Sommer

  • von Jihyun Kim
  • Verlag Urachhaus, Februar 2021 www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21 x 29,7 cm
  • 56 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,59 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5275-8
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

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S O M M E R A T E M

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Bilderbuch wird ohne Worte alleine in Bildern erzählt. Diese Bilder sprechen gleichermaßen ausdrucksvoll wie unaufdringlich für sich selbst und erschließen dem Betrachter das Geschehen.

Ein kleiner Junge macht mit seinen Eltern und seinem Hund einen Ausflug zu den Groß-eltern. Sie fahren mit dem Auto aus dem dichten Häusermeer der Stadt hinaus aufs Land. Bäume, Sträucher, Felder und Wiesen säumen ihren Weg, bis sie am beschaulichen Haus der Großeltern ankommen und von ihnen herzlich in Empfang genommen werden.

Während die Erwachsenen sich unterhalten, betrachtet der Junge eine Wand mit vielen Familienfotos, auf denen seine Eltern und auch er selbst als Kleinkind zu sehen sind. Beim Blick aus dem Fenster sieht er einen Pfad, der sich durch den Garten schlängelt. Zusammen mit seinem Hund folgt er diesem geheimnisvoll-reizvollen Weg, der sie in den Wald führt.

SOMMER (Jihyun Kim)Pfad

Illustration von Jihyun Kim © Verlag Urachhaus 2021

Die Bäume im Wald sind sehr groß, und alle sind auf ihre Art schön. Der Wald lichtet sich, und durch eine Ansammlung von Birken schimmert ein See. Der Junge und der Hund verweilen ein wenig auf dem Ufersteg. Dann springt der Junge kopfüber in den See, taucht,  spielt vergnügt mit einem kleinen Fischschwarm, taucht wieder auf und sonnt sich auf dem Holzsteg. Das schwebend-zeitlose Gefühl des entspannten Sonnen-badens wird sehr gelungen dargestellt durch eine doppelseitige Illustration, welche nur die Sonne und ihr alles umfassendes Strahlen zeigt.

SOMMER (Jihyun Kim)Sprung

Illustration von Jihyun Kim © Verlag Urachhaus 2021

Am Abend – die Schatten werden sichtlich länger – kehrt der Junge mit seinem Hund zum Haus zurück. Die Familie ißt gemeinsam zu Abend, und anschließend sitzen der Junge und der Hund einträchtig zusammen auf den Stufen der Holzveranda und schauen hoch in den nächtlichen Himmel, der in funkelnder Sternenfülle erstrahlt.

Die Farbgebung der stimmungsvollen Bilder ist zurückhaltend, graublaue und sepia- sanfte Töne überwiegen, die Farbe Weiß vermittelt attraktive Lichteffekte besonders hinsichtlich der Wasserspiegelungen und -Reflektionen. Alle Illustrationen verfügen über eine zarte Transparenz, die den Szenen eine atmende Lebendigkeit und spürbare Körperlichkeit verleihen.

SOMMER (Jihyun Kim)Unter Wasser

Illustration von Jihyun Kim © Verlag Urachhaus 2021

Das Kind bewegt sich in stiller Harmonie mit der Natur, blüht freudig in ihr auf. Die kind-liche Fähigkeit, sich ganz auf den Augenblick einzulassen und das alltägliche JETZT wirk-lich zu erleben, wird hier anschaulich dargestellt.

Da kein Text vorgegeben ist, bietet es sich an, anstelle des Vorlesens entweder frei bildinterpretatorisch zu erzählen oder das Kind erzählen zu lassen, was es wahrnimmt und wie es die Bilder begreift. So oder so ergibt sich daraus eine interessante selbstent-deckerische kommunikative Betrachtung und Beschäftigung.

In einem kurzen poetischen Nachwort erklärt Jihyun Kim, daß es ihre Absicht war, mit diesem Bilderbuch die tiefe Lebendigkeit und Naturverbundenheit, die sie in ihrer Kindheit erfahren habe, wiederzugeben und mitzuteilen.

Sommer“ ist eine gelungene Bilderbuchmeditation, die nicht nur Kinder anspricht, sondern auch jene Erwachsenen, die sich ihren Sinn für den Zauber der Natur und kindlich-achtsame Präsenz erhalten haben.

Hier entlang zum Buch, zur LESEPROBE und zum sehenswerten Buchwerbefilm auf der Verlagswebseite: https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Sommer.html
Der sehenswerte Buchwerbefilm wurde im Januar 2021 mit dem Deutschen Buchtrailer Award in der Kategorie »Kinder- und Jugendbuch« ausgezeichnet. Für die filmische Umsetzung ist Jochen Schlöder, filmfollowsform, verantwortlich. Falls der Link auf der Verlagswebseite nicht funktioniert, geht es nachfolgend auch direkt über YT: https://www.youtube.com/watch?v=LqHAUyYUU-M

Die Illustratorin und zeichnerische Erzählerin:

»Jihyun Kim, geboren 1985, studierte Human Environment and Design in Seoul und Illustration in Birmingham. Seit 10 Jahren ist sie als Illustratorin und Grafikerin tätig und hat bereits mehrere nationale und internationale Preise gewonnen. In ihren Geschichten schöpft sie aus eigenen Erfahrungen als Kind, Schwester und seit kurzem auch Mutter. „SOMMER“ ist ihr erstes Bilderbuch ohne Worte, mit dem sie sofort internationale Anerkennung erlangte. Sie lebt mit ihrer Familie in Seoul. «

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Klaus Sausebraus

Klaus Sausebraus

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus, Februar 2021 http://www.urachhaus.com
  • Format: 14 x 16 cm
  • 12 Seiten
  • 8,00 € (D), 8,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5268-0
  • Pappbilderbuch ab 2 Jahren

E L F E R I C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In Daniela Dreschers imaginärem Garten erscheinen immer wieder neue Naturgeister, die sie mit Stift und Pinsel für uns sichtbar macht. Im vorliegenden Pappbilderbuch lernen wir nun Klaus Sausebraus kennen.

Er ist ein Elfenjunge, und wir betrachten seinen verspielt-naturverbundenen Alltag. Frühmorgens wacht er auf, wackelt mit den Zehen, streckt seine Flügel aus, flattert über die Wiese, spaziert mit einer Blaumeise auf dem Gartenzaum herum, schleckt Nektar aus Wildblumenblüten, verkleckert und verteilt dabei – genießlich – Blütenstaub und macht anschließend ein Nickerchen auf einer gemütlichen Doldenblüte. Begleitet wird der kleine Elf von einigen niedlichen Insekten, einer grünen Raupe, einem Schmetter- ling, einer Gehäuseschnecke und einer Maus.

Klaus Sausebraus. Nektar und Blütenstaub

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2021

Auf jeder Doppelseite finden wir ein anschauliches wildblumiges Szenenbild, das mit vierzeiligen Versen beschrieben wird. Diese heiter-gereimten Texte runden den märchenhaften Bilderbuchausfug beim Vorlesen melodisch ab. Die botanisch und zoologisch ebenso poetischen wie präzisen Zeichnungen vermitteln eine unbeschwerte naturvergnügliche Stimmung, und dank detailverliebter Motivwiederholungen wird die natürliche kindliche Entdeckerfreude angeregt.

Klaus Sausebraus. Nickerchen

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2021

Die stabilen Pappseiten mit abgerundeten Ecken verkraften gegebenenfalls auch ungeübte kleinkindliche Umblätterstrapazen.  

„Klaus Sausebraus“ ist ein zauberhaftes Bilderbuch für Kinder ab zwei Jahren, die auf Elfen und Elferiche fliegen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Daniela-Drescher/Klaus-Sausebraus.html

Die Autorin & Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966, ist eine international gefeierte Illustratorin und Autorin. Ihre Bilderbücher und illustrierten Kinderbücher bestechen durch einen Stil, der Kinder wie Erwachsene weltweit anspricht. In ihren mittlerweile über 40 Büchern vermittelt sie ihren jungen Lesern einen unmittelbaren Zugang zur Natur sowie zu sozialen Themen. Darüber hinaus setzt sie sich regelmäßig für Naturschutzorganisationen ein.«  http://www.danieladrescher.de

 

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Das kleine Buch vom Glücklichmachen

  • Text und Illustrationen von Francesca Pirrone
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • Originaltitel: »Graag gedaan«
  • FISCHER Sauerländer Verlag, August 2020 www.fischerverlage.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 56 Seiten
  • Format: 15,7 x 19,6 cm
  • ISBN 978-3-7373-5773-9
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

GLÜCKSSCHWEINCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Wer andere glücklich machen will, braucht dazu nicht viel.“ Mit diesem Satz beginnt das vorliegende Bilderbuch. Ein kleines Schwein im gelben Ringelpulli demonstriert in den nachfolgenden elf Kapiteln, wie mit Höflichkeit, Fürsorge, Großzügigkeit, aufmerk- samer Wahrnehmung und kleinen Gesten beglückende Wirkungen erzielt werden können.

So muntert das Schweinchen den betrübten Hasen mit einem zugewandten Lächeln auf, und es baut ein Vogelhäuschen, damit ein frierender Vogel einen geschützten Übernach-tungsraum bekommt. An der Ampel hebt das Schwein eine Schildkröte auf, um sie bei Grün über die Straße zu tragen, und es teilt großzügig sein Gebäck mit der Maus, die wiederum ihr Getränk mit dem Schwein teilt, ebenso schubsen sich Schwein und Maus wechselseitig beim Schaukeln an. Das Schweinchen liebt auch die Natur, sammelt herumliegenden Müll ein und rettet ein kleines schwarzes Kätzchen aus der Mülltonne. Auf der letzten Doppelseite sitzt das Schwein freudestrahlend mit all den Tieren zusammen, denen es zuvor so gütig und hilfreich begegnet ist.

Bis auf kurze Kapitelüberschriften, wie beispielsweise „Ein bisschen Geduld“, „Eine Portion Schutz“, „Ein Ohr für andere haben“, „Ein bisschen Höflichkeit“ usw., erscheinen die Kapitel als reine Bildergeschichten, die selbsterklärend sind.

Der Zeichenstil Francesca Pirrones ist minimalistisch und weitgehend in schwarz-weiß gehalten, Farben werden nur akzentuiert eingesetzt, beispielsweise für die Farben der Ampelschaltung, den kleinen blauen Trinkbecher der Maus, die rote Zipfelmütze des Vogels und den gelben Pullover des Schweins. Die klare Bildsprache lenkt den Blick sehr anschaulich auf das Wesentliche. Kinder können von diesen Bildern leicht „ablesen“, was geschieht und wie es sich auswirkt.

Es mag eine Binsenweisheit sein, daß eine große Quelle des Glücks im achtsamen Mit- einander liegt, doch angesichts zunehmender gesellschaftlicher Entfremdung, Isolation und Vereinzelung kann man diese Weisheit nur erst recht immer wieder verkünden und ins Bewußtsein heben. Nur aus Kindern, die Vorbilder dafür haben, daß es für andere und für sie selbst angenehme und wünschenswerte Folgen hat, seine Wahrnehmung über die eigenen Bedürfnisse hinaus auszuweiten, werden Erwachsene hervorwachsen, die der Welt und ihren Mitgeschöpfen gegenüber nicht gleichgültig, kalt und rücksichts- los sind, sondern anteilnehmend, warmherzig und zugewandt.

„Das kleine Buch vom Glücklichmachen“ bietet mit seinem sympathisch-empathischen Glücksschweinchen ein solches Vorbild im Bilderbuchformat.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.fischerverlage.de/buch/francesca-pirrone-das-kleine-buch-vom-gluecklichmachen-9783737357739

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Francesca Pirrone studierte an der Academia di Belle Arti in Florenz und lebt in Prato, Italien. Dort arbeitet sie als kreativer Kopf an Schulen. Sie liebt es, Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren.«

Der Übersetzer:

»Rolf Erdorf ist als Übersetzer für Kinder- und Jugendliteratur sowie für Sachbücher bekannt und wurde mehrfach für sein Werk ausgezeichnet, zuletzt 2016 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.«

 

 

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Dann gehe ich jetzt, sagte die Zeit

  • Text von Bettina Obrecht
  • Bilder von Julie Völk
  • TULIPAN Verlag, Februar 2020 http://www.tulipan-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 40 Seiten
  • Format: 21 x 28 cm
  • durchgehend vierfarbig
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-86429-461-7
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

Z E I T  F Ü R  D I E  Z E I T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Lara kann die Zeit wahrnehmen und wertschätzen, ja, Lara und die Zeit sind sogar mit-einander befreundet. Ein Sonntag bei Laras Familie: Die Familienmitglieder vertreiben sich die Zeit: Der Großvater löst Zahlenrätsel, die Eltern schauen sich ein Tennisspiel im Fernsehen an, Laras ältere Geschwister langweilen sich und spielen an ihren Handys herum. Damit wollen sie alle die Zeit totschlagen. Kein Wunder, daß die Zeit daraufhin das Haus verläßt und sich eine bessere Bleibe sucht.

Lara macht sich auf die Suche nach der Zeit und trifft auf Menschen, die einfach keine Zeit haben oder behaupten, Zeit sei Geld. Insbesondere letzteres kann Lara nicht glauben, denn für sie duftet die Zeit nach Blumen. Im Park findet sie die Zeit, die gemüt- lich auf einer Parkbank sitzt und sich über Laras Gesellschaft freut. Doch auch im beschaulichen Park rasen Radfahrer um die Wette und Läufer messen ihre Laufge-schwindigkeit.

Die Zeit macht sich wieder auf den Weg und bietet Lara einen Wettlauf an. Lara läuft los und ist zunächst schneller als die Zeit, aber sie wird nach und nach müde, läuft immer langsamer, und die Zeit überholt sie schließlich lächelnd und entschuldigt sich für das unfaire Spiel. Denn einen Wettlauf gegen die Zeit kann niemand gewinnen.

Zum Ausgleich trägt die Zeit Lara ein Stück des Weges und dann lassen sie sich am Flußufer nieder. Sie sitzen zusammen auf einem glatten Stein. Die Zeit wirft Stöckchen ins Wasser und merkt an, daß sie wie der Fluß sei: „Er ist wie ich. Immer geht er weg und immer ist er da.“ Einvernehmlich schweigen die beiden daraufhin miteinander, sind einfach da, einfach lebendig und anwesend.

Illustration von Julie Völk © TULIPAN Verlag 2020

Bettina Obrecht fügt für diese Geschichte leichte Worte zu leisen Sätzen und ruhigen Dialogen, die geläufige Redewendungen über die Zeit bedenkenswert in Frage stellen. In Verbindung mit den feinfühligen und bleistiftzärtlichen Illustrationen Julie Völks bietet sich hier eine poetische Bilderbuchmeditation über achtsame Gegenwärtigkeit und lebensbereichernde Präsenz, die nicht nur Kindern Entschleunigungsimpulse vermitteln dürfte, sondern durchaus auch Erwachsenen.

Julie Völk gibt der Zeit eine federleichte, transparente Gestalt, die nicht wirklich greifbar erscheint. Diese Gestalt erinnert an einen übergroßen Pusteblumensamen, hat gleich- wohl ein Gesicht, angedeutete Arme und Hände sowie Beine und Füße und trägt rote Schuhe. Dies ist eine stimmige und kindgemäße Darstellung des flüchtig-vorbeiwehen- den Wesens der Zeit.

Fraglich bleibt indes, ob die prinzipiell lobenswerte pädagogisch-philosophische Absicht der Autorin die Abstraktionsfähigkeit eines fünfjährigen Kindes nicht überfordert, sondern vielmehr den Rahmen der entwicklungspsychologischen Möglichkeiten sprengt.

Lassen Sie sich jedoch einfach Zeit, und entdecken Sie mit ihrem Kind das Leben im Jetzt!

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://tulipan-verlag.de/dann-gehe-ich-jetzt-sagte-die-zeit/

 

Die Autorin:

»Bettina Obrecht, geb. 1964, hat über fünfzig Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht. Sie schreibt auch Texte für den Rundfunk und Geschichten für Erwachsene und übersetzt Bücher. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Hessen.« http://www.bettinaobrecht.de/

Die Illustratorin:

»Julie Völk hat in Hamburg Illustration studiert und einen ganz eigenen, sehr feinen und sensiblen Stil entwickelt. Ihre Bücher wurden vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis. Sie lebt und arbeitet nahe Wien.« http://julievoelk.de/

Querverweis:

Hier entlang zu Julie Völks eigenen Bilderbüchern:

 „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/04/guten-morgen-kleine-strassenbahn/
„Stille Nacht, fröhliche Nacht“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/18/stille-nacht-froehliche-nacht/
Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/28/wenn-ich-in-die-schule-geh-siehst-du-was-was-ich-nicht-seh/

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Der kleine blaue Schirm

  • Text von Brigitte Weninger
  • Illustrationen von Katharina Sieg
  • annette betz Verlag, 2019 www.annettebetz.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-219-11790-5
  • Bilderbuch ab vier Jahren

MIT SCHIRM, CHARME UND PHANTASIE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es ist Sommer, und der kleine Förstersohn spielt draußen im Schatten seines kleinen blauen Schirms. Die Mutter ruft den Sohn zum Mittagessen ins Försterhaus, der Schirm bleibt liegen und wird plötzlich von einem wilden Wind fortgetragen, bis er in einem Baum hängenbleibt.

Frau Eichhorn findet den Schirm und hält ihn für ein Wolkenspringding. Doch diese Fall-schirm-Funktion erfüllt er keineswegs, und Frau Eichhorn läßt den abgestürzten Schirm enttäuscht auf dem Waldboden liegen. Dort wird er von den Rabenkindern entdeckt, die sogleich erkennen, daß dies ein Rundumsauser sei, und so darf Vater Rabe den Schirm am Schirmband ziehen und kreiseln lassen, bis ihm schwindelig und grün um den Schnabel wird.

Illustration: © Katharina Sieg, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2019

Der Schirm wird vom nächsten Windstoß zum Teich geweht und dort vom Frosch als Windfängersegel genutzt. Aber auch diese Nutzung ist nur von kurzer Dauer. Schließlich läßt der Frosch den inzwischen mit Wasser gefüllten Schirm am Ufer liegen.

Mama Maus und ihre Kinder kommen erhitzt und verschwitzt am Teichufer vorbei, und Mama Maus erlaubt den Mäusekindern, in das blaue Plitschplatschbecken zu springen, um sich abzukühlen.

Plötzlich frischt der Wind auf, weil sich ein Gewitter ankündigt, und wieder wird der Schirm weitergeweht. Diesmal landet er auf einer Kleewiese und wird vom Hasen als willkommenes Kleetrockenhaltedach in Empfang genommen. So sitzt der Hase im Trock-enen, während es außerhalb des beschirmten Dachs nun tüchtig regnet und schüttet. Nach und nach kommen auch die anderen Tiere zum Hasen unter das „Dach“, und sie erzählen sich gegenseitig, was das blaue Ding ihrer Ansicht nach sei.

Illustration: © Katharina Sieg, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2019

Das Gewitter endet, die Tiere zerstreuen sich und gehen wieder ihrer Wege, und der kleine Försterjunge spaziert mit Gummistiefeln über die Wiese und wundert sich, wie sein Schirm wohl dorthin gekommen sei.

Die natürlich-farbenfrohen Illustrationen von Katharina Sieg geben dieser Geschichte ein dynamisches Bühnenbild mit vielen entdeckenswerten Details. Die differenzierte, ausdrucksvolle Mimik und Körpersprache der Figuren bereichern den Text um anschauliche emotionale Ausstrahlung.

Brigitte Weninger erzählt mit warmherzig-heiterem Tonfall und mit sprach- schöpferischem Wortwitz, auf welche durchaus sinnvollen Zweckentfrem- dungen die Tiere angesichts des blauen Schirms kommen. Solche Ideen könnten selbstverständlich auch von phantasiebegabten Kindern stammen oder weniger phantasiebegabte Kinder zu kreativen Ideen animieren. Die amüsanten Wortschöpfungen regen Kinder zudem zur spielerischen Erweiterung des Wortschatzes an. Denn warum sollte ein Drehkarussell nicht als Zweitname Rundumsauer heißen?

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.ueberreuter.de/produkt/der-kleine-blaue-schirm/

 

Die Autorin:

»Brigitte Weninger arbeitete 20 Jahre lang als Kindergartenpädagogin, bevor sie sich 1999 als Autorin selbständig machte. Seither sind rund 60 Kinderbücher erschienen, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. Ihre 13-teilige PAULI-Serie (illustriert von Eve Tharlet) wurde weltweit 4 Millionen Mal verkauft. Brigitte Weninger lebt mit ihrer Familie in Kufstein.«  https://www.brigitte-weninger.at/

Die Illustratorin:

»Katharina Sieg, geboren 1982 in Lippstadt, studierte Illustration in Hamburg, wo sie heute als freischaffende Illustratorin lebt. Am liebsten illustriert sie Kinderbücher, z.B. als Mitglied der Gruppe Krickelkrakel. Ihr Werk ist von lustigen, verträumten und charman-ten Figuren bevölkert, ihre Bilder stecken voll witziger und überraschender Ideen.«

Home

Querverweis:

Hier entlang zum Vorgängerband „Der kleine rote Pullover, der im Winter spielt und amüsante tierische Zweckentfremdungen eines roten Kinderpullovers inszeniert.  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/10/28/der-kleine-rote-pullover/

 

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Zählen, Rechnen, Messen

  • Wie Zahlen uns helfen, die Welt zu verstehen
  • Erzählt von Isabel Thomas, Robert Klanten,
  • Maria-Elisabeth Niebius und Raphael Honigstein
  • Originaltitel: »In Great Numbers/How numbers shape the world we live in«
  • Übersetzt von Harald Stadler
  • Illustriert von Daniela Olejniková
  • Verlag KLEINE GESTALTEN, Juni 2020, www.kleine.gestalten.com
  • Gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 28,5 cm
  • 62 Seiten
  • 19,90 €
  • ISBN 987-3-89955-819-7
  • Sachbilderbuch für die Altersgruppe zwischen 7 und 9 Jahren

E R – Z Ä H L U N G E N

Sachbilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das Sachbilderbuch „Zählen, Rechnen, Messen“ spannt einen interessanten, kompri-miert-informativen und spannenden Bogen von den Anfängen des Abzählens der Finger einer Hand, über die Entwicklung von Kalendersystemen und Maßeinheiten, die Erfindung der Null, die Vermessung der Erde durch Breiten- und Längengrade, die Entdeckung der Fibonacci-Folge, die Präzisierung der Zeitmessung bis hin zu Gottfried Wilhelm Leipnitz‘ Binärsystem, Ada Lovelace und modernen Programmiersprachen. 

Die kulturelle Entwicklung der Menschheit ist eng mit Zahlen und Meßmethoden verknüpft, und sogar einige Tiere können beispielsweise die Anzahl ihrer gelegten Eier oder die Größe eines Fischschwarms einschätzen.

Die ersten Zählmethoden waren sehr anschaulich und orientierten sich naheliegend an den Fingern der Hand. Man kerbte Knochen oder Hölzer mit Linien ein und führte damit Strichlisten. Diese Methode funktioniert jedoch nur bei überschaubaren Mengen. Mit der zunehmenden Komplexität der menschlichen Gesellschaft brauchte man besseres Werkzeug zum Zählen. So fanden die Sumerer (vor ca. 6000 Jahren) ein Zahlensystem, das auf der Zahl 60 beruhte, womit sie einen wesentlich größeren Zahlenraum erfassen konnten.

„Illustration von Daniela Olejníková, aus: Zählen, Rechnen, Messen, © Kleine Gestalten 2020“

Vor etwa 1500 Jahren legten indische Mathematiker zehn Symbole für die Ziffern 0 bis 9 fest. Die Erfindung der Null als ein Symbol für Nichts war ein großer Fortschritt und etablierte das Dezimalsystem, das sich schnell verbreitete und mit dem wir auch heute noch rechnen. Die Symbole für die Zahlen haben sich zwar im Laufe der Zeit verändert, aber ihre Bedeutung nicht. Diese indisch-arabischen Ziffern werden weltweit genutzt, denn man kann jede erdenkliche Zahl mit ihnen beschreiben. Zahlen sprechen also eine gewissermaßen universelle Sprache.

Zahlen dienen zudem der Darstellung von Maßsystemen, um Strecken, Flächen, Raum-volumen, Gewicht und Temperatur zu erfassen. In Form von Geld bemessen Zahlen den Tauschwert von Dingen, und für eine systematische Darstellung des Jahreslaufs struktu-rieren sie den Jahreskalender in übersichtliche Monate, Wochen und Tage.

Streiflichternd werden beispielsweise Euklid, Archimedes, Hypatia von Alexandria, Brahmagupta, Daniel Gabriel Fahrenheit und  Anders Celsius vorgestellt. Unterschied- liche Kalendertypen von der Frühzeit bis zur Moderne, die Zeitzonen und die „Greenwich Mean Time (GMT), der Goldene Schnitt, die Zahl ∏ (Pi), geheime Verschlüsselungscodes und die Kaprekar-Konstante sowie ein alphabetisches Glossar ergänzen das zahlenbe- zogene Wissensspektrum.

„Illustration von Daniela Olejníková, aus: Zählen, Rechnen, Messen, © Kleine Gestalten 2020“

Die Erklärungstexte sind kindgemäß-anschaulich. So wird beispielsweise das durch die Ziffer 0 bezeichnete Nichts mit dem „nicht mehr vorhandenen Inhalt einer leeren Bonbonpackung“ verglichen.

Die flächigen, dezent popartigen Illustrationen, die wie eine Kombination aus Linol-schnitt und Siebdruck ausschauen, tatsächlich jedoch digital gemalt wurden, sind lustig und verspielt und bieten gleichwohl eine angemessen präzise Darstellung der wesentlichen Informationen.

Dieses kulturgeschichtlich abwechslungsreiche Sachbilderbuch ist sogar für Mathemuffel geeignet, denn es zeigt, wie sehr unser Alltag von Zahlen durchdrungen ist und daß uns ohne Zahlen- und Rechenkünste wahrhaft unzählige nützliche Erfindungen und sinnvolle organisatorische Methoden fehlen würden.

Ein besonderes Qualitätsmerkmal dieses Sachbilderbuches ist, daß es Kindern auf sinnlich greifbare, wenig abstrahierende Weise historisches und alltagspraktisches Wissen über Zahlen und Meßmethoden vermittelt und dabei beiläufig noch Neugier auf Rechenspiele und faszinierende Zahlenordnungsentdeckungen weckt. Ja, Zahlen werden in diesem Sach- bilderbuch gewissermaßen lebendig, und das ist alles andere als langweilig.

 

Hier entlang zum Buch und zur sehr, sehr großzügigen LESEPROBE auf der Verlagswebseite: https://gestalten.com/collections/kleine-gestalten/products/zahlen-rechnen-messen-welt-der-zahlen

 

Querverweis:

„Zählen, Rechnen, Messen“ ergänzt sich gut mit dem erzählenden Bilderbuch „Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis“ von Paolo Friz, in dem es um die für den menschlichen Verstand schwer zu begreifende Größenordnung exponentiellen Wachstums geht. Dieses Bilderbuch erteilt uns eine kluge und augenzwinkernde Lektion über die typisch menschliche Unterschätzung exponentiellen Wachstums und über den Wert des gerechten Teilens. Es ist ein vielschichtiges Bilderbuch und bietet nachhaltigen Stoff zum Denken, zum Mitfühlen, zum Nachrechnen, zum Philosophieren und zum Staunen. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/01/18/ein-weiser-ein-kaiser-und-viel-reis/

 

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Ole Winterwicht

  • von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus, August 2019 www.urachhaus.com
  • Format: 14 x 16 cm
  • 12 Seiten
  • 8,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-5205-5
  • Pappbilderbuch ab 2 Jahren

GUTE  GABEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses winterstimmungsvolle Bilderbuch zeigt kleinen Kindern die Groß- zügigkeit und Hilfsbereitschaft eines kleinen Wichtels. Ole Winterwicht stapft durch die verschneite Landschaft und versorgt verschiedene Tiere mit Futter; so gibt er dem Reh Moos und Beeren, die Maus und das Eich- hörnchen bekommen Nüsse und der Hase getrocknetes Gras. Zurück in seinem gemütlichen Stübchen kocht er sich einen leckeren süßen Brei und legt sich anschließend unter eine bunte Decke in sein warmes Bett und schläft ein.

Illustration: Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2019

Daniela Drescher hat für dieses Bilderbuch wieder ihren unverwechsel- baren Zauberpinsel geschwungen und offeriert uns ebenso naturgetreue wie märchenhaft schöne Illustrationen mit vielen liebevollen Details. Kurze zwei- bis dreizeilige, einfache Verse erzählen, was geschieht, und verleihen der Vorlesesituation rhythmischen Klang.

Besonders ansprechend erscheint die Gestalt des Wichtels mit seinen spitzen Ohren, knuffeliger Knollennase und weißem Rauschebart sowie seiner Gewandung aus tannengrünem Mantel, roten Beinstulpen und Handschuhen und der unvermeidlichen roten Zipfelmütze.

Illustration: Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2019

Dieses warmherzige Bilderbuch mit seinen stabilen Pappseiten und abge- rundeten Ecken können kleine Kinder ab 2 Jahren durchaus auch schon ohne Vorlesebegleitung verstehend betrachten. Gleichwohl bereichert versklangvolles Vorlesen diese Betrachtung.  Und vielleicht lernt das eine oder andere Kind die kurzen Verse sogar spielerisch auswendig und kann sie sich später selber aufsagen.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Daniela-Drescher/Ole-Winterwicht.html

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966, ist durch ihre Illustrationen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause. Neben ihren eigenen Bilderbüchern hat sie mehrere Klassiker der Weltliteratur illustriert und gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Daniela Drescher ist verheiratet und hat vier Kinder.«   www.danieladrescher.de

Querverweis:

Für etwas ältere Kinder (ab 4 Jahren) empfehle ich in diesem Zusammenhang gerne noch ein weiteres weihnachtliches Bilderbuch von Daniela Drescher: „Die kleine Elfe feiert Weihnachten“. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/18/die-kleine-elfe-feiert-weihnachten/

 

 

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Ein Weihnachtstraum (Friedrich Hechelmann)

  • gemalt von Friedrich Hechelmann
  • auf Textbasis des Märchens „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“
  • von Hans Christian Andersen
  • nacherzählt von Elisabeth Borchers und
  • bearbeitet von Johannes Thiele
  • Thiele Verlag, Oktober 2014 www.thiele-verlag.com
  • Format: 30,0 x 23,0 cm
  • 48 Seiten
  • gebunden
  • mit Fadenheftung und Goldprägung
  • durchgehend vierfarbig gedruckt
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-85179-146-4
  • Bilderbuch für Erwachsene und große Kinder ab 10 Jahren

T R A U M W A N D E L N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das bekannte Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Hans Christian Andersen wird hier in der Nacherzählung von Elisabeth Borchers und in der Bearbeitung von Johannes Thiele etwas anders als gewohnt erzählt.

Zunächst spielt die Haupthandlung nicht wie bei Andersen am Silvester- abend, sondern am Weihnachtsabend, und das kleine Mädchen namens Marie befindet sich in der Stadt auf der Suche nach einem Arzt für die Großmutter, die an diesem Tage nicht aufwachen wollte, und nicht auf der vergeblichen Suche nach Käufern für seine Zündhölzchen. Da Marie den Arzt, der gerade mit der Kutsche abfährt, verpaßt und auch keine Zuflucht in der Kirche findet, hockt sie sich in einen Winkel der Kirchenmauer und entzündet nach und nach die Streichhölzer aus ihrer Schürzentasche, die ihr verschiedene Visionen eröffnen.

Illustration von Friedrich Hechelmann © Thiele Verlag 2014 „Ein Weihnachtstraum“

So erscheinen liebliche Frühlingsszenen und Rückblicke auf Augenblicke der Geborgenheit, die sie mit der Großmutter erlebte, und sie erkennt auch, daß die Großmutter inzwischen gestorben und auf dem Weg in den Himmel ist. Die Großmutter winkt freundlich und vertraut, und Marie will der Großmutter folgen. Schließlich hört Marie eine feine Musik und sieht ein Licht, das nicht wie ihre Streichholzflämmchen wieder und wieder erlischt, und da nimmt sie die Großmutter zärtlich bei der Hand, und beide steigen auf einer Treppe aus Licht in den Himmel. Zurück im Schnee bleibt nur Maries Puppe, die vielleicht von einem anderen Kind gefunden und aufgenommen werden wird.

Illustration von Friedrich Hechelmann © Thiele Verlag 2014 „Ein Weihnachtstraum“

Dieses Bilderbuch lebt ganz eindeutig von den faszinierenden, geheimnis- voll-vielschichtigen, buchstäblich phantastischen, romantisch-anheimeln- den Illustrationen, die dem geneigten Betrachter Einblick in eine märchenhaft-mystische Daseinsdimension gewähren.

Besonders hervorzuheben sind die bewundernswerten Lichteffekte von Friedrich Hechelmanns Zeichenkunst. So finden wir in diesen Bildern großartige Jahreszeitenstimmungen, eine beeindruckende Naturkulisse und eine spannende Kombination aus Präzision und absichtlicher Verschwom- menheit. Diese Bilder inszenieren gekonnt die changierende Vermischung von Zeitebenen, von Sehnsucht und Erinnerung, Diesseits und Jenseits, kindlicher Einsamkeit und Verlassenheit und Wunderhoffnung.

Illustration von Friedrich Hechelmann © Thiele Verlag 2014 „Ein Weihnachtstraum“

Für kleine Kinder würde ich dieses Bilderbuch eher nicht empfehlen, außer mit einer angemessenen familiären und erklärenden Begleitung. Empfehlenswert erscheint mir das Bilderbuch indes für große Kinder ab 10 Jahren und für Erwachsene mit malerisch-musisch-mystischer Neigung.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.thiele-verlag.com/buch/ein-weihnachtstraum

 

Der Illustrator:

»Friedrich Hechelmann (1948 in Isny im Allgäu geboren) studierte an der Akademie der Bildenden Künste Wien und war Meisterschüler bei Rudolf Hausner. 1972 illustrierte er sein erstes – und noch immer lieferbares – Märchenbuch Zwerg Nase. Zahlreiche preisge-krönte Buchillustrationen folgten, außerdem Ausstellungen, Bühnenbilder, Filme und Pub-likationen im In- und Ausland: Neben Illustrationen zu romantischen Märchen zählen die Bildbände zu Shakespeares Sommernachtstraum und Ovids Orpheus und Eurydike zu seinen größten Erfolgen. Der Künstler lebt und arbeitet im Allgäu. Mit der ständigen Ausstellung seiner Werke in der Kunsthalle im Schloss Isny https://kunsthalle-schloss-isny.de/ hat er seinem großen, begeisterten Anhängerkreis ein lebendiges künstlerisches Forum geschaffen. Zuletzt unter anderem veröffentlicht: Das große Buch der Feen und Elfen (2004), Decamerone (2004), Die Bibel (2006), Momo (2009) und Die Rückkehr der Engel (2010) und Geisterritter (Illustration des Buches von Cornelia Funke).« Besuchen Sie Friedrich Hechelmann auf seiner Webseite: www.hechelmann.de

Querverweis:

Hier entlang zu einer von Friedrich Hechelmann illustrierten Märchensammlung „Das Buch der Märchen“, die ein vielseitiges Märchenpotpourri enthält: Zwölf Märchen der Gebrüder Grimm, drei Märchen von Wilhelm Hauff, sechs von Ludwig Bechstein und von Eduard Mörike „Die Historie von der schönen Lau“.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/01/28/das-buch-der-maerchen/

Hier entlang zu Friedrich Hechelmanns Buch „Manolito“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/09/11/manolito/
Mit seinem Roman-Debüt „Manolito“ erzählt Friedrich Hechelmann in Wort und Bild ein modernes Märchen über die Bedrohung der Natur und des Lebens durch menschliche Herzenskälte und Profitgier und über eine mögliche Bewußtseinswende durch heilsame, naturgeistige Lebenskräfte. „Manolito“ ist ein leseleichter, gleichwohl substanzieller und inspirierender Märchen-Roman für kleine und große Menschen, denen die Natur am Herzen liegt.

 

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Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der überhaupt keine Angst im Dunkeln hatte

  • Band 5 vom kleinen Siebenschläfer
  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag, Januar 2020  www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 296 x 237 mm
  • 32 Seiten
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 19,50 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45928-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

ANGST ODER KEINE ANGST, DAS IST HIER DIE FRAGE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Den Mutigen gehört die Welt, doch vielleicht reicht es für einen kleinen Siebenschläfer, zunächst einmal eine Nacht für sich zu erobern.

Der kleine Siebenschläfer will draußen übernachten und die Sterne und Glühwürmchen betrachten, von denen ihm sein Freund, die kleine Haselmaus, erzählt hat. Seine Mutter fragt, ob er denn keine Angst vor der Dunkelheit habe, doch diese Frage wird vom kleinen Siebenschläfer frohgemut mit „Ich hab doch keine Angst … üüüüüberhaupt kein klitzekleines winziges bisschen“ beantwortet.

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2020

Also bleibt er draußen und baut sich aus Zweigen und seiner Schnuffeldecke ein Zelt. Die nächtliche Dunkelheit läßt nicht lange auf sich warten. Nun findet es der kleine Siebenschläfer doch beängstigend dunkel, und dann raschelt es auch noch im Gebüsch. Doch das Rascheln kommt von der Haselmaus, die ihrem Freund Gesellschaft leisten möchte, damit er alleine im Dunkeln keine Angst haben müsse. Haselmaus und Siebenschläfer, versichern sich gegenseitig, daß sie ja gar keine Angst hätten. Aber als plötzlich ein unheimliches Heulen ertönt, haben sie offensichtlich doch Angst.

Das Heulen kommt vom kleinen Wolf, der den beiden Freunden erklärt, daß es Mut mache, den Mond anzuheulen, und so heulen sie vorsichtshalber zu dritt den Mond an.

Dann nähert sich den drei Mondanheulern ein unheimlicher, riesiger Schatten, der sich zum Glück nur als optische Verzerrung des Hasenschattens entpuppt. Der Hase empfiehlt, Licht anzuknipsen, um die Dunkelheit zu erhellen. Das Licht sind hier die herumschwirrenden Glühwürmchen. Diese machen dann aber zuviel Licht für das Fledermauskind, das nämlich wiederum etwas Angst im Hellen hat.

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2020

Also sitzen der kleine Siebenschläfer, die kleine Haselmaus, der kleine Wolf und der Hase wieder ganz im Dunkeln. Da endlich sehen sie das Leuchten der Sterne und das sanfte Mondlicht und erleben die Stille und Schönheit der Nacht. Und darüber schlafen sie aneinander gekuschelt schließlich ein.

Die Siebenschläfermutter betrachtet am nächsten Morgen schmunzelnd das tierisch volle Zelt des kleinen Siebenschläfers und wundert sich „üüüberhaupt kein klitzekleines winziges bißchen darüber“.

Angst im Dunkeln ist ein alltägliches bzw. allnächtliches Thema für Kinder. In diesem Bilderbuch wird die kindliche Neugier auf eine neue Erfahrung mit der kindlichen Angst vor der Dunkelheit kombiniert und auf amüsante und warmherzig-augenzwinkernde Weise in Szene gesetzt. Alle Tiere in dieser Geschichte sind theoretisch mutiger als in der praktischen Erfah- rung, finden aber auch Strategien, mit ihrer Angst umzugehen und sie in der Geborgenheit der Gemeinschaft zu überwinden. Dies bietet Kindern leichten und ermutigenden Identifikationsstoff.

Der Erzähltext von Sabine Bohlmann greift einfühlsam und respektvoll die kindliche Angst vor der Dunkelheit auf und bringt in den Dialogen das Schwanken zwischen Mut und Angst mit viel Schmunzeln zwischen den Zeilen zum Ausdruck.

Die Illustrationen von Kerstin Schoene sind – neben der vertrauten, leb- haften Niedlichkeit der Charaktere – diesmal ganz besonders stimmungsvoll und fangen die nächtliche Atmosphäre und die emotionalen Schattierungen anschaulich ein.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-ueberhaupt-keine-angst-im-dunkeln-hatte-isbn-978-3-522-45928-0

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchron-sprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie  Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.«  www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Professor Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesign-erin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.« www.kerstinschoene.de

Querverweis:

Hier entlang zu den vorhergehenden siebenschläfrigen Bilderbüchern:

Band 1: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Band 2: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Band 3: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/09/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte/
Band 4: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/08/12/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war/

Und hier entlang zum Gutenachtgeschichtenbuch vom kleinen Siebenschläfer „Eine Schnuffeldecke voller Gutenachtgeschichten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/01/30/der-kleine-siebenschlaefer-eine-schnuffeldecke-voller-gutenachtgeschichten/

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Der kleine rote Pullover

  • Text: Brigitte Weninger
  • Illustration: Katharina Sieg
  • Annette Betz Verlag, 2. Auflage 2018  www.annettebetz.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format:22 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-219-11740-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

P U L L O V E R P E R S P E K T I V E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In dieser verschneiten Wintergeschichte erfährt ein kleiner roter Kinderpullover eine rege Nutzung durch verschiedene Tiere, bis er schließlich wieder zu seinem Besitzer zurückfindet.

Zunächst „klauft“ der Rabe den roten Pullover von der Wäscheleine der Försterfamilie. Er fliegt mit seinem Fang zum familiären Nest und will seiner Rabengattin das „Wollding für Zweifüßler“ als Nestbedachung andienen. Diese lehnt es jedoch wegen der auf- fälligen Farbe ab, und so landet der Pullover im Schnee zu Füßen des Nistbaumes.

Dort greift sich ein Hase diesen willkommenen Ohrenwärmer, stülpt die Ärmel über seine Ohren und krempelt den Bund des Pullovers über seiner Stirn nach oben. Doch beim Herumhoppeln rollt sich der Bund wieder auf und verdeckt des Hasen Augen, was zu einem Zusammenstoß mit einem Baumstamm führt.

Dadurch weckt er ein Eichhörnchen aus dem Winterhalbschlaf. Der Hase entschuldigt sich für die Störung und weist auf das Wollding hin, das ihm die Sicht versperrt habe. Das Eichhörnchen übernimmt daraufhin den Pullover als Tragebeutel für seine Kiefern- zapfenvorräte; doch dafür ist der Pullover auch nicht so recht tauglich. Also wirft das Eichhörnchen das unbrauchbare Wollding weg.

© Brigitte Weninger aus »Der kleine rote Pullover«, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2017

So strandet der kleine rote Pullover bei einem Fuchsmädchen, das ihn als Rock auspro-biert und dann wegen farblicher Dissonanzen wieder ablegt. Danach dient der Pullover einer Maus mit vier Kindern als übergangsweise Wohnhöhle für eine Nacht. Als die Mäuse am nächsten Morgen eine neue Bleibe in einem verlassenen Maulwurfshügel finden, bleibt der Pullover wieder verlassen im Schnee liegen.

Schließlich geht der Förster mit einer Ladung Wildfutter durch den Wald und findet den kleinen roten Pullover seines Söhnchens. Schmunzelnd betrachtet er die Spuren, die sich in den Maschen verfangen haben: Rabenfedern, diverse Tierhaare, Reste von Kiefernsamen und einige Mäuseköttel. Er fragt sich, was mit dem Pullover geschehen sei, aber der kleine rote Pullover schweigt sich aus und denkt sich wohl, daß die Spuren, die an ihm haften, genug erzählen.

© Brigitte Weninger aus »Der kleine rote Pullover«, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2017

Diese Geschichte wird von Brigitte Weninger auf eine heiter-warmherzige Weise erzählt; lebhafte Dialoge zwischen den verschiedenen Findern bringen Schwung in die einfache Handlung, und die ebenso verspielten wie winterwaldig-atmosphärischen Illustrationen von Katharina Sieg berei- chern die Szenen um gemütliche Tiernestinterieurs und amüsante Details. So zeigt etwa die Rabenfrau ihrem Rabenmann mit einer Flügelgeste den Vogel und die bemützten Rabenkinder veranstalten eine Schneeball- schlacht, während ihre Eltern den Nutzen des Wolldings diskutieren.

 „Der kleine rote Pullover“ zeigt uns, daß ein Pullover, der für Menschen einfach nur ein Pullover ist, für Tiere offenbar gänzlich anderen Zwecken dienen kann – dies ist auch für Kinder eine spielerische Anregung, Dinge einmal anders zu betrachten als gewohnt.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.ueberreuter.de/produkt/der-kleine-rote-pullover/

 

Die Autorin:

»Brigitte Weninger arbeitete 20 Jahre lang als Kindergartenpädagogin, bevor sie sich 1999 als Autorin selbständig machte. Seither sind rund 60 Kinderbücher erschienen, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. Ihre 13-teilige PAULI-Serie (illustriert von Eve Tharlet) wurde weltweit 4 Millionen Mal verkauft. Brigitte Weninger lebt mit ihrer Familie in Kufstein.«  https://www.brigitte-weninger.at/

Die Illustratorin:

»Katharina Sieg, geboren 1982 in Lippstadt, studierte Illustration in Hamburg, wo sie heute als freischaffende Illustratorin lebt. Am liebsten illustriert sie Kinderbücher, z.B. als Mitglied der Gruppe Krickelkrakel. Ihr Werk ist von lustigen, verträumten und charman-ten Figuren bevölkert, ihre Bilder stecken voll witziger und überraschender Ideen.   http://www.katharina-sieg.de/  «

Querverweis:

Ergänzend bietet sich das Bilderbuch „Ein Märchen im Schnee“ von Loek Koopmanns an, in dem nacheinander eine Maus, ein Frosch, ein Hase, ein Fuchs, ein Wildschwein und ein Bär in einem verlorenen Handschuh Schutz vor der Winterkälte finden.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/23/ein-marchen-im-schnee/

 

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