Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war

  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag Februar 2019 www.thienemann.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 296 mm x 237 mm
  • 32 Seiten
  • 13,00 € (D), 13, 40 € (A)
  • ISBN 978-3-522-45909-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

G R A N T E L L A U N E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer bespielt nun schon seinen vierten Bilderbuchband, und diesmal ist er einfach unerklärlich grummelig und verschlossen, ja beinahe schon grantelig.

Unermüdlich bieten seine Freunde Igel, Haselmaus, Eichhörnchen, Maulwurf, Schnirkel-schnecke und Fuchs nacheinander ihre selbsterfahrenen Rezepte gegen schlechte Laune an. Doch nichts wirkt, obwohl der kleine Siebenschläfer immerhin alle Anregungen aus-probiert. Von positivem Denken über Yoga bis hin zur sprichwörtlichen Laus, die ihm über die Leber gelaufen sein könnte, kommen allerhand Erklärungen und Lösungen zur Anwendung. Die Grummeligkeit ist jedoch hartnäckig, und auch ein Biß in eine Zitrone – da sauer angeblich lustig mache – versauert dem kleinen muffeligen Siebenschläfer nur zusätzlich die Laune.

Nach wie vor grummelig, verzieht sich der kleine Siebenschläfer nunmehr unter seine blaue, getüpfelte Schnuffeldecke, bis er nach einer Weile doch seine lieben Freunde vermißt. Gerade als er sich selbstmitleidig in seiner Grummeligkeit bestätigt sehen will, kommen seine Freunde mit einer süßen Lösung zu ihm zurück, die seine Mundwinkel und seine Stimmung schließlich wieder aufwärts heben.

Wie gut, wenn man Freunde hat, die sich von Grummeligkeit nicht abschrecken lassen!

Die sympathischen Tiercharaktere demonstrieren wahrlich guten Willen und echte freundschaftliche Hilfe, um die schlechte Laune des kleinen Siebenschläfers zu vertreiben.

Die Autorin Sabine Bohlmann erzählt die Geschichte vom grummeligen Siebenschläfer in einfachen Worten, mit anschaulichen Dialogen und einem zärtlichen Blick auf kindliche Empfindungen.

Die Illustrationen von Kerstin Schoene setzen die warmherzige Stimmung und schmunz-lerische Dramaturgie des Textes durch die naturalistisch-niedlichen Tierportraits und ihre lebhafte Mimik und Körpersprache harmonisch in Szene.

Kinder finden in dieser Geschichte hilfreiches emotionales Identifikationspotenzial. Und vielleicht regt die Vorlesesituation sogar dazu an, ergänzende eigene Rezepte gegen Grummeligkeit anzusprechen oder zu entwickeln.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/der-kleine-siebenschlaefer-die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war-isbn-978-3-522-45909-9/

 

Hier entlang zu den drei Vorgänger-Siebenschläfer-Bänden:

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/09/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte/

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchron-sprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben.
Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene, geboren 1981 in Haan, studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesignerin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.«  www.kerstinschoene.de

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Alle sehen eine Katze

  • von Brendan Wenzel
  • Originaltitel: »THEY ALL SAW A CAT«
  • übersetzt von Thomas Bodmer
  • NordSüd Verlag 2018   http://www.nord-sued.com
  • Format: 28 x 23 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 44 Seiten, durchgehend farbig illustriert
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 19,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10405-3
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

A U G E N S C H E I N

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Brendan Wenzel eröffnet uns mit seinem Bilderbuch „Alle sehen eine Katze“ spannende Perspektiven und andersgeartete Sichtweisen.

Zunächst sehen wir eine Katze aus der menschlichen bzw. kindlichen Perspektive, und der Anblick erscheint uns selbstverständlich und vertraut. Während die Katze durch die Welt streift, wird sie von verschiedenen anderen Tieren gesehen. Doch in den Augen dieser Tiere, die über unterschiedliche Sinnesspezialisierungen verfügen, variiert das Aussehen der Katze beträchtlich.  

Brendan Wenzel illustriert mit diversen Zeichenmaterialien (Acrylfarben, Bunt- und Graphitstiften, Kreiden, Kohle, Wasserfarben und Papierschnipseln) und deren Kombi-nation das unterschiedliche sinnliche Wahrnehmungsspektrum verschiedener Tiere und verknüpft dieses zusätzlich mit einem emotionalen Blickwinkel.

So sieht die Biene mit ihren Facettenaugen deutlich weniger räumlich, und auch die Farbwahrnehmung und Bildschärfeauflösung weicht von menschlichen Sehgewohn- heiten ab. Die Schlange wiederum sieht die Katze als Infrarotbild, und der Regenwurm übersetzt  die Vibrationen, welche die Katze durch ihre Fortbewegung auf dem Boden erzeugt, in ein unterirdisches Katzenkörperbild.

In den Augen der Maus ist die Katze ein zähne- und krallenbewehrtes Ungeheuer und in den Augen des Flohs eine riesige Landschaft aus Fell.

„Die Katze ging durch die Welt mit ihren Schnurrhaaren, Ohren und Pfoten“ – dieser wiederholte Refrain führt durch die visuellen Variationen tierischen Sehvermögens und die Begegnungen der Katze mit Hund, Fuchs, Fisch, Maus, Biene, Vogel, Floh, Schlange, Stinktier, Wurm und Fledermaus sowie schließlich auch zu ihrer eigenen optischen Spiegelung in einer Wasseroberfläche.

Anschaulich inszeniert Brendan Wenzel mit seinen Illustrationen, daß die menschliche Sichtweise nur eine von vielen möglichen ist. Dies weckt Neugier auf die besonderen Fähigkeiten der tierischen Mitgeschöpfe und dürfte viele Fragen zu den Details dieses anderen Wahrnehmungsvermögens nach sich ziehen.

Diese hintergründigen zoologischen Sachfragen beantwortet der sparsame Begleittext zwar nicht, aber die dynamische, abwechslungsreiche Bildersprache öffnet dem geneigten – kindlichen und erwachsenen – Betrachter gleichwohl buchstäblich die Augen für andere Wahrnehmungsmöglichkeiten und Sichtweisen und lehrt uns staunen.

 

Hier entlang zum Buch, zur LESEPROBE und zum unbedingt sehenswerten Buchtrailer auf der Verlagswebseite: https://nord-sued.com/programm/alle-sehen-eine-katze/

 

Der Autor & Illustrator:

»Brendan Wenzel studierte am New Yorker Pratt Institute. Seine besondere Vorliebe gilt der Darstellung von Tieren. Er arbeitet mit verschiedenen Magazinen und Umweltorgani-sationen zusammen. 2017 gelang ihm der internationale Durchbruch mit dem Buch »They All Saw a Cat«, das in die Ehrenliste der Caldecott-Medaille aufgenommen wurde. Brendan Wenzel lebt im Bundesstaat New York.«  https://brendanwenzel.info/

 

 

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Der große Mann und die kleine Maus

  • Illustrationen von Birgitta Sif
  • Text von Mara Bergman
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Gerstenberg Verlag Januar 2019  www.gerstenberg-verlag.de
  • 32 Seiten
  • durchgehend farbig
  • Format: 22,5 x 29,5 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5667-3
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

H I L F R E I C H T U M

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im Bilderbuch „Der große Mann und die kleine Maus“ lebt der große Mann auf einem großen Berg und weiß garnicht, daß sein großes Wohnhaus eine kleine Maus als Untermieterin beherbergt.

Der große Mann ist tagaktiv und nutzt dabei seine Körperlänge: Er hilft beim Äpfel-pflücken, er entwirrt Schaukeln, er rettet Kätzchen aus Bäumen und ist dabei stets gutgelaunt und freundlich.

Die kleine Maus hingegen ist nachtaktiv und sammelt kleine Krimskramsdinge wie Garnrollen, Korken, Klammern, Nägel und glänzende Münzen und legt sie in ein improvisiertes Ziehwägelchen.

Eines Tages verstummt die Turmuhr im Ort: „ …sie sagte nicht tick und sie sagte nicht tack! … sie machte nicht klick und sie machte nicht klack!“ Der große Mann bemüht sich, sie zu reparieren, doch es will ihm trotz vielfältigen Werkzeugeinsatzes nicht gelingen.  Zuhause blättert er in Büchern, sucht nach einer Lösung und schläft schließlich erschöpft auf dem Sofa ein.

Illustration von Birgitta Sif, Text von Mara Bergman © Gerstenberg Verlag 2019

In der Nacht sammelt die kleine Maus wieder allerlei Sächelchen ein und legt sich im Schuh des großen Mannes zum Schlafen nieder. So kommt es, daß am nächsten Morgen der große Mann beim Anziehen zum ersten Mal der kleinen Maus und ihrem beträcht- lichen Sammelsurium begegnet.

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2019

Nach kurzem Erstaunen und einer freundlichen Betrachtung von Maus und Kleinkram erkennt der Mann die Klugheit und Wendig- keit der kleinen Maus und bittet sie um Mithilfe bei der Reparatur der Turmuhr. Die kleine Maus quiekt ihre Zustimmung, krabbelt auf die Schulter des großen Mannes, und sie gehen gemeinsam zur Turmuhr. Dort dringt die kleine Maus, sicher angeseilt an einen Garnrollenfaden, in das Uhrwerk ein, findet nach einigem Suchen die Blockade und kann sie geschickt lösen.

Illustration von Birgitta Sif © Gerstenberg Verlag 2019

Alle freuen sich, daß die Turmuhr wieder schlägt, und der große Mann und die kleine Maus tun sich zusammen und werden gute Freunde.

Die Autorin Mara Bergman erzählt die Geschichte vom großen Mann und der kleinen Maus in kurzen gereimten Verszeilen, die weitgehend vorleseflüssig vom Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn ins Deutsche übertragen wurden.

Die Illustratorin Birgitta Sif hat das vorliegende Bilderbuch mit warmherzigen, sanftmütigen Bildern in weichen, pastelligen Farben ausgestattet. Entdeckungswürdige, verspielte Details (man beachte die putzige Musterung der Unterwäsche des großen Mannes und den Inhalt des Kinder- wagens einer Passantin) und Zusammenhänge (man beachte den Papierflieger) enthüllen sich beim wiederholten Durchblättern.

„Der große Mann und die kleine Maus“ bietet leichte, heiter-unbeschwerte Bilderbuch-kost, die einleuchtend vermittelt, wie sich Gegensätze harmonisch und hilfreich ergänzen können.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836956673

Die Autorin:

»Mara Bergman, geboren in New York und aufgewachsen auf Long Island, hat bereits zahlreiche Kinderbücher veröffentlicht. Heute arbeitet sie in London und lebt in Kent.«

Der Übersetzer:

»Uwe-Michael Gutzschhahn, geb. 1952, studierte Anglistik und Germanistik, arbeitete in Verlagen und lebt heute als Autor, Übersetzer, Herausgeber und freier Lektor in München. Er hat zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht. Sowohl für seine eigenen Bücher als auch für seine Übersetzungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.«

Die Illustratorin:

»Birgitta Sif wurde in Reykjavik geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Skandinavien und Amerika. Heute lebt sie mit ihrer Familie in England und wurde für ihre Bilderbücher bereits mehrfach ausgezeichnet.«

Querverweis:

Hier entlang zum Bilderbuch „Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“, das ebenfalls von Birgitta Sif illustriert wurde. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/24/henriettes-heim-fuer-schuechterne-und-aengstliche-katzen/

 

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Die Honigbiene

  • Illustrationen von Isabelle Arsenault
  • Text von Kirsten Hall
  • Originaltitel: »The Honeybee«
  • Aus dem Englischen von Anna Schaub
  • NordSüd Verlag Februar 2019  www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • mit Sonderfarbe
  • Format: 22,3 x 28 cm
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10474-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

B I E N E N A N N Ä H E R U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das Bilderbuch „Die Honigbiene“ führt uns ganz gemächlich zu seinem Titelthema. Zu-nächst blättern wir auf drei Doppelseiten durch eine Landschaft mit einer abwechs- lungsreichen Blumenwiese, zart-gestrichelte, schwungvolle Linien künden von einem noch unsichtbaren Flugsubjekt, und dann lächelt uns auf der vierten Doppelseite in Großaufnahme eine Biene freundlich an.

Und weiter geht es mit munterer Flugakrobatik durch die Lüfte und von Blüte zu Blüte. Kurze gereimte Zeilen erklären, was die Biene beim Aufsuchen und Finden diverser Blüten tut: Sie trinkt Nektar, sammelt Blütenpollen und bringt anschließend ihre Ausbeute zum Bienenstock.

Im Bienenstock tanzt sie den anderen Bienen den Weg zu der von ihr entdeckten Futter-quelle vor, und einige Bienen fliegen diesem Wegweiser nach, während die anderen Bienen sich um die sorgfältige Verarbeitung des Nektars und der Pollen kümmern und kleine Bienenwaben mit Honig füllen.

So vergehen die Sammelmonate und der Winter kommt. Gemeinsam mit ihrer Bienen-königin überwintern die Bienen dicht zusammengedrängt in ihrer Schwarmtraube. Im nächsten Frühjahr beginnt der Kreislauf erneut, eine kleine Biene schwirrt durch die Gegend und findet einen köstlichen Landeplatz auf einer Blume …

Die Honigbiene“ von Kirsten Hall, illustriert von Isabelle Arsenault © 2019 NordSüd Verlag AG, Zürich/ Schweiz

Die Illustratorin Isabelle Arsenault kombiniert warmes Gelb und Magenta sowie ein leuchtendes Orange mit Schwarz-weiß-grau-Kontrasten und vereinzelten Prisen hell- blau und hellgrün – so daß die meisten Bilderbuchseiten in ein strahlend-honiggelbes Licht getaucht sind. Nur die Szenen im Inneren des Bienenstocks erscheinen wegen des schwarzen Hintergrundes dunkler, jedoch keineswegs düster.

Die Zeichnungen sind poetisch-verspielt, gleichwohl genau genug, um die biologischen Vorgänge anschaulich zu vermitteln. Die ansprechende Niedlichkeit der Bienengesichter und die fein dargestellte transparente Zartheit ihrer Flügel dürfte bei Kindern durchaus Empathie für Bienen wecken.

Die gereimten Begleittexte von Kirsten Hall sind heiter und lautmalerisch und erklären mit einfachen Worten das Leben und Wirken der fleißigen Bienen. Allerdings geraten die Grundregeln der Metrik bei der Übersetzung der Verse arg in Bedrängnis, was den Vor-lesefluß „unsäglich“ zum Stolpern bringt. Der Versuch, die Reime des Originals begriff- lich und metrisch angemessen ins Deutsche zu übertragen, kann deshalb nur recht eingeschränkt als gelungen betrachtet werden.

Im Nachwort beschreibt die Autorin, wie lebenswichtig Bienen für uns sind und was wir für ihr Wohlergehen tun und lassen können. Neben Hinweisen auf konkrete Pflanzen-empfehlungen von Kräutern bis Wildblumen und dem Verzicht auf Chemikalien appelliert sie auch dafür, gegenüber Lokalpolitikern als Fürsprecher der Bienen aufzu- treten und bessere Mitweltschutzgesetzte zu fordern.

Bei der Erläuterung der Blütenbefruchtung durch Pollenübertragung gibt es leider einen inhaltlichen Fehler, da behauptet wird, aus Pollen wüchsen neue Pflanzen. Hier muß der geneigte Vorleser korrigierend eingreifen und stattdessen von Samen sprechen. Vielleicht läßt sich dieser Fehler bei einer Neuauflage korrigieren.

„Die Honigbiene“ ist eine nette, kindgemäß-vereinfachte Einführung in Lebenswelt und Bedürfnisse von Bienen, die eine gute Vorbereitung auf die echte Begegnung mit Bienen in der Natur oder beim Besuch eines Imkers ist.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://nord-sued.com/programm/die-honigbiene/

Die Autorin:

»Kirsten Hall war Grundschullehrerin und hat über 100 Erstleser-Geschichten geschrieben. Heute ist sie Geschäftsführerin der von ihr gegründeten Agentur Catbird Productions für Kinderbücher und Illustration. Ihr Buch „The Jacket“ wurde 2014 von der „New York Times“ als „Notable Children’s Book“ ausgezeichnet.«

Die Illustratorin:

»Isabelle Arsenault, 1978 in Sept-Îles (Québec) geboren, zählt zu den renommiertesten Kinderbuchillustratorinnen Kanadas. Dreimal wurde sie mit dem kanadischen „Governor General’s Literary Award“ ausgezeichnet. Mehrfach führte die „New York Times“ ihre Bücher auf der Liste der „Zehn besten illustrierten Bücher“. Isabelle Arsenault lebt mit ihrer Familie in Montreal.«  http://www.isabellearsenault.com/

Querverweis:

„Die Honigbiene“ ergänzt sich fein mit dem Bilderbuch „Mia und das Blumenwunder“ von Alison Jay: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/24/mia-und-das-blumenwunder/ und mit Piotr Sochas großformatigem, ausgezeichnetem Sachbilderbuch „Bienen“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/

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Dieses Buch auf keinen Fall ablecken!*

  • (*Es ist voller Bakterien)
  • von Idan Ben-Barak
  • Originaltitel:»Do not lick this book«
  • Aus dem Englischen von Inge Wehrmann
  • Illustrationen von Julian Frost
  • Mit Raster-Elektronen-Mikroskop-Fotos von Linnea Rundgren
  • Thienemann Verlag September 2018  www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Spotlack
  • Format: 21 x 21 cm
  • 12,00 € (D), 12,40 € (A)
  • ISBN  978-3-522-45866-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

M I K R O B E N K O S M I S C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wir leben auf Tuchfühlung mit Mikroben. Dennoch entziehen sie sich wegen ihrer Winzigkeit unserer direkten Wahrnehmung. Das vorliegende Bilderbuch vermittelt Kindern auf humorvolle Weise einen Blick auf diese kleinen Lebewesen.

Mimi, eine kleine, blaue Mikrobe führt uns buchstäblich durch dieses Bilderbuch. Zu-nächst wird durch einen millimeterkleinen schwarzen Punkt, auf dem ca. 3.422.167 Millionen Mikroben Platz hätten, anschaulich gezeigt, wie klitzeklitzekleinkleinklein Mikroben sind, und sodann erfahren wir, daß Mimi auf  dem Papier des Bilderbuches lebt. Eine 1000fache-Raster-elektronenmikroskopische Vergrößerung des Papiers eröffnet den Blick auf eine erstaunliche Faserlandschaft, in der Mimi herumlungert und sich langweilt.

Nun lassen wir ein Kind mit dem Finger auf eine eingekreiste Stelle auf der nächsten – nicht vergrößerten – Bilderbuchseite tippen und verhelfen Mimi so zu einer Abenteuer-reise in andere Gegenden. Sie trifft auf den Zähnen, die wiederum in vielfacher Vergrö-ßerung gezeigt werden, auf eine andere Sorte Mikroben, und eine davon namens Rosa ist neugierig und reist mit Mimi zusammen weiter.

Die Reise führt in das Gewebe eines T-Shirts, wo sich eine weitere Art von Mikroben tummelt. Eine davon, mit dem Namen Dieter, schließt sich Mimi und Rosa an, und gemeinsam erkunden sie den Bauchnabel und lernen dort Mikroben kennen, die auf der Haut leben, und eine davon, mit dem Namen Fred, hat ebenfalls Lust, Teil von Mimis Reisegesellschaft zu werden. Schließlich machen es sich alle vier Mikroben wieder auf dem Papier des Bilderbuches gemütlich.

Die Mikroben sind wie Zeichentrickfiguren gestaltet und tummeln sich in der Kulisse der echten elektronenmikroskopischen Fotos ihres jeweiligen Biotops. Sie erzählen in Sprechblasen, was sie vor Ort tun und wovor sie sich fürchten, beispielsweise vor Zahncreme und Seifenschaum. Da sie mit Gesichtern, Händen und Füßen ausgestattet sind, wirken sie wie kleine Persönlichkeiten.

Im Nachwort wird erklärt, daß Mikroben in Wirklichkeit keine Gesichter und keine Gliedmaßen haben, auch werden sie in ihrer wirklichen Körperform dargestellt und mit ihren wissenschaftlichen Namen (Mimi ist ein Kolibakterium, Rosa eine Streptokokke, Dieter ein Pilz und Fred ein Corynebakterium) genannt – was allerdings nicht ohne metafiktive Kommentare von Mimi, Rosa, Dieter und Fred bleibt.

Es ist beachtlich, wie in diesem Bilderbuch die für das bloße Auge unsichtbare Lebens- welt anschaulich gemacht wird. Die fast unvorstellbare Kleinheit der Mikroben wird faszinierend in Szene gesetzt und ihre biologischen Funktionen mit heiterer Gelassen- heit erklärt. „Dieses Buch auf keinen Fall ablecken“ ist eine sehr gelungene, kindgemäße und amüsante Einführung in die verborgene Welt der Mikroben.

Eine Ansteckung mit Neugier dürfte beim Kontakt mit diesem Bilderbuch unvermeidlich sein.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/dieses-buch-auf-keinen-fall-ablecken-es-ist-voller-bakterien-isbn-978-3-522-45866-5/ 

Der Autor:

»Idan Ben-Barak hat einen Bachelor in Medizin, einen Master in Mikrobiologie und einen Doktortitel in Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften. Seine Bücher, „Kleine Wunder: Wie Mikroben Unsere Welt regieren“ und „Warum sind wir eigentlich noch nicht tot? – Alles über unser Immunsystem“, wurden weltweit veröffentlicht und preisgekrönt. Idan Ben-Barak lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Melbourne.« idanbb.wordpress.com

Der Illustrator:

»Julian Frost ist Illustrator, Designer und Animator. Weltweite Anerkennung erhielt er für seine Animation „Dumb Ways to Die“, die seit ihrer Veröffentlichung auf YouTube im Jahr 2012 über 160 Millionen Mal aufgerufen wurde. Es liegt ihm besonders, trockene und ernste Inhalte durch schräge und humorvolle Illustrationen zu vermitteln. Julian Frost lebt in Melbourne.«  julianfrost.co.nz

Querverweis:

Ergänzend und weiterführend für ältere Kinder ab 9 Jahren empfehle ich gerne noch das erhellende Sachbilderbuch Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/09/05/die-unsichtbaren-welten-mikroskopisch-kleiner-tiere/

 

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MONSTA

  • Text von Dita Zipfel
  • Illustrationen von Mateo Dineen
  • TULIPAN Verlag  Juli 2018 http://www.tulipan-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21 x 28 cm
  • 48 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-86429-387-0
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

MONSTER  MÜHSAL  MITGEFÜHL

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die kindliche Befürchtung, daß ein gruseliges Monster unterm Bett hause und des Nachts Angst und Schrecken verbreite, wird in diesem Bilderbuch einmal gründlich auf den Kopf gestellt.

Das Monster, von dem diese Geschichte handelt, schreibt nämlich frustriert sein Kündi-gungsschreiben an das furchtlose Kind, das es sich zum Begruseln ausgesucht hat. Ja, auch Monster haben Gefühle, und diese werden dem Kind nun ausführlich dargelegt.

Dabei wird uns Einblick in die Monsterkinderstube gewährt, und wir lernen die liebe Monstermama und den großen GROAR kennen, welcher der Vater und das große Gruselvorbild des zugegebenermaßen doch noch recht kleinen Monsters ist.

Voller Vorfreude und Arbeitseifer ist das Monster bei seinem von ihm ausgesuchten Kind eingezogen, hat sich unter dem Kinderbett eingerichtet und wirklich alles getan, um das Kind zum Erschrecken zu bringen. Doch egal, was das Monster auch inszeniert: Von Türenquietschen bis Knochenknacken, von grimmigen Monsterblicken bis Monster- fellsträuben und Monsteratem ins Ohr pusten, Bettdecke wegziehen und Kinderhaare verknoten – nichts hat funktioniert. Dieses Kind ist einfach unbegreiflich unerschreck- bar und schläft entspannt weiter.

Das Monster ist darüber dermaßen gekränkt und entmutigt, daß es ein Kurbad in der Teetasse nehmen muß, um seine Kräfte neu zu sammeln und sich zu besinnen. Das Ergebnis dieser Besinnung ist der Entschluß, zu kündigen und sich woanders (bei einer Geisterbahn) zu bewerben. In seinem Abschiedskündigungsbrief verspricht das Monster, erst dann zurückzukommen – und auch nur vielleicht und probehalber -, wenn das Kind sich endlich mal richtig dolle erschrecke und nach ihm suchen würde …

Illustration von Mateo Dineen © Tulipan Verlag 2018

Dieses Bilderbuch kann man getrost sogar ängstlichen Kindern vorlesen und zeigen. Das Monster schaut niedlich-witzig aus und weckt deutlich eher Beschützerinstinkte als Furcht. Schließlich möchte das Monster nur seiner Berufung folgen und bei „seinem“ Kind Gruselerfolg haben. Auch verläßt es „sein“ Kind nur widerwillig und sichtlich betrübt, was das Monster durch- aus noch sympathischer macht, als es ohnehin schon wirkt.

Der Text von Dita Zipfel hat einen saloppen umgangssprachlichen Stil mit lebhaft-dynamischer Satzdramaturgie und Wortwitz. Die typographische Darstellung des Textes in der Handschrift des Monsters und die gelegentlich durchgestrichenen Schreibfehler und Korrekturen unterstreichen das im Grunde kindliche Gemüt des Monsters. Daß das Wort Kind im Text stets mit t geschrieben wird, will ich mal als Monsterdialekt durchgehen lassen.

Die Illustrationen von Mateo Dineen halten eine augenzwinkernde Balance zwischen dem Gruselanspruch des Monsters und seiner tatsächlich zwar glupschäugig-schrägen, aber doch flauschig-harmlosen Erscheinung, die mimisch und körpersprachlich sehr ausdrucksvoll gestaltet ist.

Die Darstellung eines kleinen Gruselmonsters als verletzlich-kindliches Wesen (mit Rechtschreibproblemen), das sich vergeblich bemüht, Angst und Schrecken zu verbreiten, mag dazu betragen, kindliche Gruselängste abzuschwächen.

Da dieses kleine Monster so viel Sympathie weckt, freut man sich auch monstermäßig mit über die heitere Wendung, die diese Geschichte am Ende noch nimmt.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:

Monsta

Die Autorin:

»Als Dita Zipfel ungefähr in deinem Alter war, schlief sie jede Nacht mindestens neun Stunden wie ein Stein. Wenn jemand sie gefragt hätte, wie sie das macht, hätte sie gesagt, dass sie das unglaublich einschläfernde Gefühl hat, dass da jemand an ihrem Bett Wache hält. Als sie eines Morgens einen Brief auf ihrem Bauch fand, wusste sie auch, wer das war: MONSTA. Jetzt liegt sie jede Nacht mindestens eine Stunde wach, bereit, sich zu gruseln.«  https://www.ditazipfel.de/

Der Illustrator:

»Mateo Dineen, 1972 in San Mateo/Kalifornien geboren, studierte Illustration an der Academy of Art University in San Francisco. Seit 2004 lebt er als freischaffender Künstler in Berlin. Bekannt wurde er durch seine Monster-Gemälde im Comic-Stil.«  https://www.mateo-art.com/

 

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Grete, das Kamel

  • Stinklangweilige Gute-Nacht-Geschichten
  • von Veronika Trubel
  • Illustrationen von Isabel Pin
  • Karl Rauch Verlag  Februar 2019 http://www.karl-rauch-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24 x 27 cm
  • 56 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7920-0372-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

LEISE  RIESELT  DER  SAND

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Falls Sie zu den Vorwort-Überblätterern und Gebrauchsanweisungs-Ignoranten gehören, möchte ich Sie diesmal ausdrücklich bitten, bei diesem Bilderbuch ausnahmsweise doch sowohl das Vorwort als auch die Vorlese-Gebrauchsanweisung zu lesen.

Denn dieses Vorspiel ist eine wundervolle Einstimmung, ja, sogar eine buchstäbliche Atemübung mit Entspannungseffekt. Also holen Sie jetzt einmal gaaanz langsam und tief Luft und hören mir brav zu.

Grete, das Kamel, wandert durch die Wüste. Grete läuft im sogenannten Paßgang, d.h. sie bewegt die beiden linken Hufe und dann die beiden rechten Hufe. Sie kalinkert und kalunkert durch den Sand und kommt gemächlich voran.

Die Wüstenlandschaft wird unaufgeregt beschrieben. Hat Grete ein Ziel oder ist sie ein-fach nur unterwegs? Es gibt einen Kaktus, auf dem eine Eule wartet, der ein mögliches Ziel sein könnte, aber eigentlich ist er nur eine Requisite fürs Bilderbuchbühnenbild.

An Gretes Wegesrand geschehen die großen Lebenskleinigkeiten von Wüstenmäusen, Flöhen, einem Termiten, einer Laus und einer Sandkatze sowie einer Gruppe von Beduinen. Tag und Nacht wechseln sich zuverlässig ab. Alles wird in einem augenzwin-kernd-gelassenen Tonfall erzählt.

Oft passiert aber auch garnichts, und es werden bloß Fragen in den Raum gestellt. Einmal wird eine echte Erzählpause eingelegt, die zu folgendem schweigsamen Hinhören einlädt: „Dem anderen zuhören, wie er gar nichts sagt.“ (Seite 38)

Und dazwischen wiederholt sich wie ein Refrain Gretes Kalink – Kalunk,  Kalink – Kalunk, Kalink – Kalunk … So füllen sich vierzehn Kapitel, deren zielloses Ziel immerhin dahin führt, das uns die sympathische Kameldame und ihre Wüstenheimat etwas vertrauter werden.

Na, sind Sie schon tiefenentspannt? Scheuen Sie sich bloß nicht zu gähnen, das ist schließlich der Sinn von Gute-Nacht-Geschichten.

Die Weite der Wüste, Gretes würdevolle Wesensart, die mikrokosmischen Ereignisse und die offenen Fragen werden durch die einfühlsamen Illustration von Isabel Pin aus- drucksvoll begleitet. Der meditative Minimalismus der Zeichnungen harmoniert vorzüglich mit dem achtsamen, verspielt-philosophischen, zeitlupenlangsamen Texttempo.

„Grete, das Kamel“ ist eine sanfte, heitere Einladung, zu Besinnung und Ruhe zu kommen. Die Geschichten mit ihrer genügsamen Einfachheit und Langsamkeit und ihren gedanken-müßiggängerischen Hinweisen und Fragen führen mehr nach innen als nach außen. Wer den Atem zwischen den Zeilen spürt, landet unmittelbar in der stillen, lächelnden Präsenz des Jetzt.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE inklusive Vorlesegebrauchsanweisung auf der Verlagswebseite: https://karl-rauch-verlag.de/buecher/grete-das-kamel/

 

Die Autorin:

»Veronika Trubel lebt in Wien und hat Bücher über das Kochen und das Lieben sowie über die Wachau geschrieben. Grete, das Kamel ist ihr zweites Buch für Kinder.«

Die Illustratorin:

»Isabel Pin (*1975) wurde in Versailles geboren und hat in Straßburg und in Hamburg studiert. Bis heute sind über 40 Bücher mit Illustrationen oder Texten von ihr erschienen, und sie hat viele internationale Kinderbuchpreise erhalten.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

Was wird aus uns?

  • Nachdenken über die Natur
  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag 2018    www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17,1 x 17,1 cm
  • 144 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-356-8
  • Kinderbuch ab 6 Jahren

NATÜRLICHE  GEDANKENGÄNGE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ähnlich wie schon in ihrem Buch „Frag mich! 118 Fragen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen“  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/ kombiniert Antje Damm in „Was wird aus uns?“ auf jeder Doppelseite eine Frage mit ein bis zwei Fotos oder Illustrationen, welche die gestellte Frage motivisch begleiten und dadurch zu vielerlei Assoziationen anregen.

So wird beispielsweise die Frage „Kann Löwenzahn wütend werden?“ mit Fotos eines Löwenzahns, der am Bordsteinrand wächst, illustriert. Auf der einen Seite wächst der Löwenzahn einfach aus einer Ritze zwischen Pflastersteinen in die Welt, auf der anderen Seite ist der gleiche Löwenzahn umzingelt von Zigarettenkippen und Verpackungsmüll.

Fragen Sie sich einfach einmal selbst, wie Sie die Löwenzahnfrage beantworten würden – oder auch eine der nachfolgenden Fragen:
 
Haben Pflanzen Rechte?
Verstehen uns Tiere?
Welche Fragen würdest du gerne einem Tier stellen?
Was würdest du gerne können, was nur ein Tier kann?
Was können wir von der Natur lernen?

Wie wäre es, für immer in der Wildnis zu leben?
Können sich Steine an ihre Geschichte erinnern?
Kann man mit einer Topfpflanze befreundet sein?
Haben Tomaten Angst vor uns?
Woher kennen die Kraniche ihren Weg?
Woran erkennt man, ob etwas lebt?
Wozu inspiriert dich Natur?

Dieses Buch offeriert über sechzig bedenkenswerte Fragen zur Natur, die, wenn Sie es gemeinsam mit Ihrem Kind durchblättern, gewiß auf vielfältige Weise beantwortet werden können. Sofern Kinder bereits lesefähig sind, kann es auch einfach Kinder untereinander zu einem lebhaften Erfahrungs- und Gedankenaustausch zum Thema Naturfragen animieren.

„Was wird aus uns?“ ist in Wort und Bild ein feinsinniger Wegweiser zu interessanten Perspektivwechseln, philosophischen Überlegungen und Gedankenspielen über unsere Natur und zugleich auch ein Impulsgeber für die Wahrnehmung und Benennung natürlicher Phänomene und unser menschliches Verhältnis zur Natur.

Aus den anschaulich gestalteten Fragestellungen erwächst hier gleichsam organisch ein Gespür für die Rolle der Natur in unser aller Leben und dafür, wie vertraut oder fremd wir ihr gegenübertreten, obwohl wir tatsächlich selbst ein verkörperter Teil von ihr sind.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Was-wird-aus-uns.html

 

Nachfolgend noch weitere lesens- und sehenswerte Bücher von
Antje Damm:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich! 118 Fragen, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das? Ein Spiel und Ratebuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, 1965 in Wiesbaden geboren, ging nach dem Abitur zunächst als Aupair-Mädchen nach Italien, bevor sie in Darmstadt Architektur studierte. Dies führte sie erneut nach Italien, denn in Florenz verbrachte sie ein Auslandsemester. Danach arbeitete sie mehrere Jahre freiberuflich für diverse Architekturbüros. Seit ihre Töchter auf der Welt sind, schreibt und illustriert sie Kinderbücher. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in einem alten Fachwerkhaus in der Nähe von Gießen.«

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Zwei für mich, einer für dich

  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag 2018  www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • ISBN 978-3-89565-357-5
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

V E R T E I L U N G S G E R E C H T I G K E I T

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Gerechtes Teilen ist ein kindliches Alltagsthema, das durch eine abstandnehmende Betrachtung eine gewisse Entspannung erfahren kann. In Jörg Mühles Bilderbuch „Zwei für mich, einer für dich“ wird die Auseinandersetzung um gerechte Verteilung von Bär und Wiesel anschaulich und witzig vorgeführt.

Der Bär findet im Wald drei Pilze und trägt sie nach Hause. Dort nimmt das Wiesel die Pilze vorfreudig in Empfang und brät sie mit Gewürzen und Petersilie in der Pfanne.

Dann setzen sich die beiden an den tischtuchkarierten Tisch. Der Bär teilt dem Wiesel einen Pilz zu und sich selbst zwei, da er groß sei und viel essen müsse. Das Wiesel findet diese Aufteilung ungerecht und argumentiert, daß es mehr Pilze brauche, weil es klein sei und noch wachsen müsse.

Text und Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2018

Beide finden immer neue und subjektiv durchaus plausible Argumente dafür, daß sie den gerechtfertigteren Anspruch auf die größere Pilzportion haben. Das lebhafte Argumente-Ping-Pong eskaliert, die beiden Freunde schreien sich wütend an, spießen abwechselnd den dritten Pilz auf ihre kampfbereiten Gabeln und bemerken dabei nicht, daß sich ein Fuchs anschleicht. Gerade als das Wiesel dem Bären die Freundschaft kündigen will, schnappt sich der Fuchs den dritten Pilz, verspeist ihn einfach und zieht sich winkend zurück.

Text und Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2018

Empört schauen Bär und Wiesel dem Fuchs nach, kommen zur Besinnung, wünschen sich guten Appetit und lassen sich die beiden verbliebenen Pilze wohlschmecken.

Dann holt das Wiesel sogar noch Nachtisch: Drei leibspeisenverdächtige Walderdbeeren sind aufzuteilen …

Das Buch läßt offen, ob die beiden inzwischen gelernt haben, wirklich zu teilen, oder ob der Gerechtigkeitswettkampf nun wieder von vorne losgeht. Dies eröffnet dem Kind und dem Vorleser interessanten Gesprächsstoff und die Frage nach Ideen, wie man denn drei angemessen durch zwei teilen könnte.

Dieses Bilderbuch bietet reichlich familiären, kinderalltagstauglichen Identifikationsstoff und läßt Kinder mit heiterer Distanz auf einen Streit schauen. Als unbeteiligter Zuschauer ist solch eine Auseinandersetzung lustig und kann kindliche Betrachter durchaus zur Selbstreflexion animieren und konstruktive Lösungen finden lassen.

Die Argumentationsdialoge zwischen Bär und Wiesel sind wahrlich köstlich und ausgesprochen lebensnah, die Zeichnungen spiegeln ebenso die Streit- dynamik wie auch das wiederhergestellte harmonische Einvernehmen der beiden Freunde mit lebhaftem körpersprachlichen Ausdruck. Selten war es so vergnüglich, Lesezeuge eines Streits zu werden.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Buecher-um-mit-Kindern-ins-Gespraech-zu-kommen/Zwei-fuer-mich-einer-fuer-dich.html

 

 

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor, hat eine Tochter im besten Kinderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Querverweis:

Hier entlang zu den putzigen Hasenkind-Pappbilderbüchern von Jörg Mühle:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/29/tupfst-du-noch-die-traenen-ab/

Und nachfolgend zu Megumi Iwasas Kinderbuch „Viele Grüße, deine Giraffe“, welches den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 erhalten hat und von Jörg Mühle illustriert wurde.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/04/04/viele-gruesse-deine-giraffe/

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Die Schneiderin des Nebels

  • Text: Agnès de Lestrade
  • Illustrationen: Valeria Docampo
  • Originaltitel: »La fileuse de brume«
  • Deutsche Übersetzung von Anna Taube
  • mixtvision Verlag Oktober  2018  www.mixtvision.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • 17,90 € (D), 18,40 € (A)
  • ISBN 978-3-95854-130-6
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

DEN  NEBEL  LICHTEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Jeder hat seine persönliche Strategie, um mit den Leerstellen und Verletzungen des Herzens umzugehen. Das Mädchen Rosa fängt jeden Morgen mit ihrem Schmetterlings-netz Nebel, verspinnt ihn zu Hause an ihrem Spinnrad zu Fäden und webt aus diesen Nebelfäden Stoffe.

Illustration von Valeria Docampo © mixtvision Verlag 2018 © Text von Agnès de Lestrade

Die Nachfrage nach Rosas Nebelstoffen ist groß; eine Kundin will ihren Spiegel damit verkleiden, um ihre Falten nicht mehr sehen zu müssen, ein anderer will seine Schulden verstecken. Jeder hat Gründe für emotionale Verschleierungstaktiken, und bald ist alles von Nebelschleiern bedeckt.

Eines Tages erhält Rosa einen Brief. Sie erkennt sogleich die Handschrift ihres Vaters und legt einen Nebelschal auf diesen Brief, um den aufkeimenden Schmerz abzuwehren. Doch dann läßt sie doch einen Rückblick auf ihre Kindheit zu, erinnert sich an familiäres Glück, heitere Geborgenheit, elterlichen Streit, an die traurige Trennung ihrer Eltern, das Gefühl des Verlassenseins und das Schweigen der Mutter über den Verbleib des Vaters.

Rosa stellt sich dem alten Schmerz und öffnet den Brief, mit dem ihr Vater warmherzig seinen Besuch ankündigt. Die Nebelschleier beginnen sich zu lichten. „Mit einem Mal ist Rosas Herz eine Sonne“, und sie webt eine leuchtend gelbe Decke aus Sonnenstrahlen als Willkommensgeschenk für ihren Vater.

Das Wiedersehen ist innig und vertraut. Während sich Vater und Tochter liebevoll um- armen, durchdringt immer mehr Sonnenlicht das Nebelgrau, und nach und nach lichtet sich der Nebel im ganzen Land. Von nun an wird Rosa Stoffe aus Sonnenstrahlen weben.

Illustration von Valeria Docampo © mixtvision Verlag 2018

Die Illustrationen von  Valeria Docampo begleiten den Erzähltext zu Beginn mit zurückhaltender Farbgebung, bis auf Rosas gelbe Kleidung ist alles in Schwarz-weiß-grau und Graugrün getönt. Vereinzelte Transparentpapier- seiten, auf denen abwechselnd Text oder Zeichnungen erscheinen, lassen den Betrachter buchstäblich im Nebel blättern und verleihen dem Geschehen eine reizvolle poetische Unschärfe. Je mehr sich Rosas Herz öffnet, desto lichter werden die Bilderbuchseiten, und strahlend sonnige, fast goldglänzende Gelbtöne und sanftes Orange erwärmen die Szenerie.

Agnès de Lestrade erzählt Rosas Geschichte auf leichte, luftige Weise; auch einfache Worte können Poesie transportieren. Nur wenige Zeilen, manch- mal sogar nur eine einzige wohlgesetzte Zeile genügen, um eine anrührende Stimmung hervorzurufen.

„Die Schneiderin des Nebels“ ist ein zärtlich-poetisches Bilderbuch, das anschaulich vermittelt, wie sich im (Sonnen)licht der Liebe Entfremdung in Nähe verwandeln kann. Für Kinder während oder nach einer Scheidung kann diese Geschichte ein Lichtblick sein und sie darin bestätigen, daß ihre kindliche Sehnsucht nach väterlicher Zuwendung selbstverständlich ebenso erfüllt werden sollte wie die nach mütterlicher Zuwendung.

Die besondere buchgestalterische Feinheit mit den transparenten Nebel- seiten, die unmittelbare Farbsprache und die poetische Prosa dieser Vater-Tochter-Geschichte erzeugen ein nachhaltiges Herzensecho.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://mixtvision.de/buecher/die-schneiderin-des-nebels/

Querverweis:

Hier entlang zum bisher bekanntesten Bilderbuch von Agnès de Lestrade und
Valeria Docampo:
Die Wörterfabrik                                 https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/08/die-grose-worterfabrik/
Und noch ein feines Werk aus der bewährten Kooperation von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo: Der Bär und das Wörterglitzern
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/04/der-baer-und-das-woerterglitzern/
Sowie noch ein Weihnachtsmärchenklassiker-Bilderbuch, mit Illustrationen von Valeria Docampo: Der Nußknacker
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/18/der-nussknacker/

Die Autorin:

»Agnès de Lestrade schreibt Bücher, erfindet Gesellschaftsspiele und dichtet Lieder. Seit ihrem Debüt 2003 erschienen zahlreiche erfolgreiche Bücher in französischer Sprache. Bei Mixtvision sind inzwischen drei poetische Bilderbücher lieferbar.«

Die Illustratorin:

»Valeria Docampo findet die Inspiration für ihre Illustrationen im Alltag. Geboren wurde sie in Buenos Aires, Argentinien, wo sie auch ihr Diplom in Grafikdesign machte. Seit 2003 widmet sie sich ganz der Illustration von Kinderbüchern.«

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