Schnick Schnack Schabernack

  • Das Hausbuch der Reime und Lieder für die Allerkleinsten
  • Herausgegeben von Renate Raecke und Monika Blume
  • Illustrationen von Gerda Raidt
  • Gerstenberg Verlag, 6. Auflage Juli 2021 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Halbleinen
  • Format: 22 x 27 cm
  • 144 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A), 32,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5198-2

Schnick Schnack Schabernack Titelbild 9783836951982

WÖRTERKLANG  &  SPRACHGEFÜHL

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Vor dem Sprechenlernen kommt das Lauschen! Damit schon die Kleinsten nicht nur Koseworte und Geplauder zu hören bekommen, sondern darüber hinaus mit melo- dischem Sprachklang angesprochen und angesungen werden können, stellt das vorliegende Buch eine vielsaitige Auswahl amüsanter und poetischer Texte zur Verfügung.

Wir finden hier Versspiele, Abzählreime, Kinderlieder (mit Noten), Fingerspiele, Festtags-reime, Kniereiter, Zahlen- und Buchstabenreime, Nonsensgedichte, Erzählgedichte und Zaubersprüche. Die Sammlung enthält überlieferte und moderne Texte sowie Anleitungen zur begleitenden gestisch-körperlichen Handhabung beim Aufsagen von Fingerspielversen und Kniereitern.

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Illustration von Gerda Raidt © Gerstenberg Verlag 2021

Die luftig-heiteren Illustrationen von Gerda Raidt setzen die in den Texten angesproch-enen Situationen und Themen mit einem Hauch von Nostalgie schön in Szene. Ein alphabetisches Verzeichnis der Autoren, Gedichte und Lieder sowie dazugehörige Quellenangaben erleichtern das Wiederfinden persönlicher Textlieblinge.
  
Mit einem solchen Hausbuch der Reime und Lieder läßt sich spielerisch und vergnüglich kindliche Sprachfreude, Sprachkompetenz und Ausdrucksvielfalt fördern. Dank der Verbindung von Wort, Berührung und Bewegung, wie sie bei vielen Fingerspielen und Kniereitern üblich ist, werden alle kindlichen Sinne angesprochen. Diese umfassende kommunikative Zuwendung zum Kind prägt sich besonders nachhaltig ein und bereichert nebst der familiären Bindung vor allem Wortschatz und Ausdrucksvielfalt – und einen Beitrag zur musikalischen Früherziehung leistet sie noch dazu.

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Illustration von Gerda Raidt © Gerstenberg Verlag 2021

 „Schnick Schnack Schabernack“ ist ein gutes Geschenk für werdende Eltern, zur Geburt, zur Taufe sowie zum ersten oder zweiten Kindergeburtstag. Dieses Hausbuch ist eine Wortschätzespeisekammer für die ganze Familie, mit kunterbunter Geschmacksvielfalt und abwechslungsreichen Themenkreisen, die sich mindestens bis zur Einschulung als melodisches, poetisches und sprachspielerisches Vademecum eignet.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Hausbuch/Schnick-Schnack-Schabernack.html?noloc=1

Die Herausgeberinnen:

»Renate Raecke, geboren 1943, studierte Literatur- und Kunstgeschichte und arbeitete als Buchhändlerin und in verschiedenen Verlagen, bevor sie als freie Lektorin und Herausgeberin tätig wurde. Sie lebt in Pinneberg.
Monika Blume, geboren 1951, hat Erziehungswissenschaften und Soziologie studiert. Heute lebt sie mit Familie in München und arbeite nach Stationen in Verlag und Buchhandel als Autorin und Lektorin, aber auch als Pädagogin für Institutionen und Projekte.«

Die Illustratorin:

»Gerda Raidt, geboren 1975, lebt mit ihrer Familie in Leipzig. Sie studierte freie Grafik in Halle und Leipzig, darauf folgte ein Meisterschülerstudium in Leipzig. Seit 2004 arbeitet sie als freie Illustratorin.«

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Staub im Museum

  • Text und Illustrationen von Dorothea Blankenhagen
  • Für die Staatlichen Museen zu Berlin herausgegeben von
  • Sofia Botvinnik, Teresa Laudert, Sigrid Wollmeiner
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart, Januar 2021  http://www.jacobystuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,4 x 26,4 cm
  • 40 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • ISBN 978-3-96428-082-4
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

Staub im Museum

KEINESWEGS  STAUBTROCKEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Hauptfigur des vorliegenden Bilderbuches ist eine vorwitzige Staubfluse mit dem Namen Fussel. Fussel lebt mit ihrer Familie und einigen netten Hausstaubtieren in einer verborgenen staubigen Ecke eines großen Museums. Ein plötzlicher Windstoß weht Fussel eines Tages durch das Museum, und so macht Fussel unfreiwillige Bekanntschaft mit einigen Kunstwerken.

Zunächst landet sie auf einer Bildrolle mit einem Tuschetiger. Frech veralbert sie den Tiger mit einem „MIAU“, doch der Tiger brüllt raubtierstandesgemäß zurück, und Fussel muß erschrocken einsehen, daß ein gemalter Tiger sich durchaus zu wehren weiß.

Staub im Museum Wettrennen

Illustration und Text von Dorothea Blankenhagen © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2021

 Sie fällt von dieser Bildrolle in eine Vitrine. Dort befindet sich u.a. eine hölzerne Antilope, mit der sie sogleich ein flottes Hindernis- und Wettrennen über einige weitere Vitrinenexponate beginnt. Im Übereifer fliegt Fussel aus der Vitrine direkt zu einem Gemälde, auf dem eine Jagdszene abgebildet ist. Das gefällt Fussel gar nicht, und sie räumt die Tiere und Jäger auf dem Bild nach ihren Vorstellungen um. Dies wiederum lassen sich die Jäger nicht gefallen, und sie vertreiben Fussel mit gezückten Speeren aus ihrem Bild.

Staub im Museum Bildaufräumerin

Illustration und Text von Dorothea Blankenhagen © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2021

So landet sie auf der Nase einer bunten Wolfsmaske, die allerdings eine Stauballergie hat und Fussel unwillkürlich wegniest, vorbei an zwei Fischskulpturen bis hin zu einem Tontopf in Form eines Kraken. Der Krake schnipst Fussel mit einem seiner Tentakel in die Höhe, und Fussel landet unsanft in einer drachenförmigen Porzellanschale. Der blaue Drache amüsiert sich über den staubigen Besuch und lacht mit Fussel, bis Fussel vor lauter Lachen wieder aus der Schale rutscht.

Staub im Museum Drachenschale

Illustration und Text von Dorothea Blankenhagen © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2021

Nach einigem Hin-und-her-und-auf-und-ab landet unsere abenteuerlustige kleine Staub-fluse endlich wieder in ihrer heimischen Museumsecke und erzählt ihren Mitflusen ein klein wenig großspurig von ihren spannenden Begegnungen.

„Staub im Museum“ lädt Kinder mit lustigen Illustrationen und abwechslungsreichen Szenen auf spielerische Weise ins Museum ein. Die personifizierte Staubfluse animiert die Museumsobjekte zum Leben und regt damit vergnüglich die Vorstellungskraft von Kindern an. Kindgemäße sachliche Informationen folgen auf vier anschließenden Seiten und ergänzen die Geschichte um Fotografien und kurze, einfache kunsthistorische Beschreibungen der handlungsrelevanten Exponate. So kann dieses Bilderbuch ebenso kindliche Entdeckerlust wecken wie Wissensdurst stillen und Kindern Museumsbesuche schmackhaft machen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/neuerscheinungen/staub-im-museum/

Eine englischsprachige Ausgabe  „A Dusty Day at the Museum“
ISBN 978-3-96428-082-4 ist im Web-Geschäft  der Staatlichen Museen zu Berlin zu bekommen: https://www.smb-webshop.de/en/books-und-media/children-s-books/5641/a-dusty-day-at-the-museum?c=101083

Die Autorin und Illustratorin:

»Dorothea Blankenhagen, geb. 1977, studierte Kommunikationsdesign in Potsdam. Sie arbeitete zunächst als selbstständige Grafikerin, später als Bereichsleitung für Visual Design bei Thalia Bücher in Berlin. Seit 2017 ist sie freie Illustratorin und lebt heute mit ihrer Familie im Herzen Münchens.« https://www.dorothea-blankenhagen.com/

 

Querverweis:

Für ältere Kinder ab 8 Jahren bietet sich ergänzend das großformatige Sachbilderbuch „Wie kommt die Kunst ins Museum/ Ein Wimmelsachbuch über die Kunst“ von Ondřej Chrobák, Rostislav Koryčánek und Martin Vaněk an.
 „Wie kommt die Kunst ins Museum“ vermittelt Kindern anschaulich, wie ein Museum funktioniert und wie interessant, bereichernd, kommunikativ und begegnungsvielseitig ein Museumsbesuch sein kann. Die abwechslungsreiche Korrespondenz zwischen Text und graphisch-illustratorischer Darstellung unterstützt die kindgerechte Informationsvermittlung und eröffnet eine ebenso kunterbunt-verspielte wie klar-geordnete Perspektive auf den Lebensraum eines Kunstmuseums.  Hier entlang zur Buchbesprechung: Wie kommt die Kunst ins Museum

 

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Natur – verbunden

  • Entdecke die Pflanzen, die dir gut tun
  • von Katrin und Frank Hecker
  • KOSMOS Verlag, Juni 2021  www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • 245 Farbfotos
  • 27 Farbzeichnungen
  • 160 Seiten
  • Format: 241 x 172 x 15mm
  • 20,00 € (D)
  • ISBN 978-3-440-16876-9

Natur - verbunden

P F L A N Z E N   S C H M E C K E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Natur – verbunden“ ist ein übersichtliches Einsteigerbuch, das uns die nahrhafte Bekanntschaft mit 40 Wildpflanzen vermittelt. Sehr schöne, aussagekräftige Fotos und Zeichnungen sowie kurze botanische Beschreibungen werden ganzheitlich komplemen-tiert mit Rezepten für kulinarische und medizinische Verwendungen sowie Konservie-rungsmöglichkeiten durch die Herstellung von Tinkturen, Ölauszügen, Oxymelen, Salben und durch Trocknung. Auch die Handhabung von Räucherbündeln aus kombinierten Wildpflanzen wird dargestellt.

Der naturverbundene Lektüre-Spaziergang führt durch die Standorte Wald, Hecken & Waldsäume, Wiesen & Wege, Ödland & Magerwiese sowie Bäche, Flüsse & Seen. Jedes Pflanzenportrait umfaßt 4 bis 6 Seiten mit Hinweisen auf typische botanische Merk- male, Sammelzeit, wichtige Wirkstoffe und Anwendungsmöglichkeiten.

Vorgestellt werden u.a. Baldrian, Birke, Brennessel, Brunnenkresse, Fichte, Gunder-mann, Hollunder, Johanniskraut, Kamille, Königskerze, Nachtkerze, Sanddorn, Schaf-garbe, Spitzwegerich, Thymian, Waldmeister, Weide, Weißdorn, Wildrose und Wilder Dost.
 
Wiederholt wird darauf hingewiesen, mit Pflanzen achtsam umzugehen, beim Sammeln in der Natur nicht zu viele Blüten, Blätter, Beeren und Wurzeln zu nehmen, nichts zu verschwenden und – wenn möglich – Samen oder Ableger zu ernten, um die Wild- pflanzen im eigenen Garten anzusiedeln.

Besonders ansprechend ist der sinnlich-lebendige Schreibstil, der uns Wildpflanzen leicht näher bringt und als naturverführerische Nebenwirkung dazu animiert, gleich nach der Lektüre in die Natur zu gehen und das Erlesene mit praktischer Erfahrung zu vertiefen.

Ich streifte jedenfalls sogleich durch mein Gärtlein und konnte mich kaum entscheiden, mit welcher Pflanze ich anfangen sollte: Ein Tee aus den Blüten des Wilden Dosts, ein Holunderblüten-Wasser mit einer der noch am Strauch nachzüglerisch verbliebenen Blütendolden, ein Königkerzenblütentrunk, Brennesselsamen als Nahrungsergänzungs-mittel, eine Beifuß-Räucherung oder Knoblauchsraukensamen als Pfefferalternative …

„Natur – verbunden“ macht uns die Natur und ihre lebenswertvollen Wildpflanzen- schätze in Wort und Bild schmackhaft. Wer sich Wissen über Wildpflanzen und ihre Heil- und Nährwirkungen aneignet, sich dafür zudem hinaus in die Natur begibt und mit den Pflanzen buchstäblichen Kontakt aufnimmt, dessen naturbezogenes Wissen weht nicht nur abstrakt durch den Kopf, sondern es wurzelt schließlich im Herzen.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/natur/baeume/11611/naturverbunden

Die Autoren:

»Katrin Hecker und Frank Hecker leben und arbeiten gemeinsam als Naturfotografen und Autoren auf ihrem Wildwuchs-Grundstück in Schleswig-Holstein. Im Rhythmus mit der Natur heimische Kräuter, Wurzeln und Früchte zu sammeln gehört zu ihrem Leben eben-so selbstverständlich dazu wie ihre beiden Kinder, eine Schar Hühner, Schafe und Hunde. Begeistert geben die beiden Biologen ihr über viele Jahre gewachsenes und erprobtes Wissen an ihre Leserinnen und Leser weiter. Ihre an die 50 Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, ihre Fotos escheinen regelmäßig in Zeitschriften und Sachbüchern. Kontakt:  www.naturfoto-hecker.de
www.facebook.com/katrinundfrank.hecker 

Querverweis:

Zur Wissenserweiterung bietet sich zudem noch folgendes Buch von Katrin und Frank Hecker an: „Kann ich das essen – oder bringt mich das um? Essbare und giftige Wildpflanzen erkennen“ 
Hier entlang zur Buchbesprechung:
Kann ich das essen oder bringt mich das um?

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Die wunderbare Welt der Insekten

  • Text von Bart Rossel
  • Illustrationen von Medy Oberendorff
  • Originaltitel: »Het Wonderlijke Insectenboek«
  • Aus dem Niederländischen übersetzt von Eva Schweikart
  • Fachliche Durchsicht: Prof. Dr. Rainer Willmann
  • Gerstenberg Verlag, 2. Auflage 2020 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 26,5 x 37 cm
  • 96 Seiten
  • 26,00 € (D), 26,80 € (A), 33,40 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5646-8
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren

Die wunderbare Welt der Insekten

I N S E K T E N K U N D E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Alle zurzeit lebenden Menschen, Kinder eingeschlossen, wiegen zusammen etwa 350 Millionen Tonnen. Ein Klacks. Denn allein alle Ameisen wiegen ebenso viel!“ (Seite 7)

Mit diesem Zitat sind wir gleich mittendrin in der überwältigen Vielzahl der Insekten, und auch die Vielfalt ihrer Arten, von denen viele noch unentdeckt und unbestimmt sind, kann sich sehen lassen. Bekannt sind bisher knapp eine Million Insekten.

Das Sachbilderbuch „Die wunderbare Welt der Insekten“ zeigt in Wort und Bild eine übersichtliche Auswahl von Insekten – von der winzig kleinen Zwergwespe „Tinker- bella“, die nur 0,25mm mißt, bis zum Herkuleskäfer, der mit bis zu 17 cm Größe immerhin die Länge einer Frauenhand erreicht.

 

Die wunderbare Welt der Insekten.Insektenstapel

Illustration von Medy Oberendorff © Gerstenberg Verlag 2. Auflage 2020 Insektenabbildung von oben nach unten: Atlasspinner, Riesenweta, Herkuleskäfer und Goliatkäfer

Nach allgemeinen Informationen zu Ober- und Untergruppierungen der Insektenarten, zum dreigeteilten körperliche Aufbau der Insekten und zwei verschiedenen Arten von Metamorphosen werden unterschiedliche Formen insektischer Tarnung und Selbstver-teidigung beschrieben.

Die folgenden Kapitel stellen das Organisationstalent der Ameisen und ihre Kooperation mit Blattläusen dar, die trickreichen Jagdstrategien der Florfliegenlarve, des Ameisen-löwen und der Juwelwespe, die Erkennungsmerkmale von Tag- und Nachtfaltern, nebst einer mythologischen Abzweigung zu Eros & Psyche, die beiläufig auch den Begriff der „Schmetterlinge im Bauch“ erklärt.

Des weitern wird die Lichtwerbung von Glühwürmchen und Glühkäfern thematisiert, die Schwesterlichkeit der Bienenvölker und die außergewöhnlich fürsorgliche Brut- pflege der Ohrwürmer. Der Mistkäfer rollt seine Dungkugel, und einige Wasserkäfer tummeln sich auf und im Wasser, auf Tierkadaver und Leichen spezialisierte Insekten und ihre Aussagekraft hinsichtlich gerichtsmedizinischer Auswertungen sowie Kopflaus und Katzenfloh sowie die Primzahlvorliebe der nordamerikanischen Singzikaden haben ihre Auftritte. Schließlich werden noch der Eichenprozessionsspinner, die Seidenraupe und die Wachsmottenlarve vorgestellt.

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Illustration von Medy Oberendorff © Gerstenberg Verlag 2. Auflage 2020 Gemeiner Ohrwurm (Männchen)

Bereits die überschaubare Zahl von Insekten, die hier porträtiert wird, bietet einen faszinierenden und manchmal auch unheimlichen Einblick in die speziellen und außer-gewöhnlichen Fähigkeiten, Fortpflanzungs- und Überlebensstrategien, Nahrungsvor-lieben, Kommunikations- und Orientierungsvermögen sowie die ökologische Rolle der Insekten für die Natur und auch für unser menschliches Leben.

Die hervorragenden, detailreichen naturalistischen Illustrationen kommen dank des großen Buchformats (26,5 x 38 cm) sehr gut zur Geltung – so kann man dieses Sach-bilderbuch auch recht gut mehreren Kindern gleichzeitig vorführen.

Die Begleittexte sind übersichtlich informativ-konzentriert und gelegentlich amüsant formuliert. Die sinnvoll abgestuften, wohldosierten Wissensportionen und die attraktive visuelle Darstellung bieten Kindern von acht bis zwölf Jahren, eine interessante und spannende Einführung in die Welt der Insekten. Aber auch Erwachsene werden aus dieser Lektüre noch einigen Wissensgewinn mitnehmen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Sachbuch/Die-wunderbare-Welt-der-Insekten.html?noloc=1

Der Autor:

»Bart Rossel, geb. 1971, stammt aus den Niederlanden und ist Bio-Ingenieur, Wissenschaftler, Unternehmer und Vater von drei Töchtern. Mit seinem Debüt Die wunderbare Welt der Insekten möchte der leidenschaftliche Insektenforscher seine Faszination für diese Tiere zum Ausdruck bringen und an seine Leser weitergeben.«

Die Illustratorin:

»Medy Oberendorff, geb. 1975 in den Niederlanden, hat an der Maastrichter Akademie der Bildenden Künste ihren Master in Wissenschaftlicher Illustration absolviert. Ihr Markenzeichen sind realistische und dabei sehr atmosphärische Bilder der Tier- und Pflanzenwelt.«

Fachliche Durchsicht:

»Prof. Dr. Rainer Willmann, Evolutionsbiologe an der Universität Göttingen mit dem Schwerpunkt Entomologie (Insektenkunde) und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Entomologie.«

Querverweis:

Ergänzend weise ich gerne noch auf das ebenfalls großformatige Sachbilderbuch „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laver-dunt hin. Dieses sorgfältig gestaltete Sachbuch gewährt faszinierende Einblicke in mikro-skopische Weltenräume, die mit dem bloßen Auge kaum oder gar nicht zu erkennen sind. Die präzise gezeichneten Mikroorganismen werden in bis zu 150facher Vergrößerung in ihrem jeweiligen Biotop dargestellt. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/09/05/die-unsichtbaren-welten-mikroskopisch-kleiner-tiere/

 

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Sturmvögel

  • von Manuela Golz
  • Roman
  • DUMONT Verlag, Mai 2021 www.dumont-buchverlag.de
  • gebunden
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 336 Seiten
  • 22,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8321-8137-6

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H E R Z E N S G R Ö S S E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Gleich zu Beginn des Romans lernen wir die Hauptfigur Emmy als charakterstarke, gütige und lebensreife Frau kennen. Auf Veranlassung ihrer besorgten ältesten Tochter absolviert sie im Anschluß an einige Voruntersuchungen einen Besuch bei einem bekannten Herzspezialisten. Dieser Dr. »Grünschnabel« begrüßt Emmy nicht, schaut nur auf seinen Bildschirm, fachsimpelt von Sinusbradykardie und Pacemaker, und erst nach Emmys energischer Aufforderung, ihr bitte in einfachen Worten zu erläutern, was ihr denn fehle, schaut er sie an und bemüht sich um eine verständliche medizinische Erklärung.

Der Arzt erläutert, daß Emmys Herz zu langsam schlage und daß ein Herzschrittmacher ihr Herz sozusagen wieder flotter machen könne. Emmys Antwort sagt so viel über ihr Wesen und ihre Lebenseinstellung aus, daß ich sie nachfolgend gerne zitiere:

»Junger Mann, woran soll ich denn sterben, wenn mein Herz nicht einfach stehen- bleiben darf? Ich bin fast siebenundachtzig Jahre alt und hatte ein gutes Leben. So wie alle Menschen mit Höhen und Tiefen, aber insgesamt doch ein wirklich gutes. Ich habe das Gefühl, am Ende eines langen Weges wohlbehalten angekommen zu sein. Was will ich denn noch?« (Seite 16)

Durch Emmys Erinnerungsrückblenden erlesen wir diesen bisherigen Lebenslauf. Sie wird 1907 auf einer Nordseeinsel geboren. Ihre Eltern lieben sie, der Vater fördert den Wissensdrang seiner ältesten Tochter und läßt sie sogar zur Schule gehen, da er der Mei-nung ist, daß Bildung die Menschen mündig mache. Die Familie kommt über die Runden, aber eine Schiefertafel mit Schwämmchen ist nicht finanzierbar. Um die Begeisterung des Kindes für Buchstaben und Zahlen nicht zu enttäuschen, lassen die einfallsreichen Eltern Emmy alternativ auf einem Stück festgeklopften Sandbodens ihre Schreib- übungen machen.

Der rege Geist und die kommunikative Direktheit des Kindes sprengen die engen Regeln des dörflichen Daseins. Der Erste Weltkrieg zwingt den Vater an die Front. Die Mutter erkrankt und stirbt mit 34 Jahren. Emmy meistert mit den Geschwisterkindern den Haushalt und die kleine karge Landwirtschaft. Doch als auch der Vater stirbt, werden die Kinder getrennt. Emmy, die schon 14 Jahre alt ist, wird als Dienstmädchen in einen vornehmen Haushalt nach Berlin vermittelt.

Emmy ist zunächst untröstlich, wird jedoch von der Köchin des Hauses freundlich und fürsorglich behandelt und in ihre Aufgaben eingewiesen. Das Großstadtleben im Berlin der Zwanziger-Jahre lacht Emmy gewissermaßen an, und sie fügt sich aufgeschlossen in ihr neues Soziotop.

Sie verliebt sich, heiratet, bekommt drei Kinder, verkraftet schmerzlich auch den Zweiten Weltkrieg, pflegt eine innige, lebenslange Freundschaft mit ihrer ersten Hebamme, und als ihre eigenen Kinder erwachsen sind, nimmt sie ein Pflegekind, zu dem sie eine tiefe Wahlverwandtschaft spürt, bei sich auf. Sie arbeitet als Küchenfrau in einer Kantine und führt in finanzieller Hinsicht ein bescheidenes Leben. Es ist jedoch eine zufriedene Bescheidenheit, denn Emmy schätzt zwischenmenschliche Verbunden- heit, alltägliche Freuden und einfache Genüsse, die gerne auch in kulinarischer Form erscheinen dürfen.

Es gibt allerdings ein altes Familiengeheimnis, das sie noch in Ordnung bringen will. Dies tut sie auf gewohnt pragmatische und sehr überraschende Weise …

Die Autorin stellt die Stimmung und den Zeitgeist der unterschiedlichen Erzählzeit- räume sehr atmosphärisch und detailreich sinnlich-abschmeckbar dar. Die Charak- terportraits der mit Emmy verbundenen Menschen sind von lebhafter Anschaulichkeit und psychogrammatischer Präzision. Es gibt eine Menge filmreifer Szenen und ebenso anrührende wie amüsante, heiter-schlagfertige Dialoge.

Emmy ist eine Persönlichkeit, die Schicksalshärten erleidet, jedoch selbst nicht ver- härtet, sondern sich ihr offenes Herz, ihre selbstbewußte Eigenwilligkeit und ihren Humor bewahrt. Tapfer bleibt sie sich selbst treu und verankert ihre Fähigkeit dazu in der unbedingten Liebe, die sie in der Kindheit von ihren Eltern erfahren hat.

»Auf einmal hatte Emmy den Pfeifengeruch ihres Vaters in der Nase. Hatte ihn vor Augen, sein Lächeln, und hörte seine Stimme sagen: Vergiss nie, dass du von uns sehnsüchtig erwartet und immer geliebt worden bist. Diese Liebe, das tiefe Gefühl, erwünscht gewesen zu sein, trug sie durch schwere Zeiten. Wenn sie nur an ihre Eltern dachte, fühlte sie sich gewärmt.« (Seite 242)

Emmy ist ein bemerkenswert authentischer Charakter, der sofort Sympathie weckt. Sie ist eine Person, mit der man gerne befreundet wäre oder vielleicht sogar verwandt. Der Roman ihres Lebens ist eine einfühlsame biographische Würdigung und zugleich ein glaubwürdiges persönliches Panorama deutscher Geschichte.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.dumont-buchverlag.de/buch/golz-sturmvoegel-9783832181376/

Die Autorin:

»Manuela Golz, geboren 1965, studierte Germanistik, Erziehungswissenschaften und Psychologie. Sie lebt in Berlin und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Psychotherapeutin. 2006 debütierte sie mit ›Ferien bei den Hottentotten‹ als Autorin. Ihr neuer Roman ›Sturmvögel‹ ist vom Leben ihrer Großmutter Emmy inspiriert.«

 

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Sommer

  • von Jihyun Kim
  • Verlag Urachhaus, Februar 2021 www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21 x 29,7 cm
  • 56 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,59 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5275-8
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

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S O M M E R A T E M

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Bilderbuch wird ohne Worte alleine in Bildern erzählt. Diese Bilder sprechen gleichermaßen ausdrucksvoll wie unaufdringlich für sich selbst und erschließen dem Betrachter das Geschehen.

Ein kleiner Junge macht mit seinen Eltern und seinem Hund einen Ausflug zu den Groß-eltern. Sie fahren mit dem Auto aus dem dichten Häusermeer der Stadt hinaus aufs Land. Bäume, Sträucher, Felder und Wiesen säumen ihren Weg, bis sie am beschaulichen Haus der Großeltern ankommen und von ihnen herzlich in Empfang genommen werden.

Während die Erwachsenen sich unterhalten, betrachtet der Junge eine Wand mit vielen Familienfotos, auf denen seine Eltern und auch er selbst als Kleinkind zu sehen sind. Beim Blick aus dem Fenster sieht er einen Pfad, der sich durch den Garten schlängelt. Zusammen mit seinem Hund folgt er diesem geheimnisvoll-reizvollen Weg, der sie in den Wald führt.

SOMMER (Jihyun Kim)Pfad

Illustration von Jihyun Kim © Verlag Urachhaus 2021

Die Bäume im Wald sind sehr groß, und alle sind auf ihre Art schön. Der Wald lichtet sich, und durch eine Ansammlung von Birken schimmert ein See. Der Junge und der Hund verweilen ein wenig auf dem Ufersteg. Dann springt der Junge kopfüber in den See, taucht,  spielt vergnügt mit einem kleinen Fischschwarm, taucht wieder auf und sonnt sich auf dem Holzsteg. Das schwebend-zeitlose Gefühl des entspannten Sonnen-badens wird sehr gelungen dargestellt durch eine doppelseitige Illustration, welche nur die Sonne und ihr alles umfassendes Strahlen zeigt.

SOMMER (Jihyun Kim)Sprung

Illustration von Jihyun Kim © Verlag Urachhaus 2021

Am Abend – die Schatten werden sichtlich länger – kehrt der Junge mit seinem Hund zum Haus zurück. Die Familie ißt gemeinsam zu Abend, und anschließend sitzen der Junge und der Hund einträchtig zusammen auf den Stufen der Holzveranda und schauen hoch in den nächtlichen Himmel, der in funkelnder Sternenfülle erstrahlt.

Die Farbgebung der stimmungsvollen Bilder ist zurückhaltend, graublaue und sepia- sanfte Töne überwiegen, die Farbe Weiß vermittelt attraktive Lichteffekte besonders hinsichtlich der Wasserspiegelungen und -Reflektionen. Alle Illustrationen verfügen über eine zarte Transparenz, die den Szenen eine atmende Lebendigkeit und spürbare Körperlichkeit verleihen.

SOMMER (Jihyun Kim)Unter Wasser

Illustration von Jihyun Kim © Verlag Urachhaus 2021

Das Kind bewegt sich in stiller Harmonie mit der Natur, blüht freudig in ihr auf. Die kind-liche Fähigkeit, sich ganz auf den Augenblick einzulassen und das alltägliche JETZT wirk-lich zu erleben, wird hier anschaulich dargestellt.

Da kein Text vorgegeben ist, bietet es sich an, anstelle des Vorlesens entweder frei bildinterpretatorisch zu erzählen oder das Kind erzählen zu lassen, was es wahrnimmt und wie es die Bilder begreift. So oder so ergibt sich daraus eine interessante selbstent-deckerische kommunikative Betrachtung und Beschäftigung.

In einem kurzen poetischen Nachwort erklärt Jihyun Kim, daß es ihre Absicht war, mit diesem Bilderbuch die tiefe Lebendigkeit und Naturverbundenheit, die sie in ihrer Kindheit erfahren habe, wiederzugeben und mitzuteilen.

Sommer“ ist eine gelungene Bilderbuchmeditation, die nicht nur Kinder anspricht, sondern auch jene Erwachsenen, die sich ihren Sinn für den Zauber der Natur und kindlich-achtsame Präsenz erhalten haben.

Hier entlang zum Buch, zur LESEPROBE und zum sehenswerten Buchwerbefilm auf der Verlagswebseite: https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Sommer.html
Der sehenswerte Buchwerbefilm wurde im Januar 2021 mit dem Deutschen Buchtrailer Award in der Kategorie »Kinder- und Jugendbuch« ausgezeichnet. Für die filmische Umsetzung ist Jochen Schlöder, filmfollowsform, verantwortlich. Falls der Link auf der Verlagswebseite nicht funktioniert, geht es nachfolgend auch direkt über YT: https://www.youtube.com/watch?v=LqHAUyYUU-M

Die Illustratorin und zeichnerische Erzählerin:

»Jihyun Kim, geboren 1985, studierte Human Environment and Design in Seoul und Illustration in Birmingham. Seit 10 Jahren ist sie als Illustratorin und Grafikerin tätig und hat bereits mehrere nationale und internationale Preise gewonnen. In ihren Geschichten schöpft sie aus eigenen Erfahrungen als Kind, Schwester und seit kurzem auch Mutter. „SOMMER“ ist ihr erstes Bilderbuch ohne Worte, mit dem sie sofort internationale Anerkennung erlangte. Sie lebt mit ihrer Familie in Seoul. «

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Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte

  • Band 6 vom kleinen Siebenschläfer
  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag, Januar 2021    www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 296 x 237 mm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45949-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Die-Geschichte-vom-kleinen-Siebenschlaefer-der-dem-Mond-Gute-Nacht-sagen-wollte-
U N E R H Ö R T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer liegt gemütlich in der familiären Siebenschläferhöhle und sagt nacheinander Mama, Papa und seiner Schnuffeldecke Gute Nacht, und alle erwidern seinen Gutenachtgruß. Auch dem Mond, der voll und rund durch das Höhlenfenster scheint, ruft er einen Gutenachtgruß hinauf. Da der Mond jedoch nicht antwortet, schlußfolgert der kleine Siebenschläfer, daß der Mond ihn wohl nicht gehört habe, da die Entfernung zwischen ihnen zu groß sei.

Also geht er hinaus, stellt sich auf die Zehenspitzen und wiederholt seinen Gutenacht- ruf. Der Mond reagiert wieder nicht, aber die kleine Haselmaus ist vom Ruf des Sieben-schläfers wachgeworden und bietet ihre Hilfe an. Sie klettern auf einen Maulwurfshügel und rufen, und wieder bleibt der Mond stumm. Doch nun ist der Maulwurf von den lauten Gutenachtrufen aufgewacht und beteiligt sich an der Suche nach einem höheren Ausrufpunkt.

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte draußen mit Haselmaus

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2021

Sie besteigen den großen Popo des schlafenden Bären, aber diese „Erhöhung“ weckt auch nur den Bären auf. Im Gespräch mit dem Bären fällt dem Siebenschläfer ein, daß sie auf einen Baum klettern könnten, um dem Mond deutlich näher zu rücken. Der Bär ist sogar so freundlich, die kleinen Tiere auf den untersten Ast eines hohen Baumes zu heben.

Beim Erklettern des Baumes treffen sie ein Eichhörnchen, das sie ganz hoch in den Baumwipfel führt. Von dort aus rufen sie alle zusammen und so laut sie können: „Gute Nacht, Mooooooond!“ – und siehe da, der Mond ruft zwar nicht zurück, aber er lächelt …

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte Astaussicht

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2021

Der kleine Siebenschläfer eröffnet auch im 6. Band seine unwiderstehliche Niedlich- keitsoffensive und überwindet mit unermüdlicher Zielstrebigkeit und zuverlässiger freundschaftlicher Unterstützung die kommunikative Distanz zum Mond.

Sabine Bohlmann erzählt diese buchstäbliche Gute-Nacht-Geschichte auf gewohnt warmherzige und heiter-unbeschwerte Weise. Die Illustrationen von Kerstin Schoene statten die Geschichte mit einer stimmungsvollen Mondnachtkulisse aus und geben den Figuren durch lebhafte Mimik und amüsante Körpersprache anschauliche Gestalt.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-dem-mond-gute-nacht-sagen-wollte-isbn-978-3-522-45949-5

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Professor Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolg- reichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesign-erin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.« www.kerstinschoene.de

Querverweis:

Hier entlang zu den vorhergehenden siebenschläfrigen Bilderbüchern:

Band 1: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Band 2: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Band 3: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/09/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte/
Band 4: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/08/12/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war/
Band 5: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der überhaupt keine Angst im Dunkeln hatte

Und hier entlang zum Gutenachtgeschichtenbuch vom kleinen Siebenschläfer „Eine Schnuffeldecke voller Gutenachtgeschichten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/01/30/der-kleine-siebenschlaefer-eine-schnuffeldecke-voller-gutenachtgeschichten/

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Petronella Apfelmus, Band 8

  • Zaubertricks und Maulwurfshügel
  • von Sabine Städing
  • mit Illustrationen von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2020   www.boje-verlag.de
  • gebunden mit LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 14,00 € (D)
  • ISBN 978-3-414-82579-7
  • Kinderbuch ab 8 Jahren zum Selberlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen

Petronella Apfelmus, Band 8 Zaubertricks und Maulwurfshügel

U N T E R I R D I S C H E  A B E N T E U E R

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Zwillinge Lea und Luis wohnen in einem alten Mühlhaus, in welchem ihre Eltern eine Bäckerei und das beliebte Café „Zaubermühle“ betreiben. Zur Mühle gehört auch ein weitläufiger Garten mit einem schönen Mühlteich und mit vielen alten Apfelbäumen. Um diesen Garten und die dort lebenden Tiere kümmert sich die Apfelhexe Petronella Apfel-mus. Dabei helfen ihr fünf Apfelmännchen und ihr alter Freund, der Hirschkäfer Lucius.

Lea und Luis sind mit Petronella befreundet und hüten selbstverständlich das Geheimnis ihrer magischen Identität. Ihre Eltern halten Petronella für eine etwas schrullige, gleichwohl liebenswerte Nachbarin. Petronella kann nach Belieben und Bedarf auf Insektengröße schrumpfen und sich auch wieder auf Normalgröße aus- dehnen; dazu schüttelt sie einfach die silbernen Apfelkerne, die sie stets in ihrer Rock- tasche oder einem Schächtelchen mit sich führt. Es ist schon lange Leas und Luis‘ Wunsch, daß Petronella sie auch einmal mitschrumpfen möge.

Doch nun planen die Zwillinge erst einmal ihre gemeinsame Geburtstagsfeier, die unter dem Motto „Magie“ stattfinden soll. Einladungen werden geschrieben und verteilt, und Petronella verspricht, die Veranstaltung ganz dezent aus dem Hintergrund mit ein wenig magischer Nachhilfe zu bereichern.

Am Geburtstag unterstützt Petronella so etwa die laienhaften Zaubertricks, die Lea und Luis‘ Vater aufführt, und inszeniert beim kinderreichen Badespaß im Mühlteich einige Wasserfontänen. Es wird ein sehr schönes Geburtstagsfest, und zur Krönung verspricht Petronella den Zwillingen, sie am nächsten Tag auf eine Expedition im Schrumpfmodus mitzunehmen.

Petronella kümmert sich nicht nur um die Pflege des Gartens, sondern sie hält auch eine regelmäßige Sprechstunde für kranke oder verletzte Tiere. So wurde ihr per Wühlmaus ein Hilferuf von Frau Maulwurf übermittelt, deren Kinder sich erkältet haben. In solchen Fällen macht Petronella auch Hausbesuche. Zu diesem unterirdischen Hausbesuch dürfen Lea und Luis Petronella nun begleiten.

Fasziniert betrachten und bestaunen die geschrumpften Zwillinge die riesenhafte Gartenwelt, Luis trödelt herum, verliert den Anschluß und verfängt sich prompt in einem Spinnennetz, aus dem ihm sowohl ein hilfsbereiter Ohrenkneifer als auch Petronellas Intervention wieder befreien. Sie begegnen Ringfried, dem Regenwurm, einem Mistkäfer, der sie beinahe versehentlich mit seiner großen Mistkugel überrollt, und sie trinken aromatischen Tau von Blütenblättern.

Schließlich kommen sie am Maulwurfshügel an und betreten die Kellerräume des Gartens. Im Maulwurfsgang hängen Pflanzenwurzeln von der Decke, und in den Wänden befinden sich kleine Löcher, die von Regenwurmgängen stammen, wie Petronella sach-kundig erklärt. Es ist viel luftiger unter der Erde, als sich Lea und Luis vorgestellt haben, und Petronella weist sie darauf hin, wie wichtig die Gänge von Maulwürfen, Dachsen, Regenwürmern und Zwergen für die Belüftung der Erde seien.

Im Maulwurfsnest untersucht Petronella die vier erkälteten Maulwurfskinder und fragt nach, warum die Maulwurfmutter sie denn nicht schonfrüher gerufen habe, denn zwei der Kleinen haben sogar eine Bronchitis. Da  stellt sich heraus, daß die Maulwurfs- mutter zunächst den Maulwurfsvater losgeschickt hatte, um Petronella aufzusuchen. Dieser sei jedoch seit zwei Tagen verschwunden, und sie mache sich nun große Sorgen um ihn. Deshalb habe sie eine Wühlmaus gebeten, ihre Nachricht an Petronella zu überbringen.

Petronella gibt der Maulwurfsmutter ein Fläschchen Medizin für die Kleinen und ver-spricht, sich sogleich auf die Suche nach dem vermißten Maulwurfsvater zu machen. Keine Frage, daß Lea und Luis sich dem Suchtrupp anschließen und ihre spannende Expedition in noch tiefere Erdschichten fortsetzen.

Unterwegs treffen sie auf niedliche Engerlinge, hilfsbereite Asseln und eine Maulwurfs-grille, die weiß, was mit dem Maulwurfsvater geschehen ist. Erdkobolde, die sogenann- ten „Klopfer“, die unterirdisch nach glitzernden Steinen schürfen, haben den Maulwurf gefangen genommen und lassen ihn für sie Gänge graben, zwei Schwestern der Maul- wurfsgrille befinden sich ebenfalls im unfreiwilligen Grabedienst für die Klopfer. Mit Hilfe der ortskundigen Maulwurfsgrille, viel Wagemut und einigen Zaubertricks gelingt es, die Gefangenen zu befreien, und alles kommt wieder ins Lot. 

Der warmherzig-humorvolle Erzählton von Sabine Städing entfaltet auch im achten Petronella-Band eine ebenso naturverbundene wie zauberhafte Atmosphäre. Phantasievolle Details sowie ein wacher Sinn für die Natur vermitteln hier gleichermaßen kindliche Spannung wie Tier- und Pflanzen- liebe und ein Grundverständnis für natürliche Lebenskreisläufe und Zusammenhänge. Beiläufig sei noch erwähnt, daß auch der familiäre Kontext von Lea und Luis von viel Geborgenheit, Vertrauen und elterlicher Zuverlässigkeit und Zugewandtheit geprägt ist.

Sabine Büchner bereichert und ergänzt den Text wieder einmal mit kongenial ausdrucksvollen, amüsanten, detailgetreuen und köstlichen Illustrationen – das Auge liest ja bekanntlich mit.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_7228282

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-zaubertricks-und-maulwurfshuegel/id_7228314

 

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

Hier entlang zu den sieben vorherigen Petronella-Apfelmus-Bänden:

Band 1: Verhext und festgeklebt
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Band 2: Zauberschlaf und Knallfroschchaos
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Band 3: Schneeballschlacht und Wichtelstreiche
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Band 4: Zauberhut und Bienenstich
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Band 5: Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/
Band 6: Schnattergans und Hexenhaus
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/10/30/petronella-apfelmus-band-6/
Band 7: Hexenfest und Waldgeflüster
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/04/29/petronella-apfelmus-band-7/

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Zwischenzeit

  • von Natalie Berghahn
  • Roman
  • WESTKREUZ Verlag 2016, www.westkreuz-verlag.de
  • Broschur
  • 224 Seiten
  • 19,90 €
  • ISBN 978—3-944836-29-4

Zwischenzeit
NACHBARSCHAFTEN  UND WAHLVERWANDTSCHAFTEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieser Roman setzt sich aus einem spannenden Figuren- und Perspektivenmosaik zusammen, dessen Zentrum die eigenbrötlerische Johanne und ihr Refugium bilden. Da Johanne zu Beginn des Romans sehnsüchtig auf die alljährliche Wiederkehr der Mauer-segler wartet, deren luftige Anmut sie bewundert, wage ich zunächst eine Vogelperspek-tive auf die Romanszenerie.

Aus dieser erhöhten Sicht zeigt sich eine alte Siedlung am Stadtrand. Das Haus von Johanne und das ihrer unmittelbaren Nachbarin Eva verfügen noch über die ursprüng-lichen großen Gärten, während die anderen Grundstücke inzwischen durch einige neue Häuser bauverdichtet und entsprechend kleingartig ausfallen.

Eva hat Alzheimer und unzählige Katzen. Kontaktfreudig bietet sie jedem Passanten eine Hausbesichtigung an. So spricht sie auch Juan an, einen illegalen Einwanderer aus Ecuador, der nach einem Streit mit seiner deutschen Freundin auf der Suche nach einem vorübergehenden Schlafplatz ist. Er nimmt die Einladung ins Haus an, ist aber nicht angetan vom desolaten Zustand des Haushalts, und als Evas mobiler Pflegedienst eintrifft, versteckt er sich flugs im Garten. Dort entdeckt er ein Gartenhäuschen, das seinen Bedürfnissen genügt, und richtet sich dort ein.

Etwas entfernter, aber doch in fußläufiger Nachbarschaft lebt Petra recht gutbürgerlich mit ihrem Mann. Petra hat nach schmerzlich unerfüllt gebliebenem Kinderwunsch ein Pflegekind aufgenommen. Die achtjährige Brinda wurde aus der Obhut ihrer psycho-tischen Mutter genommen, doch der Schatten der mütterlichen Wahnvorstellungen und Ängste „vor der Strafe der Engel“, deren obskure Vorschriften man befolgen müsse, wirkt  nach und erschwert Petra den Herzenszugang zu Brinda. Vielleicht ist es aber auch Petras eigene Liebesbedürftigkeit, die dem traumatisierten Kind nicht angemessen gerecht werden kann.

Nun nähern wir uns Johanne: Johanne spricht fünf Fremdsprachen und kennt die latei-nischen Namen von Pflanzen und Tieren, aber sie hat große Probleme, mit Menschen zu sprechen. Selbst einfache zwischenmenschliche Begegnungen bedeuten für sie Angst und Unsicherheit. Ihre seltsam verzögerte kommunikative Reaktionszeit führt zu pein- lichen Mißverständnissen, die dann wiederum den Streß erhöhen. Deshalb meidet sie Menschen weitmöglichst, verhält sich meist mürrisch abweisend und einsilbig, wenn sie angesprochen wird, und möchte vom – wie sie es nennt – „Sprech“ am liebsten verschont bleiben.

Dabei ist Johanne durchaus selbstreflektiert und bedenkt ihr Anderssein und ihre kommunikative Phasenverschiebung recht selbstironisch mit folgenden Worten:  „Ein Strickfehler in Johannes Kopf, eine Laufmasche im Hirngespinst sozusagen, eine von vielen.“ (Seite 53)

Am besten versteht sie sich mit Tieren und Pflanzen. Sie lebt sehr zurückgezogen, in einem alten Haus, das sie von ihrer Großmutter geerbt hat, kultiviert selbstversor- gerisch ihren großen Garten, hält eine kleine Schar Hühner und pflegt einen drei- pfotigen Igel, den sie als Unfallopfer auf der Straße gefunden hat. Das wenige Geld, das sie braucht, verdient sie sich mit der polyglotten Übersetzung diverser Spielanleitungen.

Gelegentlich zieht sie nachts los und macht mit Hilfe eines sehr scharfen Jagdmessers – die Klinge besteht aus zweiundreißiglagigem Damaszenerstahl – die Straßen igelsicher und die Autoreifen platt.  

Deshalb ist sie, neben ihren üblichen Ängsten – „schimmelige Haustierangst und grelle Planetenangst“ -, auch entsprechend erschrocken, als zwei Polizisten bei ihr anklopfen. Doch sie erkundigen sich bloß, ob Johanne zufällig ein Kind aus der Nachbarschaft ge- sehen habe. Dieses Kind sei seinen Pflegeeltern weggelaufen und man vermute, daß es sich irgendwo in der Nähe versteckt habe. Davon hat Johanne – bis auf die Suchplakate – nichts mitbekommen, und nachdem die kriminalistische Begutachtung von Johannes Gartenschuppen auch nichts ergeben hat, verabschieden sich die Polizisten wieder.

Johanne hat aber durchaus gemerkt, daß sich in ihrem Schuppen nicht alles am rechten Platz befindet und schaut später noch einmal nach, wobei die das vermißte Mädchen entdeckt. Nach dem ersten Schreck lädt Johanne das Kind einfach zum Mittagessen ein. Erstaunlicherweise funktioniert die Kommunikation in diesem Fall ziemlich reibungslos. Johanne empfindet Brinda nicht als Störenfried, und Brinda weiß die unaufdringliche Fürsorge Johannes zu schätzen.

Juan, der vom Fenster „seines“ Gartenhäuschens schon gelegentlich neugierige Blicke auf Johanne geworfen hat, möchte den Versuch wagen, die spröde Schöne zu verführen. Er pflückt einen Blumenstrauß und klopft an Johannes Tür. Sie ist keineswegs empfäng- lich für seinen Charme, aber sie bietet ihm immerhin einen Brennesseltee an. Langsam wird es voll in Johannes Einsiedlerleben.

Später bringt dann noch ein sympathischer, einarmiger Tierschützer mit dem Internet-spitznamen „Mauersegler“ einige aus einem Tiertransporter befreite Hühner vorbei. Denn Johanne hatte sich zuvor angeboten, diese armen Hühner aufzupäppeln.

Die Situation wird immer komplizierter und verwickelter, indes – so viel darf ich verraten –  löst sich alles passabel auf. Brinda und Petra kommen auf dem Umweg über Johanne zu einer ersten echten Annäherung und Vertrauensbasis, und schließlich wird sogar Brindas Geburtstag in Johannes Garten gefeiert, und es scheint, als keime langsam auch für Johanne ein erfreulicher Zuwachs an möglicher zwischenmenschlicher Nähe und Verbundenheit.

Bei diesem Roman ist die einfühlsame, sehr stimmige Figurenzeichnung besonders her- vorzuheben und zu loben. Dieses lebhafte Panoptikum außergewöhnlicher Charaktere, die ebenso in biografischen Rückblenden wie aktuellen Verhaltensmustern dargestellt werden, transportiert vielfältige Sichtweisen auf das Leben, stellt so manche Selbstver- ständlichkeit in Frage und weitet den Horizont für jene Menschen, deren Daseinsvor-aussetzungen beängstigend, schwierig und verletzlich oder schlicht etwas schräg und seltsam sind.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.westkreuz-verlag.de/de/zwischenzeit

 

Die Autorin:

»Natalie Berghahn, geboren 1966, ist gelernte Kinderkrankenschwester und lebt mit ihrem Sohn und zwei Pflegekindern am Rand von Hamburg. Sie hat ein Faible für Tiere, Gärten und ungewöhnliche Geschichten.«
Hier entlang zu weiteren Informationen rund ums Buch auf Natalie Berghahns Blog: „FUNDEVOGELNEST- GEFUNDENES UND ERFUNDENES“ https://fundevogelnest.wordpress.com/about/

Querverweis:

Johannes kommunikative Blockade hat mich stark an das noch wenig bekannte Phänomen des selektiven Mutismus erinnert. Daher bietet sich ergänzend „Das Mundschloß“ von Simone Dräger an. Dieses Buch ist ein autobiografischer Bericht über das Leben mit selektivem Mutismus, einer Krankheit aus dem Autismusspektrum, die es den Betroffenen sehr schwer macht, in kommunikativen Kontakt zu kommen.
„Wie soll ein Mensch sich weitersagen, wenn die Anwesenheit unvertrauter Menschen oder das Betreten ungewohnter Räume so viel Angst auslösen, daß sich das wahre Selbst ver- schließt, der sprachliche Ausdruck blockiert und der Körper beinahe erstarrt ist, während das Denken krampfhaft darum kreist, irgendwie doch noch passende Worte und soziale Gesten hervorzubringen, ja, schließlich sogar das Denken verschwimmt und nur noch das Überleben eine Rolle spielt? Das ist mehr als „normale“ Schüchternheit, das ist selektiver Mutismus.“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/09/das-mundschloss/

 

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Sophie Scholl: Es reut mich nichts

  • Portrait einer Widerständigen
  • von Robert M. Zoske
  • Propyläen Verlag, November 2020 www.ullstein.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 448 Seiten
  • 24,00 € (D), 24,70 € (A)
  • ISBN 978-3-549-10018-9


LICHTGESTALT  AUS  FLEISCH  UND  BLUT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Heute, am 9. Mai 2021, jährt sich Sophie Scholls 100. Geburtstag.

Wegen Widerstandes, Wehrkraftzersetzung, Feindbegünstigung und Hochverrats gegen den NS-Staat wurden Sophie Scholl, ihr Bruder Hans Scholl und weitere Mitstreiter zum Tode verurteilt. Sophie Scholl starb am 22. Februar 1943 mit nur 21 Jahren durch das Fallbeil.

Sophie Scholl war aktiv beteiligt an der Finanzierung, Materialbeschaffung und Her-stellung der regimekritischen Flugblätter der Münchner Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ und hatte mehrfach bei der Versendung und Verteilung dieser Flugblätter mitge- wirkt. Sophie und Hans Scholl waren dabei erwischt worden, wie sie Flugblätter im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München abwarfen, wenig später wurden sie verhaftet.

Die vorliegende Biografie von Robert M. Zoske zeichnet einfühlsam-nachspürend Sophie Scholls Lebensweg, ihre emotionale und geistige Entwicklung nach sowie ihre Wandlung vom regimekonformen BDM-Mädchen hin zur bedingungslosen Widerstandkämpferin.

Gleich zu Beginn zitiert der Autor ausführlich aus der Anklageschrift des Reichsanwalts Albert Weyersberg, wodurch ihm eine gute Einstimmung in den damals vorherrschen- den Zeitgeist gelingt. Erst danach folgt eine chronologische Nacherzählung von Sophie Scholls Leben: Familie, Kindheit, Schulzeit, Freundschaften, Liebschaften und Schwärme- reien, unzählige BDM-Pflichten und Arbeitsdienststunden für das Räderwerk von Diktatur und Propaganda, Ausbildung zur Kindergärtnerin, rege Briefwechsel, Beginn des Studiums von Philosophie und Naturwissenschaften und schließlich der intellek- tuelle Widerstandskampf durch aufklärerische Flugblätter.

Beiläufig vermittelt das in dieser Biografie ausführlich und detailreich dargestellte All-tagsleben unter der nationalsozialistischen Diktatur einen erschreckend lebhaften Ein-druck der umfassend durchstrukturierten systematischen Inanspruchnahme jedes Ein-zelnen sowohl in praktisch tätiger als auch propagandistisch organisatorischer Hinsicht.

Sophie Scholl erscheint facettenreich, komplex, widersprüchlich, ebenso empfindsam wie tapfer, verspielt und tiefernst, begeisterungsfähig und todessehnsüchtig, unkonven- tionell und angepaßt, stark und schwach, asketisch und hingebungsvoll, christlich und mythisch-naturverbunden. Sie legte großen Wert auf Freiheit und Selbstverantwortung, schwankte in Beziehungen zwischen zärtlicher Anhänglichkeit und distanzierter Unab-hängigkeit. Sie war sehr musikalisch, sang gerne und spielte Blockflöte, Gitarre und Klavier und interessierte sich auch für Malerei und Poesie. Eines ihrer Lieblingsbücher war Rainer Maria Rilkes „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“.

Sehr beeindruckend ist das hohe Maß an Selbstreflektion, die Ernsthaftigkeit der religiösen und ethischen Auseinandersetzung und Suche. Ihre niveauvollen schriftlichen Selbstzeugnisse sind auch in Anbetracht ihres zarten Alters erstaunlich.

Robert M. Zoske beschreibt Sophie Scholls Lebenslauf präzise und bietet eine plastische Darstellung mit vielen Einzelheiten; der Anhang mit Anmerkungen und Quelldokumen- ten ist 139 Seiten lang. Er interpretiert und deutet Charaktereigenschaften und Zusammenhänge nur mit achtsamer Zurückhaltung. Stattdessen läßt er Sophie Scholl häufig selbst zu Wort kommen.

Dank dieser zahlreichen Originalzitate aus Tagebüchern, Briefen und Aufsätzen erzeugt der Autor eine große zwischenmenschliche Nähe zu Sophie Scholl. Es ist manchmal fast so, als schauten wir ihr leibhaftig beim Schreiben über die Schulter. So wird die Heldin des Widerstands zu einem nahbaren Menschen. Sie begegnet uns auf Augenhöhe und kann uns Heutigen – ohne ikonografischen Idealisierungsheiligenschein – viel wirksamer ein Beispiel sein für Freiheit, Gerechtigkeitssinn, Selbstverantwortung, Widerstand und Zivilcourage.

„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen.“
(Sophie-Scholl-Zitat aus dem Gestapo-Vernehmungsprotokoll vom 20. Februar 1943)

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/sophie-scholl-es-reut-mich-nichts-9783549100189.html

Der Autor:

»Robert M. Zoske, geboren 1952 in Schleswig-Holstein, ist evangelischer Theologe und Historiker der Widerstandsgruppe »Weiße Rose«. Bis 2017 arbeitete er als Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Er hat über Hans Scholl promoviert, 2018 erschien die viel beachtete Biografie Flamme sein! Hans Scholl und die Weiße Rose. Robert M. Zoske lebt mit seiner Frau in Hamburg.«

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