Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

  • von Matt Haig
  • Originaltitel:»Reasons To Stay Alive«
  • Deutsch von Sophie Zeitz
  • DTV Verlag   März 2016   www.dtv.de
  • Deutsche Erstausgabe
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • 304 Seiten
  • 18,90 € (D), 19,50 € (A)
  • ISBN 978-3-423-28071-6
    Ziemlich gute Gruende am Leben zu bleiben 9783423280716

 

DEPRESSION  OHNE  SCHEUKLAPPEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit entwaffnender Verletzlichkeit und tapferer Hoffnung umkreist Matt Haig das Thema Depression. Er nennt sie die „unsichtbare Krankheit“ und versucht, Betroffene dazu anzuregen, ihr Leiden nicht zu verschweigen, sondern zur Sprache zu bringen. Seiner Erfahrung nach helfen Worte (gesprochene und geschriebene), die depressive Isolation zu verlassen und Verbindung zu anderen Menschen und zur Welt herzustellen, was durchaus ein erster Schritt zur Heilung sein kann.

„Was sollen wir also tun? Reden, Zuhören. Zum Reden ermuntern. Zum Zuhören ermuntern. Das Gespräch weiterführen. Die Augen offen halten, uns nach Leuten umsehen, die sich vielleicht am Gespräch beteiligen möchten. Wiederholen, immer und immer wieder, dass Depressionen nichts sind, das man »bekennt«, wofür man sich schämen muss, sondern eine menschliche Erfahrung … Die Depression, das bist nicht du. Sie ist etwas, das dir passiert. Etwas, das häufig durch Reden besser wird. Durch Worte. Trost. Unterstützung … Wo man reden kann, ist Hoffnung.“ (Seite 85/86)

Matt Haig weiß, wovon er schreibt, denn er ist selbst betroffen. Aus seiner schweren Depression in Kombination mit Angststörungen fand er heraus – u.a. auch dank der liebevollen Unterstützung seines familiären Umfeldes. Inzwischen hat er noch depressive Phasen, aber nicht mehr die alle Hoffnung und alle Freude verschlingende Dunkelheit, die ihn einst fast in den Selbstmord getrieben hätte.

Seine Symptom- und Situationsbeschreibungen sind sehr anschaulich und ermöglichen dem Leser eine ahnende Annäherung an den lähmenden, entmutigenden, freudlosen und derealisierenden Depressionszustand. Die unkonventionelle und leicht verständliche Herangehensweise, die auch depressionsunerfahrenen Lesern einen Zugang zur unsichtbaren Krankheit Depression ermöglicht, finde ich gelungen.

So ist sein Buch eine Zusammenstellung von Fakten und Selbsterfahrungen zum Thema Depression und Angst sowie von fiktiven Dialogen mit der Depression. Es gibt Listen von berühmten Persönlichkeiten, die an Depressionen litten, eine subjektive Liste mit schädlichen und heilsamen Dingen, ergänzende Listen mit wertvollen Empfehlungen ( „Gründe, am Leben zu bleiben“ oder „Wie man für jemanden mit Depressionen oder Ängsten da ist“ ) und zu guter Letzt eine „Anleitung zum Leben“ mit 40 hilfreichen Ratschlägen, wie beispielsweise Rat Nr. 26: „Von keinem Medikament auf der Welt wirst du dich tief drin so gut fühlen, wie wenn du nett zu anderen Menschen bist.“ (Seite 290)

Matt Haig hat gleichwohl kein klassisches Ratgeberbuch verfaßt, sondern er führt uns – verteilt auf fünf Leseportionen mit den Überschriften: „FALLEN, LANDEN, AUFSTEHEN, LEBEN, SEIN“ – durch seine persönliche Erfahrung mit Depression und Angststörung. Seine authentischen und selbsterfahrenen Informationen dürften für Betroffene eine erste Hilfe und Orientierung sein oder vermitteln zumindest das tröstliche Gefühl, nicht der einzige Mensch auf Erden zu sein, der sich ausgesetzt, entkräftet, sinnlos und lebensmüde fühlt.

Es gibt keine Pauschalrezepte, die für jeden passen, und deshalb ist es in Ordnung, daß der Autor einfach von den Bedingungen und Methoden (Yoga, lange Spaziergänge, Lesen und Schreiben, Meditation, gesundes Essen …) berichtet, die für ihn heilsam und unterstützend waren und sind.

Dem respektvollen und achtsamen Umgang mit dem Thema Depression fehlt es zugleich auch nicht an durchaus humorvoll-selbstironischen Elementen. Die besondere Qualität dieses Buches liegt in seiner berührenden, warmherzigen Lebenszugewandtheit, seinem tröstlichen Mitgefühl und dem glaubwürdigen Versprechen, daß es sich lohnt, die Depression zu überwinden.

Es gelingt Matt Haig wirklich den Leser einerseits mit dem Phänomen Depression vertraut zu machen, und ihm andererseits die Kostbarkeit, Schönheit und das Gefühlswunder des Lebens (wieder) schmackhaft zu machen und auf diesem Wege seinen Lebenswillen zu stärken.

„Die Menschen legen so viel Wert auf das Denken, aber das Fühlen ist genauso wichtig. Ich will Bücher lesen, die mich zum Lachen und zum Weinen bringen, die mir Angst und Hoffnung machen und mich triumphieren lassen. Ich will, dass ein Buch mich umarmt oder am Kragen packt. Ich habe auch nichts dagegen, wenn es mir einen Schlag in dem Magen versetzt. Denn wir sind hier, um zu fühlen.
Ich will das Leben.
Ich will es lesen und schreiben und spüren und leben.“ (Seite 265)

Auf der DTV-Verlagswebseite gibt es einen Buchtrailer:
http://www.dtv.de/special/ziemlich_gute_gruende_am_leben_zu_bleiben/trailer/2388/

Das gleichnamige Hörbuch ist beim Audio Verlag erschienen:
Ungekürzte Lesung von Barnaby Metschurat
Der Audio Verlag
4 CDs, ca. 5 Stunden und 16 Min.
19.99 € (D), 22.50 € (A)
ISBN 978-3-86231-661-8
Eine Hörprobe gibt es hier: http://www.der-audio-verlag.de/hoerbuecher/ziemlich-gute-gruende-am-leben-zu-bleiben-haig-matt-978-3-86231-661-8/

Querverweis:

Und hier geht es zu Matt Haigs nachdenklich-amüsanten Roman „Ich und die Menschen“, in dem uns die außerirdische Perspektive auf die Erde und die menschliche Zivilisation einen ganz besonderen Blick auf das Alltägliche verschafft:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/01/ich-und-die-menschen/

 

Der Autor:

»Matt Haig, geboren 1975 in Sheffield, hat bereits mehrere Romane und Kinderbücher veröffentlicht, die mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet und in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er lebt in York und London. In Deutschland bekannt wurde er mit seinem Romanbestseller „Ich und die Menschen“.«  Mehr unter www.matthaig.com

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54 Kommentare zu “Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

  1. Liebende Ulrike

    Depremiere den Menschen und Du hast Macht über Ihn
    Seit Ende 2015 ist laut Krankenkassenstatistik Volkskrankheit Platz 1 Depression geworden
    Vordem das zentrale Nervensystem Rückenleiden
    Wie das
    Eine emotionale kollektiver Verwirrung der beiden Grundgefühle Wut und Angst vermischt
    Hochexplosiv mit Psychopharma und steigender Zukunftsangst Gegenwartsflucht
    Lebensverachtung und Todessehnsucht

    Alle gewaltgenerierenden Staaten und Religionen sind dabei Urheber und Opfer
    Ein liebendes Selbst und Menschenbild ist das Ergebnis höchster Spiritualität
    Wo nicht Gesetzesreligionen dräuende Herrengottesbilder künden verkommt Leben
    zu einem innerseelischem Chaos das in der Projektion auf der Weltbühne inszeniert wird

    Ich traf gestern in München einen 92 jährigen Anthroposophen der einst als Flugschüler
    über das Warschauer Gettho im Tiefflug flog. Keiner der Besatzung verlor darob ein Wort
    Seine Schuldgefühle sind in manchen selbstherabsetzenden Sprachwendungen noch spürbar
    Doch hat Ihn sein Schicksal eine polnische Jüdin in reifen Jahren zur Freundin werden lassen
    Dieser Mensch ist ein Segen an Güte und Sanftmut
    Selbstheilung im Geiste dessen der da spricht
    Lieben lößt die Furcht auf nämlich die Furcht vor der Strafe

    dankend
    Dir Joachim von Herzen

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    • Lieber Joachim,
      danke für Deinen herzensvollen und gedankentiefen Kommentar.
      Ja, LIEBE ist das beste Gegenmittel zur Angst bzw. das Wort GEGENmittel trifft es nicht korrekt, denn Liebe bekämpft die Angst nicht, sondern „überliebt“ sie gewissermaßen.
      Herzensgruß von mir zu Dir 🙂

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  2. Eine Buchbesprechung, liebe Ulrike, auf die ich schon eine Weile gehofft habe und die ganz wunderbar gelungen ist,

    so wie jene zu Matt Haigs erfolgreichstem Buch bisher, dass ich soooooo toll auch finde wie du:

    https://finbarsgift.wordpress.com/2015/07/31/ueber-die-logik-der-nachrichten-haig/

    Nun also das Buch von Matt, in dem er seine eigene langjährige Depression verarbeitet hat,
    eine Art Selbst-Therapie,

    das Sich-von-der-Seele-schreiben hilft ja vielen Menschen, auch mir, letztlich sind ja die Bloguniversen auch riesige Therapie-Räume, die unglaublich viele Menschen auf ihre teils sehr individuelle Art und Weise nutzen, was ich gut und richtig und auch schön finde…

    Jetzt, nach deiner Rezension, kann ich mir dieses Buch also getrost kaufen, denn es wird mir auf keinen Fall schaden *lächel*

    Liebe Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 1 Person

  3. Hinter mir liegen 7 Jahre schwere Depressionen, heute habe ich „nur“ noch depressive Phasen, die aber nicht mehr monatelang andauern. Mir hilft meine Therapie, das Schreiben und der Buddhsimus auf dem Weg zu bleiben. Ich habe schon ein paar Bücher über psychische Erkrankungen von Betroffenen gelesen, bei allen habe ich eine klare Sprache vermisst. Es wurde alles nur oberflächlich angehaucht oder allgemein gehalten. Umso mehr bin ich jetzt auf das Buch von Matt Haig gespannt. (Von keinem Medikament auf der Welt wirst du dich tief drin so gut fühlen, wie wenn du nett zu anderen Menschen bist.“ ) erinnert mich an eine Weisheit die ich schon länger gespeichert habe, “ Kein Medikament ist in der Lage einen Kuss, ein Lächeln oder Streicheln zu ersetzen.“ Ganz liebe Grüße aus der erleuchteten Dunkelheit, Michi 🙂

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    • Liebe Michi,
      danke für Deinen selbsterfahrenen Kommentar.
      Matt Haig ist einfühlsam, schnörkellos und zugleich ganz pragmatisch bei seinen Anleitungen.
      So lautet beispielsweise Rat Nr. 37: „Wenn die Sonne scheint und du draußen sein kannst, sei draußen.“ (Seite 292)
      Allerherzlichteste Grüße von mir zu Dir 🙂

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  4. Ich habe die Leseprobe bereits geliebt und warte nur auf ein Exemplar in meiner Reichweite… Ich würde es unheimlich gerne lesen, einfach um selbst vielleicht eine Art Rettungsfaden für mein Leben zu finden. Sein Humor ist einer der besten den es in der Art gibt, genau die richtige Mischung aus Galgenhumor und Realitätsverbundenheit. Selbsthilfestrategien zu finden ist unheimlich schwer, da helfen auch keine Seminare oder Kurse.

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  5. Liebe Ulrike, du scheinst mit diesem Buchtipp einen Zeitnerv getroffen zu haben!
    Ich erfahre auch immer wieder von Depressionen in meinem Umfeld und fühle mich oft hilflos dabei. Das könnte etwas sein, was mir dafür mehr die Augen öffnet und was ich verschenken könnte…Es kommt auf “ Ulrikes Liste“;)
    Einen Zugang habe ich jedenfalls. Von der Jugend an liebte ich folgendes Zitat von Lessing:
    Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.
    Dir einen schönen Tag! Herzlich, Petra

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  6. Wenn man bedenkt, dass die „offizielle“ Statistik (Krankenkassen und Statistisches Bundesamt) in Deutschland ca. 20. Millionen (!) depressiv Erkrankte zählt, dann kann man leicht zu dem Schluss kommen, dass es die Depression als solche nicht gibt, sondern dass die Menschen am System verzweifeln, in dem sie leben (müssen). Das Einzelschicksal ist immer ein Besonderes, aber vielleicht sollten wir unsere Stimmen gegen die erheben, die die Depression dem Einzelnen zuschreiben und ihn größtenteils alleine (oder dem Gesundheitssystem) damit lassen. Mit Anderen sprechen, sich dem Anderen zuwenden – das kann Heilung sein (im Sinne von Emmanuel Lévinas) – nicht nur für die „offiziell“ anerkannt Depressiven. Danke für die Buchvorstellung. lg Peggi

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    • Liebe Peggi,
      daß unsere krankhaft wettbewerbsorientierten, natur- und gefühlsentfremdeten, in zunehmendem Maße rücksichtslos durchökonomisierten sowie im weitesten Sinne lebensausbeutenden gesellschaflichen Systeme die Menschen krank machen, glaube ich auch.
      Und die Pharmaindustrie profitiert gut davon!

      Persönliche Zuwendung, Aufmerksamkeit, Berührung, Empathie und aktives Zuhören sind kostenlose Heilmittel, die wir einander schenken können.
      Es gibt viel zu tun und zu geben, öffnen wir also unsere Herzen!
      Herzensgruß von Ulrike

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  7. Aufgrund Deiner Schilderung könnte ich mir gut vorstellen, dass es auch Betroffenen helfen kann, aus ihrem Schwarz herauszufinden. Definitiv wird es Angehörigen helfen zu verstehen, was vor sich geht, was sicher auch ein wichtiger Schritt für alle Betroffenen ist.
    Ich danke Dir.

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  8. … während des Lesens deiner Rezension öffnete sich in Hamburg der Himmelsfluß und wurde zum Wasserfall mit einem einzigen Blitz und Donnerschlag, gefühlt über mir, endete das Spektakel… so ist das Leben und so kann es enden oder neu beginnen… Sphärisch und lebensbereichernden Dank für deinen Buchinstinkt Ulrike!

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  9. Das hat mir grade noch gefehlt. Und in der lokalen Leihbücherei verfügbar ist es auch. Herzlichen Dank für diesen Buchtipp. 🙂
    Klassische Ratgeberbücher mögen schön und gut sein. Aber da hat man doch oft das Gefühl, dass von einem Podium aus über die Köpfe der Angesprochenen hinweg geredet wird. Das ist zwar gut gemeint, klingt aber oft wie eine inhaltslose Leier. Zwar ist das Gesagte nicht falsch. Aber der Sender sendet auf einer Frequenz, die für den potentiellen Empfänger nicht erreichbar ist. Bei Erfahrungsberichten ist die Nähe zum Publikum viel eher gegeben. Vielleicht stimmt dann die Chemie nicht – das ist das Risiko. Aber einen Versuch ist es immer wert. 🙂
    Deine Rezensionen sind ja auch immer optisch sehr ansprechend gestaltet. Aber in diesem Fall würde mich doch sehr interessieren, wie du auf genau diese Farbe gekommen bist?

    Gefällt 4 Personen

    • Das hast Du fein analysiert, daß sich beim vorliegenden Buch Sender und Empfänger auf Augenhöhe begegnen!
      Zwar wird die Chemie nicht mit jedem beliebigen Depressiven stimmen, aber vermutlich mit all denen, die auch musisch-literarische Neigungen haben und Trost, Halt und Selbsterkenntnis im Lesen und Schreiben finden.

      Nach dem, was Matt Haig hier über sich und sein Leben erzählt, würde ich außerdem sagen, daß er sehr wahrscheinlich auch hochsensibel veranlagt ist und vielleicht in seiner Lebensführung nicht genug Rücksicht darauf genommen hat, da die Erscheinungsformen dieser Veranlagung allgemein noch unbekannter sind als die der Depression.

      Bei der farblichen Gestaltung meiner Buchbesprechungen greife ich immer eine oder zwei Farben vom Titelbild auf. Da der Titelschriftzug in einem Regenbogenfarbverlauf gestaltet wurde, nahm ich für die Zitate die Farbe violett. Ich habe einst gelesen, Violett sei die Farbe der TRANSFORMATION und das finde ich in diesem Zusammenhang passend.
      Farbenfrohe Grüße von mir zu Dir 🙂

      Gefällt 6 Personen

      • Wenn man so einigermaßen auf der gleichen Wellenlänge schwimmt, kommt man auf jeden Fall weiter, als wenn man das Gefühl hat, einem „hochgelahrten Leierkasten“ zu lauschen. Inzwischen habe ich auch bereits einen ersten Blick in das Buch riskiert – und ich denke, dass das schon passen wird. 🙂
        Wenn Matt Haig hochsensibel ist, erscheint es durchaus wahrscheinlich, dass er das zwar bemerkt, aber nicht wirklich WAHRgenommen hat. Oder jedenfalls zu spät.
        Danke für die Information zur Farbe. Ich fand diese Farbe absolut passend – und das hat mich neugierig gemacht, weil die Wahl der Farbe bei diesem Thema ja nicht unbedingt auf der Hand liegt.
        Mit regenbogensanften Gutenachtgrüßen 🙂

        Gefällt 3 Personen

  10. Ich habe auch meine Erfahrungen mit Depressionen und habe auch darüber geschrieben, allerdings erst nachdem die schwierigste Zeit vorbei war. Ich habe immer offen mit meinem Umfeld darüber geredet und meist Verständnis erlebt. Es ist wunderbar so einen Leitfaden für Hilfen zu haben, denn man muss sich sehr vieles selbst erarbeiten und herausfinden obwohl man dazu eigentlich nicht in der Lage ist. Das Schwierigste ist Termine für Therapien zu bekommen, da lange Wartezeiten die Regel sind. Für so manchen kommt die Hilfe dann zu spät. Vielen Dank für die Vorstellung dieses Buches, es ist ein wichtiges Thema.

    Gefällt 5 Personen

    • Liebe Sylvia,
      ein verständnisvolles Umfeld und kommunikative Kompetenz sind eine große Hilfe.
      Matt Haig hatte und hat auch das Glück, von sehr liebevollen Menschen „gehalten“ zu werden.
      Lange Wartezeiten für eine professionelle Therapie sind in der Tat ein Problem, zumal wahrscheinlich in den meisten Fällen erst dann eine Therapie in Erwägung gezogen wird, wenn der Zustand schon SEHR schlimm und ausweglos geworden ist.
      Wie ich hier schon mehrfach betont habe, bietet der Autor viele Lichtblicke an …

      Gefällt 3 Personen

  11. Liebe Ulrike, mir persönlich sind Depressionen fremd, aber ich kenne Menschen, die sich deshalb das Leben genommen haben und neulich sprach ich mit jemandem, der darunter leidet. Man ist wohl anscheinend in einem Zustand, den kaum ein Außenstehender mehr erreichen kann. Und langsam aber sicher entfernen sich auch die, die Verständnis zeigen wollen.
    Ein solches Buch ist mit Sicherheit eine große Hilfe, zum einen sich selbst zu verstehen als auch den Betroffenen als Außenstehender. Mir gefällt die Idee der Lichtblicke…..
    Herzlichen Dank für einen solchen Tipp. Allerliebste Grüße, Ann

    Gefällt 6 Personen

    • Liebe Ann,
      ich kenne genug Menschen, die mehr oder weniger depressiv sind, so daß mich das Thema auch persönlich angeht.
      Es ist eine Herausforderung das rechte Maß an Zuwendungsangeboten und Respekt vor dem Rückzugsbedürfnis des Depressiven zu finden. Aber es ist einigermaßen machbar.
      Ich denke, daß dieses Buch das Selbstmitgefühl und die Hoffnung stärkt und Gefühle von sozialem Abgewertetsein und Hoffnungslosigkeit schwächt. Damit ist schon wieder etwas mehr Lebensqualität erreicht.
      Gleichwohl gibt es Stufen der Dunkelheit, bei denen Lektüre alleine nicht sinnvoll ist.
      Herzlichte Grüße von mir zu Dir

      Gefällt 6 Personen

  12. Ich und die Menschen kenne ich von ihm und habe es freudevoll und sehr aufmerksam gelesen. Sein Schreibstil nimmt sofort für ihn ein.
    Wenn er sich ein solch heißes Eisen vornimmt, bin ich sicher, auch hier packt er Schweres möglichst leicht an und verpackt es so, daß es der Seele gut tut, sie endlich aufatmet und sich aus ihrer Isolation heraustraut. Vielleicht ein erster Schritt…

    Danke für diesen ausgesprochen guten Buchtip, liebe Ulli
    und liebe Grüße von mir

    Gefällt 6 Personen

    • Ja, liebe Bruni,
      das hast Du fein auf den Punkt gebracht.
      Matt Haig reicht dem von Depression betroffenen Leser freundlich und unbefangen die Hand und vermittelt zumindest die Aussicht auf Lichtblicke. Und dem nicht selbst betroffenen, aber mit einem Depressiven befreundeteten Leser, vermittelt er eine Innenansicht des depressiven „Nichtlebensgefühls“.

      In seinem Roman „Ich und die Menschen“ basieren im Charakter des außerirdischen Erdenbesuchers einige Wesenszüge der Erfahrung des Autors mit der depressiven Entfremdung vom irdischen.
      Regentropfige Grüße 🙂

      Gefällt 5 Personen

      • Jetzt finde ich die Textstelle nicht wieder, in der Matt Haig das selbst ausgeführt hat. Es ging um das generelle Fremdeln mit den irdisch-menschlichen, äußerlichen Dringlichkeiten.

        Und die Vorliebe für Erdnußbutter sowie die Liebe zu den Gedichten von Emily Dickinson sind zwei ECHTE Gemeinsamkeiten zwischen Matt Haig und seinem fiktionalen, außerirdischen Mathematikprofessor.

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    • *lächel*, ach ja, Fremdeln passt gut, vieles mutete ihn höchst seltsam an :-),
      aber nach und nach lernte er sie kennen, die Menschen.
      Am Ende wurde ihm die Erde mit ihren Bewohnern lieb und vertraut und er blieb bei der Erdnussbutter und den Gedichten, die ihn sehr beeindruckt hatten… (aber nicht nur *g*)

      Da hat er also auch seine Vorlieben in sein Buch mit eingebracht, liebe Ulrike

      Gefällt 2 Personen

  13. Wenn ich sehe, dass immer mehr Menschen mit diesem Thema kämpfen, wenn ich sehe, dass in Schule und Berufswelt immer öfter Betroffene ausgegrenzt, ja manchmal sogar gemobbt werden, dann wird es Zeit, dass ein solches Buch zum Schulbuch und zur Pflichtlektüre erklärt wird.
    Danke… fürs lesen und kommentieren.
    LG WoMolix

    Gefällt 5 Personen

  14. Liebe Ulrike,
    herzlichen Dank für die einfühlsame Vorstellung dieses ganz besonderen Buches!
    Schon sein Äußeres spricht mich an: das schwarze Strichmännchen am Abgrund, der Titel bietet Gründe zur Balance an.
    Hier schreibt jemand, der weiß, wovon er spricht. Er hat Depression erlebt und persönliche Wege gefunden, sie zumindest im Zaum zu halten. Der Autor erzählt offen von seiner `unsichtbaren` Krankheit. Das finde ich sehr mutig und Mut machend für andere, ebenfalls Betroffene.

    Gefällt 4 Personen

    • Liebe Astrid,
      ich kann all Deinen Aussagen nur zustimmen.
      Das Titelbild bezieht sich auch ganz konkret auf den Text. Der Autor stand wortwörtlich am Abgrund und wollte in den Tod springen, doch die Bindungsliebe zu einigen ihm nahestehenden Menschen hielt ihn davon ab: „Liebe hielt mich hier gefangen.“, so schreibt er und ist inzwischen dankbar dafür.
      Und er zitiert Albert Camus:
      „Am Ende braucht man mehr Mut, um zu leben, als um sich umzubringen.“
      Die Lektüre von Matt Haigs Buch kann jedenfalls den Lebensmut nähren …

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  15. Das ist wieder einmal was für mich ! Natürlich bedaure ich es nicht, noch nie persönliche Bekanntschaft mit Depressionen gemacht zu haben, aber ich komme mir immer vor wie der Elefant im Porzellanladen wenn von dem Thema die Rede ist bzw. wenn Menschen meiner näheren Umgebung davon befallen werden.

    Gefällt 6 Personen

  16. Liebe Ulrike, ganz lieben Dank für diesen Schatz! Ich hatte auch schon ein intensives Rendezvous mit dieser „unsichtbaren Krankheit“ und kann Matt nur beipflichten (ohne das Buch gelesen zu haben) – es lohnt sich den Weg der Heilung zu gehen, denn es gibt unzählige ziemlich gute Gründe am Leben zu sein :-)! Es ist mit nichts auf der Welt zu vergleichen, wenn man spürt wie auf einmal das warme lebendige Gefühl der Lebensfreude und -kraft zurück kehrt. Auch wenn es erst nur ein kurzes Aufblitzen ist. Ich kann nur Mut machen, dieses Aufblitzen zu nähren und sich selbst liebevoll Mitgefühl zu schenken. Berührte Herzensdank-Grüße von mir zu Dir 🙂

    Gefällt 6 Personen

  17. Puh! Mut tut gut!
    Matt sicher auch, mit diesem Buch für Betroffene, das Umfeld, oder Interessierte, die sich eine Depression einfach nicht vorstellen können.
    Da steht die Depressions-Erfahrene in mir auf und dankt dir und Matt für die Informationen zu diesem dunklen Thema, das jeden betreffen kann. Nichts verlangt so sehr nach Licht, wie diese Nacht der Seele…
    Sonnige Grüße an dich, liebe Ulrike, in dieser Regen-Sommer-Zeit
    von Heidrun

    Gefällt 3 Personen

    • Danke, liebe Heidrun,
      für Deine persönliche Stellungnahme.
      Matt Haig hat mit diesem Buch sein autobiographisches Depressionsresümee geschrieben. Er enttabusiert das Thema Depression und gibt Anregungen zum konstruktiven Umgang mit dieser Krankheit.
      Seine selbsterfahrenen Beschreibungen sind eindringlich und authentisch und die Lichtblicke, die er anbietet und verspricht, sind dadurch besonders glaubwürdig und ermutigend.
      Herzliche Grüße aus wolkigem, schwalbenschwirrenden Sommerhimmel von Ulrike

      Gefällt 2 Personen

      • Danke, liebe Ulrike!
        Mich hat es angeregt meine eigene schriftliche Verarbeitung dieser Zeit als „Märchen für Erwachsene“ hervorzuholen. Mal sehen, ob ich es demnächst im Bog veröffentliche?! Das Thema kann nicht genug von allen Seiten beleuchtet werden. Immerhin ist die Selbstmordrate sehr hoch.
        Das Leben hat eben auch diese dunklen Lektionen für uns… nicht um daran zu zerbrechen, sondern über unser altes Selbst in ein Höheres hineinzuwachsen. Doch wenn man drin steckt, gibt es keinen solchen Aus-Blick.
        Herzlich Heidrun

        Gefällt 3 Personen

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