Der kleine blaue Schirm

  • Text von Brigitte Weninger
  • Illustrationen von Katharina Sieg
  • annette betz Verlag, 2019 www.annettebetz.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-219-11790-5
  • Bilderbuch ab vier Jahren

MIT SCHIRM, CHARME UND PHANTASIE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es ist Sommer, und der kleine Förstersohn spielt draußen im Schatten seines kleinen blauen Schirms. Die Mutter ruft den Sohn zum Mittagessen ins Försterhaus, der Schirm bleibt liegen und wird plötzlich von einem wilden Wind fortgetragen, bis er in einem Baum hängenbleibt.

Frau Eichhorn findet den Schirm und hält ihn für ein Wolkenspringding. Doch diese Fall-schirm-Funktion erfüllt er keineswegs, und Frau Eichhorn läßt den abgestürzten Schirm enttäuscht auf dem Waldboden liegen. Dort wird er von den Rabenkindern entdeckt, die sogleich erkennen, daß dies ein Rundumsauser sei, und so darf Vater Rabe den Schirm am Schirmband ziehen und kreiseln lassen, bis ihm schwindelig und grün um den Schnabel wird.

Illustration: © Katharina Sieg, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2019

Der Schirm wird vom nächsten Windstoß zum Teich geweht und dort vom Frosch als Windfängersegel genutzt. Aber auch diese Nutzung ist nur von kurzer Dauer. Schließlich läßt der Frosch den inzwischen mit Wasser gefüllten Schirm am Ufer liegen.

Mama Maus und ihre Kinder kommen erhitzt und verschwitzt am Teichufer vorbei, und Mama Maus erlaubt den Mäusekindern, in das blaue Plitschplatschbecken zu springen, um sich abzukühlen.

Plötzlich frischt der Wind auf, weil sich ein Gewitter ankündigt, und wieder wird der Schirm weitergeweht. Diesmal landet er auf einer Kleewiese und wird vom Hasen als willkommenes Kleetrockenhaltedach in Empfang genommen. So sitzt der Hase im Trock-enen, während es außerhalb des beschirmten Dachs nun tüchtig regnet und schüttet. Nach und nach kommen auch die anderen Tiere zum Hasen unter das „Dach“, und sie erzählen sich gegenseitig, was das blaue Ding ihrer Ansicht nach sei.

Illustration: © Katharina Sieg, Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH, Berlin 2019

Das Gewitter endet, die Tiere zerstreuen sich und gehen wieder ihrer Wege, und der kleine Försterjunge spaziert mit Gummistiefeln über die Wiese und wundert sich, wie sein Schirm wohl dorthin gekommen sei.

Die natürlich-farbenfrohen Illustrationen von Katharina Sieg geben dieser Geschichte ein dynamisches Bühnenbild mit vielen entdeckenswerten Details. Die differenzierte, ausdrucksvolle Mimik und Körpersprache der Figuren bereichern den Text um anschauliche emotionale Ausstrahlung.

Brigitte Weninger erzählt mit warmherzig-heiterem Tonfall und mit sprach- schöpferischem Wortwitz, auf welche durchaus sinnvollen Zweckentfrem- dungen die Tiere angesichts des blauen Schirms kommen. Solche Ideen könnten selbstverständlich auch von phantasiebegabten Kindern stammen oder weniger phantasiebegabte Kinder zu kreativen Ideen animieren. Die amüsanten Wortschöpfungen regen Kinder zudem zur spielerischen Erweiterung des Wortschatzes an. Denn warum sollte ein Drehkarussell nicht als Zweitname Rundumsauer heißen?

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.ueberreuter.de/produkt/der-kleine-blaue-schirm/

 

Die Autorin:

»Brigitte Weninger arbeitete 20 Jahre lang als Kindergartenpädagogin, bevor sie sich 1999 als Autorin selbständig machte. Seither sind rund 60 Kinderbücher erschienen, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. Ihre 13-teilige PAULI-Serie (illustriert von Eve Tharlet) wurde weltweit 4 Millionen Mal verkauft. Brigitte Weninger lebt mit ihrer Familie in Kufstein.«  https://www.brigitte-weninger.at/

Die Illustratorin:

»Katharina Sieg, geboren 1982 in Lippstadt, studierte Illustration in Hamburg, wo sie heute als freischaffende Illustratorin lebt. Am liebsten illustriert sie Kinderbücher, z.B. als Mitglied der Gruppe Krickelkrakel. Ihr Werk ist von lustigen, verträumten und charman-ten Figuren bevölkert, ihre Bilder stecken voll witziger und überraschender Ideen.«

Home

Querverweis:

Hier entlang zum Vorgängerband „Der kleine rote Pullover, der im Winter spielt und amüsante tierische Zweckentfremdungen eines roten Kinderpullovers inszeniert.  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/10/28/der-kleine-rote-pullover/

 

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Die Kinderbuchbrücke

  • von Jella Lepman
  • Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek http://www.ijb.de
  • unter Mitarbeit von Anna Becchi
  • Neuausgabe Verlag Antje Kunstmann, September 2020 www.kunstmann.de
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A)
  • gebunden
  • 303 Seiten
  • mit zahlreichen Fotos
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A)
  • ISBN 978-3-95614-392-2

VON  KINDERBÜCHERN,  KINDERHERZEN  UND  WELTVERBUNDENHEIT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In diesem autobiografischen Buch lernen wir eine eigenwillige, emanzipierte Frau kennen, die es verdient, mehr ins historische Bewußtsein gehoben zu werden. Jella Lepmans Engagement und Begeisterung für Kinder- und Jugendbücher sowie ihrem versöhnlich-ausgleichenden Umgang mit dem besiegten Nachkriegsdeutschland verdanken wir die Gründung der Internationalen Jugendbibliothek (http://www.ijb.de).

Jella Lepman war in Deutschland aufgewachsen. Als Jüdin durfte sie im nationalsoziali-stischen Deutschland ihren journalistischen Beruf nicht mehr ausüben und emigrierte 1936 über Italien nach London. Sie war früh verwitwet und alleinerziehende Mutter zweier Kinder.

1945 wird Jella Lepman gebeten, als „Adviser“ bzw. „Berater für die kulturellen und erzieherischen Belange der Frauen und Kinder in der amerikanischen Besatzungszone“ zu arbeiten. Der amerikanischen Besatzungsmacht schien es wohl angeraten, für die „Umerziehung der Deutschen“ und eine kulturelle Neuausrichtung auch eine mütter- lich-familiäre, weibliche Perspektive einzubeziehen. Nach einer aufwühlenden Bedenk- zeit überwiegt bei Jella Lepman das Mitgefühl mit den Kindern, und sie sagt ihre Mitarbeit zu.

Jella Lepman beschreibt die deutsche Nachkriegssituation und die damaligen zwischen-menschlichen Gestimmtheiten sehr differenziert, und ebenso differenziert betrachtet sie die amerikanische Einflußdominanz auf die deutsche Gesellschaft. Es herrscht Woh- nungsnot, es mangelt an Nahrung, Heizmaterial, Kleidung und Kinderbetreuungsmög- lichkeiten. Sie trifft auf ehrlich Reumütige, Ewiggestrige, echte und unechte „Wider- standskämpfer“ und die übliche Melange der Mitläufer in jede Richtung.

Neben dem leiblichen Hunger gibt es jedoch auch Lesehunger und kindlichen Wissensdurst. Zwölf Jahre Diktatur, Zensur und Bücherverbrennungen sowie die massiven Ausbombungen haben den Kinderbuchfundus deutscher Kinder drastisch reduziert. Nach und nach reift in Jella Lepman die Idee, eine Wanderausstellung der besten internationalen Kinder- und Jugendbücher zu organisieren und so den deutschen Kindern die weite Welt aus Kinderbuchperspektive näherzubringen.

Zwei Jungen in der Stuttgarter Ausstellung 1946 © Stiftung Internationale Jugendbibliothek

Sie schreibt Bittbriefe an diplomatische Vertretungen, Ministerien und Verlage. Neben erzählerischen Werken bittet sie um Bilderbücher, weil diese eine geringere Sprach-barriere bedeuten, und um Kinderzeichnungen und Kinderbilder, weil Kinder auf diesem Wege unabhängig von Fremdsprachenkenntnissen miteinander kommunizieren können. Die internationale Resonanz ist sehr gut, die Bücherspenden fließen großzügig.

Am 3. Juli 1946 eröffnet schließlich die „Internationale Jugendbuchausstellung“ im Haus der Kunst in München und zieht mehr als eine Million Besucher an. Die Ausstellung wandert – soweit sich passende Räumlichkeiten finden lassen – weiter nach Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Berlin. Das rege Interesse der deutschen Bevölkerung und die lebhafte Aufgeschlossenheit der Kinder bestätigen Jella Lepman darin, aus dieser Ausstellung eine dauerhafte Internationale Jugendbibliothek hervorgehen zu lassen.

Mit bewundernswerter Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit und Charme überwindet Jella Lepmann unzählige bürokratische und finanzielle Hürden, findet Mitstreiter, Sponsoren und prominente Befürworter, u.a. Theodor Heuss, Erich Kästner, Eleanor Roosevelt, die Rockefeller Foundation und die ALA, die „American Library Association“.

Am 14. September 1949 kann die „Internationale Jugendbibliothek“ zunächst in einer Villa in der Kaulbachstraße in München eröffnet werden. Von Anfang an werden dort neben Büchern auch Buchdiskussions- und Theaterspielgruppen, Puppentheaterauf-führungen, Elternabende, Sprachkurse und ein Malatelier angeboten. Außerdem dürfen die Kinder selbst Buchkritiken schreiben, die zum Teil sogar im Jugendfunk gesendet werden.

Kinder in der neueröffneten Internationalen Jugenbibliothek am 14. September 1949 © Stiftung Internationale Jugendbibliothek Foto: Otfried Schmidt

Jella Lepmans ausdrückliche Wertschätzung von Kinderliteratur als „Lebensmittel“ zur Herzensbildung und ihre Bemühungen, Kinderbücher als Boten von Fantasie, Freiheit, Frieden, Mitmenschlichkeit, Toleranz und Vielfalt einzusetzen, regten einen lebhaften internationalen Bücheraustausch an und entsprechende wechselseitige Übersetzungen, wie sie uns heutzutage selbstverständlich erscheinen.

Zudem initiierte sie den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Hans Christian Andersen Preis, und sie regte die Gründung des „IBBY“, des International Board on Books für Young People, eines internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch, an, was den gesell-schaftlichen Stellenwert und die positive öffentliche Wahrnehmung von Kinder- und Jugendbüchern erhöhte.

Es ist bewundernswert, mit welcher Unermüdlichkeit und welch großen Idealismus Jella Lepman die deutschen Kinder der Nachkriegszeit mit konstruktiver geistiger Nahrung versorgte. Die nachhaltige Wirkung und internationale Anerkennung, die mit der Institution der Internationalen Jugendbibliothek nach wie vor erreicht wird, bestätigen ihr Wirken.

Jella Lepman (links), Elisabeth Ekström (Geschäftsleiterin des Arbeitskreises für Jugendliteratur in München), Astrid Lindgren und die Bibliothekarin Elsa Olenius auf dem IBBY Kongress in Stockholm 1956 © Foto: privat Familie Lepman-Mortara

„Die Kinderbuchbrücke“ ist ein bemerkenswertes Dokument der Versöhnung, Hoffnung und unerschütterlichen Zielstrebigkeit. Jella Lepman schreibt mit weitem Herzen, gro- ßem Weitblick, scharfer Beobachtungsgabe und Humor. Einfühlsam schildert sie ihre Erfahrungen in Deutschland von der Trümmerzeit bis zur Wirtschaftswunderzeit, freut sich daran, wie aus hohlen Kinderwangen wieder runde Bäckchen werden, und beschreibt anrührende Szenen kindlich-begeisterter Reaktionen auf Bücher. Bei all ihrer organisatorischen und argumentativen Arbeit fand sie sogar noch die Muße, für Erich Kästners Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“ Ideen beizusteuern.

Die Neuausgabe der „Kinderbuchbrücke“ wird um ausführliche Anmerkungen ergänzt, die personelle und historische Zusammenhänge erläutern, sowie um eine Kurzbiografie von Anna Becchi, welche Jella Lepmans Lebensstationen jenseits ihres Engagements für die Internationale Jugendbibliothek nachzeichnet. Zahlreiche Fotos der Autorin und ihrer hilfreichen Wegbegleiter sowie hingebungsvoll in Bücher vertiefter Kinder ergänzen und bereichern Jella Lepmans Bericht um anschauliche, anrührende und aussagekräftige Zeitzeugnisse.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.kunstmann.de/buch/jella_lepman-die_kinderbuchbruecke-9783956143922/t-2/

 

Die Autorin:

»Jella Lepman (1891–1970) wuchs in Stuttgart auf. Die jüdische Journalistin und Kinderbuch- autorin emigrierte 1936 nach England und wurde 1945 von der amerikanischen Militär- regierung als Beraterin für den Wiederaufbau nach Deutschland geholt. 1949 gründete sie die Internationale Jugendbibliothek in München, die weltweit größte Spezialbibliothek für inter- nationale Kinder- und Jugendliteratur, sowie 1951 IBBY (International Board on Books for Young People), eine internationale Organisation zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur.«

Querverweis:

Alljährlich erscheint im Verlag edition momente „Der Kinder Kalender“, herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek. Für diesen Kalender treffen die Bibliotheks-Lektoren aus dem Kinderbuchfundus eine Auswahl von Kindergedichten, die in ihrer jeweiligen Landes- sprache und -Schrift, der dazugehörigen Illustration und einer deutschen Übersetzung jeweils ein Kalenderwochenblatt füllen. So wird Jella Lepmans Idee der Völkerverständigung von Kind zu Kind auf poetische Weise fortgesetzt und in deutsche Kinderzimmer transportiert und weitergesagt.
Den Kinder Kalender für das laufende Jahr (2021) können Sie unter nachfolgendem Link gerne besichtigen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/11/12/der-kinder-kalender-2021/

 

 

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Als Larson das Glück wiederfand

  • Text von Martin Widmark
  • Illustrationen von Emilia Dziubak
  • Originaltitel: »Huset som vaknade«
  • Aus dem Schwedischen übersetzt von Ole Könnecke
  • Verlag arsEdition, August 2018  www.arsedition.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 288 mm x 222 mm
  • 40 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8458-2599-1
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

L I C H T B L I C K E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wenn die eigene Lebenszeiterwartung nur noch kurz ist und der Verlust geliebter Weg-gefährten die Einsamkeit vergrößert, kann dieser Schmerz dazu führen, daß sich ein Mensch dem Leben verschließt. So praktiziert es jedenfalls Larson aus dem vorlie- genden Bilderbuch.

Larson ist alt und verwitwet, seine Kinder sind erwachsen und ausgezogen. Alleine streift Larson durch das große leere Haus und geht ebenso schönen wie wehmütigen Erinnerungen an seine Lieben nach. Jedes Zimmer eröffnet uns einen Einblick in die biographische Vergangenheit Larsons. Während die Räume in der Gegenwart dunkel, angestaubt, muffig, ja, sogar seltsam unterirdisch-höhlenartig erscheinen, sind die Erinnerungsbilder von einem sanften Lichtschein begleitet.

Illustrationen von © Emilia Dziubak, Verlag arsEdition 2018

Gerade als sich Larson zum Schlafen hingelegt hat, klopft es an seine Haustür. Ärgerlich und unwillig steht er auf und schaut nach, wer es da wagt, ihn zu stören. Ein Nachbars-junge mit einem Blumentopf steht lächelnd vor der Tür. Er überreicht Larson den Blu-mentopf, in dem außer Erde noch nichts zu sehen ist, und bittet Larson, während seines Urlaubs den Topf regelmäßig zu wässern, damit seine Blume wachse. Larsons Wider-spruch hört der Junge garnicht mehr, da er schon flugs zum abfahrbereiten Auto seiner Eltern gelaufen ist. Vor sich hin schimpfend stellt Larson den Blumentopf auf den Küchentisch, gießt aber doch etwas Wasser auf die Erde.

Am nächsten Morgen betrachtet Larson beim Frühstück den Topf, entdeckt ein erstes Keimblatt und spürt eine gewisse Neugier, welche Blume denn dort wachsen werde. Plötzlich fällt ihm auf, daß er unbedingt lüften sollte, und er beläßt es nicht nur beim Lüften, sondern putzt auch die schmutzigen Fenster. Endlich kann wieder Sonnenlicht ins Haus dringen, und schon erscheint der Alltag deutlich heller.

Illustrationen von © Emilia Dziubak, Verlag arsEdition 2018

Am Abend fragt sich Larson noch immer, welche Blume in diesem Topf wachsen könnte. Besser gelaunt und geradezu beschwingt beginnt dann der nächste Tag, und zu Larsons Freude taucht sein zuvor entlaufener Kater wieder auf und will offensichtlich auch bleiben. Larson räumt das Haus auf, entstaubt, fegt und beobachtet mit lebhafter Anteilnahme das Wachstum der Pflanze.

Von Tag zu Tag wird die Blume größer, bildet neue Blätter und eine Knospe, und Larson freut sich darüber. Er überlegt sogar, ob er demnächst den Flur mit einer hellgelben Ta-pete neu tapezieren lassen sollte. Larsons frühere Betrübnis und Müdigkeit sind verflo-gen, und genau an dem Morgen, als sich die Blüte öffnet, kehrt der Nachbarsjunge zurück.

Fröhlich lächelt der Junge Larson an und bewundert gemeinsam mit ihm die Schönheit seiner Blume. Dann richtet er dem alten Nachbarn eine Einladung seiner Eltern aus, doch auf ein Glas Wein herüberzukommen. Larson bietet dem Jungen das Du an, und Hand in Hand gehen Larson und der Blumenjunge in strahlendem Sonnenlicht durch den Garten…

Mit diesem Bilderbuch können sich Kinder behutsam der Perspektive eines alten, einsamen und schwermütigen Menschen nähern. In Wort und Bild wird anschaulich dargestellt, wie sich Larson in seinen ausgetretenen Pfaden und Erinnerungen bewegt und der Gegenwart wenig Aufmerk- samkeit schenkt.

Durch die kindlich unbefangene Unterbrechung seiner Verschlossenheit und die unfreiwillige Pflege der Blume keimt auch in Larson langsam wieder neues Leben und vor allem neuer Lebensschwung. So entstaubt und lüftet er nicht nur sein Haus, sondern erfrischt auch sein Gemüt. Da Larson nun das Leben nicht mehr aussperrt, kann er sich neuen Begegnungen öffnen und die Einladung der Nachbarn freudig annehmen.

Der Autor erzählt diese Geschichte in einfachen, berührenden, wesent- lichen Worten, die in den Dialog-Passagen mit zartem Schmunzeln kombiniert werden.

Die Illustrationen von Emilia Dziubak sind von hoher künstlerischer Qualität; sie haben eine starke, beinahe magische Ausstrahlungskraft. Die Mischung aus Andeutung und Präzision erzeugt sehr beredte und viel- schichtige Stimmungsbilder. Dabei sind die feinen Lichteffekte und poe- tischen Details, wie beispielsweise die aus der Erinnerung hereinwehenden Mohnblütenblätter, und die wunderschöne zeichnerische Symbolsprache der Traumsequenzen nachhaltig anrührend und beeindruckend. Die schrittweise Belichtung von Larsons Herz wird illustratorisch kongenial durch die von Seite zu Seite zunehmende Erhellung und Lichtdurch- dringung sichtbar.

Dieses warmherzige Bilderbuch zeigt, wie eine kleine, kindliche Geste buchstäblich den Samen zur Verwandlung in ein altes, einsames Herz legen kann. Wenn dieser Same gewässert und belichtet wird, öffnet sich ein Weg von schattigen Gefühlen hin zu sonnigen Gefühlen sowie zu neuen zwischenmenschlichen Verbindungen.

„Als Larson das Glück wiederfand“ lege ich Ihnen von ganzem Herzen ans Herz!

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.arsedition.de/produkte/detail/produkt/als-larson-das-glueck-wiederfand-8035/

 

Der Autor:

»Martin Widmark gilt als einer der bedeutendsten schwedischen Kinderbuchautoren. Seit 2008 sind seine Bücher die beliebtesten Werke in Schwedens Büchereien und schon elf Mal in Folge erhielt Martin Widmark den Children’s Own Award. Seine Bücher sind stetig auf Bestsellerlisten zu finden, bekamen ausgezeichnete Kritiken und wurden schon in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Bevor Widmark ein „Vollzeit-Autor“ wurde, unterrichtete er als Lehrer in einer Mittelschule und Schwedischlehrer für Immigranten. Er schrieb auch einige Lehrbücher.«

Die Illustratorin:

»Nach Emilia Dziubaks Studium an der Posener Akademie der Schönen Künste in Polen erschien im Jahr 2011 mit dem Kochbuch “A Treat for a Picky Eater” ihr erstes Buch für Kinder. In Südkorea kam das Kochbuch in die engere Wahl für den 4. CJ Bilderbuch-Award. Emilia Dziubaks Illustrationen zierten eine Vielzahl von Zeitschriften, wie beispielsweise Art & Business, ebenso die im Verlag Nasza Księgarnia erschienenen Bücher „I Don’t Want to Be a Princess“ und „The Classics for Children“. Bereits zum zweiten Mal wurde Emilia Dziubak für den PTWK-Wettbewerb um das schönste Buch des Jahres nominiert, 2014 erhielt sie den Warschauer Literaturpreis für ihr Buch „Please Give Me a Hug“.«

Illustrationen von © Emilia Dziubak, Verlag arsEdition 2018

 

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Das Dunkle und das Helle

  • Text von Kerstin Hau
  • Illustrationen von Julie Völk
  • NordSüd Verlag, Juli 2019 www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 28 cm
  • 40 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 19,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10460-2
  • Bilderbuch ab 4 Jahren (laut Verlag)
  • Bilderbuch ab 6 Jahren (nach meiner Einschätzung)

A N N Ä H E R U N G E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Illustratorin Julie Völk hat sich bei ihren vorherigen Bilderbüchern als eine Spezialistin für Geschichten gezeigt, die sich alleine über ihre detailreich-verspielte, phantasievolle Bildersprache – ohne Erzähltext – mitteilen. Beim nun vorliegenden Bilderbuch gibt es einen fortlaufenden Erzähltext der Autorin Kerstin Hau, den Julie Völk einfühlsam illustratorisch begleitet.

Die beiden Hauptfiguren, das Struppige und das Zarte, leben in verschiedenen Welten. Das Struppige ist in der dunkeldüsteren Finsternis zuhause und das Zarte im lichten, bunten Sonnenschein. Diese Lebensräume grenzen aneinander, und sowohl das Struppige als auch das Zarte sind neugierig auf die jeweils andere Seite. Unabhängig voneinander beschließen sie zum Rand ihres Lebensraumes zu gehen und einen forschenden Blick auf die andere Seite zu werfen.

Zunächst bleibt es bei vorsichtigen Blicken, zögerlichen Annäherungen und ängstlichen Rückzügen, doch schließlich begegnen sich beide ebenso aufgeregt wie aufgeschlossen in der dämmergraublauen Grenzstreifenzone und freunden sich miteinander an.

Das helle Zarte lädt das dunkel Struppige auf seine Sonnenseite ein. Ausgestattet mit einem Sonnenschirm betritt das Struppige an der Hand des Zarten die Welt des Farben-leuchtens, und beim Spaziergang durch das Helle färbt sogar etwas Helligkeit auf den dunklen Pelz des Struppigen ab.

Illustration von Julie Völk © NordSüd Verlag 2019

Eines Tages wartet das Struppige vergebens auf das Zarte und traut sich zum ersten Mal alleine in den Sonnenschein hinaus. Stolz geht das Struppige zum Haus seines Freundes, aber das Haus ist in einem dunklen Loch verschwunden. Erschrocken flieht das Struppige zurück zu seinem eigenen Haus in der Finsternis. Dort steht überraschend das Zarte vor seiner Tür und weint, weil es sich fremd  und verloren fühlt.

Freundlich nimmt nun das Struppige das Zarte an die Hand und macht es mit der Welt der Dunkelheit vertraut. Das helle Fell des Zarten bekommt nun auch dunkle Schattie-rungen, und nach einer Weile hat das Zarte keine auch Angst mehr vor der Dunkelheit.

Schließlich betreten beide wieder die Dämmerungszone und trauen sich Schritt für Schritt zurück ins Helle. Sie bauen sich dort in hellen Farbenleuchten ein neues Haus und behalten gleichwohl das Haus in der Finsternis.

Dieses vielschichtige Bilderbuch entzieht sich eindeutigen Zuordnungen, es handelt von Freundschaft, Licht und Schatten, Leichtigkeit und Schwere, Trauer und Trost, Freude und Verbundenheit, von der Erweiterung des Horizonts durch die Überwindung von Angst und von wachsendem Vertrauen durch das Betreten neuer Erfahrungsräume – soweit die für den erwachsenen Leser interpretierbaren Grundanliegen.

Gleichwohl bleibt die gute Absicht in Hinsicht auf die vom Verlag zugeordnete Alters-gruppe (ab vier Jahren) auf der Strecke. Die Erzählweise der Autorin Kerstin Hau ist einerseits nebulös-mehrdeutig und anderseits bei kleinen Details sinnlich-konkret. Das fängt schon mit den „Namen“ der beiden Charaktere an: Das Gegensatzpaar des Strup-pigen und des Zarten erscheint mir recht weit hergeholt, um Kindern die wechselseitige Bedingtheit der Gegensätze zu vermitteln; da hilft es auch nicht wesentlich weiter, daß das Struppige einen Sonnenschirm mit sich trägt und das Zarte eine Taschenlampe.  

Der Versuch oder das bemühte Bemühen, das Helle und das Dunkle durch figürliche Per- sonifikationen von der abstrakten Ebene auf eine konkretere kindgemäße Ebene zu transportieren führt hier meiner Ansicht nach – trotz der durchaus zartfühlenden Be- ziehungsdynamik – nur zu weiteren Abstraktionsabzweigungen und diffusen Andeu- tungen, die Kinder wohl eher überfordern oder zumindest verwirren.

Für die Darstellung der Dunkelbilder hat Julie Völk mit der alten fotografischen Technik der Cyanotypie (Blaudruck) gearbeitet. Dafür wird in einem abgedunkelten Raum Solar-papier mit Blüten, Gräsern usw. belegt oder mit einer durchsichtigen Folie, auf der sich eine Zeichnung befindet. Wenn das Bild solcherart arrangiert ist, wird es einige Minuten ins Sonnenlicht gelegt. Dann wird das sonnenbelichtete Solarpapier wieder ins Dunkle gebracht und mit Wasser abgespült, und das Negativ der Blüten oder Gräser oder der Folienzeichnung wird als hellblauer bis weißer Abdruck auf dem tiefblauen Papier sichtbar.

Die Verwendung der Cyanotypie illustriert hier also buchstäblich, wie das Dunkel ebenso die Leinwand für das Licht ist, wie das Licht die Leinwand für das Dunkel ist. In Kombi- nation mit den farbenfrohen Buntstiftzeichnungen zeigt sich ein vielschichtiges visu- elles Bilderbuchbühnenbild, das mit den unterschiedlichen emotionalen Schattierungen des Erzähltextes harmonisch Hand in Hand geht.  

Es gibt ein Zitat des schwedischen Schriftstellers Erik Blomberg, das sehr gut zu dieser Geschichte paßt und dem ich nachfolgend gerne das Schlußwort überlasse:

 

„Fürchte nicht die Dunkelheit, dort ruht das Licht sich aus.“

Eric Blomberg ©

 

 

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://nord-sued.com/programm/das-dunkle-und-das-helle/
Dieses Bilderbuch ist beim NordSüd Verlag übrigens auch auf Englisch erhältlich:
https://nord-sued.com/programm/the-dark-and-the-light/
Hier entlang zu einem illustren Interview mit Julie Völk:
https://nord-sued.com/2019/07/30/vorhang-auf-fuer-julie-voelk/

Die Autorin:

»Kerstin Hau, geboren 1974, lebt in Darmstadt. Sie arbeitete u.a. als Physiotherapeutin, Fitnesstrainerin und Fachjournalistin. Sie bekam einen Sohn und ist Absolventin der Akademie für Kindermedien. Kerstin Hau lernte, dass alles Neue der Dunkelheit ent-springt und wahre Liebe unsterblich ist. Daraus webt sie ihre Geschichten. Seit 2015 schreibt sie als freie Autorin für kleine und große Leute.«

Die Illustratorin:

»Julie Völk wurde 1985 in Wien geboren. Sie studierte Illustration an der HAW Hamburg. Völks Bücher sind vielfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, dem Troisdorfer Bilderbuchpreis und von der Stiftung Buchkunst. Julie Völk lebt und zeichnet in der Nähe von Wien.« https://julievoelk.de

 

Querverweis:

Hier entlang zu weiteren Bilderbüchern von Julie Völk:

„Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/04/guten-morgen-kleine-strassenbahn/
„Stille Nacht, fröhliche Nacht“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/18/stille-nacht-froehliche-nacht/
Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/28/wenn-ich-in-die-schule-geh-siehst-du-was-was-ich-nicht-seh/

 

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Der Kinder Kalender 2020

  • Mit 52 Gedichten und Bildern aus der ganzen Welt
  • Wochenkalender
  • Herausgegeben und ausgewählt
  • von der Internationalen Jugendbibliothek, München www.ijb.de
  • Mehrsprachig
  • Erschienen im Verlag edition momente,  Juni 2019 www.edition-momente.com
  • Graphische Gestaltung von Max Bartholl
  • 60 Blätter
  • 52 vierfarbige Illustrationen
  • Format: 33 x 30,5 cm
  • Spiralbindung
  • 20,00 €, 30,50 sFr.
  • ISBN 978-3-0360-5020-1
  • Für Kinder jeden Alters

POETISCHE  PRISEN  AUS  ALLER  KINDER  LÄNDER

Kalenderbegeisterung von Ulrike Sokul ©

Kindheit ist heutzutage viel zu sehr stundenplanmäßig durchgetaktet; da ist eine verspielte Zeitrechnung in Kindergedichten, wie sie der Kinder Kalen- der aus dem Verlag edition momente bietet, eine wohltuende und bereich- ernde Anregung zum musischen Innehalten, verweilenden Betrachten und lyrischen Hinlauschen, ja, zum buchstäblich poetischen Atemholen.

Die Mitarbeiter der Internationalen Jugendbibliothek* wählen alljährlich aus ihrem umfangreichen internationalen Kinderbuchfundus jene Poeme und die dazugehörigen Originalillustrationen aus, welche dann – ergänzt um die ebenso einfühlsame wie professionelle deutsche Übersetzung – die Kalenderblätter füllen.

Max Bartholl, der Hausgraphiker des Verlags, hat die Originalgedichte und Übersetzungen vor dem Hintergrund der Illustrationen in ein farbharmo- nisches und auch typographisch angenehm korrespondierendes Layout gefügt.

So blättert man mit dem Kinder Kalender Woche für Woche ein neues Land, ein neues Gedicht und ein neues Bild auf. Da die Gedichte stets auch in der Herkunftssprache und -Schrift abgedruckt sind, lassen sich zudem inter- essante, fremde Schriftarten betrachten.

Herzensbildung und Horizonterweiterung gehen bei diesem ausgesprochen vielstimmigen Kalender Hand in Hand.

Der abwechslungsreichen Vielfalt der Länder und Sprachen entsprechen die Vielfalt der Gedichtformen, Themen und Gefühlsstimmungen sowie die farbenfrohe Variationsbreite der Illustrationsstile. Es gibt lange und kurze Poeme, gereimte und ungereimte, einfache und komplexe, lautmalerische und wortverspielte, geheimnisvolle und offensichtliche, lustige und philoso-phische sowie schelmische und zärtliche. Zur Sprache kommen Tag und Nacht, Stadt und Land, Natur und Technik, alle Jahreszeiten und viele Tiere, Musik und Vogelstimmen, Phantasie und Wirklichkeit, Zeit und Raum, ein Traumschmetterling, eine Baumliste und ein Blätterkonzert, Weltneugier und Lebensfreude sowie eine amüsante Faulpelzwoche …

Als animierende Zugabe gibt es zudem ein freigebliebenes Kalenderblatt, das die Kinder selber „bedichten“ und bemalen können. Dieses selbstge- staltete Kalenderblatt kann bis zum 1. Dezember 2020 an die Internatio- nale Kinderbibliothek gesandt werden, welche die fünf schönsten Blätter auswählt und mit einem Kinder Kalender 2021 belohnt. Daß die Kinder- bibliothek jedes Jahr Hunderte von Einsendungen bekommt, zeigt eine erfreuliche poetisch-kreative Ansprechbarkeit der kindlichen Kalender- nutzer.

Dieser Kalender bietet Eltern und Kindern eine anschauliche und vorles- bare facettenreiche Lebensgeschmacksvielfalt, die durchaus dazu einlädt, gelegentlich ein Gedicht in den Mund zu nehmen und weiterzusagen.

In Hinsicht auf eine nachhaltige Kalenderverwendung nach Jahresablauf bietet es sich zudem ganz praktisch an, die Kalenderblätter, die man sich nicht selber aufbewahren oder – vielleicht sogar gerahmt – an die Wand hängen möchte,  später als Bastel-, Geschenk- oder Briefpapier weiterzu- verwerten.

Da er die kindliche Sprachentwicklung fördere, wurde der Kinder Kalender 2020 aus dem Verlag edition momente am 16. Oktober 2019 auf der Frank- furter Buchmesse mit dem Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels in der Kategorie „Bester Nutzwert“ ausgezeichnet. Dies erscheint mir wohlverdient!

 

Hier entlang zum Kalender und zur Blätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.edition-momente.com/kalender/der-kinder-kalender-2020.html

 

* »Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg in München hat, ist die weltweit größte und renommierteste Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von der deutsch-jüdischen Emigrantin Jella Lepman gegründet, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, mit Kinderbüchern Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen. Bücher sollten die Fantasie der deutschen Nachkriegskinder anregen und ihnen eine offene Weltsicht vermitteln.
Die Idee des interkulturellen Dialogs und die Liebe zu guter Literatur bestimmen seit mehr als 60 Jahren die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist ein Ort, an dem die Literaturvermittlung einen hohen Stellenwert hat und an dem mit Kindern und Erwachsenen der Diskurs über Bücher, Autoren, Illustratoren und Themen gesucht wird
.«  Weitere Informationen:  http://www.ijb.de

Wer Mitglied im »Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek« wird, der bekommt u.a. im ersten Jahr den Kinder Kalender als Begrüßungsgeschenk. http://www.ijb.de/ueber-uns/freundeskreis.html

Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Verlag edition momente außer dem hier besprochenen Kinder Kalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert:

Der Jazz Kalender 2020
Mit Texten von Roger Willemsen
https://www.edition-momente.com/kalender/der-jazz-kalender-2020.html

Der literarische Küchenkalender 2020
Mit Texten, Rezepten & Bildern

Herausgegeben von Sybil Gräfin Schönfeldt
https://www.edition-momente.com/kalender/der-literarische-kuechenkalender-2020.html

Der Literatur Kalender 2020
Vom Glück und Leid des Seins
Mit Texten und Bildern aus der Weltliteratur

Herausgegeben von Elisabeth Raabe
https://www.edition-momente.com/kalender/der-literatur-kalender-2020.html

Der Musik Kalender 2020
Beethoven und ich
https://www.edition-momente.com/kalender/der-musik-kalender-2020.html

Hier entlang zur unwiderstehlichen, stilvollen und amüsant-informativen Kalenderrezension von Maestro Random Randomsen, die neben sprachlicher Eloquenz  auch noch mit abwechslungs- reichen Beethoven-Hörkostproben aufwartet.
https://randomrandomsen.wordpress.com/2019/12/01/eine-runde-sache-zum-runden-geburtstag/

 

 

 

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Petronella Apfelmus, Band 6

  • Schnattergans und Hexenhaus
  • von Sabine Städing
  • illustriert von Sabine Büchner
  • Boje Verlag, September 2018  www.boje-verlag.de
  • gebunden
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 13,00 €
  • ISBN 978-3-414-82514-8
  • Kinderbuch ab 8 Jahren zum Selberlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen

MILCHSTRASSENSTREUSEL  &  HEIDELBÄREN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Zwillinge Lea und Luis Kuchenbrand haben ein zauberhaftes Geheimnis; seit sie mit ihren Eltern in das alte Müllerhaus mit dem schönen halbverwilderten Garten gezogen sind, pflegen sie eine außergewöhnliche Freundschaft mit Petronella Apfelmus, der Hüterin der alten Apfelbäume. (Siehe meine Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/ )

Die Eltern halten Petronella für eine etwas schrullige Nachbarin; nur die Kinder wissen, daß Petronella eine Apfelhexe ist. Gerne besuchen sie Petronella und ihren Freund und Mitbewohner, den Hirschkäfer Lucius, in ihrem Wohnapfel. Mit Hilfe von Petronellas magischer Strickleiter wird man nämlich beim Hinaufklettern immer kleiner und paßt schließlich bequem in einen Apfelinnenraum, und beim Hinabklettern wächst man wieder in seine normale Größe zurück. Außerdem sind sie auch vertraut mit den kleinen ebenso fleißigen wie eigenwilligen Apfelmännchen, die Petronella bei der Pflege des großen Gartens helfen.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Im vorliegenden Band berichten Lea und Luis Petronella freudestrahlend, daß sie in den Sommerferien Urlaub auf einem Bauernhof in der Heide machen werden. Da es schon bald losgeht, bitten sie Petronella, sich während ihrer Abwesenheit um ihre kleine Hühnerschar zu kümmern. Dies ist für Petronella eine leichte Übung, zumal sie mit allen Tieren sprechen kann. Für die Reise gibt sie den Kindern Milchstraßenstreusel mit, damit sie bei Bedarf den schnellsten Weg zur nächstgelegenen Hexe finden. Denn wie es der Zufall will, wohnt Petronellas Cousine Erika, raffiniert versteckt, in einem Hexen- häuschen in der Heide.

Lea und Luis fühlen sich auf dem Bauernhof schnell heimisch. Lea begeistert sich für die vielen Tiere und freundet sich besonders mit den beiden zutraulichen Gänsen Frida und Fritz an. Luis hofft, daß er einmal auf dem Traktor mitfahren darf, und der freundliche Sohn von Bauer Erdmann will dies für ihn arrangieren.

Alles wäre wunderbar, wenn da nicht die Ferienwohnungsnachbarn, die Familie Brumm-mund mit ihren beiden sehr nervigen Kindern, wären. Schon kurz nach der Ankunft auf dem Bauernhof machen Lea und Luis unangenehme Bekanntschaft mit Rita und Knut Brummmund, die nicht nur gerne andere Kinder ärgern, sondern sich auch bei den Tieren rücksichtslos austoben – wobei zu erwähnen ist, daß sich Lea und Luis durchaus zu wehren wissen.

Petronella kämpft derweil ihre eigenen Kämpfchen aus, denn sie hat für einige schwere-re Gartenarbeiten einen Gartenzwerg engagiert, und es bedarf einiger diplomatischer Verhandlungen, bis die dramatischen Mißverständnisse und unterschiedlichen gärt- nerischen Auffassungen zwischen Apfelmännchen und Zwerg harmonisiert sind.

Die Bauernhof-Feriengäste nehmen an einer typischen Heidekutschfahrt teil und pflücken bei dieser Gelegenheit an der Rast- und Picknickstelle eifrig Heidelbeeren. Rita und Knut spielen mit einem Brennglas und entfachen auf dem trockenen Waldboden ein Feuer, das mit den vereinten Kräften der Familie Kuchenbrand und der Kutscher gerade noch gelöscht werden kann. Lea und Luis sind empört, zumal die kleinen Brandstifter trotz der elterlichen Strafpredigt keineswegs Reue erkennen lassen.

Nach der Rückkehr zum Bauernhof beäugt Lea mißtrauisch das weitere Verhalten der nachbarlichen Quälgeister. Alle haben in diversen Gefäßen Heidelbeeren mitgebracht, und die Quälgeist-Geschwister haben u.a. eine kleine Bonbondose mit Heidelbeeren auf ihrer Terrasse liegengelassen. Lea bemerkt, daß sich diese Dose bewegt. Als sie heimlich mit Hilfe ihres wohlweislich mitgebrachten Feensteins in diese Dose schaut, zeigt sich ihr ein kleines dickliches, blaues Wesen. Gemeinsam mit Luis beschließt sie, daß nun guter Hexenrat gefragt ist.

In der Nacht finden die Kinder dank Petronellas Milchstraßenstreusel auf geheimnis- vollen Pfaden Cousine Erika, und diese verhilft den Kindern zu einem informativen, zauberhaft kabellosen Telefongespräch mit Petronella. So erfahren sie, daß ein echter Heidelbär also ein Heidelbeeren-Pflanzenschutzgeist in die Sammeldose geraten ist. Nun müssen Lea und Luis einen Plan aushecken, um diesen Heidelbären zu retten.

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Da die schrecklichen Feriennachbarn mit den Vorbereitungen für ihre Abreise sehr abge-lenkt sind, gelingt es Lea und Luis, die Dose mit dem Heidelbären zu entwenden. Doch kurz vor der Abfahrt kaufen die Brummmunds zwei Gänse vom Hof, die Herr Brumm-mund für seine Jubiläumsfeier als Gänsebraten haben möchte. Ausgerechnet Rita und Knut dürfen diese Gänse auswählen, und sie entscheiden sich hämisch für die beiden Gänse, mit denen sich Lea und Luis angefreundet haben.

Doch da haben die Fieslinge die Rechnung ohne Petronella Apfelmus gemacht, deren hexenbesengeschwinde Interventionen ebenso den Heidelbären wieder zu seinen Heidelbeersträuchern expediert, wie sie die Gänse dazu überredet, zum Müllerhaus und zum dazugehörigen Mühlteich zu fliegen, um dem Schicksal als Gänsebraten erfolgreich zu entfleuchen.

Als die Kuchenbrands gut erholt aus dem Urlaub zurückkehren, staunen die Eltern über die beiden Gänse, die sich in ihrem Garten niedergelassen haben, und Lea und Luis freuen sich mitwisserisch und dankbar über dieses lebendige Andenken an ihren Urlaub auf dem Bauernhof.

Die Autorin Sabine Städing erzählt auch den sechsten Band von Petronella Apfelmus in leichtem, heiterem Tonfall mit spielerischem Tiefsinn, an- schaulicher Dramaturgie und großer Warmherzigkeit. Phantasievolle Details und lustige gereimte Zaubersprüche runden das Lese- und Vorlesevergnügen apfelmusisch ab.

Die knuffigen Schwarz-weiß-Illustrationen von Sabine Büchner greifen den heiteren Tonfall auf und übertragen ihn in spannende und märchenhafte Szenerien mit detailgetreuen amüsanten Charakterzeichnungen.

Beiläufig vermittelt jedes Petronella-Abenteuer zudem Achtsamkeit und Respekt für die Natur und ihre sichtbaren und unsichtbaren Gaben. Alle Probleme werden mit kommunikativer Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Zivilcourage sowie einigen Prisen magischer Nachhilfe gemeistert.

Die Petronella-Apfelmus-Buchreihe ist einfach buchstäblich und illustra- torisch apfelrundherum gelungen und vermittelt Kindern zauberhaft-vergnügliche, naturverbundene und lebenswertvolle Herzensbildung.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/boje/buecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_6434114

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus-schnattergans-und-hexenhaus/id_6434174

 

Illustration von Sabine Büchner © Boje Verlag 2018

Hier finden Sie zum ersten Band von Petronella Apfelmus:
Verhext und festgeklebt

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Hier zum zweiten Band:
Zauberschlaf und Knallfroschchaos

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/
Zum dritten Band:
Schneeballschlacht und Wichtelstreiche

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/11/petronella-apfelmus-band-3/
Zum vierten Band:
Zauberhut und Bienenstich

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/04/petronella-apfelmus-band-4/
Zum fünften Band:
Hexenbuch und Schnüffelnase
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/03/petronella-apfelmus-band-5/
Zum siebten Band:
Hexenfest und Waldgeflüster
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/04/29/petronella-apfelmus-band-7/

Hier entlang zum apfelmusigen weihnachtlichen Back- und Bastelbuch mit Petronella:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/12/06/petronella-apfelmus-mein-weihnachtliches-back-und-bastelbuch/
Petronella Apfelmus: Das Adventskalenderbuch (WEIHNACHTEN, KINDERBUCH)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/12/01/petronella-apfelmus-das-adventskalenderbuch/

 

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Mädchen Magnolia Steel, das herausfindet, dass sie eine Hexe ist, schreibt sie inzwischen Bücher für jüngere Kinder. Auch in ihrer aktuellen Buchreihe steht mit Petronella Apfelmus wieder eine Hexe im Mittelpunkt.« http://www.sabinestaeding.de/

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

 

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Das kleine Museum

  • Ausgabe in sechs Sprachen:
  • Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Türkisch
  • Herausgegeben von
  • Alain Le Saux und Grégoire Solotareff
  • Moritz Verlag Neuauflage 2013  http://www.moritzverlag.de
  • 312 Seiten
  • Format: 16,4 x 16,6 cm
  • Fadenheftung
  • 16,80 € (D)
  • ISBN 978-3-89565-171-7
  • Bildwörterbuch ab 4 Jahren

B L I C K W I N K E L

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bildwörterbücher für Kinder – auch mehrsprachige – gibt es viele, die meisten sind mit einem fröhlich-bunten, eher flächig-plakativen Malstil und einer thematischen Grup- pierung ausgestattet, die dem Spracherwerb und der Wortschatzerweiterung dienen soll.

Das vorliegende Bildwörterbuch zeigt nun keine ausdrücklich kindgemäß-stilisierten Ab-bildungen, sondern Ausschnitte aus echten Gemälden. Da es sich stets um gegenständ-liche Malerei handelt, wird dem Wiedererkennungseffekt nichts im Wege stehen. Und es ist gewiß eine Erweiterung des Wahrnehmungshorizontes, dem kindlichen Auge anschauliche Kostproben künstlerischer Darstellungsmöglichkeiten anzubieten.

Das Sachbilderbuch „Das kleine Museum“ ordnet 149 Begriffen 149 Bildausschnitte aus Gemälden zu. So finden wir u.a. gemalte Äpfel und Bananen, einen Bart, ein Brot, ein Buch, ein Cello, einen Dämon, ein Eichhörnchen, eine Eule, Feigen, Feuer, einen Flöten- spieler, ein Gesicht, ein Glas, Haare, Helm und Himmel, Kirschen, einen kleinen Jungen und ein kleines Mädchen, einen Kuchen, einen Knopf und einen Kuß, einen Mond, eine Maus, eine Muschel, ein Ohr, ein Pferd, ein Picknick, eine Schere, einen Spiegel, See- rosen, ein Segelboot und einen Schmetterling, Tiger, Tisch, Teller und Treppe, Weg und Welle, Zitronen und schließlich einen Zylinderhut. Die Malerpalette umfaßt u.a. Giovanni Bellini, Hieronymus Bosch, Paul Cézanne, Pieter Claesz, Eugène Delacoix, Albrecht Dürer, Vincent van Gogh, Katsushika Hokusai, Edward Hopper, Claude Monet, Piero della Francesca, Henri Rousseau …

Die Bildausschnitte stammen von Gemälden, deren Entstehungszeitraum vom 13. bis 20. Jahrhundert reicht. Jede Doppelseite zeigt auf der rechten Seite den Bildausschnitt, der den Begriff, der auf der linken Seite steht, illustriert. Der Begriff wird in sechs Sprachen und in großen Lettern aufgelistet; außerdem wird der Maler nebst Lebensdaten, der Titel des Bildes, und der Standort des Gemäldes (Museum, Privatsammlung etc.) genannt.

Solcherart kann man bei Kindern spielerisch und unaufdringlich Interesse an bildender Kunst, an unterschiedlichen Malstilen und an anderen Sprachen wecken. Gewiß machen die Bildhäppchen auch neugierig darauf, außer dem Ausschnitt noch das ganze Bild zu sehen – was unvermeidlich weiteren Kunstbuchkonsum provoziert. Dem kunstge- schichtlich gebildeteten Erwachsenen bietet dieses Bilderbuch beiläufig die Gelegenheit kennerisch, den einen oder anderen Bildausschnitt einem bestimmten Gemälde zuordnen zu können, ohne die entsprechende Information abzulesen.

Die Betrachtung dieses Bildwörterbuches dürfte bei Kindern ebenso den Sinn für unter-schiedliche Bild- und Farbsprachen und Malstile anregen wie für die Ausdrucksvarianten anderer Sprachen. Kinder, die ohnehin mehrsprachig aufwachsen, werden sich hier wohl besonders angesprochen fühlen.

Bei entsprechender musischer Aufgeschlossenheit, kann man dieses Bilderbuch auch schon jüngeren Kindern anbieten, denn „Das kleine Museum“ bietet mit seinen über- sichtlichen, malerischen Blickwinkeln einen unaufgeregten, kontemplativen Zugang zu Kunst und Weltwahrnehmung.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Sachbilderbuecher/Das-kleine-Museum-oxid.html

 

Die Herausgeber:

»Alain Le Saux wurde, wie sein Zwillingsbruder Philippe Corentin, in Paris (Frankreich) geboren. Dort studierte er an der Kunstgewerbeschule und arbeitete bald als Illustrator für Werbeagenturen und Zeitschriften. Seit Anfang der 80er-Jahre beschäftigt er sich mit Büchern für Kinder.«

»Grégoire Solotareff wurde 1953 in Alexandria (Ägypten) geboren. Sein libanesischer Vater arbeitete dort als Arzt des ägyptischen Kronprinzen und zahlreicher Würdenträger. Die Mutter, gebürtige Russin, war Malerin und brachte ihre Kinder schon früh mit Kunst in Berührung.
Seit Mitte der 80er-Jahre entstanden mehr als 120 Bücher, die in aller Welt übersetzt und gelesen werden. Das Spektrum seines Schaffens ist immens: Vom Badewannenbuch für ganz kleine Kinder über das Bilderbuch bis hin zum Roman ist alles vertreten.«

Querverweis:

Ergänzend bietet sich das Wimmelsachbuch „Wie kommt die Kunst ins Museum“ von Ondřej Chrobák, Rostislav Koryčánek und Martin Vaněk und dem Illustrator David Böhm an. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/07/22/wie-kommt-die-kunst-ins-museum/
Dieses anschaulich-großformatige Sachbilderbuch, vermittelt Kindern lebhaft, wie ein Museum funktioniert und wie interessant, bereichernd, kommunikativ und begegnungsvielseitig ein Museumsbesuch sein kann.

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Das rote Ding

  • mit Bildern von Heike Herold
  • und mit Reimen von Ebi Naumann
  • Aladin Verlag, August 2019  www.aladin-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 30 x 23,3 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8489-0158-6
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

ICH  SEHE  WAS,  WAS  DU  NICHT  SIEHST

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Aus der Wasseroberfläche eines Flusses ragt ein rundlich-rotes Etwas heraus. Für das kleine Mädchen im roten Röckchen, das dieses Phänomen als erstes erspäht, ist wasser-klar, daß dieses rote Ding nur die Schwanzflossenspitze eines Wals sein kann.

Das obere Drittel jeder Bilderbuchdoppelseite zeigt das Flußufer und die unteren beiden Drittel die Wasseroberfläche sowie die Unterwasserwelt. Den Uferbereich bildet ein gro-ßer Park mit vielen Bäumen, Sträuchern, Wiesenflächen, Bänken, Spielplätzen, Spring-brunnen und Denkmälern. Überall spielen Kinder, und es flanieren die unterschied- lichsten Spaziergänger sowie Gärtner, ein Eisverkäufer, Musikanten usw. umher.

Da das kleine Mädchen das rote Ding als Schwanzflossenspitze eines Wals interpretiert, sehen wir in der Unterwasserszenerie einen großen Wal nebst einem kleineren Walkind sowie einen kleinen Fischschwarm als größenverhältniskontrastierendes Begleit- personal.

 

Text von Ebi Naumann © und Illustration von Heike Herold © Aladin Verlag 2019

Andere Beobachter kommen hinzu und stellen ganz andere Vermutungen an. Der vor-übergehende Gärtner meint, es sei eine Blüte, ein Junge sieht einen Feuerwehrhelm, eine vornehme Dame eine Krone, ein anderes Mädchen einen Zylinder – und so ver- wandelt sich das rote Ding je nach Betrachtungsneigung in einen Drachen, in Musik, in eine Eiskugel, in ein Ufo … und die Auflösung bleibt tatsächlich rätselhaft.

Auf jeder Doppelseite äußert ein anderer Passant seine Vermutung zu dem roten Ding, und diese Vorstellung wird in ein entsprechendes Unterwasserbild übersetzt. Wer auf- merksam hinschaut, erkennt auch, daß jede Idee stets einen offensichtlichen Bezug zu der Person hat, die sie äußert.  

Text von Ebi Naumann © und Illustration von Heike Herold © Aladin Verlag 2019

Der lateinische Spruch auf dem am Flußufer verewigten Denkmal »IGNORAMUS ET IGNORABIMUS« (Wir wissen es nicht und wir werden es nicht wissen) deutet schon darauf hin, daß wir keine endgültige Gewißheit erwarten dürfen, was indes keineswegs ein Hindernis für eine lebhafte Vorstellungskraft ist, sondern diese nachhaltig beflügelt. Ja, auf der letzten Bilderbuchseite taucht sogar ein neues Ding auf, das gelb und drei-eckig ist, und ganz neuen Spekulationen Raum gibt.

Heike Herold hat diesen Parcours der Phantasie auf zärtlich-verspielte, kindlich-poetische, heiter-verträumte Weise illustriert. Während die Szenerie am Flußufer mit Schwarz-weiß-Zeichnungen und einigen wohlgesetzten Rotakzenten auskommt, ist die Unterwasserwelt innerhalb ihrer durchgehenden Blaudurchtönung dezent bunter. Diese farbsprachliche Grundierung gibt Phantasie und Wirklichkeit jeweils den passenden Rahmen. Beiläufig bieten die Bilder eine Menge amüsanter, entdeckungswürdiger Details, die sich nach und nach beim wiederholten Betrachten erschließen.

Ebi Naumann stimmt Seite für Seite mit vierzeiligen Versen (in vierhebigen Jamben) auf die jeweilige Vorstellung ein und läßt stets das Schlüsselwort am Ende frei, da es sich sowohl aus der Reimfolge als auch aus der Bildbetrachtung von selbst ergibt.

„Das rote Ding“ illustriert – in Wort und Bild – schelmisch und kindgerecht, daß der innere phantasievolle Horizont die äußere Wirklichkeit um faszinierende Interpreta- tionsspielräume bereichern kann – hier ist Wunschdenken ausdrücklich erwünscht.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.aladin-verlag.de/programm/detailansicht_1624.html

 

Die Illustratorin:

»Heike Herold, geboren 1974 in Münster, studierte in ihrer Heimatstadt Visuelle Kommunikation und Grafik Design an der Fachhochschule. Seit ihrem Diplom ist sie als freie Grafikerin und Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Sie lebt in Köln.«
Für ihr Bilderbuch „Das rote Ding“ gewann sie 2016 das Troisdorfer Bilderbuchstipen-dium. https://heikeherold.jimdo.com/

Der Autor:

»Ebi Naumann, geboren 1949, studierte Pantomime bei Marcel Marceau sowie Jura und Soziologie. Er arbeitete viele Jahre als Lektor, Produzent und Drehbuchautor und widmet sich heute ganz dem Aufschreiben, Übersetzen und Erzählen von Geschichten und Gedichten.«

 

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Tischsets für kleine Küchenkünstler

  • von Marion Deuchars
  • Originaltitel: »Let‘s make some great Placement Art«
  • Übersetzung von Christine Schnappinger
  • Knesebeck Verlag, Februar 2014   www.knesebeck-verlag.de
  • Malblock
  • mit 9 Motiven in vierfacher Ausführung
  • Format: 37 x 26 cm
  • 36 Seiten
  • ablösbare Klebebindung
  • ISBN 978-3-86873-695-3
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • MALBLOCK ab 6 Jahren

M A L R E Z E P T E

Besprechung von Ulrike Sokul ©

Mit den „Tischsets für kleine Küchenkünstler“ werden Kinder mit Stift und Phantasie zu Tisch gebeten. Neun Malvorlagen, die lustige kulinarische und künstlerische Malanre- gungen und viel Spielraum für freies Zeichnen lassen, laden Kinder dazu ein, ihr Lieb- lingsessen zu malen, sich am Lächeln der Mona Lisa zu versuchen, neue Nudelformen nebst eigenen Nudelnamenskreationen auszudenken, Säulen und leere Fenster- öffnungen sowie Sprechblasen mit malerischem Leben zu füllen und sich Speisen und Besteck für Astronauten, Außerirdische, Wölfe usw. auszumalen. Eine anschauliche Anleitung zum Vogelzeichnen aus einfachen geometrischen Grundformen, nebst Vorbildern für mimische Ausdrucksvarianten, runden die köstliche Kombination aus Kulinarik und Kunst schmackhaft ab.  

Neun verschiedene Motive in jeweils vierfacher Ausführung bieten 36 Kindern ein animierendes Malblatt, das anschließend wahlweise als Bild oder Tischset Verwendung finden kann. Damit kann man Kindern das Warten aufs Mittagessen versüßen oder ihnen eine kreative Verdauungspause lassen, und kleine Kindergeburtstagsgäste können sich solcherart auch eine gute Weile selbst beschäftigen.

Text & Illustration von Marion Deuchars © Knesebeck Verlag 2014

Darüber hinaus lassen sich diese Malrezepte in der Grundschule fächerübergreifend in eine Unterrichtseinheit zum Thema Ernährung einfügen. Und als Kinderbeschäftigung in Restaurants wären diese Tischsets gewiß auch eine willkommene Ablenkung und ein wohlbekömmliches Mittel gegen unausweichliches Wartezeiten-Gequengel.

„Tischsets für kleine Küchenkünstler“ nährt die kindliche Vorstellungskraft, macht Appetit auf Phantasie und analoges Malen und Zeichnen und würzt das kreative Menü beiläufig mit einigen Prisen Kunstgeschichte.


Hier entlang zum Tischset-Ausmalblock und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

https://www.knesebeck-verlag.de/tischsets_fuer_kleine_kuechenkuenstler/t-1/315

Die Autorin und Illustratorin:

»Marion Deuchars hat Illustration und Grafik studiert. Sie arbeitet für internationale Design-und Werbeagenturen. Bekannt wurde Sie durch ihre Mitmach-Kinderbücher zum Thema Kunst. Bei Knesebeck ist bereits „Fingerprints“ (2013) https://www.knesebeck-verlag.de/fingerprints/t-1/1  erschienen.«

 

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Magie des Staunens

  • Die Liebe zur Natur entdecken
  • von Rachel Carson
  • Originaltitel:»The Sense of Wonder. A Celebration of Nature for Parents and Children«
  • Aus dem Amerikanischen von Wieland Freund und Andrea Wandel
  • Klett-Cotta Verlag 1. Auflage  März 2019    www.klett-cotta.de
  • in Leinen gebunden mit eingeklebtem Titelschild
  • mit Illustrationen von Johann Brandstetter
  • Fadenheftung
  • LESEBÄNDCHEN
  • 88 Seiten
  • ISBN 978-3-608-96410-3
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)

FÜHLER  AUSSTRECKEN !

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Rachel Carson ist hierzulande in den Sechzigerjahren durch ihr Buch „Der stumme Frühling“ https://www.chbeck.de/carson-stumme-fruehling/product/26790608 bekannt geworden. Dieses Werk beflügelte weltweit die Umweltbewegung und führte zum Verbot des Pflanzenschutzmittels DDT.

In Amerika war Rachel Carson bereits als Schriftstellerin in der Tradition des „Nature Writing“ bekannt, und sie wurde für ihr Buch „The Sea Around Us“, das 1951 erschienen ist, mit dem National Book Award ausgezeichnet.

Das vorliegende schmale, gleichwohl gehaltvolle Buch ist eine Anleitung zur Naturver-bundenheit. Die Autorin erzählt sehr persönlich und in poetischen Formulierungen, wie sie mit ihrem kleinen Neffen die Natur erkundet. Sie betrachten die Meeresbrandung, sammeln Muscheln, spazieren (auch im Regen) durch den Wald, entdecken Fichtensetz-linge und spekulieren, für welches Tier – je nach Größe – ein solcher „Weihnachtsbaum“ passend sei, sie setzen sich den Elementen aus, werden naß und dreckig und bleiben nachts auf, um den Vollmond oder Sternschnuppen zu bewundern.

Dies geschieht nicht mit wissenschaftlicher Strenge oder explizierter Lernabsicht, sondern mit beiläufiger Selbstverständlichkeit, spielerisch, ja, einfach durch die sinnliche Erfahrung der Natur sowie durch die Bereitschaft des erwachsenen Begleiters, das kindliche Staunen und die kindliche Entdeckungsfreude aufrichtig zu teilen. Naturentwöhnten Erwachsenen empfiehlt die Autorin, alle Sinne wieder auf Empfang zu stellen und sich mit den Fragen: „Was, wenn ich dies nie zuvor gesehen hätte? Was, wenn ich wüsste, ich würde es nie wieder sehen?“ (Seite 40) der Schönheit und der Zauberkraft der Natur wieder neu zu öffnen.

Illustration (Moor) von Johann Brandstetter ©

Kinder haben ein instinktives Gespür für keine Dinge und Wesen, für geheimnisvolle Tiefen und verborgene Zusammenhänge und einen frischen, unverbrauchten Blick. Staunen wir mit ihnen über das Auskeimen von Samen, über Sandkörner, Steine und Felsen, Knospen, Blüten, Früchten, Vogelstimmen, Vogelflug, den Mikrokosmos von Flechten und Moosen, Grillenzirpen, Farnkrautleuchten, Rindenmuster, Blattformen, Holzfeuerduft, Wind und Wolken, flüsternde Lüfte, tosende Stürme, Sonne, Mond und Sterne, Ebbe und Flut, den Wechsel der Jahreszeiten sowie Himmel und Erde und die unzähligen Farben, Texturen, Stimmen und Daseinsformen dazwischen.

„Die Kehrreime der Natur bergen etwas unendlich Heilsames – … (Seite 66)

Rachel Carson konnte dieses literarische Kleinod tiefempfundener Naturliebe wegen ihres frühen, krankheitsbedingten Todes nicht zu Ende schreiben. Im Nachwort würdigt der Übersetzer streiflichternd Leben und Werk der Autorin, und einige Schwarz-weiß-Fotografien zeigen sie alleine und in Gesellschaft ihres Neffen in der Natur.

Die überaus schönen Illustrationen von Johann Brandstetter begleiten und ergänzen den Text ebenso stimmungsvoll wie filigran-detailreich und spiegeln den im Text be- schworenen Zauber der Natur und die Faszination des Lebendigen harmonisch wieder.

Illustration (Breitblättriges Knabenkraut) von Johann Brandstetter ©

Die sorgfältige optische (attraktive Illustrationen, satte Typographie, Kapitelversalien) und materialhaptische (schmeichelgriffiges Papier, Lesebändchen, Leineneinbindung) Gestaltung des Buches machen die Lektüre ebenfalls zu einem sinnlichen Genuß.

„Die Magie des Staunens“ ist eine wunderbar unkomplizierte, lebensnahe, animierende Aufforderung, sich der Natur mit offenem Herzen und mit allen Sinnen zu nähern und sie durch Erfahrung buchstäblich zu begreifen. Rachel Carsons wiederholter Hinweis auf die elementare Bedeutung der sinnlichen Wahrnehmung ist angesichts aktueller bildschirmflacher, lebensferner Wisch-und-Weg-Wahrnehmungen aktueller denn je.

Mit diesem Buch hat uns Rachel Carson ein poetisches, zeitlos-wegweisendes Vermächt-nis hinterlassen, wie wir der Natur und Kindern auf Herzenshöhe begegnen können. Es ist nun an uns, dieses Vermächtnis zu pflegen und mit echtem Leben zu füllen.

„Wenn Fakten Samen sind, aus denen später Wissen und Weisheit wachsen, dann sind Gefühle und Sinneseindrücke der Nährboden, in dem die Samen reifen müssen. Die frühen Kindheitsjahre sind die Zeit, den Boden zu bereiten. Sind die Gefühle erst einmal geweckt – ein Sinn für das Schöne; die Begeisterung für das Neue und Unbekannte; Mitleid, Erbarmen, Bewunderung oder Liebe -, dann wollen wir über den Gegenstand unseres Fühlens auch etwas wissen. Haben wir ihn erst entdeckt, ist seine Bedeutung von Dauer. Es ist wichtiger, dem Kind den Weg zum Wissenwollen zu ebnen, als es auf eine Diät aus Fakten zu setzen, die es nicht aufnehmen kann.“  (Seite 34/35)

Illustration (Muschel) von Johann Brandstetter ©

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPORBE auf der Verlagswebseite:
https://www.klett-cotta.de/buch/Leben/Magie_des_Staunens/101196

Hier entlang zu einer weiteren begeisterten Rezension auf dem Sachbuchblog „Elementares Lesen“:

Rachel Carson: Magie des Staunens

Die Autorin:

»Rachel Carson, 1907 in einfachen Verhältnissen geboren, arbeitete nach einem Studium der Meeresbiologie als Wissenschaftlerin für die US-Fischereibehörde – als erst zweite Frau überhaupt. Mit ihren Büchern begründete sie die Umweltbewegung. Nach ihrem frühen Tod 1964 wurde sie posthum mit der Medal of Freedom ausgezeichnet. Heute gilt sie als einer der einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts.«

Der Illustrator:

Da der Klett-Cotta-Verlag aus unerfindlichen Gründen keinerlei Angaben zum Illustrator Johann Brandstetter macht, verweise ich interessierte Leser einfach auf seine eigene Webseite: https://www.johann-brandstetter.com/

Querverweis:

Dieses Buch ergänzt sich hervorragend mit dem Sachbuch „Natur tut gut. Warum Kinder draußen glücklicher sind“ von Andreas Weber:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/natur-tut-gut-9783548376486.html
und mit Andreas Webers biophilosophischem Buch „Alles fühlt“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/01/alles-fuhlt-neuausgabe/

Außerdem bietet sich ganz praktisch-anschaulich noch Nick Bakers Schule der Spurenlese an„Fährten lesen und Spuren suchen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/31/fahrten-lesen-und-spuren-suchen/

 

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