Giesbert hört das Gras wachsen

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus   August 2018  www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 104 Seiten
  • Format: 17 x 24 cm
  • 18,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-5174-4
  • Kinderbuch ab 5 Jahren

LIEBENSWERTER GARTENGESELLE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das Wiederlesen mit dem Regenrinnen-Wicht Giesbert ist die reine Freude und beglückt mit schelmischem Humor, Naturverbundenheit und lebhaftem Miteinandersein.

Falls Sie Giesbert noch nicht kennen, nehmen Sie doch erst einmal eine Leseabzweigung zu meiner Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/10/giesbert-in-der-regentonne/

Giesbert lebt nun schon eine ganze Weile im Hause der Autorin und Illustratorin Daniela Drescher. In der warmen Jahreszeit wohnt er im Garten und planscht in seiner Regen-tonne, in der kalten Jahreszeit wohnt er im Haus und planscht in der Badewanne.

Er ist ein freundlicher und hilfsbereiter kleiner Naturgeist, der voller Lebensfreude und Entdeckerlust ist und dankbar die Annehmlichkeiten jeden Tages wahrnimmt, auf seiner Gartenschaukel schaukelt, fröhliche Melodien auf seiner Holunderholzflöte spielt und gelegentlich, z.B. nach dem Kosten frisch gekochter Himbeermarmelade oder einer philosophischen Begegnung mit einem Raben, ein kleines Gedicht reimt.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

In dreizehn Episoden nehmen wir Leseanteil an Giesberts Alltag, seinen konstruktiven Problemlösungen, seiner Fähigkeit, einfache Freuden wertzuschätzen, und seinem freundschaftlichen Miteinander mit benachbarten Wichteln, Pflanzen und Tieren.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Allerdings kann er auch mal wütend werden, z.B. wenn ein frecher Ziegenbock störrisch seine Regentonne attackiert. Giesberts Wut äußert sich dann darin, daß er einen roten Kopf bekommt und Wasser zum Überlaufen bringt. Im Falle des unnachgiebigen Ziegen-bocks entsteht sogar eine kleine Regenwolke, die exakt auf den Ziegenbock abregnet, und das wirkt ungemein abschreckend.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Giesbert lernt einen klugen Raben kennen, der seine Frage, warum der Himmel blau sei, damit beantwortet, daß Blau die Lieblingsfarbe der Vögel sei. Ein verirrter Wolf bekommt von Giesbert astronomische Wegweisung in den Norden, ein eigenbröt- lerischer, staubiger Eckenwicht wird mit Hilfe von Haferkeksen zu etwas mehr Umgänglichkeit bestochen.

Als Giesbert eines blühenden Frühlingsmorgens eine tote Amsel findet, wird sie von ihm und zwei Mitwichteln würdevoll beerdigt. Giesbert wird vom Kätzchen Ilvi nach einem Sturm aus dem Baum, in den der Wind ihn geweht hat, gerettet. Und am schönsten ist die spontane Geburtstagsfeier für Giesbert, der eigentlich garnicht weiß, wann er Geburtstag hat und wie alt er ist.

„Giesbert hört das Gras wachsen“ bietet auch praktische Anregungen zur Beschäftigung in und mit der Natur. So erklärt er der Autorin fachwichtelmännisch, wie man einen Lausche-Tag verbringt: Man schließe die Augen, sehe sich die Welt mit den Ohren an und sammle die Geräusche, die man dabei hört.

Die Erzählkapitel haben einen vorleseangenehmen Textumfang von vier bis acht Seiten, und sie werden von zahlreichen, teilweise ganzseitigen Bildern harmonisch begleitet.

Daniela  Dreschers atmosphärisch-naturverbundenen, botanisch und zoologisch ebenso präzise wie verspielten Illustrationen verzaubern kleine und große Betrachter auf den ersten Blick.

Giesberts lebensfröhliches Wesen und Wirken, sprechende Tiere, farben- frohe, wildwüchsige Vegetation und knollennasig-knuffige Pflanzen- und Hausgeister-Wichtel sowie gelegentlich augenzwinkernde metafiktive Kommentare der Autorin vermitteln ein warmherziges und schelmisches Lese- und Vorlesevergnügen mit behutsam-beiläufigen, naturmagischen Anregungen und Andeutungen, welche die kindliche Vorstellungskraft lebhaft bereichern. So werden Märchen wahr.

 

Zum Ausklang noch ein Gedicht von Giesbert:

»Warum ist der Rabe schlau?
Und warum ist der Himmel blau?

Wieso können Wale singen
und das Meer zum Schwingen bringen?

Woher weiß das Spinnenkind,
wie Netze gut zu spinnen sind?

Wie viel Duft ist in der Blüte?
So viele Fragen – meine Güte!

Ist die Welt nicht irgendwie
voller Wunder und Magie?«

Daniela Drescher ©
(Seite 45)

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE und zum anschaulichen Buchtrailer auf der Verlagswebseite: https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Giesbert-hoert-das-Gras-wachsen.html

Hier entlang zum ersten Giesbert-Band „Giesbert in der Regentonne“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/10/giesbert-in-der-regentonne/

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.« http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.

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Das Geheimnis der Bienen

  • Alles, was wir wissen sollten
  • Mit Anleitung zum gesunden Bienenstock
  • von Rob & Chelsea McFarland
  • Originaltitel: »Save The Bees With Natural Backyard Hives«
  • Aus dem Amerikanischen von Imke Brodersen
  • GOLDMANN Verlag   Mai 2017   www.goldmann-verlag.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • Format: 17 cm x 21 cm
  • 176 Seiten
  • ca. 80 farbige Fotos
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 20,50 sFr.
  • ISBN 978-3-442-17666-3

HONIGHANDWERK  &  BIENENPFLEGE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul  ©

Vom Gärtnern zum Imkern ist es manchmal nur ein kleiner Schritt. Rob & Chelsea McFarland nutzten ihren Biogarten gerne als natürlichen Ausgleich zum künstlichen Streß ihres Arbeitslebens in der Medien- und Technologiebranche. Und dann erschien eines Tages ein wilder Bienenschwarm in ihrem Garten.

Sie organisierten sich professionelle Hilfe beim örtlichen Imker. Der Schwarm wurde eingefangen und in einen Bienenstock übergesiedelt. Rob & Chelsea waren so fasziniert und begeistert von den Bienen – man spricht dabei auch gerne scherzhaft vom „Bienenfieber“-, daß sie Hobbyimker wurden und 2011 die Umweltschutzorganisation HoneyLove.org ( https://honeylove.org/ )   gründeten.

Zunächst entwickelten sie eine Medienkampagne und gründeten eine Bürgerinitiative, um die Bienenhaltung in Los Angeles zu legalisieren, denn in den USA ist es nicht in jeder Stadt erlaubt, zu imkern.

Liebe zu den Bienen, Naturverbundenheit und lebendige Neugier sowie Offenheit  für ergänzende neue und unverhoffte Erkenntnisse und Perspektiven sind der rote Faden, der erfreulich ansteckend durch dieses Einsteigerbuch für Freizeitimker führt.

Elf übersichtliche Kapitel mit ebenso schönen wie informativen Fotos vermitteln Grundlagenwissen über Biologie, Verhalten und Lebenszyklus der Bienen sowie über Bienenweiden, Pollen, Nektar, Bienenbrot und Sirup. Die materielle Ausrüstung des Imkers vom Schutzanzug über den Smoker bis zum Stockmeißel sowie zwei Sorten von Bienenstöcken – die Langstroth-Beute und die kenianische Oberträgerbeute – werden mit ihren jeweiligen Vorzügen dargestellt.

Ergänzend kommen Hinweise auf Standortkriterien für Bienenstöcke und Rettungs-maßnahmen bei Problemen mit Krankheiten und Parasiten hinzu sowie auf effektive Methoden angesichts aggressiver Bienen oder auf diplomatische Strategien angesichts überängstlicher Mitmenschen.

Vorbeugend weisen die Autoren darauf hin, daß man in der Nähe von Bienenstöcken keine Bananen essen sollte, da das Verteidigungspheromon der Bienen nach süßer Banane riecht – man könnte damit einen falschen Alarm mit einem echten Bienenangriff auslösen.

Zum Abschluß folgt ein Kapitel über die Werkzeuge und das bienenschonende Verfahren der Honiggewinnung, das von anschaulichen Schritt-für-Schritt-Fotos begleitet wird.

Ein Stichwortverzeichnis hilft beim gezielten Nachlesen zu Detailfragen. Außerdem empfehlen die Autoren ausdrücklich jedem angehenden Imker, sich erfahrene Imker als Mentoren zu suchen, da Bücherlesewissen nur durch praktische Erfahrung fruchtbar wird. Die Stärke und Lebenskraft der Bienen liegt in ihrem kommunikativen und arbeitsteiligen, sozialen Miteinander; das dürfte auch für Imker gültig und dienlich sein.

Hobbyimker können einen wertvollen Beitrag gegen das weltweite Bienensterben leisten, da sie ein vielfältiges Experimentierfeld für Imkern ohne Gifteinsatz „beackern“. Da sie nicht auf kommerziellen Ertrag angewiesen sind und mehr Honig für die Überwinterung ihrer Bienenvölker reservieren, entwickeln sich widerstandsfähigere Bienenvölker, die auch mit dem Varroamilbenbefall besser fertig werden.

Das Problem der chemischen Milbenbehandlung ist, daß die Milben durch Selektion immer stärker und resistenter werden und die Bienen immer schwächer. Bio-Imker versuchen durch eine künstliche Brutpause die Milbenvermehrung auszubremsen, da sich die Milben nur in den Brutzellen des Bienenstocks entwickeln können.

Die Autoren vertreten überzeugend und sachkundig aufklärend das Prinzip der behandlungsfreien Bienenhaltung, plädieren jedoch ausdrücklich für einen konstruktiv-informativen Austausch zwischen Bio-Imkern und konventionellen Imkern, da dem Erhalt der Bienenvölker mit besserwisserischer Engstirnigkeit nicht gedient sei.

„Das Geheimnis der Bienen“ bietet mit beflügelnder Bienenbegeisterung eine ganzheitliche Kombination aus fundiertem Fachwissen und praktischen Anleitungen zur naturverbundenen Bienenhaltung.

 

»In der Kunst des Imkerns ist die Beute die Leinwand, die Bienenpflege die Farbe und die Gesundheit der Bienen unser Kunstwerk. Die einzigen Kritiker, auf die ein Imker hören sollte, sind seine Bienen.«
(Seite 170)

Im Anhang finden sich Hinweise auf Webseiten zum Thema Imkern für den deutschsprachigen Raum, von denen ich nachfolgend eine Auswahl aufliste:

www.deutscherimkerbund.de
www.die-honigmacher.de

www.mellifera.de
www.bienenkiste.de
www.schwarmboerse.de
www.bienenweidekatalog-bw.de

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Paperback/Das-Geheimnis-der-Bienen/Rob-McFarland/Goldmann-TB/e507484.rhd

Die Autoren:

»Rob & Chelsea McFarland begannen ihren beruflichen Weg in der Medien- und Technologiebranche. Nachdem sich ein wilder Bienenschwarm in ihrem Garten niedergelassen hatte, entdeckten die beiden ihre Begeisterung für das Imkern. Sie gründeten 2011 die Umweltschutzorganisation HONEYLOVE, mit der sie Aufklärung betreiben und Menschen zur urbanen Bienenhaltung anregen möchten. Seitdem arbeiten sie und ihre Mitstreiter mit Begeisterung daran, einer neuen Generation von Imkern das Geheimnis der Bienen näherzubringen.«
Mehr Informationen auf: https://honeylove.org/

 

Querverweis:

Zum Thema Bienen und Mitweltschutz empfehle ich zusätzlich dringend das aufklärerische Büchlein von Ute Scheub: »Ackergifte? Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft«. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/12/ackergifte-nein-danke/

Wer anspruchsvolle Sachbuchlektüre braucht, findet bei Randolf Menzels und Matthias Eckholdts Buch „Die Intelligenz der Bienen“ ebenso faszinierenden wie hochkonzentrierten Wissensnektar. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/24/die-intelligenz-der-bienen/

Bienenperspektivisch ergänzend leseempfiehlt sich der Roman „Die Bienen“ von Laline Paul.
Dieser Roman ist ein speziesübergreifender erzählerischer Annäherungsversuch an die komplexe Lebensform eines Bienenschwarms, übersetzt in menschliche Gefühlskategorien. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/

Und Maja Lundes Roman „Die Geschichte der Bienen“. Dieser Roman hat das Potenzial, vielen Menschen fühlbar und bewußtseinsbildend zu vermitteln, wie sehr unsere Existenz vom Bienenfleiß unzähliger Bestäuberinsekten abhängt. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/07/die-geschichte-der-bienen/

Die spirituelle Weisheit der Bäume

  • Eine Entdeckungsreise
  • von Pierre Stutz
  • Mit Fotografien von Andrea Göppel
  • Patmos Verlag   Februar 2017     http://www.patmos.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 17 x 26 cm
  • 64 Seiten
  • 17,– € (D), 17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8436-0875-6

B A U M W Ä R T S

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Die spirituelle Weisheit der Bäume“ handelt davon, wie eine einfühlsame Baum- perspektive das menschliche Selbstverständnis ganzheitlich ausgleichen kann. Pierre Stutz erzählt im Vorwort von der lebendigen, innig vertrauten Beziehung, die er als Kind zu seinem Lieblingsbaum, einer Birke,  gepflegt hat. Als sie gefällt wurde, war der Schmerz über den Verlust dieses Vertrauenswesen groß. Die spirituelle Beziehung zu Bäumen pflegte er indes weiter, und der innere Dialog mit ihnen begleitet seinen Lebensweg.

Kurze, meditative Zeilen in ebenso einfach-zugänglicher wie zugewandter Sprache sowie die anrührend-ausstrahlungstiefen Baum-, Allee- und Waldfotografien von Andrea Göppel laden zu einem inspirierenden Waldspaziergang ein, der die fruchtbaren und heilsamen Seelenkräfte natürlicher Lebensverbundenheit und geduldigen Wachstums auslotet und beschreibt.

Manchmal greift der Autor als Ausgangspunkt seiner Texte zu einem Film (El Olivio – Der Olivenbaum, Das Geheimnis der Bäume), der sich mit dem Thema der ganzheitlichen Lebensrelevanz von Bäumen befaßt. Manchmal wählt er ein Zitat und reiht seine Gespräche mit den Bäumen in eine Tradition menschlicher Naturverbundenheit (Henry David Thoreau, Peter Wohlleben) ein.

Ganz pragmatisch weist er zudem darauf hin, daß auch das Unterschreiben von Petitionen zur Rettung der Urwälder und alltägliches solidarisches, ökologisches Handeln zu einem baumverbundenen und spirituellen Lebenswandel gehören.

Man kann dieses Buch auch sehr gut – orakelartig – an einer beliebigen Stelle aufblättern und sich von der anregenden Ausgewogenheit der Baumbetrachtungen wahlweise beflügeln oder bewurzeln lassen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.patmos.de/die-spirituelle-weisheit-der-baeume-p-8723.html

PS:
Bei einigen der verwendeten Baumfotos mit landschaftlicher Kulisse, hätte ich mir einen Hinweis auf den Ort der Aufnahme gewünscht.

 

Der Autor:

»Pierre Stutz ist einer der gefragtesten spirituellen Lehrer unserer Zeit. Er lebt am Genfer See und inspiriert in Vorträgen und Kursen im gesamten deutschsprachigen Raum die Menschen zu einer geerdeten und befreienden Spiritualität. Seine über vierzig Bücher haben eine Auflage von mehr als einer Million Exemplaren und wurden in sechs Sprachen übersetzt. Schreiben ist für Pierre Stutz ein »feu sacré«, ein inneres Feuer.«
www.pierrestutz.ch

Die Fotografin:

»Andrea Göppel ist Fotografiemeisterin und Buchgestalterin. Die Philosophie ihrer Fotografie liegt darin, „Augenblicke des Lebens, Stimmungen der Natur, kaum bemerkte Details sichtbar werden zu lassen“.«
http://www.andreagoeppel.de

Giesbert in der Regentonne

  • Text und Illustrationen von Daniela Drescher
  • Kinderbuch
  • Verlag Urachhaus August 2016  www.urachhaus.com
  • 112 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7988-5
  • ab 5 Jahren
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W A S S E R T R E U

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers neues Kinderbuch lädt uns in Wort und Bild in ihren eigenen Garten ein. Ob es der echte Garten oder der Garten ihres Herzens ist, kann ich nicht beurteilen, aber es gefällt mir zauberhaft gut darin.

Die Autorin erzählt, wie eines Regentages Giesbert, ihr hauseigener Regenrinnen-Wicht, so heftig durch die Regenrinne ins Regenfaß gespült wird, daß dabei seine Flöte zerbricht. Giesbert ist untröstlich und weint und klagt und jammert und schreit,  bis ihm der alte Holundergeist, der im Holunderstrauch neben der Regentonne wohnt, eine neue Flöte schnitzt. Da kehrt wieder Ruhe ein, und Giesbert spielt überglücklich eine lustige Danke-schön-Melodie für den alten Holundergeist.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Außer fürs Flötespielen hat der Regentonnen-Wicht eine Vorliebe für selbstgemachte Gedichte, Schnittlauchbrot und Wasserstreiche. Im Kontakt mit den Tieren des Gartens erweist er sich als ebenso hilfsbereit wie verspielt.

 

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Er füttert ein verletztes Rotkehlchen, er veranstaltet ein Schneckenwettkriechen, er hilft einem vergeßlichen Eichhörnchen beim Wiederfinden von Haselnußverstecken, er diszipliniert feuchtfröhlich einen aufdringlichen Waschbären, er ärgert den Kater und verträgt sich wieder mit ihm, er kämpft mit dem verstopften Gartenschlauch, er rettet eine Goldfischdame und begleitet den Quakgesang eines Froschprinzenfroschs mit der Flöte …

Die Heilpflanzengeister (Huflattich und Spitzwegerich) heilen Giesberts Husten, und ein lebenserfahrener Igel hilft ihm, seinen Liebeskummer wegen der unerreichbaren Blumenelfe Gisela zu überwinden.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Die Menschen unterstützt Giesbert – wie der Name schon andeutet – beim Gießen der Pflanzen, und die Regentonne ist immer gefüllt, auch wenn seit langem kein Regen mehr gefallen ist. So ein Regentonnen-Wicht ist halt nur im Wasser ganz in seinem Element. Allerdings kann er – wenn er sehr wütend wird – jedes Wasser zum Überlaufen bringen. Das kommt jedoch nur selten vor, und er hilft auch reumütig beim Aufwischen, wenn es in der Küche oder im Bad zu kleinen Überschwemmungen kommt. Denn sonst hätte die Autorin Giesbert gewiß nicht dazu eingeladen, den Winter in ihrer häuslichen Badewanne zu verbringen. Während draußen das Wasser in der Regentonne vereist und im Garten die Schneeflocken tanzen und wirbeln, sitzt Giesbert gemütlich am Fenster und dichtet:

»Leise fallen Sterne nieder.
Tausend fallen immer wieder!
Jeder bringt uns einen Traum
aus dem großen Weltenraum.
Tausend Träume – immer wieder –
fallen als Schneeflocken nieder.
Und ein Traum, der ist sicherlich
ganz allein und nur für mich

Daniela Drescher ©
  (Seite 110)

Giesberts heiter-umtriebiges Wesen und Wirken wird in kurzen Kapiteln erzählt, die mit einem Umfang von vier bis acht Seiten eine angenehme Vorleselänge haben. Die zahlreichen märchenhaft-schönen – teilweise ganzseitigen –  Begleitbilder sind eine anregende Augenweide.

Daniela Dreschers aquarellierte Illustrationen sind sehr atmosphärisch und zeugen – in ihrer botanischen sowie zoologischen Stimmigkeit – von sehr tiefer Naturverbundenheit und einer entsprechenden Beobachtungsgabe.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

„Giesbert in der Regentonne“ bietet unbeschwerte, warmherzige Vor- lesekost. In jeder Episode finden sich für Kinder leicht mitzuempfindende Gefühle und Regungen sowie konstruktive Interaktionen und Problem- lösungen.

Der Regentonnen-Wicht, zahlreiche sprechende Tiere und knollennasig-knuffige Pflanzengeister-Wichtel garantieren hier die Verzauberung des Gartenalltags und die Beflügelung der kindlichen Phantasie. Der augenzwinkernd-witzige, sich in die kleinen Nöte und großen Freuden des Regentonnen-Wichts einfühlende Erzählton trägt zusätzlich zur gelungenen Vorlesegeborgenheit bei.

Und ich werde mich nun einmal nach einer Regentonne für meinen Garten umschauen …

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlags-Webseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Giesbert-in-der-Regentonne.html

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durchihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.«
http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
»Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.«

Und hier entlang zum 2. Band mit dem Regenrinnen-Wicht Giesbert:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/10/giesbert-hoert-das-gras-wachsen/

Löwen zählen

  • Tiere der Wildnis ganz nah
  • Illustrationen von Stephen Walton
  • Text: Katie Cotton
  • Mit einem Vorwort von Virginia McKenna
  • Originaltitel: „Counting Lions“
  • Aus dem Englischen von Brigitte Elbe
  • Verlag Freies Geistesleben  Februar 2016   http://www.geistesleben.com
  • Format: 28 x 34 cm
  • 32 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 19,90 € (D), 20,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7725-2790-6
  • ab 5 Jahren
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HIER  ZÄHLT  DAS  LEBEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Worte verblassen angesichts der stillen Schönheit dieser Bilder!

Stephen Walton ist ein Künstler, dem eigene und fremde Fotografien als Vorlage für seine Kohlezeichnungen dienen. Seine Tierzeichnungen sind sehr lebendig und geben die Texturen von Fell und Gefieder sowie die artspezifische Körpersprache wunderbar plastisch wieder. So echt und dreidimensional erscheinen die aufgeblätterten Tiere, daß man unwillkürlich versucht, sie zu streicheln.

Es werden keine dramatischen Szenen dargestellt, sondern ruhige, friedlich-aufmerksame Momentaufnahmen; gleichwohl haben sie eine starke Ausstrahlung ungezähmter, freier und würdevoller Wildheit.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

Ehrfurcht und Staunen wachsen von Seite zu Seite. Es gibt keine Handlung, sondern einfach nur kurze, meditativ-poetische Bildbeschreibungen. Faszination und Spannung entströmen der beinahe atmenden, körperlichen Nähe zu den abgebildeten Tieren.

Gezeigt werden ein Afrikanischer Löwe, zwei Berggorillas, drei Giraffen, vier Tiger, fünf Afrikanische Elefanten, sechs Äthiopische Wölfe, sieben Kaiserpinguine, acht Unechte Karettschildkröten, neun Gelbbrustaras und zehn Steppenzebras.

Bei der Betrachtung dieser Tiere geht es indes nur beiläufig ums Zählen, sondern recht eigentlich geht es darum, Mitgefühl zu wecken.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

 

Auf den letzten vier Seiten des Bilderbuches gibt es zoologische und ökologische Hintergrundinformationen zu den vorgestellten Tieren sowie deutliche Hinweise auf den jeweiligen Schutzstatus und die Bedrohung ihres Lebens und Lebensraumes durch den Menschen und weiterführende Links zu Naturschutzorganisationen. Das eindringliche Vorwort der Naturschützerin Virginia McKenna unterstreicht die Schutzbedürftigkeit der Wildtiere und die damit verbundene Verantwortung des Menschen.

Die eindrücklichste Qualität, die das vorliegende  Bilderbuch auszeichnet, liegt jedoch in der feinsinnlichen Bildersprache von Stephen Walton, der es mit ihrer intensiven Präsenz nachhaltig gelingt, große und kleine Betrachter zu respektvoller Naturverbundenheit zu animieren.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

Der Illustrator:

»Stephen Walton ist Betreuer und Fotograf im Bury Art Museum in Manchester. Seine künstlerische Ausdrucksform und seine Technik haben sich parallel zu seiner Liebe für die Fotografie herausgebildet. Er wurde als Wildlife Artist des Jahres 2013 ausgezeichnet.«

Die Autorin:

»Katie Cotton, die an der Universität Oxford Englisch studiert hat, war im Bildungsbereich tätig. Bevor sie anfing, Bilderbücher für Kinder zu schreiben und herauszugeben.«

 

Das Leben der Elfen

  • Roman
  • von Muriel Barbery
  • Originaltitel:»La vie des elfes«
  • Übersetzung aus dem Französischen
  • von Gabriela Zehnder
  • DTV Verlag  März 2016    http://www.dtv.de
  • gebunden mit Schutzumschlag und
  • LESEBÄNDCHEN
  • 304 Seiten
  • 22,90 € (D)  23,60 € (A)
  • ISBN 978-3-423-28074-7
    Das Leben der Elfen 9783423280747

E L F E N S A L A T

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Natürlich ist das ein Märchen, aber es ist auch die Wahrheit. Wer kann diese Dinge schon auseinanderhalten?“ (Seite 34)

Dieses Zitat – verführerisch und in großen Lettern auf die Buchrückseite gedruckt – hat mich sogleich geködert.

Mit diesem Roman liest man sich in eine Trance, die noch lange nachklingt. Das Instrument der Sprache ist hier ganz auf Kunst, Poesie, Musik und eine archaisch-magische Naturverbundenheit gestimmt, trotzdem hat die Lektüre nur einen geringen Sättigungswert.

Zunächst etwas zur Handlung der Geschichte: Zwei eigenwillig-elfenhafte Mädchen, Maria und Clara, kommen zur Welt. Sie wachsen getrennt voneinander als Findelkinder bei fremden Menschen auf, weil ihre geheimnisvollen Gaben und ihre innere Verbundenheit vor der Außenwelt vorläufig verborgen bleiben sollen.

Maria lebt auf einem Bauernhof im Burgund und wird von einer sehr liebevollen Pflegefamilie gehütet. Sie ist höchst naturverbunden, verfügt über heilende Kräfte und kann mit Tieren sprechen. Seit ihrer geheimnisvollen Ankunft im Dorf wachsen alle Pflanzen üppiger, und die zwischenmenschliche Harmonie sowie der kooperative Zusammenhalt der Dorfbewohner sind deutlich besser geworden.

Wunderbar beschreibt die Autorin Marias Ziehfamilie: Einfache Landmenschen mit einer elementaren Verbundenheit zur Erde, zu den Jahreszeiten, zum natürlichen Werden und Vergehen, erfüllt von demütiger Dankbarkeit und Tapferkeit und einer tiefen instinktiven Liebe für das magische Findelkind. Die Darstellungen der Familienmitglieder vermitteln faszinierende, sinnliche Portraits zutiefst archetypischer Männlichkeit und Weiblichkeit.

Clara, die höchstmusikalisch ist, lebt zunächst verborgen in einem Bergdorf in den Abruzzen und wird später für ihre musikalische Ausbildung und zu ihrem Schutz von ihren Elfenpaten nach Rom geholt.

In den ersten elf Jahren ihres Lebens gehen die beiden Mädchen ganz auf in ihren Talenten, lernen vieles rein intuitiv und verströmen geradezu ihre unerklärlich harmonisierende Kraft. Beide spüren jedoch, daß diese lebendige Harmonie in Gefahr ist und bedroht wird und daß sie durch die Bündelung ihrer Kräfte eine entscheidende Schlüsselrolle dabei spielen, welche Seite den Kampf gewinnt.

Der Informationsgehalt der Erzählung bleibt jedoch nebulös, rätselhaft, oft von einer ermüdenden Andeuteritis, die kaum zu entschlüsseln ist. Von Brücken zwischen den Welten ist die Rede, von Liebe und Haß, von Krieg und Frieden, von Kunst, Poesie und Musik, von musischen Harmonien und Symmetrien, von Bündnissen und Verrat, von Menschenelfen und Elfenmenschen. Auch Maria und Clara müssen sich mit Wissensbruchstücken und Traumvisionen zu Erkenntnissen, Bedeutungen und Zusammenhängen durcharbeiten, ja, zum Teil durchquälen.

Der Kampf, der hier tobt, bleibt ziemlich undurchschaubar. Wer ist der Feind? Ist es das moderne, mechanistische Weltbild, Technikgläubigkeit, kapitalistischer Profit-Autismus, Liebesferne oder trennendes Denken, das keine Ganzheitlichkeit mehr spürt??? Nie wird der Feind definiert.

Wenn es – wie die Autorin im Interview zum Buch formuliert – ihre Absicht war, der Entzauberung der Welt etwas entgegenzusetzen, so ist es ihr zwar gelungen, einen sehr dichten, märchenhaft-changierenden Text zu verfassen, aber eine wirkliche Antwort auf die Entzauberung und wer und was sie bewirkt, bleibt sie uns schuldig.

Die Elfen in diesem Roman sind mir im übrigen entschieden zu menschlich, trotz der feinsinnigen Idee, ihnen im Hintergrund ihrer körperlich-menschlichen Erscheinungsform tierische Mehr- und Wechselgestaltigkeiten mitschwingen zu lassen.

Verschwimmende Wirklichkeitsebenen, chronologische Sprünge und Rätsel, flimmernde Charaktere, lose Erzählfragmente und traumwandlerische Wahrnehmungen haben ihren poetischen Reiz, aber wenn die Puzzleteile kein sinnvolles Bild, ja, noch nicht einmal die Aussicht auf ein solches Bild ermöglichen, geht die Aussagekraft einer Erzählung verloren.

Die Autorin findet keinen Zauberspruch der Hoffnung, und das ist verschenktes Prosapotential; es bleibt eine unbefriedigende Leere und vage Unaussprechlichkeit, die für mich den Geschmack von Pseudotiefsinn hat.

Die stilistische Schönheit des Textes kann die schwächelnde Substanz und den Mangel an inhaltlicher Klarheit sowie das Fehlen eines beflügelnden Appells nicht aufwiegen. An perlenden Sätzen fehlt es gleichwohl nicht, wie die nachfolgenden Zitate zeigen:

»Die Mauern waren mit Geißblatt bedeckt, das sich in einer duftenden Kaskade bis auf die Pflastersteine ergoss, und die Fenster warfen ihre langen, durchscheinenden Gardinen in die Abenddämmerung.« (Seite 57)

»Kein Erwachsener hätte das Präludium so spielen können, denn Erwachsene sind nicht mehr fähig, zum Zauber dessen vorzudringen, was gleichzeitig jung und alt ist
(Seite 60)

»Marias Worte entsprangen dem jahrhundertealten Bewusstsein, dass die Welt älter ist als die Menschen und folglich nicht bis ins Letzte erklärt werden kann.« (Seite 89)

»Die Anmut mancher Frauen rührt von einer Art Echowirkung her, die sie einzigartig und zugleich vielgestaltig macht, als wären sie in sich selbst und zugleich in der langen weiblichen Ahnenreihe verkörpert.« (Seite 241)

Die Autorin:

»Muriel Barbery wurde 1969 in Casablanca geboren, studierte Philosophie in Frankreich, lebte einige Jahre in Kyoto und wohnt heute wieder in Frankreich. 2000 veröffentlichte sie ihr viel beachtetes Romandebüt  ›Die letzte Delikatesse‹. Ihr zweiter Roman, ›Die Eleganz des Igels‹, wurde zu einem großen literarischen Bestseller, in mehr als 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Der lang erwartete dritte Roman, ›Das Leben der Elfen‹, erschien 2015 in Frankreich.«

Hier gibt es ein Interview mit der Autorin zu ihrem Roman: http://www.dtv.de/special/muriel_barbery_das_leben_der_elfen/das_leben_der_elfen/interview/2408/
Und hier gibt es eine Leseprobe:
http://www.dtv.de/special/das_leben_der_elfen/leseprobe/2410/

Eine weitere stimmige Rezension findet sich bei LAPISMONT:
https://lapismont.wordpress.com/2016/05/24/elfen-helfen-tueren-oeffnen/#comments

Querverweis:

Wer ein gelungenes Buch über die wechselseitige Befruchtung von Natur, Poesie und Leben lesen möchte, ist mit dem philosophisch-biologischen Sachbuch „Alles fühlt“ von Andreas Weber wesentlich besser bedient. Hier folgt der Link zu meiner Besprechung:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/

Abenteuer mit Ungeheuer

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus   August 2015     http://www.urachhaus.com
  • 144 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 19,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7937-3
  • ab 5 Jahren
    Abenteuer mit Ungeheuer

M U T E R T Ü C H T I G  U N G

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers erstes Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“ ist eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.

Piff, das Eichhörnchen, klopft aufgeregt an die Eingangstür zur Wurzelbehausung des Wichtels Tock und berichtet atemlos von einem schrecklichen Ungeheuer, das in der vergangenen Nacht rücksichtslos seine Eichelvorräte geklaut habe. Der weise Wichtel lädt Piff und den mitaufgeschreckten Maulwurf Eduard erst einmal zum ausgiebigen Frühstück ein, um in Ruhe die Einzelheiten aus dem Bericht des Eichhörnchens zu sortieren.

Tocks Haustür

Illustration von Daniela Drescher ©

Danach besichtigen die drei den „Tatort“, und sie müssen erkennen, daß wahrlich ein großes Wesen seine Wühlspuren hinterlassen hat. Tapfer fassen die kleinen Freunde den Entschluß, das diebische Ungeheuer zu verfolgen.

Waldweg am Tage

Illustration von Daniela Drescher ©

Das flinke Eichhörnchen hüpft die erste Wegstrecke locker zweimal ab, während sich Tock und Eduard mit ihren kurzen Beinchen über Stock und Stein und Kraut abmühen müssen. Ungeduldig treibt Piff die Freunde zur Eile an; aber schließlich wird auch er müde, und gemeinsam verbringen sie die erste Nacht im Walde.

Nachtwald

Illustration von Daniela Drescher ©

Die Verfolgung des Ungeheuers dauert länger, als sie sich zunächst gedacht haben. Nebenbei müssen sie sich noch mit Waldzauseln herumärgern, die das Prädikat „kleine Ungeheuer“ durchaus verdient hätten.

Waldzausel

Illustration von Daniela Drescher ©

(Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Unterwegs treffen sie einen Dachs und ein Kaninchen, die beide ebenfalls von den ungeheuerlichen Spuren eines fremden Lebewesens erzählen, das offenbar auf dem Weg zum dunklen Weiher sei. Nun sinkt den Freunden der Mut, denn der Weiher des alten Wassermann-Königs gilt als sehr gefährlich, und kaum jemand hat es bisher gewagt, sich ihm zu nähern.

Während eines schrecklichen Gewitters finden sie Unterschlupf bei einem freundlichen Kräuterweiblein, der Waldgundel. Diese bewirtet sie köstlich und warmherzig und amüsiert sich still über die ganze Ungeheueraufregung und meint seelenruhig, es gebe kein Ungeheuer. Näher erläutert sie ihr geheimnisvolles Wissen zwar nicht, aber sie versorgt die drei kleinen Freunde großzügig mit Proviant und gibt ihnen ein verschnürtes Päckchen mit, das sie öffnen sollen, wenn sie es brauchen.

Waldgundelstube

Illustration von Daniela Drescher ©

Von einem Uhu bekommen sie die Information, daß das Ungeheuer sich ungehobelt im Schlamm gewälzt habe und inzwischen schon am dunklen Weiher angekommen sein müßte. Doch als sie schließlich den einsamen Weiher inmitten einer lieblichen Waldlichtung erreichen, sind sie überrascht, wie schön und friedlich und gar nicht dunkel es dort ist.

Piff ist sogleich wieder übermütig, fällt bei der Suche nach dem Ungeheuer ins Wasser und muß von seinen Freunden gerettet werden. Doch – oh Schreck! – da bittet noch jemand um Hilfe – und das ist das Ungeheuer, das im Uferschlamm feststeckt und eigentlich sogar sehr höflich – wenn auch etwas seltsam – spricht.

Piff ist mißtrauisch, Eduard hilfsbereit, und Tock packt flink und geistesgegenwärtig das Geschenk der Waldgundel aus: Eine kleine Flöte. Tock bläst in die Flöte, eine wunderschöne Melodie erklingt, und mit ihr taucht der Wassermann-König nebst Nixengefolge aus der Tiefe des Weihers auf. Der Wassermann-König schaut zunächst streng umher, wer ihn da in seiner Ruhe zu stören wage, aber er ist dennoch recht umgänglich. Die Besucher müssen sich der Reihe nach vorstellen und ihre Geschichte erzählen.

Das Ungeheuer nennt sich Lionel Wildschwein und kommt von weither … So erfahren die kleinen Helden, daß ihr Ungeheuer keinerlei feindliche oder böse Absichten hat, sondern einfach nur fremd in ihrem Wald ist und nicht wußte, daß es die Eichelvorräte von Piff gefressen hatte. Schließlich bieten sie dem einsamen Lionel aufrichtig ihre Freundschaft an und kehren gemeinsam zum Ausgangspunkt zurück, bereichert um die Erkenntnis, daß die meisten Ungeheuer nur in Gedanken und Vorstellungen ihr Unwesen treiben.

Wildschweinritt

Illustration von Daniela Drescher ©

Der feinsinnige Erzählton sowie die harmonisch begleitenden, atmosphärschen Bilder von Daniela Drescher offenbaren märchenhafte Vielschichtigkeit, eine detailliert-kenntnisreiche Liebe zur Natur und eine überaus warmherzige  Mitgeschöpflichkeit.

Zahlreiche einheimische, namentlich erwähnte sowie zeichnerisch dargestellte Pflanzen und Kräuter geben dem waldigen Abenteuer sinnliche Würze.

Akelei

Illustration von Daniela Drescher ©

Abenteuer mit Ungeheuer“ ist ein ideales Vorlesebuch, geschrieben und gemalt von einer Künstlerin, die weiß, wie eine Vorlesegeschichte für Kinder sinnvoll strukturiert sowie handlungs- und dialogdramaturgisch lebhaft inszeniert werden sollte.

Dazu gehört die gelungene Beziehungsdynamik zwischen dem sowohl innerlich wie äußerlich sprunghaften und wichtigtuerischen Eichhörnchen Piff, dem behäbig-verträumten, diplomatischen Maulwurf Eduard und dem besonnenen, fürsorglichen und tapferen Wichtel Tock. Auch die rituellen Wiederholungen, wie z.B. das allabendliche Pfeifchenpaffen von Tock, das in seiner Rauchwölkchenbildung die jeweiligen Tagesgeschehnisse reflektiert, sind für den Vorleserhythmus geradezu maßgeschneidert.

Sehr ansprechend sind zudem die gelegentlichen metafiktiven, ja, philosophischen Abzweigungen des Erzählverlaufs, in denen die Autorin aus dem Buch heraus ins wirkliche Leben greift, so wie in den nachfolgenden Zitaten:

„Er sah, dass es Tock sehr ernst damit war, und niemand, nicht einmal Piff, wagte es, dem Wichtelmann zu widersprechen. So wie man dem Weihnachtsmann nicht widerspricht, oder dem ersten Schnee, dem Frühlingssturm oder dem Duft der Pfefferminze.“
(Seite 21)

Eduards Seele war berührt vom Zauber des Wachsens. Denn wenn die Seele größer wird, wird man immer auch ein wenig traurig … Weißt du, was ich meine? Etwa so, wie sich das Wachsen deiner Knochen mit einem leisen Ziehen bemerkbar macht.“
(Seite 139)

 

Die Autorin & Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen weltweit bekannt, von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause. Neben ihren eigenen Bilderbüchern ha sie mehrere Klassiker der Weltliteratur illustriert und gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Abenteuer mit Ungeheuer ist ihr erstes erzählendes Kinderbuch, das sie selbst geschrieben und illustriert hat.«
Mehr Informationen auf ihrer Webseite: http://www.danieladrescher.de

Querverweise:

Hier folgen die Links zu drei weiteren sehens- und lesenswerten Kinderbüchern mit Illustrationen von Daniela Drescher:

Die Wichtelreise  (Denys Watkins-Pitchford)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/22/die-wichtelreise/

Ein Sommernachtstraum (William Shakespeare)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/09/ein-sommernachtstraum/

Die kleine Elfe feiert Weihnachten (Text und Illustration von Daniela Drescher)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/18/die-kleine-elfe-feiert-weihnachten/