Das kleine Museum

  • Ausgabe in sechs Sprachen:
  • Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Türkisch
  • Herausgegeben von
  • Alain Le Saux und Grégoire Solotareff
  • Moritz Verlag Neuauflage 2013  http://www.moritzverlag.de
  • 312 Seiten
  • Format: 16,4 x 16,6 cm
  • Fadenheftung
  • 16,80 € (D)
  • ISBN 978-3-89565-171-7
  • Bildwörterbuch ab 4 Jahren

B L I C K W I N K E L

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bildwörterbücher für Kinder – auch mehrsprachige – gibt es viele, die meisten sind mit einem fröhlich-bunten, eher flächig-plakativen Malstil und einer thematischen Grup- pierung ausgestattet, die dem Spracherwerb und der Wortschatzerweiterung dienen soll.

Das vorliegende Bildwörterbuch zeigt nun keine ausdrücklich kindgemäß-stilisierten Ab-bildungen, sondern Ausschnitte aus echten Gemälden. Da es sich stets um gegenständ-liche Malerei handelt, wird dem Wiedererkennungseffekt nichts im Wege stehen. Und es ist gewiß eine Erweiterung des Wahrnehmungshorizontes, dem kindlichen Auge anschauliche Kostproben künstlerischer Darstellungsmöglichkeiten anzubieten.

Das Sachbilderbuch „Das kleine Museum“ ordnet 149 Begriffen 149 Bildausschnitte aus Gemälden zu. So finden wir u.a. gemalte Äpfel und Bananen, einen Bart, ein Brot, ein Buch, ein Cello, einen Dämon, ein Eichhörnchen, eine Eule, Feigen, Feuer, einen Flöten- spieler, ein Gesicht, ein Glas, Haare, Helm und Himmel, Kirschen, einen kleinen Jungen und ein kleines Mädchen, einen Kuchen, einen Knopf und einen Kuß, einen Mond, eine Maus, eine Muschel, ein Ohr, ein Pferd, ein Picknick, eine Schere, einen Spiegel, See- rosen, ein Segelboot und einen Schmetterling, Tiger, Tisch, Teller und Treppe, Weg und Welle, Zitronen und schließlich einen Zylinderhut. Die Malerpalette umfaßt u.a. Giovanni Bellini, Hieronymus Bosch, Paul Cézanne, Pieter Claesz, Eugène Delacoix, Albrecht Dürer, Vincent van Gogh, Katsushika Hokusai, Edward Hopper, Claude Monet, Piero della Francesca, Henri Rousseau …

Die Bildausschnitte stammen von Gemälden, deren Entstehungszeitraum vom 13. bis 20. Jahrhundert reicht. Jede Doppelseite zeigt auf der rechten Seite den Bildausschnitt, der den Begriff, der auf der linken Seite steht, illustriert. Der Begriff wird in sechs Sprachen und in großen Lettern aufgelistet; außerdem wird der Maler nebst Lebensdaten, der Titel des Bildes, und der Standort des Gemäldes (Museum, Privatsammlung etc.) genannt.

Solcherart kann man bei Kindern spielerisch und unaufdringlich Interesse an bildender Kunst, an unterschiedlichen Malstilen und an anderen Sprachen wecken. Gewiß machen die Bildhäppchen auch neugierig darauf, außer dem Ausschnitt noch das ganze Bild zu sehen – was unvermeidlich weiteren Kunstbuchkonsum provoziert. Dem kunstge- schichtlich gebildeteten Erwachsenen bietet dieses Bilderbuch beiläufig die Gelegenheit kennerisch, den einen oder anderen Bildausschnitt einem bestimmten Gemälde zuordnen zu können, ohne die entsprechende Information abzulesen.

Die Betrachtung dieses Bildwörterbuches dürfte bei Kindern ebenso den Sinn für unter-schiedliche Bild- und Farbsprachen und Malstile anregen wie für die Ausdrucksvarianten anderer Sprachen. Kinder, die ohnehin mehrsprachig aufwachsen, werden sich hier wohl besonders angesprochen fühlen.

Bei entsprechender musischer Aufgeschlossenheit, kann man dieses Bilderbuch auch schon jüngeren Kindern anbieten, denn „Das kleine Museum“ bietet mit seinen über- sichtlichen, malerischen Blickwinkeln einen unaufgeregten, kontemplativen Zugang zu Kunst und Weltwahrnehmung.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Sachbilderbuecher/Das-kleine-Museum-oxid.html

 

Die Herausgeber:

»Alain Le Saux wurde, wie sein Zwillingsbruder Philippe Corentin, in Paris (Frankreich) geboren. Dort studierte er an der Kunstgewerbeschule und arbeitete bald als Illustrator für Werbeagenturen und Zeitschriften. Seit Anfang der 80er-Jahre beschäftigt er sich mit Büchern für Kinder.«

»Grégoire Solotareff wurde 1953 in Alexandria (Ägypten) geboren. Sein libanesischer Vater arbeitete dort als Arzt des ägyptischen Kronprinzen und zahlreicher Würdenträger. Die Mutter, gebürtige Russin, war Malerin und brachte ihre Kinder schon früh mit Kunst in Berührung.
Seit Mitte der 80er-Jahre entstanden mehr als 120 Bücher, die in aller Welt übersetzt und gelesen werden. Das Spektrum seines Schaffens ist immens: Vom Badewannenbuch für ganz kleine Kinder über das Bilderbuch bis hin zum Roman ist alles vertreten.«

Querverweis:

Ergänzend bietet sich das Wimmelsachbuch „Wie kommt die Kunst ins Museum“ von Ondřej Chrobák, Rostislav Koryčánek und Martin Vaněk und dem Illustrator David Böhm an. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/07/22/wie-kommt-die-kunst-ins-museum/
Dieses anschaulich-großformatige Sachbilderbuch, vermittelt Kindern lebhaft, wie ein Museum funktioniert und wie interessant, bereichernd, kommunikativ und begegnungsvielseitig ein Museumsbesuch sein kann.

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Viele Grüße vom Kap der Wale

  • von Megumi Iwasa
  • aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
  • Originaltitel: »Watashi wa Kujira-Misaki ni Sumu Kujira to Iimasu«
  • mit Illustrationen von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag  Juli 2018   www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 112 Seiten
  • Format: 15 x 21,8 cm
  • 10,95 € (D), 11,30 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-368-1
  • Kinderbuch ab 6 Jahren

NÄHE  &  FERNE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kluge, alte Walprofessor lebt sehr einsam am Kap der Wale. Pinguin, sein letzter, ehemaliger Schüler, hat inzwischen in einiger Entfernung auf der Pinguininsel selber eine Schule gegründet.

Im vorhergehenden Band (siehe: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/04/04/viele-gruesse-deine-giraffe/ ) hatte Pinguin eine Brieffreundschaft mit einer Giraffe gepflegt und dadurch nicht nur seinen Horizont erweitert und eine interessante neue Freund- schaft geschlossen, sondern auch das Postwesen aktiv belebt. Robbe und Pelikan fungieren seitdem als eifrige Postboten.

Der Walprofessor hat ebenfalls viele Briefe verschickt. Während er nun sehnsüchtig auf Antwort wartet, schaut er ins Blaue und erinnert sich an seine Jugendzeit, in der noch viele Wale mit ihm zusammen in der Walsee lebten. Damals veranstalteten sie alljähr- lich Olympische Spiele im Wettschwimmen und Fontäneblasen und hatten viel Spaß dabei.

Endlich erhält der Walprofessor einen Brief von einem ganz jungen Wal namens Waldo. Dieser berichtet, daß sein verstorbener Großvater vom Kap der Wale stamme und bei den dortigen Olympischen Spielen stets eine Silbermedaille gewonnen habe. Einige andere Wale kommen als Reaktion auf die Briefe des Walprofessors direkt zu Besuch zum zum Kap der Wale, und auch der kleine Waldo taucht dort schließlich auf.

Die Wiedersehensfreude ist groß, und die versammelten Wale beschließen, wieder eine Olympiade zu organisieren. Die Wale, einige Robben und viele Pinguine helfen begeistert bei den Vorbereitungen, und so gibt es ein Wettschwimmen der Robben, ein Wettlaufen der Pinguine und ein Fontäne-Wettblasen der Wale. Sogar Giraffe reist extra aus Afrika an und vergrößert das Publikum.

Sehr erfreulich ist, daß der Wettbewerb heiter und keineswegs konkurrenzbetont abläuft und viel Raum für wechselseitige Unterstützung läßt. Es gibt zwar eine Sieger- ehrung mit Medaillen, gleichwohl ist das wesentliche Element das heitere Miteinander der tierischen Teilnehmer.

Nach dem Ende der Olympischen Spiele bedanken sich die Wale für die schöne gemein-same Zeit und reisen wieder zurück in ihre jeweiligen Meeresgebiete. Doch der kleine Waldo und eine nette, etwas kokette Waldame namens Waltraut bleiben gerne beim Walprofessor am Kap der Wale …

„Viele Grüße vom Kap der Wale“ erzählt einfühlsam und spielerisch von der Über- windung der Einsamkeit und vom Wert freundschaftlichen Miteinanders. Der in einfachen Worten und kurzen Sätzen erzählte Fließtext wird durch handschriftliche Briefe und lebhafte Dialoge abwechslungsreich aufgelockert. Megumi Iwasa verleiht den Tierfiguren stimmungsvoll Charakter, und die zahlreichen lustigen Illustrationen von Jörg Mühle geben den Figuren und der Handlungskulisse anschauliche Gestalt.

Kindliche Lese- und Briefschreibeanfänger finden in diesem Buch eine warmherzige Geschichte mit amüsanten Details und feine kommunikative Anregungen.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Erstlesebuecher/Viele-Gruesse-vom-Kap-der-Wale.html

Hier entlang zum ersten Band „Viele Grüße, Deine Giraffe“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/04/04/viele-gruesse-deine-giraffe/

 

Die Autorin:

»Megumi Iwasa wurde 1958 geboren. Sie studierte Grafikdesign an der Kunsthochschule in Tokio, an der sie nach ihrem Diplom auch arbeitete. Megumi Iwasa lebt auch heute noch in Japans Hauptstadt. Die Geschichte zu Viele Grüße, Deine Giraffe hatte sie zunächst geträumt und dann aufgeschrieben. «

Der Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor, hat eine Tochter im besten Kinderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind (siehe: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/29/tupfst-du-noch-die-traenen-ab/ ) erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

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Was wird aus uns?

  • Nachdenken über die Natur
  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag 2018    www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17,1 x 17,1 cm
  • 144 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-356-8
  • Kinderbuch ab 6 Jahren

NATÜRLICHE  GEDANKENGÄNGE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ähnlich wie schon in ihrem Buch „Frag mich! 118 Fragen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen“  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/ kombiniert Antje Damm in „Was wird aus uns?“ auf jeder Doppelseite eine Frage mit ein bis zwei Fotos oder Illustrationen, welche die gestellte Frage motivisch begleiten und dadurch zu vielerlei Assoziationen anregen.

So wird beispielsweise die Frage „Kann Löwenzahn wütend werden?“ mit Fotos eines Löwenzahns, der am Bordsteinrand wächst, illustriert. Auf der einen Seite wächst der Löwenzahn einfach aus einer Ritze zwischen Pflastersteinen in die Welt, auf der anderen Seite ist der gleiche Löwenzahn umzingelt von Zigarettenkippen und Verpackungsmüll.

Fragen Sie sich einfach einmal selbst, wie Sie die Löwenzahnfrage beantworten würden – oder auch eine der nachfolgenden Fragen:
 
Haben Pflanzen Rechte?
Verstehen uns Tiere?
Welche Fragen würdest du gerne einem Tier stellen?
Was würdest du gerne können, was nur ein Tier kann?
Was können wir von der Natur lernen?

Wie wäre es, für immer in der Wildnis zu leben?
Können sich Steine an ihre Geschichte erinnern?
Kann man mit einer Topfpflanze befreundet sein?
Haben Tomaten Angst vor uns?
Woher kennen die Kraniche ihren Weg?
Woran erkennt man, ob etwas lebt?
Wozu inspiriert dich Natur?

Dieses Buch offeriert über sechzig bedenkenswerte Fragen zur Natur, die, wenn Sie es gemeinsam mit Ihrem Kind durchblättern, gewiß auf vielfältige Weise beantwortet werden können. Sofern Kinder bereits lesefähig sind, kann es auch einfach Kinder untereinander zu einem lebhaften Erfahrungs- und Gedankenaustausch zum Thema Naturfragen animieren.

„Was wird aus uns?“ ist in Wort und Bild ein feinsinniger Wegweiser zu interessanten Perspektivwechseln, philosophischen Überlegungen und Gedankenspielen über unsere Natur und zugleich auch ein Impulsgeber für die Wahrnehmung und Benennung natürlicher Phänomene und unser menschliches Verhältnis zur Natur.

Aus den anschaulich gestalteten Fragestellungen erwächst hier gleichsam organisch ein Gespür für die Rolle der Natur in unser aller Leben und dafür, wie vertraut oder fremd wir ihr gegenübertreten, obwohl wir tatsächlich selbst ein verkörperter Teil von ihr sind.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Was-wird-aus-uns.html

 

Nachfolgend noch weitere lesens- und sehenswerte Bücher von
Antje Damm:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich! 118 Fragen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das? Ein Spiel und Ratebuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, 1965 in Wiesbaden geboren, ging nach dem Abitur zunächst als Aupair-Mädchen nach Italien, bevor sie in Darmstadt Architektur studierte. Dies führte sie erneut nach Italien, denn in Florenz verbrachte sie ein Auslandsemester. Danach arbeitete sie mehrere Jahre freiberuflich für diverse Architekturbüros. Seit ihre Töchter auf der Welt sind, schreibt und illustriert sie Kinderbücher. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in einem alten Fachwerkhaus in der Nähe von Gießen.«

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Zwei für mich, einer für dich

  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag 2018  www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • ISBN 978-3-89565-357-5
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

V E R T E I L U N G S G E R E C H T I G K E I T

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Gerechtes Teilen ist ein kindliches Alltagsthema, das durch eine abstandnehmende Betrachtung eine gewisse Entspannung erfahren kann. In Jörg Mühles Bilderbuch „Zwei für mich, einer für dich“ wird die Auseinandersetzung um gerechte Verteilung von Bär und Wiesel anschaulich und witzig vorgeführt.

Der Bär findet im Wald drei Pilze und trägt sie nach Hause. Dort nimmt das Wiesel die Pilze vorfreudig in Empfang und brät sie mit Gewürzen und Petersilie in der Pfanne.

Dann setzen sich die beiden an den tischtuchkarierten Tisch. Der Bär teilt dem Wiesel einen Pilz zu und sich selbst zwei, da er groß sei und viel essen müsse. Das Wiesel findet diese Aufteilung ungerecht und argumentiert, daß es mehr Pilze brauche, weil es klein sei und noch wachsen müsse.

Text und Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2018

Beide finden immer neue und subjektiv durchaus plausible Argumente dafür, daß sie den gerechtfertigteren Anspruch auf die größere Pilzportion haben. Das lebhafte Argumente-Ping-Pong eskaliert, die beiden Freunde schreien sich wütend an, spießen abwechselnd den dritten Pilz auf ihre kampfbereiten Gabeln und bemerken dabei nicht, daß sich ein Fuchs anschleicht. Gerade als das Wiesel dem Bären die Freundschaft kündigen will, schnappt sich der Fuchs den dritten Pilz, verspeist ihn einfach und zieht sich winkend zurück.

Text und Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2018

Empört schauen Bär und Wiesel dem Fuchs nach, kommen zur Besinnung, wünschen sich guten Appetit und lassen sich die beiden verbliebenen Pilze wohlschmecken.

Dann holt das Wiesel sogar noch Nachtisch: Drei leibspeisenverdächtige Walderdbeeren sind aufzuteilen …

Das Buch läßt offen, ob die beiden inzwischen gelernt haben, wirklich zu teilen, oder ob der Gerechtigkeitswettkampf nun wieder von vorne losgeht. Dies eröffnet dem Kind und dem Vorleser interessanten Gesprächsstoff und die Frage nach Ideen, wie man denn drei angemessen durch zwei teilen könnte.

Dieses Bilderbuch bietet reichlich familiären, kinderalltagstauglichen Identifikationsstoff und läßt Kinder mit heiterer Distanz auf einen Streit schauen. Als unbeteiligter Zuschauer ist solch eine Auseinandersetzung lustig und kann kindliche Betrachter durchaus zur Selbstreflexion animieren und konstruktive Lösungen finden lassen.

Die Argumentationsdialoge zwischen Bär und Wiesel sind wahrlich köstlich und ausgesprochen lebensnah, die Zeichnungen spiegeln ebenso die Streit- dynamik wie auch das wiederhergestellte harmonische Einvernehmen der beiden Freunde mit lebhaftem körpersprachlichen Ausdruck. Selten war es so vergnüglich, Lesezeuge eines Streits zu werden.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Buecher-um-mit-Kindern-ins-Gespraech-zu-kommen/Zwei-fuer-mich-einer-fuer-dich.html

 

 

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor, hat eine Tochter im besten Kinderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Querverweis:

Hier entlang zu den putzigen Hasenkind-Pappbilderbüchern von Jörg Mühle:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/29/tupfst-du-noch-die-traenen-ab/

Und nachfolgend zu Megumi Iwasas Kinderbuch „Viele Grüße, deine Giraffe“, welches den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 erhalten hat und von Jörg Mühle illustriert wurde.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/04/04/viele-gruesse-deine-giraffe/

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Viele Grüße, Deine Giraffe

  • Text von Megumi Iwasa
  • Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
  • Originaltitel: »Boku wa Africa ni Sumu Kirin to Iimasu«
  • Illustrationen von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag   Februar 2017  www.moritzverlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 112 Seiten
  • Format: 15 x 21,6 cm
  • 10,95 € (D), 11,30 (A)
  • ISBN 978-389565-337-7
  • Kinderbuch ab 6 Jahren

HINTER  DEN  HORIZONT  SCHREIBEN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Giraffe futtert Akazienblätter und schaut gelangweilt dem Sonnenuntergang in der Savanne zu. Sie sehnt sich nach Abwechslung, und ihr fällt ein, daß Pelikan kürzlich einen Postdienst eröffnet hat.

Also entscheidet sie sich, spontan einen Brief zu schreiben, einfach so ins Blaue bzw. an das erstbeste Tier, das dem Pelikan hinter dem Horizont begegnen würde. Pelikan, der sich auch schon gelangweilt hatte, freut sich über den ersten Postauftrag und macht sich aufgeregt auf den Luftpostweg.

Die Strecke ist viel weiter, als er vermutet hatte, und den Horizont hat er auch nicht erreicht, aber immerhin das Ufer des Meeres. Dort begegnet er einer freundlichen Robbe, die ebenfalls als Briefträgerin unterwegs ist. Sie übernimmt den Brief und transportiert ihn auf dem Wasserwege zu Pinguin.

Pinguin lebt in der Walsee und geht beim großkopfigen Professor Wal in die Schule. Neugierig liest Pinguin Giraffes Brief und wundert sich, denn Giraffe schreibt, sie habe einen langen Hals, und weder Pinguin noch Wal können sich unter einem Hals etwas vorstellen.

So entfaltet sich – trotz der sehr unterschiedlichen Lebenswelten – ein reger Brief-wechsel, der voller lustiger Mißverständnisse bezüglich der äußeren Erscheinung des jeweiligen Brieffreundes ist.

Schließlich will Giraffe Pinguin besuchen und sich als Zeichen besonderen Entgegen-kommens sogar als Pinguin verkleiden. In die freudig-spekulativen Vorbereitungen zur Verkleidung und zur Reise werden Pelikan, Robbe und Wal miteinbezogen, und dann kommt es zur aufschlußreichen Begegnung von Angesicht zu Angesicht. Die Überraschung ist groß und löst sich in heiteres Gelächter auf. Das gemeinsame Vergnügen vertieft  die Freundschaft …

Dieser kindliche Briefroman skizziert einfühlsam die tierischen Charaktere, und Megumi Iwasa läßt sie in einfacher – gleichwohl schmunzelanspielungsreicher – Sprache zu Wort kommen.

Die Korrespondenz zwischen Giraffe und Pinguin wird in zwei unterschied- lichen, gut lesbaren „Handschriften“ graphisch dargestellt. Die durchgehend farbigen Illustrationen von Jörg Mühle geben den Figuren warmherzig und humorvoll Gestalt und eine entsprechende Kulisse.

„Viele Grüße, Deine Giraffe“ eignet sich gut als Leseanfängerbuch und bietet Kindern zudem eine anregende, verspielte Ermutigung zum Briefeschreiben sowie die erlesene Erfahrung, daß Brieffreundschaften Langeweile vertreiben und den Horizont erweitern.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Erstlesebuecher/Viele-Gruesse-Deine-Giraffe.html

Hier entlang zur Fortsetzung „Viele Grüße vom Kap der Wale“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/03/05/viele-gruesse-vom-kap-der-wale/

Die Autorin:

»Megumi Iwasa wurde 1958 geboren. Sie studierte Grafikdesign an der Kunsthochschule in Tokio, an der sie nach ihrem Diplom auch arbeitete. Megumi Iwasa lebt in Tokio. Die Geschichte zu Viele Grüße, Deine Giraffe hat sie zunächst geträumt und dann aufgeschrieben. «

Der Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Er ist Mitglied der Ateliergemeinschaft labor und hat seine Fähigkeit, Pinguine zu zeichnen, bereits in  An der Arche um Acht  unter Beweis gestellt.«

 

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Tupfst du noch die Tränen ab?

  • Pappbilderbuch
  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag   Februar 2017  www.moritzverlag.de
  • Format: 17 x 17
  • 22 Seiten
  • 8,95 € (D), 9,20 € (A)
  • ISBN 978-3-89656-340-7
  • ab 2 Jahren

ERSTE  HILFE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das dritte interaktive Hasenkind-Bilderbuch von Jörg Mühle inszeniert, wie seine Vorgänger, eine familiäre Alltagssituation, mit der sich kleine Kinder sofort identifizieren können.

Das Hasenkind hat sich beim Hinfallen wehgetan und schaut weinend aus der Bilderbuchseite heraus. Was wir da tun können? Na, dreimal pusten, was denn sonst?

Gesagt getan! Doch das Hasenkind braucht noch etwas mehr, denn die kleine Wunde blutet. Also kleben wir ein lustiges Pflaster auf.

Nach einem kurzen, gereimten Heilungsspruch, einer liebevollen Streicheleinheit und etwas Dreck abklopfen können wir dem Hasenkind das Näschen putzen und sehen, wie es wieder putzmunter und gutgelaunt herumhüpft.

Das Besondere an dieser Geschichtengestaltung ist, daß das Kind wortwörtlich eingeladen wird, etwas für das Hasenkind zu tun. Und wenn das Kind auf der jeweiligen Bilderbuchseite gepustet, bepflastert, gestreichelt, geklopft usw. hat, dann sieht es auf der Folgeseite die Wirkung, seines Tuns auf das gezeichnete Hasenkind. So übt es „papieruell“ das Trösten.

Die lustigen und im Gefühlsausdruck sehr deutlichen Zeichnungen, die in einfachen, warmen Worten erzählte Handlung und die Aufforderungen zum Mitmachen lassen Kinder spielerisch erkennen, daß sie nicht nur selber manchmal Trost brauchen, sondern auch Trost spenden können.

Nach ein paar Vorlesedurchgängen mit diesem Mitspielbilderbuch können Kinder auch gut ganz alleine mit dem Hasenkind spielen …

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Neuerscheinungen/Tupfst-du-noch-die-Traenen-ab.html

 

Der Erste Band dieser erfolgreichen Reihe handelt von Einschlafritualen und heißt:
Nur noch kurz die Ohren kraulen
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Pappbilderbuecher/Nur-noch-kurz-die-Ohren-kraulen.html

Und im zweiten Band geht es ums Baden: Badetag für Hasenkind
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Pappbilderbuecher/Badetag-fuer-Hasenkind.html

 


Hasenkind und ich sind übrigens schon gespannt, wie die Reihe weiterhüpfen wird.

Der Autor & Illustrator:

«Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor. Er hat eine Tochter im besten Bilderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag.»

 

 

Hasenbrote

  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag 2012     http://www.moritzverlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • farbig illustriert
  • 52 Seiten
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-243-1
  • ab 7 Jahren zum Selbsterlesen

Hasenbrote Titelbild

G E S C H M A C K S S A C H E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wie schon in ihrem sehr ansprechenden Kinderbuch „Regenwurmtage“
( https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/ ‎) erzählt Antje Damm auch in „Hasenbrote“ eine Begebenheit aus ihrer Kindheit.

Die kleine Antje, die schon in die zweite Grundschulklasse geht, freut sich riesig auf den nahenden Besuch ihres Großvaters. Da dieser „am anderen Ende der Welt“ wohnt, nimmt er sich stets Proviantbrote für unterwegs mit. Von diesen Butterbroten schmiert er so viele, daß immer einige übrig bleiben, und diese „Hasenbrote“ sind wegen ihres köstlichen, „weitgereisten“ Abenteuergeschmacks bei den Enkelkindern äußerst beliebt.

Die Mutter putzteufelt unterdessen durchs ganze Haus, der Vater wird zum Großeinkauf geschickt, und die beiden kleinen Brüder erlauben sich allerlei Dummheiten und Frechheiten. Doch Antjes Opavorfreude ist durch nichts zu trüben, und sie bereitet sich auf ihre Weise darauf vor, den großväterlichen Aufenthalt für ihn und für sich so schön und angenehm wie nur möglich zu gestalten.

Zwar findet ihre Blumentischdekoration inklusive Raupen und Ohrenkneifer bei der Mutter nicht die erhoffte Anerkennung; doch als der Großvater endlich eintrifft, spielen die vorangegangenen Mißverständnisse und kleinen familiären Pannen keine Rolle mehr, und alle freuen sich über den Besucher und seine großzügig mitgebrachten Hasenbrote.

In dieser Geschichte setzt Antje Damm die unterschiedliche erwachsene und kindliche Lebensperspektive treffend in Szene. Es gibt spannende und lustige Reibungspunkte bezüglich der kulinarischen Vorlieben, Beschäftigungsprioritäten, Ordnungsprinzipien sowie der Zeit- und Raumwahrnehmung.

In einem Tonfall zwischenmenschlicher Unmittelbarkeit erzählt und mit den gekonnt-kindlichen Illustrationen der Autorin höchstselbst gefühlsecht geschmückt, legt Antje Damm auch mit diesem Leseanfängerbuch eine schöne, herzhafte Kindheitsepisode vor.

Dieses Kinderbuch ist inzwischen vergriffen. Sie können es nur noch antiquarisch aufstöbern …

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt als Autorin von Kinderbüchern mit ihrem Mann und ihren vier Töchtern in der Nähe von Gießen.
Für das Kinderbuch Hasenbrote erhielt Antje Damm 2012 den Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.«

Querverweis:

Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich! 118 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

 

 

 

Frag mich!

  • 118 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen
  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag, Neuausgabe August 2012   http://www.moritzverlag.de
  • Flexcover, Fadenheftung
  • Format 15.3 x 15,3 cm
  • 240 Seiten
  • 15,- € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-250-9
  • Bilderbuch ab 5 Jahren
    Frag mich! Titelbild

A U S D R Ü C K L I C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das handliche Bilderbuch „Frag mich!“ von Antje Damm ist eine anschau- liche Einladung zum Gespräch zwischen Kindern und Erwachsenen.

Auf jeder Doppelseite finden wir eine Frage und eine dazugehörige Illustration, die zwar eine mögliche Antwort anbietet, diese jedoch nicht festlegt, sondern – gewissermaßen als Stichwortgeber – einen großen, assoziativen Wahrnehmungsspielraum eröffnet, der je nach der kindlichen Wesensart und Lebenserfahrung ganz unterschiedlich gefüllt werden kann.

Es sind einfache Fragen, naheliegende, lustige und ernste, oft alltäglich sinnlich-konkrete, aber auch Fragen zu familiär-freundschaftlichen Gefühlsangelegenheiten und Sozialverhaltensaspekten, die das Kind beantworten kann.

Wenn ein dem Kind zugewandter Erwachsener gemeinsam mit ihm durch diesen bunten Fragenkatalog blättert und wenn den kindlichen Antworten und den sich daraus ergebenden Geschichten aktiv zugehört wird, ermög- licht dieses Bilderbuchbühnenbild eine spielerische Übung in Selbstaus- druck, Selbstverständnis und Sprachkompetenz. Dieses Buch bietet vielfältige Denk-, Fühl- und Erinnerungsanstöße, und es fördert die kindliche Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion.

Beide folgen der Spur einer Frage und lassen sich von den Antworten überraschen. Im offenen Gespräch mit dem Kind wird zugleich mit- menschliches, mitweltliches und sprachliches Interesse geweckt, und vielleicht kommt sogar bisher Ungesagtes zu Wort. Denn das ist die wesentliche Absicht dieses Buches: Kinder ausdrücklich zu Wort kommen zu lassen.

Selbstverständlich entfaltet dieses Buch seine Wirkung nur, wenn ein erwachsener Vorleser und Zuhörer „mitspielt“. Doch diese pädagogische Bereitschaft setze ich zumindest bei den Lesern dieser Buchbesprechung optimistisch voraus.

 

FRAG MICH Glaube

Text & Foto von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

FRAG MICH geerntet

Text & Illustration von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

FRAG MICH Schuhe

Text & Foto von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Frag-mich.html

Querverweis:

Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Der Besuch https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Hasenbrote https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das? https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt als Autorin von Kinderbüchern mit ihrem Mann und ihren vier Töchtern in der Nähe von Gießen. Dank ihrer Töchter begann sie sich vermehrt für Bilderbücher zu interessieren und einige zu veröffentlichen.
Für ihr Bilderbuch DER BESUCH https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/  erhielt sie den Leipziger Lesekompass 2015.«

 

Regenwurmtage

  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag 2011        www.moritzverlag.de
  • 3. Auflage 2013
  • 56 Seiten mit farbigen Illustrationen von Antje Damm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8956-233-2
  • ab 7 Jahren
    Regenwurmtage

R E G E N W U R M R E T T E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Regenwurmtage“ ist eine wunderbare, kind- und regenwurmgerechte Geschichte für Leseanfänger und ragt thematisch und sprachlich aus der Masse der konstruierten Leseanfängerbuchreihen heraus. Auch die gekonnt-kindlichen farbigen Illustrationen, die ebenfalls von der Autorin stammen, tragen zu dieser ECHTEN Attraktivität bei. Die Zeichnungen sind nicht oberflächlich süß-bunt, sondern ausdrucksvoll-eigenwillig.

In einfachen, klaren Sätzen und Worten von anschaulicher Gefühlsgenauigkeit gibt Antje Damm die kindliche Erfahrung und Perspektive der kleinen Ida und ihrer Regenwurmtage wieder.

Ida beschreitet zum ersten Mal alleine den Weg zur Schule, den sie zuvor mit ihrer Mutter mehrfach geübt hat. Sie ist ein bißchen aufgeregt, aber auch froh und neugierig, wie das Leben als Schulkind wohl sein wird.

Viele neue Eindrücke, etwa die nach Parfüm duftende, rothaarige Klassenlehrerin, unbekannte Kindergesichter und allerlei Verhaltensregeln, beanspruchen Idas Aufmerksamkeit. Als dann ausgerechnet ein Junge, der den seltsamen Namen Faruk trägt, neben sie gesetzt wird, ist sie gar nicht begeistert und sehnt sich nach Hause zurück zu ihrem Schmusetierhund.

Am nächsten Tag regnet es, und Ida sieht einen Regenwurm, der in einer Regenpfütze liegt und sich vergeblich bemüht, sich im Asphalt zu vergraben. Mitfühlend hebt sie den Regenwurm auf und setzt ihn in einem Vorgarten ab, damit er Zugang zu Erde hat. Auf ihrem weiteren Weg findet sie einen Regenwurmnotfall nach dem anderen, und sie trägt jeden einzelnen Regenwurm zum rettenden Erdreich.

So kommt Ida an ihrem zweiten Schultag acht Minuten zu spät und bekommt als erstes Kind ihrer Klasse einen Verspätungsvermerk in ihr Hausaufgabenheft. Ihr schüchtern vorgebrachtes Argument, daß sie Regenwürmer gerettet habe, zählt offenbar nicht als mildernder Umstand. Ida ist traurig und beschämt und kämpft mit den Tränen: „Es ist sehr anstrengend, nicht zu weinen, wenn man eigentlich müsste.“ (Seite 33)

Doch in der Pause spricht ihr Tischnachbar sie bewundernd auf ihre Regenwurmrettung an, und Ida bemerkt, daß Faruk eigentlich ziemlich nett ist. Nach der Schule gehen sie ein Stück des Heimweges gemeinsam und unterhalten sich freundlich.

Idas Mutter nimmt den Eintrag im Hausaufgabenheft zur Kenntnis, aber sie schimpft nicht mit Ida, sondern sie liest ihr aus einem Naturkundebuch biologisch-wissenswertes über Regenwürmer vor. Dadurch lernt Ida u.a., daß Regenwürmer einen wichtigen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit leisten und daß der Regenwurm zufällig das »Wirbellose Tier des Jahres« ist.

Am nächsten Tag gehen Ida und Faruk zusammen zur Schule, und Ida erzählt ihm, was sie inzwischen alles über Regenwürmer weiß. Faruk ist begeistert und freut sich schon auf den nächsten Regen.

Der nächste Regentag läßt nicht lange auf sich warten, und schon retten die beiden Kinder eifrig mindestens 15 Regenwürmer. Nun kommen sie gemeinsam zu spät zum Unterricht. Hand in Hand halten die Kinder den hochgezogenen Augenbrauen ihrer Lehrerin stand, und Ida sagt tapfer: „Wir sind ein bisschen spät … denn wir haben das Tier des Jahres gerettet und das war ein bisschen viel Arbeit, ehrlich gesagt.“ (Seite 47)

Und zum Beweis hält Ida der Lehrerin einen zappelnden Regenwurm hin…

Aus dem kurzen Nachwort erfahren wir, daß die Autorin diese Geschichte nicht erfunden, sondern als Kind selbst erlebt hat. Außerdem erzählt sie, daß sie, obwohl ihre kindlichen Regenwurmtage schon viele Jahre zurückliegen, auch heute als Erwachsene immer noch Regenwürmer aufsammelt.

Und als Echtheitszertifikat gibt es eine Faksimileabbildung des Verspätungseintrages wegen Regenwurmsuche.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Regenwurmtage.html

 

Querverweis:

Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich! 118 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Was ist das? https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt als Autorin von Kinderbüchern mit ihrem Mann und ihren vier Töchtern in der Nähe von Gießen.«

 

 

 

 

Der Besuch

  • Text und Bilder von Antje Damm
  • Moritz Verlag  Februar 2015     http://www.moritzverlag.de
  • 36 Seiten
  • Pappband, Fadenheftung
  • Format: 25,6 x 19,4 cm
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 18,60 sFr.
  • ISBN 978-3-89565-295-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren
    Der Besuch

R A U M P F L E G E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Antje Damm eröffnet mit diesem Bilderbuch – wortwörtlich – ganz neue Gestaltungsräume und inszeniert die Geschichte einer erfreulichen „Wiederbelebung“ mit effektvollen bühnenbildnerischen Illustrationsmethoden und in einfühlsam-einfacher sowie kindgemäßer Sprache.

Dieses feinsinnige und gestalterisch neuartige Bilderbuch führt uns in die zunächst verschlossenen und beinahe leblosen Wohn- und Gewohnheitsräume von Elise. Elise ist eine überängstliche alte Frau, die sich nicht mehr in die Welt hinauswagt und stattdessen ihr einsames Heim pflegt. Die ordentlichen Räume wirken düster und bedrückend, nur durch die Fenster scheint ein wenig freundliches Licht in die ergraute Innenwelt Elises.

Als Elise einmal zum Lüften ein Fenster geöffnet läßt, passiert etwas Unvorher- gesehenes: Ein hellblauer Papierflieger fliegt herein und landet auf Elises gepflegtem Fußboden. Elise verbrennt den Flieger ängstlich im Ofen. In der nächsten Nacht hat sie Papierfliegeralbträume, und am nächsten Morgen wagte es doch wahrlich jemand, an ihre Tür zu klopfen, obwohl dort ausdrücklich ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Bitte nicht stören“ hängt.

Da ausdauernd weitergeklopft wird, öffnet Elise schließlich doch ihre Haustür, und erstaunt findet sie dort einen kleinen Jungen vor, der unbefangen nach seinem Flieger fragt und mal dringend auf die Toilette muß. Unsicher läßt Elise das Kind eintreten, beantwortet jedoch freundlich die Fragen, die der Junge ihr stellt, und sie lächelt sogar ein bißchen. Ja, sie bekommt sichtlich bessere Laune, und ein rosiger Hauch zeigt sich auf ihren Wangen und ihrer Küchenschürze.

Als der Junge neugierig und bewundernd vor Elises Bücherregal steht und darum bittet, daß sie ihm doch etwas vorlesen möge, kann sie sich tatsächlich darauf einlassen – sie liest ihm ein ganzes Märchenbuch vor, spielt mit ihm verstecken, und als er hungrig wird, schmiert sie ihm gerne ein Butterbrot.

Zum Abschied fragt der Junge nach Elises Namen und sagt ihr auch seinen Namen. Er heißt Emil. Am Abend faltet Elise frohgemut einen neuen Papierflieger für Emil, denn die Farbe, die das Kind in Elises ergrautes Leben gebracht hat, ist immer noch lebendig…

Antje Damm hat für dieses Bilderbuch Modellräume und Möbel aus Karton gebaut. Die gezeichneten und ausgeschnittenen menschlichen Figuren werden darein und dazu arrangiert. Die verschiedenen Handlungsszenen werden unterschiedlich mit – oder fast ohne – Farben ausgestattet, nach Bedarf ausgeleuchtet und schließlich photographiert.

Dies ermöglicht faszinierende Licht- und Schatteneffekte und eine optische Drei- dimensionalität, die wunderbar anschaulich ist und zusätzlich große spielerische Attraktivität entfaltet.

Es ist herzerwärmend dabei zuzusehen, wie die graue Düsternis nach und nach, Farbtupfer um Farbtupfer weicht und wie immer mehr Licht auf die Bilderbuchseiten strömt und schließlich Farben- und Lebensfreude unübersehbar in Elises Haus und Herz einziehen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite: https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Der-Besuch.html

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Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Frag mich! 118 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt als Autorin von Kinderbüchern mit ihrem Mann und ihren vier Töchtern in der Nähe von Gießen.
Dank ihrer Töchter begann sie sich vermehrt für Bilderbücher zu interessieren und einige zu veröffentlichen

Für ihr Bilderbuch DER BESUCH wurde Antje Damm mit dem Leipziger Lesekompass 2015 ausgezeichnet. http://www.leipziger-buchmesse.de/lesekompass/

 

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