Über den Umgang mit Menschen

  • von Adolph Freiherr Knigge
  • Hörbuch
  • gekürzte Lesung
  • gelesen von Christoph Maria Herbst
  • mit Musik von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788)
  • Pianist: Christoph Grund
  • Buchvorlage: »Über den Umgang mit Menschen«
  • von Adolph Freiherr Knigge
  • Der Audio Verlag   Februar 2019 www.der-audio-verlag.de
  • 2 CDs in Pappklappschuber
  • Laufzeit: 2 Stunden, 36 Minuten
  • 14,99 € (D), 16,90 € (A), 21,50 sFr.
  • ISBN 978-3-7424-0998-0

PHILANTHROPISCHE  AUFKLÄRUNG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dem höchst empfehlenswerten Buche „Über den Umgang mit Menschen“ des Freiherrn Knigge, das sich nunmehr schon seit 231 Jahren auf dem Buchmarkte behauptet, wird man nur gerecht, wenn man es von seinem Rufe als noble Benimmfibel befreit. Gewiß spielen Manieren eine gewisse Rolle, indes weisen Knigges Anregungen und Betrachtun-gen weit über oberflächliche, leere Formen und Konventionen hinaus und plädieren für einen allgemein harmonisch-freundlichen, rücksichtsvollen und toleranten zwischen-menschlichen Umgang. Ja, erstaunlich zeitgemäß für uns Gegenwärtige fordert er auch für die Tiere eine mitfühlende Behandlung, die angesichts des Autors zukunftsweisen- der Einfühlsamkeit mit der leidenden, wehrlosen Kreatur und seiner deutlichen Kritik diesbezüglicher menschlicher Grausamkeit überrascht und erfreut.

„Über den Umgang mit Menschen“ enthält trefflich menschenkenntnisreiche Psycho-gramme und Behandlungsempfehlungen verschiedener Wesensarten – so sei mit dem Herrschsüchtigen, Ehrgeizigen und Eitlen anders umzugehen als mit dem Empfindlichen, Eigensinnigen, Dummen oder mißtrauisch-verschlossenen Menschen.
 
Ebenso wie der rechte Umgang mit anderen Menschen sind der „Umgang mit sich selbst“ und eine gute selbstreflektierte Beziehung zur eigenen Person wichtig: „Respektiere Dich selbst, wenn Du willst, daß andere Dich respektieren sollen.“

Des Autors kluge Erörterungen zum „Umgange unter Eheleuten“ geben nicht nur ein-leuchtende und durchaus noch aktuelle Empfehlungen zum gemeinsamen, alltäglichen und verträglichen Miteinander, sondern auch Hinweise zum Verhalten angesichts außerehelicher Versuchungen. So betont Knigge zu Recht, daß eine Ehe mehr Freude, Glück und Erfüllung bereite, wenn sie eine Verbindung gegenseitiger Hochachtung, harmonischer Neigungen und wechselseitiger Seelenbedürfnisse ist.

Seine Betrachtungen und Hinweise führen sodann weiter zum Umgange mit Verliebten, Freunden, Frauenzimmern, Gästen und sogar Feinden. Im Anschluß an die privaten Gefilde widmet sich Knigge schließlich dem Umgange mit verschiedenen sozialen Menschengattungen.

Dabei übt er strengen Tadel an dünkelhaftem Hochmut, lebensweltfremder Arroganz, verwöhnter Selbstgefälligkeit und egozentrischer Geltungssucht von Fürsten, Vorneh- men, Reichen und Hofleuten und zweifelt an ihrer politischen und moralischen Kompe- tenz. Seine Auflistung der Fehler höherer Stände nebst zahlreicher anschaulicher Beispiele ihrer Untugenden ist erstaunlich freimütig und erklärt, daß sich der Freiherr Knigge in den damaligen aristokratischen Kreisen nicht gerade beliebt gemacht hat. 

Für das Verhalten gegenüber Menschen von „niederem Stande“ (z.B. Hausangestellten und Dienern) fordert er Achtung, Höflichkeit, angemessene Würdigung ihrer Leistungen und auch Fürsorge und Schutz im Notfalle und keinesfalls Herablassung und Gleich- gültigkeit.

Freiherr Knigges Buch „Über den Umgang mit Menschen“ erschien im Jahre 1788 (ein Jahr vor der Französischen Revolution), und es enthält zutiefst aufklärerische, gesell-schaftskritische, dem Adel angeborene Herrschaftsrechte sehr deutlich absprechende und für eine bürgerlich-republikanische Verfassung plädierende Ansichten.

„Über den Umgang mit Menschen“ ist Knigges berühmtestes Werk; doch die aufklärer-ische Substanz wurde in späteren Auflagen verfälscht oder ausgespart, so daß der Name Knigge inzwischen synonym für alle möglichen (und unmöglichen) Benimm- und Manie- renanleitungen und Stilfibeln eingesetzt wird. Wer sich hingegen das inzwischen wieder unzensierte Werk zu Gemüte führt, wird zweifellos erkennen, daß „Über den Umgang mit Menschen“ in vieler – wenn auch nicht jeder – Hinsicht ein lebensphilosophisches Werk von zeitloser Gültigkeit und Güte ist.

Der Autor übt Nachsicht mit kleinen menschlichen Schwächen, ohne ihnen indes über Gebühr nachzugeben. Er illustriert, daß die Vertretung eigener Interessen nicht unbe-dingt rücksichtslos sein muß und daß Tugenden wie Verschwiegenheit, Wahrhaftigkeit, Würde, Fingerspitzengefühl, freundlicher Humor, natürliche Freude, Großzügigkeit und eine edle Gesinnung für jeden Menschen anzustreben seien. Seine Aufforderung zu echter Herzensbildung, vernünftiger Selbstvervollkommnung, geistiger Aufgeschlossen-heit und höflichem Respekt zielt auf allgemeine Achtsamkeit zum Wohle des Ganzen. „Jedes Gute muß nach seiner Wirkung für die Welt beurteilt werden.“

Freiherr Knigges Werk ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch wertvoll und bemerkens-wert. Des Autors Ausdrucksweise ist fein und kultiviert, ohne abgehoben zu sein, dabei ebenso geistreich wie einfühlsam, und seine zwischenmenschlichen Charakterisierun- gen zeugen von großem Menschenkenntnisreichtum. Alleine Knigges kleine Schrift- steller-Typologie, die im Kapitel „Über den Umgang mit Gelehrten und Künstlern“ Platz nimmt, gibt von seiner amüsant-anschaulichen Charakterisierungskunst Zeugnis.

So kreist der Zirkel seiner Gedanken mit solch hohem Geistesschwung und weitem Radius, daß die kleinste Kleinigkeit und größte Größe zwischenmenschlichen Mitein- anders ausgewogen zu Wort kommen.

Es ist ein anregender, ja, geradezu spannender Genuß, dem wohlformulierten, kom-plexen Satzbau zu lauschen. Die lobenswert-vielsaitigen stimmlichen und emotionalen Nuancen, mit denen Christoph Maria Herbst uns Knigges Ausführungen ins Ohr kompli-mentiert, tragen nicht unwesentlich zu diesem Hörvergnügen bei und verleihen den Worten des Autors lebhaften Atem.

Einer kleinen kritischen Anmerkung zur nachlässigen Wahl des Bildhintergrundes der inneren CD-Hülle kann ich mich indes nicht enthalten. Eine elegante Ballszenerie wäre zwar durchaus angemessen, gleichwohl sollte doch diese Szene historisch zum Erster-scheinungsjahr von Knigges Buch passen. Die Illustration, welche hier eingesetzt wurde, „spielt“ ungefähr im Jahre 1920/30. Dies ist, halten zu Gnaden, gute 130 -140 Jahre zeitversetzt.

Hingegen fügen sich die feinen musikalischen Intermezzi (Carl Philipp Emanuel Bach, gespielt vom Pianisten Christoph Grund) harmonisch und der Lebensepoche Knigges gemäß zwischen die Textpassagen. Auch die augenzwinkernde Verkleidung des Sprechers Christoph Maria Herbst als Freiherr Knigge ist für die Titelbildgestaltung des Hörbuches ein sehr gelungener Blickfang.

Zum Ausklang möge nun der Autor das letzte Wort haben:

„Sei lieber das kleinste Lämpchen,
das einen dunklen Winkel mit eigenem Lichte erleuchtet,
als ein großer Mond einer fremden Sonne oder gar Trabant eines Planeten!“

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:

Knigge – Über den Umgang mit Menschen

Der Autor:

Adolph Freiherr Knigge kam am 16. Oktober 1752 auf dem väterlichen Gut Bredenbeck bei Hannover zur Welt und verließ dieselbige am 6. Mai 1796 in Bremen im Alter von nur 43 Jahren. Falls Sie sich fragen, wo denn das blaublütige „von“ geblieben sei, so kann ich Ihnen versichern, daß der Herr Knigge seinen Adelstitel höchstselbst abgelegt hatte.
Der „freie Herr Knigge“, wie er sich selbst zu nennen pflegte, war ein erfolgreicher und bekannter Schriftsteller von Theaterstücken und Romanen sowie von pädagogischen, politischen und satirischen Texten. Darüber hinaus übersetzte er die »Bekenntnisse« von Rousseau ins Deutsche.

Der Sprecher:

»Christoph Maria Herbst, 1966 in Wuppertal geboren, arbeitete als Bankkaufmann, bevor er sich der Schauspielerei widmete.
Doch schon während seiner Bankausbildung engagierte sich Christoph Maria Herbst in der Theaterszene in Wuppertal. Bekannt wurde er später vor allem durch seine Rollen in Filmen wie Michael Herbigs »(T)Raumschiff Surprise – Periode 1«, in der Edgar-Wallace-Parodie »Der WiXXer« und der Fortsetzung »Neues vom WiXXer«. Sein komödiantisches Talent stellte er weiterhin in der Rolle des »Stromberg« in der gleichnamigen Fernseh-serie unter Beweis. Für diese ist er mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. mit dem Adolf-Grimme-Preis und dem Deutschen Comedypreis.
Für DAV hat Christoph Maria Herbst schon mehrere Hörbücher gelesen, u. a. den packenden Thriller »Still« von Zoran Drvenkar, das Hörbuch »Kängt ein Guru« sowie die lustigen Lesungen der Sprüche der Website SMSvonGesternNacht.de.«

 

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Manieren für Anfänger

  • Ein Buch übers Schmatzen und Kleckern
  • Text von Kristina Dumas
  • Illustrationen von Ina Worms
  • annette betz Verlag  2019  www.annettebetz.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • 14,95 €
  • ISBN 978-3-219-11786-8
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

BENIMM  IST  IN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Manieren für Anfänger“ eröffnet die Unterweisung ins gute Benehmen zunächst anschaulich mit dem demonstrativen Gegenteil guten Benehmens: Da wird gierig nach Essen gegrapscht, ausschweifend gekleckert, nachlässig auf Tisch und Stühlen herum-gefläzt, unpassend gekleidet zu einem festlichen Anlaß erschienen, lauthals telefoniert, rücksichtslos vorgedrängelt und sich auf Sitzplätzen besitzergreifend breitgemacht.

Diesen Danebenbenehmlichkeiten folgt ein historischer Rückblick, der uns etwa die alten Griechen und Römer genüßlich-kultiviert in halb liegender Position mit den Händen speisend zeigt.

Auch im Mittelalter, so wird uns vorgeführt, nahm man für das Zum-Munde-Führen fester Speisen einfach die Hände oder ein Messer, und nur für flüssige Speisen benutzte man einen Löffel. Gabeln gab es zwar schon, aber ihr Gebrauch bei Tisch war allenfalls als Vorlegebesteck üblich. Die mittelalterlichen Tischsitten waren selbst beim Adel noch grob, so wischte man sich Hände und Mund ungeniert am Ärmel oder gar Tischtuch ab und betrachtete das Essen mit Gabeln als unmännlich.

Einige Jahrhunderte später, am Hof von Versailles unter König Ludwig XIV., hatten sich die Tischsitten und Umgangsformen schon deutlich verfeinert, aber auch verkompli- ziert. Das sogenannte höfische Benehmen galt als vorbildlich und wurde auch von Bürgern angestrebt, die es bis in unsere Zeit als „höfliches“ Benehmen bezeichnen.

Des weiteren lernen wir die Bemühungen des Freiherrn Knigge kennen, dem es mit seinem berühmten „Knigge“ darum ging, den respekt- und taktvollen Umgang der Menschen miteinander – unabhängig von ihrem gesellschaftlichen Rang – zu fördern.

Eine Doppelseite wartet mit sechs Szenen auf, die bekannte Redewendungen aus dem Umfeld von höflichem und unhöflichem Auftreten illustrieren, und fordert zum Erraten des jeweiligen Sprichwortes auf.

Die Vorstellung unterschiedlicher internationaler Begrüßungsformen vom Hand- und Wangenkuß über die asiatische Verbeugung bis zum indischen „Namasté“ sowie von „Grüß Gott!“, „Bonjour!“ und „Hey!“ ist eine begrüßenswerte Erweiterung des kultu- rellen Horizontes. Nicht begrüßenswert ist indes, daß bei den Begrüßungsformeln für den deutschsprachigen Raum viermal das einfältige „Hallo!“ benutzt wird und nicht ein einziges Mal „Guten Tag!“ – das ist keineswegs stilbildend für das kindliche Verhalten.

Die lustigen, gekonnt an Kinderzeichnungen erinnernden Illustrationen von Ina Worms bieten reichlich Anschauungsmaterial. Auf fast jeder Bilderbuchseite erscheint die schelmische Figur des „Schweinehunds“, die sich fortlaufend fragend und kommen- tierend durch die Benimm-Episoden bewegt und am Ende in Hinsicht auf Manieren wirklich dazugelernt hat.

„Manieren für Anfänger“ erklärt Kindern spielerisch-informativ sowohl die dekorativen Aspekte guten Benehmens – wie beispielsweise Besteckkunde und Tischsitten – als auch die zwischenmenschlichen Aspekte, welche die Bedeutung von Achtsamkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Respekt, Rücksichtnahme und Taktgefühl umfassen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.ueberreuter.de/shop/manieren-fuer-anfaenger/

 

Die Autorin:

»Kristina Dumas ist Journalistin und Autorin. Sie hat zahlreiche Beiträge und Geschichten für Kinder geschrieben. Bei Annette Betz sind bereits mehrere musikalische Bilderbücher und Sachbücher von ihr erschienen.« https://www.kristinadumas.de/projekte/kindersachbuecher/

Die Illustratorin:

»Ina Worms hat in Trier und Krakau Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Buch- design studiert. Seit 2013 wurden mehr als 15 Titel mit ihren Bildern veröffentlicht, u. a. auch in Korea und Rumänien. Ina Worms wohnt in Köln.«
http://www.blog.ina-worms.de/blog/

 

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Unter uns die Nacht

  • von Becky Chambers
  • Roman
  • Originaltitel:»Record of a Spaceborn Few«
  • Übersetzung aus dem Amerikanischen
  • von Karin Will
  • Wayfarer-Universum Band 3
  • Fischer TOR Verlag April 2019   http://www.tor-online.de
  • Taschenbuch
  • 464 Seiten
  • 9,99 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-596-70262-6

INTERGALAKTISCH

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem im ersten Band der Wayfarer-Reihe eifrig im All herumgereist wurde und die Handlung des zweiten Bandes hauptsächlich auf zwei Planeten stattfand, konzentriert sich die Handlung des dritten Bandes auf die menschlichen Siedlungsraumschiffe der Exodus-Flotte.

Mit dem dritten Wayfarer-Band gelingt Becky Chambers erneut eine feinsinnige Mischung aus spannender Unterhaltung und historisch-gesellschaftskritischer Reflexion sowie einfallsreicher zukunftsmusikalischer Raumfahrts- und Alltagstechnik. Der größte Lesereiz geht von den lebhaft ausgemalten Charakteren mit ihren unterschiedlichen altersspezifischen Blickwinkeln aus.

Wie wir aus den vorhergehenden Bänden wissen, ist die menschliche Spezies noch nicht lange Mitglied in der GU (Galaktische Union). Die Menschen hatten die Lebensgrund- lagen ihres Heimatplaneten zerstört. Die reichen Menschen hatten sich als Erste aus dem Staub gemacht und waren zum Mars ausgewichen, um dort ihr luxuriöses Leben unter Schutzkuppeln weiterzuführen, während der drastisch dezimierte Rest der Menschheit mit dem vergifteten Leben auf der Erde zurechtkommen mußte. Mit vereinten letzten Kräften und sorgfältiger Ressourcenresteverwertung hatten die Menschen schließlich eine Raumflotte gebaut, mit welcher sie ins All flüchteten.

Die Siedlungsraumschiffe der Exodus-Flotte verfügen – inspiriert von der optimalen Raumnutzung der Bienenwabe – über hexagonale Räume, die sich von der sechseckigen Mehrgenerationen-Familienwohnung (sechs hexagonale Räume, die in einem Ring um einen siebten Gemeinschaftsraum angeordnet sind), bis in die nächstgrößere Rauman-ordnung mit jeweils sechs hexagonalen Nachbarschaftswohnungen sowie schließlich, stufenweise geometrisch multipliziert, in die gesamte Raumstrukturverbindung der Raumflotte erstreckt.

Damals, vor vielen Generationen, schworen sich die Menschen, die Fehler, die sie auf der Erde gemacht hatten, nicht zu wiederholen, und sie entwickelten eine neue Gesell- schaftsordnung sowie umfängliche, sehr effiziente Wiederverwertungskreisläufe. Die Exodaner leben seitdem in einem geschlossen System, in dem Pflanzen für Nahrung, Sauerstoff-produktion und Textilfasern angebaut und Insekten als Nahrungsmittel gezüchtet werden. (Gewöhnen Sie sich schon mal an die beiläufige Erwähnung von Grillen-Frittes und Grashüpferburgern.)

Die Exodaner verschwenden nichts, alles wird so weit wie möglich repariert, geflickt oder  dem Stoffkreislauf zur Wiederverwertung eingefügt. Sogar die Leichen werden kompo-stiert. Dies ist die Aufgabe der Hüter und ein sehr angesehenes Amt. Die Hüter ehren die Verstorbenen mit einer feierlichen Abschieds-Zeremonie für die Angehörigen, kümmern sich um den ordnungsgemäßen Ablauf der Kompostierung und um die Verteilung des Kompostes in die öffentlichen Grünanlagen der Raumflotte.

Jedes Mitglied der Raumflotte hat Anspruch auf Wohnung, Nahrung, Luft, Wasser und öffentliche Dienstleistungen. Für die Grundbedürfnisse aller ist gesorgt, und einen Beruf wählt man nach Neigung und persönlicher Begabung, denn es ist selbstverständlich, einen nützlichen Betrag zur Gemeinschaft zu leisten.

Arbeit wird nicht entlohnt, und ein Ratsmitglied, ein Arzt, eine Ingenieurin, ein Lehrer oder eine Pilotin haben auch keinen größeren Zugang zu Ressourcen als Menschen, die einer einfacheren Tätigkeit nachgehen. Berufe, für die eine lange, spezialisierte Ausbil-dung notwendig ist, oder Berufe, die mit körperlichen Risiken verbunden sind, genießen zwar ein besonders hohes Ansehen, gleichwohl wird auch jede einfache Arbeit geachtet.

In der Raumflotte gibt es keine unwichtigen Berufe, da in einem geschlossenen, über-sichtlichen System der Nutzen und der Zweck jeder Arbeit deutlich erkennbar sind; und dank der Einrichtung der allgemeinverbindlichen Reinigungslotterie hat auch jeder schon vorübergehend die Erfahrung von „schmutziger“ Arbeit gemacht.

Handel gibt es nur in Form von Tauschhandel, so daß letztlich alle Ressourcen innerhalb der Gemeinschaft verbleiben.

Wir lernen das Leben in der Exodus-Flotte aus der Perspektive verschiedener Bewohner kennen:

– die weise, alte Archivarin Isabel, die sowohl die Geschichte der alten Erde als auch die Geschichte, Tradition, Ethik und Fortentwicklung der exodanischen Kultur dokumentiert,

– die Lageristin Tessa, die mit ihrem Vater und zwei Kindern zusammenlebt und mit dem Vater ihrer Kinder eine Fernbeziehung pflegt, da er als Schürfer oft für lange Zeiträume in der Galaxis unterwegs ist. Tessa ist die Schwester von Kapitän Ashley Santoso, dessen Bekanntschaft wir im ersten Band gemacht haben.

– Die dreißigjährige Hüterin Eyas verschafft uns einen Einblick in die einfühlsame und verantwortungsvolle Arbeit der Hüter.

– Der sechzehnjährige Kip wirft aus seiner pubertär-trotzigen, ein wenig hormondrang-vernebelten Sicht und zielunsicheren Sinnsuche einen ganz anderen Blick auf die er-probte, selbstgenügsame Lebensweise der Exodaner und liebäugelt damit, die Flotte zu verlassen und auf einem Planeten zu leben.

Ergänzt werden die Betrachtungsweisen durch zwei Besucher:

– den jungen, verwaisten Sawyer, der auf dem Planeten Mushtullo geboren wurde, und der sich sehnlichst die Zugehörigkeit zu einer solidarischen Gemeinschaft wünscht, und diese in der exodanischen Raumflotte zu finden hofft.

– die Hamargianerin Ghuh’loloan Mok Chutp, die als Ethnographin am Institut für inter-stellare Migration in Reskit arbeitet. Sie stattet ihrer langjährigen Brieffreundin, der Archivarin Isabel, einen Besuch ab, um die exodanische Kultur mit eigenen Augen bzw. Stielaugen zu betrachten und darüber einen Bericht zu verfassen. Ghuh‘loloan ist dies- mal die einzige nicht-menschliche Figur, die ausführlich mit ihren speziesspezifischen körperlichen und kulturellen Merkmalen beschrieben wird. Die Hamargianer haben einen molluskenartigen Körper, der sich ohne technische Unterstützung nur sehr langsam fortbewegen läßt. Deshalb sind sie stets mit einem bequemen fahrbaren Untersatz unterwegs. Sie haben eine sehr empfindliche gelbliche Haut und zahlreiche Gesichtstentakel, mit deren hochdifferenzierter Gestik sie ihre verbale Kommunikation ausdrucksvoll begleiten.

Die Gesellschaft der Exodaner verändert sich durch den Kontakt mit der GU und durch die technischen Zugaben, welche die GU ihnen zur Verfügung stellt. Exodaner, die das Leben unter künstlichen Bedingungen nicht mehr attraktiv finden, wandern auf be- wohnbare Planeten aus. Andere arbeiten – wie beispielsweise Kapitän Ashley Santoso – im Raumtransportwesen, und sie verdienen damit die in der GU übliche Bezahlung in sogenannten Credits.

Dieses Geld geben sie teilweise an ihre Familien weiter, die in der Raumflotte leben, und das verändert das wirtschaftliche Gleichgewicht, da sich nun manche Exodaner Dinge oder Materialien hinzukaufen können, die nicht aus dem internen System stammen.

Seit ein Wohnschiff durch einen Unfall in Kombination mit Materialermüdung zerstört wurde, was Tausende Menschenleben gekostet hat, fragen sich viele Exodaner, ob es nicht sinnvoll wäre, die alte Lebensweise aufzugeben. Schließlich seien sie damals aufgebrochen, um neuen Lebensraum zu finden, und durch den Eintritt in die GU stehen ihnen tatsächlich zahlreiche Optionen dafür offen.

Ensk, die traditionelle Sprache der Exodaner, wird besonders von der jüngeren Gene-ration immer mehr mit der in der GU üblichen Standardsprache Klip vermischt. Manche Menschen begrüßen die Öffnung der Raumflotte für neue Einflüsse, manche sträuben sich dagegen.

Es ist faszinierend, wie die Menschen um ihr kulturelles und ethisches Selbstverständnis ringen. Die Archivarin Isabel bringt es beeindruckend auf den Punkt, warum und wofür der Erhalt der exodanischen Flotte wichtig ist – nämlich als lebendige Erinnerung daran, nie wieder einen Planeten zu zerstören.

„Als unser Planet zu sterben begann, war unsere Spezies voll von Geschichten. Wir hatten Tausende Geschichten über uns selbst …, aber es gab nicht genug von uns, die sich mit der Realität der Dinge befassten. Als die Realität uns einholte und wir began-nen, unsere Geschichten zu verändern, um uns anzupassen, war es zu spät. … Deshalb führen wir Archive, deshalb hinterlassen wir Handabdrücke auf Wänden. Damit wir nicht vergessen. Wir sind unsere eigene Warnung.“ (Seite 407/408)

In diesem Roman tritt eine Menschheit auf, die aus ihren tödlichen Fehlern und lebens-fern-ignoranten Verhaltensweisen wirklich gelernt hat und nun einen konstruktiv-enkeltauglichen Lebensstil pflegt. Die in der Exodus-Flotte geläufigen feierlichen Sätze, die rituell zur Namensgebung und zur Beerdigung eines Menschen gesprochen werden, bringen eine bewundernswerte Demut, ein sehr verantwortungsbewußtes Miteinander und eine zwischenmenschliche Verbundenheit zum Ausdruck, die ebenso ernsthaft-mahnend wie tiefsinnig-anrührend auch zu uns – die wir noch auf einer lebendigen Erde heimisch sind – sprechen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.fischerverlage.de/buch/becky_chambers_unter_uns_die_nacht/9783596702626

Eine weitere lobeshymnische Rezension zu „Unter uns die Nacht“ gibt es auf dem Bücher-Blog „Feiner reiner Buchstoff“ https://feinerbuchstoff.wordpress.com/2019/04/20/record-of-a-spaceborn-few/

Hier entlang zum ersten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/05/01/der-lange-weg-zu-einem-kleinen-zornigen-planeten/
Und zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/05/07/zwischen-zwei-sternen/

 

Die Autorin:

»Becky Chambers ist als Tochter einer Astrobiologin und eines Luft- und Raumfahrt-technikers in Kalifornien aufgewachsen. Die Zeit zum Schreiben ihres ersten Romans hat sie sich durch eine Kickstarter-Kampagne finanziert. Das Buch wurde prompt zu einem Überraschungserfolg.«

 

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Manolito

  • Ein fantastischer Märchen-Roman
  • von Friedrich Hechelmann
  • Knesebeck Verlag September 2017   www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 19,5 x 23,00 cm
  • 176 Seiten
  • mit 10 schwarzweißen Abbildungen
  • und 30 farbigen Abbildungen
  • ISBN 978-3-95728-060-2
  • 29,95 € (D), 30,80 € (A)
  • ab 10 Jahren

LE B E N S K R Ä F T E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Friedrich Hechelmann ist Maler und Buchillustrator, und er hat für das vorliegende Buch nicht nur zum Pinsel, sondern auch selbst zur Feder gegriffen. Achtsame Liebe zur Natur, Ehrfurcht vor der Schöpfung und eine naturmagisch-poetische Perspektive lassen sich an seinen Bildern ablesen.

Mit seinem Märchen-Roman-Debüt „Manolito“ erzählt Friedrich Hechelmann in Wort und Bild ein modernes Märchen über die Bedrohung der Natur und des Lebens durch menschliche Herzenskälte und Profitgier und über eine mögliche Bewußtseinswende durch heilsame, naturgeistige Lebenskräfte.

Knuth Rabenhorst arbeitet in einem wissenschaftlichen Versuchslabor der Pharma-industrie und führt gehorsam die verlangten Versuche an den „Probanden“ durch. Des Nachts meldet sich bei ihm jedoch angesichts der Qualen der Versuchskaninchen immer häufiger das Gewissen, denn eigentlich ist Knuth ein empfindsamer Mensch – so pflegt er beispielsweise eine Fütter-Freundschaft mit einem dem Raben Kasimir, der ihn regelmäßig auf seinem Balkon besucht.

Doch erst als Knuth seine Anstellung verliert, kommt er ernsthaft  zur Besinnung. In seiner Labor-Kitteltasche findet er den heimlich entflohenen Probanden Nr. 226. Nr. 226 ist nur kichererbsenklein, er hat eine menschliche Gestalt und fleht Knuth an, ihn nicht wieder in das schreckliche Labor zurückzubringen. Knuth läßt endlich sein Mitgefühl zu und verspricht Nr. 226 Schutz und Hilfe und gibt ihm den Namen „Manolito“.

Manolito freut sich, daß er keine Nummer mehr ist, und Knuth freut sich über die anre-gende Gesellschaft Manolitos. Sie diskutieren lebhaft das menschliche, lebensfeindliche Verhalten gegenüber den natürlichen Geschöpfen, und Knuth überlegt sich berufliche Alternativen, da er sich an diesem Zerstörungswerk nicht mehr beteiligen mag.

Während sich Knuth auf Arbeitssuche begibt, erkundet Manolito sein neues Zuhause und freundet sich mit der Hausspinne Liesa und dem Raben Kasimir an. Manolito ist die körperliche Miniaturausgabe eines Menschen, indes hat er die Seele eines Elfen, und deshalb kann er mit allen Tieren sprechen. So erfährt er auch, daß sich immer mehr Tiere auf den geheimen Kontinent Aronia zurückziehen, um der menschlichen Grausamkeit und den durch Umweltverschmutzung lebensverarmten und zerstörten Lebensräumen zu entkommen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zugang nach Aronia wurde vor vielen Jahrtausenden von den Elfen hinter einer für Menschen unsichtbaren Wasserwand verborgen. Tiere finden den Weg nach Aronia jedoch instinktiv, und die wenigen Elfen, die noch als Botschafter in der Menschenwelt unterwegs sind, haben selbstverständlich ebenfalls leichten Zugang. Und so landet Manolito nach einer dramatischen Wende unvermittelt in Aronia.

Die Hummelkönigin Klara nimmt Manolito als Flugpassagier auf und zeigt ihm die wilden, menschenleeren Landschaften Aronias, in denen außer den noch in der Menschenwelt existierenden Tieren auch ausgestorbene Tiere und fast vergessene Fabelwesen leben und wirken. Im Herzen Aronias liegt der Elfenwald. Dort erfährt Manolito mehr über seine Herkunft und seine Bestimmung, und er bekommt ein wertvolles Geschenk, das ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe dienlich sein wird.

So groß, weitläufig und verborgen Aronia auch ist, es ist nicht unverwundbar. Die menschliche Gier nach Bodenschätzen unterhöhlt buchstäblich auch dieses Refugium, und es besteht die akute Gefahr, daß Aronias Schutzschleier gelüftet wird. Aronia benötigt elementare Unterstützung, um sich gegen einen Angriff und eine drohende Invasion der Menschen zu verteidigen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zentrale Rat der Vereinigten Arten Aronias beauftragt Manolito, die Hummelkönigin Klara, die Grasmücke Mathilde, die Fledermaus Philomena und weitere tierische Ver-bündete zum Meister des Windes zu reisen und um seine Unterstützung zu bitten. Die Bewohner Aronias werden ihr Refugium nicht kampflos den „Paarfüßlern“ – so werden die Menschen von den Tieren genannt – überlassen.

Es wird eine sehr abenteuerliche Reise mit harten Bewährungsproben und mit unverhofft-hilfreichen und inspirierenden Begegnungen. So weiß beispielsweise der Delphin Ody, der sie beim Überqueren des Meeres vor dem Ertrinken rettet, weitsichtige Worte über das Wasser zu sagen:

»Ich weiß es vom Wasser … Es hat die gesamte Geschichte der Erde und seiner Bewohner gespeichert. Dem Wasser kann man nichts vormachen. Was man dem Wasser antut, tut man sich selbst an. Bei Luft und Erde ist es dasselbe. Das haben die Paarfüßler nur bis heute nicht begriffen.« (Seite 111)

Die spannende, märchenhafte Handlungsinszenierung fügt sich wunderbar in die vielfältigen Landschaften, ja, eigentlich Seelenlandschaften, die Friedrich Hechelmann entwirft. Dabei eröffnet er einfühlsam Perspektiven der Tiere auf das Handeln der Menschen.

Die katastrophal-zerstörerischen Folgen lebensabgehobener Naturentfremdung werden deutlich formuliert, indes fehlt es keineswegs an weisen Anregungen zu einem Leben in naturachtsamer, wechselseitiger Verbundenheit.

Friedrich Hechelmanns phantastische Illustrationen bieten der Imagination des Lesers ein einladendes Bühnenbild voll geheimnisvoller Lebenstiefe und poetischer Vielschichtigkeit. Sein Erzählstil ist im Vergleich dazu schnörkellos und präzise sowie in den Dialogpassagen gelegentlich etwas schelmisch. Er benutzt klare Worte und kurze Sätze. „Manolito“ ist ein leseleichter, gleichwohl substanzieller und inspirierender Märchen-Roman für kleine und große Menschen, denen die Natur am Herzen liegt. Ich würde die Lesealtersangabe des Verlages dahingehend korrigieren, daß „Manolito“ eine Lektüre von 10 bis 100 Jahren ist.

Zum Ausklang lasse ich uns gerne die Hummelkönigin Klara ihre Vision ins Ohr summen:

»Ich wollte, die Menschen fänden zu ihrer Bestimmung zurück und gingen achtsam mit der Natur um, würden die Geschöpfe und alles, was lebt, bewahren und lieben. Die Erde wird auch dann kein Paradies sein. Solange der Planet um sich selbst und um die Sonne kreist, wird es Tag und Nacht geben. Jedes Ereignis, jedes Lebewesen wird eine dunkle und eine helle Seite haben. Aber im Kern jeden Lebewesens sollte der Respekt vor dem Geheimnis des Lebens stehen. Wenn es so weit ist, werden auch die Elfen ihre Isolation aufgeben und zu uns zurückkehren, zum Wohle aller.« (Seite 90)

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/manolito/t-1/594

Querverweis:

Hier entlang zu einer von Friedrich Hechelmann illustrierten Märchensammlung
Das Buch der Märchen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/01/28/das-buch-der-maerchen/

 

Der Autor und Illustrator:

»Friedrich Hechelmann wurde 1948 in Isny im Allgäu geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und zählt seither zu den bedeutendsten Malern des Realismus. In der Kunsthalle im Schloss Isny im Allgäu, wo er heute lebt und arbeitet, hat er einen besonderen Ort gefunden, den er durch großes Engagement zu einem kulturellen Zentrum verwandelt hat. In den mit großer Liebe zum Detail restaurierten Räumen des Schlosses stellt er seine Originalwerke aus, darunter auch Buchillustrationen. Denn Friedrich Hechelmann wurde auch als Illustrator zahlreicher Bücher populär, wie Michael Endes Momo (2009), Cornelia Funkes Die Geisterritter (2011) oder Selma Lagerlöfs Nils Holgersson (Knesebeck, 2013). Manolito ist der erste Roman des Künstlers.«
Besuchen Sie Friedrich Hechelmann auf seiner Webseite: www.hechelmann.de

 

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Ein Gentleman in Moskau

  • Roman
  • von Amor Towles
  • Originaltitel: »A Gentleman in Moscow«
  • Aus dem amerikanischen Englisch von Susanne Höbel
  • List Verlag  September 2017 www.list-verlag.de
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag
  • 560 Seiten
  • LESEBÄNDCHEN
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A)
  • ISBN 978-3-471-35146-8

BROT  UND  SALZ

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Graf Alexander Iljitsch Rostov steht im Jahre 1922 in Moskau vor dem Notstandskomitee – angeklagt wegen des  „Verbrechens als Aristokrat geboren zu sein“. Da er in seiner Jugend einmal ein Gedicht verfaßt hat, das einen gewissen vorrevolutionären Geschmack aufweist, wird er nicht erschossen, sondern zu lebenslangem Hausarrest im Hotel Metropol, seinem derzeitigen Wohnsitz, verurteilt.

Begleitet von zwei Soldaten verläßt Rostov den Kreml, überquert den Roten Platz und bewegt sich zum Theaterplatz, an dem sich das Hotel Metropol mit Aussicht auf das Bolschoi-Theater befindet. Auf dem Weg in die Suite, die er schon seit vier Jahren bewohnt, grüßt er freundlich zugewandt die bei seinem Anblick verdutzt bis ungläubig blickenden Hotelangestellten.

Bei der Ankunft in seiner Suite wird er vom dort wartenden Hauptmann darüber informiert, daß er von nun an in einer der Dachkammern des Hotels zu wohnen habe und daß er jetzt seine persönlichen Gegenstände, soweit sie Platz dort fänden, auswählen solle, der Rest ginge ins Volkseigentum über. Besonnen sucht der Graf aus, was ihm aus praktischen und nostalgischen Gründen relevant erscheint, und richtet sich in den neun Quadratmetern seines neuen Heims ein.

Bevor er sich zum Schlafen niederlegt, bestimmt er die Tonhöhe der Bettfedern seines neuen Bettes – Gis – und erinnert sich an seine jugendlichen Reisewünsche und seine damalige Begeisterung für schmale Kojen und ihre sparsame, zweckmäßige Ausstattung – eine Betrachtungsweise, die ihn heiter stimmt und beispielhaft für des Grafen grundsätzliche Zuversicht und Lebenszugewandtheit steht.

Erst am nächsten Morgen, als er gewohnheitsmäßig seinen genüßlich-müßiggänge- rischen Tagesablauf plant, wird ihm so recht bewußt, daß sein eingeschränkter Bewegungsradius eine neue Tagesplanung erforderlich macht. Zunächst jedoch genießt er sein übliches Frühstück – eine Kanne Kaffee, zwei Haferkekse und ein wenig Obst nach der Saison – und nimmt dabei erfreut zur Kenntnis, daß der Hotelbursche, der sein Frühstück gebracht hat, sich sehr beeilt haben muß, da der Kaffee, trotz der um drei Treppenetagen verlängerten Wegstrecke, wohltemperiert ist.

Der Graf erinnert sich an den Rat seines Onkels, der besagt, „dass ein Mensch Herr seiner Umstände sein muss, wenn er nicht von ihnen beherrscht werden will…“ (Seite 43), und reflektiert über literarische Charaktere, die in Gefangenschaft geraten sind. Beim Vergleich mit Edmond Dantes, der von Rachegedanken motiviert wurde, bemerkt Rostov, daß Rache nicht sein Metier ist – da ist ihm Robinson Crusoe näher, der sich, um sein Überleben auf einer Insel zu sichern, einfach gründlich und vorausschauend um die praktischen Dinge des Lebens kümmert.

Nachdenklich betrachtet er sein vollgestelltes Kämmerchen und beschließt, seinen Besitz noch etwas weiter zu reduzieren, und verstaut überflüssige Dinge in einer der anderen leerstehenden Kammern des Dachbodens. Dann kümmert er sich um einige organisatorische Belange und bestellt per Brief feine Leinenbettwäsche, seine Lieblingsseife und ein Millefeuille. Diskret sei noch erwähnt, daß der Graf, dank der in den Beinen seines Schreibtisches verborgenen Geheimfächer, über einen gewissen Goldmünzenvorrat verfügt, der einige Jahrzehnte auskömmlichen Lebensstils erlaubt.

Um die Zeit bis zum Mittagessen zu füllen, beginnt er Montaignes Essais zu lesen, eine Lektüre, von der ihn bisher stets andere Zerstreuungen abgelenkt hatten. Doch in seiner neuen Situation sind Zerstreuungen deutlich dünner gesät.

Sein Alltag bestand vor dem Hausarrest aus „Dinieren und Debattieren. Lesen und Reflektieren. Teestunden und Plaudereien“; und all dies kann er mit Hausarrest ebenfalls tun, aber Spaziergänge im fliederduftenden Alexandergarten sowie Galerie-, Konzert- und Theaterbesuche sind nun unerreichbar. Gelegentlich bekommt er Besuch von einem vertrauten Jugendfreund mit schriftstellerischen Ambitionen, der ihn über die neuen Leitlinien und Stildispute der russischen Literatur aufklärt.

Eine willkommene Abwechslung ist die Freundschaft mit der neunjährigen Nina, „Tochter eines verwitweten Bürokraten“, die sich eines Mittags einfach an Graf Rostovs Tisch setzt, von seinem Mittagessen zu naschen verlangt und ihm Fragen zu seiner blau-blütigen Herkunft, über Prinzessinnen und Duelle, gute Manieren sowie Respekt und Dankbarkeit stellt. Er beantwortet ihre Fragen fachkundig und – obwohl erst dreißig Jahre alt – in weiser Ausgewogenheit und naheliegender Anschaulichkeit.

Im Gegenzug führt ihn Nina hinter die Kulissen des Hotels. Sie besitzt einen General-schlüssel – der viele, viele Jahre später noch ein lebensrettendes Werkzeug für Rostov sein wird –, und gemeinsam erkunden sie Kellergeschosse, Heizungsräume, Abstell-kammern, Türen hinter Türen und versteckte Galerien, von denen aus man so manche Funktionärsdiskussionen unbemerkt belauschen kann.  In Abwesenheit von Gästen erkunden sie außerdem alle Zimmer und Suiten des Hotels, um die besten Fenster-aussichten zu bestimmen.

Jahre verstreichen, Graf Rostov arbeitet inzwischen als Oberkellner im hoteleigenen Restaurant. Seine kultivierte, verfeinerte Lebensart, sein sensibler Geschmackssinn, seine Weinkenntnisse, seine gastgeberische Nonchalance und sein zwischenmensch- liches Fingerspitzengefühl prädestinieren ihn gewissermaßen für diese Arbeit. So gelingen ihm stets ebenso harmonische wie anregende Tischplatzierungen der Restaurantgäste sowie ausgewogen feinschmeckerische Menüempfehlungen.

Seine Kollegen werden im Laufe der vielen Jahre zu Freunden, ja, zu Verbündeten. Für den Grafen ergibt sich zudem eine erfreulich tragfähige, heimliche Liebschaft mit einer berühmten Schauspielerin, die regelmäßig im Hotel zu Gast ist.

Eines Tages kehrt Nina ins Hotel zurück und bittet Rostov, ihre fünfjährige Tochter Sofia für einige Wochen zu hüten. Der Graf willigt selbstverständlich ein, und aus ein paar Wochen werden viele Jahre. Es verdankt sich nur einem schicksalsironischen, büro-kratisch-geheimdienstlichen Mißverständnis, daß Graf Rostov Sofias Ziehvater bleiben darf und Sofia nicht in einem staatlichen Waisenhaus notlandet.

Sofia wächst in des Grafen Obhut auf und zeigt musikalisches Talent. Durch das Kind fühlt sich Graf Rostov gleichsam wiederbelebt und aus seinen Gewohnheiten gerissen. Er hat nun eine unverhoffte Lebensaufgabe, an der er zunehmend Gefallen und Freude findet. Außerdem beflügelt ihn die Verantwortung für Sofia zu kühnen Fluchtplänen …

„Ein Gentleman in Moskau“ ist ein leises, unaufdringlich-eindringliches Buch, dessen Faszination in erster Linie vom äußerlich und innerlich attraktiven Hauptcharakter ausströmt. Graf Rostov verkörpert den klassischen, hochgewachsenen, edlen, höflichen Aristokraten. Er ist charmant, kultiviert, gebildet, polyglott, stilvoll, tapfer, weltläufig, ein Gastgeber, Genießer, Feinschmecker und Weinkenner.

Besonders sympathisch sind seine echte Zugewandtheit und Hilfsbereit- schaft sowie sein wahrhaftiges Wohlwollen, die er klassenunabhängig jedem Menschen und sogar der einäugigen Hotelkatze und der Taube am Fensterchen seiner Dachkammer entgegenbringt.

Wir bekommen lebhaften Einblick in seine familiären Erinnerungen und seine Ansichten zu den wechselvollen Launen des Zeitgeists; zwar empfindet er Wehmut über Verlorenes, gleichwohl bleibt er offenen Herzens und erschließt sich im Mikrokosmos des Hotels persönliche Freiräume.

Ob die relativ große Nachsicht der bolschewistischen Amtsträger Graf Rostov gegenüber der historischen Situation entspricht, wage ich füglich zu bezweifeln. Da verdankt sich einiges der dichterischen Freiheit sowie der dramaturgischen Gefälligkeit eines Unterhaltungsromans.

Der Autor erzählt diese Lebensgeschichte über den Zeitraum von 1922 bis 1954 mit eleganter Eloquenz. Die Risiken und Nebenwirkungen revolutionärer gesellschaftlicher Umbauten werden in feiner ironischer Distanz formuliert.

Beispielhaft dafür ist die Szene über die ernüchternde Gleichmacherei des hoteleigenen Weinkellers. Eines Tages gibt es auf Anordnung des Kommissars für Lebensmittel nur noch Weiß- oder Rotwein, und zehn Tage lang müssen mühsam alle Etiketten von den Weinflaschen abgepult werden, um dieses „Denkmal für die Privilegien der Aristokratie“ (Seite 182) zu zerstören.

Sehr ansprechend sind zudem die unzähligen lebenserfahrenen Reflexionen und zwischenmenschlichen Betrachtungen.

»Was kann uns schließlich der erste Eindruck über einen Menschen sagen, den wir eine Minute lang in einer Hotellobby gesehen haben? Ja, was vermag uns ein erster Eindruck überhaupt zu vermitteln? Nicht mehr, als ein einzelner Akkord uns über Beethoven sagen kann oder ein Pinselstrich über Botticelli. Von Natur aus sind Menschen so launisch, so komplex, so herrlich widersprüchlich, dass sie nicht nur unsere ganze Aufmerksamkeit verdienen, sondern auch unsere wiederholte Betrachtung – und unsere feste Entschlossenheit, ein Werturteil zurückzuhalten, bis wir den Menschen in den verschiedensten Umständen und zu allen Tageszeiten erlebt haben. (Seite 155)

Dieser Roman bietet wohlformulierte, stilvolle Unterhaltung, dezente Spannung, nostalgisches, kulinarisch-luxuriöses Grandhotel-Flair in Verbindung mit historischem Hintergrundrauschen sowie einen feinsinnigen, würdevollen Hauptcharakter, dessen blaublütigem Charme und großzügigem Entgegenkommen man kaum widerstehen kann.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/ein-gentleman-in-moskau-9783471351468.html

Der Autor:

»Amor Towles hat in Yale und Stanford studiert. Er ist in der Finanzbranche tätig und gehört dem Vorstand der Library of America und der Yale Art Gallery an. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Manhattan.«
Auf der Webseite des Autors gibt es eine kurze, nette, scherenschnittige Romananimation zu sehen http://www.amortowles.com/  http://www.amortowles.com/

Die Übersetzerin:

»Susanne Höbel, seit über fünfundzwanzig Jahren Literaturübersetzerin, übertrug Autoren wie Nadine Gordimer, John Updike, William Faulkner, Thomas Wolfe und Graham Swift ins Deutsche. Sie lebt in Südengland.«

 

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Das große Virgilius-Tulle-Buch

  • von Paul Biegel
  • mit farbigen Illustrationen von Mies van Hout
  • Deutsch von Frank Berger, Ita Maria Neuer, Marie-Thérèse Schins
  • Verlag Urachhaus   März 2017    http://www.geistesleben.com
  • gebunden
  • Halbleinen
  • 365 Seiten
  • 20,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-5123-2
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren
  • zum Selberlesen ab 8 Jahren


ZWERGENSCHELM

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ob man nun an Zwerge glaubt oder nicht – in vorliegendem Kinderbuch spielen Zwerge im allgemeinen und ein dicker Zwerg mit dem Namen Virgilius Tulle im besonderen die Hauptrolle. Und erwachsene Menschen mit ihrer Begriffsstutzigkeit gegenüber Zwergen machen es Virgilius Tulle bei seinen Ausflügen in die Menschenwelt wahrlich nicht leicht. Da sind so manche Tiere verständiger und kooperativer.

Der vorliegende Sammelband enthält die Bände Virgilius Tulle, Virgilius Tulle auf Tortenjagd und Virgilius Tulle überwintert bei den Menschen.

Im ersten Band will Virgilius einfach nur einmal in den Spiegel schauen und überprüfen, ob er wirklich so dick ist, wie seine Mitzwerge behaupten. Die Tulle-Zwerge sind in der Heide zu Hause, und sie haben „ein kleines Messer, zwei Scheren und einen kleinen Karren, aber keinen Spiegel“. Also macht sich Virgilius auf den Weg zum nächstge-legenen Bauernhof, um dort sein Spiegelbild zu betrachten.

Als er sich der Bauersfamilie zeigt, erschrickt sie sich, hört dem Zwerg überhaupt nicht zu und hält ihn in einem leeren Aquarium gefangen. In der Nacht hilft ihm die Hofkatze aus dem Gefängnis heraus, und eine Maus zeigt ihm, wie er mit dem Milchkannenwagen heimlich in die Stadt gelangen kann.

In der Stadt wird Virgilius von einem netten Mädchen vom Bürgersteig gepflückt. Sie hält den Zwerg für eine besonders echt wirkende Figur und stellt ihn auf ein Schränkchen neben eine Vase mit Blumen. Virgilius flieht, er landet in einem Fundbüro, er strandet in einem Park und freundet sich mit einigen Enten an, er wird von einer Möwe entführt, er steht dekorativ auf einer Hochzeitstorte und erlebt eine Menge gefährlicher Strapazen – inklusive eines Seifenbades -, nur einen Spiegel bekommt er nicht zu Gesicht.

Illustration von Mies van Hout © Verlag Urachhaus 2o17

Auf dem Rückweg in die Heide besucht er einen Jahrmarkt, dort gibt es ein Zelt mit Zerrspiegeln. Nach dieser Erfahrung findet Virgilius Spiegel völlig albern und überflüssig, da sie ja nicht die Wahrheit sagen.

Zufrieden mit den bestandenen Abenteuern und gewonnenen Erkenntnissen kehrt Virgilius zu seinen Zwergenfreunden zurück und wird herzlich empfangen. Gemütlich am Lagerfeuerchen sitzend, erzählt er von den Menschen, die Zwerge für Märchen halten und selbst dann nicht an sie glauben, wenn einer leibhaftig vor ihnen steht.

Im zweiten Band wagt sich Virgilius wieder zu den Menschen, denn er will für den ältesten der Tulle-Zwerge, der demnächst ungefähr 1000 Jahre alt wird, unbedingt eine Geburtstagstorte organisieren.

Diesmal landet Virgilius bei einer netten Familie, die nicht an seiner Existenz zweifelt und die ihm helfen will. Doch zuvor möchte der Sohn den Zwerg seinem Lehrer zeigen. Virgilius ist einverstanden und läßt sich zu diesem Zweck sogar in ein leeres Honigglas stecken und besichtigen. Doch damit beginnen die Komplikationen. Der Lehrer ist ganz aufgeregt angesichts dieses Wunders –  da es ja angeblich gar keine Zwerge gibt –  und informiert Presse, Radio und Fernsehen.

Virgilius ist empört, gibt im Presse- und Fernseh-Interview patzige Antworten und wiederholt seinen schlichten Wunsch, eine Torte zu besorgen. Nun werden Torten über Torten an den Rand der Heide gelegt in der Hoffnung, daß sich dann die anderen Zwerge zeigten. Doch die versteckten Photographen warten vergeblich darauf, daß sich die viel besser versteckten Zwerge aus der Reserve locken lassen. Sie sind halt menschenscheu – und das zu Recht, wenn man nun erfährt, wie es mit Virgilius weitergeht.

Sieben Professoren untersuchen Virgilius „wissenschaftlich“, und diesem Forschungslabor entkommt er nur, weil er entführt wird. Sein Entführer fliegt mit Virgilius in ein fernes Land und verkauft ihn dort an eine alberne Prinzessin, die Virgilius in ihre Raritäten-sammlung aufnimmt. Obwohl sie dem Zwerg ein bequemes und wohlgenährtes Leben anbietet, ist er nicht glücklich und schmiedet raffinierte Fluchtpläne.

Es gelingt ihm, sich in ein frankiertes Postpacket zu schmuggeln, das er zuvor noch mit seiner Adresse beschriftet hat: „An Virigilius Tulle. Mitten auf der Heide. Luftpost.“  Leider reicht das Porto nicht für Luftpost, und so wird das Paket mit dem tapferen Zwerg auf dem Seeweg transportiert. Auf dem Schiff macht sich Virgilius auf die Suche nach etwas Eßbarem und tappt ahnungslos in eine Rattenfalle.

Der Matrose Jan findet den verriegelten Zwerg, und nach anfänglicher Irritation befreit er Virgilius und verköstigt ihn mit einem Erdnußbutterbrot. Er erzählt Virgilius, daß sie einen Maschinenschaden haben, und die letzte noch vorhandene „Kurbelwellen- befestigungsmutter“, sei leider ins Abflußrohr gefallen und unerreichbar. Naja, da kann ein kleiner Zwerg doch ziemlich nützlich sein, und Virgilius bietet großzügig seine Hilfe an.

Zwar wird der inzwischen prominent-bekannte Wunderzwerg Virgilius sogar international von der Polizei gesucht, und der Schiffskapitän will ihn auch gehorsam ausliefern, aber der freundliche Matrose Jan trickst die Zwergenjäger aus.

Jan bringt Virgilius heimlich zur heimatlichen Heide zurück – in einer köstlichen Geburts-tagstorte verborgen – zur Freude und Feier aller endlich wiedervereinten Tulle-Zwerge.

Illustration von Mies van Hout © Verlag Urachhaus 2o17

Nach den aufregenden Strapazen der Tortenjagd hat Virgilius erst einmal genug von zwergzwischenmenschlichen Begegnungen, und das kann wirklich jedes Kind verstehen…

Im dritten Band nähert sich Virgilius jedoch wieder den Menschen. Diesmal trifft er auf eine sehr zwergenaufgeschlossene Familie, und da sie sich so gut vertragen, beschließt Virgilius, bei dieser Familie zu überwintern.

Virgilius richtet sich ein gemütliches Bett im Ballettschuh der Tochter ein, er hilft beim Kochen, sorgt für traumhaften Nachhilfeunterricht im Lernen des Kleinen Einmaleins und unterhält sich vergnügt mit „seinen“ Menschen. Er ist auch nicht eingesperrt, sondern kann durch die Katzenklappe kommen und gehen, wie es ihm gefällt.

Illustration von Mies van Hout © Verlag Urachhaus 2o17

Allen ist klar, daß sie Virgilius Anwesenheit geheimhalten müssen, damit er nicht wieder irgendwelchen Anti-Zwergen-Fanatikern, Raritätensammlern oder Wissenschaftlern in die Fänge gerät. Doch dank neugieriger Nachbarn und aufdringlicher Hunde gibt es schon bald reichlich Turbulenzen, Aufregungen und abenteuerliche Gefahren zu meistern. Selbstverständlich kommt Virgilius heil aus jedem Schlamassel raus, und es gibt dabei stets viel zu schmunzeln …

Paul Biegels herzhafte Geschichtenmixtur aus heiterer Spannung, lebens- klugen Charakterstudien und phantasievoller Dramaturgie bewährt sich in allen drei Virgilius-Tulle-Bänden. Die Bücher sind in viele kurze Kapitel eingeteilt und lassen sich gut in kleinen, übersichtlichen Portionen vorlesen.

Die Illustrationen von Mies van Hout übersetzen den spielerisch-weisen Tonfall dieser Geschichten in warmherzig-pfiffige, farbenfrohe Bilder.

Paul Biegel macht sich in den Virgilius-Tulle-Bänden augenzwinkernd über menschliche Schwächen lustig und zeigt Kindern anschaulich, wie relativ man Größe betrachten kann. Virigilius Tulle ist ein gutes Vorbild dafür, wie man sich trotz der eigenen Kleinheit selbstbewußt und authentisch in der großen, weiten Welt bewegt, sich nicht unterdrücken läßt und tapfer sein Ziel erreicht.

Der eigenwillige Zwergenmut läßt Virgilius groß erscheinen, während die offensichtlichen menschlichen Eitelkeiten und „wissenschaftlichen“ Dummheiten manche Menschen ziemlich klein erscheinen lassen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Das-grosse-Virgilius-Tulle-Buch.html

Illustration von Mies van Hout © Verlag Urachhaus 2o17

 

Der Autor:

»Paul Biegel (1925 – 2006) gehört zu den ganz Großen der niederländischen Kinderliteratur. Er verfasste über 50 Bücher, sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem begehrten Silbernen und Goldenen Griffel

Die Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 in Eindhoven geboren. Sie ist ausgebildete Kunstpädagogin und studierte Grafisches Gestalten an der Akademie Groningen. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikerin. Sie hat bereits etliche Bilderbücher veröffentlicht und wurde für den Drenste cultuurprijs nominiert.« http://www.miesvanhout.nl

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Die Geschichte der Bienen

  • von Maja Lunde
  • Roman
  • Originaltitel: »Bienes Historie«
  • Aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein
  • btb Verlag März 2017    www.btb-verlag.de
  • gebunden
  • Schutzumschlag
  • 512 Seiten
  • Format: 12,5 x 20,00 cm
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
  • ISBN 978-3-442-75684-1

B I E N E N E C H O

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Roman „Die Geschichte der Bienen“ hat das Potenzial, vielen Menschen fühlbar zu vermitteln, wie sehr unsere Existenz vom Bienenfleiß unzähliger Bestäuberinsekten abhängt.

Über einen Zeitraum von 150 Jahren erfahren wir von drei Familien, in deren Leben und Überleben Bienen eine schicksalhafte Rolle spielen.

Tao lebt im Jahr 2098 in China und arbeitet als Obstblütenbestäuberin. Es gibt seit dem weltweiten Bienenkollaps von 2045 keine Bienen mehr, und die damit verbundene Nahrungsmittelknappheit hat die Welt drastisch verändert; die Vormachtstellung Amerikas und Europas ist dahin, die Weltbevölkerung hat deutlich abgenommen. China hat sich als anpassungsfähiger an die neuen Umweltbedingungen erwiesen; dennoch herrscht auch in Taos Welt Mangel an Nahrung. Disziplin und durchorganisierte Verteilung ermöglichen das Überleben, Baumwolle ist ein Luxusartikel und das Internet nur noch eine Erinnerung.

Jeden Tag arbeitet Tao zwölf Stunden, einen Ruhetag gibt es nur alle paar Wochen, wenn die Obstplantagenpflichten erfüllt sind und die Arbeiter laut überregionalem Regierungskomitee-Beschluß eine solche Belohnung „verdient“ haben.

Mit äußerster Achtsamkeit – um keine wertvollen Äste abzubrechen – klettert Tao in die Birnbäume und bestäubt  mit einem feinen Federpinsel Blüte um Blüte um Blüte um Blüte um Blüte um Blüte um Blüte mit kostbarem Blütenstaub. Diese Arbeit erfordert großes feinmotorisches Geschick, und Tao gibt sich die größte Mühe, obwohl ihre Talente deutlich mehr im intellektuell-sprachlichen Bereich liegen und nicht im handwerklichen.

Sie freut sich auf den Feierabend, auf ihren Mann Kuan und ihren kleinen, dreijährigen Sohn Wei-Wen. Tao hofft, durch frühkindliche Förderung ihrem Kind eine andere Lebensperspektive eröffnen zu können, und unterrichtet ihn im Rahmen ihrer Möglichkeiten täglich eine Stunde. Verständlicherweise will Wei-Wen aber viel lieber spielen. Wie soll sie ihrem Kind auch begreiflich machen, daß es, wenn es keine herausragende  intellektuelle Begabung zeigt, bereits im Alter von acht Jahren unvermeidlich zum Blütenbestäuber ausgebildet werden wird? Die Sicherung der Ernährungsgrundlagen hat in Taos Welt Vorrang vor höherer Bildung.

An einem ihrer wenigen freien Tage veranstalten Tao und Kuan mit Wei-Wen ein kleines Ausflugs-Picknick, bei dem Wei-Wen einen dramatischen „Unfall“ erleidet, der das Leben und die Zukunft aller verändern wird …

William lebt im Jahr 1852 in England. Er ist eigentlich Naturforscher, jedoch erfordern seine familiären Verpflichtungen eine einträgliche Arbeit, und deshalb führt er ein Geschäft für Samenhandel. Er ist rundherum unglücklich mit seinem Dasein, mit dem Geschnatter zahlreicher Töchter, seinem schwierigen Verhältnis zum einzigen mütterlich-verwöhnten Sohn und dem Verlust seiner wissenschaftlichen Leidenschaft. Gerne würde William seinem Leben eine größere, übergeordnete Bedeutung geben und eine weltbewegende Entdeckung oder Erfindung machen.

Die Lektüre eines Buches über Bienen weckt seinen Forschergeist zu frischem Leben. Er will einen neuartigen Bienenstock entwickeln, der es ermöglicht, Honig zu ernten, ohne den Bienen und ihrer Brut Schaden zuzufügen. Außerdem solle der neue Bienenstock dem Imker besseren Einblick in den Zustand des Bienenvolks verschaffen.

Voller Eifer beobachtet William das Verhalten der Bienen, zeichnet begeistert Baupläne, experimentiert mit verschiedenen Bauweisen und erfindet einen Vorläufer der heute noch üblichen Magazinbeuten mit herausnehmbaren Wabenrahmen. William ist voller Vorfreude, träumt von einem Patent für die „William-Savage-Standardbeute“, von Ruhm und Reichtum. Indes, jeder Verbesserung und Verfeinerung, die ihm einfällt, kommen stets andere Forscher in anderen Ländern mit ihren Patentanmeldungen zuvor.

George lebt im Jahr 2007 in Amerika. Er ist Berufsimker und baut seine Magazinbeuten selbst, nach einem alten Bauplan, den eine Vorfahrin seiner Familie bei der Auswande-rung nach Amerika mitgebracht hat. Seinen imkerischen Erfolg führt er u.a. auf diese liebevoll-selbstgezimmerten Bienenstöcke zurück. Dennoch ist der finanzielle Ertrag der Imkerei bescheiden, und für Investitionen braucht George Bankkredite, die abbezahlt werden müssen.

Sein Sohn Thomas studiert und möchte gerne Journalist werden. George jedoch versteift sich stur darauf, daß sein Sohn die Familientradition der Imkerei fortsetzt. Dies führt zu familiären Spannungen und Differenzen.

Als jedoch Georges Bienenvölker über Nacht vom CCD („Colony Collapse Disorder“) befallen werden und fast alle Bienen verloren sind, kommt sein Sohn auf den Hof zurück und hilft seinem Vater zu retten, was noch zu retten ist. Im Jahr 2037 wird Thomas Savage ein visionäres Buch schreiben, das sein ganzes praktisches Wissen über Bienen bündelt. Ein Buch, das Tao ein halbes Jahrhundert später lesen wird …

Maja Lunde verbindet gekonnt die Erzählung zwischenmenschlicher Beziehungen und Entwicklungen mit der Vermittlung von Wissen über Bienen. Da alle Personen um das Thema Bienen kreisen, fließen bienenbezügliche Beobachtungen, Informationen und Reflexionen selbstverständlich in die Gespräche und Gedanken der Figuren ein.

Heute ist allgemein bekannt, daß unser aller Ernährung von der unermeßlichen Bestäubungsleistung der Honig- und Wildbienen sowie diverser weiterer Bestäuberinsekten abhängt. Es gibt viele gute und wissenswerte Sachbücher und Dokumentarfilme zu diesem Thema. Damit aber dieses Wissen vom Kopf ins Herz gelangt, ist ein Roman vielleicht besser oder massentauglicher geeignet, da dieses Wissen auf eine personalisierte Weise emotional dargestellt wird.

Spannung und Abwechslung entstehen in Maja Lundes Roman durch die regelmäßig zwischen den drei Zeitebenen abwechselnden Kapitel und deren subtilen Zusammen-hänge, die sich erst nach und nach offenbaren.

Die Beschreibung  von Taos Lebensbedingungen berührt ganz unmittelbar, sie ist die Figur mit der man beim Lesen am stärksten bangt und hofft.

Den lebensgefährlichen Einflußreichtum gewisser monopolistischer Chemie- und Saatgutkonzerne auf Gesetzgebung und landwirtschaftliche Gestaltung demokratischer Staaten sowie das damit verknüpfte Verharmlosungsmarketing bezüglich bienen-gefährdender Substanzen, hätte die Autorin nach meiner Einschätzung ruhig etwas deutlicher darstellen können. Sowohl bei Taos historischen Bienenrecherchen wie bei Georges gegenwartsnahem Erzählstrang wäre in dieser Hinsicht noch informativer Spielraum gewesen.

Möge die Tatsache, daß es „Die Geschichte der Bienen“ auf Platz eins der Bestsellerliste geschafft hat, davon zeugen, daß das Bewußtsein für die essentielle Bedeutung der Bienen in der Bevölkerung gewachsen ist.

Der aufwühlende, eindringliche und bittere Vorgeschmack auf eine Welt ohne Bienen, deren Bestäubungsleistung nur begrenzt und unzureichend durch menschliche Handarbeit ausgeglichen werden kann, dürfte Warnung genug sein, um hoffentlich noch die Weichen für eine Zukunft mit Bienen zu stellen.

Wenn alle Leser von „Die Geschichte der Bienen“ wortwörtlich vor der eigenen Haustür den Schritt vom Lesen zum Pflanzen nektarreicher Blumen und Kräuter beschritten, würde tatsächlich HOFFNUNG gesät.

Jede Biene und jede Blüte zählt …

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Geschichte-der-Bienen/Maja-Lunde/btb-Hardcover/e492023.rhd

 

Die Autorin:

»Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Sie ist eine bekannte Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin. Die Geschichte der Bienen ist ihr erster Roman für Erwachsene, der zunächst national und schließlich auch international für Furore sorgte. Er stand monatelang auf der norwegischen Bestsellerliste und wurde mit dem Norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet.«

 

Querverweise:

Bienenperspektivisch ergänzend empfiehlt sich der Roman „Die Bienen“ von Laline Paul.
Dieser Roman ist ein speziesübergreifender erzählerischer Annäherungsversuch an die komplexe Lebensform eines Bienenschwarms, übersetzt in menschliche Gefühlskategorien. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/

Zum Thema Bienen und Mitweltschutz empfehle ich zusätzlich dringend das aufklärerische Büchlein von Ute Scheub: »Ackergifte? Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft«. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/12/ackergifte-nein-danke/

Wer anspruchsvolle Sachbuchlektüre braucht, findet bei Randolf Menzels und Matthias Eckholdts Buch „Die Intelligenz der Bienen“ ebenso faszinierenden wie hochkonzentrierten Wissensnektar.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/24/die-intelligenz-der-bienen/

Und für alle, die nicht nur lesen, sondern auch konkret und konsequent bienenförderlich handeln möchten, empfehle ich von ganzem Herzen die überaus praktikablen botanischen Anregungen, die Almuth auf ihrer bienenfleißigen Webseite „Natur auf dem Balkon“ anschaulich (feine Fotos) und liebevoll (informativ-schwärmerische Texte) vorlebt.
https://naturaufdembalkon.wordpress.com/

 

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Das Seelenleben der Tiere

  • Liebe, Trauer, Mitgefühl – erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • Gelesen von Peter Kaempfe
  • Produktion: Der Hörverlag 2016    http://www.hoerverlag.de
  • vollständige Lesung
  • Buchvorlage: Ludwig Verlag
  • 1 mp3-CD
  • Laufzeit: ca. 5 Stunden, 47 Minuten
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2339-3
    Das Seelenleben der Tiere von Peter Wohlleben

T I E R F Ü H L S A M

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohllebens Buch „Das Seelenleben der Tiere“ ist anschaulich, einfühlsam, informativ, kompetent, naturnah, spannend, sehr wissenswert und voller Respekt für alle zwei-, vier-, sechs- und achtbeinigen Lebewesen.

Dieses Hörbuch öffnet uns Augen, Ohren und Herz für den Empfindungsreichtum und die Glücks- und Leidensfähigkeit der Tiere. Peter Wohlleben, der 2015 mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ die Spiegel-Bestsellerliste erobert hat, führt uns in seinem neuen Buch durch Wald und Flur, Weide und Stall, Haus und Hof sowie Stadt und Land.

Sogenannte zwischenmenschliche Qualitäten wie Liebe, Mitgefühl, Fürsorge, Altruismus und Dankbarkeit finden sich im Tierreich ebenso wie das gesamte Spektrum der Gefühle, das wir für uns als Zweibeiner gerne beanspruchen.

Der Autor erwähnt und zitiert zahlreiche wissenschaftliche Studien, die inzwischen beweisen, daß Tiere Schmerz, Angst und Trauer, Lust, Liebe und Freude fühlen, daß sie träumen und spielen sowie vorausschauend planen können.

Neben aktuellen Forschungserkenntnissen berichtet er lebhaft von den umfänglichen  persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen, die er mit seinen eigenen Haus- und Hoftieren (Hunden, Hühnern, Ziegen, Pferden und Bienen…) und den Wildtieren (Eichhörnchen, Füchsen, Igeln, Rabenkrähen, Mardern, Rehen, Hirschen, Waldmäusen, Wildschweinen, Waldameisen…) seines  Forstreviers gesammelt hat.

Wir erfahren von aufopferungsvoller Mutterliebe bei Eichhörnchen, treuer Bindungsliebe bei Raben, vom Reinlichkeitsbedürfnis von Haus- und Wildschweinen, von lügenden Hähnen, heimlich flirtenden Elstermännchen, flunkernden Kohlmeisen, Scham, Reue und Dankbarkeit bei Hunden, Gerechtigkeitsempfinden bei Pferden, individuellen Denkprozessen und Träumen bei schwarmintelligenten Bienen, tierischer Kindererziehung und Abstillung, von ausgeprägter Empathie bei Waldmäusen sowie von außergewöhnlichen artenübergreifenden Adoptionen.

Aus der Vielzahl der beschriebenen wilden Tiere picke ich hier nur exemplarisch die Rabenvögel auf. Kolkraben gehen nicht nur lebenslängliche Partnerschaften ein, sie haben auch ein Repertoire von über achtzig verschiedenen Ruftönen bzw. Rabenvokalen, und sie verfügen über einen Namen, d.h. einen speziellen Erkennungsruf, mit dem sie sich ankündigen und der zur Begrüßung erwidert wird. Dazu paßt, daß diese Vögel auch problemlos den Spiegeltest bestehen und sich selbstbewußt im Spiegelbild erkennen.

Peter Wohlleben stellt die menschlichen Kategorien der Einteilung von Tieren in sogenannte Nützlinge und Schädlinge immer wieder in Frage und fragt zu Recht, wo wir uns als Menschen denn wohl einzuordnen hätten. Er kritisiert die gegenwärtige grausame Massentierhaltung und die Ignoranz von Politik, konventionellen Bauernverbänden und Konsumenten gegenüber der Schmerzempfindlichkeit und Leidensfähigkeit von Tieren. So dürfen beispielsweise Ferkel noch bis zum Jahr 2019 ohne Betäubung kastriert und Schalentiere lebend in kochendes Wasser geworfen werden, so daß sie einen minutenlangen qualvollen Tod erleiden.

In Anbetracht jahrtausendelanger menschlicher Jagdtraditionen ist es nicht verwunderlich, daß Wildtiere unsere Nähe scheuen. Sie haben gelernt, daß wir eine tödliche Gefahr für sie sind, und sie verstecken sich vor uns. So sind beispielsweise Rehe, Hirsche und Wildschweine deshalb nachtaktiv, weil Menschen nachts nicht jagen.

Doch da in besiedelten Gebieten nicht gejagt (geschossen) werden darf, entdecken zugleich immer mehr Wildtiere die Stadtlandschaft als Lebensraum, zumal inzwischen die pflanzliche Biodiversität in Städten teilweise größer ist als in den industriell bewirtschafteten öden Monokulturen auf dem Lande. Beispielhaft sei hier nur die zunehmend erfolgreiche Stadtimkerei genannt.

Lehrreich sind im Gegenzug seine Erläuterungen zu den übertriebenen Ängsten, die Stadtmenschen vor Wildtieren hegen. Taucht ein Fuchs im Garten oder Park auf, fürchten die Menschen eine Infizierung mit dem Fuchsbandwurm. Tatsächlich kommt der Fuchsbandwurm in der Natur gar nicht so häufig vor.

Die Infektionskette funktioniert folgendermaßen: Mäuse dienen dem Fuchsbandwurm als Zwischenwirt, befallene Mäuse bewegen sich langsamer und werden leichter vom Fuchs gefangen und gefressen, und ein befallener Fuchs scheidet später mit dem Kot eine beträchtliche Masse Bandwurmeier aus. Es gibt indes auch viele Hunde, die Mäuse fangen und fressen, und diese scheiden dann ebenfalls Wurmeier aus. Somit geht  von Hunden – wenn sie nicht regelmäßig entwurmt werden – eine viel größere Ansteckungsgefahr aus.

Reflexionen über menschliche Liebe zu Tieren und tierische Liebe zu Menschen, über die Art und Weise der Nutzung und Züchtung von Tieren als Arbeitskräfte, Nahrungsmittel-lieferanten und Schmusetier sowie die Infragestellung der niedrigeren Bewertung von instinktivem Handeln im Vergleich zu bewußtem Handeln runden „Das Seelenleben der Tiere“ ab.

Der Hörbuchvorleser Peter Kaempfe trägt den Text mit seiner sonoren Stimme wohlakzentuiert, gekonnt und angenehm eingängig vor.

Anschaulich verbindet Peter Wohlleben viele interessante Einzelheiten zu einer sinnvollen ganzheitlichen Perspektive auf das faszinierende, facettenreiche und anrührende Empfindungsspektrum unserer Mitgeschöpfe. Mit seinen empathischen Erklärungen und Beschreibungen gelingt es dem Autor vorzüglich, den erfahrungsweltlichen Abstand zwischen Menschen und Tieren zu verringern und uns daran zu erinnern, wie innig unsere menschliche Entwicklungsgeschichte mit den Tieren verbunden ist.

Dieses Buch gehört für Leser/Hörer, denen die Daseinsbedürfnisse und Lebensrechte von Tieren etwas bedeuten, zweifellos zu den Nützlingen auf dem Buchmarkt. Daß sich dieses Buch und auch sein Vorgänger „Das geheime Leben der Bäume“ zu Langzeitbestsellern entwickelt haben, erfüllt mich mit Freude. Damit haben mich meine menschlichen Artgenossen endlich einmal positiv überrascht. Ich hoffe sehr, daß eine solche Lektüre/Auditüre einen nachhaltigen Einfluß auf empathisches Empfinden und Verhalten gegenüber Tieren haben wird.

 

Hier geht es zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Das-Seelenleben-der-Tiere/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e508148.rhd

 

Das Seelenleben der Tiere von Peter WohllebenDie Buchausgabe ist im Juni 2016 im Ludwig Verlag erschienen:
Das Seelenleben der Tiere
Liebe, Trauer, Mitgefühl –
erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt
von Peter Wohlleben
gebunden, mit Schutzumschlag
240 Seiten
19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
ISBN 978-3-453-28082-3
Hier geht es zur Buchausgabe und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-Seelenleben-der-Tiere/Peter-Wohlleben/Ludwig/e498201.rhd

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel, den er zu einem urwaldähnlichen Laubwald zurückgeführt hat. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Im Ludwig Verlag erschien 2015 sein Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“. «  http://www.wohllebens-waldakademie.de

Der Vorleser:

»Peter Kaempfe ist seit 43 Jahren erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler. Seine ausdrucksstarke Stimme ließ ihn zum erfolgreichen Kommentarsprecher in mehr als 800 Fernsehdokumentationen für alle deutschen Sendeanstalten werden. Außerdem ist er in über 300 Hörspielen und Hörbüchern zu hören und dazu immer wieder in vielen Live-Lesungen und Solo-Programmen zu erleben.«

Querverweis:

Ergänzend kann ich jedem noch das naturphilosophische, biopoetische Sachbuch „Alles fühlt“ von Andreas Weber sehr ans Herz legen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/

Wer es mit den Tierrechten ethisch noch genauer nehmen möchte, befasse sich mit dem Buch von Hilal Sezgin: „Artgerecht ist nur die Freiheit“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/03/19/artgerecht-ist-nur-die-freiheit/

Und für eine faszinierende und gelungene speziesübergreifende Perspektive empfehle ich den Roman „Die Bienen“ von Laline Paul: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Arche Literatur Kalender 2017

  • Von Nähe und Ferne
  • Wochenkalender
  • Herausgegeben von Elisabeth Raabe und Regina Vitali
  • ARCHE KALENDER VERLAG   http://arche-kalender-verlag.com/startseite.html
  • Graphische Gestaltung von Max Bartholl
  • 60 Blätter, 58 Fotos
  • Format: 31,5 x 24 cm
  • 22,– €
  • ISBN 978-3-0347-6017-1
    arche-literatur-kalender-2017

DIS – TANZ

Kalenderbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Arche Literatur Kalender 2017 befaßt sich mit dem Thema Nähe und Ferne.

Schriftsteller und Dichter sind auch nur Menschen, und sie haben es ebenso leicht oder schwer mit der angemessenen zeitlichen und räumlichen Choreographie und Verbindlichkeit ihrer Ehen, Freundschaften, Liebschaften und Familienverhältnisse wie andere Menschen auch – nur hinterlassen sie beredte schriftliche Zeugnisse darüber, die wir nachlesen können.

Wieder ist es den Verlegerinnen Elisabeth Raabe und Regina Vitali gelungen, für jede Kalenderwoche ein ausdrucksvolles Autorenfoto in korrespondierender Begleitung eines konzentriert-mitteilsamen Textes zusammenzustellen.

Die ausgewählten Schriftstellerinnen und Schriftsteller reflektieren über das ausgewogene oder unausgewogene Verhältnis von Nähe und Distanz in ihren persönlichen zwischenmenschlichen Beziehungen, manchmal auch über Entfernung oder Wiederannäherung sowie über Fernweh und Heimatverbundenheit.

Oft läßt sich angesichts der Fotos die nah- oder ferngestimmte schriftstellerische Paarverfassung ebenso gut erkennen wie bei der Lektüre der angefügten Texte.

Briefe an Freunde, Kollegen, Geliebte oder Kinder müssen das ersehnte Gespräch mit dem fernen Ansprechpartner ersetzen, Gedichte künden von Herzenserfüllung und Liebesverlusten, von befremdender Entfernung und inniger Harmonie. Tagebuchnotizen schwelgen in freudiger Erwartung und wehmütiger Erinnerung, in sehnsuchtsvoller Hoffnung und schmerzlicher Reue sowie in selbstkritischer Analyse.

Jedes Kalenderblatt wird zudem um Hintergrundinformationen und Querverweise zu Leben, Werk und Beziehungsgeschichte der betroffenen Autoren ergänzt.

Die „mediale“ Gestaltung der Kalenderblätter erfolgt im traditionell farblich und typgraphisch dezent-untermalenden Stil des Arche-Hausgraphikers Max Bartholl.

Der Arche Literatur Kalender 2017 bereichert unser Lesejahr mit abwechslungsreichen, anregenden und anrührenden Worten und ausdrucksvollen Bildern von Schriftstellern und Dichtern, die uns zeitlich meist fern sind, jedoch menschlich oft ganz nah.

 

Hier entlang zum Kalender auf der Verlagswebseite. Dort entblättert er sich zu Besichtigungszwecken:
http://arche-kalender-verlag.com/arche-literatur-kalender-2017.html

 

arche-literatur-kalender-tolkien-2017

© 2016 by Arche Kalender Verlag GmbH, Raabe + Vitali, Zürich-Hamburg

arche-literatur-kalender-carson-mccullers-2017

© 2016 by Arche Kalender Verlag GmbH, Raabe + Vitali, Zürich-Hamburg

arche-literatur-kalender-robert-gernhardt-2017

© 2016 by Arche Kalender Verlag GmbH, Raabe + Vitali, Zürich-Hamburg

PS:
Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Arche Kalender Verlag außer dem besprochenen Literatur Kalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert hat:

Arche Geburtstagkalender (immerwährend)
http://arche-kalender-verlag.com/arche-geburtstagskalender.html
Arche Kinder Kalender 2017    (Besprechung folgt … )
http://arche-kalender-verlag.com/arche-kinder-kalender-2017.html
Arche Küchen Kalender 2017
http://arche-kalender-verlag.com/arche-kuechen-kalender-2017.html
Arche Musik Kalender 2017
http://arche-kalender-verlag.com/arche-musik-kalender-2017.html

Querverweis:

Eine elegant-eloquente Besprechung des Arche Musik Kalenders – in harmonischer Kombination mit musikalisch vielsaitiger Vertonung – findet sich beim MAESTRO von der Websaite Random Randomsen:
https://randomrandomsen.wordpress.com/2016/11/08/schrittmacher-fuer-musikliebende-herzen/

 

 

Hugo, streck die Fühler aus!

  • von Lena Avanzini
  • Titelbild und Illustrationen
  • von Joëlle Tourlonias
  • Obelisk Verlag   2013             http://www.obelisk-verlag.at
  • 144 Seiten, gebunden
  • 11,95 €
  • ISBN 978-3-85197-705-9
  • ab 10 Jahren
    HUGO, streck die Fühler aus-Titelbild

SEI  FREUNDLICH  ZU  ALLEN  LEBEWESEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wir Menschen leben in Wohngemeinschaft mit allerlei Krabbeltierchen, die sich zwar meist bemühen, für uns möglichst unsichtbar zu bleiben, z.B. indem sie sehr winzig oder nachtaktiv sind oder sich ausgezeichnet verstecken, aber gänzlich entgehen sie unserer Aufmerksamkeit nicht. Die menschliche Toleranzschwelle gegenüber diesen Mitessern und Untermietern reicht von freundlich-entspannt bis hygiene-hysterisch-feindlich.

Ich begegne den ein, zwei Silberfischchen, denen ich manchmal des Nachts auf meinen Badezimmerfliesen über den Weg laufe, mit respektvoller Gelassenheit; weiß ich doch, daß diese Winzlinge unseren Planeten schon ein paar Milliönchen Jahre länger bewohnen als die Menschheit.

Hugo, der kleine, tapfere Held in Lena Avanzinis „schabenteuerlicher“ Geschichte, ist ein belesener Silberfischjüngling mit ausgesucht höflichen Umgangsformen, der wegen zu großer Luftrockenheit aus der Städtischen Bibliothek ausziehen muß. Nach einem gefährlichen Weg durch diverse Abflußrohre kommt er in einer Badewanne an, die praktischerweise einen feinen Riß im Porzellan hat, so daß er herauskrabbeln kann.

HUGO-Zuckerwürfel

Illustration Joëlle Tourlonias © Obelisk Verlag 2013

Erschöpft landet er auf dem gefliesten Fußboden und stürzt sich hungrig auf das dortige Büfett: Hautschuppen und Haare. Dort findet ihn Bianca, ein Silberfischmädchen, und nach anfänglich futterneidischem Geplänkel lädt sie ihn zu sich nach Hause ein. In dieser Silberfisch-Kleinfamilienwohnung, die sich hinter einem Bodenriß befindet, lernt Hugo Biancas Vater, ihre heilkundige große Schwester und ihren kleinen Bruder Paulchen kennen. Sie wollen gerade Paulchens erste Häutung feiern und bereiten ein Würfelzucker-Fondue zu. Hugo wird herzlich aufgenommen und umfühlert.

Seine Gastfamilie klärt ihn über die günstigen Lebensbedingungen im Haushalt dieser Menschen auf, die sich nicht feindlich gegenüber ihren mehrbeinigen Untermietern verhalten. Die kleine Tochter des Hauses streut sogar manchmal extra Zuckerkrümel auf den Boden und empfindet keinen Abscheu, wenn sie gelegentlich ein Silberfischchen zu sehen bekommt.

Hugo, der in Menschenkunde immer nur von der tödlichen Gefahr dieser zweibeinigen Riesenspezies gehört hat, ist überrascht und erfreut. Nicht alle Menschen sind böse und insektentödlich, da kann man sich doch endlich mal entspannen.

In der Küche gibt es eine Schule für die Insektenkinder mit einer ganz außerge- wöhnlichen Lehrerin, einer vegetarischen Spinne, die Frau Merian heißt. In dieser Menschenwohnung leben u.a. noch zwei Grillen, einige Asseln, eine Motte, diverse Eintagsfliegen, Blattläuse und Staubläuse in friedlicher Koexistenz miteinander.

Neugierig und wagemutig beobachten Hugo und Bianca das Menschenmädchen im Schlaf, und da Hugo lesen kann, liest er Bianca vor, was das Menschenmädchen in ihr Tagebuch geschrieben hat. So erfahren sie, daß das Mädchen ihre verstorbene Mutter vermißt und sich wegen der neuen Frau, die ihr Vater kennengelernt hat, Sorgen macht.

HUGO-Tagebuchblatt

Illustration Joëlle Tourlonias © Obelisk Verlag 2013

Die Sorgen sind nicht nur aus menschlicher, sondern auch aus insektischer Sicht berechtigt. Diese Frau zieht schließlich ein und putzfimmelt durchs Haus, so daß kaum ein Hautschüppchen mehr übrig bleibt, sie tritt und schlägt nach jedem Mehrbeiner, der ihr über den Weg läuft, und das Schlimmste ist: Sie hat einen Termin mit einem Kammerjäger vereinbart.

Weiterhin erfahren die Silberfischchen aus dem Tagebuch, daß die neue Menschenfrau sich auch als Stiefmutter ziemlich giftig verhält und die Stieftochter in ein Internat abschieben will.

Doch man soll kleine Menschen und winzige Insekten niemals unterschätzen. Wenn alle zusammenhalten, kann man sich erfolgreich wehren und Wahrheiten ans Licht bringen, die eine befreiende Wirkung für alle Beteiligten ermöglichen.

Mir gefällt es sehr, daß in dieser Geschichte nicht die typischen tierischen Niedlichkeitskandidaten auftreten, sondern Insekten. Die Autorin schildert die vielbeinigen Gestalten, ihre individuellen Charakterzüge, ihr soziales Miteinander und ihre natürlichen Lebensbedürfnisse und Überlebenssorgen sehr sympathisch und empathieweckend. Die Handlung ist abwechslungsreich, flott und spannend und wird in einem humorvollen, zartironischen Tonfall mit viel kreativem Wortwitz erzählt.

Die Illustrationen und warmherzig-lustigen Insektenportraits von Joelle Tourlonias sind eine gelungene und harmonische Zugabe zum Text.

Den Rat, den Hugo von seiner Mutter mit auf den Lebensweg bekommen hat: „Sei freundlich zu allen Lebewesen!“, können sich große und kleine Menschen ruhig hinter die Ohren schreiben. Doch das tun sie gewiß alle gerne, nachdem sie Hugo und seine Mitsilberfische durch all die Freuden, Schrecken und Abenteuer des Haushaltsinsektenlebens begleitet haben.

 

HUGO-Kuschel

Illustration Joëlle Tourlonias © Obelisk Verlag 2013

 

Die Autorin:

»Lena Avanzini lebt als Musikpädagogin und Autorin in Innsbruck. Im Jahr 2012 veröffentlichte sie „Tod in Innsbruck“, für den sie 2012 mit dem  Glauserpreis für das beste Krimidebüt ausgezeichnet wurde. Wenn sie nicht an neuen Romanen schreibt oder mit Schülern ein Hühnchen rupft, bewundert sie die Berge. Meistens jedoch von unten.«  http://www.lena-avanzini.at

Die Illustratorin:

»Joëlle Tourlonias, geboren 1985 in Hanau, hat Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Illustration und Malerei an der Bauhaus Universität Weimar studiert. 2009 machte sie sich selbständig und zeichnet, malt, lebt und liebt seitdem in Düsseldorf.«
http://joelletourlonias.blogspot.co.at/