Gray

  • von Leonie Swann
  • Kriminalroman
  • Hörbuch
  • Produktion: der Hörverlag Mai 2017   www.hoerverlag.de
  • Lesefassung: Anke Albrecht
  • Regie: Sven Stricker
  • Sprecher: Bjarne Mädel und Christopher Heisler
  • Laufzeit ca. 8 Stunden 44 Minuten
  • gekürzte Lesung
  • 1mp3-CD
  • Pappklappschuber
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2532-8

ELLIOTS  FALL

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Gray“ von Leonie Swann ist ein vergnüglicher und sehr tiereinfühlsamer Krimi, in dem ein zwangsneurotischer Dozent für Anthropologie zusammen mit einem sprechenden Graupapagei – amateurhaft und gleichwohl erfolgreich – den tödlichen Unfall eines Studenten als Mord entlarvt und aufklärt.

Wir unternehmen eine Lese- bzw. Lauschreise nach Cambridge zur altehrwürdigen, renommierten Universität und Nobelpreisträgerschmiede Großbritanniens. Der vielversprechende blaublütige Student Elliot Fairbanks ist beim Fassadenklettern von der King’s College Chapel gestürzt – ein tragischer Todesfall, der die akademische Beschaulichkeit ungemütlich aufwühlt.

Dr. Augustus Huff ist ein junger Dozent für Anthropologie und ziemlich zwangsneurotisch. Er hegt Sympathien und Antipathien für bestimmte Zahlen, überschreitet Schwellen vorsorglich immer zuerst mit dem linken Fuß, er liebt Ordnung, Struktur und Sauberkeit, er überprüft stets dreifach, ob er eine Tür auch wirklich abgeschlossen hat, und wäscht sich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr häufig die Hände.

Zwischenmenschlich ist er etwas unbeholfen, distanziert-zugewandt und zurückhaltend- aufgeschlossen, immer zwanghaft bemüht, seine Zwanghaftigkeit nicht allzu offensichtlich zu zeigen.

Augustus ist Elliots Tutor und wird zwei Tage nach dem Tode Elliots von einer Putzfrau des Colleges um Hilfe gebeten. Sie behauptet, es spuke in Elliots Zimmer. Widerstrebend betritt Augustus die luxuriösen Räumlichkeiten des verstorbenen Studenten und hört tatsächlich Elliots hochnäsige Stimme „Knapp daneben ist auch vorbei!“ und „Kalt, ganz kalt!“ rufen. Unter der Bettdecke bewegt sich etwas Kleines und produziert nun Staubsaugergeräusche.

Todesmutig zieht Augustus die Bettdecke weg und enthüllt einen verängstigten Grau-papagei. Elliott hatte eine Sondergenehmigung für die Haltung eines Graupapageien, den er für Verhaltens- und Sprachstudien brauchte. In der Aufregung um den plötzlichen Tod Elliots hatte niemand an den kleinen Graupapageien namens Gray gedacht. Gray faßt schnell Vertrauen zu Augustus und klettert auf seine Schulter.

Augustus hat Mitgefühl mit Gray und läßt sich zögernd darauf ein, sich um ihn zu kümmern, und er beginnt nun, tiefer über Elliots Unfall nachzudenken. Elliot Fairbanks war arrogant, begabt, kalt, selbstgefällig und stolz und ein sehr guter Fassadenkletterer. Da Augustus selbst ein wenig Klettererfahrung hat und die gotische Architektur der King‘s College Chapel verhältnismäßig gute Kletterbedingungen bietet, kommen Augustus ernsthafte Zweifel an der Unfallversion. Dieser Todesfall erscheint ihm unaufgeräumt, und Augustus fühlt sich verpflichtet aufzuräumen.

Nach und nach erkennt Augustus, daß der Graupapagei nicht nur perfekt Stimmen und Geräusche imitiert, sondern wirklich weiß, was er sagt. Zwar verfügt er nur über ein begrenztes Kontingent von Redewendungen und Wörtern, wendet diese jedoch durchaus sinnvoll und situativ angemessen an. Und er stellt oft die klugen Fragen: „Was ist gleich? Was ist anders?“, die Augustus bei seiner Spurensuche unterstützen.

Detektivarbeit mit einem vorlauten Papageien auf der Schulter läßt an Unauffälligkeit zu wünschen übrig, führt aber auch zu ganz erfrischenden zwischenmenschlichen Begegnungen, die das Spektrum von angenehmem Flirt bis zu tätlichem Angriff abdecken.

Gray bringt Augustus‘ systematische Ordnung durcheinander, er knabbert seine Stifte an, wirft Briefbeschwerer um, zerzaust sein Haar, beschnäbelt sein Ohr, und er hat überdies  recht krümelige und schmierige Tischsitten, die für Augustus‘ Sauberkeitsbedürfnisse schwer zu ertragen sind. Dennoch halten sie zusammen und kommen sich emotional näher, was der Aufklärung des Mordes dient. Tatsächlich führen die Notwendigkeiten, Gefahren und Selbstüberwindungen seiner Ermittlungen dazu, daß Augustus von seinen Zwangshandlungen abgelenkt wird und sie sogar etwas vernachlässigt.

Augustus‘ methodische Nachforschungen enthüllen nicht nur architektonische Abgründe und bröckelnde soziale Fassaden, sondern auch Abgründe des Schweigens, familiäre Verstrickungen, psychische Deformationen, Geheimnisse und unvermutet sympathisch-romantische Züge des verstorbenen Elliots.

Mit geschickter Dramaturgie wird Augustus auf Irr- und Umwege geführt, viele mögliche Verdächtige kommen in Frage, die Puzzleteile entdeckter Spuren sind widersprüchlich, die Wahrheit ist komplex und so überraschend, daß Augustus und Gray selbst in höchste Lebensgefahr geraten …

Wir finden in Leonie Swanns neuem Roman eine raffinierte und spannende Krimihandlung in unterhaltsamer Kombination mit einer unkonventionellen, speziesübergreifenden Beziehungsdynamik. Es gelingt der Autorin sehr gut, die Figur von Gray durch die präzise Beschreibung seiner gefiederten Körper- sprache anschaulich darzustellen. Grays oft unverblümte und gelegentlich zartfühlende Kommentare tragen selbstverständlich ebenso zu seiner Charakterisierung bei und bescheren Augustus zahlreiche unwillkürlich situationskomische Szenen.

Gray und Augustus sind skurrile, sympathische, verletzliche und zugleich tapfere Charaktere, die gemeinsam über sich selbst hinauswachsen und sich nach den Herausforderungen dieser Mordaufklärung beflügelten Mutes – linker Fuß voran –  ins Leben wagen.

Bjarne Mädels Lesung der Hörbuchfassung von „Gray“ ist besonnen, einfühlsam und gelassen und gewährt den Figuren nuancenreichen Spielraum zur Entfaltung ihrer speziellen Wesensart.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Gray/Leonie-Swann/der-Hoerverlag/e515300.rhd

Die Autorin:

»Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Mit ihren ersten beiden Romanen „Glennkill“ und „Garou“ gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten und wurden bisher in 25 Sprachen übersetzt. Leonie Swann lebt heute umzingelt von Efeu und Blauregen in England und Berlin.«

Die Sprecher:

»Bjarne Mädel, geboren 1968 in Hamburg, war nach seiner Ausbildung zum Schauspieler an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam am Schauspielhaus Hamburg tätig. Einem breiten Fernsehpublikum wurde er bekannt durch die Rolle des „Ernie“ Heisterkamp in der Serie Stromberg und als Polizeiobermeister in Mord mit Aussicht. Seit 2011 spielt Bjarne Mädel die Hauptrolle in Der Tatortreiniger. Er ist zweifacher Grimme-Preisträger als Bester Hauptdarsteller. Als Sprecher für Hörbücher, Hörspiele und Synchronarbeiten ist er ebenfalls sehr erfolgreich.«

»Christopher Heisler, geboren 1990 in Eutin (Schleswig-Holstein), studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seit 2014 arbeitet er als freischaffender Schauspieler in Berlin. Seine bisherigen Engagements führten Heisler u. a. ans Ballhaus Ost Berlin, an die Volksbühne und an die Münchner Kammerspiele. Er arbeitete mit Lucia Bihler, Vegard Vinge, Ida Müller, Florian Fischer und Agahte Chion zusammen. Darüber hinaus ist er regelmäßig als Sprecher für Sendeanstalten wie RBB, NDR Kultur und MDR tätig.«

 

Hier entlang zur Buchausgabe, die bei GOLDMANN erschienen ist:
https://www.randomhouse.de/Buch/Gray/Leonie-Swann/Goldmann/e500609.rhd

Gray von Leonie Swann

Gray                                                                                                     

Kriminalroman
von Leonie Swann
GOLDMANN Verlag Mai 2017
gebunden, mit Schutzumschlag
416 Seiten
Format: 13,5 x 21,5 cm
20,00 € (D), 20,60 € (A),  26,90 sFr.
ISBN: 978-3-442-31443-0

 

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Das geheime Leben des Monsieur Pick

  • von David Foenkinos
  • Originaltitel: »Le mystère Henri Pick«
  • Übersetzung von Christian Kolb
  • Roman
  • Hörbuch
  • Buchvorlage: DVA
  • Vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag   März 2017   www.hoerverlag.de
  • Gelesen von Axel Milberg
  • 6 CDs in Pappklapphülle
  • Laufzeit: ca. 7 Stunden 10 Min.
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2541-0

VERWIRRUNG  DER  BUCHSTABEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wechselwirkungen zwischen Literatur und Leben sind ein unermüdliches und spannendes Thema für Romane. Von einer solchen literarischen Spurensuche, ihren heiter bis wolkigen zwischenmenschlichen Verstrickungen, nebst schelmischen Bezügen zu verlegerischen Buchvermarktungsstrategien, handelt auch „Das geheime Leben des Monsieur Pick“.

Gleich zu Beginn seines Romans nimmt David Foenkinos Bezug auf ein anderes Buch, in dem der Held als Bibliothekar in einer  „Bibliothek der abgelehnten Manuskripte“ arbeitet.  Diese kuriose Bibliothek ist ein fiktiver Ort in Richard Brautigans Roman „Die Abtreibung“. Nachdem sich der Autor 1984 das Leben genommen hatte, gründete ein begeisterter Leser zu Ehren Richard Brautigans wirklich eine Bibliothek, die sich der von Verlagen abgelehnten Manuskripte annimmt: http://www.thebrautiganlibrary.org/Blank.html

Der Roman von David Foenkinos spielt in dem kleinen Küstenort Crozon in der Bretagne. Jean-Pierre Gourvec, der ungesellig-junggesellige Leiter der örtlichen Leihbibliothek richtet nach dem Vorbild Brautigans eine Sonderabteilung für abgelehnte Manuskripte ein. Per Inserat in einschlägigen Buchhandelsmagazinen lädt er Schriftsteller dazu ein, ihre von Verlagen für druckunwürdig bis unleserlich befundenen Werke in der „Bibliothek der abgelehnten Manuskripte“ persönlich abzugeben und sich auf diesem Wege endgültig von ihnen zu verabschieden. Im Verlauf von zehn Jahren stranden dort fast tausend Manuskripte.

Nach dem Tod Gourvecs versinkt die Bibliothek der abgelehnten Manuskripte in einen Dornröschenschlaf, denn die Nachfolgerin Gourvecs vernachlässigt die Pflege dieses Nischensektors.

Delphine Despero, die als junge Lektorin bei einem renommierten Pariser Verlag arbeitet, hat bereits zwei unbekannte Autoren entdeckt und ihnen zu Bestsellerruhm verholfen. In den dritten unbekannten Schriftsteller, den sie entdeckt, verliebt sie sich auf den ersten Blick. Während sie die Verlagsvertragskonditionen besprechen, stellt sich heraus, daß diese Liebe erwidert wird. Frédéric und Delphine werden ein Paar. Doch leider findet Frédérics Roman nach der Veröffentlichung nicht das erhoffte Echo beim Lesepublikum, ja, er findet eigentlich fast überhaupt keine Leser.

Traditionell verbringt Delphine die Sommerferien bei ihren Eltern in der Bretagne, und Frédéric kommt selbstverständlich gerne mit. Delphine hat einen Stapel Manuskripte zu lesen, und Frédéric schreibt weiter an seinem zweiten Buch. Zur Entspannung unternehmen sie einen Ausflug in die Bibliothek der abgelehnten Manuskripte. Sie blättern und schmökern einen ganzen Tag darin herum und finden ein Romanmanuskript, das sie unerwartet gelungen und bemerkenswert halten: „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ von Henri Pick.

Sie recherchieren, und es stellt sich heraus, daß Henri Pick der vor zwei Jahren verstorbene Pizzabäcker von Crozon war. Delphine sucht Picks Witwe auf, eine bodenständig-herzhafte alte Dame von achtzig Jahren, die zunächst nicht glauben kann, daß ihr Henri einen Roman, noch dazu ein Meisterwerk, geschrieben haben soll. Schließlich hatte er ihres Wissens niemals ein Buch gelesen, geschweige denn eines geschrieben.

Nachdem Madeleine Pick das Manuskript gelesen und durchaus einige verborgene Bezüge zur ihrer Beziehungsgeschichte mit Henri darin gefunden hat, ist sie geneigt, der unwahrscheinlichen Wahrscheinlichkeit einer heimlichen schriftstellerischen Tätigkeit ihres Mannes etwas mehr Glauben zu schenken. Nach Rücksprache mit ihrer Tochter Joséphine stimmt sie einer Veröffentlichung zu und wird von Delphine professionell betreut.

Um eventueller Skepsis gegenüber abgelehnten Manuskripten kompetent entgegentreten zu können, sammelt Delphine Beispiele aus der Literaturgeschichte. So wurde beispielsweise Marcel Prousts erster Band von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ zunächst vom Verlag Gallimard nicht veröffentlicht. André Gide, der dort als Lektor mitwirkte, lehnte Prousts Manuskript ab und attestierte ihm „Sätze, so lang wie eine schlaflose Nacht.“  Nach einigen Umwegen erschienen Prousts Romane dann doch bei Gallimard, und für den zweiten Band von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ erhielt Marcel Proust 1919 den Prix Goncourt.

Die geheimnisvolle Entstehungsgeschichte und das rätselhafte, verborgen gebliebene schriftstellerische Parallelleben Henri Picks werden werbewirksam vermarktet, und der Roman „Die letzten Tage einer großen Liebe“ entwickelt sich zu einem sensationellen Erfolg. Der Erfolg führt zu weiterem Medienrummel, Fernseh- und Zeitungsinterviews mit der Witwe und der Tochter Henri Picks. Erste Fans pilgern in die ehemalige Pizzeria und zum Grab des Autors. Die Bibliotheksabteilung der abgelehnten Manuskripte füllt sich mit Nachschub …

Die Verkaufszahlen des Romans wachsen und wachsen. Andere Verlage folgen dem neuen Buchmodetrend und trachten danach, abgelehnte Manuskripte zu publizieren.

Jean-Michel Rouge, ein karrieregeknickter, ehemaliger Literaturkritiker, glaubt nicht, daß Henri Pick der Autor von „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ ist und forscht akribisch-ungeschickt nach der Wahrheit. Er findet heraus, wer noch als Autor in Frage kommen könnte …

Ein Buch kann tatsächlich das Leben dramatisch beeinflussen, und für einige Personen im unmittelbaren und mittelbaren Einflußbereich der pickschen Meisterwerksaura ändern sich unverhofft Beziehungen, Perspektiven oder auch einfach nur Gewohnheiten.

David Foenkinos spielt mit möglichen Wahrheiten und glaubhaften Lügen. Geschickt verknüpft er Lebensfäden, Leidensknoten und Liebesschleifen seiner Figuren. Seine charakterisierenden Beschreibungen sind detailreich, einfühlsam und anschaulich. Ein Chor vieler Stimmen und vieler Wahrheiten wird von ihm zu einem charmanten, heiter-melancholischen Einklang geführt.

Der Vorleser Axel Milberg liest diesen Roman sehr angenehm und unaufgeregt-akzentuiert sowie mit einer warmherzigen Verbundenheit, die den unterschiedlichen Charakteren und ihren emotionalen Gestimmtheiten sehr gut gerecht wird.

„Das geheime Leben des Monsieur Pick“ handelt beiläufig auch davon, wieviel man als Leser in eine Geschichte hineinlesen kann, um sich darin bestätigend wiederzufinden.

Der Autor gewährt dem Leser zudem einen wahrhaft köstlichen und interessanten Blick hinter die Kulissen des Buchmarkts und die Mechanismen medialer Vermarktung. Als Buchhändlerin und Rezensentin kann ich bestätigen, daß diese Elemente des Romans keineswegs fiktiv oder übertrieben sind.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Das-geheime-Leben-des-Monsieur-Pick/David-Foenkinos/der-Hoerverlag/e513598.rhd

 

Der Autor:

»David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter den Millionenbestseller „Nathalie küsst“, der auch als Film mit Audrey Tautou das Publikum begeisterte. Seine Bücher werden in rund vierzig Sprachen übersetzt. Der vielfach ausgezeichnete Roman „Charlotte“ hat sich allein in Frankreich rund eine halbe Million Mal verkauft, wurde auch in Deutschland zum Bestseller und wird derzeit verfilmt. „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ war in Frankreich wochenlang auf der Bestsellerliste.«

Der Übersetzer:

»Christian Kolb wurde 1970 geboren und studierte französische Literatur und Filmwissenschaft in Berlin und Paris. Neben den Romanen von David Foenkinos übersetzte er u. a. auch Nicolas Fargues „Die Rolle meines Lebens“. Er lebt in Berlin.«

Der Sprecher:

»Axel Milberg war bis 1997 Mitglied des Ensembles der Münchner Kammerspiele und arbeitete mit Regisseuren wie Dieter Dorn Peter, Thomas Langhoff oder Peter Zadek. Mitte der 90er-Jahre wandte sich der wandelbare Schauspieler verstärkt Film und Fernsehen zu. Seither war er in zahlreichen erfolgreichen Produktionen zu sehen, z. B. in „Jahrestage“ (2000), „The International“ (2009), „Ludwig II.“ (2012), „Hannah Arendt“ (2012). Seit 2003 ist Axel Milberg außerdem in seiner Heimatstadt Kiel als „Tatort“-Kommissar Klaus Borowski auf Verbrecherjagd.«

 

Die Buchausgabe ist bei DVA erschienen:

Das geheime Leben des Monsieur Pick
von David Foenkinos
Originaltitel: »Le mystère Henri Pick«
Übersetzung von Christian Kolb
DVA  März 2017
Gebunden mit Schutzumschlag
336 Seiten
Format: 12,5 x 20,0 cm
19,99 € (D),  20,60 € (A), 26,90 sFr.
ISBN: 978-3-421-04760-1

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-des-Monsieur-Pick/David-Foenkinos/DVA-Belletristik/e512010.rhd#info

 

Das geheime Leben der Bäume

  • Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
  • die Entdeckung einer verborgenen Welt
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • gelesen von Roman Roth und Peter Wohlleben
  • vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag 2015/16
  • erschienen im Hörverlag Oktober 2016   www.hoerverlag.de
  • Buchvorlage: Ludwig Verlag
  • 6 CDs in Pappschachtel
  • Laufzeit: ca. 6 Stunden, 54 Minuten
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2477-2
    Das geheime Leben der Baeume von Peter Wohlleben

B A U M S C H U L E

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohlleben führt uns mit Gefühl, Verstand und Sinnlichkeit durch den Wald und lehrt uns das Staunen. Er doziert nicht, er erzählt!

Aktuelle naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden von ihm sehr eingängig- komprimiert wiedergegeben und um seine langjährigen persönlichen Erfahrungen als Förster kurzweilig ergänzt.

Hätten Sie gewußt, daß Buchen gerne kuscheln? Ja, auch wenn sie sehr nahe beieinanderstehen, konkurrieren sie keineswegs miteinander um Nährstoffe, Licht und Wasser, sondern bei Bedarf füttern sie sich wechselseitig – über das komplexe unterirdische Wurzel- und Pilzfädchensystem – mit Glucoselösung. Buchenkinder stehen sehr lange im Schatten ihrer Mutter, weshalb sie nur langsam wachsen können. Doch diese „Erziehung durch Lichtdrosselung“ führt zu wesentlich stabilerem Wachstum und somit auf lange Sicht zu überlebenstüchtigeren Buchen.

Bäume kommunizieren über Duftstoffe und über chemische sowie elektrische Signal-übertragungen miteinander. Werden beispielsweise die Blätter eines Baumes von Raupen angefressen, so teilt der befallene Baum dies seiner Nachbarschaft über Duftsignale mit. Sowohl der befallene Baum wie auch die benachbarten verändern daraufhin die chemische Zusammensetzung des Pflanzensafts in ihren Blättern – was von Bitterstoffen bis hin zu  insektenspezifischen Giftstoffen reicht. Darüber hinaus verfügen Bäume auch über besondere Rettungslockdüfte, um natürliche Freßfeinde der angreifenden Insekten herbeizurufen.

Auch unterirdisch wird lebhaft kommuniziert. Ein Teelöffel Waldboden enthält mehrere Kiometer Pilzhypen. Der Vergleich dieser Pilzfäden mit der Glasfaservernetzung des Internets liegt nahe. Tatsächlich spricht man inzwischen schon vom „woodwideweb“.

Peter Wohlleben beschreibt die Bäume mithin nicht als isolierte Einzelwesen, sondern als Teil einer Lebensgemeinschaft. Dazu gehören auch Waldtiere, konkurrierende sowie kooperative Verhältnisse zwischen Bäumen und anderen Pflanzen sowie der erst zu einem kleinen Teil erforschte Mikrokosmos des Waldbodens. Die Mikroorganismen, die an der „Schnittstelle von Werden und Vergehen“ ihre wertvolle, unsichtbare Arbeit verrichten, werden ebenso gewürdigt wie Klimarelevanz, Luftfilterwirkung, Wasser- und CO₂-Speicherkapazität der Bäume.

Schädliche menschliche Eingriffe in den Gleichgewichtsorganismus Wald werden fundiert kritisiert und sinnvollen Maßnahmen zur ökologischen Bewirtschaftung, zum Schutz, Erhalt und zur Reanimierung heimischer Urwälder gegenübergestellt.

Egal welchem Detail sich der Autor widmet, stets ist seine Darstellung faszinierend, anschaulich und geradezu spannend, und stets fügen sich die Einzelheiten zu einer ganzheitlich Einheit.

Peter Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume“ ist ein wahrer Lichtblick in der Vermittlung von Wissen über Wald und Bäume. Seine einfühlsame, naturliebhaberische Haltung ist in jeder Zeile zu spüren und dürfte vielen Lesern/Hörern eine lebensdienliche Baumperspektive eröffnen.

Die Hörbuchversion enthält eine Bonus-CD, auf der Peter Wohlleben von seinem beruflichen Werdegang erzählt. Dies ist eine interessante Zugabe – im O-Ton -, die sehr authentisch davon berichtet, wie ein Mensch seiner Berufung folgt und nicht damit aufhört, von den Bäumen zu lernen.

Hier geht es zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e514159.rhd

Das geheime Leben der Baeume von Peter WohllebenDie Buchausgabe ist im Mai 2015 beim Ludwig Verlag erschienen: Das geheime Leben der Bäume
Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
die Entdeckung einer verborgenen Welt
von Peter Wohlleben
gebunden, mit Schutzumschlag, 224 Seiten
19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
ISBN 978-3-453-28067-0
Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e478046.rhd
Seit Oktober 2016 gibt es das Buch zusätzlich als Bildband: https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e502460.rhd

 

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel, den er zu einem urwaldähnlichen Laubwald zurückgeführt hat. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Im Ludwig Verlag erschien 2016 sein Bestseller „Das Seelenleben der Tiere“.«

Der Vorleser:

»Roman Roth, geboren 1980 in Frankfurt am Main, hat über Umwege zu seiner jetzigen Tätigkeit als Schauspieler und Sprecher gefunden. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann. Nach ersten Erfahrungen als Schauspieler entschied er sich 2006 für eine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Er übernimmt regelmäßig Rollen in Theater, Film und Fernsehen, spielte u.a.    in dem Spielfilm Der letzte Zug. Seit 2012 lebt er als freischaffender Schauspieler in Berlin.«

Querverweis:

Hier entlang zu Peter Wohllebens Buch „Das Seelenleben der Tiere“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/
und zu Christopher D. Stones Klassiker des Umweltrechts „Haben Bäume Rechte?“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/06/18/haben-baume-rechte/

 

PS:
Schon mein Leben lang habe ich ein inniges Verhältnis zu Bäumen. Was dabei herauskommen kann, wenn man Bäumen zuhört, mag ein Poem illustrieren, das ich meiner alten Lieblingsbuche abgelauscht habe:

 

BAUMSCHULE

 

Ich sehe was
was Du nicht siehst
sagt mir der Baum
mit einer Hand in der Erde
mit der Anderen im Himmel
aus meinem Holz
sind Türen gemacht
die sich nur nach innen öffnen
komm näher Menschlein
hier lernst Du was fürs Leben
verlier ruhig ein bißchen
den Verstand
und laß Dich ein
sieh nur
hör nur
spüre
und vergiß es nie
auch in Deinem Körper
schlägt das Herz der Erde

 

Ulrike Sokul©
10/ 1995

 

 

 

 

Das Seelenleben der Tiere

  • Liebe, Trauer, Mitgefühl – erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • Gelesen von Peter Kaempfe
  • Produktion: Der Hörverlag 2016    http://www.hoerverlag.de
  • vollständige Lesung
  • Buchvorlage: Ludwig Verlag
  • 1 mp3-CD
  • Laufzeit: ca. 5 Stunden, 47 Minuten
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2339-3
    Das Seelenleben der Tiere von Peter Wohlleben

T I E R F Ü H L S A M

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohllebens Buch „Das Seelenleben der Tiere“ ist anschaulich, einfühlsam, informativ, kompetent, naturnah, spannend, sehr wissenswert und voller Respekt für alle zwei-, vier-, sechs- und achtbeinigen Lebewesen.

Dieses Hörbuch öffnet uns Augen, Ohren und Herz für den Empfindungsreichtum und die Glücks- und Leidensfähigkeit der Tiere. Peter Wohlleben, der 2015 mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ die Spiegel-Bestsellerliste erobert hat, führt uns in seinem neuen Buch durch Wald und Flur, Weide und Stall, Haus und Hof sowie Stadt und Land.

Sogenannte zwischenmenschliche Qualitäten wie Liebe, Mitgefühl, Fürsorge, Altruismus und Dankbarkeit finden sich im Tierreich ebenso wie das gesamte Spektrum der Gefühle, das wir für uns als Zweibeiner gerne beanspruchen.

Der Autor erwähnt und zitiert zahlreiche wissenschaftliche Studien, die inzwischen beweisen, daß Tiere Schmerz, Angst und Trauer, Lust, Liebe und Freude fühlen, daß sie träumen und spielen sowie vorausschauend planen können.

Neben aktuellen Forschungserkenntnissen berichtet er lebhaft von den umfänglichen  persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen, die er mit seinen eigenen Haus- und Hoftieren (Hunden, Hühnern, Ziegen, Pferden und Bienen…) und den Wildtieren (Eichhörnchen, Füchsen, Igeln, Rabenkrähen, Mardern, Rehen, Hirschen, Waldmäusen, Wildschweinen, Waldameisen…) seines  Forstreviers gesammelt hat.

Wir erfahren von aufopferungsvoller Mutterliebe bei Eichhörnchen, treuer Bindungsliebe bei Raben, vom Reinlichkeitsbedürfnis von Haus- und Wildschweinen, von lügenden Hähnen, heimlich flirtenden Elstermännchen, flunkernden Kohlmeisen, Scham, Reue und Dankbarkeit bei Hunden, Gerechtigkeitsempfinden bei Pferden, individuellen Denkprozessen und Träumen bei schwarmintelligenten Bienen, tierischer Kindererziehung und Abstillung, von ausgeprägter Empathie bei Waldmäusen sowie von außergewöhnlichen artenübergreifenden Adoptionen.

Aus der Vielzahl der beschriebenen wilden Tiere picke ich hier nur exemplarisch die Rabenvögel auf. Kolkraben gehen nicht nur lebenslängliche Partnerschaften ein, sie haben auch ein Repertoire von über achtzig verschiedenen Ruftönen bzw. Rabenvokalen, und sie verfügen über einen Namen, d.h. einen speziellen Erkennungsruf, mit dem sie sich ankündigen und der zur Begrüßung erwidert wird. Dazu paßt, daß diese Vögel auch problemlos den Spiegeltest bestehen und sich selbstbewußt im Spiegelbild erkennen.

Peter Wohlleben stellt die menschlichen Kategorien der Einteilung von Tieren in sogenannte Nützlinge und Schädlinge immer wieder in Frage und fragt zu Recht, wo wir uns als Menschen denn wohl einzuordnen hätten. Er kritisiert die gegenwärtige grausame Massentierhaltung und die Ignoranz von Politik, konventionellen Bauernverbänden und Konsumenten gegenüber der Schmerzempfindlichkeit und Leidensfähigkeit von Tieren. So dürfen beispielsweise Ferkel noch bis zum Jahr 2019 ohne Betäubung kastriert und Schalentiere lebend in kochendes Wasser geworfen werden, so daß sie einen minutenlangen qualvollen Tod erleiden.

In Anbetracht jahrtausendelanger menschlicher Jagdtraditionen ist es nicht verwunderlich, daß Wildtiere unsere Nähe scheuen. Sie haben gelernt, daß wir eine tödliche Gefahr für sie sind, und sie verstecken sich vor uns. So sind beispielsweise Rehe, Hirsche und Wildschweine deshalb nachtaktiv, weil Menschen nachts nicht jagen.

Doch da in besiedelten Gebieten nicht gejagt (geschossen) werden darf, entdecken zugleich immer mehr Wildtiere die Stadtlandschaft als Lebensraum, zumal inzwischen die pflanzliche Biodiversität in Städten teilweise größer ist als in den industriell bewirtschafteten öden Monokulturen auf dem Lande. Beispielhaft sei hier nur die zunehmend erfolgreiche Stadtimkerei genannt.

Lehrreich sind im Gegenzug seine Erläuterungen zu den übertriebenen Ängsten, die Stadtmenschen vor Wildtieren hegen. Taucht ein Fuchs im Garten oder Park auf, fürchten die Menschen eine Infizierung mit dem Fuchsbandwurm. Tatsächlich kommt der Fuchsbandwurm in der Natur gar nicht so häufig vor.

Die Infektionskette funktioniert folgendermaßen: Mäuse dienen dem Fuchsbandwurm als Zwischenwirt, befallene Mäuse bewegen sich langsamer und werden leichter vom Fuchs gefangen und gefressen, und ein befallener Fuchs scheidet später mit dem Kot eine beträchtliche Masse Bandwurmeier aus. Es gibt indes auch viele Hunde, die Mäuse fangen und fressen, und diese scheiden dann ebenfalls Wurmeier aus. Somit geht  von Hunden – wenn sie nicht regelmäßig entwurmt werden – eine viel größere Ansteckungsgefahr aus.

Reflexionen über menschliche Liebe zu Tieren und tierische Liebe zu Menschen, über die Art und Weise der Nutzung und Züchtung von Tieren als Arbeitskräfte, Nahrungsmittel-lieferanten und Schmusetier sowie die Infragestellung der niedrigeren Bewertung von instinktivem Handeln im Vergleich zu bewußtem Handeln runden „Das Seelenleben der Tiere“ ab.

Der Hörbuchvorleser Peter Kaempfe trägt den Text mit seiner sonoren Stimme wohlakzentuiert, gekonnt und angenehm eingängig vor.

Anschaulich verbindet Peter Wohlleben viele interessante Einzelheiten zu einer sinnvollen ganzheitlichen Perspektive auf das faszinierende, facettenreiche und anrührende Empfindungsspektrum unserer Mitgeschöpfe. Mit seinen empathischen Erklärungen und Beschreibungen gelingt es dem Autor vorzüglich, den erfahrungsweltlichen Abstand zwischen Menschen und Tieren zu verringern und uns daran zu erinnern, wie innig unsere menschliche Entwicklungsgeschichte mit den Tieren verbunden ist.

Dieses Buch gehört für Leser/Hörer, denen die Daseinsbedürfnisse und Lebensrechte von Tieren etwas bedeuten, zweifellos zu den Nützlingen auf dem Buchmarkt. Daß sich dieses Buch und auch sein Vorgänger „Das geheime Leben der Bäume“ zu Langzeitbestsellern entwickelt haben, erfüllt mich mit Freude. Damit haben mich meine menschlichen Artgenossen endlich einmal positiv überrascht. Ich hoffe sehr, daß eine solche Lektüre/Auditüre einen nachhaltigen Einfluß auf empathisches Empfinden und Verhalten gegenüber Tieren haben wird.

 

 Hier geht es zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Das-Seelenleben-der-Tiere/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e508148.rhd

 

Das Seelenleben der Tiere von Peter WohllebenDie Buchausgabe ist im Juni 2016 im Ludwig Verlag erschienen:
Das Seelenleben der Tiere
Liebe, Trauer, Mitgefühl –
erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt
von Peter Wohlleben
gebunden, mit Schutzumschlag
240 Seiten
19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
ISBN 978-3-453-28082-3
Hier geht es zur Buchausgabe und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-Seelenleben-der-Tiere/Peter-Wohlleben/Ludwig/e498201.rhd

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel, den er zu einem urwaldähnlichen Laubwald zurückgeführt hat. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Im Ludwig Verlag erschien 2015 sein Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“. «

Der Vorleser:

»Peter Kaempfe ist seit 43 Jahren erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler. Seine ausdrucksstarke Stimme ließ ihn zum erfolgreichen Kommentarsprecher in mehr als 800 Fernsehdokumentationen für alle deutschen Sendeanstalten werden. Außerdem ist er in über 300 Hörspielen und Hörbüchern zu hören und dazu immer wieder in vielen Live-Lesungen und Solo-Programmen zu erleben.«

Querverweis:

Ergänzend kann ich jedem noch das naturphilosophische, biopoetische Sachbuch „Alles fühlt“ von Andreas Weber sehr ans Herz legen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/

Wer es mit den Tierrechten ethisch noch genauer nehmen möchte, befasse sich mit dem Buch von Hilal Sezgin: „Artgerecht ist nur die Freiheit“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/03/19/artgerecht-ist-nur-die-freiheit/

Und für eine faszinierende und gelungene speziesübergreifende Perspektive empfehle ich den Roman „Die Bienen“ von Laline Paul: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/

Thomas Mann: Die große Originalton-Edition

  • Hörbuch
  • LESUNGEN, Reden, Vorträge
  • Sprecher: Thomas Mann
  • Produktion: RRG 1932/SRF, 1952,
  • 1954-1955/SDR, heute SWR,
  • 1950, 1953-1954/ Erika Mann 1950/NWDR, heute NDR,
  • 1953,1955/Deutschlandsender 1954/
  • HR 2001/BR 2003/
  • BBC 1941-1945
  • 17 CDs
  • Gesamtlaufzeit 17 Stunden, 10 Minuten
  • 49,99 € (D), 69,90 sFr.
  • der Hörverlag Mai 2015            www.hoerverlag.de
  • ISBN 978-3-8445-1740-8

    Die grosse Originalton-Edition von Thomas Mann

    Die grosse Originalton-Edition von Thomas Mann

EIN BILDUNGSVERGNÜGLICHER THOMAS-MANN- SCHNUPPERKURS

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Thomas Manns bewundernswerte und genüßliche Sprachbeherrschung zeigt sich nicht nur im schriftlichen Werke, sondern ebenso in seiner Vorlesekunst. Ob er aus seinen Romanen liest, von seinem schriftstellerischen Werdegang erzählt, literarische Vorbilder erwähnt, über Nietzsche philosophiert, seine Musikvorlieben erläutert, mahnende Radioappelle an das Deutsche Volk in Zeiten des Zweiten Weltkrieges verkündet, öffentliche Gespräche führt, Vorträge hält oder aus seinem Leben plaudert – stets ist seine Sprache geschliffen, elegant und harmonisch-wohlproportioniert und die Tonlage seiner Stimme dem Stoffe vollends angemessen.

Die vorliegende Edition enthält Leseauszüge aus folgenden Romanen und Erzählungen:
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Joseph und seine Brüder, Der Erwählte, Der Zauberberg und Doktor Faustus. Die Lesung des Tonio Kröger ist sogar vollständig – ein seltener Glücksfall, aufgenommen vier Monate vor Thomas Manns Tod im Jahre 1955. Die Vorträge (Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung, Der Künstler und die Gesellschaft, Mein Wunschkonzert und Meine Zeit) werden vollständig wiedergegeben.

Eine Auswahl der 58 weitsichtigen BBC-Reden „Deutsche Hörer!“ 1941-1945, in denen Thomas Mann in nachdrücklichen Appellen die humanistische deutsche Geistestradition der faschistischen, nationalsozialistischen Barbarei gegenüberstellt und ausdrücklich die verschwiegenen Kriegsverbrechen benennt, zeigen ihn als überzeugten Europäer und Demokraten.

Zwei kurze Berichte der Thomas-Mann-Kinder Golo Mann und Erika Mann erzählen in ebenfalls druckreifem Stile von der häuslichen Ordnung, dem alltäglichen, familiären Tagesablauf und der sehr systematisch-produktiven väterlichen Schreib– und Lesedisziplin sowie seiner strengen Kunstauffassung, mit der sie groß geworden sind.

Eine zweistündige Radio-Dokumentation (HR 2001) des Mann-Kenners und Biographen Hermann Kurzke über Thomas Manns Leben und Werk rundet unser Rendezvous mit dem großen deutschen Erzähler des 20. Jahrhunderts kenntnisreich ab. Im Rahmen dieser Dokumentation hören wir einen bemerkenswerten Wahlaufruf von 1932, in dem Thomas Mann den Nationalsozialismus scharfsinnig analysiert, deutlich kritisiert und vor den belastenden und grausamen historischen, sozialen und psychologischen Folgen dieser aufkeimenden Diktatur warnt. Kein Wunder, daß Thomas Mann 1936 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und seine Vermögenswerte beschlagnahmt wurden. Einer Verhaftung entging er nur, da er sich zu dieser Zeit bereits in der Schweiz aufhielt.1938 emigrierte Thomas Mann nach Amerika. Eine Ehrenprofessur der Library of Congress in Washington bot Thomas Mann Einkommen und Podium.

Als Thomas Mann 1955 in Zürich starb, war er immer noch amerikanischer Staatsbürger. Die junge Bundesrepublik Deutschland hatte sich noch nicht einmal darum bemüht, ihn als Staatsbürger wiederzugewinnen.

Die vorliegende Originalton-Edition bietet dem geneigten Hörer beispielhafte Stichproben und biographische Einblicke, die Thomas Manns Werk und Leben anschaulich skizzieren und sehr dazu einladen, wieder einmal eines oder mehrere seiner Bücher zu lesegenießen.

Was mir an Thomas Mann besonders gefällt, ist, daß er tatsächlich immer etwas zu sagen hat. Selbst wenn ich gelegentlich thematisch nicht übermäßig gefesselt war, verstand er es doch, stets mein Interesse zu wecken, alleine durch die Art, wie er es stilistisch und stimmlich darzustellen vermochte.

Thomas Mann zeigt sich in diesen Hördokumenten fürsorglich-humanistisch, konservativ-demokratisch, sympathisch-selbstironisch, schelmisch-selbstgefällig, behäbig und zugleich verschmitzt sowie immer wieder changierend zwischen bürgerlichem und künstlerischem Lebensbedürfnis und Schicksalsausdruck.

Das 41 Seiten umfassende, der CD-Box beigefügte Textheft ergänzt das Gehörte um Lebensdaten, kurze informative Werknotizen und biographische Erläuterungen.

Gerne habe ich dem alten Meister gelauscht und mich angesichts seines kultivierten Sprachvermögens verneigt.

So, und nun will ich einmal wieder auf Papierfühlung mit dem charmanten Schelm namens Felix Krull gehen, denn die Lesungen aus diesem Romane Thomas Manns haben mir am allervorzüglichsten gefallen.

 

Der Autor:

»Thomas Mann wurde 1875 als Sohn einer Kaufmanns- und Senatorenfamilie in Lübeck geboren. Ohne Abitur und abgeschlossene Ausbildung arbeitete er als Redakteur beim „Simplicissimus“, bevor ihm der Roman „Buddenbrooks“ (1901) und die Erzählung „Tonio Kröger“ (1903) ein Leben als Schriftsteller ermöglichten und ihn schon in jungen Jahren berühmt werden ließen. 1929 erhielt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur, vier Jahre später musste der Schriftsteller aus dem nationalsozialistischen Deutschland emigrieren. Von 1933 an lebte Thomas Mann im Exil, erst in der Schweiz, ab 1938 in den USA. Dort nahm er 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1952 kehrte Thomas Mann in die Schweiz zurück, wo er 1955, kurz nachdem er zum Ehrenbürger der Stadt Lübeck ernannt wurde, in Kilchberg bei Zürich starb.«

Und hier gibt es eine Hörprobe:
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-grosse-Originalton-Edition/Thomas-Mann/e472144.rhd

 

RUMO

  • & Die Wunder im Dunkeln
  • von Walter Moers
  • Gelesen von Dirk Bach
  • Produktion Hessischer Rundfunk
  • Hörbuch Hamburg Verlag  2008        http://www.hoerbuch-hamburg.de
  • Ungekürzte Lesung, Dauer: 1500 Minuten
  • 16 CDs
  • 59,95 € (D), 67,30 € (A)
  • ISBN 978-3-89903-800-2
    moers-rumo-hoerbuch-9783899038002

DAS    WIRD     SIE     UMHAUEN!

oder: EINE HELDENREISE, WIE SIE IM BUCHE STEHT

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Rumo & Die Wunder im Dunkeln“, der dritte ZAMONIEN-Roman von Walter Moers, ist eine weitverzweigte, sehr spannende und betont kämpferische Heldengeschichte. Es fließt sehr viel Blut, gemildert durch eine schöne Prise Liebesromantik und moerstypischen Humor sowie wort – und gedankenspielerische Wendigkeit. Ich habe jedenfalls gezittert und gebangt, gestaunt und geschmunzelt, mitgelitten und mich mitgefreut und viel Schlaf geopfert, da ich die vielen Klippenhänger kaum aushalten konnte.

Walter Moers scheut sich nicht, wirklich fies-böse Charaktere darzustellen, gewissermaßen das Kontrastmittel des Bösen dramaturgisch und auch kathartisch einzusetzen. Der Autor wagt zudem den paradoxen Perspektivwechsel und läßt auch die Ereignisbewertung der sogenannten Bösen zu Wort kommen, die, als sie von den sogenannten Guten bekämpft werden, nicht begreifen, wieso und weshalb ihnen so böse mitgespielt werden kann.

Der erste Teil der Geschichte spielt in der „Obenwelt“, also im oberirdischen Zamonien, der zweite Teil in der „Untenwelt“, tief, tief in unterirdischen, düsteren Gefilden unterhalb der zamonischen Oberfläche. Die graphische Gestaltung der CDs greift diese Färbung des Handlungsverlaufes durch die jeweilige weiß- bzw. schwarzhintergründige CD-Etikettierung auf.

Da der Held, Rumo, ein Wolpertinger ist, werde ich hier zunächst ein bißchen Wolpertinger-Kunde betreiben:

Einer beliebten Legende nach, entstammt die zamonische Daseinsform der Wolpertinger der Liebesverbindung von Prinzessin Silbermilch und Prinz Kaltbluth. Prinzessin Silbermilch war von einer bösen Hexe in ein Reh verwandelt worden und Prinz Kaltbluth in einen Wolf. Im Großen Wald rettete der Wolf-Prinz der Reh-Prinzessin mehrfach das Leben, die beiden verliebten sich und bekamen Nachwuchs: den ersten Wolpertinger.

Wolpertinger sehen aus wie Hunde, und sie tragen auf dem Kopf zwei kleine Hörner. Sie unterscheiden sich individuell je nach der Hunderasse, die sich in ihnen ausprägt, die Spannbreite umfaßt die ganze Hundevielfalt vom kleinen Rehpinscher bis zur Deutschen Dogge, manchmal kommen auch Dachse, Füchse und Wölfe vor.

Außerdem teilen sie sich in eine wilde und in eine zivilisierte Kategorie. Die Wilden bleiben Vierbeiner, während die Zivilisierten sich zu Zweibeinern aufrichten und sprechen lernen. Zivilisierte Wolpertinger tragen Kleidung, und viele von ihnen leben in der Stadt Wolperting, die auf bemerkenswert gemeinwohlartige Weise sozial organisiert ist und zudem ein vorzügliches Bildungssystem eingerichtet hat.

Da sie das Erbe von Jäger und Gejagtem in sich vereinen, verfügen Wolpertinger über sehr feine Instinkte und Reflexe und extrem hochentwickelte Sinnesorgane, die synästhetische Wahrnehmungen ermöglichen, z.B. das Sehen von Gerüchen und Geräuschen. Sie sind überdurch-schnittlich schnell und stark, und sie haben ein perfekt gewachsenes Präzisionsgebiß, das als natürliche Waffe die sonstigen Waffenkünste der Wolpertinger ergänzt.

Zu Beginn ist unser Held noch ganz klein, ein niedlicher Wolpertinger-Welpe, der entführt wird und bei den Teufelsfelszyklopen in der Speisekammer-Grotte landet. Die Teufelsfelszyklopen bevorzugen frische Nahrung, um genau zu sein: lebendige, zappelnde, schreiende … näher möchte ich mich zu diesem Kapitel nicht äußern – ich bin nämlich Vegetarierin.

Und falls Sie der Ansicht sind, das Teufelsfelszyklopen, moralisch betrachtet, das Allerletzte sind, so kann ich Sie nur warnend darauf hinweisen, daß im weiteren Verlauf der Geschichte noch viel gemeinere und irrsinnig-bösartigere Wesen auftreten werden. Denn noch befinden wir uns in der vergleichsweise harmlosen Obenwelt.

Während seines unfreiwilligen Aufenthaltes bei den Teufelsfelszyklopen freundet sich Rumo mit einem anderen Gefangenen an. Für Smeik, eine lebenserfahrene Haifischmade, ist der kleine Rumo eine willkommene Ablenkung von der ständigen Todesangst, und er bringt Rumo das Sprechen und die theoretische Seite des Kämpfens bei, indem er ihm zahlreiche Kampf- und Duellgeschichten erzählt. So erfährt Rumo Wissenswertes von der sagenhaften Schlacht im Nurnenwald, bei der sich zwei Söldnerheere aus Blutschinken, Dämonenkriegern, Werwölfen und Yetis bis zum bitteren Ende bekämpften, und wie – aus alchemistischem Übermut – die gefürchteten Kupfernen Kerle und ihr Anführer General Ticktack entstanden sind. Smeik berichtet von diversen Belagerungen der Lindwurmfeste und den Verteidigungsmethoden ihrer Bewohner.

Rumo wächst sehr schnell heran, wie das bei Wolpertingern üblich ist; Smeik trichtert ihm einen waghalsigen Fluchtplan ein und erklärt ihm einen strategisch wichtigen Schwachpunkt der Teufelsfelszyklopen. Als Rumo groß und stark sowie appetitlich genug geworden ist und bei einem barbarischen Festmahl der Teufelszyklopen als Rohkostleckerbissen auf den Tisch kommt, greift und beißt er gnadenlos zu und setzt Smeiks Zyklopenvernichtungsplan erfolgreich in die blutige, aber befreiende Tat um. Rumos erste Heldentat ist vollbracht, aber verglichen mit seinen späteren Taten ist diese nur eine Fingerübung.

Rumo und Smeik wandern eine Weile gemeinsam durch Zamonien und meistern kleinere Herausforderungen. Sie begegnen dem freundlichen Eydeeten Dr. Oztafan Kolibril, und Smeik macht eine hochinteressante, simulierte Entdeckungsreise durch Kolibrils Gehirnwindungen. Kolibril verfügt zwar nur über vier Gehirne und beklagt sich darüber, daß er keine sieben Gehirne hat wie sein Lehrer Dr. Abdul Nachtigaller, aber für mein ein und einzigstes Gehirn waren die dargebotenen phantastischen, wissenschaftlichen Entdeckungen und Erkenntnisse vollkommen ausreichend.

Kolibril macht sich sodann auf den Weg nach Nebelheim, um mit Hilfe einer aurakarto-graphischen Aufnahme dem eigentlichen Wesen des nebulösen Nebelheimer Nebels auf die Spur zu kommen.

Auch Rumo und Smeiks Wege trennen sich vorläufig. Smeik folgt, nach einer erschütternden Weinprobe, seinem neuen Freund Kolibril nach Nebelheim, um diverse mikro- und makrokosmische Fragen und Zusammenhänge zu klären. Rumo folgt der Witterung des „silbernen Fadens“, der ihn nach Wolperting führt.

Der „silberne Faden“ ist eine Liebesfährte, welche die weiblichen Wolpertinger auslegen, um ihre Lebensgefährten anzuziehen, aber das weiß unser Held noch nicht, er weiß nur, daß er einer unbestimmten Sehnsucht folgt.

In der Stadt Wolperting muß Rumo zur Schule gehen, er lernt Lesen, Schreiben, Rechnen, Schachspielen, Heldenkunde und Zahnpflege, und natürlich werden verschiedene Kampfkünste zur Selbstverteidigung trainiert. Er wird geschult in waffenlosem und in bewaffnetem Kampf, er bekommt sehr differenzierten Beißunterricht, er lernt Bogenschießen, Fechten, Messerwerfen und Schattenboxen, und er verfeinert seine Körperbeherrschung.

Rumo hat eine besondere Begabung für das Kämpfen und für das Schreinerhandwerk, aber in Liebesdingen ist er ein hilflos-naiver Tollpatsch. Schon am ersten Schultag erkennt er, daß seine Mitschülerin, Rala, für ihn die Quelle des silbernen Fadens ist, aber das stürzt ihn nur in Verwirrung und pubertäre Sprachlosigkeit.

Da Rumo lieber Taten als Worte sprechen läßt, beschließt er, auf den Rat seines Schreinermeisters zu hören und für seine heimliche Liebste einen „Liebesfetisch“ zu schnitzen, eine kleine Schatulle aus dem besten Holz, das es in Zamonien gibt: aus dem Holz der Nurnenwaldeiche.

Kleiner Heldenhaken an der Holzbeschaffung ist die Lebensgefahr, in die er sich begeben muß, um an den bösartigen Nurnen vorbei bis zur Eiche vorzudringen, doch das steigert nur die romantische Überzeugungskraft der Liebesgabe. Nurnen sind eine fleischfressende, halbpflanzliche, halbinsektische Daseinsform, mit acht hölzernen Beinen und grünen Fangranken und einem von blutroten Blättern bedeckten Leib.

Rumo macht sich unverzüglich auf den Weg, nur begleitet von seinem Schwert, mit dem er in telepathischer Verbindung steht. In die Legierung seiner Schwertklinge sind Seelenanteile eines friedlich-musisch veranlagten Stollentrolls namens Löwenzahn und eines SEHR kriegerisch-blutrünstigen Dämonenkriegers namens Grinzold eingeschmolzen.

Nachdem Rumo erfolgreich die Begegnung mit einer Nurne zu seinen Gunsten entschieden hat und ihr sogar ein rotes Blatt als Trophäe abschneiden konnte, erreicht er die Nurnenwaldeiche und bespricht mit ihr sein romantisches Anliegen. Die riesige Eiche bedient sich der Tiere, die in ihrem Umkreis leben, als Sprechorgan, und so entsteht ein vielstimmiges und informatives Gespräch zwischen Rumo und dem eloquenten Baum. Schließlich genehmigt die Eiche Rumo einen passenden Ast für seinen Holzbedarf und bedankt sich für die Unterbrechung ihrer Einsamkeit. Sie bekommt – nurnenbedingt – nicht allzu oft Besuch zum Plaudern.

Rumo verläßt ohne weitere Zwischenfälle den Nurnenwald, rastet am Waldrand und beginnt sogleich mit den Schnitzarbeiten. Löwenzahn ist begeistert, und Grinzold ist empört über die friemelige, künstlerische Nutzung der Schwertklinge. Die Streitgespräche zwischen Grinzold und Löwenzahn sind stets sehr amüsant, nicht unbedingt für Rumo, aber für uns Zuhörer bzw. Leser. Dennoch halten die beiden Streitklingen treu – abgesehen von gelegentlichen Ohnmachtsanfällen Löwenzahns – zu ihm und unterstützen Rumos Heldentaten mit ihren jeweiligen blutigen und unblutigen Kenntnissen und Talenten.

Als Rumo nach Wolperting zurückkehrt, findet er eine verlassene Stadt vor. Alle Bewohner sind verschwunden. Nun beginnt Rumos Abstieg nach Untenwelt. Die Finsternisse, Gefahren und Schrecken, die dort lauern, dürfen sie gerne ohne meine vorbereitende Hilfe aushalten; ein bißchen Heldenmut müssen Sie schon mitbringen.

Nur soviel: In Untenwelt herrscht der Wahnsinn, es ist die HÖLLE. In der Untenweltstadt Hel ist sogar die Architektur grausam, ganz zu schweigen von den grausigen Inszenierungen und Kämpfen im „Theater der schönen Tode“ und den völlig durchgeknallten Tyrannentypen wie General Ticktack oder Gaunab dem Neunundneuzigsten, Herrscher von Hel. Der krankhafte Größenwahn wird sehr anschaulich dargestellt und zugleich entlarvend lächerlich gemacht, z.B. verpaßt der Autor König Gaunab einen silbenverdrehenden Sprachfehler. Die lieböseste Beschäftigung dieses sinnwahnigen Nigskö ist das Tentö; nur keine Sorge: Nach einer kleinen Eingewöhnungszeit in diese Sprechungewohnheiten kommt man ausdurch hindater.

Walter Moers entfaltet ein grandioses Panoptikum von Charakteren, Emotionen, Geisteszuständen, Szenerien, Dingen und Lebewesen. Er erschreibschafft monströse Monster, Ameisenzähler, Mondlichtschatten, Krankheiten und Heilmittel, Elme (putzige Felltierchen mit Schnabel, die Rumo vor dem Erfrieren bewahren), kreuz- und querdenkende Eydeeten, selbstironisch-untote Yetis, schmerzlose Narben, Auragraphen, Einhörnchen, Elfenjade, Forschgeister, Fünkelzwerge, Schubladenorakel … die Liste ließe sich noch lange, lange verlängern.

Dirk Bach als Vorleser oder besser: Mitspieler wird ihnen allen mit seiner panakustischen Vielgestaltigkeit gerecht, ja – er kann sogar mädchenhaft klingen und auch märchenhaft, exaltiert und bescheiden, alt und jung, ernst und lustig, schelmisch und verschlagen, charmant und schüchtern, mechanisch und tierisch, müde und munter, erregt und gelassen, donnernd und flüsterleise, wirr und weise; und en passant spricht er auch noch fließend Drehsilbisch.

Manchmal meinte ich sogar, die Mimik hören zu können, aber das liegt vielleicht daran, daß ich Synästhetin bin.

Walter Moers umschnörkelt Rumos Abenteuer mit Ausflügen in den Mikrokosmos der „unvorhandenen Winzlinge“, mit scheinbaren Nebenhandlungen, bizarren wissenschaftlichen Experimenten und mit biographischen Erinnerungsrückblenden verschiedener Protagonisten, die sich jedoch nach und nach absolut sinnvoll in den Gesamtzusammenhang fügen.

Wahrlich, ich bewundere die epische Präzision, die hier bis ins winzigste Detail inszeniert wird!

Ein weiterer Grund zum Schwärmen sind die literarischen Anspielungen, z.B. die herrlichen Mantel- und Degen-Reminiszenzen bei der Beschreibung des idealen Fechtgartens à la Uschan De Lucca, dem Fechtlehrer von Wolperting.

Wenn ich mir etwas aus dem Buch, zur Manifestation in meiner Wirklichkeit, wünschen dürfte, könnte ich mich gar nicht entscheiden, was ich lieber besäße:

Ein Otztaskop, um mich mikrokosmischen Betrachtungen hinzugeben?
Einen Baldachin aus geräuschverdauender Seide, der traumhafte Stille garantiert ?
Oder doch lieber ein telepathisches Schwert zur unterhaltsamen Selbstverteidigung?

Vielleicht bescheide ich mich zunächst mit dem nächsten ZAMONIEN-Roman.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/moers-rumo-424/

Die Taschenbuchausgabe von „Rumo“ ist im Piper Verlag erschienen.
rumo-taschenbuchausgabe
704 Seiten
mit zahlreichen Illustrationen von Walter Moers

14,– € (D), 14,40 € (A)

ISBN 978-3-492-24177-9

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.piper.de/buecher/rumo-die-wunder-im-dunkeln-isbn-978-3-492-24177-9

PS:
Können Sie das Rätsel, das Smeik Rumo aufgibt, lösen?
„Was wird immer kürzer je länger es wird?“

Meine Hörbuchbesprechung ist es nicht, denn die ist im Vergleich zur 704-seitigen Buchausgabe fast unvorhanden kurz.

 

Querverweis:

Und nachfolgend noch die Links zu meinen Besprechungen der ersten beiden ZAMONIEN-Romane:
Die  13½ Leben des Käpt’n Blaubär  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/
Ensel und Krete  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/

Der Autor:

»Walter Moers, 1957 in Mönchengladbach geboren, ist der Erfinder des »Käpt’n Blaubär« und hatte auch große Erfolge mit den Büchern um »Das kleine Arschloch« und der Comic-Figur »Adolf«. 1999 stürmte der Roman »Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär« die Bestsellerlisten. Dem folgten inzwischen mehrere sehr erfolgreiche Romane nach, die ebenfalls auf dem phantastischen Kontinent Zamonien spielen.«

Der Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

 

Ensel und Krete

  • Ein Märchen aus Zamonien
  • von Walter Moers
  • ungekürzte Lesung von Dirk Bach
  • 1 mp3-CD,  Laufzeit: 7 Stunden, 20 Minuten
  • der Hörverlag, November 2013               www.HOERVERLAG.DE
  • ISBN  978-3-8445-1353-0
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
    Ensel und Krete HÖRBUCH

Sprecher: Dirk Bach
Regie: Thomas Krüger
Buchvorlage: Knaus Verlag
Produktion: Hessischer Rundfunk 2002

HEXENHUTPILZE  IM  CHLOROPHYLLIDYLL

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der zweite ZAMONIEN-Roman von Walter Moers knüpft gekonnt an das verheißungsvolle Ende des ersten an – siehe meine genüßliche und kennerische Besprechung vom Dezember 2013: „Die 13 ½  Leben des Käpt’n Blaubär“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/

Ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß Walter Moers nicht der wirkliche Autor des vorliegenden Werkes ist, sondern der Übersetzer des wahren Schriftstellers, Hildegunst von Mythenmetz. Walter Moers nimmt die spielerische Mühe auf sich, uns das ausufernde Werk dieses Schreibosauriers aus dem Zamonischen ins Deutsche zu übertragen. Dank und Orm-Segen sind ihm für diese literarische Meisterleistung gewiß!

Nachdem Käpt’n Blaubär und seine Buntbärenartgenossen wieder im Großen Wald eingezogen sind, herrschen eitel Sonnenschein und strenge Chlorophylleuphorie im wiederbesiedelten Forst.

Wir folgen Dirk Bachs lesespielfreudiger Stimme in ein erstaunliches Waldparadies:
Die Buntbären haben den Großen Wald weitgehend  kultiviert und zivilisiert (aber nicht weitgehend genug – da müßte jetzt ein schadenfrohes Stollentroll-„Kähähä“  ertönen). Sie bewirtschaften und pflegen den Wald nachhaltig, sie betätigen sich als fleißige Imker und Blaubeerenwinzer, und sie haben für jeden Touristengeschmack die passende Waldpension nebst graduell abgestimmtem, wohldosiertem Verwilderungsangebot.

Bauming, so der neue Name des Großen Waldes, hat sich in ein attraktives, zamonisches Traumurlaubsziel verwandelt. Die Besucher können wandern, picknicken, Waldlehrpfaden folgen, ihre Kinder botanisch-pädagisch betreuen lassen, Forellen räuchern und beruhigt schlafen, gut bewacht von den allgegenwärtigen „Brandwächtern“ und „Waldhütern“.

Dieser grüne Himmel auf Erden enthält jedoch sehr viele Verbotsschilder, die ausdrücklich davor warnen, den wirklich wilden Bereich des Waldes zu betreten. Das sollte uns zu denken geben, schließlich gibt es kein Licht ohne Schatten …

Die kleinen Heldchen in dieser Geschichte heißen Ensel und Krete und gehören zur Daseinsform der freundlich-friedlichen und niedlichen Fhernhachenzwerge. Ensel und Krete sind Zwillinge und achteinviertel Jahre jung, und sie verbringen ihren Urlaub in Bauming.

Während Krete ganz zufrieden mit dem Kinderprogramm ist, langweilt sich ihr Bruder, der sich, inspiriert von seiner ausgiebigen „Prinz-Kaltbluth-Romane“-Lektüre, nach verbotenen Abenteuern jenseits der vorgeschriebenen Touristenpfade sehnt. Beim vorschriftsmäßigen Himbeerensammeln überredet Ensel seine Schwester dazu, einmal etwas UnerLAUBtes zu tun:

Sie verlassen den erLAUBten, befestigten Wanderweg und gehen richtig in den Wald hinein. Ensel will eine Eiche erklettern oder wenigstens einen verborgenen Schatz finden. Um sich nicht zu verlaufen, legen die beiden eine Spur aus gepflückten Himbeeren, die leider hinter ihrem Rücken von einem Erdgnömchen freudig entdeckt und eingesammelt werden.

Natürlich finden die beiden Herzchen nicht mehr zurück und verirren sich immer tiefer im unbewohnten, finsteren Teil des Waldes…

Walter Moers, alias Hildegunst von Mythenmetz, unterbricht die weitere Erzählung mit diversen „Mythenmetzschen Abschweifungen“, in denen er die eigene Geschichte kommentiert und gesellschaftskritische und literaturkritikerkritische Anmerkungen macht. Einmal gibt er aus purer künstlerischer Freiheit sowie launischer Willkür einige Seiten lang nur „Brummli, Brummli, Brummli“ von sich. Diese Passage abwechslungsreich zu lesen ist Dirk Bach  –  Hexenhut ab  –   wirklich gelungen.

Hildegunst erweist uns die Gunst und lädt uns in seine Schreibwerkstatt ein: Er öffnet seine Inspirationsduftschubladen, schwadroniert gönnerhaft über gute und schlechte Bücher, über das Orm (eine Art mystischer, dichterischer Inspirationsgabe, ein unfaßbares poetisches Fluidum),  klärt uns über die „Sieben Grundtugenden des Dichters“ auf und verabreicht uns Regelsätze wie z.B. „Alle gute Literatur lügt. Gute Literatur lügt gut, schlechte Literatur lügt schlecht.“

Kurz: Er zählt auf und rechnet ab, zieht literarische Bilanz, doziert über seine poetischen Auffassungen und übt Kollegenschelte, zudem schweift er auch noch ab zu Fragen des zamonischen Steuerrechts, zu Feinschmeckerrezepten, zu seinen hypochondrischen Befindlichkeiten und so weiter und so weiter … wobei er sich ununterbrochen in geistreicher Selbstgefälligkeit die Ehre gibt.

Diese metafikitiven, mythenmetzschen Ausschweifungen sind höchst unterhaltsam und charakterisieren eine Figur, die in den Romanen  „Die Stadt der Träumenden Bücher“ und  „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ die Hauptrolle übernehmen wird. Doch da sind wir jetzt noch nicht  –  kehren wir zurück zu den armen verirrten Zwergenkindern.

Ensel und Krete begegnen der dunklen, verdrängten, ungezähmten Seite des Waldes, und sie werden beinahe von einem Laubwolf verspeist. Sie müssen hungern, da ihre botanischen Kenntnisse nicht ausreichen, um die seltsamen und teilweise makaber-unnatürlichen Gewächse, die ihren strapaziösen Weg säumen, als giftig oder ungiftig einzuordnen.

Auf der Suche nach Wasser tritt Ensel in einen Tümpel aus schwarzer, zäher Flüssigkeit und schließt so Bekanntschaft mit einem geschmolzenen Meteor. Dieser vermittelt ihm eine telepathisch übertragene, meteorschweifige Reise durchs Weltall;  außerdem erfährt Ensel, wie die böse Waldspinnenhexe einst im Großen Wald  ankam.

Der Wald wird immer bedrohlicher, unheimlicher und verhexter. Ensel und Krete werden vom Stollentroll getäuscht und von Sternenstaunern enttäuscht.

Krete ertrinkt fast im Treibgras und wird von einer kapriziösen Orchidee mit sehr, sehr langer Pflanzenzunge gerettet. Zum diplomatischen Dank graben sie die ausgesprochen kommunikative Pflanzendiva aus und versprechen, sie zu einem behaglicheren Waldstandort zu transportieren.

Ganz klassisch finden Ensel und Krete auf einer Waldlichtung ein kleines Häuschen. Zögernd treten sie ein, auf dem Herd steht ein Topf, gefüllt mit verführerisch duftenden Knödeln (leckere alte Bekannte aus „Die13 ½  Leben des Käpt’n Blaubär“). Ahnungslos und ausgehungert verschlingen die Kinder die köstlichen Knödel, die leider, leider, leider ein ganz fieser, fieser Hexenköder sind …

An dieser Stelle lasse ich Sie jetzt ganz und gar und gnadenlos im Ungewissen über den Ausgang des Märchens.

Und bevor es feministische Schelte wegen der bösen Hexe gibt: Hildegunst von Mythenmetz läßt es sich nicht nehmen, in einer seiner Abschweifungen eine herzhafte Hexenapologie zu formulieren und den Begriff der bösen Hexe nur für bedauerliche seltene und böse Ausnahmen gelten zu lassen.

Mit „Ensel und Krete“ gelingt Walter Moers neben einer spannenden Märchenneuerzählung eine sehr einfühlsame Darstellung kindlicher Charaktere. Die Figurenzeichnung, Beziehungsdynamik und das Erfahrungswachstum der Geschwister Ensel und Krete zeugen von psychologischem Feinsinn und erfreulich kindlichem Gemüt.

Walter Moers‘ Sprachstil ist amüsant, anspielungsreich, erfinderisch, geistreich, genüßlich, sinnlich, vieldeutig und wortspielerisch. Dirk Bach, als Vorleser, wird allen Facetten der moers-mythenmetzschen Eloquenz AUSGESPROCHEN gerecht. Dirk Bach (1961 – 2012) bespielt virtuos und nuanciert das Instrument seiner Stimme und verleiht allen Charakteren eine eigene lebhafte, akustische Gestalt. Es ist wahrlich ein Fest, ihm zu lauschen! DANK sei ihm dafür in seinen himmlischen Höhen.

Im Anschluß an das Märchen von „Ensel und Krete“ erzählt uns Walter Moers noch – als kleine, kurzweilige Zugabe  – die halbe Biblio-Biographie des Hildegunst von Mythenmetz. Spätestens nach diesen ersten fünfhundert Lebensjahren (Hildegunst gehört zur Daseinsform der vernunftbegabten, aufrechtgehenden Dinosaurier, die eine durchschnittliche Lebenserwartung von tausend Jahren haben) schwant uns, daß das nicht das letzte mythenmetzsche Wort gewesen sein kann.

Hier wie auch an anderen Stellen des vorliegenden bzw. vorgelesenen Buches zeigt sich Walter Moers‘ erzählerischer Weitblick. Leser, die mit den nachfolgenden Werken vertraut sind, werden in „Ensel und Krete“ viele Ideenkeime erkennen, die in späteren ZAMONIEN-Romanen bunteste Blüten und reichhaltigste Früchte treiben.

Walter Moers besitzt eine Vorstellungskraft, die ich lieber Vorstellungsmagnetismus nenne, da sie so unwiderstehlich-anziehend ist und eine unheilbare Lesesucht auslösen kann.

Der Autor verfügt über eine wunderbare Beobachtungs- und Beschreibungsgabe, nichts ist ihm zu klein oder zu groß, um nicht dichterisch bemerkt, erfaßt und verarbeitet zu werden. Dazu kommen spürbare kreative Ausgelassenheit, die verwegene Verbindung von Tiefsinn und Verspieltheit, herzhafter Humor, schriftstellerische Selbstironie und absolute dramaturgische Präsenz.

Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus!

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Ensel-und-Krete/Walter-Moers/der-Hoerverlag/e451649.rhd

 

PS:
Die Taschenbuchausgabe von „Ensel und Krete“ ist im Goldmann Verlag erschienen.

Ensel und Krete von Walter Moers

  • Ensel und Krete
  • von Walter Moers
  • 254 Seiten
  • mit Illustrationen von Walter Moers
  • ISBN  978-3-442-45017-6
  • 9,95 € (D), € 10,30 € (A),  13,50 sFr.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Ensel-und-Krete/Walter-Moers/Goldmann-TB/e79201.rhd

 

 

 

Der Autor:

»Der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz ist der bedeutendste Großschriftsteller Zamoniens. Berühmt wurde er durch seine 25-bändige Autobiographie „Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers“, ein literarischer Bericht über seine Abenteuer in ganz Zamonien und vor allem in der Bücherstadt Buchhaim.
Sein Schöpfer Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen, weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus, in die Herzen der Leser und Kritiker geschrieben. Alle seine Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“, „Die Stadt der träumenden Bücher“, „Der Schrecksenmeister“ und „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ waren Bestseller.
Neben dem Kontinent Zamonien mit seinen zahlreichen Daseinsformen und Geschichten hat Walter Moers auch so erfolgreiche Charaktere wie den Käpt’n Blaubär, das Kleine Arschloch und die Comicfigur Adolf, die Nazisau geschaffen.«

 

Der Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

 

 

 

 

 

 

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär

  • von Walter Moers
  • inszenierte Lesung mit Musik
  • der Hörverlag, November 2013            www.HOERVERLAG.DE
  • 16 CDs
  • Laufzeit: 18 Stunden 33 Minuten
  • 49,99 €  (D), 56,10 € (A), 65,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-1330-1

Gelesen von: Dirk Bach, Wolfgang Völz
Regie: Claudia Gehre / Thomas Krüger
Sounddesign: Michal Krajczok unter Mitwirkung von Marian Mentrup
und Niklas Kammertöns; Gesang: Larissa Blau; singende Säge: Katharina Micada
Supervising: Walter und Elvira Moers
Technik: Christoph Bette / Mango Studios, Köln
und Talking Animals Sound Department, Berlin
Produktion: Hessischer Rundfunk 2002/ der Hörverlag 2013

Käpt'n Blaubär Hörbuch__

P  H  A  N  T  A  S  I  A     K  O  M  P  L  E  X  I  E  N  S  I  S

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Geneigte Hörerin, geneigter Hörer,

mit dem Genuß dieses Hörbuches erlauschen Sie sich eine neue Welt, ach – was untertreibe ich hier: Sie erlauschen sich neue Welten ! Sie laben sich an einem Büfett der Phantasie, bis Sie glauben, so viele Ideen passen doch gar nicht in eine Geschichte – geschweige denn in ein Leben.

Aber es ist ja kein einfaches Leben, sondern es sind die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär, und da darf es schon ein bißchen mehr sein als bei uns menschlichen Eintagsfliegen.

Ort der Handlung ist der Kontinent ZAMONIEN, eine Lebenswelt, angefüllt mit so vielen erstaunlichen Wesen, Wundern und moersschen Phantasmagorien, daß es ein eigenes Lexikon dafür gibt, namentlich das  „Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung“ von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, aus dem im Verlauf der abenteuerlustigen und abenteuerlistigen Handlung immer wieder zitiert wird.

Wir begleiten den Blaubären von seinen Findelkindanfängen an und durchreisen Zamonien in alle sieben Himmelsrichtungen:  von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, von Vorher zu Nachher bis Zuhause.

Zunächst wird Blaubär von Zwergpiraten vor dem Versinken im Malmstrom gerettet und durch Algenfütterung großgezogen, danach weinen wir mit ihm für die Klabautergeister, lauschen seinem Sprachunterricht bei den Tratschwellen, lassen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen auf der Feinschmeckerinsel (gourmetica  insularis) und freuen uns über seine Rettung durch den vegetarischen Rettungssaurier Deus X Machina – kurz Mac genannt.

Wir lernen mit ihm in der Nachtakademie des siebengehirnigen Eydeeten Prof. Dr. Abdul Nachtigaller  und erfahren neidvoll von der Möglichkeit der Wissensübertragung durch Intelligenzbakterien.

Wir folgen Blaubär durch das Finsterberghöhlenlabyrinth und erhalten eine schmerzliche Lektion bezüglich der Vertrauenswürdigkeit von Stollentrollen. Im großen Wald retten wir uns zusammen mit Blaubär im letzten Augenblick vor der gefräßigen Waldspinnenhexe, indem wir in ein Dimensionsloch springen und unwahrscheinlicherweise auch wieder in die richtige Dimension zurückfallen.

Danach folgt eine lange Karawanenreise mit den geheimnisvoll verhüllten Gimpeln durch die Süße Wüste auf der Suche nach der mobilen, kontaktscheuen Stadt Anagrom Ataf.

Sodann landen wir Abenteuerlustigen im ewigen Tornado und können nur dank mathematischer Präzision wieder herauskatapultiert werden.

Hindernisse in Form eines abgelegten Bolloggkopfes (Bolloggs sind Riesenzyklopen, die auch ohne Kopf leben können) müssen überwunden bzw. von Riesenohr zu Riesenohr durchwandert werden. Bei dieser hirnsträubenden Gehirnüberwindung wird  Blaubär von 16 U, einer schlechten, aber dennoch sehr freundlichen und hilfsbereiten Idee tatkräftig unterstützt.

Wir folgen Blaubär in die zukunftsträchtige Stadt Atlantis und erleben seine spektakuläre Karriere als Lügengladiator…

Und hier breche ich meine Aufzählung ab, denn schließlich will ich Sie hier ja bloß mit ein paar Leselockhäppchen zum Genuß des GANZEN verführen.

Eine vollständige Hörbuchfassung  der  „13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ gibt es seit  dem Jahre 2002. Das Neue an der Hörbucheinspielung  aus dem Jahre 2013 ist die Kombination mit Musik und Naturgeräuschen. Ich habe seinerzeit die „unmusikalische“ Fassung gehört und ich war damals schon begeistert, beglückt und entzückt  – sowohl von Walter Moers Phantasiereichtum und Humor als auch von der lebhaften, einfühlsamen und kongenialen Stimmdramaturgie Dirk Bachs.

Nun habe ich die neue Fassung genossen und dabei zunächst bemerkt wie viele köstliche Einzelheiten der Geschichte bei mir schon im „See des Vergessens“ (eine Hirnregion, die nichtzamonischen Neurologen einiges an Erforschungsbedarf bieten dürfte) untergegangen waren.

Doch Wiederhören macht doppelte Freude:  Vorfreude und Wiedererinnerungsfreude!

Die klangfarbige Untermalung des gesprochenen Textes ist unaufdringlich und sehr stimmig. Es gibt leichte, elektronische Stimmverzerrungen bei den telepathisch übertragenen Zitierpassagen aus dem Lexikon von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, Musik, Grillenzirpen, Lagerfeuerknistern, Gongschläge, Stimmenrauschen, Stimmengewirr, Zeitungsrascheln, eine wiederkehrende Kapiteleinleitungsmelodie und sogar Applaus.

Mit diesem Hörbuch werden sowohl Kenner wie Neulinge gerne zu Gast in Zamonien sein und sich staunend ein Abenteuer nach dem anderen aus der phantasiefreudigen, unerschöpflichen Geschichtenvorratskammer von Walter Moers servieren und schmecken lassen.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-13-1-2-Leben-des-Kaeptn-Blaubaer/Walter-Moers/der-Hoerverlag/e449491.rhd

Und das Schönste ist, daß es noch so viel Nachschub gibt, denn „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ sind erst der Anfang, der erste von bisher sieben Zamonien-Romanen. Das ist eine unendliche Geschichte, die sich sehen, hören und lesen läßt.


Außerdem gibt es inzwischen auch  –  in echt  –  ein ZAMONIEN-Lexikon, für bereits Moersinfizierte eine bereichernde Zugabe und Erinnerungshilfe – Sie erinnern sich doch an den „See des Vergessens“ ?

VFqaERNRUU0T0RRMk1qSkJNa0kyUVRSRFJVSXlSalV0YmpRdVluTXhOR0UkYzJWc1pXTjBhVzl1UFhSbWIyd3hNV0V5T0RRNVpURmxPVGMxTXpBdyZ3PTgwMCZoPTYwMCZxPTc1JnQ9MTM4NjI1NzU1MQ__Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent
Von A wie Anagrom Ataf bis Z wie Zamomin

Von Anja Dollinger und Walter Moers
Illustriert von Walter Moers
Gestaltet von Oliver Schmitt
Knaus Verlag 2012
gebunden, 311 Seiten
22,99 € (D), 23,70 € (A), 30,90 sFr.
ISBN 978-3-8135-0530-6
Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Zamonien/Walter-Moers/Knaus/e424385.rhd

 

Passend zum neuen Hörgenuß ist im Knaus Verlag 2013 auch der neue Augenschmaus – die farbige Buchausgabe erschienen:

Moers Blaubär BUCH Die  13½ Leben des Käpt’n Blaubär 

von Walter Moers
mit zahlreichen Farbillustrationen von Walter Moers
gebunden
704 Seiten
29,99 € (D), 30,90€ (A),  39,90 sFr.
ISBN 978-3-8135-0572-6

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-13-12-Leben-des-Kaeptn-Blaubaer/Walter-Moers/Knaus/e440931.rhd

 

Querverweise:

Weitere zamonische Zutaten finden Sie unter folgenden Links:
ENSEL  UND  KRETE   https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/
RUMO  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/28/rumo/

Der Autor:

»Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus in die Herzen der Leser und Kritiker geschrieben. Alle seine Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“, „Die Stadt der träumenden Bücher“, „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ und „Der Schrecksenmeister“ waren Bestseller. Neben dem Kontinent Zamonien mit seinen zahlreichen Daseinsformen und Geschichten hat Walter Moers auch so erfolgreiche Charaktere wie den Käpt’n Blaubär, das Kleine Arschloch und die Comicfigur Adolf geschaffen.«

Die Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

»Wolfgang Völz kam 1930 in Danzig zur Welt. Er hat Bäcker gelernt, aber früh mit der Schauspielerei begonnen. Bekannt wurde er in Deutschland durch die Rolle des Chauffeurs in „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ und vor allem durch die Kultserie „Raumschiff Orion“. Wolfgang Völz lieh vielen internationalen Stars wie Michel Piccoli, Mel Brooks und Peter Ustinov seine Stimme. Generationen von Kindern kennen ihren urigen, markanten Klang, weil er den alten brummigen „Käptn Blaubär“ spricht. Sie passt auch hervorragend ins Reich des kleinen Königs Kalle. Wolfgang Völz lebt mit seiner Famlie in Berlin.«