Ein Mädchen namens Willow

  • von Sabine Bohlmann
  • mit Illustrationen von Simona Ceccarelli
  • PLANET! Verlag, Januar 2020 www.planet-verlag.de
  • gebunden
  • 256 Seiten
  • Format: 148 x 210 mm
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 19,50 sFr.
  • ISBN 978-3-522-50664-9
  • Kinderbuch ab 10 Jahren

VON  HEXE  ZU  HEXE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Kinderbuch wahrt eine zauberhafte Balance zwischen Magie und Wirklichkeit und vermittelt eine positive Vorstellung von Hexen als weisen und heilkundigen Frauen. Naturbeziehungsfähigkeit und elementare Zauberkräfte gehen hier Hand in Hand mit kindlicher Lebensfreude, Entdeckungslust, Freundschaftsfindung und Humor.

Das Mädchen Willow zieht mit ihrem Vater in ein altes Haus, das er von seiner Tante Alwina geerbt hat. Willow hatte schon als kleines Kind in diesem Haus gelebt; doch nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter zog es der Vater vor, an anderen Orten zu leben, da ihn dieser heimatliche Ort auf Schritt und Tritt an seine verstorbene Frau erinnerte. Die Arbeit als Auslandskorrespondent brachte es mit sich, daß er und Willow häufig den Wohnort wechselten. Nun will er jedoch an diesen vertrauten Ort zurückkehren und der inzwischen elfjährigen Willow ein beständiges Zuhause bieten.

Tante Alwina hat den zum Haus gehörigen Wald ausdrücklich ihrer Nichte Willow vererbt, und diese erkundet mit aufgeschlossenem Herzen für die Schönheit der Natur ihr neues Reich. Unterwegs bemerkt sie einen Fuchs, der sie neugierig beobachtet. Nach und nach erinnert sie sich auch wieder an ihre Tante, an bestimmte Bäume und an ihre kindlichen Spiele in diesem Zauberreich. Am nächsten Tag setzt Willow die Inspektion ihres Erbes fort und begegnet wieder dem zutraulichen Fuchs. Diesmal führt er sie zu einem verborgenen, von Efeu und Heckenrosen umrankten kleinen Holzhaus.

In diesem malerischen Hexenhäuschen findet Willow u.a. geheimnisvolle alte Bücher, die sich unerklärlicherweise nicht öffnen lassen, und ein Foto, das ihre noch junge Tante zusammen mit drei weiteren jungen Frauen zeigt, sowie eine kleine abgeschlossene Holztruhe, in die Willows Name hineingeschnitzt wurde.

Im Inneren der Truhe liegt ein dickes, ledergebundenes Buch, das auf seiner Buch-deckelmitte ein Muster aus ineinander verwobenen Spiralen trägt und in den vier Ecken des Buchdeckels vier unterschiedliche Symbole für die vier Elemente. Die Truhe enthält außerdem eine Glaskugel, eine Kupferschale, einen Flacon und vier Ketten mit Amu- letten, die vier Symbole zeigen, welche denen vom Dekor des Buches entsprechen. Die größte Überraschung ist für Alwina allerdings der an sie adressierte Brief ihrer Tante.

Aus diesem Brief erfährt Willow, daß sie die Hexenkraft ihrer Tante geerbt habe. Der Brief enthält präzise und liebevoll formulierte Anweisungen, wie diese Kraft – sofern Willow willens ist, sie anzunehmen und konstruktiv zu nutzen – auf sie übertragen werden kann. Als zuverlässiger Ratgeber fungiert das Buch mit den Symbolen. Dieses Buch mit dem Namen „Grimmoor“ beschriftet sich selbst – in federleichter Schönschrift – und beantwortet auf diese buchstäbliche Weise Willows Fragen, gibt Hinweise auf die nächsten magischen Schritte, erklärt Rituale und gemahnt freundlich und bestimmt, immer wieder daran, daß Willow für Problemlösungen, Beurteilungen und Entschei- dungen aufmerksam ihr Herz befragen solle.

So erfährt Willow beim Hexenkraftübertragungsritual, daß ihr Element das Feuer ist und ihr Krafttier der Fuchs. Um die volle Hexenkraft zu erreichen, muß sie drei weitere Mäd-chen finden, die ebenfalls über eine familiäre Hexenbegabung verfügen und die den drei Elementen Luft, Wasser und Erde zugehörig sind.

Die Suche nach diesen Hexenmädchen führt zu einigen Mißverständnissen, da Willow anfangs noch allzu vordergründig und naiv vorgeht. Doch sie lernt aus den Fehlern und Komplikationen und findet nach und nach die richtigen Hexentalente: Die luftige Valentina ist die erste Verbündete, dann folgt Gretchen, die das Wasser beherrscht, und schließlich Lotti, die für das Element Erde zuständig ist. Von Vollmondritual zu Voll- mondritual wachsen die vier Elemente zusammen, und auch die Freundschaft und Vertrautheit zwischen den Mädchen vertieft sich. 

Die Bündelung der Kräfte kommt genau zur rechten Zeit, denn geschäftstüchtige Immobilieninvestoren wollen Willows Vater das Waldgrundstück abkaufen und den Wald abholzen, um dort ein Einkaufszentrum zu bauen. Doch dank Hexenbuchweisheit und vereinter Hexenkraft wachsen in Willows Wald gleich vier seltene und gefährdete Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen. Somit wird der Wald zu einem privaten Naturschutzgebiet, und ein Verkauf und eine Abholzung kommen keinesfalls mehr in Frage. Diese gute Nachricht nehmen die Junghexen sogleich zum Anlaß, ein kleines Freudenfest mit Mondlicht-Picknick zu feiern.

Sabine Bohlmann erzählt eine spannende und herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, Naturverbundenheit und Magie. Sie wartet ebenso mit phantasievollen Details und attraktiven Zauberrequisiten auf wie mit scha- manischen Anfängerkenntnissen, Mondphasen- und Heilpflanzenwissen.  

Die verwendeten Anrufungen, Hexensprüche und Zauberformeln erscheinen in einfachen Reimen. Auch wenn das Versmaß manchmal etwas hinkt und stolpert, so trägt die Reimform dennoch wesentlich zu einer magischeren Sprachklangebene bei.

Die Illustrationen von Simona Ceccarelli geben den Charakteren und ele- mentaren Saiten der vier Hexenmädchen, den magischen Requisiten und den Krafttieren anschaulich Gestalt. Bemerkenswert sind zudem die illustrierten Buchseiten mit den nächtlichen Szenen, auf denen der Text weiß auf schwarz gedruckt ist, und deren „Lichteffekte“ ganz besonders geheimnisvoll wirken.

Der rote Faden dieser Geschichte ist keineswegs die aggressive Machtaus- übung mit Hilfe von Magie, sondern zwischenmenschliches sowie natur- verbundenes Feingefühl und Miteinander und eine ausgeprägte Herzens- orientierung, die das Werkzeug Magie gleichermaßen in den Dienst des persönlichen menschlichen Lebens wie in den des umfassenderen natürlichen Lebens stellt.

 

»Es gibt Wissende, Unwissende, glaubende Wissende und wissende Wissende, und dann sind da noch die hoffenden Unwissenden, Scharlatane und Möchtegern-Magier, aber die echten, wissenden wissenden Magier, die Hexen, Hexer, Zauberer und Zauberinnen, arbeiten alle mit der Energie der Erde.« (Seite 173)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/planet/buecher/buchdetailseite/ein-maedchen-namens-willow-isbn-978-3-522-50664-9/

 

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh- Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.«
https://www.sabinebohlmann.com/

Die Illustratorin:

»Nach einem halben Leben als Medizinalchemikerin hat Simona Ceccarelli den Laborkittel gegen den Bleistift eingetauscht, um ihrem Kindheitstraum nachzugehen. Ausgerüstet mit einem Diplom in Illustration und Concept Art der Academy of Arts University in San Francisco illustriert sie seit 2016 Bücher, Spiele und andere Produkte für Kinder. Simona Ceccarelli lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern, drei Nationalitäten und vier Sprachen in Basel.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Offene See

  • Roman
  • von Benjamin Myers
  • Originaltitel: »The Offing«
  • Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
  • DUMONT Verlag, März 2020 www.dumont-buchverlag.de
  • gebunden mit Lesebändchen
  • 270 Seiten
  • ISBN 978-3-8321-8119-2

WORTE  BEWEGEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der hochbetagte Schriftsteller Robert Appleyard schaut dankbar auf seinen bisherigen Lebensweg zurück. Er stammt aus einer einfachen Bergarbeiterfamilie, und es scheint ihm keineswegs in die Wiege gelegt zu sein, eines Tages Schriftsteller zu werden. Im Jahre 1946 nutzt der junge Robert die Wartezeit bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse seiner schulischen Abschlußprüfungen für eine Reise ans Meer. Seine Mutter packt ihm ein beschiedenes Proviantpaket und einen Waschlappen in den Rucksack, und Robert macht sich zu Fuß auf den Weg.

Lebensmittel sind in der Nachkriegszeit noch rationiert, und Robert muß sich sein Essen unterwegs als Tagelöhner erarbeiten. Seine Hilfsdienste werden durch die kriegsbeding-ten Männerverluste meist gerne angenommen und mit Kost und manchmal auch Logis vergolten. Es macht ihm jedoch nichts aus, mit seinem Schlafsack im Freien zu über-nachten, zwischen Hecken und Büschen und mit einem aus einer Plane improvisierten Zelt. Robert ist ein naturverbundener Mensch, der frische Luft und Weite schätzt, und er empfindet deutlich, daß er in der Natur seinem wahren Wesen näher ist. Die Aussicht, bald in die unvermeidlich erscheinenden Fußstapfen seines Vaters zu treten und ein anstrengendes, ewig kohlenstaubbedecktes Berufsleben unter Tage zu beginnen, gefällt ihm immer weniger.

In Yorkshire, nahe der Küste, führt ihn sein Weg zu einem Cottage, das oberhalb einer Meeresbucht gelegen ist, mit einer kleinen Terrasse, einem gepflegten Gemüse- und Blumengarten und einer stark verwilderten Wiese. Dort will Robert nach Wasser zum Auffüllen seiner geleerten Feldflasche fragen; zunächst wird er von einem wachsamen deutschen Schäferhund aufgehalten, bis eine hochgewachsene, agile ältere Dame den Hund zurückpfeift und Robert spontan zum Tee einlädt. So lernt er Dulcie Piper kennen.

Robert fragt, ob er für sie gartenpflegerische Arbeiten übernehmen könne und Dulcie erklärt, daß sie in Hinsicht auf die verwilderte Wiese durchaus Unterstützung durch junge Muskelkraft brauchen könne. So schlägt Robert sein Lager in Dulcies Garten auf. Dulcie verköstigt Robert selbstverständlich nicht nur mit Tee, sondern auch mit einem üppigen, selbstgekochten Abendessen und versetzt ihn mit ihrer außergewöhnlich gut, ja, für Nachkriegsverhältnisse geradezu luxuriös gefüllten Speisekammer in Erstaunen.

Während Robert sich in den folgenden Tagen mit dem Gelände vertraut macht und mit einer Sense die Wiese mäht, entdeckt er ein kleines, hübsches, allerdings sehr repara-turbedürftiges Atelier. Er fragt Dulcie, ob er es instandsetzen solle, weil es doch schade sei, es verfallen zu lassen. Nach kurzem Zögern stimmt Dulcie zu, und so verlängert sich sein Aufenthalt bei Dulcie um viele Wochen.

Robert und Dulcie führen bei den gemeinsamen Mahlzeiten und Teepausen lange Ge-spräche. Anfangs ist Dulcie dabei zwar deutlich eloquenter und forscher, lockert jedoch nach und nach Roberts Schüchternheit. Sie behandelt Robert freundlich-zugewandt und beeindruckt ihn mit ihrer unkonventionellen Art, ihrem Humor und ihren für ihn neuen Betrachtungsweisen von Familie, Freiheit, Freundschaft, Gesellschaft, Internationalität, Politik und Religion. Sie teilt ihr Wissen über Geschichte, Kunst und Literatur mit Robert und gibt ihm Bücher zum Lesen.

Seiner Sehnsucht nach dem Meer kann Robert beiläufig ebenfalls nachgehen. Doch er bemerkt, daß Dulcie einen Groll gegen das Meer hegt, denn immer wenn er einen Ausflug zum Strand macht und beglückt vom Schwimmen zurückkehrt, reagiert sie entgegen ihrer sonstigen Herzlichkeit etwas unwirsch.

Beim Aus- und Aufräumen des Ateliers findet Robert in einem Aktenkoffer ein maschinenschriftliches Manuskript mit Gedichten von einer Romy Landau, das Dulcie gewidmet ist. Er liest diese Gedichte, und sie berühren ihn, obwohl er sie nicht ganz versteht und ihm manche Worte unbekannt sind. Dennoch erkennt und erspürt er, wie bereichernd und lebendig – entgegen der trockenen Leseerfahrungen aus dem Schul- unterricht – Poesie sein kann. Robert liest nicht bloß Romy Landaus Gedichte, sondern er atmet sie durch die wieder und wieder wiederholte Lektüre gewissermaßen ein und aus.

„In dem Moment entfalteten sich neue Gefühle von Verwirrung und Neugier in mir, vor allem jedoch ein überwältigendes, mächtiges Bewusstsein für den Raum, diesen Raum im Hier und Jetzt, als wären die Wörter über die Seite gekrochen und vom Papier ge- fallen und hätten mich umschlungen wie Ranken, die mich zurück in das Gedicht zogen, sodass die erdachten Zeilen und die reale Welt irgendwie zu einem tieferen Porträt von Land und Meer verschmolzen.“ (Seite 148)

Robert spricht Dulcie auf das Manuskript an und fragt, ob sie es gelesen habe. Dulcie reagiert sehr aufgewühlt und beschließt, Robert bei einigen Kannen Tee von der Autorin dieser Gedichte zu erzählen.

Romy Landau war eine deutsche Exildichterin, die in den 30er-Jahren nach England emigrierte, und sie war Dulcies Freundin und Lebensgefährtin. Das Atelier hatte Dulcie für sie errichten lassen, damit sie sich dort in ungestörter Zurückgezogenheit von ihren anstrengenden Lesereisen erholen konnte. Zunächst wurde Romys Werk in England von der Literaturkritik hoch gelobt, doch mit Fortschreiten des Zweiten Weltkrieges wurde sie nicht mehr als Poetin wahrgenommen, sondern als „böse“ Deutsche, und die gleichen Kritiker, die sie zuvor gepriesen hatten, beargwöhnten sie nun. Dies und die fortgesetzt schrecklichen Geschehnisse in ihrer Heimat lösten bei Romy eine solche Sinnkrise aus, daß sie ins Meer hinausschwamm und ertrank. Zurück blieben das vollendete Manuskript und eine verlassene Dulcie, die sich bisher nicht überwinden konnte, die ihr gewidmeten Gedichte zu lesen.

Dulcie tut es sichtlich gut, von ihrem tragischen Verlust und ihrer Trauer sprechen zu können. Robert erklärt Dulcie teilnahmsvoll, wie wertvoll und ansprechend er Romys Gedichte finde, und daraufhin bittet Dulcie Robert, ihr von nun an jeden Abend ein Gedicht vorzulesen. In kleinen Portionen könne sie wohl inzwischen den Schmerz und die Schönheit dieser Poesie verkraften. Dies entpuppt sich als heilsame Entscheidung, weil sich nämlich zwischen den Zeilen eines dieser Gedichte eine wichtige, erlösende und tröstliche Botschaft für Dulcie verbirgt.

Die schicksalhafte Begegnung zwischen Robert und Dulcie führt Robert zu einer gänzlich anderen Lebensweichenstellung, für Dulcie bringt sie ein konstruktives Loslassen und für beide eine lebenslange Freundschaft.

Dieser Roman erfreut mit leise-eindringlichen, naturpoetischen Beschrei- bungen und mit feingezeichneten, herzhaften, sinnlich-greifbaren Charak- teren. Es ist eine Freude mitzuerlesen, wie Dulcie Robert nicht nur genüßlich-kulinarisch nährt, sondern auch seinen aufgeschlossenen Geist mit vielfältigen Anregungen und Ermutigungen füttert, die unvermeidlich seinen Horizont erweitern und ihn zu neuem Selbstausdruck finden lassen.

In besonderer Weise zeichnet sich dieser Roman durch die intensive Dar- stellung von Poesie als Lebenskraft aus. Er zeigt eindrucksvoll, einfühlsam und sehr atmosphärisch, welch magische Erweckungswirkung Poesie auf einen offenen Geist und ein empfindsames Herz haben kann.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dumont-buchverlag.de/buch/myers-offene-see-9783832181192/

Hier entlang zu einer weiteren Buchbesprechung von Hauke Harder vom Blog „LESESCHATZ“: https://leseschatz.com/2020/03/30/benjamin-myers-offene-see/

 

Der Autor:

»Benjamin Myers, geboren 1976, ist Journalist und Schriftsteller. Myers hat nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher und Lyrik geschrieben. Für seine Romane hat er mehrere Preise erhalten. Er lebt mit seiner Frau in Nordengland.«

Die Hörbuchausgabe ist im April 2020 bei DAV erschienen:

Offene See                                                                                                                             
Roman
von Bejamin Myers
NDR Kultur/ungekürzte Lesung mit Manfred Zapatka
1-mp3-CD
Länge: 8 Stunden, 37 Min.
20,00 € (D), 22,50 € (A)
Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:

Offene See

 

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Der Bücherdrache

  • von Walter Moers
  • Ein Roman aus Zamonien von
  • Hildegunst von Mythenmetz
  • Aus dem Zamonischen übertragen
  • und illustriert von Walter Moers
  • PENGUIN Verlag März 2019 www.penguin-verlag.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • Format: 17 x 24 cm
  • 192 Seiten
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • ISBN 978-3-328-600064-0
  • 20,00 € (D), 20,60 (A), 28,90 sFr.

VON BUCHLINGEN, ORMLINGEN UND DRACHEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Um auch den noch nicht mit der faszinierenden Welt Zamoniens vertrauten Lesern das Verständnis dieser Buchbesprechung zu erleichtern, erkläre ich zunächst einige zamo-nische Spezialitäten.

Zamonien zeichnet sich durch vielschichtig-abwechslungsreiche ober- und unterirdische Lebenswelten und noch vielfältigere botanische, zoologische und märchenhafte Daseinsformen aus. Einige dieser Daseinsformen sind der Literatur in besonderer Weise zugeneigt, und zwar die Lindwürmer, zu denen Hildegunst von Mythenmetz gehört, und die Buchlinge, die in den Katakomben von Buchhaim leben.

Hildegunst stammt von der Lindwurmfeste und lernt bei einem Besuch der Katakomben unter der Stadt Buchhaim unfreiwillig einen Teil der zamonischen Untenwelt kennen – dies wird im vierten Zamonien-Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ ausführlich ausgemalt.

Die Buchlinge sind kleine, kluge, kultivierte und friedliebende Zyklopen, die in einem gut verborgenen Teil der Katakomben von Buchhaim, in der Ledernen Grotte, zu Hause sind. Sie leben buchstäblich vom Lesen und brauchen ansonsten nur noch Wasser, sauerstoff-arme Luft und Kerzenlicht. Jeder Buchling sucht sich einen lebenden oder toten Schrift-steller aus, lernt dessen Werke auswendig und nimmt unwillkürlich auch ein wenig die Charakterzüge des von ihm verinnerlichten Schriftstellers an.

Als Hildegunst von Mythenmetz einst in den Katakomben unterwegs war, fand er bei den freundlichen Buchlingen Zuflucht und Gastfreundschaft. Eines Tages präsentierten sie ihm einen kleinen Nachwuchsbuchling, der gerne Hildegunstens Werke auswendig lernen wollte – ein Angebot, das Hildegunst zutiefst anrührte, zumal er zu diesem Zeit- punkt noch garkein Buch geschrieben hatte, aber die Buchlinge waren damals schon von seinem Schreibtalent überzeugt.

„Der Bücherdrache“ handelt nun von einem Abenteuer, welches dem Buchling, Hilde- gunst Zwei, in seiner Jugend widerfahren ist. In der Buchlingsschule wurde Hildegunst Zwei während der Katakombenmythologiestunde über die Legende von Nathaviel, dem Bücherdrachen, unterrichtet. Nathaviel, der in anagrammischer Variation auch Eliva- than, Thanaviel, Levanthia oder Ilathevan genannt wird, solle seit Jahrhunderten im Ormsumpf hausen.

Im Ormsumpf sind durch den Untenweltfluß Magmoss unzählige alte, wertvolle Bücher gestrandet bzw. versumpft. Der riesige Drache, der einst auf der Flucht vor drachen-jagenden Rittern Schutz im Ormsumpf gefunden hatte, legte sich zum Schlafen also unvermeidlich auf einen Untergrund aus Büchern, und diese blieben nach und nach in seiner Schuppenhaut hängen und wuchsen dort fest.

Zunächst vergrößerte diese ganzkörperliche Bücherverschalung nur Umfang und Gewicht des Drachens, doch im Laufe der Jahre drangen die Sprache, das Wissen, der Geist und das Orm (das Orm ist ein zamonischer Fachbegriff für die substanzielle Inspirationsqualität eines literarischen Werkes) dieser Bücher in den Blutkreislauf des Drachen, und er konnte plötzlich denken und lesen.

Nathaviel verwandelte sich vom instinktgesteuerten Tier zu einem literarisch, philo-sophisch und wissenschaftlich hochgebildeten, polyglotten, weisen und gütigen Drachen, der keine sprechenden Lebewesen mehr fraß und auf jede Frage ein Antwort wußte. Zwar neigte er dazu, diese Fragen auf etwas kryptisch-orakelhafte Weise zu beantworten, doch dies mehrte nur seinen Ruhm bei den zahlreichen Ratsuchenden.

Der Lehrer weist seine Buchlingsschüler schließlich darauf hin, daß der Bücherdrache selbstverständlich nur eine Metapher für den Wunsch sei, alles Wissen ohne die Mühen des Lernens, wiederholten Übens, Memorierens und Schlußfolgerns zu erlangen. Als Hausaufgabe gibt er den Buchlingen gleichwohl auf, sich eine gute Frage für den Bücherdrachen auszudenken.

Hildegunst Zwei unterhält sich nach dem Unterricht mit einigen älteren Mitschülern, der sogenannten „Klassikerbande“, denn diese sechs Buchlinge tragen die Namen antiker Klassiker: Estrakos, Arkaneon, Eliastrotes, Eideprius, Steraphasion und Klosophes.

Beiläufig erwähnt Hildegunst Zwei, daß er eine gute Frage für den Bücherdrachen wisse. Estrakos hört sich aufmerksam diese Frage an und ist beeindruckt, und auch die anderen Klassiker bescheinigen Hildegunst Zwei eine erstaunliche Geistesreife. Deshalb weihen sie ihn in ihren Geheimbund der „Ormlinge“ ein und erzählen ihm, daß es den Bücherdrachen wirklich gebe und daß sie ihn selbst schon gesehen hätten.

Als Aufnahmeprüfung in den Bund der „Ormlinge“ soll Hildegunst Zwei den Bücherdra-chen im Ormsumpf aufsuchen, ihm seine Frage stellen und eines der ormgetränkten Schuppenbücher mitbringen. Sie geben ihm noch eine vage Wegbeschreibung mit, und dann überlassen sie den zukünftigen Ormling seinem Schicksal.

Als Leser merkt man selbstverständlich, daß die Klassiker den naiv-unerfahrenen Hildegunst Zwei veräppeln, aber jeder Buchling muß seine eigenen Erfahrungen machen – da können wir als Lesezeugen dem Jungbuchling nur die Daumen drücken.

Hildegunst Zwei macht sich tapfer auf den Weg in den Ormsumpf, und alleine dieses Bio-bibliotop mit seinem morastigen Boden, seinen seltsamen Gewächsen, seinen Bücher-blätterkompostschichten, gefräßigen Bücherwürmern und vielbeinigen größeren und kleineren Insekten und seinem die Weitsicht begrenzenden Bodennebel bietet mehr als genug Gefahren und Fallen für wenig wehrhafte Geschöpfe, wie Buchlinge es von ihrer schöngeistigen Wesensart her sind.

Nach einer stundenlangen mühsamen und zähflüssigen Wanderung, kurz bevor Hilde-gunst Zwei in Erwägung zieht, besser den Rückweg anzutreten, trifft er auf den Bücher-drachen Nathaviel. Dieser beginnt die launige Konversation mit dem unerwarteten Besucher zunächst einmal mit einem Diskurs zur Abstammung der Drachen von Vögeln.

Hildegunst empfindet angesichts des Bücherdrachens tatsächlich mehr Respekt als Angst, und das Gespräch zwischen Buchling und Drachen entwickelt sich recht ange- nehm. Der Bücherdrache ist wirklich enorm groß: Walter Moers verteilt die anschau- liche Illustration des langen Drachenleibes auf dreizehn Buchseiten hintereinander (Seite 93 – 106)!

Nathaviel erzählt Hildegunst Zwei bereitwillig seine Lebensgeschichte und reichert sie mit spannenden Details und amüsanten, persönlichen Drachenbefindlichkeiten an. Wir erfahren von der Verehrung und Verfolgung, die ihm wechselweise im Verlauf der zamonischen Historie widerfahren sind, sowie von den durchaus verständlichen Gründen für seine drastischen Selbstverteidigungsmaßnahmen gegen Bücherschuppen- räuber und seinem sich daran anschließenden Rückzug ins ungestörte – aber auch einsame – Reich der Legende.

Er beantwortet sehr weise und selbsterkenntnisfördernd die Frage des Buchlings, warum er selber kein Buch schreibe, und schwadroniert eloquent über die mühselige Arbeit, ängstliche Besorgnisse und inspirationsbedingte Schlafstörungen des Schrift- stellerdaseins im Vergleich zum unbeschwerten, freudig-gemütlichen Genuß des Lesers. Die Liebe des Bücherdrachens zur Sprache und zu kostbaren Wortschätzen ist dem Buchling (und der Rezensentin) höchst sympathisch und vertraut.

Doch nun weiß unser kleiner Buchling zuviel über die Stärken und Schwächen des Bücherdrachens, und Nathaviel kündigt an – nicht ohne ehrliches Bedauern –, Hildegunst Zwei leider töten zu müssen, denn er könne nicht riskieren, wieder von Scharen von Bücher- und Drachenjägern belästigt zu werden, wenn sich herumspräche, daß es den Ormdrachen wirklich gäbe.

Eine kurze Gnadenfrist bleibt Hildegunst Zwei, weil der Bücherdrache zunächst dringend ein Nickerchen machen muß. Damit der Buchling nicht fliehen kann, sperrt der Drache ihn einfach in seinem großen Maul ein. Er legt den Kopf auf den Boden, damit Hildegunst Zwei nicht in den Drachenmagen herabrutscht, und zieht die Lefzen hoch, damit der kleine Gefangene Luft bekommt.

Da sitzt also Hildegunst Zwei hinter einem Zahngitter, während der Drache seelenruhig und selbstgewiß seinem Drachenschlaf frönt. Indes, Rettung naht, denn die Klassiker-bande hat sich nach dem Verschwinden von Hildegunst Zwei fürsorglich und mit Gewissensbissen auf die Suche nach ihrem Klassenkameraden gemacht.

Wie und ob und mit welchen Folgen es den kleinen Helden gelingt, dem Bücherdrachen und dem Ormsumpf zu entkommen, werde ich jedoch nicht verraten …

Hildegunst von Mythenmetz beschert uns mit „Der Bücherdrache“ einen sprachverlieb- ten, spannenden, phantasievollen, geistreich-unterhaltsamen Roman, mit sehr leben- digen Charakteren, wohldurchkomponierter Handlungsdramaturgie und meisterhafter Dialogroutine. Schelmische literarische Anspielungen und selbstreferenzielle Zitate aus vorhergehenden Zamonienromanen zeigen Hildegunst von Mythenmetz ganz auf der Höhe seines ebenso ruhmreichen wie einfallsreichen und bücherliebhaberischen Könnens.

Dank Maestro Moers‘/Mythemetz‘ Doppelbegabung als Schriftsteller und Zeichner ist dieses Buch mit vielen filigranen, detailreichen Schwarz-weiß-Zeichnungen geschmückt. Jeder Kapitelanfang wird von einer feinen Initiale eingeleitet und mit einer Vignette abgeschlossen. Die Vorsatzblätter wimmeln vor vielgemusterten Bücherschuppen, daß dem Betrachter die Augen flimmern, und die ersten zehn Seiten des Romans sind als Graphik-Novelle gestaltet, sozusagen als Geschichte in der Geschichte, die nur ein Traum in einem Traum oder ein Buch in einem Buch ist …

Köstlich sind auch wieder die von Moers formulierten Anagramme berühmter Schrift-steller. Während sich die Mitglieder der Klassikerbande leicht entschlüsseln lassen: Estrakos ist Sokrates, Arkaneon ist Anakreon, Eliastrotes ist Aristoteles, Eideprius ist Euripides, Steraphasion ist Aristophanes und Klosophes ist Sophokles, verlangt die Buchstabenrekombinatorik angesichts einiger anderer erwähnter Schriftsteller etwas mehr Tüftelei. Oder wissen Sie auf Anhieb, wer sich hinter „Dölerich Hirnfiedler“, Ojann Golgo van Fontheweg“ und „Perla La Gadeon“ verbirgt ???

ACHTUNG!!! Jetzt gibt es hier ein GEWINNSPIEL:

Also, welche berühmten Schriftsteller verbergen sich hinter „Dölerich Hirnfiedler“, „Ojann Golgo van Fontheweg“ und „Perla La Gadeon“ ??? Wer diese drei Anagramme oder wenigstens eines davon löst, kann seine Gripsfindigkeit gerne in der Kommentarsektion kundtun und dabei sogar etwas gewinnen. Leider kann ich keine Bücherdrachenschuppen zur Belohnung verteilen, aber der PENGUIN Verlag war so großzügig, mir ein Verlosungsexemplar des „Bücherdrachens“ sowie drei Buchlings-Broschen zur Verfügung zu stellen. Wem es also gelingt, alle drei Anagramme zu lösen, der bekommt den Roman, und wer nur eine Anagrammlösung schafft, bekommt als Trostpreis eine Buchlings-Brosche. Bei mehreren richtigen Antworten, werde ich unter ormonös-notarieller Aufsicht, die Gewinner auslosen.

Ich werde die korrekte Lösung 48 Stunden nach der Publizierung meiner Rezension bekannt geben.

Nun ist es soweit und die richtige Lösung lautet:

  • Dölerich Hirnfiedler ist Friedrich Hölderlin
  • Ojann Golgo van Fontheweg ist Johann Wolfgang von Goethe
  • Perla La Gadeon ist Edgar Allen Poe

Die glückliche Gewinnerin wurde durch unbestechliches Auslosen ermittelt, und ich werde sie auf dem Kommentarwege benachrichtigen.

»Eine gute Frage erkennt man daran, dass sie das Rätsel erkannt hat, welches einer befriedigenden Erklärung bedarf.« (Seite 27)

Möge das Orm mit Ihnen sein!

 

Hier entlang zum Buch und zum Buchtrailer auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Der-Buecherdrache/Walter-Moers/Penguin/e541770.rhd

 

„Der Bücherdrache“ empfiehlt sich auch vorzüglich als Auditüre! Der Sprecher Andreas Fröhlich erweist sich auch im Ormsumpf als virtuoser Interpret von Hildegunst von Mythenmetz und verstimmlicht den kleinen Buchling Hildegunst Zwei, die Mitglieder der Klassikerbande und den belesenen und kommunikativen Bücherdrachen mit ebenso viel spielerischem Tiefsinn wie mit einfühlsamen und feinsinnig-schelmischen Klangnuancen einschließlich ausgesprochen überzeugender drachenspezifischer Atemakustik.

Der Bücherdrache
von Walter Moers
Gelesen von Andras Fröhlich
Produktion: Der Hörverlag März 2019 http://www.hoerverlag.de
Vollständige Lesung
Laufzeit: 4 Stunden, 25 Min.
4 CDs im Pappklappschachtel
ISBN 987-3-8445-3323-1
20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Der-Buecherdrache/Walter-Moers/der-Hoerverlag/e553301.rhd

 

Hier entlang zur Zamonien-Webseite: http://www.zamonien.de/

 

Der Autor:

»Der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz ist der bedeutendste Großschriftsteller Zamoniens. Berühmt wurde er durch seine 25-bändige Autobiographie «Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers», ein literarischer Bericht über seine Abenteuer in ganz Zamonien und vor allem in der Bücherstadt Buchhaim.
Sein Schöpfer Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus in die Herzen der Leser und Kritiker geschrieben. Alle seine Romane wie «Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär», «Die Stadt der Träumenden Bücher», «Der Schrecksenmeister» und zuletzt «Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr» sowie «Weihnachten auf der Lindwurmfeste» waren Bestseller.«

 

Der Vorleser:

»Andreas Fröhlich wurde 1965 geboren und hatte bereits mit sechs Jahren seinen ersten Hörspielauftritt. Seine wohl bekannteste Rolle ist die des Bob Andrews für die Hörspiel-serie „Die drei Fragezeichen“. Andreas Fröhlich lebt in Berlin und arbeitet als Schau-spieler, Synchron- und Hörspielsprecher, Synchronregisseur sowie Dialogbuchautor.«

 

Querverweis:

Hier entlang zu meinen vorhergehenden Moers-Mythenmetz Rezensionshuldigungen:

Zum ersten Zamonien-Roman: Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/
zum zweiten: Ensel & Krete
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/
zum dritten: RUMO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/28/rumo/
sowie zum siebten Streich: Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/11/01/prinzessin-insomnia-der-alptraumfarbene-nachtmahr/
zum achten Lesehäppchen: Weihnachten auf der Lindwurmfeste
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/22/weihnachten-auf-der-lindwurmfeste/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Grete, das Kamel

  • Stinklangweilige Gute-Nacht-Geschichten
  • von Veronika Trubel
  • Illustrationen von Isabel Pin
  • Karl Rauch Verlag  Februar 2019 http://www.karl-rauch-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24 x 27 cm
  • 56 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7920-0372-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

LEISE  RIESELT  DER  SAND

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Falls Sie zu den Vorwort-Überblätterern und Gebrauchsanweisungs-Ignoranten gehören, möchte ich Sie diesmal ausdrücklich bitten, bei diesem Bilderbuch ausnahmsweise doch sowohl das Vorwort als auch die Vorlese-Gebrauchsanweisung zu lesen.

Denn dieses Vorspiel ist eine wundervolle Einstimmung, ja, sogar eine buchstäbliche Atemübung mit Entspannungseffekt. Also holen Sie jetzt einmal gaaanz langsam und tief Luft und hören mir brav zu.

Grete, das Kamel, wandert durch die Wüste. Grete läuft im sogenannten Paßgang, d.h. sie bewegt die beiden linken Hufe und dann die beiden rechten Hufe. Sie kalinkert und kalunkert durch den Sand und kommt gemächlich voran.

Die Wüstenlandschaft wird unaufgeregt beschrieben. Hat Grete ein Ziel oder ist sie ein-fach nur unterwegs? Es gibt einen Kaktus, auf dem eine Eule wartet, der ein mögliches Ziel sein könnte, aber eigentlich ist er nur eine Requisite fürs Bilderbuchbühnenbild.

An Gretes Wegesrand geschehen die großen Lebenskleinigkeiten von Wüstenmäusen, Flöhen, einem Termiten, einer Laus und einer Sandkatze sowie einer Gruppe von Beduinen. Tag und Nacht wechseln sich zuverlässig ab. Alles wird in einem augenzwin-kernd-gelassenen Tonfall erzählt.

Oft passiert aber auch garnichts, und es werden bloß Fragen in den Raum gestellt. Einmal wird eine echte Erzählpause eingelegt, die zu folgendem schweigsamen Hinhören einlädt: „Dem anderen zuhören, wie er gar nichts sagt.“ (Seite 38)

Und dazwischen wiederholt sich wie ein Refrain Gretes Kalink – Kalunk,  Kalink – Kalunk, Kalink – Kalunk … So füllen sich vierzehn Kapitel, deren zielloses Ziel immerhin dahin führt, das uns die sympathische Kameldame und ihre Wüstenheimat etwas vertrauter werden.

Na, sind Sie schon tiefenentspannt? Scheuen Sie sich bloß nicht zu gähnen, das ist schließlich der Sinn von Gute-Nacht-Geschichten.

Die Weite der Wüste, Gretes würdevolle Wesensart, die mikrokosmischen Ereignisse und die offenen Fragen werden durch die einfühlsamen Illustration von Isabel Pin aus- drucksvoll begleitet. Der meditative Minimalismus der Zeichnungen harmoniert vorzüglich mit dem achtsamen, verspielt-philosophischen, zeitlupenlangsamen Texttempo.

„Grete, das Kamel“ ist eine sanfte, heitere Einladung, zu Besinnung und Ruhe zu kommen. Die Geschichten mit ihrer genügsamen Einfachheit und Langsamkeit und ihren gedanken-müßiggängerischen Hinweisen und Fragen führen mehr nach innen als nach außen. Wer den Atem zwischen den Zeilen spürt, landet unmittelbar in der stillen, lächelnden Präsenz des Jetzt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE inklusive Vorlesegebrauchsanweisung auf der Verlagswebseite: https://karl-rauch-verlag.de/buecher/grete-das-kamel/

 

Die Autorin:

»Veronika Trubel lebt in Wien und hat Bücher über das Kochen und das Lieben sowie über die Wachau geschrieben. Grete, das Kamel ist ihr zweites Buch für Kinder.«

Die Illustratorin:

»Isabel Pin (*1975) wurde in Versailles geboren und hat in Straßburg und in Hamburg studiert. Bis heute sind über 40 Bücher mit Illustrationen oder Texten von ihr erschienen, und sie hat viele internationale Kinderbuchpreise erhalten.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

Irgendwo brennt ein Feuer im Eis

  • Eine Erzählung über Vulkane, Gebirge und die Schätze der Erde
  • Text und Fotos von Andreas Pflitsch
  • Illustrationen von Dirk Steinhöfel
  • Arena Verlag  Juni 2017    www.arena-verlag.de
  • 48 Seiten
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 26 cm x 32,8 cm x 1,2 cm
  • abgerundete Buchecken
  • ISBN 978-3-401-60248-6
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A)
  • ab 9 Jahren

FEUER, WASSER, ERDE, LUFT  UND  EIS

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

» Aber so ist das im Leben. Manche Dinge brauchen Zeit, um sich zu entwickeln.
So wie die Gegend hier.
«  (Seite 8)

Dieses Zitat sollten wir in Anbetracht der erdgeschichtlichen Zeiträume und Zusammen-hänge, die uns in diesem erzählenden Abenteuersachbuch vermittelt werden, stets im Sinn behalten.

Wie schon im ersten Gemeinschaftswerk von Andreas Pflitsch und Dirk Steinhöfel, das uns das Geheimnis der Höhlen erschloß (siehe meine Rezension vom  Oktober 2014 https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/08/irgendwo-in-der-tiefe-gibt-es-ein-licht/), erwartet den geneigten Leser und Betrachter auch im neuen Buch eine interessante und lebendige Einführung in ein erdgeschichtliches Wissensgebiet. Hier wird auf spannende Weise Wissen vermittelt und mit beeindruckendem Bildmaterial Forscherdrang und Entdeckerfreude geweckt.

Die Geschwister Jonas und Sophie haben wieder eine Einladung von ihrem amerika-nischen Urgroßvater Elias bekommen. Diesmal geht es nach Alaska. Voll aufgeregter Vorfreude steigen sie in Anchorage aus dem Flugzeug und werden von ihrer Tante Janis herzlich in Empfang genommen.

Elias hat sich versteckt und läßt den Kindern nach und nach bruchstückhafte Botschaften und Hilfsmittel zukommen, damit sie die von ihm gestellte, zunächst ganz rätselhafte Suchaufgabe lösen. Bereits dem Einladungsbrief lag das Bruchstück einer alten Kupferplatte mit geheimnisvollen Gravierungen bei. Im Verlauf der Suche werden sich die Hinweise und die Metallplatte zu einem sinnvollen Ganzen runden.

In Begleitung ihrer Tante erkunden die Kinder die Gegend und bewundern die imposanten Berge. Viele davon sind, obwohl schneebedeckt, Vulkane – eine gute Gelegenheit, einen kleinen Exkurs über Plattentektonik, Gebirgsbildung, Gebirgsfaltung, und Vulkantypen (Schildvulkane, Schichtvulkane) ins Gespräch zu bringen.

Illustrationen von Dirk Steinhöfel © Fotos von Andreas Pflitsch © Arena Verlag 2017

Im Informationszentrum des Wrangell-St.-Elias-Nationalparks schauen sich die Kinder eine Landkarte mit eingezeichneten Kontinentalplatten an, und Tante Janis‘ Erläuterungen zur unterschiedlichen Konsistenz der Erdschichten und Erdmantel- schichten werden in anschauliche Graphiken übersetzt.

Das ist der Moment, in dem man ein bißchen das Gefühl für den festen Boden unter den Füßen verliert. Denn unser fester Boden ist eine vergleichsweise dünne Haut – die sogenannte kontinentale Kruste -, die auf der Lithosphäre liegt, und diese wiederum befindet sich auf dem Erdmantel, der aus plastischem Material besteht. Das, was wir – außer bei Erdbeben – als unbewegliche Landmasse erleben, schwimmt tatsächlich auf dem zähflüssigen Gestein des Erdmantels. Dazu kommen noch die Ozeanböden, welche die ozeanische Kruste bilden.

Ozeanböden sind schwerer als Kontinentalböden, und sie sinken nach und nach in die weichere Erdmantelschicht ab. So entstehen Risse und Spalten in der Ozeanplatte, aus denen Magma aufsteigt, und dies drückt die Ozeanplatten auseinander und läßt sie bis zu 12 cm jährlich wachsen.

Illustrationen von Dirk Steinhöfel © Fotos von Andreas Pflitsch © Arena Verlag 2017

Parallel zur Suche nach Elias wird das Thema Vulkanismus, die Entstehung von Erdbeben, Magmablasen, die Funktion von Stratovulkanen, die Rolle von Wasser und Wasserdampf sowie die Ausfällung von Metallen und die Entstehung von Gold-, Silber- und Kupferadern, aber auch unterschiedlicher Gesteinsarten und Fossilien erklärt. Daneben eröffnen sich uns großartige Ausblicke auf imposante Vulkanausbrüche, Lavaströme und wunderschöne Gebirgslandschaften.

Und die Kinder finden natürlich auch ihren Urgroßvater wieder, in einer alten verlassenen Minenstadt …

Die Verknüpfung einer zwischenmenschlichen Rahmenhandlung mit der Vermittlung von naturwissenschaftlichem Sachwissen hat den Reiz, daß die Informationen im familiären Gespräch erzählt, erörtert und rekapituliert werden. Das ist lebhafter und für Kinder gewiß anregender zu lesen als ein rein faktischer Sachbuchtext.

Das faszinierende Bildmaterial und die 3D-Optik bannen sowohl den kindlichen wie den erwachsenen Betrachter ganz unmittelbar. Bereits das außergewöhn- liche Großformat und die grafische Gestaltung von Dirk Steinhöfel, die dem Buch detailverspielt das Aussehen eines verwitterten Forschertagebuchs gibt, ist eine Einladung zum Leseabenteuer.

Dirk Steinhöfel hat die Fotografien mit eigenen Illustrationen ergänzt und teilweise collagiert und ein spannendes, computergraphisch montiertes Layout gestaltet, das den sachkundig-erzählenden Text von Andreas Pflitsch kongenial untermalt und veranschaulicht.

Ich hoffe, daß dieses wissens- und sehenswerte Buch von vielen jungen Lesern entdeckt wird und sie auf eine spannende und aufschlußreiche Lesereise in unterirdische Gefilde mitnimmt.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.arena-verlag.de/artikel/irgendwo-brennt-ein-feuer-im-eis-978-3-401-60248-6

Hier entlang zum ersten Abenteuersachbuch von Andreas Pflitsch und Dirk Steinhöfel:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/08/irgendwo-in-der-tiefe-gibt-es-ein-licht/

 

Der Autor:

» Prof. Dr. Andreas Pflitsch wurde 1958 geboren. Er lehrt in den Bereichen Geografie und Sicherheitsforschung und arbeitet als Spezialist für  Klimatologie an extremen Standorten (Gletscherhöhlen, Lavahöhlen, U-Bahntunnel). Neben Arbeiten in Alaska, den Rocky Mountains und dem Mittleren sowie Süd-Westen der USA baut er das Forschungszentrum zur Lava- und Eishöhlenforschung „Akeakamei“ auf Hawaii auf. «  http://www.andreas-pflitsch.de

Der Illustrator:

» Dirk Steinhöfel wurde 1964 geboren. Als freiberuflicher Autor und Illustrator im Bereich Kinder- und Jugendliteratur entwickelt er vor allem detaillierte Graphic Novels sowie Cover für Fantasyliteratur und Dystopien. « www.der-dreizehnte-engel.de

 

PS:

Schade finde ich, daß der Verlag offenbar bei der Herstellung nachlässig war.

Das Titelbild ist, verglichen mit dem spektakulären Bildmaterial des Buches und im Vergleich mit dem geheimnisvoll einladenden Titelbild des Vorgängerbandes, leider etwas lahm und zahm geraten. Hatte der Verlag dabei Angst vor der Angst? Vulkanismus ist nun einmal kein gemütliches Gebiet, sondern ein durchaus dramatisches und auch beängstigendes Thema, das liegt einfach in der Natur der Sache.

Wieso sind die Buchnieten, die man außen auf dem Titelbild sieht, auf den Innenseiten plötzlich verschwunden? Im Vorgängerband wurden die Blattlochungen und die Buchbindeschnur des Forschertagebuchs auch auf den Innenseiten weitergeführt, was die dreidimensionale optische Wirkung verstärkte.

Ausgerechnet bei der plakativen Autorenkurzinfo auf dem hinteren Buchdeckel fand für den Autor eine unerklärliche Umschulung zum Geologen statt. Tatsächlich ist Andreas Pflitsch jedoch Klimageograph und Höhlenforscher und beim ersten Buch wußte der Verlag das auch noch.

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

 

Herr Eichhorn und der König des Waldes

  • Text und Illustrationen von
  • Sebastian Meschenmoser
  • Thienemann Verlag Juli 2015  http://www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 64 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-43800-1
  • Bilderbuch ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn und der König des Waldes

D U F T N O T E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wie freue ich mich über das Bilderbuchwiedersehen mit Herrn Eichhorn!
Denn ich bin schon seit dem ersten Band (HERR EICHHORN UND DER MOND https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/) unsterblich in Herrn Eichhorn verliebt.

Nun liegt der fünfte Band „Herr Eichhorn und der König des Waldes“ vor und becirct mich aufs neue mit dem naiven Charme seines Eichhornhauptdarstellers und den wunderbar naturbelassenen, lebendigen Zeichnungen von Sebastian Meschenmoser.

Herr Eichhorn und seine beiden besten Freunde, Igel und Bär, besuchen den alten Steinbock und lauschen ergriffen seiner Sage vom König des Waldes.

Der König des Waldes erscheine alle hundert Jahre nur einmal, er sei von tierischer Mischgestalt, könne den Körper eines Hirschen haben, den Kopf eines Fuchses, die Ohren vom Hasen. Seine Krone sei aus Laub, und der Morgenstern ziere sein weises Herz. „Was der König sagt, ist Recht und Gesetz.“ und sollte befolgt werden, weil es zu einem besseren Leben führe. Herr Eichhorn ist tief beeindruckt und träumt die ganze Nacht vom König.

Herr Eichhorn und der König des Waldes. NESTjpg

Illustration Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2015

Wenig später stromert ein kleiner Hund, ein Jack-Russel-Terrier, der zu kampierenden Ausflüglern gehört, durch Herrn Eichhorns Waldviertel. Er trägt ein Halsband mit einem deutlich sichtbaren Stern, und beim Herumwühlen im Unterholz haben sich zwei belaubte Zweige so in seinem Halsband verfangen, daß sie wie ein kleines Geweih hinter seinen Ohren hervorlugen. Wie es Hundeart ist, hebt er hier und da sein Bein und hinterläßt seine Duftmarke.

Dies macht er auch an Herrn Eichhorns Baumstamm. Da Eichhörnchen SEHR feine Nasen haben, erwacht Herr Eichhorn, klettert auf seinen Ausguckast und „erkennt“ staunend, daß anscheinend der König des Waldes erschienen ist. Ehrfürchtig verneigt er sich vor dem König und bittet um Anregungen für ein besseres Leben.

Der verspielte Hund führt nun anschaulich und zum Mitmachen vor, was für ihn erfüll- ende Tätigkeiten sind, und Herr Eichhorn sowie verschiedene weitere Waldbewohner buddeln eifrig Löcher, laufen im Kreis herum, kratzen sich an den Ohren und lassen sich darüber belehren, wie oberwichtig es ist, überall – besonders an seinem Wohnorte – seine Duftmarke zu hinterlassen. Danach verabschiedet sich der „König“, denn sein Mittagessen wartet.

Herr Eichhorn und der König des Waldes. Königsregelnjpg.

Illustration Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2015

Die Duftmarkenregel macht schnell die Runde, und alle Tiere halten sich an den Rat des Königs. Doch ein besseres Leben kommt durch diese neue Regel nicht in Sicht, im Gegen- teil – der Wald beginnt zu stinken.

Herr Eichhorn hält sich dauernd die Nase zu und sehnt sich nach neuerlichem könig- lichen Rat, doch der ist ja erst in hundert Jahren fällig. Nach einem kräftigen Regenguß besinnen sich die Tiere des Waldes indes darauf, daß sie ganz gut auf eine solch zweifelhafte, königliche Lebensregel verzichten können.

Nun, da die Luft wieder gereinigt ist und es einfach nur angenehm nach Gras duftet, begreifen sie, daß sie schon JETZT ein schönes Leben haben und eigentlich gar kein Verbesserungsbedarf besteht.

Das ganz besondere Stilmerkmal Sebastian Meschenmosers ist seine zeich- nerische Meisterschaft in der Wiedergabe der Körpersprache, Mimik und Physiognomie der dargestellten Tiere. Der gelungene Eindruck lebendiger Bewegung, die naturbelassene, dezente Farbgebung sowie die dynamische Choreographie von sparsamem Text und üppiger Bildwelt mit Texturen von Baumrinden, Flechten und Fell sind eine entdeckenswerte Augenweide.

Der skizzenhafte und doch detailverspielte, ja, an Naturstudien erinnernde Zeichenstil mit Blei- und Buntstift wird in diesem Band um drei Doppelseiten in Öltechnik ergänzt. Diese waldigen „Ölgemälde“ illustrieren die Sage vom „König des Waldes“ und sind eine absichtliche Anspielung auf die romantischen Waldansichten Caspar David Friedrichs.

In Respekt vor dem künstlerischen Schaffen Caspar David Friedrichs erschiene mir jedoch ein diesbezüglicher Hinweis im Buche angemessen. Bereits im zweiten Band HERR EICHHORN UND DER ERSTE SCHNEE gab es eine köstliche Anspielung auf das Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich.

Die Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser eignen sich ebenso für kindliche wie für erwachsene Betrachter. Die kunsthistorischen Anspielungen sind keineswegs eine Überforderung für Kinder, sondern eine sanfte Hinführung zu alternativen künst- lerischen Sichtweisen, die zumindest bei musisch veranlagten Kindern auf zusätzliche Resonanz treffen können. Auch für den Kunstunterricht in der Grundschule öffnen sich hier interessante gestalterische Spielräume, um die Bildsprache eines Malers „lesen“ zu lernen oder sich zu eigenen Bildvariationen anregen zu lassen.

Doch abgesehen von malstiltheoretischen Erwägungen ist „Herr Eichhorn und der König des Waldes“ eine heiter-nachdenkliche Geschichte, mit liebenswerten Tiercharakteren und witzigen Wendungen. Kurz: „Herr Eichhorn und der König des Waldes“ laden ein zu einem phantastisch-natürlichen Bilderbuch-Waldspaziergang, der viel Anlaß zum Schmunzeln gibt.

Mit seiner Doppelbegabung als Zeichner und Erzähler erschafft Sebastian Meschenmoser eine entzückend lebendige und warmherzige Symbiose aus Bild und Wort.

Herr Eichhorn und der König des Waldes.frische Luft.

Illustration Sebastian Meschenmoser © Thienemann Verlag 2015

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes-isbn-978-3-522-43800-1/

 

Der Autor und Illustrator:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz, lebt und arbeitet in Berlin. Mit „Fliegen lernen“ veröffentlichte er 2005 bei Esslinger sein erstes Bilderbuch, das sofort viel Beachtung fand. Sein zweites Buch, „Herr Eichhorn und der Mond“, der erste Band der erfolgreichen Reihe, wurde 2007 für den Jugendliteraturpreis nominiert. Inzwischen erschienen neun Bilderbuch-geschichten, zuletzt „Gordon und Tapir“, ebenfalls nominiert für den Jugendliteraturpreis 2015 in der Sparte Bilderbuch.«
Seine künstlerische Webseite: http://www.sebastian-meschenmoser.de/

Ein nettes Interview mit Sebastian Meschenmoser gibt es hier zu besichtigen:
http://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/extras-events/geschichten-detail/im-gespraech-mit-kuenstler-sebastian-meschenmoser/

 

QUERVERWEISE auf die ersten vier Bände vom Herrn Eichhorn:

Band 1: HERR EICHHORN UND DER MOND
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/
BAnd 2: HERR EICHHORN UND DER ERSTE SCHNEE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/
Band 3: HERR EICHHORN UND DER BESUCHER VOM BLAUEN PLANETEN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/
Band 4: HERR EICHHORN WEISS DEN WEG ZUM GLÜCK
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weis-den-weg-zum-gluck/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/