Die wilde Meute

  • von Ilse Bos
  • Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
  • Originaltitel: »Troep«
  • Mit Illustrationen von Linde Faas
  • Verlag Urachhaus  August 2016    http://www.urachhaus.com
  • gebunden, Fadenheftung
  • 303 Seiten
  • 17,90 € (D), 18,40 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-7924-4
  • zum Vorlesen ab 7 Jahren
  • zum Selbsterlesen ab 10 Jahren
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K I N D E R K O M P E T E N Z

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dreizehn Kinder, die ohne alltägliche elterliche Aufsicht auf einem am Ufer einer verwilderten Landzungenspitze verankerten Schiff hausen – das kann ja heiter werden und gefährlich. Wenn das das Jugendamt wüßte …

Doch das Jugendamt, personifiziert von der weichgerundeten Frau Weiblen, die tränen- reich nahe am Wasser gebaut ist und großzügig ihr sozialpädagogisches Vorschußmit- leid verteilt, hat zum Glück noch nicht herausgefunden, wie unbeaufsichtigt das Leben der Kinder wirklich ist.

Wie konnte es so weit kommen? Die zwölfjährige Pola erzählt folgende Familiengeschichte: Tineke, Polas Mutter, führte vor Polas Geburt ein reiselustiges Leben. Sie nähte und strickte Kleidung für Zirkusartisten und Schiffsbesatzungen. Auf einer Schiffsfahrt nach Reykjavik verliebte sie sich in den Maschinisten Willem Vanderwerff, und die beiden kamen sich sehr, sehr nahe. Doch ein Mißverständnis führte dazu, daß sich ihre Wege – beiderseits ungewollt – trennten.

Wenig später bemerkte Tineke, daß sie ein Kind erwartete. Sie suchte vergeblich nach Willem und kehrte zur Geburt des Kindes zur Blauschute zurück, dem Schiff ihres Vaters. Kurz nach Polas Geburt setzte Tineke ihre reisende Berufstätigkeit in Begleitung ihrer kleinen Tochter fort und suchte in vielen verschiedenen Ländern nach dem Verbleib ihrer großen Liebe Willem. Unterwegs in Kiew nahm sie Wladimir, ein verwaistes Straßenkind, mit einer ausgeprägten Begabung für Technik und Mechanik, in ihre Obhut. So bekam Pola ihren ersten Bruder.

Als Pola und Wladimir das schulpflichtige Alter erreichten, wurden sie in Amsterdam auf der Blauschute seßhaft, während ihre Mutter weiterhin weltweit arbeitete, reiste und nach Polas Vater suchte. Nach und nach strandeten noch einige sogenannte heimische Problemkinder auf der Blauschute und wurden von Tineke als offizielle Pflegekinder angenommen.

Einmal brachte sie auch eine erneute Schwangerschaft mit – als Reiseandenken eines Flirts mit einem surinamesischen Fischer. So ergänzen inzwischen die Zwillinge Flip und Tutti mit ihren Rastazöpfchen und ihrer eigenen Zwillingssprache den bunten Kinderreigen.

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Nun ist Pola zwölf Jahre alt, und das Zusammenleben der Kinder funktioniert ziemlich gut, die Zähne werden geputzt, die Wäsche wird wöchentlich gewaschen, es wird regelmäßig gegessen, die Schule wird (meist) pünktlich besucht, jedes Kind kann irgendetwas besonders gut und bringt seine Fähigkeit in die Gemeinschaft ein.

Der schweigsame Knut kocht täglich einfache, leckere Gerichte, Wolke kann mit Tieren sprechen, Asala ist sehr musikalisch und singt gerne, Jan kann gut stricken, häkeln, nähen und heulen. Pola ist die Älteste und somit die Bestimmerin (auch wenn sie mal nicht weiterweiß) …  Wenn es ernste Probleme gibt, wird der Geschwisterrat einberufen, und es werden Lösungsstrategien ausdiskutiert und gefunden.

Die ungezwungenen, kinderselbstbestimmten häuslichen Verhältnisse tragen in dieser abenteuerlich-unkonventionellen Familiengeschichte dazu bei, daß sich die Einzig- artigkeit der Kinder ausdrücklich entfaltet, daß sie von- und miteinander lernen und ihr Zusammenleben kooperativ gestalten: Eine Miniaturdemokratie mit Toleranz, konstruktiver Streitkultur und viel Improvisationstalent.

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Die reisende Mutter schickt regelmäßig Bargeld und ruft jeden Samstagnachmittag um Punkt fünf Uhr an. Sie kommt nur noch alle drei Monate nach Hause und kümmert sich dann um die Angelegenheiten, die die Kinder nicht alleine regeln können. Allerdings war sie schon seit zwei Jahren nicht mehr beim Elternsprechtag, und dies ruft Frau Weiblen vom Jugendamt auf den Plan.

Frau Weiblen gibt Pola eine schriftliche Einladung für ihre Mutter mit; sollte die Mutter nicht beim Elternsprechtag erscheinen, drohe ein Hausbesuch des Jugendamts. Während der Geschwisterrat um eine Lösung ringt (die Mutter ist zu weit fort, um kurzfristig zu kommen), bietet sich den Kindern zufällig ein hilfsbereiter Nachbar, ein arbeitsloser Schauspieler, als Vaterfigur an. Maarten ist arbeitslos, weil er sich mit seiner Rolle immer so sehr identifiziert, daß er aus dem Rollencharakter nicht mehr herausfindet. Das ist in diesem Falle durchaus von Vorteil und nimmt Frau Weiblen erst einmal den Wind aus den sozialpädagogisch geblähten Segeln …

Es gibt aber noch andere Sorgen. In der Stadt entstehen plötzlich unerklärliche Löcher, die angeblich mit dem Bau der neuen U-Bahn-Linie in Zusammenhang stehen. Maartens Zwillingsbruder ist der Chef der U-Bahn-Tunnel-Baufirma, aber er ist verschwunden.

Außerdem müssen die Kinder einen neuen Anlegeplatz für die Blauschute ausfindig machen, da die städtische Bebauung bald das verwilderte Restrefugium „zivilisieren“ wird.

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachaus 2016

Maarten hilft den Kindern, und die Kinder helfen Maarten. Und so beginnen zwei Expeditionen: Die eine, angeführt von Maarten, führt in die unterirdischen Gefilde der Stadt, um Maartens Bruder zu suchen. Die andere, angeführt von der belesenen Antonia, macht sich mit dem motorisierten Beiboot der Blauschute auf die Suche nach einem alternativen Liegeplatz.

Weitere überraschende Unterstützung kommt von den „Unbezweckten“, einer phantastischen, kollektiven Lebensform, die ihre Gestalt wechseln kann und auf zweckfreien Lebensraum angewiesen ist …

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016


Ernsthafte Gefahren müssen überstanden werden, Traum und Wirklichkeit verschwimmen ein bißchen, Rätsel lösen sich, lose Fäden werden sinnvoll verknüpft, familiäre Zusammenhänge klären sich… Alle Gesuchten werden glücklich wiedergefunden, ja, sogar Polas Vater taucht auf, und schließlich kehrt auch Polas Mutter zurück, und der künftigen Bilderbuchfamilie steht nun nichts mehr im Wege …

Sosehr die Kinder ihre wilde Freiheit und ihre weitgehende Selbständigkeit auch genießen, so sehnen sie sich doch nach beständiger, liebevoller, elterlicher Präsenz und Geborgenheit. Die Wahlgeschwister sind gewitzt, tapfer und lebenspragmatisch, aber auch verletzlich und oft genug überfordert. Es gibt Lebenslagen, da sollten Kinder unbedingt getragen und begleitet werden. Als Maarten in die Vaterrolle schlüpft, sonnen sich alle Kinder gerne an der väterlichen Herzenswärme und Tatkraft, die er ihnen bietet.

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Illustration von Linde Faas © Verlag Urachhaus 2016

Die Geschichte der wilden Meute wird von Ilse Bos auf eine Weise erzählt, die die charakteristischen Eigenheiten und sprachlichen Spezialitäten aller Kinder ausdrücklich und lebhaft zu Wort kommen läßt. Der Autorin gelingt es mit spielerischer Leichtigkeit, die Charaktere und Stimmungen aus der Innen- perspektive anschaulich zu machen.

Die spannende und komplexe Dramaturgie wird begleitet von heiterer Situationskomik, feinem kindlichen Wortwitz (besonders gelungen bei der Sprache der Zwillinge und dem Akzent von Wladimir) und der einfühlsamen Darstellung der geschwisterlichen Beziehungen, die nicht immer harmonisch sind, jedoch auf der Basis grundsätzlicher Solidarität und Fürsorge stehen.

Die zahlreichen Figuren und ihre verborgenen sowie offensichtlichen Beziehungen zueinander erfordern indes ein beträchtliches Maß an Lese- konzentration und Aufmerksamkeit. Angesichts des umfangreichen Personenreigens ist es nützlich, daß sich im Anschluß an die Geschichte ein Personenregister der dreizehn Geschwister mit Kurzsteckbriefen zum Nachschlagen befindet.

Die zarten, textdetailgetreuen warmherzigen Zeichnungen von Linde Faas spiegeln die Charaktere, Szenerien und das emotionale Klima subtil und farbenfroh sowie situationsweise lebhaft-dynamisch oder still-versunken wider.

„Die wilde Meute“ handelt von einer Art Pippi-Langstrumpf-WG, in der die Grenze zwischen ‚Kindern etwas zuzutrauen′ und ‚Kindern etwas zuzu- muten′ fließend ist. Es wird ausgelotet, wie weit kindliche Selbstbe- stimmung und Selbstversorgung funktionieren, und wie wünschenswert – bei aller Liebe zur Freiheit – zuverlässige, liebevolle und ANWESENDE erwachsene Bezugspersonen sind.

Kindererziehung ist gleichwohl immer ein Abenteuer – ob in der Fiktion oder in der Wirklichkeit. Die im vorliegenden Kinderbuch vorgestellten Spielarten der Kinderkompetenz könnten überbehütete Kinder zu mehr Freiraum und Selbständigkeit ermutigen. Doch dies möchte ich nicht als Warnhinweis verstanden wissen, sondern als ausdrückliche Empfehlung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Die-wilde-Meute.html

 

Die Autorin:

»Ilse Bos, geboren 1966, hat Sprachen und Journalismus studiert. Nach einigen Jahren des Unterrichtens hat sie sich stärker auf das Dasein als Journalistin konzentriert und irgendwann begonnen, Geschichten zu schreiben. Ilse Bos lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Amsterdam. Die wilde Meute ist ihr Debüt.«

Die Illustratorin:

»Linde Faas wurde 1985 in Zeist in den Niederlanden geboren. Nach ihrem Studium an der Kunstakademie in Breda begann sie, sich als Illustratorin einen Namen zu machen. Für den Verlag Urachhaus hat sie u.a. drei Bücher des niederländischen Autors Paul Biegel illustriert – darunter Die Prinzessin mit den roten Haaren, für das sei im Jahr 2015 mit dem begehrten »Penzberger Urmel« ausgezeichnet wurde.«

Hier entlang zu: „Die Prinzessin mit dem roten Haaren“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/11/20/die-prinzessin-mit-den-roten-haaren/

 

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Virgilius Tulle auf Tortenjagd

  • Der zweite Band der Tulle-Zwerge
  • von Paul Biegel
  • Mit farbigen Illustrationen von Mies van Hout
  • Aus dem Niederländischen von Marie-Thérèse Schins
  • Verlag Urachhaus    Februar 2015                             http://www.urachhaus.de
  • 112 Seiten
  • gebunden, Halbleinen
  • 13,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7808-6
  • ab 6 Jahren zum Vorlesen
  • ab 8 Jahren zum Selbsterlesen
    Virgilius Tulle auf Tortenjagd

NICHT  KLEINZUKRIEGEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Paul Biegels herzhafte Geschichtenmixtur aus heiterer Spannung, lebensweisen Charakterstudien und phantasievoller Dramaturgie bewährt sich auch in dieser Fortsetzung der Tulle-Zwerge ganz vorzüglich. Die 31 kurzen Kapitel mit ihrer wohlportionierten Erzählstruktur eignen sich hervorragend zum Vorlesen.

Die Illustrationen von Mies van Hout übersetzen den spielerisch-weisen Tonfall dieser Geschichte in warmherzig-pfiffige, farbenfrohe Bilder.

Im vorliegenden zweiten Band der „Tulle-Zwerge“ macht sich Virgilius, der abenteuerlustigste und dickste aus der großen Familie der kleinen Tulle-Zwerge, auf den Weg, eine Torte zu besorgen. Denn der Zwergenälteste, Ate, wird demnächst ungefähr tausend Jahre alt, und das muß einfach mit einer schönen Torte gefeiert werden.

Wer die Tulle-Zwerge noch nicht kennt, kann sich in meiner Besprechung des ersten Bandes der „Abenteuer der Tulle-Zwerge“ mit ihnen vertraut machen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/11/06/die-abenteuer-der-tulle-zwerge/

Während die anderen Zwerge Virgilius dringend davon abraten, sich in die Menschenwelt zu begeben, und zahlreiche mögliche Gefahren auflisten, läßt der weise alte Ate ihn gehen. Denn Virgilius ließe sich selbst von einem Riesen nicht aufhalten – wenn er einmal einen Plan in seinem kleinen Köpfchen hegt, wird er ihn auch ausführen.

Die Heimat der Tulle-Zwerge ist die Heide, und so läuft Virgilius lange, lange bis zu ihrem Rand. Dort picknickt gerade eine Menschenfamilie, und Virgilius findet, daß er sich doch ganz bequem von diesen Menschen in die Stadt tragen lassen könne. Er versteckt sich in einer Tasche und landet schließlich auf dem Küchentisch der Familie und wird ausgiebig bestaunt.

Nach einer kurzen und bündigen Lektion zum Thema höfliche Umgangsformen mit Zwergen und gegenseitiger artiger Namensvorstellung erzählt Virgilius von seiner Absicht, eine Torte zu besorgen. Die Familie ist zwar sehr verwundert über diesen forschen Zwerg, aber sie ist auch sehr hilfsbereit. Der Vater verspricht, eine Torte zu spendieren und diese zusammen mit Virgilius am nächsten Nachmittag am Rand der Heide abzuliefern.

Doch zuvor möchte der Sohn den Zwerg – als Naturfundstück – seinem Lehrer zeigen. Virgilius ist einverstanden und läßt sich zu diesem Zweck sogar in ein leeres Honigglas stecken und besichtigen. Doch damit beginnen die Komplikationen. Der Lehrer ist ganz aufgeregt angesichts dieses Wunders – da es ja angeblich gar keine Zwerge gibt – und informiert Presse, Radio und Fernsehen.

Virgilius ist empört und gibt im Presse und Fernseh-Interview patzige Antworten und wiederholt seinen schlichten Wunsch, eine Torte zu besorgen. Nun werden Torten über Torten an den Rand der Heide gelegt in der Hoffnung, daß sich dann die anderen Zwerge zeigten. Doch die versteckten Photographen warten vergeblich darauf, daß sich die viel besser versteckten Zwerge aus der Reserve locken lassen. Sie sind halt menschenscheu – und das zu Recht, wenn man nun erfährt, wie es mit Virgilius weitergeht.

Sieben Professoren untersuchen Virgilius „wissenschaftlich“, und diesem Forschungslabor entkommt er nur, weil er entführt wird. Sein Entführer fliegt mit Virgilius in ein fernes Land und verkauft ihn dort an eine alberne Prinzessin, die Virgilius in ihre Raritätensammlung aufnimmt. Obwohl sie dem Zwerg ein bequemes und wohlgenährtes Leben anbietet, ist er nicht glücklich und schmiedet raffinierte Fluchtpläne.

Es gelingt ihm, sich in ein frankiertes Postpacket zu schmuggeln, das er zuvor noch mit seiner Adresse beschriftet hat: „An Virigilius Tulle. Mitten auf der Heide. Luftpost.“ (Seite79) Leider reicht das Porto nicht für Luftpost, und so wird das Paket mit dem tapferen Zwerg auf dem Seeweg transportiert. Auf dem Schiff macht sich Virgilius auf die Suche nach etwas Eßbarem und tappt ahnungslos in eine Rattenfalle.

Der Matrose Jan findet den verriegelten Zwerg, und nach anfänglicher Irritation befreit er Virgilius und verköstigt ihn mit einem Ernußbutterbrot. Er erzählt Virgilius, daß sie einen Maschinenschaden haben, und die einzige „Kurbelwellenbefestigungsmutter“, die sie noch gehabt hätten, um die Kurbelwelle zusammen zu schrauben, sei leider ins Abflußrohr gefallen und unerreichbar. Naja, da kann ein kleiner Zwerg doch ziemlich nützlich sein, und Virgilius bietet großzügig seine Hilfe an.

Der Kapitän und die Mannschaft staunen nicht schlecht, als Jan ihnen ihren Retter präsentiert. Virgilius wird mit einem Sicherungsbindfaden abgeseilt und findet die Kurbelwellenbefestigungsmutter. Mit großem „Hurra“ wird Virgilius gewaschen und getrocknet, und er darf den Rest der Reise in der Kapitänskajüte wohnen.

Doch es ist schließlich der freundliche Matrose Jan, der Virgilius heimlich zurück an den Rand der heimatlichen Heide bringt – in einer köstlichen Geburtstagstorte verborgen – zur Freude und Feier aller endlich wiedervereinten Tulle-Zwerge.

Paul Biegel macht sich in diesem Buch augenzwinkernd über menschliche Schwächen lustig und zeigt Kindern anschaulich, wie relativ man Größe betrachten kann. Virigilius Tulle ist ein gutes Vorbild dafür, wie man sich trotz der eigenen Kleinheit selbstbewußt und authentisch in der großen, weiten Welt bewegt und tapfer sein Ziel erreicht.

Der kleine Zwerg ist ausgesprochen mutig und vorwitzig, gleichwohl kann er Gefahren richtig einschätzen und weiß, wann er vorsichtig sein muß. Er läßt sich von den Unverschämtheiten, die sich manche großen Menschen ihm gegenüber erlauben nicht kleinkriegen, und er erkennt schnell, welcher Charakter vertrauenswürdig ist und welcher nicht.

Doch nach den aufregenden Strapazen der Tortenjagd hat Virgilius erst einmal genug von zwergzwischenmenschlichen Begegnungen, und das kann wirklich jedes Kind verstehen…

Der eigenwillige Zwergenmut läßt Virgilius groß erscheinen, während die offensichtlichen menschlichen Eitelkeiten und „wissenschaftlichen“ Dummheiten manche Menschen ziemlich klein erscheinen lassen.

 

Der Autor:

»Paul Biegel (1925 – 2006)  gehört mit Tonke Dragt, Thea Beckmann und Annie M.G. Schmidt zu den ganz Großen der niederländischen Kinderliteratur. Er verfaßte über 50 Bücher, sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem »Silbernen« und » Goldenen Griffel «.

Die Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 in Eindhoven geboren. Sie ist ausgebildete Kunstpädagogin und studierte Grafisches Gestalten an der Akademie Groningen. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikerin. Sie hat bereits etliche Bilderbücher veröffentlicht und wurde für den Drentse cultuurprijs nominiert.«
http://www.miesvanhout.nl

 

 

Das große Buch vom kleinen Kapitän

  • von Paul Biegel
  • Aus dem Niederländischen von Frank Berger
  • Mit farbigen und schwarz-weißen Illustrationen
  • von Carl Hollander
  • Verlag Urachhaus 2011  http://www.urachhaus.de
  • gebunden, Halbleinen
  • 400 Seiten
  • 18,00 €
  • ISBN 978-3-8251-7800-0
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
  • ab 8 Jahren zum Selberlesen
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STURMERPROBT  UND  MEERGEWANDT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Kapitän wohnt auf seinem kleinen Dampfschiff „Nieleck“, das nach einem Sturm auf einer Düne gestrandet ist. Seine Herkunft bleibt ungewiß, aber das erhöht nur den Reiz, den er für andere Kinder hat. Diese helfen ihm begeistert, sein Schiff mit allerlei Improvisationsfundstücken wieder seetüchtig zu machen. Alle wollen mit ihm zu der „Insel, wo alles wächst und gedeiht“, weil man dort über Nacht groß und erwachsen wird.

Als es schließlich so weit ist, mit der nächsten hohen Welle in See zu stechen, begleiten den kleinen Kapitän drei Kinder: Tonne, Martinka und Heini Hasenfuß. Tonne betätigt als lebender Blasebalg den Kanonenofen, Martinka backt in der Kombüse endlose Pfannkuchen, Heini Hasenfuß schrubbt das Deck blitzeblank, und der kleine Kapitän steht „breitbeinig hinter dem Steuerrad und hat seine Augen fest auf den Horizont gerichtet“.

Die Reise ist abenteuerlich, aber der kleine Kapitän steuert sein Schiff unerschütterlich durch alle Gefahren und Hindernisse, und auch die mitreisenden Kinder leisten, jedes nach seinen Fähigkeiten (und Unfähigkeiten), wichtige Beträge zum Erfolg.

Auf der Insel finden die Kinder einen Schiffbrüchigen, Seemann Rolf, und sie erfahren, daß das mit dem Über-Nacht-Großwerden nur eine vorübergehende Erscheinung ist, die sich beim Verlassen der Insel wieder verflüchtigt. Zusammen mit dem Schiffbrüchigen steuern sie wieder den heimischen Hafen an, aber vorher entdecken sie noch eine Vulkan-Insel mit ausgesetzten Zirkustieren und einem weiteren Schiffbrüchigen, Seemann Hinrich.

Nun werden die Kinder von zwei erfahrenen Matrosen begleitet, und sie besuchen eine geisterhafte Stadt, die auf Stelzen im Meer steht. Dort herrscht der gräuliche König Unwirsch, den die Kinder mit einer klugen, dramatischen Inszenierung in einen netten, farbenfrohen Herrscher verwandeln. Nebenbei gabeln sie den dritten Schiffbrüchigen auf, den Matrosen Schlummermann.

Doch der Weg nach Hause ist noch weit, und Hindernisse wie Meeresstrudel, Unterwassergärten sowie Ebbe- und Flut-Schleusen werden tapfer überwunden. Ein irreführender Leuchtturm lockt sie zum „Land des Wahns und der Weisheit“, wo die Kinder sieben verrückte Prüfungen absolvieren müssen.

Sie kreuzen ein Geisterschiff, das von dem verfluchten Piraten Schrubbebein gesteuert wird, und mit dessen unfreiwilliger Hilfe finden sie die sieben gestohlenen Schatzkisten, denen der Pirat seine Verfluchung verdankt. Um diese Schätze den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, sind weitere Umwege nötig – einmal geht es sogar zu Land durch die Wüste.

Der kleine Kapitän und seine Besatzung ernähren sich zwar die ganze Zeit etwas einseitig von selbstgebackenen Pfannkuchen, doch dafür sind die Begegnungen und Wagnisse, denen sie sich aussetzten, ausgesprochen vielseitig.

Mit vereinten Kräften meistern sie alle Herausforderungen, und nachdem die Kinder das Meer vom Tiefen Süden über den Stürmischen Westen bis in den Hohen Norden durchquert haben, kehren sie sturmerprobt und wohlbehalten in den heimatlichen Hafen zurück.

Die zahlreichen bunten und schwarz-weißen Zeichnungen – viele davon ganz- und doppelseitig – fügen sich harmonisch in den Text ein, und sie decken das ganze Spektrum von dramatischer Gefahr, lustigem Erstaunen, gruseligem Schauder und behaglicher Gemütlichkeit ab.

Neben den exotischen Landschaften, märchenhaften Gebäuden, unterschiedlichen Meeresstimmungen und tollen Segelschiffdarstellungen gibt Carl Hollander auch den menschlichen Figuren charakterstarke, ausdrucksvolle Gesichter, so daß man sie stets auf jedem Bild wiedererkennen und zuordnen kann.

„Das große Buch vom kleinen Kapitän“ ist in Wort und Bild ein spannendes und kindgerechtes Seemannsgarn-Geschichtenbuch zum Vorlesen und zum Selberlesen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Das-grosse-Buch-vom-kleinen-Kapitaen.html

Der Autor:

»Paul Biegel (1925 – 2006) gehört mit Tonke Dragt, Thea Beckman und Annie M.G. Schmidt zu den bedeutendsten Vertretern der niederländischen Kinderliteratur. Er verfasste über fünfzig Bücher, sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem begehrten Silbernen und Goldenen Griffel. Der Verlag Urachhaus ehrt den Großmeister der niederländischen Jugendliteratur mit einer achtbändigen Sonderausgabe seiner schönsten und erfolgreichsten Kinderromane. «

Der Illustrator:

»Carl Hollander ( 1934 – 1995) stammte aus Amsterdam. Er war u.a. Dozent an der Amsterdamer Rietveld Academie und illustrierte mehr als hundert Kinderbücher, darunter die Pippi Langstrumpf-Serie von Astrid Lindgren, zahlreiche Bücher von Paul Biegel, Annie M.G. Schmidt und An Rutgers van der Loeff. Er arbeitete gern mit Feder und Tusche, Bleistift, Buntstift und Aquarelltechniken. Durch ihre feinen, liebevoll ausgearbeiteten Details wirken seine lllustrationen besonders lebensnah und frisch. «

 

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Die Schatzinsel

  • von Robert Louis Stevenson
  • Hörspiel
  • Hörspielbearbeitung: Heinz-Dieter Sommer
  • Regie: Leonhard Koppelmann
  • Musik: Henrik Albrecht
  • Produktion: Hessischer Rundfunk 2014
  • erschienen im Hörverlag, Oktober 2014   http://www.hoerverlag.de
  • 4 CDs
  • Laufzeit ca. 3 Stunden und 59 Minuten
  • 19,95 €
  • ISBN 978-3-8445-1591-6
  • Buchvorlage HANSER Verlag: Übersetzung & Herausgabe von Andreas Nohl
  • Die Rollen und ihre Sprecher:
  • Jim Hawkins: Maximilian von der Groeben       Long John Silver: Udo Wachtveitl
  • Dr. David Livesey: Sylvester Groth                  Squire John Trelawney: Gerd Wameling
  • Käptn Billy Bones: Thomas Fritsch                       Kapitän Smollett: Ulrich Pleitgen
  • Israel Hands: Wolf-Dietrich Sprenger                    Stevenson: Ulrich Noethen
  • Ben  Gunn: Matthias Habich                                       Papagei: Dirk Leonhard
    u.v.a.
    Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson

D O N N E R K I E L

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ach, die alten Vertrauten meiner kindlichen Abenteuerlust und Phantasie, hier sind sie endlich wieder: Jim Hawkins, Long John Silver, Dr. David Livesey, Squire John Trelawney, Ben Gunn u.v.a.m.

Unzählige Male habe ich als Kind der Schatzinsel gelauscht und nachgeträumt. Damals gab es die EURPOA-Schallplatten, die in ihrer Kinderserie Märchen und klassische Abenteuergeschichten als Hörspiele inszenierten – oft mit dem unübertroffenen Hans Paetsch als tragende Rolle oder Hintergrunderzähler und stets mit dramatischer Musik, gespielt vom EUROPA-Studioorchester.

Ich finde es überaus erfreulich, daß immer wieder „erwachsene“ Versionen alter Klassiker als Hörspiel produziert werden. So läßt man sich – auf der Erinnerungsgrundlage der kindlichen Begeisterung, ergänzt um den erwachsenen Erfahrungshorizont – wunderbar behaglich mit Abenteuern verwöhnen.

Die vorliegende Hörspielinszenierung hat meine Erwartung wahrlich noch übertroffen. Die Rollenbesetzungsliste ließ mich bereits frohlocken, doch die „ganzheitliche Darreichungsform“ dieses Hörspiels hat mir ganz und gar und prächtig gefallen.

Die plakative Aussage auf der Rückseite der CD-Hülle: »SO haben Sie die SCHATZINSEL noch NIE gehört!« kann ich nur unterschreiben. Denn es kommt nicht nur die Romanhandlung zu Wort, sondern auch die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel.

Neben einer virtuos-atmosphärischen musikalischen Untermalung und Begleitung wurden auch einige Lieder hinzugefügt und eingesungen, die stilistisch wunderbar mit der Schatzinselstimmung und der schillernden Figur des Long John Silver harmonieren. Überhaupt geben die hier und da wiederholt einfließenden Lieder oder auch nur Lied- und Melodiefetzen der ganzen Geschichte zusätzlichen, sehr attraktiven Schwung.

Die überaus geschickt in den Handlungsverlauf eingeschobenen Ausflüge in die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel erweitern die Abenteuergeschichte um den zwischenmenschlich-literarischen Hintergrund Robert Louis Stevensons.

Ich fand es hochinteressant, zu erfahren, daß Stevenson die Inspiration zur Schatzinsel durch eine Schatzkarte bekam, die sein kleiner Stiefsohn gezeichnet hatte. Zunächst spielerisch begann er, Figuren in diese Karte hineinzudichten und dem Stiefsohn dazu eine Seeräubergeschichte zu erzählen. Schließlich – wie es oft bei phantasievollen Schriftstellern der Fall ist – verselbständigten sich die ausgedachten Charaktere und schrieben sich beinahe von selbst.

Auch ein metafiktives Gespräch zwischen den literarischen Charakteren Long John Silver und Kapitän Smollett über die unterschiedliche Attraktivität von Schurken und Helden hat viel selbstironischen Reiz. Ich fand es spaßig, wie die beiden Figuren beim Geräusch des Tintenfaßaufschraubens eifrig wieder an ihre Buchposition eilen.

Ausnahmslos alle beteiligten Sprechspieler verstimmlichen ihre jeweilige Rolle lebhaft und mit überzeugender InsPIRATion und, wie mir scheint, auch mit viel Spielgenuß. Es ist bewundernswert, wie es ihnen gelingt, nur durch das Medium der Stimme soviel Lebensstoff zu vermitteln.

Als Zugabe folgt im Anschluß an das Hörspiel noch ein – von Hans Sarkowicz moderiertes – Gespräch mit dem Hörspiel-Autor Heinz-Dieter Sommer, dem Regisseur Leonhard Koppelmann und dem Komponisten Henrik Albrecht. Dieser Werkstattbericht gewährt einen spannend-reflektierenden Einblick in die Produktions- und Gestaltungsbedingungen eines solchen Hörkunstwerkes.

Die 4 CDs nebst Textheftchen mit Hintergrundinformationen sind in einer Papphülle untergebracht, und eine Schatzkarte bekommen wir natürlich auch noch dazu.

Nun fällt mir gerade auf, daß ich bei meiner Besprechung die inhaltliche Kenntnis der Schatzinselgeschichte einfach vorausgesetzt habe. Doch um dem Klassiker die gebührende Ehre zu geben, folgt nun eine sehr geraffte Zusammenfassung:

Der junge Held ist der siebzehnjährige Jim Hawkins, und er ist auch der Erzähler des ganzen Abenteuers. Dieses Abenteuer beginnt mit dem Einzug eines geheimnisvollen Seemannes unbestimmbarer Herkunft in die Matrosenschänke von Jim Hawkins Vater. Der neue Gast ist bärbeißig und ebenso jähzornig wie rumsüchtig, er will mit Käptn angeredet werden, und er singt oft das berüchtigte Lied von den „Fünfzehn Mann auf des Totenmannes Kiste –jo-ho-ho-jo, und `ne Buddel voll Rum!“ Außerdem fürchtet er sich sehr vor einem einbeinigen Seemann und zahlt Jim monatlich einen Silbergroschen dafür, daß er ihm sofort meldet, wenn ein solcher Seemann im Umkreis des Wirtshauses auftauchen sollte.

Eines Tages kreuzt ein weiterer seltsamer Seemann auf, der sich „Schwarzer Hund“ nennt, und der sogenannte Käptn bekommt nach einem handgreiflichen Streit mit dem neuen Gast einen Schlaganfall. Zufällig ist Dr. David Livesey gerade auf dem Weg zum Wirtshaus, um nach Jims schwerkrankem Vater zu sehen. Widerwillig rettet Dr. Livesey dem Käptn das Leben, indem er ihn zu Ader läßt.

Als der Käptn wieder zu Bewußtsein gekommen ist, vertraut er Jim an, daß er der Steuermann des verstorbenen Kapitäns Flint war und eine Schatzkarte von ihm „geerbt“ habe, hinter der nun der Rest von Flints alter Mannschaft her sei.

Einige Zeit später bekommt der Käptn erneut verdächtigen Besuch und regt sich danach so sehr auf, daß er an einem zweiten Schlaganfall stirbt. Jim durchsucht die Seemannskiste und nimmt einige Papiere sowie die Schatzkarte an sich. Anschließend berät er sich mit dem örtlichen Gutsherrn Squire John Trelawney und Dr. David Livesey. Bei näherer Inspektion der Karte und der beiliegenden Dokumente, die eine genaue Buchführung der beträchtlichen Piratenbeute enthalten, stellt sich heraus , daß sie wahrlich die Schatzkarte vor sich haben, die den Standort der vergrabenen Schätze des blutrünstigen Piratenkapitäns Flint bezeichnet.

Squire Trelawney ist die Aussicht auf diesen Schatz so viel wert, daß er ein Schiff ausrüsten läßt, einen Käpitän engagiert und mit Hilfe einer Zufallsbekanntschaft, dem einbeinigen Schiffskoch Long John Silver, eine Schiffsbesatzung organisiert.

Jim Hawkins ist zunächst mißtrauisch, da er an den einbeinigen Seemann denken muß, den der verstorbene Vorbesitzer der Schatzkarte so gefürchtet hatte. Doch John Silver erweist sich als so gepflegter, kultivierter und leutseliger Mann, daß sich Jims Bedenken sofort verflüchtigen. Außerdem kümmert er sich fast väterlich um Jim, erklärt ihm geduldig seemännische Fachbegriffe und gewinnt so sein jugendliches Vertrauen.

Schließlich sticht das Schiff „Hispaniola“ in See. An Bord befinden sich Jim Hawkins als Schiffsjunge, Squire Trelawney, Dr. Livesey, Kapitän Smollett und der angebliche Schiffskoch Long John Silver sowie zahlreiche Matrosen, die sich nach der Ankunft auf der Schatzinsel fast alle als alte Piraten aus der ehemaligen Mannschaft von Kapitän Flint entpuppen.

Nach ambivalenten Bündnissen, waghalsigen Ränkespielen, gefährlichen Schiffsmanövern, diversen kämpferischen Auseinandersetzungen und nicht wenigen Toten gewinnen die „guten“ Helden das Rennen um den Schatz und die sichere Heimkehr in den heimatlichen Hafen. Nur Long John Silver stiehlt sich raffiniert in die Freiheit, und irgendwie schafft es dieser charismatische Hasardeur, daß man ihm diese Freiheit gönnt.

Ja, ich weiß, ich habe den Papagei nicht erwähnt, die tolle Szene im Apfelfaß und die Begegnung mit Ben Gunn und, und, und…
Aber – ZUM DONNERKIEL – Sie können ja das Hörspiel hören oder das Buch lesen. Also AHOI, segeln Sie in die nächste örtliche Buchhandlung und erbeuten Ihre Schatzinsel. Es lohnt sich!

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-Schatzinsel/Robert-Louis-Stevenson/der-Hoerverlag/e465662.rhd

 

Sollten Sie zufällig in der kleinen Großstadt SOLINGEN wohnen, haben Sie sogar die einmalige Gelegenheit, dieses Hörspielkunstwerk in der Buchhandlung „Die Schatzinsel“ zu erwerben.
Ich finde, besser geht’s nicht:

 Die Schatzinsel
Buch & Meer
Forststr. 1
42697 Solingen
Tel: 0212 – 38 32 95 10
Fax: 0212 – 38 32 95 11
http://www.schatzinsel-solingen.de

 

»Robert Louis Stevenson kam am 13. November 1850 in Edinburgh zur Welt. Er studierte erst Maschinenbau, dann Jura, erkrankte an Tuberkulose und verließ seine Heimat, weil ihm das Klima nicht bekam. Stevenson reiste um die Welt, liebte die Südsee und arbeitete als Schriftsteller. Er schrieb Essays, Gedichte, Reisebücher und Romane.
„Die Schatzinsel“ erschien 1883. Die letzten Jahre lebte Robert Louis Stevenson auf Samoa. Dort starb er mit nur 44 Jahren Ende 1894

Käptn Katz

  • Text und Illustration von Inga Moore
  • Aus dem Englischen von Michael Stehle
  • Verlag Urachhaus, März 2014  http://www.urachhaus.de
  • 48 Seiten
  • gebunden
  • Format: 24 x 28,8 cm
  • 16,00 €
  • ISBN 978-3-8251-7885-7
  • Bilderbuch ab 5 Jahren
    Käptn Katz

K  A  T  Z  E  N  Z  I  N  S  E  N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Handelskapitän in dieser Geschichte ist nicht sehr geschäftstüchtig. Eigentlich möchte er lieber ferne Länder bereisen und die Welt entdecken, anstatt immer nur Häfen zu sehen und mit Waren zu handeln. Außerdem liebt er Katzen und tauscht oft wertvolle Waren gegen Katzen ein, weshalb ihn seine Matrosen und seine Kapitäns- kollegen „Käptn Katz“ nennen.

Eines Morgens beschließt er spontan, einfach ins Blaue zu segeln. Sein Schiff gerät in einen Sturm, und er landet mit Schiff, Matrosen und zahlreichen Katzen in fremden Gewässern. Dort finden sie eine unbekannte, aber bewohnte Insel.

Die Königin der Insel ist hocherfreut über die Abwechslung, heißt die ganze Mannschaft und Katzenschaft herzlich auf ihrer Insel willkommen und lädt sie zu einem Festmahl ein.

Leider gibt es auf der Insel eine Rattenplage, und die Ratten verderben mit ihrem dreisten Appetit beinahe das Festgelage. Doch die Katzen von Käptn Katz erledigen dieses Problem auf natürliche Weise.

Zum Dank für die Befreiung von der Rattenplage und im Austausch für die Katzen, die auf der Insel bleiben sollen und wollen, darf sich Käptn Katz aus der wohlgefüllten Schatzkammer der Königin so viele Diamanten, Perlen und Rubine nehmen, wie er will.

Als wohlhabender Kapitän kehrt er in seinen Heimathafen zurück und alle Händler staunen, daß er im Tausch für die Katzen solche Reichtümer erhalten hat. Sogleich machen sich einige Händler auf den Weg, um ihre kostbaren Waren auf der Insel zum Tausch anzubieten. Denn wenn Käptn Katz „wertlose“ Katzen gegen solche Schätze eintauschen konnte, dann würden sie doch sicher noch viel reicher belohnt werden.

Nun – die Rechnung der Berechnenden geht nicht ganz so auf, wie sie gehofft haben…

Nachdem Käptn Katz indessen die Welt zur Genüge erkundet hat, kehrt er gerne wieder zu der unbekannten Insel zurück und lebt dort glücklich und zufrieden und katzenreich.

Die Illustratorin Inga Moore übersetzt ihre Geschichte in behagliche, schelmische und warmherzige Bilder, wobei ihr die vielfältigen Katzen ganz besonders lebhaft gelungen sind.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Kaeptn-Katz.html

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Inga Moore ist eine bekannte Größe der englischen Kinderbuch-Illustration. Mit ihren einfühlsamen und preisgekrönten Versionen zahlreicher klassischer und moderner Kinderbücher sowie mit eigenen Geschichten verzaubert sie seit Jahrzehnten nicht nur die Herzen ihrer jungen Leserschaft.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

 

Pirat der Seifenmeere

  • von Andreas Hartmann
  • Farbillustrationen von Ina Worms
  • 72 Seiten, gebunden
  • Format: 16 x 24 cm
  • Obelisk Verlag, Februar 2014    http://www.obelisk-verlag.at
  • 10,95 €
  • ISBN 978-3-85197-722-6
  • Kinderbuch ab 7 Jahren
    Pirat der Seifenmeere9783851977226

BADEZIMMER  AHOI

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Kindergeschichten mit fließenden Übergängen zwischen Phantasie und Wirklichkeit gibt es viele. Diesmal können wir das Fließen ruhig wortwörtlich nehmen, denn der „Pirat der Seifenmeere“ ist ein Buch für kleine Wasserratten.

Der kleine Junge, der in dieser Geschichte eine fantastische Karriere als Pirat absolviert, ist ein schönes Beispiel dafür, daß das beste und unerschöpflichste Spielzeug für Kinder immer noch die Phantasie ist.

Peter sitzt in der Badewanne und wartet darauf, daß seine Mutter kommt, um ihm die Haare zu waschen. Doch dank seiner kindlichen InsPIRATion erscheint hinter einem Badeschaumberg ein kleines schwarzes Piratenschiff mit einer kunterbunten Halunkenschar von Seeräubern.

Der Anführer, Kapitän Krausbart, berichtet dem erstaunten Peter, daß sie auf der Flucht vor den Schiffen des Königs seien. Die Piraten haben nämlich die Tochter des Gouver- neurs an Bord – mit deren Einverständnis, da sie sich in den Steuermann verliebt hat. Und nun werden die scheinbaren Entführer von einer ganzen Flotte gejagt. Ist doch quallenklar, daß Peter hilfsbereit ein bißchen für Gegenwind sorgt und die königliche Flotte auf gebührenden Abstand zum Piratenschiff bringt.

Zum Dank übergibt ihm Krausbart das Kommando über eines seiner Schiffe und schärft ihm ein: „Bereite der Piratenehre keine Schande. Sonst komme ich und hole mir das Schiff zurück!“ Als Peters Mutter das Badezimmer betritt, sieht Peter gerade noch, wie Kapitän Krausbart zum Abschied seinen Hut schwenkt und hinter Schaumbergen verschwimmt.

Beim nächsten Badetag besteigt Peter sein eigenes blutrotes Piratenschiff, und er trägt eine schwarze Augenklappe (wegen des Haarshampoos, das so fürchterlich in den Augen brennt). Abenteuerlustig durchquert er die Seifenmeere und findet auf einer einsamen Insel eine Gruppe ausgesetzter Piraten. Kurzentschlossen nimmt er die Mannschaft an Bord, und schon kann es losgehen mit Schiffe-Kapern und Schätze-Erbeuten.

Wenn man „die Seifenmeere kennt wie meine Badewanne“, kann man getrost einmal den Stöpsel aus der Meereswanne ziehen und das Meer abfließen lassen, um ein feindliches Schiff zu Fuß zu entern.

Und so geht es weiter: von Badetag zu Badetag werden wilde Abenteuer bestanden und Meeresungeheuer besiegt, es gibt Streit und Versöhnung und zum guten Schluß ein Riesenlob von Kapitän Krausbart für Peters vorzügliche Piratenqualitäten.

Nur Peters Eltern wundern sich über die regelmäßigen Überschwemmungen und Seifenkanonenkugeln, die neuerdings das Badezimmer zieren…

Der Autor, Andreas Hartmann, würzt die kindlichen Abenteuer mit echtem Seeräuber- vokabular und lustigen Wortspielen, die dem Schiffspapagei, der immer alles ganz anders versteht, in den Schnabel gelegt werden. Sehr ansprechend und kindgerecht finde ich zudem die beiden Extraseiten mit den Erklärungen zu Segelschiffsfachbegriffen und Piratensprache.

Die bunten Illustrationen von Ina Worms greifen zeichnerisch die Badezimmerrequisiten auf und verwandeln sie in Meeres- und Seemannszubehör. Den lustigen, warmherzigen Bildern gelingt das Kunststück, wie sehr gekonnte Kinderzeichnungen zu erscheinen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://obelisk-verlag.at/index.php/onlineshop/ab-8/hardcover-ab-6-jahren/pirat_der_seifenmeere-detail

 

Der Autor:

Andreas Hartmann wurde 1973 in Berlin geboren. Nachdem sich das Ingenieurswesen für ihn rasch als Irrweg entpuppte, studierte er Erziehungswissenschaften. Er arbeitete in verschiedenen Bereichen – nur nicht in der Sozialarbeit. Auf verschlungenen Pfaden verschlug es ihn schließlich zum Schreiben und Übersetzen. Das tut er heute noch. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Berlin. Zusätzliche Informationen finden sich auf seiner Homepage:   http://www.klippenschreiber.de

Ich möchte noch hinzufügen, daß Andreas Hartmann ein weiteres Kinderbuch – DER HERR DER WOLKEN – veröffentlicht hat, das ich ebenfalls besprochen habe: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/24/der-herr-der-wolken/

Die Illustratorin:

»Ina Worms ist in der Nähe von Bonn geboren und aufgewachsen. Sie hat an der FH Trier Kommunikationsdesign studiert mit Schwerpunkt Design Buch und war für ein Auslandssemester an der Akademie der Schönen Künste in Krakau. Sie lebt und arbeitet heute in Köln als Illustratorin.«
http://www.ina-worms.de

 

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