humboldt beschäftigen. Dort fehlen dann jedoch die begleitenden Kommentare der Humboldt-Spezialisten, die den Originaltexten in der Hörbuchfassung einen erhellenden wissenschaftshistorischen Rahmen geben.

Alexander von Humboldt    
Der andere Kosmos
Hrsg. von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich
70 Texte, 70 Orte, 70 Jahre 1789-1859
DTV Verlag
März 2019
gebunden in geprägtes graues Feinleinen
mit einem farbigen Schutzumschlag aus halbtransparentem Kunststoff
Fadenheftung
LESEBÄNDCHEN
Groß-Oktav-Format: 17 x 24 cm
448 Seiten
in der Minion gesetzt und zweifarbig
auf holzfreiem, alterungsbeständigen Werkdruckpapier gedruckt
30,00 € (D), 30,90 € (A)
ISBN 978-3-423-28170-6

Hier entlang zur Buchausgabe beim DTV Verlag:
https://www.dtv.de/buch/alexander-von-humboldt-oliver-lubrich-thomas-nehrlich-der-andere-kosmos-28170/

Wer sich vertiefend mit Alexander Humboldt beschäftigen möchte, dem sei die zehnbändige Gesamtausgabe sämtlicher Schriften empfohlen, die im August 2019 im DTV Verlag erschienen ist und erstmals alle verstreuten, weltweit erschienenen Aufsätze, Artikel, Essays und Briefe versammelt.

Alexander von Humboldt
»Sämtliche Schriften«

Herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich
DTV Verlag

10 Bände
6320 Seiten


Wahlweise als handnumerierte Vorzugsausgabe zu 390 € (D/A)
https://www.dtv.de/buch/alexander-von-humboldt-oliver-lubrich-thomas-nehrlich-saemtliche-schriften-handnummerierte-vorzugsausgabe-im-schmuckschuber-59089/

 

 

oder als Studienausgabe zu 250 € (D/A)
https://www.dtv.de/buch/alexander-von-humboldt-oliver-lubrich-thomas-nehrlich-saemtliche-schriften-studienausgabe-59088/

 

 

Auf der Extra-Webseite des DTV-Verlages zur Humboldt-Ausgabe gibt es zudem eine weltkartenfilmische Darstellung seiner umfangreichen Reiserouten.
https://www.dtv.de/special-alexander-von-humboldt-saemtliche-schriften/70-jahre-reisen-forschen-und-schreiben/c-1931

 

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Vom magischen Leuchten des Glühwürmchens bei Mitternacht

  • Und anderen kleinen großen Wundern der Natur
  • von Sy Montgomery
  • Originaltitel: »The Curious Naturalist. Nature’s Everyday Mysteries«
  • Übersetzung ins Deutsche von Dr. Cornelia Panzacchi
  • mit Illustrationen von Tine Pagenberg
  • Knesebeck Verlag  März 2019  www.knesebeck-verlag.de
  • Format: 17,00 x 24,00 cm
  • 240 Seiten
  • 26 Abbildungen
  • gebunden, Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 9-783-95728-291-0

PAN  OPTIKUM  &  BLICK  FANG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Buch ist eine Spurenlese der Natur, ein sinnlich-vergnügter, wissenswertvoller Wegweiser zur achtsamen Wahrnehmung und vertieften Wertschätzung von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Elementen.

In lockerem Plauderton führt uns Sy Montgomery in 45 Naturepisoden durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie lädt dazu ein, die alltägliche Tier- und Pflanzenwelt vor der eigenen Haustür mit offenen Augen und offenem Herzen wahrzunehmen. Egal wo, egal wann – es gibt immer etwas zu entdecken, zu bestaunen und kennenzulernen.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Trotz der Kürze der Naturgeschichten gelingt der Autorin stets eine atmosphärische Einstimmung und eine spannende, faszinierende Darstellung, die, gewürzt mit wohlge-wählten Prisen Detailwissens und heiterer Anekdoten sowie sinnvoller Querverweise und Abzweigungen, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Der Lesespaziergang führt von Flechten zu Fröschen, vom regen Regenwurm zum klangvollen Liebeswerben der Vögel, von eßbaren Wildpflanzen zu unterschiedlichen Erd- bzw. Schlammsorten, von den magischen Kräften des Farns zur Liebesakrobatik der Libellen, von Gesteinen zu Blitzen, von Fledermäusen zu Mücken, vom Gezeitentümpel zu Möwen, von Grillen und Zikaden zum architektonischen Können der Biber, von zarten Pilzen zu findigen Eichhörnchen, vom wandelbaren Eis zu schwarzen Schneeflöhen, von vorwitzigen Krähen zu schlauen Füchsen – um nur einige Stichworte herauszupflücken.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Mit Staunen und Schmunzeln nimmt man zur Kenntnis, daß Grillen beim Zirpen stets mit dem rechten Flügel über den verhärteten inneren Flügelrand – die sogenannte Schrillleiste – des linken Flügels „geigen“, wohingegen Grashüpfer wie das Grüne Heupferd von Natur aus Linksflügler sind, oder daß die Spitzmaus zu den weltweit wenigen giftigen Säugetieren gehört und daß der kleine Körper der Spitzmaus dank einer Polsterung aus braunem Fettgewebe, das Wärme erzeugen kann, der Winterkälte trotzen kann.

Und fast ungläubig erfährt man, daß Flechten mehr irdische Fläche bedecken als die tropischen Regenwälder.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Sy Montgomery gelingt eine buchstäbliche Verflechtung von zoologischen, botanischen und geologischen Erkenntnissen mit persönlichen Naturer- fahrungen. Mit ihrer den Erscheinungsformen der Natur stets liebevoll zugewandten Perspektive erinnert sie ebenso poetisch wie augenzwinkernd-heiter und animierend immer wieder an „die Großzügigkeit der Natur“.

Die schönen, graphisch-stilisierten naturalistischen Illustrationen von Tine Pagenberg machen dieses Lesebuch der Natur neben seiner inhaltlichen Vielfalt auch zu einer sehr attraktiven Augenweide, die durch buchgestal- terische Sorgfalt harmonisch ergänzt wird. Das großzügige Buchformat (Groß-Oktav) mit lesefreundlich sattem Schriftbild auf angenehm glattem Papier, die Fadenheftung und ein farblich abgestimmtes Lesebändchen sowie das attraktive Titelbild mit seiner farbkontrastreichen typogra- phischen Inszenierung sind ein sehr gelungener Blickfang und schmeichlen allen bibliophilen Sinnen.

„Dieses Buch will Ihnen, liebe Leser, alltägliche und doch erstaunliche Vorgänge aus der Natur näherbringen und Sie dazu anregen, vielleicht selbst Beobachtungen anzustellen und ein wenig über Lebewesen, Kräfte, Verhaltensweisen und Geschehnisse nachzu-denken, die wir ständig um uns haben und doch meistens übersehen. Denn jede Jahreszeit, jeder Monat steckt voller aufregender Geheimnisse.“ (Seite 10) 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/vom_magischen_leuchten_des_gluehwuermchens_bei_mitternacht/t-1/780

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Die Autorin:

»Sy Montgomery, 1958 geboren, ist eine vielfach ausgezeichnete amerikanische Natur-forscherin, Drehbuchautorin und Verfasserin von über zwanzig Sachbüchern – „die perfekte Mischung aus Emily Dickinson und Indiana Jones“. Sie schwamm mit Piranhas und blauen Delfinen im Amazonas, bestieg das Altai-Gebirge auf der Suche nach Schneeleo-parden und wurde in Indien von Tigern gejagt. Immer findet man sie in nächster Nähe der Tiere, über die sie schreibt. Zuletzt erschien aus ihrer Feder hierzulande „Rendezvous mit einem Oktopus“. Der New-York-Times-Bestseller und Anwärtertitel auf den National Book Award 2015 schrieb eine echte Erfolgsgeschichte.«

Die Illustratorin:

»Tine Pagenberg ist leidenschaftliche Zeichnerin, Illustratorin und begeisterte Vogelkund-lerin. Sie studierte Malerei/Grafik an der HfBK Dresden. Mit einem liebevollen Blick auf die Natur zeichnet sie ihre fabelhaften Bildwelten. Die große Verbundenheit zu unserer Flora und Fauna ist die wichtigste Inspirationsquelle und spiegelt sich in all ihren Arbeiten. Nach dem Studium gründete sie das Label marga.marina – benannt nach ihrer Großmutter. Hier gestaltet sie eigene Produkte mit dem Schwerpunkt auf nachhaltige, umweltfreundliche Papierwaren.« https://www.margamarina.de/

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren Buch von Sy Montgomery: Einfach Mensch sein. Von Tieren lernen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/07/11/einfach-mensch-sein/

Wer es naturwissenschaftlich gerne noch genauer wissen möchte, greife ergänzend zu Nick Bakers Schule der Spurenlese „Fährten lesen und Spuren suchen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/31/fahrten-lesen-und-spuren-suchen/

 

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Bei dir piept’s wohl!

  • Lerne mich kennen und tu was für mich
  • von Bärbel Oftring
  • KOSMOS Verlag  2019   www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • Format: 217 x 185 x 13 mm (LxBxH)
  • 144 Seiten
  • 300 Farbfotos
  • 14,99 €
  • ISBN 978-3-440-16405-1

HEIMATLICHE VOGELKUNDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bärbel Oftring bietet mit „Bei dir piept’s wohl!“ ein übersichtliches Vogelbestimmungs-buch. Ergänzende naturnützliche Hinweise auf Pflanzen und Gestaltungsmaßnahmen vermitteln praktische Anregungen, wie man den eigenen Garten und Balkon für Vögel einladender machen kann.

Mit den 95 Vogelportraits von Amsel bis Zilpzalp, inklusive einiger Wasser- und Greif- vogelarten, lernen wir nicht nur, wie die Vögel aussehen, sondern auch welche Be- dürfnisse sie in Hinsicht auf Nahrung, Schutzgehölze, Badestellen und Brutplatz haben.

Die Vögel werden jeweils in Wort und Bild auf einer Doppelseite portraitiert. Stets be-kommen wir drei Fotos zu sehen, welche die Vögel in unterschiedlichen Körper- haltungen, beispielsweise im Anflug, im Ansitz, beim Futtersuchen und -Sammeln, Kükenfüttern, beim Baden, beim Zwitschern oder manchmal auch im oder am Nest zeigen. Dies erhöht die Aussagekraft der Fotos erheblich und hilft beim späteren Wiedererkennen in Natur und Garten.

Eine Reihe von im Vorwort anschaulich erklärten Symbolen hilft bei der schnellen Einordnung: Zugvogel, Ganzjahresvogel, Körner- oder Insektenfresser, Höhlen- oder Freibrüter, Futterstellenbesucher usw…

Die kurzen, konzentriert-informativen Begleittexte beschreiben Farbe, Muster und Auffälligkeiten von Gefieder, spezifische Verhaltensweisen, Flugbewegungen, Nistbe-dingungen und Bruthäufigkeit, Standort- und Nahrungsvorlieben sowie den art- typischen Vogelgesang. Als kostenlose Zugabe gibt es eine Kosmos-Plus-App  plus.kosmos.de   https://play.google.com/store/apps/details?id=com.kosmos.plus&utm_source=global_co&utm_medium=prtnr&utm_content=Mar2515&utm_campaign=PartBadge&pcampaignid=MKT-Other-global-all-co-prtnr-py-PartBadge-Mar2515-1  für Smartphone und Tablet, die sich durch die Eingabe des bei jedem Vogelportrait eingefügten Zahlencodes abrufen läßt. So kann man die Lektüre mit echtem Vogelgezwitscher lebhaft animieren und den eigenen akustischen Horizont ornithologisch erweitern.

Weiterführende Adressen von Naturschutzorganisationen und seriösen Anbietern von Naturschutzprodukten sowie einige Literaturhinweise erleichtern entgegenkommend die Suche nach sinnvollem Zubehör für die Gestaltung einer vogelfreundlichen Umgebung.

Ein Rezept für selbstgemachte Meisenknödel und Empfehlungen zu den Mindestmaßen für ein brauchbares Vogelfutterhaus, nebst vogelgerechtem Streufutter, runden dieses wissenswerte Buch für aktive Vogelliebhaber ganzheitlich und praktisch ab.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber/natur/voegel/10112/bei-dir-piept-s-wohl

 

Die Autorin:

»Bärbel Oftring liebte es schon als Kind, durch die Feld-, Fluss- und Waldlandschaft ihrer Heimat zu streifen und die Tiere und Pflanzen darin zu erkunden. Seit über 25 Jahren setzt die Diplom-Biologin ihre Liebe zur Natur als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin von Sachbüchern für Kinder und Erwachsene, in erlebnisreichen Naturforscheraktionen mit Kindern sowie in der Zusammenarbeit mit dem Ornithologen Prof. Dr. Peter Berthold in die Tat um. Heute lebt die engagierte Naturforscherin mit Familie und Hund bei Böblingen.«

Querverweis:

Für weitere vogelmäßige Augenweiden empfiehlt sich der Bildband „Vögel ganz nah“ des Fotografen Roine Magnusson und der Autoren Mats und Åsa Ottosson.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/01/04/voegel-ganz-nah/

Zur Vertiefung der Vogelbeobachtung empfiehlt sich ergänzend das Buch „Federnlesen“ von Johanna Romberg. Dieser Autorin gelingt es, mit einer Kombination aus subjektiven Naturerfahrungserlebnissen und konzentrierten naturkundlichen Informationen sowohl  nützliches Wissen als auch konstruktive Anregungen zur persönlichen Mitwirkung beim Vogelschutz sowie zur Praxis der Vogelbeobachtung zu vermitteln. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/02/federnlesen/

Wer seinen Wortschatz gerne vielsaitig und vogelgesangsspezifisch erweitern möchte, blättere im Handwörterbuch der Vogellaute „Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er?“ von Peter Krauss eine faszinierende und klangvolle Wörtersammlung auf.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/02/singt-der-vogel-ruft-er-oder-schlaegt-er/

 

 

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Magie des Staunens

  • Die Liebe zur Natur entdecken
  • von Rachel Carson
  • Originaltitel:»The Sense of Wonder. A Celebration of Nature for Parents and Children«
  • Aus dem Amerikanischen von Wieland Freund und Andrea Wandel
  • Klett-Cotta Verlag 1. Auflage  März 2019    www.klett-cotta.de
  • in Leinen gebunden mit eingeklebtem Titelschild
  • mit Illustrationen von Johann Brandstetter
  • Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • 88 Seiten
  • ISBN 978-3-608-96410-3
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)

FÜHLER  AUSSTRECKEN !

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Rachel Carson ist hierzulande in den Sechzigerjahren durch ihr Buch „Der stumme Frühling“ https://www.chbeck.de/carson-stumme-fruehling/product/26790608 bekannt geworden. Dieses Werk beflügelte weltweit die Umweltbewegung und führte zum Verbot des Pflanzenschutzmittels DDT.

In Amerika war Rachel Carson bereits als Schriftstellerin in der Tradition des „Nature Writing“ bekannt, und sie wurde für ihr Buch „The Sea Around Us“, das 1951 erschienen ist, mit dem National Book Award ausgezeichnet.

Das vorliegende schmale, gleichwohl gehaltvolle Buch ist eine Anleitung zur Naturver-bundenheit. Die Autorin erzählt sehr persönlich und in poetischen Formulierungen, wie sie mit ihrem kleinen Neffen die Natur erkundet. Sie betrachten die Meeresbrandung, sammeln Muscheln, spazieren (auch im Regen) durch den Wald, entdecken Fichtensetz-linge und spekulieren, für welches Tier – je nach Größe – ein solcher „Weihnachtsbaum“ passend sei, sie setzen sich den Elementen aus, werden naß und dreckig und bleiben nachts auf, um den Vollmond oder Sternschnuppen zu bewundern.

Dies geschieht nicht mit wissenschaftlicher Strenge oder explizierter Lernabsicht, sondern mit beiläufiger Selbstverständlichkeit, spielerisch, ja, einfach durch die sinnliche Erfahrung der Natur sowie durch die Bereitschaft des erwachsenen Begleiters, das kindliche Staunen und die kindliche Entdeckungsfreude aufrichtig zu teilen. Naturentwöhnten Erwachsenen empfiehlt die Autorin, alle Sinne wieder auf Empfang zu stellen und sich mit den Fragen: „Was, wenn ich dies nie zuvor gesehen hätte? Was, wenn ich wüsste, ich würde es nie wieder sehen?“ (Seite 40) der Schönheit und der Zauberkraft der Natur wieder neu zu öffnen.

Illustration (Moor) von Johann Brandstetter ©

Kinder haben ein instinktives Gespür für keine Dinge und Wesen, für geheimnisvolle Tiefen und verborgene Zusammenhänge und einen frischen, unverbrauchten Blick. Staunen wir mit ihnen über das Auskeimen von Samen, über Sandkörner, Steine und Felsen, Knospen, Blüten, Früchten, Vogelstimmen, Vogelflug, den Mikrokosmos von Flechten und Moosen, Grillenzirpen, Farnkrautleuchten, Rindenmuster, Blattformen, Holzfeuerduft, Wind und Wolken, flüsternde Lüfte, tosende Stürme, Sonne, Mond und Sterne, Ebbe und Flut, den Wechsel der Jahreszeiten sowie Himmel und Erde und die unzähligen Farben, Texturen, Stimmen und Daseinsformen dazwischen.

„Die Kehrreime der Natur bergen etwas unendlich Heilsames – … (Seite 66)

Rachel Carson konnte dieses literarische Kleinod tiefempfundener Naturliebe wegen ihres frühen, krankheitsbedingten Todes nicht zu Ende schreiben. Im Nachwort würdigt der Übersetzer streiflichternd Leben und Werk der Autorin, und einige Schwarz-weiß-Fotografien zeigen sie alleine und in Gesellschaft ihres Neffen in der Natur.

Die überaus schönen Illustrationen von Johann Brandstetter begleiten und ergänzen den Text ebenso stimmungsvoll wie filigran-detailreich und spiegeln den im Text be- schworenen Zauber der Natur und die Faszination des Lebendigen harmonisch wieder.

Illustration (Breitblättriges Knabenkraut) von Johann Brandstetter ©

Die sorgfältige optische (attraktive Illustrationen, satte Typographie, Kapitelversalien) und materialhaptische (schmeichelgriffiges Papier, Lesebändchen, Leineneinbindung) Gestaltung des Buches machen die Lektüre ebenfalls zu einem sinnlichen Genuß.

„Die Magie des Staunens“ ist eine wunderbar unkomplizierte, lebensnahe, animierende Aufforderung, sich der Natur mit offenem Herzen und mit allen Sinnen zu nähern und sie durch Erfahrung buchstäblich zu begreifen. Rachel Carsons wiederholter Hinweis auf die elementare Bedeutung der sinnlichen Wahrnehmung ist angesichts aktueller bildschirmflacher, lebensferner Wisch-und-Weg-Wahrnehmungen aktueller denn je.

Mit diesem Buch hat uns Rachel Carson ein poetisches, zeitlos-wegweisendes Vermächt-nis hinterlassen, wie wir der Natur und Kindern auf Herzenshöhe begegnen können. Es ist nun an uns, dieses Vermächtnis zu pflegen und mit echtem Leben zu füllen.

„Wenn Fakten Samen sind, aus denen später Wissen und Weisheit wachsen, dann sind Gefühle und Sinneseindrücke der Nährboden, in dem die Samen reifen müssen. Die frühen Kindheitsjahre sind die Zeit, den Boden zu bereiten. Sind die Gefühle erst einmal geweckt – ein Sinn für das Schöne; die Begeisterung für das Neue und Unbekannte; Mitleid, Erbarmen, Bewunderung oder Liebe -, dann wollen wir über den Gegenstand unseres Fühlens auch etwas wissen. Haben wir ihn erst entdeckt, ist seine Bedeutung von Dauer. Es ist wichtiger, dem Kind den Weg zum Wissenwollen zu ebnen, als es auf eine Diät aus Fakten zu setzen, die es nicht aufnehmen kann.“  (Seite 34/35)

Illustration (Muschel) von Johann Brandstetter ©

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPORBE auf der Verlagswebseite:
https://www.klett-cotta.de/buch/Leben/Magie_des_Staunens/101196

Hier entlang zu einer weiteren begeisterten Rezension auf dem Sachbuchblog „Elementares Lesen“:

Rachel Carson: Magie des Staunens

Die Autorin:

»Rachel Carson, 1907 in einfachen Verhältnissen geboren, arbeitete nach einem Studium der Meeresbiologie als Wissenschaftlerin für die US-Fischereibehörde – als erst zweite Frau überhaupt. Mit ihren Büchern begründete sie die Umweltbewegung. Nach ihrem frühen Tod 1964 wurde sie posthum mit der Medal of Freedom ausgezeichnet. Heute gilt sie als einer der einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts.«

Der Illustrator:

Da der Klett-Cotta-Verlag aus unerfindlichen Gründen keinerlei Angaben zum Illustrator Johann Brandstetter macht, verweise ich interessierte Leser einfach auf seine eigene Webseite: https://www.johann-brandstetter.com/

Querverweis:

Dieses Buch ergänzt sich hervorragend mit dem Sachbuch „Natur tut gut. Warum Kinder draußen glücklicher sind“ von Andreas Weber:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/natur-tut-gut-9783548376486.html
und mit Andreas Webers biophilosophischem Buch „Alles fühlt“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/

Außerdem bietet sich ganz praktisch-anschaulich noch Nick Bakers Schule der Spurenlese an„Fährten lesen und Spuren suchen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/31/fahrten-lesen-und-spuren-suchen/

 

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Die Honigbiene

  • Illustrationen von Isabelle Arsenault
  • Text von Kirsten Hall
  • Originaltitel: »The Honeybee«
  • Aus dem Englischen von Anna Schaub
  • NordSüd Verlag Februar 2019  www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • mit Sonderfarbe
  • Format: 22,3 x 28 cm
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10474-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

B I E N E N A N N Ä H E R U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das Bilderbuch „Die Honigbiene“ führt uns ganz gemächlich zu seinem Titelthema. Zu-nächst blättern wir auf drei Doppelseiten durch eine Landschaft mit einer abwechs- lungsreichen Blumenwiese, zart-gestrichelte, schwungvolle Linien künden von einem noch unsichtbaren Flugsubjekt, und dann lächelt uns auf der vierten Doppelseite in Großaufnahme eine Biene freundlich an.

Und weiter geht es mit munterer Flugakrobatik durch die Lüfte und von Blüte zu Blüte. Kurze gereimte Zeilen erklären, was die Biene beim Aufsuchen und Finden diverser Blüten tut: Sie trinkt Nektar, sammelt Blütenpollen und bringt anschließend ihre Ausbeute zum Bienenstock.

Im Bienenstock tanzt sie den anderen Bienen den Weg zu der von ihr entdeckten Futter-quelle vor, und einige Bienen fliegen diesem Wegweiser nach, während die anderen Bienen sich um die sorgfältige Verarbeitung des Nektars und der Pollen kümmern und kleine Bienenwaben mit Honig füllen.

So vergehen die Sammelmonate und der Winter kommt. Gemeinsam mit ihrer Bienen-königin überwintern die Bienen dicht zusammengedrängt in ihrer Schwarmtraube. Im nächsten Frühjahr beginnt der Kreislauf erneut, eine kleine Biene schwirrt durch die Gegend und findet einen köstlichen Landeplatz auf einer Blume …

Die Honigbiene“ von Kirsten Hall, illustriert von Isabelle Arsenault © 2019 NordSüd Verlag AG, Zürich/ Schweiz

Die Illustratorin Isabelle Arsenault kombiniert warmes Gelb und Magenta sowie ein leuchtendes Orange mit Schwarz-weiß-grau-Kontrasten und vereinzelten Prisen hell- blau und hellgrün – so daß die meisten Bilderbuchseiten in ein strahlend-honiggelbes Licht getaucht sind. Nur die Szenen im Inneren des Bienenstocks erscheinen wegen des schwarzen Hintergrundes dunkler, jedoch keineswegs düster.

Die Zeichnungen sind poetisch-verspielt, gleichwohl genau genug, um die biologischen Vorgänge anschaulich zu vermitteln. Die ansprechende Niedlichkeit der Bienengesichter und die fein dargestellte transparente Zartheit ihrer Flügel dürfte bei Kindern durchaus Empathie für Bienen wecken.

Die gereimten Begleittexte von Kirsten Hall sind heiter und lautmalerisch und erklären mit einfachen Worten das Leben und Wirken der fleißigen Bienen. Allerdings geraten die Grundregeln der Metrik bei der Übersetzung der Verse arg in Bedrängnis, was den Vor-lesefluß „unsäglich“ zum Stolpern bringt. Der Versuch, die Reime des Originals begriff- lich und metrisch angemessen ins Deutsche zu übertragen, kann deshalb nur recht eingeschränkt als gelungen betrachtet werden.

Im Nachwort beschreibt die Autorin, wie lebenswichtig Bienen für uns sind und was wir für ihr Wohlergehen tun und lassen können. Neben Hinweisen auf konkrete Pflanzen-empfehlungen von Kräutern bis Wildblumen und dem Verzicht auf Chemikalien appelliert sie auch dafür, gegenüber Lokalpolitikern als Fürsprecher der Bienen aufzu- treten und bessere Mitweltschutzgesetzte zu fordern.

Bei der Erläuterung der Blütenbefruchtung durch Pollenübertragung gibt es leider einen inhaltlichen Fehler, da behauptet wird, aus Pollen wüchsen neue Pflanzen. Hier muß der geneigte Vorleser korrigierend eingreifen und stattdessen von Samen sprechen. Vielleicht läßt sich dieser Fehler bei einer Neuauflage korrigieren.

„Die Honigbiene“ ist eine nette, kindgemäß-vereinfachte Einführung in Lebenswelt und Bedürfnisse von Bienen, die eine gute Vorbereitung auf die echte Begegnung mit Bienen in der Natur oder beim Besuch eines Imkers ist.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://nord-sued.com/programm/die-honigbiene/

Die Autorin:

»Kirsten Hall war Grundschullehrerin und hat über 100 Erstleser-Geschichten geschrieben. Heute ist sie Geschäftsführerin der von ihr gegründeten Agentur Catbird Productions für Kinderbücher und Illustration. Ihr Buch „The Jacket“ wurde 2014 von der „New York Times“ als „Notable Children’s Book“ ausgezeichnet.«

Die Illustratorin:

»Isabelle Arsenault, 1978 in Sept-Îles (Québec) geboren, zählt zu den renommiertesten Kinderbuchillustratorinnen Kanadas. Dreimal wurde sie mit dem kanadischen „Governor General’s Literary Award“ ausgezeichnet. Mehrfach führte die „New York Times“ ihre Bücher auf der Liste der „Zehn besten illustrierten Bücher“. Isabelle Arsenault lebt mit ihrer Familie in Montreal.«  http://www.isabellearsenault.com/

Querverweis:

„Die Honigbiene“ ergänzt sich fein mit dem Bilderbuch „Mia und das Blumenwunder“ von Alison Jay: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/24/mia-und-das-blumenwunder/ und mit Piotr Sochas großformatigem, ausgezeichnetem Sachbilderbuch „Bienen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/

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Der antiautoritäre Garten

  • Gärten, die sich selbst gestalten
  • von Simone Kern
  • KOSMOS Verlag Januar 2019  http://www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • Format: 254 x 191 x 12mm (LxBxH)
  • 128 Seiten
  • 192 Farbfotos
  • 12 Farbzeichnungen von Monika Klars
  • 19,99 €
  • ISBN 978-3-440-16218-7

W A C H S T U M S F R E I H E I T

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer den Pflanzen in seinem Garten keinen strengen Gestaltungswillen aufzwingen will, ist mit „Der antiautoritäre Garten“ gut beraten. Wenn man versamende Pflanzen im Garten hat und aufmerksam hinschaut, kann man erkennen, daß sich viele Pflanzen von alleine an dem für sie optimalen Standort ansiedeln und an unpassenden Stellen ent- weder verkümmern oder garnicht aufkeimen. Darf eine Pflanze standortgerecht wachsen, bedarf sie deutlich weniger Pflege und muß meist auch keine oder kaum Gießnachhilfe bekommen.

Angesichts des Klimawandels sind natürliche, wilde Pflanzenarten unkomplizierte, widerstandsfähige und pflegeleichte Gartengenossen, die mit Trockenheitsphasen besser zurechtkommen und uns auch noch den Gefallen tun, sich selbständig zu vermehren. „Lebendige und dynamische Pflanzenverwendung setzt einen Kreislauf voraus. Die Pflanzen, mit denen wir uns in diesem Buch beschäftigen, funktionieren nur in dieser Vernetzung: passender Standort – Blüten – Insekten – Bestäubung – Samenbildung –  Verbreitung durch Vögel und andere Tiere.“ (Seite 10)

Eine kurze anschauliche Darstellung führt in die unterschiedlichen pflanzlichen Ausbrei-tungsstrategien ein: vom Samen (Licht-, Dunkel- und Kaltkeimer), von ober- und unter-irdischen Ausläufern sowie Zwiebeln und Knollen bis zum Vegetationszyklus ein- und zweijähriger Pflanzen.

Eine sinnlich-praktische Bodenkunde läßt uns sehen und ertasten, ob wir über Sand- und Schlufboden oder Lehm- und Tonboden verfügen.

Simone Kern zeigt Gestaltungsideen und Pflanzkombinationen für klassische Stauden-beete, sonnige Terrassen, Kies- und Steingärten (Selbstverständlich ohne Plastikfolien-versiegelung!), Steinmauern, Gehwegplatten, Kräutergärten, Vorgärten, Gehölzränder und Dachbegrünung sowie Wildblumenwiesen.

Zahlreiche malerische Fotos illustrieren die Gestaltungsanleitungen und bieten eine ani-mierende Augenweide farbenfroher Gartenansichten. Nicht unerwähnt bleiben sollen die höchst anschaulichen botanischen Illustrationen von Monika Klars. Steckbriefe aus-gewählter Blühpflanzen mit ihren jeweiligen Standortvorlieben sowie eine ergänzende tabellarische Liste mit weiteren geeigneten Pflanzen, ihren Blühzeiten und Wuchshöhen lassen uns viel Spielraum, nach eigenen Farb- und Formvorlieben und Standortbeding-ungen auszuwählen.

Ein solcher antiautoritärer Garten ist nicht statisch, sondern dank der vagabundieren- den Pflanzen dynamisch und abwechslungsreich. Pflanzt man initial Wildpflanzen (Akelei, Engelwurz, Fingerhut, Frauenmantel, Katzenminze, Königskerze, Natternkopf, Ringel-blume, Schafgarbe, Spornblume, Stockrose, Vergißmeinnicht, Weidenröschen, Zimbel-kraut u.v.a.m.) und läßt bereits vorhandene Wildpflanzen wachsen, so werden sie sich naturgemäß ausbreiten und – beispielsweise im Falle der Akelei – sogar zahlreiche Farb- und Blütenformenvarianten entwickeln.

Das heißt nicht, daß man nicht die eine oder andere Pflanze entfernt, wenn sie im Wege ist oder wenn sie zu dominant wird, aber man bezieht das natürliche Wachstum sowie die lebendige Mischung und Verteilung der Pflanzenvielfalt in die Gartenpflege ein und läßt die Pflanzen gleichsam „mitreden“.

Ohne Jäten unerwünschter Eindringlinge kommt auch der antiautoritäre Garten nicht aus. Auf der hinteren Buchinnenklappe sind die gängigsten und durchsetzungsfrechsten Wild-pflanzen wie Giersch, Ackerwinde, Kriechender Hahnenfuß, Indisches Springkraut, Acker-kratzdistel, Löwenzahn, Quecke u.a. abgebildet, die man frühzeitig entfernen sollte. Auch bei Gehölzkeimlingen sollte man nicht zimperlich sein, da sie schnell eine tiefe Wurzel ausbilden.

Hinweise zur Ernte und Lagerung von Samen aus dem eigenen Garten sowie gute Adressen für den Bezug von biologischem Saatgut schließen den Kreis nachhaltigen Gärtnerns mit der Natur.

„Der antiautoritäre Garten“ bietet eine praxiserprobte, methodisch-übersichtliche und detailreiche Anleitung für diverse Gartengestaltungen mit selbstaussamenden Pflanzen und nützlichem Wildwuchs. So findet der geneigte naturgemäße Gärtner zu einer entspannten Symbiose aus achtsam-regulierenden Pflegemaßnahmen und ökologisch-sinnvoller Wildnishütung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber/garten/gartengestaltung/10127/der-antiautoritaere-garten

Die Autorin:

»Simone Kern ist selbständige Garten- und Landschaftsarchitektin. Ihr Spezialgebiet ist die Gestaltung naturnaher und pflegeleichter Gärten. Sie schreibt für Gartenmagazine, hält Vorträge rund um die Themen Bienen und Garten und engagiert sich im „Netzwerk blühende Landschaften“.«

Querverweis:

Eine gute Ergänzung ist Dave Goulsons Buch „Wildlife Gardening. Die Kunst, im eigenen Garten die Welt zu retten“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/05/21/wildlife-gardening/
und Bärbel Oftrings Ratgeber „Wird das was – oder kann das weg? Erwünschte & unerwünschte Gartenpflanzen erkennen“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/08/wird-das-was-oder-kann-das-weg/
Und natürlich Wolf-Dieter Storls Buch: „Die Unkräuter in meinem Garten“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/11/die-unkraeuter-in-meinem-garten/

 

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Wildlife Gardening

  • Die Kunst, im eigenen Garten die Welt zu retten
  • von Dave Goulson
  • Originaltitel: »The Garden Jungle or Gardening to Save the Planet«
  • Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke
  • Illustrationen von Nils Hoff
  • Hanser Verlag März 2019 http://www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag und LESEBÄNDCHEN
  • 304 Seiten
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 978-3-446-26188-4

WAS  UNS  BLÜHT  UND  FRUCHTET

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dave Goulson vermittelt uns mit seinem neuen Buch „Wildlife Gardening“ fundiertes, nachhaltiges und vielseitiges Wissenswerkzeug, um im Einklang mit der Natur und unseren pflanzlichen und tierischen Mitgeschöpfen einen ebenso schönen wie fruchtbaren Garten zu gestalten.

Anschaulich verknüpft der Autor seine Kenntnisse als Insekten- und Bienenforscher mit seiner persönlichen biologischen Gartenpraxis. Zwar stehen nicht jedem Leser Dave Goulsons 8000m²-Gartenfläche zur Verfügung, aber selbst auf nur einem einzigen Qua- dratmeter oder in einem einzigen Blumentopf lohnt es sich, mit der Natur zu gärtnern.

„Für ein erfolgreiches Naturgärtnern ist das, was man nicht tut, genauso wichtig wie das, was man tut.“ (Seite 13)

So muß man beispielsweise nicht unbedingt umständlich mit Rasenbodenabtragung, Sanduntermischung und der Aussaat von Wildblumensamen eine Wildblumenwiese gestalten, sondern man kann zunächst einfach nur den Rasen wachsen lassen und schauen, welche Stauden in Wartehaltung sich daraufhin ausbreiten, da sie endlich Gelegenheit zur Blüten- und Samenbildungsreifung haben.

Die Arten, die von Natur aus bereits am gegebenen Standort gedeihen, kann man um zusätzliche Inselpflanzungen weiterer einheimischer Wildblumen ergänzen. Gegen ein Übermaß horstiger Gräser hilft die Aussaat von Kleinem Klappertopf, einer einjährigen Wiesenpflanze, deren Sämlinge parasitisch „die Wurzeln der umliegenden Gräser anzapfen und die Nährstoffe heraussaugen…“ (Seite 47/48) Das Gras wird deutlich reduziert, und es entsteht mehr Freiraum für den Klappertopf und auch für andere Wildblumen.

Pestizide, Insektizide & Co. sowie Kunstdünger werden selbstverständlich keinesfalls benutzt. Mit durchaus gebotener Eindringlichkeit beschreibt Dave Goulson die zerstör-erischen Auswirkungen solcher „Pflanzenschutzmittel“, deren Einsatz in der indu- striellen Landwirtschaft, aber auch in privatem und kommunalem Gebrauch lebens- feindliche Teufelskreise aus stärkerem Schädlingsbefall, stärkerem Gifteinsatz und kumulierenden Giftanreicherungen im Boden, in Wasserkreisläufen und pflanzlichen, tierischen und menschlichen Nahrungsketten zur Folge haben.

Selbst als besonders bienenfreundlich etikettierte Blumen, die man im konventionellen Gartenhandel erwerben kann, sind in ihrer Aufzucht vielen Giften ausgesetzt gewesen, die sie systemisch – also im gesamten Pflanzenorganismus – über ihre Pollen und den Nektar weitergeben.

Haben Sie einen Hund oder eine Katze? Womit werden Ihre Vierbeiner gegen Flöhe behandelt? Ein häufiger Wirkstoff, mit dem Halsbänder imprägniert werden oder der in flüssiger Form auf die Hundehaut aufgebracht wird, ist Imidacloprid, ein Neonicotin- oid, dessen Bienengiftigkeit erwiesen ist. Wenn Sie Ihren Hund streicheln, kommen Sie unweigerlich in Berührung mit Neurotoxinen. Wahrscheinlich sind diese Toxine auch im Urin des Hundes und werden beim Gassigehen verteilt. Die 250 Milligramm Imadaclop- rid, mit denen ein mittelgroßer Hund gegen Flöhe „imprägniert“ wird, reichen aus, um 60 Millionen Honigbienen zu töten.

Sie sehen schon: Man muß sehr ganzheitlich und weit vorausschauend handeln, um Giftbelastungen für die Mitwelt und für sich selbst möglichst zu vermeiden. Pflanzen und Samen aus Biogärtnereien, freundschaftlicher und nachbarschaftlicher Ableger- austausch und das Gärtnern mit den bereits vorhandenen Pflanzenschätzen sind gute Voraussetzungen, um die Welt wenigstens im eigenen Garten zu retten. 

Beim Wildnisgärtnern hält man eine maßvolle Ordnung, die ungestörte Nist- und Über-winterungsmöglichkeiten für Wildbienen, Insekten, Vögel und Kleintiere bietet, bei- spielsweise durch Insektenhotels, Steinhaufen, Totholzstapel und Schutzhecken. Stand- ortgemäße, abwechslungsreiche Nektar- und Pollenpflanzen, Gemüsemischbeete und Kräuter und – je nach Raumverfügung – auch Obstbäume, Beerensträucher sowie vielleicht sogar ein selbstgestampfter Lehmteich erhöhen die Artenvielfalt und verbessern das natürliche Gleichgewicht im Garten.

Für den Garten gilt die Grundregel: » … je mehr Vegetation, desto mehr Co₂-Speicher- ung « (Seite 249). Mehr Pflanzenvielfalt zieht mehr Insektenvielfalt an und mehr Insekten wiederum mehr Vögel.

In Dave Goulsons Obstgarten halten Ohrwürmer die Blattläuse in Schach, was ihn zu einem regelrechten Loblied auf den Ohrwurm veranlaßt und uns interessante Einblicke in das Liebesleben und die erstaunlich ausgeprägte Mutterliebe der Ohrwürminnen gewährt. Überaus köstlich ist beim Thema Obstanbau die Schwärmerei des Autors über die vielen außergewöhnlichen Apfelsorten, die er hegt und pflegt und genießt und die uns im Supermarktangebot wohl kaum jemals begegnen werden.

Wir erfahren ausführlich von der enormen Leistung, die Regenwürmer für die Boden-fruchtbarkeit, die Bodenbelüftung und Bodenlockerung erbringen. Angesichts der wesentlich höheren Regenwurmdichte in Gärten im Vergleich zu Ackerböden kann man Dave Goulsons Forderung nach einem „landesweiten Langzeit-Wurmüberwachungs-programm“ (Seite 207) zur Erforschung der besten Wurmdichtebedingungen nur zustimmen.

Empfehlungen zum Kompostieren oder wahlweise zur Installation eines kleinen Wurm-farmbehälters sowie übersichtliche Listen mit Blühpflanzen für Bestäuber und Beeren-pflanzen für Vögel runden diesen facettenreich-informativen Gartenratgeber sinnvoll ab. Die feinen Zeichnungen von Nils Hoff greifen die Thematik ebenso naturalistisch wie gelegentlich etwas augenzwinkernd-ironisch auf.

Dave Goulson leitet jedes Kapitel seines Buches mit einem Koch- oder Backrezept ein. Dies fügt sich harmonisch zur abschließenden, hoffnungsnährenden Erkenntnis, daß der Ernteertrag aus Gärten und Schrebergärten den Ertrag der konventionellen Landwirt-schaft um das Vier- bis Elffache übertrifft.

Mit „Wildlife Gardening“ gelingt Dave Goulson eine ermutigende Balance aus ökologischer Aufklärung und aufwühlender Gefahrenanalyse sowie praktisch-konstruktiven zukunftsweisenden Anregungen, die vorhandenen natürlichen Handlungsspielräume selbstwirksam im eigenen Garten und Lebensalltag zu nutzen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/wildlife-gardening/978-3-446-26188-4/

Hier entlang zu Dave Goulsons erstem Werk Und sie fliegt doch. Eine kurze Geschichte der Hummel: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/08/09/und-sie-fliegt-doch/
sowie zu Dave Goulsons Buch „Wenn der Nagekäfer zweimal klopft. Das geheime Leben der Insekten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/07/wenn-der-nagekaefer-zweimal-klopft/

Der Autor:

»Dave Goulson, Jahrgang 1965, ist einer von Europas führenden Hummel- und Wild-bienenschützern. Bei Hanser erschienen Und sie fliegt doch (2014), Wenn der Nagekäfer zweimal klopft (2016) und Die seltensten Bienen der Welt (2017). Dave Goulson lebt in Blackboys, East Sussex, wo er seit vielen Jahren Wildlife Gardening betreibt.«
www.sussex.ac.uk/lifesci/goulsonlab
https://twitter.com/DaveGoulson

Die Übersetzerin:

»Elsbeth Ranke, geboren 1972, hat in Erlangen und Nantes Romanistik, Latein und Angewandte Sprachwissenschaft studiert. Sie übersetzt aus dem Französischen und Englischen u.a. Erin Hunter, Frédéric Lenoir, E.O. Wilson, Lewis Wolpert und Hélène Beauvoir. 2004 erhielt sie den André-Gide-Preis.«

Der Illustrator:

Seltsamerweise erfährt man vom Verlag – bis auf den Namen – nichts über den Illustrator. Deshalb verweise ich nachfolgend auf die Webseite von Nils Hoff: http://www.nilshoff.de/info/

Querverweis:

Gerne und nachdrücklich lege ich Ihnen noch Almuths bienenfleißige Webseite „Natur auf dem Balkon“ ans Herz. Dort finden sich viele praktikable Anregungen für welt- rettende (wild)bienenförderliche Lebensbedingungen, zu denen jeder etwas beitragen kann. Feine Fotos und liebevoll-informative Texte bieten jede Menge wissenswerte Nachhilfe in Hinsicht auf die Gestaltung eines bienen- und insektenfreundlichen Balkon-Ambientes. https://naturaufdembalkon.wordpress.com/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Die verlorenen Wörter

  • Ein Buch der Beschwörungen
  • von Robert Macfarlane
  • Originaltitel: »The Lost Words«
  • Aus dem Englischen von Daniela Seel
  • illustriert von Jackie Morris
  • NATURKUNDEN No. 49 www.naturkunden.de
  • 1. Auflage Matthes & Seitz Verlag, Oktober 2018  www.matthes-seitz-berlin.de
  • 2. Auflage Januar 2019
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 33,4 cm x 22,6 cm
  • 134 Seiten mit 100 Abbildungen
  • 38,00 €
  • ISBN 978-3-95757-622-4

WÖRTER  WECKEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Von Blauglöckchen bis Zaunkönig blättern wir mit diesem Buch ein verwunschenes Alphabet der Natur auf. Es wurzelt in dem alten, magischen Glauben, daß die Namen der Wesen, diese Wesen hervorrufen können.

Die Verarmung der Natur spiegelt sich in der Verarmung des Wortschatzes. Im Vorwort dieses Buches wird vor allem der die Kinder betreffende Wortverlust beklagt – die Wörter für die Natur gingen leise und fast unbemerkt verloren, „ein Verdunsten wie von Wasser auf Stein“. Die Entfremdung von der Natur korrespondiert mit dem Verschwin- den von Worten, die einst selbstverständlich in den Mund genommen wurden, weil man mit der lebendigen Natur alltäglich in Berührung war.

Mit dem vorliegenden Buch lassen sich einige solcher Wörter und Wesen bewahren, wiederentdecken und heraufbeschwören. „Die verlorenen Wörter“ ist eine wunderbare Spurensuche, die wechselwirksam von der Sprache ins wilde Leben und vom Leben in die Sprache führt.

So finden wir beispielsweise auf einer Doppelseite die Blauglöckchen zunächst buch-stäblich verstreut als blauviolette Buchstaben, die zwischen Baumstämmen „wachsen“. Auf der nächsten Doppelseite wird das Blauglöckchen in einer schönen botanischen Illustration gezeigt und von einem wildpoetischen Text begleitet, dessen Zeilenan- fangswort – nach der Versform des Akrostichons – stets mit dem Buchstaben beginnt, welcher der Buchstabenfolge des Wortes BLAUGLÖCKCHEN entspricht. Dann folgt eine Doppelseite mit einer Illustration, die das Blauglöckchen in seiner natürlichen Umgebung zeigt.

Buchstaben werden hier zu Wortgebilde-Bildern geformt, die sich zu Zeilen und gemalten Bildern verdichten. Blauglöckchen, Brombeere, Efeu, Eiche, Eisvogel, Elster, Farn, Heide, Kastanie, Lerche, Löwenzahn, Molch, Natter, Otter, Rabe, Reiher, Star, Weide, Wiesel und Zaunkönig werden sinnlich-assoziativ-imaginativ beschworen und mit Worten eingefangen. Das klingt manchmal wie ein Märchen, manchmal wie ein Zauberspruch oder Rätsel und immer respektvoll-bewundernd. Zudem bleibt stets eine freie, offene Atemweite, die der geneigte Betrachter und Leser selbst ergänzen kann.

Illustration von Jackie Morris © Matthes & Seitz Verlag 2018

Die verspielten Buchstabengebilde, welche die Wuchsformen, die Flugbahnen oder die Silhouette der Naturwesen aufgreifen, stimmen auf das im folgenden Text beschriebene Wesen ein. Die sich daran anschließenden Illustrationen fügen das Einzelwesen dann in seine natürliche Umgebung und Gesellschaft ein.

Dem im Vorwort angekündigten löblichen pädagogische Anspruch, dem verlorenen sprachlichen Terrain der Natur in der Lebenswelt von Kindern etwas entgegenzusetzen, wird dieses Buch meiner Ansicht nach nur bedingt gerecht. Die Texte und die Wortwahl sind sehr anspruchsvoll und entfalten ihre literarisch-lyrische Sprachmagie durch gekonntes Vorlesen. Ob dadurch wirklich viele Kinder erreicht werden können, sei einmal dahingestellt.

Jackie Morris Illustrationen sind ebenso botanisch und zoologisch präzise wie schön und einfühlsam. Das Suchen und Finden, Lauschen und Schauen, Erinnern und Imaginieren, das uns dieses bemerkenswerte Buch bildlich sowie sprachlich ermöglicht, sind ein zauberhaftes, wildniswirksames Vergnügen, bei dem wir in den geheimnisvollen Wortwedeln, Fiederzeilen, Fragefrüchten, Rankenzeichen und Federworten des Autors Robert Macfar-lane der Natur begegnen.

Sehr ansprechend sind auch die wortschöpferischen Namensvariationen, die sich aus den Beschreibungen ergeben. So wird beispielsweise der Löwenzahn u.a. „Schirmchenstreu“ genannt, was wirklich entzückend anschaulich ist. Die lyrische Sprachmelodie und die Bindung an die Anfangsbuchstabenfolge (Akrostichon) waren gewiß eine übersetzerische Herausforderung, der die Übersetzerin, Daniela Seel, gleichwohl kongenial gewachsen war.

Das großzügige Quart-Buchformat, das schmeichelgriffige 150g/m² Papier, die satte, lesefreundliche Typografie, die Kombination aus sorgfältigen naturalistischen Illustrationen und naturliebhaberischem Sprachstil zeugen für den harmonischen Einklang von substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf …

 

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen, unbedingt sehenswerten LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/die-verlorenen-woerter.html

 

Der Autor:

»Robert Macfarlane, geboren 1976 in Nottinghamshire, studierte Literaturwissenschaft in Cambridge und begann schon als Kind mit dem Bergsteigen. Sein erstes Buch Mountains of the Mind (2003) erhielt zahlreiche Preise, darunter den Somerset Maugham Award. Nach einer wissenschaftlichen Arbeit über Plagiate im 19. Jahrhundert veröffentlichte er 2007 The Wild Places. Es wurde von Kritik und Publikum gefeiert und zur Grundlage einer bbc-Dokumenta- tion. 2012 erschien die Fortsetzung Old Ways. 2011 wurde Macfarlane, der auch als Essayist und Kritiker für den Guardian tätig ist, zum Mitglied der Royal Society of Literature ernannt. Macfarlane gilt als wichtigster britischer Autor des Nature Writings. Im März 2015 erschien Landmarks; Robert Macfarlane untersucht darin die Verbindung von Sprache und Natur. In deutscher Sprache erschienen bei Matthes & Seitz Berlin bislang Karte der Wildnis, Alte Wege und Die verlorenen Wörter, welches mit dem BAMB Beautiful Book Award 2017, dem Hay Festival Book of the Year und dem The Sunday Times Top Ten Bestseller ausgezeichnet wurde.«

Die Illustratorin:

»Jackie Morris 1961 in Birmingham geboren, lebt als freie Autorin und Künstlerin in Wales. Ihre Illustrationen zu Verlorene Wörter wurden mehrfach ausgezeichnet und brachten dem Buch u.a. den von britischen Buchhändlern vergebenen Titel Schönstes Buch des Jahres ein

Die Übersetzerin:

»Daniela Seel 1974 in Frankfurt am Main geboren, ist Verlegerin des unabhängigen Verlags kookbooks, Übersetzerin und Lyrikerin. Zuletzt erschien ihr Gedichtband »was weißt du schon von prärie« (kookbooks). Daniela Seel lebt in Berlin.«

 

Querverweis:

„Die verlorenen Wörter“ ergänzen sich für erwachsene Leser gut mit Andreas Webers empathiesophischen, sprachempfindsamen Naturkunden „Alles fühlt“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/ und „Minima Animalia“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/03/12/minima-animalia/
Für Kinder eignet sich ergänzend Antje Damms BuchWas wird aus uns? Nachdenken über die Natur: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/02/28/was-wird-aus-uns/

 

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