BRAVER HUND! FRECHE KATZE!

  • Gedichte über das Wesen der Tiere
  • Text von Bette Westera
  • Illustrationen von Mies van Hout
  • Originaltitel: »BRAVE HOND! STOUT KAT!«
  • Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
  • aracari Verlag, Frühjahr 2022 www.aracari.ch
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Querformat: 23,6 x 30 cm
  • 40 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 14,00 € (D), 14,50 € (A), 18,00 sFr.
  • ISBN 978-3-907114-23-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Braver Hund! Freche Katze! Titelbild

K O N T R A S T P R O G R A M M

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Bilderbuch inszeniert gekonnt die Spannung zwischen Gegensätzen. Kontrast-paare wie beispielsweise langsam-schnell, vorsichtig-sorglos, reinlich-schmutzig, gehor-sam-bockig, unfreundlich-freundlich, prächtig-unscheinbar, häuslich-reiselustig usw. werden durch Tierpaare dargestellt.

So dient eine Schildkröte der Darstellung von Langsamkeit und ein Gepard zeigt Schnelligkeit. Eine Spinne ist geduldig und eine Fliege ruhelos, eine Katze ist frech und ein Hund brav, eine Grille ist laut und eine Assel ist still, ein Dreifingerfaultier ist bedächtig und eine Ameise ist geschäftig …

Braver Hund! Freche Katze Schildkröte und Gepard

Illustration von Mies van Hout, Text von Bette Westera © aracari Verlag 2022

Die bunten Illustrationen von Mies van Hout geben den verschiedenen Tieren auf witzig-charakteristische und gegebenenfalls dynamische oder statische Art körpersprachlichen und mimischen Ausdruck.

Bette Westera läßt jedes Tier mit einer gereimten Selbstbeschreibung zu Wort kommen. Die oft zwei- bis vierstrophigen, meist vierzeiligen und gelegentlich zudem lebhaft laut-malerischen Verse verleihen den Tierstimmen Rhythmus und Schwung. So äußert sich etwa die bockige Ziege im lebhaften Kontrast zum gehorsamen Schaf:

»Der Stall? Da geh ich doch nicht rein!
Stattdessen steig ich oben drauf.
Das bisschen Klettern nehme ich
für die Aussicht gern in Kauf.

Das Futter? Nein, das fress ich nicht.
Es schmeckt nach alten Socken.
Lieber geh ich in den Garten,
wo die Karotten locken.«

Obwohl in diesem Bilderbuch Tiere bestimmte Eigenschaften verkörpern, ist es nahe-liegend, diese Eigenschaften auch auf den bereits Kindern geläufigen zwischenmensch-lichen Bezugsrahmen auszudehnen. Ich bin mir sicher, daß Kindern bei der Betrachtung der Bilder und beim Vorlesen der Verse die eine oder andere Person einfällt, auf welche die tierische Selbstbeschreibung annähernd zutrifft.

Dieses Bilderbuch bietet eine amüsant-animierende Gesprächsbasis, um über gegen-sätzliche Wesensmerkmale und ihre Bedeutung zu reflektieren.

 

Hier entlang zum Buch und zur Betrachtungsprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.aracari.ch/page/de/buecher/detail?id=301

 

Die Autorin:

»Bette Westera wurde 1958 in Velp, Niederlanden, geboren. Sie studierte Pädagogik, wechselte dann aber zu Psychologie über und arbeitete 12 Jahre lang (von 1991 bis 2003) an einem sozialen Projekt in Stoutenburg.
Schon als Kind dachte sie sich fantasievolle Geschichten aus und schrieb sie auf. Sie liebt es, mit der Sprache zu spielen. 1999 debütierte sie mit ihrem ersten Kinderbuch «Wil je met me trouwen?» («Willst du mich heiraten?»). Seitdem hat sie mehr als 30 Kinder- und Bilderbücher veröffentlicht, diverse davon mit Gedichten.
Ihre Bücher wurden in zehn Sprachen übersetzt und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Ihr bekanntestes Werk ist «Doodgewoon» («Überall und nirgends»), das 2015 den «Goldenen Griffel» erhielt. «Was de aarde vroeger plat?» wurde 2018 mit der Flämischen »Gouden Poeziemedaille» und dem «Silbernen Griffel» ausgezeichnet.
Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit komponiert Bette Westera zusammen mit ihrem Mann Diederik van Essel Kinderlieder und übersetzt zudem Bilderbücher und Lyrik aus dem Englischen, Französischen, Dänischen, Deutschen und Norwegischen ins Niederländische. Bette Westera lebt in Amersfoort.«

Die Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 geboren und studierte an der Kunstakademie in Groningen Grafikdesign. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin und hat seitdem viele Bilderbücher illustriert. Ihr Buch »Brave Ben« wurde mit dem niederländischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet.«

 

Querverweis:

Gerne weise ich nachfolgend auch auf Bette Westeras Buch „Überall und nirgends – Gedichte über Tod und Trauer“ hin.
„Bette Westera wagt es, sich einen Reim auf den Tod zu machen. Ihre Gedichte über Tod und Trauer formulieren viele Gefühlsfacetten. Sie öffnen das Herz und bringen Tränen zum Fließen. Die einfühlsamen, ebenso tief ernsthaften wie zuweilen auch sanft schmunzlerischen Gedichte „sprechen“, wo sonst oft Schweigen herrscht.“
Hier entlang zu meiner vollständigen Rezension:
Überall und nirgends

 

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Wär ich doch …

  • Text und Illustrationen von Mies van Hout
  • Originaltitel: »Was ik maar …«
  • Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
  • aracari Verlag, Frühjahr 2021 www.aracari.ch
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24 x 29 cm
  • 32 Seiten
  • durchgehend vierfarbig
  • 14,00 € (D), 14,50 € (A), 18,00 sFr.
  • ISBN 978-3-907114-17-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Wär ich doch

JEMAND  ANDERES  SEIN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es kommt nicht selten vor, daß wir selbstverständlich vorhandene Fähigkeiten und Gegebenheiten nicht in der ihnen gebührenden Wertigkeit wahrnehmen und statt- dessen sehnsüchtig bis neidvoll auf die Talente schauen, die anderen mitgegeben sind.

So denkt das Kind in diesem Bilderbuch, es wäre lieber ein Schmetterling, weil es dann überall hinfliegen könne. Der bunte Schmetterling wäre dagegen lieber ein gutgetarnter Wandelnder Ast, und dieser wiederum beneidet den Kreiselkäfer, der einfach übers Wasser tanzen kann. Der Kreiselkäfer glaubt, wenn er leuchten könne wie ein Glüh- würmchen, dann verginge seine Angst vor der Dunkelheit, und das Glühwürmchen wiederum sehnt sich nach der Gemeinschaftlichkeit der Bienen.

Wär ich doch - Glühwürmchen, Bienen

Text und Illustration von Mies van Hout © aracari Verlag 2021

So zieht sich der Wunsch nach vermeintlichen Fähigkeitsvorteilen weiter von Spinne zu Marienkäfer, zu Ameise, zu Gehäuseschnecke, zu Grille und zu Libelle. Mit der Libelle schließt sich der Kreis, denn die Libelle wäre gerne ein Kind und meint: »Dann könnte ich rennen, lachen, springen, mich verstecken, zählen, bauen … und noch viel mehr.«

Für jede Doppelseite hat Mies van Hout ein farbenfrohes Naturbühnenbild gestaltet, auf dem immer ein Tier mit zwei prägnanten Aussagesätzen zu Wort kommt. Auf der letzten Doppelseite tummeln sich viele spielende Kinder, und alle Tiere, die zuvor ihren Auftritt hatten, sind mehr oder weniger offensichtlich ebenfalls dabei.

Mit diesem Bilderbuch läßt sich sehr anschaulich vermitteln, daß jedes Wesen über ganz spezielle und artgemäß passende Eigenschaften und Fähigkeiten verfügt und dennoch meinen kann, ihm fehle noch eine fremde Gabe zum Lebensglück. Die kommunikative Überleitung zu Fähigkeiten, die nun dem eigenen Kinde attraktiv erscheinen, liegt nahe und wird gewiß interessante Kinderwünsche ans Licht bringen.

Dabei können neben unerreichbar märchenhaften Eigenschaften wie z.B. Unsichtbarkeit auch durchaus Fähigkeiten erwünscht sein, die kurz- oder langfristig erlernt und geübt werden können.

Außerdem kann man gemeinsam mit dem Kind auch aufmerksam aufzählen, was es schon alles kann. Auch wenn dies zunächst sehr alltäglich erscheint, dient es doch der spielerischen Bewußtseinsbildung für das Guthaben im Ausgleich zum vermeintlichen Defizit. Denn die Wunschliste der Libelle enthält ja gerade solche ganz alltäglichen kindlichen Fähigkeiten wie rennen, lachen, springen, sich verstecken … 

Ebenso spannend ist die Frage, wie der Wunsch nach einer bestimmten Fähigkeit mit der Persönlichkeit des Kindes korrespondiert. Was ist mir zueigen? Was fällt mir leicht und was fällt mir schwer? Was habe ich noch nicht ausprobiert? Und von welcher Gabe möchte ich weiterträumen, auch wenn sie nur ein Luftschloß bleibt?

„Wär ich doch…“ ist ein Bilderbuch, das zu lebhafter kommunikativer Interaktion und zu spielerischer kindlicher Selbsterkenntnis einlädt.

Hier entlang zum Buch und zur Betrachtungsprobe auf der Verlagswebseite: https://www.aracari.ch/page/de/buecher/detail?id=295

Die Autorin & Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 geboren und studierte an der Kunstakademie in Groningen Grafikdesign. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin und hat seitdem viele Bilderbücher illustriert. Ihr Buch »Brave Ben« wurde mit dem niederländischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet.«
Anregungen und Zeichen-Workshops zum Buch finden Sie unter: https://www.miesvanhout.nl/de

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Borst vom Forst will hoch hinaus

  • Text von Yvonne Hergane
  • Illustrationen von Wiebke Rauers
  • Magellan Verlag, Januar 2021 http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 30,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2049-6
  • Bilderbuch ab vier Jahren

Borst vom Forst will hoch hinaus

L U F T S P R U N G S C H W U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Borst vom Forst ist schon seit seinem ersten Abenteuerchen (siehe meine Besprechung https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/28/borst-vom-forst/) als ebenso empfindsam-verträumter wie entdeckungsfreudiger kleiner Frischling waldbekannt.

Diesmal sorgt er sich um ein Ei, das im Moos gelandet ist. Während er gemeinsam mit der Seemöwe und der Robbe Merilyn (eine Bekanntschaft aus dem ersten Band) auf- zählt, welche Tiere Eier legen, schlüpft das Küken aus dem Ei. Es hat einen gekrümmten Schnabel, was Anlaß zu der Vermutung gibt, daß es aus dem sich in luftiger Baumhöhe befindlichen Adlernest gefallen ist.

Kein Frage, daß Borst vom Forst – das Küken auf der Nase balancierend – versucht, mit Hilfe von Merilyns Robbenleiter den Baumstamm zu erklettern. Doch dies funktioniert nicht und endet mit einer Po-Landung im Polstermoos.

Merlilyn regt an, einen herumliegenden Baumstamm auf einen Felsbrocken zu legen und ihn so als Wippkatapult zu benutzen. Borst von Forst nimmt mit dem Küken an dem einen Ende Platz, und am anderen Ende springen die Robbe, die Seemöwe und eine Ameise auf. Der damit erzeugte Schwung ist noch zu schwach, doch da naht hilfreich Borstens Wildschweinmama und verpaßt dem Stamm den ausreichenden Luftsprung- schwung.

Borst saust und braust durch die Luft und plumpst in das Adlernest. Der Adlerpapa freut sich über das zurückgekehrte „alleradlerschönste Kind“, bedankt sich und erklärt Borst, daß sein Nest Horst heißt, was bei Borst für einige Verwirrung sorgt.

Der Rückweg vom Adlerhorst erfolgt wieder auf dem Luftweg. Denn Borst wollte ja schon immer gerne einmal fliegen, und er hat während des Gesprächs mit dem Adler schlicht vergessen, daß er gar keine Flügel hat. Der unvermeidliche Absturz wird vom mitfühlenden Wind durch ein Luftpolster etwas abgefedert und von der flott zupackenden Seemöwe abgefangen, und dank der buchstäblichen Bauchlandung auf dem Bauch der Robbe, die wiederum auf dem Bauch von Borstens Mama liegt, landet Borst sanft und sicher auf der Erde.

Die Illustrationen von Wiebke Rauers  untermalen „Borst vom Forst will hoch hinaus“ warmherzig, witzig und ausdrucksvoll und statten die Charaktere mit sympathischen Gesichtern und lebhafter Mimik aus.

Die Autorin erzählt diese Geschichte in einer lautmalerischen Prosa, die gelegentlich in einfache Reime übergeht, die jedoch zu keinem angemessenen flüssigen Versrhythmus finden. Die sperrige Metrik der Verse  und die partiellen, etwas erzwungenen Reime erleichtern den Vorlesefluß leider nicht. Der Text ist gleichwohl vergnüglich, inhaltlich leicht zugänglich und kreativ-wortverspielt.

Diese Fortsetzungsgeschichte von Borst vom Forst erreicht meiner Ansicht nach nicht die gehaltvolle inhaltliche und sprachmelodische Qualität des ersten Bandes, taugt aber durchaus als luftig-leichte Kinderunterhaltung.

Eine Nachhilfestunde bei Goethen wäre hier – mit Verlaub – von Nöten.
Ein vielsagendes Beispiel aus Faust II:

»Und auf vorgeschriebenen Bahnen
Zieht die Menge durch die Flur;
Den aufgerollten Lügenfahnen
Folgen alle. – Schafsnatur!«

Beiläufig ein Zitat, daß sich trefflich auf die gegenwärtige „Diskussionskultur“ anwenden läßt.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/titel/borst-vom-forst-will-hoch-hinaus/538

Hier entlang zum borstigen Vorgängerband:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/28/borst-vom-forst/

Die Autorin:

»Yvonne Hergane, geboren 1968, studierte Germanistik, Anglistik und Buchwissenschaft in Augsburg und München. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sie als freie Autorin und literarische Übersetzerin, wobei ihre besondere Liebe dem Bilderbuch gehört – das Spiel mit Worten, Lauten und Reimen ist ihre Art, Musik zu machen. Einer mehr war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Nach mehreren kleinen und großen Sprüngen durch die Geografie lebt Yvonne Hergane derzeit mit ihrer Familie nahe der Nordsee.«

Die Illustratorin:

»Wiebke Rauers, geboren 1986, studierte Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration in Düsseldorf. Nach ihrem Diplom zog sie nach Berlin und arbeitete dort fünf Jahre als Charakterdesignerin in einem Animationsfilmstudio. 2015 machte sie sich als Illustratorin selbstständig. Seitdem arbeitet sie hauptsächlich an Büchern, Magazinen und Charakterdesigns.«

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Bei dir

  • Text und Illustrationen von Milja Praagman
  • Originaltitel: »Bij jou«
  • Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
  • Verlag Freies Geistesleben, August 2021 www.geistesleben.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28,6 x 24,3 cm
  • 32 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,59 € (A)
  • ISBN 978-3-7725-2915-3
  • Bilderbuch ab 3 JahrenBei dir Titelbild

S E H N S U C H T S W E G E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein Bär und ein Maulwurf schlafen aneinandergeschmiegt in ihrer gemeinsamen Winter-höhle. Doch der Bär wird plötzlich ganz munter und verläßt die Höhle, um die schönen Bilder, die er im Traum gesehen hat, draußen zu suchen.

Er trifft eine Biene und erzählt ihr von der Schönheit seines Traumes. Die Biene weist den Bären auf eine schöne Blume hin, aber die ist zu klein, und auch der Hinweis auf den großen Wald paßt nicht zum gesuchten Traumbild. Da führt die Biene den Bären auf eine große, bunte Frühlingsblumenwiese, und diese Szenerie entspricht nun endlich dem Traumbild des Bären.

Genüßlich und zufrieden legt sich der Bär auf die Wiese. Der Sommer kommt und bringt dem Bären Sommerküsse von der Biene, der Herbst folgt mit buntem Blätterreigen, und da verspürt der Bär nun ein neues Sehnsuchtskribbeln, und er erkennt, daß er den Maulwurf vermißt. Also macht er sich begleitet, von den ersten Schneeflocken, auf den Rückweg zur Winterhöhle.

Bei dir Weg zurück

Illustration von Milja Praagman © Verlag Freies Geistesleben 2021

Freudig wird der Bär vom Maulwurf begrüßt und in der vom Maulwurf inzwischen eigens vergrößerten Höhle willkommen geheißen, denn die Träume des Bären sollen auch Platz in der Höhle finden.

Nach dem  gemeinsamen Winterschlaf führt der Bär den Maulwurf zur Frühlingswiese.  Der Maulwurf findet die Wiese traumhaft, und der Bär gesteht, daß er am liebsten bei und mit dem Maulwurf träume.

Bei dir Frühlingsblumenwiese

Illustration von Milja Praagman © Verlag Freies Geistesleben 2021

Dieses Bilderbuch umkreist anschaulich die Jahreszeiten. Zeichnerisch drückt sich dies in einer der jeweiligen Jahreszeit entsprechenden bota- nischen Kulisse und Farbgebung aus, und auch das Bärenfell ist mit den passenden Blättern und Blüten geschmückt. Das Thema Freundschaft und die Spannung zwischen der Liebe zum Vertrauten und der Sehnsucht nach Neuem spielen ebenfalls mit.

Der Erzähltext ist einfach und zurückhaltend und besteht hauptsächlich aus den kurzen Dialogen zwischen Bär, Maulwurf und Biene. Die farbenfrohen Bilder sind wesentlich sprechender und laden spielerisch dazu ein, den sparsamen Text  mit eigenen Beobachtungen und Detailentdeckungen zu ergänzen.

„Bei dir“ wartet mit einer zärtlichen Grundstimmung und heiteren Illu- strationen auf, die es kleinen Kindern leicht machen, der Bärensehnsucht, den vier Jahreszeiten und den freundschaftlich geteilten Freuden anteil- nehmend zu folgen.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/Bei-dir.html

Die Autorin & Illustratorin:

»Milja Praagman wuchs in einem alten Haus auf einem Deich in den Niederlanden mit vielen Tieren und noch mehr Platz um sich herum auf. Sie studierte Grafikdesign an der Academy of Visual Arts in Breda, arbeitete anfangs für Zeitungen und Zeitschriften und später auch fürs Fernsehen. Nach einigen Arbeiten für andere Autorinnen und Autoren begann sie selbst, Geschichten zu ersinnen. Eine dieser Geschichten war ihr erstes Bilderbuch „Meneer Po“. Seither ist sie zum Glück nicht mehr zu stoppen und hat schon zahlreiche wunderbare Bücher veröffentlicht, in denen stets die Liebe zur Natur, den Tieren und eine Prise Humor zu finden ist.« www.miljapraagman.nl

Die Übersetzerin:

»Eva Schweikart absolvierte eine Übersetzerausbildung und arbeitete zunächst etliche Jahre im Lektorat eines Verlages, bevor sie sich 1997 als Literaturübersetzerin aus dem Nieder- ländischen und Englischen selbstständig machte. Seither hat sie über 100 Bücher aus den Bereichen Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur sowie Sachbuch übersetzt. 2010 war sie mit „Chatroom-Falle“ (Loewe-Verlag) zum Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, für ihre Über- setzung von „Emilia und der Junge aus dem Meer“ (Thienemann Verlag) erhielt sie 2019 den Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis. Eva Schweikart lebt in Hannover.« https://eva-schweikart.de/

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Der Hase ohne Nase

  • Text von Annabel Lammers
  • Illustrationen von Hanneke Siemensma
  • BOHEM Press GmbH, Februar 2021 www.bohem-verlag.de
  • in Halbleinen gebunden
  • Fadenheftung
  • 36 Seiten
  • Format: 22 x 28 cm
  • 19,95 € (D), 20,60 € (A), 27,50 sFr.
  • ISBN 978-3-95939-088-0
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Hase ohne Nase

ANGENOMMEN  WERDEN

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Ein kleiner Stofftierhase ohne Nase spaziert freudig durch die Natur und trifft auf einen Igel, der ihn kritisch beäugt und ein wenig abfällig bemerkt, er sei kein gewöhnlicher Hase.  Auch einige Eichhörnchen lachen den Hasen aus luftiger Höhe herab aus.

An seinem Lieblingssee betrachtet der Hase sein Spiegelbild im Wasserspiegel und erkennt nun selbst, daß ihm die Nase fehlt. Nun fühlt er sich unvollständig und befangen, und vor lauter Beschämung möchte er am liebsten von niemandem mehr gesehen werden. Auch seine Suche nach möglichen Ersatznasen funktioniert nicht.

Der Hase ohne Nase Scham

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

So verläßt er den Wald, hadert mit seinem angeblichen Mangel und strandet auf einer Wiese in einem Park. Er legt sich auf diese Wiese ins Sonnenlicht, lauscht dem Vogel-gezwitscher, löst sich von seinen Grübeleien und empfindet wohlige Entspannung. 

Dort findet ihn ein kleines Mädchen und ist ganz entzückt vom kleinen Hasen. Sie nimmt ihn in ihre „nach Gänseblümchen duftenden“ Arme und trägt in ihr Zuhause. Der Hase wird gebadet und getrocknet und liebevoll betrachtet.

Der Hase ohne Nase Wäscheleine

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

Die Mutter des Mädchens bietet an, dem Hasen einen Knopf als Nase anzunähen. Sie sortieren sogar gemeinsam die Knopfkiste, doch das Mädchen kann sich für keinen Knopf entscheiden und bleibt dabei, daß ihr dieser Hase, so wie er sei, genüge und sie ihn liebhabe. Auch der Hase denkt nicht mehr an seine fehlende Nase und ist glücklich und zufrieden.

Eines Morgens springt dem Mädchen beim eiligen Anziehen ein rosa Knopf vom Mantel, und da ist es für alle ganz offensichtlich: Dies ist die richtige Nase für den Hasen! So bekommt der Hase ohne Nase seine erste Knopfnase. Und mit jedem neuen Mantel, den das größer werdende Mädchen bekommt, erhält auch der Hase wieder und wieder eine neue Nase.

Diese Geschichte wird von Annabel Lammers mit leichten Worten erzählt, die gleichwohl die unterschiedlichen Gefühle und Gedanken des kleinen Hasen mit einfühlsamer Unmittelbarkeit ausdrücken. Der Illustratorin Hanneke Siemensma genügen wenige Buntstiftstriche, um die Offenheit, Verletzlichkeit, Scham, Befangenheit, Einsamkeit und die Freude über das bedingungslose An- und Aufgenommensein des Hasen darzustellen. Die kindliche Anmutung der Hasenzeichnung kommt der kindlichen Identifikation mit der Figur des Hasen sehr entgegen.

Der Hase ohne Nase umarmt

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

Die Bilderbuchnaturkulisse wurde mit unterschiedlichen Maltechniken ausgeführt. Aus der Komposition echter Pflanzendrucke, Kreide-, Kohle- und Buntstiftzeichnungen ergeben sich feine, dezent bunte bis schattige Szenerien, die mit der leisen Erzählweise gut harmonieren.

Wer wegen einer Abweichung von der körperlichen Norm soziale Ab- lehnung erfährt, hat zunächst – zumal als kleines Kind – nicht unbedingt die selbstbewußte Charakterstärke, diese äußere Ablehnung in Frage zu stellen und gleichsam an sich abperlen zu lassen. Oft wird die äußere Ablehnung zu Selbstablehnung, doch das führt nicht zur Lösung des Problems. Ein heil- samer Wegweiser sind dann Menschen, die dem Kind glaubwürdig ver-mitteln, daß es in seinem Sosein liebenswert ist und sich nicht einer fremd- bestimmten körperlichen Norm anpassen muß, um anerkannt und beliebt zu sein. 

Das Bilderbuch „Der Hase ohne Nase“ zeigt Kindern spielerisch, wie der Weg von Selbstablehnung zu Selbstannahme durch den Wegweiser bedingungsloser Liebe funktionieren kann, ja, es illustriert sogar anschaulich, daß man gerade wegen dieses Andersseins besonders liebenswert sein kann. 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.bohem.ch/katalog/der-hase-ohne-nase/

Die Autorin:

»Annabel Lammers wuchs nahe der holländischen Grenze zwischen vielen Bäumen und Büchern auf. Sie studierte Kommunikationsdesign und Medienkunst in Kiel. Bereits während des Studiums arbeitete sie für Projekte aus Kunst, Kultur & Bildung und konzi-pierte, textete und gestaltete Medien für unterschiedlichste Unternehmen und Institute. 2013 wurde sie Programmleiterin des Bilderbuchverlags Bohem Press AG und mitbegrün-dete im Folgejahr den deutschen Ableger, die Bohem Press GmbH. Neben all ihren Tätig-keiten hat sie sich schon immer Geschichten ausgedacht und für Kunst- und Literaturver-anstaltungen gearbeitet. Sie lebt mit ihrer Tochter im Münsterland.«

Die Illustratorin:

»Hanneke Siemensma studierte niederländische Literatur an der Universität von Amsterdam und Freie Kunst an der KABK in Den Haag. Derzeit ist sie als freie Illustra-torin und Redakteurin tätig. Nach „Schnip“ und „Kleiner weiser Wolf“ ist „Der Hase ohne Nase“ ihr drittes Buch, das in deutscher Sprache erscheint.«  https://hannekesiemensma.nl/

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Das ist mein Papa!

  • Text & Illustration von Mies van Hout
  • Originaltitel: »Dit is mijn papa!«
  • Übersetzung von Maria Werner
  • aracari verlag, 1. Auflage August 2020 www.aracari.ch
  • Format: 20,5 x 20,5 cm
  • 16 Seiten
  • durchgehend vierfarbig
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 16,50 sFr.
  • ISBN 978-3-907114-16-2
  • Pappbilderbuch ab 1 Jahr (laut Verlag)
  • ab 2 Jahren (nach meiner Einschätzung)

Das ist mein Papa

PAPAS  ZUM  AUSSUCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit diesem Bilderbuch können kleine Menschenkinder kleinen Tierkindern die richtigen Väter zuordnen.

So fragt etwa der kleine Igel: „Wer ist mein Papa?“, und auf der gegen- überliegenden Seite werden folgende vier Kandidaten zur Auswahl angeboten: Stachelschwein, Kaktus, Seeigel und Igel. Die anschließende Doppelseite zeigt dann den Igel-Papa in anschmiegsam-verspielter Interaktion zusammen mit seinem Igel-Kind.

Bei der Kaulquappe und der Raupe ist die Zuordnung für Kleinkinder selbstverständlich schwieriger, da sich die Körperformen deutlich unterscheiden. Entsprechende kindliche Naturvorerfahrungen wären hilfreich (wenn nicht sogar erforderlich) oder zusätzliche elterliche Erklärungen zur Metamorphose – was in Anbetracht der Alterszuordnung recht anspruchsvoll ist.   

Das ist mein Papa_Raupe

Illustration von Mies van Hout © aracari verlag 2020

Das ist mein Papa_Schmetterling

Illustration von Mies van Hout © aracari verlag 2020

Zum Abschluß fragt auch ein kleiner Junge, wer sein Papa sei. Dies gibt uns ein besonders lustiges Rätsel auf, denn zur Auswahl stehen ein Affe, eine Eule, ein Bär und ein Roboter. Und man muß schon genau hinsehen, um die Verkleidung zu erkennen.

Dieses Bilderbuch bietet Kindern und Eltern unterhaltsamen Rätselspaß und beiläufig etwas Naturkunde. Die leuchtend farbenfrohen Illustrationen von Mies van Hout sind graphisch sehr klar und minimalistisch und gleichwohl mimisch ablesbar. Mies van Houts Bildersprache verfügt über einen ganz unmittelbaren kindgemäßen Charme, der Kindern übrigens auch ein anregendes Vorbild fürs Selbermalen sein kann.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.aracari.ch/page/de/buecher/detail?id=292

Die Autorin & Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 geboren und studierte an der Kunstakademie in Groningen Grafikdesign. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin und hat seitdem viele Bilderbücher illustriert. Ihr Buch »Brave Ben« wurde mit dem niederländischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet.«

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Kann ich bitte in die Mitte?

  • Text und Illustration von Susanne Straßer
  • Peter Hammer Verlag, Juli 2021 www.peter-hammer-verlag.de
  • 24 Seiten
  • Format: 20,5 x 21,5 cm
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7795-0665-2
  • Pappbilderbuch ab 2 Jahren

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V O R L E S E V O R B E R E I T U N G E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In dieser Bilderbuchgeschichte möchte ein Kind mit seinen „Haustieren“ ein Buch lesen, wobei die Formulierung „Haustier“ hier großzügig ausgelegt werden sollte.
 
Nun, das Kind sitzt auf dem Sofa und kündigt an: „Kommt, wir lesen ein Buch!“ Freudig stimmt der Hamster zu und bringt noch das Zebra, die Katze und den Löwen mit. Doch der Storch fehlt noch, außerdem ein Kuschel- kissen und der Fisch.

So füllt sich von Seite zu Seite das Sofa, es wird sich gemütlich zurechtgelegt und gesetzt, schließlich kommt auch noch das Nashorn, das seine Haus- schuhe sucht und dafür mal eben das vollbesetzte Sofa hochkippt. Alles purzelt durcheinander, wird improvisiert wieder aufgebaut, und endlich kann es losgehen mit der Lektüre.

Der immer wieder verzögerte Vorlesebeginn wirkt erheiternd und spannungssteigernd. Dank des anschaulichen Szenenaufbaus und der regelmäßigen Aufzählwiederholung der anwesenden Tiere können kleine Kinder diese Geschichte nach dem ersten Vorlesedurchgang leicht mit- und nacherzählen. Die Bilder sind farbenfroh und sehr klar umrissen. Es gibt einige zu entdeckende dramaturgische Details, aber keine optische Überfüllung.

„Kann ich bitte in die Mitte“ bietet leichte, lustige Unterhaltung für Kinder ab zwei Jahren. Die stabilen Pappseiten mit abgerundeten Ecken werden problemlos viele, viele Vorleserunden aushalten, selbst wenn gelegentlich ein ungestümes Nashornkind umblättert.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.peter-hammer-verlag.de/buchdetails/kann-ich-bitte-in-die-mitte

Die Autorin & Illustratorin:

»Susanne Straßer, geboren 1976 in Erding, studierte Kommunikationsdesign in München und London. Ihre Arbeiten wurden international ausgezeichnet und ausgestellt, u. a. auf der Biennale für Illustration in Bratislava. Ihr Bilderbuch Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte (Hinstorff Verlag, 2010), wurde 2013 fürs Kino verfilmt. Ihre Papp-bilderbücher So weit oben und So leicht so schwer und Fuchs fährt Auto wurden für den Leipziger Lesekompass ausgewählt. Das Pappbilderbuch Der Wal nimmt ein Bad erhielt 2019 den Troisdorfer Bilderbuchpreis. Susanne Straßer lebt mit ihrer Familie in München.« http://susannestrasser.de/

Susanne Straßers Preise und Auszeichnungen:

Troisdorfer Bilderbuchpreis für Der Wal nimmt ein Bad
White Raven, Empfehlung der Internationalen Jugendbibliothek
für Fuchs fährt Auto
Leipziger Lesekompass für Fuchs fährt Auto
Leipziger Lesekompass für So leicht so schwer
Leipziger Lesekompass für So weit oben

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In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung

  • Text von Jean E. Pendziwol
  • Illustrationen von Nathalie Dion
  • Originaltitel: »I Found Hope In A Cherry Tree«
  • Aus dem Englischen von Richard Rosenstein
  • Verlag Freies Geistesleben, August 2020 www.geistesleben.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27 x 22,5 cm
  • 44 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7725-2917-7
  • Bilderbuch ab 3 Jahren (laut Verlag)
  • frühestens ab 4 Jahren (nach meiner Einschätzung)
    In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung 9783772529177

H O F F N U N G S K N O S P E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein kleines Mädchen betrachtet gemeinsam mit seiner hellgrauen Katze spielerisch und entdeckungsfreudig das abwechslungsreiche Erschei- nungsbild des eigenen Schattens je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung. Katze im Sprung

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Draußen in der Natur lauscht das Mädchen der Sprache des Windes und der Sprache der Bäume. Überall nimmt sie Geschichten wahr, läßt die Natur zu sich sprechen. Und wenn sie später des Nachts auch wildere wölfischere Geschichten erahnt, dann zähmt sie die Wölfe (Ängste) durch das Erzählen eigener Geschichten.

Im Herbst sieht sie die zarten Knospen auf den entblätterten Ästen des Kirschbaumes und erkennt darin die unermüdliche Hoffnung des Kirsch- baums auf die Wiederkehr des Frühlings und die Entfaltung seiner Blüten.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung.Winterbaum

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Im Winter bewundert das Mädchen die unerschöpfliche Vielfalt und Schönheit der Schneeflocken, und wenn sie Schneeflocken mit ihrer Zunge auffängt, schmecken die Schneeflocken für sie nach Wolken.

„In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung“ ist ein leises, meditatives Bilderbuch, in dem nicht viel geschieht, außer daß ein kleines Mädchen die Innenräume seines Zuhauses und die offensichtlich nahegelegene Natur- umgebung sinnlich und seelisch erkundet und erlebt. Das Mädchen verfügt über eine empfindsame, kontemplative Perspektive, die auch im lyrischen Erzählton zum Ausdruck kommt. Die attraktive Lichttransparenz der sanften, puderig-pastelltönigen Illustrationen korrespondiert harmonisch mit dem poetischen Atem, der hier zwischen den Zeilen schwingt.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung.Frühlingsbaum

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Leider ist die Erzählweise in diesem Bilderbuch – gerade in Hinsicht auf die kindliche Zielgruppe – nicht sinnvoll strukturiert. Die Vermischung der drei Themen – Spiel mit Licht und Schatten, Angstüberwindung durch Erzählen und Naturpoesie – ordnet sich nicht zu einem schlüssigen roten Faden, sondern zerfranst. So hinterläßt diese Geschichte zwar einen poetischen, aber doch fragmentarischen Eindruck, der meiner Ansicht nach nur bedingt und stellenweise das Interesse von Kindern wecken kann. 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.urachhaus.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/In-einem-Kirschbaum-fand-ich-Hoffnung.html

Die Autorin:

»Jean E. Pendziwol ist im Nordwesten Ontarios geboren und aufgewachsen. Ihre Bücher sind in Kanada mehrfach ausgezeichnet worden. Im Verlag Freies Geistesleben liegt ihr Bilderbuch „In einer weißen Winternacht“, mit Illustrationen von Isabelle Arsenault, bereits in der dritten Auflage vor.«

Die Illustratorin:

»Nathalie Dion, in Québec geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet heute als Illustratorin in Montreal. „In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung“ ist ihr erstes Buch, das auch in deutscher Sprache vorliegt.«

Querverweis:

Eine harmonische Ergänzung ist das ebenfalls von Jean E. Penziwol verfaßte geheimnisvoll-naturpoetische, sehr winterstimmungsvolle Bilderbuch „In einer weißen Winternacht“: In einer weißen Winternacht

PS:
Diese Bilderbuchbesprechung füge ich gerne Petra Pawlofskys Gemeinschaftsprojekt „Zündstoff Hoffnung“ hinzu: Zündstoff Hoffnung – Ein Gemeinschaftsprojekt

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Kleine Schneeflocke

  • Text und Illustration von Benji Davies
  • Originaltitel: »Snowflake«
  • Deutsche Übersetzung von Ebi Naumann
  • Aladin Verlag, September 2021 www.aladin-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 23,5 x 31,1 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8489-0196-8
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Kleine Schneeflocke Titelbild

S C H N E E F L O C K E N E R W A R T U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine frische, neugeborene Schneeflocke sinkt auf die Erde herab. Sie ist noch etwas unsicher und orientierungslos und wird vom Wind hin und her gewirbelt. 

Parallel zur Reise der kleinen Schneeflocke ist ein kleines Mädchen namens Noёlle zusammen mit ihrem Großvater auf dem Nachhauseweg. Unterwegs durch die Stadt kommen sie an einem großen Schaufenster vorbei, in dem ein schön geschmückter Weihnachtsbaum mit einem leuchtenden Stern auf der Spitze steht. Noёlle äußert den Wunsch nach einem solchen Weihnachtbaum, doch der Großvater vertröstet seine Enkelin auf das nächste Jahr.

Kleine Schneeflocke Tannenbaum.

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Auch die Schneeflocke sieht auf ihrem Flug diesen Weihnachtsbaum, und sie wünscht sich, selbst ein solcher Stern auf einem Tannenbaum zu sein. Doch der Wind trägt die Schneeflocke weiter, und sie bekommt Gesellschaft von vielen, vielen weiteren Schnee-flocken und wirbelt und tanzt mit ihnen durch die Winterluft.

Kleine Schneeflocke Schneeflockenwirbeln

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Noёlle hat unterdessen kurz vor ihrem Zuhause einen verlorenen Tannenzweig gefunden und als kleinen Tannenbaum adoptiert. Sie steckt den Zweig in einen Blumentopf und bastelt bunten Weihnachtsschmuck. Diesen geschmückten Baum stellt sie nach draußen auf die Fensterbank, in der Hoffnung, daß am nächsten Tag echter Schnee ihre Weihnachtsbaumdekoration ergänzen werde.

Am nächsten Morgen merkt Noёlle sofort, daß sich die Welt leiser und weicher anfühlt, es muß also über Nacht geschneit haben. Sie läuft vorfreudig zum Fenster und bestaunt die Winterlandschaft. Und die Spitze ihres Weihnachtsbäumchens krönt eine stolze Schneeflocke, die endlich ihren Platz gefunden hat und durch die Reflektion des Morgen- sonnenlichts weithin sternenhell leuchtet.

Kleine Schneeflocke Fensterbank

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Benji Davies Illustrationen bieten eine stimmige weihnachts-winterliche Atmosphäre mit szenischem Wechsel zwischen Außen- und Innenräumen, der sich auch in den jeweils dunkelkühlen und lichtwarmen Farbkontrasten spiegelt. Begleitet werden die Bilder von sinnlich-konkreten Beschrei-bungen, die den Empfindungen und den Wahrnehmungen des kleinen Mädchens und der kleinen Schneeflocke Ausdruck geben.

Noёlle wohnt in einem sehr bescheidenen Haus am Stadtrand, der finanzielle Spielraum ihrer Familie ist gering – so reicht es offensichtlich nicht für den Kauf eines Weihnachtsbaumes. Gleichwohl strahlt Noёlles Zuhause warmherzige Geborgenheit und Gemütlichkeit aus. Noёlle wirkt zufrieden, denn sie hat ein Talent zur Freude an kleinen Dingen, und sie erkennt mit natürlich-kindlicher Empfänglichkeit die Schönheit des Augenblicks.

In dieser feinfühlig-friedlichen vorweihnachtlichen Geschichte verbinden sich zwei einander ergänzende erfüllte Wünsche zu einer schneeleisen gemeinsamen Freude.

Hier entlang zum Bilderbuch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/kleine-schneeflocke-isbn-978-3-8489-0196-8

Der Autor und Illustrator:

»Benji Davies, geboren und aufgewachsen in Peterborough / Großbritannien, studierte Animation. Mit den Veröffentlichungen seiner Illustrationen ging ein Kindheitstraum für ihn in Erfüllung. Heute lebt und arbeitet er in London. Vier seiner Bilderbücher sind bisher bei ALADIN erschienen, zuletzt »Nick und das Meer«. Für »Opas Insel« wurde er 2015 mit dem renommierten »AOI Illustration Award« ausgezeichnet.   «

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Schneeglück verschenken

  • Text und Illustration von Heyjin Go
  • Atlantis Verlag, September 2020 www.atlantis-verlag.ch
  • Originaltitel: »Gift Box of Bear«
  • Deutsche Textfassung von Eva Roth und Hans ten Doornkaat
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 44 Seiten
  • Format: 25 x 24 cm
  • 17,00 € (D), 17,50 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0795-7
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

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WENN EIN GESCHENK VOM WINTER IN DEN SOMMER REIST

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Herr Bär pflegt eine Freundschaft mit zwei Girlitzen. Im Herbst fliegen seine gefiederten Freunde in wärmere Gefilde. Herr Bär und die Girlitze winken sich noch einmal zu, und dann zieht sich Herr Bär in den Winterschlaf zurück.

Der Winter kommt und mit ihm eine Menge Schnee. Einige Waldtiere, die keinen Winter-schlaf halten, veranstalten an einem sonnigen Wintertag eine lustige und unüberhör- bare Schneeballschlacht. Herr Bär wird wach, schimpft über die Ruhestörung und marschiert ärgerlich hinaus. Doch draußen in der verschneiten Landschaft verfliegt sein Ärger, und er staunt über den verwandelten Wald, schmeckt Schneeflocken ab und springt und tanzt freudig umher – denn Schnee sieht er zum ersten Mal.

Herr Bär begegnet bei seiner Schnee-Erkundung einer Maus und erklärt ihr, daß er dieses Schneewunder gerne den Girlitzen zeigen möchte. Die Maus regt an, einen Schneemann zu bauen und diesen an die Girlitze zu schicken. Sie hilft auch eifrig mit, dafür Schneekugeln zu rollen, bis ihr die Pfötchen zu kalt werden und sie sich verab- schiedet. Der Bär bedankt sich und baut weiter an seinem Geschenkschneemann.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis Verlag, Zürich

Ein Hase kommt vorbei und spendiert eine schöne Möhre als Nase und zusätzlich einen seiner Wollhandschuhe. Sodann stellt Herr Bär den Schneemann in ein großes Einmach-glas und macht sich auf den Weg zur Post. Unterwegs trifft er einen Fuchs, der für die Ausstattung des Schneemanns einen Hut spendiert, und ein Schwein, das der Schnee-mannbekleidung noch einen roten Schal hinzufügt.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Nun reist der Schneemann mit all seinen Accessoires per Postpaket vom Winter in den Sommer. Die Girlitze freuen sich sehr über das Paket von Herrn Bär. Bis zu seiner Ankunft hat sich das Schneegeschenk selbstverständlich sehr verändert. Der Schnee-mann ist geschmolzen, im Einmachglas schwimmt der Hut zusammen mit Schal und Handschuh auf dem Wasser.

Die Girlitze deuten Herrn Bärs Geschenk als Teich und den Hut als Boot, das ausge-polstert mit dem roten Schal ein komfortabeles Plätzchen für die Girlitze bietet. So  geht der Wunsch Herrn Bärs, seine Schneefreude mit den Girlitzen zu teilen, bei aller Verwandlung doch noch in Erfüllung.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Die Illustrationen hat Heyjin Go in einer Kombination aus Buntstift- zeichnungen und digitaler Collage gestaltet. Die landschaftliche Kulisse erscheint bei den Szenen im Winterwald in gedeckten, winterlichen Farbschattierungen und hellem Schneeweiß, die Tierfiguren in natürlichen Fellfarben – eine witzige Ausnahme sind die Schweine, die hier keine borstigen Wildschweine sind, sondern rosige Hausschweine.

Vereinzelte Farbtupfer, wie beispielsweise die kupferorange Farbtönung der Fuchsfelle und der rote Wollschal heben sich vor diesem Hintergrund kontrastreich ab. Die sommerlichen Szenen bei den Girlitzen erstrahlen hingegen in warmen, grünen und sonnigen Farbtönen, die gut zur sonnen- gelben Färbung der Girlitze passen.

Die Autorin und Illustratorin Heyjin Go erzählt eine heitere, leichte und lebensbejahende Geschichte über die Freude des Schenkens. Herr Bär zeigt anschaulich seine Freude und Dankbarkeit angesichts einer neuen beglück- enden Erfahrung, und er ist sogleich davon erfüllt, diese Freude mit anderen zu teilen. Und auch die anderen Tiere, die freigiebig etwas zum Schneemanngeschenk beitragen, sind offensichtlich fähig und bereit zur Mitfreude.

„Schneeglück verschenken“ ist ein schönes Bilderbuch für alle kleinen und großen Freudenverteiler.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.atlantisverlag.ch/heyjin-go-schneeglueck-verschenken/

Die Autorin & Illustratorin:

»HEYJIN GO lebt in Südkorea. Sie studierte Grafikdesign und liebt es, sich in ihren Büchern mit der Welt der Kinder und Naturthemen auseinanderzusetzen. Sie gewann die Silbermedaille des koreanischen Hans-Christian-Andersen-Preises 2015 mit ihrem Bilderbuch A Happy Fox. 2016 war sie für den Bologna Ragazzi Award nominiert, und 2017 gewann sie einen Preis des internationalen Bilderbuch-Illustrationswettbewerbs Nami Island.«

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