Ramas Flucht

  • Bilderbuch
  • Bilder von Nizar Ali Badr
  • Text von Margriet Ruurs
  • Arabischer Text von Falah Raheem
  • Originaltitel »Stepping Stones. A Refugee Family’s Journey«
  • Aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günter
  • Deutsch-arabische Ausgabe
  • Gerstenberg Verlag  Januar 2017    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 18,5 x 24 cm
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • ISBN 978-3-8369-5973-5
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ab 4 Jahren

DIE  STIMMEN  DER  STEINE

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

„Ramas Flucht“ ist ein Bilderbuch, das Steine sprechen läßt, den Horizont weitet, das Herz öffnet.

Der syrische Bildhauer Nizar Ali Badr hat für die Geschichte von Ramas Flucht Steincollagen gelegt, deren tiefe, elementare  Ausdruckskraft überrascht und beein-druckt. Seine Bildkompositionen aus einfachen Kieselsteinen sind erstaunlich beredt.
Die menschlichen Figuren strahlen durch ihre steinerne Körpersprache sehr differenziert bewegte und bewegende Gefühle aus, und an manchen Stellen bringt Nizar Ali Badr sogar Steine zum Blühen.

Rama erzählt vom glücklichen Lebensalltag ihrer Familie, der Vater arbeitet auf dem Feld, der Großvater geht fischen und erzählt abends unter dem häuslichen Orangenbaum von den Ahnen, die Mutter näht und kocht, die Kinder spielen fröhlich miteinander, man kauft auf dem Markt ein, und man trinkt gelegentlich Tee mit den Nachbarn und plaudert.

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Dann kommt der Krieg, Bomben fallen, Lebensmittel werden knapp, die ersten Nachbarn verlassen das Dorf, die Abschiede und Verluste häufen sich, die Angst wächst, und schließlich flieht auch Ramas Familie vor Gewalt und Unfreiheit.

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Die Mühsalen, Gefahren und Schmerzen der Flucht zu Land und zu Meer werden beschrieben, aber auch die Hoffnung auf ein anderes Leben an einem Ort, an dem Frieden herrscht. Ramas Familie findet ein neues Zuhause und Menschen, die ihnen helfen …

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Die Autorin Margriet Ruurs hat für Ramas Geschichte einen feinen, leise-eindringlichen, poetischen und zugleich präzisen Tonfall gefunden, der wunderbar mit der empfindsamen Kraft der Steinbilder harmoniert. Der Text erscheint zudem zweisprachig auf Deutsch und Arabisch.

Dieses außergewöhnliche Bilderbuch wird dem Anspruch gerecht, den es mit dem vorangestellten Zitat von Albert Einstein erhebt:

„Frieden kann nicht durch Gewalt erhalten werden.
Er kann nur durch Verständnis erreicht werden.“

„Ramas Flucht“ eignet sich hervorragend, um Kindern das Thema Flucht begreifbar und verständlich zu machen. Die Stein-Collagen sind anrührend und ergreifend, aber nicht abschreckend wie beispielsweise Nachrichtenfotos. Außerdem ist diese Art der Bildgestaltung auch eine kreative Anregung für den Kunstunterricht und/oder für therapeutische Ausdrucksformen – insbesondere für Kinder, die selbst Fluchterfahrungen hinter sich haben.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959735&highlight=ramas+flucht

 

PS:
Die außergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Nizar Ali Badr und Margriet Ruurs ist ein schönes Beispiel für die Überwindung von Grenzen. Margriet Ruurs entdeckte die kunstvollen Steinbilder Nizar Ali Badrs im Internet und wollte eine Geschichte dazu schreiben. Sie bemühte sich geduldig um Kontakt. Nach einigen Umwegen und vermittels eines englischsprachigen Freundes des syrischen Künstlers konnte dieses Buchprojekt schließlich verwirklicht werden.

PPS:
Auf Karins Sternschnuppen-Blog finden sich drei kurze, sehenswerte YouTube-Filme über die Arbeiten von Nizar Ali Badr:
https://11sternschnuppe11.wordpress.com/2017/07/25/pictures-of-the-east/

PPPS:
Gerne reihe ich auch diese Bilderbuchbesprechung in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein:
https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Der Illustrator:

»Nizar Ali Badr, geboren 1964 in Latakia, Syrien, lebt auch heute noch in der syrischen Hafenstadt. Er ist Künstler und Bildhauer. Badr sammelt Steine in der näheren Umgebung, aus denen er im Atelier auf dem Dach seines Hauses eindrucksvolle Kunstwerke schafft.«

Die Autorin:

»Margriet Ruurs, geboren 1952 in den Niederlanden, lebt schon lange in Kanada. Sie schreibt Gedichte, Bilder-, Sach- und Schulbücher. Heute wohnt sie auf Saltspring Island, einer kleinen Insel im Pazifik, wo sie ein Bed & Breakfast für Buchliebhaber betreibt.«

 

 

Advertisements

Vor den 7 Bergen

  • Davon, wie Schneewittchens Enkel in die Berge wollen und alles schiefgeht
  • Bilderbuch
  • Illustrationen von Mareike Engelke
  • Text von Annette Feldmann
  • KUNSTANSTIFTER Verlag  März 2017       https://kunstanstifter.de/
  • Format: 30 x 22 cm
  • 36 Seiten
  • gebunden, mit Fadenheftung
  • 22 € (D), 22,70 € (A), 26 sFr.
  • ISBN 978-3-942795-48-7
  • ab vier Jahren

KINDERSEGEN,  BERGSEHNSUCHT  &  APFELKUCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine alleinerziehende Mutter mit sieben Kindern und einem kleinen Hund – das kann turbulent werden. Zunächst wird auf einer Doppelseite jedes Kind mit einem kleinen Steckbrief charakterisiert, und dann beginnt die Geschichte.

Es ist Winter, und statt Schnee gibt es Regen, Regen, Regen. Die Kinder beschließen, ihre Oma, die hinter den sieben Bergen wohnt, zu besuchen – denn „im Gebirge liegt immer Schnee“. Sie rufen ihre Oma an, und diese ist begeistert und backt schon mal einen Apfelkuchen.

Mama kommt von der Arbeit an ihrem Marktstand für Äpfel nach Hause und wird von den Kindern sogleich mit der freudigen Aussicht begrüßt, daß sie bald zur Großmutter in die Berge führen. Mama findet die Idee ebenfalls gut. Alle sind voller Vorfreude, doch dann bekommen die Zwillinge Windpocken, und ein Geschwisterkind nach dem anderen steckt sich an. Der Ausflug in die Berge muß auf den Herbst verschoben werden.

Den Sommer versüßen sich Mama und die Kinder mit Eis vom attraktiven, freundlich-zugewandten Eisverkäufer Bo. Der reparierfreudige, kleine Hanno begutachtet vorsorglich schon die familiären Skier- und Schlittenbestände.

„© Mareike Engelke & Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag“

Endlich ist der Herbst da, aber Mama kann sich keinen Urlaub nehmen, da die Apfelernte so übermäßig reich ausgefallen ist, daß Mama den Marktstand nicht schließen kann. Die Kinder sind schwer enttäuscht. Die Mama verkauft Äpfel über Äpfel, der Eiskäufer Bo besucht sie am Marktstand und bekommt sogar einen Apfel geschenkt.

„© Mareike Engelke & Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag“

Endlich ist wieder Winter, eifrig packen sieben Kinder, eine Mama und ein kleiner Hund ALLES ein, was unbedingt mit auf die Reise zur Oma muß – inklusive siebzehn Bilderbücher, zwölf Kuscheltiere, fünf Kilogramm Äpfel, sechzehn warme Stiefel und sieben Geschenke für die Oma.

Kaum sind sie mit dem vollgepackten Kombi losgefahren, da macht es PENG, und ein Motorschaden zwingt zum unfreiwilligen Parken mitten auf der Kreuzung. Zum Glück kommt Bo zufällig vorbei  und bietet großzügig an, sie mit seinem Eiswagen über die sieben Berge zu ziehen. Ein passendes Abschleppseil ist auch schnell zur Hand, und schon geht die serpentinenreiche Fahrt los.

Nach den üblichen Fragen („Ist es noch weit?“ und „Sind wir bald da?“) sowie dem allseits bekannten, universellen Kindergequengel auf langen Reisen kommen alle wohlbehalten in den Bergen an.

Oma hat schon Apfelkuchen gebacken und den Kamin befeuert und empfängt alle Gäste mit einer herzenswarmen Umarmung…

Die Illustrationen von Mareike Engelke wirken wie Kinderzeichnungen. Dies erzeugt für kindliche Betrachter eine ganz unmittelbare, suggestive Nähe zur kindlichen Perspektive. Die Bildkomposition ist gleichwohl gekonnt, zudem unkonventionell und verspielt und bietet diverse witzige Details. Die farbig gestalteten handschriftlichen Textanteile mit ihren variablen Schriftgrößen untermalen ausdrucksvoll die eigenwillige Bilddramaturgie und bereichern den in einheitlich schwarzer Typographie gedruckten Fließtext um zusätzliche Gefühlsnoten.

Der Text von Annette Feldmann ist in einer freundlich-unverblümten Sprache geschrieben und erfreut mit kinderleichten Dialogen, die eindeutige Gefühlsansagen vermitteln.

In dieser Geschichte bewegen sich Schneewittchens Enkel in einer bodenständigen Alltagswelt, in der die einzige Zaubermacht zwischenmenschliche Nähe und Geborgenheit ist. Doch wie wir hoffentlich alle wissen und erfahren haben, ist dies ein Zauber, der sehr lange wirkt …

Und es spricht absolut nichts dagegen, daß der Märchenprinz Eisverkäufer ist.

Sehr ansprechend sind auch die Vorsatzblätter gestaltet, auf denen sich bekannte und unbekannte Apfelsortennamen tummeln: Aprilschöner, Dickapfel, Hausmütterchen, Milchapfel, Schafsnase, Schlotterapfel, Seidenhemdchen, Weißer Eisapfel – da weiß man gar nicht, wo man zuerst reinbeißen soll, und es ist eine schöne Anregung, sich mit den eigenen Kindern auf die Suche nach diesen Apfelsorten zu machen und sie zu kosten.

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://kunstanstifter.de/buecher/vor-den-7-bergen

PS:
Als kleine Randbemerkung möchte ich gerne noch erwähnen, daß der unabhängige KUNSTANSTIFTER Verlag alle Bücher mit mineralölfreien Farben in Deutschland drucken läßt und die Kurt-Wolff-Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene unterstützt.

 

Die Illustratorin:

»Mareike Engelke wurde 1979 am Niederrhein geboren. Sie studierte Kommunikations-design in Essen und Krefeld und machte ein Bilderbuch-Diplom. Sie arbeitet als freie Illustratorin für Magazine und Verlage und zeichnet in ihrem Duisburger Atelierhaus mit Blick auf einen großen blauen Kran. Ansonsten geht sie gerne auf Unsinnsuche und schätzt sich glücklich, eine Gärtnerenkelin, Katzenmutter und Lieblingstante zu sein. Sie lebt mit ihrem Mann in Duisburg.«      http://www.mareikeengelke.de

Die Autorin:

»Annette Feldmann, geboren 1975 am Niederrhein, studierte Kanadistik und Vergleichende Literaturwissenschaften in Augsburg und Vancouver. Sie arbeitete zunächst bei der Rheinischen Post und seit 2008 als freie Journalistin und Autorin sowie als Texterin in einer Werbeagentur. 2014 wurde sie mit dem dritten Platz beim Moerser Literaturpreis ausgezeichnet. Ihr erstes Jugendbuch „Nichts sagen“ (Divan Verlag, 2015) wurde für den Goldenen Pick nominiert. Annette Feldmann lebt mit ihrem Mann in Kempen.«   http://www.netttext.de

Die wilde Meute

  • von Ilse Bos
  • Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
  • Originaltitel: »Troep«
  • Mit Illustrationen von Linde Faas
  • Verlag Urachhaus  August 2016    http://www.urachhaus.com
  • gebunden, Fadenheftung
  • 303 Seiten
  • 17,90 € (D), 18,40 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-7924-4
  • zum Vorlesen ab 7 Jahren
  • zum Selbsterlesen ab 10 Jahren
    die-wilde-meute-titelbild

K I N D E R K O M P E T E N Z

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dreizehn Kinder, die ohne alltägliche elterliche Aufsicht auf einem am Ufer einer verwilderten Landzungenspitze verankerten Schiff hausen – das kann ja heiter werden und gefährlich. Wenn das das Jugendamt wüßte …

Doch das Jugendamt, personifiziert von der weichgerundeten Frau Weiblen, die tränenreich nahe am Wasser gebaut ist und großzügig ihr sozialpädagogisches Vorschußmitleid verteilt, hat zum Glück noch nicht herausgefunden, wie unbeaufsichtigt das Leben der Kinder wirklich ist.

Wie konnte es so weit kommen? Die zwölfjährige Pola erzählt folgende Familiengeschichte: Tineke, Polas Mutter, führte vor Polas Geburt ein reiselustiges Leben. Sie nähte und strickte Kleidung für Zirkusartisten und Schiffsbesatzungen. Auf einer Schiffsfahrt nach Reykjavik verliebte sie sich in den Maschinisten Willem Vanderwerff, und die beiden kamen sich sehr, sehr nahe. Doch ein Mißverständnis führte dazu, daß sich ihre Wege – beiderseits ungewollt – trennten.

Wenig später bemerkte Tineke, daß sie ein Kind erwartete. Sie suchte vergeblich nach Willem und kehrte zur Geburt des Kindes zur Blauschute zurück, dem Schiff ihres Vaters. Kurz nach Polas Geburt setzte Tineke ihre reisende Berufstätigkeit in Begleitung ihrer kleinen Tochter fort und suchte in vielen verschiedenen Ländern nach dem Verbleib ihrer großen Liebe Willem. Unterwegs in Kiew nahm sie Wladimir, ein verwaistes Straßenkind, mit einer ausgeprägten Begabung für Technik und Mechanik, in ihre Obhut. So bekam Pola ihren ersten Bruder.

Als Pola und Wladimir das schulpflichtige Alter erreichten, wurden sie in Amsterdam auf der Blauschute seßhaft, während ihre Mutter weiterhin weltweit arbeitete, reiste und nach Polas Vater suchte. Nach und nach strandeten noch einige sogenannte heimische Problemkinder auf der Blauschute und wurden von Tineke als offizielle Pflegekinder angenommen.

Einmal brachte sie auch eine erneute Schwangerschaft mit – als Reiseandenken eines Flirts mit einem surinamesischen Fischer. So ergänzen inzwischen die Zwillinge Flip und Tutti mit ihren Rastazöpfchen und ihrer eigenen Zwillingssprache den bunten Kinderreigen.

troep_03-1

Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Nun ist Pola zwölf Jahre alt, und das Zusammenleben der Kinder funktioniert ziemlich gut, die Zähne werden geputzt, die Wäsche wird wöchentlich gewaschen, es wird regelmäßig gegessen, die Schule wird (meist) pünktlich besucht, jedes Kind kann irgendetwas besonders gut und bringt seine Fähigkeit in die Gemeinschaft ein.

Der schweigsame Knut kocht täglich einfache, leckere Gerichte, Wolke kann mit Tieren sprechen, Asala ist sehr musikalisch und singt gerne, Jan kann gut stricken, häkeln, nähen und heulen. Pola ist die Älteste und somit die Bestimmerin (auch wenn sie mal nicht weiterweiß) …  Wenn es ernste Probleme gibt, wird der Geschwisterrat einberufen, und es werden Lösungsstrategien ausdiskutiert und gefunden.

Die ungezwungenen, kinderselbstbestimmten häuslichen Verhältnisse tragen in dieser abenteuerlich-unkonventionellen Familiengeschichte dazu bei, daß sich die Einzigartigkeit der Kinder ausdrücklich entfaltet, daß sie von- und miteinander lernen und ihr Zusammenleben kooperativ gestalten: Eine Miniaturdemokratie mit Toleranz, konstruktiver Streitkultur und viel Improvisationstalent.

poster_troep

Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Die reisende Mutter schickt regelmäßig Bargeld und ruft jeden Samstagnachmittag um Punkt fünf Uhr an. Sie kommt nur noch alle drei Monate nach Hause und kümmert sich dann um die Angelegenheiten, die die Kinder nicht alleine regeln können. Allerdings war sie schon seit zwei Jahren nicht mehr beim Elternsprechtag, und dies ruft Frau Weiblen vom Jugendamt auf den Plan.

Frau Weiblen gibt Pola eine schriftliche Einladung für ihre Mutter mit; sollte die Mutter nicht beim Elternsprechtag erscheinen, drohe ein Hausbesuch des Jugendamts. Während der Geschwisterrat um eine Lösung ringt (die Mutter ist zu weit fort, um kurzfristig zu kommen), bietet sich den Kindern zufällig ein hilfsbereiter Nachbar, ein arbeitsloser Schauspieler, als Vaterfigur an. Maarten ist arbeitslos, weil er sich mit seiner Rolle immer so sehr identifiziert, daß er aus dem Rollencharakter nicht mehr herausfindet. Das ist in diesem Falle durchaus von Vorteil und nimmt Frau Weiblen erst einmal den Wind aus den sozialpädagogisch geblähten Segeln …

Es gibt aber noch andere Sorgen. In der Stadt entstehen plötzlich unerklärliche Löcher, die angeblich mit dem Bau der neuen U-Bahn-Linie in Zusammenhang stehen. Maartens Zwillingsbruder ist der Chef der U-Bahn-Tunnel-Baufirma, aber er ist verschwunden.

Außerdem müssen die Kinder einen neuen Anlegeplatz für die Blauschute ausfindig machen, da die städtische Bebauung bald das verwilderte Restrefugium „zivilisieren“ wird.

troep_19-3

Illustration von Linde Faas © Verlag Urachaus 2016

Maarten hilft den Kindern, und die Kinder helfen Maarten. Und so beginnen zwei Expeditionen: Die eine, angeführt von Maarten, führt in die unterirdischen Gefilde der Stadt, um Maartens Bruder zu suchen. Die andere, angeführt von der belesenen Antonia, macht sich mit dem motorisierten Beiboot der Blauschute auf die Suche nach einem alternativen Liegeplatz.

Weitere überraschende Unterstützung kommt von den „Unbezweckten“, einer phantastischen, kollektiven Lebensform, die ihre Gestalt wechseln kann und auf zweckfreien Lebensraum angewiesen ist …

troep_19-1

Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016


Ernsthafte Gefahren müssen überstanden werden, Traum und Wirklichkeit verschwimmen ein bißchen, Rätsel lösen sich, lose Fäden werden sinnvoll verknüpft, familiäre Zusammenhänge klären sich… Alle Gesuchten werden glücklich wiedergefunden, ja, sogar Polas Vater taucht auf, und schließlich kehrt auch Polas Mutter zurück, und der künftigen Bilderbuchfamilie steht nun nichts mehr im Wege …

Sosehr die Kinder ihre wilde Freiheit und ihre weitgehende Selbständigkeit auch genießen, so sehnen sie sich doch nach beständiger, liebevoller, elterlicher Präsenz und Geborgenheit. Die Wahlgeschwister sind gewitzt, tapfer und lebenspragmatisch, aber auch verletzlich und oft genug überfordert. Es gibt Lebenslagen, da sollten Kinder unbedingt getragen und begleitet werden. Als Maarten in die Vaterrolle schlüpft, sonnen sich alle Kinder gerne an der väterlichen Herzenswärme und Tatkraft, die er ihnen bietet.

troep_10-1

Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Die Geschichte der wilden Meute wird von Ilse Bos auf eine Weise erzählt, die die charakteristischen Eigenheiten und sprachlichen Spezialitäten aller Kinder ausdrücklich und lebhaft zu Wort kommen läßt. Der Autorin gelingt es mit spielerischer Leichtigkeit, die Charaktere und Stimmungen aus der Innenperspektive anschaulich zu machen.

Die spannende und komplexe Dramaturgie wird begleitet von heiterer Situationskomik, feinem kindlichen Wortwitz (besonders gelungen bei der Sprache der Zwillinge und dem Akzent von Wladimir) und der einfühlsamen Darstellung der geschwisterlichen Beziehungen, die nicht immer harmonisch sind, jedoch auf der Basis grundsätzlicher Solidarität und Fürsorge stehen.

Die zahlreichen Figuren und ihre verborgenen sowie offensichtlichen Beziehungen zueinander erfordern indes ein beträchtliches Maß an Lesekonzentration und Aufmerksamkeit. Angesichts des umfangreichen Personenreigens ist es nützlich, daß sich im Anschluß an die Geschichte ein Personenregister der dreizehn Geschwister mit Kurzsteckbriefen zum Nachschlagen befindet.

Die zarten, textdetailgetreuen warmherzigen Zeichnungen von Linde Faas spiegeln die Charaktere, Szenerien und das emotionale Klima subtil und farbenfroh sowie situationsweise lebhaft-dynamisch oder still-versunken wider.

„Die wilde Meute“ handelt von einer Art Pippi-Langstrumpf-WG, in der die Grenze zwischen ‚Kindern etwas zuzutrauen′ und ‚Kindern etwas zuzumuten′ fließend ist. Es wird ausgelotet, wie weit kindliche Selbstbestimmung und Selbstversorgung funktionieren, und wie wünschenswert – bei aller Liebe zur Freiheit – zuverlässige, liebevolle und ANWESENDE erwachsene Bezugspersonen sind.

Kindererziehung ist gleichwohl immer ein Abenteuer – ob in der Fiktion oder in der Wirklichkeit. Die im vorliegenden Kinderbuch vorgestellten Spielarten der Kinderkompetenz könnten überbehütete Kinder zu mehr Freiraum und Selbständigkeit ermutigen. Doch dies möchte ich nicht als Warnhinweis verstanden wissen, sondern als ausdrückliche Empfehlung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825179274/die-wilde-meute

 

Die Autorin:

»Ilse Bos, geboren 1966, hat Sprachen und Journalismus studiert. Nach einigen Jahren des Unterrichtens hat sie sich stärker auf das Dasein als Journalistin konzentriert und irgendwann begonnen, Geschichten zu schreiben. Ilse Bos lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Amsterdam. Die wilde Meute ist ihr Debüt.«

Die Illustratorin:

»Linde Faas wurde 1985 in Zeist in den Niederlanden geboren. Nach ihrem Studium an der Kunstakademie in Breda begann sie, sich als Illustratorin einen Namen zu machen. Für den Verlag Urachhaus hat sie u.a. drei Bücher des niederländischen Autors Paul Biegel illustriert – darunter Die Prinzessin mit den roten Haaren, für das sei im Jahr 2015 mit dem begehrten »Penzberger Urmel« ausgezeichnet wurde.«

Hier entlang zu: „Die Prinzessin mit dem roten Haaren“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/11/20/die-prinzessin-mit-den-roten-haaren/

Was wir uns wünschen

  • von Ulf Stark
  • Originaltitel: »En liten bok om kärlek«
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Mit Schwarz-weiß-Illustrationen von Lina Bodén
  • Verlag Urachhaus     August 2016   www.urachhaus.com
  • gebunden
  • 112 Seiten
  • 12,90 € (D), 13,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-7984-7
  • ab 7 Jahren
    was-wir-uns-wuenschen-titelbild

MIT  GEFÜHL

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Was wir uns wünschen“ ist eine warmherzige Weihnachtsgeschichte, die in der Vergangenheit spielt und gleichwohl die Zeitlosigkeit elementarer zwischenmenschlicher Bedürfnisse zeigt.

Eine Kindheit im Krieg ist kein Zuckerschlecken; davon kann der Junge Fred ein Lied singen. Alle Lebensmittel sind rationiert, und zum alltäglichen Mangel kommt ein besonders kalter Winter belastend hinzu. Seine Mutter, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hat, arbeitet als Straßenbahnschaffnerin, und Fred hilft nachmittags einem freundlichen Nachbarn als Ausrufer und Lieferant beim Weihnachtsbaummarktstand aus.

So kann er auch etwas zum Haushalt beitragen. Fred darf zusätzlich zu seiner kleinen Umsatzbeteiligung alle Holz- und Zweigreste mitnehmen, mit denen später der häusliche Kachelofen befeuert wird.

Fred vermißt seinen Vater, der als Soldat an der Grenze zu Finnland dient, und er ärgert sich über den Politiker mit dem kleinen schwarzen Schnurrbart, der diesen Krieg angefangen hat.

was-wir-uns-wuenschen-kleiderkammer

Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Wenn Fred wichtige Lebensfragen hat, setzt er sich in die Kleiderkammer unter den Sonntagsanzug seines Vaters und holt sich väterlichen Rat, indem er das Rauschen der Lüftungsklappe in echte Antworten uminterpretiert. Manche Dinge muß man eben von zu Mann zu Mann besprechen.

Fred ist sehr gut in Mathematik und heimlich verliebt in seine Klassenkameradin Elsa. Bei der nächsten Klassenarbeit versucht er, Elsa die Lösung für eine Rechenaufgabe, mit der sie offensichtlich nicht klar kommt, zuzustecken. Dabei wird er erwischt, und seine Absicht, sich bei Elsa beliebt zu machen, wird pompös und peinlich verfehlt.

was-wir-uns-wuenschen-klassenzimmer

Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Nach der Schule arbeitet er wieder am Weihnachtsbaumstand und bedient eine elegante, offensichtlich wohlhabende Dame. Fred trägt ihr den Weihnachtsbaum nach Hause, und sie gibt ihm ein sehr üppiges Trinkgeld. Seufzend äußert sie ihren Wunsch nach Frieden, und Fred (dessen Name Frieden bedeutet) stimmt ihr zu. Daraufhin schenkt sie ihm noch eine Tafel Schokolade und ein kristallenes Parfümfläschchen, in dem noch ein kleiner Rest von Parfüm ist. Fred hält die Dame für eine gute Fee, denn immer, wenn er ein Tröpfchen von ihrem Parfüm verreibt, fühlt er sich froh und zuversichtlich.

Fred beratschlagt sich in seinen imaginativen Gesprächen mit seinem Vater, wie er das Mogelzettelproblem lösen und Elsas Herz erreichen könne. Liebe sei nichts für Feiglinge, meint sein Vater.

Fred besteht in den folgenden Tagen eine Mutprobe ganz anderer Art als geplant. Geplant ist ein offenes Wort an Elsa; das führt jedoch, durch Freds schüchterne Wortverlegenheit, nur zu weiteren Mißverständnissen. Ungeplant und ganz spontan öffnen Fred und sein bester Kumpel Oskar heimlich die Schulvitrine mit den naturwissenschaftlichen Schauobjekten und bekleben das dortige Skelett mit einem Hitlerbärtchen aus schwarzem Isolierband.

Am nächsten Schultag gibt es auf der Suche nach den „Tätern“ ein dickes Donnerwetter vom Schuldirektor. Fred und Oskar beweisen Zivilcourage und gestehen ihren Streich. Sie bekommen eine Verwarnung und eine Fünf in Betragen. Bei der Verwarnung, die von der Klassenlehrerin für die Eltern verfaßt wird, beweist diese wiederum viel Zivilcourage durch die unkonventionelle Formulierung, die ein ausdrückliches Lob für den Schülerstreich enthält.  Dementsprechend positiv reagiert Freds Mutter, die zudem mein, daß Freds Vater stolz auf seinen Sohn wäre, wenn er von seiner „Heldentat“ erführe.

was-wir-uns-wuenschen-kueche

Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Von seinem Vater weiß Fred, daß man für die Liebe manchmal ein Opfer bringen müsse. Also packt er seine Trinkgeld-Schokolade in ein herausgerissenes Blatt aus einem alten Popeye-Comic und schreibt ein Liebesbriefchen dazu. Beide Gaben schmuggelt er am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in Elsas Schreibpult.

was-wir-uns-wuenschen-elsa-fred-und-tannenbaum

Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Obwohl sein Brief ein wenig holperig und ungeschickt ist, kommt er entschieden positiv bei Elsa an. Sie wartet auf dem Schulhof auf Fred und begleitet ihn zum Weihnachts-baummarktstand, wo er noch einen versprochenen Restweihnachtsbaum abholen darf. Gemeinsam tragen sie den Baum zu Freds Wohnhaus. Dort umarmt Elsa Fred und schenkt ihm einen blauen Taschenspiegel mit der Bemerkung: „Wenn du da reinguckst, siehst du einen, den ich gern hab.“ (Seite 89)

Nun, diese Herzensangelegenheit ist schon mal gut eingefädelt und läßt hoffen. Und die Sehnsucht nach dem Vater wird ganz überraschend auch noch gestillt – wenigstens für Heiligabend …

Ulf Stark transportiert uns mit seinem einfühlsamen Text schnurstracks in Freds Herz. Schon nach wenigen Seiten ist der atmosphärische Zeitsprung in die Vergangenheit perfekt, und die verschiedenen Charaktere werden uns vertraut. Freds Klassenlehrerin, die eine wahre pädagogische Lichtgestalt repräsentiert, verdient ganz besondere Leseaufmerksamkeit.

Die feinen, konzentrierten Schwarz-weiß-Illustrationen von Lina Bodén bringen den Zeitgeist und die Gefühlstemperatur der Erzählung stimmungsvoll zur Geltung.

Anrührend sind außerdem die – im Vergleich zu heutigen Usancen –  bescheidenen kindlichen Weihnachtswünsche. Es geht um Schlittschuhe und eine Mundharmonika, aber ansonsten ist der Wunschtraum nach üppigen Nahrungsmitteln und nach Frieden viel ausgeprägter als der nach spielerischen Dingen. Fred zeigt auch großen Einfalls- reichtum beim Geschenkebasteln. So holt er vom Schrottplatz Messingmuttern, poliert sie blank und fädelt sie zu einem glänzenden Armband auf, das er seiner Mutter schenkt.

In einer Sprache, die einfach und zugleich ganz zartfühlend und sinnlich-greifbar ist, stellt der Autor die kindlichen Herzensregungen dar: voller Mitgefühl, mit leisem Tiefgang und mit einer freundlichen Portion schelmischen Humors.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825179847/was-wir-uns-wuenschen

Der Autor:

»Ulf Stark, geboren 1944 in Stockholm, knüpfte bereits in seiner Gymnasialzeit Kontakte zu Schriftsteller- und Künstlerkreisen und debütierte 19-jährig mit einem Lyrikband. Seit Jahrzehnten ist er freier Kinderbuchautor und seine Bücher sind nicht nur in Schweden, sondern auch in vielen anderen Ländern sehr erfolgreich und wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Nils-Holgersson-Plakette, dem Astrid-Lindgren-Preis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis

Die Illustratorin:

»Lina Bodén, geboren 1980 in Stockholm, hat an der traditionsreichen Beckmanns Designhochschule studiert und malt seit fast einem Jahrzehnt erfolgreich Illustrationen für Kinderbücher und Belletristik, für Zeitungen, Werbung, Verpackungen und Textildruck. Sie lebt mit ihrer Familie in Stockholm.«

Der Trick

  • Roman
  • von Emanuel Bergmann
  • Diogenes Verlag Februar 2016     www.diogenes.ch
  • in Leinen gebunden mit Schutzumschlag
  • 400 Seiten
  • ISBN 978-3-257-06955-6
  • 22,00 € (D),  22,70 € (A), 30,00 sFr
    Der-Trick-9783257607093

ZAUBERSEHNSUCHT  UND  SEHNSUCHTSZAUBER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im gefühlvoll-nachdenklichen Roman „Der Trick“ erweckt Emanuel Bergmann atmosphärisch und menschkenntnisreich in einer sehr feinen, schönen Sprache faszinierende Charaktere zum Leben und verbindet ihre Lebenskreise miteinander. In diesem Roman geht es um Wahrheit und Lüge, Illusion und Manipulation, Schicksal und Zufall, Grauen und Gnade. Es geht um verlorenes Leben und gewonnenes Leben, um verlorene und wiedergefundene Liebe und um die Ironie des Schicksals, der man wohl am besten mit Humor begegnet.

Zwischen dem ersten Kapitel mit der Überschrift „Die Welt und wie sie hätte sein sollen“ und dem letzten Kapitel „Die Welt und wie sie ist“ spannt der Autor einen weiten Bogen, der in Prag zu Beginn des 20. Jahrhundert anfängt und in Los Angeles zu Beginn des 21. Jahrhunderts endet.

In Prag, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, wird dem gutmütigen Rabbi Laibl Goldenhirsch von seiner Frau Rifka endlich der langersehnte Sohn geboren. Das Kind, Mosche Goldenhirsch, wird von seinen Eltern innig geliebt, auch von seinem zweiten Vater, der unausgesprochen, der Zeugung des Kindes ein wenig nachgeholfen hat. Doch stumme Geheimnisse und verbotene Liebesgefühle tragen viele Menschen in sich. Laibl Goldenhirsch akzeptiert das Wunder der plötzlichen Empfängnis mit Demut und weiser Dankbarkeit.

Im Alter von fünfzehn Jahren läuft Mosche von zu Hause fort, schließt sich einem Zauberzirkus an und wird vom Zirkusdirektor, dem „Halbmondmann“, zum Zauberer ausgebildet. Er verliebt sich in Julia, die Assistentin des Direktors. Nach einem tragischen Unfall verlassen Mosche und Julia den Wanderzirkus und fahren nach Berlin.

Julia verschafft Mosche gefälschte Papiere, die ihn als Perser ausweisen. Mosche stilisiert sich zum „Großen Zabbatini“ und lernt sogar einige Vokabeln Farsi, die er als wohl-klingenden Zauberspruch einsetzt. Zusammen mit seiner Assistentin und Geliebten Julia verfeinert und professionalisiert er die Zaubervorführungen und ergänzt sie um die getrickste Kunst des Gedankenlesens. Sie haben großen Erfolg beim Publikum; besonders beliebt ist der Trick „Verschwundene Prinzessin“, für den sie einen speziellen Koffer mit doppeltem Boden und raffinierter Verspiegelung extra haben anfertigen lassen.

Doch Mosche wird verraten, von der Gestapo brutal verhört und mitsamt seinem Zauberzubehör in das KZ Theresienstadt deportiert. Der dortige Kommandant ist nämlich ein Verehrer von Zabbatini und möchte  alle Zaubertricks von ihm lernen. Mosche weiß, daß sein Überleben davon abhängt, wie lange er diesen „kultivierten“ Nazi bei Laune halten kann.

In Los Angeles muß sich der elfjährige Max Cohn schmerzlich darauf einstellen, daß sich seine Eltern scheiden lassen wollen. Er beratschlagt sich mit seinem Schulfreund Joey, dessen Eltern bereits geschieden sind, und seine kindliche Sorge, er könne irgendwie schuld daran sein, daß seine Eltern sich trennen, führt dazu, daß er fieberhaft überlegt, wie er eine neue Annäherung zwischen seinen Eltern herbeiführen könne.

Sein Vater hat bereits Kisten für seinen Auszug gepackt, denn er wird vorläufig ins Haus seiner Mutter umziehen. Max findet die Aussicht, seinen Vater nun immer bei Omchen besuchen zu müssen, nicht verlockend. Denn Omchen neigt dazu, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu sagen: „Und dafür habe ich die Lager überlebt?“, und Max, der das ohnehin noch nicht so recht begreifen kann, findet das anstrengend.

Max versucht, seinen Vater zum Bleiben zu bewegen, macht ihm eine rührende Liebeserklärung und bietet an, daß er in Zukunft auch immer freiwillig den Hasenkäfig sauber mache.

Der Vater läßt sich nicht umstimmen. Da stolpert Max über einen Umzugskarton. Ein altmodischer Datenträger in einer Papphülle, eine Schallplatte, zieht seine Aufmerksam-keit auf sich. Auf der Plattenhülle sieht man einen eleganten Zauberer mit Zauberstab und kleinem weißen Kaninchen:»Zabbatini: Seine größten Tricks.« Auf der Rückseite steht eine Liste seiner Zauberkunststücke, u.a. »Der Zauber der ewigen Liebe«; Max fragt, ob er die Schallplatte behalten dürfe und faßt einen kindlich-kühnen Plan.

Mit Elan und unter häufiger Überschreitung elterlicher Grenzen sucht Max nach Zabbatini. Er befragt den Inhaber eines Zauberzubehörgeschäfts und erfährt, daß Zabbantini tatsächlich früher im „Castle“, dem größten Cabarett für Zauberkünstler, regelmäßig aufgetreten sei. Doch dies sei lange her, der bescheidene Ruhm längst erloschen, und er wisse nicht, ob Zabbatini überhaupt noch lebe. Er rät Max, in einem bestimmten Altenheim nachzufragen, und Max wird fündig.

Es dauert sehr lange, bis Max den lebensmüden, verlotterten und verarmten Zabbatini überreden kann, noch einmal den „Zauber der ewigen Liebe“ auszuführen.  Maxens Hartnäckigkeit, Pfiffigkeit und seine sehnsüchtige Zaubergläubigkeit und Hoffnung rühren den alten Mann, und – zu seinem eigenen größten Erstaunen – findet er den kleinen Jungen sympathisch. Nach zähen Verhandlungen mit Maxens Mutter willigt er ein, auf Maxens bevorstehender Geburtstagsfeier noch einmal im alten Glanze ein junges Publikum zu verzaubern.

Der Große Zabbantini inszeniert einen grandiosen Liebeszauber, und als er seinen farsischen Zauberspruch aufsagt, wird der Zauberer von Maxens Omchen wiedererkannt … Wir erfahren wer wem sein Leben verdankt, und der kleine Max begreift die wunderbare Gabe des Lebens.

So schließen sich zwei Lebenskreise, und die alte Weisheit von Laibl Goldenhirsch kommt noch einmal zu Wort:

„Allein schon zu leben … ist ein Gebet.“ (Seite 371)

Sehr glaubwürdig und anrührend gelingt Emanuel Bergmann in diesem Buch der Wechsel zwischen der kindlichen und der erwachsenen Perspektive sowie die Verschränkung der unterschiedlichen Zeitebenen und die Annäherung beider Erzählstränge und Lebenswege bis zu ihrer endgültigen Kreuzung. Trotz der tragischen historischen Umstände und der damit verbundenen schonungslosen, aber im Text nicht überstrapazierten Grausamkeiten und trotz der kindlichen Liebesnot, findet der Autor einen heiter-abgeklärten Erzählton von bewundernswerter, wehmütiger Leichtigkeit und lebensbejahender Herzenswärme.

 

Der Autor:

»Emanuel Bergmann, geboren 1972 in Saarbrücken, ging nach dem Abitur nach Los Angeles, um dort Film und Journalismus zu studieren. Er war viele Jahre lang für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in den USA und Deutschland tätig. Derzeit unterrichtet er Deutsch, übersetzt Bücher und schreibt Artikel für diverse deutsche Medien. ›Der Trick‹ ist sein erster Roman.«

 

Und nachfolgend noch das Hörbuch zum Buch:                    Der-Trick-gesprochen-von-Stefan-Kaminski-9783257803686

Der Trick
von Emmanuel Bergmann
Hörbuch      
Ungekürzte Lesung
von Stefan Kaminski
Diogenes Verlag Februar 2016
8 CDs, 9 Std. 43 Min.
978-3-257-80368-6
26.00€ (D), 29.20 € (A),  sFr 35.00

Hier geht es zur Hörprobe und zu weiteren Buchinformationen auf der Verlagswebseite:
http://www.diogenes.ch/leser/titel/emanuel-bergmann/der-trick-9783257069556.html

 

 

 

 

Oma trinkt im Himmel Tee

  • Bilderbuch
  • Text von Fang Suzhen
  • Übersetzung aus dem Chinesischen von Thomas Geiger
  • Illustrationen von Sonja Danowki
  • Nord Süd Verlag   www.nord-sued.com
  • 48 Seiten
  • Fadenheftung
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A), 28,90 € sFr.
  • ISBN 978-3-341-10275-2
  • ab 4 Jahren

Oma trinkt im Himmel Tee Titelbild

ZWISCHEN  HIMMEL  UND  ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sehr feinfühlig und mit leisen Tönen in Wort und Bild vermittelt das Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“, wie ein Kleinkind den Verlust seiner Großmutter verarbeitet und währenddessen sowohl eine zartes Bewußtsein von Vergänglichkeit als auch eine ganz persönliche Form der inneren Verbundenheit entwickelt, die Trost spendet.

Der kleine Xiao Le fährt mit seiner Mutter in das Dorf der duftenden Blumen, um seine Oma zu besuchen. Das Dorf ist weit entfernt, und sie müssen mit dem Zug fahren. Xiao Le freut sich schon darauf, endlich seine Oma wiederzusehen und ihr sein momentanes Lieblingsspielzeug, einen kleinen Bagger, zu zeigen.

Bei der Ankunft fremdelt er zunächst ein bißchen, denn die Oma hat sich sichtbar verändert und liegt krank im Bett. Während die Tochter einige haushalterische Dinge erledigt, schaut sich Xiao Le ein Kindheitsfoto seiner Mutter an, und seine Großmutter erzählt davon, wie die Mutter sich als Kind verhielt.

1

Illustration von Sonja Danowski ©

(Alle hier wiedergegebenen Illustrationen sind aus dem Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“ von „Fang Suzhen“, illustriert von „Sonja Danowski© 2015 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz)

3

Illustration von Sonja Danowski ©

Dann steht sie auf und geht mit ihrem Enkel Hand in Hand in den Garten, und sie spielen vergnügt Tauziehen mit Sauerkleestengeln, und anschließend trinken sie gemeinsam mit der Mutter Tee und essen Kuchen. Schließlich muß sich die Oma erschöpft wieder hinlegen, und Xiao Le sieht, wie seine Mutter mit einer Nachbarin spricht und dabei weint.

4

Illustration von Sonja Danowski ©

Xiao Le und seine Mutter fahren wieder zurück nach Hause. Xiao Le wird seine Oma nicht mehr wiedersehen.
(Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Seine Mutter erklärt ihm später, daß seine Oma vom Dorf der duftenden Blumen in den Himmel umgezogen sei. Xiao Le fühlt, daß seine Mutter ihre Mutter vermißt, wenn sie gedankenverloren und weinend in den Himmel schaut, und er begreift auch, daß die Entfernung zum Himmel zu groß ist, um sie mit dem Zug zu überwinden.

Für Xiao Le wird der Blick in den Himmel zu einer stillen Verbindung zum himmlischen Alltag seiner Oma. Wenn die Sonne golden leuchtend untergeht, stellt sich Xiao Le vor, daß seine Oma sich im Himmel ein Spiegelei brät, oder wenn der Mond aufgeht, hat seine Oma das Licht angeknipst und wenn es regnet, wäscht sie ihre Wäsche.

Xiao Le ist damit im Einklang, daß seine Oma in unerreichbarer Ferne „lebt“, aber seiner Mutter nimmt er gleichwohl das Versprechen ab, nicht auf die Idee zu kommen, die Oma zum Teetrinken im Himmel zu besuchen …

5

Illustration von Sonja Danowski ©

(Alle hier wiedergegebenen Illustrationen sind aus dem Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“ von „Fang Suzhen“, illustriert von „Sonja Danowski© 2015 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz)

Einfühlsam hat die deutsche Illustratorin den chinesischen Text in detailreiche Bilder übersetzt, die ein asiatisches Ambiente wiedergeben. Die Zeichnungen von Sonja Danowski sind von erstaunlicher Feinheit, die Darstellung der menschlichen Lebensräume und das anrührend gefühlvolle Minenspiel der Familienmitglieder, die zärtlichen Gesten und die liebevollen Abschiedsblicke bringen das Unausgesprochene, das zwischen den Zeilen schwebt, überaus beredt zum Ausdruck.

Es sind Bilder, in deren feinsinniger Tiefe und transparenter Zwischenmenschlichkeit man geradezu meditativ versinken kann. Die sanftmütige Harmonie, die von diesem Bilderbuch ausstrahlt ist wirklich etwas ganz besonderes.

 

Hier gibt es Einblicke ins Bilderbuch:
http://www.book2look.com/vBook.aspx?id=lff7KVzQai

Die Autorin:

»Fang Suzhen ist eine preisgekrönte taiwanesische Kinderbuchautorin, die Bilderbücher, Märchen und auch Poesie für Kinder schreibt. Ihr Werk umfasst fast 200 Bücher. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet Fang Suzhen auch als Übersetzerin und engagiert sich ehrenamtlich als Geschichtenerzählerin und in der Leseförderung.«

Die Illustratorin:

»Sonja Danowski lebt als Illustratorin in Berlin. Bei ihrer Arbeit liegt ein besonderer Fokus auf Bilderbüchern und darauf, mit Bildern menschliche Erinnerungen zu bewahren. Ihre kolorierten Zeichnungen wurden mehrfach international ausgezeichnet.
2013 gewann sie die Goldmedaille beim koreanischen Nami Island International Picture Book Illustration Concours. Diese Auszeichnung führte zur Zusammenarbeit mit dem chinesischen Kinderbuch-Verlag CCPPG.«

Querverweise:

Hier folgen Links zu weiteren Kinderbüchern zu den Themen: Abschied, Tod und Trauer:
Erik und das Opa-Gespenst

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/
Kleiner Fuchs Großer Himmel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/23/kleiner-fuchs-grosser-himmel/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Wie lange dauert Traurigsein?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/03/wie-lange-dauert-traurigsein/

Ojemine!

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration
  • von Iwona Chmielewska
  • Übersetzung von Adam Jaromir
  • Gimpel Verlag   Oktober 2014         www.gimpel-verlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 52 Seiten
  • 19,90 € (D), 20,50 € (A), 34,30 sFr.
  • ISBN 978-3-945359-01-3
  • ab 5 Jahren
    cover-ojemine2

A N S I C H T S S A C H E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Iwona Chmielewskas Bilderbuch „Ojemine!“ vereint einfache zeichnerische Stilmittel mit warmherzigem Tiefsinn zu einer erstaunlichen Verwandlungsgeschichte, die sowohl optisch wie zwischenmenschlich den Möglichkeitssinn anregt.

Mal eben nicht aufgepaßt – und schon prangt der Brandabdruck des Bügeleisens auf Mutters Lieblingstischdecke. Die alte Tischdecke mit der blauen Stickumrandung stammt noch von der Großmutter und hat großen familiären Erinnerungswert.

Aufgeregt überlegt die Tochter, was nun zu tun sei: Von Fleckentferner über Internetratschläge bis zum Gebet geht dem Mädchen allerlei durch den Kopf; Überlegungen, das Mißgeschick einem anderen Familienmitglied unterzujubeln, tauchen ebenso auf wie der Wunsch, sich mäuschenklein zu verstecken oder eine Weltreise anzutreten.

Rettungsideen, Ausreden und Fluchtgedanken wechseln sich ab, bis das Kind einsieht, daß es besser einfach die Wahrheit sagt und um Entschuldigung bittet. Nach dem Geständis folgt keineswegs ein Donnerwetter der Mutter, sondern eine überraschende Lösung, die den störenden Fleck in eine schöne Zier verwandelt.

Iwona Chmielewska illustriert jeden Einfall des Mädchens, auf den Schaden zu reagieren, indem der Brandfleck der Bügeleisensohle um wenige blaue Kreidestriche ergänzt wird und sich dadurch in eine Flasche, eine Eule, eine Maus, eine Lampe, eine Pfeife, ein Boot usw. verwandelt. So wie die Illustrationen mit wenigen ergänzenden Kreidestrichen auskommen, begnügt sich auch der Begleittext mit wenigen einfühlsamen Worten.

Auf dem Buchdeckel ist der Bügeleisenbrandfleck mit Prägedruck versehen, so daß man ihn ertasten kann. Das verwendete Papier sowohl beim Buchdeckel wie bei den Innenseiten ist außergewöhnlich anschmiegsam, ein sinnlich-angenehmer Qualitätsaspekt, der von Verlagen im allgemeinen nur selten einbezogen wird. Bei diesem Bilderbuch fühlt sich das Papier fast wie der weiche Stoff einer alten, schon oft gewaschenen und gebügelten Tischdecke an.

Dieses Bilderbuch ist ein kleines Wunderwerk, dessen minimalistische Darstellung einen weiten Wahrnehmungshorizont eröffnet und kleine sowie große Leser zu eigenen Verwandlungsversuchen einlädt.

 ojemine-eule

 

ojemine-kaefig

ojemine-pfeifeojemine-lampe

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Iwona Chmielewska studierte Grafik an der Kopernikus-Universität in Thorn, wo sie heute noch Buchgestaltung unterrichtet. Als Autorin und Illustratorin von fantasievollen Bilderbüchern erfreut sie sich seit Jahren großer Popularität, vor allem in Südkorea, wo sie gar einen eigenen Fan-Club besitzt. Ihre Bücher – mittlerweile sind in Korea zwanzig Titel veröffentlicht – wurden mehrfach mit internationalen Preisen bedacht. Den Bologna Ragazzi Award erhielt sie gleich zweimal: 2011 für ihr House of the Mind – MAUM (Text: Heekyoung Kim), 2013 für ihr Buch Eyes. Für Thinking ABC gab es 2007 den Goldenen Apfel der Internationalen Illustrationsbiennale in Bratislava. Das in Mexiko als Schullektüre empfohlene Blaues Stöckchen / Blaues Kästchenwurde 2005 als das schönste, ins Koreanische übersetzte Buch gewürdigt.
Blumkas Tagebuch, ihr erstes auf Deutsch erschienenes Buch, wurde 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«

Der GIMPEL Verlag in seinen eigenen Worten:

»Bilderreiche Sprache, ausgereifte Erzählkunst und liebevolle Illustrationen – dafür steht der Gimpel Verlag, den Adam Jaromir und Luca Emanueli 2006 gegründet haben, mit dem festen Vorsatz, ungewöhnliche Bücher zu machen, mit Hand und Fuß, aber auch mit Kopf und Herz.«
www.gimpel-verlag.de

Der GIMPEL Verlag in meinen Worten:

Klein, aber fein, und Klasse statt Masse – dies ist ein Verlagskonzept, das mir sehr gefällt. Ich bin BEGEISTERT, und ich werde auf jeden Fall noch weitere Bücher aus diesem wahrhaft ERLESENEN Programm besprechen. Vorfreude ist also durchaus angebracht … 🙂

Als der Sommer eine Farbe verlor

  • von Maria Regina Heinitz
  • Roman
  • Berlin Verlag  April 2015             http://www.berlinverlag.de
  • 496 Seiten
  • Taschenbuchausgabe
  •  9,99 € (D),  10,30 € (A), 13,90 sFr.
  • ISBN: 978-3-8333-1020-1
    Als der Sommer eine Farbe verlor

ZWISCHEN  DEN  ZEILEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Als der Sommer eine Farbe verlor“ erzählt in einer sinnlich-vielschichtigen, lasierenden Sprache von Nähe und Ferne, Lösung und Bindung, Imagination und Wirklichkeit, Schmerz und Heilung, Verlust und Geborgenheit sowie von Familie und Freundschaft, Liebe, Tapferkeit und Hoffnung. Dieser Roman ist berührend, ohne zu belasten, er enthüllt, ohne zu entblößen und er macht ein komplexes Gefühlsspektrum wunderbar sichtbar.

Die dreizehnjährige Bénédicte, kurz Bicky genannt, verbringt mit ihrem kleinen Bruder Marcel einen sommerlichen, heiter-verspielten Ferientag. Die Kinder sind einfach glücklich, alles blüht, zwitschert und lebt, der Jasmin duftet vor blauem Himmel, und ihre geliebte Großmutter, zärtlich Mamique genannt, ist bei ihnen in Hamburg zu Besuch.

Aimée, die Mutter der Kinder, ist eine bekannte Malerin, deren Gemüt sich immer wieder verdunkelt und die sich dann aus dem familiären Leben zurückzieht und in ihr Atelier verkriecht, um ihre emotionale Not auf die Leinwand zu bannten.

Die Kinder sind mit diesen mütterlichen Stimmungen vertraut und nennen sie „Farfadetnoir“ (schwarzer Kobold). Der Vater arbeitet als Mediziner und bittet in den Farfadetnoir-Notfällen Mamique, seine Schwiegermutter, um familiären Beistand.

Übermütig tollen die Kinder mit ihrer rüstigen Großmutter durch den Garten, anschließend bereitet Mamique ihnen ihre köstlichen Blaubeerpfannkuchen zu, und die Kinder futtern sich die Bäuche rund. Bicky wird mit einer Portion Blaubeerpfannkuchen ins Atelier geschickt, damit ihre Mutter auch in den Genuß dieser Lieblingsspeise kommt.

Im Atelier betrachtet Bicky nachdenklich das Bild, an dem ihre Mutter seit Monaten malt, und eine Ahnung schmerzlicher familiärer Verstrickung streift ihr Bewußtsein und weckt Fragen in ihr. Da die Mutter nicht im Atelier ist, vermutet Bicky sie im Badezimmer und steht nach wenigen Schritten in einer Blutlache, die der Selbstmordversuch der Mutter hinterlassen hat. Die Mutter kann gerettet werden und kommt in ein „Sanatorium“. Wie erholen sich die Kinder von einem solchen Schock?

Der Vater beschließt, ein Arbeitsangebot als Leiter einer psychiatrischen Klinik in einer Kleinstadt anzunehmen und Hamburg zu verlassen. Bereits zwei Wochen später zieht die Restfamilie von Hamburg nach Sprede, „eine heile Was-will-man-mehr-Kleinstadt“. Sie wohnen in einer alten Villa in unmittelbarer Nähe zur neuen Arbeitsstelle des Vaters. Den großen, verwilderten Garten, der die Villa umgibt, nennt der Vater eine „Paradies für Kinder“, aber zunächst fühlen sich die entmutterten Kinder alles andere als paradiesisch.

Mamique, die sie nicht begleiten kann, verspricht aber, wieder zu Besuch zu kommen. Eine resolute Haushälterin wird eingestellt, die für äußere Ordnung und geregelte Mahlzeiten sorgt. Einen Fernseher gibt es nicht, aber der Vater installiert in jedes Zimmer unsichtbare Lautsprecher und beschallt die Bewohner mit klassischer Musik („Brahms ordnet die Gedanken!“) und mit den täglichen Radionachrichten. So läßt die Autorin im Verlaufe des Romanhandlungszeitraums immer wieder streiflichternd die Nachrichtenereignisse der Jahre 1976 bis 1978 einfließen.

Fürsorglich bemuttert Bicky ihren kleinen Bruder, und die Geschwister richten sich eine gewisse Geborgenheit miteinander ein; sie freunden sich mit den neuen Räumen an und erkunden nach und nach entdeckungslustig die Umgebung. Die Mutter schreibt ihren Kindern regelmäßig Briefe (in Schriftform für Bicky und in Bildform für Marcel, der noch nicht lesen kann).

Bicky leidet nicht nur an dem Verlust der mütterlichen Zuwendung, sondern auch daran, daß die Erwachsenen ihr Zusammenhänge verschweigen. Sie tun dies zwar, um sie zu schonen, aber die Unstimmigkeiten und Unklarheiten bezüglich des Aufenthaltsortes der Mutter und der Hintergründe der mütterlichen Depression führen zu phantasievollen Vermutungen und kindlichen Fehlschlüssen, die ihr eigenes psychologisches Belastungspotential haben.

Zweimal wöchentlich geht Bicky auf Anordnung ihres Vaters zu einer Kinderpsychologin, um ihr Trauma zu verarbeiten. Doch sie hat längst eigene Wege gefunden, sich zu ermutigen und den Herausforderungen des Lebens konstruktiv und kreativ zu begegnen, beispielsweise ihre Methode der Eintagsfliegentage, die es ihr ermöglicht, Neues und Unerwartetes zu tun, weil es für die Verwirklichung mancher Dinge exakt nur diesen einen Moment gebe und sonst keinen. Diese Jetzt-oder-nie-Haltung hilft ihr über so manche Alltags- und Angsthürde hinweg.

Dank ihrer Feinfühligkeit erkennt sie die emotionalen Gegebenheiten, Charakterstärken und -Schwächen anderer Menschen sehr genau und beschreibt diese auf eine einleuchtend anschauliche, musisch-malerische Weise.

Und dann lernt sie Susi Engel kennen. Dieses hochbegabte, eigenwillige Mädchen wird ihre beste Freundin, mit der sie wirklich alles besprechen kann. Die beiden Einzelgängerinnen sind wie füreinander geschaffen, und gemeinsam forschen sie den abgründigen und romantischen Geheimnissen ihres Umfeldes nach.

Zwischen Bickys Spurensuche und ihren phantasievollen Versuchen, Ordnung in ihr aufgewühltes Gefühlsleben zu bringen, liegt ein weiteres Geheimnis, das erst ganz zum Schluß offensichtlich wird und den Leser erhellend überrascht. Tatsächlich sind die Hinweise auf diese verborgene Erlebnisebene wohldosiert und unauffällig über den Verlauf der ganzen Geschichte verstreut und werden uns Lesern erst im Rückblick so recht DEUTLICH.

Bicky lernt gewissermaßen SEHEN, sie reift und wächst, begeistert sich fürs Theater und sie verliebt sich in den Jungen Misha, der dort als Statist arbeitet. Misha kennt sich aus mit Verlust und Trauer; er hat bereits beide Eltern verloren und lebt bei seiner Tante. Die Liebesannäherung von Bicky und Misha ist von anrührender Zärtlichkeit und ein ganz großes Glück für Bickys Herzensheilung und Wahrheitsfindung.

Mit Mishas Hilfe tritt Bicky aus dem Schatten der mütterlichen Verstrickung und der verschwiegenen Vergangenheit heraus und betritt endlich ihre Gegenwart und ihren eigenen hoffnungsvollen Weg.

Dieser außergewöhnliche Roman ist von einer schwebenden Leichtigkeit, die man dem ernsten Thema kaum zugetraut hätte. Das Gleichgewicht von Ernst und Heiterkeit, Kinderspiel und Kindertragik, Verletzlichkeit und Tapferkeit, die geschickte Figurenchoreographie, die einfühlsamen Dialoge, der lebendige Spannungsbogen, die stimmungsvollen Szenerien und die sinnlich-musische Perspektive „malen“ eine sehr lesens- und sehenswerte Geschichte.

Zum Ausklang nun ein Zitat, das die poetische Bildhaftigkeit illustrieren mag:  

»Meine Träume in dieser Nacht waren verschachtelter als die, durch die ich mich sonst hindurchträumen musste. Sie waren wie unzählige Meeresoberflächen, durch die man auftaucht und meint, Luft holen zu können, das Ende erreicht zu haben, endlich Sauerstoff zu atmen. Traumende, und dann geht es doch weiter, immer weiter, ohne an den Eingang der Wirklichkeit zu gelangen, aber immer knapp davor.« (Seite 143)

 

Die Autorin:

»Maria Regina Heinitz, geboren 1968 in Isny (Allgäu), studierte Deutsche Sprache, Literatur und Französisch, arbeitete als Artbuyerin und Fotoproduzentin und erhielt 2009 den Literaturförderpreis der Kulturbehörde der Hansestadt Hamburg. Sie lebt in Hamburg.«
http://www.mariareginaheinitz.de/

QUERVERWEIS:

Eine feine Ergänzung zu diesem Roman ist das Sachbuch „Das bleibt in der Familie“ von Sandra Konrad, in dem die Risiken und Chancen transgenerationaler Übertragung einleuchtend dargestellt werden. Hier ist meine Besprechung dazu:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/07/das-bleibt-in-der-familie/

Montedidio

  •  von Erri de Luca
  • Aus dem Italienischen
  • von Annette Kopetzki
  • Graf Verlag 2012                                                 http://www.graf-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 224 Seiten
  • 14,99 € (D),  15,50 € (A),  16,90  sFr.
  • ISBN 978-3-86220-031-3
  • Taschenbuchausgabe List Verlag 2014     http://www.list-taschenbuch.de
  • 8,99 € (D),  9,30 € (A),  10,50  sFr.
  • ISBN 978-3-548-61187-7
    MONTEDIDIOcsm_9783548611877_cover_d14b42011b

MIT  HAND  UND  FUSS  UND  FLÜGELN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ich könnte behaupten, ich habe dieses Buch in einem Atemzug gelesen, denn so kam es mir vor, wie ein langer, sehr tiefer Atemzug aus dem vollen Leben: elementar und einfach, voller Würde und berührender Wahrhaftigkeit.

Der Ich-Erzähler ist ein dreizehnjähriger Junge, der von seinem Vater einen Bumerang aus Akazienholz zum Geburtstag geschenkt bekommen hat und diesen hütet wie einen geheimen Schatz. Er lebt mit seinen Eltern in Neapel, im Stadtteil Montedidio; der Lebensabschnitt, von dem hier berichtet wird, spielt zeitlich Anfang der 60er Jahre.

Der Junge hat nach fünf Jahren Schulzeit eine Lehre bei einem Tischler begonnen und ist stolz darauf am Ende der Woche seinen bescheidenen Lohn nach Hause zu bringen. Sein Lehrherr, Meister Errico, ist freundlich, und er hat in seiner Werkstatt einem jüdischen Flüchtling Zuflucht gewährt, der nun in einer Ecke der Werkstatt sein Schuhmacherhandwerk ausübt.

Der Schuhmacher, Don Rafaniello, flickt die Schuhe der Armen und nimmt kein Geld dafür. Die Armen danken es ihm mit Segenswünschen, und sie streicheln seinen Buckel, weil die Neapolitaner glauben, dies bringe Glück. Don Rafaniello unterhält sich gerne mit dem Jungen und erzählt ihm, in Wirklichkeit seien Flügel in seinem Buckel verborgen, und bald würden sie ausschlüpfen und ihn nach Jerusalem fliegen lassen.

Der Junge arbeitet fleißig und pflegt seine italienischen Sprachkenntnisse, indem er die Erlebnisse jeden Tages mit Bleistift auf eine Restrolle Druckerpapier (ein Geschenk des Druckers aus der Nachbarschaft) schreibt. Seine Eltern sind stolz darauf, daß ihr Sohn außer dem neapolitanischen Dialekt auch das „richtige“ Italienisch beherrscht und Lesen und Schreiben gelernt hat.

Auf der Dachterrasse des Miethauses, in dem der Junge mit seinen Eltern wohnt, übt er jeden Abend den Schwung für den Wurf seines Bumerangs, ohne ihn jedoch fliegen zu lassen. Er will erst seine Kraft wachsen lassen und seine Geschicklichkeit trainieren. Auch die gleichaltrige Nachbarstochter Maria schaut zu, wie der Junge langsam männlichere Gestalt annimmt. Sie vertraut sich seinem Schutz an, und zwischen den beiden keimt eine starke, erste Liebe.

Die Mutter des Jungen erkrankt ernsthaft, und der Vater verbringt jede freie Minute im Krankenhaus, um über ihr Leben zu wachen. Der Junge wird darüber vernachlässigt, aber die beiden Ersatzväter, Meister Errico und Don Rafaniello – der eine mit seiner rauhen Herzlichkeit und der andere mit seiner alltagstauglichen Weisheit und beide mit abgrundtiefer Menschenkenntniss, – bieten einen guten Halt. Neben den Muskeln wächst auch der geistige Horizont des Jungen, und unvermeidlich verliert sich seine kindliche Unschuld. Die zärtliche und respektvolle Verbindung mit Maria und die ersten sinnlichen Erfahrungen, die sie sich gemeinsam ertasten, bedeuten Trost und Reifung.

„Montedidio“ ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von Abschied und Neubeginn, von ersten Lebensgefahren und -Rettungen, Wundern und Verwundungen. Mit unwillkürlicher Selbstverständlichkeit kommen zudem gute Wünsche, böse Flüche, luftige Geister und ratgebende Engel zu Wort.

All das wird in einer zutiefst achtsamen, ungekünstelten Sprache erzählt: feinfühlig, lebensreif, sinnlich, wortwörtlich mit Hand und Fuß und zugleich poetisch und andächtig.

Der Autor instrumentiert den Verlauf der Geschichte mit den Besonderheiten des neapolitanischen Dialektes im Vergleich zum Italienischen; viele Ausdrücke, Sprüche und Weisheiten werden im Original und anschließend in der Übersetzung wiedergegeben. So beginnt das Buch mit: » ‘A iurnata è ‘nu muorzo, ein Tag ist schnell gegessen…«

Auf dem Buchumschlag wird aus einer italienischen Rezension aus La Repubblica zitiert, die das Buch mit einer „Kantate von Bach oder einer Parabel aus der Bibel“ vergleicht. Ich dachte bei der Lektüre oft an das Gemälde von Michelangelo Caravaggio: „Amor als Sieger“, das die attraktive und herausfordernde Mischung aus Irdischem und Himmlischem illustriert, die auch den Roman von Erri De Luca auszeichnet.

Nun noch ein Zitat als Leseleckerbissen:

„Ich erkenne das Alter der Leute immer, nur bei Rafaniello nicht. Im Gesicht ist er hundert Jahre alt, an den Händen vierzig, an den Haaren zwanzig, ganz rot und buschig sind sie. Wie alt er in seinen Worten ist, weiß ich nicht, er spricht wenig, mit einer sehr leisen Stimme. Er singt in einer fremden Sprache, wenn ich seine Ecke ausfege, zeigt er mir ein Lächeln, und die Falten und Sommersprossen bewegen sich, es sieht aus wie das Meer, wenn es darauf regnet.“ (Seite 20)

 

Der Autor:

»Erri de Luca, geboren 1950 in Neapel, begann erst mit vierzig zu schreiben. Als Autodidakt lernte er Hebräisch, um Teile der Bibel neu zu übersetzen. Mit seinen über dreißig Büchern gehört er in Italien zu den erfolgreichsten Autoren.«

Erri de Luca wurde 2010 mit dem Petrarca-Preis ausgezeichnet.

Lola auf der Erbse

  • von Annette Mierswa
  • Mit Bildern von Stefanie Harjes
  • TULIPAN Verlag 2008                 http://www.tulipan-verlag.de
  • gebunden
  •  195 Seiten
  •  9,95 €
  • 978-3-939944-10-2
  • ab 8 Jahren
    Lola

H E R Z E N S Q U A L I T Ä T E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Lola auf der Erbse“ ist keine Prinzessin auf der Erbse, sondern ein achtjähriges Mädchen, das mit seiner Mutter auf einem Hausboot lebt. Die Mutter hat eine kleine Wäscherei in der Stadt. Sie steckt sich gerne Blüten ins Haar und schmückt auch das Hausboot mit vielen, bunten Blumentöpfen.

Lola ist klein für ihr Alter und wird oft für viel jünger gehalten, als sie ist. Die kleine Lola will nicht mehr wachsen, seitdem ihr Vater vor drei Jahren die Familie verlassen hat. Sie weigert sich auch, ihren Hals zu waschen, weil sie den letzten Kuß ihres Vaters dort gleichsam aufbewahrt. Außerdem trägt sie stets Schuhe mit einem weißen und einem schwarzen Schnürsenkel, um sich daran zu erinnern, „dass ihr Vater zuletzt gesagt hatte, alles habe zwei Seiten und sie solle immer darauf achten, beide zu sehen. Denn es gebe keinen Schatten ohne Licht, keinen schönen Tag ohne einen trüben und keine Mama ohne einen Papa.“ (Seite 7)

In der Schule ist Lola eine Außenseiterin, aber das nimmt sie weitgehend unbekümmert hin. Ihr bester Freund ist ein Nachbar, der alte Fischer Solmsen, der sich rührend und großväterlich um Lola kümmert und ihr märchenhafte Geschichten erzählt, die in blühende Phantasie und Poesie verpackte Lebensweisheiten sind.

Kurz vor Lolas neuntem Geburtstag kommt es zu einer familiären Krise, weil Lolas Mutter sich neu verliebt hat. Lola ist wild entschlossen ist, den neuen Mann nicht zu mögen.

Nach trotzigen Reaktionen, dramatischen Auftritten, Tränen und sanft aufklärenden Gesprächen zwischen Mutter und Tochter und auch zwischen dem weisen alten Solmsen und Lola verarbeitet Lola die schmerzliche Wahrheit, daß ihr Vater sich nicht  „in Luft aufgelöst hat“, sondern mit einer anderen Frau nach Kuba ausgewandert ist. Sie empfindet zum ersten Mal nicht nur Sehnsucht nach ihrem Vater, sondern auch Wut.

Sie vollzieht kleine Lösungsschritte, z.B. wäscht sie sich spontan den Hals und am nächsten Tag bemerkt sie, daß sie mindestens zwei Zentimeter gewachsen ist. Das ist ein Grund zur Freude, und ganz, ganz langsam kann sich Lola mit dem Gedanken anfreunden, in Zukunft zwei Väter zu haben; denn wie sagt ihre Mutter so treffend:  „Im Herzen ist mehr Platz, als du dir vorstellen kannst.“ (Seite 122)

Die kindliche Anhänglichkeit und Solidarität mit dem Vater, die unterschwellige Hoffnung, der Vater möge vielleicht doch irgendwie zurückkehren, das Festhalten an alten Erinnerungs-schätzen und die dennoch langsam aufkeimende Sympathie zu dem neuen Partner der Mutter werden sehr feinfühlig und in all ihrer aufwühlenden Widersprüchlichkeit erzählt.

„Lola auf der Erbse“  ist ein wunderbar warmherziger Kinderroman, in dem die Kinder Kinder sind und in dem die Erwachsenen  –  auf erfreulich unneurotische Weise  –  erwachsen sind und eine zwischenmenschliche Orientierung bieten, an der ein Kind wahrlich wachsen kann.

Der Zeichenstil der Buchillustrationen von Stefanie Harjes ist in seiner Kombination aus kindlichem und künstlerischem Ausdruck eine harmonische Widerspiegelung und phantasievoll verspielte Ergänzung der Geschichte.

 

Die Autorin:

»Annette Mierswa, geboren 1969 in Mannheim, tätig für Film, Theater und Zeitung, arbeitet heute als freie Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Hamburg. Ihre Romane „Lola auf der Erbse“ (2008) und „Samsons Reise“ (2011) wurden mit diversen Preisen ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. „Lola auf der Erbse“ ist 2013 u. a. mit Christiane Paul verfilmt worden (Prädikat: Besonders wertvoll) und auch als Hörbuch erhältlich. «

Mehr auf www.annettemierswa.de

 

Die Illustratorin:

»Stefanie Harjes, geboren 1967 in Bremen, studierte Illustration und Malerei an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg und Prag. Sie arbeitet als freischaffende Illustratorin in Hamburg vor allem für Buch- und Zeitschriftenverlage und hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise für Ihre Arbeiten erhalten, u. a. den Österreichischen Jugendbuchpreis sowie die Auszeichnung für zwei der Schönsten Bücher Deutschlands. Stefanie Harjes wurde 2010 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«