Wie kommt die Kunst ins Museum

  • Ein Wimmelsachbuch über die Kunst
  • Autoren: Ondřej Chrobák, Rostislav Koryčánek und Martin Vaněk
  • Originaltitel: »Jak se dělá galerie«
  • Aus dem Tschechischen von Lena Dorn
  • llustrationen von David Böhm
  • Gastillustrator: Jiři Franta (S. 22 – 25)
  • Format: 24 x 34 cm
  • 72 Seiten
  • gebunden, Halbleinen
  • Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • Karl Rauch Verlag  2017   www.karl-rauch-verlag
  • ISBN 978-3-7920-0368-8
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ab 8 Jahren

M U S E U M S M U N T E R M A C H E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Wie kommt die Kunst ins Museum“ ist ein Sachbilderbuch, das Kindern anschaulich vermittelt, wie ein Museum funktioniert und wie interessant, bereichernd, kommunikativ und begegungsvielseitig ein Museumsbesuch sein kann.

Zunächst wird erklärt, daß öffentliche Museen, wie wir sie heutzutage kennen, eine verhältnismäßig neue gesellschaftliche Einrichtung sind. Früher gab es Adlige, die private Sammlungen mit Kunstwerken und Kuriositäten anlegten und diese auch von einem Verwalter pflegen und inventarisieren ließen. Diese Gemäldegalerien und Kuriositätenkabinette waren jedoch nur einem privilegierten Publikum und einigen Künstlern zugänglich und dienten – abgesehen von der Sammellust – dem Prestige des Sammlers.

Das hat sich inzwischen gründlich geändert. Viele Städte erhöhen gerne ihr kulturelles Prestige und ihre touristische Attraktivität durch gepflegte öffentliche Museen und besonders publikumswirksame Ausstellungen. Auf einer ausklappbaren Doppelseite zeigt das Buch steckbriefartig eine Auswahl von repräsentativen Museumsgebäuden vom Jahre 1471 an bis heute.

Nachdem wir solche historischen Hintergründe und Entwicklungen absolviert haben, können wir endlich ein Museum aufblättern und einen ausführlichen und detaillierten Blick in die Ausstellungsräume und hinter die Kulissen werfen.

Hier gibt es vielfältige Arbeitsfelder: Von der Museumsdirektorin und dem Kurator über Verwaltungsangestellte, Restauratoren, Fotografen, Kassenpersonal, Museumsaufsicht und Hausmeister bis zur Raumpflegerin wird das Museumspersonal ebenfalls steckbrief-artig gleichsam aus dem Arbeitsleben gegriffen und in seinen jeweiligen Arbeitsbe- reichen dargestellt. Dabei kommentiert ein jeder seine Tätigkeit.

Neben der stillen Betrachtung einer Ausstellung bietet ein Museum auch geführte Besichtigungen an, außerdem museumspädagogische Werkstätten für Kinder und Erwachsene, in denen sich Besucher selber kreativ betätigen können. Vorträge zu museumsnahen Themen und auch künstlerische Aufführungen runden das kulturell-kommunikative Angebot ab.

„Wie kommt die Kunst ins Museum“ thematisiert zudem die Museumssicherheits- technik, den Erwerb und die sachgemäße Lagerung, Archivierung und Restaurierung von Kunstwerken sowie die unterschiedlichen Möglichkeiten, eine Sammlung zu präsentieren – also beispielsweise chronologisch oder thematisch.

Mehrere Seiten widmen sich der Vorbereitung und Präsentation einer neuen Ausstellung, die von der ersten Idee bis zur Vernissage in ihrer komplexen organisa- torischen, personellen und logistischen Leistung Schritt für Schritt beschrieben und gezeigt werden.

Die letzten Buchseiten enthalten ein bebildertes Glossar all der berühmten Kunstwerke, die in den vorhergehenden Szenerien zu sehen waren. Der Illustrator hat sie zwar in seinem flächigen Malstil nachgemalt, dennoch sind sie für den Kunstkenner unverkennbar zuzuordnen und für den kindlichen Betrachter wimmelsuchbildgemäß spielerisch wiederzufinden.

Das geschickte Layout bietet mit seinem farblichen und strukturellen Abwechslungsreichtum eine ebenso kunterbunt-verspielte wie klar-geordnete Perspektive auf dem Lebensraum eines Kunstmuseums. Die anschauliche Korrespondenz zwischen Text und graphisch-illustratorischer Darstellung unterstützt die kindgerechte Informationsvermittlung.

Die Texterläuterungen sind leicht zugänglich und konzentriert-informativ; sie werden mit amüsanten kleinen Anekdoten abgerundet. So habe ich etwa dazugelernt, daß die Eremitage in Sankt Petersburg das einzige Museum ist, in dem Katzen wohnen dürfen, und daß die Menschen, die Vernissagen eher wegen der Häppchen und Getränke besuchen als wegen der Kunst, Taubengeschwader genannt werden.

„Wie kommt die Kunst ins Museum“ lädt in Bild und Text zum vergnüg- lichen Entdecken ein und so kommt vielleicht neben der Kunst auch so manches Kind ins Museum.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://karl-rauch-verlag.de/buecher/wie-kommt-die-kunst-ins-museum/

Die Autoren:

»Ondřej Chrobák ist Kunsthistoriker und war Kurator u.a. der Grafischen Sammlung der National Galerie Prag.
  Rotislav Koryčánek ist Kunsthistoriker, hat für verschiedene Museen gearbeitet und Ausstellungen kuratiert.
  Ondřej Chrobák ist Kunsthistoriker und war Kurator u.a. der Grafischen Sammlung der National Galerie Prag.«

Der Illustrator:

»David Böhm ist Absolvent der Akademie für Bildende Künste in Prag. Sein umfangreiches künstlerisches Werk wurde bereits in Galerien in New York, Berlin und Kiew ausgestellt.«

 

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Petronella Apfelmus, Band 4

  • Zauberhut und Bienenstich
  • von Sabine Städing
  • illustriert von SaBine Büchner
  • Boje Verlag Oktober 2016   http://www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • mit gelbem LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 13,00 € (D)
  • ISBN 978-3-414-82454-7
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

APFELHEXEN-LÄCHELN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Petronella Apfelmus ist eine Apfelhexe, und sie lebt im verwildert-verwunschenen Obst-garten des alten Mühlhauses. Sie hegt, pflegt und beschützt zusammen mit einigen handwerklich begabten Apfelmännchen die alten Apfelsorten und alles, was sonst noch wächst und gedeiht, kreucht, fleucht und atmet in einem naturbelassenen Garten nebst erquicklichem Mühlteich.

Vor ungefähr einem Jahr war die Familie Kuchenbrand – bestehend aus Vater, Mutter und den Zwillingen Lea und Luis –  in das preiswert zu mietende Müllerhaus eingezogen. Vater Kuchenbrand hatte gerade seine Anstellung als Bäckergeselle verloren, da sein raffgieriger Arbeitgeber Bäckermeister Kümmerling alle Gesellenarbeit durch Maschinen ersetzt hatte. (siehe meine Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/)

Inzwischen betreiben die Eltern der Zwillinge ein florierendes Café in der alten Mühle, und ihre Kinder pflegen eine vertraute Freundschaft mit Petronella Apfelmus. Die Erwachsenen halten Petronella für eine etwas schrullige Nachbarin; sie ahnen nicht, wie viele glückliche Fügungen sie Petronellas magischen Nachhilfezugaben verdanken.

Die Kinder wissen, daß Petronella eine Hexe ist. Gerne besuchen sie Petronella und ihren Freund und Mitbewohner, den Hirschkäfer Lucius, in ihrem Wohnapfel. Mit Hilfe von Petronellas magischer Strickleiter wird man nämlich beim Hinaufklettern immer kleiner und paßt schließlich bequem in einen Apfelinnenraum, und beim Hinabklettern wächst man wieder in seine normale Größe zurück.

Es ist Spätsommer, und es hat lange nicht mehr geregnet. Petronella verhilft dem von Wassermangel betroffenen Mühlteich mit einer Zauberquelle zu Frischwasser und bremst den übereifrigen Obsterntefleiß von Vater Kuchenbrand mit Hilfe von magisch inszenierten Gespinstmottenschleiern.

Eines Mittags klingelt ein Makler an der Tür und informiert die Familie darüber, daß der Vermieter die Mühle verkaufen wolle. Sie hätten selbstverständlich ebenfalls die Mög- lichkeit, die Mühle zu erwerben, und bräuchten dazu nur das Kaufgebot von 500 000 Euro zu überbieten.

Der großzügige Bieter ist niemand anderes als der Bäckermeister Kümmerling. Er fährt auch schon bald mit seiner schwarzen Limousine, in Begleitung seiner tollpatschigen Leibwächter vor und inspiziert mit vorfreudig-provokanten Besitzerallüren das Grund-stück und erklärt, daß er den Garten zum Parkplatz machen wolle, den Mühlteich zum Spaßbad, und was ihm sonst noch alles an profitorientierten Modernisierungen einfällt.

Familie Kuchenbrand ist empört und verzweifelt, ihre Existenz ist bedroht und ihr finanzieller Spielraum recht bescheiden. Während der Vater vergeblich Banken mit Kreditanfragen abklappert, überlegen die Kinder gemeinsam mit Petronella und den Apfelmännchen, wie man die Mühle vor dem Zugriff Kümmerlings retten könne. Hexen können zwar kein Geld herbeizaubern, aber Petronella weiß zum Glück, daß die Besitz-verhältnisse der Mühle komplexer sind, als es auf den ersten Maklerblick scheint.

Herr Kümmerling reibt sich schon die Hände, gleichwohl hat er die Rechnung ohne Petronellas magischen Einfluß und ohne die zwischenmenschliche Kompetenz der Kinder gemacht. Am Ende geht er leer aus, und die Familie Kuchenbrand bekommt die Mühle …

Auch im vierten Band von Petronella Apfelmus gelingt es der Autorin Sabine Städing, mit phantasievollen Details, situationskomischen Zauber- pannen, witzig gereimten Zaubersprüchen und ebenso kommunikativen wie magischen Problemlösungsstrategien eine herzlich-familiäre, unterhaltsam-spannende und zauberhaft-verspielte Atmosphäre zu erschaffen.

Die knuffigen, detailverliebten schwarz-weiß Illustrationen von SaBine Büchner fügen sich dramaturgisch lebhaft in den Erzählfluß ein und korrespondieren mit ihrer warmherzigen Heiterkeit und einfühlsamen, augenzwinkernden Charakterzeichnung ganz hervorragend mit dem Text.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_5590227

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_5891466

Hier finden Sie zum ersten Band von Petronella Apfelmus:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Und hier zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Und hier zum dritten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/

 

Die Autorin:

«Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.«  http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»SaBine Büchner, geboren 1964, studierte Kommunikationsdesign in Wuppertal und Animation an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium. Sie zeichnet und lebt heute mit ihrem Sohn in Berlin.«

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Hannes und die Müllmonster

  • Text und Illustrationen von Henriette Kröger
  • BVK Buch Verlag Kempen 2. Auflage 2016   www.buchverlagkempen.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 56 Seiten
  • 14,90 € (D)
  • ISBN 978-3-86740-473-0
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

SPIELERISCHE  MÜLLTRENNUNG

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Müllraustragen gehört nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen von Kindern. Doch da Hannes wieder einmal im Armdrücken gegen seinen großen Bruder unterlegen ist, schleppt er mißmutig zwei volle Müllsäcke zu den Mülltonnen.

Er wirft einen kurzen Blick in eine der Tonnen und entdeckt ein schimmerndes Etwas, das seine Neugier weckt. Er beugt sich weit hinunter, um das leuchtende Ding zu ergreifen, und fällt in die Mülltonne, fällt viel, viel tiefer, als die Mülltonne tief sein kann, und landet schließlich weich auf einem großen Laubhaufen.

Verwundert inspiziert er den funkelnden Gegenstand, der ihn in diese fremde Gegend gelockt hat. Es ist eine alte, schartige, zerbeulte Krone, und Hannes setzt sie sich spielerisch auf seinen Kopf.

 

Illustration und Text von Henriette Kröger © BVK Buch Verlag Kempen 2016

Hannes ist in einer Müllparallelwelt gelandet, in der er diverse Müllmonster antrifft, die alle in ihrem jeweiligen Müllfachbereich etwas Wertvolles suchen. Er lernt das Biomüll-monster kennen, das Altpapiermonster, auch träge gelbe Säcke und schließlich auf einem Schrottplatz, der sich hinter einem schönen schmiedeeisernen Schnörkeltor befindet, den Müllmonsterkönig, der schraubige Tränen über den Verlust seiner Krone weint.

Freundlich und hilfsbereit überreicht Hannes dem Müllkönig die gefundene Krone und darf sich zum Dank etwas wünschen …

Illustration und Text von Henriette Kröger © BVK Buch Verlag Kempen 2016

In „Hannes und die Müllmonster“ wird das Thema Mülltrennung lustig und verspielt inszeniert. Jede Abfallart hat eine passende illustratorische Kulisse und jedes Müll- monster eine entsprechende Charakterzeichnung – so hat das Biomüllmonster eine recht organische Gestalt und Tomaten auf den Augen und wühlt sich durch allerlei bunte Obst- und Gemüseabfälle, das Altpapiermonster ist grau, eckig und zusammen- gefaltet wie ein Stapel alter Zeitungen und lebt in einer farblosen Gegend, wo die grauen Bäume anstelle von Blättern Zeitungspapierblätter tragen, und der Müllkönig ist eine riesige Schrotteilefigur und macht sich als Gedächtnisstütze gerne Knoten in diverse Rohre.

Die Darstellung der verschiedenen Monster ist nicht zum Fürchten, sondern zum Schmunzeln. Erzählt wird in einfacher Sprache mit vielen Dialogen und gelegentlichem Wortwitz.

Ein moralischer Zeigefinger macht sich keineswegs bemerkbar. Trotzdem wird jedes Kind nach der Lektüre einen veränderten Blick auf Müll haben und zumindest begreifen, daß der Müll nicht einfach weg ist, nur weil wir ihn in die Mülltonne werfen.

So kann dieses Bilderbuch zum Ausgangspunkt für eine vertiefende Betrachtung der Themen Müll, Mülltrennung und Müllvermeidung werden. Außerdem bietet sich für den schulischen und vorschulischen Bereich eine künstlerische Beschäftigung mit der Müllthematik an, sei es, daß die Kinder neue Müllmonster malen oder welche z.B. aus Verpackungsmüll zusammenbasteln oder sich Gedanken zur kreativen Wiederverwertung von Müll machen und diese auch praktisch ausprobieren.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.buchverlagkempen.de/shop/Buecher/Bilderbuecher/Hannes-und-die-Muellmonster

Die Autorin & Illustratorin:

»Henriette Kröger, geboren und aufgewachsen in Hilden, lebt seit ihrem Studium in Krefeld. Sie hat 2011 ihr Studium an der  HS Niederrhein im Bereich Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt „Illustration“ erfolgreich absolviert und ist seit 2013 selbstständig als Illustratorin tätig.«

Ein Blick in Henriette Krögers wilde Monsterstube auf DaWanda lohnt sich ebenfalls:
https://de.dawanda.com/shop/monsterstube

Sehr ansprechend und amüsant-appetitlich sind auch Henriette Krögers Gemüse/Kräuter-Poster, die man ebenfalls über ihre DaWanda-Seite beziehen kann:

Kräuter-Poster © Henriette Kröger

https://de.dawanda.com/product/85098851-poster-kraeuterposter

Gemüse-Poster © Henriette Kröger

https://de.dawanda.com/product/108030111-poster-gemueseposter

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Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch

  • von Andreas Steinhöfel
  • illustriert von Peter Schössow
  • vierter Rico-und-Oskar-Band
  • CARLSEN Verlag  November 2017    www.carlsen.de
  • gebunden
  • 272 Seiten
  • Format: 15 x 21 cm
  • mit vierfarbigen Illustrationen
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-551-55665-3
  • ab 10 Jahren

KINDERHERZLICHE  NÄCHSTENLIEBE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es gibt bereits drei Bände von Rico und Oskar, und als es damals im Jahre 2011 beim Erscheinen des dritten Bandes „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ hieß, die Reihe sei abgeschlossen, war ich betrübt, daß es mit diesen außergewöhnlich liebenswerten und originellen Kinderbuchcharakteren nicht weitergehen sollte. Nun bin ich hocherfreut, daß Andreas Steinhöfel den Leselebensfaden von Rico und Oskar doch noch weitergesponnen hat.

Der tiefbegabte Rico und der hochbegabte Oskar sind die besten Freunde füreinander. Die beiden Jungs ergänzen sich mit ihren jeweiligen Eigenheiten, Stärken und Schwächen, und sie entwickeln sich aneinander weiter.

Oskar kann ausgezeichnet kopfrechnen, weiß viel und ist ein wandelndes Lexikon. Deshalb ist er sich jedoch auch allzu vieler möglicher Lebensgefahren bewußt, was eine Neigung zum Tragen von Kopfbedeckungen (Sturzhelme, diverse Mützen) zur Folge hat. Besonders auffällig ist dies bei Bommelmützen im Hochsommer und wenn er darauf besteht, die Kopfbedeckung auch in Innenräumen nicht abzulegen. In entspanntem Zustand kann Oskar jedoch gut auf eine Kopfbedeckung verzichten.

Rico kann schlecht rechnen, weil ihm – wie er selber sagt – im Gehirn die passende Abteilung für Mathematik fehle. Bei Reizüberflutung kann er gar nicht mehr denken, weil in seinem Kopf die „Bingotrommel“ losgeht und ihn die  wild und laut herum- klackernden Bingokugeln total verwirren. Manchmal versteht er Dinge etwas zu wörtlich, was zu witzigen Mißverständnissen führt. Rico verfügt über sehr viel Einfühlungsvermögen und geht wesentlich geduldiger an seine Mitmenschen heran als Oskar, der die Begriffsstutzigkeit von Erwachsenen und Kindern nur schwer ertägt.

Mit Ricos ausgeprägtem Gefühlsspürsinn und Oskars klugem Köpfchen haben die beiden Jungs schon einige aufregende Abenteuer gut überstanden. Die Freunde wohnen in einem Altbauhaus in der „Dieffe 93“ in Berlin. Das ist ganz praktisch, zumal Rico eine ausgeprägte Rechtslinksschwäche hat und sich räumlich schnell verirrt.

Oskar wohnt bei seinem Vater Lars in der zweiten Etage. Rico lebt mit seiner Mutter und seinem frisch angeheirateten Stiefvater in einer zusammengelegten Wohnung, die sich  über die vierte und fünfte Etage erstreckt. Ricos Mutter ist hochschwanger und achtet inzwischen konsequent auf gesunde Ernährung, was Ricos Süßigkeitenkonsum drastisch einschränkt. Und kürzlich behauptete seine Mutter auch noch, er habe heimlich ihre Silberzwiebelchen weggefuttert. Mann, Mann, Mann – dabei war er wirklich unschuldig.

Wir schreiben den 24. Dezember. Rico schaut schneeflockenhypnotisiert aus dem Fenster auf das dichte Schneetreiben und ist mit seiner Geschenkevorfreude beschäftigt. Er wünscht sich einen Kriminalkoffer und eine Detektivausrüstung, schließlich hat er mit Oskar zusammen schon einige Kriminalfälle gelöst, und überdies ist sein neuer Papa  Polizist – da dürften ja wohl mal ein paar Handschellen & Co drin sein.

Um halb elf gehen Rico und Oskar zu Fuß zum Karstadt. Oskar will noch ein Geschenk für seinen Vater und für Otto kaufen, den besten Kumpel seines Vaters. Außerdem vielleicht noch eine Kleinigkeit für Anna, die neue Freundin, die Otto heute zum Festessen und Kennenlernen mitbringen wird. Rico will noch ein ganz raffiniertes, sehr um die Ecke gedachtes Geschenk für sein zukünftiges Brüderchen oder Schwesterchen kaufen – einen Schwimmreifen, mit dem es bei der Geburt durchs „Obstwasser“ schwimmen soll. Ich freue mich jetzt schon auf die Verfilmung dieses lustigen Verkaufsgesprächs …

Auf dem Weg zum verabredeten Wiedertreffpunkt in der Herrenabteilung – bei Karstadt verirrt sich Rico nämlich unerklärlicherweise nie – beobachtet Rico von der Rolltreppe aus, daß Oskar an einem Sonderangebotstisch für weiße Damenunterwäsche herum-wühlt. Rico wundert sich, fragt aber später nicht nach.

Zurück in der Dieffe 93 muß erst einmal Ricos Vater vor der im Treppenhaus einge-klemmten etwas übergroßen Weihnachtstanne gerettet werden. Das kommt davon, wenn man irgendwelche unterwegslichen Sonderangebote wahrnimmt, anstatt wie versprochen seinen Sohn zum Baumaussuchen mitzunehmen.

Doch das renkt sich alles wortwörtlich wieder ein, zumal Lars, Otto, Anna und sogar der muffelige Hausmeister Mommsen tüchtig mitanpacken. Rico darf zum Ausgleich den Baum schmücken, und Mamas beste Freundin Irina beginnt derweil ein traditionelles russisches Weihnachtsmenü vorzubereiten, denn Ricos Mama kann mit ihrem Wasserballbauchumfang nicht so lange in der Küche hantieren und soll sich lieber schonen und ausruhen.

Rico macht eine kleine Stippvisite bei Frau Dahling, seiner alten Freundin und Nachbarin aus dem dritten Stock, die sich Sorgen macht, da ihr Verehrer noch nicht da ist. Rico tröstet sie und meint, daß er wegen des vielen Schnees einfach länger unterwegs sei. Ein paar leckere Müffelchen staubt er beiläufig auch noch ab. Frau Dahling erzählt, daß Oskar bei seinem letzten Besuch eine Riesenmenge Müffelchen alleine verputzt habe. Rico wundert sich erneut über Oskars ungewohntes Verhalten.

Müffelchen sind kleine Schnittchen mit Käse und Aufschnitt, mit kulinarischer Dekoration aus Gürkchen, Oliven, Ei, Petersilie, salziger Sardelle und Silberzwiebelchen. Wenn Frau Dahling mit Rico und Oskar Filmschnulzen guckt, gibt es immer Müffelchen, und da wäre man wirklich selber gerne mal dabei.

Der Schneesturm wird immer heftiger. Rico packt liebevoll das Geschenk für sein Geschwisterchen ein und kuschelt eine Runde mit Porsche, seinem kleinen Jack-Russell-Terrier.

Rico denkt über Oskar nach, über das verschwundene Essen, über die Damenunter-wäsche und diverse weitere Auffälligkeiten. Kaum hat er richtig kombiniert, daß Oskar offenbar jemanden versteckt und durchfüttert, da klingelt Oskar und bittet seinen Freunde dringend um Hilfe …

Das wird sehr dramatisch und schneewehisch, aber auch ganz wunderwunderbar familiär und nächstenlieb – wie es sich für den Heiligen Abend gehört …

Wer eine spannende und zugleich gefühlvoll-nachdenkliche sowie humorvolle Kinderlektüre sucht, ist bei Rico und Oskar sehr gut aufgehoben. Hier finden sich ein reicher Fundus lebensechter Charaktere, ein warmherziger, wortspielerisch- er Erzählstil, eine lebenskluge Balance von perfekter Dramaturgie und emotionaler Reflektion sowie vielfältige familiäre, lustige, milieuspezifische, zwischenmenschliche und kindgemäß-geistreiche Aspekte.

Alleine schon für die Worterklärungskästchen, die Rico immer formuliert, wenn er ein neues Fremdwort gelernt hat, lohnt sich die Lektüre, wie das nachfolgende Zitat zeigt:

»PROFILNEUROSE: Wenn jemand sich vor anderen wieder und wieder darstellen muss, auch wenn die ihn schon jahrelang kennen und das langweilig finden. Es ist die Vorstufe von Narzissmus, wo einer nur noch sich selber sieht und liebt. Keine Ahnung, was das alles mit Rosen und Narzissen zu tun hat, aber es betrifft nicht nur Gärtner.« (Seite 156)

Die farbigen Illustrationen von Peter Schössow geben Rico und Oskar mit ausdrucksvollem Minimalismus anschaulich-knuffelige sowie äußerst textgetreue Gestalt, und die schneebeflockten Kapiteltrennseiten tragen zusätzlich zur winterlichen Gestimmtheit der Geschichte bei.

Im vorliegenden vierten Band von „Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch“ sind die Kinder im Vergleich zu den ersten drei Bänden etwas reifer und selbstbe- wußter geworden. Ricos Kopfbingogekugel hat deutlich nachgelassen, und Oskar trägt nicht ständig eine Kopfbedeckung. Gleichwohl sind sie Kinder und brauchen Halt, Orientierung und Hilfe von erwachsenen Erwachsenen. Es gibt in diesem Buch sehr anrührende Szenen, welche das tiefe kindliche Bedürfnis nach familiärer Geborgenheit, Schutz, Trost und Vertrauen in anschaulichen Formulierungen wiedergeben.

Ricos Angst vor Liebesverlust durch das erwartete Geschwisterchen begegnet Oskar mit folgender sehr weisen Antwort:

»Liebe ist, glaube ich, etwas ziemlich Unerschöpfliches. Dir wird nichts weggenommen – wenn jemand Neues dazukommt, wächst für den einfach neue Liebe dazu. Deshalb muß man auch keine Vorräte anlegen, es ist immer genug für alle da.« (Seite 94)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.carlsen.de/hardcover/rico-oskar-und-das-vomhimmelhoch-rico-und-oskar-/61384

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band „Rico, Oskar und die Tieferschatten“:
https://www.carlsen.de/hardcover/rico-oskar-und-die-tieferschatten-rico-und-oskar-1/30991
zum zweiten Band: „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“:
https://www.carlsen.de/hardcover/rico-oskar-und-das-herzgebreche-rico-und-oskar-2/25135
und zum dritten Band: „Rico, Oskar und das Herzgebreche“:
https://www.carlsen.de/hardcover/rico-oskar-und-der-diebstahlstein-rico-und-oskar-3/23133
Hier entlang zu einem weiteren Kinderbuch von Andreas Steinhöfel, in dem sich ebenfalls zwei Außenseiter erfolgreich zusammentun: „Glitzerkatze und Stinkmaus“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/02/11/glitzerkatze-und-stinkmaus/

Der Autor:

»Andreas Steinhöfel wurde 1962 in Battenberg geboren, arbeitet als Übersetzer und Rezensent und schreibt Drehbücher – vor allem aber ist er Autor zahlreicher, vielfach preisgekrönter Kinder- und Jugendbücher, wie z. B. »Die Mitte der Welt«. Für »Rico, Oskar und die Tieferschatten« erhielt er u. a. den Deutschen Jugendliteraturpreis. 2009 hat Andreas Steinhöfel den Erich-Kästner-Preis für Literatur verliehen bekommen, 2013 wurde er mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk ausgezeichnet und 2017 folgte der James-Krüss-Preis. Andreas Steinhöfel ist als erster Kinder- und Jugendbuchautor Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Der Illustrator:

»Peter Schössow, Jahrgang 1953, gehört zu den renommiertesten deutschen Illustratoren. Nach seinem Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg arbeitete er unter anderem für Spiegel, Stern und Die Sendung mit der Maus. Darüber hinaus hat er eine Vielzahl von Kinderbüchern verfasst und illustriert, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Peter Schössow lebt in Hamburg.«

 

Meine lokale KAUFEMPFEHLUNG:

Für meine Solinger Mitleser weise ich gerne darauf hin, daß die Buchhandlung
DIE SCHATZINSEL stets einen satten Vorrat an Andreas-Steinhöfel-Büchern pflegt.
Von „Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch“ sind sogar noch
vom Autor signierte Exemplare (von der Solinger-Steinhöfel-Lesung vom 6.11.2017) vorrätig.

Die Schatzinsel
Buch & Meer
Forststr. 1
42697 Solingen
Tel:   0212  –  38 32 95 10
Fax:  0212  –  38 32 95 11
http://www.schatzinsel-solingen.de

 

 

Wichtelweihnacht im Winterwald

  • Illustrationen von Eva Eriksson
  • Text von Ulf Stark
  • Originaltitel: »Jul i stora skogen«
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Oetinger Verlag   August 2014    www.oetinger.de
  • gebunden, Halbleinen
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 cm x 26,5 cm
  • 104 Seiten
  • 16,99 € (D),  17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7891-4750-0
  • ab 5 Jahren

WICHTELIGE  ÜBERRASCHELUNGEN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der echte Hauswichtel Grantel kümmert sich aufmerksam um das verlassene Gehöft, das sein Zuhause ist. Er inspiziert alle Räume, zieht sogar mühevoll die Wanduhr auf und betont für sich im Selbstgespräch, wie gut es doch sei, daß alle tierischen und mensch-lichen Bewohner schon seit einem halben Jahrhundert fortgezogen sind. Während er seinen vielbeschäftigten Erinnerungen nachgeht, merkt man jedoch deutlich, daß er sehr einsam ist.

Bei seinem Rundgang rettet er eine Hummel aus einem Spinnennetz und nimmt sie mit in die Hundehütte, die er sich gemütlich eingerichtet hat. Er bereitet der Hummel mit einer Moosmatratze ein Bett in einer kleinen Schachtel und liest ihr aus seinem Buch „Zum Lobe der Einsamkeit“ vor. Die Hummel schläft darüber ein und schnarcht, und Grantel grantelt über diese Ruhestörung.

Am nächsten Tag weht ein starker Wind. Grantel hat noch seine Wollhandschuhe auf der Wäscheleine hängen und will sie in Sicherheit bringen. Doch der freche Wind hebt nicht nur seine Handschuhe in luftige Höhen, sondern zupft ihm auch noch seine rote Zipfelmütze vom Kopf und schickt sie hinterher. Wütend tritt Grantel gegen einen Holzpfosten, so daß sich das angenagte und verwitterte Wegweiserschild, auf dem einst „WEIHERWEG NACH TOMTING IM GRÜNEN TAL“ geschrieben stand, auch noch auf die Windreise begibt.

Kurz denkt der Wichtel noch daran, daß man auf dem Schild nur noch die Silben „WEIH NACH T IM GR“ entziffern kann und beschließt, sich nicht um Weihnachten und auch sonst um nichts und niemanden zu kümmern und seine Einsamkeit und Stille zu genießen. Nur die Hummel füttert er selbstverständlich fürsorglich.

Im großen Wald, in einer weiträumigen Höhle unter einer alten Eiche wohnt eine Kaninchengroßfamilie. Vater, Mutter, Tanten, Onkel, Opa, kleinere und größere Kinder wuseln umtriebig herum, und tierische Nachbarn – Eichhörnchen, Hasen, Igel, Mäuse und Vögel – runden die Geselligkeit munter ab.

Die Kaninchenkinder Nina und Kalle erwarten ihren ersten Winter und lassen sich vom Opa erzählen, wie Schnee aussieht. Neugierig machen einen Ausflug nach draußen und halten Ausschau nach den ersten Schneeflocken. Draußen windet es sehr, und sie finden keinen Schnee, sondern eine rote Zipfelmütze, zwei Handschuhe und ein Holzschild mit geheimnisvollen Schnörkeln darauf.

Die Fundstücke werden nach Hause getragen und von allen Familienmitgliedern begutachtet. Für die Entzifferung des Wegweisers suchen sie den Rat des Uhus, der angeblich lesen kann, aber es sind schließlich die Krähen, die den Text vorlesen: „WEIHNACHT IM GR“. Was denn dieses WEIHNACHT sei, fragen die Kaninchen, und die Krähen wissen nur, daß es etwas spannendes Winterliches sein soll.

Bei allen anderen Waldtieren werden nun Erkundigungen über WEIHNACHTEN eingezogen, und so finden sie heraus, daß zur Weihnacht auch ein Weihnachtsmann, ein Weihnachtsbaum, ein Festessen, Weihnachtslieder, Süßigkeiten, Geschenke  und „Überraschelungen“ gehören.

Mit großem Eifer stürzen sich nun alle in die Weihnachtsfestvorbereitungen, denn es ist ja sternenklar, daß sich der Weihnachtsmann mit dem Schild für den GR=Großer Wald angekündigt hat.

Die Tiere kennen Weihnachten und den Weihnachtsmann nur vom Hörensagen und interpretieren so manches anders. Beispielsweise überlegen sie sich liebevoll, was sie dem Weihnachtsmann schenken könnten und nicht umgekehrt, was sie sich von ihm wünschen.

Am 13. Dezember erscheint dem Wichtel des Nachts die Heilige Lucia mit dem traditionellen Kerzenkranz auf dem Kopf und prophezeit ihm, er werde zwei Kinder bekommen. Grantel will nichts davon hören, und auch die Pfefferkuchen, die Lucia ihm zur Versüßung dieser Botschaft daläßt, überzeugen ihn keineswegs.

Als die Hummel auch noch behauptet, die Pfefferkuchen schmeckten himmlisch, schimpft Grantel, er wolle nichts vom Himmel, von Engeln und Kindern wissen, und er beklagt sich, wie lächerlich er mit dem grauen Wollstrumpf auf dem Kopf aussähe, den er sich in Ermangelung seiner Zipfelmütze anziehen müsse.

Inzwischen fällt längst Schnee, das Festessen in der Kaninchenhöhle ist vorbereitet, der Weihnachtsbaum ist mit Naturmaterialien geschmückt, und alle warten auf den Weihnachtsmann. Doch der kommt nicht, und es werden erste Stimmen laut, welche die Existenz des Weihnachtsmannes bezweifeln.

Nina und Kalle beschließen, heimlich den Weihnachtsmann zu holen. Der Uhu hatte gemeint, der Weihnachtsmann wohne dort, wo der Schnee herkäme. Also kämpfen sich die Kaninchenkinder gegen den Wind und durch den aufkommenden Schneesturm bis zum Hof des Wichtels.

Grantel reagiert zunächst theoretisch abweisend und dann doch ganz praktisch fürsorglich auf die durchgefrorenen Kinder. Er kümmert sich halt, auch wenn er darüber räsoniert. Ja, er ist sogar so einfühlsam, den Weihnachtsmann zu spielen. Er improvisiert einen Schlitten mit Glöckchen und Laterne und fährt mit den Kindern zur Kaninchenhöhle zurück.

Dort werden alle freudig begrüßt, und der Wichtel wird so zärtlich geherzt und willkommen geheißen, daß er nur ganz freundlich grantelt. Als er dann auch noch – neben allerlei anderen Aufmerksamkeiten – seine rote Zipfelmütze wiedergeschenkt bekommt, findet Grantel, daß dies sein schönstes Weihnachten seit hundert Jahren sei.

Nina fragt den Wichtel, warum eigentlich Weihnachten gefeiert werde. „Weil ein Kind auf die Welt gekommen ist“, sagt Grantel. Nun, ich finde, dies ist eine Antwort, die wahrlich kinderleicht zu verstehen ist.

„Wichtelweihnacht im Winterwald“ ist eine schöne, warmherzige Vorlese- geschichte, die – wohlportioniert in 25 übersichtliche Kapitel und durchgehend farbig illustriert – anregend von Tag zu Tag durch die Adventszeit führt.

Die Erzählung betont die zwischenmenschliche bzw. zwischenwichteltierische Ebene. Grantel, eingerostet in seiner menschenleeren Einsamkeit, will mit Weihnachten nichts zu tun haben. Ausgerechnet er wird von den Kaninchen- kindern für den Weihnachtsmann gehalten und erfüllt die ihm zugedachte Rolle schließlich mit Bravour, Gutherzigkeit, feierlicher Andacht und Würde.

Ulf Stark findet einen Erzählton, der in einfachen Worten Dinge und Gegeben- heiten ausspricht und zugleich zwischen den Zeilen ein feinfühliges, vielschichtiges Herzensecho erklingen läßt.

Die sanftmütigen, warmherzigen Illustrationen von Eva Eriksson bereichern den Text Seite für Seite um eine stimmungsvolle visuelle Dimension und harmo- nieren ganz vorzüglich mit der schelmischen Weisheit der Erzählung; damit garantieren sie eine zauberhafte Weihnachtseinstimmung für die ganze Familie.

Die hochwertige Ausstattung mit edlem rotem Halbleinenbuchrücken, die strapazierfähige Fadenheftung und das anschaulich großzügige Buchformat bieten als bibliophile Zugabe eine edle Verpackung für dieses märchenhaft-festliche Wichtelweihnachtshausbuch.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.oetinger.de/nc/schnellsuche/titelsuche/details/titel/1247500/18745/3163/Illustrator/Eva/Eriksson/Wichtelweihnacht_im_Winterwald.html

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren, sehr warmherzigen weihnachtlichen Kinderbuch von Ulf Stark: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/12/was-wir-uns-wuenschen/ 

Der Autor:

»Ulf Stark, 1944 in Schweden geboren, ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuch-autor. Er studierte Pädagogik und Psychologie und veröffentlichte 1975 sein erstes Kinderbuch. Etliche seiner Geschichten wurden auch verfilmt. Für sein Werk wurde Ulf Stark vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem renommierten schwedischen August-(Strindberg-)Preis und dem Nils-Holgersson-Preis. «

Die Illustratorin:

»Eva Eriksson wurde 1949 in Halmstad/Schweden geboren und studierte nach dem Abitur an einer Kunstschule. Heute ist sie eine der bekanntesten und beliebtesten Kinderbuch-Illustratorinnen Schwedens und auch international erfolgreich. Sie wurde u.a. mit der Goldenen Plakette auf der Biennale der Illustrationen in Bratislava und dem Europäischen Jugendliteraturpreis „Provincia di Trento“ ausgezeichnet. Mit ihren liebenswerten Illustrationen der Geschichten über den kleinen „Max“, die inzwischen schon zu den Bilderbuch-Klassikern zählen, kam sie auf die Ehrenliste des Hans Christian Andersen-Preises. Für ihr Lebenswerk erhielt Eva Eriksson den Elsa-Beskow-Preis und den Astrid Lindgren Preis des schwedischen Verlages Rabén & Sjögren.«

Arche Kinder Kalender 2018

  • Mit 52 Gedichten und Bildern aus der ganzen Welt
  • Herausgegeben von der
  • Internationalen Jugendbibliothek  München  www.ijb.de
  • erschienen im ARCHE KALENDER VERLAG   www.arche-kalender-verlag.com
  • graphische Gestaltung von Max Bartholl
  • WOCHENKALENDER
  • 60 Blätter
  • 52 vierfarbige Illustrationen
  • Format: 33 x 30,5 cm
  • 20,00 €, 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-0347-7018-7
  • Für Kinder jeden Alters

W E L T E N B U M M E L N 

Kalenderbegeisterung von Ulrike Sokul ©

Am konstruktiven internationalen Dialog kann man in politischer Hinsicht zuweilen zweifeln, doch auf den Kalenderblättern des Arche Kinder Kalenders gelingt der Dialog zweifellos und zudem noch mit Vergnügen.

Alljährlich kommen in diesem Kalender poetische Vertreter aus aller Welt friedlich und aufgeschlossen zusammen und zeugen von einer großen, kunterbunten sprachlichen und illustren Vielfalt.

Die Mitarbeiter der Internationalen Jugendbibliothek* in München wählen alljährlich aus dem umfänglichen Fundus ihrer Kinderlyrik-Sammlung diejenigen Poeme aus, die den Arche Kinder Kalender letztlich befüllen.

Stets werden die Gedichte in ihrer Originalsprache und in einfühlsamer deutscher Übersetzung wiedergegeben sowie dekorativ mit der Originalillustration grundiert. Für die graphische Gestaltung und die Formatierung zum anschaulichen Kalenderblatt trägt der Arche Hausgraphiker Max Bartholl die berufserfahrene Verantwortung.

Mit dem Arche Kinder Kalender kann man seinen Kindern Woche für Woche eine andere poetische Sprachwelt aufblättern. Über 30 Länder und Sprachen kommen zu Wort und 52 verschiedene Illustrationen.

Die farbenfrohe Palette der kindlich-lyrischen Themen enthält helle und dunkle Töne, sanfte Poesie und schlicht Prosaisches, ahnend Philosophisches und unbekümmert Albernes, sozialkritische Nachdenklichkeit und verspielte Träumerei, tänzerische Leichtigkeit und kindliche Schwermut, Gereimtes und Ungereimtes, geheimnisvoll Märchenhaftes und zärtliche Naturbetrachtung, Abenteuerlust, Geborgenheit, Lautmalereien, Miniaturdramen, Scherze, Skurrilitäten, Wortspiele … nur Langeweile werden Sie vergeblich suchen.

Die inhaltliche und stilistische Bandbreite spiegelt sich selbstverständlich in den begleitenden Illustrationen, und das eine oder andere Kalenderblatt verdient sich gewiß auch eingerahmt oder angepinnt ein musisches Plätzchen im Kinderzimmer. Als dezente Nachhaltigkeitsanregung weise ich gerne noch darauf hin, daß sich die „abgelaufenen“ Kalenderblätter hervorragend als Geschenkpapier eignen und auf diesem Wege auch noch schön „weitergesagt“ werden können.

Sehr anregend ist zudem das freigebliebene Kalenderblatt, das die Kinder selber „bedichten“ und bemalen können. Dieses selbstgestaltete Kalenderblatt kann bis zum 1. Dezember 2018 an die Internationale Kinderbibliothek gesendet werden, welche die fünf schönsten Blätter auswählt und mit einem Arche Kinder Kalender 2019 belohnt.

Diese wunderbar abwechslungsreiche und entdeckenswerte Poesiekost fürs Kinderzimmer könnte als erwünschte Nebenwirkung dazu führen, daß Sie einmal wieder ein Gedicht in den Mund nehmen und es gemeinsam mit Ihrem Kind abschmecken. Und es wäre auch ganz und gar nicht unerhört, wenn Sie es – bei besonderem Wohlgeschmack – auswendig lernten.

 

Hier geht es zum Arche Kinder Kalender auf der Verlagswebseite. Dort läßt er sich zum gefälligen Vorkosten ein wenig durchblättern:
http://arche-kalender-verlag.com/arche-kinder-kalender-2018.html

 

Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg in München hat, ist die weltweit größte und renommierteste Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von der deutsch-jüdischen Emigrantin Jella Lepman gegründet, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, mit Kinderbüchern Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen. Bücher sollten die Fantasie der deutschen Nachkriegskinder anregen und ihnen eine offene Weltsicht vermitteln.

Die Idee des interkulturellen Dialogs und die Liebe zu guter Literatur bestimmen seit mehr als 60 Jahren die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist ein Ort, an dem die Literaturvermittlung einen hohen Stellenwert hat und an dem mit Kindern und Erwachsenen der Diskurs über Bücher, Autoren, Illustratoren und Themen gesucht wird.«  Weitere Informationen:  http://www.ijb.de

Wer Mitglied im »Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek« wird, der bekommt u.a. im ersten Jahr den Arche Kinder Kalender als Begrüßungsgeschenk. http://www.ijb.de/ueber-uns/freundeskreis.html

PS
Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der ARCHE KALENDER VERLAG außer dem hier besprochenen Kinder Kalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert hat:

Arche Geburtstagskalender (immerwährend)
http://arche-kalender-verlag.com/arche-geburtstagskalender.html
Arche Küchen Kalender 2018
http://arche-kalender-verlag.com/arche-kuechen-kalender-2018.html
Arche Literatur Kalender 2018 
http://arche-kalender-verlag.com/arche-literatur-kalender-2018.html
Arche Musik Kalender 2018
http://arche-kalender-verlag.com/arche-musik-kalender-2018.html

Tupfst du noch die Tränen ab?

  • Pappbilderbuch
  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag   Februar 2017  www.moritzverlag.de
  • Format: 17 x 17
  • 22 Seiten
  • 8,95 € (D), 9,20 € (A)
  • ISBN 978-3-89656-340-7
  • ab 2 Jahren

ERSTE  HILFE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das dritte interaktive Hasenkind-Bilderbuch von Jörg Mühle inszeniert, wie seine Vorgänger, eine familiäre Alltagssituation, mit der sich kleine Kinder sofort identifizieren können.

Das Hasenkind hat sich beim Hinfallen wehgetan und schaut weinend aus der Bilderbuchseite heraus. Was wir da tun können? Na, dreimal pusten, was denn sonst?

Gesagt getan! Doch das Hasenkind braucht noch etwas mehr, denn die kleine Wunde blutet. Also kleben wir ein lustiges Pflaster auf.

Nach einem kurzen, gereimten Heilungsspruch, einer liebevollen Streicheleinheit und etwas Dreck abklopfen können wir dem Hasenkind das Näschen putzen und sehen, wie es wieder putzmunter und gutgelaunt herumhüpft.

Das Besondere an dieser Geschichtengestaltung ist, daß das Kind wortwörtlich eingeladen wird, etwas für das Hasenkind zu tun. Und wenn das Kind auf der jeweiligen Bilderbuchseite gepustet, bepflastert, gestreichelt, geklopft usw. hat, dann sieht es auf der Folgeseite die Wirkung, seines Tuns auf das gezeichnete Hasenkind. So übt es „papieruell“ das Trösten.

Die lustigen und im Gefühlsausdruck sehr deutlichen Zeichnungen, die in einfachen, warmen Worten erzählte Handlung und die Aufforderungen zum Mitmachen lassen Kinder spielerisch erkennen, daß sie nicht nur selber manchmal Trost brauchen, sondern auch Trost spenden können.

Nach ein paar Vorlesedurchgängen mit diesem Mitspielbilderbuch können Kinder auch gut ganz alleine mit dem Hasenkind spielen …

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Neuerscheinungen/Tupfst-du-noch-die-Traenen-ab.html

 

Der Erste Band dieser erfolgreichen Reihe handelt von Einschlafritualen und heißt:
Nur noch kurz die Ohren kraulen
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Pappbilderbuecher/Nur-noch-kurz-die-Ohren-kraulen.html

Und im zweiten Band geht es ums Baden: Badetag für Hasenkind
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Pappbilderbuecher/Badetag-fuer-Hasenkind.html

 


Hasenkind und ich sind übrigens schon gespannt, wie die Reihe weiterhüpfen wird.

Der Autor & Illustrator:

«Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor. Er hat eine Tochter im besten Bilderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag.»

 

 

Ramas Flucht

  • Bilderbuch
  • Bilder von Nizar Ali Badr
  • Text von Margriet Ruurs
  • Arabischer Text von Falah Raheem
  • Originaltitel »Stepping Stones. A Refugee Family’s Journey«
  • Aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günter
  • Deutsch-arabische Ausgabe
  • Gerstenberg Verlag  Januar 2017    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 18,5 x 24 cm
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • ISBN 978-3-8369-5973-5
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ab 4 Jahren

DIE  STIMMEN  DER  STEINE

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

„Ramas Flucht“ ist ein Bilderbuch, das Steine sprechen läßt, den Horizont weitet, das Herz öffnet.

Der syrische Bildhauer Nizar Ali Badr hat für die Geschichte von Ramas Flucht Steincollagen gelegt, deren tiefe, elementare  Ausdruckskraft überrascht und beein-druckt. Seine Bildkompositionen aus einfachen Kieselsteinen sind erstaunlich beredt.
Die menschlichen Figuren strahlen durch ihre steinerne Körpersprache sehr differenziert bewegte und bewegende Gefühle aus, und an manchen Stellen bringt Nizar Ali Badr sogar Steine zum Blühen.

Rama erzählt vom glücklichen Lebensalltag ihrer Familie, der Vater arbeitet auf dem Feld, der Großvater geht fischen und erzählt abends unter dem häuslichen Orangenbaum von den Ahnen, die Mutter näht und kocht, die Kinder spielen fröhlich miteinander, man kauft auf dem Markt ein, und man trinkt gelegentlich Tee mit den Nachbarn und plaudert.

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Dann kommt der Krieg, Bomben fallen, Lebensmittel werden knapp, die ersten Nachbarn verlassen das Dorf, die Abschiede und Verluste häufen sich, die Angst wächst, und schließlich flieht auch Ramas Familie vor Gewalt und Unfreiheit.

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Die Mühsalen, Gefahren und Schmerzen der Flucht zu Land und zu Meer werden beschrieben, aber auch die Hoffnung auf ein anderes Leben an einem Ort, an dem Frieden herrscht. Ramas Familie findet ein neues Zuhause und Menschen, die ihnen helfen …

Illustration von Nizar Ali Badr © „Ramas Flucht“ Gerstenberg Verlag 2017

Die Autorin Margriet Ruurs hat für Ramas Geschichte einen feinen, leise-eindringlichen, poetischen und zugleich präzisen Tonfall gefunden, der wunderbar mit der empfindsamen Kraft der Steinbilder harmoniert. Der Text erscheint zudem zweisprachig auf Deutsch und Arabisch.

Dieses außergewöhnliche Bilderbuch wird dem Anspruch gerecht, den es mit dem vorangestellten Zitat von Albert Einstein erhebt:

„Frieden kann nicht durch Gewalt erhalten werden.
Er kann nur durch Verständnis erreicht werden.“

„Ramas Flucht“ eignet sich hervorragend, um Kindern das Thema Flucht begreifbar und verständlich zu machen. Die Stein-Collagen sind anrührend und ergreifend, aber nicht abschreckend wie beispielsweise Nachrichtenfotos. Außerdem ist diese Art der Bildgestaltung auch eine kreative Anregung für den Kunstunterricht und/oder für therapeutische Ausdrucksformen – insbesondere für Kinder, die selbst Fluchterfahrungen hinter sich haben.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959735&highlight=ramas+flucht

 

PS:
Die außergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Nizar Ali Badr und Margriet Ruurs ist ein schönes Beispiel für die Überwindung von Grenzen. Margriet Ruurs entdeckte die kunstvollen Steinbilder Nizar Ali Badrs im Internet und wollte eine Geschichte dazu schreiben. Sie bemühte sich geduldig um Kontakt. Nach einigen Umwegen und vermittels eines englischsprachigen Freundes des syrischen Künstlers konnte dieses Buchprojekt schließlich verwirklicht werden.

PPS:
Auf Karins Sternschnuppen-Blog finden sich drei kurze, sehenswerte YouTube-Filme über die Arbeiten von Nizar Ali Badr:
https://11sternschnuppe11.wordpress.com/2017/07/25/pictures-of-the-east/

PPPS:
Gerne reihe ich auch diese Bilderbuchbesprechung in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein:
https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Der Illustrator:

»Nizar Ali Badr, geboren 1964 in Latakia, Syrien, lebt auch heute noch in der syrischen Hafenstadt. Er ist Künstler und Bildhauer. Badr sammelt Steine in der näheren Umgebung, aus denen er im Atelier auf dem Dach seines Hauses eindrucksvolle Kunstwerke schafft.«

Die Autorin:

»Margriet Ruurs, geboren 1952 in den Niederlanden, lebt schon lange in Kanada. Sie schreibt Gedichte, Bilder-, Sach- und Schulbücher. Heute wohnt sie auf Saltspring Island, einer kleinen Insel im Pazifik, wo sie ein Bed & Breakfast für Buchliebhaber betreibt.«

 

 

Der Wunderkasten

  • von Rafik Schami
  • mit Bildern von Peter Knorr
  • Bilderbuch Sonderausgabe
  • Edition Bracklo 2017    www.edition-bracklo.de
  • in rotes Leinen gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,9 × 19,5 × 1,0 cm
  • 52 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 29,80 €
  • ISBN 978-3-9817443-2-3
  • ab 6 Jahren

MULTIMEDIA  DES  HERZENS

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das orientalische Geschichtenerzählen ist eine alte Kunst, die Rafik Schami bereits seit Jahrzehnten gekonnt und warmherzig nach Deutschland und in die Gegenwart transportiert. „Der Wunderkasten“ erschien zum ersten Mal im Jahr 1990 im Verlag Beltz & Gelberg. In diesem Jahr präsentiert uns die Edition Bracklo eine luxuriöse Sonderaus-gabe in edler, bordeauxroter Leinenbindung und mit neuen Illustrationen von Peter Knorr.

Rafik Schami erzählt, wie er als Kind voller Hingabe und Verzauberung dem alten Geschichtenerzähler lauschte, der regelmäßig durch die Gassen Damaskus‘ wanderte und Kinder für einen Piaster oder ein Glas Wasser in seinen Wunderkasten schauen ließ. Die Kinder konnten durch eine kleine Glasscheibe eine Bilderrolle mit alten Zeichnungen sehen, eine Luke im Kasten diente als spärliche Beleuchtung.

„Der Wunderkasten“ von Rafik Schami, Illustration von Peter Knorr © Edition Bracklo 2017

Während der Geschichtenerzähler langsam die Bilderrolle drehte, erzählte er mit gekonnter Stimmdramaturgie die märchenhafte Liebesgeschichte zwischen dem armen Hirten Sami und der rosenschönen Leila aus reichem Hause. Sami muß schwere Prüfungen bestehen, bis er und Leila heiraten dürfen. Er muß sie aus Räuberhand befreien, ihrem Vater Löwenmilch zur Genesung bringen und sogar 300 Kamele aufbieten, bis der Vater widerwillig dieser unerschütterlichen Liebe nachgibt.

Und wie es in orientalischen Geschichten üblich ist, ranken sich um die Hauptgeschichte kleine Nebenschicksale und Zugabeerzählungen, die nur kurz angedeutet werden, um ein anderes Mal vielleicht ebenfalls zu Wort zu kommen. Manchmal drängelt sich die Geschichte in der Geschichte auch vor, das erweitert die Erzählrichtung und erschafft ein buntes und komplexes Textgewebe.

Die schönen klassischen Zeichnungen der Bilderrolle sind mit der Zeit verblaßt und wurden durch moderne Reklameschnipsel und Zeitschriftenfotos geflickt und ausgebessert, was der traditionellen Erzählweise nicht gut bekam. Die Kinder hörten nicht mehr richtig zu, sie plapperten die passenden Werbesprüche und Reklamelieder zu den neuen Bildern, und der alte Mann zog sich traurig und beschämt zurück.

Nach einer längeren Abwesenheit, die für viele Spekulationen Raum bot, kam er jedoch eines Tages wieder. Sein Kasten enthielt nun gar keine Bilderrolle mehr.  Die Kinder folgten gleichwohl neugierig und gespannt seiner munteren Geschichteneinladung, lauschten der Stimme des alten Erzählers, schauten dabei in den dunklen Kasten, und am Ende der Geschichte strahlten sie und sprachen von den Wundern, die sie „gesehen“ hatten.

Das ist ja eben die Zauberkunst, mit Worten zu malen und Kinder zu lehren, mit dem Herzen zu sehen!

Die feinen Illustrationen von Peter Knorr spiegeln die Rahmenhandlung und die märchenhafte Geschichte in der Geschichte stimmungsvoll wider. Die Charaktere und die Handlung werden ebenso einfühlsam wie schelmisch erfaßt und bis in kleinste Details achtsam in Bilder und Farben übertragen, die den warmherzigen, heiter-abenteuerlichen Erzählstil Rafik Schamis harmonisch abrunden.

Auch die Materialgestalt dieser Sonderausgabe verdient ausdrücklich-lobende Erwähnung:

Der rote Leineneinband ist sozusagen der Theatervorhang; schlägt man ihn auf, betritt man auf den Vorsatzblättern orientalische Fliesen und blättert sich von Seite zu Seite auf angenehm weichgriffigem Papier durch ein belebtes Altstadtviertel Damaskus‘ sowie durch das bunte Märchen der Liebesgeschichte von Leila und Sami. Und ganz zum Schluß schaut uns das charakterstarke, lebenserfahrene und gütige Gesicht des alten Geschichtenerzählers unmittelbar ins Herz.

Der Wunderkasten“ von Rafik Schami, Illustration von Peter Knorr © Edition Bracklo 2017

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.edition-bracklo.de/?product=der-wunderkasten-leinengebundenes-bilderbuch-von-rafik-schami-mit-bildern-von-peter-knorr

Der Autor:

»Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren und wanderte 1971 in die Bundesrepublik Deutschland ein. Er studierte Chemie in Heidelberg und schloss sein Studium 1979 mit der Promotion ab. – Heute zählt er zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache und gilt als der Wortzauberer und Geschichtenerzähler schlechthin. Seine zahlreichen Bücher für Kinder und Erwachsene erschienen in 29 Sprachen und wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.«

Der Illustrator:

»Peter Knorr wurde 1956 in München geboren. Er studierte in Mainz Kunsterziehung. Heute arbeitet Peter Knorr als freischaffender Illustrator und Grafiker. Er hat eine Vielzahl an Kinderbüchern illustriert und Bucheinbände gestaltet, u.a. für Werke von Erich Kästner, Peter Härtling, Kirsten Boie, Paul Maar und Rafik Schami. Peter Knorr ist außerdem bekannt als Zeichner für die beliebte ZDF-Kinderserie „Siebenstein“. Für seine Arbeiten wurde Peter Knorr bereits im Rahmen des Wettbewerbes „Die schönsten Deutschen Bücher“ von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.«

 

PS:
Gerne reihe ich diese Bilderbuchbesprechung in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein:
https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

Querverweise:

Hier geht es zu meiner Besprechung von Rafik Schamis Kinderbuch „Meister Marios Geschichte“, in der sich Marionetten als Freiheitskämpfer entpuppen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/22/meister-marios-geschichte

Und hier klopft „Das Herz der Puppe“ , ein Buch voller Alltag und Wunder, spielerischem Tiefsinn und poetischer Phantasie, das von Rafik Schamis lebendigem Kinderherzen zeugt. Ich lege es Lesern von acht bis achtundachtzig Jahren ans Herz:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/07/28/das-herz-der-puppe/

 

 

 

 

 

 

Vor den 7 Bergen

  • Davon, wie Schneewittchens Enkel in die Berge wollen und alles schiefgeht
  • Bilderbuch
  • Illustrationen von Mareike Engelke
  • Text von Annette Feldmann
  • KUNSTANSTIFTER Verlag  März 2017       https://kunstanstifter.de/
  • Format: 30 x 22 cm
  • 36 Seiten
  • gebunden, mit Fadenheftung
  • 22 € (D), 22,70 € (A), 26 sFr.
  • ISBN 978-3-942795-48-7
  • ab vier Jahren

KINDERSEGEN,  BERGSEHNSUCHT  &  APFELKUCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine alleinerziehende Mutter mit sieben Kindern und einem kleinen Hund – das kann turbulent werden. Zunächst wird auf einer Doppelseite jedes Kind mit einem kleinen Steckbrief charakterisiert, und dann beginnt die Geschichte.

Es ist Winter, und statt Schnee gibt es Regen, Regen, Regen. Die Kinder beschließen, ihre Oma, die hinter den sieben Bergen wohnt, zu besuchen – denn „im Gebirge liegt immer Schnee“. Sie rufen ihre Oma an, und diese ist begeistert und backt schon mal einen Apfelkuchen.

Mama kommt von der Arbeit an ihrem Marktstand für Äpfel nach Hause und wird von den Kindern sogleich mit der freudigen Aussicht begrüßt, daß sie bald zur Großmutter in die Berge führen. Mama findet die Idee ebenfalls gut. Alle sind voller Vorfreude, doch dann bekommen die Zwillinge Windpocken, und ein Geschwisterkind nach dem anderen steckt sich an. Der Ausflug in die Berge muß auf den Herbst verschoben werden.

Den Sommer versüßen sich Mama und die Kinder mit Eis vom attraktiven, freundlich-zugewandten Eisverkäufer Bo. Der reparierfreudige, kleine Hanno begutachtet vorsorglich schon die familiären Skier- und Schlittenbestände.

„© Mareike Engelke & Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag“

Endlich ist der Herbst da, aber Mama kann sich keinen Urlaub nehmen, da die Apfelernte so übermäßig reich ausgefallen ist, daß Mama den Marktstand nicht schließen kann. Die Kinder sind schwer enttäuscht. Die Mama verkauft Äpfel über Äpfel, der Eiskäufer Bo besucht sie am Marktstand und bekommt sogar einen Apfel geschenkt.

„© Mareike Engelke & Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag“

Endlich ist wieder Winter, eifrig packen sieben Kinder, eine Mama und ein kleiner Hund ALLES ein, was unbedingt mit auf die Reise zur Oma muß – inklusive siebzehn Bilderbücher, zwölf Kuscheltiere, fünf Kilogramm Äpfel, sechzehn warme Stiefel und sieben Geschenke für die Oma.

Kaum sind sie mit dem vollgepackten Kombi losgefahren, da macht es PENG, und ein Motorschaden zwingt zum unfreiwilligen Parken mitten auf der Kreuzung. Zum Glück kommt Bo zufällig vorbei  und bietet großzügig an, sie mit seinem Eiswagen über die sieben Berge zu ziehen. Ein passendes Abschleppseil ist auch schnell zur Hand, und schon geht die serpentinenreiche Fahrt los.

Nach den üblichen Fragen („Ist es noch weit?“ und „Sind wir bald da?“) sowie dem allseits bekannten, universellen Kindergequengel auf langen Reisen kommen alle wohlbehalten in den Bergen an.

Oma hat schon Apfelkuchen gebacken und den Kamin befeuert und empfängt alle Gäste mit einer herzenswarmen Umarmung…

Die Illustrationen von Mareike Engelke wirken wie Kinderzeichnungen. Dies erzeugt für kindliche Betrachter eine ganz unmittelbare, suggestive Nähe zur kindlichen Perspektive. Die Bildkomposition ist gleichwohl gekonnt, zudem unkonventionell und verspielt und bietet diverse witzige Details. Die farbig gestalteten handschriftlichen Textanteile mit ihren variablen Schriftgrößen untermalen ausdrucksvoll die eigenwillige Bilddramaturgie und bereichern den in einheitlich schwarzer Typographie gedruckten Fließtext um zusätzliche Gefühlsnoten.

Der Text von Annette Feldmann ist in einer freundlich-unverblümten Sprache geschrieben und erfreut mit kinderleichten Dialogen, die eindeutige Gefühlsansagen vermitteln.

In dieser Geschichte bewegen sich Schneewittchens Enkel in einer bodenständigen Alltagswelt, in der die einzige Zaubermacht zwischenmenschliche Nähe und Geborgenheit ist. Doch wie wir hoffentlich alle wissen und erfahren haben, ist dies ein Zauber, der sehr lange wirkt …

Und es spricht absolut nichts dagegen, daß der Märchenprinz Eisverkäufer ist.

Sehr ansprechend sind auch die Vorsatzblätter gestaltet, auf denen sich bekannte und unbekannte Apfelsortennamen tummeln: Aprilschöner, Dickapfel, Hausmütterchen, Milchapfel, Schafsnase, Schlotterapfel, Seidenhemdchen, Weißer Eisapfel – da weiß man gar nicht, wo man zuerst reinbeißen soll, und es ist eine schöne Anregung, sich mit den eigenen Kindern auf die Suche nach diesen Apfelsorten zu machen und sie zu kosten.

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://kunstanstifter.de/buecher/vor-den-7-bergen

PS:
Als kleine Randbemerkung möchte ich gerne noch erwähnen, daß der unabhängige KUNSTANSTIFTER Verlag alle Bücher mit mineralölfreien Farben in Deutschland drucken läßt und die Kurt-Wolff-Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene unterstützt.

 

Die Illustratorin:

»Mareike Engelke wurde 1979 am Niederrhein geboren. Sie studierte Kommunikations-design in Essen und Krefeld und machte ein Bilderbuch-Diplom. Sie arbeitet als freie Illustratorin für Magazine und Verlage und zeichnet in ihrem Duisburger Atelierhaus mit Blick auf einen großen blauen Kran. Ansonsten geht sie gerne auf Unsinnsuche und schätzt sich glücklich, eine Gärtnerenkelin, Katzenmutter und Lieblingstante zu sein. Sie lebt mit ihrem Mann in Duisburg.«      http://www.mareikeengelke.de

Die Autorin:

»Annette Feldmann, geboren 1975 am Niederrhein, studierte Kanadistik und Vergleichende Literaturwissenschaften in Augsburg und Vancouver. Sie arbeitete zunächst bei der Rheinischen Post und seit 2008 als freie Journalistin und Autorin sowie als Texterin in einer Werbeagentur. 2014 wurde sie mit dem dritten Platz beim Moerser Literaturpreis ausgezeichnet. Ihr erstes Jugendbuch „Nichts sagen“ (Divan Verlag, 2015) wurde für den Goldenen Pick nominiert. Annette Feldmann lebt mit ihrem Mann in Kempen.«   http://www.netttext.de