Meine Schnitzwerkstatt

  • Band 1
  • von Astrid Schulte
  • 30 Schritt-für-Schritt-Anleitungen
  • KOSMOS Verlag, 2. Auflage 2019  www.kosmos.de
  • Spiralbindung
  • 80 Seiten
  • 200 Farbfotos
  • Format: 233 x 228 x 17 mm (LxBxH)
  • inklusive OPINEL-Kinderschnitzmesser mit abgerundeter Klinge und Feststellring
  • 22,00 €
  • ISBN 978-3-440-16379-5
  • Kindersachbuch ab 8 Jahren

Meine Schnitzwerkstatt

S C H N I T Z B E G E I S T E R U N G

Kindersachbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Mit einem solch animierenden Schnitzlernbuch blüht das kindliche Abenteuerherz auf. Dieses Kindersachbuch verbindet praktische Schnitzanleitungen mit einer unaufdring-lichen, sich gewissermaßen ganz organisch aus den Arbeitsabläufen ergebenden Naturverbundenheit.

Ein OPINEL-Kinderschnitzmesser liegt dem Buch bei und verlockt gleich zum Los-schnitzen. Doch vor der Praxis ist ein wenig Theorie und Anleitung nicht nur sinnvoll, sondern auch zielführender und erfolgversprechender.

Zunächst weist die Autorin Kinder (und Erwachsene) in den richtigen Gebrauch des Schnitzmessers ein. Das OPINEL-Schnitzmesser verfügt über zwei Sicherheitsvor-kehrungen: Es hat eine abgerundete Klinge und einen Feststellring, der ein ungewolltes Einklappen der Klinge verhindert – so sind Verletzungsgefahren schon etwas reduziert.
Zum Schnitzen sollte das Kind eine stabile Sitzposition und Körperhaltung einnehmen, genug Abstand (wenigstens eine Armlänge) zu Schnitznachbarn ist zu beachten.

Mit dem Faustgriff liegt das Messer gut in der Hand, und der Kraftaufwand zum Schnitzen ist nicht groß. Außerdem sollte die Klinge scharf sein, denn auch dies ver- ringert den Krafteinsatz und die Verletzungsgefahr. Zu den unerläßlichen Sicherheits- hinweisen gehört die Anweisung, die Messerklinge unbedingt immer vom Körper weg zu führen.

Einfache Schnitztechniken – zunächst an Grünholz, später auch an Trockenholz – werden anschaulich erklärt und gegebenenfalls auch erst einmal an Gemüse (Möhren oder Gurken) ausprobiert.

Eine kleine Knotenkunde (doppelter Schlag, Schlaufe, Palstek) sowie eine Liste mit er-gänzenden Werkzeugen wie Schleifpapier, Kastanienbohrer, Schnüre etc. erweitern den Gestaltungsspielraum der Schnitzobjekte.

Es werden Schnitzanweisungen in drei Schwierigkeitsgraden gegeben. Zu Beginn jeder Anleitung zeigt eine gezeichnete Holzscheibe mit einem, zwei oder drei Messern die jeweilige Schwierigkeitsstufe an. Bei einigen Objekten wird darauf hingewiesen, daß erwachsene Unterstützung sinnvoll ist. Es sind aber auch viele Schnitzbeispiele dabei, die Kinder gut alleine schaffen können.

So werden u.a. Buttermesser, Gabel, Löffel, eine Holunderflöte und eine Weidenflöte, Kreisel, Jojos, ein Rennauto, ein Rindenboot, ein Floß, ein Katamaran, ein Wasserrad, Schmuckholzperlen, Trinkbecher und Schalen aus Birkenrinde, eine Möwenpfeife, eine Schleuder, Pfeil und Bogen, Schwerter und kleine Elfenmöbel geschnitzt
 
Jede Schnitzanleitung ist systematisch aufgebaut mit einer Auflistung der geeigneten Holzart, genauen Maßangaben, eventuellem Zusatzwerkzeug und ergänzenden Materi-alien wie Schnur oder Stoffresten. Alle Arbeitsschritte werden sorgfältig erklärt und durch zahlreiche Fotos anschaulich illustriert. Daß auf allen Fotos eifrige und freude- strahlende „Schnitz-Kinder“ zu sehen sind, wird gewiß eine ebenso ermutigende wie animierende Wirkung auf die kindlichen Leser haben.

Die Sicherheitsempfehlungen hinsichtlich des achtsamen Messergebrauchs werden gelegentlich wiederholt. Und auch Erste-Hilfe-Maßnahmen bei kleinen Schnittwunden werden erwähnt.

Selbstverständlich wird niemals Holz von lebenden Bäumen verwendet, sondern nur Grünschnittabfälle und herumliegende Zweige, Äste und Rindenstücke, welche man im Garten oder Wald aufsammeln kann.

Ein kleines Baumlexikon beschreibt anschauliche die Erkennungsmerkmale und Blatt-formen der Bäume, deren Holz in den Schnitzanleitungen verwendet wurde: Hasel, Birke, Buche, Holunder, Schwarzerle, Salweide, Kiefer, Fichte.

Eine naturpädagogisch-ganzheitliche Abrundung finden die Schnitzanregungen zudem in beiläufigen Informations-Zugaben, die beispielsweise erklären, wie sich am Lagerfeuer aus Weidenzweigen Zeichenkohle herstellen läßt oder wie Spitzwegerichblätter als Erste Hilfe bei Insektenstichen und Wunden zur Anwendung kommen.

„Meine Schnitzwerkstatt“ führt Kinder auf anregende und praxiserprobte Weise in ein-fache Fertigkeiten des Schnitzens ein. Die kindgemäßen Erklärungen, der methodisch-übersichtliche Aufbau und die vielen Fotos erleichtern den Einstieg in die Schnitzpraxis. Das beiliegende OPINEL-Kinderschnitzmesser verbindet die erlesene Theorie vorzüglich mit der darauf folgenden Praxis.

Kurzum: Als Gegengewicht zum abstrakt-verkopften schulischen Lernen vermittelt dieses Buch Kindern konkrete körperliche Kompetenz, natürliche Sinnlichkeit und selbstwirksame Erfahrung.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/kinder-jugendbuch/sachbuch/natur-tiere/10143/meine-schnitzwerkstatt

Und wer noch mehr schnitzen möchte, kann sein Spektrum der Schnitzobjekte mit Hilfe des zweiten Bands „Meine Schnitzwerkstatt/50 neue Ideen“ ISBN 978-3-440-17000-7 erweitern. Der zweite Band folgt der gleichen Anleitungsstruktur wie der erste, nur fehlt diesmal das OPINEL-Schnitzmesser, deshalb kostet der Band auch nur 15,00 €.
Geschnitzt werden u.a. folgende Dinge: Zelthaken, Kescher, Insektenhotel, Waldläufer-zeichen, Astkröte, Schneeschuhe, Hängestuhl, Kleiderhaken, Asthammer, Rindentiere, Würfel, Dominospielsteine, Wasserbahnen, Wäscheklammern, Fichtenflorett, Grillzange, Zwerg- und Tierfiguren, Boote, Flöße und Kanus, Helikopter, Klanghölzer, Flöten, Speisenspieße sowie ein Göffel – eine Kombination aus Gabel und Löffel an einem Stiel.

Meine Schnitzwerkstatt, 50 neue Schnitzideen

Hier entlang zum zweiten Band auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/kinder-jugendbuch/sachbuch/natur-tiere/11571/meine-schnitzwerkstatt

Ergänzend hinsichtlich der Waldnaturkunde empfiehlt sich zudem das waldliebhaberische Sachbuch „Die kleine Waldfibel“  von
Linda Wolfsgruber:
Die kleineWaldfibel

Die Autorin:

»Astrid Schulte ist ausgebildete Naturpädagogin und Expertin für das Thema Schnitzen mit Kindern. Neben Schnitzkursen bringt sie Kindern auch die Kunst des Feuermachens mit Zunderschwamm und Feuerstahl bei. Siehe: https://www.kosmos.de/buecher/kinder-jugendbuch/sachbuch/natur-tiere/14695/das-feuerbuch und http://mehr-wald.de/ «

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36 Kommentare zu “Meine Schnitzwerkstatt

  1. Also für mein Konto ist das Schmökern auf deiner Seite extrem gefährlich. Leider ist die Schule hier in Italien ganz extrem „abstrakt verkopft“ und entbehrt jeglicher Kreativität. … und ich habe als Kind mit dem Küchenmesser Pfeile für einen Bogen aus Weidenruten angespitzt. Ha… unnötig zu sagen, dass ich immer mit einem Koffer voller Bücher aus Deutschland zurückkomme, oder?

    Gefällt 1 Person

    • Auch wenn es Dein Konto schmälert, liebe Corinna, so freue ich mich gleichwohl, daß Du auf meiner Websaite so viel Bücherstoff für Dich und Deinen Sohn findest und kofferweise Bücher von Deutschland nach Italien transportierst. 🙂
      Ich hatte als Kind auch Pfeil und Bogen, den Bogen hat mein Vater für mich gebaut, und die Pfeile durfte ich selber schnitzen, spitzen und dekorieren.

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      • 🙂 Eine schöne Erinnerung. Ich bin wirklich dankbar dafür, das wir so etwas erleben durften. Deshalb finde ich es schön, dass dieses Buch die Tradition hochhält. Die Technik und die bunte Computerspielwelt können sich noch so weit entwickeln, aber gewisse einfache Klassiker behalten unter Kindern doch ihre Faszination. Man muss sie ihnen nur zugänglich machen.

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      • Ja, liebe Corinna, ich bin ebenfalls sehr dankbar für die naturverbundene und lebensnahe Kindheit, die ich erleben durfte. 🙂
        Auch Technik und digitale „Spielwiesen“ haben ihren Reiz und Sinn, solange sie nicht ausschließlich und unter Mißachtung und Vernachlässigung des echten Lebens genutzt werden.

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  2. Meine Jungs haben gern geschnitzt und sich nie geschnitten. Es ist wichtig, daß man ein gutes Messer nutzt, daher finde ich es super, daß hier ein Opinel dabei ist (und immer schön scharf halten).
    Das Buch wäre jetzt etwas für meine Neffen – habe ich mir mal notiert
    Liebe Grüsse
    Nina

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    • Hab‘ Dank, liebe Nina, für Deine klingenscharfe Bestätigung. 😉
      Ja, es ist wichtig, mit guten und scharfen Messern zu arbeiten, denn das spart Kraft und reduziert die Verletzungswahrscheinlichkeit.
      Es freut mich, daß Du Dir meine Buchempfehlung für Deine Neffen vormerkst.
      Herzlich grüßt
      Ulrike

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  3. Obwohl ich weiß, dass man den Kids deutlich mehr zutrauen kann, als man immer so denkt, graust es mir doch ein wenig bei dem Gedanken, ihnen ein Schnitzmesser in die Hand zu drücken. Andererseits: lieber unter Anleitung gelernt als in einer dunklen Ecke rumgefriemelt.
    Danke für den Buchhinweis.

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    • Vielen Dank für Dein Leseinteresse und Deine Gedanken zum Schnitzen für Kinder.
      Also, ich durfte als kleines Mädchen schon mit kleinen Messern umgehen, egal ob Küchenmesser oder mein persönliches Taschenmesser. Meine Eltern erklärten mir, worauf ich achten solle und beaufsichtigten mich anfangs auch bei meinen ersten Schnitzversuchen oder beim Gemüseschälen, doch anschließend ließen sie mich einfach machen. Die Übung schult die Feinmotorik und das vermindert Verletzungsgefahren.

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  4. Ich habe gerade einmal nachgelesen. In Naturkindergärten schnitten schon 3 jährige mit mehr oder weniger Verletzungen.
    Mir persönlich wäre das generell zu jung, aber es kommt wohl auf das Kind an. So oder so sollten Kinder Dinge haptisch erfahren und nicht nur per Bildschirm.
    Ich würde den vernünftigen Umgang mit Messer und Gabel vorher thematisieren.
    Liebe Grüße, B.

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    • Hab‘ Dank, liebe B., für Deine Zustimmung und Deine Erwägungen zum kindlichen Umgang mit Messern.
      Zur feinmotorischen Übung würde ich kleine Kinder auch zunächst den Umgang mit Messer und Gabel ausprobieren lassen.
      Ich denke ebenfalls, daß Kinder durch haptische Erfahrung buchstäblich besser und tiefer begreifen. Selbst wenn ein Kind sich in den Finger schneidet, so lernt es doch auch aus dieser Erfahrung und wird eine Messerklinge anschließend ernster nehmen.
      Herzensgruß von mir zu Dir

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      • Meine ältere Tochter hatte kaum ein Schnitzmesser, da hatte sie sich auch schon geschnitten 🙂 , aber schlimm war es nicht und es hinderte sie auch nicht am weiteren, vorsichtigeren Gebrauch. Die Jüngere interessierte sich gar nicht fürs Schnitzen 🙂
        Liebe Grüße in den späten Abend von Bruni an Dich, liebe Ulrike

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      • Hab‘ Dank, liebe Bruni, für Deinen persönlichen innerfamiliären Schnitzerfahrungsbericht. 🙂 Daran sieht man doch, daß eine Schnittverletzung durchaus einen sinnvollen Lerneffekt hat und auch keineswegs demotivierend wirkt. 🙂
        Liebe Abendgrüße auch von mir zu Dir

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  5. Mal ganz ehrlich: Benötigt man solch ein Buch zum Schnitzen?
    Früher hatte jeder Junge (und Mädchen 😉) irgendwann ein Messer zum Schnitzen.
    Da gab es keine Anleitung, learning by doing war die Devise.
    Aber heute bekommen die Eltern und Aufsichtspersonen ja schon Angst, wenn jemand in den Bäumen klettert.
    Liebe Grüße zu dir Ulrike.

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Nati, vielen Dank für Deine Rückmeldung.
      Ich habe meine Kindheit mit Taschenmesser und gelegentlichen Schnitzereien tatsächlich ebenfalls ohne eine schriftliche Schnitzanleitung überlebt. 😉 Mein Vater schenkte mir ein kleines Taschenmesser und erklärte mir die Sicherheits- kriterien, die ich beachten sollte – also vom Körper weg schnitzen, nicht mit offenen Messer herumlaufen usw. Ich habe mich auch nicht ernsthaft geschnitten und bin auch von keinem Baum gefallen.
      Für die heutigen – gewissermaßen naturbeschränkten – kindlichen Daseins- bedingungen ist eine solche Anleitung, sei es in Buchform oder in Form eines pfadfinderischen Kurses, wohl sinnvoll; selbst wenn es mehr der Beruhigung der Eltern dient. 😉
      Herzliche Grüße von mir zu Dir

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  6. Das ist etwas, was mich sehr begeistert (nicht nur als ehemaliger Hobbyschnitzer)! Für Kinder ist so etwas fantastisch, wenn auch die Kinder heutzutage das vielleicht selbst oft anders sehen. Einmal im Leben hatte ich die Gelegenheit, mit einem Jungen ein Rindenboot (mit Blatt als Segel) und danach einen Dreimaster zu schnitzen und fahren zu lassen. Hoffentlich leben solche „Traditionen“ wieder auf, und hoffentlich lesen viele junge Eltern diese Buchvorstellung. Ups, die Begeisterung geht mit mir durch…

    Gefällt 3 Personen

    • Es freut mich, lieber Michael, daß meine Buchempfehlung bei Dir nostalgische Kindheitserinnerungen weckt.
      Die beiden Schnitzanleitungsbücher von Astrid Schulte sind allerdings neueren Datums und auf aktuellem naturpädagogsichem Stand.

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