Einladung zum Schreiben

  • von Doris Dörrie
  • Ein Schreibjournal
  • nach dem Bestseller
  • LEBEN, SCHREIBEN, ATMEN von Doris Dörrie
  • Diogenes Verlag, März 2021, http://www.diogenes.ch
  • in Leinen gebunden mit Lesebändchen
  • Fadenheftung
  • 224 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A), 21,00 sFr.
  • ISBN 978-3-257-07110-8

Einladung zum Schreiben - Schreibjournal (Doris Dörrie)

S T I C H W O R T G E B E R

Buchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Wie bereits zuvor mit ihrem Buch „LEBEN, SCHREIBEN, ATMEN“ (siehe: Leben, Schreiben, Atmen) ermutigt Doris Dörrie auch mit dem vorliegenden Schreibjournal alle Menschen zum Schreiben. Hierbei geht es in erster Linie um Schreiben als biografische Spuren- sicherung und Selbstentdeckung – und nicht um das Schreiben, das zu einer schrift-stellerischen Karriere führt.

In ihrem Vorwort erklärt Doris Dörrie noch einmal die einfachen Regeln für die all- tägliche Übung, zehn Minuten am Stück zu schreiben. Ganz wichtig sei es, mit der Hand zu schreiben, ununterbrochen, gleichsam hemmungslos und unzensiert und alles, auch „Blödsinn“, auf dem Papier erscheinen zu lassen. Nachdenken über das Geschriebene kann man später; aber während des Schreibens bremst das Nachdenken, der innere Kritiker mischt sich ein, und schon ist der Zugang zu lebendiger Tiefe versperrt und der Schreibfluß blockiert.

Durch das regelmäßige Schreiben finden wir ein Innehalten in der ganzen kleinen und großen, inneren und äußeren Welt, in der unser Dasein ununterbrochen geschieht. Tägliches Schreiben trainiert die „Schreibmuskeln“ und den Schreibmut.

„Es ist egal, ob man zwanzig oder neunzig Jahre alt ist. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich in die eigene Geschichte fallen zu lassen und sich darin treiben zu lassen, und die Genauigkeit, mit der man sie aufschreibt. Jedes Detail. Mit allen fünf Sinnen.“ (Seite 10)

In ihrer „Einladung zum Schreiben“ hält sich Doris Dörrie mit eigenen Texten sehr zurück, vielmehr fungiert sie hier nur als einleitende Stichwortgeberin, um die geneigten Leser zum eigenen Schreiben zu animieren. So sind in diesem Schreibjournal Bäume, Bananen, Brillen, Dunkelheit, Erdbeeren, Feste, Farben, Feuer, Geschenke, Gummibärchen, Glück, Haut und Haare, Kaffee, Licht, Musik, Pech, Regen, Reisen, Schokolade, Tee, Telefon und Teppich usw. Anlässe zum Schreiben. Auf kurze, maximal halbseitige thematische Anregungen folgen stets viele leere, linierte Seiten zum Beschriften.

Die Ermutigung zum Schreiben erfolgt hier beispielhaft dadurch, daß buchstäblich alles als Impuls für einen Text dienen kann. Es spielt keine Rolle, ob es alltäglich oder außer-gewöhnlich ist, tiefsinnig oder leichtsinnig, komplex oder einfach – alles ist erlaubt und kann als Inspiration dienen. Und das ursprüngliche Stichwort kann durchaus assoziativ zu einem gänzlich anderen Thema hinführen. Das unkontrollierte Schreiben gibt uns eine hervorragende Gelegenheit, uns selbst zu überraschen.

„Manchmal kommen die Erinnerungen so schnell, dass man kaum hinterherschreiben kann.“ (Seite 32)

Das Schreibjournal hat eine hochwertige Ausstattung, einen roten Leineneinband mit schwarzen Vorsatzblättern und schwarzem Lesebändchen, angenehm glattes, leicht zu beschreibendes, liniertes Papier und eine strapazierfähige Fadenheftung.

Klappen Sie diese schöne Einladung zum Schreiben einfach auf, lassen Sie sich von einem beliebigen Stichwort einstimmen und schreiben Sie los …

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/doris-doerrie/einladung-zum-schreiben-9783257071108.html

Hier entlang zu Doris Dörries Buch „LEBEN, SCHREIBEN, ATMEN“: Leben, Schreiben, Atmen

Die Autorin:

»Doris Dörrie, geboren in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. Parallel zu ihrer Film-arbeit (zuletzt der Spielfilm ›Kirschblüten und Dämonen‹) veröffentlichte sie Kurzge-schichten, Romane, ein Buch über das Schreiben und Kinderbücher. Sie leitet den Lehr-stuhl ›Creative Writing‹ an der Filmhochschule München und gibt immer wieder Schreib-workshops. Sie lebt in München.«

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Der literarische Katzenkalender 2022

  • Herausgegeben von Julia Bachstein
  • Wochenkalender
  • Verlag Schöffling & Co. http://www.schoeffling.de
  • 56 Blätter
  • Format: 24 x 32 cm
  • Spiralbindung
  • 22,95 € (D/A)
  • ISBN 978-3-89561-756-0

Der literarische Katzenkalender 2022
ALLE  KATZEN  WIEDER

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

„Der Literarische Katzenkalender 2022“ setzt auch diesmal wieder der ungezähmten Zärtlichkeit und anschmiegsamen Wildheit der Katzen ein fotografisches und poetisches Denkmal. Die ausgesucht schönen Schwarz-Weiß-Fotografien werden mit harmonisch hinzugefügten literarischen – gelegentlich sogar wohlgereimten – Zitaten dekoriert und dokumentieren auf erheiternd-musische Weise die Beziehung zwischen Katze und Mensch.

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Fotografie von Wolfgang Lauter © Verlag Schöffling & Co. 2021

Geben wir es gelassen zu: Katzen sind uns hinsichtlich Eleganz, Beweglich- keit, Konzentrationsfähigkeit, Zielgenauigkeit und selbstverständlicher Würde überlegen, und auch bei Entspannung, Genuß und süßem Dolce far niente haben sie uns eindeutig manches voraus. Deshalb brauchen wir ja jedes Jahr einen Katzenkalender, der uns vorbildlich an die beneidenswerte Seinsweise der Katzen erinnert.

Im Kalender stolzieren und flanieren die Katzen von Blatt zu Blatt, begleitet von standesgemäßen literarischen Kommentaren. Sie klettern, hangeln und liegen, sie ruhen und schmiegen, sie liebäugeln und lauern, sie kosen und krallen, schnurren und murren, sie verführen und siegen, sie dösen und denken. Sie können sich gefahrlos verrenken, sind elastisch und plastisch – mal sind sie eingerollt, mal ausgestreckt, mal possierlich posierend oder arrogant ignorierend. Egal was sie tun oder lassen – diese miezenden Mimen können wir niemals ganz erfassen.

Ohne Bedenken würden die Katzen uns diesen Kalender schenken.

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Fotografie von Ursula Kunert © Verlag Schöffling & Co, 2021

Gestalterisch zeichnet sich dieser Kalenderklassiker zudem durch sein klares, unverwechselbares Design aus: Cremeweißes Papier, deutliche Kalenderziffern in schwarzer Farbe für normale Wochentage, graue Ziffern für Feiertage und rote Ziffern für die Sonntage. Die typographische Gestaltung der Texte greift die Farbgebung der Kalenderziffern auf, und die rote Spiralbindung rundet das katzografische Gesamtkunstwerk ebenso blickfängerisch wie stilvoll ab.

Hier entlang zum Kalender und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.schoeffling.de/buecher/julia-bachstein/der-literarische-katzenkalender-2022

Wenn jetzt jemand mit der beliebten Ausrede um die Ecke kommt, er habe nicht genug freie Wände für einen weiteren Wandkalender, kann ich ihm alternativ als Schreibtisch- kalender, den „Literarischen Katzen Wochenplaner 2022“ ans katzengeneigte Herz legen. Dieser Kalender setzt die bewährte Kombination von Katzenfoto und Katzenzitat im spiralgebundenen Querformat 10,5 x 30 cm zu 12,95 € (D/A) fort und bietet im wöchentlichen Kalendarium Raum für Termineinträge.
Hier entlang zum „Literarischen Katzen Wochenplaner 2022“ und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.schoeffling.de/buecher/julia-bachstein/der-literarische-katzen-wochenplaner-2022

Der literarische Katzen Wochenplaner 2022

Und wer es noch kleinformaTIGER 😉
braucht,    Der literarische Katzen Taschenkalender 2022
kann mit dem 144-seitigen,
schön gebundenen und sogar
mit einem Lesebändchen ausstaffierten
„Katzen Taschen Kalender 2022“ 
im Format 9,5 x 15,5 cm
zu 14,95 € (D/A)
vorlieb nehmen:
Hier entlang zum
„Katzen Taschenkalender 2022“
und zur Leseprobe
auf
der Verlagswebseite:
https://www.schoeffling.de/buecher/julia-bachstein/katzen-taschenkalender-2022

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Ein Mädchen namens Willow, Band 2

  • Band 2: Waldgeflüster
  • von Sabine Bohlmann
  • mit Illustrationen von Simona Ceccarelli
  • PLANET! Verlag, August 2021 http://www.planet-verlag.de
  • gebunden
  • 272 Seiten
  • Format: 148 x 210 mm
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN 978-3-522-50723-3
  • Kinderbuch ab 10 Jahren

Ein Mädchen namens Willow, 2 BandWALDGEFLÜSTER

ZAUBERHAFTE  BAUMFREUNDINNEN

Kinderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Wer mit dem ersten Band der mädchenstarken, naturverbundenen und zauberhaften
Willow-Buchreihe noch nicht vertraut ist, möge sich unter nachfolgendem Link ausführlich belesen: Ein Mädchen namens Willow .

Hier soll ein kurzer Rückblick genügen. Willow ist mit ihrem Vater in das Haus ihrer ver-storbenen Tante Alwina umgezogen. Den Wald, der zum Haus gehört, hat Alwina aus- drücklich ihrer Nichte Willow vererbt. Bei der Erkundung des Waldes begegnet Willow einem zutraulichen Fuchs, und sie entdeckt ein verwunschenes Hexenhäuschen mit faszinierendem magischen Zubehör. Nach und nach erschließt sich Willow, daß sie die Hexenkraft ihrer Tante geerbt hat und daß sie drei weitere Mädchen finden muß, die ebenfalls Erbinnen von Hexenkräften sind. Die Suche nach den magischen Verbündeten ist verwickelt, doch sie gelingt.

Die vier Hexenmädchen Willow, Valentina, Gretchen und Lotti verkörpern die vier Elemente, und wenn sie ihre Kräfte bündeln, wächst ihre Zauberkraft. Das erste große Problem, das sie mit Hilfe von Magie meistern, besteht darin, Willows Wald vor dem Zugriff gieriger Immobilienmakler zu bewahren und diesen Wald als privates Natur-schutzgebiet zu erhalten. 

Im zweiten Band nun sind die vier Junghexen nicht nur innig freundschaftlich ver- bunden, sondern auch tief vertraut mit dem Wald, ihren Krafttieren und mit der buchstäblichen Unterstützung durch das sich selbst beschriftende magische Buch „Grimmoor“. Die Mäd-chen bemühen sich um die Verfeinerung ihrer magischen Fähigkeiten. Selbstverständlich fordert auch der normale Alltag ihre Aufmerksamkeit, und da tun sich schon die nächsten Probleme auf.

Willows Vater wird von der nervigen Nachbarin Gundula aufdringlich beflirtet und bela-gert, drei fremde Jungs wollen im Wald ein Baumhaus bauen, und Valentinas Mutter plant einen Umzug. Diese unerwünschten Entwicklungen sind die neuen Herausforde-rungen für die verschworene Gemeinschaft der Hexenmädchen.

Die Angelegenheit mit den drei Eindringlingen wird von den Mädchen auf sportliche Weise angegangen. Sie veranstalten in Absprache mit den Jungs drei Wettbewerbe im Wald. Wenn die Jungs verlieren, müssen sie ihren Baumhausplan aufgeben, und sollten sie siegen, dürfen sie ihr Bauhaus bauen. Zum Erstaunen der Mädchen scheinen die Bäume und Tiere des Waldes das Vorhaben der Jungs zu unterstützen, und die zunächst so siegesgewissen Junghexen erkennen, daß ihre anfängliche Ablehnung der Jungen vielleicht doch überzogen ist; und so kommt es schließlich zu einem einvernehmlichen Miteinander und einem magisch optimierten Baumhaus.

Die magische Einflußnahme auf die Erwachsenen erweist sich als komplizierter. Alle Versuche mit der Zugabe von Liebestranktropfen bestimmte neue zwischenmenschliche Bindungen auszulösen, gehen grandios daneben und führen zu amüsanten Mißver-ständnissen.

Außerdem fällt der stets weise Rat aus dem Buch Grimmoor für einige Tage aus, da die Junghexen beim Zubereiten des Liebestrankes versehentlich eine Rotweinflasche um-kippen, deren Inhalt exakt auf das aufgeschlagene Buch fließt und dessen Seiten durch-tränkt. Grimmoor ist volltrunken, und nach einigen Hicksern und gelallten Worten muß das magische Buch erst seinen Rausch ausschlafen und trocknen.

Doch so viel darf ich wohl noch versprechen: Alle Probleme werden konstruktiv gelöst, teils mit Magie und teils einfach mit dem Herzen und offenen Worten.

Sabine Bohlmann erzählt in einem warmherzigen, einfühlsamen Ton, der kindliche Be-dürfnisse und Anliegen gut erfaßt und diese mit spannenden fantasievollen Zauberre- quisiten und einer attraktiven naturmagischen Kulisse anreichert. Bei den gereimten Zaubersprüchen und Anweisungen bleibt die Metrik indes holprig.

Die Illustrationen von Simona Ceccarelli übersetzen den Text gekonnt in zauberhafte feinsinnliche Bilder. Bemerkenswert sind zudem wieder die illustrierten Buchseiten mit den nächtlichen Szenen, auf denen der Text weiß auf schwarz gedruckt ist und deren „Lichteffekte“ ganz besonders geheimnisvoll wirken.

In diesem Kinderbuch fungiert Magie keineswegs als manipulative Machtausübung, sondern sie steht im Dienst des Helfens, Heilens und Verbindens. Es wird eine positive Vorstellung von Hexen als weisen und heilkundigen Frauen vermittelt sowie Achtung und Sensibilität für pflanzliche und tierische Mitgeschöpfe.

Naturbeziehungsfähigkeit und elementare Zauberkräfte gehen hier Hand in Hand mit kindlicher Lebensfreude, Entdeckungslust, Freundschaftspflege, Humor und sanften Weisheitsprisen.

»Manche Dinge, die sich zeigen,
können Wahrheiten verschweigen,
drum schau genau hin, was du siehst,
bevor du deine Schlüsse ziehst.«
(Seite 60)

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/waldgefluester-isbn-978-3-522-50723-3

Hier entlang zum ersten Band: Ein Mädchen namens Willow

Ergänzend gibt es zudem ein              Mein-Waldtagebuch-4049985004678_9518edfb63
 zauberschönes Notizbuch
„Mein Wald-Tagebuch. Hör auf dein Herz“ mit einigen praktischen Anregungen zur meditativen Naturbetrachtung und aktiven Naturerfahrung
sowie mit viel Raum zum Schreiben und Zeichnen.

  • Format: 134 x 191 mm
  • 128 Seiten
  • kartoniert
  • ISBN 40-49985-00467-8
  • 10,99 € (D), 11,40 € (A)

Hier entlang zum Waldtagebuch nebst Blätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/mein-waldtagebuch-4049985004678

Die Autorin:

»Mit Hexen hat Sabine Bohlmann eigentlich nicht viel Erfahrung. Aber wenn eine Hexe ihr Leben verhext hat, dann war es sicher eine sehr gute, denn sie hat sie in München auf-wachsen lassen, in einer zauberhaften Wohngegend. Dort wohnt sie jetzt schon lange mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern Jakob und Paulina. Sie liebt Wälder und sie glaubt, wir sollten viel öfter unsere Handys Handys sein lassen und in die Natur gehen. Das versucht sie, wenn sei gerade kein Buch schreibt, nicht im Synchronstudio steht oder nicht auf Lesereise ist. Und wenn sie doch mal das Hexen lernen sollte, dann würde sie in jede Stadt ein »Bücher- haus« hexen, in dem man mit Büchern Abenteuer erleben, in Geschichten eintauchen und Spaß haben kann.« www.sabinebohlmann.de

Die Illustratorin:

»Nach einem halben Leben als Medizinalchemikerin hat Simona Ceccarelli den Laborkittel gegen den Bleistift eingetauscht, um ihrem Kindheitstraum nachzugehen. Ausgerüstet mit einem Diplom in Illustration und Concept Art der Academy of Arts University in San Francisco illustriert sie seit 2016 Bücher, Spiele und andere Produkte für Kinder. Simona Ceccarelli lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern, drei Nationalitäten und vier Sprachen in Basel.« www.smceccarelli.com

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Trolle, Wichtel, Pixies und Waldwesen aus aller Welt

  • Text und Illustration von Malin Neumann
  • BOHEM Verlag 2020  www.bohem-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 28,4 cm
  • 52 Seiten
  • vollfarbig
  • 18,95  € (D), 19,50 (A), 25,50 sFr.
  • ISBN 978-3-95939-078-1
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

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B A U M L E B E W E S E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Gesichter in Baumrinden, Blätterraschelworte, Licht- und Schattenspiele, die flüchtige Gestalten erscheinen lassen, welche beim genauen Hinsehen wieder verschwunden sind und dennoch den Eindruck hinterlassen, daß uns da für einen Zauberaugenblick mehr als das Offensichtliche erschienen ist – so führt Malin Neumann mit den einleitenden Zeilen ihres Bilderbuches Kinder sogleich atmosphärisch in die Natur und gleichsam zur Wahrnehmungsschwelle zwischen sichtbarem und unsichtbarem Leben.

In allen Kulturen gibt es Legenden und Überlieferungen, die von kleinen und großen naturmagischen Wesen und Naturgöttern berichten. Malin Neumann hat solche Legenden und Überlieferungen aus aller Welt zusammengetragen und erzählt sie in kindgemäß komprimierter Bündelung nach. Stilistisch sind diese Texte jedoch im Gegensatz zum Einstimmungs- und Ausklangstext weitgehend eher informativ-sachlich-lexikalisch formuliert – ob diese Kurzbeschreibungen Kinder emotional ansprechen sei dahingestellt.

Waldwesen SKOVNISSE

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Zwischen PAN und PIXIES begegnen wir u.a. den CANOTILAS (kleine Baumbewohner) der nordamerikanischen Indianer, der YOSHINBO (Pflanzenmutter) und dem LUPUNA (Weltenbaum) aus dem Amazonas-Regenwald, dem perfekt getarnten GHILLIE DHU aus Schottland, der verirrten Kindern den Weg aus dem Wald zeigt, und dem dänischen SKOVNISSE, der seine Wohnhöhle gerne unter den Wurzeln alter Buchen einrichtet; wir erspähen den scheuen YEREN aus den chinesischen Bergwäldern, den gestaltwand- lerischen LESHY, den Schutzgeist aller Tiere und Pflanzen der sibirischen Kiefernwälder, und die japanischen KODAMA, zarte Baumgeister, die gerne außergewöhnlich geformte Bäume bewohnen und die von den Menschen durch kleine Steintafeln an den Baum- wurzeln geachtet und gewürdigt werden.

Malin Neumann gibt den zahlreichen Waldwesen und Naturgeistern mit zartfühlender Transparenz und einigen Prisen Humor zeichnerische Gestalt. Die Naturkulisse paßt sie einfühlsam den unterschiedlichen Landschaftsgegebenheiten an und gibt damit den jeweiligen Waldwesen heimatlichen Raum. Die letzte Doppelseite zeigt zudem auf einer Weltkarte eine Übersicht der zuvor vorgestellten Naturgeister.

Waldwesen FENGHUANG

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Es erscheint mir wünschenswert, Kindern die Natur nicht nur biologisch, ökologisch und materiell nahe zu bringen, sondern ihnen auch eine Ahnung von der Beseeltheit der Natur zu vermitteln oder gegebenenfalls zu bestätigen. Dieses Bilderbuch verschafft Kindern einen unaufgeregten Zugang zu archetypischen Wesen, appelliert an Achtsam-keit gegenüber der Natur und regt dazu an, die Wirklichkeit auch mit den inneren Sinnen wahrzunehmen.

„So ein Baum ist leise, sanft und langsam – niemals wird einer lautstark Hilfe einfordern.
Sei gut zu ihm.“

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.bohem.ch/katalog/trolle-wichtel-pixies-und-waldwesen-aus-aller-welt/

Die Autorin und Illustratorin:

»Malin Neumann, geb. 1995, wuchs im Ruhrgebiet auf und studiert Design mit den Schwerpunkten Mediendesign und Illustration an der MSD Münster. Beim Illustrieren liebt sie den Moment, wenn gezeichnete Figuren anfangen vom Papier zurückzublicken und freut sich besonders über Regentage – die beste Zeit für kreatives Arbeiten. Sie lebt und arbeitet in Münster.« http://malin-neumann.de/

Waldwesen-PIXIE mit Geige

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

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Der lange Atem der Bäume

  • Wie Bäume lernen, mit dem Klimawandel umzugehen –
  • und warum der Wald uns retten wird,
  • wenn wir es zulassen
  • von Peter Wohlleben
  • LUDWIG Verlag, Juli 2021 http://www.ludwig-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Format: 12,5 x 20 cm
  • 256 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A), 30,90 sFr.
  • ISBN 978-3-453-28094-6
Der lange Atem der Baeume von Peter Wohlleben

Der lange Atem der Baeume von Peter Wohlleben

WILDNISWÄLDER  WACHSEN  LASSEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bäume und Wälder spielen eine Schlüsselrolle für das Weltklima und für das lokale Klima. Die beste Klimaleistung hinsichtlich intakter Bodenporen und Wasserspeicher- kapazität sowie Co₂-Speicherung, Luftfilterung, Regenregulierung und Verdunstungs- kühlung bieten Urwälder, in die der Mensch sich so wenig wie nur möglich einmischt.

Laubwälder mit einheimischen Buchen und Eichen, die zudem noch ein natürliches hohes Alter erwachsen dürfen, wirken ebenfalls ausgleichend und wasserhaushalterisch und kommen mit gestiegenen Temperaturen und längeren Trockenphasen besser zurecht als etwa Nadelbaummonokulturen.

Der deutsche Wald verfügt jedoch nur in geringem Umfange über natürlich gewachsen- en Baumbestand. Der Großteil unserer Wälder besteht aus Baumplantagen mit nicht standortgemäßen Nadelbäumen (Fichten und Kiefern), die in Hinsicht auf schnellen Holzertrag angelegt werden und die inzwischen nach mehreren sehr trockenen Sommern massenhaft absterben. Tonnenschwere Erntemaschinen beschleunigen die Holzfällarbeit, aber sie zerstören nachhaltig die Bodenporen, der Boden verdichtet sich und verliert dauerhaft die Fähigkeit zur Wasserspeicherung. 

Als Ausgleich für die Nadelholzverluste durch Trockenschäden wird nun vermehrt in den letzten Restbeständen der alten Laubwälder Holz eingeschlagen. So stirbt der Wald gleich zweimal.

Dabei sind gerade die alten Laubbäume wesentlich anpassungsfähiger und im Vergleich zu den Bäumen aus monokultureller Massenbaumhaltung auch genetisch vielfältiger. Bäume können sich an Veränderungen hinsichtlich Trockenheit und Temperatur an- passen und ihre Lebenserfahrung und ihr Anpassungsverhalten an die nächste Gene-ration weitergeben. Da keimt die berechtigte Hoffnung, daß die Natur sich sehr gut selbst zu helfen weiß, wenn der Mensch sie nicht durch schädliche Eingriffe daran hindert.

Eindringlich schildert Peter Wohlleben, wie überlebenswichtig der Erhalt der noch vor-handenen alten Laubwälder und ihrer komplexen Lebenskreisläufe ist. Zudem ist die Kohlenstoffspeicherleistung des Waldbodens in Wäldern mit alten Bäumen wesentlich größer als ins Plantagen mit kurzlebigen Bäumen.

Die Suche nach Baumsorten aus trockeneren Weltgegenden, die dann wieder unheimisch hier in Plantagen gepflanzt werden, ist keine nachhaltige Lösung. Auch wenn medienwirksame Baumpflanzaktionen wie beispielsweise mit Douglasien vordergründig als klimaaktivistischer Naturschutz erscheinen.

Anschaulich listet Peter Wohlleben die tradierten Fehler der konventionellen Forstwirt-schaft auf, beklagt naturschädliche Fördergeldvergaben, die nicht verpflichtend und kontrolliert an nachhaltige Umweltstandards gebunden sind, und berichtet von wissen-schaftslobbyistischen Manipulationen, die ausgerechnet Baumfällungen und Holzver-feuerung als klimafreundlich und Co₂-neutral darstellen.

Peter Wohlleben plädiert durchaus für mehr Aufforstungen, aber nach naturverträg- lichen Kriterien. So regt er beispielsweise eine natürliche Wiederbewaldung ohne menschliche Beeinflussung an und die Verbreitung von Agroforstsystemen, in denen Bäume und Nutzpflanzen gemeinsam wachsen. Außerdem plant er gemeinsam mit Professor Pierre Ibisch die Einrichtung eines neuen Studiengangs „Ökologische Waldbewirtschaftung“.

Auch auf das Thema Fleischproduktion und den damit einhergehenden Flächenbedarf geht der Autor ein und empfiehlt eine generelle Reduktion des Fleischkonsums. Als Hilfe beim Ausstieg aus der industriellen Massentierhaltung, könnte man Landwirten, die einen Teil ihrer Flächen wieder zu Wald werden lassen, pro Hektar und Jahr einen finan- ziellen Ausgleich bieten, der ein besseres Einkommen generiert als der krankhafte Preis- wettbewerb um Billigfleisch. So könnte der Landwirt gewissermaßen auf Klimawirt umschulen.

Ein möglichst naturbelassener Wald ist die beste und erprobteste Klimaanlage. Und selbst ein einzelner Baum – gerne auch ein Obstbaum -, den Sie in Ihrem Garten wach- sen lassen, beeinflußt das lokale Klima positiv, und besonders in der Stadt würden deutlich mehr Straßengrün und Alleen einen wertvollen Beitrag zur Abkühlung, zum Wasserhaushalt und zur Artenvielfalt leisten.

Kurz gesagt: Waldschutz muß vor Holznutzung stehen! Und wir müssen wesentlich mehr Bäume ihr von der Natur vorgesehenes Alter von bis zu mehreren Jahrhunderten erreichen lassen!

„Wir müssen den Nutzungsdruck auf die Natur senken, müssen den Wald verstärkt sich selbst überlassen und sowohl Forstwirtschaft als auch Jagd zurücknehmen.“ (Seite 141)

Peter Wohlleben kritisiert sehr deutlich die aktuellen politischen Fehlsteuerungen und richtet einen ebenso deutlichen Appell an die Politik, neue wissenschaftliche Erkennt- nisse zur ökologischen Waldbewirtschaftung und der Selbstheilungskompetenz der Natur nicht mehr zu ignorieren oder gar als evidenzlos zu diffamieren. Leider fehlt an dieser Stelle eine kritische Auseinandersetzung mit dem massiven Flächenverbrauch durch Windkraftanlagen.

Der Autor versteht es, eine beachtliche Wertschätzung für die Natur zu vermitteln. Auch sein neuestes Buch bietet wieder eine ebenso einprägsame wie faszinierende Kombina-tion aus fundiertem Fachwissen, praktischer Erfahrung und lebhaftem Naturschutz- engagement sowie einfühlsamer und achtsamer Beziehung zur Natur. Das ist ökolo- gische Bewußtseinsbildung mit Herz und Verstand. So kann man Menschen aufklären, sensibilisieren und aktivieren und sie hoffnungsvoll mit dem Atem der Bäume verbinden.

Hier entlang zum BUCH und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Der-lange-Atem-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e515831.rhd

Und wer den akustischen Weg der Auditüre bevorzugt, kann sich mit der ungekürzten Hörbuchfassung, gelesen von Peter Kaempfe, beschäftigen. Hier entlang zum HÖRBUCH und zur HÖRPROBE:
https://www.penguinrandomhouse.de/Hoerbuch/Der-lange-Atem-der-Baeume/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e595235.rhd

PS:
Nur eine sprachstilistische Angelegenheit habe ich zu kritisieren: Wenig amüsiert haben mich die vorgeblich geschlechtergerechten Formulierungen etwa die zwar modische, aber sprachlich falsche Benutzung des Partizips Präsenz. Da wimmelt es im Text leider von Waldbesitzenden, Forschenden und Studierenden. Diesen Gerechtigkeits-Etiketten- schwindel nenne ich Buchstabenverschwendung ohne sozialen Mehrwert.

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstver- waltung. Heute arbeitet er in der von ihm gegründeten Waldakademie in der Eifel und setzt sich weltweit für die Rückkehr der Urwälder ein. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Mit seinen Bestsellern „Das geheime Leben der Bäume“, „Das Seelenleben der Tiere“, „Das geheime Netzwerk der Natur“ und „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“« hat er Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Seit 2019 erscheint das Magazin „Wohllebens Welt“. Für seine emotionale und unkonventionelle Wissensvermittlung wurde ihm 2019 die Bayerische Naturschutzmedaille verliehen. 350.000 Menschen sahen im Kino den 2020 erschienenen Film zum gleichnamigen Buch „Das geheime Leben der Bäume“.« https://www.wohllebens-waldakademie.de/

Querverweis zu fünf weiteren wissenswerten Werken von Peter Wohlleben:

Das geheime Band zwischen Mensch und Natur
Das geheime Band zwischen Mensch und Natur

Das geheime Leben der Bäume  Das geheime Leben der Bäume
Das geheime Netzwerk der Natur Das geheime Netzwerk der Natur
Die Geheimnisse der Natur  Geheimnisse der Natur
Das Seelenleben der Tiere  Das Seelenleben der Tiere

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Sternflüstern

  • Die Geschichte eines Neuanfangs
  • von Paula Carlin
  • Roman
  • Diederichs Verlag, August 2021 www.diederichs-verlag.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • 288 Seiten
  • Format: 12,5 x 20,0 cm
  • 18,00 € (D), 18,59 € (A), 25,90 sFr.
  • ISBN 978-3-424-35116-3

Sternflüstern

MOSAIKSTÜCKE UND LICHTBLICKE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Irith arbeitet am Empfang eines kleinen Hotels in Berlin. Da sie über eine ausgeprägte künstlerische Ader verfügt, hat sie auch an der innenarchitektonischen Ausstattung der Hotelräume mitgewirkt. Gerald, der Inhaber und Direktor des Hotels, schätzt die kleinen Mosaiken und Collagen, die Irith aus allen möglichen Resten, Scherben und Naturfund-stücken gestaltet. Deshalb bittet er Irith, für die Wand der Hotelempfangshalle ein großes Mosaik zu kreieren. Dafür solle sie mit den von ihr bevorzugten Materialien arbeiten, außerdem mit den gesammelten Überbleibseln der Hotelgäste: Bonbon- papierchen, Eintrittskarten, Filmrollen, Knöpfe, Haarklammern, Schlüssel, Stadtplan- fetzen, Münzen usw…

Doch Irith ist noch von der schmerzlichen Trauer um den Verlust ihres langjährigen Freundes Lunis geschwächt und fühlt sich zudem der sehr großen Wandfläche nicht gewachsen. Lunis war ein Künstler, der filigrane, transparente Landschaften in Glas-objekte ritzte, und sie hatte ihn kennengelernt, als ihm auf seinem Handwerkermarkt-stand eine bunte Schale heruntergefallen war und er ihr spontan die Scherben schenkte. Damals entstand aus diesen Scherben ihr erstes Mosaik.

Die Beziehung zu Lunis wuchs – ausgehend von Freundschaft – in Liebe hinein. Dennoch lebten sie in räumlicher Distanz und stets nur phasenweise miteinander. Lunis weilte zumeist in seiner abgeschiedenen Waldhütte mit Wintergarten und Werkstatt, und Irith durfte ihn dort regelmäßig besuchen. Sein großes Bedürfnis nach Einsamkeit und Freiheit hatte er Irith von Anfang an deutlich gemacht, und auch seine weitgehende Verschwiegenheit über seine Vergangenheit mußte respektiert werden.

Irith fühlte sich trotz des nicht geteilten Alltags bei Lunis gut aufgehoben, er war Ent-decker, Freund, Ermutiger, Genießer des Einfachen, Horizontöffner, Liebhaber und musischer Mentor und regte sie zu mehr Eigenwilligkeit, künstlerischen Experimenten und unkonventionellem Selbstausdruck an. Solange er lebte, spielte die räumliche Ent-fernung keine Rolle. Irith und Lunis waren inspirativ verbunden, und für Irith war Lunis der vertraute Bezugsrahmen für ihre eigene Kreativität und beständige Aussicht auf Austausch und lange Nächte unter Sternenhimmel mit tiefen Gesprächen und Stern- flüstern.

Lunis‘ plötzlicher Tod und seine testamentarische Verfügung, daß Irith über die Dinge in seiner Waldhütte und Werkstatt verfügen möge, wie sie wolle, und der posthume Auf-trag, ein Päckchen an eine ihr unbekannte Frau namens Alix zu schicken, lösen einen Stillstand in Iriths Entscheidungsfähigkeit aus. Sie konzentriert sich auf die Arbeit im Hotel, fügt Tag an Tag an Tag und weicht der Bitte ihres Chefs wegen des Hotelfoyer-Mosaiks aus.

Auf dem Rückweg vom Hotel zu ihrer Wohnung verläßt Irith eines sommerhitzigen Abends einige Haltestellen früher den stickigen Bus und geht ein Stück zu Fuß. An einem schönen alten Haus, das von einem großen verwilderten Garten eingerahmt wird, meint sie Lunis‘ Stimme zu hören.

Sie sieht ein Verkaufsschild für das leerstehende Haus und schleicht sich heimlich in den verwunschenen Garten. Die Atmosphäre dort ist trotz einiger Verfallserscheinungen an-genehm friedlich, und auf dem ausgedörrten Rasen funkeln im Abendsonnenlicht einige bunte Glasscherben von der zerbrochenen Verglasung der Hausterrasse. Diese Glas-scherben erscheinen Irith wie ein ferner Gruß von Lunis, und sie packt sie vorsichtig ein.

Dieser Zufall ist ein erster Lichtblick des Neuanfangs – auch wenn Irith dies zunächst noch nicht erkennt. Der nächste Lichtblick steht zwei Wochen später leibhaftig vor Irith am Hoteltresen, fragt nach einem freien Zimmer und betrachtet außergewöhnlich lange Iriths Namenschild. Es ist eine zierliche junge Frau, namens Sophie, die einst auf einem Flohmarkt ein kleines Mosaik von Irith gekauft hat. Und da Lunis Irith stets dazu ange-halten hatte, ihre Werke zu signieren, freut sich Sophie nun über diese zufällige Begeg-nung, und auch Iriths Neugier ist geweckt, und sie reagiert aufgeschlossen auf das unverhoffte Kontaktangebot der jungen Frau.

Es stellt sich heraus, daß Sophie aus Holzresten und Holzabfällen, alten Fenster- und Türrahmen sowie Totholz Rahmen herstellt. Auch Iriths kleines Mosaik hat sie einge-rahmt, und Irith ist von der harmonischen Wirkung berührt und begeistert. So bietet sie Sophie an, gemeinsam mit ihr das große Mosaik für die Hotelempfangshalle zu kompo- nieren. Sophie ist sogleich Feuer und Flamme, und in Irith regt sich wieder die Freude der Inspiration und des gemeinsamen Gestaltens.

Im Garten des alten Hauses „organisieren“ sie genug herabgefallene Äste für die Ein-rahmung und viele Scherben von zerbrochenen Blumentöpfen und zersprungen Glas- bausteinen für die Darstellung der Stadtsilhouette, die ebenfalls Bestandteil des Mosaiks werden soll. 

Sophie befindet sich ebenso wie Irith an einem Wendepunkt ihres Lebens und muß sich neu finden und orientieren. Während der Vor- und Hauptarbeiten am Hotelmosaik freunden sich die beiden Frauen an. Das Mosaik entwickelt sich gut und ermutigt vom freudigen schöpferischen Schub nimmt Irith endlich Kontakt zu der unbekannten Frau auf, der sie Lunis‘ Paket schicken soll …

Man könnte an diesem Roman kritisieren, daß es zu viele beinahe märchenhafte, vorhersehbare  glückliche Fügungen gibt, aber meiner Einschätzung nach, sind solche Fügungen durchaus möglich.

„Sternflüstern“ bietet sich besonders für musische Menschen an sowie für Menschen, die einen zwischenmenschlichen Verlust verkraften müssen. Im Roman folgen nach der Schwere der Trauer das heilsame Loslassen und die dankbare Würdigung des Gewesen- en sowie der nicht zu unterschätzende Trost inniger, freundschaftlicher, ja, schicksal- hafter Verbundenheit. So können Leichtigkeit und Lebensfreude wiederkehren und sogar neue sternflüsternde Augenblicke.

Besonders bemerkenswert ist der zärtliche Blick, mit dem beispielsweise Irith die künst-lerischen Möglichkeiten weggeworfener Bruchstücke erkennt, wie sie Reste, Scherben und zusammenhanglose Überbleibsel in eine neue konstruktive und ästhetische Ordnung bringt. Die liebevoll-wertschätzende, detailreiche Betrachtung der Natur und die lebhafte Aufmerksamkeit, mit der sowohl Irith als auch Sophie die Farben, Formen, Konturen, Muster und Texturen der Dinge wahrnehmen, ist anregend und sinnlich, ebenso die einfühlsame Art, wie sie im verlassenen Haus den Lebensspuren des einstigen Besitzers nachspüren – das ist eine große Lesefreude und zeugt von weiser Lebensbejahung angesichts der Vergänglichkeit.

»Wir sind alle aus Teilen zusammengesetzt, die scheinbar nicht zusammenpassen und doch ein interessantes Bild ergeben. Bei den Menschen gilt das meist eher innerlich als äußerlich. Aber stell dir vor, man könnte es sehen!« (Seite 59)


Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:

https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Sternfluestern/Paula-Carlin/Diederichs/e589085.rhd

Die Autorin:

»Paula Carlin ist das Pseudonym der deutschen Spiegel-Bestsellerautorin Patricia Koelle. Sie wurde 1964 in Alabama/USA geboren und lebt seit 1965 in Berlin. Ihre größte Leidenschaft gilt dem Schreiben, in dem sie ihr immerwährendes Staunen über das Leben, die Menschen und unseren sagenhaften Planeten zum Ausdruck bringt.« https://paula-carlin.life/

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Bertie Pom und das große Donnerwetter

  • Text und Illustration von Daniela  Drescher
  • Verlag Urachhaus, August 2021 www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20,8 x 23 cm
  • 24 Seiten
  • ISBN 978-3-8251-5284-0
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Bertie Pom und das große Donnerwetter

MITEINANDER   STURMERPROBT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bertie Pom ist ein Apfelwicht, der zwischen den Wurzeln eines Apfelbaumes in seinem Wichtelhaus wohnt. Ausgestattet mit Speisekammer, Ofen und einem weichen Bett ist es dort sehr behaglich, und nette Gesellschaft hat Bertie mit den niedlichen Insekten- mitbewohnern Rüsselchen, Krabbelfuß und Pünktchen noch dazu.

„Wie jeden Morgen wird Bertie von seinem leeren Bauch geweckt.“ Wer kennt das nicht? Mit einem leckeren Frühstück fängt jeder Tag gut an. Doch bevor sich Bertie den ersten Löffel Haferbrei mit Rosinen, Äpfeln und Honig einverleiben kann, klopft der Dachs an die Haustür und warnt vor einem aufziehenden Gewitter. Bertie betrachtet den sich verdunkelnden Himmel und verkündet seinen Mitbewohnerchen, daß sie sich ange- sichts der Gewitteraussichten einfach einen gemütlichen Tag zu Hause machen sollten.

Rüsselchen, Krabbelfuß und Pünktchen tragen sogleich Spiele, Decken, Handarbeits- zeug, Bauklötze, Kissen und Knabberkram zusammen – die unerläßlichen Zutaten für einen „Gemütlichkeitstag“.

Bertie Pom und das große Donnerwetter.Interieur. png

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2021

Plötzlich fällt Bertie die alte Krähe mit dem lahmen Flügel ein, die hoch oben im Apfel-baum wohnt. Hilfsbereit geht Bertie hinaus und klettert von Ast zu Ast hinauf zur alten Krähe, deren Nest schon ganz vom Wind zerzaust ist. Nach kurzen vergeblichen Nestbe-festigungsversuchen lädt Bertie die Krähe in sein Haus ein, denn das Gewitter ist schon fast über ihnen, der Donner grollt und der Wind weht stürmisch. Auf dem Weg nach unten lädt Bertie auch gleich noch das Eichhörnchen ein, dessen Kobel vom Wind mitge-rissen wurde. Der Kauz, in dessen Baumhöhle es nun schon hineinregnet, wird ebenfalls aufgefordert mitzukommen und auch der Gartenschläfer, der erschreckt von Blitz und Donner aus seiner Asthöhle direkt in Berties Arme springt.

Bertie Pom und das große Donnerwetter.Gartenschläfer. png

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2021

In Berties Wichtelhaus ist es warm, trocken und sehr gemütlich. Als guter Gastgeber tischt Bertie seine besten Vorräte aus der Speisekammer auf, und so überstehen sie das heftige Gewitter ausgezeichnet.

Nach dem Gewitter ist der Himmel wieder ungetrübt blau. Gemeinsam sammeln die Tiere die heruntergefallenen Äpfel für Berties Speisekammer auf, reparieren das Nest der alten Krähe, flechten für das Eichhörnchen einen neuen Kobel und helfen beim Trockenwischen der Wohnhöhlen von Kautz und Gartenschläfer.

Nach diesen Freundschaftsdiensten ist es wieder Zeit für ein kleines Festessen auf der Wiese unter „dem blauesten Himmel, den du dir vorstellen kannst“.

Bertie Pom und das große Donnerwetter.Wiesenfest. png

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2021

In dieser Geschichte geht es um elementare Bedürfnisse: Geborgenheit und Schutz, Nahrung und Wärme und die Freuden des ebenso spielerisch-genüßlichen wie auch konkret hilfsbereiten, freundschaftlichen Miteinanders. Daniela Drescher stellt diese allgemein-menschlichen Bedürfnisse in eine natürliche Kulisse mit einer attraktiven Prise Naturmagie.

Ihre Illustrationen sind gleichermaßen märchenhaft wie botanisch und zoologisch präzise. Viele liebevolle und verspielte Details laden Kinder zum Entdecken ein und sensibilisieren für die Farb- und Formenvielfalt der Natur.

Daniela Dreschers warmherziger Erzählstil spricht Kinder ganz unmittelbar – gleichsam auf Herzenshöhe – an. Der Fließtext erscheint auf jeder Bilderbuchseite in einer anderen Farbe, die stets harmonisch mit der Farbtönung der jeweiligen Illustrationen abge- stimmt ist.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Daniela-Drescher/Bertie-Pom-und-das-grosse-Donnerwetter.html

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966, ist eine international gefeierte Illustratorin und Autorin. Ihre Bilderbücher und illustrierten Kinderbücher bestechen durch einen Stil, der Kinder und Erwachsene weltweit anspricht. In ihren mittlerweile über 40 Büchern vermittelt sie ihren jungen Leserinnen und Lesern einen unmittelbaren Zugang zur Natur sowie zu sozialen Themen. Darüber hinaus setzt sie sich regelmäßig für Naturschutzorganisationen ein.« www.danieladrescher.de

Querverweis:

Hier entlang zu einer weiteren sympathischen, naturgeistigen Figur aus Daniela Dreschers Feder und Pinsel und Nachbarschaft: Giesbert, der Regentonnenwicht.

„Giesbert in der Regentonne“ (Band 1) Giesbert in der Regentonne
„Giesbert hört das Gras wachsen“ (Band 2) Giesbert hört das Gras wachsen
„Giesbert und der Gluckerbach“ (Band 3) Giesbert und der Gluckerbach

 

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Hanf

HANF
BEWUSSTSEINSERWEITERND

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ute Woltrons Buch ist eine Hommage an den Hanf. Elegant mäandert sie zwischen kulturhistorischen und botanischen Hanfbetrachtungen, persönlichen Hanfanbau- erfahrungen, Hanfzubereitungen und den segensreichen natürlichen Heilwirkungen des Hanfs.

Wußten Sie, daß die Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt wurde, daß Karl der Große seinen Bauern den Hanfanbau ausdrücklich gebot und diese ihre Steuern mit Hanfsamen zahlen durften, daß das Zeitalter der Segelschiffe von den witterungsbe- ständigen und reißfesten Segeln und Tauen aus Hanffaser beflügelt wurde? Wußten Sie, daß es – belegt durch archäologische Funde in China – bereits zwischen 800 und 400 vor unserer Zeitrechnung Hanfttextilien und sogar noch ältere Hanfpapiere gab? Wußten Sie, daß die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten des Cannabis die Linderung von Asthma, Migräne und Übelkeit, chronischen Schmerzen, Grünem Star, Multipler Sklerose, Polyarthritis, Tinnitus u.v.a. umfassen?

Ich möchte fast wetten, daß Sie dies nicht wußten, sondern stattdessen so wie ich mit der dramatisch-propagandistischen Warnung vor Hanf bzw. Cannabis/Marihuana als fatale Einstiegsdroge, Abstieg in unweigerliche Kriminalität und unausweichliche Sucht vertraut sind. Wie kam es dazu, daß eine Pflanze, die der Menschheit seit Jahrtausenden als schnellwachsender, robuster Fasermateriallieferant, Futter-, Heil- und Nahrungs- mittel diente, dermaßen in Verruf geriet und kriminalisiert wurde?

Der Kreuzzug gegen die „Droge“ Hanf begann Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA, pflanzte sich von dort aus weltweit propagandistisch fort und führte dazu, daß auch der Anbau von Hanfsorten, welche über keinen nennenswerten, psychoaktiven THC-Gehalt verfügen, wie beispielsweise Faserhanf, verboten wurde.

Als sich im Jahre 1937 die American Medical Association gegen das Verbot von Hanf aus-sprach und den medizinischen Wert des Marihuanas betonte und eine weitere Studie zu dem Ergebnis kam, daß der Genuß von Marihuana keine gefährlichen persönlichkeits- verändernden Wirkungen habe, bezeichnete der lobbygelenkte oberste politische Drogenbekämpfer, Harry Jacob Anslinger, diese Studien als unwissenschaftlich, veran- laßte eine Gegenstudie und verbot kurzerhand für die Zukunft weitere Studien zur Wirkungsweise von Cannabis.

Das acht Jahrzehnte währende Verbot von Hanf ist ein lehrreiches Beispiel für eine welt-weite politische und mediale Diffamierungskampagne im Interesse wirtschaftlicher Profiteure aus Baumwollfarmern, Papier- und Pharmakonzernen. Der schnellwach- sende Hanf und die wesentlich haltbareren Produkte, die sich aus seinen Fasern herstellen lassen, standen in Konkurrenz zu den vergleichsweise minderwertigen und kurzlebigen Produkten aus Zellstoff und Baumwolle.

Erst seit den 90er Jahren werden die Hanf-Verbote gelockert, medizinische Anwendung-en schrittweise zugelassen und der Anbau von Faser- und Futterhanf – behördlich kon-trolliert – genehmigt. Es bedurfte mutiger Ärzte und Patienten, deren letzter Heilungs-ausweg Cannabis war, um Hanf nach und nach zu rehabilitieren und wieder salonfähig zu machen.

Eine Studie der WHO aus dem Jahre 1997 kommt zu folgendem Ergebnis:

„Es gibt gute Gründe festzustellen, dass Cannabis nicht dieselben Risiken für die öffent-liche Gesundheit mit sich bringt wie Alkohol und Tabak, selbst wenn genauso viele Men-schen Cannabis benutzen wie jetzt Alkohol trinken oder Tabak rauchen.“ (Seite 116)

Man könnte fast sagen, daß die Autorin Ute Woltron von der Hanfpflanze höchstper-sönlich dazu aufgefordert wurde, sich unvoreingenommen mit ihr zu beschäftigen. Eines Tages tauchte in einem ihrer Gartenbeete eine Hanfpflanze auf. Sie ließ die Pflanze wachsen und gedeihen und begann, sich theoretisch und praktisch in das Thema Hanf zu vertiefen und Stoff für ihr Buch zu sammeln.

Die Autorin bettet die aufklärenden botanischen, gesellschaftspolitischen, juristischen, kulinarischen, kulturhistorischen und medizinischen Sachinformation zum Hanf in einen lebendigen, mit köstlichen Anekdoten gewürzten literarischen Erzählton, der die Lektüre sowohl inhaltlich als auch stilistisch zu einem spannenden, sinnlichen, ja, sogar ausdrücklich Hanfappetit weckenden Genuß macht.

Und zum Abschluß kann ich hier wieder meinen lobeshymnischen Refrain zur buch- gestalterischen Materie der Reihe NATURKUNDEN singen. So ist auch der Band „Hanf“ (NATURKUNDEN Nr.61) aus schmeichelgriffigem Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten hergestellt. Die Typographie ist satt und lesefreundlich, der lindgrüne Kopf-schnitt ist farblich fein abgestimmt mit der Farbgebung des Bucheinbandes; die Faden-heftung erscheint diesmal interessant farbkontrastisch in violett und die zahlreichen alten und neuen Illustrationen sind ebenso schön wie aussagekräftig.

Hier finden wir den harmonischen Einklang zwischen substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf!

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/hanf.html?lid=4

Die Autorin:

»Ute Woltron, geboren 1966 in Neunkirchen, studierte Architektur in Wien und arbeitet als Journalistin zum Thema Wirtschaft, Architektur und Reisen. Zu ihren Veröffentlich-ungen zählen u. a. Menschen sind auch nur Gärtner: Freche Gartengeschichten (2009) sowie 99 Genüsse, die man nicht kaufen kann – Selbstgemachte Köstlichkeiten aus Natur & Garten (2011).«

Die ungekürzte Hörbuchausgabevollendet gelesen von Frank Arnoldist im April 2020
bei DAV (der Audio Verlag https://www.der-audio-verlag.de/ ) erschienen.

  • 3 CDs in Pappklappschuber
  • Laufzeit: 3 Stunden, 29 Minuten
  • 20,00 €
  • ISBN 978-3-7424-1512-7

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.der-audio-verlag.de/hoerbuecher/hanf-ein-portrait-woltron-ute-978-3-7424-1512-7/

hanf-ein-portrait-woltron-ute-9783742415127-HÖRBUCH

 

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Wir beide passen richtig gut zusammen

  • Der kleine Siebenschläfer
  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag, Juli 2021   www.thienemann.de
  • 16 abgerundete Pappseiten
  • Format: 165 x 165 mm
  • 7,99 € (D), 8,30 € (A), 11,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45950-1
  • Pappbilderbuch ab 2 Jahren

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MITEINANDER  ANDERSSEIN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer erweist sich als sehr bilderbuchvermehrungsfreudig. Nach sechs Bilderbüchern für Kinder ab 4 Jahren ist mit dem vorliegenden Band „Wir passen richtig gut zusammen“ nun das vierte Pappbilderbuch für Kinder ab 2 Jahren erschienen.

Der sympathische kleine Siebenschläfer und seine noch kleinere Freundin, die Hasel- maus, sind der Ansicht, daß sie gut zusammenpassen. Doch dann zählen sie auf, was sie alles unterscheidet. Da wären die unterschiedlichen Körpergrößen, die Fellfarben, die Schwanzform und die Eßvorlieben.

Ja, sie sind ja doch sehr verschieden, und vor lauter Verschiedenheit fremdeln die beiden einen Moment lang miteinander. Doch dann fällt dem kleinen Siebenschläfer zum Glück ihre wesentliche Gemeinsamkeit ein – sie mögen einander, und das verbindet sie über alle Unterschiede hinweg, und schon passen sie wieder richtig gut zusammen.

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Illustration Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2021

Die einfachen, kurzen Dialoge zwischen Siebenschläfer und Haselmaus sowie die possierliche, körpersprachlich ausdrucksvolle zeichnerische Darstellung der beiden Tierchen vermittelt kleinen Kindern anschaulich und altersgemäß die Spannung zwischen Unterschieden und Gemeinsam- keiten.

So können Kinder spielerisch erkennen, daß es in Ordnung ist, anders und unterschiedlich zu sein, und daß man darüber hinaus über die wechsel- seitige Zuneigung zum Anderen zu einem auskömmlichen Miteinander finden kann.

Die festen, abgerundeten Pappseiten sind strapazierfähig und kommen der noch ungeübten Kleinkindmotorik freundlich entgegen.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/wir-beide-passen-richtig-gut-zusammen-isbn-978-3-522-45950-1

Hier entlang zum ersten Band: Das ist noch nicht gemütlich
Hier entlang zum zweiten Band: Gleich ist alles wieder gut

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchron-sprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben.
Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nacht-zeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene, geboren 1981 in Haan, studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesignerin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.«  www.kerstinschoene.de

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Speak German!

  • Warum Deutsch manchmal besser ist
  • von Wolf Schneider
  • Rowohlt Verlag, April 2013 http://www.rowohlt.de
  • E-Buch
  • 192 Seiten
  • 8,99 €
  • ISBN: 978-3-644-02921-7

SPEAK GERMAN

IN  STAUB  MIT  ALLEN  FEINDEN  UNSERER MUTTERSPRACHE!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In seinem geistreichen, sprachbewußtseinsbildenden Buch „Speak German“ analysiert, kritisiert und reflektiert Wolf Schneider kenntnisreich und humorvoll die seltsame deutsche Untertänigkeit gegenüber englischen und amerikanischen Begriffen. Die Kritik der chronischen Anglomanie wird zudem um eine kulturhistorisch wertschätzende Liebe zur deutschen Sprache und konstruktive Anregungen zur alltäglichen und bildungspolitischen Rettung des deutschen Sprachschatzes ergänzt.

Wolf Schneider geht es nicht um einen pauschal alle englischen Fremdwörter aus-schließenden Stil, sondern um die zahlreichen albernen, aufgesetzten, miß- bis unver-ständlichen, häßlichen, sinnlosen, überflüssigen und unangebrachten Anglizismen. Dabei unterscheidet er aufmerksam zwischen Fremdwörtern, die man besser ins Deutsche übersetzen sollte, und Fremdwörtern, die wortwörtlich zu übernehmen durchaus sinnvoll und bereichernd sein kann. So kritisiert der Autor auch keineswegs die englische Sprache an sich, sondern listet einige ihrer typischen Vorzüge auf, die sie für eine Weltsprache qualifizieren.

Doch wußten Sie schon, daß Deutsch seit 200 Jahren das Esperanto der Weltliteratur ist? Ja, Deutschland ist Weltmeister im Literaturübersetzen! »Nach der Statistik der Unesco wird in keine andere Sprache so viel übersetzt wie in die deutsche – mehr als ins Spanische und Französische, mehr als doppelt so viel wie ins Englische.« (Seite 30)

Jenseits der Literatur begegnen wir indes im Alltag vielfältigen geschriebenen und ge-sprochenen Texten, die vor Anglizismen nur so wimmeln. Da kommt es häufig zu einem eklatanten Mißverhältnis zwischen der von Werbeagenturen, Medienredaktionen und Unternehmensgeschäftsleitungen übereifrig eingearbeiteten englischen Begriffe und Redewendungen und einer in der deutschen Bevölkerung keineswegs flächendeckend ausgeprägten fremdsprachlichen Kompetenz. Besonders die Werbetexter erzielen mit solchen Sprüchen häufig eine zweifelhafte Informationsvermittlung und Werbewirk- samkeit.

2003 untersuchte das Institut »Endmark« die korrekte Verständlichkeit zwölf gängiger englischer Werbesprüche in der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Nur ein Spruch erzielte knapp 60 Prozent Verständnis und die anderen bis zu fünfundsiebzig Prozent Un- bis Fehlverständnis. Die Auflistung der Übersetzungen, oder besser gesagt, Deu-tungen ins Deutsche ist brüllkomisch (aber auch kreativ) und zeigt, daß nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung über umfassende und differenzierte Englischkenntnisse verfügt.

Das „Human Resources Department“ hat gegenüber der PERSONALABTEILUNG, die „Corporate Identity“ gegenüber dem UNTERNEHMENSBILD und „Customer Relationship“ gegenüber der KUNDENBETREUUNG keinerlei Allgemeinverständnisvorteil. Solche Wort- gebilde entsprechen nur einem abgehobenen, imponiergeschwätzigen Wirtschafts- jargon.

Ein erhellendes Beispiel ist auch der „Service Point“ der Deutschen Bahn, zu dem der Autor folgendes schreibt: »Mutwillige Verfremdung der AUSKUNFT durch die Deutsche Bahn. Hätte man den Schalter internationalisieren wollen, so wäre  INFORMATION  in viel mehr Sprachen verständlich gewesen als  Service Point(Seite 67)

Wolf Schneider kritisiert nicht, daß sich unterschiedliche Landessprachen wechselseitig beeinflussen – schließlich gibt es auch willkommene deutsche Vokabelexporte in andere Länder, aber die hierzulande grassierende Anglomanie trägt gelegentlich Züge von sprachlicher Selbstverachtung.

Das in Deutschland übliche Übermaß der willfährigen Übernahme von Anglizismen verbindet schlechtes muttersprachliches Selbstbewußtsein mit einer pseudopolyglotten Weltläufigkeit, die sich zudem häufig auf fehlerhaftes Nachplappern englischer Vokabeln und Satzstellungen sowie anglizistische Fehlkonstruktionen (Denglisch) reduziert.

So ist beispielsweise die Formulierung  „nicht notwendigerweise“ eine Ableitung der englischen Formulierung „not necessarily“- auf Deutsch heißt es jedoch kurz und bündig: NICHT UNBEDINGT. Ebenso fehlkonstruiert ist das unsägliche „Sinn machen“, welches eine gänzlich unsinnige Ableitung des englischen „making sense“ ist. Im Deutschen hat etwas Sinn, ergibt Sinn, ist sinnlos oder sinnvoll, unsinnig oder sinnig usw… Leider widersetzen sich u.a. weder die Dudenredaktion noch das Goetheinstitut dieser Entwicklung.

In seinem Sprachstilratgeber „Speak German!“ unterscheidet Wolf Schneider mit scharf-sinnig gespitzter Feder, sprachkenntnisreicher Eloquenz und anschaulichen Beispielen zwischen sinnvollen und unsinnigen Anglizismen und empfiehlt mehr unbefangene Wertschätzung für unsere Landessprache.

Für Menschen, die der allzuvielen Anglizismen überdrüssig sind, bietet diese Lektüre hervorragende Argumente zur sprachlichen Selbstverteidigung und zum Erhalt der Ausdruckskraft und Vielseitigkeit der eigenen Sprache.

 

 

Hier entlang zum elektronischen Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.rowohlt.de/buch/wolf-schneider-speak-german-9783644029217

 

Der Autor:

»Wolf Schneider, geboren 1925, ist Träger des «Medienpreises für Sprachkultur» der Gesellschaft für deutsche Sprache. Er war Soldat von 1943 bis 1945, Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» in Washington, Verlagsleiter des «Stern», Chefredakteur der «Welt», Moderator der «NDR-Talk-Show» und 16 Jahre lang Leiter der Hamburger Journalistenschule. 2011 erhielt er den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk, 2012 wurde er vom «Medium Magazin» als Journalist des Jahres für sein Lebenswerk geehrt. Wolf Schneider hat zahlreiche Sachbücher veröffentlicht, darunter große, erzählende Bücher ebenso wie Standardwerke zu Sprache, Stil und Journalismus. Zuletzt erschien 2013 bei Rowohlt «Der Soldat. Ein Nachruf». Er lebt in Starnberg.«

PS:

VERLOSUNG!!!

Dieses Buch begleitet mich ebenso inspirierend wie bestätigend schon seit vielen Jahren, deshalb erschien mir meine obige Rezension überfällig. Inzwischen gibt es nur noch die E-Buch-Ausgabe. Doch da ich bei Begeisterungsbüchern zu Vorratskäufen neige, habe ich noch eine gebundene Ausgabe doppelt, die ich hier nun gerne zur Verlosung anbieten möchte.

Wer mir in Verlauf der nächsten drei Tage auf der Kommentar-Konversationsebene Beispiele für besonders alberne und unsinnige Anglizismen erzählt bzw. zitiert, kommt in den Lostopf für ein ECHTES Buch.

Ich habe schon seit langem eine chronisch-akute Anglizismen-Allergie und benutze mündlich und schriftlich nur äußerst selten welche und dann auch nur diejenigen, die schon fast nicht mehr als Fremdkörperwort wirken oder tatsächlich einen gewissen Charme, eine von mir erwünschte Nuance oder ein stimmungsvolles Lokalkolorit ausstrahlen.


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