Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte

  • Band 6 vom kleinen Siebenschläfer
  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag, Januar 2021    www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 296 x 237 mm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45949-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Die-Geschichte-vom-kleinen-Siebenschlaefer-der-dem-Mond-Gute-Nacht-sagen-wollte-
U N E R H Ö R T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer liegt gemütlich in der familiären Siebenschläferhöhle und sagt nacheinander Mama, Papa und seiner Schnuffeldecke Gute Nacht, und alle erwidern seinen Gutenachtgruß. Auch dem Mond, der voll und rund durch das Höhlenfenster scheint, ruft er einen Gutenachtgruß hinauf. Da der Mond jedoch nicht antwortet, schlußfolgert der kleine Siebenschläfer, daß der Mond ihn wohl nicht gehört habe, da die Entfernung zwischen ihnen zu groß sei.

Also geht er hinaus, stellt sich auf die Zehenspitzen und wiederholt seinen Gutenacht- ruf. Der Mond reagiert wieder nicht, aber die kleine Haselmaus ist vom Ruf des Sieben-schläfers wachgeworden und bietet ihre Hilfe an. Sie klettern auf einen Maulwurfshügel und rufen, und wieder bleibt der Mond stumm. Doch nun ist der Maulwurf von den lauten Gutenachtrufen aufgewacht und beteiligt sich an der Suche nach einem höheren Ausrufpunkt.

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte draußen mit Haselmaus

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2021

Sie besteigen den großen Popo des schlafenden Bären, aber diese „Erhöhung“ weckt auch nur den Bären auf. Im Gespräch mit dem Bären fällt dem Siebenschläfer ein, daß sie auf einen Baum klettern könnten, um dem Mond deutlich näher zu rücken. Der Bär ist sogar so freundlich, die kleinen Tiere auf den untersten Ast eines hohen Baumes zu heben.

Beim Erklettern des Baumes treffen sie ein Eichhörnchen, das sie ganz hoch in den Baumwipfel führt. Von dort aus rufen sie alle zusammen und so laut sie können: „Gute Nacht, Mooooooond!“ – und siehe da, der Mond ruft zwar nicht zurück, aber er lächelt …

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte Astaussicht

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2021

Der kleine Siebenschläfer eröffnet auch im 6. Band seine unwiderstehliche Niedlich- keitsoffensive und überwindet mit unermüdlicher Zielstrebigkeit und zuverlässiger freundschaftlicher Unterstützung die kommunikative Distanz zum Mond.

Sabine Bohlmann erzählt diese buchstäbliche Gute-Nacht-Geschichte auf gewohnt warmherzige und heiter-unbeschwerte Weise. Die Illustrationen von Kerstin Schoene statten die Geschichte mit einer stimmungsvollen Mondnachtkulisse aus und geben den Figuren durch lebhafte Mimik und amüsante Körpersprache anschauliche Gestalt.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-dem-mond-gute-nacht-sagen-wollte-isbn-978-3-522-45949-5

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Professor Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolg- reichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesign-erin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.« www.kerstinschoene.de

Querverweis:

Hier entlang zu den vorhergehenden siebenschläfrigen Bilderbüchern:

Band 1: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Band 2: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Band 3: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/09/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte/
Band 4: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/08/12/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war/
Band 5: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der überhaupt keine Angst im Dunkeln hatte

Und hier entlang zum Gutenachtgeschichtenbuch vom kleinen Siebenschläfer „Eine Schnuffeldecke voller Gutenachtgeschichten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/01/30/der-kleine-siebenschlaefer-eine-schnuffeldecke-voller-gutenachtgeschichten/

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Der kleine rote Pullover

  • Text: Brigitte Weninger
  • Illustration: Katharina Sieg
  • Annette Betz Verlag, 2. Auflage 2018  www.annettebetz.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format:22 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-219-11740-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

P U L L O V E R P E R S P E K T I V E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In dieser verschneiten Wintergeschichte erfährt ein kleiner roter Kinderpullover eine rege Nutzung durch verschiedene Tiere, bis er schließlich wieder zu seinem Besitzer zurückfindet.

Zunächst „klauft“ der Rabe den roten Pullover von der Wäscheleine der Försterfamilie. Er fliegt mit seinem Fang zum familiären Nest und will seiner Rabengattin das „Wollding für Zweifüßler“ als Nestbedachung andienen. Diese lehnt es jedoch wegen der auf- fälligen Farbe ab, und so landet der Pullover im Schnee zu Füßen des Nistbaumes.

Dort greift sich ein Hase diesen willkommenen Ohrenwärmer, stülpt die Ärmel über seine Ohren und krempelt den Bund des Pullovers über seiner Stirn nach oben. Doch beim Herumhoppeln rollt sich der Bund wieder auf und verdeckt des Hasen Augen, was zu einem Zusammenstoß mit einem Baumstamm führt.

Dadurch weckt er ein Eichhörnchen aus dem Winterhalbschlaf. Der Hase entschuldigt sich für die Störung und weist auf das Wollding hin, das ihm die Sicht versperrt habe. Das Eichhörnchen übernimmt daraufhin den Pullover als Tragebeutel für seine Kiefern- zapfenvorräte; doch dafür ist der Pullover auch nicht so recht tauglich. Also wirft das Eichhörnchen das unbrauchbare Wollding weg.

© Brigitte Weninger aus »Der kleine rote Pullover«, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2017

So strandet der kleine rote Pullover bei einem Fuchsmädchen, das ihn als Rock auspro-biert und dann wegen farblicher Dissonanzen wieder ablegt. Danach dient der Pullover einer Maus mit vier Kindern als übergangsweise Wohnhöhle für eine Nacht. Als die Mäuse am nächsten Morgen eine neue Bleibe in einem verlassenen Maulwurfshügel finden, bleibt der Pullover wieder verlassen im Schnee liegen.

Schließlich geht der Förster mit einer Ladung Wildfutter durch den Wald und findet den kleinen roten Pullover seines Söhnchens. Schmunzelnd betrachtet er die Spuren, die sich in den Maschen verfangen haben: Rabenfedern, diverse Tierhaare, Reste von Kiefernsamen und einige Mäuseköttel. Er fragt sich, was mit dem Pullover geschehen sei, aber der kleine rote Pullover schweigt sich aus und denkt sich wohl, daß die Spuren, die an ihm haften, genug erzählen.

© Brigitte Weninger aus »Der kleine rote Pullover«, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2017

Diese Geschichte wird von Brigitte Weninger auf eine heiter-warmherzige Weise erzählt; lebhafte Dialoge zwischen den verschiedenen Findern bringen Schwung in die einfache Handlung, und die ebenso verspielten wie winterwaldig-atmosphärischen Illustrationen von Katharina Sieg berei- chern die Szenen um gemütliche Tiernestinterieurs und amüsante Details. So zeigt etwa die Rabenfrau ihrem Rabenmann mit einer Flügelgeste den Vogel und die bemützten Rabenkinder veranstalten eine Schneeball- schlacht, während ihre Eltern den Nutzen des Wolldings diskutieren.

 „Der kleine rote Pullover“ zeigt uns, daß ein Pullover, der für Menschen einfach nur ein Pullover ist, für Tiere offenbar gänzlich anderen Zwecken dienen kann – dies ist auch für Kinder eine spielerische Anregung, Dinge einmal anders zu betrachten als gewohnt.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.ueberreuter.de/produkt/der-kleine-rote-pullover/

 

Die Autorin:

»Brigitte Weninger arbeitete 20 Jahre lang als Kindergartenpädagogin, bevor sie sich 1999 als Autorin selbständig machte. Seither sind rund 60 Kinderbücher erschienen, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. Ihre 13-teilige PAULI-Serie (illustriert von Eve Tharlet) wurde weltweit 4 Millionen Mal verkauft. Brigitte Weninger lebt mit ihrer Familie in Kufstein.«  https://www.brigitte-weninger.at/

Die Illustratorin:

»Katharina Sieg, geboren 1982 in Lippstadt, studierte Illustration in Hamburg, wo sie heute als freischaffende Illustratorin lebt. Am liebsten illustriert sie Kinderbücher, z.B. als Mitglied der Gruppe Krickelkrakel. Ihr Werk ist von lustigen, verträumten und charman-ten Figuren bevölkert, ihre Bilder stecken voll witziger und überraschender Ideen.   http://www.katharina-sieg.de/  «

Querverweis:

Ergänzend bietet sich das Bilderbuch „Ein Märchen im Schnee“ von Loek Koopmanns an, in dem nacheinander eine Maus, ein Frosch, ein Hase, ein Fuchs, ein Wildschwein und ein Bär in einem verlorenen Handschuh Schutz vor der Winterkälte finden.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/23/ein-marchen-im-schnee/

 

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Das ist mein Baum

  • Text und Illustrationen von Olivier Tallec
  • Originaltitel: »C‘est mon arbre«
  • Übersetzung aus dem Französischen von Ina Kronenberger
  • Gerstenberg Verlag, Juli 2020  www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • matt laminiert
  • Format: 20 x 28 cm
  • 36 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-6069-4
  • Bilderbuch ab 3 Jahren laut Verlag
  • ab 4 Jahren laut meiner Einschätzung

EIN  EIGENTÜMLICHER  MEINLING

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Das Eichhörnchen aus Olivier Tallecs Bilderbuch „Das ist mein Baum“ ist sehr auf seinen Besitzanspruch an seinen Baum und seine Kiefernzapfen fixiert. Es sorgt sich unent- wegt, daß ein anderes Eichhörnchen Anspruch auf seinen Baum erheben, es sich in seinem Baumschatten gemütlich machen und gar seine Zapfen verspeisen könnte, ja, vielleicht – so die angstvolle Vorstellung – wollten sogar alle anderen Tiere ebenfalls an seinem Baum und dessen Vorzügen teilhaben.

Dem will das Eichhörnchen energisch vorbeugen, denn es ist ein ausgesprochen eigen-tümlicher Meinling. Es erwägt, ein großes Tor aufzustellen, das seinen Baum als sein Eigentum markiert, oder einen Lattenzaun rundherum um seinen Baum zu ziehen. Da ihm diese Maßnahmen immer noch nicht ausreichend erscheinen, baut es eine dicke, hohe und sehr lange Mauer, damit sein Baum vor fremden, unbefugten Zugriffen bestmöglich geschützt sei. Diese Schutzmauer wird so lang, daß sie schließlich an eine andere Mauer stößt.

Illustration von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2020

Angesichts dieser Mauer fragt sich das Eichhörnchen, was sich wohl dahinter befinden mag. Sogleich stellt es sich Zapfen vor, die noch viel größer sind als die Zapfen seines Baumes, sowie einen anderen Baum, der viel schöner und noch höher ist und viel mehr Zapfen trägt als sein eigener Baum. Vielleicht ist sogar ein ganzer Wald hinter dieser Mauer zu finden, der nur darauf wartet, vom nimmersatten Eichhörnchen in Besitz genommen zu werden.

Das Eichhörnchen erklettert die Mauer, und auf dem Mauersims eröffnet sich ihm die Aussicht auf einen nahen Wald voller Bäume und jede Menge fröhlich herumspringen- der und -kletternder Eichhörnchen. Da macht es große Augen und staunt, und es wirkt ein bißchen verloren, aber auch sehnsüchtig. Es könnte sein, daß in diesem Meinling durchaus noch ein Miteinanderling verborgen ist …

Illustration von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2020

Die Geschichte dieses besitzergreifenden Eichhörnchens wird von Olivier Tallec in ein-fachen kurzen Sätzen mit unmittelbarer Aussage erzählt. Durch die ausdrucksvolle Körpersprache und Mimik zeigen die Illustrationen von Olivier Tallec sehr präzise und zugleich mit einem amüsanten Schmunzeleffekt, was das Eichhörnchen denkt und fühlt.

Einerseits ist das Eichhörnchen ein ausgemachter, am Haben und Behalten orientierter Egoist, andererseits wirkt es trotz seiner wehrhaften Besitzverteidigungsbemühungen ziemlich klein und verletzlich und in einigen Szenen auch sehr einsam. Besonders die Szenen, die in der Mauerecke spielen, machen zudem die Unfreiheit und Verschlossen- heit des Eichhörnchens sehr deutlich. 

Die Geschichte endet mit der Aussicht des Eichhörnchens auf eine andere – mehr auf das Sein und ein auskömmliches, entspanntes, spielerisches Miteinander bezogene – Lebenseinstellung. Es bleibt offen,  ob das Eichhörnchen begreift, daß genug für alle da ist und daß geteilte Freuden möglicherweise ergiebiger sind als einsame ungeteilte Freuden.

So eröffnet die Betrachtung dieses Bilderbuches eine gute Gelegenheit, mit Kindern über angemessene und unangemessene Besitzbedürfnisse zu sprechen sowie über den weiteren Fortlauf der Geschichte und eine mög- liche Einstellungsveränderung des Eichhörnchens zu spekulieren. Wird es sich aus seiner Verschlossenheit befreien, seine anstrengende Besitzan- klammerung loslassen und seine Verlustangst überwinden? Wird es sich auf Kontakt einlassen und zu teilen lernen? Und mit der Frage, welche Lebens- einstellung wohl langfristig freier, glücklicher und zufriedener macht, können sich gerne auch die Erwachsenen beschäftigen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836960694

Der Autor & Illustrator:

»Olivier Tallec, geboren 1970, hat an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris studiert und teilt seitdem seine Zeit zwischen Design und Illustration. Seine Bücher wurden in zahlreichen Ländern veröffentlicht und ausgezeichnet.«

Querverweis:

Ergänzend empfehle ich zudem das Bilderbuch „Zwei für mich, einer für dich“ von Jörg Mühle, das auf sehr amüsante Weise das Thema des gerechten Teilens in Szene setzt.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/02/07/zwei-fuer-mich-einer-fuer-dich/

 

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Das Leben der Eichhörnchen

  • von Josef H. Reichholf
  • mit Illustrationen von Johann Brandstetter
  • Carl Hanser Verlag 2019 www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag
  • 224 Seiten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-446-26407-6

EICHHÖRNCHEN – EINFACH UNWIDERSTEHLICH!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Josef H. Reichholf hat bereits vor zehn Jahren mit seinem bekannten Buch „Raben-schwarze Intelligenz. Was wir von Krähen lernen können“ https://www.piper.de/buecher/rabenschwarze-intelligenz-isbn-978-3-492-25915-6 mein Wissen über Rabenvögel erweitert und meine Zuneigung zu ihnen beflügelt. Mit seinem neuen Buch „Das Leben der Eichhörnchen“ bietet er nun eine ganzheitlich Darstellung der Lebensbedingungen, Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Eichhörnchen.

Der erste Teil des Buches widmet sich der Biologie des Eichhörnchens, seinen körper- lichen Gegebenheiten und Fähigkeiten, der extremen Beweglichkeit, dem Energie- haushalt, der Tarnung, dem Nestbau und der Reproduktion, der Flexibilität hinsichtlich geeigneter Lebensräume (Eichhörnchen sind sehr erfolgreiche Kulturfolger), seiner Nahrung und Vorratshaltung sowie seinem Spielverhalten.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Eichhörnchen nicht grünfellig oder grünbraun-camouflagefarben sind? Wären sie als Baumbewohner dann nicht besser getarnt? Tja, das ist die anthropozentrische Betrachtungsfalle: Wir Menschen sehen Farben anders als die meisten Säugetiere, die nämlich häufig rotgrünblind sind und für die rote und grüne Farbtöne als Abstufungen von grau und/oder braun erscheinen. Hinsichtlich des natürlichen Hauptfeinds des Eichhörnchens, dem Baummarder, sind also – seiner Rotgrünblindheit wegen – unsere rotbraunen Eichhörnchen farblich optimal getarnt.

Im zweiten Teil wendet sich der Autor verschiedenen Eichhörnchenarten und Hamstern, Mäusen, Ratten, Siebenschläfern, Bibern, Murmeltieren und weiteren europäischen Nagetieren zu. Herbei werden vergleichend Gemeinsamkeiten und Unterschiede der körperlichen Spezialisierung sowie der Ernährung, Anpassungsfähigkeit, Überlebens-strategie und notwendigen ökologischen Mitweltbedingungen dargestellt.

Im  dritten Teil folgt ein berührender, persönlicher Bericht des Autors über die Aufzucht eines Siebenschläfers. Reichholf war noch Zoologiestudent, als bei ihm zu Hause zwei winzige Siebenschläferbabys abgegeben wurden. Es gelang ihm, eines der Jungtiere zu retten, und es bekam den Namen „Schmurski“. Schmurski lebte viele Jahre einträchtig mit Reichholfs Familie zusammen, war stubenrein, neugierig, zutraulich, kommunikativ und verspielt und eine lebhafte Bereicherung für alle. Erst im dritten Winter futterte er sich genug Fett an, um in den arttypischen Winterschlaf zu fallen. Sein Schlafkästchen wurde in einen ungeheizten Raum gestellt, und so konnte Schmurski seinem natür- lichen Jahresrhythmus folgen und den ganzen Winter verschlafen. Die possierlichen und amüsanten Erfahrungen und Szenen, von denen der Autor berichtet, zeugen vom wechselseitigen Wert solcher Nahbeziehungen zwischen Mensch und Tier.

Derartige Rettungsbemühungen sind heutzutage genehmigungspflichtig. Eine arten-schutzrechtliche Ausnahmegenehmigung ist ein bürokratischer Aufwand, den nur wenige Menschen auf sich nehmen. Artenschutz ist wichtig, und es sollten selbst- verständlich keine Tiere willkürlich aus Nestern entnommen werden. Aber es sollte willigen Naturfreunden erlaubt sein, verwaiste Wildtiere zu retten. Der Autor kritisiert, daß beispielsweise die Aufzucht eines verwaisten Eichhörnchens einer Genehmigung bedarf, während die Forstwirtschaft bei der Holzernte genehmigungsfrei ganze „Nester mit den kleinen Jungen darin vernichten“ darf. Offensichtlich ist für wirklich sinnvolle Arten- und Naturschutzregelungen noch reichlich Nachbesserungsbedarf.

„Das Leben der Eichhörnchen“ bietet eine animierende Kombination aus interesseweckender Wissensvermittlung und persönlichem Naturerleben. Der Autor versteht es, naturwissenschaftliche Details und komplexe Zusammenhänge eingängig zu beschreiben und wichtige, ja, notwendige Denkanstöße hinsichtlich einer wesentlich größeren Achtsamkeit und komplexeren Betrachtungsweise gegenüber der Natur und ihren Geschöpfen zu geben.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-leben-der-eichhoernchen/978-3-446-26407-6

Eine weitere Besprechung findet sich auf Jargs Blog:
Das Leben der Eichhörnchen : mit Illustrationen von Johann Brandstetter / Josef H. Reichholf

 

Der Autor:

»Prof. Dr. Josef H. Reichholf, 1945 in Niederbayern geboren, Evolutionsbiologe, war bis April 2010 Leiter der Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung München und Professor für Ökologie und Naturschutz an der Technischen Universität München. Er ist Träger der „Treviranus-Medaille“, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Biologen, und des Grüter-Preises für Wissenschaftsvermittlung. 2007 wurde er zudem mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet. 2010 wurde sein Bestseller „Rabenschwarze Intelligenz“ als „Wissenschaftsbuch des Jahres“ prämiert. Zuletzt erschienen von ihm „Evolution – Eine kurze Geschichte von Mensch und Natur“ (2016), der als Wissensbuch des Jahres ausgezeichnete Band „Symbiosen“ und „Haustiere“ (beide 2017 in der Reihe Naturkunden), Schmetterlinge – Warum sie verschwinden und was das für uns bedeutet (2018) sowie Das Leben der Eichhörnchen (2019).«

Querverweis:

Für alle Eichhörnchenliebhaber empfehle ich ergänzend sehr gerne noch die entzückend lebendigen und warmherzigen HERR-EICHHORN-Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser:

HERR EICHHORN UND DER MOND
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/
HERR EICHHORN UND DER ERSTE SCHNEE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/
HERR EICHHORN UND DER BESUCHER VOM BLAUEN PLANETEN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/
HERR EICHHORN WEISS DEN WEG ZUM GLÜCK
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weis-den-weg-zum-gluck/
HERR EICHHORN UND DER KÖNIG DES WALDES
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes/

 

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Vom magischen Leuchten des Glühwürmchens bei Mitternacht

  • Und anderen kleinen großen Wundern der Natur
  • von Sy Montgomery
  • Originaltitel: »The Curious Naturalist. Nature’s Everyday Mysteries«
  • Übersetzung ins Deutsche von Dr. Cornelia Panzacchi
  • mit Illustrationen von Tine Pagenberg
  • Knesebeck Verlag  März 2019  www.knesebeck-verlag.de
  • Format: 17,00 x 24,00 cm
  • 240 Seiten
  • 26 Abbildungen
  • gebunden, Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 9-783-95728-291-0

PAN  OPTIKUM  &  BLICK  FANG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Buch ist eine Spurenlese der Natur, ein sinnlich-vergnügter, wissenswertvoller Wegweiser zur achtsamen Wahrnehmung und vertieften Wertschätzung von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Elementen.

In lockerem Plauderton führt uns Sy Montgomery in 45 Naturepisoden durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie lädt dazu ein, die alltägliche Tier- und Pflanzenwelt vor der eigenen Haustür mit offenen Augen und offenem Herzen wahrzunehmen. Egal wo, egal wann – es gibt immer etwas zu entdecken, zu bestaunen und kennenzulernen.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Trotz der Kürze der Naturgeschichten gelingt der Autorin stets eine atmosphärische Einstimmung und eine spannende, faszinierende Darstellung, die, gewürzt mit wohlge-wählten Prisen Detailwissens und heiterer Anekdoten sowie sinnvoller Querverweise und Abzweigungen, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Der Lesespaziergang führt von Flechten zu Fröschen, vom regen Regenwurm zum klangvollen Liebeswerben der Vögel, von eßbaren Wildpflanzen zu unterschiedlichen Erd- bzw. Schlammsorten, von den magischen Kräften des Farns zur Liebesakrobatik der Libellen, von Gesteinen zu Blitzen, von Fledermäusen zu Mücken, vom Gezeitentümpel zu Möwen, von Grillen und Zikaden zum architektonischen Können der Biber, von zarten Pilzen zu findigen Eichhörnchen, vom wandelbaren Eis zu schwarzen Schneeflöhen, von vorwitzigen Krähen zu schlauen Füchsen – um nur einige Stichworte herauszupflücken.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Mit Staunen und Schmunzeln nimmt man zur Kenntnis, daß Grillen beim Zirpen stets mit dem rechten Flügel über den verhärteten inneren Flügelrand – die sogenannte Schrillleiste – des linken Flügels „geigen“, wohingegen Grashüpfer wie das Grüne Heupferd von Natur aus Linksflügler sind, oder daß die Spitzmaus zu den weltweit wenigen giftigen Säugetieren gehört und daß der kleine Körper der Spitzmaus dank einer Polsterung aus braunem Fettgewebe, das Wärme erzeugen kann, der Winterkälte trotzen kann.

Und fast ungläubig erfährt man, daß Flechten mehr irdische Fläche bedecken als die tropischen Regenwälder.

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Sy Montgomery gelingt eine buchstäbliche Verflechtung von zoologischen, botanischen und geologischen Erkenntnissen mit persönlichen Naturer- fahrungen. Mit ihrer den Erscheinungsformen der Natur stets liebevoll zugewandten Perspektive erinnert sie ebenso poetisch wie augenzwinkernd-heiter und animierend immer wieder an „die Großzügigkeit der Natur“.

Die schönen, graphisch-stilisierten naturalistischen Illustrationen von Tine Pagenberg machen dieses Lesebuch der Natur neben seiner inhaltlichen Vielfalt auch zu einer sehr attraktiven Augenweide, die durch buchgestal- terische Sorgfalt harmonisch ergänzt wird. Das großzügige Buchformat (Groß-Oktav) mit lesefreundlich sattem Schriftbild auf angenehm glattem Papier, die Fadenheftung und ein farblich abgestimmtes Lesebändchen sowie das attraktive Titelbild mit seiner farbkontrastreichen typogra- phischen Inszenierung sind ein sehr gelungener Blickfang und schmeichlen allen bibliophilen Sinnen.

„Dieses Buch will Ihnen, liebe Leser, alltägliche und doch erstaunliche Vorgänge aus der Natur näherbringen und Sie dazu anregen, vielleicht selbst Beobachtungen anzustellen und ein wenig über Lebewesen, Kräfte, Verhaltensweisen und Geschehnisse nachzu-denken, die wir ständig um uns haben und doch meistens übersehen. Denn jede Jahreszeit, jeder Monat steckt voller aufregender Geheimnisse.“ (Seite 10) 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/vom_magischen_leuchten_des_gluehwuermchens_bei_mitternacht/t-1/780

Illustration © Tine Pagenberg/Knesebeck Verlag 2019

Die Autorin:

»Sy Montgomery, 1958 geboren, ist eine vielfach ausgezeichnete amerikanische Natur-forscherin, Drehbuchautorin und Verfasserin von über zwanzig Sachbüchern – „die perfekte Mischung aus Emily Dickinson und Indiana Jones“. Sie schwamm mit Piranhas und blauen Delfinen im Amazonas, bestieg das Altai-Gebirge auf der Suche nach Schneeleo-parden und wurde in Indien von Tigern gejagt. Immer findet man sie in nächster Nähe der Tiere, über die sie schreibt. Zuletzt erschien aus ihrer Feder hierzulande „Rendezvous mit einem Oktopus“. Der New-York-Times-Bestseller und Anwärtertitel auf den National Book Award 2015 schrieb eine echte Erfolgsgeschichte.«

Die Illustratorin:

»Tine Pagenberg ist leidenschaftliche Zeichnerin, Illustratorin und begeisterte Vogelkund-lerin. Sie studierte Malerei/Grafik an der HfBK Dresden. Mit einem liebevollen Blick auf die Natur zeichnet sie ihre fabelhaften Bildwelten. Die große Verbundenheit zu unserer Flora und Fauna ist die wichtigste Inspirationsquelle und spiegelt sich in all ihren Arbeiten. Nach dem Studium gründete sie das Label marga.marina – benannt nach ihrer Großmutter. Hier gestaltet sie eigene Produkte mit dem Schwerpunkt auf nachhaltige, umweltfreundliche Papierwaren.« https://www.margamarina.de/

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren Buch von Sy Montgomery: Einfach Mensch sein. Von Tieren lernen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/07/11/einfach-mensch-sein/

Wer es naturwissenschaftlich gerne noch genauer wissen möchte, greife ergänzend zu Nick Bakers Schule der Spurenlese „Fährten lesen und Spuren suchen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/31/fahrten-lesen-und-spuren-suchen/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte

  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag, Januar 2018   www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 29,6 cm x 23,7 cm
  • 32  Seiten
  • ISBN 978-3-522-45884-9
  • 12,99 € (D), 13,40 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

ALLE  UNTER  EINER  DECKE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Hier ist nun die dritte Niedlichkeitsavance des kleinen Siebenschläfers. Diesmal geht es nicht ums Einschlafen (siehe meine Besprechung des ersten Siebenschläfer-Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/) oder Aufwachen (siehe meine Besprechung des zweiten Siebenschläfer-Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/), sondern ums Teilen.        

Gerade hat es sich der kleine Siebenschläfer mit seiner blauen, getüpfelten Schnuffel-decke so richtig muckelig gemütlich gemacht, da spaziert das Eichhörnchen mit einer solch großen Ladung Nüsse vorbei, daß sie ihm aus den Pfoten fallen. Nur wider- strebend folgt der Siebenschläfer der Bitte des Eichhörnchens, die Schnuffeldecke „nur ganz kurz“ als Nüssetragetuch zur Verfügung zu stellen.

Kaum sind die Nüsse transportiert, da bietet sich ein weiterer Einsatz der Schnuffel- decke als Rettungssprungtuch für eine Haselmaus an. Und schon folgt die nächste Zweckentfremdung als Rettungsseil für den feststeckenden Maulwurf, als Umkleidevorhang für die Schnecke und als dramaturgische Requisite (Indianerzelt, Segel, fliegender Teppich) bei den gemeinsamen Abenteuerspielen der Tierkinder.

Bei all den „nur kurzen“ Schnuffeldeckeneinsätzen ist es Abend geworden. Der kleine Siebenschläfer hat seine Schnuffeldecke endlich wieder ganz für sich alleine. Während er sich in seine Decke einwickelt, bemerkt er, daß den anderen Tierkindern kalt wird. Da sagt er: „Wäre meine Schnuffeldecke nicht eine wunderbare Alleuntereinerdeckedecke?“

Freudig kuscheln sich daraufhin alle gemeinsam unter die Schnuffeldecke und diesmal ganz lange.

Der Konflikt zwischen der Anhänglichkeit des kleinen Siebenschläfers an seine persönliche Schnuffeldecke und der situativ-gebotenen sozialen Hilfeleistung für seine Freunde wird durch den rhythmisch in jeder neuen Anforderungsszene wiederholten Ausruf: „Meine Schnuffeldecke? Meine schnuffelige, knuffelige, wuschelige Schnuffeldecke?“ und die ritualisierte Antwort: „Nur ganz kurz!“ einfühlsam inszeniert. Außerdem kommen solche textstrukturellen Wiederholungen bei Kindern gut an, und sie werden auch gerne später aufgegriffen und mitgesprochen.

Kerstin Schoenes Illustrationen der Tierkinder sind streichel-possierlich, mimisch und körpersprachlich ausdrucksvoll und abwechslungsreich. Sie vermitteln eine unbeschwerte, heiter-liebenswerte Stimmung, die hervorragend mit dem warmherzig-liebevollen Erzähltext von Sabine Bohlmann harmoniert.

Dieses schnuffelige, knuffelige, wuschelige Bilderbuch sollte man unbedingt in Kombination mit einer Schnuffeldecke verschenken …


Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte-isbn-978-3-522-45884-9

Hier entlang zu weiteren siebenschläfrigen Bilderbüchern: 

Band 1
Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Band 2
Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Band 4
Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/08/12/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war/

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchron-sprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben.
Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computer-dokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.de

Und hier gibt es ein Interview mit der Autorin:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/extras-events/geschichten-detail/der-alltag-einer-kinderbuchautorin/

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene, geboren 1981 in Haan, studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesignerin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.« www.kerstinschoene.de

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Ein Geschenk für den Weihnachtsmann

  • von Martina Badstuber
  • Pappbilderbuch
  • Magellan Verlag  September 2017  www.magellanverlag.de
  • Format: 17,5 x 17,5 cm
  • 16 Seiten
  • 8 € (D), 8.30 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-1536-2
  • Bilderbuch ab 2 Jahren

G E B E F R E U D E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das kleine Eichhörnchen bekommt alljährlich ein schönes Geschenk vom Weihnachts-mann. Dieses Jahr möchte das Eichhörnchen nicht nur Geschenkempfänger, sondern auch einmal Geschenkegeber sein. Es hat sich in seinem kleinen Köpfchen die allerbesten Geschenke überlegt und sich schließlich dazu entschieden, dem Weihnachtsmann eine neue Mütze zu stricken.

Doppelt vorfreudig aufs Schenken und Beschenktwerden wartet das kleine Eichhörnchen nun auf die Ankunft des Weihnachtsmannes. Kaum erklingen die Glöckchen des Weihnachtsmannschlittens im Wald, da stapft das Eichhörnchen mit seinem Geschenk durch den Schnee und überreicht dem  Weihnachtsmann ein verschnürtes Päckchen.

Auf die Frage des Eichhörnchens, ob ihm sein Geschenk gefalle, antwortet er schmunzelnd, daß das Eichhörnchen noch etwas viel Besseres habe, das es ihm schenken könne.

Das Eichhörnchen überlegt und bietet eine besondere Nuß als Wegzehrung an, dann einen selbstgenagten Kamm. Doch stets meint der Weihnachtsmann, daß es noch ein viel, viel besseres Geschenk für ihn gebe.

Illustration von Martina Badstuber © Magellan Verlag 2017

Nach angestrengtem Grübeln kommt das Eichhörnchen auf die Idee, dem Weihnachts-mann beim Geschenkeverteilen zu helfen, und es müht sich sogleich demonstrativ mit dem Tragen eines viel zu großen Geschenks ab.

Nein, das bräuchte das Eichhörnchen nun wirklich nicht zu leisten, meint der Weihnachtsmann und überreicht dem eifrigen Eichhörnchen sein Geschenk. Das kleine Eichhörnchen lächelt erfreut über sein ganzes Gesichtchen und – DA! – ist es, das beste Geschenk für den Weihnachtsmann: Das Lächeln!

„Ein Geschenk für den Weihnachtsmann“ erzählt in einfachen, sanft formulierten Worten von der Freude des Schenkens, von Dankbarkeit und von der Kostbarkeit des Lächelns. Die lustigen, farbenfrohen, flächigen Zeichnungen setzen die freundliche Beziehung zwischen Eichhörnchen und Weihnachtsmann verspielt und stimmungsvoll in Szene.

Die dankbare, einfühlsame und großzügige Grundhaltung des niedlichen Eichhörnchens wirkt sehr sympathisch und ausdrücklich vorbildlich. Unaufdringlich wird kleinen Kindern hier die Botschaft vermittelt,  daß die Aufmerksamkeit und die dankbare Geste, mit der ein Geschenk gegeben und empfangen wird, mindestens so wertvoll sind wie das Geschenk selbst.

 

Die Autorin und Illustratorin:

» Martina Badstuber, geboren 1972 in Ravensburg, hat nach der Ausbildung zur Dekorateurin an der Fachhochschule für Gestaltung in Augsburg Kommunikationsdesign studiert. Seit 2004 ist sie als Autorin und Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Sie lebt mit ihrem Mann, Tochter, Sohn und Kater August-Dieter-Löwe in der Nähe von Ravensburg. «

So schön sind die Jahreszeiten

  • Mit Matz, Fratz und Lisettchen
  • von Kazuo Iwamura
  • Aus dem Japanischen von Hana Christen
  • Gereimt von Rose Pflock
  • Nord Süd Verlag März 2017  http://www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,6 x 24,4 cm
  • 112 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10401-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

E I C H H Ö R N C H I S C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die warmherzigen Bilderbücher mit den Eichhörnchengeschwistern Matz, Fratz und Lisettchen, die dem japanischen Pinselschwung Kazuo Iwamuras entsprungen sind, gibt es schon seit über 30 Jahren. Nun hat der Nord-Süd-Verlag vier der beliebtesten Bilderbücher von Kazuo Iwamura in einem Sammelband gebündelt.

Wir begleiten die niedlichen Eichhörnchenkinder durch einen Jahreslauf. Im Frühling entdecken sie ein hungriges Vogelküken und bemühen sich hilfsbereit, es mit Kiefernzapfen und Kirschblütennektar zu füttern. Doch der kleine Vogel hält seinen Schnabel geschlossen. Schließlich erscheint die Vogelmutter mit einer Raupe, und schon sperrt das Küken seinen Schnabel auf. So lernen die Eichhörnchen, daß Geschmäcker verschieden sind.

Illustration Kazuo Iwamura © Nord Süd Verlag 2017 Sammelband: „So schön sind die Jahreszeiten“

Im Sommer wird eifrig auf einer improvisierten Wippe gewippt, bis es zu regnen anfängt. Matz, Fratz und Lisettchen finden Schutz in einer Erdhöhle. Dort hocken schon zwei Mäuschen, und später gesellt sich noch ein Kaninchenkind hinzu. Nach anfänglichem Fremdeln rücken alle gemütlich zusammen und überstehen das heftige Sommergewitter. Als schließlich die Sonne wieder scheint, wird mit den neuen Spielkameraden noch eifriger gewippt, und alle haben großen Spaß miteinander.

Im Herbst helfen die Geschwister dem Eichhörnchenpapa beim Eichelnsammeln für den Wintervorrat, und die Mama strickt etwas aus roter Wolle. Am nächsten Morgen sind drei kleine Pullover fertig und werden von Matz, Fratz und Lisettchen erfreut angezogen. Wohlgewärmt hüpfen sie durch den herbstlichen Wald und treffen einen Bären, der sich mit roten Früchten vollfrißt und ihnen den Winterschlaf erklärt. Sie finden rote Pilze, rote Beeren, rote Blätter und einen leuchtend roten Sonnenuntergang.

»Der Tag war voller Abenteuer!
Nun sitzen sie zu Haus am Feuer
und ihre Mäulchen stehn nicht still,
weil jeder was erzählen will.«

Der Winter wartet selbstverständlich mit Schnee auf, und Matz, Fratz und Lisettchen lernen – mit allen dazugehörigen Aufs und Abs – Schlittenfahren …

„So schön sind die Jahreszeiten“ ist ein schönes, gemütliches und sehr familiäres Wohlfühlbilderbuch. Genau das Richtige für kuschelige Vorlesestunden mit kleinen und großen Eichhörnchen.

Die Illustrationen von Kazuo Iwamura sind ebenso präzise wie verspielt und vermitteln eine Atmosphäre von geborgener Entdeckerlust.

Der eingängige, lustig-gereimte Text von Rose Pflock harmoniert fein mit den augenzwinkernd-warmherzigen Illustrationen und gibt den Geschichten einen vorleseförderlichen melodischen Schwung.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseblätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.book2look.com/book/13X7zjKZlT

Der Illustrator:

»Kazuo Iwamura, geboren 1939 in Tokio, ist einer der bekanntesten japanischen Bilderbuchkünstler. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Kazuo Iwamura lebt in Tochigi, Japan. Dort steht auch sein Museum für Bilderbuchillustration.«

Die Reimerin:

»Rose Pflock, geboren 1929 in Reichenau, Oberlausitz, Deutschland. Sie war nach ihrem Gesangsstudium mehrere Jahre als Sängerin an verschiedenen Theatern tätig. Rose Pflock schreibt seit Langem Texte für Kinder. Besonders gerne und gut schreibt sie Reime.«

Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

  • llustrationen: Marc Boutavant
  • Text: Toon Tellegen
  • Übersetzung aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
  • Carl Hanser Verlag 2015 www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden,  Fadenheftung
  • Format: 19 x 27 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-446-24677-5
  • Kinderbuch ab 6 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 4 Jahren zum Vorlesen
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MUT  ZUR  WUT

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wut hat viele Gesichter und Ausdrucksformen, einige davon werden in den zwölf Geschichten des Bilderbuches „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ anschaulich vorgeführt.

Da können sich Käfer und Regenwurm nicht darüber einigen, wer von ihnen am wütendsten ist, und geraten darüber so richtig feurig-wetteifernd in Rage. Doch nachdem sie sich ausgetobt haben, können sie sich auch wieder miteinander vertragen.

Die Grille nimmt beim Käfer Nachhilfeunterricht im Wütendsein. Sie lernt den intensiv funkelnden Blick, die passende Mimik und Körperhaltung, aber sie kann sich einfach keine bösen Gedanken ausdenken. Schließlich provoziert der Käfer die Grille, indem er sie und ihr Grillenzirpen als häßlich bezeichnet. Da wird die Grille wirklich wütend und verpaßt dem Käfer eine Ohrfeige, die ihn umwirft. Freundlich hilft die Grille dem Käfer wieder auf, denn ihre bösen Gedanken sind schon wieder verflogen, und sie ist nicht nachtragend. Allerdings ist jetzt der Käfer beleidigt …

Der Elefant ist wütend auf sich selbst, weil er bei seinem Konflikt zwischen Gefühl und Verstand eine schmerzliche Erfahrung – wider besseres Wissen – wiederholt …

Der Igel hingegen wundert sich, daß er das Gefühl der Wut noch nie selbst empfunden hat und es nur aus der Beobachtung anderer Tiere kennt …

Der Klippschliefer ist wütend auf die Sonne, die jeden Abend untergeht und nicht wenigstens einmal für den Klippschliefer eine Ausnahme macht. Doch egal wie sehr er tobt und schimpft: Die Sonne macht, was sie will, und kümmert sich nicht um den Wunsch des Klippschliefers. Ja, wahrscheinlich hört sie ihm noch nicht einmal zu, gleichgültig wie böse er auf sie wird …

Das Eichhörnchen läßt sich von den Unverschämtheiten der wütenden Spitzmaus nicht zu einer Wutreaktion verleiten. Trotz der heftigen Wortattacken und Beleidigungen bleibt es  gelassen, was die Spitzmaus zum enttäuschten Rückzug veranlaßt.

Nilpferd und Nashorn begegnen sich auf einem schmalen Weg, und keines von beiden will ausweichen und den anderen vorbeilassen. Nachdem sie drohend klargestellt haben, daß keines von ihnen nachzugeben bereit ist, setzen sie sich erst einmal hin und schweigen. Dann teilen sie ihren Proviant, schließlich tanzen sie sogar miteinander, und am Abend verabschieden sie sich freundlich und versprechen sich gegenseitig gutgelaunt, einander beim nächsten Treffen auf keinen Fall aus dem Wege zu gehen.

Der Krebs kommt mit einem Musterkoffer voller Wut zur Maus ins Maleratelier und bietet seine Ware an. Die Maus entgegnet, daß sie ganz gut von alleine wütend sein könne, wenn sie das wolle, aber sie läßt sich dennoch das ganze Sortiment zeigen: „leichte, hellrote Wut, runzliger grauer Ärger, grünlicher Zorn und schneeweiße Raserei“.

Ganz unten im Koffer zieht etwas Hellblaues die Aufmerksamkeit der Maus auf sich. Das sei Wehmut, sagt der Krebs, und diese sei eigentlich unverkäuflich. Die Wehmut schaut aus wie ein halbdurchsichtiger Schal, und den wickelt sich die Maus um den kleinen Hals, und schon sagt sie seufzend „Ach…“

Die Ameise erklärt der wütenden Kröte, was sie mit ihrer Wut machen könne. Sie könne die Wut wegpusten, begraben, vergessen, aufessen, ins Meer werfen, sie wegsingen, übermalen, mit ihr tanzen, aber sie könne sie auch hegen und pflegen – doch am besten würfe sie die Wut einfach weg. Also wirft die Kröte die Wut weg, und danach unterhalten sich die beiden über die Zufriedenheit, mit der man nämlich „nie etwas tun müsste.

Die in diesem Kinderbuch versammelten Wutepisoden zeigen, daß Wut (oder sogenannte böse Gefühle und Gedanken) zum Empfindungsspektrum des Daseins gehören. Die vorgestellten Wutszenarien sind nicht todernst, sondern lustig, selbstironisch und leise philosophisch. Die Wut ist keine unausweichliche Naturgewalt, sondern sie ist beherrschbar, dosierbar und sogar verwandelbar.

Die  ausdrucksvollen Zeichnungen von Marc Boutavant geben den Figuren und ihren wechselvollen Gefühlen glaubwürdige Gestalt.

Der Autor Toon Tellegen plaudert nicht alles plakativ aus, sondern deutet an, läßt offen und weckt ein psychologisch-poetisch-philosophisches Nachspürecho, das der Reflexion und Akzeptanz eigener Wuterfahrungen dienlich sein kann. Mit diesem Bilderbuch können Kinder lernen, der eigenen und der fremden Wut mitfühlend zu begegnen und sie etwas schelmischer zu betrachten. Die zwölf Wutgeschichten eignen sich auch als Impuls, um mit Kindern über Wut und Wutanfälle zu sprechen, deren Ursachen zu entdecken und konstruktive Umgangsformen mit der Wut zu finden.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/man-wird-doch-wohl-mal-wuetend-werden-duerfen/978-3-446-24677-5/

 

Der Illustrator:

»Marc Boutavant, 1970 im französischen Dijon geboren, lebt und arbeitet in Paris. Er zählt zu den stilprägenden Illustratoren seiner Generation und ist insbesondere für seine farbenfrohen Werke für Kinder bekannt. Die Geschichten um seinen Bären Mouk und den Esel Ariol wurden beide für das Fernsehen verfilmt. Im Hanser Kinderbuch erschien nach Die große Reise des kleinen Mouk (2008) das von ihm illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen (2015).«

Der Autor:

»Toon Tellegen, am 18.11.1941 in Den Briel, Niederlande geboren, studierte Medizin in Utrecht, arbeitete als Arzt in Kenia und ließ sich als Lyriker in Amsterdam nieder. Heute ist er einer der bekanntesten Schriftsteller der Niederlande. 1997 erhielt er den Theo Thijssenprijs für Literatur, 2004 den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, den Goldenen Griffel bekam er 1988 und 1994, den Silbernen Griffel 1990, 1994, 1997 und 1999. Im Hanser Kinderbuch erschienen sind Josefs Vater (1994), Richtig dicke Freunde (1999) sowie Briefe vom Eichhorn an die Ameise (Hanser 2001). 2015 folgte das von Marc Boutavant illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“.«

Querverweis:

Hier geht es zu einem weiterem Kinderbuch von Toon Tellegen: Ein Garten für den Wal
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/27/ein-garten-fuer-den-wal/

PS:
Da der konstruktive Umgang mit Gefühlen ein wesentlicher Bestandteil  heilsamer kindlicher Herzensbildung ist, reihe ich meine Rezension von „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ gerne bei  Petra Pawlowskys Projekt KINDER IM AUFWIND ein. Die Künstlerin Petra Pawlowsky hat auf ihrer Webseite „da sein im Netz“ https://pawlo.wordpress.com/ das Projekt KINDER IM AUFWIND initiiert:
»Fragt Ihr Euch auch manchmal, wie unsere Kinder all das verkraften, was an Nachrichten auf sie einstürzt?  Wie sie mit dem anspruchsvollem Leistungsdruck, der Hetze im Alltag, den Medien, den stumpfen Blicken vieler Erwachsener um sie herum zurechtkommen? Wie wir ihnen eine Basis geben können, gelassen, selbstsicher und hoffnungsvoll zu leben und in die Zukunft zu schauen? Eben im Aufwind zu bleiben…«

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/18/kinder-im-aufwindchildren-upwind/

Sie lädt weitere Blogger dazu ein, thematisch passende Texte, Bilder, Fotos, Musik, Gemälde, digitale Kunst, Gedichte, Lieder, Zitate usw. per Linkhinweis ergänzend hinzuzufügen. Die bisherigen gesammelten Beitragslinks der anderen aufwindigen Teilnehmer finden sich – thematisch geordnet – hier: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Giesbert in der Regentonne

  • Text und Illustrationen von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus August 2016  www.urachhaus.com
  • 112 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7988-5
  • Kinderbuch ab 5 Jahren
    giesbert-in-der-regentonne-titelbild

W A S S E R T R E U

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers neues Kinderbuch lädt uns in Wort und Bild in ihren eigenen Garten ein. Ob es der echte Garten oder der Garten ihres Herzens ist, kann ich nicht beurteilen, aber es gefällt mir zauberhaft gut darin.

Die Autorin erzählt, wie eines Regentages Giesbert, ihr hauseigener Regenrinnen-Wicht, so heftig durch die Regenrinne ins Regenfaß gespült wird, daß dabei seine Flöte zerbricht. Giesbert ist untröstlich und weint und klagt und jammert und schreit,  bis ihm der alte Holundergeist, der im Holunderstrauch neben der Regentonne wohnt, eine neue Flöte schnitzt. Da kehrt wieder Ruhe ein, und Giesbert spielt überglücklich eine lustige Danke-schön-Melodie für den alten Holundergeist.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Außer fürs Flötespielen hat der Regentonnen-Wicht eine Vorliebe für selbstgemachte Gedichte, Schnittlauchbrot und Wasserstreiche. Im Kontakt mit den Tieren des Gartens erweist er sich als ebenso hilfsbereit wie verspielt.

 

giesbert-in-der-regentonne-schneckenschub

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Er füttert ein verletztes Rotkehlchen, er veranstaltet ein Schneckenwettkriechen, er hilft einem vergeßlichen Eichhörnchen beim Wiederfinden von Haselnußverstecken, er diszipliniert feuchtfröhlich einen aufdringlichen Waschbären, er ärgert den Kater und verträgt sich wieder mit ihm, er kämpft mit dem verstopften Gartenschlauch, er rettet eine Goldfischdame und begleitet den Quakgesang eines Froschprinzenfroschs mit der Flöte …

Die Heilpflanzengeister (Huflattich und Spitzwegerich) heilen Giesberts Husten, und ein lebenserfahrener Igel hilft ihm, seinen Liebeskummer wegen der unerreichbaren Blumenelfe Gisela zu überwinden.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Die Menschen unterstützt Giesbert – wie der Name schon andeutet – beim Gießen der Pflanzen, und die Regentonne ist immer gefüllt, auch wenn seit langem kein Regen mehr gefallen ist. So ein Regentonnen-Wicht ist halt nur im Wasser ganz in seinem Element. Allerdings kann er – wenn er sehr wütend wird – jedes Wasser zum Überlaufen bringen. Das kommt jedoch nur selten vor, und er hilft auch reumütig beim Aufwischen, wenn es in der Küche oder im Bad zu kleinen Überschwemmungen kommt. Denn sonst hätte die Autorin Giesbert gewiß nicht dazu eingeladen, den Winter in ihrer häuslichen Badewanne zu verbringen. Während draußen das Wasser in der Regentonne vereist und im Garten die Schneeflocken tanzen und wirbeln, sitzt Giesbert gemütlich am Fenster und dichtet:

»Leise fallen Sterne nieder.
Tausend fallen immer wieder!
Jeder bringt uns einen Traum
aus dem großen Weltenraum.
Tausend Träume – immer wieder –
fallen als Schneeflocken nieder.
Und ein Traum, der ist sicherlich
ganz allein und nur für mich

Daniela Drescher ©
  (Seite 110)

Giesberts heiter-umtriebiges Wesen und Wirken wird in kurzen Kapiteln erzählt, die mit einem Umfang von vier bis acht Seiten eine angenehme Vorleselänge haben. Die zahlreichen märchenhaft-schönen – teilweise ganzseitigen –  Begleitbilder sind eine anregende Augenweide.

Daniela Dreschers aquarellierte Illustrationen sind sehr atmosphärisch und zeugen – in ihrer botanischen sowie zoologischen Stimmigkeit – von sehr tiefer Naturverbundenheit und einer entsprechenden Beobachtungsgabe.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

„Giesbert in der Regentonne“ bietet unbeschwerte, warmherzige Vor- lesekost. In jeder Episode finden sich für Kinder leicht mitzuempfindende Gefühle und Regungen sowie konstruktive Interaktionen und Problem- lösungen.

Der Regentonnen-Wicht, zahlreiche sprechende Tiere und knollennasig-knuffige Pflanzengeister-Wichtel garantieren hier die Verzauberung des Gartenalltags und die Beflügelung der kindlichen Phantasie. Der augenzwinkernd-witzige, sich in die kleinen Nöte und großen Freuden des Regentonnen-Wichts einfühlende Erzählton trägt zusätzlich zur gelungenen Vorlesegeborgenheit bei.

Und ich werde mich nun einmal nach einer Regentonne für meinen Garten umschauen …

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPORBE auf der Verlags-Webseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Giesbert-in-der-Regentonne.html

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durchihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.«
http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Und hier entlang zum zweiten Band mit dem Regenrinnen-Wicht Giesbert: „Giesbert hört das Gras wachsen“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/10/giesbert-hoert-das-gras-wachsen/
Und hier entlang zum dritten Band: „Giesbert und der Gluckerbach“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/08/19/giesbert-und-der-gluckerbach/

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
»Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/