Grete, das Kamel

  • Stinklangweilige Gute-Nacht-Geschichten
  • von Veronika Trubel
  • Illustrationen von Isabel Pin
  • Karl Rauch Verlag  Februar 2019 http://www.karl-rauch-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24 x 27 cm
  • 56 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7920-0372-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

LEISE  RIESELT  DER  SAND

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Falls Sie zu den Vorwort-Überblätterern und Gebrauchsanweisungs-Ignoranten gehören, möchte ich Sie diesmal ausdrücklich bitten, bei diesem Bilderbuch ausnahmsweise doch sowohl das Vorwort als auch die Vorlese-Gebrauchsanweisung zu lesen.

Denn dieses Vorspiel ist eine wundervolle Einstimmung, ja, sogar eine buchstäbliche Atemübung mit Entspannungseffekt. Also holen Sie jetzt einmal gaaanz langsam und tief Luft und hören mir brav zu.

Grete, das Kamel, wandert durch die Wüste. Grete läuft im sogenannten Paßgang, d.h. sie bewegt die beiden linken Hufe und dann die beiden rechten Hufe. Sie kalinkert und kalunkert durch den Sand und kommt gemächlich voran.

Die Wüstenlandschaft wird unaufgeregt beschrieben. Hat Grete ein Ziel oder ist sie ein-fach nur unterwegs? Es gibt einen Kaktus, auf dem eine Eule wartet, der ein mögliches Ziel sein könnte, aber eigentlich ist er nur eine Requisite fürs Bilderbuchbühnenbild.

An Gretes Wegesrand geschehen die großen Lebenskleinigkeiten von Wüstenmäusen, Flöhen, einem Termiten, einer Laus und einer Sandkatze sowie einer Gruppe von Beduinen. Tag und Nacht wechseln sich zuverlässig ab. Alles wird in einem augenzwin-kernd-gelassenen Tonfall erzählt.

Oft passiert aber auch garnichts, und es werden bloß Fragen in den Raum gestellt. Einmal wird eine echte Erzählpause eingelegt, die zu folgendem schweigsamen Hinhören einlädt: „Dem anderen zuhören, wie er gar nichts sagt.“ (Seite 38)

Und dazwischen wiederholt sich wie ein Refrain Gretes Kalink – Kalunk,  Kalink – Kalunk, Kalink – Kalunk … So füllen sich vierzehn Kapitel, deren zielloses Ziel immerhin dahin führt, das uns die sympathische Kameldame und ihre Wüstenheimat etwas vertrauter werden.

Na, sind Sie schon tiefenentspannt? Scheuen Sie sich bloß nicht zu gähnen, das ist schließlich der Sinn von Gute-Nacht-Geschichten.

Die Weite der Wüste, Gretes würdevolle Wesensart, die mikrokosmischen Ereignisse und die offenen Fragen werden durch die einfühlsamen Illustration von Isabel Pin aus- drucksvoll begleitet. Der meditative Minimalismus der Zeichnungen harmoniert vorzüglich mit dem achtsamen, verspielt-philosophischen, zeitlupenlangsamen Texttempo.

„Grete, das Kamel“ ist eine sanfte, heitere Einladung, zu Besinnung und Ruhe zu kommen. Die Geschichten mit ihrer genügsamen Einfachheit und Langsamkeit und ihren gedanken-müßiggängerischen Hinweisen und Fragen führen mehr nach innen als nach außen. Wer den Atem zwischen den Zeilen spürt, landet unmittelbar in der stillen, lächelnden Präsenz des Jetzt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE inklusive Vorlesegebrauchsanweisung auf der Verlagswebseite: https://karl-rauch-verlag.de/buecher/grete-das-kamel/

 

Die Autorin:

»Veronika Trubel lebt in Wien und hat Bücher über das Kochen und das Lieben sowie über die Wachau geschrieben. Grete, das Kamel ist ihr zweites Buch für Kinder.«

Die Illustratorin:

»Isabel Pin (*1975) wurde in Versailles geboren und hat in Straßburg und in Hamburg studiert. Bis heute sind über 40 Bücher mit Illustrationen oder Texten von ihr erschienen, und sie hat viele internationale Kinderbuchpreise erhalten.«

 

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Das große Buch vom kleinen Kapitän

  • von Paul Biegel
  • Aus dem Niederländischen von Frank Berger
  • Mit farbigen und schwarz-weißen Illustrationen
  • von Carl Hollander
  • Verlag Urachhaus 2011  http://www.urachhaus.de
  • gebunden, Halbleinen
  • 400 Seiten
  • 18,00 €
  • ISBN 978-3-8251-7800-0
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
  • ab 8 Jahren zum Selberlesen
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STURMERPROBT  UND  MEERGEWANDT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Kapitän wohnt auf seinem kleinen Dampfschiff „Nieleck“, das nach einem Sturm auf einer Düne gestrandet ist. Seine Herkunft bleibt ungewiß, aber das erhöht nur den Reiz, den er für andere Kinder hat. Diese helfen ihm begeistert, sein Schiff mit allerlei Improvisationsfundstücken wieder seetüchtig zu machen. Alle wollen mit ihm zu der „Insel, wo alles wächst und gedeiht“, weil man dort über Nacht groß und erwachsen wird.

Als es schließlich so weit ist, mit der nächsten hohen Welle in See zu stechen, begleiten den kleinen Kapitän drei Kinder: Tonne, Martinka und Heini Hasenfuß. Tonne betätigt als lebender Blasebalg den Kanonenofen, Martinka backt in der Kombüse endlose Pfannkuchen, Heini Hasenfuß schrubbt das Deck blitzeblank, und der kleine Kapitän steht „breitbeinig hinter dem Steuerrad und hat seine Augen fest auf den Horizont gerichtet“.

Die Reise ist abenteuerlich, aber der kleine Kapitän steuert sein Schiff unerschütterlich durch alle Gefahren und Hindernisse, und auch die mitreisenden Kinder leisten, jedes nach seinen Fähigkeiten (und Unfähigkeiten), wichtige Beträge zum Erfolg.

Auf der Insel finden die Kinder einen Schiffbrüchigen, Seemann Rolf, und sie erfahren, daß das mit dem Über-Nacht-Großwerden nur eine vorübergehende Erscheinung ist, die sich beim Verlassen der Insel wieder verflüchtigt. Zusammen mit dem Schiffbrüchigen steuern sie wieder den heimischen Hafen an, aber vorher entdecken sie noch eine Vulkan-Insel mit ausgesetzten Zirkustieren und einem weiteren Schiffbrüchigen, Seemann Hinrich.

Nun werden die Kinder von zwei erfahrenen Matrosen begleitet, und sie besuchen eine geisterhafte Stadt, die auf Stelzen im Meer steht. Dort herrscht der gräuliche König Unwirsch, den die Kinder mit einer klugen, dramatischen Inszenierung in einen netten, farbenfrohen Herrscher verwandeln. Nebenbei gabeln sie den dritten Schiffbrüchigen auf, den Matrosen Schlummermann.

Doch der Weg nach Hause ist noch weit, und Hindernisse wie Meeresstrudel, Unterwassergärten sowie Ebbe- und Flut-Schleusen werden tapfer überwunden. Ein irreführender Leuchtturm lockt sie zum „Land des Wahns und der Weisheit“, wo die Kinder sieben verrückte Prüfungen absolvieren müssen.

Sie kreuzen ein Geisterschiff, das von dem verfluchten Piraten Schrubbebein gesteuert wird, und mit dessen unfreiwilliger Hilfe finden sie die sieben gestohlenen Schatzkisten, denen der Pirat seine Verfluchung verdankt. Um diese Schätze den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, sind weitere Umwege nötig – einmal geht es sogar zu Land durch die Wüste.

Der kleine Kapitän und seine Besatzung ernähren sich zwar die ganze Zeit etwas einseitig von selbstgebackenen Pfannkuchen, doch dafür sind die Begegnungen und Wagnisse, denen sie sich aussetzten, ausgesprochen vielseitig.

Mit vereinten Kräften meistern sie alle Herausforderungen, und nachdem die Kinder das Meer vom Tiefen Süden über den Stürmischen Westen bis in den Hohen Norden durchquert haben, kehren sie sturmerprobt und wohlbehalten in den heimatlichen Hafen zurück.

Die zahlreichen bunten und schwarz-weißen Zeichnungen – viele davon ganz- und doppelseitig – fügen sich harmonisch in den Text ein, und sie decken das ganze Spektrum von dramatischer Gefahr, lustigem Erstaunen, gruseligem Schauder und behaglicher Gemütlichkeit ab.

Neben den exotischen Landschaften, märchenhaften Gebäuden, unterschiedlichen Meeresstimmungen und tollen Segelschiffdarstellungen gibt Carl Hollander auch den menschlichen Figuren charakterstarke, ausdrucksvolle Gesichter, so daß man sie stets auf jedem Bild wiedererkennen und zuordnen kann.

„Das große Buch vom kleinen Kapitän“ ist in Wort und Bild ein spannendes und kindgerechtes Seemannsgarn-Geschichtenbuch zum Vorlesen und zum Selberlesen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Das-grosse-Buch-vom-kleinen-Kapitaen.html

Der Autor:

»Paul Biegel (1925 – 2006) gehört mit Tonke Dragt, Thea Beckman und Annie M.G. Schmidt zu den bedeutendsten Vertretern der niederländischen Kinderliteratur. Er verfasste über fünfzig Bücher, sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem begehrten Silbernen und Goldenen Griffel. Der Verlag Urachhaus ehrt den Großmeister der niederländischen Jugendliteratur mit einer achtbändigen Sonderausgabe seiner schönsten und erfolgreichsten Kinderromane. «

Der Illustrator:

»Carl Hollander ( 1934 – 1995) stammte aus Amsterdam. Er war u.a. Dozent an der Amsterdamer Rietveld Academie und illustrierte mehr als hundert Kinderbücher, darunter die Pippi Langstrumpf-Serie von Astrid Lindgren, zahlreiche Bücher von Paul Biegel, Annie M.G. Schmidt und An Rutgers van der Loeff. Er arbeitete gern mit Feder und Tusche, Bleistift, Buntstift und Aquarelltechniken. Durch ihre feinen, liebevoll ausgearbeiteten Details wirken seine lllustrationen besonders lebensnah und frisch. «

 

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