Die Non-Paul-Temples

  • von Francis Durbridge
  • Übersetzungen von Hanns Hammelmann, Marianne de Barde, Max Faber
  • 4 Hörspiele:
  • Der Fall Greenfield SDR (heute: SWR) 1961
  • Nur über meine Leiche SDR (heute: SWR) 1963
  • La Boutique SWF (heute: SWR)/hr 1967
  • Tief in der Nacht MDR 2000
  • Sprecher: Friedrich Schönfelder, Lotte Betke, Heinz Schimmelpfennig,
  • Peter Fricke, Irm Hermann, Friedhelm Ptok u.v.a.
  • DAV Verlag, April 2022 www.der-audio-verlag.de
  • 1 mp3-CD
  • in Pappklappschuber
  • Laufzeit: 4 Stunden, 35 Minuten
  • 15,00 €
  • ISBN 978-3-7424-2329-0

Non-Paul-Temples Hörspiele
R A D I O – N O S T A L G I E

Hörbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Meine erste Bekanntschaft mit den legendären Francis-Durbridge-Kriminalhörspielen und dem Privatdetektiv Paul Temple machte ich erst im Jahr 2000. Bei den Radioerstaus-strahlungen aus den 50er- und 60er-Jahren war ich noch nicht auf dieser Welt oder noch ein Kleinkind.

Doch ab dem Jahr 2000 wurden einige dieser Hörspiele nach und nach – beim Hörverlag und DAV-Verlag – als Hörspiel-CDs neu aufgelegt. Ich war sogleich begeistert und habe diese Hörspiele eines nach dem anderen regelrecht„verschlungen“.

Die vorliegenden Non-Paul-Temple-Hörspiele sind zwar kürzer als die klassischen Paul-Temple-Hörspiele und dementsprechend ist die Handlung nicht so ausführlich und die Figurenzeichnung knapper, gleichwohl sind die Dramaturgie und der spezielle Stil von Francis Durbridges Dialogführung nicht zu überhören.

„Der Fall Greenfield“ handelt von der Rekonstruktion und Neubewertung eines älteren Mordfalls in Zusammenhang mit einem verrückten Schriftsteller, der sich mehrfach fälschlich selbst des Mordes bezichtigt hatte.

„Nur über meine Leiche“ ist eine Krimimalkomödie und wartet mit amüsanter Genre-selbstironie auf. Ein Theaterschauspieler-Pärchen beklagt sich bei der Autorin der Stücke, für die sie seit Jahr und Tag auf der Bühne stehen, daß ihre Fälle klischeehaft seien und sie doch bitte einmal etwas anders – sprich Lebensnahes – schreiben solle. Sie hätten die „abgegriffenen Figuren“ wie den unerschrockenen Privatdetektiv, seine adrette Gattin, den geheimnisvollen Professor, den geistesabwesenden Doktor etc. satt.

Doch dann stolpern die beiden auf dem Weg in den Urlaub über eine Leiche in einen echten Mordfall und erfahren lebhaft exakt die Klischees, die sie für konstruiert und überzogen gehalten hatten. Nach der Aufklärung des Falls sind sie mit ihrer Autorin wieder versöhnt.

 „La Boutique“ ist mit 130 Minuten das  längste Hörspiel dieser Sammlung und weist die größte Ähnlichkeit zu den klassischen Paul-Temple-Fällen auf. Der Fall ist sehr komplex mit vielen, verschlungenen verdächtigen Fährten. Kommissar Robert Bristol will den Mord an seinem Bruder Lewis Bristol, der ein bekannter Musiker war, aufklären. Der Tote wurde im Modesalon „La Boutique“ seiner Exfrau gefunden. Robert Bristols ehemalige Schwägerin ist erschüttert, gerät jedoch wegen einiger Unstimmigkeiten in ihren Aussagen in Verdacht.

Lewis Bristol hatte den Gürtel eines Damensommerkleids in seiner Manteltasche, worauf sich zunächst niemand einen Reim machen kann. Nach und nach tauchen noch weitere solcher Gürtel auf … ein geheimnisvoller Brief, eine schöne Unbekannte und ein zwielichtiger Millionär sorgen für dramatische Mißverständnisse und Verwicklungen, die nicht leicht aufzulösen sind.

Im vierten Fall „Tief in der Nacht“ gerät der Hotelier Carl Houston auf dem Rückflug von Australien in eine Flugzeugentführung. Dabei kann er das Leben seines Sitznachbarn Ronnie Sheldon retten, und er selbst kommt mit einem gehörigen Schrecken davon.

Zurück in England wird Carl Houston von Scotland Yard zu einem Koalaplüschtier befragt, das sich angeblich in seinem Handgepäck befunden habel. Da das Handgepäck jedoch während der Flugzeugentführung verloren ging und Houston wirklich nichts von einem solchen Plüschtier weiß, wundert er sich über die Hartnäckigkeit, mit welcher der Inspektor auf diesem Thema herumreitet und ihn zudem noch wie einen Verdächtigen behandelt. Als jedoch ein Mordversuch auf Carl Houston und seine Frau verübt wird, bemerkt auch der ahnungslose Houston, daß er unfreiwillig in kriminelle Machen- schaften eingebunden wurde…

Bei allen vier Hörspielen befindet sich die schauspielstimmliche Leistung durchgehend auf bewundernswert hohem Niveau und vermittelt gekonnt und prägnant Charme, Humor, Ironie, Rätselhaftigkeit, vielsaitige emotionale und intellektuelle Zwischentöne sowie die typische Durbridge-Zeitgeistatmosphäre mit sehr männlichen Herren und sehr weiblichen Damen. Altmodische Telefonwählscheibengeräusche und -Klingeltöne, Barmusik, Feuerzeugklicken, Käuzchenrufe, Verfolgungsjagden mit quietschenden Reifen und zerklirrenden Glasscheiben, Schüsse und klappernde Schreibmaschinen lassen unwillkürlich die passenden Schwarz-weiß-Bilder im Kopf entstehen und bereichern die ebenso dramatisch-spannende wie unterhaltsam-nostalgische Auditüre.

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.der-audio-verlag.de/hoerbuecher/die-non-paul-temples-durbridge-francis-978-3-7424-2329-0/

Der Autor:

»Francis Durbridge (1912 – 1998) geboren in Yorkshire, studierte Altenglisch und Volkswirt- schaft. Zunächst arbeitete er als Börsenmakler, wandte sich aber bald dem Schreiben zu. Er veröffentlichte zahlreiche Romane und Drehbücher und wurde erfolgreicher Hörspielautor der BBC. Seine Hörspielserie »Send for Paul Temple« erreichte Kultstatus. Die  Fernsehmehrteiler »Das Halstuch« oder »Das Messer« wurden europaweit zu Straßenfegern und legten das öffentliche Leben lahm.«

Querverweis:

Ergänzend empfiehlt sich zudem die Neuinszenierung des verschollenen alten Francis-Durbridge-Kriminalhörspiels „Der Fall Gregory“ durch BASTIAN PASTEWKA & KOMPLIZEN aus dem Jahr 2014: Paul Temple und der Fall Gregory
Das erste ins Deutsche übersetzte Kriminalhörspiel von Francis Durbridge, „Paul Temple und der Fall Gregory“, wurde 1949 gesendet und verschwand aus den Rundfunkarchiven. Einzig eine Karteikarte mit Löschvermerk blieb erhalten. Leider wurden auch bei der BBC zahlreiche Aufzeichnungs-Bänder gelöscht, und erst als das deutsche Skript wieder- gefunden worden war, konnte eine Rekonstruktion ins magische Auge gefaßt werden.
Diese rekonstruierte Paul-Temple-Version wartet mit einem geschickt choreographier- ten Drehbuch im Drehbuch auf, das sowohl mit der Hommage an die Kriminalrezeptur Francis Durbridges als auch mit den metafiktiven Kommentaren und der inszenierten Gruppendynamik der gegenwärtigen Darsteller einen ganz eigenen Reiz entfaltet.

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Die Silberkammer in der Chancery Lane

  • Band 9 der übersinnlichen Peter-Grant-Reihe
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »Amongst Our Weapons«
  • Deutsche Übersetzung von Christine Blum
  • Deutsche Erstausgabe
  • DTV Verlag, April 2022 www.dtv.de
  • Klappenbroschur
  • Format: 13,5 x 21 cm
  • 416 Seiten
  • 15,95 € (D), 16,40 € (A), 21,50 sFr.
  • ISBN 978-3-423-26331-3

Die Silberkammer in der Chancery Lane (Peter-Grant-Serie, Band 9).klein

DAS  GEWISSE  MAGISCHE  ETWAS  NR. 9

Rezension von Ulrike Sokul ©

Wenn Sie die Peter-Grant-Reihe noch nicht kennen, sollten Sie zunächst meiner Be-sprechung des ersten Bandes einen aufmerksamen Lesebesuch abstatten, um sich mit den außergewöhnlichen, übersinnlichen Rahmenbedingungen dieser Kriminalromane vertraut zu machen: Die Flüsse von London Also nicht nur anklicken, auch lesen, wenn ich bitten darf … ich warte hier solange gaaaanz geduldig auf Ihre Rückkehr … hmhm – sehr brav … also weiter im Text:

Der attraktive und sympathische Police Detective Peter Grant arbeitet – wie Sie ja hof-fentlich inzwischen wissen – für eine Sonderabteilung der Londoner Metropolitan Police, und er befindet sich, trotz seiner inzwischen beachtlichen magischen Berufserfahrung, nach wie vor in der Weiterbildung zum zauberkundigen Ermittler. Gemeinsam mit seinem Vorgesetzten, Meister und Ausbilder, dem stilvollen Gentleman-DCI Thomas Nightingale, bemüht er sich darum, weitere Kollegen und Kolleginnen für die magische Abteilung zu finden und auszubilden.

Denn: Erstens gibt es immer wieder magieverdächtige Kriminalfälle, zweitens ist die konventionelle Polizei der Zusammenarbeit mit der geheimen Sonderabteilung inzwischen deutlich zugeneigter, und drittens steht Peter Grant kurz vor dem Beginn seiner Elternzeit. Peter ist mit der Flußgöttin Beverley Brook verheiratet und das gemischt-magische Pärchen erwartet die Geburt von Zwillingen.

Die Londoner Flußgöttinnen erscheinen in ganz irdischer menschlich-körperlicher Gestalt, und sie üben auch ganz normale Berufe aus. Beverley absolviert beispielsweise gerade ein Studium, das Bezug zur Gewässerökologie hat. Indes sollte man die elemen- taren Kräfte dieser Flußgöttinnen und ihre weitverzweigten, mäandernden verwandt- schaftlichen Netzwerke keineswegs unterschätzen – da kann es durch emotionalen Aufruhr oder mangelhafte Huldigungen schon mal zu Überschwemmungen oder übersprudelnden Hydranten kommen.

Dementsprechend aufwendig sind die Vorbereitungen und Vorsichtsmaßnahmen für die Niederkunft der göttlich-menschlichen Zwillinge. Denn ein normales Geburtsbecken in einer Klinik genügt nicht. Doch dies sind harmlose Nebenschauplätze, um die sich mit zuverlässigem organisatorischen Weitblick Beverleys flußgöttliche Verwandtschaft kümmert.

Nun zurück zu Peter Grants Arbeit. Damit DCI Nightingale nicht ganz ohne magische Unterstützung bleibt, wenn sich Peter den Vaterfreuden widmet, wird Peters Kollegin Sahra Guleed zur würdigen Vertreterin geschult, und zudem gibt es neuerdings auch Danni, eine aufgeschlossene und effiziente Praktikantin, welche die vorübergehende Mitarbeit bei der magischen Polizeiabteilung interessanter findet als normale Fortbildungen.

Folgender magieverdächtiger Fall beschäftigt nun Peter, Nightingale, Guleed und Danni:
In den London Silver Vaults, einer unterirdischen Hochsicherheits-Einkaufspassage, in der traditionell Silberhändler ihre Waren feilbieten, kam es zu einem schauerlichen Mord. Der einzige Augenzeuge hat nichts gesehen außer einem Lichtblitz, und die Überwachungskameras sind spontan ausgefallen. Das Mordopfer wurde mit einer zunächst unbekannten Waffe getötet, präziser formuliert: dem Opfer wurde das Herz entnommen. Die Mikroprozessoren der Überwachungskameras wurden zerbröselt, was im Umkreis starker Magiegeschehnisse normal ist. 

Das Mordopfer wollte einen bestimmten Silberring zurückkaufen, den seine Exfrau angeblich in den Silberkammern an einen Händler verkauft hatte. Bei diesem Silberring handelt es sich um einen sogenannten Puzzlering, der sich zu einem Astrolabium entfalten läßt. Es stellt sich heraus, daß es einer von sieben Ringen ist, die einst von den „Söhnen Wielands“, ihres Zeichens geheim-magische Schmiedekünstler, hergestellt wurden.

Im weiteren Verlauf der Ermittlung finden Peter und Guleed weitere Personen, die einen solchen Puzzlering besitzen und die auf eine verdächtig besessene Art an ihrem jeweiligen Ring hängen.

Wenig später wird ein weiteres Mordopfer, ebenfalls Ringträger, gefunden, mit der gleichen tödlichen Verletzung wie das Opfer in den Silberkammern. Peters ehemalige, abtrünnige Kollegin Lesley May, die seit dem Ende des vierten Bandes ihre speziellen eigenen Absichten verfolgt, meldet sich unerwartet kooperativ und warnt Peter telefonisch vor einer schwer zu bändigenden magischen Gefahr.

Die Warnung ist berechtigt, denn dieses magische Wesen ist ein äußerst aerodyna-mischer Auftragskillerengel mit Flammenflügeln und Feuerspeer. Die Herkunft dieses Racheengels reicht weit zurück in die Zeit der spanischen Inquisition und deren Ver-strickung in diverse magische Praktiken. Der Racheengel ist selbst nur ein fremdge-steuertes, menschliches Instrument, und Peter hat nun den Ehrgeiz, nicht nur weitere Morde zu verhindern, sondern auch den Engel aus seinem Bann zu erlösen, was – beiläufig bemerkt – noch zu kniffligen ethischen Fragen hinsichtlich der Schuldfähigkeit magisch manipulierter Wesen führt.

Für diese anspruchsvolle Rettungsaktion braucht Peter nicht nur sein ganzes magisches Geschick, sondern auch seine mittlerweile differenzierten Lateinkenntnisse (Zauber-sprüche funktionieren nämlich nur in Latein) sowie eine große Portion magisch-experimentellen Wagemuts. Und sogar Lesley wirkt hilfreich bei dieser magischen Großoperation mit.

Der neunte Peter-Grant-Fall bietet eine komplex-verflochtene, buchstäblich mehrdimen-sionale Handlung mit komplizierter konventioneller und magischer Spurensicherung, charakterstarken Figuren, filmreifen, wortwitzigen Dialogen, aufregenden magischen Kampfszenen, amüsanten sozioarchitektonischen Kommentaren zur Stadtentwicklung Londons und entspannten familiär-häuslichen Szenen, garniert mit vorwitzigen sprechenden und (be)lauschenden Füchsen.

Neben zahlreichen magischen Zutaten und einer durchgehend niveauvoll-vielschich- tigen, vergnüglich-selbstironischen Sprache fehlt es Ben Aaronovitchs Roman selbstverständlich auch nicht an angemessener gesellschaftskritischer Ironie, wie nachfolgendes Zitat anschaulich beweist.

»Die Regierung war schon seit sechs Jahren dabei, die Kriminalitätsrate zu senken, indem sie die Zahl der aktiven Polizisten immer weiter reduzierte.« (Seite 55)

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/die-silberkammer-in-der-chancery-lane-26331

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wuchs in einer politisch engagierten, diskussionsfreudigen Familie in Nordlondon auf. Er hat Drehbücher für viele TV-Serien, darunter ›Doctor Who‹, geschrieben und als Buchhändler gearbeitet. Inzwischen widmet er sich ganz dem Schreiben. Er lebt nach wie vor in London. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.«

Die Übersetzerin:

»Christine Blum, geboren 1974 in Freiburg im Breisgau, studierte Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften, Russische Literatur, Musikwissenschaft und kurze Zeit auch Medizin. Seit 2002 übersetzt sie aus dem Englischen und Russischen. Für dtv überträgt sie u. a. Ben Aaronovitch ins Deutsche.«

Hier entlang zu den Vorgängerbänden:

Band 1: DIE FLÜSSE VON LONDON Die Flüsse von London
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO Schwarzer Mond über Soho
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET Ein Wispern über Baker Street
Band 4: DER BÖSE ORT Der böse Ort
Band 5: FINGERHUT-SOMMER Fingerhut-Sommer
Band 6: DER GALGEN VON TYBORN Der Galgen von Tyborn
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL Die Glocke von Whitechapel
Band 8: EIN WEISSER SCHWAN IN TABERNACLE STREET Ein weisser Schwan in Tabernacle Street

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE/Eine Peter-Grant-Story Geister auf der Metropolitan Line
Hier entlang zu Ben Aaronovitchs Schreibausflug in deutsche Gefilde:
DER OKTOBERMANN/Eine Tobi-Winter-Story  Der Oktobermann
Hier entlang zu einer Peter-Grant-Kurzgeschichten-Sammlung: 
DER GEIST IN DER BRITISH LIBRARY UND ANDERE GESCHICHTEN AUS DEM FOLLY Der Geist in der British Library
Hier entlang zu einer Abzweigungsgeschichte mit Peter Grants magisch hochbegabter Cousine Abigail und vielen sprechenden Füchsen:
DIE FÜCHSE VON HAMPSTEAD HEATH/Eine Abigail-Kamara-Story
Die Füchse von Hampstead Heath

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Der Mann, der zweimal starb

  • von Richard Osman
  • Originaltitel: »The Man Who Died Twice«
  • aus dem Englischen von Sabine Roth
  • Band 2 der MORDCLUB-Serie
  • List Verlag, Januar 2022 www.ullstein.de
  • Klappenbroschur
  • 448 Seiten
  • ISBN 9783471360132
  • 16,99 € (D), 17,50 € (A), 19,50 sFr.

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VON  EXEHEGATTEN  UND  EXAGENTEN

Oder: Diamonds are not always a girl‘s best friend

Rezension von Ulrike Sokul ©

Wer die vier Amateur-Detektive aus der luxuriösen Seniorenresidenz Coopers Chase (in der Grafschaft Kent, nahe der Stadt Fairhaven) noch nicht kennt, möge bitte meiner Rezension des ersten Falls „Der Donnerstagsmordclub“ einen aufmerksamen Lese- besuch abstatten: Der Donnerstagsmordclub

So, danke, daß Sie wieder da sind, nun gehe ich davon aus, daß Sie mit Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim, den Mitgliedern des Donnerstagsmordclubs, und mit PC Donna und DCI Chris, den Vertretern der Polizei von Fairhaven, vertraut sind.

Ergänzend sollte ich jedoch noch Bogdan Jankowski erwähnen, polnischer Universal- handwerker und Schachspieler, der, wenn es sich nicht vermeiden läßt, auch souverän und zielsicher mit Waffen umgehen kann und der bereits seit dem ersten Band mit stiller, unbestechlicher Zurückhaltung sozusagen als Außendienstmitarbeiter des Donnerstagsmordclubs fungiert.

Nach den Aufregungen der vergangenen Mordfälle findet Joyce ihr Leben beinahe etwas
langweilig, und sie erwägt die Anschaffung eines Hundes, was vom Donnerstagsmord- club kontrovers diskutiert wird. Ibrahim, der ehemalige Psychiater, rät von der Anschaffung eines Hundes ab, da die statistische Wahrscheinlichkeit, daß der Hund Joyce überlebt, bei einundfünfzig Prozent läge.

Die ehemalige Geheimagentin Elizabeth ist bei dieser Diskussion nicht ganz bei der Sache, da sie über eine rätselhafte Nachricht mit einer Einladung zu einem Besuch in einer der vielen Wohnungen von Coopers Chase nachdenkt, die heimlich unter ihrer Türe durchgeschoben wurde. Doch resolut und scharfsinnig, wie sie trotz ablenkender innerer Gedankengänge und geheimdienstlich-lebenserfahrener Rückblenden ist, kürzt sie die Diskussion damit ab, daß ein Hund eine freudige Bereicherung für alle wäre und Joyce ruhig einen Hund aus dem Tierheim retten solle.

Während der Mordclub das Für und Wider von Joyces‘ Hundeanschaffung erwägt, obser-vieren Donna und Chris die neue Drogengroßhändlerin von Fairhaven, Connie Johnson, die kurz nach dem spurlosen Verschwinden der vorherigen Drogengeschäftsbrüder auf-getaucht ist. Sie gehen der Frage nach, ob Connie Johnson nur die neue Drogenhändlerin ist oder auch die Mörderin ihrer Vorgänger. Mit dieser verdeckten Beobachtung hoffen sie, Beweismaterial zu finden.

Doch unversehens klopft Connie Johnson an ihr Autofenster, reicht ihnen freundlich lächelnd zwei Kaffeebecher und merkt an, daß sie ihrerseits die sie observierenden Polizisten observiert habe, übergibt noch einen Umschlag mit entsprechenden Fotos und erkundigt sich sehr nett nach der Marke von Donnas Lidschatten. Tja, soviel zum Thema unauffällige Beschattung.

Am nächsten Tag folgt Elizabeth der brieflichen Einladung und trifft auf ihren Exmann und Exkollegen Douglas Middlemiss, der sich in Coopers Chase eine konspirative Wohnung genommen hat. Denn er muß vorsichtshalber verschwinden und erwartet außerdem, daß Elizabeth – gemeinsam mit der bereits als Kellnerin für Coopers Chases‘ Speiselokal eingeschleusten jungen Agentin Poppy – auf ihn aufpaßt.

Douglas wird von Martin Lomax, einem Geldwäsche-Kaufman für internationale Ver-brechersyndikate, beschuldigt, einen Samtbeutel mit Rohdiamanten im Wert von 20 Millionen Pfund bei der geheimdienstlichen Durchsuchung seiner Villa entwendet zu haben. Es sei dazu erwähnt, daß für die Geldwäschevermittlung Pfandsachen in Form von wertvollen echten Gemälden, Erstausgaben der Canterbury Tales, chinesische Jade, Goldbarren usw. hinterlegt werden.

Die mörderische Kaskade sieht nun folgendermaßen aus: Die New Yorker Mafia, der die Diamanten gehören, wird Martin Lomax umbringen, wenn diese nicht innerhalb einer kurzen Frist zurückerstattet werden. Somit fühlt sich Martin Lomax zwangsläufig genötigt, seinerseits Douglas mit dem Tod zu bedrohen, sollte er nicht schleunigst die Diamanten rausrücken.

Gegenüber Elizabeth gibt Douglas sogar zu, daß er die Diamanten eingesteckt hat, um sich seinen Ruhestand auf den Bermudas zu versüßen. Elizabeth willigt ein – unter der Bedingung, daß der Donnerstagsmordclub eingeweiht wird -, Douglas zu beschützen.

Wie erfolgreich dieses Beschützen ausgeht, werde ich nicht verraten. Es folgen ein kom-plexes Diamantenversteckspiel, weitere kryptische Botschaften in stillen Briefkästen, Zahlenspielereien mit Schließfächern, die strategische Vortäuschung altersbedingter Verwirrung und eine außergewöhnliche Zusammenarbeit von Geheimdienst und Polizei, bei der sich am Ende mehrere Verbrecher gegenseitig beseitigen.

Joyce entpuppt sich als scharfsinniger und nervenstärker, als man ihr auf den ersten Blick zutrauen würde, und sie genießt offensichtlich die Interaktion mit den Geheim-dienstmitarbeitern und die zunehmende Achtung, die Elizabeth ihr zollt.

Ron, Ibrahim und Bogdan operieren diesmal eher im Hintergrund, werten unter auf-merksamer und findiger Mitwirkung von Rons kleinem Enkel Aufzeichnungen von Über-wachungskameras aus oder verkleiden sich als mafiöse Drogendealer – solche kleinen Dienstleistungen tragen indes auch zur Aufklärung bei.

Und welcher wohltätigen Organisation schließlich die 20 Millionen aus dem Verkauf der Rohdiamanten gespendet werden, dürfen Sie gerne selbst erlesen.

Der zweite Band der MORDCLUB-Serie ist ebenso humorvoll und warmherzig wie der erste Band, jedoch deutlich aufregender; was tut man als Schriftsteller nicht alles, um die aufkeimende Langeweile der liebenswerten alten Joyce zu vertreiben! Die Charak- tere sind inzwischen perfekt aufeinander eingespielt, die zwischenmenschlichen Entwicklungen sowohl beim älteren als auch beim jüngeren Romanpersonal weisen auf interessante neue Aussichten hin, die sich vielleicht im dritten Band konkretisieren werden. Bis dahin also – Abwarten und Teetrinken!

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/der-mann-der-zweimal-starb-die-mordclub-serie-2-9783471360132.html

Hier entlang zum ersten Band der MORDCLUB-Serie:
Der Donnerstagsmordclub

Der Autor:

»Richard Osman ist Autor, Fernsehmoderator und Produzent. Sein Debüt, „Der Donners-tagsmordclub“, war ein internationaler Riesenerfolg.  „Der Mann, der zweimal starb“  ist sein zweiter, gleichwohl erstbester Roman. Er lebt in London.«

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Der Donnerstagsmordclub

  • von Richard Osman
  • Originaltitel: »The Thursday Murder Club«
  • aus dem Englischen von Sabine Roth
  • Band 1 der MORDCLUB-Serie
  • List Verlag, Mai 2021, www.ullstein.de
  • Klappenbroschur
  • 464 Seiten
  • ISBN 978-3-471-36014-9
  • 15,99 € (D), 16,50 € (A), 18,50 sFr.

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M E H R G E N E R A T I O N E N K R I M I

Rezension von Ulrike Sokul ©

Willkommen in Coopers Chase, einer Seniorensiedlung der gehobenen Preisklasse, schön gelegen auf einem ehemaligen Klostergelände zwischen den Hügeln der Graf- schaft Kent. Zum Leben im Ruhestand gehört hier selbstverständlich die eifrige Pflege diverser Hobbys, und wer hier mit Bridgespielen, Sport, Wellness-Ertüchtigungen, Puzzlelegen, Spazierengehen und Teetrinken nicht ausgelastet ist sowie zudem eine gute Portion Neugier, Wagemut und Subversivität mitbringt, wird bald Mitglied im Donnerstagsmordclub.

Folgende Mitglieder haben sich schon zusammengefunden: Die optimistische Joyce Meadowcroft, passionierte Kuchenbäckerin und ehemalige Krankenschwester, die strenge, mißtrauische Elizabeth Best, ehemals Geheimagentin, der lautstarke und gerne zupackende Ron Ritchie, ehemaliger Gewerkschaftsführer, auch als der „Rote Ron“ be-titelt, sowie der elegante, feinsinnige Ibrahim Arif, ein Psychiater im Ruhestand, der gleichwohl nach wie vor das eine oder andere therapeutische Gespräch anbietet.

Ursprünglich haben sich die vier Amateur-Detektive damit begnügt, alte, ungelöste Kri-minalakten – deren Herkunft wir einmal diskret augenzwinkernd nicht hinterfragen – zu studieren und diese Fälle zu ihrem eigenen Vergnügen aufzuklären. Doch da nun Tony Curran, einer der Bauunternehmer, der Coopers Chase geplant und gebaut hat, mit einem Schraubenschlüssel erschlagen wurde, fühlt sich der Donnerstagsmordclub geradezu aufgefordert, kriminalistische Nachformungen anzustellen. Zudem waren Joyce und Ron nach der Informationsveranstaltung über die geplanten Erweiterungs- bauten von Coopers Chase zufällig Zeugen eines Streits zwischen dem Mordopfer und Ian Ventham, dem zweiten Bauunternehmer.

Als PC Donna De Freitas in der Seniorenresidenz einen Vortrag zum Thema „Sicherheits-tipps für das häusliche Umfeld“ hält, wird sie vom Donnerstagsmordclub anschließend zum Mittagsessen eingeladen und sehr geschickt eingewickelt, ja, auch ein bißchen adoptiert. Gute Kontakte zur örtlichen Polizei sind für die kriminalistische Arbeit von nicht geringer Nützlichkeit. Und so dauert es nicht lange, bis auch Donnas Vorgesetzter, DCI Chris Hudson, vom unschätzbaren Wert der inoffiziellen Ermittlungsfähigkeiten der Mitglieder des Donnerstagsmordclubs überzeugt wird.

Ian Ventham will für die Erweiterung der Seniorenwohnanlage den alten Klosterfriedhof umbetten und eine nahegelegene schöne alte Baumgruppe fällen lassen, was bei vielen Bewohnern auf Ablehnung stößt. Außerdem erwecken einige Personen seit dieser Ankündigung den Eindruck, als hielten sie im Bereich des Friedhofs heimlich Wache. Hat jemand etwas zu befürchten, wenn die alten Gräber ausgehoben werden sollten?

Jedenfalls ist für die Bagger, die Ian Ventham beauftragt hat, um Tatsachen zu schaffen, kein Durchkommen. Denn, angeführt vom aufbrausenden Ron Ritchie, blockiert eine große Schar von Coopers-Chase-Bewohnern die Zufahrt, und das Zugangstor haben sie mit einem Vorhängeschloß versperrt. Die mehr oder weniger rüstigen Rentner veran- stalten einen gemütlich-gepolsterten Sitzstreik, picknicken seelenruhig und trinken Tee und Hochprozentiges aus Thermosflaschen. Ian Ventham tobt und ruft die Polizei.

Donna und Chris deeskalieren sowohl Ian Ventham als auch die Sitzstreikenden. Doch dann betritt Pater Matthew Mackie die Blockadebühne. Er hatte Ian Ventham schon mehrfach wegen seines ausdrücklichen Widerstandes gegen den „Frevel der Friedhofs-verlegung“ aufgesucht und genervt. Der selbstherrliche Ian Ventham verliert erneut die Beherrschung, beschimpft und schubst den Pater, der daraufhin stürzt.

Die älteren Herrschaften halten Ian Ventham mühsam zurück, und Donna hilft dem Pater auf, der bei seinem Sturz zum Glück unverletzt geblieben ist. Chris befiehlt Ventham, sich zurückzuziehen. Widerwillig geht Ventham zu seinem Auto und fällt dort tot um – eine Überdosis des Betäubungsmittels Fentanyl hat ihn buchstäblich umge- hauen.

Angesichts dieses zweiten Mordes kommt der Donnerstagsmordclub nun so richtig in Fahrt …

„Der Donnerstagsmordclub“ wartet mit einer facettenreichen, stimmigen und sympa-thischen Personalauswahl auf. Der Club besteht aus sehr unterschiedlichen Charak-teren, die sich mit ihren Stärken und Schwächen hervorragend ergänzen.

Während die alten Damen und Herren eine abgeklärte, gleichwohl begeisterungsfähige und sogar todesmutige Lebensperspektive vertreten, äußert sich in Donna und Chris eine jüngere Generation mit größerem Zukunftserwartungshorizont und entsprechen- den Sehnsüchten. Die Verletzlichkeiten und Verluste des Alters werden äußerst respektvoll, anrührend und gelegentlich auch mit einer gewissen Selbstironie darge- stellt. Die abwechslungsreiche Beziehungsdynamik zwischen den Generationen und den charakterstarken Persönlichkeiten ist reizvoll und unterhaltsam.

Der aktuelle Kriminalfall ist komplex und reicht zudem noch weit in die Vergangenheit zurück. In ausführlicher Erzählweise werden nach und nach neue Details und Zusam-menhänge enthüllt – manchmal von der Polizei, jedoch öfter vom Donnerstagsmordclub. Es kommen viele Personen als Täter in Frage, und das trägt sehr zur Spannung und zum Lesemitfiebern bei.

Amüsant sind die ebenso tastenden wie neugierig aufgeschlossenen Versuche, insbe-sondere von Joyce, sich mit sozialen Medien auseinanderzusetzen. So kommt sie nicht umhin, angesichts der Wisch-und-Weg-Romantik des Online-Dating-Portals Tinder sehr weise zu konstatieren: »Man kann auch zu viel Auswahl haben. Und wenn jeder zu viel Auswahl hat, wird es entsprechend schwerer, erwählt zu werden. Und wir alle wünschen uns doch, Auserwählte zu sein.« (Seite 396/397)

So mäandert diese Kriminalgeschichte mit stilvoller Dramaturgie und humorvollen Wortwechseln zwischen gefährlichen Ermittlungssituationen und bereichernden zwischenmenschlichen Begegnungen und Betrachtungen. Es ist gut, daß am Ende der Gerechtigkeit Genüge getan wird, gleichwohl ist das Beste, daß durch die gemeinsame Aufklärungsarbeit eine innige Verbundenheit zwischen den Figuren gewachsen ist. Das sind hervorragende Voraussetzungen für weitere Kriminalfälle, die dringend einer Lösung harren. Umso erfreulicher ist es, daß der zweite Band des „Donnerstags- mordclubs“ bereits erschienen ist – meine Besprechung folgt in einigen Tagen. 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/der-donnerstagsmordclub-die-mordclub-serie-1-9783471360149.html

Der Autor:

»Richard Osman ist ein englischer Fernsehmoderator, Produzent und seit Neuestem auch Autor. Die Idee für seinen Krimi kam ihm, als er eine Verwandte in einer luxuriösen Senioren- residenz besucht hat und ihm das Schlimmste zugestoßen ist, was einem modernen Menschen widerfahren kann: Er hatte keinen Handyempfang. Wer denkt da nicht sofort an Mord und Totschlag? »Der Donnerstagsmordclub« ist sein erster und bisher bester Roman.«

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Die Füchse von Hampstead Heath

  • Eine Abigail Kamara-Story
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »What Abigail Did That Summer«
  • Deutsche Übersetzung von Christine Blum
  • DTV Verlag, September 2021 www.dtv.de
  • Taschenbuch
  • Format: 12 x 19 cm
  • 224 Seiten
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21959-4

Die Füchse von Hampstead Heath
SPRECHENDE  FÜCHSE  UND  HAUSBESATZUNGEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit „Die Füchse von Hamstead Heath“ hat Ben Aaronvitch erneut eine amüsante Abzweigung der magisch-kriminalistischen Peter-Grant-Reihe geschrieben. Wer mit den magischen Rahmenbedingungen dieser Krimiserie noch nicht vertraut ist, möge sich bitte unter dem nachfolgenden Link durch die Lektüre meiner Besprechung des ersten Bandes kundig machen:  Die Flüsse von London

Diesmal löst Peter Grants vorwitzige und magisch hochbegabte Cousine Abigail einen magieverdächtigen Fall, bei dem mehrere Jugendliche auf mysteriöse Weise verschwin-den und unversehrt und ohne Erinnerungen, aber doch seltsam manipuliert zurück-kehren.

Die Geschichte beginnt recht harmlos. Abigail ist mit einer Schulkameradin verabredet, die am vereinbarten Treffpunkt  jedoch nicht erscheint. Simon, ein gutaussehender Junge, der ebenfalls dort wartet, spricht Abigail spontan an, und sie stellen fest, daß sie offenbar beide versetzt wurden. Simon lädt Abigail zum Tee zu sich nach Hause ein, und Abigail bemerkt, daß er – im Gegensatz zu ihr – sehr wohlhabend und überbehütet auf-wächst. Er ist jedoch dank seines naiven Charmes und seiner exorbitanten Kletter- künste gut in der Lage, sich auch bei Hausarrest Freiheiten von der mütterlichen Beaufsichtigung und Fürsorge zu verschaffen. In Abigail findet er eine sehr kompatible Komplizin hinsichtlich Ausweichmanövern gegenüber solchen elterlichen Kontroll- absichten.

Es stellt sich wenig später heraus, daß die Schulkameraden, mit denen sie verabredet waren, zwei Tage als vermißt galten und polizeilich gesucht wurden. Plötzlich aber tauchen sie wohlbehalten wieder auf, können sich jedoch nicht erinnern, wo sie gewesen sind und was mit ihnen geschehen ist. Abigails magische Antennen wittern, daß ein sogenannter Falcon-Effekt, also ein magischer Einfluß ursächlich für dieses unerklärliche Verschwinden ist.

Abigail beginnt zu recherchieren – unterstützt von Simon und von einer ganzen Schar sprechender Füchse. Mit sprechenden Füchsen hat Abigail schon in vorherigen Fällen zusammengearbeitet und ihr füchsiges Informationsnetz im Austausch gegen Käse-bällchen und Streicheleinheiten genutzt.

So finden sie den „Tatort“, ein altes, vierstöckiges Haus, das hinter einem Bauzaun, Gerüsten und Plastikplanen seiner Kernsanierung harrt. Selbstverständlich inspizieren Abigail, Simon und Abigails Begleitfüchsin Indigo unbefugt das Haus. Sie finden kahle Wände, herumliegende Leitungen, Schutthaufen – kurz: eine verlassene Baustelle.

Doch plötzlich verändert sich der Raum und sieht wieder tapeziert, möbliert, gepflegt und wohnlich aus, und es erscheint eine harmlose, ja, fröhlich-gesellige Szene – gewissermaßen eine Erinnerung des Hauses an das dort einst stattgefundene Alltags- leben. Allerdings spielen in dieser Szene echte gegenwärtige Menschen die Rollen der einstigen Hausbewohner. Abigail erkennt u.a. einen weiteren verschwundenen Jugend- lichen in der Rolle des Hausherrn, bevor sie selbst in die Szene hineinrutscht und mitspielt. Indigo holt Abigail durch einen Biß ins Bein in die Gegenwart zurück. Doch bevor sie endlich das Haus verlassen können, durchlaufen sie noch verschiedene andere Hausszenen, die zeitlich zwischen den 40er- und 70er-Jahren changieren.

Nun weiß Abigail, daß das Haus bzw. der dortige Genius loci, die Jugendlichen zu sich ins Gebäude lockt und sie dort, je nachdem welchen Raum sie betreten, bestimmte vergan-gene Lebensszenen reanimieren läßt. Es ist schwer, diesem verführerischen Einfluß zu widerstehen, aber immerhin hat das Haus bisher noch niemanden länger als zwei Tage gefangen gehalten.

Abigail traut sich ein zweites Mal zurück in das Haus, um den Anknüpfungspunkt der magischen Anziehungskraft zu finden. Beinahe verirrt sie sich dabei gänzlich in den verschiedenen buchstäblichen Zeiträumen, die bis ins viktorianische Zeitalter zurück-reichen.

Als schließlich Simon und Indigo im Haus verschwinden, wagt sich Abigail nur mit guter Vorbereitung, unkonventioneller „Bewaffnung“ und unter Einbeziehung von Simons Mutter ein drittes Mal in das Haus …

Abigail erweist sich als pfiffige, einfühlsame Ermittlerin, auch wenn sie hinsichtlich organisatorischer Absicherungen angesichts magischer Gefahrensituationen noch dazu-lernen muß, wie DCI Thomas Nightingale, Meistermagier und Chef der magischen Polizeiabteilung, zu Recht in einer fürsorglich-strengen nachträglichen Fallanalyse konstatiert.

Verglichen mit den Fällen, die Peter Grant zu lösen hat, sind die Gefahren, denen Abigail sich aussetzt, relativ harmlos, aber dennoch aufregend. Besonders faszinieren die unter-schiedlichen Hauserinnerungsszenen, die mit einer sehr anschaulichen, der jeweiligen Zeitphase entsprechenden Kulisse und deren zeitgemäßen Sprachgewohnheiten ausge-stattet sind.

„Die Füchse von Hampstead Heath“ verfügt über das gewisse magische Etwas, das die kriminalistische Aufklärung mit zauberhaft-fantasievollen, detailreichen Zugaben und interessanten magischen Wesen und Persönlichkeiten bereichert. Die Figurenzeich- nungen sind sehr gelungen und zwischenmenschlich lebensecht, die Dialoge knackig, schlagfertig und wortwitzig, und die flotte Dramaturgie ist wie immer filmreif.

Besonders hervorzuheben ist Ben Aaronovitchs ironisch-kreativer Sprachstil, der abwechslungsreich zwischen unterschiedlichen Sprachebenen changiert und mit einigen sehr amüsanten und geistreichen Formulierungen aufwartet. So etwa bei Abigails Beschreibung von Simons Lächeln:

»Gegen so ein Lächeln kommt man nicht an. Da kann man nur hoffen, dass der Besitzer einen heiligen Eid geschworen hat, es bloß zu guten Zwecken einzusetzen.« (Seite 29)  

Oder bei Abigails Fußnoten*, in denen sie für ältere Leser typische jugendsprachliche Ausdrücke fachkundig erklärt:

»voll* Kurz für »vollkommen«, aber mit einem Unterton äußerster Verblüffung oder großem Nachdruck, je nach Zusammenhang. Die jungen Leute haben ein Talent, sehr viel Bedeutung in eine einzelne Silbe zu packen.« (Seite 48)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-die-fuechse-von-hampstead-heath-21959/

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wuchs in einer politisch engagierten, diskussionsfreudigen Familie in Nordlondon auf. Er hat Drehbücher für viele TV-Serien, darunter ›Doctor Who‹, geschrie- ben und als Buchhändler gearbeitet. Inzwischen widmet er sich ganz dem Schreiben. Er lebt nach wie vor in London. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.«

Die Übersetzerin:

»Christine Blum, geboren 1974 in Freiburg im Breisgau, studierte Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften, Russische Literatur, Musikwissenschaft und kurze Zeit auch Medizin. Seit 2002 übersetzt sie aus dem Englischen und Russischen. Für dtv überträgt sie u. a. Ben Aaronovitch ins Deutsche.«

Hier entlang zu den vorhergehenden und nachfolgenden Bänden:

Band 1: DIE FLÜSSE VON LONDON Die Flüsse von London
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHOSchwarzer Mond über Soho
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET Ein Wispern über Baker Street
Band 4: DER BÖSE ORT Der böse Ort
Band 5: FINGERHUT-SOMMER Fingerhut-Sommer
Band 6: DER GALGEN VON TYBORN Der Galgen von Tyborn
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL Die Glocke von Whitechapel
Band 8: EIN WEISSER SCHWAN IN TABERNACLE STREET
Ein weisser Schwan in Tabernacle Street
Band 9: DIE SILBERKAMMER IN DER CHANCERY LANE
Die Silberkammer in der Chancery Lane

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE/Eine Peter-Grant-Stoy Geister auf der Metropolitan Line
Hier entlang zu Ben Aaronovitchs Schreibausflug in deutsche Gefilde:
DER OKTOBERMANN/Eine Tobi-Winter-Story  Der Oktobermann
Hier entlang zu einer Peter-Grant-Kurzgeschichten-Sammlung: 
DER GEIST IN DER BRITISH LIBRARY UND ANDERE GESCHICHTEN AUS DEM FOLLY 
Der Geist in der British Library

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Der Geist in der British Library

Der Geist in der British Library

  • und andere Geschichten von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »Tales from the Folly«
  • Deutsche Übersetzung  von Christine Blum
  • Deutsche Erstausgabe
  • DTV Verlag, März 2021 www.dtv.de
  • 224 Seiten
  • Format: 12,2 x 19 cm
  • 10,95 € (D), 11,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21958-7

Der Geist in der Britisch Library (Peter-Grant-Kurzgeschichten)

M A G I S C H E S    A L L E R L E I

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Hat man sich erst einmal wie Ben Aaronovitch in Bestsellerhöhen hinaufgeschrieben, finden auch schriftstellerische Schnipsel beachtliche Beachtung. Die in diesem Band gebündelten Kurzgeschichten hat der Autor auf Anregung der Buchhandelskette „Waterstones“ geschrieben. Diese einzelnen Geschichten wurden zunächst nur den limitierten Sonderausgaben von Aaronovitchs Peter-Grant-Romanen hinzugefügt. Deshalb stehen sie auch in einem chronologischen Zusammenhang mit der Serien- reihenfolge. Entgegenkommenderweise listet Aaronovitch einleitend zur besseren Übersicht noch einmal die korrekte bisherige Titelchronologie auf und erläutert in seinen ein- bis halbseitigen Vorbemerkungen zu jeder Kurzgeschichte den Ideenimpuls und die Zeitlinie.

Wer Ben Aaronovitch und Peter Grant, seinen sympathisch-attraktiven Ermittler mit zauberkundiger Zusatzkompetenz, noch nicht kennt, sollte sich besser erst einmal durch die Lektüre meiner Besprechung des ersten Bandes mit den magischen Rahmen- bedingungen dieser Krimiserie vertraut machen und dem nachfolgenden Link folgsam folgen: Die Flüsse von London

So, nun setze ich Grundkenntnisse zur Peter-Grant-Serie voraus und widme mich den vorliegenden Kurzgeschichten. Stilistisch und inhaltlich sind diese Geschichten ebenso wie die Romane der Serie fantasievoll, schwarzhumorig, spannend, voller Londoner Lokalkolorit und amüsanter Bemerkungen zu modernen architektonischen Entglei- sungen. Auch diverse magische Wesen, die allseits omnipräsenten charmanten bis selbstgefälligen Flußgöttinnen und mehr oder weniger offensichtliche magische Wesen und Geister spielen lebhaft – manchmal auch tothaft – mit.

Wir lernen den Genius loci einer Buchhandlung kennen, dem wenigstens einmal wöch- entlich vorgelesen werden sollte, damit er nicht wahllos mit Büchern um sich wirft, einen Immobilienmakler, der sich einbildet, eine Ratte zu sein und sich auch so verhält, einen unsterblichen Weihnachtsonkel und eine ältere Dame, die elektronische Geräte zu ihren Gunsten manipulieren kann. Außerdem gibt es einen Fall spukhafter häuslicher Gewalt, eine unkonventionelle Hochzeitsfeier mit einer nachfolgenden naturmagischen Adoption und noch allerlei mehr an unerklärlichen magischen Irritationen und ent- sprechenden zauberhaften kriminalistischen Aufklärungen.

Diese Kurzgeschichten haben nur einen Nachteil: Sie sind kurz, kaum hat man sich ein-gestimmt, die neuen Charaktere kennengelernt und mitgelesefiebert – da sind sie auch schon vorbei. Es bleibt bei allem Ideenreichtum, charakterstarken Figurenzeichnungen, schlagfertigen Dialogen und aller gelungenen Dramaturgie der Eindruck des Fragmen-tarischen und Unvollständigen. Einigen Figuren und Handlungssträngen wäre ich jeden- falls gerne ausführlicher und länger gefolgt. Das gilt ganz besonders für die etwas längere (28 Seiten) Kurzgeschichte „A Dedicated Follower of Fashion“, deren köstlicher psychedelischer Farb- und Stoffmusterrausch mich fasziniert hat.

„Der Geist in der British Library“ taugt für eingefleischte Peter-Grant-Fans als netter Leseimbiß mit magischer Würze in der Kürze, aber so richtig satt macht diese Lektüre nicht. Da hoffen wir lieber auf den schon leise angedeuteten zukünftigen neunten Band der Roman-Reihe …

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-der-geist-in-der-british-library-und-andere-geschichten-aus-dem-folly-21958/

 

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wuchs in einer politisch engagierten, diskussionsfreudigen Familie in Nordlondon auf. Er hat Drehbücher für viele TV-Serien, darunter ›Doctor Who‹, geschrie- ben und als Buchhändler gearbeitet. Inzwischen widmet er sich ganz dem Schreiben. Er lebt nach wie vor in London. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.«

Die Übersetzerin:

»Christine Blum, geboren 1974 in Freiburg im Breisgau, studierte Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften, Russische Literatur, Musikwissenschaft und kurze Zeit auch Medizin. Seit 2002 übersetzt sie aus dem Englischen und Russischen. Für dtv überträgt sie u. a. Ben Aaronovitch ins Deutsche.«

Hier entlang zu Peter Grants vorhergehenden und nachfolgenden magieverdächtigen Fällen:

Band 1: DIE FLÜSSE VON LONDON Die Flüsse von London
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHOSchwarzer Mond über Soho
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET Ein Wispern über Baker Street
Band 4: DER BÖSE ORT Der böse Ort
Band 5: FINGERHUT-SOMMER Fingerhut-Sommer
Band 6: DER GALGEN VON TYBORN Der Galgen von Tyborn
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL
Die Glocke von Whitechapel
Band 8: EIN WEISSER SCHWAN IN TABERNACLE STREET
Ein weisser Schwan in Tabernacle Street
Band 9: DIE SILBERKAMMER IN DER CHANCERY LANE
Die Silberkammer in der Chancery Lane

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE/Eine Peter-Grant-Stoy Geister auf der Metropolitan Line
Hier entlang zu Ben Aaronovitchs Schreibausflug in deutsche Gefilde:
DER OKTOBERMANN/Eine Tobi-Winter-Story  Der Oktobermann
Hier entlang zu einer Peter-Grant-Kurzgeschichten-Sammlung: 
DER GEIST IN DER BRITISH LIBRARY UND ANDERE GESCHICHTEN AUS DEM FOLLY 
Der Geist in der British Library
Hier entlang zu einer Abzweigungsgeschichte mit Peter Grants magisch hochbegabter Cousine Abigail und vielen sprechenden Füchsen:
DIE FÜCHSE VON HAMPSTEAD HEATH/Eine Abigail-Kamara-Story
Die Füchse von Hampstead Heath

 

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Ein weißer Schwan in Tabernacle Street

  • Band 8 der übersinnlichen Peter-Grant-Reihe
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »False Value«
  • Deutsche Übersetzung von Christine Blum
  • Deutsche Erstausgabe
  • DTV Verlag, Oktober 2020 www.dtv.de
  • 423 Seiten
  • Format: 13,5 x 21 cm
  • Klappenbroschur
  • 15,00 € (D), 15,5o € (A)
  • ISBN 978-3-423-26278-1


DAS  GEWISSE  MAGISCHE  ETWAS  NR. 8

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Diesmal spannen die Ermittlungen Peter Grants einen weiten Bogen von den Anfängen elektronischer Datenverarbeitung mit Ada Lovelace und Charles Babbage bis hin zur Entstehung der ebenso gefürchteten wie erhofften KI–Singularität und der Frage, ob eine Maschine bzw. ein Computerprogramm wirklich denken und zu Bewußtsein kommen kann.

Für diejenigen, die hier zum ersten Male von Police Constable Peter Grant lesen, erlaube ich mir einen freundlichen Hinweis auf meine ausführliche Besprechung des ersten Bandes, wo die komplexen Details der mehr oder weniger geheimen kriminalistischen Spezialeinheit der Metropolitan Police von London, die sich mit magieverdächtigen  Verbrechen befaßt, anschaulich erklärt werden: Die Flüsse von London

Inzwischen – also seit dem vorletzten Band – ist Peter übrigens die Karriereleiter zum Police Detective aufgestiegen und hat seine magischen Fähigkeiten sowohl theoretisch als auch praktisch deutlich verbessert.

Standort der Spezialabteilung ist das altehrwürdige Folly, wo auch die magischen Studien und praktischen Übungen unter Leitung des eleganten Detective Chief Inspectors und Meistermagiers Thomas Nightingale stattfinden.

Peter Grant wohnt allerdings nicht mehr im Folly, sondern in einem Haus mit Garten am Ufer des Flusses Beverley Brook. Denn seine Lebensgefährtin und zukünftige Mutter seiner Kinder ist die leibhaftige Flußgöttin des Beverley Brook und trägt auch exakt diesen Namen. Kurz und kosend darf man sie Bev nennen, und während ihrer aktuellen Schwangerschaft schreibt sie an ihrer Dissertation zum Thema „Positive ökologische Aspekte der Gewässerrenaturierung“.

Flußgöttinnen und –Götter mäandern durch alle Bände der Peter-Grant-Serie. Sie sind einerseits übernatürliche Wesen mit sehr viel elementarer Macht, erscheinen gleich- wohl ganz irdisch-körperlich in attraktiver menschlicher Gestalt, und sie sind zumindest den naturverbundeneren Menschen durchaus zugeneigt. Allerdings sind sie manchmal etwas launisch und gewissen Opfergaben und feierlichen Huldigungen nicht abgeneigt.

Diesmal ist Peter mit einer verdeckten Ermittlung bei „Serious Cybernetics Corporation“ kurz: SCC, beschäftigt. SCC gehört dem Milliardär und Silicon-Valley-Abkömmling Terrence Skinner. Peter wird in der Sicherheitsabteilung eingesetzt und bekommt die Aufgabe, eine „Ratte“ unter der Belegschaft zu finden.

Die SCC bezeichnet ihre Angestellten offiziell als „Mäuse“ und simuliert eine unkonven-tionelle, kreativ-verspielte, wenig hierarchische und transparente Unternehmens- struktur. Terrence Skinner flaniert – scharfäugig, scharfsinnig und scharfschützig begleitet von seiner Leibwache – alltäglich durch die Abteilungen und plaudert mit seinen „Mäusen“.

Auf jeder Etage des großzügigen Bürokomplexes gibt es abwechslungsreiche, kostenlose Essensautomaten, die Peter systematisch durchkostet. Amüsante Pychogramme seiner zum Teil sehr klassischen IT-Nerd-Kollegen, die Spitznamen wie „Update“ tragen, und
ein bißchen Nachhilfe hinsichtlich der frühen Anfänge von Computerprogrammen führen uns anschaulich in die digitale Moderne und ihre ambitionierten Zukunftsziele ein.

Als es während der Arbeit zu einem bewaffneten Angriff auf Terrence Skinner kommt, kann Peter Grant das Schlimmste verhindern und zugleich feststellen, daß der Angreifer unter Magieeinfluß zu seiner Tat manipuliert wurde. Peter verlangt, unter dem Vorwand besser für Skinners Sicherheit sorgen zu können, Zugang zur Geheimabteilung des Unternehmens.

Skinner lädt Peter daraufhin ein, mit dem geheimen IT-Projekt zu plaudern. Das Geheimnis heißt „Deep Thought“ und ist eine funktionierende AGI (Artificial General Intelligence), die im Gespräch mit Peter den sogenannten Turing-Test besteht. Diese Generelle Künstliche Intelligenz will Terrence Skinner selbstverständlich noch weiter entwickeln und verfeinern.

Peter hat den berechtigten Verdacht, daß dies nicht alleine mit technischen Mitteln, sondern auch mit magischen Werkzeugen geschehen soll, und das könnte noch gefähr-licher werden als die KI-Singularität. Dies führt Peter zu Recherchezwecken über Ada Lovelace, Charles Babbage und Mary Somerville in die London Library und zufällig zu zwei amerikanischen Magieagenten, die bereits die gleiche Spur verfolgen.

Nach einem spontanen, sportlichen Magieduell beschließen die Amerikaner, die dem Geheimbund der „Librarians“ angehören, mit Peter zusammenzuarbeiten und ihre bisherigen Informationen mit ihm zu teilen. Angeblich gebe es eine verschollene magisch-mechanische Maschine, die sogenannte „Mary-Maschine“ (aus der Weiterent-wicklung von Charles Babbages unvollendeter „Differenz-Maschine“), und diese – so vermuten die Librarians – wolle sich Terrence Skinner zur Vervollkommnung der KI zu Nutze machen.

Alle sind sich einige, daß dies unbedingt verhindert werden muß, wobei die Librarians die Maschine auf jeden Fall zerstören wollen und Peter Grant sie lieber unter magischem Verschluß im Folly aufbewahren möchte. Nach der Ausschaltung einer kniffligen Dämonenfalle und dramatischen Verfolgungsjagden durch angriffslustige Drohnen und aufschlußreichen Streitgesprächen mit mißgünstigen Geistern in Rosen- gläsern sowie weiteren magischen Kampfkunstdarbietungen wird das KI-Vorhaben von Terrence Skinner explosiv beendet, und Peter kann sich wieder ungestört dem zauberzärtlichen Salben von Flußgöttin Beverly Brooks Bäuchlein widmen.

In diesem Roman führt Ben Aaronovitch die geldmächtige IT-Moderne, nebst ihrer Arbeitsphilosophie und ihres Menschenbildes, und die aus den vorhergehen Bänden vertrauten magischen Ermittlungsmethoden zusammen. Der bürobühnenbildnerische Anteil an der Handlung ist allerdings reichlich überproportioniert und geht auf Kosten der magischen Spezialeffekte.

Die Figurenzeichnungen sind sehr gelungen, die Dialoge knackig und schlagfertig und die Dramaturgie filmreif. Dennoch kommen die liebgewonnen Charaktere aus den vorhergehenden Bänden entschieden zu kurz.

Seltsam ist auch der deutsche Wortlaut des Titels, bei dem sich nicht der geringste Anknüpfpunkt zur Romanhandlung findet. Und warum der DTV-Verlag das Format des Buches (von 12,2 x 19 cm zu 13,5 zu 21 cm) vergrößert hat, wissen wahrscheinlich nicht einmal die Druckteufelchen – das wird für treue Peter-Grant-Leser die Reihenharmonie im Bücherregal empfindlich stören. Aber dafür kostet diese vergrößerte Klappen- broschur auch nur 4,05 € mehr als die ersten sieben Bände.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-ein-weisser-schwan-in-tabernacle-street-26278/

Hier entlang zur interessanten und informativen DTV-Webseite zur Peter-Grant-Serie:
https://www.dtv.de/special-ben-aaronovitch-urban-fantasy/startseite/c-184

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wuchs in einer politisch engagierten, diskussionsfreudigen Familie in Nordlondon auf. Er hat Drehbücher für viele TV-Serien, darunter „Doctor Who“, geschrie-ben und als Buchhändler gearbeitet. Inzwischen widmet er sich ganz dem Schreiben. Er lebt nach wie vor in London.«

Die Übersetzerin:

»Christine Blum, geboren 1974 in Freiburg im Breisgau, studierte Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften, Russische Literatur, Musikwissenschaft und kurze Zeit auch Medizin. Seit 2002 übersetzt sie aus dem Englischen und Russischen. Für dtv überträgt sie u. a. Ben Aaronovitch ins Deutsche.«

PS
Nebenbei bemerkt, offenbart mir mein professioneller Blick in die Glaskugel der digitalen DTV-Verlagsvorschau, daß schon am 18. März 2021 ein neuer Band mit Geschichten aus dem magischen Radius des smarten Peter Grants erscheinen wird:
DER GEIST IN DER BRITISH LIBRARY UND ANDERE GESCHICHTEN AUS DEM FOLLY https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-der-geist-in-der-british-library-und-andere-geschichten-aus-dem-folly-21958/

Und hier geht es Peter Grants vorhergehenden und nachfolgenden magieverdächtigen Fällen:

Band 1: DIE FLÜSSE VON LONDON Die Flüsse von London
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO Schwarzer Mond über Soho
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET Ein Wispern unter Baker Street
Band 4: DER BÖSE ORT Der böse Ort
Band 5: FINGERHUT-SOMMER Fingerhut-Sommer
Band 6: DER GALGEN VON TYBURN Der Galgen von Tyburn
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL Die Glocke von Whitechapel
Band 8: EIN WEISSER SCHWAN IN TABERNACLE STREET
Ein weißer Schwan in Tabernacle Street
Band 9: DIE SILBERKAMMER IN DER CHANCERY LANE
Die Silberkammer in der Chancery Lane

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE/Eine Peter-Grant-Story
Geister auf der Metropolitan Line
Hier entlang zu Ben Aaronovitchs Schreibausflug in deutsche Gefilde:
DER OKTOBERMANN/Eine Tobi-Winter-Story Der Oktobermann
Hier entlang zu einer Peter-Grant-Kurzgeschichten-Sammlung: 
DER GEIST IN DER BRITISH LIBRARY UND ANDERE GESCHICHTEN AUS DEM FOLLY
Der Geist in der British Library
Hier entlang zu einer Abzweigungsgeschichte mit Peter Grants magisch hochbegabter Cousine Abigail und vielen sprechenden Füchsen:
DIE FÜCHSE VON HAMPSTEAD HEATH/Eine Abigail-Kamara-Story
Die Füchse von Hampstead Heath



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Mord in Sunset Hall

  • von Leonie Swann
  • Hörbuch
  • gekürzte Lesung
  • Sprecherin:  Anna Thalbach
  • Buchvorlage: GOLDMANN Verlag
  • Produktion: der Hörverlag, Mai 2020   www.hoerverlag.de
  • 1 mp3-CD
  • in Pappklappschuber
  • Laufzeit: ca. 9 Stunden, 31 Minuten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-3734-5

GEBRECHEN  UND  VERBRECHEN

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Agnes Sharp hat in „Sunset Hall“, ihrem Elternhaus, eine unkonventionelle Senioren-WG gegründet. Sie und ihre Mitbewohnerinnen und -Bewohner sind sich darin einig, so lange und so gut wie möglich selbstbestimmt zu leben und, wenn es sich nicht mehr gut lebt, auch selbstbestimmt zu sterben. Im Dorf gelten sie als senile Hippie-WG und bieten Stoff für anrüchige Spekulationen, die zwar völlig unbegründet sind, aber manche Nachbarn auf dem Lande sind einfach etwas kleinkariert und spießig.

Die alten Leutchen haben zwar allerlei Verschleißerscheinungen und Gebrechen, sind gleichwohl recht rege und munter und gleichen ihre körperlichen Schwächen raffiniert mit Lebenserfahrung, Charakterstärke, Gelassenheit und buchstäblicher Weitsicht aus. Alle würzen zudem ihr Persönlichkeitsprofil mit einigen sympathischen Prisen Skurrilität.

Agnes etwa hat Probleme mit der Hüfte und mit gelegentlichen Ohrgeräuschen. Sie ist gut organisiert und hat für die WG eine entsprechende Hausordnung (Rauchen und Enkelkinder sind in Sunset Hall streng verboten) eingeführt. In ihrem aktiven Berufs- leben arbeitete sie bei der Kriminalpolizei und hat – wie sie wiederholt erwähnt –  „Monster gejagt“. 

Die beiden männlichen Mitbewohner sind Kavaliere der alten Schule: Der disziplinierte Marschall erledigt Internetbestellungen und –Recherchen,  hat jedoch zunehmend Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis. Der stets ebenso charmante wie würde- volle Winston sitzt im Rollstuhl. Er war beim Geheimdienst Spezialist für Geheimcodes und verteilt nun sorgfältig die jeweiligen Tablettenrationen an alle WG-Mitglieder.

Edwina ist die Beweglichste von allen, sie übt täglich Yoga, begibt sich auch im Tageslauf immer wieder spontan in Yogastellungen und spricht bevorzugt mit dem WG-Haustier, der kaltblütigen Schildkröte Hettie. Sie wirkt naiv und verträumt, ja, geradezu verspielt, aber man sollte sie nicht unterschätzen, immerhin hat auch sie beim Geheimdienst gearbeitet.

Lillith ist die Gartenfee der WG und kümmert sich sowohl um den Garten als auch um die Topfpflanzen in Sunset Hall.

Die blinde Bernadette hat ebenfalls bei der Kriminalpolizei gearbeitet. Sie trägt fast permanent eine dunkle Sonnenbrille, die ihr eine mafiöse Ausstrahlung verleiht, was durch ihre schonungslos sarkastischen Bemerkungen noch unterstrichen wird.

Die fabelhafte, mondäne Charlie – stets einem Gin-Tonic zugeneigt – ist erst kürzlich zusammen mit ihren Wolfshund namens Brexit eingezogen.

Als nun Mitbewohnerin Lillith erschossen im Gartenschuppen liegt und kurz darauf auch noch eine Nachbarin (Mildred) aus dem nahegelegenen Herrenhaus ebenfalls erschossen aufgefunden wird, beginnen Agnes und ihre WG-Genossen heimlich selber zu ermitteln. Tatsächlich wissen sie ein klein wenig mehr, als sie gegenüber der Polizei zugeben dürfen …

Bei Agnes werden durch den Mord an Mildred unwillkommene, schmerzliche Erinnerun-gen wach. Sie hatte einst eine Zwillingsschwester, Alice, die als Kind verstorben war. Nach Alice‘ Tod hatte sich Agnes mit den Zwillingsgeschwistern (Isabel und Mildred) aus dem Herrenhaus eng angefreundet, bis sich als Erwachsene ihre unterschiedlichen lebensläufigen Wege trennten.

Agnes entschließt sich nun, nach jahrzehntelanger Kontaktpause der überlebenden Zwillingsschwester Isabel einen Kondolenzbesuch abzustatten. Isabel empfängt Agnes freundlich, die beiden sprechen sich ein wenig aus, und Isabel bittet Agnes schließlich sogar, mit ihren Mitbewohnern zur Beerdigung zu kommen, da wegen Mildreds Unbe-liebtheit im Dorf die Gefahr bestünde, daß sonst nur das Hauspersonal mitkäme.

Beerdigungen von Mordopfern eignen sich durchaus für eine ergiebige kriminalistisch-psychologische Spurenlese, aber ebenso der Besuch des wöchentlichen Kaffee-und-Kuchen-Plauderkränzchens, das der Dorfpfarrer organisiert. Und so gehen die Senioren mehr oder weniger auffällig einer vielfältigen, umtriebigen Spurensuche nach.

Agnes bewegt sich zunehmend zwischen changierenden Zeitebenen und verläuft sich in Kindheitserinnerungen. Aus ihren biographischen Rückblenden erfahren wir von einem Mord, der nie aufgeklärt wurde und der einen langen Schatten über Agnes‘ und Alice‘ Kindheit warf.

Während die WG mit vereinten Kräften und der Rekrutierung eines jungen, geheimen „Außendienstagenten“ langsame Ermittlungsfortschritte macht, kommt es zu allerlei Komplikationen, u.a. wird der kleine Enkelsohn des Marschalls wegen einer Ehekrise beim Opa abgeladen und entgegen der Hausordnung in Sunset Hall einquartiert.

Eine weitere Komplikation ergibt sich daraus, daß die Polizei, nachdem ein drittes Mord-opfer zu beklagen ist, ausgerechnet Agnes verdächtigt, da sie mit der betreffenden Person vor Jahren in einen handfesten Streit geraten war, bei dem sie eine Torte und ein Streichmesser nach ihr geworfen hatte.

Agnes hat sich derweil im Zuge der Mordermittlungen heimlich ins örtliche Luxus-Seniorenheim eingeschummelt, um eine vermutliche Zeugin zu befragen. Bei diesem Ausflug macht Agnes bittere Erfahrungen mit fürsorglicher Entmündigung und medikamentöser Ruhigstellung, und sie kann nur sehr knapp wieder entkommen.

Die Lage ist ernst, bietet aber auch viel Raum für Situationskomik und schwarzen Humor. Mal fehlt die Lesebrille, mal das Gebiß, hakende Hüften, ein trödelnder Treppenlift und ungelenke Gelenke erschweren die Beweglichkeit, Hörfehler und Gedächtnislücken führen zu dramatischen Mißverständnissen, falsch verknüpften Fäden und unstimmigen Mordmotiven.

Doch trotz Zipperlein, Langsamkeit, Selbstzweifeln und Verwirrung löst Agnes schließlich erfolgreich den Fall. Die Wohngemeinschaft geht gestärkt aus der Krise hervor, und der Besuch von Enkelkindern ist in Sunset Hall inzwischen nicht nur gestattet, sondern sogar ausdrücklich erwünscht.

Leonie Swanns Romankomposition ist abwechslungsreich, komplex, spannend und vielschichtig. Das Alter und die Verletzlichkeit, die das Altern, das Schwinden von körperlichen Fähigkeiten und die Wehmut über unabänderlich Vergangenes mit sich bringen, werden einfühlsam und respektvoll thematisiert. Alle Personen werden von der Autorin lebhaft und anschaulich dargestellt. Das zwischenmenschliche Zusammenspiel, die unterschiedlichen Charakterperspektiven und schrägen Eigenwilligkeiten sind ebenso anrührend wie amüsant.

Dieses Hörbuch wird von Anna Thalbach bemerkenswert vielstimmig und ausgesprochen überzeugend geleseschauspielert. Es gelingt ihr mit bewundernswert vielsaitigem Nuancenreichtum, jedem Charakter eine wiedererkennbare eigene Note und Klangfarbe zu verleihen.

 

Hier entlang zum HÖRBUCH und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Mord-in-Sunset-Hall/Leonie-Swann/der-Hoerverlag/e568800.rhd

Hier entlang zur BUCHAUSGABE und LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Mord-in-Sunset-Hall/Leonie-Swann/Goldmann/e562236.rhd

Mord in Sunset  Hall
von Leonie Swann
Kriminalroman
GOLDMANN Verlag Mai 2020
gebunden mit Schutzumschlag
448 Seiten
Format: 13,5 x 21,5 cm
20,00 € (D), 20,60 € (A), 28,90 sFr.
ISBN: 978-3-442-31556-7

 

Die Autorin:

»Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Mit ihren ersten beiden Romanen „Glennkill“ und „Garou“ gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten und wurden bisher in 25 Sprachen übersetzt. Leonie Swann lebt heute umzingelt von Efeu und Blauregen in England.«

Die Sprecherin:

»Anna Thalbach ist 1973 in Ost-Berlin geboren und international bekannt als Künstlerin von Film, Fernsehen und Theater. Als Hörbuchsprecherin und Interpretatorin gefragt, wurden ihre Leistungen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Deutschen Hörbuchpreis.«

Querverweis:

Hier entlang zum vorhergehenden Krimi von Leonie Swann, in dem ein sprechender Graupapagei einige entscheidende Worte mit redet: „Gray“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/10/09/gray/

 

 

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Der Gesang der Flusskrebse

  • Roman
  • von Delia Owens
  • Originaltitel: »Where The Crawdads Sing«
  • Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt
  • von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
  • Verlag hanserblau, Juli 2019   http://www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden
  • mit Schutzumschlag und Lesebändchen
  • 464 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A)
  • ISBN 978-3-446-26419-9

MUTTER  NATUR

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

»Marschland ist ein Ort des Lichts, wo Gras in Wasser wächst und Wasser in den Himmel fließt.« (Seite 11)

Außenseitern wird gerne und allzuschnell Schuld zugeschoben. Als die Leiche von Chase Adams am Fuße des alten Feuerwachturms von Barkley Cove gefunden wird und keiner- lei Spuren zu finden sind, fällt der Verdacht auf Kya, das Marschmädchen. Denn wenn jemand Spuren verwischen und sich fluchterprobt gewissermaßen unsichtbar machen kann, dann ist das Kya.

Kya wächst im wilden Marschland von North Carolina auf.  Sie lebt mit ihrer liebevollen und musischen Mutter, ihrem trunksüchtigen und gewalttätigen Vater und vier älteren Geschwistern in einer zusammengezimmerten Holzhütte, die an einer von vielen einsa-men Lagunen der Marschlandschaft liegt. Die Menschen, die in der nahegelegenen Stadt Barkley Cove wohnen, betrachten alle Menschen, die in der Marsch gestrandet sind, als Gesindel – wahlweise je nach Hautfarbe als weißes oder schwarzes Gesindel. Die Geschichte beginnt in den 50iger Jahren, und die Rassentrennung ist noch aktuell.

Von ihrem Bruder Jodie lernt Kya viel über die Natur, die Gestirne und darüber, wie man seine Spuren verwischt, sich sicher in der Marschlandschaft versteckt und wie man ein Boot durch die unzähligen Wasserläufe und Buchten steuert.

Als Kya sechs Jahre jung ist, bereitet die Mutter, deren Gesicht deutliche Spuren eines vorhergehenden gewalttätigen Streits trägt, noch einmal ein Frühstück für alle Kinder. Danach verläßt sie mit einem kleinen blauen Koffer das Haus, ohne sich zu verabschie- den. Kya schaut ihr ungläubig nach und hofft  auf das sonst übliche Winken; aber dies- mal schaut die Mutter nicht zurück, und sie wird auch nie mehr zurückkehren.

Nach und nach verlassen nun die älteren Geschwister ebenfalls das mutterlose Zuhau- se, um der Gewalttätigkeit des Vaters zu entkommen. So bleibt Kya allein zurück und er-nährt sich von Griesbrei und von Gemüse aus dem Garten. Der Vater ist häufig tagelang abwesend, kommt meist schlecht gelaunt zurück, schlägt Kya jedoch nicht und gibt ihr kleine Geldbeträge, mit denen sie in der Stadt ihre bescheidenen Einkäufe bezahlt.

Er trinkt deutlich weniger Alkohol und macht regelmäßige Bootsausfahrten mit ihr, bei denen sie gemeinsam angeln. Während dieser friedlichen Ausflüge plaudert der Vater ein bißchen aus der Familiengeschichte, und einmal nennt er Kya sogar freundlich Schätzchen. Dies ist mehr väterliche Zuwendung, als sie jemals zuvor erlebt hat.

Da Kya im schulpflichtigen Alter ist, wird sie aufgefordert, die Schule in Barkely Cove zu besuchen. Sie kommt barfuß in die Schule und wird von den anderen Schülern wegen ihrer Andersartigkeit, ihrer abgerissenen Kleidung und ihrer sozialen Unsicherheit aus- gelacht. Dies genügt Kya, um fortan mit der Schule garnichts und mit den Menschen aus der Stadt so wenig wie nur möglich zu tun zu haben. Den Nachforschungen der Schulin- spektion entkommt sie spielend, da ihre wachen Sinne und ihre überlegene Kenntnis der Marschlandschaft ihr stets ein sicheres Versteck bieten. Irgendwann gibt die Schul- behörde einfach auf, das wilde Kind einfangen zu lassen. So wird sie von den Bewohnern der Stadt schließlich nur noch „das Marschmädchen“ genannt.

In einer Bucht, in der Nähe der Siedlung für die schwarze Bevölkerung des Marsch- landes, gibt es eine Bootstankstelle mit einem kleinen Allerlei-Laden, der von dem freundlichen Jumpin‘ geführt wird. Dorthin fährt Kya regelmäßig mit dem Boot, tankt und kauft ein.

Als Kya zehn Jahre alt ist, kehrt der Vater eines Tages nicht mehr zurück. Kya überlegt, wie sie zu Geld kommen könnte, und beginnt damit, frühmorgens Muscheln zu sam- meln. Jumpin‘ kauft ihr die Muscheln ab und merkt nach einer Weile, daß Kya nun ganz alleine ist. Er bespricht sich mit seiner Frau Mabel, und diese organisiert über den Kirchenbasar Kleidung und Schuhe. Mabel und Jumpin‘ gelingt es, Kya zu beschenken, ohne sie zu beschämen. Mabel gibt Kya außerdem ganz pragmatisch verschiedene Gemüsesamen und erklärt ihr, wie sie diese in ihrem Garten nutzen kann.

Abgesehen von der Zuwendung von Jumpin‘ und Mabel, die als mitfühlende, aber den-noch räumlich entfernte Ansprechpartner für sie da sind, findet Kya Geborgenheit und Zuverlässigkeit in der Natur. Sie lebt in sinnlich-körperlicher, innerer und äußerer Nähe und Verbundenheit zur Natur. Kya sammelt Federn, Muscheln, Insekten und Pflanzen, sie beobachtet sehr fein und genau und etikettiert ihre Funde mit kleinen natura- listischen Zeichnungen des Fundorts, da sie nicht schreiben kann.

Im zarten Alter von vierzehn Jahren, bei einer ihrer alltäglichen Expeditionen ins Marschland, begegnet ihr Tate. Tate ist der Sohn eines örtlichen Krabbenfischers, einige wenige Jahre älter als Kya, und ebenfalls sehr interessiert an der Natur. Behutsam, ja, geradezu poetisch, nähert sich der sensible Junge dem scheuen Marschmädchen, und er gewinnt nach und nach ihr Vertrauen. Von Tate lernt Kya lesen und schreiben, er schenkt ihr Bücher, und gemeinsam erkunden sie die ersten Regungen jugendlichen Liebeserwachens. Kya blüht auf, ihr zuvor instinktiver Zugang zur Natur wird nun er- gänzt um naturwissenschaftliche Kenntnisse. Endlich hat sie selbständigen Zugang zu Wissen, erfährt Zugehörigkeit und Zärtlichkeit. Daß Kya sich inzwischen selbst zu einer Schönheit entwickelt hat, ist ihr indes nicht bewußt.  

Tate will Biologie studieren, und dafür ist ein Ortswechsel unvermeidlich. Er verspricht Kya, zu einem bestimmten verabredeten Zeitpunkt zurückzukehren. Doch wieder wartet Kya vergeblich auf die Rückkehr eines geliebten Menschen. Denn Tate geht auf dem College gänzlich in seinen wissenschaftlichen Studien und den Versuchungen des Stadtlebens auf und weiß, daß die menschenscheue Kya ihm niemals in diese Welt folgen würde.

Kya trauert, schmiegt sich dann wieder an die Natur an, füttert ihre Möwen, wiegt sich in Meereswellen und entfaltet ihr zeichnerisches Talent.

Chase Adams, der Frauenheld von Barkley Cove, bekommt Wind von Kyas Schönheit, was seinen Jagdtrieb weckt. Doch Kya ist keineswegs leicht zu erobern, und er übt sich – entgegen seiner Gewohnheit – in Geduld und verspricht Kya sogar die Ehe. Doch auch Chase Adams bricht sein Versprechen und heiratet eine andere Frau.

Kya zieht sich in ihre erprobte Einsamkeit zurück und meistert tapfer ihren Lebens- alltag. Sie verfeinert ihr Wissen durch eifrige Lektüre (der Weg in die Stadtbibliothek gelingt ihr inzwischen), vergrößert und systematisiert ihre Sammlung von Marsch- fundstücken, und sie zeichnet und aquarelliert unermüdlich. Sie sagt den Silbermöwen und dem Strand Gedichte auf und fügt sich harmonisch in die natürlichen Rhythmen.

In der Nähe von Barkely Cove wird eine wissenschaftliche Station zur Erforschung der Marsch-Ökologie eingerichtet, und Tate plant dort zu arbeiten. Er wagt einen Besuch bei Kya, der zwar zu einer lebhaften Aussprache führt, aber zunächst keine Aussicht auf eine Annäherung bietet. Allerdings erlaubt Kya, daß Tate einige ihrer Zeichnungen mitnimmt, um sie einem Verleger zu zeigen.

Einige Wochen nach dem Tode von Chase Adams wird Kya des Mordes an Chase Adams verdächtigt, angeklagt und vor das örtliche Geschworenengericht gestellt. Die Wahrheit über Chase Adams‘ Tod hat viele sichtbare und unsichtbare sowie widersprüchliche Facetten, die während der Gerichtsverhandlung ausführlich betrachtet werden. Zum Glück hat Kya einen engagierten Anwalt und unter den Geschworenen mehr Sympathisanten, als sie vermutet hätte …

Die Autorin Delia Owens wechselt erzählerisch zwischen den Phasen der Ermittlung zu Chase Adams‘ Tod und der biographischen Entwicklung Kyas. So entsteht von Kapitel zu Kapitel eine dramatisch wachsende Spannung zwischen Kleinstadtmilieustudie und Psychogramm.

„Der Gesang der Flusskrebse“ ist ein bemerkenswerter, sehr atmosphä- rischer Roman voll natürlicher Sinnlichkeit, elementarer Kraft und tiefer Gefühle. Die Einsamkeit des verlassenen Kindes ist so greifbar, daß man beim Lesen am liebsten mit der Hand zwischen die Zeilen greifen möchte, um die kleine Kya zu trösten. Wie oft kann ein verletztes Herz das tödliche Risiko eingehen, sich wieder auf Nähe einzulassen? Nun, dieser Roman mutet uns ebensosehr die schmerzlichen wie die schönen Gezeiten des Herzens ungeschminkt zu, und er verschafft uns die Bekanntschaft mit einer außergewöhnlich charakterstarken und bewundernswert eigen-willigen Figur, die die wortlose Sprache der Natur versteht wie sonst kaum ein menschliches Wesen.

 

»Sie lächelte zum ersten Mal. Seine Augen waren dieselben wie früher. Gesichter verän-derten sich durch den Tribut, den das Leben fordert, aber Augen bleiben ein Fenster zu dem, was war, und sie konnte ihn darin sehen.« (Seite 292)


Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/der-gesang-der-flusskrebse/978-3-446-26419-9/

 

Die Autorin:

»Delia Owens, geboren in Georgia, erforschte über zwanzig Jahre als Zoologin in verschiedenen afrikanischen Ländern Elefanten, Löwen und Hyänen. Vor kurzem ist sie nach North Carolina gezogen, an den Schauplatz ihres Romandebuts, wo sie als Kind mit ihren Eltern die Sommerurlaube verlebte.«  http://www.deliaowens.com

Die Übersetzer:

»Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, beide Jahrgang 1955, übersetzen seit vielen Jahren englische und amerikanische Literatur von Autoren wie Harper Lee, Dave Eggers, Jodi Picoult und Zadie Smith.«

 

Es gibt zwei Hörbuchausgaben, eine gekürzte und eine ungekürzte, beide gesprochen von Luise Helm und beide im Verlag HÖRBUCH HAMBURG erschienen.

Hier entlang zur gekürzten Hörbuchfassung:
https://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/owens-der-gesang-der-flusskrebse-4981/
Hier entlang zum ungekürzten Hörbuch nebst feiner HÖRPROBE:
https://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/owens-der-gesang-der-flusskrebse-5108/

 

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Der Oktobermann

  • Eine Tobi-Winter-Story
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »The October Man«
  • Deutsch von Christine Blum
  • Deutsche Erstausgabe
  • DTV Verlag, September 2019 www.dtv.de
  • 208 Seiten
  • Kurzroman
  • Krimi mit magischen Elementen
  • 8,95 € (D), 9,20 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21805-4

M A G I S C H E   W E I N L E S E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer mit dem komplexen Hintergrund der siebenbändigen übersinnlichen Krimi-Serie von Ben Aaronovitch noch nicht vertraut ist, möge sich bitte durch die Lektüre meiner Buchbesprechung des ersten Bandes mit der magischen Materie vertraut machen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/

Ben Aaronovitch hat für seine treue deutsche Leserschaft einen magieverdächtigen Kurzkrimi geschrieben, der diesmal nicht in England, sondern in Deutschland spielt. Der deutsche Ermittler und Zauberpolizist heißt Tobias Winter und arbeitet beim KDA, der kriminalistischen Abteilung für „Komplexe und diffuse Angelegenheiten“.

Tobias Winter soll in Trier einem eigenartigen Todesfall auf den Grund gehen und dabei seine kriminalistisch-zauberhaften Spezialkenntnisse und Ermittlungsmethoden anwen-den. Vanessa Sommer, seine örtliche Kollegin von der „normalen“ Polizei, steht ihm hilfreich und ausgesprochen magieaufgeschlossen zur Seite.

Vanessa und Tobias begutachten in der Rechtsmedizin einen Toten, dessen Körper völlig von einem Schlauchpilz überwuchert ist, der im Weinanbau zur Impfung von Weintrau-ben verwendet wird, um die sogenannte Edelfäule anzuregen, die wiederum bei richti- ger Anwendung eine besondere Süße des Weins bewirkt. Menschen werden normaler- weise nicht von „Botrytis cinerea“ befallen, geschweige denn getötet. Es handelt sich eindeutig um einen Mord mit magischer Einflußnahme. Ob die freigelegte Tätowierung auf dem Arm des Opfers, die einen stilisierten Weingott darstellt, ein magischer oder zufälliger Hinweis ist, wird sich im Verlaufe der Fallaufklärung noch zeigen.

Da der Tote am Rande eines Weinbergs gefunden wurde, vernehmen die Ermittler Frau Stracker, die Besitzerin des betroffenen Weinberges. Dabei erfahren sie, daß Frau Strackers Großvater früher alljährlich eine Opfergabe (einige Flaschen Wein) am Flußufer deponiert habe, da er der Überzeugung war, sich solcherart den Segen der Flußgöttin und weitere gute Weinernten zu sichern.

Tobias findet, es sei nun an der Zeit, diese Brauch zu reanimieren, um die Flußgöttin hervorzulocken und sie zu befragen. Nach einigen bezaubernden Treffen mit der recht abweisenden, aber dennoch kooperativen Flußgöttin und ihrem vorwitzigen Nach- wuchs, der aufwendigen Dekontamination eines halben Weinberges, einem weiteren Todesfall sowie  der Verfolgung diverser magischer und menschlicher Spuren erweist sich, daß die Wurzel der aktuellen Probleme in einem halb menschlichen und halb magischen Verbrechen, welches bereits vor Hunderten von Jahren geschah …

„Der Oktobermann“ ist im lockeren, selbstironischen Plauderton, mit leb- haften Dialogen,  phantasievollen Details und süffisanter Kritik an bürokra- tischen Abläufen geschrieben, wie er für Ben Aaronovitch so angenehm bezeichnend ist. Gleichwohl merkt man diesem Kurzroman deutlich an, daß der Autor im deutschen Ambiente nicht wirklich zuhause ist. Es leuchtet beispielsweise nicht ein, wieso er den deutschen Flußgöttinnen (schlag nach bei Wagner) englische Namen gegeben hat, zumal er sich beim restlichen Figurenpersonal durchaus die Mühe gemacht hat, passable deutsche Namen auszuwählen.

Die Geschichte ist trotz des deutlichen Weineinflusses und Weingenusses nicht so flüssig, die Dramaturgie nicht so quecksilbrig und funkensprühend, wie man es aus den vorhergehenden Romanen gewohnt ist. Die Charaktere bleiben blaß, und dementsprechend schwächelt die potentiell vielver- sprechende Beziehungsdynamik zwischen Tobias und Vanessa. Auch die magischen Sonderermittlungsmethoden wurden schon ausführlicher und aufregender dargestellt; gelegentliche nette Anspielungen (nur für Lese- eingeweihte) auf  Peter Grant und Thomas Nightingale, die in den anderen Bänden der Serie magisch maßgeblich sind, verstärken diese Schwach- stellen eher noch.

„Der Oktobermann“ ist im Vergleich zu  Ben Aaronovitchs Vorgängerro- manen kein raffiniertes Fünf-Gänge-Menü, sondern ein unterhaltsamer, maßvoll spannender, leicht verdaulicher Leseimbiß mit etwas provin- ziellem Nachgeschmack.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-der-oktobermann-21805/

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wuchs in einer politisch engagierten, diskussionsfreudigen Familie in Nordlondon auf. Er hat Drehbücher für viele TV-Serien, darunter „Doctor Who“ geschrieben und als Buchhändler gearbeitet. Seine Urban-Fantsay-Serie „Die Flüsse von London“ ist nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland sensationell erfolgreich und führt regelmäßig die Bestsellerlisten an. Inzwischen widmet sich Ben Aaronovitch ganz dem Schreiben, zur Freude seiner zahlreichen Fans. Er lebt nach wie  vor in London.«

Hier entlang zu den Vorgängerbänden:

Band 1: DIE FLÜSSE VON LONDON Die Flüsse von London
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO Schwarzer Mond über Soho
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET Ein Wispern unter Baker Street
Band 4: DER BÖSE ORTDer böse Ort
Band 5: FINGERHUT-SOMMER Fingerhut-Sommer
Band 6: DER GALGEN VON TYBORN Der Galgen von Tyburn
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL Die Glocke von Whitechapel
Band 8: EIN WEISSER SCHWAN IN TABERNACLE STREET Ein weißer Schwan in Tabernacle Street
Band 9: DIE SILBERKAMMER IN DER CHANCERY LANE Die Silberkammer in der Chancery Lane

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE/Eine Peter-Grant-Story
Geister auf der Metropolitan Line
Hier entlang zu einer Peter-Grant-Kurzgeschichten-Sammlung: 
DER GEIST IN DER BRITISH LIBRARY UND ANDERE GESCHICHTEN AUS DEM FOLLY 
Der Geist in der British Library

Hier entlang zu einer Abzweigungsgeschichte mit Peter Grants magisch hochbegabter Cousine Abigail und vielen sprechenden Füchsen:
DIE FÜCHSE VON HAMPSTEAD HEATH/Eine Abigail-Kamara-Story
Die Füchse von Hampstead Heath

Hier entlang zur interessanten und informativen DTV-Webseite zur Peter-Grant-Serie:
https://www.dtv.de/special-ben-aaronovitch-urban-fantasy/startseite/c-184

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