Der schwarze Hund

  • Text und Illustration von Levi Pinfold
  • Originaltitel: »Black Dog«
  • Aus dem Englischen von Nicole T Stuart
  • Bilderbuch
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart  3. Auflage 2015  http://www.jacobystuart.de
  • Gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22,5 x 29cm
  • 32 Seiten
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN  978-3-941787-86-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

A N S I C H T S S A C H E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Frage, ob die Angst größer ist als die befürchtete Gefahr, stellt sich immer wieder. Im Bilderbuch „Der schwarze Hund“ wird dieser Frage anschaulich und lehrreich nachgegangen.

Familie Hoop lebt in einem schönen, altmodischen Haus, das mit seinem rosafarbenen Anstrich warm aus der verschneiten Winterlandschaft hervorleuchtet. Eines Morgens kommt ein neugieriger Hund vorbei. Herr Hoop schaut aus dem Parterrefenster und erschrickt maßlos vor dem schwarzen Hund, der in seinen Augen so groß wie ein Tiger erscheint.

Herrn Hoops Angst ist ansteckend, und Frau Hoop findet gar, der Hund wäre so groß wie ein Elefant. Für jedes Familienmitglied wächst der Hund an Größe und angeblicher Gefährlichkeit. Und so beginnt die Familie, sich im Haus zu verbarrikadieren.

Illustration von Levi Pinfold © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2015

Nur das jüngste und kleinste Familienmitglied, mit dem Spitznamen Klein, betrachtet die Angelegenheit unbefangen, zieht sich winterwetterfest an und verläßt grünbestiefelt – allen ängstlich-fürchterlichen Warnungen zum Trotz – das Haus, um nach dem fremden Hund zu schauen.

Klein findet den großen, großen, schwarzen Hund, der sie freundlich beschnuppert. Und dann spielt sie mit ihm Nachlaufen und lockt ihn mit lustigen Reimen durch allerlei enge Wege, für die er einfach schrumpfen muß, um ihr folgen zu können. Schließlich kommt Klein Hoop mit einem harmlos mittelgroßen Hund wieder zu Hause an, und die überängstlichen Eltern und Geschwister schauen verlegen-betreten aus der Wäsche und erkennen ihren Irrtum. Sie haben vor lauter Angst die Wirklichkeit aus den Augen verloren.

Entspannt nimmt die ganze Familie auf dem nostalgischen Sofa am Kaminfeuer Platz und bewundert Kleins Mut. Klein sitzt auf einem Kissen vor dem Sofa, nahe bei dem lieben Hund, und sagt gelassen: „Ach, wisst ihr, da war nichts, vor dem ich mich hätte fürchten müssen“…

Illustration von Levi Pinfold © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2015

Spielerisch und phantasievoll vermittelt dieses Bilderbuch, daß Großes klein und Kleines groß sein kann und daß die Proportionen zwischen eingebildeter Gefahr und Wirklichkeit möglichst unvoreingenommen überprüft werden sollten, um ängstlichen Überreaktionen mit Besonnenheit zu begegnen.

Levi Pinfold hat für das Bilderbuchhaus sehr schöne Interieurs mit romantischer, warmbunter Vintageeinrichtung und verspielten Details gezeichnet, die eine einladende, stimmungsvoll-gemütliche Wirkung entfalten. Sein kunstvoll-präziser Malstil gibt feinste Texturen von Materialien, Hölzern, Stoffen, Fell usw. wieder. Und so wird jede Seite zu einer wahren Augenweide für Liebhaber sinnlicher Einzelheiten und Strukturen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinderbuch/bilderbuch/der-schwarze-hund/

 

Der Autor & Illustrator:

»Levi Pinfold glaubt, dass er selbst einmal einen Schwarzen Hund gesehen hat. Es kann aber auch ein Panther gewesen sein. Der schwarze Hund ist sein zweites Bilderbuch. Er gewann dafür 2013 die renommierte CILIP Kate Greenaway Medal. Für sein erstes »The Django« wurde er in Großbritannien als Bester Newcomer-Illustrator ausgezeichnet. Levi Pinfold mag Motorräder, Musik, Bäume und Katzen. Zur Zeit wohnt er mit seiner Freundin und Howard, der Eidechse, in Brisbane, Australien. In seiner Freizeit versucht er sich als Gemüsegärtner.«

 

PS:
Gerne reihe ich das Bilderbuch „Der schwarze Hund“    als Entspannungsvorbild – in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

QUERVERWEIS:

Das einfühlsam-heitere Bilderbuch „Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen“ von Alicia Potter (TEXT) und Birgitta Sif (ILLUSTRATIONEN) bietet sich zum Thema Angstüberwindung ergänzend an.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/24/henriettes-heim-fuer-schuechterne-und-aengstliche-katzen/

Anregende Ermutigung bietet außerdem das augenzwinkernd-tiefsinnige Kinderbuch „Vom mutigen Manxmaus Mäuserich“ von Paul Gallico. Der kleine Mäuserich lernt seine eigene Angst kennen, ergibt sich der Angst jedoch keineswegs, sondern nutzt sie, um seinen Mut daran zu schärfen.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/02/29/vom-mutigen-manxmaus-maeuserich/

 

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Mozart & Robinson und der gefährliche Schiffbruch

  • Text von Gundi Herget
  • Illustrationen von Nikolai Renger
  • Magellan Verlag   Juli 2017  http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2036-6
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

MÄUSE, AHOI! 

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem die charakterstarken und possierlichen Mäusehelden Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus im ersten Bilderbuchband eine Käsemondlandung gemeistert haben (siehe dazu meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/ ), folgt nun ein Seemannsmaus- abenteuer mit Schiffbruch.

Es regnet in Strömen, Mozart Hausmaus sitzt behaglich in seinem trockenen und warmen Stübchen und schmökert in Daniel Defoes Abenteuerroman Robinson Crusoe. Feldmaus Robinson langweilt sich, spaziert kurzentschlossen sowie blattbeschirmt zum Haus und besucht seinen Freund Mozart.

Robinson erkundigt sich, was denn in dem dicken Buch geschrieben stehe, das Mozart gerade lese. Da Robinson nicht lesen kann,  faßt Mozart die Geschichte kurz und bündig zusammen. Natürlich ist Robinson begeistert, daß der Held der Geschichte seinen Namen trägt, und will sofort ein Schiff bauen und Abenteuer erleben.

Mozarts Einwand, daß er mit seiner Lektüre genug Abenteuer hätte, führt zu einem  unentschiedenen Disput darüber, ob Lesen langweilig sei oder spannend. Inzwischen hört der Regen auf, und Mozart läßt sich von Robinson dazu überreden, ein Boot zu konstruieren.

Unter Mozarts theoretischer Anleitung baut Robinson ganz praktisch aus drei Korken, zwei Gummibändern, einem Stofftaschentuch, einem Zahnstocher und einer Schnur ein mäusesegeltüchtiges Boot.

Illustration: Nikolai Renger / Text: Gundi Herget © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Gemeinsam tragen sie das Boot nach draußen in den Garten, wo der Regen einen wilden Bach in der Wiese hinterlassen hat. Kaum haben die beiden das Boot bestiegen, kommt Wind auf und bringt das Boot in schnelle Fahrt und zur Kollision mit einem Stein.

Das Boot samt Mäusebesatzung strandet auf einer kleinen, erhöhten Wieseninsel, rundherum befinden sich unüberwindliche Wasserflächen, und das Boot ist stark beschädigt. Mozart ist nicht amüsiert, er fühlt sich hilflos und fürchtet, verhungern zu müssen.

Robinson dagegen ist zuversichtlich und erklärt, sie könnten nun endlich Robinson spielen. Er improvisiert tatkräftig eine Grashütte, findet naturkundig einige Erdbeeren und Kleeblüten und baut aus zwei Blättern Hängematten. So kann man es sogar in der Wildnis aushalten, und die beiden Mäuse schlafen satt und entspannt ein.

Illustration: Nikolai Renger / Text: Gundi Herget © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Nach und nach versickert das Regenwasser, und die Insel hat wieder Landverbindung zum Rest der Wiese. Eine Katze schleicht sich an die Mäuseabenteurer an, und den beiden gelingt in letzter Sekunde die Flucht ins Haus. Dort machen sie es sich auf Mozarts Sofa gemütlich. Mozart liest Robinson ein Abenteuer vor, und „langweilig ist das überhaupt nicht“.

Die Autorin, Gundi Herget, erzählt diese Mäuserobinsonade mit einfühlsamem Humor und spielerischer Spannung. Ein schönes Beispiel für die augenzwin-kernde Beziehungsdynamik zwischen den ungleichen Mäusefreunden ist beispielsweise der Dialog zum Thema Füße abputzen, wenn man von draußen nach drinnen kommt. Mozart kann es kaum gründlich genug sein, und Robinson … doch lesen und schmunzeln Sie selbst, wie dieses Problem entspannt gelöst wird.

Die Illustrationen von Nikolai Renger übersetzen den Text gekonnt in farbenfrohe Szenerien mit vielen heiteren Randdetails und Anspielungen auf den Vorgängerband. Bereichernd kommen noch die lebhaft-knuffelige Körpersprache und die Mimik der kleinen Mäuseabenteurer dazu, so daß man hier wortwörtlich und bildbildlich von einem  fröhlichen Wiedersehen sprechen kann.

Auch im zweiten Bilderbuchabenteuer mit Mozart Hausmaus und Robinson Feldmaus findet sich auf den Vorsatzblättern eine anschauliche, kindgemäße Bauanleitung für ein Korkboot – eine erfreulich analoge Zugabe für Kinder, um selber Abenteuerzubehör zu basteln.

Die Frage, ob echte oder erlesene Abenteuer spannender sind, wird in dieser Geschichte zwar nicht endgültig entschieden, gleichwohl aber ausgewogen ausprobiert. Das wäre eine Frage, der man anläßlich dieser Bilderbuchlektüre mit Kindern im Gespräch nachgehen könnte.

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/feine-b%C3%BCcher/bilderbuch/#cc-m-product-11149977098
(Sie müssen etwas blättern, da mit dem Link ALLE Bilderbücher des Magellan-Verlages aufgelistet erscheinen).

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band „Mozart & Robinson und der Zauber des Käsemonds“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/08/18/mozart-robinson-und-der-zauber-des-kaesemonds/

 

Die Autorin:

»Gundi Herget beschlich mit  vier Jahren zum ersten Mal das Gefühl, dass Bücher mit ihren vielen Seiten voller schwarzer Striche, Punkte und Kringel das Aufregendste sein könnten, das es gibt. Und so war es dann auch. Mit zehn Jahren wollte sie schon Schriftstellerin werden, hat dann aber erst mal Abitur gemacht, in München und Pisa Literatur studiert, Schlagzeug spielen gelernt, Redakteurin gelernt, die Welt bereist und ein Kind bekommen, was sie an den Vorsatz ihres zehnjährigen Ichs erinnert hat. Sie schreibt seitdem vor allem Kinderbücher.«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

So schön sind die Jahreszeiten

  • Mit Matz, Fratz und Lisettchen
  • von Kazuo Iwamura
  • Aus dem Japanischen von Hana Christen
  • Gereimt von Rose Pflock
  • Nord Süd Verlag März 2017  http://www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,6 x 24,4 cm
  • 112 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10401-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

E I C H H Ö R N C H I S C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die warmherzigen Bilderbücher mit den Eichhörnchengeschwistern Matz, Fratz und Lisettchen, die dem japanischen Pinselschwung Kazuo Iwamuras entsprungen sind, gibt es schon seit über 30 Jahren. Nun hat der Nord-Süd-Verlag vier der beliebtesten Bilderbücher von Kazuo Iwamura in einem Sammelband gebündelt.

Wir begleiten die niedlichen Eichhörnchenkinder durch einen Jahreslauf. Im Frühling entdecken sie ein hungriges Vogelküken und bemühen sich hilfsbereit, es mit Kiefernzapfen und Kirschblütennektar zu füttern. Doch der kleine Vogel hält seinen Schnabel geschlossen. Schließlich erscheint die Vogelmutter mit einer Raupe, und schon sperrt das Küken seinen Schnabel auf. So lernen die Eichhörnchen, daß Geschmäcker verschieden sind.

Illustration Kazuo Iwamura © Nord Süd Verlag 2017 Sammelband: „So schön sind die Jahreszeiten“

Im Sommer wird eifrig auf einer improvisierten Wippe gewippt, bis es zu regnen anfängt. Matz, Fratz und Lisettchen finden Schutz in einer Erdhöhle. Dort hocken schon zwei Mäuschen, und später gesellt sich noch ein Kaninchenkind hinzu. Nach anfänglichem Fremdeln rücken alle gemütlich zusammen und überstehen das heftige Sommergewitter. Als schließlich die Sonne wieder scheint, wird mit den neuen Spielkameraden noch eifriger gewippt, und alle haben großen Spaß miteinander.

Im Herbst helfen die Geschwister dem Eichhörnchenpapa beim Eichelnsammeln für den Wintervorrat, und die Mama strickt etwas aus roter Wolle. Am nächsten Morgen sind drei kleine Pullover fertig und werden von Matz, Fratz und Lisettchen erfreut angezogen. Wohlgewärmt hüpfen sie durch den herbstlichen Wald und treffen einen Bären, der sich mit roten Früchten vollfrißt und ihnen den Winterschlaf erklärt. Sie finden rote Pilze, rote Beeren, rote Blätter und einen leuchtend roten Sonnenuntergang.

»Der Tag war voller Abenteuer!
Nun sitzen sie zu Haus am Feuer
und ihre Mäulchen stehn nicht still,
weil jeder was erzählen will.«

Der Winter wartet selbstverständlich mit Schnee auf, und Matz, Fratz und Lisettchen lernen – mit allen dazugehörigen Aufs und Abs – Schlittenfahren …

„So schön sind die Jahreszeiten“ ist ein schönes, gemütliches und sehr familiäres Wohlfühlbilderbuch. Genau das Richtige für kuschelige Vorlesestunden mit kleinen und großen Eichhörnchen.

Die Illustrationen von Kazuo Iwamura sind ebenso präzise wie verspielt und vermitteln eine Atmosphäre von geborgener Entdeckerlust.

Der eingängige, lustig-gereimte Text von Rose Pflock harmoniert fein mit den augenzwinkernd-warmherzigen Illustrationen und gibt den Geschichten einen vorleseförderlichen melodischen Schwung.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseblätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.book2look.com/book/13X7zjKZlT

Der Illustrator:

»Kazuo Iwamura, geboren 1939 in Tokio, ist einer der bekanntesten japanischen Bilderbuchkünstler. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Kazuo Iwamura lebt in Tochigi, Japan. Dort steht auch sein Museum für Bilderbuchillustration.«

Die Reimerin:

»Rose Pflock, geboren 1929 in Reichenau, Oberlausitz, Deutschland. Sie war nach ihrem Gesangsstudium mehrere Jahre als Sängerin an verschiedenen Theatern tätig. Rose Pflock schreibt seit Langem Texte für Kinder. Besonders gerne und gut schreibt sie Reime.«

Borst vom Forst

  • Text von Yvonne Hergane
  • Illustrationen von Wiebke Rauers
  • Magellan Verlag    Juli 2017   http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadengeheftet
  • Format: 24,5 x 30,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN  978-3-7348-2035-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

NACH  GEGENTEIL

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der Frischling Borst vom Forst ist etwas verträumter als seine drei Geschwister und tanzt gerne aus der Reihe. Dabei findet er eines Tages – immer seiner Nase nach – ein längliches Schneckenhaus. Er legt sein Ohr an dieses unbekannte, „fremdschöne“ Schneckenhaus und hört ein Rauschen. Er beschnuppert es und findet unvertraute Düfte, ja, es „riecht nach Gegenteil“, und schon tagträumt sich Borst mit der Schnecke in luftig-schwebende Himmelshöhen und fühlt sich unwiderstehlich angezogen vom geheimnis-vollen Herkunftsort der Schnecke.

 

Illustration: Wiebke Rauers / Text: Yvonne Hergane © Magellan Verlag 2017 (Anklicken vergrößert die Bildansicht!)

Borst Geschwister machen sich lustig über seine Suche nach dem Gegenteil, und seine Mutter sagt, er solle das einfach vergessen. Nach einer schlaflosen, nachdenklichen Nacht, macht sich Borst alleine auf die Suche. Er fragt Wühlmaus, Regenwurm und Ameisen, ob sie wüßten, woher diese Schnecke käme. Keiner weiß etwas, und alle behaupten, so etwas gäbe es im Forst gar nicht. Doch Borst gibt nicht auf, und schließlich weiß eine Seemöwe die richtige Antwort: Es ist eine Seeschnecke, und die kommt aus dem Meer.

Borst kennt das Meer nicht und nennt es daher Mehr. Er folgt der Wegbeschreibung der Möwe bis zum Bach, der am hinteren Ende des Waldes ins Meer mündet. Doch mit dem Schwimmen im Bach klappt es nicht so ganz, tropfnaß und geknickt tapst Borst zurück nach Hause.

Mama Wildschwein „fragt wenig und kopfschüttelt mehr“, und Borst sorgt sich um die Schnecke, die gewiß gerne nach Hause möchte – das kann er ihr nämlich anriechen.

Illustration: Wiebke Rauers / Text: Yvonne Hergane © Magellan Verlag 2017

Am nächsten Morgen erklärt Borst, daß er die Schnecke unbedingt zum „Mehr“ bringen müsse, da sie Heimweh habe. Zu seiner großen Erleichterung sagt seine Mama diesmal, daß sie ihn begleiten werde.

Gesagt –  getan, nach Bachlauf und Wasserfallüberwindung landen die beiden atemlos am Meeresstrand und staunen. Borst verabschiedet sich von der Schnecke und wirft sie ins Meer zurück.

Am Strand im Sand robbt eine Robbe herum. Sie hat eine Eichel gefunden und fragt Borst, wie sie die Eichel, die so fremdschön duftet, nach Gegenteil bringen könne. Da weiß Borst vom Forst selbstverständlich guten Rat …

Die Autorin, Yvonne Hergane, erzählt die Geschichte von „Borst vom Forst“ mit viel sprachlichem Feinsinn, teilweise gereimt, lautmalerisch, wortschöpferisch und stets in warmherzig-poetischen Wendungen kombiniert mit zärtlichem Humor. Das ist keine Textmassenware, sondern Wortmusik mit Mehrsinn.

Die Illustrationen von Wiebke Rauers sind wunderbare Wortwegbegleiter, die dem Text ein einfühlsames und stimmungsvolles Bühnenbild schaffen und der sprachlichen Feinheit der Geschichte auch durch kleine Details Ausdruck geben. Wer aufmerksam schaut, erkennt beispielsweise, daß Borstens Fell eine etwas andere – rötlichere – Färbung aufweist, als das seiner Geschwister.

„Borst vom Forst“ ist ein ganz außergewöhnliches Bilderbuch. Es ist eine kindgemäße, sensible und sprachspielerische Wegbeschreibung, sich eigenwillig und herzensoffen – abseits vom Gewohnten – unbekannte Horizonte und neue Erfahrungen zu erschließen und sich nicht gleich vom ersten Hindernis von seiner Absicht abbringen zu lassen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/feine-b%C3%BCcher/bilderbuch/#cc-m-product-11149977098

 

Die Autorin:

»Yvonne Hergane, geboren 1968, studierte Germanistik, Anglistik und Buchwissenschaft in Augsburg und München. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sie als freie Autorin und literarische Übersetzerin, wobei ihre besondere Liebe dem Bilderbuch gehört – das Spiel mit Worten, Lauten und Reimen ist ihre Art Musik zu machen. Einer mehr war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Nach mehreren kleinen und großen Sprüngen durch die Geografie lebt Yvonne Hergane derzeit mit ihrer Familie nahe der Nordsee.«

Die Illustratorin:

»Wiebke Rauers, geboren 1986, studierte Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration in Düsseldorf. Nach ihrem Diplom zog sie nach Berlin und arbeitete dort fünf Jahre als Charakterdesignerin in einem Animationsfilmstudio. 2015 machte sie sich als Illustratorin selbstständig. Seitdem arbeitet sie hauptsächlich an Büchern, Magazinen und Charakterdesigns.«

 

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren Kinderbuch, das von Wiebke Rauers feinfühlig und witzig illustriert wurde: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag/
„Nur ein Tag“, geschrieben von Martin Baltscheit, ist die Geschichte vom warmherzigen Wildschwein und vom feschen Fuchs, die eine kleine, lebensfrohe Eintagsfliege mit einer Notlüge über die kurze Dauer ihres Daseins hinwegtäuschen, und sie führt an einem einzigen Tag durch ein ganzes Leben.

Magnus und der Nachtlöwe

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sanne Dufft
  • Verlag Urachhaus  März 2017  www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Format: 21 x 23,5 cm
  • 13,90 € (D), 14,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5113-3
  • ab 4 Jahren

LÖWE  UND  SCHWERT

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Manchmal können symbolische Requisiten Kindern dabei helfen, der Angst mit Mut zu begegnen.

Der kleine Magnus hat einen Hut und ein Schwert, und tagsüber fühlt er sich damit groß und mutig, ja, während seiner Ritterspiele, sogar übermütig. Doch ein nächtlicher Albtraum, in dem ihm im dunklen Wald ein übergroßer Räuber sein Schwert und seinen Hut stehlen will, dämpft seine ritterliche Verwegenheit beträchtlich. Mamas liebevolle Umarmung und ihre beruhigenden Worte spenden Magnus Trost, dennoch ist er ziemlich verzagt.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Am nächsten Tag schenkt ihm seine Großmutter einen Stofftierlöwen und sagt: „Weißt du, manchmal braucht man einen Löwen. Besonders wenn es dunkel ist.“ Magnus freut sich über dieses Überraschungsgeschenk und spielt den ganzen Tag mit dem kleinen Stofftier.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Abends kuschelt er sich mit seinem Löwen ins Bett, und als die Angst vor dunklen nächtlichen Gestalten wiederkommt, ist Magnus nicht mehr alleine, und sein Löwe ist so groß geworden, daß er auf ihm reiten kann. Gemeinsam stellen sie sich der Gefahr und schlagen den Räuber in die Flucht.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Hut und Schwert haben nicht ausgedient, aber der Löwe steckt Magnus am stärksten mit Mut an, und selbst die Dunkelheit schreckt ihn nun nicht mehr.

Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2017

Die einfühlsamen Illustrationen und die einfachen, kurzen Begleittexte von Sanne Dufft inszenieren die Handlung und die Gefühlsregungen auf alltäglich anschauliche Weise und bieten Kindern breiten Identifikationsspielraum.

Angst vor der Nacht, vor Dunkelheit und vor phantasierten, bedrohlichen Figuren kennt wohl fast jedes Kind. Mit diesem Bilderbuch können Kinder dazu angeregt werden, die Richtung ihrer Vorstellungskraft zu beeinflussen. Sie können von beängstigenden Vorstellungen zu ermutigenden Vorstellungen wechseln. Wenn es dazu der Unterstützung durch ein „magisches“ Stofftier bedarf, so läßt sich dies leicht herbeizaubern.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825151133/magnus-und-der-nachtloewe

 

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Sanne Dufft, geboren 1974, absolvierte in Glencraig, Nordirland, eine Ausbildung zur Heilpädagogin. Anschließend studierte sie Diplom-Kunsttherapie in Nürtingen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Tübingen. Ihr Debüt Der Sandelefant wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.«

Querverweis:

Hier geht es zu Sanne Duffts erstem Bilderbuch „Der Sandelefant“, in dem die Macht der Phantasie ebenfalls eine tragende Rolle spielt:  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/26/der-sandelefant/

Vor den 7 Bergen

  • Davon, wie Schneewittchens Enkel in die Berge wollen und alles schiefgeht
  • Bilderbuch
  • Illustrationen von Mareike Engelke
  • Text von Annette Feldmann
  • KUNSTANSTIFTER Verlag  März 2017       https://kunstanstifter.de/
  • Format: 30 x 22 cm
  • 36 Seiten
  • gebunden, mit Fadenheftung
  • 22 € (D), 22,70 € (A), 26 sFr.
  • ISBN 978-3-942795-48-7
  • ab vier Jahren

KINDERSEGEN,  BERGSEHNSUCHT  &  APFELKUCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine alleinerziehende Mutter mit sieben Kindern und einem kleinen Hund – das kann turbulent werden. Zunächst wird auf einer Doppelseite jedes Kind mit einem kleinen Steckbrief charakterisiert, und dann beginnt die Geschichte.

Es ist Winter, und statt Schnee gibt es Regen, Regen, Regen. Die Kinder beschließen, ihre Oma, die hinter den sieben Bergen wohnt, zu besuchen – denn „im Gebirge liegt immer Schnee“. Sie rufen ihre Oma an, und diese ist begeistert und backt schon mal einen Apfelkuchen.

Mama kommt von der Arbeit an ihrem Marktstand für Äpfel nach Hause und wird von den Kindern sogleich mit der freudigen Aussicht begrüßt, daß sie bald zur Großmutter in die Berge führen. Mama findet die Idee ebenfalls gut. Alle sind voller Vorfreude, doch dann bekommen die Zwillinge Windpocken, und ein Geschwisterkind nach dem anderen steckt sich an. Der Ausflug in die Berge muß auf den Herbst verschoben werden.

Den Sommer versüßen sich Mama und die Kinder mit Eis vom attraktiven, freundlich-zugewandten Eisverkäufer Bo. Der reparierfreudige, kleine Hanno begutachtet vorsorglich schon die familiären Skier- und Schlittenbestände.

„© Mareike Engelke & Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag“

Endlich ist der Herbst da, aber Mama kann sich keinen Urlaub nehmen, da die Apfelernte so übermäßig reich ausgefallen ist, daß Mama den Marktstand nicht schließen kann. Die Kinder sind schwer enttäuscht. Die Mama verkauft Äpfel über Äpfel, der Eiskäufer Bo besucht sie am Marktstand und bekommt sogar einen Apfel geschenkt.

„© Mareike Engelke & Annette Feldmann / kunstanst!fter verlag“

Endlich ist wieder Winter, eifrig packen sieben Kinder, eine Mama und ein kleiner Hund ALLES ein, was unbedingt mit auf die Reise zur Oma muß – inklusive siebzehn Bilderbücher, zwölf Kuscheltiere, fünf Kilogramm Äpfel, sechzehn warme Stiefel und sieben Geschenke für die Oma.

Kaum sind sie mit dem vollgepackten Kombi losgefahren, da macht es PENG, und ein Motorschaden zwingt zum unfreiwilligen Parken mitten auf der Kreuzung. Zum Glück kommt Bo zufällig vorbei  und bietet großzügig an, sie mit seinem Eiswagen über die sieben Berge zu ziehen. Ein passendes Abschleppseil ist auch schnell zur Hand, und schon geht die serpentinenreiche Fahrt los.

Nach den üblichen Fragen („Ist es noch weit?“ und „Sind wir bald da?“) sowie dem allseits bekannten, universellen Kindergequengel auf langen Reisen kommen alle wohlbehalten in den Bergen an.

Oma hat schon Apfelkuchen gebacken und den Kamin befeuert und empfängt alle Gäste mit einer herzenswarmen Umarmung…

Die Illustrationen von Mareike Engelke wirken wie Kinderzeichnungen. Dies erzeugt für kindliche Betrachter eine ganz unmittelbare, suggestive Nähe zur kindlichen Perspektive. Die Bildkomposition ist gleichwohl gekonnt, zudem unkonventionell und verspielt und bietet diverse witzige Details. Die farbig gestalteten handschriftlichen Textanteile mit ihren variablen Schriftgrößen untermalen ausdrucksvoll die eigenwillige Bilddramaturgie und bereichern den in einheitlich schwarzer Typographie gedruckten Fließtext um zusätzliche Gefühlsnoten.

Der Text von Annette Feldmann ist in einer freundlich-unverblümten Sprache geschrieben und erfreut mit kinderleichten Dialogen, die eindeutige Gefühlsansagen vermitteln.

In dieser Geschichte bewegen sich Schneewittchens Enkel in einer bodenständigen Alltagswelt, in der die einzige Zaubermacht zwischenmenschliche Nähe und Geborgenheit ist. Doch wie wir hoffentlich alle wissen und erfahren haben, ist dies ein Zauber, der sehr lange wirkt …

Und es spricht absolut nichts dagegen, daß der Märchenprinz Eisverkäufer ist.

Sehr ansprechend sind auch die Vorsatzblätter gestaltet, auf denen sich bekannte und unbekannte Apfelsortennamen tummeln: Aprilschöner, Dickapfel, Hausmütterchen, Milchapfel, Schafsnase, Schlotterapfel, Seidenhemdchen, Weißer Eisapfel – da weiß man gar nicht, wo man zuerst reinbeißen soll, und es ist eine schöne Anregung, sich mit den eigenen Kindern auf die Suche nach diesen Apfelsorten zu machen und sie zu kosten.

 

Hier entlang zum Bilderbuch auf der Verlagswebseite:
https://kunstanstifter.de/buecher/vor-den-7-bergen

PS:
Als kleine Randbemerkung möchte ich gerne noch erwähnen, daß der unabhängige KUNSTANSTIFTER Verlag alle Bücher mit mineralölfreien Farben in Deutschland drucken läßt und die Kurt-Wolff-Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene unterstützt.

 

Die Illustratorin:

»Mareike Engelke wurde 1979 am Niederrhein geboren. Sie studierte Kommunikations-design in Essen und Krefeld und machte ein Bilderbuch-Diplom. Sie arbeitet als freie Illustratorin für Magazine und Verlage und zeichnet in ihrem Duisburger Atelierhaus mit Blick auf einen großen blauen Kran. Ansonsten geht sie gerne auf Unsinnsuche und schätzt sich glücklich, eine Gärtnerenkelin, Katzenmutter und Lieblingstante zu sein. Sie lebt mit ihrem Mann in Duisburg.«      http://www.mareikeengelke.de

Die Autorin:

»Annette Feldmann, geboren 1975 am Niederrhein, studierte Kanadistik und Vergleichende Literaturwissenschaften in Augsburg und Vancouver. Sie arbeitete zunächst bei der Rheinischen Post und seit 2008 als freie Journalistin und Autorin sowie als Texterin in einer Werbeagentur. 2014 wurde sie mit dem dritten Platz beim Moerser Literaturpreis ausgezeichnet. Ihr erstes Jugendbuch „Nichts sagen“ (Divan Verlag, 2015) wurde für den Goldenen Pick nominiert. Annette Feldmann lebt mit ihrem Mann in Kempen.«   http://www.netttext.de

Ente, Tod und Tulpe

  • Bilderbuch
  • Text und Bilder von Wolf Erlbruch
  • Verlag Antje Kunstmann   Februar 2007    www.kunstmann.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • 14,90 €
  • ISBN 978-3-88897-461-8
  • Miniausgabe  März  2010
  • gebunden, Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • 9,90 €
  • ISBN 978-3-88897-657-5
  • ab 4 Jahren

FREUNDLICHE  ÜBERNAHME

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es dient durchaus der Lebensbejahung und Lebensdankbarkeit, sich mit der eigenen Sterblichkeit anzufreunden und den Tod nicht als Feind zu betrachten.

Im vorliegenden Bilderbuch spürt Ente intuitiv das Nahen des Todes. Ente schaut sich um und erblickt den Tod. Ganz klassisch ist sein Gesicht ein knöcherner Totenschädel, und ganz unklassisch hat er die Gestalt eines kleinen Menschen, der ein kariertes Kittelkleid trägt. Der Tod begrüßt Ente freundlich und erklärt, daß er schon, solange sie lebe, in ihrer Nähe sei – „nur für den Fall“. Unfälle, ein schlimmer Schnupfen und der Fuchs gehören zu solchen Fällen, die das Leben einer Ente beenden können.

Nach dem ersten Schreck unterhalten sich die beiden, und eigentlich findet Ente den Tod sogar nett, besonders wenn er sie anlächelt. Gemeinsam gehen sie zum Teich, gründeln ein wenig und legen sich am Abend nebeneinander zum Schlafen hin.

Am nächsten Morgen erwacht Ente und stellt zufrieden fest, daß sie nicht gestorben ist. Sodann sprechen Ente und Tod über verschiedene Jenseitsvorstellungen, und der Tod widerspricht keiner Vorstellung, bestätigt aber auch keine, sondern sagt dazu nur „Wer weiß“.

Einmal klettern sie auf einen Baum, und Ente schaut sich nachdenklich ihren leeren Teich an. Den Rest der Zeit sitzen sie im Gras, schweigen viel und reden wenig. Eines Abends friert Ente und bittet den Tod, sie zu wärmen.

Am nächsten Morgen atmet Ente nicht mehr. Zärtlich streicht der Tod ihre Federn glatt und bringt sie zum Fluß. Er legt eine Tulpe auf ihren Leichnam und schaut betrübt zu, wie das Wasser Ente fortträgt.  „Aber so war das Leben.“

Wolf Erlbruch erzählt die Geschichte von „Ente, Tod und Tulpe“ mit minimalistischen Mitteln, die Illustrationen sind schnörkellos auf die Hauptfiguren konzentriert und die Worte einfach, federleicht und zugleich von enormer emotionaler Echoreichweite. Diese wunderbar unaufgeregte, berührende Bilderbuchmeditation über Leben und Tod empfiehlt sich für kindliche und erwachsene Leser gleichermaßen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: http://www.kunstmann.de/titel-0-0/ente_tod_und_tulpe-529/
und zur Leseprobe: http://www.book2look.com/vBook.aspx?id=978-3-88897-461-8

PS:
Es mag kleine und große Betrachter geben, die sich an der Darstellung des knöchernen Schädels stören oder diese gruselig finden. Ich denke, daß man dem Tod mit einer unniedlichen Darstellung angemessenen Respekt entgegenbringt und daß Kinder meist wesentlich unbefangener mit der knochigen Illustration umgehen als Erwachsene. Doch je nach kindlicher Angstschwelle oder Vorbelastung sollte man von diesem Buch entweder Abstand nehmen oder es zumindest fürsorglich begleitend anschauen.

 

Der Autor & Illustrator:

»Wolf Erlbruch, geboren 1948, war bis 2009 Professor für Illustration an der Bergischen Universität Wuppertal. 2017 erhielt Wolf Erlbruch als erster deutscher Künstler den renommierten Astrid Lindgren Memorial Award für sein Gesamtwerk. Zudem wurde er mit dem Gutenbergpreis der Stadt Leipzig, dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises sowie mit der Hans Christian Andersen Medaille ausgezeichnet.«

 

Querverweis:

Hier entlang zu weiteren Kinderbüchern zum Thema Tod und Trauer:

Erik und das Opa-Gespenst
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/ ‎
Kleiner Fuchs Großer Himmel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/23/kleiner-fuchs-grosser-himmel/
Nur ein Tag
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag/
Oma trinkt im Himmel Tee
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/26/oma-trinkt-im-himmel-tee/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Der Tod auf dem Apfelbaum
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/20/der-tod-auf-dem-apfelbaum/
Wie lange dauert Traurigsein?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/03/wie-lange-dauert-traurigsein/

 

PPS:
Gerne reihe ich diese Bilderbuchbesprechung in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein:
https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Der rote Faden

  • 2. Oli-Band
  • Bilderbuch
  • Illustrationen von Eve Tharlet
  • Text von Anne-Gaëlle Balpe
  • Deutsche Textbearbeitung von Bruno Hächler
  • Michael Neugebauer Edition  2014 www.minedition.com
  • 2. Auflage 2016
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 29,3 x 22 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-86566-185-2
  • ab 3 Jahren

GEBEN  UND  NEHMEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eines windigen Tages geht der Wichtel Oli spazieren. Er hält einen roten Wollfaden in der Hand, den er im Vorgängerbilderbuch „Der blaue Stein“  (siehe meine vorherige Besprechung https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/24/der-blaue-stein/ ) gefunden und sorgsam aufbewahrt hat. Im ersten Band zeigte sich Oli als ein kleiner Meister der Intuition, und im zweiten Band ist er ein kleiner Meister der Freigiebigkeit.

Der Wind reißt Oli den Faden aus der Hand und trägt ihn hoch in eine Baumkrone bis in das Nest eines Vogels. Der Vogel bedankt sich bei Oli für das perfekte Nestbaumaterial und schenkt dem Wichtel zwei Federn. Oli freut sich, daß der rote Faden für den Vogel nützlich ist, und geht weiter seines Weges.

Er trifft eine Ameise, die ein Boot braucht, um über den See nach Hause zu gelangen. Kurzerhand bastelt Oli aus den Federn ein Segelboot für die Ameise, die Oli ihrerseits zum Dank drei Samenkörner aus ihrer Sammlung schenkt.

Die Samenkörner verschenkt Oli an einen hungrigen Igel. Der Igel wiederum bietet Oli zum Dank etwas an, das von einem Baum heruntergeflogen ist und sich in seinen Stacheln verfangen hat.

Und das ist … na, schon erraten?

Es ist der rote Faden. Der Igel entschuldigt sich, daß er Oli nur so wenig zum Austausch anbieten könne, doch Oli sagt weise „Es ist viel mehr, als du glaubst…“

Schließlich stellt sich Oli lächelnd in den Wind und läßt den roten Faden wieder fliegen.

Im vorliegenden Bilderbuch wird der sich vervielfältigende Wert des Teilens und Weitergebens mit warmherzigen Illustrationen und einfühlsamen Worten anschaulich und kindgerecht in Szene gesetzt.

Als Nachhilfestunde in Gemeinwohlökonomie für Börsenmakler und Investmentbanker wird sich „Der rote Faden“ zwar eher nicht durchsetzen, aber vielleicht verhindert dieses Bilderbuch, daß Kinder Börsenmakler oder Investmentbanker werden wollen. Dann wäre für alle viel gewonnen …

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite, http://www.minedition.com/de/main.php?qs=der+rote+faden&sp=search
dort kann man es auch komplett virtuell und hörbar durchblättern:  http://www.minedition.com/de/book/300/

 

Die Autorin:

»Anne-Gaëlle Balpe wurde 1975 geboren und lebt in Paris. Schreiben ist ihre Leidenschaft. Die Bücher, die sie als Kind fasziniert haben, begleiten sie auch heute noch. Mit ihren eigenen Geschichten möchte sie Kindern diese Faszination, die sie selber erlebt hat, weitergeben.«

Die Illustratorin:

»Eve Tharlet ist Kindern und Erwachsenen auf der ganzen Welt von ihren pfiffigen Märchen-Interpretationen und natürlich vom Erfolgskaninchen PAULI her bekannt. 1956 in Frankreich geboren, wuchs sie in Deutschland auf. Sie absolvierte ihre Studien an der Ecole des Arts Décoratifs in Straßburg. Seit 1981 publiziert Eve Tharlet Bücher, für die sie diverse Auszeichnungen erhielt. Die Künstlerin lebt heute in Priziac, Frankreich.«

Querverweis:

Hier entlang zum 1. Oli-Band: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/24/der-blaue-stein/

Der blaue Stein

  • 1. Oli-Band
  • Bilderbuch
  • Illustrationen von Eve Tharlet
  • Text von Anne-Gaëlle Balpe
  • Deutsche Textbearbeitung von Bruno Hächler
  • Michael Neugebauer Edition  2011 www.minedition.com
  • 3. Auflage 2016
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 22 x 29,3 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-86566-131-9
  • ab 3 Jahren

S T E I N R E I C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Der blaue Stein“ ist ein Bilderbuch der leisen Töne; es vermittelt einfühlsam, daß es sich lohnt, der eigenen Intuition zu folgen.

Der Wichtel Oli findet einen blauen Kieselstein. Fasziniert vom intensiven Blauton des Steines trägt er ihn während seines Waldspazierganges mit sich herum.

Unterwegs trifft Oli ein Wildschwein, das ihn fragt, was er denn mit dem Stein anfangen wolle, der sei doch nutzlos und gehörte weggeworfen. Doch Oli behält den Kieselstein und entgegnet, daß er sich sicher sei, diesen Stein noch brauchen zu können.

Auf dem weiteren Weg begegnet er einem Wolf und drei Zwergen. Alle finden den Stein nutzlos und wollen ihn Oli ausreden. Doch Oli bleibt sich treu und behält den schönen Kieselstein.

Oli wandert weiter und entdeckt ein kleines, weinendes Mädchen mit einer rothaarigen Puppe. Freundlich erkundigt sich Oli nach dem Kummer des Mädchens. Daraufhin zeigt sie ihm ihre Puppe, der ein Auge fehlt, und erzählt ihm, daß ihr alle sagten, sie solle doch die kaputte Puppe fortwerfen.

Zufällig hat Olis Kieselstein genau die richtige Farbe und Größe und paßt perfekt als Ersatzauge in die Puppe. Das Mädchen freut sich, weil ihre Puppe wieder ganz ist, und Oli freut sich, weil er immer schon gewußt hat, daß der Stein nicht nutzlos sei.

Fröhlich winkend verabschieden sich die beiden voneinander, und Oli hebt einen roten Wollfaden auf, den die Puppe aus ihrem Haar verloren hat … Dieser rote Faden wird im  zweiten Bilderbuch mit den kleinen Oli noch eine tragende Rolle spielen.

Die zarten, aquarellierten Illustrationen greifen mit ihren unaufdringlichen, durchscheinenden Farbtönen den behutsamen Tonfall des Erzähltextes harmonisch auf.

Der Wichtel Oli folgt unbeirrbar seiner inneren Stimme und läßt sich von den äußeren Stimmen, die seiner Wertschätzung für den blauen Stein widersprechen, nicht umstimmen. Damit ist ein Vorbild, das nicht nur Kindern wohltut.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite, http://www.minedition.com/de/main.php?qs=der+blaue+stein&sp=search
dort kann man das Bilderbuch auch komplett virtuell und hörbar durchblättern:
http://www.minedition.com/de/book/185/

 

Die Autorin:

»Anne-Gaëlle Balpe wurde 1975 geboren und lebt in Paris. Schreiben ist ihre Leidenschaft. Die Bücher, die sie als Kind fasziniert haben, begleiten sie auch heute noch. Mit ihren eigenen Geschichten möchte sie Kindern diese Faszination, die sie selber erlebt hat, weitergeben.«

Die Illustratorin:

»Eve Tharlet ist Kindern und Erwachsenen auf der ganzen Welt von ihren pfiffigen Märchen-Interpretationen und natürlich vom Erfolgskaninchen PAULI her bekannt. 1956 in Frankreich geboren, wuchs sie in Deutschland auf. Sie absolvierte ihre Studien an der Ecole des Arts Décoratifs in Straßburg. Seit 1981 publiziert Eve Tharlet Bücher, für die sie diverse Auszeichnungen erhielt. Die Künstlerin lebt heute in Priziac, Frankreich.«

 

Der Streik der Farben

  • Illustrationen von Oliver Jeffers
  • Text von Drew Daywalt
  • Originaltitel: »The Day the Crayons Quit«
  • Übersetzung ins Deutsche: Anna Schaub
  • Handschrift: Kris Di Giacomo
  • NordSüd Verlag   2016   www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • durchgehend farbig illustriert
  • 40 Seiten
  • Format: 25,4 x 25,4 cm
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10359-9
  • ab 4 Jahren

F A R B T Ö N E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Der Streik der Farben“ ist ein witziges Bilderbuch für malfreudige Kinder, das konventionelle Farbzuordnungen spielerisch in Frage stellt und zu freifließender Farbenfreude anregt.

Duncan greift vergebens in seine Schachtel mit Farbstiften. Die Farbstifte streiken und haben ihm einen Stapel Briefe mit ihren Klagen und Wünschen hinterlassen.

Der rote Farbstift ist überarbeitet, er muß nicht nur alle Feuerwehrautos und roten Obstsorten malen, sondern auch noch an Feiertagen Nikoläuse und Herzen.

Die Farbe Lila ist zwar ganz zufrieden damit, für Weintrauben und Zauberwesen eingesetzt zu werden, aber Duncan sollte wirklich mehr Mühe darauf verwenden, ordentlich innerhalb der Randlinien zu bleiben und nicht unachtsam darüber hinaus zu kritzeln.

Beige fühlt sich sehr vernachlässigt und gegenüber Braun ungerecht behandelt. Beige will auch Bären, Ponys und Hunde malen und nicht bloß Getreidehalme.

Illustration von Oliver Jeffers © Nord Süd Verlag 2016

Der graue Stift ist übermüdet vom vielen Elefantenmalen. Ob Duncan denn nicht gelegentlich kleinere Tiere oder Kieselsteine mit ihm malen könne?

Die Farbe Grün ist ausgesprochen zufrieden und dankbar, daß Duncan sie immer für Bäume, Krokodile, Dinosaurier und Frösche wählt. Doch sie weist Duncan darauf hin, daß er dringend den Streit zwischen Gelb und Orange schlichten müsse; beide Farben bestehen nämlich darauf, die wahre Farbe der Sonne zu sein. Keine Frage, daß sich Gelb und Orange in ihren jeweiligen Briefen ziemlich selbstgefällig dazu äußern.

Die Farbe Blau hat es als Duncans langjährige Lieblingsfarbe auch nicht leicht. Nach all den Meeren, Flüssen und Regenwolken ist sie schon ganz kurz und stummelig geworden und braucht dringend eine Pause.

Schwarz und Weiß sowie Pink und Rosa kommen auch noch ausführlich zu Wort …

Duncan beherzigt die Hinweise seiner Farbstifte, und sein nächstes Bild zeugt von einem ganz anderen Umgang mit Farben: Es ist himmelgrün, grasblau, regenbogenschwarz, flugzeugrosa, walorange, katzenweiß usw. …

Auf jeder Doppelseite befinden sich ein Brief und die dazugehörige Farb- zeichnung. Die Briefe sind in einer leserlichen Krickelkrakel-Handschrift auf knitterige, faksimilierte Blätter geschrieben. Die Zeichnungen sowie das lebhaft-personalisierte Aussehen des jeweiligen Farbstiftes spiegeln anschaulich das vorgebrachte Anliegen wider.

Die Ausführung der Bilder ist so kindlich-echt, daß es wirkliche Kinder- zeichnungen sein könnten. Oliver Jeffers‘ gekonnt-amateurhafter Malstil eignet sich gut für den Protest der Farbstifte gegen die farbklischeehafte Motivmonotonie und dürfte für Kinder eine vorbildliche Ermutigung zu mehr künstlerischer Gestaltungsfreiheit beim Malen und Zeichnen sein.

„Der Streik der Farben“ bietet zudem spielerische Anregungen für den Kunstunterricht in Grundschulen und vor allem für die Erweiterung des kindlichen Farbhorizontes.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.nord-sued.com/programm/index.asp
Hier entlang zur Leseprobe:
http://www.book2look.com/book/3sMZ12dFsc

Der Autor:

»Drew Daywalt, geboren 1970, ist ein amerikanischer Filmemacher, der vor allem für Fantasy- und Horrorfilme bekannt ist. Zusammen mit Oliver Jeffers hat er mit The Day the Crayons Quit einen enormen Erfolg erzielt.«

Der Illustrator:

»Oliver Jeffers, geboren 1977, studierte in Ulster an der School of Art and Design. Er hat weltweit ausgestellt und bereits zahlreiche Auszeichnungen und Preise gewonnen. Heute lebt er in Brooklyn.«