Zur Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat

  • Die schönsten Märchen der Brüder Grimm
  • illustriert von Julie Völk
  • Gerstenberg Verlag, Juli 2021 http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden mit Lesebändchen
  • Halbleinen mit Goldprägung
  • Fadenheftung
  • Format: 19 x 15 x 3,6 cm
  • 400 Seiten
  • 32,00 € (D), 32,90 € (A), 41,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-6081-6
  • Kinderbuch ab 4 Jahren

Zur Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - TITELBILD
KLASSISCHER  MÄRCHENSCHATZ – NEU TAPEZIERT

Märchenbuchrezension von Ulrike Sokul ©

„Zur Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat“ wartet mit einer außer- gewöhnlichen Auswahl Grimmscher Märchen auf. Neben den allseits bekannten, wie „Aschenputtel“, „Dornröschen“, „Frau Holle“, „Hänsel und Gretel“ und „Rumpelstilzchen“, finden sich dort auch weniger bekannte Märchen wie „Die Bienenkönigin“, „Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäug- lein“, „Das singende, springende Löweneckerchen“,  „Der Eisenofen“ und „Der goldene Vogel“.

Zur Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - Sieben Zwerge

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2021

Die Märchentextfassungen entstammen der Ausgabe letzter Hand von 1857 (Reclam Verlag) und sind nur der aktuellen Rechtschreibung angepaßt worden. So atmen diese Märchen den ihnen angemessenen altertümlichen Ton, der ihre Dramaturgie und Wertmaßstäbe nicht verniedlicht und vermeintlich kindgerecht versüßt, sondern sie in ihrer archetypischen Kraft und Ausstrahlung beläßt. Dazu paßt ebenfalls, daß das Märchen „Von dem Fischer un syner Frau“ komplett in Plattdeutsch wiedergegeben wird, was eine spannende und gewiß amüsante Vorleseherausforderung für nicht wenige bedeutet.

Zur Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - Schneewittchen

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2021

Es ist immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich Illustratoren vorgegebene Texte in Bilder übersetzen und auf diesem Wege bei der atmosphärischen Wahrnehmung des Erzähltextes leise mitreden.

Zur Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - Der Eisenofen

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2021

Die Illustratorin Julie Völk hat einen eigenwilligen zart-filigranen Zeichen- stil, der zwischen unkonventioneller, moderner Verspieltheit und zärtlicher Nostalgie changiert. Für die vorliegende Märchensammlung hat sie mit Bleistift, Pinsel, Feder und Tusche gezeichnet und diese Zeichnungen mit Aquarell, Buntstift und Pastellkreide koloriert.

Zur Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - Die zertanzten Schuhe

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2021

Gekonnt kombiniert Julie Völk gegenwärtige illustratorische Gestaltungs- freiheiten mit traditionell-konventionellen Märchenmotivvorstellungen. So wird beispielsweise die Dornröschenhecke sehr originell durch einen Klecks roter Tusche dargestellt, der zu Linien ausgezogen wird, die sich zu Dornen- ranken auswachsen, die wiederum auch den Text auf der betreffenden Seite buchstäblich durchranken.

Julie Völks Illustrationen haben eine virtuos inszenierte kindliche Anmutung mit entdeckenswerten verspielten Details, die Kindern anschaulich entgegenkommen.

Zur Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - Froschkönig 2

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2021

 

Zur Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - Froschkönig 1

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2021

Die hochwertige Ausstattung mit Halbleinenbindung, Goldprägung, Fadenheftung, schmeichelgriffigem Papier und Lesebändchen gibt dieser Märchensammlung neben den gleichsam inneren Werten auch sehr attraktiven äußerlichen Wert.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite: https://www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Kinderliteratur/Zur-Zeit-wo-das-Wuenschen-noch-geholfen-hat.html

Hier entlang zum sehenswerten Buch-Werbefilm, in dem noch weitere Illustrationen gezeigt werden: https://www.gerstenberg-verlag.de/blog/presse/buchtrailer-grimm-maerchenbuch/

Zusätzliches märchenhaftes Hintergrundinformationsmaterial findet sich zudem unter dem nachfolgenden Link:
https://www.gerstenberg-verlag.de/blog/presse/hintergruendiges-und-kreatives-zu-den-maerchen-der-gebrueder-grimm/

 

Die Illustratorin:

»Julie Völk, geboren 1985 in Wien, studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihre Bücher wurden unter anderem mit der Serafina, dem Troisdorfer Bilderbuchpreis, dem Österreichischen Kinderbuchpreis und dem Bologna Ragazzi Award ausgezeichent. Julie Völk lebt mit ihrer Familie auf einem alten Bauernhof in Niederösterreich.« www.julievoelk.de
Hier findet sich noch ein Interview mit Julie Völk über ihre Arbeit und Vorgehensweise beim Illustrieren. https://www.gerstenberg-verlag.de/blog/autorinnen/interview-mit-der-
maerchenillustratorin-julie-voelk/

Zur Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - Der goldene Vogel

Illustration von Julie Völk © Gerstenberg Verlag 2021

Querverweis:

Julie Völks eigene Bilderbücher kommen fast gänzlich ohne Text aus und lassen sich alleine durch aufmerksame Bildbetrachtung entziffern. Siehe nachfolgend meine Besprechungen einiger ihrer Bilderbücher:

„Guten Morgen kleine Straßenbahn“: Guten Morgen kleine Straßenbahn
„Stille Nacht fröhliche Nacht“: Stille Nacht fröhliche Nacht
„Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh
Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

38 Kommentare zu “Zur Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat

  1. Danke für den Hinweis auf dieses wunderbare Buch. Im Taumel hatte ich selbst mal versucht, Ähnliches zu schreiben und in meiner Jugend gerne osteuropäische Märchen gelesen – da ging’s wenig zimperlich zu…
    HG und einen sanften aber guten Jahreswechsel!

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für Deine Märchenempfänglichkeit und die guten Wünsche zum Jahreswechsel.
      Märchen werden buchstäblich von elementaren Kräften und archetypischen Charaktertypen animiert – da kann es durchaus rauh zugehen.
      Ich wünsche Dir einen sanften, wohlbeschwingten Jahreswechsel! ✨✨✨

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Ulrike, ich liebe Märchen und glaube, dass das Wünschen auch heute noch wichtig ist. Manchmal geschieht ein Wunder. Die Illustrationen sind zauberhaft. Die Gebrüder Grimm haben mir als Kind so mache schlaflose Nacht beschert ;). Wenn ich nicht so gut drauf bin, dann sehe ich mir „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ an, das tut so gut, aber nicht weitersagen ;). Vielen Dank für deine schönen Buchtipps in diesem Jahr. Ich bin schon gespannt auf die Bücher in 2022. Ich wünsche dir einen guten Rutsch und viel Kraft, Zuversicht und Zufriedenheit im neuen Jahr. Sei lieb gegrüßt, Annette

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Annette, verbindlichen Dank für Deine Märchen- und Wunderempfänglichkeit, die ich teile.
      Falls Du die Verfilmung „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ unter der Regie von Václav Vorlíček aus dem Jahre 1973 meinst, kann ich Dir nur lebhaft zustimmen, daß dieser Film die Stimmung zauberhaft hebt!
      Es freut mich, daß Dir Julie Völks Illustrationen zusagen. Die Märchen der Gebrüder Grimm sind keine literarische Schonkost, das habe ich als Kind auch bemerkt und das hat mich durchaus gedanklich beschäftigt, mich aber nicht belastet.
      Ich danke Dir ebenfalls für Deine zugeneigte Resonanz auf meine leselebenszeichnerischen Buchempfehlungen und die guten Wünsche für das neue Jahr.
      Gruß & Umärmelung von Ulrike 💫 💖 💫

      Gefällt 1 Person

    • Dear Inese, thank you for your kind attention, that shows an interest for german fairy tales. I also thank you for liking the illustrations and for the friendly seasons greetings.
      Have a Merry Christmas and an inspiring wonderful New Year! ❄🎄❄

      Gefällt mir

  3. Wunderwunderschön sind die Zeichnungen, liebe Ulrike, aber ich besitze noch mein altes, wohlgehütetes Gebrüder Grimm Märchenbuch aus dem Jahr 1954 📚🌝🌟 , das mir so viel Erinnerungswert hat…

    Ganz herzlich und frohe freudige Weihnachten dir von mir

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank, liebe Bruni, für Dein audrückliches Wohlgefallen an Julie Völks Illustrationen.
      Gleichwohl verstehe ich Deine Anhänglichkeit an Dein alte Grimm-Märchenbuch, das mit persönlichen Erinnerungen aufgeladen ist. Mir geht es mit meiner Hans-Christian-Andersen-Märchen-Sammlung (illustriert von Jiri Trnka) von 1967 ebenso – ich kann mich sogar noch vage daran erinnern, wie meine Mutter dieses Märchenbuch für mich ausgesucht und gekauft hat.
      Auch Dir frohe und herzenslichtvolle Weihnachten mit einem Herzensgruß von mir zu Dir ❄🎄 💖 🎄❄

      Gefällt 1 Person

  4. Liebe Ulrike, wie immer eine schöne Besprechung der ewig aktuellen Märchen, die ich liebe, vor allem, wie Du so passend bemerkst – nicht „Kind gerecht“… gerade die „geistigen Generationen“ nach 1996 geboren, können Weisheit hinter den Zeilen erfassen, bei der sich „Erwachsenen“ aus den vorhergehenden Generationen bis 1983 die Haare sträuben, weil sie so irdisch korrekt denken und handeln und keinen natürlichen Zugang mehr zur geistigen Sphäre haben. Eine Hommage an eine außergewöhnliche Illustratorin, die ich spannend finde. Ich bin eher old school… und wie vieles im Leben Geschmackssache. So, liebe Ulrike ich nutze die Gelegenheit Dir gesegnete friedvolle Weihnächte zu wünschen. Denn der Titel geht gar nicht! Herzlichst, Iris

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Iris,
      verbindlichen Dank für Deine den „ewig aktuellen“ Märchen zugeneigte Resonanz und Deine Weihnachtwünsche für mich.
      Ich bezweifle ebenso wie Du den geistig-seelischen Nährwert versüßlichter Märchenstoffe und ziehe die elementare Kost vor.
      Die Illustrationen von Julie Völk sind außergewöhnlich und das Gefallen oder Nichtgefallen daran ist und bleibt eine subjektive Angelegenheit.
      Dir wünsche ich friedliche, heitere und herzenslichterfüllte Weihnächte.
      Herzensgruß von mir zu Dir 💫 ❄ 💖 ❄💫

      Gefällt 1 Person

  5. Schön, dass es überhaupt (noch) Märchenbücher gibt. Ich möchte auch nicht auf jeder pädagogischen Ideologie mitreiten. Schließlich haben Eltern/Großeltern doch eine gewisse Verantwortung, wenn sie ihre Kinder/Enkelkinder lesen lassen bzw. ihnen vorlesen. Wenn sich hinterher ein Gespräch darüber entwickelt, ist das allemal wertvoller als möglicher pädagogischer „Schaden“ durch Märchen.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Illustrationen mag, aber sie sollen ja den jungen Lesenden gefallen 🙂
    Von Herzen frohe Weihnachten für Dich, Ruhe, Erholung und Frieden.

    Gefällt 1 Person

    • Hab‘ Dank für Deine Rückmeldung und die guten Weihnachtswünsche. 🙂
      Märchenbücher werden nach wie vor gedruckt und auch immer wieder neu illustriert. Mich beeindruckt dabei die Bandbreite der zeichnerischen Reinszenierung traditioneller Texte.
      Ich glaube nicht, daß vorgelesene Märchen – auch wenn sie stellenweise grausam sind – Kindern schaden. Kinder haben ein natürliches Interesse am ganzen Gefühlsspektrum, das zum menschlichen Dasein gehört, und das sind nicht nur lichte Gefühle.
      Im Rahmen der märcheneigenen Wertekoordinaten ist das „Böse“ stets nicht endlos überwältigend, sondern wird früher oder später reglementiert und „ausgeschaltet“.
      Dir und Deinen Lieben ebenfalls entspannte, heiter-gemütliche und herzenslichtvolle Weihnachtsfesttage.

      Gefällt 1 Person

      • Stimmt, wie sich die Illustration von Märchen und Kinderbüchern über die Zeit verändert, ist spannend nachzuverfolgen. Aber es muss einen ja nicht immer alles gefallen.
        Was da unter dem Deckmantel von „pädagogisch sinnvoll“ alles so verzapft wird, ist manchmal wirklich zum Haareraufen. Und meist bleibt man den handfesten Beweis für solche Aussagen schuldig. Wir sind mit Märchen aufgewachsen, unser Sohn ist es und unsere Enkel werden es auch.
        Ich wünsche Dir von Herzen einen schönen Jahreswechsel.

        Gefällt 1 Person

  6. Das Wünschen hilft durchaus heute noch. Man muss nur die Wirklichkeit Wunsch werden lassen, und den Wünschenden ist geholfen, noch bevor sie „Wunsch“ auch nur buchstabiert haben. Wer aber wünscht, was uns als Wirklichkeit umgibt, dem ist ja eigentlich nicht zu helfen. Wodurch diese Verkuppelung von „wünschen“ und „helfen“ wieder vereitelt wird. 😉

    Dass bei dem von dir hier vorgestellten Buch die „grimmsche Partitur“ sozusagen auf Originalinstrumenten gespielt wird, ist meines Erachtens schon mal ein großer Pluspunkt. Diese Illustrationen aber sind schon eine unglaubliche Bereicherung – völlig neue Märchenwelten tun sich hier auf.

    Gefällt 3 Personen

    • Lieben Dank für Deine schelmischen Bemerkungen zum hilfreichen Wünschen. Die Wirklichkeit läßt uns ja meist viel Raum für wünschenswertere Verwirklichungen und manchmal wirken Wünsche tatsächlich Wunder. 😀
      Doch es gibt auch Situationen, in denen Wunschlosigkeit hilfreich sein kann.

      Mir sagt die altmodische „grimmsche Partitur“ – wie Du so treffend formuliert hast – ebenfalls sehr zu und gerade der zärtliche Kontrast zu den modernen Illustrationen ist reizvoll und bereichernd.
      Harmonische Grüße von mir zu Dir ❄🎄 😀 🎄❄

      Gefällt 2 Personen

      • Ja, es kommt ja auch sehr darauf an, was man wünscht. Es kann auch wunder-voll wirken, wenn man jemandem ganz einfach Gutes wünscht. 🙂
        Bei manchen Wünschen ist aber auch Vorsicht angebracht. Bei Wilhelm Busch heißt es so schön: „…denn jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

        Der vielleicht eher etwas herbe Charme des „grimmigen Originaltons“ und die sanfte Poesie der Illustrationen – das ist gewiss eine attraktive Kombination.
        Mit einem herzlichen Gruß zum zaubererfüllten Abend 🐻

        Gefällt 1 Person

  7. Was für eine witzige Spannung zwischen den modernen Illustrationen und dem altehrwürdigen Text! Und auch recht mutig von dem Verlag, da sich nach mancher pädagogischen Auffassung so ein altes Märchen gar nicht für so junge Kinder eignet… Da darf man gespannt sein, ob am Ende nicht die nostalgisch veranlagten Erwachsenen das Buch für sich selbst kaufen.

    Gefällt 6 Personen

    • Verbindlichen Dank für Deine schöne Rückmeldung. 🙂
      Ja, da ist wirklich eine interessante Spannung zwischen den modernen Illustrationen und dem altehrwürdigen Text – das hast Du fein wahrgenommen.
      Ich denke, daß der Verlag bei der Planung und Veröffentlichung einer solchen Märchensammlung seiner eigenen pädagogischen Auffassung folgen sollte und sich keinesfalls von pädagogischen Modeerscheinungen zu literarischer „Schonkost“ verleiten lassen sollte.
      Gute, geistig und seelisch substanzielle Kinderbücher bieten stets auch Stoff für erwachsene Leser und Vorleser.
      Insofern sind Eltern, wenn sie Bücher für ihre Kinder auswählen, gewiß auch von ihren positiven, persönlichen, kindlichen literarischen und illustratorischen Erfahrungen „geprägt“.

      Gefällt 3 Personen

Sie dürfen gerne ein Wörtchen mitreden, wenn's konveniert!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s