Messer machen – wie die Profis

  • Messer selbstgebaut – mit individueller Note
  • von Ernst Siebeneicher-Hellwig
  • KOSMOS Verlag, Februar 2016 www.kosmos.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 228 x 167 mm
  • 132 Seiten
  • mit 190 Farbfotos und 30 Schwarzweißzeichnungen
  • 22,00 €
  • ISBN 978-3-440-14985-0

Messer machen - wie die Profis
KLINGENSCHARFE  MESSERKUNDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Messer machen – wie die Profis“ wartet übersichtlich und gleichwohl detailreich mit Rundumwissen zum Messermachen auf. Einer knappen kulturhistorischen Einleitung in die Bedeutung und Entwicklung von Schneidwerkzeugen von der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit bis zur Gegenwart folgt eine umfangreiche Materialkunde über heutzutage gebräuchliche Stahlsorten und Legierungen.

Die unterschiedlichen Eigenschaften und Zusammensetzungen von Kohlenstoffstahl, rostfreiem Stahl,  pulvermetallurgischem Stahl (PM-Stahl) und Damaszenerstahl sowie verschiedenen Legierungen und Legierungselementen sowie die Unterschiede zwischen rostfreien und rostempfindlichen Stählen werden eingängig erklärt.

Folgendes ist bei allen Klingenfertigungen stets zu beachten: Ein Klingenstahl muß – je nach Gebrauchszweck – über ein ausgewogenes Verhältnis von Härte und Elastizität ver-fügen. Eine Klinge, die zu hart ist, kann leicht brechen, und einer Klinge, die zu weich ist, fehlt die Schärfe bzw. Schnitthaltigkeit. Auch die Korrosionsbeständigkeit ist nicht für alle Messerarten gleich relevant. Denn tatsächlich ist ein Kohlenstoffstahl (Carbonstahl) zwar nicht rostfrei, dafür ist jedoch die Schneidhaltigkeit besser und die Klinge ist bei Bedarf leichter nachzuschärfen als bei rostfreiem Stahl, der zwar nicht rostet, aber schwer schleif- und nachschärfbar ist. Mit einem säurefreien Öl kann man zudem dem Angriff der Korrosion bei Carbonstahlklingen pflegerisch vorbeugen.

Rostfreie Stähle werden u.a. mit Chrom legiert (mindestens 12%) und sind dadurch korrosionsbeständig. „Da Chrom unedler ist als Eisen, lagert sich der Luftsauerstoff bevorzugt an das Chrom an und bildet eine hauchdünne Schicht, die den Stahl vor Angriffen des Sauerstoffs schützt.“ (Seite 8)

Nach der Klingenmaterialkunde geht der Autor auf verschiedene Materialien (Holz, Horn, Schichtholz, Kunststoff, Hirschhorn, Knochen, Elfenbein, Perlmutt, Warzen- schweinhauer) für die Griffschalen ein und beschreibt diese hinsichtlich ihrer funk- tionellen und optischen Qualität. Ebenso werden unterschiedliche Materialien für Beschläge, Griffbacken, Nieten und Stifte dargestellt.

Eine Auflistung der benötigten Werkzeuge und weiterer Hilfsmaterialien für die Messer-herstellung sowie Sicherheitshinweise auf Schutzbrillen, Arbeitshandschuhe und Atem-schutzmaßnahmen (je nach Arbeitsvorgang) bereitet sorgfältig auf die Praxis vor.  

Für den Einstieg ins Messermachen empfiehlt der Autor, mit Bausatz-Messern anzufan-gen, um sich erste Grundlagen und praktische Erfahrungen zu erarbeiten. Ausführlich bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen nehmen den geneigten Anfänger an die Hand. Ein kurzer Exkurs ins Klingenschärfen mit Schleifsets und Wassersteinen vermittelt schließlich buchstäblich den Feinschliff.

Den Anfängerkapiteln folgen nun anspruchsvollere Kapitel, in denen von der Klinge bis zum Griff alles selbst gemacht wird. Thematisiert werden feststehende Messer, Klapp-messer, japanische Kochmesser und der Sax, ein Jagdmesser, das von der Eisenzeit bis ins Mittelalter sowohl als Werkzeug als auch als Waffe gebräuchlich war. Als praktische Zugabe gibt es außerdem eine Bauanleitung für eine einfache Schmiedeesse aus Ziegelsteinen.

Die Arbeitsschritte des Schmiedens werden detailliert und fotografisch anschaulich dargestellt bis hin zum sehr arbeitsaufwendigen Schmieden von Damastklingen und zum Ätzen von Damast.

Abschließend widmet sich der Autor weiteren dekorativen Gestaltungsaspekten des Messermachens. Sowohl Messergriffe, Griffbacken als auch Klingen können mit ver- schiedenen Ätzungen, Ritzungen, Gravuren, Einfärbungen, Feilungen sowie Pun- zierungen nach persönlichem Gusto verziert werden.

Dieses Buch ist didaktisch sehr gut aufgebaut, die fundierte und sehr differenzierte Materialkunde verbindet sich hervorragend mit den anschaulichen handwerklichen Anleitungen und vielen nützlichen Detailtipps sowohl zur Gestaltung von Messern als auch zum benötigten Werkzeug und ergänzenden Hilfsmaterialien. Die zahlreichen Abbildungen und technischen Zeichnungen unterstützen das Verständnis der beschrie-benen handwerklichen Abläufe. Ein ausführliches alphabetisches Register hilft beim gezielten thematischen Nachschlagen.

Fachbegriffe wie Schneidgeometrie, verschiedene Messertypen, Stahlhärtungs- methoden, die Unterschiede zwischen Kohlenstoffstahl und rostfreiem Stahl werden verständlich erklärt. So eignet sich der Anfänger solides Basiswissen an und kann zunächst mit einfachen Bausatz-Messern einen Einstieg ins Messermachen finden, der dann mit gewachsener praktischer Erfahrung und Übung zu komplexerem handwerk- lichen Anspruch hinführen kann.

Das fachspezifische und handwerkliche Niveau der Darstellung ist insgesamt hoch. Zur Umsetzung der Theorie in die Praxis gehören unbedingt handwerkliches Talent und Ausdauer sowie eine gut ausgestattete Werkstatt.

Auch bereits erfahrene Messermacher bekommen in diesem Buch noch viele nützliche und kreativ-anregende Hinweise. So finden beispielsweise schmiedewillige Messer- macher eine Übersichtstabelle über die Farbabstufungen der Anlaß- und Glühfarben für die erreichte Stahltemperatur und vielfältig-schöne Beispiele für selbstgemachte Messer – viele davon übrigens vom Autor höchstselbst gefertigt.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/jagd/jagdpraxis-hege/6488/messer-machen-wie-die-profis

Der Autor:

»Ernst Siebeneicher-Hellwig, geboren 1950 im Bayrischen Dachau, ist gelernter Werk-zeugmacher und hat sich über viele Jahre auf die Fertigung von Messern spezialisiert. Das Gründungsmitglied des Messer-Arbeitskreises Olching ist als Berater sowie Messer-designer für das Unternehmen Ed Mahony tätig, das sich der Herstellung und dem Ver-trieb innovativer Messer widmet. Viele Jahre leitete Ernst Siebeneicher-Hellwig stark nachgefragte Kurse über  den Eigenbau  von Messern. Zum Themenkreis Messer veröffentlichte er verschiedene Fachbücher.
Zwei Messerkreationen von Ernst Siebeneicher-Hellwig wurden  von den Lesern des „Messer Magazin“ zum Messer des Jahres 2016 in den Kategorien Klappmesser und Küchenmesser gewählt.«

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Meine Schnitzwerkstatt

  • Band 1
  • von Astrid Schulte
  • 30 Schritt-für-Schritt-Anleitungen
  • KOSMOS Verlag, 2. Auflage 2019  www.kosmos.de
  • Spiralbindung
  • 80 Seiten
  • 200 Farbfotos
  • Format: 233 x 228 x 17 mm (LxBxH)
  • inklusive OPINEL-Kinderschnitzmesser mit abgerundeter Klinge und Feststellring
  • 22,00 €
  • ISBN 978-3-440-16379-5
  • Kindersachbuch ab 8 Jahren

Meine Schnitzwerkstatt

S C H N I T Z B E G E I S T E R U N G

Kindersachbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Mit einem solch animierenden Schnitzlernbuch blüht das kindliche Abenteuerherz auf. Dieses Kindersachbuch verbindet praktische Schnitzanleitungen mit einer unaufdring-lichen, sich gewissermaßen ganz organisch aus den Arbeitsabläufen ergebenden Naturverbundenheit.

Ein OPINEL-Kinderschnitzmesser liegt dem Buch bei und verlockt gleich zum Los-schnitzen. Doch vor der Praxis ist ein wenig Theorie und Anleitung nicht nur sinnvoll, sondern auch zielführender und erfolgversprechender.

Zunächst weist die Autorin Kinder (und Erwachsene) in den richtigen Gebrauch des Schnitzmessers ein. Das OPINEL-Schnitzmesser verfügt über zwei Sicherheitsvor-kehrungen: Es hat eine abgerundete Klinge und einen Feststellring, der ein ungewolltes Einklappen der Klinge verhindert – so sind Verletzungsgefahren schon etwas reduziert.
Zum Schnitzen sollte das Kind eine stabile Sitzposition und Körperhaltung einnehmen, genug Abstand (wenigstens eine Armlänge) zu Schnitznachbarn ist zu beachten.

Mit dem Faustgriff liegt das Messer gut in der Hand, und der Kraftaufwand zum Schnitzen ist nicht groß. Außerdem sollte die Klinge scharf sein, denn auch dies ver- ringert den Krafteinsatz und die Verletzungsgefahr. Zu den unerläßlichen Sicherheits- hinweisen gehört die Anweisung, die Messerklinge unbedingt immer vom Körper weg zu führen.

Einfache Schnitztechniken – zunächst an Grünholz, später auch an Trockenholz – werden anschaulich erklärt und gegebenenfalls auch erst einmal an Gemüse (Möhren oder Gurken) ausprobiert.

Eine kleine Knotenkunde (doppelter Schlag, Schlaufe, Palstek) sowie eine Liste mit er-gänzenden Werkzeugen wie Schleifpapier, Kastanienbohrer, Schnüre etc. erweitern den Gestaltungsspielraum der Schnitzobjekte.

Es werden Schnitzanweisungen in drei Schwierigkeitsgraden gegeben. Zu Beginn jeder Anleitung zeigt eine gezeichnete Holzscheibe mit einem, zwei oder drei Messern die jeweilige Schwierigkeitsstufe an. Bei einigen Objekten wird darauf hingewiesen, daß erwachsene Unterstützung sinnvoll ist. Es sind aber auch viele Schnitzbeispiele dabei, die Kinder gut alleine schaffen können.

So werden u.a. Buttermesser, Gabel, Löffel, eine Holunderflöte und eine Weidenflöte, Kreisel, Jojos, ein Rennauto, ein Rindenboot, ein Floß, ein Katamaran, ein Wasserrad, Schmuckholzperlen, Trinkbecher und Schalen aus Birkenrinde, eine Möwenpfeife, eine Schleuder, Pfeil und Bogen, Schwerter und kleine Elfenmöbel geschnitzt
 
Jede Schnitzanleitung ist systematisch aufgebaut mit einer Auflistung der geeigneten Holzart, genauen Maßangaben, eventuellem Zusatzwerkzeug und ergänzenden Materi-alien wie Schnur oder Stoffresten. Alle Arbeitsschritte werden sorgfältig erklärt und durch zahlreiche Fotos anschaulich illustriert. Daß auf allen Fotos eifrige und freude- strahlende „Schnitz-Kinder“ zu sehen sind, wird gewiß eine ebenso ermutigende wie animierende Wirkung auf die kindlichen Leser haben.

Die Sicherheitsempfehlungen hinsichtlich des achtsamen Messergebrauchs werden gelegentlich wiederholt. Und auch Erste-Hilfe-Maßnahmen bei kleinen Schnittwunden werden erwähnt.

Selbstverständlich wird niemals Holz von lebenden Bäumen verwendet, sondern nur Grünschnittabfälle und herumliegende Zweige, Äste und Rindenstücke, welche man im Garten oder Wald aufsammeln kann.

Ein kleines Baumlexikon beschreibt anschauliche die Erkennungsmerkmale und Blatt-formen der Bäume, deren Holz in den Schnitzanleitungen verwendet wurde: Hasel, Birke, Buche, Holunder, Schwarzerle, Salweide, Kiefer, Fichte.

Eine naturpädagogisch-ganzheitliche Abrundung finden die Schnitzanregungen zudem in beiläufigen Informations-Zugaben, die beispielsweise erklären, wie sich am Lagerfeuer aus Weidenzweigen Zeichenkohle herstellen läßt oder wie Spitzwegerichblätter als Erste Hilfe bei Insektenstichen und Wunden zur Anwendung kommen.

„Meine Schnitzwerkstatt“ führt Kinder auf anregende und praxiserprobte Weise in ein-fache Fertigkeiten des Schnitzens ein. Die kindgemäßen Erklärungen, der methodisch-übersichtliche Aufbau und die vielen Fotos erleichtern den Einstieg in die Schnitzpraxis. Das beiliegende OPINEL-Kinderschnitzmesser verbindet die erlesene Theorie vorzüglich mit der darauf folgenden Praxis.

Kurzum: Als Gegengewicht zum abstrakt-verkopften schulischen Lernen vermittelt dieses Buch Kindern konkrete körperliche Kompetenz, natürliche Sinnlichkeit und selbstwirksame Erfahrung.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/kinder-jugendbuch/sachbuch/natur-tiere/10143/meine-schnitzwerkstatt

Und wer noch mehr schnitzen möchte, kann sein Spektrum der Schnitzobjekte mit Hilfe des zweiten Bands „Meine Schnitzwerkstatt/50 neue Ideen“ ISBN 978-3-440-17000-7 erweitern. Der zweite Band folgt der gleichen Anleitungsstruktur wie der erste, nur fehlt diesmal das OPINEL-Schnitzmesser, deshalb kostet der Band auch nur 15,00 €.
Geschnitzt werden u.a. folgende Dinge: Zelthaken, Kescher, Insektenhotel, Waldläufer-zeichen, Astkröte, Schneeschuhe, Hängestuhl, Kleiderhaken, Asthammer, Rindentiere, Würfel, Dominospielsteine, Wasserbahnen, Wäscheklammern, Fichtenflorett, Grillzange, Zwerg- und Tierfiguren, Boote, Flöße und Kanus, Helikopter, Klanghölzer, Flöten, Speisenspieße sowie ein Göffel – eine Kombination aus Gabel und Löffel an einem Stiel.

Meine Schnitzwerkstatt, 50 neue Schnitzideen

Hier entlang zum zweiten Band auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/kinder-jugendbuch/sachbuch/natur-tiere/11571/meine-schnitzwerkstatt

Ergänzend hinsichtlich der Waldnaturkunde empfiehlt sich zudem das waldliebhaberische Sachbuch „Die kleine Waldfibel“  von
Linda Wolfsgruber:
Die kleineWaldfibel

Die Autorin:

»Astrid Schulte ist ausgebildete Naturpädagogin und Expertin für das Thema Schnitzen mit Kindern. Neben Schnitzkursen bringt sie Kindern auch die Kunst des Feuermachens mit Zunderschwamm und Feuerstahl bei. Siehe: https://www.kosmos.de/buecher/kinder-jugendbuch/sachbuch/natur-tiere/14695/das-feuerbuch und http://mehr-wald.de/ «

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Igel

Igel (Naturkunden Nr. 76)
I G E L E R K U N D I G U N G E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In dieser Naturkunde begegnet uns der Igel als biologisches Wesen mit seinen art-spezifischen Fähigkeiten und Lebensbedürfnissen sowie als Modell für künstlerische Darstellungen malerischer und bildhauerischer Art und als Charakterfigur in Fabeln, Legenden, Märchen und Bilderbüchern.

Igel sind einzelgängerische, nachtaktive und scheue Tiere, welche die Nähe zu Artge-nossen nur zum Zwecke der Fortpflanzung suchen. Ihr Stachelkleid besteht aus 6000 – 8000 Stacheln, von denen jede über einen eigenen kleinen Muskel verfügt. Bevor ein Igel sich zu seiner passiven Selbstverteidigung einrollt, „stellt er seine Stacheln in einer raffi-nierten Kreuz-und-Quer-Anordnung auf, in der sich die Stacheln gegenseitig stützen (Seite 23). Diese Anordnung schauten sich die Menschen von der Antike bis ins Mittel-alter für ihre militärischen Lanzenaufstellungen ab, und diese Formation wurde auch tatsächlich „Igelstellung“ genannt.

Der Geruchssinn ist der ausgeprägteste Sinn des Igels. Er schnüffelt und schnuppert unentwegt und kann sogar Regenwürmer in der Erde wittern. Igel sind keine Vegetarier. Wenn sie an Obst, Pilzen oder Nüssen knabbern, sind sie sehr wahrscheinlich auf der Jagd nach den darin verborgenen Würmern oder Schnecken. Beim Fressen schmatzen Igel un-überhörbar, weil sie ihre Nahrung sehr gut kauen und einspeicheln. Mit einem speziellen Riechorgan, dem Jacobsonschen Organ, können Igel sogar Gerüche schmecken. Igel können unbeschadet giftige Schlangen und Skorpione verspeisen, aber Milch ist für sie unbekömmlich.

Der Hörsinn des Igels ist immerhin noch drei bis viel Mal besser als der des Menschen, und sie können Töne im Ultraschallwellenbereich wahrnehmen.

Bedroht ist der Igel durch den Schwund natürlicher Lebensräume, Parasiten, Straßen-verkehr, industrielle Landwirtschaft, Pestizide und Insektizide, steril aufgeräumte Gärten sowie durch den Einsatz von Laubbläsern, Rasentraktoren und Mährobotern. Zudem bringt der Klimawandel mit deutlich wärmeren Wintern den Winterschlaf- rhythmus der Igel in lebensbedrohliche Unordnung.

Beim Igel verbinden sich – aus menschlicher Perspektive –  stachelige Unnahbarkeit mit knopfäugiger Possierlichkeit. Angesichts eines naturbelassenen Gartens, der seinen Revierbedürfnissen entspricht, kommt der Igel mit der Nähe zu Menschen zurecht, läßt sich gut beobachten und nimmt auch Futter an. Doch als klassisches Streicheltier eignet er sich nicht, er ist und bleibt ein Wildtier und entzieht sich aufdringlichen Kontaktver-suchen.

Menschen sind schon lange von Igeln fasziniert. So finden sich unter prähistorischen Tierfiguren neben Bison, Höhlenbär und Mammut auch kleine Igelfiguren. Im alten Ägypten waren Igel-Amulette beliebte Grabbeigaben.

Der Künstler Günther Uecker hämmerte 1964 aus Nägeln unterschiedlicher Länge die Körperform eines Igels auf ein Stück Holz, und je nach Generationenzugehörigkeit wer-den sich einige Leser noch an die mehr oder weniger kulinarischen Käse-Igel vergangen-er Partybüffets erinnern.

Igel spielen auch eine beachtliche literarische Rolle z.B. in den Grimmschen Märchen „Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel“ und „Hans mein Igel“ oder in Hans Falladas „Geschichte vom getreuen Igel“.

Der berühmte Igel „Mecki“ begann in den 30er-Jahren des 20.Jahrhunderts seine Karriere als Puppentrickfilmstar und belebte ab 1949 die alljährlich fortgesetztenen Mecki-Bilderbücher der Zeitschrift „Hörzu“. Nach wie vor erscheinen immer wieder Kinder- und Bilderbücher, die Igel als Hauptcharaktere inszenieren (siehe meine vorhergehende Bilderbuchbesprechung der Serie „Der große und der kleine Igel“ Warte doch mal! ).

Im Anschluß an die zoologischen und kulturhistorischen Igelbetrachtungen werden neben dem bei uns beheimateten Braunbrustigel noch einige außereuropäische Igelarten in kurzen Einzelportraits vorgestellt.

Und zum Abschluß kann ich hier wieder meinen lobeshymnischen Refrain zur buchge-stalterischen Materie der Reihe NATURKUNDEN singen. So ist auch der Band „Igel“ (NATURKUNDEN Nr. 76) aus schmeichelgriffigem Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten hergestellt. Die Typographie ist satt und lesefreundlich, der braune Kopf-schnitt ist farblich fein abgestimmt mit der Farbgebung des Bucheinbandes; die Faden-heftung erscheint diesmal interessant farbkontrastisch in dunkelblau, und die zahlreichen alten und neuen Illustrationen sind ebenso schön wie aussagekräftig.

Hier finden wir den harmonischen Einklang zwischen substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf!

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/igel.html?lid=2

Die Autorin:

»Verena Auffermann, geboren in Höxter, wurde nach einer Buchhandelslehre und dem Studium der Kunstgeschichte neben ihrer Tätigkeit als Dozentin und Herausgeberin vor allem als Kritikerin u. a. für DIE ZEIT und Süddeutsche Zeitung bekannt. Darüber hinaus ist sie als Jurorin, Moderatorin und Dozentin tätig. Zahlreichen Veröffentlichungen folgte zuletzt 2009 ein literaturwissenschaftlicher Sammelband, der unter dem Titel 100 Autorinnen in Portraits. Von Atwood bis Sappho, von Adichie bis Zeh im Herbst 2021 in einer erweiterten Neuedition im Verlag Piper erschienen ist. 2016 veröffentlichte Verena Auffermann eine Bildbiografie über Henry James.«

Der Illustrator:

»Falk Nordmann, Zeichner und Illustrator, lebt und arbeitet in Berlin. Ab 2007 Umschlaggestaltungen und Autorenportraits, seit 2013 Tierillustrationen der Reihe Naturkunden für Matthes & Seitz Berlin.«

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Trocken-Helden

  • Naturnah gärtnern ohne gießen
  • von Simone Kern
  • Kosmos Verlag 2021 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • 170 Farbfotos
  • 2 Farbzeichnungen
  • 128 Seiten
  • Format: 25,3 cm x 19,4 cm
  • 20,00 €
  • ISBN 978-3-440-17088-5

Trocken-Helden

TROCKENHEITSTOLERANTE  SCHÖNHEITEN

Rezension von Ulrike Sokul ©

Keine Frage: Die klimatischen Bedingungen fürs Gärtnern haben sich deutlich verändert. Die vertrauten monatlichen Jahreszeitengewohnheiten sind unberechenbarer gewor- den, oft gibt es plötzliche Wechsel von kalten zu warmen, von nassen und sehr nassen bis zu trockenen und sehr trockenen Wetterlagen. Dies macht besonders Gehölzen mit flachen Wurzelsystemen (Fichten) Überlebensprobleme. Doch auch für Obstgehölze, viele Gemüsearten und Stauden wird es schwieriger. Einfach nur mehr zu bewässern ist keine nachhaltige Lösung für diese Probleme, denn Wasser ist kostbar und sollte nur dosiert beispielsweise, bei Aussaat und Anpflanzungen, regelmäßig zum Einsatz kommen.

Die Autorin verschafft uns zunächst einen komprimierten Überblick über die globalen Erwärmungsphänomene, Wetterextreme mit Hitze und Platzregen, veränderte Nieder-schlagsmengen usw. Anschließend betont sie die Notwendigkeit, äußerst verantwor-tungsvoll mit Wasser umzugehen.

Damit Regen leicht versickern kann und zugleich die unterirdischen Grundwasser- speicher füllt, sollten versiegelte Flächen im Garten minimiert werden. Dazu kann man beispielsweise bei Auffahrten und Wegen Sickerpflaster, Fugenpflaster oder Kiesflächen (selbstverständlich ohne versiegelnde Unterlagen) einsetzen. Wasser, das vor Ort versickert, dient dem Pflanzenwachstum und dem Grundwasserhaushalt. Zudem läßt sich Dachflächenwasser leicht in Regentonnen sammeln und später bei Bedarf zum Gießen verwenden. Wer genug Platz hat, kann sogar eine Regen-Zisterne integrieren.

Auch der Boden sollte durch standortgerechte Pflanzungen und strukturelle Gestaltung vor Austrocknung geschützt werden. Eine mehrschichtige Vegetationsdecke bietet Schatten und kühlende Blattverdunstungseffekte. Beiläufig ließe sich übrigens ebenfalls ein Ausgleich für das aufgeheizte Stadtklima schaffen, wenn auch die Innenstädte systematisch durchgrünt würden.

Offene Bodenbereiche des Gartens sollten wahlweise mit organischem Mulch (z.B. Kompost, Laub) oder wasserdurchlässigem Kies- oder Splitmulch bedeckt werden.

Einheimische und fremde Wildpflanzen, die in Extremlagen zuhause sind, haben Wege gefunden, mit kargen Lebensbedingungen und Wasserknappheit auszukommen. Man- che Pflanzen bilden tiefe Wurzeln – so kann der Natternkopf mit seinen bis zu 2,40 cm tiefen Wurzeln sogar in Sandböden überleben -; andere Pflanzen speichern Wasser und Energie in Rhizomen, Wurzelknollen, Zwiebeln oder in fleischigen Blättern, wie bei Dickblattgewächsen (Fetthennen-Arten, Hauswurz und Mauerpfeffer).

Weitere Pflanzen schützen ihre Blätter zusätzlich mit einer Wachsschicht oder feinen Härchen vor zu starker Sonneneinstrahlung und Hitze. Wer aufmerksam hinschaut, erkennt diese sinnvollen Ordnungen der Natur und kann von ihnen lernen.

Mit einer bunten Vielzahl solcher trockenheitsverträglichen Pflanzen beschreibt die Autorin verschiedene Beetgestaltungsmöglichkeiten – je nach Standort und vorhan- dener Bodenbeschaffenheit. So leselustwandeln wir durch Präriebeete, Steppenbeete, einen klassischen „Gravel Garden“ (Kiesgarten), Steinbeete, Natursteinmauern, mediterrane Beete, Sonnenterrassen, trockene Schattenbeete, Vorgärten und Hauszu- gänge, Rosenbeete, Dachbegrünungen, Wildblumenwiesen, Insektenbeete …

Anschließend folgen Hinweise zur schonenden Bodenbearbeitung, Mulchempfehlungen, gartenpflegerischen Maßnahmen und bedachtsamem Gießverhalten. Für junge Gehölz-pflanzungen empfiehlt sich eine Vertiefungsmulde mit Gießrand, weil sich dort Regen-wasser besser sammelt. Wenn dort gegossen wird, dann maximal zweimal wöchentlich großzügig, damit das Wasser in die Tiefe sickert und das Wurzelwachstum in tiefere Bodenschichten angeregt wird.

Bebilderte Pflanzeneinzelportraits stellen eine Anzahl von Gehölzen, Stauden, Gräsern und Zwiebelpflanzen vor, die zu den pflegeleichten Trockenhelden gehören. Eine ausge-wogene Kombination aus einheimischen und eingewanderten Pflanzen bietet ein gutes Blühangebot für die Insektenwelt, da sich in solchen lokal-globalen Pflanzenkombi- nationen Früh- und Spätblüher hervorragend ergänzen.

Dieser Gartenratgeber bietet detailreiche praktische Anleitungen zum Gärtnern angesichts zunehmender Trockenheitsphasen. Die Wissensvermittlung ist übersichtlich strukturiert und erweitert den ökologischen Horizont hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen Klima, Boden, Wasser und Vegetation und animiert zur Einflußnahme auf das Kleinklima im eigenen Garten.

Die vielen attraktiven Fotos von Pflanzkombinationen und Beetgestaltungen wecken unmittelbare Lust, neue botanische Bekanntschaften aus dem anschaulich darge- stellten Fundus trockenheits-toleranter Pflanzen in den Garten einzuladen.

Und da – trotz der Weniger-ist-mehr-Regel – ein bißchen Gießnachhilfe sein darf, zum Ausklang noch ein Hinweis auf den idealen Gießzeitpunkt:

»Empfehlenswert sind die frühen, noch kühlen Morgenstunden. Dann sind Erde und Pflanzen noch feucht vom Tau. Da kann zusätzliches Wasser gut in den Boden ein-dringen. Blätter, welche beim Gießen nass geworden sind, werden ohne Problem in der milden Morgensonne trocknen.« (Seite 85)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/balkon-terrasse-zimmer/11601/trockenhelden

Die Autorin:

»Simone Kern studierte Landschaftsarchitektur und hat im Allgäu ihr eigenes Planungs-büro. Schwerpunkt ihrer vielfältigen Projekte sind naturnahe Gartenanlagen. Dabei sammelte sie langjährige Erfahrungen – stellte damit aber auch hautnah fest, dass sich durch den Klimawandel das Gartenleben massiv verändert. Darauf reagiert sie bei der Gestaltung von Gärten, in denen sich Menschen wohl und geborgen fühlen sollen. Auch Pflanzen und Tiere finden darin neue Lebensräume.
Draußen in der Natur, im eigenen Garten, beim Beobachten, beim Erfahren fremder und heimischer Landschaften – hier holt sie sich ihre Inspirationen.
Über ihre Tätigkeit als Landschaftsarchitektin hinaus engagiert sich Simone Kern seit langem zudem in ökologischen Projekten, insbesondre für den Schutz von Insekten. Ihr praktisches wie theoretisches Wissen gibt sie gerne in Workshops, durch Fachvorträge und Veröffentlichungen weiter.«

Querverweis zu weiteren empfehlenswerten Sachbüchern von Simone Kern:

Der antiautoritäre Garten/Gärten, die sich selbst gestalten“
Der antiautoritäre Garten
„Mein Garten summt/Ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln
Mein Garten summt
„Wilde Kübel – unkompliziert, naturnah und insektenfreundlich“ Wilde Kübel

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Tierisch guter Balkon

  • Kleine Fläche, großer Nutzen – so wird der Balkon zum Tierparadies
  • von Bärbel Oftring
  • KOSMOS Verlag, 2022 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • Format: 240 x170 mm
  • 160 Farbfotos
  • 128 Seiten
  • 18,00 €
  • ISBN 978-3-440-17411-1

Tierisch guter Balkon
NATÜRLICHE  BALKONBELEBUNG

Rezension von Ulrike Sokul ©

Bereits Bärbel Oftrings Buch „Worauf fliegst du – Tierparadiese pflanzen und pflegen“ (siehe meine Rezension:  Worauf fliegst du – Tierparadiese pflanzen und pflegen ) widmete sich dem Thema, wie sich der Garten so gestalten und bepflanzen läßt, daß Tiere dort gerne einziehen und auskömmlich leben können. Ein Balkon kann ebenfalls naturgemäß eingerichtet werden, doch die Lebensbedingungen und das Kleinklima unterscheiden sich selbstverständlich von denen im Garten.

Doch zunächst stellt die Autorin verschiedene Tiere vor, die sich als Balkongäste ein-finden können: Honig- und Wildbienen, Schmetterlinge und ihre Raupen, Käfer, Schweb- und Florfliegen, Blumenwanzen, Wespen, Spinnen und Blattläuse. Hinsichtlich der Blatt-läuse bieten die Larven von Florfliegen und Marienkäfern natürliche Regulation. Und damit man die nützlichen Helferlein auch richtig erkennt, gibt es aussagekräftige Fotos. In Kurzportraits wird zudem jeweils eine überschaubare Anzahl von Wildbienen und Schmetterlingen in Wort und Bild vorgestellt.

Weitere tierische Besucher sind Vögel (hauptsächlich Amsel, Blaumeise, Kohlmeise, Rotkelchen, Haussperling, Kleiber, Grünfink), und ganz besondere Balkongäste sind Eichhörnchen und Mauereidechsen.

Auf einer Doppelseite des Buches werden Spuren gezeigt, welche die tierischen Gäste hinterlassen. So lernt man u.a. winzige Eier am Stiel kennen (Florfliegeneier), kleine tropfenförmige Gebilde zeugen von verpuppten Hain-Schwebfliegen, und kreisrunde oder ovale Löcher in Blättern stammen von Blattschneiderbienen, die mit diesen Blattstücken ihre Brutzellen auskleiden.

Auf einem Balkon können Pflanzen nur in Kübeln wachsen, und deshalb eignen sich nicht alle Pflanzen gleichermaßen für solche erdmengenmäßig eingeschränkten Gegebenheiten. Gleichwohl gibt es eine Fülle botanischer Möglichkeiten, die auch sehr gut im Topf funktionieren, wenn man einige Spielregeln beachtet. Außerdem soll die pflanzliche Topfverträglichkeit sinnvoll kombiniert werden mit Pflanzen, die für die Bedürfnisse von Tieren geeignet sind. Denn:

 »Für Tiere hingegen sind Pflanzen mehr oder weniger alles, was sie im Leben haben, denn Pflanzen sind ihre Lebensgrundlage als Lebensraum, Versteck und Unterschlupf, Nahrungsquelle, Brut- und Nistplatz sowie Jagdrevier zugleich.« (Seite 38)

Das bedeutet, daß überzüchtete, sterile und die meisten exotischen Pflanzen nicht zur naturgerechten Bepflanzung gehören. Abgesehen von der nicht unbeträchtlichen Gift- und Kunstdüngerladung, welche die konventionell gezüchteten Pflanzen enthalten, sind – man kann es nicht oft genug wiederholen – gefüllte Blütenzüchtungen nur schöner Schein. Denn solche Blüten bieten weder Nektar noch Pollen und disqualifizieren sich somit als Nahrungsquelle für Insekten.

Die Autorin stellt sowohl tabellarisch wie in bebilderten, kurzen Einzelportraits geeignete Bienenblumen vor. Dazu gehören viele pflegeleichte heimische Wildblumen, die sich leicht versamen, so daß beiläufig schon für pflanzlichen Nachwuchs gesorgt ist, und diverse Küchenkräuter, von denen praktischerweise auch der Mensch gerne nascht.

Die Pflanzenempfehlungen sind nach den unterschiedlichen Lichtgegebenheiten (sonnig, schattig, halb-schattig) von Süd-, Nord-, Ost- oder Westbalkonlage geordnet. Die unterschiedlichen  Pflanzenbedürfnisse hinsichtlich mager-trockenem oder nährstoff- reich-feuchtem Substrat werden gut erklärt. Attraktive Fotos von diversen Pflanzkombi- nationen und Balkonszenerien runden die Textinformationen anschaulich ab.

Weitere Kapitel erweitern das Pflanzenspektrum um Kletter- und Rankpflanzen, Wild- und Obststräucher sowie einige Wildrosenarten.

Neben pflanzlichen Nahrungsquellen sind Wasserstellen zum Trinken und zum Baden wichtig. Für Vögel eignen sich flache, nicht zu glatte Wasserschalen (hellfarbige Keramik erwärmt sich im Sonnenlicht nicht so schnell wie dunkle). Auch eine Sandbadestelle läßt sich mit einem etwas tieferen Kübel voll feinen Sands einrichten.

Für Bienen und Wespen füllt man eine flache Schale mit Steinen und gibt dann Wasser hinzu. So können die Insekten trinken, ohne in eine tiefe Wasserfläche zu fallen und dort unterzugehen. Ergänzend kann man auch Moospolster hinzufügen. Auch für Mini- teiche und Sumpfkübel findet sich in diesem Ratgeber eine balkongerechte Anleitung. 

Anschauliche Schritt-für-Schritt-Bauanleitungen für Wildbienennisthilfen aus Bambus, Hartholz und Himbeerstengeln erweitern das Spektrum der balkongastgeberischen Gestaltungsmöglichkeiten. Hinzu kommen Anregungen für diverse Vogelfutter- und Nistmaterialspender und eine Bauanleitung für einen Nistkasten aus Holz.

Zum guten Schluß bietet die Autorin noch einen kleinen Exkurs in die Installation eines Wurmkomposters für den Balkon.  

Bärbel Oftring bietet dem geneigten Leser gut strukturiertes, biologisches Grundlagen-wissen und einfach umzusetzende praktische Anleitungen für eine tierfreundliche Naturbalkoneinrichtung. Dieser animierende Ratgeber eignet sich hervorragend für Anfänger, doch auch bereits kundige Naturbalkongastgeber können hier gewiß noch die eine oder andere ergänzende Anregung finden.

Während der Lektüre wächst man – bei entsprechender natürlicher Aufgeschlossenheit –  immer mehr in die pflanzlich-tierische Perspektive hinein und betrachtet die Welt nicht mehr ausschließlich aus menschlicher Sicht.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartengestaltung/14746/tierisch-guter-balkon

Die Autorin:

»Bärbel Oftring ist Diplom-Biologin mit den Schwerpunkten Botanik, Zoologie und Paläontologie. Ihre Liebe zur Natur setzt sie heute als Autorin, Redakteurin und Heraus-geberin von zahlreichen Sachbüchern für Kinder und Erwachsene sowie in erlebnisreichen Naturforscheraktionen in die Tat um. Ihre Bücher vermitteln auf anschauliche und interessante Weise, was es alles über Tiere und Pflanzen in der Natur und im Garten zu entdecken gibt. Viele wurden bereits ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Die engagierte Naturforscherin lebt mit ihrer Familie und ihrem Hund bei Böblingen.«

Querverweis:

Ergänzend empfiehlt sich zudem noch Bärbel Oftrings Sachbuch „Worauf fliegst du/Tierparadiese pflanzen und pflegen“: Worauf fliegst du – Tierparadiese pflanzen und pflegen
und der Ratgeber  „Grüner geht’s nicht – Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon“ von Melanie Öhlenbach Grüner gehts nicht – Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon
sowie „Wilde Kübel – unkompliziert, naturnah und insektenfreundlich“ von Simone Kern: Wilde Kübel – unkompliziert, naturnah und insektenfreundlich

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Von Raben und Krähen

  • Text und Illustrationen von Britta Teckentrup
  • Verlag Jacoby & Stuart 2021 www.jacobystuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • durchgehend farbig
  • 160 Seiten
  • Format: 18 x 25 cm
  • 29,00 € (D), 29,90 € (A)
  • ISBN 978-3-96428-089-3

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R A B E N K U N D E

Rezension von Ulrike Sokul ©

Britta Teckentrup zeugt mit ihrem  Buch „Von Raben und Krähen“ in Wort und Bild von ihrer Zuneigung und Faszination für die Rabenvögel. Raben und Krähen gehören zoolo-gisch zur selben Vogelfamilie, den Corvidae. Die kleineren Rabenvögel werden meist Krähen genannt und die größeren, wie beispielsweise Erzrabe und Kolkrabe, als Raben.

»Rabenvögel sind die höchstentwickelte Gattung der Vogelwelt.« (Seite 14)

Zunächst stellt uns die Autorin und Illustratorin in kurzen Portraits eine ganze Reihe von bekannten und auch weniger bekannten Rabenvögeln vor, u.a. Kolkrabe, Ameri- kanerkrähe, Spatelbaumelster, Elster, Rabenkrähe, Nebelkrähe, Dohle, Saatkrähe, Schildrabe, Erzrabe und Hawaikrähe. Die ganzseitigen Illustrationen vermitteln einen ebenso anschaulichen wie stimmungsvollen Eindruck der komprimiert-informativ beschriebenen Vögel. Einige Doppelseiten zeigen tafelartig nur Zeichnung und Name diverser Rabenvögel ohne nähere Erläuterungen.

Hochinteressant ist der Hinweis auf die Bedeutung des weitgehend schwarzen Gefieders
der Rabenvögel: „Tatsächlich sind schwarze Federn stabiler als weiße Federn und nutzen sich weniger stark ab. Für Feinde, wie zum Beispiel den Habicht oder den Falken, signali-siert die schwarze Farbe auch Ungenießbarkeit; Vögel, deren Gefieder einen hohen Melaninanteil hat, scheinen also weniger schmackhaft zu sein.“ (Seite 18)

Ein kurzes Kapitel widmet sich der unterschiedlichen mythologischen Bewertung der Rabenvögel. Stets wird dem Raben magische Macht zugeschrieben. Je nach Kulturkreis und Epoche pendeln diese Zuschreibungen zwischen Unglücksbote, Todesbegleiter, Weisheitsverkünder und Erinnerungshüter.

So gelten sie bei den Inuit als Welterschaffer, bei den Wikingern und den alten Römern glaubte man an die prophetischen Gaben der Raben, und bei den Germanen wird der Göttervater Odin von zwei Raben begleitet; der eine Rabe „Hugin“ verkörpert die Gabe des Vorausdenkens und der andere Rabe „Munin“ die Gabe des Gedächtnisses. Die christliche Tradition wiederum verteufelt die Rabenvögel und bringt sie mit Hexerei in Zusammenhang.

Im nächsten Kapitel wird endlich mit dem falschen Begriff der „Rabeneltern“ aufge- räumt. Diese Fehlbezeichnung entstand aus der falschen Deutung des natürlichen Verhaltens der Nestlinge, die das Nest schon verlassen, bevor sie selbständig über- lebensfähig sind. Man sieht dann kleine, hilflos wirkende Küken auf dem Boden oder auf einem Ast sitzen und könnte meinen, sie seien von den Rabeneltern verlassen und sich selbst überlassen worden. Dem ist keineswegs so,  denn die Rabeneltern füttern, beschützen und belehren ihre Nestlinge auch außerhalb des Nests.

Rabenvögel sind sozial organisierte Vögel mit differenzierten kommunikativen Fähig-keiten, und sie gehen sehr aufmerksam und fürsorglich mit ihrem Nachwuchs um. Manchmal bleiben die jungen Krähen noch mehrere Jahre in der Nähe ihrer Eltern und pflegen sowohl die Beziehung zu den Eltern wie auch zu den nachfolgenden Geschwis- tern und weiteren Mitgliedern der Großfamilie und auch zu Vögeln jenseits der eigenen Familie. Die familiäre Bindungsfähigkeit trägt auch dazu bei, daß Krähen und Raben gut voneinander lernen und erworbenes Wissen weitergeben können.

Weitere Kapitel befassen sich mit den beachtlichen sprachlichen Fähigkeiten der Krähen, die eng mit ihren sozialen Verhaltensweisen verknüpft sind, und mit der außer- gewöhnlichen Intelligenz, Lernfähigkeit und Empathiefähigkeit der Krähen. Sie erken- nen sich selbst im Spiegel und verfügen über ein individuelles Bewußtsein. Krähen nutzen nicht nur Werkzeug, sie stellen ihr Werkzeug teilweise auch selber her – beispielsweise bearbeitet die Neukaledonienkrähe Zweige so, daß sie sich als Larven- stocher eignen; darüber hinaus bewahrt sie sich ihr Werkzeug sorgfältig auf.

Raben und Krähen können durch Beobachtung lernen und schlußfolgern. So verstehen sie beispielsweise die Farbfunktionen einer Ampel und legen Nüsse in der Rotphase auf die Straße, lassen die Nüsse in der Grünphase von den Autoreifen knacken und holen sich in der nächsten Rotphase den schnabelgerecht, freigelegten Nußinhalt. Bemer- kenswert ist zudem ihre Fähigkeit, sich menschliche Gesichter und das dazugehörige „böse“ oder „gute“ Verhalten des Menschen langfristig zu merken.

Im vorletzten Kapitel kommen Rabenvögel in literarischer „Verarbeitung“ zu Wort, u.a. in Edgar Allan Poes berühmten Poem „Der Rabe“, Krähengedichten von Friedrich Nietzsche, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz und Nadja Küchenmeister.

Zum Ausklang folgen einige Betrachtungen zum Verhältnis zwischen Rabenvögeln und Menschen. Denn als Kulturfolger kommen uns diese Vögel durchaus nahe und lassen sich fast überall leicht beobachten.

Britta Teckentrups Illustrationen sind naturalistisch und stets sehr atmosphärisch in Szene gesetzt. Besonders schön sind ihr die dunkelbunten Farbschattierungen des schwarzen Gefieders gelungen.

„Von Raben und Krähen“ ist ein Sachbuch, bei dem die Begeisterung der Autorin für ihre Lieblingsvögel stets mitschwingt. Gekonnt und hochkonzentriert verbindet sie biolo- gische und kulturelle Information und vermittelt auf sehr lebendige Weise wohlportio- niertes und wertvolles Wissen über Rabenvögel, das zudem noch Neugier auf thema- tische Vertiefung weckt.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/sachbuch/von-raben-und-kraehen-2/

Die Autorin und Illustratorin:

»Britta Teckentrup, geboren 1969 in Hamburg, hat am Central Saint Martins College of Art and Design und am Royal College of Art in London Kunst und Illustration studiert. Sie ist Autorin und Illustratorin zahlreicher erzählender Bilderbücher sowie Sachbücher und ist vielfach ausgezeichnet worden. Heute lebt sie zusammen mit ihrem schottischen Ehemann und ihrem Sohn Vincent in Berlin. Ihre Bücher sind in sehr viele Sprachen übersetzt.« http://www.brittateckentrup.com/

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Pflanzen für ein naturnahes Leben

  • Ein Leitfaden zur Gartengestaltung
  • von Jane Moore
  • Originaltitel: »Planting for Wildlife«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Linde Wiesner
  • Illustrationen Umschlag und Kapitelaufmacher  von James Weston Lewis
  • Illustrationen im Text von Holly Astle
  • Gerstenberg Verlag, März 2022  http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 14 x 19  cm
  • Fadenheftung
  • 144 Seiten
  • 20,00 €, 20,60 € (A), 26,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-1687-5

Pflanzen für ein naturnahes Leben. 2jpg

NATURVERBUNDEN  GÄRTNERN

Rezension von Ulrike Sokul ©

Wenn Sie den Einfluß, den Sie auf die Gestaltung Ihres Gartens haben, dazu nutzen möchten, Artenvielfalt und ökologische Nischen zu fördern, dann finden Sie dafür in Jane Moores Gartenleitfaden eine sehr überschaubare und praxisnahe Anleitung.

Neben empfehlenswerten Pflanzen, die Wildtieren und Insekten sowohl Rückzugs- und Nistmöglichkeiten als auch Nahrung bieten, gibt die Autorin dienliche Hinweise auf strukturelle Gestaltungselemente, die den Lebensbedürfnissen von Wildtieren ent- gegenkommen.

So ist – sofern die Gartengröße es erlaubt – das Pflanzen zumindest eines Baumes stets  sinnvoll, da Bäume vielen Lebewesen einen guten Lebensraum und Nahrung bieten. Tot-holzhaufen geben ebenfalls vielen Mikroorganismen, Pilzen und Insekten Raum und Nahrung, und die Insekten wiederum dienen Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung. Da grundsätzlich KEIN Kunstdünger verwendet werden soll, braucht es zudem einen Kom-posthaufen, der mit Hilfe von natürlichen Mikroorganismen organischen Dünger „herstellt“.

Generell ist eine deutlich weniger strenge Ordnung, mit ungemähten Rasenbereichen und verwilderten, ungestörten Nischen sowie der absolute Verzicht  auf tödliche Pestizide der natürlichen Lebenskraft des Gartens förderlich. 

Die Attraktivität für Wildtiere wächst zudem durch das Angebot von flachen Wasser- stellen zum Trinken und Baden und besonders durch einen Teich. Die Autorin widmet ein ganzes Kapitel der Anlage eines Teichs und empfiehlt auch passende Wasser- und Uferpflanzen.

Bei allen Gestaltungsmaßnahmen und Pflanzenempfehlungen beschreibt die Autorin, wie sich der Nutzen für Wildtiere mit praktischem gärtnerischen Nutzen und gärtne- rischer Ästhetik sinnvoll ergänzt. Ihre Pflanzenempfehlungen umfassen ein- bis mehr- jährige Stauden und Kräuter, diverse Kletterpflanzen, Sträucher, Obstbäume und Heckenpflanzen.

Pflanzen für ein naturnahes Leben. Hecken

Illustration von Holly Astle © Gerstenberg Verlag 2022

Erfreulich fand ich besonders Jane Moores Loblied auf den Efeu, der sich als guter Bodendecker eignet und als Kletterpflanze. Efeu ist immergrün, bietet vielen Tieren Unterschlupf, und seine Blätter sind für viele Schmetterlingsarten Raupenfutter. Außerdem blüht er erst im Herbst und serviert Insekten und Bienen viel Nektar und Pollen. Die entsprechend später reifenden Beeren ernähren anschließend im Winter wiederum Vögel. Diese positive Efeubilanz kann ich für meinen Garten nur bestätigen.

Einige sachdienliche Hinweise über die wichtige Rolle der Regenwürmer für die Boden-qualität, zu Igelschlupfwinkeln, Insektenhotels, Vogelfutterstellen und Vogeltränken sowie Tipps zum erfolgreichen Beobachten von Wildtieren im eigenen Garten runden das naturförderliche Informationspaket stimmig ab.

Die Illustrationen sind graphisch-stilisiert und sehr dekorativ. Für ein botanisches Bestimmungsbuch wären sie nicht angemessen präzise, indes sind sie für die hier vorliegenden Gartengestaltungsanregungen durchaus passend.

Jane Moore gelingt es mit unaufdringlicher Beiläufigkeit, daß man bei der Lektüre den eigenen Garten verstärkt aus der Perspektive eines Wildtieres wahrnimmt. Eine solcher-art angeregte Empathie erleichtert die Entscheidung für mehr Wildnis und beflügelt zum naturnahen Gärtnern. 

»Eine naturnahe und ökologische Gartengestaltung hilft Ihnen dabei, dass nach und nach eine stabile Nahrungskette und im Garten ein eigenes Ökosystem entsteht.«
(Seite 46)

»Wildtiere schätzen Gärten, in denen sie Schutz und Deckung, gute Nahrungs- und Wasserquellen und einen sicheren Schlafplatz finden.« (Seite 88)

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/Erwachsenenbuch/GartenLust/Pflanzen-fuer-ein-naturnahes-Leben.html?noloc=1

Die Autorin:

»Jane Moore ist seit 30 Jahren engagierte Gärtnerin. Einst beaufsichtigte sie den Garten einer Benediktinerabtei, später wurde sie Autorin für Gartenmagazine und Redakteurin für Gartensendungen der BBC. Moore verfügt über ein erstaunliches Pflanzenwissen, das sie mit Begeisterung an andere weitergibt.«

Querverweis:

Ergänzend weise ich zudem gerne noch auf Jane Moores Buch „Pflanzen für Schmetterlinge“ hin: Pflanzen für Schmetterlinge

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Mach mich locker!

  • Wer den Boden kennt, gärtnert erfolgreich und nachhaltig
  • von Bärbel Oftring
  • KOSMOS Verlag, 2021 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Format: 241 x 172 mm
  • 128 Seiten
  • 162 Farbfotos
  • 21 Farbzeichnungen
  • 18,00 €(D)
  • ISBN 978-440-17062-5

Ausgezeichnet mit dem „Deutschen Gartenbuchpreis 2021“- Sonderpreis in der Kategorie „Bester Einsteiger-Ratgeber“!

Mach mich locker!
MUTTER-ERDE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Man kann es nicht oft genug wiederholen und ins menschliche Alltagsbewußtsein heben, wie elementar wichtig die lebendige Beschaffenheit des Erdbodens mit seinen unzähligen Kleintieren und Mikroorganismen ist. Tote Erde kann kein widerstands- fähiges Leben mehr hervorbringen. In Deutschland sind bereits 30 % der Böden biologisch tot.

Das pflanzliche Immunsystem wurzelt ganz buchstäblich im Boden. Es besteht aus kom-plexen Stoffkreisläufen, der Mykorrhiza-Lebensgemeinschaft und weiteren Netzwerken und Symbiosen mit Algen, Flechten, Pilzen und Bakterien – ähnlich unserem Mikrobiom im Darm. Kunstdünger und giftige „Pflanzenschutzmittel“ zerstören dieses natürliche Immunsystem und schwächen die Pflanzen und ihre Widerstandskraft gegenüber Schäd-lingen und klimatischen Belastungen. Wird dieses Schwächeln dann wieder mit der nächsten Insektizid-Giftzugabe und/oder Kunstdünger „behandelt“, ist das Bodenleben auf Dauer zerstört.

Wenn wir gesunden Boden erhalten wollen, dürfen wir nur organisch düngen, keine Unkrautvernichtungsmittel oder Insektizide einsetzen und den Boden nicht nackt und schutzlos der Witterung aussetzen – d.h. nackte Erde wird mit standortgemäßen Boden-deckerpflanzen geschützt oder mit einer dünnen Schicht aus Pflanzenresten und Laub gemulcht. Mulch schützt die Erde vor Erosion, bietet Wärmeschutz im Winter und Schutz vor Austrocknung im Sommer. Diese Mulchschicht ist zudem artgemäße Nahrung für die Bodenorganismen.

Die Bodenlebewesen zersetzen organisches Material und bilden Ton-Humus-Komplexe, die wiederum im Verbund mit den mineralischen Bodenteilchen dem Boden die erwünschte Krümelstruktur geben. Die Krümelstruktur bietet eine gute Bodendurch- lüftung, welche die Aufspaltungsarbeit der Mikroorganismen unterstützt. So entsteht der kostbare Humus, der einerseits mit den leicht zersetzbaren Bestandteilen (Nährhumus) den Pflanzen Nährstoffe liefert und andererseits mit den schwerer zersetzbaren Substanzen (Dauerhumus) das Bodengefüge stabilisiert.

Die Autorin stellt unterschiedliche Bodenarten (Sand, Schluff, Ton, Lehm) vor und erklärt deren natürlich gegebene Fähigkeit zu Erwärmung, Feuchtgehalt, Nährstoff- speicherung und Durchlüftung. Eine farbige Übersichtskarte zeigt die Verteilung unterschiedlicher Böden und Bodenmischformen für den Lebensraum Deutschland.

Sinnlich greifbare Bodenexperimente helfen uns, den eigenen Gartenboden besser ken-nenzulernen – beispielsweise geben uns Bodenfarbe, Bodenduft sowie handfeste Finger- und Rollproben schnell und unkompliziert Auskunft über die strukturelle Beschaffen- heit unserer Gartenerde. Wer es ganz genau wissen will, findet auch eine Anleitung zur Entnahme von Bodenproben, wie man sie für eine professionelle Bodenanalyse im Labor braucht. Verschiedene Zeigerpflanzen werden vorgestellt, von denen man ebenfalls Rückschlüsse auf Nährstoff- und Humusgehalt, Trockenheit, Verdichtung, Magerkeit, Staunässe etc. des Bodens ziehen kann.

Neben dem unermüdlichen Gartengehilfen, Bodenbelüfter und Pflanzenresteverwerter namens Regenwurm werden einige weitere Bodentiere wie Springschwänze, Asseln, Tausendfüßler, Tigerschnegel, Erdläufer und einige Insektenlarven vorgestellt.

Sodann folgen praktische Hinweise – nebst den passenden Werkzeugen – auf eine Bodenbearbeitung, welche die natürliche Bodenschichtung bewahrt sowie Hinweise zur Bodenverbesserung durch Kompost, Gründüngung, Effektive Mikroorganismen, Pflan- zenjauchen, Mischkultur und Fruchtfolgeanbau sowie Methoden der Permakultur.

Bärbel Oftring beschreibt und erklärt die beachtliche Komplexität des Bodenlebens an-schaulich, übersichtlich und zutiefst wertschätzend, und zugleich vermittelt sie konkrete Praxistipps für eine lebensförderliche, ökologisch-sinnvolle und nachhaltige Behandlung der Gartenerde.

Übrigens sind Regenwurmkothäufchen ein ausgezeichneter Naturdünger:

 »Im Vergleich zum umgebenden Boden enthält er 5-mal so viel pflanzenverfügbaren Stickstoff, 7-mal mehr löslichen Phosphor, 11-mal mehr Kalium, 2- bis 3-mal mehr Magnesium und 1,5-mal mehr Kalzium. Sammeln Sie diese Häufchen auf und mischen sie unter die Erde, auch im Blumenkasten und Kübel.« (Seite 51)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartenpraxis/11609/mach-mich-locker

Die Autorin:

»Bärbel Oftring ist Diplom-Biologin mit den Schwerpunkten Botanik, Zoologie und Paläontologie. Ihre Liebe zur Natur setzt sie heute als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin von zahlreichen Sachbüchern für Kinder und Erwachsene sowie in erlebnisreichen Naturforscheraktionen in die Tat um. Ihre Bücher vermitteln auf anschauliche und interessante Weise, was es alles über Tiere und Pflanzen in der Natur und im Garten zu entdecken gibt. Viele wurden bereits ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Die engagierte Naturforscherin lebt mit ihrer Familie und ihrem Hund bei Böblingen.«

Querverweis:

Ergänzend und vertiefend empfehlen sich noch folgende Ratgeber zum Thema Erde:
„Die Humusrevolution“
Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen
Die Humusrevolution
„Ackergifte – Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“
Ackergifte – Nein danke!
Der Regenwurm ist immer der Gärtner“ von Amy Stewart
Der Regenwurm ist immer der Gärtner

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Mein Garten summt!

  • Ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln
  • von Simone Kern
  • KOSMOS Verlag 2017 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Format: 241 x 171 mm
  • 128 Seiten
  • 190 Farbfotos
  • 16,99 €
  • ISBN 978-3-440-15270-6

Mein Garten summt

L E B E N S R Ä U M E   S C H A F F E N

Rezension von Ulrike Sokul ©

Wer seinen Garten oder Balkon, ja, selbst nur eine Fensterbank insektenfreundlich gestalten möchte, findet in diesem Ratgeber gute und übersichtliche Anleitungen. Nach einer kurzen Einführung in die Relevanz der Insekten, ihrer bedeutenden Rolle für natürliche Nahrungsketten und ökologische Stoffkreisläufe sowie des Bestäubungs-dienstes für viele unserer Nahrungspflanzen geht die Autorin auf verschiedene Garten-typen von städtischer bis ländlicher Umgebung ein.

So reicht der Radius tatsächlich von einfachen Fensterbänken bis hin zu Kübeln, Balkonen, mobilen Gärten, Minigärten, Dachgärten, naturnahen Gärten, Staudengärten, Wiesen und Streuobstwiesen.

Für alle Gartentypen werden standortgerechte Pflanzen empfohlen sowie Anregungen zu Gestaltungselementen mit Steinen, Totholzelementen und Wasserstellen gegeben. Es ist wichtig, möglichst einheimische Pflanzen zu wählen, die samenfest sind. Besonders ist auf ungefüllte Blüten zu achten, da nur diese nicht überzüchteten Blüten genug Pollen und Nektar anbieten und zudem für alle Insekten gut zugänglich sind.

Generell sollte der Garten nicht steril aufgeräumt sein, sondern Wildnis bewahren. Bei-spielsweise fördert es nicht nur die Humusbildung, sondern auch die Überwinterungs-chancen diverser Insekten und Mikroorganismen, wenn das Laub liegen bleiben darf – gegebenenfalls auch zu Laubhaufen zusammengerecht. Auch abgeblühte Stauden sollten über Herbst und Winter hinweg stehen bleiben dürfen, da dort ebenfalls oft Insektennachwuchs wohnt.

»Größtmöglicher Strukturreichtum in Kombination mit standortgerechten, heimischen Pflanzen ist die beste Grundlage für Insektenvielfalt.« (Seite 50)

Trockenmauern, Lese-Steinhaufen, Kräuterspiralen, Tot- und Bruchholzhaufen, Mulch- oder Kieswege (selbstverständlich ohne Plastik- oder Unkrautvliesunterlage), Kompost-haufen, Benjes-Hecken und offene, pflanzenfreie Bereiche mit Kies, Lehm und/oder Sandangebot bieten abwechslungsreiche Strukturen, die für Insekten anziehend sind. Ergänzt werden diese Hinweise mit Empfehlungen für selbstgebaute Insektenhotels aus Halmen, Strangfals-Ziegeln und Hartholz.

Es versteht sich wohl von selbst, daß der Einsatz von Giften absolut tabu ist und daß bei der Auswahl der Pflanzen auf samenfeste Arten geachtet werden sollte, damit ein natür-licher Vegetationszyklus stattfinden kann.  

Im Anschluß an die vielfältigen insektenfreundlichen Gartengestaltungsanregungen folgen  bebilderte Kurzportraits von Bienen, Hummeln, Wespen, Schmetterlingen, Libellen und Käfern, damit man seine zukünftigen sechsbeinigen Gäste auch erkennen und benennen kann. Zusätzlich gibt es weiterführende Hinweise auf Bezugsquellen für biologisches Saatgut, Stauden und Gehölze sowie auf Naturschutzorganisationen und ergänzende Literatur zu Insekten, zum Imkern und naturnahem Gärtnern. 

Simone Kerns Gartenratgeber „Mein Garten summt!“ bietet eine infor- mative und animierende Einführung ins insekteneinladende Gärtnern auf kleinem und großem Raum. Attraktive Fotos veranschaulichen ebenso die natürliche Schönheit von Pflanzen und Insekten wie die vielfältigen Mög-lichkeiten gärtnerischen Gestaltens zugunsten der Natur. So kann jeder seinen ökologischen Mosaikstein zum Insektenschutz und zu einem wirklich lebendigen Garten beitragen.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartengestaltung/8183/mein-garten-summt

Eine thematisch vertiefende, jahreszeitlich und monatlich strukturierte Ergänzung ist zudem Simone Kerns Jahresplaner „Mein Garten summt“:

  • KOSMOS Verlag Mein Garten summt - Der Jahresplaner
  • 1. Auflage 2019
  • Klappenbroschur
  • Format: 241 x 172 mm
  • 112 Seiten
  • 173 Farbfotos
  • 16,99 €
  • ISBN: 978-3-440-16320-7

Hier entlang zum Jahresplaner nebst Leseprobe:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartenjahr-aussaattage/10122/mein-garten-summt-der-jahresplaner

 Die Autorin:

»Simone Kern studierte Landschaftsarchitektur und hat im Allgäu ihr eigenes Planungsbüro. Schwerpunkt ihrer vielfältigen Projekte sind naturnahe Anlagen. Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei die Schaffung von Gärten, in denen sich Menschen wohl und geborgen fühlen. Aber vor allem auch Pflanzen und Tiere sollen darin neue Lebensräume finden. Viel draußen in der Natur und im eigenen Garten sein, beobachten, Landschaften erfahren – hier holt sie sich ihre Inspiration.
Darüber hinaus engagiert sich Simone Kern seit langem im Rahmen des überregionalen „Netz- werks Blühende Landschaft“ ( https://bluehende-landschaft.de/ ) mit konkreten Projekten, insbesondere für den Schutz von Insekten. Ihr praktisches wie theoretisches Wissen gibt sie gerne in Workshops, durch Fachvorträge und Veröffentlichungen weiter.«

Querverweis:

Als nützliche Bereicherung empfehlen sich noch folgende Sachbücher von Simone Kern:
Wilde Kübel, unkompliziert, naturnah, insektenfreundlich Wilde Kübel
Der antiautoritäre Garten/Gärten, die sich selbst gestalten Der antiautoritäre Garten

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Einladung zum Schreiben

  • von Doris Dörrie
  • Ein Schreibjournal
  • nach dem Bestseller
  • LEBEN, SCHREIBEN, ATMEN von Doris Dörrie
  • Diogenes Verlag, März 2021, http://www.diogenes.ch
  • in Leinen gebunden mit Lesebändchen
  • Fadenheftung
  • 224 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A), 21,00 sFr.
  • ISBN 978-3-257-07110-8

Einladung zum Schreiben - Schreibjournal (Doris Dörrie)

S T I C H W O R T G E B E R

Buchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Wie bereits zuvor mit ihrem Buch „LEBEN, SCHREIBEN, ATMEN“ (siehe: Leben, Schreiben, Atmen) ermutigt Doris Dörrie auch mit dem vorliegenden Schreibjournal alle Menschen zum Schreiben. Hierbei geht es in erster Linie um Schreiben als biografische Spuren- sicherung und Selbstentdeckung – und nicht um das Schreiben, das zu einer schrift-stellerischen Karriere führt.

In ihrem Vorwort erklärt Doris Dörrie noch einmal die einfachen Regeln für die all- tägliche Übung, zehn Minuten am Stück zu schreiben. Ganz wichtig sei es, mit der Hand zu schreiben, ununterbrochen, gleichsam hemmungslos und unzensiert und alles, auch „Blödsinn“, auf dem Papier erscheinen zu lassen. Nachdenken über das Geschriebene kann man später; aber während des Schreibens bremst das Nachdenken, der innere Kritiker mischt sich ein, und schon ist der Zugang zu lebendiger Tiefe versperrt und der Schreibfluß blockiert.

Durch das regelmäßige Schreiben finden wir ein Innehalten in der ganzen kleinen und großen, inneren und äußeren Welt, in der unser Dasein ununterbrochen geschieht. Tägliches Schreiben trainiert die „Schreibmuskeln“ und den Schreibmut.

„Es ist egal, ob man zwanzig oder neunzig Jahre alt ist. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich in die eigene Geschichte fallen zu lassen und sich darin treiben zu lassen, und die Genauigkeit, mit der man sie aufschreibt. Jedes Detail. Mit allen fünf Sinnen.“ (Seite 10)

In ihrer „Einladung zum Schreiben“ hält sich Doris Dörrie mit eigenen Texten sehr zurück, vielmehr fungiert sie hier nur als einleitende Stichwortgeberin, um die geneigten Leser zum eigenen Schreiben zu animieren. So sind in diesem Schreibjournal Bäume, Bananen, Brillen, Dunkelheit, Erdbeeren, Feste, Farben, Feuer, Geschenke, Gummibärchen, Glück, Haut und Haare, Kaffee, Licht, Musik, Pech, Regen, Reisen, Schokolade, Tee, Telefon und Teppich usw. Anlässe zum Schreiben. Auf kurze, maximal halbseitige thematische Anregungen folgen stets viele leere, linierte Seiten zum Beschriften.

Die Ermutigung zum Schreiben erfolgt hier beispielhaft dadurch, daß buchstäblich alles als Impuls für einen Text dienen kann. Es spielt keine Rolle, ob es alltäglich oder außer-gewöhnlich ist, tiefsinnig oder leichtsinnig, komplex oder einfach – alles ist erlaubt und kann als Inspiration dienen. Und das ursprüngliche Stichwort kann durchaus assoziativ zu einem gänzlich anderen Thema hinführen. Das unkontrollierte Schreiben gibt uns eine hervorragende Gelegenheit, uns selbst zu überraschen.

„Manchmal kommen die Erinnerungen so schnell, dass man kaum hinterherschreiben kann.“ (Seite 32)

Das Schreibjournal hat eine hochwertige Ausstattung, einen roten Leineneinband mit schwarzen Vorsatzblättern und schwarzem Lesebändchen, angenehm glattes, leicht zu beschreibendes, liniertes Papier und eine strapazierfähige Fadenheftung.

Klappen Sie diese schöne Einladung zum Schreiben einfach auf, lassen Sie sich von einem beliebigen Stichwort einstimmen und schreiben Sie los …

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/doris-doerrie/einladung-zum-schreiben-9783257071108.html

Hier entlang zu Doris Dörries Buch „LEBEN, SCHREIBEN, ATMEN“: Leben, Schreiben, Atmen

Die Autorin:

»Doris Dörrie, geboren in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. Parallel zu ihrer Film-arbeit (zuletzt der Spielfilm ›Kirschblüten und Dämonen‹) veröffentlichte sie Kurzge-schichten, Romane, ein Buch über das Schreiben und Kinderbücher. Sie leitet den Lehr-stuhl ›Creative Writing‹ an der Filmhochschule München und gibt immer wieder Schreib-workshops. Sie lebt in München.«

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