Wer sich verändert, verändert die Welt

  • Für ein achtsames Zusammenleben
  • von Christophe André
  • Jon Kabat-Zinn
  • Matthieu Ricard
  • Pierre Rabhi
  • Herausgegeben von Ilios Kotsou und Caroline Lesire
  • Aus dem Französischen von Elisabeth Liebl
  • Kösel Verlag, Juli 2018 www.koesel.de
  • gebunden
  • Format: 13,5 x 21,5 cm
  • 224 Seiten
  • mit zahlreichen s/w-Fotos
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-466-34736-0

GLÜCKLICHE  GENÜGSAMKEIT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ermutigungen tun gut. Angesichts einer bedrohten Welt sind Ermutigungen zu selbst-wirksamen Veränderungen, die wiederum heilsam auf die Welt ausstrahlen, erfreulich lebensdienlich.

»Eines Tages, so erzählt eine indianische Legende,
brach ein riesiger Waldbrand aus. Bestürzt und
ohnmächtig sahen die Tiere dem Wüten des Feuers
zu. Allein der kleine Kolibri machte sich zu schaffen
und flog immer wieder, um ein paar Tropfen Wasser
zu holen, die er aus seinem Schnabel auf die Flammen
fallen ließ. Nachdem das Gürteltier seinem unsinnigen
Treiben einige Zeit zugesehen hatte, rief es
ihm zornig zu: „He, Kolibri! Bist du eigentlich noch
ganz bei Trost? Mit deinen paar Tropfen Wasser
wirst du dieses Feuer niemals löschen!“ Daraufhin
blickte ihm der Kolibri geradewegs in die Augen und
sagte: „Kann sein. Aber ich tue, was ich tun kann.“  «
(Seite 11)

Mit der obig zitierten indianische Legende wird das Buch „Wer sich verändert, verändert die Welt“ eingeleitet.

Wir können und wir dürfen vom Kleinen zum Großen hin wirken. Achtsamkeitsübungen und Meditation sind dann keineswegs Weltflucht, sondern geistiges Muskeltraining gegen die mentalen Umweltgifte unserer Zeit. Wenn durch innere Sammlung, klärende Selbsterkenntnis und Präsenz sowohl unser Mitgefühl für uns selbst als auch unser Mitgefühl mit anderen Menschen und Mitgeschöpfen wächst, finden wir zu einem konstruktiveren Umgang mit den uns gegebenen Möglichkeiten und Bedingungen.

Im ersten Kapitel benennen die Herausgeber Ilios Kotsou und Caroline Lesire die unge-rechte Wirtschafts- und Sozialordnung, die Ausbeutung und Zerstörung von Natur, Tieren und Menschen, die Fehlentwicklungen und gefährlichen Umweltveränderungen in Hinsicht auf „Klimawandel, Abbau der Ozonschicht, Landnutzung, Süßwasserver- brauch, Verlust der Artenvielfalt, Übersäuerung der Ozeane, Stickstoff- und Phosphor- eintrag in Biosphäre und Meere, Aerosolgehalt der Atmosphäre, Belastung durch Chemi- kalien“ (Seite 33/34) sowie „die Irrwege der industriellen Fleischproduktion“ (Seite 35).

In den folgenden Kapiteln beschreiben Christophe André, Jon Kabat-Zinn und Matthieu Ricard u.a. anhand aktueller psychologischer Studien, wie Achtsamkeitspraxis und Meditation unseren Geist vor den schädlichen Ablenkungen, Zwängen und gewollten Frustra-tionen des Materialismus, der künstlichen Unzufriedenheit, des Zeitdrucks, des Egoismus und Konkurrenzdenkens schützen können und zugleich hinführen zu mehr Altruismus, Dankbarkeit, Einfachheit, Großzügigkeit, Heilung, Gemeinwohlorientierung und sozialer Verbundenheit sowie zu einem langfristigen Denken, das wesentlich größere Zusammenhänge einbezieht als das sekundenkurze Denken der globalen Finanzwelt.

Pierre Rabhi erweitert den Achtsamkeitsaspekt auf den Umgang mit der Erde und die Kultivierung von Humus, um die Lebenskraft und Fruchtbarkeit der Böden zu bewahren. Durch das kooperative Miteinander zwischen Menschen sowie zwischen Mensch und Natur kommen wir zudem einem zyklischen Zeitverständnis wieder nahe, finden zu „glücklicher Genügsamkeit“ und sind nicht länger bewußtlose Konsummarionetten auf der sinnlosen Jagd nach Selbstwertprothesen.

Die von den Autoren angeregte „Achtsamkeitsrevolution“ wirkt der Natur-  und Selbst-entfremdung entgegen, nährt und bestätigt die in uns angelegten Samen der Liebe, Güte und der Empathie und fördert unsere ganzheitliche Erkenntnisfähigkeit. Das harmonische Zusammenwirken von Geist und Herz führt zu mehr Gelassenheit und Zufriedenheit.

Jeder der Autoren verweist ergänzend auf für ihn vorbildliche Persönlichkeiten, die ihn inspirieren und wartet mit ganz praktischen, unkomplizierten Anregungen für den Lebensalltag auf.

Der Anhang zum Buch informiert kurz und bündig über vielfältige „Projekte, die die Welt bewegen“, nebst entsprechenden Linkadressen und Literaturhinweisen, wie beispiels-weise: www.colibris-lemouvement.org
www.siebenlinden.de
www.mbsr-verband.de
www.foodsharing.de
www.slowfood.de
www.slowfoodyouth.de

»Die Utopie zu leben, das heißt vor allen Dingen zu akzeptieren, dass etwas im Werden begriffen ist. Ein Geschöpf voller Achtsamkeit und Mitgefühl zu sein, ein Geschöpf, das mit seiner Intelligenz, seiner Fantasie und seinen Händen dem Lob des Lebens dient … « (Seite 157)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPORBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Wer-sich-veraendert-veraendert-die-Welt/Christophe-Andre/Koesel/e459714.rhd

Die Autoren:

»Christophe André ist Arzt, Psychiater und Autor erfolgreicher Bücher über die Kraft der Emotionen. Als einer der Ersten hat er Achtsamkeitsmeditation in die Psychotherapie integriert.«

»Jon Kabat-Zinn, emeritierter Professor für Medizin und Bestsellerautor, gilt als Vater der modernen Achtsamkeitsmeditation. Sein Programm MBSR (Stressbewältigung durch Achtsamkeit) wird weltweit unterrichtet.«

»Pierre Rabhi ist Poet, Philosoph und Begründer der Agro-Ökologie, einer von Menschlich-keit geprägten Landwirtschaft. Er entwickelt Projekte für Länder, die an Wassermangel leiden.«

»Matthieu Ricard, Naturwissenschaftler und anerkannter Fotograf, lebt seit über 25 Jahren als buddhistischer Mönch. Der Übersetzer des Dalai Lama setzt sich für zahlreiche humanitäre Projekte ein.«

 

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Der Weihnachtskarpfen

  • Text von Rita Törnqvist-Verschuur
  • Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch
  • Illustrationen von Marit Törnqvist
  • Verlag Urachhaus, August 2016  www.urachhaus.com
  • Auflage 2017
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x29,5 cm
  • 32 Seiten
  • 16,00 €
  • ISBN 978-3-8251-7986-1
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

ES  MUSS  NICHT  IMMER  KARPFEN  SEIN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Thomas verbringt die Winterferien bei seinem Großvater in Prag. Die Gesellschaft des Enkels soll dem kürzlich verwitweten Großvater die Festtage erhellen. Am Tag vor Heiligabend wollen die beiden den traditionellen Weihnachtsbaum und den traditio- nellen Weihnachtskarpfen kaufen gehen.

Um des Großvaters Kräfte zu schonen, teilen sie sich diese Aufgaben. Der Großvater will den Baum besorgen, und Thomas wird auf dem Markt einen Karpfen auswählen.

Die lebenden Karpfen werden in großen Wasserbottichen angeboten und Thomas ent-deckt schnell einen Karpfen, der ihm gefällt. Er gibt ihn auch gleich einen Namen und verspricht ihm, daß er in der Badewanne mit Thomas‘ Segelboot schwimmen dürfe. Die Fischhändlerin steckt den lebenden Karpfen in eine Plastiktüte, und Thomas versucht während des Bezahlens zu übersehen, daß ein anderer Kunde lieber einen toten Karpfen kauft und welch blutige Handlung dafür notwendig ist.

Illustration von Marit Törnqvist © Verlag Urachhaus 2016

Eilends macht sich Thomas auf den Heimweg und wässert unterwegs mehrfach seinen Karpfen in der Tüte. Er verläuft sich und muß den Karpfen vor einer Katze, einer Gans, einer Gruppe von Schwänen und einem Hund beschützen. Doch schließlich finden die beiden wohlbehalten zurück.

Illustration von Marit Törnqvist © Verlag Urachhaus 2016

Der Großvater empfängt den Enkel an der Wohnungstür, und sie füllen für den Karpfen die Badewanne mit Wasser. Thomas spielt noch eine Weile mit dem Karpfen, und dann ist Schlafenszeit.

 

Illustration von Marit Törnqvist © Verlag Urachhaus 2016

Am nächsten Tag backt Thomas gemeinsam mit seinem Großvater karpfenförmige Kekse, und sie basteln aus Walnußschalenhälften kleine Kerzenschiffe. Sie lassen die Kerzenschiffchen auch in der Badewanne schwimmen, damit der Karpfen sie sehen kann.

Als der Großvater Thomas schließlich auffordert, eine Stunde draußen zu spielen, ahnt Thomas, was währenddessen geschehen soll, und er fleht deshalb seinen Großvater an, eben dies nicht zu tun.

Der Großvater beruhigt seinen Enkel und schickt ihn gleichwohl für eine Stunde in den Hof zum Spielen. Thomas ist voller Sorge um seinen Karpfen und vergißt darüber sogar seinen Wunschzettel. Schließlich ruft ihn der Großvater zum Abendessen herein, und auf dem Küchentisch steht ein Aquarium mit dem lebenden Karpfen.

Illustration von Marit Törnqvist © Verlag Urachhaus 2016

Thomas ist glücklich und tanzt zusammen mit seinem Großvater ein Freudentänzchen. Sie essen Suppe und Brot, der Großvater entzündet die Kerzen am Weihnachtsbaum, einträchtig musizieren sie gemeinsam und packen dann ihre Geschenke aus. Empathisch lenkt der Großvater Thomas dahin, zu erkennen, was wohl das schönste Geschenk für den Karpfen sei, und so wird der Karpfen am nächsten Tag in die Freiheit, sprich: in die Moldau entlassen.

Rita Törnqvist-Verschuur erzählt in „Der Weihnachtskarpfen“ mit ruhigem, stimmungsvollem Tonfall von weihnachtlicher Vorfreude, inniger fami- liärer Bindung und Vertrautheit, von Mitgefühl, Zugewandtheit und vom Loslassen.

Die schönen Illustrationen (Aquarelle) von Marit Törnqvist ergänzen den Erzähltext harmonisch um eine attraktive architektonische Prager Stadt- kulisse und das gemütliche Interieur der großväterlichen Altbauwohnung. Für die Beziehung zwischen Thomas und seinem Großvater findet sie eine mimisch und körpersprachlich warmherzig-ausdrucksvolle Darstellung.

Thomas geht trotz seines zarten Alters sehr einfühlsam mit seinem alten Großvater um, und der Großvater bricht lieber mit einer Tradition, als das Herz seines Enkelkindes zu brechen. In der herzerwärmenden Unmittel- barkeit des kindlichen Mitgefühls mit einem anderen Geschöpf zeigt sich, wie uns die kindliche Perspektive Gewohnheiten in einem anderen Licht erscheinen lassen können.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.geistesleben.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Der-Weihnachtskarpfen.html

 

Die Autorin:

»Rita Törnqvist-Verschuur wurde 1935 in Amsterdam geboren. Im Alter von 12 Jahren zog sie mit ihrem Vater nach Schweden, wo sie die Landessprache studierte, Astrid Lindgrens Bücher ins Niederländische übersetzte und bald selbst zu schreiben begann. Seit 1971 lebt sie wieder in den Niederlanden.«

Die Illustratorin:

»Marit Törnqvist wurde 1964 in Uppsala, Schweden geboren. Mit fünf Jahren zog sie mit ihrer Familie in die Niederlande. Sie studierte Malerei in Amsterdam und veröffentlichte 1995 ihr erstes Buch. Ihr Name ist untrennbar mit dem Astrid Lindgrens verbunden, deren Bücher sie illustrierte. Marit Törnqvist lebt in Amsterdam und Südschweden.«

 

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Einfach Mensch sein

  • Von Tieren lernen
  • von Sy Montgomery
  • aus dem Amerikanischen von Heide Sommer
  • Originaltitel: »How to Be a Good Creature. A Memoir in Thirteen Animals«
  • mit Illustrationen von Rebecca Green
  • und einem Nachwort von Donna Leon
  • DIOGENES Verlag  März 2019   http://www.diogenes.ch
  • in Leinen gebunden
  • mit Schutzumschlag
  • 208 Seiten
  • 22,00 € (D). 22,70 € (A), 30,00 sFr
  • ISBN 978-3-257-07064-4

BIOGRAPHISCHE  TIERSCHAU

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sy Montgomery ist durch ihre Arbeit als Wissenschafts- und Umweltjournalistin weit in der Welt und der Natur herumgekommen. Für das vorliegende Buch „Einfach Mensch sein“ berichtet sie von verschiedenen Tieren, die ihr auf Expeditionen begegnet sind, und von Tieren, die ihr Privatleben geteilt und begleitet haben. Dabei geht sie lebens- chronologisch vor.

Mit der Scotchterrier-Hündin „Molly“ beginnt der Reigen tierischer Freunde, ja, Familien-mitglieder. Sy Montgomery bekam im zarten Alter von drei Jahren von ihren Eltern diesen Welpen geschenkt, und die innige Kind-Hund-Beziehung begründete ihre lebens-lange Tierliebe. Während es Montgomerys Mutter lieber gewesen wäre, wenn ihre Tochter mehr „Mädchenhaftigkeit“ entwickelt hätte, strebte Sy Montgomery nach mehr „Hündchenhaftigkeit“, bewunderte Mollys Fähigkeiten und ihre Wildheit und wollte so weit wie menschenmöglich daran teilhaben.

Viele Jahre später „adoptierte“ die Autorin ein Ferkel, einen sogenannten „Kümmerling“, der kränkelte und nur halb so groß wie seine Geschwister war. Gemeinsam mit ihrem Mann päppelte sie das kleine Sorgenkind, nannte es Christopher Hogwood, und nach fünf Jahren wog das Schwein, das einst in einen Schuhkarton gepaßt hatte, mehr als siebenhundert Pfund. Begeistert erzählt Sy Montgomery von der speziesübergreifenden Kontaktfreudigkeit Christopher Hogwoods und schwört, daß sie die kommunikativen Nuancen seines Schweinegrunzens verstehen konnte.

Auch in der Wildnis geht die Autorin nahe an Tiere heran. Während einer Expedition in Australien gelingt es ihr, mit geduldiger Ausdauer und langsamer Gewöhnung das Ver- trauen von drei wilden Emus zu gewinnen und sich ihnen bis auf einen Meter Entfern- ung zu nähern und sogar an ihrem Schlafplatz zu verweilen. Stets ist sie mit weit geöffnetem Herzen und allen Sinnen bei den Tieren und voller Dankbarkeit für das lebendige Wissen, das sich in ihnen offenbart.

Egal ob es um ihre häuslichen Hühner geht oder um Vogelspinnen, um seltene Baum- kängurus, einen Oktopus, ein vorwitziges Wiesel oder diverse Hunde – stets begegnet sie jedem Lebewesen auf Augenhöhe oder, besser gesagt, auf Herzenshöhe.

Die den Text begleitenden verspielten Zeichnungen von Rebecca Green spiegeln gekonnt die überaus zärtlich-zugewandte und fürsorgliche Naturperspektive der Autorin.

Dieses Buch wird naturverbundene Tierfreunde unmittelbar ansprechen. Die Autorin unterscheidet nicht zwischen possierlichen und weniger possierlichen Tieren. Sie öffnet ihr Herz gewiß weiter und konsequenter für alle Tiere als der durchschnittliche Mensch.

Die achtsame Berührung mit Tieren verbindet uns Menschen wieder mit dem wilden Herzen des Lebens und lehrt uns Respekt, Staunen und natürliche Demut. Ob sich Sy Montgomerys extrem intensive Mensch-Tier-Verbundenheit einer quasi-religiösen Über-höhung nähert, die zwischenmenschliche Beziehungen eher erschweren mag, sollte jeder Leser selbst entscheiden. Unstreitig sind indes die zutiefst beeindruckenden lebhaften Tierportraits.

Mit ihren ebenso berührenden wie biologisch-informativen, sinnlich-stimmungsvollen, tiereinfühlsamen Beschreibungen vermittelt sie anschaulich und glaubhaft, daß Tiere über Charakter, Individualität und Seelenstärke verfügen und daß wir, wenn wir uns wirklich auf sie einlassen, von ihnen ergänzende Wahrheiten erfahren können, die unser Leben bereichern und inspirieren.

„Eine Spinne kann die Welt mit ihren Füßen erschmecken. Vögel sehen ungeahnte Farbnuancen. Eine Grille kann mit den Beinen singen und mit den Knien hören. Ein Hund kann Töne wahrnehmen, die weit über den Frequenzen des menschlichen Hörvermögens liegen, und spürt, wenn man verärgert ist, noch ehe man es selber weiß.“ (Seite 10)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/sy-montgomery/einfach-mensch-sein-illustriert-von-rebecca-green-9783257070644.html

 

Die Autorin:

»Sy Montgomery, geboren 1958 in Frankfurt am Main, ist die Autorin des Bestsellers Rendezvous mit einem Oktopus. Zur Recherche für ihre Bücher war sie mit Piranhas, rosa Delphinen, Zitteraalen und Schneeleoparden unterwegs – um dann die wahren Wunder der Natur vor dem eigenen Fenster zu entdecken. Montgomery lebt in New Hampshire.
2019 wurde sie mit dem „Award for Environmental Excellence“ der Antioch New England Graduate School, Fachbereich Umweltwissenschaften für herausragende Beiträge für Umwelt und Nachhaltigkeit gewürdigt.«

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Das kleine weiße Pferd

  • von Elizabeth Goudge
  • Die englische Originalausgabe erschien 1946
  • unter dem Titel »The Little White Horse«
  • bei University of London Press Ltd.
  • Aus dem Englischen von Sylvia Brecht-Pukallus
  • Mit den Illustrationen der englischen Originalausgabe
  • von C. Walter Hodges
  • Umschlagillustration von Robin Corfield
  • Neuausgabe August 2018 Verlag Freies Geistesleben www.geistesleben.com
  • gebunden
  • 320 Seiten
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 16,00 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2723-4
  • Kinderbuch ab 9 oder 10 Jahren (für versierte Leser)
  • sonst eher ab 11 oder 12 Jahren

MO N D L I C H T Z A U B E R

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Braucht ein Kinderbuchklassiker noch eine weitere Empfehlung, wenn es das öffentlich erklärte Lieblingskinderbuch von Joanne K. Rowling ist? Ich finde eine etwas ausführ-lichere Empfehlung meinerseits indes durchaus angebracht und mache mich gerne und mit Vergnügen ans Werk.

Die dreizehnjährige Maria Merryweather reist im Jahre des Herrn 1842 mit ihrer Gouver-nante Miss Jane Heliotrope und Wiggins, ihrem verwöhnten King-Charles-Spaniel, von London nach Devonshire. Nach dem Tod ihres Vaters – die Mutter starb schon, als Maria noch ein Säugling war – hat ihr Vetter zweiten Grades, Sir Benjamin Merryweather, Maria eingeladen, auf seinem Herrensitz Moonacre Manor zu leben.

Auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause fährt die Kutsche durch den weitläufigen nächt-lichen Park von Moonacre Manor, und auf einer mondbeschienenen Lichtung erspäht Maria flüchtig ein kleines weißes Pferd, das einige Tage später in einem dramatischen Moment eine wegweisende Rolle spielen wird.

Schon bald werden die Damen nebst Hündchen sehr warmherzig von Sir Benjamin Merryweather im Herrenhaus empfangen. Maria und ihr Vetter sind sich auf den ersten Blick sympathisch, und auch Miss Heliotrope fühlt sich herzlich angenommen. Maria wird ein schön eingerichtetes Turmzimmer zugewiesen, das für ihre zierliche, beinahe feenhafte Gestalt maßgeschneidert zu sein scheint. Es hat eine gerippte Gewölbedecke, in deren Mitte eine von Sternen umrahmte Mondsichel eingemeißelt ist.

Illustration von C. Walter Hodges © Verlag Freies Geistesleben 2018

Die anfängliche Sorge, das Landleben könne unbequem sein, erweist sich als gänzlich unbegründet. Das Anwesen ist wunderschön und von vielen Gärten und einem großzü-gigen Park umgeben, und der eigenwillige, zwergenhafte Küchenchef Marmaduke Scarlet zaubert die köstlichsten Speisen.

Obwohl sich Sir Benjamin und Marmaduke Scarlet auf ihre chronisch-junggesellige Art rühmen, daß seit zwanzig Jahren kein weibliches Wesen mehr auf Schloß Moonacre weilte, sind sie doch sehr freundlich zugewandt und aufmerksam gegenüber Maria und Miss Heliotrope und bemühen sich ebenso sehr um ihre Behaglichkeit wie um ihre Zerstreuung.

Äußerst verständige Tiere gehören ebenfalls zum Haushalt; da wären der prächtige Kater Zacharias, der sogar schreiben kann, Wrolf, ein sehr, sehr großer Hund, der eigentlich ein Löwe ist, die weiße Häsin Serena sowie einige Pferde und Ponys.

Maria fühlt sich schnell heimisch. Sir Benjamin zeigt ihr das nahegelegene Dorf Silvery-dew, und nach dem ersten Sonntagsgottesdienst lernt sie den unkonventionellen und musikalischen Pfarrer, Louis de Fontanelle, kennen und schätzen. Im Hirtenjungen Robin findet sie einen treuen Freund und Helfer, und Robins Mutter Loveday ist beinahe so etwas wie eine gute Fee, auch wenn sie ganz menschlich ist.

Illustration von C. Walter Hodges © Verlag Freies Geistesleben 2018

Zunächst erscheint alles in geradezu paradiesischer Harmonie, doch nach und nach zeigt sich, daß sich schlechte Taten aus lang vergangener Zeit bis in die Gegenwart als böse Schatten, Unfrieden und Gefahr für das liebliche Tal und seine Bewohner auswirken.

In der Dorfkappelle betrachtet Maria die lebensgroße Steinskulptur, die den Sarkophag ihres Urahnen Sir Wrolf Merryweather bedeckt. Die Skulptur zeigt einen Ritter in voller Montur, mit einem echten, eisernen Schwert an seiner Seite.

Vor vielen Jahrhunderten eignete sich dieser Urahn aus Habgier das Grundstück und das fruchtbare Weideland des nahegelegenen Klosters, das auf dem Paradiesberg rund um eine heilige Quelle errichtet worden war, widerrechtlich an. Die Mönche wurden vertrie-ben und das Kloster verfiel.

Außerdem trug Sir Wrolf Merryweather eine langjährige, erbitterte Fehde mit Sir William Cocq de Noir aus, dem die Kiefernwälder gehörten, die hinter Schloß Moonacre zur Bucht von Merryweather führen. Im Verlauf dieser Auseinandersetzungen gab es böse Kämpfe, Hinterlist, wahre und unwahre Liebe, tragische Mißverständnisse und ungeklärte Todesfälle.

Eine Folge dieser historischen Altlast ist, daß die Nachfahren von Sir William Cocq de Noir den Bewohnern von Silverydew den Zugang zum Meer verwehren und daß sie sich dreist räuberisch an den Feldfrüchten der Dorfbewohner bedienen und hemmungslos überall grausame Fallen aufstellen und wildern.

In jeder Merryweather-Generation, so geht die Sage, gäbe es eine Mondprinzessin, in deren Herz und Hand es läge, diese familiäre Verstrickung zu lösen und eine Aus- söhnung herbeizuführen. Bisher ist dies jedoch immer mißlungen.

Maria hegt nicht den geringsten Zweifel daran, daß es nun ihre Aufgabe sei, diese ver-worrenen Konflikte zu bereinigen, und sie bekommt von Robin, Loveday, dem Pastor und den weisen Tieren lebhafte Unterstützung. Sie muß nun Geheimisse entschlüsseln und sich Gefahren stellen, ihre Angst überwinden und auch ihren eigenen Stolz. Doch dank ihres gesunden Menschenverstandes und ihrer Intuition findet sie einen für alle gangbaren Weg des Ausgleichs und der Versöhnung – aus Feinden werden Freunde und gute Nachbarn und schließlich werden viele Herzen geheilt …

„Das kleine weiße Pferd“ ist ein niveauvolles Kinderbuch, das mit vielschichtigen inhalt-lichen und sprachlichen Feinheiten sowie fantasievollem Detailreichtum aufwartet. Die verschnörkelt abzweigungsreiche Geschichte wird mit beschaulicher Spannung und Dramaturgie gemächlich erzählt – von andante zu andantino bis zum abschließenden Gloria tutti.

Illustration von C. Walter Hodges © Verlag Freies Geistesleben 2018

Dieses Buch ist im Jahre 1946 erschienen und verfügt über einen überaus reizvoll-blumigen altmodischen Charme. Den sinnlichen und appetitanregenden Beschreibun- gen der Speisen kann man eine Wertschätzung für Nahrungsmittel ablesen, die sich gewiß aus der Erfahrung der Autorin mit kriegs- und nachkriegsbedingter Nahrungs- mittelknappheit speist.

Die feinlinierten, an alte Stiche erinnernden Schwarz-Weiß-Illustrationen von C. Walter Hodges geben die dunkel-geheimnisvollen und gemütlich-heiteren Aspekte der Hand- lung textgetreu wieder. Das vordere Vorsatzblatt ziert eine detailgetreue Zeichnung des Moonacre Anwesens und das hintere Vorsatzblatt eine Übersichtskarte mit den wesent-lichen Schauplätzen rund um Moonacre. Die feenstaubig-silbrigen Glitzereffekte auf dem Buchdeckel passen vorzüglich zum zauberhaften Buchinhalt.

Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert, und dementsprechend sind die Umgangsformen und die Geschlechterrollen ausgestaltet. Drei misogyne Bemerkungen aus launiger Jung-geselligkeit kann auch die heutige Leserin gelassen und traumafrei abperlen lassen, zu-mal die Herren sich in ihrem tatsächlichen Handeln gegenüber Frauen als durchwegs freundlich, gütig und zugeneigt erweisen.

Maria Merryweather ist ein selbstbewußtes, sensibles und neugieriges Mädchen. Sie ist feenhaft zart und zugleich tapfer, trotz kleiner Eitelkeiten nicht oberflächlich, sondern mitfühlend und hilfsbereit. Ihre blaublütig edle Gesinnung verträgt sich durchaus mit ganz natürlicher, leiblich-kulinarischer Genußfreude.

Der Schauplatz des Geschehens ist märchenhaft zeitlos. Das Reich von Moonacre verfügt über Daseinsbedingungen, die man sonst eher dem Feenreich zuordnet; so blühen jahreszeitenübergreifend alle möglichen Blumen, und Ebereschen tragen schon im Früh-jahr rote Beeren. Es gibt ganz selbstverständlich zwergenhafte Hausbedienstete, und Tieren wird großer Respekt entgegengebracht – wenn man einmal großzügig darüber hinwegsieht, daß bei den ausgiebigen Mahlzeiten doch recht viel Fleisch verzehrt wird.

Obwohl die Menschen in diesem Buch dem christlichen Glauben angehören, ist die Geschichte mit zahlreichen, sehr naturverbundenen, vorchristlich-keltischen Symbolen verflochten. Die Beschreibungen der häuslichen und landschaftlichen Kulissen sind von lebhaftester Anschaulichkeit und erfüllt von einer geheimnisvollen mythischen Präsenz.

Gleichwohl geht die stärkste Ausstrahlungskraft von der meisterlichen Charakterzeich-nung der Figuren aus. Die differenzierte, köstlich-augenzwinkernde Darstellung der Personen zeugt von großer Menschenkenntnis und bereitet ein delikates Lesevergnü- gen. Es ist wunderbar, wie Elizabeth Goudge wechselwirksam vom Inneren zum Äußeren und vice versa der verschiedenen Persönlichkeiten berichtet – so entsteht eine gleichsam greifbare Nähe zu den Charakteren. Sie bleiben uns durch ihre zwischen- menschliche Einzigartigkeit in unvergeßlich-leuchtender Leseerinnerung.

 

»Sie (Maria) ging von einer Ecke zu anderen, legte ihren Mantel, ihr Häubchen und den Muff in eine der Truhen, strich vor dem Spiegel ihr Haar glatt, wusch sich die Hände in dem Wasser, das sie aus der kleinen Silberkanne in die Silberschale goss,und berührte all die schönen Dinge mit den Fingerspitzen, als könnte sie sich mit dieser Liebkosung in ihrem Herzen bei den Menschen bedanken, die das alles geschaffen und hergerichtet hatten.«  Seite 35)

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.geistesleben.de/Buecher-die-mitwachsen/Kinderbuch/Das-kleine-weisse-Pferd.html

Die Autorin:

»Elizabeth Goudge (1900 – 1984), war als Kunstgewerbelehrerin tätig, bis sie das Schreiben als ihren Beruf erkannte. Ihr erster Roman Inselzauber erschien 1934. Seither sind ihre Bücher in Millionen Exemplaren in der ganzen Welt erschienen.«

 

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Geheimnisse der Natur

  • Phänomene in Garten, Wald und Wiese
  • beobachten und verstehen
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • Buchvorlage pala Verlag
  • Produktion: Der Hörverlag 2017
  • gekürzte Lesung von Peter Kaempfe
  • erschienen im Hörverlag Februar 2018  www.hoerverlag.de
  • 9 CDs in Pappkästchen
  • Gesamtlaufzeit 10 Stunden, 51 Minuten
  • 24,99 € (D), 28,10 € (A), 34,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2823-7

A U G E N Ö F F N E R

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wie alle Bücher Peter Wohllebens ist auch „Geheimnisse der Natur“ ein praktisches und buchstäblich lebensnahes Heilmittel gegen Naturferne und eine spannende und wissenswertvolle Schule des Sehens.

Das vorliegende Hörbuch entfaltet auf neun CDs das gebündelte Wissen aus zwei Sachbüchern von Peter Wohlleben. Die ersten vier CDs konzentrieren sich auf das Verständnis von leicht zu beobachtenden Naturerscheinungen (Buchtitel: Von Kranichflug bis Blumenuhr), und die fünf folgenden DCs umkreisen weitläufig das Thema Bäume (Buchtitel: Bäume verstehen).

Peter Wohlleben erklärt Naturphänomene und die zahlreichen damit verknüpften wechselwirksamen Zusammenhänge höchst anschaulich und einleuchtend.

Beispielsweise erfahren wir, wie wichtig die unterirdischen Ameisenbautätigkeiten für die Bodenlockerung, Bodenbelüftung und die bessere Durchwurzelung der Erde sind – was beiläufig auch für die Grabetätigkeit des Maulwurfs gilt.

Wir lernen, mit Hilfe des Gänseblümchens das Wetter vorherzusagen. Gänseblümchen-blüten schließen ihr Blüteninneres, wenn Regen oder Gewitter nahen. Dies tun sie durch thermonastische Bewegungen, d.h. daß die Oberseite der Gänseblümchen-Blütenblätter bei steigender Temperatur schneller wächst als die Unterseite, wodurch sich die Blüte öffnet. Sinkt hingegen die Temperatur, wächst die Unterseite der Blütenblätter schneller, und die Blüte schließt sich. So zeigen geschlossene oder geöffnete Gänseblüm- chenblüten tagsüber zuverlässig an, ob Regen im Anzug ist oder nicht.

Das Wissensspektrum des Hörbuches reicht von der korrekten Deutung der Schnee-flockengröße und Wolkenfärbung bis zur sichtbaren Unterscheidung von Planeten und Sternen am nächtlichen Himmel, von Bodentypen (Sand, Schluff, Ton, Lehm) und ihren unterschiedlichen Wasser- und Kohlenstoffspeicherkapazitäten bis Humusförderung, Erosionsverhinderung und lebenswichtigen Regenwürmern. Weitere Stichworte sind Klimawandel, Windgeschwindigkeiten, Zeigerpflanzen, tierisches Revierverhalten, Vogelruf und Vogelzug, das natürliche Gleichgewicht zwischen sogenannten Nützlingen und Schädlingen, Streusalzschäden, Mondphasen und Lichtverschmutzung …

Weiter geht es mit Aufbau und Lebenslauf der Bäume durch alle Jahreszeiten von der Wurzel bis zum Blatt sowie vom Sämling bis zur Frucht. Es folgen Baumportraits von Eiche, Birke, Fichte, Linde, Pappel, Vogelkirsche, Kiefer, Apfelbaum, Hainbuche und Rotbuche, Baumwuchsformen, Baumalter und Baumkrankheiten, korrekter Baum- schnitt, die Gartentauglichkeit oder -Untauglichkeit bestimmter Bäume, die unterschiedlichen Überlebensstrategien von Bäumen und Sträuchern und die Unterschiede zwischen stör- und sturmanfälligen Plantagenwäldern und nachhaltig-lebenstüchtigen Urwäldern.

Peter Wohlleben weist deutlich auf die Gefahren für die Bodenfruchtbarkeit und den natürlichen Wasserkreislauf durch die industrielle Landwirtschaft hin. In diesem Zusammenhang spielt die Bodenverdichtung durch tonnenschwere Land- und Forstmaschinen eine besonders problematische Rolle.

Seine Ausführungen zur heute üblichen Jagdpraxis verdienen besondere Erwähnung. Die natürliche Wilddichte pro km² beträgt ein Reh und sogar noch etwas weniger Hirsch und Wildschwein. Das genügt den Jagd- und Trophäenbedürfnissen gewisser Kreise jedoch nicht, also werden die Wildbestände durch Fütterung und Schonung der weiblichen Tiere auf das 50 bis 100fache an Wilddichte pro km² erhöht.

Die Lieblingsspeise von Rehen sind Laubbaumknospen. Ein Reh pro km² hindert den Wald nicht an seiner natürlichen Erhaltung, 50 bis 100 Rehe, die sich an der Gipfelknospe von Jungbäumen gütlich tun und damit das Leben des Baumnachwuchses beenden, schaden der Laubwalderhaltung indes gravierend.

Der Autor hofft auf die Rückkehr von Wölfen und Luchsen, die den Wildtierbestand wieder ins Gleichgewicht bringen können, sofern diese Raubtiere nicht – angesichts lascher behördlicher Kontrollen und Sanktionen – heimlich illegal abgeschossen werden. Er zitiert ein altes russisches Sprichwort, das ich hier gerne wiederhole:

„Wo der Wolf geht, wächst der Wald.“

Peter Wohlleben vermittelt uns eine überaus informative, sinnliche und zutiefst ganzheitliche Naturbetrachtung und Naturentzifferung. Komplexe Zusammenhänge werden eingängig erklärt, und alle angesprochenen Themen fügen sich zu einem sinnvollen Zusammenhang, der beeindruckt. Seine Anleitung zu einer achtsamen und wertschätzenden Wahrnehmung der Natur wirkt bewußtseinsbildend und kann die Liebe zur Natur reanimieren.

Der Vorleser Peter Kaempfe liest mit einer sonoren Souveränität und ausdrucksvollen Gelassenheit, die sehr gut zu den im erzählerischen Ton formulierten Sachtexten von Peter Wohlleben passen.

„Geheimnisse der Natur“ legt uns mit Gefühl diese Natur ans Herz und hebt uns mit Verstand ihre feinverästelte Komplexität ins Bewußtsein.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Geheimnisse-der-Natur/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e533263.rhd

Hier entlang zu den dazugehörigen Buchausgaben und LESEPROBEN beim pala Verlag:
Kranichflug und Blumenuhr https://pala-verlag.de/buecher/kranichflug-und-blumenuhr/
Bäume verstehen https://pala-verlag.de/buecher/baeume-verstehen/

Querverweis zu drei weiteren wissenswerten Werken von Peter Wohlleben:

Das geheime Leben der Bäume https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/02/06/das-geheime-leben-der-baeume/
Das geheime Netzwerk der Natur https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/01/13/das-geheime-netzwerk-der-natur/
Das Seelenleben der Tiere https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforst-verwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel. Dort arbeitet er an der Rück-kehr der Urwälder. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Mit seinen Bestsellern Das geheime Leben der Bäume und Das Seelenleben der Tiere hat er Menschen auf der ganzen Welt begeistert.«   http://www.wohllebens-waldakademie.de

Der Sprecher:

»Peter Kaempfe, seit 43 Jahren erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler, startete seine Karriere mit Engagements in Tübingen, München und Hamburg. Er war Gründungs-mitglied der Bremer Shakespeare Company und erhielt mit dem Wintermärchen den Förderpreis der Akademie der Künste, Berlin. Seine ausdrucksstarke Stimme ließ ihn zum erfolgreichen Kommentarsprecher in mehr als 800 Fernsehdokumentationen für alle deutschen Sendeanstalten werden. Außerdem ist er zu hören in über 300 Hörspielen und Hörbüchern, dazu immer wieder in vielen Live-Lesungen und Solo-Programmen.«

 

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Die Schneeschwester

  • Eine Weihnachtsgeschichte in 24 Kapiteln
  • von Maja Lunde
  • Originaltitel: »Snøsøsteren«
  • aus dem Norwegischen von Paul Berf
  • Buchvorlage:  btb Verlag
  • Hörbuch Oktober 2018 der Hörverlag  www.hoerverlag.de
  • vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag 2018
  • Regie: Caroline Neven Du Mont
  • gelesen von Axel Milberg
  • Laufzeit: ca. 3 Stunden und 40 Minuten
  • 3 CDs
  • 14,99 € (D), 16,90 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-3246-3
  • Kinderbuch ab 10 Jahren aufwärts bis 100 Jahren

DIESSEITS  VON  WEIHNACHTEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Die Schneeschwester“ ist eine außergewöhnliche Weihnachtsgeschichte, die das Herz zum Schmelzen bringt und die Daseinsdankbarkeit wachküßt. Dieses Hörbuch ist advents-kalendermäßig in 24 Kapitel eingeteilt, bietet jedoch keine leichte Süßkost, sondern tiefberührende, gefühlsechte, ernste und heitere, schmerzliche und freudige Lebensgeschmacksvielfalt.

Julian ist ein Weihnachtskind, denn er kam am Heiligen Abend zur Welt, und da in Norwegen Weihnachten Jul heißt, trägt er den Namen Julian. Seine kleine Schwester heißt nach dieser familiären Namenstradition Augusta und seine große Schwester Juni. Julian liebt Weihnachten und das ganze stimmungsvoll-gemütliche und kulinarische Zubehör: Kaminfeuerwärme, Kerzenlicht, Pfefferkuchen, Räucherwerk, Sternchen-dekoration, Zimt, Schnee, Tannenbaum, Musik, Gesang, Geschenke und Kakao sowie das geborgene und heitere familiäre Miteinander.

Dieses Jahr wird Julian zehn Jahre alt – ein runder Geburtstag und Heilig Abend! Dies könnte eigentlich ein Anlaß für besonders viel Vorfreude sein. Doch im Sommer ist Julians große Schwester gestorben, und die Familie befindet sich in Trauererstarrung. Alle Lebensäußerungen sind gedämpft, und manchmal hat Julian den Eindruck, daß seine Eltern nur noch leblose Kopien sind, die zwar den Alltag ordentlich regeln, aber nicht wirklich da sind. In einer Woche ist nun Weihnachten, aber die häusliche Situation wirkt, als fiele das Fest dieses Jahr aus. Noch nicht einmal der Adventskerzenhalter ist bisher aufgestellt worden.

Bezüglich des großen Verlustes herrscht familiäre Sprachlosigkeit, und auch mit seinem besten Freund kann Julian nicht über das sprechen, was ihm auf dem Herzen liegt. Dabei hatten sie sich früher immer endlos viel zu sagen gehabt.

Julian dreht seine Schwimmrunden im Hallenbad. Beim Schwimmen muß er sich ganz auf seinen Atemrhythmus und die Bewegungsabläufe konzentrieren, was eine willkommene Ablenkung von den betrüblichen Gedanken und Gefühlen ist, die ihn seit Junis Tod begleiten und belasten.

Während einer Schwimmpause sieht er ein Mädchen mit rotem Mantel, das mit leuch-tenden grün-grauen Augen von draußen durch die Glaswand in die Schwimmhalle hineinschaut. Nach diesem überraschenden Blickkontakt winkt sie ihm zu, und Julian winkt spontan zurück. Daraufhin schenkt ihm das unbekannte Mädchen ein solch strahlend-offenes Lächeln, daß er das Lächeln einfach erwidern muß.

Als er nach dem Schwimmen die Halle verläßt, wartet das Mädchen am Eingang auf ihn. Sie empfängt ihn überschwenglich, stellt sich als Hedvig Hansen vor, redet wie ein Wasserfall auf ihn ein und schwärmt ihm von der Schönheit Weihnachtens vor. Sie lädt Julian in ihr Elternhaus, die Villa Mistel, ein. Dort ist schon alles weihnachtsfestlich ge-schmückt und so warmherzig eingerichtet, daß sich Julian sehr wohlfühlt. Hedvig kocht Kakao für sie, und so beginnt eine wunderbare Freundschaft, die in Julian endlich wieder zarte Fünkchen von Freude hervorruft.

Mit Hedvig kann Julian sogar über seine verstorbene Schwester reden. Hedvig scheut das schmerzliche Thema nicht und reagiert sehr einfühlsam auf alles, was Julian ihr erzählt. Ihr Mitgefühl und ihre lebensfrohe Zugewandtheit bekommen ihm gut, und die Kinder verbringen eine anregende Zeit miteinander.

Julian wundert sich gelegentlich über altmodische Worte, die Hedvig benutzt, und trotz all der verspielten Heiterkeit und eloquenten Munterkeit hat auch Hedvig ihre Verletz- lichkeiten und verschwiegenen Geheimnisse; beispielsweise kann sie nicht schwimmen. Dies gibt Julian die Gelegenheit, ihr Schwimmunterricht zu geben und dabei die Erfahrung zu machen, wie schön es sein kann, jemandem zu helfen.

Bestärkt durch die intensive Freundschaftserfahrung und Hedvigs ansteckende Lebens-lust, fühlt sich Julian dazu ermutigt, die Gefühlserstarrung seiner Eltern in Frage zu stellen und zu überwinden. Außerdem ist seine Herzensbildung inzwischen so ausge-prägt, daß er alleine schon seiner kleinen Schwester zuliebe unbedingt dafür sorgen will, daß die vertraute familiäre Weihnachtstradition fortgesetzt wird. Das ist nicht leicht und bedarf mehrerer zunächst vergeblicher Anläufe, aber schließlich gelingt es ihm, indem er seine Eltern auf sehr kreative Weise mit seiner liebevollen Erinnerung an seine Schwester Juni überwältigt.

Julian entschlüsselt nach und nach auch Hedvigs Geheimnis. Die Loslaßübung, bei der er am Ende Hedvig liebevoll unterstützt, wird auch für ihn eine tiefe, ja, transformierende Erfahrung, die sein Leben bereichert. Hier wird das Leben bejaht, ohne den Tod zu verneinen.

Das subtil übersinnliche Element, welches mit der Figur von Hedvig verknüpft ist, wird von der Autorin virtuos von Anfang an in zahlreichen Anspielungen angedeutet, die sich indes erst in der Leserückblende voll und ganz erschließen.

Maja Lunde schreibt sehr nahe und glaubwürdig am kindlichen Herzen entlang, ihre Sprache ist empfindsam, anschaulich und sehr zärtlich, die Charaktere sind lebhaft und ausstrahlungsstark und verfügen über eine reichhaltige emotionale Bandbreite. Sehr positiv aufgefallen ist mir zudem, daß die Autorin dem Unerklärlichen unausgesproch- enen Raum zwischen den Zeilen läßt.

Die Liebe zum Leben überwindet die Schwerkraft der Trauer – von nichts weniger handelt dieses bemerkenswerte Buch. Angesichts des Todes das Leben zu verneinen ist ebenso unheilsam und unsinnig wie angesichts des Lebens den Tod zu verneinen. Schmerzlichen Gefühlen sollte ebenso Ausdruck gegeben werden dürfen wie schönen Erinnerungen und der Dankbarkeit für das Gewesene. Diese Lektion begreift Julian durch die Begegnung mit Hedvig früher als seine Eltern.

Ja, diese Geschichte wird Sie zum Weinen bringen – und dennoch trösten. „Die Schnee- schwester“ gehört zu der kostbaren Sorte Kinderbuch, für die man niemals zu alt ist.

Axel Milberg liest „Die Schneeschwester“ in einem warmherzigen basso continuo, mit unaufdringlichen Gefühlsausschlägen und einfühlsamen figur- und situationsbezogenen Nuancen. Man könnte einwenden, daß eine erwachsene Stimme für den kindlichen Ich-Erzähler zu alt sei, aber in meinen Ohren klingt der Sprecher sehr wahrhaftig.

Zum Ausklang lasse ich gerne Hedvigs poetisches Bild der Freude zu Wort kommen:

„Es ist, als würde das Herz auf Schlittschuhen stehen
 und sich in Pirouetten drehen und drehen,
 bis mir ganz schwindelig wird – wunderbar schwindelig.“

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-Schneeschwester/Maja-Lunde/der-Hoerverlag/e553153.rhd

 

Die Autorin:

»Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Ihr Roman „Die Geschichte der Bienen“ wurde mit dem norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet, in 30 Länder verkauft und sorgte auch international für Furore. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und war der meistverkaufte Roman des Jahres 2017. Im Frühjahr 2018 erschien mit „Die Geschichte des Wassers“ der zweite Teil ihres literarischen Klima-Quartetts, das sich mit den Folgen menschlichen Handelns für die Natur beschäftigt.«

Der Übersetzer:

»Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.«

Der Sprecher:

»Axel Milberg war bis 1997 Mitglied des Ensembles der Münchner Kammerspiele und arbeitete mit Regisseuren wie Dieter Dorn, Thomas Langhoff oder Peter Zadek. Mitte der 90er-Jahre wandte sich der wandelbare Schauspieler verstärkt Film und Fernsehen zu. Seither war er in zahlreichen erfolgreichen Produktionen zu sehen, z. B. in „Jahrestage“ (2000), „The International“ (2009), „Ludwig II.“ (2012), „Hannah Arendt“ (2012). Seit 2003 ist Axel Milberg außerdem in seiner Heimatstadt Kiel als „Tatort“-Kommissar Klaus Borowski auf Verbrecherjagd.«

 

Die BUCHAUSGABE ist im btb-Verlag erschienen
Die Schneeschwester
von Maja Lunde
aus dem Norwegischen von Paul Berf
durchgehend farbig illustriert von Lisa Aisato
gebunden
mit Schutzumschlag
Format: 21,5 x 24,3 cm
200 Seiten
15,00 € (D), 15,50 € (A), 21,50 sFr.
ISBN 978-3-442-75827-2
Kinderbuch ab 10 Jahren aufwärts bis 100 Jahren
Hier entlang zur BUCHAUSGABE und LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Schneeschwester/Maja-Lunde/btb-Hardcover/e552755.rhd

 

 

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Stille Nacht (Lied)

  • Ein Lied geht um die Welt
  • Text von Brigitte Weninger
  • Illustrationen von Julie Wintz-Litty
  • NordSüd Verlag  September 2018    www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 28 cm
  • 48 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 19,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10445-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

EIN LIED IN DUNKLEN ZEITEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das berühmte Weihnachtslied „Stille Nacht“ feiert dieses Jahr sein 200jähriges Jubiläum – Grund genug sich zu besinnen, wie es entstand und den Weg aus dem kleinen Ort Oberndorf (bei Salzburg) in die weite Welt antrat.

Winter 1818: Am Morgen des Heiligen Abends besuchen zwei Kinder, Lukas und Lisa, den jungen Hilfspfarrer Joseph Mohr. Sie möchten gerne mit ihm zur Chorprobe in die Kirche gehen. Die allgemeine Not ist groß, denn die Auswirkungen des Vulkanausbruchs von Tambora beeinträchtigen durch Aschewolken die Sonneneinstrahlung, was zu Jahren ohne Sommer, zu Ernteverlusten und durch viele Niederschläge zu Hochwasser geführt hat. Viele Menschen aus Oberndorf haben keine Arbeit und wenig zu essen.

Die Kinder werden von Pfarrer Mohr freundlich empfangen, mit einem Stück Brot ver-sorgt, und dann warten sie gemeinsam auf den Lehrer Franz Xaver Gruber, der Orgel und Gitarre spielen kann. Bald kommt er, und nun gehen sie zusammen in die festlich geschmückte Kirche.

Lukas betätigt eifrig die Blasebälge der Orgel, und Lehrer Gruber beginnt zu spielen. Doch es kommen nur mißtönende Klänge aus dem Instrument, das offenbar durch die feuchte Kälte in der Kirche gelitten hat. Da eine kurzfristige Reparatur nicht möglich ist, wird nach einer musikalischen Alternative gesucht.

Lisa regt an, daß sie ein besonderes Lied singen sollten, und Gruber findet, daß es ja nicht unbedingt ein Kirchenlied sein müsse. Da sagt Pfarrer Mohr schüchtern, daß er einmal ein Gedicht geschrieben habe, das von der Heiligen Nacht handele, und Gruber meint, er solle es schnell herholen.

Nun wird Pfarrer Mohrs Text von Gruber laut vorgelesen, und alle finden Gefallen an den schönen Worten. Der Lehrer Gruber nimmt seine Gitarre und komponiert eine Melodie zum Text. Einige Stunden später ist die Notenschrift fertig, und Gruber kopiert den Text und die Noten für den Kirchenchor.

Am späten Abend findet die Weihnachtsmesse statt. Alle Kirchenbesucher sind trotz der schweren Zeiten freudig-gespannt auf die Überraschung, die Pfarrer Mohr und Lehrer Gruber angekündigt haben.

Mohr und Gruber stellen sich vor den Altar, Mohr spielt die Gitarre, und beide beginnen, das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ zu singen, und als der Chor miteinfällt, schließen sich alle dem Gesang an. Viele Menschen sind gerührt und empfinden Trost und Hoffnung. So kann ein Lied in dunklen Zeiten Licht spenden.

Ein Jahr später hört der Tiroler Orgelbaumeister Carl Mauracher, der zur Reparatur der Orgel nach Oberndorf gekommen ist, das Stille-Nacht-Lied und bittet um eine Abschrift. Zunächst von Sänger zu Sänger und Herz zu Herz weitergereicht, wird das Lied 1833 gedruckt, und so kann es noch bessere Verbreitung finden.

Inzwischen ist das Lied „Stille Nacht“ längst weltbekannt und wurde in 300 Sprachen übersetzt. Selbstverständlich werden der Liedtext und die Notenschrift von „Stille Nacht“ auch in diesem Bilderbuch wiedergegeben.

Brigitte Weninger erzählt die Geschichte des Weihnachtsliedes in einfachen Worten. Es gelingt ihr ebenso, den historischen Kontext wie die zwischenmenschlichen Bezüge einfühlsam und anrührend nachzuerzählen. Die stimmungsachtsamen Aquarellbilder von Julie Wintz-Litty sprechen eine zärtliche Sprache, die sehr fein mit dem Text von Brigitte Weninger harmoniert.

Die zugewandten Umgangsformen, die Pfarrer Mohr und Lehrer Gruber den Kindern gegenüber pflegen, vermitteln eine warmherzige Grundstimmung von Geborgenheit, und die spannende, ja, schicksalhafte Entstehung des Liedes hat eine zeitlos überirdische Note.

 

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://nord-sued.com/programm/stille-nacht/

Eine interessante filmische Dokumentation zur Entstehungsgeschichte des Liedes gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=hy44st3OGVg

 

Die Autorin:

»Brigitte Weninger, geboren 1960 in Kufstein, Österreich, arbeitete 20 Jahre lang als Kindergartenpädagogin, bevor sie sich ganz dem Schreiben zuwandte. Sie hat mehr als 60 Bücher veröffentlicht, die in 40 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden sind. Daneben engagiert sie sich besonders für die Lese- und Schreibförderung und die Erzählkultur.« http://www.brigitte-weninger.at/

Die Illustratorin:

»Julie Wintz-Litty, geb. 1971 in Frankreich. Nach dem Abitur studierte sie Illustration und Kunst in Lyon. Während ihres Studiums machte sie diverse Praktika in Lyon und Paris und nahm mit ihren Arbeiten an Ausstellungen teil. Julie Wintz-Litty arbeitet heute als freie Illustratorin und lebt in Frankreich.« http://julie-wintz-litty.eklablog.com/

 

Zur Einstimmung nun noch etwas zum LAUSCHEN, mit Herzensdank an Maestro Beat  https://randomrandomsen.wordpress.com/ , der mir diesen Link harmonisch zugespielt hat:

 

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Die Welt der Gorgel

  • Text von Jochem Myjer
  • Illustrationen von Rick de Haas
  • Originaltitel: »De wereld van de Gorgels«
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • Verlag Freies Geistesleben  März 2018  http://www.geistesleben.com
  • Format: 25 x 33,5 cm
  • 32 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 17,00 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2839-2
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

KLEINE HELFERLEIN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Gorgel sind kleine, spitzohrige, wehrhafte Wesen, deren wichtige Aufgabe es ist, Kinder vor den Scheußlingen zu beschützen. Die giftgrünen, gelbgiftigen Scheußlinge wiederum betrachten es als ihre Aufgabe,  Krankheiten und Unannehmlichkeiten zu verbreiten, weshalb sie auch so eindeutige Namen wie „Gelbgeränderter Bauchgrippenscheußling“, „Gemeiner Grünrotzscheußling“, „Mittlerer Brechreizscheußling“ usw. tragen.

Falls diese Wesen Ihrer elterlichen Aufmerksamkeit bisher entgangen sein sollten, liegt es daran, daß sowohl Gorgel als auch Scheußlinge stets nachtaktiv sind und sich sehr gut und geschwind verbergen können. Nur wenige Menschenkinder verfügen über „Superaugen“ und erspähen gelegentlich einen Gorgel.

Das vorliegende Bilderbuch erzählt und illustriert das Aufwachsen des tapferen Gorgels Bobba. Bobba lebt mit seiner Familie und vielen anderen Gorgeln auf einer Insel. Nachts gehen alle Gorgelkinder in die Schule und werden von ihren Gorgellehrern sorgfältig auf ihre spätere Aufgabe als Wachgorgel vorbereitet. Sie lernen alles über die gefährlichen Scheußlinge, trainieren das Stockfechten und Verstecken und üben ihre geheimen magischen Heilkräfte.

Wenn der Sommer und somit auch der Sommerschlaf der Scheußlinge vorbei ist, wird jedem Wachgorgel ein Menschenkind anvertraut, für dessen Wohlergehen er von nun an verantwortlich ist.

Bobba macht sich auf den Weg zu dem lebhaften Jungen Melle, richtet sich ein Schlafnest verborgen hinter den Büchern von Melles Bücherregal ein und bewacht Melles Schlaf. Er erkundet auch das Wohnhaus und nascht heimlich von der Schokocreme, wenn das Glas nicht verschlossen ist.

Eines Nachts riecht Bobba plötzlich einen drohenden Angriff der Scheußlinge. Blitzschnell schlägt er sie mit seinem Wachgorgelstock in die Flucht und befördert sie zum Fenster hinaus, nur einem gelingt es ganz kurz, auf Melles Mundwinkel zu pusten. Melle bekommt daraufhin einen kleinen Schnupfen, der jedoch unter Bobbas nächtlich-heimlicher Pflege schnell verfliegt.

Die Wachgorgel kümmern sich in den Monaten mit R, also von September bis April, um ihre Schützlinge. Von Mai bis August haben sie Ferien und kehren auf ihre Heimatinsel zurück. So nimmt denn Bobba Ende April mit einem leichten Kuß auf die Nase Abschied vom schlafenden Melle, der ihm im Verlauf der achtmonatigen Begleitung schon voll und ganz ans Herz gewachsen ist.

Diese Bilderbuchausgabe der Gorgel-Geschichte ist eine Ergänzung zu dem zuvor erschienenen Kinderbuch „Die Gorgel“, in dem Bobba und Melle sich kennenlernen und gemeinsam die Gorgel-Insel vor einer Invasion der Scheußlinge verteidigen. Das vorliegende Bilderbuch eignet sich wahlweise als Einstimmung auf dieses Kinderbuch oder als Ergänzung.

In der Bilderbuchausgabe wird ausführlich das Alltagsleben der Gorgel in ihren gemütlichen Höhlenwohnungen und ihre Ausbildung zum Wachgorgel dargestellt, während die Kinderbuchausgabe ausführlich vom freundschaftlichen Miteinander zwischen Bobba und Melle handelt (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/19/die-gorgel/).

Das Bilderbuch „Die Welt der Gorgel“ wird von Jochem Myjer in warmherzig-heiterem Tonfall erzählt, und die ebenso phantasievoll-einfühlsamen wie witzigen Illustrationen von Rick de Haas geben der Geschichte ein lebhaft-anschauliches Bühnenbild.

Die Gorgel  wecken spielend die kindliche Sympathie und Neugier, und ihre zwar geheimnisvoll-märchenhafte, gleichwohl handfest-tatkräftige und zugewandt-lustige Wesensart ist eine Inspiration für große und kleine Menschen mit Beschützerinstinkten und Phantasie.

 

Hier entlang zum  Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.geistesleben.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/Die-Welt-der-Gorgel.html

Hier entlang zum ersten Gorgel-Buch:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/19/die-gorgel/

 

Ergänzend zu den Gorgel-Büchern gibt es auch knuffelige Kuschel-Gorgel
in Form einer weichen 30 cm hohen
Plüschpuppe aus hochwertigem Material (CE zertifiziert),

Preis 19,00 €  siehe: https://www.geistesleben.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/Kuschel-Gorgel.html

Eine heilsame Wirkung der Plüsch-Gorgel-Anwesenheit kann ich zwar nicht versprechen, aber ausprobieren kann man es doch einfach einmal … 😉

 

Der Autor:

»Jochem Myjer, 1977 geboren, ist einer der bekanntesten und beliebtesten Kabarettisten und Comedians in den Niederlanden. Sein Biologiestudium gab er nach zwei Jahren auf, um sich ganz dem Kabarett zu widmen. Er war u.a. Moderator der Kindersendung «Kinderen voor Kinderen» und spricht auch im Radio. 2010 gewann er den Cabaret Award als bester Kabarettist. Er lebt mit der Sängerin Marloes Nova zusammen und hat mit ihr zwei Kinder. Sein Buch Die Gorgel wurde 2016 mit dem Prijs van den Nederlandse Kinderjury ausgezeichnet.«

Der Übersetzer:

»Rolf Erdorf, geboren 1956, studierte Romanistik, Germanistik und Niederländische Philologie und arbeitete im Anschluss einige Jahre als freier Journalist für den niederländischen Rundfunk. Seit 1989 ist er hauptberuflich niederländisch-deutscher Übersetzer mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur sowie Kunst- und Kulturgeschichte. Für seine Übersetzungen aus der nieder-ländischen Kinder- und Jugendliteratur erhielt er mehrere Preise, darunter den renommierten niederländischen Martinus Nijhoff Prijs sowie den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Gustav-Heinemann-Friedenspreis

Der Illustrator:

»Rick de Haas, geboren 1960, besuchte die Kunstakademie in Den Bosch und ist heute ein sehr gefragter Illustrator für Bilder- und Kinderbücher.«

 

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Überall & Nirgends

  • Gedichte über Tod und Trauer
  • Text von Bette Westera
  • Illustrationen von Sylvia Weve
  • Originaltitel: »Doodgewoon«
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • Susanna Rieder Verlag 2016  www.riederbuch.de
  • Halbleinen, gebunden
  • Format: 26 x 23 cm
  • 112 Seiten
  • 3 LESEBÄNDCHEN
  • 25,00 € (D), 26,00 € (A)
  • ISBN 978-3-946100-09-6
  • Für Kinder ab 8 Jahren und für Erwachsene

T R A U E R S T I M M E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bette Westera wagt es, sich einen Reim auf den Tod zu machen. Ihre Gedichte über Tod und Trauer formulieren viele Gefühlsfacetten. Sie öffnen das Herz und bringen Tränen zum Fließen. Die einfühlsamen, ebenso tief ernsthaften wie zuweilen auch sanft schmunzlerischen Gedichte „sprechen“, wo sonst oft Schweigen herrscht.

Die Autorin widmet sich schonungslos hin- und mitfühlend dem Tod von Großeltern, Müttern, Vätern, Geschwistern, Kindern, Neugeborenen und Haustieren. Alters- schwäche, schwere Krankheit, Unfall, Selbstmord oder Nahtoderfahrung – all diesen Erscheinungsformen der Sterblichkeit wird in diesem Buch ausdrücklich Raum und Ehre gegeben. Das ist zugleich schmerzlich und tröstlich; der Tod ist kein Ausnahmefall, er gehört zum Leben.

Die Texte stellen sich der Sterblichkeit, der Trauer, dem Verlust, der Verletzlichkeit, der Verzweiflung, dem plötzlichen Riß im Lebens- und Liebesgefüge, der Sehnsucht und der wehmütigen Präsenz der Abwesenheit und weisen zugleich auf die kostbaren Geschenke des Gewesenen hin und nähren – manchmal ganz direkt, manchmal zwischen den Zeilen – eine Haltung der Dankbarkeit, Demut und Wertschätzung für die erlebte Bindung.

Die Gedichte sind stilistisch in einfacher Sprache geschrieben, gleichwohl feinsinnig und getragen von einem eingängigen sprachmelodischen Klang – wofür dem Übersetzer ausdrücklicher Dank gebührt.

In den vielschichtigen Illustrationen von Sylvia Weve finden die Gedichte eine spiegelnd-ergänzende Entsprechung. Die Illustrationen sind abwechselnd sparsam zurückhaltend und farblich angegraut sowie üppig und bunt. Einige Doppelseiten sind mit Halbseiten zum Umklappen versehen, aus denen sich zusätzliche Verbindungen ergeben.

Bestattungsformen (Erd-, Feuer-, Wasser- und Luftbestattung), verschiedene Jenseits-vorstellungen und Trauerrituale unterschiedlicher Kulturen und Zeitepochen werden dargestellt und ebenso die Themen Erbschaft und Haushaltsauflösung. Kindlich-philosophische Betrachtungen zur Winzigkeit des menschlichen Lebens angesichts der Unendlichkeit des Sternenhimmels fügen sich harmonisch in den poetischen Vergänglichkeitschor ein.

© Sylvia Weve & Bette Westera / Susanna Rieder Verlag

© Sylvia Weve & Bette Westera / Susanna Rieder Verlag

Im Anschluß an die illustrierten Gedichte folgen einige Glossarseiten mit kurzen sachlichen, kindgemäßen Erklärungen zu den zuvor erwähnten Begriffen, die thematisch von Allerseelen über Hospiz bis Reinkarnation reichen.

„Überall & Nirgends“ ist mit drei Lesebändchen ausgestattet, die einer schnellen Markierung von besonders ansprechenden Lesepassagen angenehm entgegenkommen.

Dieses berührende Buch kann Herzen öffnen und Trauer befreien. Zumindest bei einem akuten Trauerfall empfehle ich eine Lektüre gemeinsam mit dem Kind, damit sich aufgewühlte Fragen und Gefühle in einem liebevoll-geborgenen Umfeld entfalten und ausweinen können.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.riederbuch.de/programm/lyrik-fuer-junge-leser/

Die Autorin:

»Bette Westera, geboren 1958, ist eine sehr vielseitige Schriftstellerin. Ihr umfangreiches Werk umfasst Bilderbücher, Lyrik, erzählendes Kinderbuch und modernes Märchen. Zielgruppe sind dabei Kinder bis zum Alter von 10 Jahren. Nach einer kurzen Zeit als Grundschullehrerin studierte sie Psychologie. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet.«

Die Illustratorin:

»Sylvia Weve, geboren 1954, hat bereits über 150 Bücher illustriert. Ihre ausdrucksvollen, energiegeladenen Illustrationen korrespondieren wunderbar mit Bette Westeras Texten. Die beiden sind ein erprobtes und äußerst erfolgreiches Autorenduo.«

Der Übersetzer:

»Rolf Erdorf, geboren 1956, studierte Germanistik, Romanistik und Niederländische Philologie in Bonn, Köln und Berlin. Für sein umfassendes Übersetzerwerk wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis

Gerne widme ich diese Buchbesprechung Petra Pawlofskys wertvoller Sammlung „Kinder im Aufwind“:
https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/fundgrube-3-kurzvorstellung-der-beitraege-ab-juli-2017/

Querverweis:

Hier folgen ergänzende Links zu weiteren Kinderbüchern zu den Themen: Abschied, Tod und Trauer:

Ente, Tod und Tulpe
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/13/ente-tod-und-tulpe/
Erik und das Opa-Gespenst

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/
Kleiner Fuchs Großer Himmel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/23/kleiner-fuchs-grosser-himmel/
Nur ein Tag
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag/
Oma trinkt im Himmel Tee
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/26/oma-trinkt-im-himmel-tee/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Der Tod auf dem Apfelbaum
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/20/der-tod-auf-dem-apfelbaum/
Wie lange dauert Traurigsein?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/03/wie-lange-dauert-traurigsein/

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Die „Unkräuter“ in meinem Garten

  • 21 Pflanzenpersönlichkeiten erkennen & nutzen
  • von Wolf-Dieter Storl
  • Gräfe und Unzer Verlag GmbH 2018  www.gu.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 240 Seiten
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-8338-6349-3

PFLANZENVERTRAUEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bücher von Wolf-Dieter Storl sind Nahrung für die Seele. Weit über botanische Wissens- vermittlung und Anleitung hinaus füllen sie nicht alleine den Kopf mit Informationen, sondern sie beleben die Wurzeln unseres Daseins auf Erden und machen Appetit auf Natur im weitesten Sinne.

Die Verwendung des Wortes „Unkraut“ wird vom Autor gleich zu Beginn erklärt, und zwar mit der entspannten Definition, die der Pflanzenfreund George Washington Carver einst formulierte: »Ein Unkraut ist nichts anderes als eine Blume, die am falschen Ort wächst.« (Seite7) Weitere Bezeichnungen für „Unkraut“ sind Spontanvegetation und Begleitpflanzen.

Wolf-Dieter Storl erinnert daran, daß zur Zeit der Jäger und Sammlerinnen der Begriff „Unkräuter“ keinen Sinn ergeben hätte. Alle Pflanzen waren einfach Wildpflanzen, und sie dienten wahlweise als Heilkräuter, als Faserlieferanten, als Räucherpflanzen und als pflückbare Nahrung. Alle späteren Kulturpflanzen entwickelten sich unter menschlicher Beeinflussung aus Wildpflanzen. Auch heute noch können Unkräuter eine Umdeutung und Züchtung zur Kulturpflanze durchlaufen, sofern sie eßbar und schmackhaft sind. So wurde beispielsweise der Feldsalat, der in Weinbergen als Unkraut wuchs, im 18. Jahrhundert zum Salat kultiviert.

Ein kurzer Exkurs zu den Ackerunkräutern (Ackerlichtnelke, Ackerlöwenmaul, Acker- rittersporn, Ackersenf, Kamille, Klatschmohn, Kornblume, Kornrade) verdeutlicht den lebensgefährlichen Umbau, den konventionelle, gift- und kunstdüngerlastige mono- kulturelle Anbaumethoden seit den 1950er Jahren anrichten. Waren einst noch 40 % Wildpflanzen auf den Äckern und den Ackerrandstreifen zu finden, sind es heute nur noch durchschnittlich 4 % – mit all den Konsequenzen, die eine geringe Pflanzenvielfalt für die Insekten- und Vogelvielfalt nach sich zieht.

Dabei sind die Unkräuter nützlich und – in richtigem Maße eingesetzt – förderlich für das Wachstum von Kulturpflanzen. So sind viele Begleitpflanzen Tiefwurzler, die den Boden aufschließen und durchlockern, sie verbessern und vervielfältigen den Nähr- stoffaustausch. Sie sind Zeigerpflanzen, die Auskunft über die Bodenbeschaffenheit, den Säure-, Kalk-, Kali-, Stickstoffgehalt, Nässe und Trockenheit sowie Lehmgehalt des Erdreichs geben. Als Pionierpflanzen schützen Unkräuter den Boden vor Austrocknung und Wind- und Wassererosion.

Von Ackerhellerkraut über Brennessel, Distel, Franzosenkraut, Gundermann, Ruprechts-kraut bis Wegerich macht uns Wolf-Dieter Storl mit 21 „Unkräutern“ vertraut. Jedes Pflanzenportrait beginnt mit einer botanisch-kulturhistorischen Einleitung und einer etymologischen Erläuterung der Herkunft des Pflanzennamens, auf der folgenden Doppelseite erscheint eine kurze Beschreibung der Pflanze in unterschiedlichen Wachstumsstadien mit entsprechenden Fotos.

Die weiteren Seiten befassen sich mit besonderen Einzelheiten der Pflanze, ihrer sinnvollen Verwendung als Nahrungs- und/oder Heilmittel, ihrem Nährstoffgehalt – oder gegebenenfalls Giftgehalt – sowie ihrer ökologischen Bedeutung. Kleine Rezepte für Tees, Salben, Suppen und Quarkspeisen und pflanzenmythologische Überlieferungen runden die Pflanzenkunde ganzheitlich ab.

Die angemessene gärtnerische Vorgehensweise, damit die Unkräuter nicht angebaute Gemüse- und Obstpflanzungen bedrängen, heißt Jäten und Hacken, Jäten und nochmals Jäten, und zwar vor der Blüten- bzw. Samenbildung. Storl liefert zu jeder Pflanze die genaue Anleitung, welche Pflanzenteile auf den Kompost dürfen und welche besser im Hausmüll landen.

Selbst beim Umgang mit dem ausdauernden und sehr gesunden Giersch bleibt Storl gelassen. Er verzehrt ihn roh und gekocht mit Genuß und bleibt beim Jäten und sorg-fältigen Absammeln der Wurzelrizome als Maßnahme zur Eindämmung des wuchsfreu-digen Unkrauts. Die Begleitkräuter erfüllen einen natürlichen Sinn, sie sind keine Feinde, sondern Helfer. Man kann sich mit ihnen verbünden, ihnen Raum lassen und von ihrem natürlichen Reichtum lernen und profitieren.

Der Autor lebt diese Haltung des ganzheitlichen pflanzlichen Miteinanders glaubwürdig vor, und sie kommt auf den zahlreichen Fotos, die ihn beim Gärtnern zeigen, lebhaft zum Ausdruck. Weitere schöne, naturstimmungsvolle Fotos von Pflanzen und von Wolf-Dieter Storls Garten illustrieren und ergänzen den Text anschaulich und animierend.

Wolf-Dieter Storls tiefenentspannte, dem pflanzlichen Leben grundsätzlich freundlich-aufgeschlossen zugeneigte Perspektive durchzieht dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Lebendig, fundiert, wissenssatt und wissenswertvoll, voller spannender Zusammenhänge, mit kultur- psychologischer Tiefe und praktisch-bodenständigen Anregungen öffnet er uns Augen und Herz für die heilsame pflanzliche Vielfalt und Fülle.

Man liest, betrachtet, staunt, lernt und blättert – und unversehens spaziert man nicht durch bedrucktes Papier mit Buchstaben und Bildern, sondern atmet Gartenluft, Blütenduft und Pflanzenvertrauen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.gu.de/buecher/gartenratgeber/gartengestaltung-pflege/1415043-die-unkraeuter-in-meinem-garten/

 

Der Autor:

»Dr. phil. Wolf-Dieter Storl, geboren 1942, ist Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Er lehrte als Dozent an verschiedenen Universitäten, unternahm zahlreiche Studienreisen, ethnografische und ethnobotanische Feldforschungen und veröffentlichte Artikel und Bücher, darunter mehrere Bestseller. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem Einödhof im Allgäu, wo er gärtnert und den Geheimnissen der Heilkräuter und Wildpflanzen nachgeht.«   www.storl.de

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren wissenswundervollen Buch von Wolf-Dieter Storl:
Die alte Göttin in ihren Pflanzenhttps://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/18/die-alte-gottin-und-ihre-pflanzen/

 

 

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