Petronella Apfelmus, Band 9

  • Eismagie und wilde Wichte
  • Text von Sabine Städing
  • Illustrationen von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2021  www.boje-verlag.de
  • gebunden mit LESEBÄNDCHEN
  • 224 Seiten
  • 14,00 € (D)
  • ISBN 978-3-414-82618-3
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

Petronella-Apfelmus-Band 9 Eismagie und wilde Wichte

DEN  WINTER  WECKEN

Kinderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Großes Schneeflocken-Ehrenwort: Petronella Apfelmus versprüht auch im neunten Band unermüdlich Lesezauber und  Vergnügen. Wer mit den magischen Rahmen- bedingungen dieser Kinderbuchreihe noch nicht vertraut ist, möge sich bitte durch die einführende Lektüre meiner Buchbesprechung des ersten Bandes einlesen: Petronella Apfelmus, Band 1

Es ist Spätherbst; doch im Garten der alten Zaubermühle bilden die Rosen sogar neue Knospen, da es für die Jahreszeit zu warm ist. Die Zwillinge Lea und Luis, die in trauter, freundschaftlicher Nachbarschaft mit der Apfelhexe Petronella leben, wundern sich nicht nur über die Rosenknospen, sondern auch über neun dicke Feldhamster, die sich im Schilf am Mühlteich vor ihnen verstecken. Es scheint ihnen geboten, Petronella Apfel-musens Rat einzuholen.

Also besuchen sie Petronella in ihrem gemütlichen Apfelhaus und berichten von ihren Beobachtungen. Die Feldhamster, so erfahren sie, sind sogenannte Grimmbärte, eine unangenehme Wichtelart, die zur Tarnung die Gestalt unterschiedlicher Tiere anneh- men kann und die sich gerne an den Vorräten anderer bereichert und generell sehr egozentrisch und rücksichtlos agiert.

Die Apfelmännchen, die Petronella bei der Gartenarbeit tatkräftig unterstützen, haben die Grimmbärte nämlich auch schon entdeckt und suchen gemeinsam mit Petronella nach einer klugen Strategie, diese Plagegeister nachhaltig loszuwerden.

Und wie das so oft im Leben ist – ein Problem kommt selten allein. Petronella muß auch noch dringend verreisen, um ihre drei Schwestern, die Wetterhexen, dabei zu unter-stützen, den Winter in seinem eisigen Wolkenschloß aufzusuchen und aus seinem Sommerschlaf zu wecken – denn offenkundig hat er verschlafen.

Lea und Luis möchten Petronella bei ihrem Besenflug zu den Wetterhexen und zum Geist des Winters gerne begleiten. Doch Petronella lehnt dies wegen der zu großen Gefahren freundlich, aber bestimmt ab.

Enttäuscht verabschieden sich die Kinder am Abflugmorgen von ihrer zauberkundigen Nachbarin. Diese muß jedoch noch einmal zurück in ihr Apfelhaus, da sie ihre Schnee-kugel vergessen hat, und während Lea und Luis auf sie warten, sehen sie, daß Petronella fünf ihrer magischen, silbernen Apfelkerne aus der Manteltasche gefallen sind. Diese Apfelkerne muß man nur in der Hand schütteln, um seine Körpergröße zu verkleinern. Kurzentschlossen schrumpfen sich die Kinder und verstecken sich in Petronellas Reisetasche.

Petronellas Besenflug führt in kalte Gefilde, und es dauert nicht lange, da hört sie ein seltsames Klappern und dann ein Niesen. Sofort durchschaut die kluge Hexe, was geschehen ist, und macht eine Zwischenlandung.

Verfroren und zerknirscht entschuldigen sich die Zwillinge. Petronella schimpft sie tüchtig aus und beschließt, sie gleichwohl weiter mitzunehmen, da eine Umkehr zu viel Zeit koste. Sie zaubert für die Kinder wärmende Kleidung herbei, und nach einem Schluck Drachenfeuer aus der hexischen Thermoskanne wird den Kindern auch innerlich wieder warm. 

Die nächste Zwischenlandung findet bei Petronellas Schwestern statt. Die drei Wetter-hexen sind zunächst nicht erbaut darüber, daß sie für ihr Vorhaben nun auch noch kleine Menschlinge in ihrer Obhut haben, aber sie verzichten großzügig darauf, die Kinder in Schneehasen zu verwandeln.

Und so werden Lea und Luis Zeugen der komplizierten und aufregenden Vorberei- tungen, Anrufungen und Beschwörungen, die alleine dafür notwendig sind, die Hindernisse auf dem Weg zum Wolkenpalast zu überwinden, ganz zu schweigen von der kniffligen Herausforderung, den Winter aufzuwecken. Die Kinder erweisen sich nach und nach sogar als hilfreich und nützlich für die Bewältigung dieser vielfältigen magischen Aufgaben.

Um es abzukürzen: Der Winter wird geweckt, und Lea und Luis dürfen sogar vom Wetterturm aus zuschauen, wie er sein Eiszepter schwingt und die Landschaft daraufhin von Rauhreif überzogen wird und wie sich die ersten Schneewolken auf den Weg machen.

Während Petronella und ihre Schwestern mit den Kindern die Mission „Winter wecken“ meistern, kümmern sich zu Hause im Mühlgarten die Apfelmännchen Bohnenhals, Gurkenhut, Karottenwams, Rübenbach und Spargelzahn erfolgreich darum, die Grimmbärte bis zu Petronellas Rückkehr mit Hilfe eines Weidenrutenlabyrinths „beschäftigungstherapeutisch“ in die Irre zu führen.

Die Autorin, Sabine Städing, erzeugt eine ebenso amüsante wie spannende Erzähl- stimmung, in der sich spielerischer Tiefsinn, phantasievolle Zauberaccessoires, neues zauberhaftes Personal – wie beispielsweise Schneemariechen und Zapfenmeister – zu einem faszinierenden, kinderherzigen Winterreigen fügen.

Die heiteren Illustrationen von Sabine Büchner bereichern den Erzähltext um detail-reiche Bühnenbilder und augenzwinkernde Charakterzeichnungen, die mit ihrer warm-herzigen Ausstrahlung hervorragend zum Text passen.

Und einen wärmenden Zauberspruch gibt es nun als Zugabe noch obendrein:

»Lirum, larum nasse Locken,
Donnerschlag und Müffelsocken.
Regenguss und Falkenschrei,
Wüstenwind eil schnell herbei.
Sollst die Kinder trocken föhnen,
ohne laut herumzudröhnen! «
(Seite 110)

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_7389474

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-eismagie-und-wilde-wichte/id_8790109

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

Hier entlang zu den acht vorherigen Petronella-Apfelmus-Bänden:

Band 1: Verhext und festgeklebt
Petronella Apfelmus, Band 1: Verhext und festgeklebt
Band 2: Zauberschlaf und Knallfroschchaos
Petronella Apfelmus, Band 2: Zauberschlaf und Knallfroschchaos
Band 3: Schneeballschlacht und Wichtelstreiche
Petronella Apfelmus, Band 3: Schneeballschlacht und Wichtelstreiche
Band 4: Zauberhut und Bienenstich
Petronella Apfelmus, Band 4: Zauberhut und Bienenstich
Band 5: Hexenbuch und Schnüffelnase
Petronella Apfelmus, Band 5: Hexenbuch und Schnüffelnase
Band 6: Schnattergans und Hexenhaus
Petronella Apfelmus, Band 6: Schnattergans und Hexenhaus
Band 7: Hexenfest und Waldgeflüster
Petronella Apfelmus, Band 7: Hexenfest und Waldgeflüster
Band 8: Zaubertricks und Maulwurfshügel
Petronella Apfelmus, Band 8: Zaubertricks und Maulwurfshügel

Aus weihnachtlich-saisonalem Anlaß weise ich gerne noch auf zwei weitere Petronella-Apfelmus-Bände außerhalb der Reihung hin.

„Petronella Apfelmus – Das Adventskalenderbuch“
Petronella Apfelmus: Das Adventskalenderbuch
„Petronella Apfelmus – Mein weihnachtliches Back- und Bastelbuch“
Petronella Apfelmus: Mein weihnachtliches Back- und Bastelbuch

  

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Der Kinder Kalender 2022

  • Mit 53 Gedichten und Bildern aus der ganzen Welt
  • Wochenkalender
  • Herausgeben und ausgewählt von
  • der Internationalen Jugendbibliothek*, München http://www.ijb.de
  • Erschienen im Verlag edition momente, Juli 2021, www.edition-momente.de
  • 60 Blätter
  • 52 vierfarbige Illustrationen
  • mehrsprachig
  • Grafische Gestaltung: Max Bartholl
  • Format: 30,5 x 33 cm
  • Spiralbindung
  • 22,00 € (D/A), 33,50 sFr.
  • ISBN 978-3-0360-5022-5
  • Für Kinder jeden Alters

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W O R T W E L T R E I S E N

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Wieder und wieder lädt „Der Kinder Kalender“ auch im zwölften Jahr seines Erscheinens buchstäblich und anschaulich zu interessanten Wortweltreisen ein. Den poetischen und illustratorischen Stoff haben die Lektoren der Internationalen Jugendbibliothek* aus ihrem „grenzenlosen“ internatio-nalen Kinder- und Bilderbuch-Sammlungsfundus zusammengestellt, die fremdsprachigen Gedichte wurden professionell und einfühlsam ins Deutsche übersetzt, und Max Bartholl, der erfahrene Grafiker des Verlags edition momente, hat die wöchentlichen Kalenderblätter zu einer attraktiven und harmonischen Kombination aus Originaltext, Original- illustration, Übersetzung und Kalendarium gefügt.

Mit dem „Kinder Kalender 2022“ können Kinder gemeinsam mit ihren Eltern vergnüglich und entdeckerisch auf den Flügeln der Poesie reisen und Lebensperspektiven aus aller Kinder Länder kennenlernen. Mehr als dreißig Länder kommen hier zu Wort und Schrift, und der Variations- spielraum der Illustrationen ist stilistisch ebenso breitgefächert wie der lyrische Tonfall. Es gibt gereimte und ungereimte Gedichte, ernste und alberne, alltägliche und außergewöhnliche, lange und kurze, einfache und skurrile, geheimnisvolle und wortverspielte.

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„Mamute“ von Milos Kratchvil & © Alzbeta Skálova, 2009

 Schwungvoll beginnt die erste Kalenderwoche, winterliche Stimmungen folgen, allerlei Tiere treten auf, ein Brathuhn wird zum Brauthuhn, ein Nilpferd badet in der Badewanne und ein Kater macht Theater; Fahrrädern, Fischen, Gemüse, einem spechtischen Morsealphabet, Obst, Reiskuchen, Staubsaugern und Uhren ist ein Wochenblatt gewidmet.

Abwechslungsreich kalenderblättern wir von Wildschweinen zu Schmetter- lingen, von Schaukelfreuden zu einem Kleid aus Traurigkeit, von Sternen- andacht zum Sinn des Lebens, der sich spielerisch in Regenpfützen finden läßt, und von Mondstaubzauber bis zum Kakaoglück.

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© Argyro Pipini & Iris Samartzi, 2020

Immer wieder werden die betrachtenden Kinder von der farbenfrohen Vielfalt der Sprachen und ihren beindruckend vielseitigen Schriftbildern fasziniert sein. Mit dieser Ausdrucksvielfalt bietet „Der Kinder Kalender 2022“ Kindern und ihren Eltern von Blatt zu Blatt eine welterschließende, polyglotte, phantasievolle und poetische Wocheneinstimmung, die kindliche Sprachfreude und Sprachneugier beflügelt.

Zum Abschluß noch eine kleine Nachhaltigkeitsanregung: Nach Jahresab- lauf können die Kalenderblätter, mit denen man nicht das Kinderzimmer tapeziert hat, wunderbar als Geschenkpapier, Briefpapier oder Collagen- material wiederverwertet und „weitergesagt“ werden.

Hier entlang zum Kinder Kalender und zur Blätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.edition-momente.com/kalender/kinder-kalender-2022.html

* »Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg in München hat, ist die weltweit größte und renommierteste Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von der deutsch-jüdischen Emigrantin Jella Lepman** gegründet, die es sich zur Lebens-aufgabe gemacht hatte, mit Kinderbüchern Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen. Bücher sollten die Fantasie der deutschen Nachkriegskinder anregen und ihnen eine offene Weltsicht vermitteln.
Die Idee des interkulturellen Dialogs und die Liebe zu guter Literatur bestimmen seit mehr als 60 Jahren die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist ein Ort, an dem die Literaturver- mittlung einen hohen Stellenwert hat und an dem mit Kindern und Erwachsenen der Diskurs über Bücher, Autoren, Illustratoren und Themen gesucht wird
Weitere Informationen:   http://www.ijb.de

Wer Mitglied im »Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek« wird, der bekommt u.a. im ersten Jahr den Kinder Kalender als Begrüßungsgeschenk. http://www.ijb.de/ueber-uns/freundeskreis.html

Wer gerne mehr über **Jella Lepmanns Leben und Wirken wissen möchte, kann sich außerdem meine Rezension ihres autobiografischen Buches „Die Kinderbuchbrücke“ durchlesen. Die Kinderbuchbrücke

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Trolle, Wichtel, Pixies und Waldwesen aus aller Welt

  • Text und Illustration von Malin Neumann
  • BOHEM Verlag 2020  www.bohem-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 28,4 cm
  • 52 Seiten
  • vollfarbig
  • 18,95  € (D), 19,50 (A), 25,50 sFr.
  • ISBN 978-3-95939-078-1
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

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B A U M L E B E W E S E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Gesichter in Baumrinden, Blätterraschelworte, Licht- und Schattenspiele, die flüchtige Gestalten erscheinen lassen, welche beim genauen Hinsehen wieder verschwunden sind und dennoch den Eindruck hinterlassen, daß uns da für einen Zauberaugenblick mehr als das Offensichtliche erschienen ist – so führt Malin Neumann mit den einleitenden Zeilen ihres Bilderbuches Kinder sogleich atmosphärisch in die Natur und gleichsam zur Wahrnehmungsschwelle zwischen sichtbarem und unsichtbarem Leben.

In allen Kulturen gibt es Legenden und Überlieferungen, die von kleinen und großen naturmagischen Wesen und Naturgöttern berichten. Malin Neumann hat solche Legenden und Überlieferungen aus aller Welt zusammengetragen und erzählt sie in kindgemäß komprimierter Bündelung nach. Stilistisch sind diese Texte jedoch im Gegensatz zum Einstimmungs- und Ausklangstext weitgehend eher informativ-sachlich-lexikalisch formuliert – ob diese Kurzbeschreibungen Kinder emotional ansprechen sei dahingestellt.

Waldwesen SKOVNISSE

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Zwischen PAN und PIXIES begegnen wir u.a. den CANOTILAS (kleine Baumbewohner) der nordamerikanischen Indianer, der YOSHINBO (Pflanzenmutter) und dem LUPUNA (Weltenbaum) aus dem Amazonas-Regenwald, dem perfekt getarnten GHILLIE DHU aus Schottland, der verirrten Kindern den Weg aus dem Wald zeigt, und dem dänischen SKOVNISSE, der seine Wohnhöhle gerne unter den Wurzeln alter Buchen einrichtet; wir erspähen den scheuen YEREN aus den chinesischen Bergwäldern, den gestaltwand- lerischen LESHY, den Schutzgeist aller Tiere und Pflanzen der sibirischen Kiefernwälder, und die japanischen KODAMA, zarte Baumgeister, die gerne außergewöhnlich geformte Bäume bewohnen und die von den Menschen durch kleine Steintafeln an den Baum- wurzeln geachtet und gewürdigt werden.

Malin Neumann gibt den zahlreichen Waldwesen und Naturgeistern mit zartfühlender Transparenz und einigen Prisen Humor zeichnerische Gestalt. Die Naturkulisse paßt sie einfühlsam den unterschiedlichen Landschaftsgegebenheiten an und gibt damit den jeweiligen Waldwesen heimatlichen Raum. Die letzte Doppelseite zeigt zudem auf einer Weltkarte eine Übersicht der zuvor vorgestellten Naturgeister.

Waldwesen FENGHUANG

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Es erscheint mir wünschenswert, Kindern die Natur nicht nur biologisch, ökologisch und materiell nahe zu bringen, sondern ihnen auch eine Ahnung von der Beseeltheit der Natur zu vermitteln oder gegebenenfalls zu bestätigen. Dieses Bilderbuch verschafft Kindern einen unaufgeregten Zugang zu archetypischen Wesen, appelliert an Achtsam-keit gegenüber der Natur und regt dazu an, die Wirklichkeit auch mit den inneren Sinnen wahrzunehmen.

„So ein Baum ist leise, sanft und langsam – niemals wird einer lautstark Hilfe einfordern.
Sei gut zu ihm.“

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.bohem.ch/katalog/trolle-wichtel-pixies-und-waldwesen-aus-aller-welt/

Die Autorin und Illustratorin:

»Malin Neumann, geb. 1995, wuchs im Ruhrgebiet auf und studiert Design mit den Schwerpunkten Mediendesign und Illustration an der MSD Münster. Beim Illustrieren liebt sie den Moment, wenn gezeichnete Figuren anfangen vom Papier zurückzublicken und freut sich besonders über Regentage – die beste Zeit für kreatives Arbeiten. Sie lebt und arbeitet in Münster.« http://malin-neumann.de/

Waldwesen-PIXIE mit Geige

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

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Was macht Püüüp?

  • von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels
  • illustriert von Nikolai Renger
  • Esslinger Verlag, Juli 2021, www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 232 x 300 mm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-480-23669-5
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

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L A U T M A L E R E I

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Püüüp ist ein kleines, gelbes Geräusch, das noch nicht weiß, zu welchem Lebewesen oder Ding und einer entsprechenden Tätigkeit oder Funktion es gehört. Seine erste Begegnung mit einem anderen Geräusch ist die mit dem tropfenförmigen, blauen PLOPP, das für das Wassertropfengeräusch zuständig ist. Plopp erklärt Püüüp, daß er selbst herausfinden müsse, wer oder was PÜÜÜP mache, und dann sei er an seinem richtigen Platz als Geräusch angekommen und könne „geräuscheln“.

Vorfreudig sucht Püüüp nun verschiedene Orte auf. Im städtischen Straßenverkehr und auf einer Baustelle lernt er viele laute Geräusche kennen – von BRUMM über TA TÜÜ TA TAA bis RATATA. Im Konzerthaus lauscht Püüup musikalischen Tönen, indes weisen diese notenförmigen Töne, die Namen wie Cis, Fis, G und hohes C tragen, Püüüp etwas herablassend darauf hin, daß er als simples Geräusch bei Tönen nicht erwünscht sei.

Im nahegelegenen Museum trifft Püüüp auf einem Dinosaurierskelett ein freundliches, sehr altes Geräusch, welches das Dinosaurierbrüllen verkörpert und nun zu seinem Bedauern nur noch manchmal heimlich ein ROAAAH durch das leere Museum brüllt.

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Illustration von Nikolai Renger/Text von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels © Esslinger Verlag 2021

Im Supermarkt rattert ihm als erstes RATTER über den Weg, der für das Rattern der Einkaufswagen zuständig ist. Nach einer püüüpsigen Geräuschprobe meint Ratter, daß Püüüp vielleicht im Kassenbereich zuständig sein könne. Doch das hektische PLIPP, PLIPP, PLIPP des Wareneinlesegeräts ist auch nicht das richtige für Püüüp.

Im Wald lernt Püüüp viele Naturgeräusche kennen, es klackt, knackt, knockt, pock pockt, plätschert, raschelt und tschilpt und echot sogar, aber auch die wilde Natur scheint nicht der passende Ort für ihn zu sein.

Püüüp fühlt sich inzwischen schon ganz überflüssig und unerwünscht, da zieht es ihn unwiderstehlich in einen Garten – aufmerksame Bilderbuchkinderaugen werden gewiß wiedererkennen, daß es der gleiche Garten ist, in dem Püüüp sich zum ersten Male manifestiert hat.

Dort entdeckt Püüp zwischen den Geräuschen QUIETSCH (Schaukel), PLATSCH (Plansch-becken) und SCHLÜRF (Trinkgläser) ein kleines Kind, das die Lippen zum Pfeifen gespitzt hat, ohne daß ein Geräusch dabei entsteht. Nun hat Püüüp endlich seine Bestimmung gefunden …

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Illustration von Nikolai Renger/Text von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels © Esslinger Verlag 2021

Es ist eine ebenso lustige wie analog-anschauliche Idee, Geräuschen personifizierte Gestalt zu geben. Sind Geräusche sonst eher etwas für die atmosphärische Kulisse einer Geschichte, so stehen sie hier einmal als lebhafte Charakterfiguren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Die visuelle Darstellung der Geräusche ist höchst amüsant. Ganz besonders pfiffig sind die bühnenreifen Gesellen TA TÜÜ TA TAA, aber auch die eleganten Noten, der zackige RATTER, der wassertropfige PLOPP und die LAUBRASCHEL sowie das schwungvolle ECHO. Der kleine großäugige Püüüp selbst ist von rundlich niedlicher Gestalt und zudem ziemlich geräuschempfindlich. Seine offensichtliche Verletzlichkeit weckt Beschützer-instinkte, und seine Suche nach Zugehörigkeit ist für Kinder unmittelbar verständlich.

Das größte Vergnügen werden Kinder wohl an den vielen buchstäblich lautmalerischen Geräuschen haben, die man beim Vorlesen dieser Geschichte leicht dramaturgisch inszenieren kann. Kinder werden gewiß auch gerne diese Geräusche mitsprechen oder vielleicht sogar spontan noch weitere Geräusche hinzufügen wollen.

„Was macht Püüüp?“ ist ein heiteres Erhörungsbuch/BilderHÖRbuch, das mit der personifizierten, visuellen und lautmalerischen Darstellung von Geräuschen vielsaitige vorlesemitspielerische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/was-macht-pueueuep-isbn-978-3-480-23669-5
Und hier entlang zum sehenswerten BILDERBUCHWERBEFILMCHEN:
https://www.thienemann-esslinger.de/blog/buchtrailer-zu-was-macht-pueueuep

Die Autoren:

»Bernhard Hoëcker, 1970 in der wunderschönen Pfalz geboren, begann seine künst-lerische Karriere indem er auf Kindergeburtstagen Bälle in die Luft warf und meistens wieder auffing. Nachdem er sein Wirtschaftsstudium erfolgreich abgebrochen hatte, konzentrierte er sich ganz auf seine Arbeit als Fernseh- und Bühnenkünstler. Er be-geisterte Jugendliche, indem er zeigte wie gefährlich es ist Silvester-Raketen in ge-schlossenen Räumen zu zünden. Mit seinen Geo- caching-Büchern locken Kinder ihre Eltern raus in die Natur, und er bringt Enkel und Groß- eltern wieder zusammen, die dann gemeinsam vor dem Fernseher sitzen und raten. Für die ganz Kleinen leiht er seine Stimme „Trudes Tier“, liest mit der Stiftung Lesen in Kindergärten und hat jetzt alle seine Lieblingswörter in einem Kinderbuch zusammengefasst: knarz, ratter und plopp.«

»Eva von Mühlenfels wurde 1979 geboren und wuchs in der romantischen Quadratestadt Mannheim auf, wo sie nach der Schule Anglistik studierte. Ihre akademische Reise begann im Barockschloss und endete in Zentralalaska, wo sie zwischen Bären und Elchen in einer Block- hütte im Wald wohnte. Entsprechend geradlinig ging es nach ihrem Studium schnurstracks nach Köln zum Fernsehen. Dort werkelte sie als Producerin an verschiedenen Unterhaltungs-Formaten, die unter anderem mit dem Comedy- und Grimmepreis ausgezeichnet wurden. Um auch außerhalb der besten Sendezeit wunderschöne Comedy zu erleben, machte sie eine Fernsehpause und gründete eine Familie. Ihre gesammelten Erfahrungen aus Sprachwissen- schaft, Eiseskälte, Geschichtenerzählen und dem Abkratzen getrockneter Haferflocken stopfte sie in einen Sack, schüttelte ihn, warf ihn gegen die Wand und herunterfiel das erste Kinder- buch. Und manchmal, wenn es bitterkalt ist, und die Kinder schon schlafen, heult sie noch heute den Mond an. Haouuuu!«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für  verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

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Sturmvögel

  • von Manuela Golz
  • Roman
  • DUMONT Verlag, Mai 2021 www.dumont-buchverlag.de
  • gebunden
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 336 Seiten
  • 22,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8321-8137-6

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H E R Z E N S G R Ö S S E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Gleich zu Beginn des Romans lernen wir die Hauptfigur Emmy als charakterstarke, gütige und lebensreife Frau kennen. Auf Veranlassung ihrer besorgten ältesten Tochter absolviert sie im Anschluß an einige Voruntersuchungen einen Besuch bei einem bekannten Herzspezialisten. Dieser Dr. »Grünschnabel« begrüßt Emmy nicht, schaut nur auf seinen Bildschirm, fachsimpelt von Sinusbradykardie und Pacemaker, und erst nach Emmys energischer Aufforderung, ihr bitte in einfachen Worten zu erläutern, was ihr denn fehle, schaut er sie an und bemüht sich um eine verständliche medizinische Erklärung.

Der Arzt erläutert, daß Emmys Herz zu langsam schlage und daß ein Herzschrittmacher ihr Herz sozusagen wieder flotter machen könne. Emmys Antwort sagt so viel über ihr Wesen und ihre Lebenseinstellung aus, daß ich sie nachfolgend gerne zitiere:

»Junger Mann, woran soll ich denn sterben, wenn mein Herz nicht einfach stehen- bleiben darf? Ich bin fast siebenundachtzig Jahre alt und hatte ein gutes Leben. So wie alle Menschen mit Höhen und Tiefen, aber insgesamt doch ein wirklich gutes. Ich habe das Gefühl, am Ende eines langen Weges wohlbehalten angekommen zu sein. Was will ich denn noch?« (Seite 16)

Durch Emmys Erinnerungsrückblenden erlesen wir diesen bisherigen Lebenslauf. Sie wird 1907 auf einer Nordseeinsel geboren. Ihre Eltern lieben sie, der Vater fördert den Wissensdrang seiner ältesten Tochter und läßt sie sogar zur Schule gehen, da er der Mei-nung ist, daß Bildung die Menschen mündig mache. Die Familie kommt über die Runden, aber eine Schiefertafel mit Schwämmchen ist nicht finanzierbar. Um die Begeisterung des Kindes für Buchstaben und Zahlen nicht zu enttäuschen, lassen die einfallsreichen Eltern Emmy alternativ auf einem Stück festgeklopften Sandbodens ihre Schreib- übungen machen.

Der rege Geist und die kommunikative Direktheit des Kindes sprengen die engen Regeln des dörflichen Daseins. Der Erste Weltkrieg zwingt den Vater an die Front. Die Mutter erkrankt und stirbt mit 34 Jahren. Emmy meistert mit den Geschwisterkindern den Haushalt und die kleine karge Landwirtschaft. Doch als auch der Vater stirbt, werden die Kinder getrennt. Emmy, die schon 14 Jahre alt ist, wird als Dienstmädchen in einen vornehmen Haushalt nach Berlin vermittelt.

Emmy ist zunächst untröstlich, wird jedoch von der Köchin des Hauses freundlich und fürsorglich behandelt und in ihre Aufgaben eingewiesen. Das Großstadtleben im Berlin der Zwanziger-Jahre lacht Emmy gewissermaßen an, und sie fügt sich aufgeschlossen in ihr neues Soziotop.

Sie verliebt sich, heiratet, bekommt drei Kinder, verkraftet schmerzlich auch den Zweiten Weltkrieg, pflegt eine innige, lebenslange Freundschaft mit ihrer ersten Hebamme, und als ihre eigenen Kinder erwachsen sind, nimmt sie ein Pflegekind, zu dem sie eine tiefe Wahlverwandtschaft spürt, bei sich auf. Sie arbeitet als Küchenfrau in einer Kantine und führt in finanzieller Hinsicht ein bescheidenes Leben. Es ist jedoch eine zufriedene Bescheidenheit, denn Emmy schätzt zwischenmenschliche Verbunden- heit, alltägliche Freuden und einfache Genüsse, die gerne auch in kulinarischer Form erscheinen dürfen.

Es gibt allerdings ein altes Familiengeheimnis, das sie noch in Ordnung bringen will. Dies tut sie auf gewohnt pragmatische und sehr überraschende Weise …

Die Autorin stellt die Stimmung und den Zeitgeist der unterschiedlichen Erzählzeit- räume sehr atmosphärisch und detailreich sinnlich-abschmeckbar dar. Die Charak- terportraits der mit Emmy verbundenen Menschen sind von lebhafter Anschaulichkeit und psychogrammatischer Präzision. Es gibt eine Menge filmreifer Szenen und ebenso anrührende wie amüsante, heiter-schlagfertige Dialoge.

Emmy ist eine Persönlichkeit, die Schicksalshärten erleidet, jedoch selbst nicht ver- härtet, sondern sich ihr offenes Herz, ihre selbstbewußte Eigenwilligkeit und ihren Humor bewahrt. Tapfer bleibt sie sich selbst treu und verankert ihre Fähigkeit dazu in der unbedingten Liebe, die sie in der Kindheit von ihren Eltern erfahren hat.

»Auf einmal hatte Emmy den Pfeifengeruch ihres Vaters in der Nase. Hatte ihn vor Augen, sein Lächeln, und hörte seine Stimme sagen: Vergiss nie, dass du von uns sehnsüchtig erwartet und immer geliebt worden bist. Diese Liebe, das tiefe Gefühl, erwünscht gewesen zu sein, trug sie durch schwere Zeiten. Wenn sie nur an ihre Eltern dachte, fühlte sie sich gewärmt.« (Seite 242)

Emmy ist ein bemerkenswert authentischer Charakter, der sofort Sympathie weckt. Sie ist eine Person, mit der man gerne befreundet wäre oder vielleicht sogar verwandt. Der Roman ihres Lebens ist eine einfühlsame biographische Würdigung und zugleich ein glaubwürdiges persönliches Panorama deutscher Geschichte.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.dumont-buchverlag.de/buch/golz-sturmvoegel-9783832181376/

Die Autorin:

»Manuela Golz, geboren 1965, studierte Germanistik, Erziehungswissenschaften und Psychologie. Sie lebt in Berlin und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Psychotherapeutin. 2006 debütierte sie mit ›Ferien bei den Hottentotten‹ als Autorin. Ihr neuer Roman ›Sturmvögel‹ ist vom Leben ihrer Großmutter Emmy inspiriert.«

 

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Der kleine blaue Schirm

  • Text von Brigitte Weninger
  • Illustrationen von Katharina Sieg
  • annette betz Verlag, 2019 www.annettebetz.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-219-11790-5
  • Bilderbuch ab vier Jahren

MIT SCHIRM, CHARME UND PHANTASIE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es ist Sommer, und der kleine Förstersohn spielt draußen im Schatten seines kleinen blauen Schirms. Die Mutter ruft den Sohn zum Mittagessen ins Försterhaus, der Schirm bleibt liegen und wird plötzlich von einem wilden Wind fortgetragen, bis er in einem Baum hängenbleibt.

Frau Eichhorn findet den Schirm und hält ihn für ein Wolkenspringding. Doch diese Fall-schirm-Funktion erfüllt er keineswegs, und Frau Eichhorn läßt den abgestürzten Schirm enttäuscht auf dem Waldboden liegen. Dort wird er von den Rabenkindern entdeckt, die sogleich erkennen, daß dies ein Rundumsauser sei, und so darf Vater Rabe den Schirm am Schirmband ziehen und kreiseln lassen, bis ihm schwindelig und grün um den Schnabel wird.

Illustration: © Katharina Sieg, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2019

Der Schirm wird vom nächsten Windstoß zum Teich geweht und dort vom Frosch als Windfängersegel genutzt. Aber auch diese Nutzung ist nur von kurzer Dauer. Schließlich läßt der Frosch den inzwischen mit Wasser gefüllten Schirm am Ufer liegen.

Mama Maus und ihre Kinder kommen erhitzt und verschwitzt am Teichufer vorbei, und Mama Maus erlaubt den Mäusekindern, in das blaue Plitschplatschbecken zu springen, um sich abzukühlen.

Plötzlich frischt der Wind auf, weil sich ein Gewitter ankündigt, und wieder wird der Schirm weitergeweht. Diesmal landet er auf einer Kleewiese und wird vom Hasen als willkommenes Kleetrockenhaltedach in Empfang genommen. So sitzt der Hase im Trock-enen, während es außerhalb des beschirmten Dachs nun tüchtig regnet und schüttet. Nach und nach kommen auch die anderen Tiere zum Hasen unter das „Dach“, und sie erzählen sich gegenseitig, was das blaue Ding ihrer Ansicht nach sei.

Illustration: © Katharina Sieg, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2019

Das Gewitter endet, die Tiere zerstreuen sich und gehen wieder ihrer Wege, und der kleine Försterjunge spaziert mit Gummistiefeln über die Wiese und wundert sich, wie sein Schirm wohl dorthin gekommen sei.

Die natürlich-farbenfrohen Illustrationen von Katharina Sieg geben dieser Geschichte ein dynamisches Bühnenbild mit vielen entdeckenswerten Details. Die differenzierte, ausdrucksvolle Mimik und Körpersprache der Figuren bereichern den Text um anschauliche emotionale Ausstrahlung.

Brigitte Weninger erzählt mit warmherzig-heiterem Tonfall und mit sprach- schöpferischem Wortwitz, auf welche durchaus sinnvollen Zweckentfrem- dungen die Tiere angesichts des blauen Schirms kommen. Solche Ideen könnten selbstverständlich auch von phantasiebegabten Kindern stammen oder weniger phantasiebegabte Kinder zu kreativen Ideen animieren. Die amüsanten Wortschöpfungen regen Kinder zudem zur spielerischen Erweiterung des Wortschatzes an. Denn warum sollte ein Drehkarussell nicht als Zweitname Rundumsauer heißen?

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.ueberreuter.de/produkt/der-kleine-blaue-schirm/

 

Die Autorin:

»Brigitte Weninger arbeitete 20 Jahre lang als Kindergartenpädagogin, bevor sie sich 1999 als Autorin selbständig machte. Seither sind rund 60 Kinderbücher erschienen, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. Ihre 13-teilige PAULI-Serie (illustriert von Eve Tharlet) wurde weltweit 4 Millionen Mal verkauft. Brigitte Weninger lebt mit ihrer Familie in Kufstein.«  https://www.brigitte-weninger.at/

Die Illustratorin:

»Katharina Sieg, geboren 1982 in Lippstadt, studierte Illustration in Hamburg, wo sie heute als freischaffende Illustratorin lebt. Am liebsten illustriert sie Kinderbücher, z.B. als Mitglied der Gruppe Krickelkrakel. Ihr Werk ist von lustigen, verträumten und charman-ten Figuren bevölkert, ihre Bilder stecken voll witziger und überraschender Ideen.«

Home

Querverweis:

Hier entlang zum Vorgängerband „Der kleine rote Pullover, der im Winter spielt und amüsante tierische Zweckentfremdungen eines roten Kinderpullovers inszeniert.  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/10/28/der-kleine-rote-pullover/

 

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Die Kinderbuchbrücke

  • von Jella Lepman
  • Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek http://www.ijb.de
  • unter Mitarbeit von Anna Becchi
  • Neuausgabe Verlag Antje Kunstmann, September 2020 www.kunstmann.de
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A)
  • gebunden
  • 303 Seiten
  • mit zahlreichen Fotos
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A)
  • ISBN 978-3-95614-392-2

VON  KINDERBÜCHERN,  KINDERHERZEN  UND  WELTVERBUNDENHEIT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In diesem autobiografischen Buch lernen wir eine eigenwillige, emanzipierte Frau kennen, die es verdient, mehr ins historische Bewußtsein gehoben zu werden. Jella Lepmans Engagement und Begeisterung für Kinder- und Jugendbücher sowie ihrem versöhnlich-ausgleichenden Umgang mit dem besiegten Nachkriegsdeutschland verdanken wir die Gründung der Internationalen Jugendbibliothek (http://www.ijb.de).

Jella Lepman war in Deutschland aufgewachsen. Als Jüdin durfte sie im nationalsoziali-stischen Deutschland ihren journalistischen Beruf nicht mehr ausüben und emigrierte 1936 über Italien nach London. Sie war früh verwitwet und alleinerziehende Mutter zweier Kinder.

1945 wird Jella Lepman gebeten, als „Adviser“ bzw. „Berater für die kulturellen und erzieherischen Belange der Frauen und Kinder in der amerikanischen Besatzungszone“ zu arbeiten. Der amerikanischen Besatzungsmacht schien es wohl angeraten, für die „Umerziehung der Deutschen“ und eine kulturelle Neuausrichtung auch eine mütter- lich-familiäre, weibliche Perspektive einzubeziehen. Nach einer aufwühlenden Bedenk- zeit überwiegt bei Jella Lepman das Mitgefühl mit den Kindern, und sie sagt ihre Mitarbeit zu.

Jella Lepman beschreibt die deutsche Nachkriegssituation und die damaligen zwischen-menschlichen Gestimmtheiten sehr differenziert, und ebenso differenziert betrachtet sie die amerikanische Einflußdominanz auf die deutsche Gesellschaft. Es herrscht Woh- nungsnot, es mangelt an Nahrung, Heizmaterial, Kleidung und Kinderbetreuungsmög- lichkeiten. Sie trifft auf ehrlich Reumütige, Ewiggestrige, echte und unechte „Wider- standskämpfer“ und die übliche Melange der Mitläufer in jede Richtung.

Neben dem leiblichen Hunger gibt es jedoch auch Lesehunger und kindlichen Wissensdurst. Zwölf Jahre Diktatur, Zensur und Bücherverbrennungen sowie die massiven Ausbombungen haben den Kinderbuchfundus deutscher Kinder drastisch reduziert. Nach und nach reift in Jella Lepman die Idee, eine Wanderausstellung der besten internationalen Kinder- und Jugendbücher zu organisieren und so den deutschen Kindern die weite Welt aus Kinderbuchperspektive näherzubringen.

Zwei Jungen in der Stuttgarter Ausstellung 1946 © Stiftung Internationale Jugendbibliothek

Sie schreibt Bittbriefe an diplomatische Vertretungen, Ministerien und Verlage. Neben erzählerischen Werken bittet sie um Bilderbücher, weil diese eine geringere Sprach-barriere bedeuten, und um Kinderzeichnungen und Kinderbilder, weil Kinder auf diesem Wege unabhängig von Fremdsprachenkenntnissen miteinander kommunizieren können. Die internationale Resonanz ist sehr gut, die Bücherspenden fließen großzügig.

Am 3. Juli 1946 eröffnet schließlich die „Internationale Jugendbuchausstellung“ im Haus der Kunst in München und zieht mehr als eine Million Besucher an. Die Ausstellung wandert – soweit sich passende Räumlichkeiten finden lassen – weiter nach Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Berlin. Das rege Interesse der deutschen Bevölkerung und die lebhafte Aufgeschlossenheit der Kinder bestätigen Jella Lepman darin, aus dieser Ausstellung eine dauerhafte Internationale Jugendbibliothek hervorgehen zu lassen.

Mit bewundernswerter Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit und Charme überwindet Jella Lepmann unzählige bürokratische und finanzielle Hürden, findet Mitstreiter, Sponsoren und prominente Befürworter, u.a. Theodor Heuss, Erich Kästner, Eleanor Roosevelt, die Rockefeller Foundation und die ALA, die „American Library Association“.

Am 14. September 1949 kann die „Internationale Jugendbibliothek“ zunächst in einer Villa in der Kaulbachstraße in München eröffnet werden. Von Anfang an werden dort neben Büchern auch Buchdiskussions- und Theaterspielgruppen, Puppentheaterauf-führungen, Elternabende, Sprachkurse und ein Malatelier angeboten. Außerdem dürfen die Kinder selbst Buchkritiken schreiben, die zum Teil sogar im Jugendfunk gesendet werden.

Kinder in der neueröffneten Internationalen Jugenbibliothek am 14. September 1949 © Stiftung Internationale Jugendbibliothek Foto: Otfried Schmidt

Jella Lepmans ausdrückliche Wertschätzung von Kinderliteratur als „Lebensmittel“ zur Herzensbildung und ihre Bemühungen, Kinderbücher als Boten von Fantasie, Freiheit, Frieden, Mitmenschlichkeit, Toleranz und Vielfalt einzusetzen, regten einen lebhaften internationalen Bücheraustausch an und entsprechende wechselseitige Übersetzungen, wie sie uns heutzutage selbstverständlich erscheinen.

Zudem initiierte sie den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Hans Christian Andersen Preis, und sie regte die Gründung des „IBBY“, des International Board on Books für Young People, eines internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch, an, was den gesell-schaftlichen Stellenwert und die positive öffentliche Wahrnehmung von Kinder- und Jugendbüchern erhöhte.

Es ist bewundernswert, mit welcher Unermüdlichkeit und welch großen Idealismus Jella Lepman die deutschen Kinder der Nachkriegszeit mit konstruktiver geistiger Nahrung versorgte. Die nachhaltige Wirkung und internationale Anerkennung, die mit der Institution der Internationalen Jugendbibliothek nach wie vor erreicht wird, bestätigen ihr Wirken.

Jella Lepman (links), Elisabeth Ekström (Geschäftsleiterin des Arbeitskreises für Jugendliteratur in München), Astrid Lindgren und die Bibliothekarin Elsa Olenius auf dem IBBY Kongress in Stockholm 1956 © Foto: privat Familie Lepman-Mortara

„Die Kinderbuchbrücke“ ist ein bemerkenswertes Dokument der Versöhnung, Hoffnung und unerschütterlichen Zielstrebigkeit. Jella Lepman schreibt mit weitem Herzen, gro- ßem Weitblick, scharfer Beobachtungsgabe und Humor. Einfühlsam schildert sie ihre Erfahrungen in Deutschland von der Trümmerzeit bis zur Wirtschaftswunderzeit, freut sich daran, wie aus hohlen Kinderwangen wieder runde Bäckchen werden, und beschreibt anrührende Szenen kindlich-begeisterter Reaktionen auf Bücher. Bei all ihrer organisatorischen und argumentativen Arbeit fand sie sogar noch die Muße, für Erich Kästners Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“ Ideen beizusteuern.

Die Neuausgabe der „Kinderbuchbrücke“ wird um ausführliche Anmerkungen ergänzt, die personelle und historische Zusammenhänge erläutern, sowie um eine Kurzbiografie von Anna Becchi, welche Jella Lepmans Lebensstationen jenseits ihres Engagements für die Internationale Jugendbibliothek nachzeichnet. Zahlreiche Fotos der Autorin und ihrer hilfreichen Wegbegleiter sowie hingebungsvoll in Bücher vertiefter Kinder ergänzen und bereichern Jella Lepmans Bericht um anschauliche, anrührende und aussagekräftige Zeitzeugnisse.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kunstmann.de/buch/jella_lepman-die_kinderbuchbruecke-9783956143922/t-2/

Die Autorin:

»Jella Lepman (1891–1970) wuchs in Stuttgart auf. Die jüdische Journalistin und Kinderbuch- autorin emigrierte 1936 nach England und wurde 1945 von der amerikanischen Militär- regierung als Beraterin für den Wiederaufbau nach Deutschland geholt. 1949 gründete sie die Internationale Jugendbibliothek in München, die weltweit größte Spezialbibliothek für inter- nationale Kinder- und Jugendliteratur, sowie 1951 IBBY (International Board on Books for Young People), eine internationale Organisation zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur.«

Querverweis:

Alljährlich erscheint im Verlag edition momente „Der Kinder Kalender“, herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek. Für diesen Kalender treffen die Bibliotheks-Lektoren aus dem Kinderbuchfundus eine Auswahl von Kindergedichten, die in ihrer jeweiligen Landes- sprache und -Schrift, der dazugehörigen Illustration und einer deutschen Übersetzung jeweils ein Kalenderwochenblatt füllen. So wird Jella Lepmans Idee der Völkerverständigung von Kind zu Kind auf poetische Weise fortgesetzt und in deutsche Kinderzimmer transportiert und weitergesagt.

Den Kinder Kalender für das laufende Jahr (2021) können Sie unter nachfolgendem Link gerne besichtigen: Der Kinder Kalender 2021

Und den Kinder Kalender für das Jahr 2022 können Sie inzwischen auch schon besichtigen: Der Kinder Kalender 2022

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Als Larson das Glück wiederfand

  • Text von Martin Widmark
  • Illustrationen von Emilia Dziubak
  • Originaltitel: »Huset som vaknade«
  • Aus dem Schwedischen übersetzt von Ole Könnecke
  • Verlag arsEdition, August 2018  www.arsedition.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 288 mm x 222 mm
  • 40 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8458-2599-1
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

L I C H T B L I C K E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wenn die eigene Lebenszeiterwartung nur noch kurz ist und der Verlust geliebter Weg-gefährten die Einsamkeit vergrößert, kann dieser Schmerz dazu führen, daß sich ein Mensch dem Leben verschließt. So praktiziert es jedenfalls Larson aus dem vorlie- genden Bilderbuch.

Larson ist alt und verwitwet, seine Kinder sind erwachsen und ausgezogen. Alleine streift Larson durch das große leere Haus und geht ebenso schönen wie wehmütigen Erinnerungen an seine Lieben nach. Jedes Zimmer eröffnet uns einen Einblick in die biographische Vergangenheit Larsons. Während die Räume in der Gegenwart dunkel, angestaubt, muffig, ja, sogar seltsam unterirdisch-höhlenartig erscheinen, sind die Erinnerungsbilder von einem sanften Lichtschein begleitet.

Illustrationen von © Emilia Dziubak, Verlag arsEdition 2018

Gerade als sich Larson zum Schlafen hingelegt hat, klopft es an seine Haustür. Ärgerlich und unwillig steht er auf und schaut nach, wer es da wagt, ihn zu stören. Ein Nachbars-junge mit einem Blumentopf steht lächelnd vor der Tür. Er überreicht Larson den Blu-mentopf, in dem außer Erde noch nichts zu sehen ist, und bittet Larson, während seines Urlaubs den Topf regelmäßig zu wässern, damit seine Blume wachse. Larsons Wider-spruch hört der Junge garnicht mehr, da er schon flugs zum abfahrbereiten Auto seiner Eltern gelaufen ist. Vor sich hin schimpfend stellt Larson den Blumentopf auf den Küchentisch, gießt aber doch etwas Wasser auf die Erde.

Am nächsten Morgen betrachtet Larson beim Frühstück den Topf, entdeckt ein erstes Keimblatt und spürt eine gewisse Neugier, welche Blume denn dort wachsen werde. Plötzlich fällt ihm auf, daß er unbedingt lüften sollte, und er beläßt es nicht nur beim Lüften, sondern putzt auch die schmutzigen Fenster. Endlich kann wieder Sonnenlicht ins Haus dringen, und schon erscheint der Alltag deutlich heller.

Illustrationen von © Emilia Dziubak, Verlag arsEdition 2018

Am Abend fragt sich Larson noch immer, welche Blume in diesem Topf wachsen könnte. Besser gelaunt und geradezu beschwingt beginnt dann der nächste Tag, und zu Larsons Freude taucht sein zuvor entlaufener Kater wieder auf und will offensichtlich auch bleiben. Larson räumt das Haus auf, entstaubt, fegt und beobachtet mit lebhafter Anteilnahme das Wachstum der Pflanze.

Von Tag zu Tag wird die Blume größer, bildet neue Blätter und eine Knospe, und Larson freut sich darüber. Er überlegt sogar, ob er demnächst den Flur mit einer hellgelben Ta-pete neu tapezieren lassen sollte. Larsons frühere Betrübnis und Müdigkeit sind verflo-gen, und genau an dem Morgen, als sich die Blüte öffnet, kehrt der Nachbarsjunge zurück.

Fröhlich lächelt der Junge Larson an und bewundert gemeinsam mit ihm die Schönheit seiner Blume. Dann richtet er dem alten Nachbarn eine Einladung seiner Eltern aus, doch auf ein Glas Wein herüberzukommen. Larson bietet dem Jungen das Du an, und Hand in Hand gehen Larson und der Blumenjunge in strahlendem Sonnenlicht durch den Garten…

Mit diesem Bilderbuch können sich Kinder behutsam der Perspektive eines alten, einsamen und schwermütigen Menschen nähern. In Wort und Bild wird anschaulich dargestellt, wie sich Larson in seinen ausgetretenen Pfaden und Erinnerungen bewegt und der Gegenwart wenig Aufmerk- samkeit schenkt.

Durch die kindlich unbefangene Unterbrechung seiner Verschlossenheit und die unfreiwillige Pflege der Blume keimt auch in Larson langsam wieder neues Leben und vor allem neuer Lebensschwung. So entstaubt und lüftet er nicht nur sein Haus, sondern erfrischt auch sein Gemüt. Da Larson nun das Leben nicht mehr aussperrt, kann er sich neuen Begegnungen öffnen und die Einladung der Nachbarn freudig annehmen.

Der Autor erzählt diese Geschichte in einfachen, berührenden, wesent- lichen Worten, die in den Dialog-Passagen mit zartem Schmunzeln kombiniert werden.

Die Illustrationen von Emilia Dziubak sind von hoher künstlerischer Qualität; sie haben eine starke, beinahe magische Ausstrahlungskraft. Die Mischung aus Andeutung und Präzision erzeugt sehr beredte und viel- schichtige Stimmungsbilder. Dabei sind die feinen Lichteffekte und poe- tischen Details, wie beispielsweise die aus der Erinnerung hereinwehenden Mohnblütenblätter, und die wunderschöne zeichnerische Symbolsprache der Traumsequenzen nachhaltig anrührend und beeindruckend. Die schrittweise Belichtung von Larsons Herz wird illustratorisch kongenial durch die von Seite zu Seite zunehmende Erhellung und Lichtdurch- dringung sichtbar.

Dieses warmherzige Bilderbuch zeigt, wie eine kleine, kindliche Geste buchstäblich den Samen zur Verwandlung in ein altes, einsames Herz legen kann. Wenn dieser Same gewässert und belichtet wird, öffnet sich ein Weg von schattigen Gefühlen hin zu sonnigen Gefühlen sowie zu neuen zwischenmenschlichen Verbindungen.

„Als Larson das Glück wiederfand“ lege ich Ihnen von ganzem Herzen ans Herz!

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.arsedition.de/produkte/detail/produkt/als-larson-das-glueck-wiederfand-8035/

 

Der Autor:

»Martin Widmark gilt als einer der bedeutendsten schwedischen Kinderbuchautoren. Seit 2008 sind seine Bücher die beliebtesten Werke in Schwedens Büchereien und schon elf Mal in Folge erhielt Martin Widmark den Children’s Own Award. Seine Bücher sind stetig auf Bestsellerlisten zu finden, bekamen ausgezeichnete Kritiken und wurden schon in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Bevor Widmark ein „Vollzeit-Autor“ wurde, unterrichtete er als Lehrer in einer Mittelschule und Schwedischlehrer für Immigranten. Er schrieb auch einige Lehrbücher.«

Die Illustratorin:

»Nach Emilia Dziubaks Studium an der Posener Akademie der Schönen Künste in Polen erschien im Jahr 2011 mit dem Kochbuch “A Treat for a Picky Eater” ihr erstes Buch für Kinder. In Südkorea kam das Kochbuch in die engere Wahl für den 4. CJ Bilderbuch-Award. Emilia Dziubaks Illustrationen zierten eine Vielzahl von Zeitschriften, wie beispielsweise Art & Business, ebenso die im Verlag Nasza Księgarnia erschienenen Bücher „I Don’t Want to Be a Princess“ und „The Classics for Children“. Bereits zum zweiten Mal wurde Emilia Dziubak für den PTWK-Wettbewerb um das schönste Buch des Jahres nominiert, 2014 erhielt sie den Warschauer Literaturpreis für ihr Buch „Please Give Me a Hug“.«

Illustrationen von © Emilia Dziubak, Verlag arsEdition 2018

 

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Das Dunkle und das Helle

  • Text von Kerstin Hau
  • Illustrationen von Julie Völk
  • NordSüd Verlag, Juli 2019 www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 28 cm
  • 40 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 19,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10460-2
  • Bilderbuch ab 4 Jahren (laut Verlag)
  • Bilderbuch ab 6 Jahren (nach meiner Einschätzung)

A N N Ä H E R U N G E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Illustratorin Julie Völk hat sich bei ihren vorherigen Bilderbüchern als eine Spezialistin für Geschichten gezeigt, die sich alleine über ihre detailreich-verspielte, phantasievolle Bildersprache – ohne Erzähltext – mitteilen. Beim nun vorliegenden Bilderbuch gibt es einen fortlaufenden Erzähltext der Autorin Kerstin Hau, den Julie Völk einfühlsam illustratorisch begleitet.

Die beiden Hauptfiguren, das Struppige und das Zarte, leben in verschiedenen Welten. Das Struppige ist in der dunkeldüsteren Finsternis zuhause und das Zarte im lichten, bunten Sonnenschein. Diese Lebensräume grenzen aneinander, und sowohl das Struppige als auch das Zarte sind neugierig auf die jeweils andere Seite. Unabhängig voneinander beschließen sie zum Rand ihres Lebensraumes zu gehen und einen forschenden Blick auf die andere Seite zu werfen.

Zunächst bleibt es bei vorsichtigen Blicken, zögerlichen Annäherungen und ängstlichen Rückzügen, doch schließlich begegnen sich beide ebenso aufgeregt wie aufgeschlossen in der dämmergraublauen Grenzstreifenzone und freunden sich miteinander an.

Das helle Zarte lädt das dunkel Struppige auf seine Sonnenseite ein. Ausgestattet mit einem Sonnenschirm betritt das Struppige an der Hand des Zarten die Welt des Farben-leuchtens, und beim Spaziergang durch das Helle färbt sogar etwas Helligkeit auf den dunklen Pelz des Struppigen ab.

Illustration von Julie Völk © NordSüd Verlag 2019

Eines Tages wartet das Struppige vergebens auf das Zarte und traut sich zum ersten Mal alleine in den Sonnenschein hinaus. Stolz geht das Struppige zum Haus seines Freundes, aber das Haus ist in einem dunklen Loch verschwunden. Erschrocken flieht das Struppige zurück zu seinem eigenen Haus in der Finsternis. Dort steht überraschend das Zarte vor seiner Tür und weint, weil es sich fremd  und verloren fühlt.

Freundlich nimmt nun das Struppige das Zarte an die Hand und macht es mit der Welt der Dunkelheit vertraut. Das helle Fell des Zarten bekommt nun auch dunkle Schattie-rungen, und nach einer Weile hat das Zarte keine auch Angst mehr vor der Dunkelheit.

Schließlich betreten beide wieder die Dämmerungszone und trauen sich Schritt für Schritt zurück ins Helle. Sie bauen sich dort in hellen Farbenleuchten ein neues Haus und behalten gleichwohl das Haus in der Finsternis.

Dieses vielschichtige Bilderbuch entzieht sich eindeutigen Zuordnungen, es handelt von Freundschaft, Licht und Schatten, Leichtigkeit und Schwere, Trauer und Trost, Freude und Verbundenheit, von der Erweiterung des Horizonts durch die Überwindung von Angst und von wachsendem Vertrauen durch das Betreten neuer Erfahrungsräume – soweit die für den erwachsenen Leser interpretierbaren Grundanliegen.

Gleichwohl bleibt die gute Absicht in Hinsicht auf die vom Verlag zugeordnete Alters-gruppe (ab vier Jahren) auf der Strecke. Die Erzählweise der Autorin Kerstin Hau ist einerseits nebulös-mehrdeutig und anderseits bei kleinen Details sinnlich-konkret. Das fängt schon mit den „Namen“ der beiden Charaktere an: Das Gegensatzpaar des Strup-pigen und des Zarten erscheint mir recht weit hergeholt, um Kindern die wechselseitige Bedingtheit der Gegensätze zu vermitteln; da hilft es auch nicht wesentlich weiter, daß das Struppige einen Sonnenschirm mit sich trägt und das Zarte eine Taschenlampe.  

Der Versuch oder das bemühte Bemühen, das Helle und das Dunkle durch figürliche Per- sonifikationen von der abstrakten Ebene auf eine konkretere kindgemäße Ebene zu transportieren führt hier meiner Ansicht nach – trotz der durchaus zartfühlenden Be- ziehungsdynamik – nur zu weiteren Abstraktionsabzweigungen und diffusen Andeu- tungen, die Kinder wohl eher überfordern oder zumindest verwirren.

Für die Darstellung der Dunkelbilder hat Julie Völk mit der alten fotografischen Technik der Cyanotypie (Blaudruck) gearbeitet. Dafür wird in einem abgedunkelten Raum Solar-papier mit Blüten, Gräsern usw. belegt oder mit einer durchsichtigen Folie, auf der sich eine Zeichnung befindet. Wenn das Bild solcherart arrangiert ist, wird es einige Minuten ins Sonnenlicht gelegt. Dann wird das sonnenbelichtete Solarpapier wieder ins Dunkle gebracht und mit Wasser abgespült, und das Negativ der Blüten oder Gräser oder der Folienzeichnung wird als hellblauer bis weißer Abdruck auf dem tiefblauen Papier sichtbar.

Die Verwendung der Cyanotypie illustriert hier also buchstäblich, wie das Dunkel ebenso die Leinwand für das Licht ist, wie das Licht die Leinwand für das Dunkel ist. In Kombi- nation mit den farbenfrohen Buntstiftzeichnungen zeigt sich ein vielschichtiges visu- elles Bilderbuchbühnenbild, das mit den unterschiedlichen emotionalen Schattierungen des Erzähltextes harmonisch Hand in Hand geht.  

Es gibt ein Zitat des schwedischen Schriftstellers Erik Blomberg, das sehr gut zu dieser Geschichte paßt und dem ich nachfolgend gerne das Schlußwort überlasse:

 

„Fürchte nicht die Dunkelheit, dort ruht das Licht sich aus.“

Eric Blomberg ©

 

 

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://nord-sued.com/programm/das-dunkle-und-das-helle/
Dieses Bilderbuch ist beim NordSüd Verlag übrigens auch auf Englisch erhältlich:
https://nord-sued.com/programm/the-dark-and-the-light/
Hier entlang zu einem illustren Interview mit Julie Völk:
https://nord-sued.com/2019/07/30/vorhang-auf-fuer-julie-voelk/

Die Autorin:

»Kerstin Hau, geboren 1974, lebt in Darmstadt. Sie arbeitete u.a. als Physiotherapeutin, Fitnesstrainerin und Fachjournalistin. Sie bekam einen Sohn und ist Absolventin der Akademie für Kindermedien. Kerstin Hau lernte, dass alles Neue der Dunkelheit ent-springt und wahre Liebe unsterblich ist. Daraus webt sie ihre Geschichten. Seit 2015 schreibt sie als freie Autorin für kleine und große Leute.«

Die Illustratorin:

»Julie Völk wurde 1985 in Wien geboren. Sie studierte Illustration an der HAW Hamburg. Völks Bücher sind vielfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, dem Troisdorfer Bilderbuchpreis und von der Stiftung Buchkunst. Julie Völk lebt und zeichnet in der Nähe von Wien.« https://julievoelk.de

 

Querverweis:

Hier entlang zu weiteren Bilderbüchern von Julie Völk:

„Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/04/guten-morgen-kleine-strassenbahn/
„Stille Nacht, fröhliche Nacht“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/18/stille-nacht-froehliche-nacht/
Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/28/wenn-ich-in-die-schule-geh-siehst-du-was-was-ich-nicht-seh/

 

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Der Kinder Kalender 2020

  • Mit 52 Gedichten und Bildern aus der ganzen Welt
  • Wochenkalender
  • Herausgegeben und ausgewählt
  • von der Internationalen Jugendbibliothek, München www.ijb.de
  • Mehrsprachig
  • Erschienen im Verlag edition momente,  Juni 2019 www.edition-momente.com
  • Graphische Gestaltung von Max Bartholl
  • 60 Blätter
  • 52 vierfarbige Illustrationen
  • Format: 33 x 30,5 cm
  • Spiralbindung
  • 20,00 €, 30,50 sFr.
  • ISBN 978-3-0360-5020-1
  • Für Kinder jeden Alters

POETISCHE  PRISEN  AUS  ALLER  KINDER  LÄNDER

Kalenderbegeisterung von Ulrike Sokul ©

Kindheit ist heutzutage viel zu sehr stundenplanmäßig durchgetaktet; da ist eine verspielte Zeitrechnung in Kindergedichten, wie sie der Kinder Kalen- der aus dem Verlag edition momente bietet, eine wohltuende und bereich- ernde Anregung zum musischen Innehalten, verweilenden Betrachten und lyrischen Hinlauschen, ja, zum buchstäblich poetischen Atemholen.

Die Mitarbeiter der Internationalen Jugendbibliothek* wählen alljährlich aus ihrem umfangreichen internationalen Kinderbuchfundus jene Poeme und die dazugehörigen Originalillustrationen aus, welche dann – ergänzt um die ebenso einfühlsame wie professionelle deutsche Übersetzung – die Kalenderblätter füllen.

Max Bartholl, der Hausgraphiker des Verlags, hat die Originalgedichte und Übersetzungen vor dem Hintergrund der Illustrationen in ein farbharmo- nisches und auch typographisch angenehm korrespondierendes Layout gefügt.

So blättert man mit dem Kinder Kalender Woche für Woche ein neues Land, ein neues Gedicht und ein neues Bild auf. Da die Gedichte stets auch in der Herkunftssprache und -Schrift abgedruckt sind, lassen sich zudem inter- essante, fremde Schriftarten betrachten.

Herzensbildung und Horizonterweiterung gehen bei diesem ausgesprochen vielstimmigen Kalender Hand in Hand.

Der abwechslungsreichen Vielfalt der Länder und Sprachen entsprechen die Vielfalt der Gedichtformen, Themen und Gefühlsstimmungen sowie die farbenfrohe Variationsbreite der Illustrationsstile. Es gibt lange und kurze Poeme, gereimte und ungereimte, einfache und komplexe, lautmalerische und wortverspielte, geheimnisvolle und offensichtliche, lustige und philoso-phische sowie schelmische und zärtliche. Zur Sprache kommen Tag und Nacht, Stadt und Land, Natur und Technik, alle Jahreszeiten und viele Tiere, Musik und Vogelstimmen, Phantasie und Wirklichkeit, Zeit und Raum, ein Traumschmetterling, eine Baumliste und ein Blätterkonzert, Weltneugier und Lebensfreude sowie eine amüsante Faulpelzwoche …

Als animierende Zugabe gibt es zudem ein freigebliebenes Kalenderblatt, das die Kinder selber „bedichten“ und bemalen können. Dieses selbstge- staltete Kalenderblatt kann bis zum 1. Dezember 2020 an die Internatio- nale Kinderbibliothek gesandt werden, welche die fünf schönsten Blätter auswählt und mit einem Kinder Kalender 2021 belohnt. Daß die Kinder- bibliothek jedes Jahr Hunderte von Einsendungen bekommt, zeigt eine erfreuliche poetisch-kreative Ansprechbarkeit der kindlichen Kalender- nutzer.

Dieser Kalender bietet Eltern und Kindern eine anschauliche und vorles- bare facettenreiche Lebensgeschmacksvielfalt, die durchaus dazu einlädt, gelegentlich ein Gedicht in den Mund zu nehmen und weiterzusagen.

In Hinsicht auf eine nachhaltige Kalenderverwendung nach Jahresablauf bietet es sich zudem ganz praktisch an, die Kalenderblätter, die man sich nicht selber aufbewahren oder – vielleicht sogar gerahmt – an die Wand hängen möchte,  später als Bastel-, Geschenk- oder Briefpapier weiterzu- verwerten.

Da er die kindliche Sprachentwicklung fördere, wurde der Kinder Kalender 2020 aus dem Verlag edition momente am 16. Oktober 2019 auf der Frank- furter Buchmesse mit dem Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels in der Kategorie „Bester Nutzwert“ ausgezeichnet. Dies erscheint mir wohlverdient!

 

Hier entlang zum Kalender und zur Blätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.edition-momente.com/kalender/der-kinder-kalender-2020.html

 

* »Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg in München hat, ist die weltweit größte und renommierteste Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von der deutsch-jüdischen Emigrantin Jella Lepman gegründet, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, mit Kinderbüchern Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen. Bücher sollten die Fantasie der deutschen Nachkriegskinder anregen und ihnen eine offene Weltsicht vermitteln.
Die Idee des interkulturellen Dialogs und die Liebe zu guter Literatur bestimmen seit mehr als 60 Jahren die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist ein Ort, an dem die Literaturvermittlung einen hohen Stellenwert hat und an dem mit Kindern und Erwachsenen der Diskurs über Bücher, Autoren, Illustratoren und Themen gesucht wird
.«  Weitere Informationen:  http://www.ijb.de

Wer Mitglied im »Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek« wird, der bekommt u.a. im ersten Jahr den Kinder Kalender als Begrüßungsgeschenk. http://www.ijb.de/ueber-uns/freundeskreis.html

Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Verlag edition momente außer dem hier besprochenen Kinder Kalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert:

Der Jazz Kalender 2020
Mit Texten von Roger Willemsen
https://www.edition-momente.com/kalender/der-jazz-kalender-2020.html

Der literarische Küchenkalender 2020
Mit Texten, Rezepten & Bildern

Herausgegeben von Sybil Gräfin Schönfeldt
https://www.edition-momente.com/kalender/der-literarische-kuechenkalender-2020.html

Der Literatur Kalender 2020
Vom Glück und Leid des Seins
Mit Texten und Bildern aus der Weltliteratur

Herausgegeben von Elisabeth Raabe
https://www.edition-momente.com/kalender/der-literatur-kalender-2020.html

Der Musik Kalender 2020
Beethoven und ich
https://www.edition-momente.com/kalender/der-musik-kalender-2020.html

Hier entlang zur unwiderstehlichen, stilvollen und amüsant-informativen Kalenderrezension von Maestro Random Randomsen, die neben sprachlicher Eloquenz  auch noch mit abwechslungs- reichen Beethoven-Hörkostproben aufwartet.
https://randomrandomsen.wordpress.com/2019/12/01/eine-runde-sache-zum-runden-geburtstag/

 

 

 

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