Ich will kein Eichhörnchen mehr sein

  • Text und Illustration von Olivier Tallec
  • Originaltitel: »J‘aurais voulu«
  • Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
  • Gerstenberg Verlag, Juni 2022 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28 x 20 cm
  • 36 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 13,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8369-6173-8
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

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CHIMÄREN-THEATER

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Olivier Tallecs Eichhörnchen mangelt es auch im dritten Band der Serie deutlich an Ausgewogenheit und Selbstgenügsamkeit. War es im ersten Band extrem besitzan-spruchsvoll (siehe: Das ist mein Baum) und im zweiten Band unmäßig gierig bis zur Zerstörung seiner Nahrungsgrundlage (siehe: Nur ein kleines bißchen ), so ist es nun im dritten Band mit seinem „langweiligen“ Eichhörnchendasein unzufrieden.

Ich will kein Eichhörnchen mehr sein. Biberwunsch

Text und Illustration von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2022

Mißmutig lehnt es alle eichhörnchentypischen Fähigkeiten ab und beneidet stattdessen die bewundernswerten Talente des Bibers. Doch nach einem Tag mit Bibertätigkeiten erkennt das Eichhörnchen, daß Bäumefällen viel zu anstrengend ist, ganz zu schweigen von den ewig nassen Füßen. Erschöpft liebäugelt es damit, als Hirsch mit imposantem Geweih durch den Wald zu stolzieren.

Allerdings hat auch das Hirschsein nachteilige Seiten, denn ein klassisches Fluchttier muß verflixt oft vor potenziellen Jägern fliehen. Völlig aus der Puste an einen Baum gelehnt, erscheint dem Eichhörnchen nun das Igeldasein äußerst attraktiv … und so geht es eine Weile weiter mit diversen tierischen Daseinsalternativen von Eule bis Weinbergschnecke.

Ich will kein Eichhörnchen mehr sein. Igelwunsch

Text und Illustration von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2022

Stets erweisen sich die zuvor beneideten Vorteile in der Praxis als unvermutet wenig erfreulich und sogar als anstrengend, gefährlich und nachteilig. Schließlich kommt das Eichhörnchen etwas geknickt zu der Einsicht, daß es doch lieber ein Eichhörnchen bleiben möchte. Und zu seinem nicht geringen Erstaunen trifft es dann auch noch ein Wildschwein, das offensichtlich lieber ein Eichhörnchen wäre.

Die illustratorische Inszenierung der diversen Eichhörnchen-Identitätswechsel ist äußerst amüsant gestaltet. Zuerst wird das kleine Eichhörnchenkörperchen mit einem breiten, flachen Biberschwanz ausgestattet, dann kommt ein Hirschgeweih hinzu und ein Igelstachelpelz, und alle diese Accessoires bleiben ihm erhalten, so daß es nur noch sein Eichhörnchenköpfchen und seine Pfoten als Eichhörnchen ausweisen.

Das Eichhörnchen idealisiert die anderen Tiere, deren Eigenschaften es maßlos über- bewertet, während es sein gewohntes Eichhörnchensein abwertet. Es geht dem Eichhörnchen dabei weniger um Neid auf andere Gaben, sondern mehr um die Unzu-friedenheit mit dem alltäglich Vertrauten, das vermeintlich zu wenig Glanz versprüht. Manchmal braucht es offensichtlich Umwege, um die eigenen Qualitäten und Daseins- bedingungen angemessen wahrzunehmen und wertzuschätzen.

So bietet dieses Bilderbuch für Kinder und ihre Vorleser animierenden Gesprächsstoff für selbstreflexive und kommunikative Gedankenspiele: Wie sehe ich mich? Würdige ich mich selbst? Wie sehe ich andere? Sehe ich die Anderen wirklich, oder erliege ich nur meiner Vorstellung von ihnen? Wie werde ich von anderen gesehen, und welche Rolle spielt das für meine Selbstwahrnehmung? Wer oder was würde ich gerne einmal ausprobieren zu sein?

Doch unabhängig von tieferen sinnbildlichen Bilderbuchbetrachtungen ist dieses Buch überaus vergnüglich. Denn Olivier Tallecs Illustrationen geben dem Eichhörnchen eine solch lebhafte und deutlich ablesbare Mimik und ausdrucksvolle Körpersprache, daß Kinder dieser Geschichte auch sehr gut ohne den Begleittext folgen können.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Bilderbuch/Ich-will-kein-Eichhoernchen-mehr-sein.html?noloc=1

Hier entlang zum ersten Band: Das ist mein Baum Das ist mein Baum
Und hier zum zweiten Band: Nur ein kleines bißchen  Nur ein kleines bißchen

Der Autor und Illustrator:

»Olivier Tallec, geb. 1970, hat an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris studiert und teilt seitdem seine Zeit zwischen Design und Illustration. Seine Bücher wurden in zahlreichen Ländern veröffentlicht und ausgezeichnet.«

Querverweis:

Ergänzend bietet sich zudem das Bilderbuch „Wär ich doch…“  von Mies van Hout an. Auch dort geht es um das Thema, jemand anderes sein zu wollen… Wär ich doch

 

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Die Ecke

  • von ZO-O
  • Verlag Urachhaus, Juli 2021 www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 14,7 x 28,2 cm
  • 64 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5278-9
  • Bilderbuch ab 3 Jahren (laut Verlag)
  • Bilderbuch ab 5 Jahren (nach meiner Einschätzung)

Die Ecke Titelbild
VON  DRINNEN  NACH  DRAUSSEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das Bilderbuch „Die Ecke“ kommt weitgehend ohne Text aus – es erzählt sich durch die szenische Bilderabfolge in anschaulicher Stille selbst und eröffnet dabei einen beacht-lichen Interpretationsspielraum. 

Eine kleine Krähe betrachtet die Ecke eines kahlen Raumes mit weißen Wänden. Sie setzt sich in diese Ecke, dann legt sich dort hin, und schließlich schiebt sie ein Sofa heran. Dem Sofa folgen ein kleines Bücherregal, einige Bücher, ein runder hellblauer Teppich, eine Lampe und eine kleine Zimmerpflanze in einem Topf. So schaut es schon richtig gemütlich aus. Die Krähe liest ein Buch, gießt die Zimmerpflanze, macht ein Nickerchen, knabbert Nüsse und überlegt, was sie sonst noch braucht.

Die Ecke Innenabbildung Wandbemalung

Illustration von ZO-O © Verlag Urachhaus 2021

Mit einem orangegelben Kreidestift beginnt die Krähe die weißen Wände mit syme-trischen Quadraten und Rechtecken zu bemalen, die den Wänden eine lichtere Aus-strahlung geben und ihnen optische Fenstersilhouetten „einbauen“.

In den Pausen der Wandgestaltung hört die Krähe Musik und flattertanzt auf ihrem blauen Teppich umher. Das Vergehen der Zeit zeigt sich im deutlichen Wachstum der Zimmerpflanze.

Als die Wände bis zur Decke vollgemalt sind, bemerkt die Krähe, daß ihr immer noch etwas fehlt. Kurzentschlossen sägt sie ein Fenster in die Mauer, und nun fällt endlich echtes Tageslicht ins Zimmer. Zunächst sonnt sich die Krähe auf ihrem Teppich im hereinscheinenden Sonnenlicht. Doch dann tritt sie ans Fenster und schaut hinaus. Draußen steht ein weißer Vogel mit rundlichem Schnabel, der die Begrüßung der Krähe freundlich erwidert.

Die Ecke Innenabbildung Pflanze

Illustration von ZO-O © Verlag Urachhaus 2021

Die zarten Buntstiftzeichnungen wirken ruhig und meditativ. Eine leise Spannung er-wächst aus der sich langsam füllenden Ecke und der sich ausbreitenden Wandbemalung. Ein feiner Nebeneffekt ist, daß die Buchfalzung in der Mitte jeder Doppelseite exakt die illustrierte Ecke spiegelt.

Wenn man dieses Bilderbuch gemeinsam mit einem Kind durchblättert, bietet es sich an, mit offenen Fragen an die Bilderabfolge heranzugehen und das Kind beschreiben zu lassen, was es sieht, vermutet oder erwartet. Man kann einfach nur der szenischen Bildabfolge nachgehen oder auch abschweifend fragen, wie und womit denn das Kind einen zunächst leeren Raum füllen würde, um sich dort wohlzufühlen.

Daß eine behagliche persönliche Einrichtungsgestaltung und die Anwesenheit schöner Dinge alleine nicht ausreichen, um sich gut zu fühlen, dürfte auch schon einem kleinen Kind verständlich und nachvollziehbar sein.

Dieses Bilderbuch illustriert buchstäblich, wie man sich selbstfürsorglich und selbstge-nügsam nach innen zurückzieht und dort wohlig einrichtet. Aber fehlt nicht trotzdem noch etwas? Ja, es fehlt die Anregung durch die Außenwelt und der Kontakt mit anderen Wesen. Denn beide Wege ergänzen sich, und somit wird sowohl das Bedürfnis nach Einsamkeit, Rückzug und Selbstbesinnung als auch das Bedürfnis nach Begegnung, Kommunikation und Verbundenheit befriedigt.

Ob ein dreijähriges Kind bereits die sinnbildliche Ebene dieses Bilderbuches erfassen kann, sei einmal dahingestellt oder dem aufgeschlossenen Versuch überlassen. Zumin-dest wird in diesem zarten Alter jedoch die kindliche Anteilnahme an der wohnlichen Gestaltung der geborgenen Ecke zu erwarten sein. 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.geistesleben.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Die-Ecke.html

Hier entlang zum Buchwerbefilmchen:
https://www.youtube.com/watch?v=_rxqVzlAQ3E

Die Illustratorin:

»ZO-O (das Pseudonym der Illustratorin steht für» Krähen-Zoo«) wurde 1988 in Gunpo in der Provinz Gyeonggi-do in Südkorea geboren und studierte an der HILLS-Akademie Illustration. Sie gilt in Korea als eine der talentiertesten Neuentdeckungen, 2017 gewann sie den ersten Preis beim renommierten Wow-Bookfest in Seoul. Seither hat sie an    verschiedenen Independent-Projekten mitgearbeitet und 2020 mit „Die Ecke“ ihr erstes Bilderbuch veröffentlicht. Instagram: @crow­­_zoo_illustration «

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Borst vom Forst will hoch hinaus

  • Text von Yvonne Hergane
  • Illustrationen von Wiebke Rauers
  • Magellan Verlag, Januar 2021 http://www.magellanverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 x 30,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2049-6
  • Bilderbuch ab vier Jahren

Borst vom Forst will hoch hinaus

L U F T S P R U N G S C H W U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Borst vom Forst ist schon seit seinem ersten Abenteuerchen (siehe meine Besprechung https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/28/borst-vom-forst/) als ebenso empfindsam-verträumter wie entdeckungsfreudiger kleiner Frischling waldbekannt.

Diesmal sorgt er sich um ein Ei, das im Moos gelandet ist. Während er gemeinsam mit der Seemöwe und der Robbe Merilyn (eine Bekanntschaft aus dem ersten Band) auf- zählt, welche Tiere Eier legen, schlüpft das Küken aus dem Ei. Es hat einen gekrümmten Schnabel, was Anlaß zu der Vermutung gibt, daß es aus dem sich in luftiger Baumhöhe befindlichen Adlernest gefallen ist.

Kein Frage, daß Borst vom Forst – das Küken auf der Nase balancierend – versucht, mit Hilfe von Merilyns Robbenleiter den Baumstamm zu erklettern. Doch dies funktioniert nicht und endet mit einer Po-Landung im Polstermoos.

Merlilyn regt an, einen herumliegenden Baumstamm auf einen Felsbrocken zu legen und ihn so als Wippkatapult zu benutzen. Borst von Forst nimmt mit dem Küken an dem einen Ende Platz, und am anderen Ende springen die Robbe, die Seemöwe und eine Ameise auf. Der damit erzeugte Schwung ist noch zu schwach, doch da naht hilfreich Borstens Wildschweinmama und verpaßt dem Stamm den ausreichenden Luftsprung- schwung.

Borst saust und braust durch die Luft und plumpst in das Adlernest. Der Adlerpapa freut sich über das zurückgekehrte „alleradlerschönste Kind“, bedankt sich und erklärt Borst, daß sein Nest Horst heißt, was bei Borst für einige Verwirrung sorgt.

Der Rückweg vom Adlerhorst erfolgt wieder auf dem Luftweg. Denn Borst wollte ja schon immer gerne einmal fliegen, und er hat während des Gesprächs mit dem Adler schlicht vergessen, daß er gar keine Flügel hat. Der unvermeidliche Absturz wird vom mitfühlenden Wind durch ein Luftpolster etwas abgefedert und von der flott zupackenden Seemöwe abgefangen, und dank der buchstäblichen Bauchlandung auf dem Bauch der Robbe, die wiederum auf dem Bauch von Borstens Mama liegt, landet Borst sanft und sicher auf der Erde.

Die Illustrationen von Wiebke Rauers  untermalen „Borst vom Forst will hoch hinaus“ warmherzig, witzig und ausdrucksvoll und statten die Charaktere mit sympathischen Gesichtern und lebhafter Mimik aus.

Die Autorin erzählt diese Geschichte in einer lautmalerischen Prosa, die gelegentlich in einfache Reime übergeht, die jedoch zu keinem angemessenen flüssigen Versrhythmus finden. Die sperrige Metrik der Verse  und die partiellen, etwas erzwungenen Reime erleichtern den Vorlesefluß leider nicht. Der Text ist gleichwohl vergnüglich, inhaltlich leicht zugänglich und kreativ-wortverspielt.

Diese Fortsetzungsgeschichte von Borst vom Forst erreicht meiner Ansicht nach nicht die gehaltvolle inhaltliche und sprachmelodische Qualität des ersten Bandes, taugt aber durchaus als luftig-leichte Kinderunterhaltung.

Eine Nachhilfestunde bei Goethen wäre hier – mit Verlaub – von Nöten.
Ein vielsagendes Beispiel aus Faust II:

»Und auf vorgeschriebenen Bahnen
Zieht die Menge durch die Flur;
Den aufgerollten Lügenfahnen
Folgen alle. – Schafsnatur!«

Beiläufig ein Zitat, daß sich trefflich auf die gegenwärtige „Diskussionskultur“ anwenden läßt.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.magellanverlag.de/titel/borst-vom-forst-will-hoch-hinaus/538

Hier entlang zum borstigen Vorgängerband:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/28/borst-vom-forst/

Die Autorin:

»Yvonne Hergane, geboren 1968, studierte Germanistik, Anglistik und Buchwissenschaft in Augsburg und München. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sie als freie Autorin und literarische Übersetzerin, wobei ihre besondere Liebe dem Bilderbuch gehört – das Spiel mit Worten, Lauten und Reimen ist ihre Art, Musik zu machen. Einer mehr war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Nach mehreren kleinen und großen Sprüngen durch die Geografie lebt Yvonne Hergane derzeit mit ihrer Familie nahe der Nordsee.«

Die Illustratorin:

»Wiebke Rauers, geboren 1986, studierte Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration in Düsseldorf. Nach ihrem Diplom zog sie nach Berlin und arbeitete dort fünf Jahre als Charakterdesignerin in einem Animationsfilmstudio. 2015 machte sie sich als Illustratorin selbstständig. Seitdem arbeitet sie hauptsächlich an Büchern, Magazinen und Charakterdesigns.«

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Das ist mein Papa!

  • Text & Illustration von Mies van Hout
  • Originaltitel: »Dit is mijn papa!«
  • Übersetzung von Maria Werner
  • aracari verlag, 1. Auflage August 2020 www.aracari.ch
  • Format: 20,5 x 20,5 cm
  • 16 Seiten
  • durchgehend vierfarbig
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 16,50 sFr.
  • ISBN 978-3-907114-16-2
  • Pappbilderbuch ab 1 Jahr (laut Verlag)
  • ab 2 Jahren (nach meiner Einschätzung)

Das ist mein Papa

PAPAS  ZUM  AUSSUCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit diesem Bilderbuch können kleine Menschenkinder kleinen Tierkindern die richtigen Väter zuordnen.

So fragt etwa der kleine Igel: „Wer ist mein Papa?“, und auf der gegen- überliegenden Seite werden folgende vier Kandidaten zur Auswahl angeboten: Stachelschwein, Kaktus, Seeigel und Igel. Die anschließende Doppelseite zeigt dann den Igel-Papa in anschmiegsam-verspielter Interaktion zusammen mit seinem Igel-Kind.

Bei der Kaulquappe und der Raupe ist die Zuordnung für Kleinkinder selbstverständlich schwieriger, da sich die Körperformen deutlich unterscheiden. Entsprechende kindliche Naturvorerfahrungen wären hilfreich (wenn nicht sogar erforderlich) oder zusätzliche elterliche Erklärungen zur Metamorphose – was in Anbetracht der Alterszuordnung recht anspruchsvoll ist.   

Das ist mein Papa_Raupe

Illustration von Mies van Hout © aracari verlag 2020

Das ist mein Papa_Schmetterling

Illustration von Mies van Hout © aracari verlag 2020

Zum Abschluß fragt auch ein kleiner Junge, wer sein Papa sei. Dies gibt uns ein besonders lustiges Rätsel auf, denn zur Auswahl stehen ein Affe, eine Eule, ein Bär und ein Roboter. Und man muß schon genau hinsehen, um die Verkleidung zu erkennen.

Dieses Bilderbuch bietet Kindern und Eltern unterhaltsamen Rätselspaß und beiläufig etwas Naturkunde. Die leuchtend farbenfrohen Illustrationen von Mies van Hout sind graphisch sehr klar und minimalistisch und gleichwohl mimisch ablesbar. Mies van Houts Bildersprache verfügt über einen ganz unmittelbaren kindgemäßen Charme, der Kindern übrigens auch ein anregendes Vorbild fürs Selbermalen sein kann.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.aracari.ch/page/de/buecher/detail?id=292

Die Autorin & Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 geboren und studierte an der Kunstakademie in Groningen Grafikdesign. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin und hat seitdem viele Bilderbücher illustriert. Ihr Buch »Brave Ben« wurde mit dem niederländischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet.«

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In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung

  • Text von Jean E. Pendziwol
  • Illustrationen von Nathalie Dion
  • Originaltitel: »I Found Hope In A Cherry Tree«
  • Aus dem Englischen von Richard Rosenstein
  • Verlag Freies Geistesleben, August 2020 www.geistesleben.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27 x 22,5 cm
  • 44 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7725-2917-7
  • Bilderbuch ab 3 Jahren (laut Verlag)
  • frühestens ab 4 Jahren (nach meiner Einschätzung)
    In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung 9783772529177

H O F F N U N G S K N O S P E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein kleines Mädchen betrachtet gemeinsam mit seiner hellgrauen Katze spielerisch und entdeckungsfreudig das abwechslungsreiche Erschei- nungsbild des eigenen Schattens je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung. Katze im Sprung

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Draußen in der Natur lauscht das Mädchen der Sprache des Windes und der Sprache der Bäume. Überall nimmt sie Geschichten wahr, läßt die Natur zu sich sprechen. Und wenn sie später des Nachts auch wildere wölfischere Geschichten erahnt, dann zähmt sie die Wölfe (Ängste) durch das Erzählen eigener Geschichten.

Im Herbst sieht sie die zarten Knospen auf den entblätterten Ästen des Kirschbaumes und erkennt darin die unermüdliche Hoffnung des Kirsch- baums auf die Wiederkehr des Frühlings und die Entfaltung seiner Blüten.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung.Winterbaum

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Im Winter bewundert das Mädchen die unerschöpfliche Vielfalt und Schönheit der Schneeflocken, und wenn sie Schneeflocken mit ihrer Zunge auffängt, schmecken die Schneeflocken für sie nach Wolken.

„In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung“ ist ein leises, meditatives Bilderbuch, in dem nicht viel geschieht, außer daß ein kleines Mädchen die Innenräume seines Zuhauses und die offensichtlich nahegelegene Natur- umgebung sinnlich und seelisch erkundet und erlebt. Das Mädchen verfügt über eine empfindsame, kontemplative Perspektive, die auch im lyrischen Erzählton zum Ausdruck kommt. Die attraktive Lichttransparenz der sanften, puderig-pastelltönigen Illustrationen korrespondiert harmonisch mit dem poetischen Atem, der hier zwischen den Zeilen schwingt.

In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung.Frühlingsbaum

Illustration von Nathalie Dion © Verlag Freies Geistesleben 2020

Leider ist die Erzählweise in diesem Bilderbuch – gerade in Hinsicht auf die kindliche Zielgruppe – nicht sinnvoll strukturiert. Die Vermischung der drei Themen – Spiel mit Licht und Schatten, Angstüberwindung durch Erzählen und Naturpoesie – ordnet sich nicht zu einem schlüssigen roten Faden, sondern zerfranst. So hinterläßt diese Geschichte zwar einen poetischen, aber doch fragmentarischen Eindruck, der meiner Ansicht nach nur bedingt und stellenweise das Interesse von Kindern wecken kann. 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.urachhaus.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/In-einem-Kirschbaum-fand-ich-Hoffnung.html

Die Autorin:

»Jean E. Pendziwol ist im Nordwesten Ontarios geboren und aufgewachsen. Ihre Bücher sind in Kanada mehrfach ausgezeichnet worden. Im Verlag Freies Geistesleben liegt ihr Bilderbuch „In einer weißen Winternacht“, mit Illustrationen von Isabelle Arsenault, bereits in der dritten Auflage vor.«

Die Illustratorin:

»Nathalie Dion, in Québec geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet heute als Illustratorin in Montreal. „In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung“ ist ihr erstes Buch, das auch in deutscher Sprache vorliegt.«

Querverweis:

Eine harmonische Ergänzung ist das ebenfalls von Jean E. Penziwol verfaßte geheimnisvoll-naturpoetische, sehr winterstimmungsvolle Bilderbuch „In einer weißen Winternacht“: In einer weißen Winternacht

PS:
Diese Bilderbuchbesprechung füge ich gerne Petra Pawlofskys Gemeinschaftsprojekt „Zündstoff Hoffnung“ hinzu: Zündstoff Hoffnung – Ein Gemeinschaftsprojekt

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Kleine Schneeflocke

  • Text und Illustration von Benji Davies
  • Originaltitel: »Snowflake«
  • Deutsche Übersetzung von Ebi Naumann
  • Aladin Verlag, September 2021 www.aladin-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 23,5 x 31,1 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8489-0196-8
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Kleine Schneeflocke Titelbild

S C H N E E F L O C K E N E R W A R T U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine frische, neugeborene Schneeflocke sinkt auf die Erde herab. Sie ist noch etwas unsicher und orientierungslos und wird vom Wind hin und her gewirbelt. 

Parallel zur Reise der kleinen Schneeflocke ist ein kleines Mädchen namens Noёlle zusammen mit ihrem Großvater auf dem Nachhauseweg. Unterwegs durch die Stadt kommen sie an einem großen Schaufenster vorbei, in dem ein schön geschmückter Weihnachtsbaum mit einem leuchtenden Stern auf der Spitze steht. Noёlle äußert den Wunsch nach einem solchen Weihnachtbaum, doch der Großvater vertröstet seine Enkelin auf das nächste Jahr.

Kleine Schneeflocke Tannenbaum.

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Auch die Schneeflocke sieht auf ihrem Flug diesen Weihnachtsbaum, und sie wünscht sich, selbst ein solcher Stern auf einem Tannenbaum zu sein. Doch der Wind trägt die Schneeflocke weiter, und sie bekommt Gesellschaft von vielen, vielen weiteren Schnee-flocken und wirbelt und tanzt mit ihnen durch die Winterluft.

Kleine Schneeflocke Schneeflockenwirbeln

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Noёlle hat unterdessen kurz vor ihrem Zuhause einen verlorenen Tannenzweig gefunden und als kleinen Tannenbaum adoptiert. Sie steckt den Zweig in einen Blumentopf und bastelt bunten Weihnachtsschmuck. Diesen geschmückten Baum stellt sie nach draußen auf die Fensterbank, in der Hoffnung, daß am nächsten Tag echter Schnee ihre Weihnachtsbaumdekoration ergänzen werde.

Am nächsten Morgen merkt Noёlle sofort, daß sich die Welt leiser und weicher anfühlt, es muß also über Nacht geschneit haben. Sie läuft vorfreudig zum Fenster und bestaunt die Winterlandschaft. Und die Spitze ihres Weihnachtsbäumchens krönt eine stolze Schneeflocke, die endlich ihren Platz gefunden hat und durch die Reflektion des Morgen- sonnenlichts weithin sternenhell leuchtet.

Kleine Schneeflocke Fensterbank

Text und Illustration von Benji Davies © Aladin Verlag 2021

Benji Davies Illustrationen bieten eine stimmige weihnachts-winterliche Atmosphäre mit szenischem Wechsel zwischen Außen- und Innenräumen, der sich auch in den jeweils dunkelkühlen und lichtwarmen Farbkontrasten spiegelt. Begleitet werden die Bilder von sinnlich-konkreten Beschrei-bungen, die den Empfindungen und den Wahrnehmungen des kleinen Mädchens und der kleinen Schneeflocke Ausdruck geben.

Noёlle wohnt in einem sehr bescheidenen Haus am Stadtrand, der finanzielle Spielraum ihrer Familie ist gering – so reicht es offensichtlich nicht für den Kauf eines Weihnachtsbaumes. Gleichwohl strahlt Noёlles Zuhause warmherzige Geborgenheit und Gemütlichkeit aus. Noёlle wirkt zufrieden, denn sie hat ein Talent zur Freude an kleinen Dingen, und sie erkennt mit natürlich-kindlicher Empfänglichkeit die Schönheit des Augenblicks.

In dieser feinfühlig-friedlichen vorweihnachtlichen Geschichte verbinden sich zwei einander ergänzende erfüllte Wünsche zu einer schneeleisen gemeinsamen Freude.

Hier entlang zum Bilderbuch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/kleine-schneeflocke-isbn-978-3-8489-0196-8

Der Autor und Illustrator:

»Benji Davies, geboren und aufgewachsen in Peterborough / Großbritannien, studierte Animation. Mit den Veröffentlichungen seiner Illustrationen ging ein Kindheitstraum für ihn in Erfüllung. Heute lebt und arbeitet er in London. Vier seiner Bilderbücher sind bisher bei ALADIN erschienen, zuletzt »Nick und das Meer«. Für »Opas Insel« wurde er 2015 mit dem renommierten »AOI Illustration Award« ausgezeichnet.   «

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Schneeglück verschenken

  • Text und Illustration von Heyjin Go
  • Atlantis Verlag, September 2020 www.atlantis-verlag.ch
  • Originaltitel: »Gift Box of Bear«
  • Deutsche Textfassung von Eva Roth und Hans ten Doornkaat
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 44 Seiten
  • Format: 25 x 24 cm
  • 17,00 € (D), 17,50 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0795-7
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

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WENN EIN GESCHENK VOM WINTER IN DEN SOMMER REIST

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Herr Bär pflegt eine Freundschaft mit zwei Girlitzen. Im Herbst fliegen seine gefiederten Freunde in wärmere Gefilde. Herr Bär und die Girlitze winken sich noch einmal zu, und dann zieht sich Herr Bär in den Winterschlaf zurück.

Der Winter kommt und mit ihm eine Menge Schnee. Einige Waldtiere, die keinen Winter-schlaf halten, veranstalten an einem sonnigen Wintertag eine lustige und unüberhör- bare Schneeballschlacht. Herr Bär wird wach, schimpft über die Ruhestörung und marschiert ärgerlich hinaus. Doch draußen in der verschneiten Landschaft verfliegt sein Ärger, und er staunt über den verwandelten Wald, schmeckt Schneeflocken ab und springt und tanzt freudig umher – denn Schnee sieht er zum ersten Mal.

Herr Bär begegnet bei seiner Schnee-Erkundung einer Maus und erklärt ihr, daß er dieses Schneewunder gerne den Girlitzen zeigen möchte. Die Maus regt an, einen Schneemann zu bauen und diesen an die Girlitze zu schicken. Sie hilft auch eifrig mit, dafür Schneekugeln zu rollen, bis ihr die Pfötchen zu kalt werden und sie sich verab- schiedet. Der Bär bedankt sich und baut weiter an seinem Geschenkschneemann.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis Verlag, Zürich

Ein Hase kommt vorbei und spendiert eine schöne Möhre als Nase und zusätzlich einen seiner Wollhandschuhe. Sodann stellt Herr Bär den Schneemann in ein großes Einmach-glas und macht sich auf den Weg zur Post. Unterwegs trifft er einen Fuchs, der für die Ausstattung des Schneemanns einen Hut spendiert, und ein Schwein, das der Schnee-mannbekleidung noch einen roten Schal hinzufügt.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Nun reist der Schneemann mit all seinen Accessoires per Postpaket vom Winter in den Sommer. Die Girlitze freuen sich sehr über das Paket von Herrn Bär. Bis zu seiner Ankunft hat sich das Schneegeschenk selbstverständlich sehr verändert. Der Schnee-mann ist geschmolzen, im Einmachglas schwimmt der Hut zusammen mit Schal und Handschuh auf dem Wasser.

Die Girlitze deuten Herrn Bärs Geschenk als Teich und den Hut als Boot, das ausge-polstert mit dem roten Schal ein komfortabeles Plätzchen für die Girlitze bietet. So  geht der Wunsch Herrn Bärs, seine Schneefreude mit den Girlitzen zu teilen, bei aller Verwandlung doch noch in Erfüllung.

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Illustration von Heyjin Go © 2020 Atlantis, Zürich

Die Illustrationen hat Heyjin Go in einer Kombination aus Buntstift- zeichnungen und digitaler Collage gestaltet. Die landschaftliche Kulisse erscheint bei den Szenen im Winterwald in gedeckten, winterlichen Farbschattierungen und hellem Schneeweiß, die Tierfiguren in natürlichen Fellfarben – eine witzige Ausnahme sind die Schweine, die hier keine borstigen Wildschweine sind, sondern rosige Hausschweine.

Vereinzelte Farbtupfer, wie beispielsweise die kupferorange Farbtönung der Fuchsfelle und der rote Wollschal heben sich vor diesem Hintergrund kontrastreich ab. Die sommerlichen Szenen bei den Girlitzen erstrahlen hingegen in warmen, grünen und sonnigen Farbtönen, die gut zur sonnen- gelben Färbung der Girlitze passen.

Die Autorin und Illustratorin Heyjin Go erzählt eine heitere, leichte und lebensbejahende Geschichte über die Freude des Schenkens. Herr Bär zeigt anschaulich seine Freude und Dankbarkeit angesichts einer neuen beglück- enden Erfahrung, und er ist sogleich davon erfüllt, diese Freude mit anderen zu teilen. Und auch die anderen Tiere, die freigiebig etwas zum Schneemanngeschenk beitragen, sind offensichtlich fähig und bereit zur Mitfreude.

„Schneeglück verschenken“ ist ein schönes Bilderbuch für alle kleinen und großen Freudenverteiler.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.atlantisverlag.ch/heyjin-go-schneeglueck-verschenken/

Die Autorin & Illustratorin:

»HEYJIN GO lebt in Südkorea. Sie studierte Grafikdesign und liebt es, sich in ihren Büchern mit der Welt der Kinder und Naturthemen auseinanderzusetzen. Sie gewann die Silbermedaille des koreanischen Hans-Christian-Andersen-Preises 2015 mit ihrem Bilderbuch A Happy Fox. 2016 war sie für den Bologna Ragazzi Award nominiert, und 2017 gewann sie einen Preis des internationalen Bilderbuch-Illustrationswettbewerbs Nami Island.«

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Die tanzende Waldmaus

  • Text und Illustration von Pirkko-Liisa Surojegin
  • Originaltitel: »Metsähiiren tanssi«
  • Aus dem Finnischen von Peter Uhlmann
  • Verlag Urachhaus, Juli 2021 http://www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 26,5 cm
  • 24 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-5209-3
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

Die tanzende Waldmaus Titelbild

FRIEDE,  FREUDE,  PILZSUPPE !

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Tiere des Waldes (Bär, Wolf, Fuchs, Hase, Dachs, Eichhörnchen) haben einen großen Korb voller Pilze (Trompetenpifferlinge) gesammelt. Nur die kleine Waldmaus hat nicht mitgesammelt, da sie zu klein dafür ist. Schlecht gelaunt betrachtet sie den Berg von Pilzen und fühlt sich klein, schwach und ungenügend. Freundlich bietet der Dachs ihr an, daß sie doch gerne beim Pilzsuppekochen helfen könne, doch die Waldmaus ist trotzig und schimpft, daß ihr die Suppe ganz egal sei.

Während sich die anderen Tiere auf den Weg zu einer Lichtung machen, bleibt die Maus alleine im Wald zurück und fühlt sich noch winziger als zuvor. Schweren Herzens liegt die Waldmaus auf dem Waldboden, die herabfallenden Blätter wirbeln um sie herum und legen sich auf das kleine Mäusekörperchen. Wütend bekämpft sie die Blätter und versucht sie einzufangen. Doch nach und nach macht es ihr Spaß, den Blättern nach- zujagen und dabei hoch in die Luft zu hüpfen, freudig tanzt sie mit den Blättern im Wind.

Inzwischen haben die anderen Waldtiere die Suppe fertig gekocht und auch schon mit dem Essen begonnen. Der Hase, der die Maus zum Suppe-Essen abholen will, schaut bewundernd zu, wie anmutig und naturtalentiert die Waldmaus tanzt, und macht ihr entsprechende Komplimente.

Die tanzende Waldmaus Tafel

Illustration von Pirkko-Liisa Surojegin © Verlag Urachhaus 2021

Beglückt folgt sie dem Hasen zur Lichtung und bekommt einen duftenden Teller Suppe serviert. Der Hase erzählt den Tieren, wie schön die Waldmaus tanzen könne und führt anschaulich ihren Waldmaustanz vor. Schließlich tanzen Bär, Wolf, Fuchs, Hase, Dachs und Eichhörnchen ausgelassen mit. Die kleine Waldmaus schaut glücklich zu und futtert ihre Suppe.

Die tanzende Waldmaus Alle Tiere tanzen

Illustration von Pirkko-Liisa Surojegin © Verlag Urachhaus 2021

Pirkko-Liisa Surojegins ebenso naturalistische wie märchenhafte Illustrationen erschaffen eine stimmungsvolle, herbstliche Waldszenerie mit sehr ausdrucksvollen Tierfiguren, die über lebhafte Körpersprache und Mimik verfügen. Die anheimelnd-friedliche Atmosphäre des Miteinanders der Tiere sowie die feinen Details ihrer sozialen Interaktion dürften ihre lauschig-entspannende Wirkung auf die betrachtenden Kinder kaum verfehlen.

Es ist eine durchaus empfehlenswerte Methode, schlechte Laune wegzutanzen. Was der kleinen Waldmaus in dieser Geschichte gelingt, wäre auch für kleine Kinder einen Versuch wert.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Die-tanzende-Waldmaus.html

Die Autorin und Illustratorin:

»Pirkko-Liisa Surojegin, geboren 1950 in Kuopio, Finnland, studierte Grafikdesign an der Kunst und Designuniversität Helsinki und ist seit 1981 freiberufliche Illustratorin und Autorin. Für ihre stimmungsvollen, fein ausgearbeiteten Bilder in Lehrbüchern, Bilder- und Märchenbüchern sowie dem Nationalepos Kalevala ist sie in Finnland so berühmt wie beliebt. Im Verlag Urachhaus sind von ihr bereits Untu und das Geheimnis des Lichts und Von Fuchs, Wolf und Bär… Tiermärchen aus dem hohen Norden erschienen.«

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren attraktiven von Pirkko-Liisa Surojegin illustrierten und von Nora Surojegin geschriebenen Buch: „Untu und das Geheimnis des Lichts“: Untu und das Geheimnis des Lichts
Diese märchenhafte Geschichte für Kinder ab 6 Jahren vermittelt eine faszinierende vorchristliche Weihnachts- bzw. Wintersonnenwendstimmung, die mit interessanten mythischen Charakteren, elementarer, wilder Naturkraft und lebhafter Lebensbejahung aufwartet.

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Trolle, Wichtel, Pixies und Waldwesen aus aller Welt

  • Text und Illustration von Malin Neumann
  • BOHEM Verlag 2020  www.bohem-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 28,4 cm
  • 52 Seiten
  • vollfarbig
  • 18,95  € (D), 19,50 (A), 25,50 sFr.
  • ISBN 978-3-95939-078-1
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

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B A U M L E B E W E S E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Gesichter in Baumrinden, Blätterraschelworte, Licht- und Schattenspiele, die flüchtige Gestalten erscheinen lassen, welche beim genauen Hinsehen wieder verschwunden sind und dennoch den Eindruck hinterlassen, daß uns da für einen Zauberaugenblick mehr als das Offensichtliche erschienen ist – so führt Malin Neumann mit den einleitenden Zeilen ihres Bilderbuches Kinder sogleich atmosphärisch in die Natur und gleichsam zur Wahrnehmungsschwelle zwischen sichtbarem und unsichtbarem Leben.

In allen Kulturen gibt es Legenden und Überlieferungen, die von kleinen und großen naturmagischen Wesen und Naturgöttern berichten. Malin Neumann hat solche Legenden und Überlieferungen aus aller Welt zusammengetragen und erzählt sie in kindgemäß komprimierter Bündelung nach. Stilistisch sind diese Texte jedoch im Gegensatz zum Einstimmungs- und Ausklangstext weitgehend eher informativ-sachlich-lexikalisch formuliert – ob diese Kurzbeschreibungen Kinder emotional ansprechen sei dahingestellt.

Waldwesen SKOVNISSE

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Zwischen PAN und PIXIES begegnen wir u.a. den CANOTILAS (kleine Baumbewohner) der nordamerikanischen Indianer, der YOSHINBO (Pflanzenmutter) und dem LUPUNA (Weltenbaum) aus dem Amazonas-Regenwald, dem perfekt getarnten GHILLIE DHU aus Schottland, der verirrten Kindern den Weg aus dem Wald zeigt, und dem dänischen SKOVNISSE, der seine Wohnhöhle gerne unter den Wurzeln alter Buchen einrichtet; wir erspähen den scheuen YEREN aus den chinesischen Bergwäldern, den gestaltwand- lerischen LESHY, den Schutzgeist aller Tiere und Pflanzen der sibirischen Kiefernwälder, und die japanischen KODAMA, zarte Baumgeister, die gerne außergewöhnlich geformte Bäume bewohnen und die von den Menschen durch kleine Steintafeln an den Baum- wurzeln geachtet und gewürdigt werden.

Malin Neumann gibt den zahlreichen Waldwesen und Naturgeistern mit zartfühlender Transparenz und einigen Prisen Humor zeichnerische Gestalt. Die Naturkulisse paßt sie einfühlsam den unterschiedlichen Landschaftsgegebenheiten an und gibt damit den jeweiligen Waldwesen heimatlichen Raum. Die letzte Doppelseite zeigt zudem auf einer Weltkarte eine Übersicht der zuvor vorgestellten Naturgeister.

Waldwesen FENGHUANG

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Es erscheint mir wünschenswert, Kindern die Natur nicht nur biologisch, ökologisch und materiell nahe zu bringen, sondern ihnen auch eine Ahnung von der Beseeltheit der Natur zu vermitteln oder gegebenenfalls zu bestätigen. Dieses Bilderbuch verschafft Kindern einen unaufgeregten Zugang zu archetypischen Wesen, appelliert an Achtsam-keit gegenüber der Natur und regt dazu an, die Wirklichkeit auch mit den inneren Sinnen wahrzunehmen.

„So ein Baum ist leise, sanft und langsam – niemals wird einer lautstark Hilfe einfordern.
Sei gut zu ihm.“

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.bohem.ch/katalog/trolle-wichtel-pixies-und-waldwesen-aus-aller-welt/

Die Autorin und Illustratorin:

»Malin Neumann, geb. 1995, wuchs im Ruhrgebiet auf und studiert Design mit den Schwerpunkten Mediendesign und Illustration an der MSD Münster. Beim Illustrieren liebt sie den Moment, wenn gezeichnete Figuren anfangen vom Papier zurückzublicken und freut sich besonders über Regentage – die beste Zeit für kreatives Arbeiten. Sie lebt und arbeitet in Münster.« http://malin-neumann.de/

Waldwesen-PIXIE mit Geige

Copyright © Bohem Press, Illustration: Malin Neumann

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Was macht Püüüp?

  • von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels
  • illustriert von Nikolai Renger
  • Esslinger Verlag, Juli 2021, www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 232 x 300 mm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-480-23669-5
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

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L A U T M A L E R E I

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Püüüp ist ein kleines, gelbes Geräusch, das noch nicht weiß, zu welchem Lebewesen oder Ding und einer entsprechenden Tätigkeit oder Funktion es gehört. Seine erste Begegnung mit einem anderen Geräusch ist die mit dem tropfenförmigen, blauen PLOPP, das für das Wassertropfengeräusch zuständig ist. Plopp erklärt Püüüp, daß er selbst herausfinden müsse, wer oder was PÜÜÜP mache, und dann sei er an seinem richtigen Platz als Geräusch angekommen und könne „geräuscheln“.

Vorfreudig sucht Püüüp nun verschiedene Orte auf. Im städtischen Straßenverkehr und auf einer Baustelle lernt er viele laute Geräusche kennen – von BRUMM über TA TÜÜ TA TAA bis RATATA. Im Konzerthaus lauscht Püüup musikalischen Tönen, indes weisen diese notenförmigen Töne, die Namen wie Cis, Fis, G und hohes C tragen, Püüüp etwas herablassend darauf hin, daß er als simples Geräusch bei Tönen nicht erwünscht sei.

Im nahegelegenen Museum trifft Püüüp auf einem Dinosaurierskelett ein freundliches, sehr altes Geräusch, welches das Dinosaurierbrüllen verkörpert und nun zu seinem Bedauern nur noch manchmal heimlich ein ROAAAH durch das leere Museum brüllt.

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Illustration von Nikolai Renger/Text von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels © Esslinger Verlag 2021

Im Supermarkt rattert ihm als erstes RATTER über den Weg, der für das Rattern der Einkaufswagen zuständig ist. Nach einer püüüpsigen Geräuschprobe meint Ratter, daß Püüüp vielleicht im Kassenbereich zuständig sein könne. Doch das hektische PLIPP, PLIPP, PLIPP des Wareneinlesegeräts ist auch nicht das richtige für Püüüp.

Im Wald lernt Püüüp viele Naturgeräusche kennen, es klackt, knackt, knockt, pock pockt, plätschert, raschelt und tschilpt und echot sogar, aber auch die wilde Natur scheint nicht der passende Ort für ihn zu sein.

Püüüp fühlt sich inzwischen schon ganz überflüssig und unerwünscht, da zieht es ihn unwiderstehlich in einen Garten – aufmerksame Bilderbuchkinderaugen werden gewiß wiedererkennen, daß es der gleiche Garten ist, in dem Püüüp sich zum ersten Male manifestiert hat.

Dort entdeckt Püüp zwischen den Geräuschen QUIETSCH (Schaukel), PLATSCH (Plansch-becken) und SCHLÜRF (Trinkgläser) ein kleines Kind, das die Lippen zum Pfeifen gespitzt hat, ohne daß ein Geräusch dabei entsteht. Nun hat Püüüp endlich seine Bestimmung gefunden …

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Illustration von Nikolai Renger/Text von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels © Esslinger Verlag 2021

Es ist eine ebenso lustige wie analog-anschauliche Idee, Geräuschen personifizierte Gestalt zu geben. Sind Geräusche sonst eher etwas für die atmosphärische Kulisse einer Geschichte, so stehen sie hier einmal als lebhafte Charakterfiguren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Die visuelle Darstellung der Geräusche ist höchst amüsant. Ganz besonders pfiffig sind die bühnenreifen Gesellen TA TÜÜ TA TAA, aber auch die eleganten Noten, der zackige RATTER, der wassertropfige PLOPP und die LAUBRASCHEL sowie das schwungvolle ECHO. Der kleine großäugige Püüüp selbst ist von rundlich niedlicher Gestalt und zudem ziemlich geräuschempfindlich. Seine offensichtliche Verletzlichkeit weckt Beschützer-instinkte, und seine Suche nach Zugehörigkeit ist für Kinder unmittelbar verständlich.

Das größte Vergnügen werden Kinder wohl an den vielen buchstäblich lautmalerischen Geräuschen haben, die man beim Vorlesen dieser Geschichte leicht dramaturgisch inszenieren kann. Kinder werden gewiß auch gerne diese Geräusche mitsprechen oder vielleicht sogar spontan noch weitere Geräusche hinzufügen wollen.

„Was macht Püüüp?“ ist ein heiteres Erhörungsbuch/BilderHÖRbuch, das mit der personifizierten, visuellen und lautmalerischen Darstellung von Geräuschen vielsaitige vorlesemitspielerische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/produkt/was-macht-pueueuep-isbn-978-3-480-23669-5
Und hier entlang zum sehenswerten BILDERBUCHWERBEFILMCHEN:
https://www.thienemann-esslinger.de/blog/buchtrailer-zu-was-macht-pueueuep

Die Autoren:

»Bernhard Hoëcker, 1970 in der wunderschönen Pfalz geboren, begann seine künst-lerische Karriere indem er auf Kindergeburtstagen Bälle in die Luft warf und meistens wieder auffing. Nachdem er sein Wirtschaftsstudium erfolgreich abgebrochen hatte, konzentrierte er sich ganz auf seine Arbeit als Fernseh- und Bühnenkünstler. Er be-geisterte Jugendliche, indem er zeigte wie gefährlich es ist Silvester-Raketen in ge-schlossenen Räumen zu zünden. Mit seinen Geo- caching-Büchern locken Kinder ihre Eltern raus in die Natur, und er bringt Enkel und Groß- eltern wieder zusammen, die dann gemeinsam vor dem Fernseher sitzen und raten. Für die ganz Kleinen leiht er seine Stimme „Trudes Tier“, liest mit der Stiftung Lesen in Kindergärten und hat jetzt alle seine Lieblingswörter in einem Kinderbuch zusammengefasst: knarz, ratter und plopp.«

»Eva von Mühlenfels wurde 1979 geboren und wuchs in der romantischen Quadratestadt Mannheim auf, wo sie nach der Schule Anglistik studierte. Ihre akademische Reise begann im Barockschloss und endete in Zentralalaska, wo sie zwischen Bären und Elchen in einer Block- hütte im Wald wohnte. Entsprechend geradlinig ging es nach ihrem Studium schnurstracks nach Köln zum Fernsehen. Dort werkelte sie als Producerin an verschiedenen Unterhaltungs-Formaten, die unter anderem mit dem Comedy- und Grimmepreis ausgezeichnet wurden. Um auch außerhalb der besten Sendezeit wunderschöne Comedy zu erleben, machte sie eine Fernsehpause und gründete eine Familie. Ihre gesammelten Erfahrungen aus Sprachwissen- schaft, Eiseskälte, Geschichtenerzählen und dem Abkratzen getrockneter Haferflocken stopfte sie in einen Sack, schüttelte ihn, warf ihn gegen die Wand und herunterfiel das erste Kinder- buch. Und manchmal, wenn es bitterkalt ist, und die Kinder schon schlafen, heult sie noch heute den Mond an. Haouuuu!«

Der Illustrator:

»Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation an der HFG in Pforzheim. Er ist als freiberuflicher Illustrator für  verschiedene Verlage und Agenturen tätig und arbeitet seit 2013 im Atelier Remise in Karlsruhe.«

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