Jane Eyre

  • von Charlotte Brontë
  • Hörspiel
  • Hörspielbearbeitung und Regie: Christiane Ohaus
  • Übersetzung: Gottfried Röckelein
  • Buchvorlage: Manesse
  • Musik: Annie Whitehead, Ramesh Shotham
  • Produktion: Saarländischer Rundfunk / Deutschlandradio Kultur /
  • Norddeutscher Rundfunk / Radio Bremen 2005
  • erschienen beim Hörverlag   Januar 2016   http://www.hoerverlag.de
  • 3 CDs in Pappklappschuber
  • Laufzeit: 3 Stunden 50 Minuten
  • 19,99 € (D), 19,99 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2067-5

Die Rollen und ihre Darsteller:

Jane Eyre: Sascha Icks                                      Edward Rochester: Christian Redl
Jane als Kind: Marike Petrich                            Mrs Reed: Angelika Thomas
Mr. Brocklehurst: Dietrich Mattausch            Lehrerin: Gabriele Möller-Lukasz
Miss Temple: Dorothea Gädeke                      Helen Burns: Franziska Schubert
Mrs. Fairfax: Witta Pohl                                     Adèle Varens: Lea Sanft
Lady Ingram: Uta Hallant                                  Blanche Ingram: Katharina Burowa
Richard Mason: Jens Wawreczeck                   Briggs: Siegried W. Kernen
Pfarrer Wood: Wolfgang Schenk                     St. John Rivers: Sylvester Groth
Diana Rivers: Gabriela Maria Schmeide         Miss Oliver: Verena Güntner
Wirt: Günter Kütemeyer

Jane Eyre von Charlotte Bronte

Jane Eyre von Charlotte Bronte

EMANZIPATION  DES  HERZENS

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Heute (21. April 2016) ist der 200. Geburtstag von Charlotte Brontë. Da liegt es nahe, zur Feier und zum Gedenken ihrem berühmtesten Werk, Jane Eyre, nachzulauschen. Und so können wir mit dem vorliegenden Hörspiel einige Stunden mit Jane Eyre leben, leiden, lernen und lieben.

Trotz Textkürzung ist die Essenz der Jane-Eyre-Geschichte in der Hörspielbearbeitung von Christiane Ohaus nicht verwässert, sondern sehr konzentriert wiedergegeben. Gelegentliche Ausrutscher in meiner Hörsicht nach zu moderne Redewendungen wollen wir mit Nachsicht hinnehmen, da das Hörspiel gleichwohl insgesamt weitgehend entsprechend dem Sprachstil seiner Entstehungszeit inszeniert worden ist.

Die schicksalhaften Verästelungen, maßgeblichen Beziehungsdynamiken, atmosphärischen Szenerien und aufwühlenden Herzensregungen dieser komplexen Geschichte werden in der Hörspielfassung in geschickter Raffung einbezogen und stimmungsvoll sowie musikalisch untermalt wiedergegeben.

Fast alle meine Lieblingsszenen aus Jane Eyre kommen zu Wort: Janes Widerrede an Mr. Brocklehurst, die erste Begegnung zwischen Jane und Edward und ihre spätere Diskussion über die Bedeutung von Geschenken und Schönheit, die erste berührende Annäherung mit den deutlich zarteren, zugeneigten Tönen, nachdem Jane bei einem mysteriösen, nächtlichen Zimmerbrand Edwards Leben gerettet hat, die überraschende Verwandlung eines Abschiedsgespräches in eine wahrhaftige Liebeserklärung … Ach, soviel unvergeßliches Herzklopfen …

Die Sprecherinnen und Sprecher sind hervorragend und verstimmlichen die Charaktere ausgesprochen authentisch. Besonders hervorzuheben sind Sascha Icks, die eine zugleich verletzlich-sehnsüchtige, mauerblumig-leidenschaftliche und vorwitzig-kluge Jane Eyre gib, sowie Christian Redl, dem die zynische Weltläufigkeit, brummige Nonchalance und warmherzig-herrische Wesensart Edward Rochesters stilecht gelingt. Auch Sylvester Groth läßt sich überzeugend auf seinen Rollencharakter ein und spielt einen religiös-selbstgefälligen St. John Rivers, dessen kleinkarierte Herzensgröße nur noch vom missionarischen Berufungseifer übertroffen wird.  

Jane Eyre kennt doch wohl hoffentlich jeder – wenigstens aus einer der zahlreichen Verfilmungen? Sollte es hier tatsächlich Leserinnen geben, die ihre Geschichte nicht kennen? Nun, so will ich eine kurze ROMANtische Orientierung verfassen:

Jane Eyre ist die Frucht einer unstandesgemäßen Liebesheirat. Ihre Mutter war eine Tochter aus reichem Hause und heiratete gegen den Willen ihrer Familie einen armen Geistlichen. Sie wurde von der dünkelhaften Familie enterbt. Als Jane Eyre erst wenige Monate auf der Welt ist, sterben ihre Eltern kurz hintereinander an Typhus.

Mr. Reed, der Bruder der Mutter, nimmt das Waisenkind in seinem Hause Gateshead Hall auf. Die Tante, Mrs. Reed, duldet das Kind, aber sie hat keinen Funken Liebe oder Mitgefühl für Jane Eyre. Und auch die drei Kinder von Mrs. Reed behandeln Jane Eyre von oben herab, kaltherzig, grausam und ablehnend.

Jane Eyre ist ein eigenwilliger Charakter; äußerlich klein und unscheinbar, verfügt sie über einen wachen und erstaunlich unabhängigen Geist und eine sehr aufrichtige Art, ihre Meinungen und Ansichten zu äußeren und unbequeme Fragen zu stellen.

Dies wird von Mrs. Reed als Zeichen von Unverschämtheit und Bosheit gewertet, und nachdem Mr. Reed gestorben ist, schickt sie Jane Eyre nach Lowood, einem Internat für die strenge „Aufzucht“ und Erziehung zukünftiger Gouvernanten und Dienstmägde.

Der selbstgefällig-puritanische Leiter dieser Institution, Mr. Brocklehurst, fragt die zehnjährige Jane Eyre, ob sie wisse, daß böse Menschen und unartige kleine Mädchen nach dem Tode in die Hölle kämen und was sie zu tun gedenke, um nicht dorthin zu kommen. Sie antwortet, daß sie sich bemühen würde, gesund zu bleiben und nicht zu sterben. Mit dieser Antwort macht sie sich bei Mr. Brocklehurst nicht gerade beliebt, zeugt sie doch von unabhängigem Denken und wenig Gottesfurcht.

In Lowood findet Jane eine liebe Freundin, Helen Burns, und sie trifft immerhin auf eine mitfühlende und förderliche Lehrerin, Miss Temple, und so entwickelt sich Jane Eyre, trotz der entbehrungsreichen Lebensbedingungen, zu einer sehr guten Schülerin, und nach sechs Jahren unterrichtet sie selbst als Lehrerin an dieser Schule.

Zwei Jahre später ist die Sehnsucht, mehr von der Welt zu sehen und neue Erfahrungen zu machen, so groß geworden, daß Jane eine Stellung als Gouvernante in Thornfield Hall antritt.

Sie wird von der freundlich-mütterlichen Haushälterin Mrs. Fairfax sehr warmherzig empfangen und bekommt in dem weitläufigen, burgartigen Herrenhaus ein schönes eigenes Zimmer in der Nähe des Kinderzimmers. Für Jane ist Thornfield Hall mit seiner vornehm-luxuriösen Ausstattung und der freundlich-zugewandten Mrs. Fairfax  ein ungewohnt angenehmes Zuhause.

Für ein Jahresgehalt von 30 Pfund widmet sie sich der Erziehung und Unterrichtung der knapp zehnjährigen Adèle Varenz, der Mündeltochter des Hausherrn. Der Hausherr, Mr. Edward Rochester, ist viel auf Reisen, und die ersten Monate bekommt Jane ihn nicht zu Gesicht. Das Einvernehmen mit ihrer Schülerin ist gut, und Jane lebt sich ein.

Die erste Begegnung mit Mr. Rochester findet zufällig außerhalb von Thornfield Hall statt. Jane macht einen Spaziergang, und Mr. Rochester trabt zu Pferde auf dem gleichen Wege, das Pferd scheut und wirft seinen Reiter ab. Jane eilt dem gestürzten Herrn zu Hilfe und weiß nicht, daß sie ihren Arbeitgeber vor sich hat, und dieser stellt erst im Verlaufe ihres Gespräches fest, daß sie seine Angestellte ist, was er schmunzelnd zur Kenntnis nimmt, ohne seine Identität preiszugeben.

Erst am Abend stellt Mrs. Fairfax offiziell Mr. Rochester und Jane Eyre einander vor und lauscht erstaunt dem schlagfertigen Dialog der beiden, als Mr. Rochester scherzhaft bemerkt, seine Verstauchung verdanke er Jane Eyre, die wie eine Feengestalt aus der Märchenwelt plötzlich auf seinem Heimweg aufgetaucht sei.

Mr. Rochester, der schon einige schmerzliche zwischenmenschliche Enttäuschungen hinter sich hat und eine verbitterte Welt- und Menschensicht pflegt, hat oft einen schroffen, befehlsgewohnten Umgangston, aber er ist gleichwohl ein verantwortungsbewußter und im tiefsten Herzen warmherziger Mensch.

Jane Eyre neigt nach wie vor dazu, unverblümt ihre Meinung zu vertreten, und sie ist bei aller Dienstbarkeit keineswegs unterwürfig oder eingeschüchtert. Ihre selbstbewußte Eigenwilligkeit, ihr Scharfsinn, ihre spröde Würde, stolze Unabhängigkeit, ihre Zartheit und ihre echte Herzensgüte beeindrucken Edward Rochester.

Jane und Edward liefern sich regelmäßig unkonventionell-offene und dezent-schelmische Wortgefechte. Zwischen den beiden wächst – trotz des Rang- und Altersunterschieds –  eine tiefe, unausgesprochene Nähe. Jane fühlt sich von Edward angenommen und geachtet.

Der Hausherr und die Gouvernante sind wechselseitig voneinander fasziniert und seelenverwandtschaftlich angezogen. Doch bis zum erfüllten Liebesglück ist es noch ein beschwerlicher Weg; familiäre Verstrickungen und ein plötzlich aufgedecktes Geheimnis verhindern ihre geplante Heirat abrupt vor dem Traualtar.

Denn Edward Rochester ist an eine verrückte Ehefrau gebunden, die in einem Turmzimmer auf Thornfield lebt und von einer Pflegerin bewacht wird. In jungen Jahren war Mr. Rochester aus mitgiftlichen Gründen von seinem Vater in eine arrangierte Ehe mit der Tochter eines Geschäftsfreundes aus Jamaica hineinmanövriert worden. Erst nach der Heirat wurde ihm die Geistesgestörtheit seiner Gattin offenbart.

Nach dem Tode seines Vaters kam Edward zurück nach England und brachte seine Frau unter strengster Geheimhaltung in Thornfield Hall unter. Auf ausgedehnten Reisen durch Europa machte er sich erfolglos auf die Suche nach Liebe, nahm sich schöne Maitressen und kehrte schließlich ernüchtert, verbittert und tief enttäuscht nach Thornfield zurück und traf auf dem Heimweg am Wegesrand auf Jane Eyre.

Edward fleht Jane an, ihn nicht zu verlassen, sondern unehelich mit ihm auf seinem Gut in Südfrankreich zu leben. Doch bei aller Liebe erlaubt dies Janes moralische Integrität nicht.

Jane verläßt Thornfield und den Mann ihres Herzens überstürzt und mittellos. Sie strandet entkräftet an der Haustüre eines jungen Geistlichen, St. John Rivers. Er nimmt sie in sein Haus auf, und seine beiden Schwestern pflegen Jane gesund und freunden sich herzlichst mit ihr an.

Indessen legt Edwards Frau in einem unbewachten Moment ein Feuer; Edward will sie aus dem brennenden Haus retten, doch sie stürzt sich vom Dach aus tödlich in die Tiefe, und Edward wird schwerverletzt aus den Trümmern von Thornfield Hall geborgen.

St. John Rivers vermittelt Jane eine Stelle als Lehrerin an einer kleinen, bescheidenen Dorfschule. Er selbst strebt eine Karriere als Missionar in Indien an und meint, in Jane eine tüchtige, eheliche Gehilfin für seine Berufung gefunden zu haben. Sein nüchtern- rationaler Heiratsantrag wird jedoch von Jane abgelehnt.

Sie ist empört über St. Johns lieblose, puritanisch-pflichterfüllende Eheauffassung und spürt überdeutlich, daß seine Herzensqualitäten ihrem Gefühlsreichtum keineswegs ebenbürtig sind. Jane Eyre will einen Mann, der „Herz von ihrem Herzen sei“ und das ist nicht St. John, der alle natürlich-menschlichen Herzensregungen seinem missionarischen Ehrgeiz und einer überirdischen Gottgefälligkeit unterordnet.

Jane erbt überraschend 20.000 Pfund von einem kinderlosen Onkel aus Madeira. Diesen Onkel aus der väterlichen Linie hatte Janes Tante, Mrs. Reed, aus Mißgunst vor Jane geheimgehalten.

Nun ist Jane Eyre eine reiche Frau, und zu ihrer geistigen Unabhängigkeit gesellt sich finanzielle Unabhängigkeit. Auf einen geheimnisvollen Herzensruf hin reist sie zurück nach Thornfield und „rettet“ Mr. Rochester. Endlich dürfen die beiden Liebenden und Seelenverwandten heiraten, zusammen leben und sich aneinander erfreuen.

So etwas kommt in den besten Romanen vor und hat bis heute nicht an Liebesstrahlkraft verloren!

Die Gefühlsintensität und zwischenmenschliche Qualität von Charlotte Brontës Sprache und ihre lebendigen, glaubwürdigen Dialoge erscheinen dem heutigen Leser anrührend, empfindsam und stilvoll, vor 200 Jahren waren sie indes beinahe skandalös freizügig.

Das Besondere und zeitlos Faszinierende an der Figur Jane Eyres ist ihre Eigenwilligkeit, Tapferkeit, ihr weiter Geist, ihre Empfindsamkeit und ihre unbestechliche Menschen-kenntnis, die nicht auf äußeren Schein hereinfällt. Das zur Entstehungszeit des Romans Revolutionäre und Bewundernswerte und das gleichwohl auch heutzutage noch überaus Ansprechende an Jane Eyre ist ihr ausdrücklicher Wunsch nach ebenbürtiger Liebe, nach Gefühlstiefe und echter Verbundenheit, nach vertrauensvoller Hingabe und Gleichberechtigung.

Hier gibt es eine Hörkostprobe:
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Jane-Eyre/Charlotte-Bronte/der-Hoerverlag/e493048.rhd

Die Autorin:

»Charlotte Brontë wurde am 21.April 1816 in Thornton, Yorkshire, als drittes Kind des Reverend Patrick Brontë und seiner Frau Maria, geb. Branwell, geboren. Ihre beiden älteren Schwestern verstarben im Kindesalter an Tuberkulose. Gemeinsam mit ihren drei jüngeren Geschwistern Branwell, Emily und Anne begann sie schon als Kind zu schreiben.
Die Kinder wurden daheim unterrichtet. In Roe Head trat Charlotte Brontë 1835 eine Stelle als Lehrerin an. Von 1839 bis 1841 arbeitete sie als Gouvernante und reiste 1842 zusammen mit ihrer Schwester Emily nach Brüssel, um dort im Pensionat de Demoiselles der Madame Heger ihre Französischkenntnisse zu verbessern. Ihre unerwiderte Liebe zu Monsieur Heger wurde Thema ihres Romans The Professor, der aber erst posthum veröffentlicht wurde. Zusammen mit ihren Schwestern gab sie unter dem (männlichen) Pseudonym Ellis (Emily), Acton (Anne) und Currer (Charlotte) Bell einen Gedichtband heraus.
Der literarische Durchbruch kam jedoch erst mit dem Roman Jane Eyre (1847), ebenfalls unter Pseudonym veröffentlicht. Die Zeitgenossen vermuteten zuerst einen männlichen Autor. Als Charlotte Brontë ihre Identität preisgab, wurde sie in die Londoner literarischen Kreise eingeführt und genoss eine kurze Zeit des Ruhms. 1854 heiratete sie Arthur Bell Nicholls, den Hilfspfarrer ihres Vaters. Sie starb am Karsamstag 1855 an Tuberkulose.«

CINEASTISCHE  RANDBEMERKUNG:

Die beste Jane-Eyre-Verfilmung, die ich kenne – und ich habe einige gesehen –, ist die von 1995 unter der Regie von Franco Zeffirelli. Kleine drehbuchdramaturgisch bedingte Abweichungen und geraffte Handlungsstränge sind dabei Kennzeichen jeder Verfilmung; in der Verfilmung von Franco Zeffirelli  werden die Schauspieler William Hurt (als Edward Rochester), Charlotte Gainsbourg (als erwachsene Jane Eyre), Anna Paquin (als kindliche Jane Eyre) und Joan Plowright (als Mrs. Fairfax) den literarischen Charaktervorlagen am glaubwürdigsten gerecht und verkörpern sie in einer ausgesprochen roman-symmetrischen Darstellung.

Querverweis:

Wie geradezu archetypisch die literarische Figur Jane Eyres inzwischen ist, können Sie bei Jasper Fforde in seinem ersten Thursday-Next-Band „Der Fall Jane Eyre“ metafiktiv-vergnüglich nachlesen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/01/thursday-next-band-1-5/

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Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman

  • Roman
  • von Laurence Sterne
  • Übersetzung: Michael Walter
  • HÖRSPIEL
  • 9 CDs
  • Gesamtlaufzeit: 7 Stunden 36 Minuten
  • erschienen beim Hörverlag, November 2015     http://www.hoerverlag.de
  • 39,99 € (D), 39,99 € (A), 55,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-1943-3
  • Hörspielbearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier
  • Die Rollen und ihre Sprecher:
    Tristram Shandy: Stefan Merki       Vater: Peter Fricke      Mutter: Anna Drexler
    Onkel Toby: Hans Kremer               Doktor Slop, Buchhändler: Helmut Stange
    Korporal Trim: Michele Cuciuffo    Slawkenbergius: Wolfgang Hinze
    Obadiah: Johannes Herrschmann     Witwe Wadman: Helga Fellerer    u.v.a.
  • Musik: Robert Forster, Robert Coyne, Chris Cutler
  • Produktion: Bayerischer Rundfunk/Hörspiel und Medienkunst 2015

    Leben und Ansichten von Tristram Shandy Gentleman von Laurence Sterne

    Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman von Laurence Sterne

EIN  FAMOSES  VERGNÜGEN

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Schriftstellerei – so sie denn recht betrieben – ist nur eine andere Bezeichnung für Konversation.“

Dieses Zitat von Laurence Sterne möge uns als Einstimmung einen buchstäblichen Vorgeschmack auf sein köstlich-kluges, unkonventionelles Meisterwerk „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ geben.

Eine neunbändige Lebenserzählung, die dermaßen assoziativ im Zickzack herumhüpft, ist nicht leicht zusammenzufassen. Deshalb lasse ich das auch ganz einfach; gleichwohl werde ich Sie ein wenig in Laurence Sternes Tinte tunken, damit Sie nicht gänzlich ahnungslos bleiben.

Der Held und Ich-Erzähler Tristram Shandy lebt und schreibt im 18. Jahrhundert und unternimmt den ziemlich vergeblichen Versuch, uns seinen Lebenslauf zu erzählen. Zwar beginnt er recht folgerichtig und – in Anbetracht der Epoche (der erste Band erblickte im Jahre 1759 das Licht der Öffentlichkeit) – unbefangen ausführlich mit der Schilderung seiner Zeugung. Doch im Anschluß daran folgen umfängliche Exkurse in die shandysche Familiengeschichte und diverse ehevertragliche Segnungen, Abschweifungen zu Ballistik, Medizin, Philosophie, Theologie, dem Nutzen von Hilfsverben, zur Züchtigkeit und Unzüchtigkeit von Knopf- und Schlüssellöchern, quietschenden Türen, Abzweigungen zur herausragend-eindeutigen Zweideutigkeit von Nasen und zum nicht zu unterschätzenden, schicksalhaft-charakterformenden Einfluß, den Namen unweigerlich auf die Lebensgestaltung haben.

Ergänzt wird dieses Panoptikum um liebevoll-lebhafte Charakterstudien von Mutter und Vater sowie Onkel Toby und seinem Korporal Trim, nebst dazugehörigen Anekdoten und Gedankensprüngen. Auch die Beziehungsdynamik zwischen Herr und Diener und allerlei ehetrauliche Petitessen und Regelmäßigkeiten werden mit ausschweifender Eloquenz ausgewalzt, bis man den ursprünglichen Erzählfaden längst aus den Augen verloren hat.

Das ist aber nicht weiter schlimm, sondern tatsächlich durchaus unterhaltsam und sehr ereignisreich, insbesondere weil der Autor häufig metafiktiv ins Geschehen eingreift und beispielsweise eine Figur lauschend an der Tür stehen läßt, um uns wieder irgendeine Vorgeschichte oder einen Zusammenhang zu erklären, und erst viel später wieder zur Ausgangsszene zurückkehrt, um sich in direkter Ansprache an den Leser dafür zu entschuldigen, daß es etwas länger gedauert habe.

Ja, er scheut sich auch nicht, ganze Kapitel einfach mit ein, zwei Sätzen abzuhandeln oder sie gar ganz herauszureißen, was sich im Hörspiel selbstverständlich akustisch schön – Ritsche-Ratsche – inszenieren läßt. So erfährt man lediglich indirekt von einem Kapitel über Hebammen, Knebelbärte, Kammerjungfern, Pfuis und gar einem Kapitel über Kapitel.

En passant beklagt sich der Autor lebhaft darüber, daß sein noch so eifrig-eilendes Schreibbemühen seinen Lebenslauf einfach nicht einholen kann, wofür er seine Leser und Rezensenten ausrücklich um Geduld und Nachsicht bittet. So weit, so kurios.

Der Vater, Walter Shandy, ist ein wohlhabender Gutsbesitzer und Kaufmann, lebens- und reiseerfahren, naturwissenschaftlich und philosophisch durchaus gelehrt und sehr belesen in antiken Klassikern, aber auch auf Lesedu mit Cervantes, Montaigne, Swift, Rabelais usw. In praktischen Dingen ist er allerdings alltagsuntauglich und schafft es nicht einmal, ein jämmerlich quietschendes Türscharnier ölen zu lassen, ganz zu schweigen von seinem erziehungstheoretischen Meisterwerk, seiner Tristra-Paedia, die er so langsam verfaßt, daß sie gar nicht ernsthaft zur Anwendung kommen kann.

Onkel Toby ist ein zartfühlender, gutmütiger, geradezu unschuldslammhafter Hauptmann, der bei der Belagerung von Namur eine „Blessur an der Schamleiste empfing“ und nach langer Genesungszeit und ausgiebigen theoretischen Ballistik- und Festungsbaustudien seinen militärischen Eifer nun bei nachgestellten Modellbau-belagerungen im Garten auf einem Boselplatz – auf einem Steckenpferd reitend – austobt, zusammen mit seinem ehemaligen Burschen Korporal Trim, der inzwischen sein aktueller Kammerdiener, Modellbaumeister, Materialbeschaffer und Spielgefährte beim Steckenpferdreiten auf dem Boselplatz ist.

Als Onkel Toby, der nicht den blassesten Schimmer hat, wo „das richtige oder falsche Ende einer Frau“ sei, sich in die benachbarte Witwe Wadman verliebt hat und um sie wirbt, ist seine Blessur an der Schamleiste Anlaß für unaussprechliche, weibliche Spekulationen und Neubegierden bezüglich gewisser ungehöriger Einzelheiten der familienplanerischen Art …

Vorgeschichten von Vorgeschichten, umständliche Umstände, innere Befindlichkeiten und äußere Gegebenheiten, kuriose Zufälle und dramatische Mißgeschicke, emotionale und ideelle Über- und Unterempfindlichkeiten, Mißverständnisse und Verlegenheiten, Hinderlichkeiten, verfluchenswerte Verknotungen, Weis- und Albernheiten, assoziative Überleitungen, literarische Anspielungen sowie vielfache Zweideutigkeiten, führen uns auf neue Erzählwege und vor allem Nebenwege – nur eine chronologische, gerade Linie liefert uns Laurence Sternes Textgespinst nicht. Doch gerade diese Unberechenbarkeit ist reizvoll und spannend, man errät nie, was als nächstes geschieht.

Laurence Sterne überschreitet gekonnt, galant-pikant und heiter-freizügig die üblichen Grenzen geschriebener Prosa. Das umfängliche Begleitheft zum Hörbuch liefert interessante Zusatzinformationen zu Sternes Schreibstil. So bleibt etwa eine Seite gänzlich weiß und unbedruckt, damit der Leser nach eigener Imagination einen Charakter zeichnen möge, oder eine Seite wird – als Zeichen unaussprechlicher Trauer – gänzlich schwarz gefärbt.

Neben Hufgetrappel, Kutschfahrtenlärm, Peitschenknallen, Bettfedern- und Türenquietschen, Stöhnern und Seufzern und Uhrenticken sowie Pfiffen und Zwischenfragen kann die Hörspielbearbeitung mit wohlintegrierten, plaudertonigen Fachkommentaren (u.a. vom Übersetzer Michael Walter selbst) und sozialhistorischen Erklärungen aufwarten, die dem Verständnis des modernen Lesers/Hörers dienlich sind. Fünf eigens für dieses Hörspiel zubereitete popmusikalische Lieder als moderne Zugaben fügen sich ebenfalls erstaunlich harmonisch und stimmungsillustrierend in den Verlauf des diskontinuierlichen Geschehens ein.

Aus dem Stegreif könnte ich keinen Roman benennen, in dem die Figuren beredter aneinander vorbeireden als in „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“. Dieses schelmische Stilmittel bietet sich selbstver-ständlich in besonderer Weise für eine Hörspielfassung an, da es sich mit der entsprechenden Schauspielkunst wunderbar verstimmlichen läßt.

Alle Sprecher dieser Hörspielinszenierung artikulieren ganz hervorragend: Einfühlsam, fein akzentuiert und hörbar spielfreudig kommen ihnen  altertümliche Wortwendungen und all die sprachlichen Umgangsförmlich-keiten des Erzens, Siezens und Ihrzens so leicht von den Lippen, als hätten sie ihrer Lebtag niemalen anders gesprochen.

Mich hat dieses Hörspiel fürwahr derart auf den Geschmack gebracht, daß ich nach der famos vergnüglichen Auditüre gerne durch augenscheinliche Lektüre vertiefend in die Materie dieses unkonventionellen Klassikers einzutauchen wagen möchte.

Zum Ausklang noch ein Zitat aus der Feder Laurence Sternes, das – so will ich meinen – eine sehr treffliche Selbstreflexion seiner Schreibkunst ist und ein Paradebeispiel für Laurence Sternes geistreichen Humor, seinen formvollendeten Satzbau und sein augenzwinkernd-selbstironisches Verhältnis zum Lesepublikum:

„Schriftstellerei – so sie denn recht betrieben – ist nur eine andere Bezeichnung für Konversation. Wie keiner, der den Benimm in guter Gesellschaft kennt, sich erdreisten würde, alles auszuplaudern, so würde kein Autor, der die geziemenden Grenzen des Dekorums mit der feinen Lebensart begreift, sich erkühnen, alles auszuplaudern.
Den aufrichtigsten Respekt zollt man dem Verstande des Lesers und Hörers, wenn man in dieser Hinsicht mit ihm freundschaftlich teilt und seiner Imagination so gut wie der eigenen etwas zu tun gibt. Ich für meinen Teil lasse ihn Höflichkeitsbezeigungen dieser Art immerzu angedeihen und tue alles, was in meinen Kräften steht, um seine Imagination ebenso beschäftigt zu erhalten wie die meinige.“

 

Eine pikante Hörprobe können Sie sich unter nachfolgendem Link ablauschen:
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Leben-und-Ansichten-von-Tristram-Shandy,-Gentleman/Laurence-Sterne/der-Hoerverlag/e485207.rhd

 

Buchausgabe:

Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman    Sterne_Tristram Shandy
von Laurence Sterne
Roman
Verlag Galiani Berlin
Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert von
Michael Walter
Mit einer Dokumentation zur Entstehung des Romans,
einem Nachwort und einer Bibliographie
von Wolfgang Hörner
848 Seiten, Klappenbroschur
24,99 € (D) 25,70 € (A)
ISBN 978-3-86971-119-5
Link:  http://www.galiani.de/buch/leben-und-ansichten-von-tristram-shandy-gentleman/978-3-86971-119-5/

Der Autor:

»Laurence Sterne, geboren 1713 in Irland, studierte als Urenkel eines englischen Erzbischofs in Cambridge Theologie. Als Landgeistlicher war er für eine Pfarrei in der Nähe von York verantwortlich und veröffentlichte einige dünne Bändchen mit Predigten. 1741 heiratete er die vermögende Elizabeth Lumley, der er zuvor leidenschaftliche Liebesbriefe geschrieben hatte. Schlagartig berühmt wurde Sterne 1759 mit seinem Werk „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“: Schon die ersten beiden Bände sorgten für einen schrillen Skandal unter der Landbevölkerung, gleichzeitig öffneten sie dem Pastor die Türen zu angesehenen Londoner Salons. In den insgesamt neun erschienenen Bänden zeichnete sich Sterne als sentimentaler Satiriker aus, prangerte den Puritanismus der anglikanischen Kirche an und mokierte sich über Missstände der Zeit. Ähnlich wie Rabelais und Cervantes brach Sterne als Autor mit überkommenen Techniken des Schreibens und sicherte sich so einen Platz unter den wichtigsten Werken der Weltliteratur. „Tristram Shandy“ blieb unvollendet. Ein anschließendes Schreibprojekt mit dem Titel „Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien“ basierte auf seinen ausgedehnten Europa-Reisen, allerdings starb Laurence Sterne nur drei Monate nach Erscheinen der ersten beiden Bände im März 1768 in London.«

Der Übersetzer:

»Michael Walter, geboren 1951 in Wiesbaden, studierte in Mannheim und Freiburg Anglistik und Philosophie. 1988 lehrte er an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Literarisches Übersetzen. Neben einigen Werken von Laurence Sterne übersetzte Walter auch Romane und Kurzgeschichten anderer englischsprachiger Autoren und Autorinnen ins Deutsche, u.a. von Jeffrey Archer, James Graham Ballard, Julian Barnes, Richard Hughes, John Irving, Rudyard Kipling, Howard P. Lovecraft, Ian McEwan, Herman Melville, Eugene O’Neill, George Orwell, Robert Louis Stevenson und Virginia Woolf.«

Querverweis:

Eine sehr schöne, fundierte und lesenswerte Rezension der Buchausgabe finden Sie unter diesem Link: http://www.vigilie.de/2006/das-witzigste-buch-der-welt/

Das Buch der Märchen

P I N S E L Z A U B E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein Leben ohne Märchen ist möglich, aber langweilig!

Ich hatte das Glück, daß meine vorlesefreudigen Eltern meinen kindlichen Geist reichlich und vielfältig mit Märchen- und Geschichtenessenzen gewässert haben. So war es ein Freudenfest für mich und mein Kinderherz, wieder einmal tief in Märchenwelten einzutauchen und mich von Worten und Bildern verzaubern zu lassen.

Der Maler Friedrich Hechelmann hat für das vorliegende Buch ein vielseitiges Märchenpotpourri zusammengestellt und illustriert: Zwölf Märchen der Gebrüder Grimm, drei Märchen von Wilhelm Hauff, sechs von Ludwig Bechstein und von Eduard Mörike „Die Historie von der schönen Lau“.

Hechelmann Märchen Seite 258 Wasserlichttreppe

Illustration von Friedrich Hechelmann ©


Begleitet von vollkommen märchenhaften und ebenso meditativ-besinnlichen wie dramatisch-bewegten Illustrationen verläuft man sich gerne in ihren wildromantischen Tiefen, unwegsamen Wäldern, verborgenen Höhlen, duftigen Lüften, glitzerndem Tau, moosigem Leuchten, unauslotbaren Gewässern, schicksalhaften Verwandlungen und geheimnisvollen Seelenräumen. Hier kann man noch träumen, Licht- und Schattengestalten erleben, auf Wunder hoffen und Zauberkräfte entdecken.

Hechelmann Märchen Seite 227 Güldene Lichtung

Illustration Friedrich Hechelmann ©

Hechelmann Märchen Seite 205 Kutsche auf nächtlichem Waldwege

Illustration Friedrich Hechelmann ©

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Kunstauffassung Friedrich Hechelmanns zitiere ich gerne aus der kurzen werkbiographischen Notiz, die sich am Ende des Buches findet:

»Über Jahrtausende war die Betrachtung der Natur das große Thema der Malerei. Dass wir dieses Thema heute als niedlich abtun, zeigt unsere Arroganz und Selbstüberheblichkeit, unsere Naturentfremdung«, sagt Friedrich Hechelmann und malt mit seiner ganzen Kraft gegen diese Entwicklung an. Denn seine Kunst lebt aus der Ehrfurcht vor der Schöpfung. «

Hechelmann Märchen Seite 224 Lichtöffnung im Fels

Illustration Friedrich Hechelmann ©

Hechelmann Märchen Seite 240 Nebelsee

Illustration Friedrich Hechelmann ©

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Illustrationen von Friedrich Hechelmann erweisen sich nicht nur als kongeniale Begleitung und künstlerische Übersetzung der Märchentexte in ein sichtbares Medium, sondern sie breiten der eigenen Imagination ein einladendes Bühnenbild voller naturmagischer Anziehungskraft und geheimnisvoller Lebenstiefe: lichtfunkelnd, schattenspielend, ganz elementar und ungezähmt sowie von befreiend-aufatmender Weite und Vielschichtigkeit.

Die zahlreichen, farbigen Illustrationen sind stets ganzseitig, gelegentlich auch doppelseitig und von sehr guter Druckqualität. Ich habe lediglich ein oder zwei Lesebändchen vermißt, diese hätten der feinen und hochwertigen Märchensammlung gut zu Gesicht gestanden, und praktisch wären sie auch. Vielleicht eine Anregung für die nächste Auflage?

Hechelmann Märchen Seite 18 Kaminfeuer

Illustration Friedrich Hechelmann ©

Hechelmann Märchen Seite 124 Blumenwaldwiese

Illustration Friedrich Hechelmann ©

 

 

 

 

 

Die faszinierenden Bilder Friedrich Hechelmanns erschaffen eine beeindruckend-betörende Märchengestimmtheit, die der zeitlosen Poesie der Märchen entspricht. Ja ich finde sogar, daß die luzide, zwischen Wort und Bild changierende Darstellungsweise den Blick für das Unsichtbare schärft.

So wurden denn auch die vorzüglich passenden Zeilen von Novalis als Vorwort gewählt:

»Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die so singen oder küssen
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und die in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten
Und man in Märchen und Gedichten
erkennt die ewgen Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.«

– Novalis –

 

Hechelmann Märchen Seite 55 Kaskadenbrunnen

Illustration Friedrich Hechelmann ©

Der Illustrator:

»Friedrich Hechelmann illustrierte 1972 sein erstes – und noch immer lieferbares – Märchenbuch Zwerg Nase. Zahlreiche preisgekrönte Buchillustrationen folgten, außerdem Ausstellungen, Bühnenbilder, Filme und Publikationen. Der Künstler lebt und arbeitet im Allgäu. Mit der ständigen Ausstellung seiner Werke in der Kunsthalle im Schloss Isny   http://kunsthalle-schloss-isny.de/hauptnavigation/kunsthalle/impressionen/  hat er seinem großen, begeisterten Anhängerkreis ein lebendiges künstlerisches Forum geschaffen. Zuletzt unter anderem veröffentlicht: Geisterritter (Illustration des Buches von Cornelia Funke), im Thiele Verlag Ein Weihnachtstraum (2014) und Ein Sommernachtstraum (2014).«

Besuchen Sie Friedrich Hechelmann auf seiner Webseite: www.hechelmann.de

Und hier geht es zur Verlagsinfo zum Buch:
http://www.thieleverlag.com/cms/programm/geschenkbuch/das-buch-der-maerchen-kopie/detailseite.html

 

Das Buch der Märchen (HECHELMANN)

 

Die Schneekönigin

  • von Hans Christian Andersen
  • Hörbuch
  • gekürzte Lesung
  • Sprecher: Ulrich Noethen
  • Textfassung/Regie: Annelie Knoblauch
  • Produktion: Kulturkontor e.V. / Der Hörverlag 2010 http://www.hoerverlag.de
  • 1 CD
  • Laufzeit ca. 76 Minuten
  • 9,95 € (D), 11,20 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-86717-588-3
  • ab 6 Jahren
    Die Schneekoenigin von Hans Christan Andersen

HERZENSKRAFT, HERZENSMUT  UND  HERZENSTREUE

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Märchen sind Seelennahrung für Kinder und für Erwachsene. Die Schneekönigin ist eines der Märchen, das sich mir in meiner märchenvollen Kindheit besonders eingeprägt hat.

Dieses Märchen handelt davon, wie sich ein kleines Mädchen namens Gerda auf die abenteuerliche Suche nach ihrem geliebten Kindheitsfreund Kay macht. Kay hatte beim Rodeln übermütig seinen Schlitten an den Schlitten der Schneekönigin gebunden, und diese hatte ihn mit zwei Küssen gebannt, die ihn gegen die Kälte unempfindlich machten und die Erinnerungen an sein vorheriges Leben verblassen ließen. So folgte er willenlos der Schneekönigin in ihr eisiges Reich und leistete ihr Gesellschaft.

Das Märchen ist in sieben Einzelgeschichten aufgeteilt. Die erste Geschichte ist eine Vorgeschichte, die ich wegen ihres bemerkenswerten psychologischen Tiefsinnes kurz zusammenfasse: Der Teufel erschuf einst einen großen Spiegel, der alles Gute und Schöne, was er widerspiegelte, verschwinden ließ, und alles, was fehlerhaft, häßlich, schlecht und böse war, wurde überdeutlich hervorgehoben.

Die Gehilfen des Teufels hatten ihre boshafte Freude an diesem Meisterwerk und wollten den Spiegel in den Himmel transportieren, um sich so auch über Gott lustig zu machen. Doch als sie bereits in größer Höhe waren, entglitt ihnen der Spiegel, stürzte zur Erde und zerbarst in hundert Millionen und mehr Stücke. Manche Splitter waren so klein wie Sandkörner und manche so groß, daß man Fensterscheiben und Brillengläser daraus machen konnte. Jeder einzelne Spiegelsplitter verfügte über die gleiche böse, verzerrende Kraft wie der einstige Spiegel. Bekam ein Mensch einen Spiegelsplitter ins Auge, sah er die ganze Welt nur noch verkehrt, und bekam ein Mensch gar einen Splitter ins Herz, so wurde sein Herz zu einem Klumpen Eis.

Im weiteren Verlauf des Märchens lernen wir Gerda und Kay kennen, zwei Nachbarskinder, die innig freundschaftlich – ja, beinahe paradiesisch – miteinander verbunden sind. Doch dann bekommt Kay einen Spiegelsplitter ins Auge und ins Herz, die kindliche Harmonie zerbricht, und im Winter verschwindet Kay schließlich mit der Schneekönigin.

Im nächsten Frühjahr verfolgt Gerda die Spuren Kays. Sie meistert Gefahren, Irrwege und Verzögerungen, findet Verbündete und begegnet freundlich-hilfsbereiten Pflanzen und Tieren. Schließlich erreicht sie den Eispalast der Schneekönigin. Die Kraft ihrer Liebe und die heißen Herzenstränen, die sie beim Anblick des erstarrten Kindheitsfreundes vergießt, lösen den eisigen Bann und spülen die Spiegelsplitter aus Kays Auge und Herz fort.

Gereift und auf das herzlichste wiedervereint kehren Gerda und Kay nach Hause zurück.

Ulrich Noethen liest dieses vielschichtige, poetische Märchen mit wohlproportionierter, lebhaft-einfühlsamer Akzentuierung und spricht mit seiner warmherzigen Stimme kindliche und erwachsene Hörer gleichermaßen an.

 

Der Autor:

»Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 als Sohn eines Schuhmachers in Odense (Dänemark) geboren. Armut und Einsamkeit prägten seine Kindheit, Depressionen und andere Krankheiten verfolgten ihn bis ins Erwachsenenalter.
Er konnte kaum die Schule besuchen, bis ihm der Dänenkönig Friedrich VI., dem seine Begabung aufgefallen war, 1822 den Besuch der Lateinschule in Slagelsen ermöglichte. Bis 1828 wurde ihm das Universitätsstudium bezahlt. Andersen unternahm Reisen durch Deutschland, Frankreich und Italien, die ihn zu lebhaften impressionistischen Studien anregten. Seine insgesamt 168 Märchen begründeten seinen Weltruhm.
Sein künstlerisches Talent wurde am Königlichen Theater in Kopenhagen entdeckt, wo er bereits als 14jähriger Unterricht als Sänger und Tänzer nahm. Im Jahr 1835 erschien das erste seiner Märchenbücher, das ihn mit einem Schlag bekannt machte. Andersens erste Märchen sind stark von Volksmärchen beeinflusst. Später schuf Andersen sich einen ganz eigenen, manchmal fast umgangssprachlichen Märchenton, der ihn zum berühmtesten Dichter seines Landes und zu einem der meistübersetzten Autoren machte. Er starb am 4.August 1875 in Kopenhagen. Andersens Beerdigung im Jahr 1875 glich in Dänemark einem Staatsbegräbnis.«

Der Sprecher:

»Ulrich Noethen, geboren 1959 in München, ist ein vielseitiger Schauspieler, der den Bösewicht genauso überzeugend verkörpert wie den gutmütigen Kinderstar. Das junge Publikum kennt Ulrich Noethen als Herr Taschenbier in der Verfilmung der Sams-Bücher und als Vater Bernhard in den Bibi Blocksberg-Filmen. Mit seiner melodiösen, warmen Erzählstimme hat er viele Hörbücher gesprochen. Nach seiner Schauspielausbildung an der Hochschule für Darstellende Kunst in Stuttgart spielte er auf vielen Bühnen klassische und moderne Rollen. In den letzten zehn Jahren war er zunehmend und mit großem Erfolg als Filmschauspieler tätig. Er wurde u.a. mit dem Goldenen Löwen, dem Bayerischen Filmpreis und dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.«

Thomas Mann: Die große Originalton-Edition

  • Hörbuch
  • LESUNGEN, Reden, Vorträge
  • Sprecher: Thomas Mann
  • Produktion: RRG 1932/SRF, 1952,
  • 1954-1955/SDR, heute SWR,
  • 1950, 1953-1954/ Erika Mann 1950/NWDR, heute NDR,
  • 1953,1955/Deutschlandsender 1954/
  • HR 2001/BR 2003/
  • BBC 1941-1945
  • 17 CDs
  • Gesamtlaufzeit 17 Stunden, 10 Minuten
  • 49,99 € (D), 69,90 sFr.
  • der Hörverlag Mai 2015            www.hoerverlag.de
  • ISBN 978-3-8445-1740-8

    Die grosse Originalton-Edition von Thomas Mann

    Die grosse Originalton-Edition von Thomas Mann

EIN BILDUNGSVERGNÜGLICHER THOMAS-MANN- SCHNUPPERKURS

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Thomas Manns bewundernswerte und genüßliche Sprachbeherrschung zeigt sich nicht nur im schriftlichen Werke, sondern ebenso in seiner Vorlesekunst. Ob er aus seinen Romanen liest, von seinem schriftstellerischen Werdegang erzählt, literarische Vorbilder erwähnt, über Nietzsche philosophiert, seine Musikvorlieben erläutert, mahnende Radioappelle an das Deutsche Volk in Zeiten des Zweiten Weltkrieges verkündet, öffentliche Gespräche führt, Vorträge hält oder aus seinem Leben plaudert – stets ist seine Sprache geschliffen, elegant und harmonisch-wohlproportioniert und die Tonlage seiner Stimme dem Stoffe vollends angemessen.

Die vorliegende Edition enthält Leseauszüge aus folgenden Romanen und Erzählungen:
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Joseph und seine Brüder, Der Erwählte, Der Zauberberg und Doktor Faustus. Die Lesung des Tonio Kröger ist sogar vollständig – ein seltener Glücksfall, aufgenommen vier Monate vor Thomas Manns Tod im Jahre 1955. Die Vorträge (Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung, Der Künstler und die Gesellschaft, Mein Wunschkonzert und Meine Zeit) werden vollständig wiedergegeben.

Eine Auswahl der 58 weitsichtigen BBC-Reden „Deutsche Hörer!“ 1941-1945, in denen Thomas Mann in nachdrücklichen Appellen die humanistische deutsche Geistestradition der faschistischen, nationalsozialistischen Barbarei gegenüberstellt und ausdrücklich die verschwiegenen Kriegsverbrechen benennt, zeigen ihn als überzeugten Europäer und Demokraten.

Zwei kurze Berichte der Thomas-Mann-Kinder Golo Mann und Erika Mann erzählen in ebenfalls druckreifem Stile von der häuslichen Ordnung, dem alltäglichen, familiären Tagesablauf und der sehr systematisch-produktiven väterlichen Schreib– und Lesedisziplin sowie seiner strengen Kunstauffassung, mit der sie groß geworden sind.

Eine zweistündige Radio-Dokumentation (HR 2001) des Mann-Kenners und Biographen Hermann Kurzke über Thomas Manns Leben und Werk rundet unser Rendezvous mit dem großen deutschen Erzähler des 20. Jahrhunderts kenntnisreich ab. Im Rahmen dieser Dokumentation hören wir einen bemerkenswerten Wahlaufruf von 1932, in dem Thomas Mann den Nationalsozialismus scharfsinnig analysiert, deutlich kritisiert und vor den belastenden und grausamen historischen, sozialen und psychologischen Folgen dieser aufkeimenden Diktatur warnt. Kein Wunder, daß Thomas Mann 1936 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und seine Vermögenswerte beschlagnahmt wurden. Einer Verhaftung entging er nur, da er sich zu dieser Zeit bereits in der Schweiz aufhielt.1938 emigrierte Thomas Mann nach Amerika. Eine Ehrenprofessur der Library of Congress in Washington bot Thomas Mann Einkommen und Podium.

Als Thomas Mann 1955 in Zürich starb, war er immer noch amerikanischer Staatsbürger. Die junge Bundesrepublik Deutschland hatte sich noch nicht einmal darum bemüht, ihn als Staatsbürger wiederzugewinnen.

Die vorliegende Originalton-Edition bietet dem geneigten Hörer beispielhafte Stichproben und biographische Einblicke, die Thomas Manns Werk und Leben anschaulich skizzieren und sehr dazu einladen, wieder einmal eines oder mehrere seiner Bücher zu lesegenießen.

Was mir an Thomas Mann besonders gefällt, ist, daß er tatsächlich immer etwas zu sagen hat. Selbst wenn ich gelegentlich thematisch nicht übermäßig gefesselt war, verstand er es doch, stets mein Interesse zu wecken, alleine durch die Art, wie er es stilistisch und stimmlich darzustellen vermochte.

Thomas Mann zeigt sich in diesen Hördokumenten fürsorglich-humanistisch, konservativ-demokratisch, sympathisch-selbstironisch, schelmisch-selbstgefällig, behäbig und zugleich verschmitzt sowie immer wieder changierend zwischen bürgerlichem und künstlerischem Lebensbedürfnis und Schicksalsausdruck.

Das 41 Seiten umfassende, der CD-Box beigefügte Textheft ergänzt das Gehörte um Lebensdaten, kurze informative Werknotizen und biographische Erläuterungen.

Gerne habe ich dem alten Meister gelauscht und mich angesichts seines kultivierten Sprachvermögens verneigt.

So, und nun will ich einmal wieder auf Papierfühlung mit dem charmanten Schelm namens Felix Krull gehen, denn die Lesungen aus diesem Romane Thomas Manns haben mir am allervorzüglichsten gefallen.

 

Der Autor:

»Thomas Mann wurde 1875 als Sohn einer Kaufmanns- und Senatorenfamilie in Lübeck geboren. Ohne Abitur und abgeschlossene Ausbildung arbeitete er als Redakteur beim „Simplicissimus“, bevor ihm der Roman „Buddenbrooks“ (1901) und die Erzählung „Tonio Kröger“ (1903) ein Leben als Schriftsteller ermöglichten und ihn schon in jungen Jahren berühmt werden ließen. 1929 erhielt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur, vier Jahre später musste der Schriftsteller aus dem nationalsozialistischen Deutschland emigrieren. Von 1933 an lebte Thomas Mann im Exil, erst in der Schweiz, ab 1938 in den USA. Dort nahm er 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1952 kehrte Thomas Mann in die Schweiz zurück, wo er 1955, kurz nachdem er zum Ehrenbürger der Stadt Lübeck ernannt wurde, in Kilchberg bei Zürich starb.«

Und hier gibt es eine Hörprobe:
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-grosse-Originalton-Edition/Thomas-Mann/e472144.rhd

 

Alice im Wunderland / Alice hinter den Spiegeln

  • von Lewis Carroll
  • Übersetzung von Christian Enzensberger
  • Illustrationen von Floor Rieder
  • Gerstenberg Verlag      Juni 2015             http://www.gerstenberg-verlag.de
  • 384 Seiten
  • Format: 16 x 19,5 cm
  • Halbleinen, farbig illustriert, mit Lesebändchen
  • WENDEBUCH
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A), 31,60 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5864-6
  • ab 10 Jahren aufwärts

Alice im Wunderland-Titelbild vorne      Alice im Wunderland-Titelbild spiegelwärts

P R A C H T S T Ü C K

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Alice im Wunderland“ feierte am 4.7.2015 ihren 150. Geburtstag.

Dies war Anlaß genug, um dem alten Mädchen ein neues illustratorisches Gewand zu schneidern. Die junge niederländische Illustratorin Floor Rieder hat die Bilder für diese Jubiläumsausgabe nicht gezeichnet, sondern gekratzt. Dazu wird eine Glasplatte mit schwarzer Farbe bestrichen, die Illustration mit der Feder eingeritzt, anschließend gescannt und am Rechner nachkoloriert. So entstanden Bilder, die zugleich alt- und neumodisch erscheinen, was diesen zeitlosen Kinderbuchklassiker sehr gut kleidet.       Alice-Trinkmich-Flasche

Auch die sorgfältige Buchgestaltung gibt Alice alle Ehre: Die beiden Geschichten erscheinen in einem Band, pfiffig und sehr alicemäßig als WENDEBUCH und in Halbleinen mit Rückenprägung gebunden. Der ungekürzte Text wurde von Christian Enzensberger fein übersetzt. Weitere feierliche Zugaben sind der Fünffarbendruck und ein LESEBÄNDCHEN. Somit legt der Gerstenberg Verlag pünktlich zum Jahrestag der Erstveröffentlichung am 4. Juli 1865 ein echtes bibliophiles Sammlerstück vor.

 

Alice-Eichhörnchen(Anklicken vergrößert die Bilder)

 

Den Inhalt der Alice-Geschichten skizziere ich nachfolgend nur in groben Umrissen, da ich die Kenntnis dieses Kinderbuchklassikers einfach mal – bildungsbürgerlich 😉 – voraussetze.

Alice-Pilz(Anklicken vergößert die Bilder)

 

Im ersten Band folgt Alice einem eiligen, weißen Kaninchen, das etwas von einer Verspätung vor sich hin murmelt und dabei auf seine Westentaschenuhr schaut. Sie springt dem Kaninchen in den Kaninchenbau nach und landet nach einem langen dunkeln Sturz sanft in einem Raum mit vielen Türen, die alle ins Wunderland führen.

Alice-Baumtüre

Im Wunderland begegnet sie einigen sehr skurrilen Gestalten (u.a. einer gewissen Herzkönigin, einer launischen Herzogin, einer wasserpfeifeschmauchenden Raupe, lebenden Kartenspielblatt-Soldaten und der sichtbar-unsichtbaren Grinsekatze), und sie lernt ziemlich absurde Lebensregeln kennen. Sie ist Gast bei einer sehr verrückten Teeparty mit einem Hutmacher, einem Schnapphasen und einer Haselmaus, bei der es außer köstlichem Unsinn nichts zu essen gibt, und sie macht eine wichtig-unwichtige Zeugenaussage vor dem königlichen Gericht …

Alice-Spiegeltür

Im zweiten Band gelangt Alice durch einen Spiegel ins Spiegelland. Dort spricht sie mit Blumen, dann scheint sie eine von vielen Schachfiguren zu sein, die sich durch die schachbrettartige Landschaft des Spiegellandes bewegen, dazwischen bekommt sie außergewöhnlichen Vokabelunterricht von Goggelmoggel (Humpty Dumpty), wird von den Spiegelzwillingen Zwiddeldum und Zwiddeldei für eine Traumfigur und von einem Einhorn für ein Fabelwesen gehalten. Ein weißer und ein roter Ritter kämpfen ritterlich-tollpatschig darum, wessen Gefangene Alice sein soll, und später speist sie ohne zu speisen mit der roten und der weißen Königin …

Alice-Blumen(Anklicken vergrößert die Bilder)

Die beiden Bände „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ wirken wie ein Spiel, das mit sich selbst spielt, während wir nur „Zuleser“ sind. Wir folgen der kleinen Alice schmunzelnd, staunend, kopfschüttelnd, amüsiert, verwundert und immer wieder aufs neue überrascht sowie fragezeichnend die Stirn runzelnd von Seite zu Seite, von absurder Begegnung zu absurder Begegnung, von Nonsensdialog zu Nonsensdialog und von verspielter Logik zu logischer Verspieltheit.

Hier wird in polyperspektivischer Komplexität mit Zeit-, Raum- und Größenverhältnissen, Denkgewohnheiten und Wortbedeutungen gewürfelt bzw. Karten- und Schach gespielt, so daß man zwischendurch buchstäblich am Buchstabensinn zweifelt.

Einige Prisen Metafiktion, fließende Übergänge zwischen den fiktiven Realitätsebenen sowie diverse Versliedchen runden das ganze systematische Durcheinander unterhaltsam und wortspielerisch ab.

»Ich bin ganz deiner Meinung«, sagte die Herzogin. »Und die Moral davon ist:
›Scheine, was du bist, und sei, was du scheinst‹ oder einfacher ausgedrückt: ›Sei niemals ununterschieden von dem, als was du jenen in dem, was du wärst oder hättest sein können, dadurch erscheinen könntest, dass du unterschieden von dem wärst, was jenen so erscheinen könnte, als seiest du anders!‹«
(Seite 129, Alice im Wunderland)

Ganz schön verwirrend, nicht wahr? Und wir sind hier in einem Kinderbuch. An solcherlei philosophischem Allerlei und Gedankengebräu werden Sie sich indes im Verlauf der Geschichte schon noch gewöhnen. Es gibt hier nicht unbedingt etwas zu verstehen, sondern eher etwas einfach mal ganz spielerisch-traumwandlerisch geschehen zu lassen. Vielleicht braucht es dazu etwas Übung und die Aufgeschlossenheit, nicht alles so ernst zu nehmen. Selbst Alice muß das lernen, als sie zur weißen Königin sagt:

»Etwas Unmögliches kann man nicht glauben.«
»Du wirst darin eben noch nicht die rechte Übung haben«, sagte die Königin. »In deinem Alter habe ich täglich eine halbe Stunde darauf verwendet. Zuzeiten habe ich vor dem Frühstück bereits bis zu sechs unmögliche Dinge geglaubt.«
(Seite 94, Alice hinter den Spiegeln)

Seien Sie beruhigt, Sie müssen ja nicht glauben, was sie alles bei ALICE lesen, aber sie können sich unglaublich amüsieren!

Und ganz neue, anregende Schulfächer lernen Sie enpassant auch kennen:

» – Erdbeerkunde mit und ohne Schlagrahm – und Seeografie. Ja, und dann die Marterhatmich – dazu kam jede Woche ein alter Zitteraal und mit dem lernten wir Zusammenquälen, Abmühen, Kahldehnen und Bruchlächeln.«
(Seite 136, Alice im Wunderland)

Bis spätestens!

Leseprobe auf Book2Look: http://www.book2look.de/vBook.aspx?id=1GmSiEpjei

Alice-Schaukelpferdfliege

Alle hier wiedergegebenen Illustrationen sind von Floor Rieder ©.

Der Autor:

»Lewis Carroll, (1832-1898), Pseudonym von Charles Lutwidge Dodgson, lehrte Mathematik am Christ Church College in Oxford. Eines schönen Sommertags im Jahr 1862 lud er die Töchter des Dekans- die elfjährige Alice Liddell und ihre beiden Schwestern – zu einer Bootsfahrt ein. Zum Zeitvertreib erzählte er ihnen eine Geschichte über das Mädchen Alice und ihre bemerkenswerten Erlebnisse. Drei Jahre später, 1865, erschien die Geschichte als ALICES ABENTEUER IM WUNDERLAND in Buchform und fand sofort großen Anklang.
Angeregt von dem Schachunterricht, den er Alice erteilte, begann Lewis Caroll 1868 mit einem zweiten Teil: ALICE HINTER DEN SPIEGELN. Dieses Buch erschien zu Weihnachten 1871 und wurde ein noch größerer Erfolg.«

Die Illustratorin:

»Floor Rieder, geb. 1985 in Zwolle, studierte Illustration an der Hochschule für Bildende Künste und arbeitet sie für Zeitungen und Zeitschriften. Für ihr Debüt, das inzwischen vielfach ausgezeichnete Buch EVOLUTION oder DAS RÄTSEL VON ALLEM, WAS LEBT, das auch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, erhielt sie in den Niederlanden u.a. den Goldenen Pinsel, den Preis für das am besten illustrierte Kinderbuch des Jahres. Die Jury nannte ihre Illustrationen witzig, innovativ und gleichzeitig informativ, das Buch sei ein wahres Kunstwerk.
Für die vorliegende Prachtausgabe des Klassikers von Lewis Carroll verwendete Floor Rieder eine alte Kratztechnik in Kombination mit moderner Computergrafik. Es gelang ihr, eine neue, zeitlose Alice zu schaffen, die man sofort ins Herz schließt.«

 

 

 

Paul Temple und der Fall Gregory

  • von Francis Durbridge
  • Hörspiel
  • mit BASTIAN PASTEWKA & KOMPLIZEN
  • der Hörverlag   November  2014                  http://www.hoerverlag.de
  • 2 CDs in Vinyloptik in Faltpappschuber
  • Laufzeit 107 Minuten
  • 14,99 € (D), 14,99 (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-1718-7
  • Regie: Leonhard Koppelmann
  • Hörspielbearbeitung: Leonhard Koppelmann und Bastian Pastewka
  • Musik: Hans Jönsson
  • Schlageradaption: Mike Herting
  • Technische Realisation: Hans-Günther Kasper
  • Regieassistenz: Cordula Dickmeiß und Andreas von Westphalen
  • Dramaturgie: Holger Heddendorp
  • Redaktion: Martina Müller-Wallraff
  • Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks Köln mit dem Südwestrundfunk, 2014
  • Die Rollenaufteilung:
  • Bastian Pastewka: Paul Temple
  • Janina Sachau:  Steve Temple
  • Alexis Kara:  Sir Donald Murdo, Edward Day,Peter Davos, Wirt, Charlie, der Diener
  • Inga Busch:  Dr. Kay Wiseman, Madison,Virginia van Cleve, Kellnerin, diverse Sergeants
  • Kai Magnus Sting:  Bill Harcourt, Sir Graham Forbes, Charles Zola, Marcia

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B E I   M O R P H E U S !

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

Diese Neuinszenierung eines verschollenen alten Francis-Durbridge-Kriminalhörspiels aus dem deutschen Radioausstrahlungsjahr 1949 ist ein Muß und ein Genuß für alle Kenner und für alle Neulinge ein verführerischer Einstieg in Mythos und Kult der straßenfegenden Paul-Temple-Hörspiele.

Die Radiohörspiel-Straßenfeger von Francis Durbridge aus den 1950er-Jahren habe ich erst Anfang der 2000er-Jahre kennengelernt, als sie nach und nach – beim Hörverlag und DAV-Verlag – als Hörspiel-CDs neu aufgelegt wurden. Ich war sogleich begeisterungsinfiziert, habe diese Hörspiele eines nachdem anderen „verschlungen“ und mich unsterblich in ihren angestaubten Charme verliebt. Die Schauspielstimmkunst der damaligen Hörspielsprecher (René Deltgen, Annemarie Cordes, Kurt Lieck, Lilly Towska, Peter René Körner, Herbert Hennies, Heinz Schimmelpfennig) ist von beeindruckend lebhaft-vorbildlicher Virtuosität.

Und die dramatische Untermalung durch die ORIGINALMUSIK  von Hans Jönsson versetzt einen sogleich vor ein imaginäres wirtschaftswunderliches Radio mit Holzkorpus, dicken elfenbein-farbenen Tasten, magischem grünen Auge, stoffüberspannten Lautsprechern und seltsam-ungewohnt deutschsprachigen Beschriftungen wie: Bass-Regler, Raumklang, Lautstärke, Höhen-Regler, Klangregister – ganz zu schwärmen von der von innen beleuchteten Wählskala mit den Namen bekannter Radiosender und klangvoller Weltstadtnamen wie Berlin, Budapest, London, Paris, Prag, Rom, Wien und Langenberg 😉 …

Doch ich schweife ab – zurück zur aktuellen Hörspiel-Rekonstruktion.

Das erste ins Deutsche übersetzte Kriminalhörspiel von Francis Durbridge, „Paul Temple und der Fall Gregory“, wurde 1949 gesendet und verschwand aus den Rundfunkarchiven. Einzig eine Karteikarte mit Löschvermerk blieb erhalten. Leider wurden auch bei der BBC zahlreiche Aufzeichnungs-Bänder gelöscht, und erst als das deutsche Skript wiedergefunden worden war, konnte eine Rekonstruktion ins magische Auge gefaßt werden.

Für die Neulinge folgt nun eine Nachhilfegedenkminute bezüglich des Paul-Temple-Kriminalschnittmusters:

Paul Temple ist ein smarter Kriminalschriftsteller und Privatdetektiv, der im London der 50er-Jahre von Sir Graham Forbes, dem Chef von Scotland Yard, gerne und häufig zur Mitarbeit an der Lösung kniffliger Kriminalfälle gebeten wird. Mit weiblich-intuitiver Unterstützung seiner Ehefrau Steve (wenn sie sich nicht gerade bei allfälligen Hutkäufen entspannt) heftet sich Paul an die Fersen des mysteriösen Verbrechens (wahlweise sowie auch kombiniert: Mord, Diebstahl, Entführung, Erpressung …) und muß aus verdächtig vielen Verdächtigen raffiniert schlußfolgernd den wahren Täter entlarven – gerne bei einem als einladende Cocktailparty getarnten Showdown.

Während der Ermittlung geraten Paul und Steve stets auch ins Visier der Täter, und sie müssen lebensgefährliche Anschläge überleben. Doch solche Widrigkeiten und andere dramatische Überraschungen dienen als willkommene Klippenhänger, um die Zuhörer ans Radio zu fesseln.

Zur weiteren Standardausrüstung gehören das eheliche Frühstücksfutterneid-Geplänkel zwischen Steve und Paul, die vergeblichen Versuche, den Okay-Jargon des jungen Hausdieners Charlie in ein kultiviertes „Sehr wohl, Sir“ umzubilden, männliche Frotzeleien über Steves „weibliche Eingebungen“, außerdem zwielichtige Nachtclubs, falsche Fährten (sogar unschuldige Parfümspuren) und Steves Refrain: „Also, was ich nicht verstehe, ist…“ sowie Pauls beliebter Ausruf: „Bei Morpheus!“ Häufig konsumierte Getränke sind Kaffee, Whisky-Soda und Dry-Martinis.

In „Paul Temple und der Fall Gregory“ taucht eine vermißte Frau als Leiche wieder auf, dekoriert mit einem Zettel, der die kryptische Botschaft trägt: „Mit den besten Empfehlungen von Mister Gregory.“  Wer ist Mister Gregory und wieviele Leichen und Entführungen später wird es dauern, bis Paul Temple Mister Gregory endlich entlarvt? Das erfahren Sie selbstverständlich nicht in dieser Besprechung…

Die rekonstruierte Paul-Temple-Version wartet mit einem geschickt choreographierten Drehbuch im Drehbuch auf, das sowohl mit der Hommage an die Kriminalrezeptur Francis Durbridges als auch mit den metafiktiven Kommentaren und der inszenierten Gruppendynamik der gegenwärtigen Darsteller einen ganz eigenen Reiz entfaltet.

Abgesehen davon, daß drei der beteiligten Schauspieler (Alexis Kara, Inga Busch, Kai Magnus Sting) bravourös und vielschichtig mehrere Rollen ausfüllen, spielen sie sich gewissermaßen selbst, eben als Schauspieler, die miteinander ein Hörspiel erarbeiten und dabei das Drehbuch, ihre Rollen und ihr eigenes Spielvermögen kommentieren, kritisieren und ironisieren.

Beiläufig werden in den Unterbrechungen der eigentlichen Hörspielhandlung sehr interessante Zusatzinformationen und Erläuterungen zur Radiohistorie der Paul-Temple-Hörspiele hineininszeniert, indem die Schauspieler das Schnittmuster der Paul-Temple-Krimis analysieren, die einstigen Produktionsbedingungen mit den heutigen Genre-Gegebenheiten vergleichen und sich über Rollenklischees wundern sowie den weiteren Verlauf der Handlung in Frage stellen und schließlich so in ihre Rollen hineinwachsen, daß sie manchmal den Rollennamen mit dem Schauspielernamen verwechseln und umgekehrt.

Die beiden Schlager (Arrangements von Mike Herting), die das Ensemble in den Nachtclubszenen selber singt, sind ganz und gar altmodisch-köstlich und beschwingt und eine kongeniale Zugabe zu der ansonsten verwendeten DRAMATISCHEN Originalmusik des Komponisten Hans Jönsson.

Diese „moderne“ Reinszenierung von „Paul Temple und der Fall Gregory“ bietet zugleich eine amüsant-informative Spurensuche, ehrwürdigende radiohistorische Reflektionen, humorige Randbemerkungen und vergnüglich-spannende Unterhaltung, garniert mit schönen Nostalgieeffekten und vielen erhörenswerten Details.

 

Hörpröbchen gefällig? http://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Bastian-Pastewka-und-Komplizen-in-Paul-Temple-und-der-Fall-Gregory/Francis-Durbridge/e468881.rhd

 

Die Darsteller:

BASTIAN PASTEWKA als „Initiator, Co-Bearbeiter und Seele des Projekts“ – wie so schön im CD-Beiheftchen geschrieben steht – spricht und spielt einen clever-frischen und souverän-snobistischen Paul Temple und – in seiner Rolle als Schauspielerschauspieler – einen romantisch-schwärmerischen Francis-Durbridge-Jünger.

JANINA SACHAU als Paul Temples Ehefrau Steve Temple hört sich wirklich zum Verwechseln ähnlich anschmiegsam-charmant-intuitiv wie einst Annemarie Cordes an. Allein die Betonung (mit diesem eingebauten Fragezeichen), mit der sie den Vornamen ihres Gatten ausruft, – ganz großes Kino!

Und sie sprichseufzt einen meiner Lieblingssätze: „Meine Füße weinen schon.“

INGA BUSCH meistert in diesem Hörspiel nonchalant ganz unterschiedliche Frauentypen von damenhaft-intellektuell über betäubungsmitttelgeschwächt bis verrucht-verführerisch sowie auch diverse männliche Nebenrollen und Türklinken.

ALEXIS KARA und KAI MAGNUS STING offenbaren ein bewundernswürdig-abwechslungsreiches Stimmenregister; die Bandbreite reicht vom norwegischen Akzent bis zum herrlich rollenden R über diverse männliche Temperamente und Altersstufen bis zu einem kurzen Ausflug in weibliche Stimmgefilde.

 

DIE VERPACKUNG:

Die beiden in Vinyloptik gekleideten CDs erscheinen in einem Faltpappschuber mit informativem Beiheftchen, beides im graphischen Stil der 1950er-Jahre gestaltet. So rundet die zeitgemäß-altmodische Verpackung dieses stimmige neue, alte Paul-Temple-Hörspiel vortrefflich ab. Und gerne wiederhole ich nun noch einmal mein anfängliches Lob:

Ein Muß und ein Genuß für alle Kenner und für Neulinge ein verführerischer Einstieg in Mythos und Kult der straßenfegenden Paul-Temple-Hörspiele.

 

Der Autor:

»FRANCIS DURBRIDGE, geboren 1912 in Hull/England, studierte Altenglisch an der Universität Birmingham. Er arbeitete kurz als Börsenmakler, bevor er sich ganz seiner Leidenschaft, dem Schreiben, widmete. Seine Schriftsteller-Laufbahn begann er mit Bühnenstücken und Kurzgeschichten. Von 1938 an war Francis Durbridge dreißig Jahre lang als Hörspielautor für BBC tätig. Mit seinen spektakulären Fortsetzungskrimis, ob als Hörspiel oder Fernsehproduktion, schrieb er Geschichte.«

Initiator, Co-Bearbeiter und Seele des Projektes:

»BASTIAN PASTEWKA, geboren 1972 in Bochum, beendete sein Studium der Pädagogik, Germanistik und Soziologie frühzeitig und trat ab 1992 mit verschiedenen Bühnen-programmen auf. Bekannt wurde er als Ensemblemitglied der Sat-1-Wochenshow, seit 2005 überzeugt er als er selbst in seiner vielfach preisgekrönten Serie Pastewka. Auch auf der Kinoleinwand (u.a. in den Edgar-Wallace-Parodien Der WiXXer und Neues vom WiXXer), am Theater, im Hörspiel und als Synchronsprecher (z.B. Madagascar, Megamind) feierte er große Erfolge. Als einer der beliebtesten Komiker Deutschlands erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrfach den Deutschen Comedypreis, den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis und die Goldene Kamera.«

Bearbeitung und Regie:

»LEONHARD KOPPELMANN, geboren 1970 in Aachen, führte 1996 zum ersten Mal bei einem eigenen Hörspiel Regie. Seitdem arbeitet er als freier Hörspielautor und als Theater- und Hörspielregisseur. So sind inzwischen unter seiner Regie über 200 Hörspiele entstanden, z.B. Maria, ihm schmeckt’s nicht sowie Drachensaat von Jan Weiler, Die Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Verne, Baudolino von Umberto Eco, und – hochgelobt – Wassermusik von T.C.Boyle und Doktor Faustus von Thomas Mann, die alle im Hörverlag erschienen sind. In seinen Inszenierungen stehen vor allem die Schauspieler im Mittelpunkt, mit ihnen arbeitet er intensiv die Individuellen Qualitäten der verschiedenen Autoren aus. So entstehen äußerst vielfältige und höchst verschiedenartige Produktionen unter seiner Regie.«

 

PS
Wer Lust auf die elf erhalten gebliebenen Originalhörspiele hat, kann sich „in diesem Internet, von dem man jetzt so viel liest“ weiterführend informieren und sich auch Hörkostproben genehmigen unter:

www.hoerverlag.de

Francis Durbridge:

PAUL TEMPLE und der Fall Alex
PAUL TEMPLE und der Fall Genf
PAUL TEMPLE und der Fall Curzon
PAUL TEMPLE und der Fall Lawrence
PAUL TEMPLE und der Fall Gilbert

www.der-audio-verlag.de

Francis Durbridge:

PAUL TEMPLE und der Fall Conrad
PAUL TEMPLE und der Fall Jonathan
PAUL TEMPLE und der Fall Vandyke
PAUL TEMPLE und der Fall Madison
PAUL TEMPLE und der Fall Spencer
PAUL TEMPLE und der Fall Margo

Die Schatzinsel

  • von Robert Louis Stevenson
  • Hörspiel
  • Hörspielbearbeitung: Heinz-Dieter Sommer
  • Regie: Leonhard Koppelmann
  • Musik: Henrik Albrecht
  • Produktion: Hessischer Rundfunk 2014
  • erschienen im Hörverlag, Oktober 2014               http://www.hoerverlag.de
  • 4 CDs
  • Laufzeit ca. 3 Stunden und 59 Minuten
  • 19,95 €
  • ISBN 978-3-8445-1591-6
  • Buchvorlage HANSER Verlag: Übersetzung & Herausgabe von Andreas Nohl
  • Die Rollen und ihre Sprecher:
  • Jim Hawkins: Maximilian von der Groeben       Long John Silver: Udo Wachtveitl
  • Dr. David Livesey: Sylvester Groth                  Squire John Trelawney: Gerd Wameling
  • Käptn Billy Bones: Thomas Fritsch                       Kapitän Smollett: Ulrich Pleitgen
  • Israel Hands: Wolf-Dietrich Sprenger                    Stevenson: Ulrich Noethen
  • Ben  Gunn: Matthias Habich                                       Papagei: Dirk Leonhard
    u.v.a.
    Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson

D O N N E R K I E L

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ach, die alten Vertrauten meiner kindlichen Abenteuerlust und Phantasie, hier sind sie endlich wieder: Jim Hawkins, Long John Silver, Dr. David Livesey, Squire John Trelawney, Ben Gunn u.v.a.m.

Unzählige Male habe ich als Kind der Schatzinsel gelauscht und nachgeträumt. Damals gab es die EURPOA-Schallplatten, die in ihrer Kinderserie Märchen und klassische Abenteuergeschichten als Hörspiele inszenierten – oft mit dem unübertroffenen Hans Paetsch als tragende Rolle oder Hintergrunderzähler und stets mit dramatischer Musik, gespielt vom EUROPA-Studioorchester.

Ich finde es überaus erfreulich, daß immer wieder „erwachsene“ Versionen alter Klassiker als Hörspiel produziert werden. So läßt man sich – auf der Erinnerungsgrundlage der kindlichen Begeisterung, ergänzt um den erwachsenen Erfahrungshorizont – wunderbar behaglich mit Abenteuern verwöhnen.

Die vorliegende Hörspielinszenierung hat meine Erwartung wahrlich noch übertroffen. Die Rollenbesetzungsliste ließ mich bereits frohlocken, doch die „ganzheitliche Darreichungsform“ dieses Hörspiels hat mir ganz und gar und prächtig gefallen.

Die plakative Aussage auf der Rückseite der CD-Hülle: »SO haben Sie die SCHATZINSEL noch NIE gehört!« kann ich nur unterschreiben. Denn es kommt nicht nur die Romanhandlung zu Wort, sondern auch die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel.

Neben einer virtuos-atmosphärischen musikalischen Untermalung und Begleitung wurden auch einige Lieder hinzugefügt und eingesungen, die stilistisch wunderbar mit der Schatzinselstimmung und der schillernden Figur des Long John Silver harmonieren. Überhaupt geben die hier und da wiederholt einfließenden Lieder oder auch auch nur Lied- und Melodiefetzen der ganzen Geschichte zusätzlichen, sehr attraktiven Schwung.

Die überaus geschickt in den Handlungsverlauf eingeschobenen Ausflüge in die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel erweitern die Abenteuergeschichte um den zwischenmenschlich-literarischen Hintergrund Robert Louis Stevensons.

Ich fand es hochinteressant, zu erfahren, daß Stevenson die Inspiration zur Schatzinsel durch eine Schatzkarte bekam, die sein kleiner Stiefsohn gezeichnet hatte. Zunächst spielerisch begann er, Figuren in diese Karte hineinzudichten und dem Stiefsohn dazu eine Seeräubergeschichte zu erzählen. Schließlich – wie es oft bei phantasievollen Schriftstellern der Fall ist – verselbständigten sich die ausgedachten Charaktere und schrieben sich beinahe von selbst.

Auch ein metafiktives Gespräch zwischen den literarischen Charakteren Long John Silver und Kapitän Smollett über die unterschiedliche Attraktivität von Schurken und Helden hat viel selbstironischen Reiz. Ich fand es spaßig, wie die beiden Figuren beim Geräusch des Tintenfaßaufschraubens eifrig wieder an ihre Buchposition eilen.

Ausnahmslos alle beteiligten Sprechspieler verstimmlichen ihre jeweilige Rolle lebhaft und mit überzeugender InsPIRATion und, wie mir scheint, auch mit viel Spielgenuß. Es ist bewundernswert, wie es ihnen gelingt, nur durch das Medium der Stimme soviel Lebensstoff zu vermitteln.

Als Zugabe folgt im Anschluß an das Hörspiel noch ein – von Hans Sarkowicz moderiertes – Gespräch mit dem Hörspiel-Autor Heinz-Dieter Sommer, dem Regisseur Leonhard Koppelmann und dem Komponisten Henrik Albrecht. Dieser Werkstattbericht gewährt einen spannend-reflektierenden Einblick in die Produktions- und Gestaltungsbedingungen eines solchen Hörkunstwerkes.

Die 4 CDs nebst Textheftchen mit Hintergrundinformationen sind in einer Papphülle untergebracht, und eine Schatzkarte bekommen wir natürlich auch noch dazu.

Nun fällt mir gerade auf, daß ich bei meiner Besprechung die inhaltliche Kenntnis der Schatzinselgeschichte einfach vorausgesetzt habe. Doch um dem Klassiker die gebührende Ehre zu geben, folgt nun eine sehr geraffte Zusammenfassung:

Der junge Held ist der siebzehnjährige Jim Hawkins, und er ist auch der Erzähler des ganzen Abenteuers. Dieses Abenteuer beginnt mit dem Einzug eines geheimnisvollen Seemannes unbestimmbarer Herkunft in die Matrosenschänke von Jim Hawkins Vater. Der neue Gast ist bärbeißig und ebenso jähzornig wie rumsüchtig, er will mit Käptn angeredet werden, und er singt oft das berüchtigte Lied von den „Fünfzehn Mann auf des Totenmannes Kiste –jo-ho-ho-jo, und `ne Buddel voll Rum!“ Außerdem fürchtet er sich sehr vor einem einbeinigen Seemann und zahlt Jim monatlich einen Silbergroschen dafür, daß er ihm sofort meldet, wenn ein solcher Seemann im Umkreis des Wirtshauses auftauchen sollte.

Eines Tages kreuzt ein weiterer seltsamer Seemann auf, der sich „Schwarzer Hund“ nennt, und der sogenannte Käptn bekommt nach einem handgreiflichen Streit mit dem neuen Gast einen Schlaganfall. Zufällig ist Dr. David Livesey gerade auf dem Weg zum Wirtshaus, um nach Jims schwerkrankem Vater zu sehen. Widerwillig rettet Dr. Livesey dem Käptn das Leben, indem er ihn zu Ader läßt.

Als der Käptn wieder zu Bewußtsein gekommen ist, vertraut er Jim an, daß er der Steuermann des verstorbenen Kapitäns Flint war und eine Schatzkarte von ihm „geerbt“ habe, hinter der nun der Rest von Flints alter Mannschaft her sei.

Einige Zeit später bekommt der Käptn erneut verdächtigen Besuch und regt sich danach so sehr auf, daß er an einem zweiten Schlaganfall stirbt. Jim durchsucht die Seemannskiste und nimmt einige Papiere sowie die Schatzkarte an sich. Anschließend berät er sich mit dem örtlichen Gutsherrn Squire John Trelawney und Dr. David Livesey. Bei näherer Inspektion der Karte und der beiliegenden Dokumente, die eine genaue Buchführung der beträchtlichen Piratenbeute enthalten, stellt sich heraus , daß sie wahrlich die Schatzkarte vor sich haben, die den Standort der vergrabenen Schätze des blutrünstigen Piratenkapitäns Flint bezeichnet.

Squire Trelawney ist die Aussicht auf diesen Schatz so viel wert, daß er ein Schiff ausrüsten läßt, einen Käpitän engagiert und mit Hilfe einer Zufallsbekanntschaft, dem einbeinigen Schiffskoch Long John Silver, eine Schiffsbesatzung organisiert.

Jim Hawkins ist zunächst mißtrauisch, da er an den einbeinigen Seemann denken muß, den der verstorbene Vorbesitzer der Schatzkarte so gefürchtet hatte. Doch John Silver erweist sich als so gepflegter, kultivierter und leutseliger Mann, daß sich Jims Bedenken sofort verflüchtigen. Außerdem kümmert er sich fast väterlich um Jim, erklärt ihm geduldig seemännische Fachbegriffe und gewinnt so sein jugendliches Vertrauen.

Schließlich sticht das Schiff „Hispaniola“ in See. An Bord befinden sich Jim Hawkins als Schiffsjunge, Squire Trelawney, Dr. Livesey, Kapitän Smollett und der angebliche Schiffskoch Long John Silver sowie zahlreiche Matrosen, die sich nach der Ankunft auf der Schatzinsel fast alle als alte Piraten aus der ehemaligen Mannschaft von Kapitän Flint entpuppen.

Nach ambivalenten Bündnissen, waghalsigen Ränkespielen, gefährlichen Schiffsmanövern, diversen kämpferischen Auseinandersetzungen und nicht wenigen Toten gewinnen die „guten“ Helden das Rennen um den Schatz und die sichere Heimkehr in den heimatlichen Hafen. Nur Long John Silver stiehlt sich raffiniert in die Freiheit, und irgendwie schafft es dieser charismatische Hasardeur, daß man ihm diese Freiheit gönnt.

Ja, ich weiß, ich habe den Papagei nicht erwähnt, die tolle Szene im Apfelfaß und die Begegnung mit Ben Gunn und, und, und…
Aber – ZUM DONNERKIEL – Sie können ja das Hörspiel hören oder das Buch lesen. Also AHOI, segeln Sie in die nächste örtliche Buchhandlung und erbeuten Ihre Schatzinsel. Es lohnt sich!

 

Sollten Sie zufällig in der kleinen Großstadt SOLINGEN wohnen, haben Sie sogar die einmalige Gelegenheit, dieses Hörspielkunstwerk in der Buchhandlung „Die Schatzinsel“ zu erwerben.
Ich finde, besser geht’s nicht:

 Die Schatzinsel
Buch & Meer
Forststr. 1
42697 Solingen
Tel: 0212 – 38 32 95 10
Fax: 0212 – 38 32 95 11
http://www.schatzinsel-solingen.de

 

»Robert Louis Stevenson kam am 13. November 1850 in Edinburgh zur Welt. Er studierte erst Maschinenbau, dann Jura, erkrankte an Tuberkulose und verließ seine Heimat, weil ihm das Klima nicht bekam. Stevenson reiste um die Welt, liebte die Südsee und arbeitete als Schriftsteller. Er schrieb Essays, Gedichte, Reisebücher und Romane.
„Die Schatzinsel“ erschien 1883. Die letzten Jahre lebte Robert Louis Stevenson auf Samoa. Dort starb er mit nur 44 Jahren Ende 1894

Das Decamerone

  • von Giovanni Boccaccio
  • Aus dem Italienischen von Karl Witte
  • Hörbuch gelesen von
  • Gert Westphal, Beate Lenders, Ingeborg Kallweit,
  • Thessy Kuhls, Steffy Helmar, Maria Körber,
  • Inken Sommer, Monika Söhnel, Christian Rode,
  • Uwe Friedrichsen, Ernst-August Schepmann und Joachim Nottke
  • Produktion: NDR 1984
  • Textauswahl und Texteinrichtung : Hanjo Kesting
  • Laufzeit: 11 Stunden, 47 Minuten
  • erschienen am 2.12.2013 bei »der Hörverlag«            http://www.hoerverlag.de
  • (zum 7oo. Geburtstag Boccaccios)
  • 10 CDs, 39,99 €
  • ISBN 978-3-8445-1172-7
    Das DECAMERONE Hörbuch

EINE  KULTIVIERTE  AUDITÜRE

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sprachkunst und Sprechkunst finden sich in diesem Hörbuch zu beiderseitigem, befruchtendem Entzücken vorzüglich zusammen!

Wohlan denn: Es ist mir ein Fest, vom Genusse dieses Klassikers Kunde zu geben. Obwohl ich mich ansonsten in meiner Lektürewahl nicht vom Mittelalter verlocken lasse, mache ich für große Klassiker gerne eine Ausnahme.

Giovanni Boccaccios Decamerone gilt als maßgebliche Stilikone der Novellengattung und als literarischer Geschichtenfundus, aus dem sich viele nachfolgende Schriftsteller von Shakespeare über Swift bis Lessing bedient haben.

Der Titel Decamerone lautet übersetzt Zehntagewerk. Zehn junge Menschen vornehmer Abstammung fliehen im Jahre 1348 vor der Pest, die sich in Florenz gnadenlos ausbreitet, auf ein Landgut. Dort wollen sie das Leben feiern und der Bedrohung der tödlichen Seuche entkommen sowie für eine Weile Abstand zu Angst und Trauer gewinnen. Es sind sieben junge Damen und drei junge Herren, die freundschaftlich und verwandtschaftlich miteinander verbunden sind.

Täglich wird eine oder einer aus der Gruppe zur Königin bzw. zum König des Tages gewählt und mit einem Lorbeerkranze gekrönt. Dieses Oberhaupt bestimmt einen Themenkreis, zu dem alle zehn je eine Geschichte erzählen sollen, so daß am Ende ein Fundus von 100 Geschichten entsteht.

Behaglich und bequem bedient vom Seneschall des Landgutes, umgeben von lieblich-idyllischer Natur und nur unterbrochen von Schlaf und heiterstem spielerischen Müßiggang, werden vielerlei und vielfältige Geschichten erzählt: glückliche und unglückliche Liebesgeschichten, Geschichten von Rache und Vergebung, Gier und Großzügigkeit, Hochmut und Demut, Gefahren und Rettungen, Lohn und Strafe, Eifersucht und Treue, Tugend und Laster, Willkür und Gnade, Eitelkeit und Edelmut.

Dies geschieht in einer schönen, sehr stilvollen Sprache, mit filigran ziseliertem Satzbau, so daß eine Geschichtenschatztruhe erdichtet wird, mit feinen Intarsien aus Poesie, Humor, Sinnlichkeit, Komik, Tragik, Lebensfreude, Liebeslust, Glück und Leid, Seufzern und Tränen, Körper und Seele, Weisheit und Dummheit, Wahrheit und Lüge, Sein und Schein – kurz: vielgestaltig, lebensbunt und mitmenschlich.

Selten habe ich es mehr bedauert, die italienische Sprache nicht zu beherrschen. Wieviel musikalischer muß das Original klingen, wenn schon die Übersetzung ins Deutsche (von Karl Witte) so sprachbeflügelt erscheint.

Der Personenreigen, der in diesen Erzählungen auftritt, kommt aus allen Gesellschaftsschichten, wir treffen Adlige und Bauern, Herren und Diener, Mönche und Kardinäle, Nonnen und Äbtissinnen, Ärzte, Richter, Kaufleute, Handwerker, Ritter und Jungfrauen.

Boccaccio spart nicht mit deutlichen Hinweisen auf die kirchliche Doppelmoral. Er exemplifiziert dies mit deftigen Szenen, in denen Vertreter des geistlichen Standes die Gelegenheiten zu unkeuschen Vergnügungen oder raffgierigen Bereicherungen gerne, eifrig und raffiniert ausnutzen.

Erstaunlich ist der demokratische und humanistische Gehalt so mancher seiner Aussagen und Beschreibungen. Ich hatte nicht erwartet, von einem vor 700 Jahren geborenen Schriftsteller Sätze wie die folgenden zu hören:

Ich aber ziehe den Mann, der des Reichtums entbehrt, dem Reichtume vor, der des Mannes entbehrt.“
„Doch Armut beraubt niemanden des Adels, sondern nur des Besitzes.“

Hinzu kommt, daß er diese Worte Frauen in den Mund legt, die sich einen Mann oder Geliebten erwählt haben, der nicht standesgemäß ist. Das klingt überraschend modern. Auch mit seinem Bekenntnis zu irdischem Glücksanspruch ist Giovanni Boccaccio seiner Zeit weit voraus.

In der vorliegenden Hörbuchlesung wird uns eine Auswahl von 46 Novellen aus dem Decamerone vorgestellt.

Alle Sprecher und Sprecherinnen dieser – bisher vollständigsten – Lesung des Decamerone treffen ganz wunderbar und sehr fein nuanciert den schelmisch-burlesken sowie den empfindsamen Tonfall Boccaccios. Besonders hervorzuheben sind der »König der Vorleser« Gert Westphal, der die Rahmenhandlung liest und die besondere Gestimmtheit des Decamerone ganz unvergleichlich evoziert, und Uwe Friedrichsen, der – frivol, kecklich und augenzwinkernd – die Rolle des Dioneo spricht.

Ich habe mir diesen fast zwölf Stunden währenden Erzählreigen lächelnden Mundes und hingegeben lauschend vergnüglich einverleibt. Besonders großes Gefallen fand ich an den erlesenen Liebeslektionen, die von zeitlosem Reiz sind und auch noch nach 700 Jahren delikaten Genuß bereiten.

 

PS:
Verpackung und Inhalt harmonieren gut miteinander, die 10 CDs liegen in einer feinen Pappschachtel, geschmückt mit einem Gemälde von Sandro Botticelli (Portrait der Simonetta Vespucci). Das beiliegende Informationsheftchen liefert sinnvolles Hintergrundwissen zu Werk und Rezeption des Decamerone und zu Boccaccios Biographie.

Nur das Inhaltsverzeichnis hätte ich mir ausführlicher gewünscht, es listet nur die Erzähltage auf, jedoch nicht die einzelnen Novellen; das macht ein Wiederfinden bestimmter Textpassagen mühsam. Ich habe mir selbst ein handschriftliches Register angelegt, was eine geringe Anstrengung war, wenn man bedenkt, daß Giovanni Boccaccio das 1000-seitige Decamerone gut 100 Jahre vor der Erfindung des Buchdrucks geschrieben hat. Gerne habe ich dem Meister auf diese Weise die Ehre gegeben.

Der Autor:

»Giovanni Boccaccio (1313 – 1375) wuchs in Florenz auf und absolvierte in Neapel eine kaufmännische Lehre. Aus Widerwillen gegen den Kaufmannsberuf begann er ein Jurastudium, das er jedoch nicht abschloss. In Neapel verkehrte er am Hof des Königs. 1340 kehrte Boccaccio nach Florenz zurück und arbeitete dort als Richter und Notar. Unterbrochen von zahlreichen Reisen mit seinem Freund Petrarca und Aufenthalten in Mailand, Venedig, Neapel und Rom verbrachte er den Rest seines Lebens zurückgezogen auf seinem Landgut bei Certaldo unweit von Florenz