Der schwarze Hund

  • Text und Illustration von Levi Pinfold
  • Originaltitel: »Black Dog«
  • Aus dem Englischen von Nicole T Stuart
  • Bilderbuch
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart  3. Auflage 2015  http://www.jacobystuart.de
  • Gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22,5 x 29cm
  • 32 Seiten
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN  978-3-941787-86-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

A N S I C H T S S A C H E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Frage, ob die Angst größer ist als die befürchtete Gefahr, stellt sich immer wieder. Im Bilderbuch „Der schwarze Hund“ wird dieser Frage anschaulich und lehrreich nachgegangen.

Familie Hoop lebt in einem schönen, altmodischen Haus, das mit seinem rosafarbenen Anstrich warm aus der verschneiten Winterlandschaft hervorleuchtet. Eines Morgens kommt ein neugieriger Hund vorbei. Herr Hoop schaut aus dem Parterrefenster und erschrickt maßlos vor dem schwarzen Hund, der in seinen Augen so groß wie ein Tiger erscheint.

Herrn Hoops Angst ist ansteckend, und Frau Hoop findet gar, der Hund wäre so groß wie ein Elefant. Für jedes Familienmitglied wächst der Hund an Größe und angeblicher Gefährlichkeit. Und so beginnt die Familie, sich im Haus zu verbarrikadieren.

Illustration von Levi Pinfold © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2015

Nur das jüngste und kleinste Familienmitglied, mit dem Spitznamen Klein, betrachtet die Angelegenheit unbefangen, zieht sich winterwetterfest an und verläßt grünbestiefelt – allen ängstlich-fürchterlichen Warnungen zum Trotz – das Haus, um nach dem fremden Hund zu schauen.

Klein findet den großen, großen, schwarzen Hund, der sie freundlich beschnuppert. Und dann spielt sie mit ihm Nachlaufen und lockt ihn mit lustigen Reimen durch allerlei enge Wege, für die er einfach schrumpfen muß, um ihr folgen zu können. Schließlich kommt Klein Hoop mit einem harmlos mittelgroßen Hund wieder zu Hause an, und die überängstlichen Eltern und Geschwister schauen verlegen-betreten aus der Wäsche und erkennen ihren Irrtum. Sie haben vor lauter Angst die Wirklichkeit aus den Augen verloren.

Entspannt nimmt die ganze Familie auf dem nostalgischen Sofa am Kaminfeuer Platz und bewundert Kleins Mut. Klein sitzt auf einem Kissen vor dem Sofa, nahe bei dem lieben Hund, und sagt gelassen: „Ach, wisst ihr, da war nichts, vor dem ich mich hätte fürchten müssen“…

Illustration von Levi Pinfold © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2015

Spielerisch und phantasievoll vermittelt dieses Bilderbuch, daß Großes klein und Kleines groß sein kann und daß die Proportionen zwischen eingebildeter Gefahr und Wirklichkeit möglichst unvoreingenommen überprüft werden sollten, um ängstlichen Überreaktionen mit Besonnenheit zu begegnen.

Levi Pinfold hat für das Bilderbuchhaus sehr schöne Interieurs mit romantischer, warmbunter Vintageeinrichtung und verspielten Details gezeichnet, die eine einladende, stimmungsvoll-gemütliche Wirkung entfalten. Sein kunstvoll-präziser Malstil gibt feinste Texturen von Materialien, Hölzern, Stoffen, Fell usw. wieder. Und so wird jede Seite zu einer wahren Augenweide für Liebhaber sinnlicher Einzelheiten und Strukturen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinderbuch/bilderbuch/der-schwarze-hund/

 

Der Autor & Illustrator:

»Levi Pinfold glaubt, dass er selbst einmal einen Schwarzen Hund gesehen hat. Es kann aber auch ein Panther gewesen sein. Der schwarze Hund ist sein zweites Bilderbuch. Er gewann dafür 2013 die renommierte CILIP Kate Greenaway Medal. Für sein erstes »The Django« wurde er in Großbritannien als Bester Newcomer-Illustrator ausgezeichnet. Levi Pinfold mag Motorräder, Musik, Bäume und Katzen. Zur Zeit wohnt er mit seiner Freundin und Howard, der Eidechse, in Brisbane, Australien. In seiner Freizeit versucht er sich als Gemüsegärtner.«

 

PS:
Gerne reihe ich das Bilderbuch „Der schwarze Hund“    als Entspannungsvorbild – in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

QUERVERWEIS:

Das einfühlsam-heitere Bilderbuch „Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“ von Alicia Potter (TEXT) und Birgitta Sif (ILLUSTRATIONEN) bietet sich zum Thema Angstüberwindung ergänzend an.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/24/henriettes-heim-fuer-schuechterne-und-aengstliche-katzen/

Anregende Ermutigung bietet außerdem das augenzwinkernd-tiefsinnige Kinderbuch „Vom mutigen Manxmaus Mäuserich“ von Paul Gallico. Der kleine Mäuserich lernt seine eigene Angst kennen, ergibt sich der Angst jedoch keineswegs, sondern nutzt sie, um seinen Mut daran zu schärfen.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/29/vom-mutigen-manxmaus-maeuserich/

 

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Mozart & Robinson und der gefährliche Schiffbruch

  • Text von Gundi Herget
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Magellan Verlag   Juli 2017  http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2036-6
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

MÄUSE, AHOI! 

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem die charakterstarken und possierlichen Mäusehelden Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus im ersten Bilderbuchband eine Käsemondlandung gemeistert haben (siehe dazu meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/ ), folgt nun ein Seemannsmaus- abenteuer mit Schiffbruch.

Es regnet in Strömen, Mozart Hausmaus sitzt behaglich in seinem trockenen und warmen Stübchen und schmökert in Daniel Defoes Abenteuerroman Robinson Crusoe. Feldmaus Robinson langweilt sich, spaziert kurzentschlossen sowie blattbeschirmt zum Haus und besucht seinen Freund Mozart.

Robinson erkundigt sich, was denn in dem dicken Buch geschrieben stehe, das Mozart gerade lese. Da Robinson nicht lesen kann,  faßt Mozart die Geschichte kurz und bündig zusammen. Natürlich ist Robinson begeistert, daß der Held der Geschichte seinen Namen trägt, und will sofort ein Schiff bauen und Abenteuer erleben.

Mozarts Einwand, daß er mit seiner Lektüre genug Abenteuer hätte, führt zu einem  unentschiedenen Disput darüber, ob Lesen langweilig sei oder spannend. Inzwischen hört der Regen auf, und Mozart läßt sich von Robinson dazu überreden, ein Boot zu konstruieren.

Unter Mozarts theoretischer Anleitung baut Robinson ganz praktisch aus drei Korken, zwei Gummibändern, einem Stofftaschentuch, einem Zahnstocher und einer Schnur ein mäusesegeltüchtiges Boot.

Illustration: Nikolai Renger / Text: Gundi Herget © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Gemeinsam tragen sie das Boot nach draußen in den Garten, wo der Regen einen wilden Bach in der Wiese hinterlassen hat. Kaum haben die beiden das Boot bestiegen, kommt Wind auf und bringt das Boot in schnelle Fahrt und zur Kollision mit einem Stein.

Das Boot samt Mäusebesatzung strandet auf einer kleinen, erhöhten Wieseninsel, rundherum befinden sich unüberwindliche Wasserflächen, und das Boot ist stark beschädigt. Mozart ist nicht amüsiert, er fühlt sich hilflos und fürchtet, verhungern zu müssen.

Robinson dagegen ist zuversichtlich und erklärt, sie könnten nun endlich Robinson spielen. Er improvisiert tatkräftig eine Grashütte, findet naturkundig einige Erdbeeren und Kleeblüten und baut aus zwei Blättern Hängematten. So kann man es sogar in der Wildnis aushalten, und die beiden Mäuse schlafen satt und entspannt ein.

Illustration: Nikolai Renger / Text: Gundi Herget © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Nach und nach versickert das Regenwasser, und die Insel hat wieder Landverbindung zum Rest der Wiese. Eine Katze schleicht sich an die Mäuseabenteurer an, und den beiden gelingt in letzter Sekunde die Flucht ins Haus. Dort machen sie es sich auf Mozarts Sofa gemütlich. Mozart liest Robinson ein Abenteuer vor, und „langweilig ist das überhaupt nicht“.

Die Autorin, Gundi Herget, erzählt diese Mäuserobinsonade mit einfühlsamem Humor und spielerischer Spannung. Ein schönes Beispiel für die augenzwin-kernde Beziehungsdynamik zwischen den ungleichen Mäusefreunden ist beispielsweise der Dialog zum Thema Füße abputzen, wenn man von draußen nach drinnen kommt. Mozart kann es kaum gründlich genug sein, und Robinson … doch lesen und schmunzeln Sie selbst, wie dieses Problem entspannt gelöst wird.

Die Illustrationen von Nikolai Renger übersetzen den Text gekonnt in farbenfrohe Szenerien mit vielen heiteren Randdetails und Anspielungen auf den Vorgängerband. Bereichernd kommen noch die lebhaft-knuffelige Körpersprache und die Mimik der kleinen Mäuseabenteurer dazu, so daß man hier wortwörtlich und bildbildlich von einem  fröhlichen Wiedersehen sprechen kann.

Auch im zweiten Bilderbuchabenteuer mit Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus findet sich auf den Vorsatzblättern eine anschauliche, kindgemäße Bauanleitung für ein Korkboot – eine erfreulich analoge Zugabe für Kinder, um selber Abenteuerzubehör zu basteln.

Die Frage, ob echte oder erlesene Abenteuer spannender sind, wird in dieser Geschichte zwar nicht endgültig entschieden, gleichwohl aber ausgewogen ausprobiert. Das wäre eine Frage, der man anläßlich dieser Bilderbuchlektüre mit Kindern im Gespräch nachgehen könnte.

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/feine-b%C3%BCcher/bilderbuch/#cc-m-product-11149977098
(Sie müssen etwas blättern, da mit dem Link ALLE Bilderbücher des Magellan-Verlages aufgelistet erscheinen).

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/

 

Die Autorin:

»Gundi Herget beschlich mit  vier Jahren zum ersten Mal das Gefühl, dass Bücher mit ihren vielen Seiten voller schwarzer Striche, Punkte und Kringel das Aufregendste sein könnten, das es gibt. Und so war es dann auch. Mit zehn Jahren wollte sie schon Schriftstellerin werden, hat dann aber erst mal Abitur gemacht, in München und Pisa Literatur studiert, Schlagzeug spielen gelernt, Redakteurin gelernt, die Welt bereist und ein Kind bekommen, was sie an den Vorsatz ihres zehnjährigen Ichs erinnert hat. Sie schreibt seitdem vor allem Kinderbücher.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

So schön sind die Jahreszeiten

  • Mit Matz, Fratz und Lisettchen
  • von Kazuo Iwamura
  • Aus dem Japanischen von Hana Christen
  • Gereimt von Rose Pflock
  • Nord Süd Verlag März 2017  http://www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,6 x 24,4 cm
  • 112 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10401-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

E I C H H Ö R N C H I S C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die warmherzigen Bilderbücher mit den Eichhörnchengeschwistern Matz, Fratz und Lisettchen, die dem japanischen Pinselschwung Kazuo Iwamuras entsprungen sind, gibt es schon seit über 30 Jahren. Nun hat der Nord-Süd-Verlag vier der beliebtesten Bilderbücher von Kazuo Iwamura in einem Sammelband gebündelt.

Wir begleiten die niedlichen Eichhörnchenkinder durch einen Jahreslauf. Im Frühling entdecken sie ein hungriges Vogelküken und bemühen sich hilfsbereit, es mit Kiefernzapfen und Kirschblütennektar zu füttern. Doch der kleine Vogel hält seinen Schnabel geschlossen. Schließlich erscheint die Vogelmutter mit einer Raupe, und schon sperrt das Küken seinen Schnabel auf. So lernen die Eichhörnchen, daß Geschmäcker verschieden sind.

Illustration Kazuo Iwamura © Nord Süd Verlag 2017 Sammelband: „So schön sind die Jahreszeiten“

Im Sommer wird eifrig auf einer improvisierten Wippe gewippt, bis es zu regnen anfängt. Matz, Fratz und Lisettchen finden Schutz in einer Erdhöhle. Dort hocken schon zwei Mäuschen, und später gesellt sich noch ein Kaninchenkind hinzu. Nach anfänglichem Fremdeln rücken alle gemütlich zusammen und überstehen das heftige Sommergewitter. Als schließlich die Sonne wieder scheint, wird mit den neuen Spielkameraden noch eifriger gewippt, und alle haben großen Spaß miteinander.

Im Herbst helfen die Geschwister dem Eichhörnchenpapa beim Eichelnsammeln für den Wintervorrat, und die Mama strickt etwas aus roter Wolle. Am nächsten Morgen sind drei kleine Pullover fertig und werden von Matz, Fratz und Lisettchen erfreut angezogen. Wohlgewärmt hüpfen sie durch den herbstlichen Wald und treffen einen Bären, der sich mit roten Früchten vollfrißt und ihnen den Winterschlaf erklärt. Sie finden rote Pilze, rote Beeren, rote Blätter und einen leuchtend roten Sonnenuntergang.

»Der Tag war voller Abenteuer!
Nun sitzen sie zu Haus am Feuer
und ihre Mäulchen stehn nicht still,
weil jeder was erzählen will.«

Der Winter wartet selbstverständlich mit Schnee auf, und Matz, Fratz und Lisettchen lernen – mit allen dazugehörigen Aufs und Abs – Schlittenfahren …

„So schön sind die Jahreszeiten“ ist ein schönes, gemütliches und sehr familiäres Wohlfühlbilderbuch. Genau das Richtige für kuschelige Vorlesestunden mit kleinen und großen Eichhörnchen.

Die Illustrationen von Kazuo Iwamura sind ebenso präzise wie verspielt und vermitteln eine Atmosphäre von geborgener Entdeckerlust.

Der eingängige, lustig-gereimte Text von Rose Pflock harmoniert fein mit den augenzwinkernd-warmherzigen Illustrationen und gibt den Geschichten einen vorleseförderlichen melodischen Schwung.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseblätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.book2look.com/book/13X7zjKZlT

Der Illustrator:

»Kazuo Iwamura, geboren 1939 in Tokio, ist einer der bekanntesten japanischen Bilderbuchkünstler. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Kazuo Iwamura lebt in Tochigi, Japan. Dort steht auch sein Museum für Bilderbuchillustration.«

Die Reimerin:

»Rose Pflock, geboren 1929 in Reichenau, Oberlausitz, Deutschland. Sie war nach ihrem Gesangsstudium mehrere Jahre als Sängerin an verschiedenen Theatern tätig. Rose Pflock schreibt seit Langem Texte für Kinder. Besonders gerne und gut schreibt sie Reime.«

Borst vom Forst

  • Text von Yvonne Hergane
  • Illustrationen von Wiebke Rauers
  • Magellan Verlag    Juli 2017   http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadengeheftet
  • Format: 24,5 x 30,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN  978-3-7348-2035-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

NACH  GEGENTEIL

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Frischling Borst vom Forst ist etwas verträumter als seine drei Geschwister und tanzt gerne aus der Reihe. Dabei findet er eines Tages – immer seiner Nase nach – ein längliches Schneckenhaus. Er legt sein Ohr an dieses unbekannte, „fremdschöne“ Schneckenhaus und hört ein Rauschen. Er beschnuppert es und findet unvertraute Düfte, ja, es „riecht nach Gegenteil“, und schon tagträumt sich Borst mit der Schnecke in luftig-schwebende Himmelshöhen und fühlt sich unwiderstehlich angezogen vom geheimnis-vollen Herkunftsort der Schnecke.

 

Illustration: Wiebke Rauers / Text: Yvonne Hergane © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht!)

Borst Geschwister machen sich lustig über seine Suche nach dem Gegenteil, und seine Mutter sagt, er solle das einfach vergessen. Nach einer schlaflosen, nachdenklichen Nacht, macht sich Borst alleine auf die Suche. Er fragt Wühlmaus, Regenwurm und Ameisen, ob sie wüßten, woher diese Schnecke käme. Keiner weiß etwas, und alle behaupten, so etwas gäbe es im Forst gar nicht. Doch Borst gibt nicht auf, und schließlich weiß eine Seemöwe die richtige Antwort: Es ist eine Seeschnecke, und die kommt aus dem Meer.

Borst kennt das Meer nicht und nennt es daher Mehr. Er folgt der Wegbeschreibung der Möwe bis zum Bach, der am hinteren Ende des Waldes ins Meer mündet. Doch mit dem Schwimmen im Bach klappt es nicht so ganz, tropfnaß und geknickt tapst Borst zurück nach Hause.

Mama Wildschwein „fragt wenig und kopfschüttelt mehr“, und Borst sorgt sich um die Schnecke, die gewiß gerne nach Hause möchte – das kann er ihr nämlich anriechen.

Illustration: Wiebke Rauers / Text: Yvonne Hergane © Magellan Verlag 2017

Am nächsten Morgen erklärt Borst, daß er die Schnecke unbedingt zum „Mehr“ bringen müsse, da sie Heimweh habe. Zu seiner großen Erleichterung sagt seine Mama diesmal, daß sie ihn begleiten werde.

Gesagt –  getan, nach Bachlauf und Wasserfallüberwindung landen die beiden atemlos am Meeresstrand und staunen. Borst verabschiedet sich von der Schnecke und wirft sie ins Meer zurück.

Am Strand im Sand robbt eine Robbe herum. Sie hat eine Eichel gefunden und fragt Borst, wie sie die Eichel, die so fremdschön duftet, nach Gegenteil bringen könne. Da weiß Borst vom Forst selbstverständlich guten Rat …

Die Autorin, Yvonne Hergane, erzählt die Geschichte von „Borst vom Forst“ mit viel sprachlichem Feinsinn, teilweise gereimt, lautmalerisch, wortschöpferisch und stets in warmherzig-poetischen Wendungen kombiniert mit zärtlichem Humor. Das ist keine Textmassenware, sondern Wortmusik mit Mehrsinn.

Die Illustrationen von Wiebke Rauers sind wunderbare Wortwegbegleiter, die dem Text ein einfühlsames und stimmungsvolles Bühnenbild schaffen und der sprachlichen Feinheit der Geschichte auch durch kleine Details Ausdruck geben. Wer aufmerksam schaut, erkennt beispielsweise, daß Borstens Fell eine etwas andere – rötlichere – Färbung aufweist, als das seiner Geschwister.

„Borst vom Forst“ ist ein ganz außergewöhnliches Bilderbuch. Es ist eine kindgemäße, sensible und sprachspielerische Wegbeschreibung, sich eigenwillig und herzensoffen – abseits vom Gewohnten – unbekannte Horizonte und neue Erfahrungen zu erschließen und sich nicht gleich vom ersten Hindernis von seiner Absicht abbringen zu lassen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/feine-b%C3%BCcher/bilderbuch/#cc-m-product-11149977098

 

Die Autorin:

»Yvonne Hergane, geboren 1968, studierte Germanistik, Anglistik und Buchwissenschaft in Augsburg und München. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sie als freie Autorin und literarische Übersetzerin, wobei ihre besondere Liebe dem Bilderbuch gehört – das Spiel mit Worten, Lauten und Reimen ist ihre Art Musik zu machen. Einer mehr war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Nach mehreren kleinen und großen Sprüngen durch die Geografie lebt Yvonne Hergane derzeit mit ihrer Familie nahe der Nordsee.«

Die Illustratorin:

»Wiebke Rauers, geboren 1986, studierte Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration in Düsseldorf. Nach ihrem Diplom zog sie nach Berlin und arbeitete dort fünf Jahre als Charakterdesignerin in einem Animationsfilmstudio. 2015 machte sie sich als Illustratorin selbstständig. Seitdem arbeitet sie hauptsächlich an Büchern, Magazinen und Charakterdesigns.«

 

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren Kinderbuch, das von Wiebke Rauers feinfühlig und witzig illustriert wurde: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag/
„Nur ein Tag“, geschrieben von Martin Baltscheit, ist die Geschichte vom warmherzigen Wildschwein und vom feschen Fuchs, die eine kleine, lebensfrohe Eintagsfliege mit einer Notlüge über die kurze Dauer ihres Daseins hinwegtäuschen, und sie führt an einem einzigen Tag durch ein ganzes Leben.

Mia und das Blumenwunder

  • Bilderbuch
  • Erdacht und illustriert von Alison Jay
  • Originaltitel: »Bee & Me«
  • deutscher Text von Erwin Grosche
  • Arena Verlag   Januar 2017   http://www.arena-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 15,4 cm x 25,2 cm x 0,9 cm
  • 32 Seiten
  • ISBN 978-3-401-71148-5
  • 12,99 € (D), 13,40 € (A)
  • ab 3 Jahren

B I E N E N F R E U N D S C H A F T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wir betreten eine große Stadt: hohe Häuser, viele Straßen, Autos, nur hier und da ein Baum, nirgends finden sich eine Wiese oder gar wilde Blumen. Das Mädchen Mia blättert gerade in einem buntbebilderten Buch über Blumen, als eine kleine Biene durchs Fenster hereingeflogen kommt und eine Weile vor ihr herumfliegetanzt.

Im ersten Schreck schlägt Mia heftig um sich und greift zur Fliegenklatsche, doch dann besinnt sie sich und erkennt, daß die Biene recht harmlos und sogar hübsch ausschaut. Sie liest nun in einem Buch über Bienen nach und bereitet eine Zuckerlösung für das erschöpfte Insekt. Bienchen nimmt den Imbiß dankbar an, fliegt gestärkt wieder nach draußen, und Mia winkt ihr vom Fenster aus nach.

Wenig später, nach einem Gewitter, klopft das durchnäßte Bienchen wieder an Mias Fenster. Mia kümmert sich um Bienchen und studiert weiter eifrig ihr Bienenbuch. Den ganzen Sommer verbringt Mia mit Bienchen, sie picknicken, schaukeln, spazieren und spielen miteinander. Bienchen wächst und wächst und ist bald größer als Mia.

Eines Tages wird Bienchens Sehnsucht nach natürlichen Blumenwiesen so groß, daß Mia mit Bienchen einen Ausflug macht. Sie verlassen auf Bienchens Flügeln die Stadt und tummeln sich ausgiebig in der Natur. Bienchen zeigt, welche Blumen sie am liebsten mag, und gemeinsam sammeln sie auf einer Wildblumenwiese ganz viele Samen ein.

Illustration von Alison Jay © Arena Verlag 2017

Am Abend fliegen sie zurück und verstreuen die Samen über die ganze Stadt. Ein paar Lieblingsblumensamen behält Mia noch für ihren Blumenkasten.

Im Herbst verabschiedet sich Bienchen, und Mia nimmt ihr das Versprechen ab, im nächsten Frühjahr wiederzukommen.

Den Winter über spielt Mia mit einem Nachbarsjungen, und sie bauen sogar eine Schneebiene anstelle eines Schneemannes.

Im Frühling beginnt die einst so blumenleere Stadt üppig über und über zu erblühen, und auch Bienchen kehrt zurück und tanzt mit den Kindern durch das Blumenwunder…

Im Anschluß an die märchenhafte Geschichte folgt eine Seite mit kurzen sachdienlichen Hinweisen zu Bienen und ihren bevorzugten Nektarpflanzen sowie mit Bienenwohl-fühltipps zu bienenfreundlicher Gartengestaltung mit Insektennistmöglichkeiten.

Die pastellbunten Illustrationen erzählen die Geschichte von Mia und ihrer Bienen-freundschaft durchaus auch ohne Worte, und die englische Originalausgabe verzichtet auf einen Text. Für die deutsche Ausgabe hat Erwin Grosche knappe Bildbegleittexte einfühlsam hinzuempfunden.

Die Bilder zeigen die Haupthandlung um Mia, Bienchen und Blümchen; doch dem aufmerksamen Betrachter werden die kleinen Nebenszenerien, die sich im Hintergrund durch die Einblicke in diverse Fenster der hohen Häuser ergeben, nicht entgehen. So strickt beispielsweise eine ältere Dame einen gelbbraunen Schal, der später dekorativ die Schneemannbiene ziert.

Bienchen ist sehr sympathisch mit ablesbarer Mimik und Körpersprache gezeichnet, was Kindern die Annäherung an diese Lebensform gewiß erleichtert. Zwar hat Bienchen eine eher pummelige Hummelfigur, indes wird das plüschige Aussehen ebenfalls dazu beitragen, die Scheu vor Bienen abzulegen.

Alison Jays  Bilderbuch „Mia und das Blumenwunder“ eignet sich gut, um Kindern spielerisch zu vermitteln, daß Bienen Bedürfnisse haben, die sogar Kinder schon aktiv erfüllen können – sofern sie wenigstens Zugriff auf einen Blumenkasten oder Garten haben.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.arena-verlag.de/artikel/mia-und-das-blumenwunder-978-3-401-71148-5

 

Die Illustratorin:

Außer der marginalen Information, daß Alison Jay das vorliegende Bilderbuch ihrer Mutter – „der besten Bienenfreundin der Welt“ – widmet,  gibt es auf der Arena Verlagswebseite keine biographisch-lebensläuflichen Hinweise zu ihr. Sie hat jedoch eine eigene Webseite: http://www.childrensillustrators.com/ajay/
Dort zeigt sich übrigens auch, daß die Biene tatsächlich eine bumble bee, also eine Hummel ist.

Der „Nachdichter“:

»Erwin Grosche (geb. 1955) lebt in Paderborn. Er isst gerne Kuchen und singt Kinderlieder. Er ist Schirmherr von UNICEF Paderborn, erhielt 2014 den Europäischen Nieheimer Katzenorden und sitzt seit 2015 im Beirat der Akademie für Erzählkunst. Er ist Botschafter der Stiftung Lesen und Schirmherr von „Mentor-Die Leselernhelfer.“ Seine Bücher wurden in vielen Ländern veröffentlicht. Jeden Tag geht er mit seinem Hund Milik spazieren und wenn er nach Hause kommt, hat er oft ein neues Kindergedicht geschrieben.«

 

Querverweis:

Ergänzend und weiterführend empfiehlt sich das ausgezeichnete Sachbilderbuch „Bienen“ von Piotr Socha.
Auf 36 Bildtafeln, die dank des großzügigen Folioformats auch viele Feinheiten sichtbar machen, werden das Leben der Bienen und ihre Bestäubungsrelevanz umfassend dargestellt. Die kurzen Textabschnitte bieten konzentriertes Fachwissen, das kindgerecht aufbereitet wird und in einem heiteren Plauderton vieles Wissens- und Bemerkenswerte rund um das Thema Bienen vermittelt.
Hier entlang zur Rezension: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/

Fliege, Falter, Honigbiene

  • Die Welt der Insekten
  • Sachbilderbuch
  • Text von Virginie Aladjidi
  • Illustrationen von Emmanuelle Tchoukriel
  • Originaltitel: »Inventaire illustré des insectes«
  • Aus dem Französischen von Cornelia Panzacchi
  • Gerstenberg Verlag   Juni 2016   www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 cm x 30,5 cm
  • 48 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A), 18,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5911-7
  • ab 5 Jahren

INSEKTENKUNDE  FÜR  KLEINE ENTDECKER

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das vorliegende Sachbilderbuch bietet einen übersichtlichen und anschaulichen Einstieg in ein Gebiet, das Millionen Lebewesen zählt, von denen längst noch nicht alle bestimmt und entdeckt wurden. Doch man darf – zumal als Kind – ruhig klein anfangen und sich zunächst mit den hier vorgestellten 65 Insektenarten vertraut machen.

Ein zweiseitiges Vorwort bietet eine kurze Einführung in den Körperbau und die Entwicklungsstadien der Insekten und führt in die Ordnung der Insektenarten ein. Auf den darauf folgenden 34 Farbtafeln sind die Insekten gruppenweise sortiert nach Käfern, Schmetterlingen, Zweiflüglern, Hautflüglern usw.

Illustration von Emmanuelle Tchoukriel © Gerstenberg Verlag 2016 ( KLEINER FUCHS )

Dieses Sachbilderbuch zeigt etwa Marienkäfer, Maikäfer, Haselnußbohrer, den Heiligen Pillendreher, Rosenkäfer, Goliathkäfer, Kartoffelkäfer (auch im Larvenkostüm), Hirschkäfer, Apollofalter, Monarchfalter, Admiral, Kaisermantel, Zitronenfalter, Aurorafalter, Atlasspinner, Stechmücke und Stubenfliege, Hornissenschwebfliege, Wespe, Honigbiene, Ameisen, Libellen, Wanzen, Schaben, Langfühlerschrecken …

 

Illustration von Emmanuelle Tchoukriel © Gerstenberg Verlag 2016 ( SIEBENPUNKT-MARIENKÄFER )

 

 

Die feinen, sehr detailreichen Abbildungen wurden von der Illustratorin Emmanuelle Tchoukriel mit Zeichenstift und Tusche gezeichnet und mit Aquarellfarben farbig-transparent ausgemalt. Jedes einzelne Insektenportrait wird durch einen kurzen Begleittext, der mit prägnanten Informationen aufwartet, ergänzt.

 

 

Illustration von Emmanuelle Tchoukriel © Gerstenberg Verlag 2016 ( FELD-SANDLAUFKÄFER )

So lernt man beispielsweise sehr einprägsam, wie man beim Gemeinen Ohrwurm die Männchen von Weibchen unterscheiden kann: Die Hinterleibszange ist beim Ohrwurm-Männchen leicht gekrümmt und beim Ohrwurm-Weibchen gerade. Na, da weiß man doch demnächst sogleich, woran man ist.

Die Illustrationen sind ebenso wissenschaftlich präzise wie wunderschön. Es gelingt ihnen hervorragend, den kindlichen und den erwachsenen Betrachter für die Formen, Farb– und Mustervielfalt der Insekten zu faszinieren. Und Faszination ist der erste Schritt, um das Fremdeln gegenüber Insekten auf ein natürliches Maß zu bringen und als menschliches Wesen Achtung und Respekt für die kleinen Krabbler, Hüpfer und Flieger zu entwickeln.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959117&highlight=fliege+falter+honigbiene

 

Die Illustratorin:

»Emmanuelle Tchoukriel lebt und arbeitet als freie Illustratorin in Paris. Sie hat an der Estienne in Paris ihr Diplom in Illustration gemacht und sich auf medizinische und wissenschaftliche Zeichnungen spezialisiert.«

Die Autorin:

»Virginie Aladjidi hat zunächst als Journalistin gearbeitet und sich dann dem Schreiben von Kinderbüchern zugewandt. Rund 50 Bücher sind von ihr bereits erschienen. Ihre sechs Kinder haben sie jeweils als Erste getestet.«

 

In ähnlicher Ausstattung gibt es beim Gerstenberg Verlag außer der Welt der Insekten noch weitere Bücher zu entdecken, die sich folgenden Themen widmen:

Birke, Buche, Baobab
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836957489

Käfer, Katze, Krokodil
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836953283

Kiwi, Kürbis, Kokosnus
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836953641

Lavendel, Lilie, Löwenzahn
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959490

Riesen, Zwerge, Schwergewichte
Über 100 Naturrekorde
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836958684

Tupfst du noch die Tränen ab?

  • Pappbilderbuch
  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag   Februar 2017  www.moritzverlag.de
  • Format: 17 x 17
  • 22 Seiten
  • 8,95 € (D), 9,20 € (A)
  • ISBN 978-3-89656-340-7
  • ab 2 Jahren

ERSTE  HILFE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das dritte interaktive Hasenkind-Bilderbuch von Jörg Mühle inszeniert, wie seine Vorgänger, eine familiäre Alltagssituation, mit der sich kleine Kinder sofort identifizieren können.

Das Hasenkind hat sich beim Hinfallen wehgetan und schaut weinend aus der Bilderbuchseite heraus. Was wir da tun können? Na, dreimal pusten, was denn sonst?

Gesagt getan! Doch das Hasenkind braucht noch etwas mehr, denn die kleine Wunde blutet. Also kleben wir ein lustiges Pflaster auf.

Nach einem kurzen, gereimten Heilungsspruch, einer liebevollen Streicheleinheit und etwas Dreck abklopfen können wir dem Hasenkind das Näschen putzen und sehen, wie es wieder putzmunter und gutgelaunt herumhüpft.

Das Besondere an dieser Geschichtengestaltung ist, daß das Kind wortwörtlich eingeladen wird, etwas für das Hasenkind zu tun. Und wenn das Kind auf der jeweiligen Bilderbuchseite gepustet, bepflastert, gestreichelt, geklopft usw. hat, dann sieht es auf der Folgeseite die Wirkung, seines Tuns auf das gezeichnete Hasenkind. So übt es „papieruell“ das Trösten.

Die lustigen und im Gefühlsausdruck sehr deutlichen Zeichnungen, die in einfachen, warmen Worten erzählte Handlung und die Aufforderungen zum Mitmachen lassen Kinder spielerisch erkennen, daß sie nicht nur selber manchmal Trost brauchen, sondern auch Trost spenden können.

Nach ein paar Vorlesedurchgängen mit diesem Mitspielbilderbuch können Kinder auch gut ganz alleine mit dem Hasenkind spielen …

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Neuerscheinungen/Tupfst-du-noch-die-Traenen-ab.html

 

Der Erste Band dieser erfolgreichen Reihe handelt von Einschlafritualen und heißt:
Nur noch kurz die Ohren kraulen
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Pappbilderbuecher/Nur-noch-kurz-die-Ohren-kraulen.html

Und im zweiten Band geht es ums Baden: Badetag für Hasenkind
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Pappbilderbuecher/Badetag-fuer-Hasenkind.html

 


Hasenkind und ich sind übrigens schon gespannt, wie die Reihe weiterhüpfen wird.

Der Autor & Illustrator:

«Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor. Er hat eine Tochter im besten Bilderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag.»

 

 

Magnus und der Nachtlöwe

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sanne Dufft
  • Verlag Urachhaus  März 2017  www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Format: 21 x 23,5 cm
  • 13,90 € (D), 14,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5113-3
  • ab 4 Jahren

LÖWE  UND  SCHWERT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Manchmal können symbolische Requisiten Kindern dabei helfen, der Angst mit Mut zu begegnen.

Der kleine Magnus hat einen Hut und ein Schwert, und tagsüber fühlt er sich damit groß und mutig, ja, während seiner Ritterspiele, sogar übermütig. Doch ein nächtlicher Albtraum, in dem ihm im dunklen Wald ein übergroßer Räuber sein Schwert und seinen Hut stehlen will, dämpft seine ritterliche Verwegenheit beträchtlich. Mamas liebevolle Umarmung und ihre beruhigenden Worte spenden Magnus Trost, dennoch ist er ziemlich verzagt.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Am nächsten Tag schenkt ihm seine Großmutter einen Stofftierlöwen und sagt: „Weißt du, manchmal braucht man einen Löwen. Besonders wenn es dunkel ist.“ Magnus freut sich über dieses Überraschungsgeschenk und spielt den ganzen Tag mit dem kleinen Stofftier.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Abends kuschelt er sich mit seinem Löwen ins Bett, und als die Angst vor dunklen nächtlichen Gestalten wiederkommt, ist Magnus nicht mehr alleine, und sein Löwe ist so groß geworden, daß er auf ihm reiten kann. Gemeinsam stellen sie sich der Gefahr und schlagen den Räuber in die Flucht.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Hut und Schwert haben nicht ausgedient, aber der Löwe steckt Magnus am stärksten mit Mut an, und selbst die Dunkelheit schreckt ihn nun nicht mehr.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Die einfühlsamen Illustrationen und die einfachen, kurzen Begleittexte von Sanne Dufft inszenieren die Handlung und die Gefühlsregungen auf alltäglich anschauliche Weise und bieten Kindern breiten Identifikationsspielraum.

Angst vor der Nacht, vor Dunkelheit und vor phantasierten, bedrohlichen Figuren kennt wohl fast jedes Kind. Mit diesem Bilderbuch können Kinder dazu angeregt werden, die Richtung ihrer Vorstellungskraft zu beeinflussen. Sie können von beängstigenden Vorstellungen zu ermutigenden Vorstellungen wechseln. Wenn es dazu der Unterstützung durch ein „magisches“ Stofftier bedarf, so läßt sich dies leicht herbeizaubern.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825151133/magnus-und-der-nachtloewe

 

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Sanne Dufft, geboren 1974, absolvierte in Glencraig, Nordirland, eine Ausbildung zur Heilpädagogin. Anschließend studierte sie Diplom-Kunsttherapie in Nürtingen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Tübingen. Ihr Debüt Der Sandelefant wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.«

Querverweis:

Hier geht es zu Sanne Duffts erstem Bilderbuch „Der Sandelefant“, in dem die Macht der Phantasie ebenfalls eine tragende Rolle spielt:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/26/der-sandelefant/

Was ist das?

  • Ein Spiel- und Ratebuch
  • Antje Damm
  • Pappbilderbuch
  • Gerstenberg Verlag  4. Auflage Januar 2017  http://www.gerstenberg-verlag.de
  • 48 Seiten
  • Format: 15 x 15 cm
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 13,30 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5231-6
  • ab 2 Jahren

W A N D E L B A R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Auf der ersten Seite sehen wir zwei schlanke Möhrchen; drehen wir die Seite um, sehen wir einen in Kreide hinzugezeichneten Hasen, und die Möhrchen sind jetzt seine Öhrchen.

So geht es von Seite zu Seite, von Verwandlung zu Verwandlung. Die Überraschung gelingt gänzlich ohne Worte und ist dabei eine amüsante Schule des Sehens.

Bildgestalterische Mischtechniken sind Antje Damms Spezialität. Sie kombiniert und arrangiert alltägliche Gegenstände mit ergänzenden Zeichnungen, diversen Bastel- und Naturmaterialien und verwandelt solcherart einen Gartenschlauch in eine Schlange,  eine grüne Wäscheklammer in ein Krokodil, ein Brötchen in eine Schildkröte, eine Gemüsebürste in einen Igel, bunte Bonbons in Käfer, ein Wollknäuel in ein Schaf usw.

Illustration Antje Damm © Gerstenberg Verlag 2017

Illustration Antje Damm © Gerstenberg Verlag 2017

Kinder werden mit diesem Bilderbuch dazu angeregt, neugierig mitzuraten, Dinge neu, anders und in ungewohnten Verbindungen zu erkennen sowie das verborgene „Leben“ einer Form oder Struktur spielerisch weiterzudenken. Vielleicht bekommen sie sogar Lust, selber solche Bilderrätsel herzustellen.

Dank der übersichtlichen Darstellungsweise, der dicken Pappseiten und dem handlichen Format ist „Was ist das?“ ein Bilderbuch, mit dem schon kleine Kinder ab zwei Jahren vergnüglich die inszenierten Verwandlungen betrachten und „beraten“ können.

Ich will bloß hoffen, daß sich meine Zahnbürste gleich nicht in einen Tausendfüßler verwandelt – indes, Sie merken jetzt schon, daß die Beschäftigung mit solchen Büchern nicht nur bei Kindern ganz schön die Phantasie anregt …

 

Querverweis:

Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich!
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/

 

Die Autorin:

«Antje Damm wurde in Wiesbaden geboren. Sie studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt heute mit ihrer Familie, ihrem Mann und vier Kindern, in der  Nähe von Gießen. Nach den Geburten ihrer ersten beiden Töchter begann sie mit dem Schreiben und Zeichnen von Bilderbüchern und ist damit außerordentlich erfolgreich.«

Ramas Flucht

  • Bilderbuch
  • Bilder von Nizar Ali Badr
  • Text von Margriet Ruurs
  • Arabischer Text von Falah Raheem
  • Originaltitel »Stepping Stones. A Refugee Family’s Journey«
  • Aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günter
  • Deutsch-arabische Ausgabe
  • Gerstenberg Verlag  Januar 2017    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 18,5 x 24 cm
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • ISBN 978-3-8369-5973-5
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ab 4 Jahren

DIE  STIMMEN  DER  STEINE

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

„Ramas Flucht“ ist ein Bilderbuch, das Steine sprechen läßt, den Horizont weitet, das Herz öffnet.

Der syrische Bildhauer Nizar Ali Badr hat für die Geschichte von Ramas Flucht Steincollagen gelegt, deren tiefe, elementare  Ausdruckskraft überrascht und beein-druckt. Seine Bildkompositionen aus einfachen Kieselsteinen sind erstaunlich beredt.
Die menschlichen Figuren strahlen durch ihre steinerne Körpersprache sehr differenziert bewegte und bewegende Gefühle aus, und an manchen Stellen bringt Nizar Ali Badr sogar Steine zum Blühen.

Rama erzählt vom glücklichen Lebensalltag ihrer Familie, der Vater arbeitet auf dem Feld, der Großvater geht fischen und erzählt abends unter dem häuslichen Orangenbaum von den Ahnen, die Mutter näht und kocht, die Kinder spielen fröhlich miteinander, man kauft auf dem Markt ein, und man trinkt gelegentlich Tee mit den Nachbarn und plaudert.

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Dann kommt der Krieg, Bomben fallen, Lebensmittel werden knapp, die ersten Nachbarn verlassen das Dorf, die Abschiede und Verluste häufen sich, die Angst wächst, und schließlich flieht auch Ramas Familie vor Gewalt und Unfreiheit.

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Die Mühsalen, Gefahren und Schmerzen der Flucht zu Land und zu Meer werden beschrieben, aber auch die Hoffnung auf ein anderes Leben an einem Ort, an dem Frieden herrscht. Ramas Familie findet ein neues Zuhause und Menschen, die ihnen helfen …

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Die Autorin Margriet Ruurs hat für Ramas Geschichte einen feinen, leise-eindringlichen, poetischen und zugleich präzisen Tonfall gefunden, der wunderbar mit der empfindsamen Kraft der Steinbilder harmoniert. Der Text erscheint zudem zweisprachig auf Deutsch und Arabisch.

Dieses außergewöhnliche Bilderbuch wird dem Anspruch gerecht, den es mit dem vorangestellten Zitat von Albert Einstein erhebt:

„Frieden kann nicht durch Gewalt erhalten werden.
Er kann nur durch Verständnis erreicht werden.“

„Ramas Flucht“ eignet sich hervorragend, um Kindern das Thema Flucht begreifbar und verständlich zu machen. Die Stein-Collagen sind anrührend und ergreifend, aber nicht abschreckend wie beispielsweise Nachrichtenfotos. Außerdem ist diese Art der Bildgestaltung auch eine kreative Anregung für den Kunstunterricht und/oder für therapeutische Ausdrucksformen – insbesondere für Kinder, die selbst Fluchterfahrungen hinter sich haben.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959735&highlight=ramas+flucht

 

PS:
Die außergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Nizar Ali Badr und Margriet Ruurs ist ein schönes Beispiel für die Überwindung von Grenzen. Margriet Ruurs entdeckte die kunstvollen Steinbilder Nizar Ali Badrs im Internet und wollte eine Geschichte dazu schreiben. Sie bemühte sich geduldig um Kontakt. Nach einigen Umwegen und vermittels eines englischsprachigen Freundes des syrischen Künstlers konnte dieses Buchprojekt schließlich verwirklicht werden.

PPS:
Auf Karins Sternschnuppen-Blog finden sich drei kurze, sehenswerte YouTube-Filme über die Arbeiten von Nizar Ali Badr:
https://11sternschnuppe11.wordpress.com/2017/07/25/pictures-of-the-east/

PPPS:
Gerne reihe ich auch diese Bilderbuchbesprechung in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein:
https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Der Illustrator:

»Nizar Ali Badr, geboren 1964 in Latakia, Syrien, lebt auch heute noch in der syrischen Hafenstadt. Er ist Künstler und Bildhauer. Badr sammelt Steine in der näheren Umgebung, aus denen er im Atelier auf dem Dach seines Hauses eindrucksvolle Kunstwerke schafft.«

Die Autorin:

»Margriet Ruurs, geboren 1952 in den Niederlanden, lebt schon lange in Kanada. Sie schreibt Gedichte, Bilder-, Sach- und Schulbücher. Heute wohnt sie auf Saltspring Island, einer kleinen Insel im Pazifik, wo sie ein Bed & Breakfast für Buchliebhaber betreibt.«