Borst vom Forst will hoch hinaus

  • Text von Yvonne Hergane
  • Illustrationen von Wiebke Rauers
  • Magellan Verlag, Januar 2021 http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 30,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2049-6
  • Bilderbuch ab vier Jahren

Borst vom Forst will hoch hinaus

L U F T S P R U N G S C H W U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Borst vom Forst ist schon seit seinem ersten Abenteuerchen (siehe meine Besprechung https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/28/borst-vom-forst/) als ebenso empfindsam-verträumter wie entdeckungsfreudiger kleiner Frischling waldbekannt.

Diesmal sorgt er sich um ein Ei, das im Moos gelandet ist. Während er gemeinsam mit der Seemöwe und der Robbe Merilyn (eine Bekanntschaft aus dem ersten Band) auf- zählt, welche Tiere Eier legen, schlüpft das Küken aus dem Ei. Es hat einen gekrümmten Schnabel, was Anlaß zu der Vermutung gibt, daß es aus dem sich in luftiger Baumhöhe befindlichen Adlernest gefallen ist.

Kein Frage, daß Borst vom Forst – das Küken auf der Nase balancierend – versucht, mit Hilfe von Merilyns Robbenleiter den Baumstamm zu erklettern. Doch dies funktioniert nicht und endet mit einer Po-Landung im Polstermoos.

Merlilyn regt an, einen herumliegenden Baumstamm auf einen Felsbrocken zu legen und ihn so als Wippkatapult zu benutzen. Borst von Forst nimmt mit dem Küken an dem einen Ende Platz, und am anderen Ende springen die Robbe, die Seemöwe und eine Ameise auf. Der damit erzeugte Schwung ist noch zu schwach, doch da naht hilfreich Borstens Wildschweinmama und verpaßt dem Stamm den ausreichenden Luftsprung- schwung.

Borst saust und braust durch die Luft und plumpst in das Adlernest. Der Adlerpapa freut sich über das zurückgekehrte „alleradlerschönste Kind“, bedankt sich und erklärt Borst, daß sein Nest Horst heißt, was bei Borst für einige Verwirrung sorgt.

Der Rückweg vom Adlerhorst erfolgt wieder auf dem Luftweg. Denn Borst wollte ja schon immer gerne einmal fliegen, und er hat während des Gesprächs mit dem Adler schlicht vergessen, daß er gar keine Flügel hat. Der unvermeidliche Absturz wird vom mitfühlenden Wind durch ein Luftpolster etwas abgefedert und von der flott zupackenden Seemöwe abgefangen, und dank der buchstäblichen Bauchlandung auf dem Bauch der Robbe, die wiederum auf dem Bauch von Borstens Mama liegt, landet Borst sanft und sicher auf der Erde.

Die Illustrationen von Wiebke Rauers  untermalen „Borst vom Forst will hoch hinaus“ warmherzig, witzig und ausdrucksvoll und statten die Charaktere mit sympathischen Gesichtern und lebhafter Mimik aus.

Die Autorin erzählt diese Geschichte in einer lautmalerischen Prosa, die gelegentlich in einfache Reime übergeht, die jedoch zu keinem angemessenen flüssigen Versrhythmus finden. Die sperrige Metrik der Verse  und die partiellen, etwas erzwungenen Reime erleichtern den Vorlesefluß leider nicht. Der Text ist gleichwohl vergnüglich, inhaltlich leicht zugänglich und kreativ-wortverspielt.

Diese Fortsetzungsgeschichte von Borst vom Forst erreicht meiner Ansicht nach nicht die gehaltvolle inhaltliche und sprachmelodische Qualität des ersten Bandes, taugt aber durchaus als luftig-leichte Kinderunterhaltung.

Eine Nachhilfestunde bei Goethen wäre hier – mit Verlaub – von Nöten.
Ein vielsagendes Beispiel aus Faust II:

»Und auf vorgeschriebenen Bahnen
Zieht die Menge durch die Flur;
Den aufgerollten Lügenfahnen
Folgen alle. – Schafsnatur!«

Beiläufig ein Zitat, daß sich trefflich auf die gegenwärtige „Diskussionskultur“ anwenden läßt.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/titel/borst-vom-forst-will-hoch-hinaus/538

Hier entlang zum borstigen Vorgängerband:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/28/borst-vom-forst/

Die Autorin:

»Yvonne Hergane, geboren 1968, studierte Germanistik, Anglistik und Buchwissenschaft in Augsburg und München. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sie als freie Autorin und literarische Übersetzerin, wobei ihre besondere Liebe dem Bilderbuch gehört – das Spiel mit Worten, Lauten und Reimen ist ihre Art, Musik zu machen. Einer mehr war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Nach mehreren kleinen und großen Sprüngen durch die Geografie lebt Yvonne Hergane derzeit mit ihrer Familie nahe der Nordsee.«

Die Illustratorin:

»Wiebke Rauers, geboren 1986, studierte Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration in Düsseldorf. Nach ihrem Diplom zog sie nach Berlin und arbeitete dort fünf Jahre als Charakterdesignerin in einem Animationsfilmstudio. 2015 machte sie sich als Illustratorin selbstständig. Seitdem arbeitet sie hauptsächlich an Büchern, Magazinen und Charakterdesigns.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Das ist mein Papa!

  • Text & Illustration von Mies van Hout
  • Originaltitel: »Dit is mijn papa!«
  • Übersetzung von Maria Werner
  • aracari verlag, 1. Auflage August 2020 www.aracari.ch
  • Format: 20,5 x 20,5 cm
  • 16 Seiten
  • durchgehend vierfarbig
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 16,50 sFr.
  • ISBN 978-3-907114-16-2
  • Pappbilderbuch ab 1 Jahr (laut Verlag)
  • ab 2 Jahren (nach meiner Einschätzung)

Das ist mein Papa

PAPAS  ZUM  AUSSUCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit diesem Bilderbuch können kleine Menschenkinder kleinen Tierkindern die richtigen Väter zuordnen.

So fragt etwa der kleine Igel: „Wer ist mein Papa?“, und auf der gegen- überliegenden Seite werden folgende vier Kandidaten zur Auswahl angeboten: Stachelschwein, Kaktus, Seeigel und Igel. Die anschließende Doppelseite zeigt dann den Igel-Papa in anschmiegsam-verspielter Interaktion zusammen mit seinem Igel-Kind.

Bei der Kaulquappe und der Raupe ist die Zuordnung für Kleinkinder selbstverständlich schwieriger, da sich die Körperformen deutlich unterscheiden. Entsprechende kindliche Naturvorerfahrungen wären hilfreich (wenn nicht sogar erforderlich) oder zusätzliche elterliche Erklärungen zur Metamorphose – was in Anbetracht der Alterszuordnung recht anspruchsvoll ist.   

Das ist mein Papa_Raupe

Illustration von Mies van Hout © aracari verlag 2020

Das ist mein Papa_Schmetterling

Illustration von Mies van Hout © aracari verlag 2020

Zum Abschluß fragt auch ein kleiner Junge, wer sein Papa sei. Dies gibt uns ein besonders lustiges Rätsel auf, denn zur Auswahl stehen ein Affe, eine Eule, ein Bär und ein Roboter. Und man muß schon genau hinsehen, um die Verkleidung zu erkennen.

Dieses Bilderbuch bietet Kindern und Eltern unterhaltsamen Rätselspaß und beiläufig etwas Naturkunde. Die leuchtend farbenfrohen Illustrationen von Mies van Hout sind graphisch sehr klar und minimalistisch und gleichwohl mimisch ablesbar. Mies van Houts Bildersprache verfügt über einen ganz unmittelbaren kindgemäßen Charme, der Kindern übrigens auch ein anregendes Vorbild fürs Selbermalen sein kann.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.aracari.ch/page/de/buecher/detail?id=292

Die Autorin & Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 geboren und studierte an der Kunstakademie in Groningen Grafikdesign. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin und hat seitdem viele Bilderbücher illustriert. Ihr Buch »Brave Ben« wurde mit dem niederländischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung

  • Text von Jean E. Pendziwol
  • Illustrationen von Nathalie Dion
  • Originaltitel: »I Found Hope In A Cherry Tree«
  • Aus dem Englischen von Richard Rosenstein
  • Verlag Freies Geistesleben, August 2020 www.geistesleben.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27 x 22,5 cm
  • 44 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7725-2917-7
  • Bilderbuch ab 3 Jahren (laut Verlag)
  • frühestens ab 4 Jahren (nach meiner Einschätzung)
    In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung 9783772529177

H O F F N U N G S K N O S P E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein kleines Mädchen betrachtet gemeinsam mit seiner hellgrauen Katze spielerisch und entdeckungsfreudig das abwechslungsreiche Erschei- nungsbild des eigenen Schattens je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung. Katze im Sprung

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Draußen in der Natur lauscht das Mädchen der Sprache des Windes und der Sprache der Bäume. Überall nimmt sie Geschichten wahr, läßt die Natur zu sich sprechen. Und wenn sie später des Nachts auch wildere wölfischere Geschichten erahnt, dann zähmt sie die Wölfe (Ängste) durch das Erzählen eigener Geschichten.

Im Herbst sieht sie die zarten Knospen auf den entblätterten Ästen des Kirschbaumes und erkennt darin die unermüdliche Hoffnung des Kirsch- baums auf die Wiederkehr des Frühlings und die Entfaltung seiner Blüten.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung.Winterbaum

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Im Winter bewundert das Mädchen die unerschöpfliche Vielfalt und Schönheit der Schneeflocken, und wenn sie Schneeflocken mit ihrer Zunge auffängt, schmecken die Schneeflocken für sie nach Wolken.

„In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung“ ist ein leises, meditatives Bilderbuch, in dem nicht viel geschieht, außer daß ein kleines Mädchen die Innenräume seines Zuhauses und die offensichtlich nahegelegene Natur- umgebung sinnlich und seelisch erkundet und erlebt. Das Mädchen verfügt über eine empfindsame, kontemplative Perspektive, die auch im lyrischen Erzählton zum Ausdruck kommt. Die attraktive Lichttransparenz der sanften, puderig-pastelltönigen Illustrationen korrespondiert harmonisch mit dem poetischen Atem, der hier zwischen den Zeilen schwingt.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung.Frühlingsbaum

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Leider ist die Erzählweise in diesem Bilderbuch – gerade in Hinsicht auf die kindliche Zielgruppe – nicht sinnvoll strukturiert. Die Vermischung der drei Themen – Spiel mit Licht und Schatten, Angstüberwindung durch Erzählen und Naturpoesie – ordnet sich nicht zu einem schlüssigen roten Faden, sondern zerfranst. So hinterläßt diese Geschichte zwar einen poetischen, aber doch fragmentarischen Eindruck, der meiner Ansicht nach nur bedingt und stellenweise das Interesse von Kindern wecken kann. 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.urachhaus.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/In-einem-Kirschbaum-fand-ich-Hoffnung.html

Die Autorin:

»Jean E. Pendziwol ist im Nordwesten Ontarios geboren und aufgewachsen. Ihre Bücher sind in Kanada mehrfach ausgezeichnet worden. Im Verlag Freies Geistesleben liegt ihr Bilderbuch „In einer weißen Winternacht“, mit Illustrationen von Isabelle Arsenault, bereits in der dritten Auflage vor.«

Die Illustratorin:

»Nathalie Dion, in Québec geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet heute als Illustratorin in Montreal. „In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung“ ist ihr erstes Buch, das auch in deutscher Sprache vorliegt.«

Querverweis:

Eine harmonische Ergänzung ist das ebenfalls von Jean E. Penziwol verfaßte geheimnisvoll-naturpoetische, sehr winterstimmungsvolle Bilderbuch „In einer weißen Winternacht“: In einer weißen Winternacht

PS:
Diese Bilderbuchbesprechung füge ich gerne Petra Pawlofskys Gemeinschaftsprojekt „Zündstoff Hoffnung“ hinzu: Zündstoff Hoffnung – Ein Gemeinschaftsprojekt

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Kleine Schneeflocke

  • Text und Illustration von Benji Davies
  • Originaltitel: »Snowflake«
  • Deutsche Übersetzung von Ebi Naumann
  • Aladin Verlag, September 2021 www.aladin-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 23,5 x 31,1 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8489-0196-8
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Kleine Schneeflocke Titelbild

S C H N E E F L O C K E N E R W A R T U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine frische, neugeborene Schneeflocke sinkt auf die Erde herab. Sie ist noch etwas unsicher und orientierungslos und wird vom Wind hin und her gewirbelt. 

Parallel zur Reise der kleinen Schneeflocke ist ein kleines Mädchen namens Noёlle zusammen mit ihrem Großvater auf dem Nachhauseweg. Unterwegs durch die Stadt kommen sie an einem großen Schaufenster vorbei, in dem ein schön geschmückter Weihnachtsbaum mit einem leuchtenden Stern auf der Spitze steht. Noёlle äußert den Wunsch nach einem solchen Weihnachtbaum, doch der Großvater vertröstet seine Enkelin auf das nächste Jahr.

Kleine Schneeflocke Tannenbaum.

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Auch die Schneeflocke sieht auf ihrem Flug diesen Weihnachtsbaum, und sie wünscht sich, selbst ein solcher Stern auf einem Tannenbaum zu sein. Doch der Wind trägt die Schneeflocke weiter, und sie bekommt Gesellschaft von vielen, vielen weiteren Schnee-flocken und wirbelt und tanzt mit ihnen durch die Winterluft.

Kleine Schneeflocke Schneeflockenwirbeln

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Noёlle hat unterdessen kurz vor ihrem Zuhause einen verlorenen Tannenzweig gefunden und als kleinen Tannenbaum adoptiert. Sie steckt den Zweig in einen Blumentopf und bastelt bunten Weihnachtsschmuck. Diesen geschmückten Baum stellt sie nach draußen auf die Fensterbank, in der Hoffnung, daß am nächsten Tag echter Schnee ihre Weihnachtsbaumdekoration ergänzen werde.

Am nächsten Morgen merkt Noёlle sofort, daß sich die Welt leiser und weicher anfühlt, es muß also über Nacht geschneit haben. Sie läuft vorfreudig zum Fenster und bestaunt die Winterlandschaft. Und die Spitze ihres Weihnachtsbäumchens krönt eine stolze Schneeflocke, die endlich ihren Platz gefunden hat und durch die Reflektion des Morgen- sonnenlichts weithin sternenhell leuchtet.

Kleine Schneeflocke Fensterbank

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Benji Davies Illustrationen bieten eine stimmige weihnachts-winterliche Atmosphäre mit szenischem Wechsel zwischen Außen- und Innenräumen, der sich auch in den jeweils dunkelkühlen und lichtwarmen Farbkontrasten spiegelt. Begleitet werden die Bilder von sinnlich-konkreten Beschrei-bungen, die den Empfindungen und den Wahrnehmungen des kleinen Mädchens und der kleinen Schneeflocke Ausdruck geben.

Noёlle wohnt in einem sehr bescheidenen Haus am Stadtrand, der finanzielle Spielraum ihrer Familie ist gering – so reicht es offensichtlich nicht für den Kauf eines Weihnachtsbaumes. Gleichwohl strahlt Noёlles Zuhause warmherzige Geborgenheit und Gemütlichkeit aus. Noёlle wirkt zufrieden, denn sie hat ein Talent zur Freude an kleinen Dingen, und sie erkennt mit natürlich-kindlicher Empfänglichkeit die Schönheit des Augenblicks.

In dieser feinfühlig-friedlichen vorweihnachtlichen Geschichte verbinden sich zwei einander ergänzende erfüllte Wünsche zu einer schneeleisen gemeinsamen Freude.

Hier entlang zum Bilderbuch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/kleine-schneeflocke-isbn-978-3-8489-0196-8

Der Autor und Illustrator:

»Benji Davies, geboren und aufgewachsen in Peterborough / Großbritannien, studierte Animation. Mit den Veröffentlichungen seiner Illustrationen ging ein Kindheitstraum für ihn in Erfüllung. Heute lebt und arbeitet er in London. Vier seiner Bilderbücher sind bisher bei ALADIN erschienen, zuletzt »Nick und das Meer«. Für »Opas Insel« wurde er 2015 mit dem renommierten »AOI Illustration Award« ausgezeichnet.   «

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Schneeglück verschenken

  • Text und Illustration von Heyjin Go
  • Atlantis Verlag, September 2020 www.atlantis-verlag.ch
  • Originaltitel: »Gift Box of Bear«
  • Deutsche Textfassung von Eva Roth und Hans ten Doornkaat
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 44 Seiten
  • Format: 25 x 24 cm
  • 17,00 € (D), 17,50 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0795-7
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

0795_Schnee_Cover_Zneu.indd

WENN EIN GESCHENK VOM WINTER IN DEN SOMMER REIST

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Herr Bär pflegt eine Freundschaft mit zwei Girlitzen. Im Herbst fliegen seine gefiederten Freunde in wärmere Gefilde. Herr Bär und die Girlitze winken sich noch einmal zu, und dann zieht sich Herr Bär in den Winterschlaf zurück.

Der Winter kommt und mit ihm eine Menge Schnee. Einige Waldtiere, die keinen Winter-schlaf halten, veranstalten an einem sonnigen Wintertag eine lustige und unüberhör- bare Schneeballschlacht. Herr Bär wird wach, schimpft über die Ruhestörung und marschiert ärgerlich hinaus. Doch draußen in der verschneiten Landschaft verfliegt sein Ärger, und er staunt über den verwandelten Wald, schmeckt Schneeflocken ab und springt und tanzt freudig umher – denn Schnee sieht er zum ersten Mal.

Herr Bär begegnet bei seiner Schnee-Erkundung einer Maus und erklärt ihr, daß er dieses Schneewunder gerne den Girlitzen zeigen möchte. Die Maus regt an, einen Schneemann zu bauen und diesen an die Girlitze zu schicken. Sie hilft auch eifrig mit, dafür Schneekugeln zu rollen, bis ihr die Pfötchen zu kalt werden und sie sich verab- schiedet. Der Bär bedankt sich und baut weiter an seinem Geschenkschneemann.

0795_22_23_Schneeglück verschenken

Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis Verlag, Zürich

Ein Hase kommt vorbei und spendiert eine schöne Möhre als Nase und zusätzlich einen seiner Wollhandschuhe. Sodann stellt Herr Bär den Schneemann in ein großes Einmach-glas und macht sich auf den Weg zur Post. Unterwegs trifft er einen Fuchs, der für die Ausstattung des Schneemanns einen Hut spendiert, und ein Schwein, das der Schnee-mannbekleidung noch einen roten Schal hinzufügt.

0795_26_27_Schneeglück verschenken

Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Nun reist der Schneemann mit all seinen Accessoires per Postpaket vom Winter in den Sommer. Die Girlitze freuen sich sehr über das Paket von Herrn Bär. Bis zu seiner Ankunft hat sich das Schneegeschenk selbstverständlich sehr verändert. Der Schnee-mann ist geschmolzen, im Einmachglas schwimmt der Hut zusammen mit Schal und Handschuh auf dem Wasser.

Die Girlitze deuten Herrn Bärs Geschenk als Teich und den Hut als Boot, das ausge-polstert mit dem roten Schal ein komfortabeles Plätzchen für die Girlitze bietet. So  geht der Wunsch Herrn Bärs, seine Schneefreude mit den Girlitzen zu teilen, bei aller Verwandlung doch noch in Erfüllung.

0795_40_41_Schneeglück verschenken

Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Die Illustrationen hat Heyjin Go in einer Kombination aus Buntstift- zeichnungen und digitaler Collage gestaltet. Die landschaftliche Kulisse erscheint bei den Szenen im Winterwald in gedeckten, winterlichen Farbschattierungen und hellem Schneeweiß, die Tierfiguren in natürlichen Fellfarben – eine witzige Ausnahme sind die Schweine, die hier keine borstigen Wildschweine sind, sondern rosige Hausschweine.

Vereinzelte Farbtupfer, wie beispielsweise die kupferorange Farbtönung der Fuchsfelle und der rote Wollschal heben sich vor diesem Hintergrund kontrastreich ab. Die sommerlichen Szenen bei den Girlitzen erstrahlen hingegen in warmen, grünen und sonnigen Farbtönen, die gut zur sonnen- gelben Färbung der Girlitze passen.

Die Autorin und Illustratorin Heyjin Go erzählt eine heitere, leichte und lebensbejahende Geschichte über die Freude des Schenkens. Herr Bär zeigt anschaulich seine Freude und Dankbarkeit angesichts einer neuen beglück- enden Erfahrung, und er ist sogleich davon erfüllt, diese Freude mit anderen zu teilen. Und auch die anderen Tiere, die freigiebig etwas zum Schneemanngeschenk beitragen, sind offensichtlich fähig und bereit zur Mitfreude.

„Schneeglück verschenken“ ist ein schönes Bilderbuch für alle kleinen und großen Freudenverteiler.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.atlantisverlag.ch/heyjin-go-schneeglueck-verschenken/

Die Autorin & Illustratorin:

»HEYJIN GO lebt in Südkorea. Sie studierte Grafikdesign und liebt es, sich in ihren Büchern mit der Welt der Kinder und Naturthemen auseinanderzusetzen. Sie gewann die Silbermedaille des koreanischen Hans-Christian-Andersen-Preises 2015 mit ihrem Bilderbuch A Happy Fox. 2016 war sie für den Bologna Ragazzi Award nominiert, und 2017 gewann sie einen Preis des internationalen Bilderbuch-Illustrationswettbewerbs Nami Island.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Die tanzende Waldmaus

  • Text und Illustration von Pirkko-Liisa Surojegin
  • Originaltitel: »Metsähiiren tanssi«
  • Aus dem Finnischen von Peter Uhlmann
  • Verlag Urachhaus, Juli 2021 http://www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 26,5 cm
  • 24 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5209-3
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Die tanzende Waldmaus Titelbild

FRIEDE,  FREUDE,  PILZSUPPE !

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Tiere des Waldes (Bär, Wolf, Fuchs, Hase, Dachs, Eichhörnchen) haben einen großen Korb voller Pilze (Trompetenpifferlinge) gesammelt. Nur die kleine Waldmaus hat nicht mitgesammelt, da sie zu klein dafür ist. Schlecht gelaunt betrachtet sie den Berg von Pilzen und fühlt sich klein, schwach und ungenügend. Freundlich bietet der Dachs ihr an, daß sie doch gerne beim Pilzsuppekochen helfen könne, doch die Waldmaus ist trotzig und schimpft, daß ihr die Suppe ganz egal sei.

Während sich die anderen Tiere auf den Weg zu einer Lichtung machen, bleibt die Maus alleine im Wald zurück und fühlt sich noch winziger als zuvor. Schweren Herzens liegt die Waldmaus auf dem Waldboden, die herabfallenden Blätter wirbeln um sie herum und legen sich auf das kleine Mäusekörperchen. Wütend bekämpft sie die Blätter und versucht sie einzufangen. Doch nach und nach macht es ihr Spaß, den Blättern nach- zujagen und dabei hoch in die Luft zu hüpfen, freudig tanzt sie mit den Blättern im Wind.

Inzwischen haben die anderen Waldtiere die Suppe fertig gekocht und auch schon mit dem Essen begonnen. Der Hase, der die Maus zum Suppe-Essen abholen will, schaut bewundernd zu, wie anmutig und naturtalentiert die Waldmaus tanzt, und macht ihr entsprechende Komplimente.

Die tanzende Waldmaus Tafel

Illustration von Pirkko-Liisa Surojegin © Verlag Urachhaus 2021

Beglückt folgt sie dem Hasen zur Lichtung und bekommt einen duftenden Teller Suppe serviert. Der Hase erzählt den Tieren, wie schön die Waldmaus tanzen könne und führt anschaulich ihren Waldmaustanz vor. Schließlich tanzen Bär, Wolf, Fuchs, Hase, Dachs und Eichhörnchen ausgelassen mit. Die kleine Waldmaus schaut glücklich zu und futtert ihre Suppe.

Die tanzende Waldmaus Alle Tiere tanzen

Illustration von Pirkko-Liisa Surojegin © Verlag Urachhaus 2021

Pirkko-Liisa Surojegins ebenso naturalistische wie märchenhafte Illustrationen erschaffen eine stimmungsvolle, herbstliche Waldszenerie mit sehr ausdrucksvollen Tierfiguren, die über lebhafte Körpersprache und Mimik verfügen. Die anheimelnd-friedliche Atmosphäre des Miteinanders der Tiere sowie die feinen Details ihrer sozialen Interaktion dürften ihre lauschig-entspannende Wirkung auf die betrachtenden Kinder kaum verfehlen.

Es ist eine durchaus empfehlenswerte Methode, schlechte Laune wegzutanzen. Was der kleinen Waldmaus in dieser Geschichte gelingt, wäre auch für kleine Kinder einen Versuch wert.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Die-tanzende-Waldmaus.html

Die Autorin und Illustratorin:

»Pirkko-Liisa Surojegin, geboren 1950 in Kuopio, Finnland, studierte Grafikdesign an der Kunst und Designuniversität Helsinki und ist seit 1981 freiberufliche Illustratorin und Autorin. Für ihre stimmungsvollen, fein ausgearbeiteten Bilder in Lehrbüchern, Bilder- und Märchenbüchern sowie dem Nationalepos Kalevala ist sie in Finnland so berühmt wie beliebt. Im Verlag Urachhaus sind von ihr bereits Untu und das Geheimnis des Lichts und Von Fuchs, Wolf und Bär… Tiermärchen aus dem hohen Norden erschienen.«

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren attraktiven von Pirkko-Liisa Surojegin illustrierten und von Nora Surojegin geschriebenen Buch: „Untu und das Geheimnis des Lichts“: Untu und das Geheimnis des Lichts
Diese märchenhafte Geschichte für Kinder ab 6 Jahren vermittelt eine faszinierende vorchristliche Weihnachts- bzw. Wintersonnenwendstimmung, die mit interessanten mythischen Charakteren, elementarer, wilder Naturkraft und lebhafter Lebensbejahung aufwartet.

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Trolle, Wichtel, Pixies und Waldwesen aus aller Welt

  • Text und Illustration von Malin Neumann
  • BOHEM Verlag 2020  www.bohem-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 28,4 cm
  • 52 Seiten
  • vollfarbig
  • 18,95  € (D), 19,50 (A), 25,50 sFr.
  • ISBN 978-3-95939-078-1
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

Waldwesen_888078

B A U M L E B E W E S E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Gesichter in Baumrinden, Blätterraschelworte, Licht- und Schattenspiele, die flüchtige Gestalten erscheinen lassen, welche beim genauen Hinsehen wieder verschwunden sind und dennoch den Eindruck hinterlassen, daß uns da für einen Zauberaugenblick mehr als das Offensichtliche erschienen ist – so führt Malin Neumann mit den einleitenden Zeilen ihres Bilderbuches Kinder sogleich atmosphärisch in die Natur und gleichsam zur Wahrnehmungsschwelle zwischen sichtbarem und unsichtbarem Leben.

In allen Kulturen gibt es Legenden und Überlieferungen, die von kleinen und großen naturmagischen Wesen und Naturgöttern berichten. Malin Neumann hat solche Legenden und Überlieferungen aus aller Welt zusammengetragen und erzählt sie in kindgemäß komprimierter Bündelung nach. Stilistisch sind diese Texte jedoch im Gegensatz zum Einstimmungs- und Ausklangstext weitgehend eher informativ-sachlich-lexikalisch formuliert – ob diese Kurzbeschreibungen Kinder emotional ansprechen sei dahingestellt.

Waldwesen SKOVNISSE

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Zwischen PAN und PIXIES begegnen wir u.a. den CANOTILAS (kleine Baumbewohner) der nordamerikanischen Indianer, der YOSHINBO (Pflanzenmutter) und dem LUPUNA (Weltenbaum) aus dem Amazonas-Regenwald, dem perfekt getarnten GHILLIE DHU aus Schottland, der verirrten Kindern den Weg aus dem Wald zeigt, und dem dänischen SKOVNISSE, der seine Wohnhöhle gerne unter den Wurzeln alter Buchen einrichtet; wir erspähen den scheuen YEREN aus den chinesischen Bergwäldern, den gestaltwand- lerischen LESHY, den Schutzgeist aller Tiere und Pflanzen der sibirischen Kiefernwälder, und die japanischen KODAMA, zarte Baumgeister, die gerne außergewöhnlich geformte Bäume bewohnen und die von den Menschen durch kleine Steintafeln an den Baum- wurzeln geachtet und gewürdigt werden.

Malin Neumann gibt den zahlreichen Waldwesen und Naturgeistern mit zartfühlender Transparenz und einigen Prisen Humor zeichnerische Gestalt. Die Naturkulisse paßt sie einfühlsam den unterschiedlichen Landschaftsgegebenheiten an und gibt damit den jeweiligen Waldwesen heimatlichen Raum. Die letzte Doppelseite zeigt zudem auf einer Weltkarte eine Übersicht der zuvor vorgestellten Naturgeister.

Waldwesen FENGHUANG

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Es erscheint mir wünschenswert, Kindern die Natur nicht nur biologisch, ökologisch und materiell nahe zu bringen, sondern ihnen auch eine Ahnung von der Beseeltheit der Natur zu vermitteln oder gegebenenfalls zu bestätigen. Dieses Bilderbuch verschafft Kindern einen unaufgeregten Zugang zu archetypischen Wesen, appelliert an Achtsam-keit gegenüber der Natur und regt dazu an, die Wirklichkeit auch mit den inneren Sinnen wahrzunehmen.

„So ein Baum ist leise, sanft und langsam – niemals wird einer lautstark Hilfe einfordern.
Sei gut zu ihm.“

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.bohem.ch/katalog/trolle-wichtel-pixies-und-waldwesen-aus-aller-welt/

Die Autorin und Illustratorin:

»Malin Neumann, geb. 1995, wuchs im Ruhrgebiet auf und studiert Design mit den Schwerpunkten Mediendesign und Illustration an der MSD Münster. Beim Illustrieren liebt sie den Moment, wenn gezeichnete Figuren anfangen vom Papier zurückzublicken und freut sich besonders über Regentage – die beste Zeit für kreatives Arbeiten. Sie lebt und arbeitet in Münster.« http://malin-neumann.de/

Waldwesen-PIXIE mit Geige

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Was macht Püüüp?

  • von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels
  • illustriert von Nikolai Renger
  • Esslinger Verlag, Juli 2021, www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 232 x 300 mm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-480-23669-5
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Was-macht-pueueuep-isbn-978-3-480-23669-5_1
L A U T M A L E R E I

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Püüüp ist ein kleines, gelbes Geräusch, das noch nicht weiß, zu welchem Lebewesen oder Ding und einer entsprechenden Tätigkeit oder Funktion es gehört. Seine erste Begegnung mit einem anderen Geräusch ist die mit dem tropfenförmigen, blauen PLOPP, das für das Wassertropfengeräusch zuständig ist. Plopp erklärt Püüüp, daß er selbst herausfinden müsse, wer oder was PÜÜÜP mache, und dann sei er an seinem richtigen Platz als Geräusch angekommen und könne „geräuscheln“.

Vorfreudig sucht Püüüp nun verschiedene Orte auf. Im städtischen Straßenverkehr und auf einer Baustelle lernt er viele laute Geräusche kennen – von BRUMM über TA TÜÜ TA TAA bis RATATA. Im Konzerthaus lauscht Püüup musikalischen Tönen, indes weisen diese notenförmigen Töne, die Namen wie Cis, Fis, G und hohes C tragen, Püüüp etwas herablassend darauf hin, daß er als simples Geräusch bei Tönen nicht erwünscht sei.

Im nahegelegenen Museum trifft Püüüp auf einem Dinosaurierskelett ein freundliches, sehr altes Geräusch, welches das Dinosaurierbrüllen verkörpert und nun zu seinem Bedauern nur noch manchmal heimlich ein ROAAAH durch das leere Museum brüllt.

Was-macht-pueueuep-Wasserhahn

Illustration von Nikolai Renger/Text von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels © Esslinger Verlag 2021

Im Supermarkt rattert ihm als erstes RATTER über den Weg, der für das Rattern der Einkaufswagen zuständig ist. Nach einer püüüpsigen Geräuschprobe meint Ratter, daß Püüüp vielleicht im Kassenbereich zuständig sein könne. Doch das hektische PLIPP, PLIPP, PLIPP des Wareneinlesegeräts ist auch nicht das richtige für Püüüp.

Im Wald lernt Püüüp viele Naturgeräusche kennen, es klackt, knackt, knockt, pock pockt, plätschert, raschelt und tschilpt und echot sogar, aber auch die wilde Natur scheint nicht der passende Ort für ihn zu sein.

Püüüp fühlt sich inzwischen schon ganz überflüssig und unerwünscht, da zieht es ihn unwiderstehlich in einen Garten – aufmerksame Bilderbuchkinderaugen werden gewiß wiedererkennen, daß es der gleiche Garten ist, in dem Püüüp sich zum ersten Male manifestiert hat.

Dort entdeckt Püüp zwischen den Geräuschen QUIETSCH (Schaukel), PLATSCH (Plansch-becken) und SCHLÜRF (Trinkgläser) ein kleines Kind, das die Lippen zum Pfeifen gespitzt hat, ohne daß ein Geräusch dabei entsteht. Nun hat Püüüp endlich seine Bestimmung gefunden …

Was-macht-pueueuep-Natur

Illustration von Nikolai Renger/Text von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels © Esslinger Verlag 2021

Es ist eine ebenso lustige wie analog-anschauliche Idee, Geräuschen personifizierte Gestalt zu geben. Sind Geräusche sonst eher etwas für die atmosphärische Kulisse einer Geschichte, so stehen sie hier einmal als lebhafte Charakterfiguren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Die visuelle Darstellung der Geräusche ist höchst amüsant. Ganz besonders pfiffig sind die bühnenreifen Gesellen TA TÜÜ TA TAA, aber auch die eleganten Noten, der zackige RATTER, der wassertropfige PLOPP und die LAUBRASCHEL sowie das schwungvolle ECHO. Der kleine großäugige Püüüp selbst ist von rundlich niedlicher Gestalt und zudem ziemlich geräuschempfindlich. Seine offensichtliche Verletzlichkeit weckt Beschützer-instinkte, und seine Suche nach Zugehörigkeit ist für Kinder unmittelbar verständlich.

Das größte Vergnügen werden Kinder wohl an den vielen buchstäblich lautmalerischen Geräuschen haben, die man beim Vorlesen dieser Geschichte leicht dramaturgisch inszenieren kann. Kinder werden gewiß auch gerne diese Geräusche mitsprechen oder vielleicht sogar spontan noch weitere Geräusche hinzufügen wollen.

„Was macht Püüüp?“ ist ein heiteres Erhörungsbuch/BilderHÖRbuch, das mit der personifizierten, visuellen und lautmalerischen Darstellung von Geräuschen vielsaitige vorlesemitspielerische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/was-macht-pueueuep-isbn-978-3-480-23669-5
Und hier entlang zum sehenswerten BILDERBUCHWERBEFILMCHEN:
https://www.thienemann-esslinger.de/blog/buchtrailer-zu-was-macht-pueueuep

Die Autoren:

»Bernhard Hoëcker, 1970 in der wunderschönen Pfalz geboren, begann seine künst-lerische Karriere indem er auf Kindergeburtstagen Bälle in die Luft warf und meistens wieder auffing. Nachdem er sein Wirtschaftsstudium erfolgreich abgebrochen hatte, konzentrierte er sich ganz auf seine Arbeit als Fernseh- und Bühnenkünstler. Er be-geisterte Jugendliche, indem er zeigte wie gefährlich es ist Silvester-Raketen in ge-schlossenen Räumen zu zünden. Mit seinen Geo- caching-Büchern locken Kinder ihre Eltern raus in die Natur, und er bringt Enkel und Groß- eltern wieder zusammen, die dann gemeinsam vor dem Fernseher sitzen und raten. Für die ganz Kleinen leiht er seine Stimme „Trudes Tier“, liest mit der Stiftung Lesen in Kindergärten und hat jetzt alle seine Lieblingswörter in einem Kinderbuch zusammengefasst: knarz, ratter und plopp.«

»Eva von Mühlenfels wurde 1979 geboren und wuchs in der romantischen Quadratestadt Mannheim auf, wo sie nach der Schule Anglistik studierte. Ihre akademische Reise begann im Barockschloss und endete in Zentralalaska, wo sie zwischen Bären und Elchen in einer Block- hütte im Wald wohnte. Entsprechend geradlinig ging es nach ihrem Studium schnurstracks nach Köln zum Fernsehen. Dort werkelte sie als Producerin an verschiedenen Unterhaltungs-Formaten, die unter anderem mit dem Comedy- und Grimmepreis ausgezeichnet wurden. Um auch außerhalb der besten Sendezeit wunderschöne Comedy zu erleben, machte sie eine Fernsehpause und gründete eine Familie. Ihre gesammelten Erfahrungen aus Sprachwissen- schaft, Eiseskälte, Geschichtenerzählen und dem Abkratzen getrockneter Haferflocken stopfte sie in einen Sack, schüttelte ihn, warf ihn gegen die Wand und herunterfiel das erste Kinder- buch. Und manchmal, wenn es bitterkalt ist, und die Kinder schon schlafen, heult sie noch heute den Mond an. Haouuuu!«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für  verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte

  • Band 6 vom kleinen Siebenschläfer
  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • Thienemann Verlag, Januar 2021    www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 296 x 237 mm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-45949-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Die-Geschichte-vom-kleinen-Siebenschlaefer-der-dem-Mond-Gute-Nacht-sagen-wollte-
U N E R H Ö R T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer liegt gemütlich in der familiären Siebenschläferhöhle und sagt nacheinander Mama, Papa und seiner Schnuffeldecke Gute Nacht, und alle erwidern seinen Gutenachtgruß. Auch dem Mond, der voll und rund durch das Höhlenfenster scheint, ruft er einen Gutenachtgruß hinauf. Da der Mond jedoch nicht antwortet, schlußfolgert der kleine Siebenschläfer, daß der Mond ihn wohl nicht gehört habe, da die Entfernung zwischen ihnen zu groß sei.

Also geht er hinaus, stellt sich auf die Zehenspitzen und wiederholt seinen Gutenacht- ruf. Der Mond reagiert wieder nicht, aber die kleine Haselmaus ist vom Ruf des Sieben-schläfers wachgeworden und bietet ihre Hilfe an. Sie klettern auf einen Maulwurfshügel und rufen, und wieder bleibt der Mond stumm. Doch nun ist der Maulwurf von den lauten Gutenachtrufen aufgewacht und beteiligt sich an der Suche nach einem höheren Ausrufpunkt.

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte draußen mit Haselmaus

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2021

Sie besteigen den großen Popo des schlafenden Bären, aber diese „Erhöhung“ weckt auch nur den Bären auf. Im Gespräch mit dem Bären fällt dem Siebenschläfer ein, daß sie auf einen Baum klettern könnten, um dem Mond deutlich näher zu rücken. Der Bär ist sogar so freundlich, die kleinen Tiere auf den untersten Ast eines hohen Baumes zu heben.

Beim Erklettern des Baumes treffen sie ein Eichhörnchen, das sie ganz hoch in den Baumwipfel führt. Von dort aus rufen sie alle zusammen und so laut sie können: „Gute Nacht, Mooooooond!“ – und siehe da, der Mond ruft zwar nicht zurück, aber er lächelt …

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte Astaussicht

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2021

Der kleine Siebenschläfer eröffnet auch im 6. Band seine unwiderstehliche Niedlich- keitsoffensive und überwindet mit unermüdlicher Zielstrebigkeit und zuverlässiger freundschaftlicher Unterstützung die kommunikative Distanz zum Mond.

Sabine Bohlmann erzählt diese buchstäbliche Gute-Nacht-Geschichte auf gewohnt warmherzige und heiter-unbeschwerte Weise. Die Illustrationen von Kerstin Schoene statten die Geschichte mit einer stimmungsvollen Mondnachtkulisse aus und geben den Figuren durch lebhafte Mimik und amüsante Körpersprache anschauliche Gestalt.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-dem-mond-gute-nacht-sagen-wollte-isbn-978-3-522-45949-5

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Professor Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolg- reichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesign-erin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.« www.kerstinschoene.de

Querverweis:

Hier entlang zu den vorhergehenden siebenschläfrigen Bilderbüchern:

Band 1: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Band 2: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Band 3: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/09/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte/
Band 4: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/08/12/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war/
Band 5: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der überhaupt keine Angst im Dunkeln hatte

Und hier entlang zum Gutenachtgeschichtenbuch vom kleinen Siebenschläfer „Eine Schnuffeldecke voller Gutenachtgeschichten“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/01/30/der-kleine-siebenschlaefer-eine-schnuffeldecke-voller-gutenachtgeschichten/

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Das kleine Buch vom Glücklichmachen

  • Text und Illustrationen von Francesca Pirrone
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • Originaltitel: »Graag gedaan«
  • FISCHER Sauerländer Verlag, August 2020 www.fischerverlage.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 56 Seiten
  • Format: 15,7 x 19,6 cm
  • ISBN 978-3-7373-5773-9
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

GLÜCKSSCHWEINCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Wer andere glücklich machen will, braucht dazu nicht viel.“ Mit diesem Satz beginnt das vorliegende Bilderbuch. Ein kleines Schwein im gelben Ringelpulli demonstriert in den nachfolgenden elf Kapiteln, wie mit Höflichkeit, Fürsorge, Großzügigkeit, aufmerk- samer Wahrnehmung und kleinen Gesten beglückende Wirkungen erzielt werden können.

So muntert das Schweinchen den betrübten Hasen mit einem zugewandten Lächeln auf, und es baut ein Vogelhäuschen, damit ein frierender Vogel einen geschützten Übernach-tungsraum bekommt. An der Ampel hebt das Schwein eine Schildkröte auf, um sie bei Grün über die Straße zu tragen, und es teilt großzügig sein Gebäck mit der Maus, die wiederum ihr Getränk mit dem Schwein teilt, ebenso schubsen sich Schwein und Maus wechselseitig beim Schaukeln an. Das Schweinchen liebt auch die Natur, sammelt herumliegenden Müll ein und rettet ein kleines schwarzes Kätzchen aus der Mülltonne. Auf der letzten Doppelseite sitzt das Schwein freudestrahlend mit all den Tieren zusammen, denen es zuvor so gütig und hilfreich begegnet ist.

Bis auf kurze Kapitelüberschriften, wie beispielsweise „Ein bisschen Geduld“, „Eine Portion Schutz“, „Ein Ohr für andere haben“, „Ein bisschen Höflichkeit“ usw., erscheinen die Kapitel als reine Bildergeschichten, die selbsterklärend sind.

Der Zeichenstil Francesca Pirrones ist minimalistisch und weitgehend in schwarz-weiß gehalten, Farben werden nur akzentuiert eingesetzt, beispielsweise für die Farben der Ampelschaltung, den kleinen blauen Trinkbecher der Maus, die rote Zipfelmütze des Vogels und den gelben Pullover des Schweins. Die klare Bildsprache lenkt den Blick sehr anschaulich auf das Wesentliche. Kinder können von diesen Bildern leicht „ablesen“, was geschieht und wie es sich auswirkt.

Es mag eine Binsenweisheit sein, daß eine große Quelle des Glücks im achtsamen Mit- einander liegt, doch angesichts zunehmender gesellschaftlicher Entfremdung, Isolation und Vereinzelung kann man diese Weisheit nur erst recht immer wieder verkünden und ins Bewußtsein heben. Nur aus Kindern, die Vorbilder dafür haben, daß es für andere und für sie selbst angenehme und wünschenswerte Folgen hat, seine Wahrnehmung über die eigenen Bedürfnisse hinaus auszuweiten, werden Erwachsene hervorwachsen, die der Welt und ihren Mitgeschöpfen gegenüber nicht gleichgültig, kalt und rücksichts- los sind, sondern anteilnehmend, warmherzig und zugewandt.

„Das kleine Buch vom Glücklichmachen“ bietet mit seinem sympathisch-empathischen Glücksschweinchen ein solches Vorbild im Bilderbuchformat.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.fischerverlage.de/buch/francesca-pirrone-das-kleine-buch-vom-gluecklichmachen-9783737357739

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Francesca Pirrone studierte an der Academia di Belle Arti in Florenz und lebt in Prato, Italien. Dort arbeitet sie als kreativer Kopf an Schulen. Sie liebt es, Kinderbücher zu schreiben und zu illustrieren.«

Der Übersetzer:

»Rolf Erdorf ist als Übersetzer für Kinder- und Jugendliteratur sowie für Sachbücher bekannt und wurde mehrfach für sein Werk ausgezeichnet, zuletzt 2016 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.«

 

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/