Das geheime Netzwerk der Natur

  • Wie Bäume Wolken machen und Regenwürmer Wildschweine steuern
  • von Peter Wohlleben
  • LUDWIG Verlag   September 2017  http://www.ludwig-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 224 Seiten
  • ISBN 978-3-453-28096-0
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A)  26,9o sFr.

N A T U R L I E B H A B E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohllebens neues Buch öffnet unser Denken und unsere Sinne für die komplexen natürlichen Kreisläufe und Wechselwirkungen unserer Mitwelt. Dabei spielen große und kleine sowie kurzfristige und langfristige Zusammenhänge zwischen den zoologischen und botanischen Arten ebenso eine tragende Rolle wie geologische und klimatische Entwicklungen und der Einfluß der menschlichen Zivilisation.

Das Spektrum der anschaulichen Beispiele für natürliche Gleichgewichte und Selbst-organisationen sowie positive und negative menschliche Einflußnahmen reicht vom winzwinzigen, unterirdischen Mikroorganismus bis zum Baumriesen, vom Moospolster, das ein Vielfaches seines Gewichtes an Wasser speichern kann, bis zur Gewitterwolke, die innerhalb weniger Minuten pro Quadratkilometer bis zu 30 000 Kubikmeter Wasser abregnen lassen kann, vom CO₂- und Stickstoffkreislauf bis zum Für und Wider winterlicher Vogelfütterung, von Ameisen-Blattlaus-Lebensgemeinschaften bis zum evolutionären Hörwettbewerb zwischen Fledermäusen und Nachtfaltern …

Peter Wohlleben weckt sogleich im ersten Kapitel mit der Überschrift „ Warum Wölfe Bäumen helfen“ unsere Neugier. Denn der Zusammenhang zwischen Bäumen und Wölfen ist ja zunächst nicht offensichtlich.

Im 19. Jahrhundert wurden im Yellowstone-Nationalpark auf Druck der umliegenden Farmer systematisch alle Wölfe ausgerottet. Das hatte zur Folge, daß sich die Hirsche massiv vermehrten und insbesondere die Gräser und Baumschößlinge an den Flußufern wegfraßen. Die verödeten, pflanzenarmen Uferregionen boten zu wenig Nahrung für Vögel, deren Artenspektrum abnahm; Biber, die auf Uferbäume angewiesen sind,  verschwanden ebenfalls. Da die Uferböschungen kaum noch einen schützenden Pflanzenbewuchs hatten, wurde bei Hochwasser viel Erdreich mitgerissen, die Erosion beschleunigte sich, und die Flußläufe mäandrierten beträchtlich.

1995 wurden wieder Wölfe im Yellowstone-Nationalpark angesiedelt, und es begann eine „trophische Kaskade“, d.h. „eine Veränderung des gesamten Ökosystems über die Nahrungskette, von oben beginnend“. (Seite 11) Die Wölfe jagten die Hirsche, die Hirschpopulation nahm ab, und die verbliebenen Hirsche hielten sich nur noch kurz an den offenen Uferstreifen auf, da sie die Wölfe fürchteten und sich zum Selbstschutz bevorzugt in weniger sichtoffenen Waldarealen aufhielten.

Die Bäume und die Pflanzenvielfalt kehrten zurück, und nach einigen Jahren waren die Flußufer wieder natürlich befestigt, die Biber kehrten zurück, und in Folge der Biberstaudämme gab es mehr Tümpel, mehr Tümpel förderten die Ansiedlung von Amphibien, und auch die Vogelvielfalt wurde wieder größer …

In Anbetracht der Tatsache, daß „Deutschland auf die Fläche bezogen eines der wildreichsten Länder der Erde ist“ (Seite 16), sollten wir die Rückkehr der Wölfe also gelassen begrüßen und nicht auf hysterische Schlagzeilen gewisser Blättchen hereinfallen. Menschen gehören nicht zum Beutespektrum des Wolfs, und selbst Vieh und Haustiere machen lediglich 0,75 Prozent seiner Nahrung aus. Tatsächlich sind streunende oder verwilderte Hunde viel gefährlicher, da sie keine natürliche Scheu vor Menschen haben.

Peter Wohlleben vermittelt dem Leser eine ganzheitliche Perspektive, er berichtet ausgewogen von Chancen, Gefahren und möglichen Lösungen für menschengemachte Probleme. Er schreibt eigentlich nicht, sondern er erzählt, und dies auf eine solch lebendige, interesseweckende und faszinierende Weise, daß selbst schon sehr naturverbundene Leser nach der Lektüre mit noch wacherem Blick durch Wald und Wiesen streifen.

„Das geheime Netzwerk der Natur“ legt uns mit Gefühl die Natur ans Herz und hebt uns mit Verstand die feinverästelte Komplexität der Natur ins Bewußtsein.

Kritiker, die Peter Wohllebens einfühlsame Erzählweise als unwissenschaftlich bemängeln, verkennen in verkopfter oder profitbeschränkter Welt- und Selbstsicht unsere eigene menschliche Natur, die nämlich am erfolgreichsten durch eine emotionale Ansprache berührt und motiviert wird. Nur wer die Natur liebt, wird ihr mit Achtsamkeit und Respekt begegnen, lebensfeindliche Einmischungen vermeiden und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um ihren Erhalt und Schutz bemühen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Netzwerk-der-Natur/Peter-Wohlleben/Ludwig/e515800.rhd

Das Hörbuch ist parallel zum Lesebuch im Hörverlag erschienen, in bewährter sonorer Stimmqualität gelesen von Peter Kaempfe.

Das geheime Netzwerk der Natur

von Peter Wohlleben
gelesen von Peter Kaempfe
der Hörverlag  http://www.hoerverlag.de
Hörbuch CD (gekürzt)
6 CDs in Pappklappschachtel
Laufzeit: ca. 6 Stunden, 44 Minuten
ISBN: 978-3-8445-2727-8
19,99 € (D), 22,50 € (A) , 28,50 sFr.

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Das-geheime-Netzwerk-der-Natur/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e528126.rhd

 

Querverweis:

Hier entlang zu meiner Rezension von Peter Wohllebens „Das geheime Leben der Bäume“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/02/06/das-geheime-leben-der-baeume/ und „Das Seelenleben der Tiere“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforst-verwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute eine Waldakademie in der Eifel. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Mit seinen Bestsellern Das geheime Leben der Bäume und Das Seelenleben der Tiere hat er Menschen auf der ganzen Welt begeistert.« https://wohllebens-waldakademie.de/

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Wichtelweihnacht im Winterwald

  • Illustrationen von Eva Eriksson
  • Text von Ulf Stark
  • Originaltitel: »Jul i stora skogen«
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Oetinger Verlag   August 2014    www.oetinger.de
  • gebunden, Halbleinen
  • Fadenheftung
  • Format: 24,5 cm x 26,5 cm
  • 104 Seiten
  • 16,99 € (D),  17,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7891-4750-0
  • ab 5 Jahren

WICHTELIGE  ÜBERRASCHELUNGEN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der echte Hauswichtel Grantel kümmert sich aufmerksam um das verlassene Gehöft, das sein Zuhause ist. Er inspiziert alle Räume, zieht sogar mühevoll die Wanduhr auf und betont für sich im Selbstgespräch, wie gut es doch sei, daß alle tierischen und mensch-lichen Bewohner schon seit einem halben Jahrhundert fortgezogen sind. Während er seinen vielbeschäftigten Erinnerungen nachgeht, merkt man jedoch deutlich, daß er sehr einsam ist.

Bei seinem Rundgang rettet er eine Hummel aus einem Spinnennetz und nimmt sie mit in die Hundehütte, die er sich gemütlich eingerichtet hat. Er bereitet der Hummel mit einer Moosmatratze ein Bett in einer kleinen Schachtel und liest ihr aus seinem Buch „Zum Lobe der Einsamkeit“ vor. Die Hummel schläft darüber ein und schnarcht, und Grantel grantelt über diese Ruhestörung.

Am nächsten Tag weht ein starker Wind. Grantel hat noch seine Wollhandschuhe auf der Wäscheleine hängen und will sie in Sicherheit bringen. Doch der freche Wind hebt nicht nur seine Handschuhe in luftige Höhen, sondern zupft ihm auch noch seine rote Zipfelmütze vom Kopf und schickt sie hinterher. Wütend tritt Grantel gegen einen Holzpfosten, so daß sich das angenagte und verwitterte Wegweiserschild, auf dem einst „WEIHERWEG NACH TOMTING IM GRÜNEN TAL“ geschrieben stand, auch noch auf die Windreise begibt.

Kurz denkt der Wichtel noch daran, daß man auf dem Schild nur noch die Silben „WEIH NACH T IM GR“ entziffern kann und beschließt, sich nicht um Weihnachten und auch sonst um nichts und niemanden zu kümmern und seine Einsamkeit und Stille zu genießen. Nur die Hummel füttert er selbstverständlich fürsorglich.

Im großen Wald, in einer weiträumigen Höhle unter einer alten Eiche wohnt eine Kaninchengroßfamilie. Vater, Mutter, Tanten, Onkel, Opa, kleinere und größere Kinder wuseln umtriebig herum, und tierische Nachbarn – Eichhörnchen, Hasen, Igel, Mäuse und Vögel – runden die Geselligkeit munter ab.

Die Kaninchenkinder Nina und Kalle erwarten ihren ersten Winter und lassen sich vom Opa erzählen, wie Schnee aussieht. Neugierig machen einen Ausflug nach draußen und halten Ausschau nach den ersten Schneeflocken. Draußen windet es sehr, und sie finden keinen Schnee, sondern eine rote Zipfelmütze, zwei Handschuhe und ein Holzschild mit geheimnisvollen Schnörkeln darauf.

Die Fundstücke werden nach Hause getragen und von allen Familienmitgliedern begutachtet. Für die Entzifferung des Wegweisers suchen sie den Rat des Uhus, der angeblich lesen kann, aber es sind schließlich die Krähen, die den Text vorlesen: „WEIHNACHT IM GR“. Was denn dieses WEIHNACHT sei, fragen die Kaninchen, und die Krähen wissen nur, daß es etwas spannendes Winterliches sein soll.

Bei allen anderen Waldtieren werden nun Erkundigungen über WEIHNACHTEN eingezogen, und so finden sie heraus, daß zur Weihnacht auch ein Weihnachtsmann, ein Weihnachtsbaum, ein Festessen, Weihnachtslieder, Süßigkeiten, Geschenke  und „Überraschelungen“ gehören.

Mit großem Eifer stürzen sich nun alle in die Weihnachtsfestvorbereitungen, denn es ist ja sternenklar, daß sich der Weihnachtsmann mit dem Schild für den GR=Großer Wald angekündigt hat.

Die Tiere kennen Weihnachten und den Weihnachtsmann nur vom Hörensagen und interpretieren so manches anders. Beispielsweise überlegen sie sich liebevoll, was sie dem Weihnachtsmann schenken könnten und nicht umgekehrt, was sie sich von ihm wünschen.

Am 13. Dezember erscheint dem Wichtel des Nachts die Heilige Lucia mit dem traditionellen Kerzenkranz auf dem Kopf und prophezeit ihm, er werde zwei Kinder bekommen. Grantel will nichts davon hören, und auch die Pfefferkuchen, die Lucia ihm zur Versüßung dieser Botschaft daläßt, überzeugen ihn keineswegs.

Als die Hummel auch noch behauptet, die Pfefferkuchen schmeckten himmlisch, schimpft Grantel, er wolle nichts vom Himmel, von Engeln und Kindern wissen, und er beklagt sich, wie lächerlich er mit dem grauen Wollstrumpf auf dem Kopf aussähe, den er sich in Ermangelung seiner Zipfelmütze anziehen müsse.

Inzwischen fällt längst Schnee, das Festessen in der Kaninchenhöhle ist vorbereitet, der Weihnachtsbaum ist mit Naturmaterialien geschmückt, und alle warten auf den Weihnachtsmann. Doch der kommt nicht, und es werden erste Stimmen laut, welche die Existenz des Weihnachtsmannes bezweifeln.

Nina und Kalle beschließen, heimlich den Weihnachtsmann zu holen. Der Uhu hatte gemeint, der Weihnachtsmann wohne dort, wo der Schnee herkäme. Also kämpfen sich die Kaninchenkinder gegen den Wind und durch den aufkommenden Schneesturm bis zum Hof des Wichtels.

Grantel reagiert zunächst theoretisch abweisend und dann doch ganz praktisch fürsorglich auf die durchgefrorenen Kinder. Er kümmert sich halt, auch wenn er darüber räsoniert. Ja, er ist sogar so einfühlsam, den Weihnachtsmann zu spielen. Er improvisiert einen Schlitten mit Glöckchen und Laterne und fährt mit den Kindern zur Kaninchenhöhle zurück.

Dort werden alle freudig begrüßt, und der Wichtel wird so zärtlich geherzt und willkommen geheißen, daß er nur ganz freundlich grantelt. Als er dann auch noch – neben allerlei anderen Aufmerksamkeiten – seine rote Zipfelmütze wiedergeschenkt bekommt, findet Grantel, daß dies sein schönstes Weihnachten seit hundert Jahren sei.

Nina fragt den Wichtel, warum eigentlich Weihnachten gefeiert werde. „Weil ein Kind auf die Welt gekommen ist“, sagt Grantel. Nun, ich finde, dies ist eine Antwort, die wahrlich kinderleicht zu verstehen ist.

„Wichtelweihnacht im Winterwald“ ist eine schöne, warmherzige Vorlese- geschichte, die – wohlportioniert in 25 übersichtliche Kapitel und durchgehend farbig illustriert – anregend von Tag zu Tag durch die Adventszeit führt.

Die Erzählung betont die zwischenmenschliche bzw. zwischenwichteltierische Ebene. Grantel, eingerostet in seiner menschenleeren Einsamkeit, will mit Weihnachten nichts zu tun haben. Ausgerechnet er wird von den Kaninchen- kindern für den Weihnachtsmann gehalten und erfüllt die ihm zugedachte Rolle schließlich mit Bravour, Gutherzigkeit, feierlicher Andacht und Würde.

Ulf Stark findet einen Erzählton, der in einfachen Worten Dinge und Gegeben- heiten ausspricht und zugleich zwischen den Zeilen ein feinfühliges, vielschichtiges Herzensecho erklingen läßt.

Die sanftmütigen, warmherzigen Illustrationen von Eva Eriksson bereichern den Text Seite für Seite um eine stimmungsvolle visuelle Dimension und harmo- nieren ganz vorzüglich mit der schelmischen Weisheit der Erzählung; damit garantieren sie eine zauberhafte Weihnachtseinstimmung für die ganze Familie.

Die hochwertige Ausstattung mit edlem rotem Halbleinenbuchrücken, die strapazierfähige Fadenheftung und das anschaulich großzügige Buchformat bieten als bibliophile Zugabe eine edle Verpackung für dieses märchenhaft-festliche Wichtelweihnachtshausbuch.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.oetinger.de/nc/schnellsuche/titelsuche/details/titel/1247500/18745/3163/Illustrator/Eva/Eriksson/Wichtelweihnacht_im_Winterwald.html

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren, sehr warmherzigen weihnachtlichen Kinderbuch von Ulf Stark: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/12/was-wir-uns-wuenschen/ 

Der Autor:

»Ulf Stark, 1944 in Schweden geboren, ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuch-autor. Er studierte Pädagogik und Psychologie und veröffentlichte 1975 sein erstes Kinderbuch. Etliche seiner Geschichten wurden auch verfilmt. Für sein Werk wurde Ulf Stark vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem renommierten schwedischen August-(Strindberg-)Preis und dem Nils-Holgersson-Preis. «

Die Illustratorin:

»Eva Eriksson wurde 1949 in Halmstad/Schweden geboren und studierte nach dem Abitur an einer Kunstschule. Heute ist sie eine der bekanntesten und beliebtesten Kinderbuch-Illustratorinnen Schwedens und auch international erfolgreich. Sie wurde u.a. mit der Goldenen Plakette auf der Biennale der Illustrationen in Bratislava und dem Europäischen Jugendliteraturpreis „Provincia di Trento“ ausgezeichnet. Mit ihren liebenswerten Illustrationen der Geschichten über den kleinen „Max“, die inzwischen schon zu den Bilderbuch-Klassikern zählen, kam sie auf die Ehrenliste des Hans Christian Andersen-Preises. Für ihr Lebenswerk erhielt Eva Eriksson den Elsa-Beskow-Preis und den Astrid Lindgren Preis des schwedischen Verlages Rabén & Sjögren.«

Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen

  • von Lars Simon
  • Roman
  • 2. Band der Lennart-Malmkvist-Reihe
  • Originalausgabe
  • DTV  Verlag   November 2017   http://www.dtv.de
  • Taschenbuch
  • 319 Seiten
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-2170-0

ZAUBERHAFTE  EHEKRISEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es ist noch gar nicht so lange her, da führte Lennart Malmkvist ein ganz normales Besserverdienerleben als erfolgreicher Unternehmensberater in Göteborg. Doch von heute auf morgen geriet sein Leben auf eine magische Abzweigung, und er erbte von seinem freundlich-schrulligen Nachbarn Buri Bolmen ein Geschäft für Zauberei- und Scherzartikel und einen sprechenden Mops namens Bölthorn.

Lennart erfuhr von Bölthorn und vom geheimnisvollen Anwalt und Testamentsvoll-strecker, Advokat Cornelius Isaksson, daß er nun einer der Hüter des sagenhaften Dunklen Pergamentes sei. Es gibt vier Teile dieses Pergaments, welche die magische Kraft des Schwarzmagiers Olav Tryggvason, genannt Krähenbein, bannen und somit  Welt und Wirklichkeit vor Tryggvasons schlechtem Einfluß bewahren.

Lennarts Erbe ist mit der Verpflichtung verbunden zu verhindern, daß sich der böse Magier dieser Pergamente, die an verschiedenen geheimen Orten versteckt und gehütet werden, bemächtigt. Dafür muß Lennart so schnell wie möglich wirklich zaubern lernen. Wer sich über diese Vorgeschichte gerne genauer informieren möchte, möge bitte meine Rezension des ersten Lennart-Malmkvist-Bandes konsultieren:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/31/lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen/

Bölthorn und Lennart sind inzwischen gute Freunde geworden und arbeiten eine Namensliste ab, die Advokat Isaksson in Buri Bolmens Unterlagen gefunden hat. Diese Namensliste verzeichnet mögliche Mitglieder der  okkulten Sekte „Tryggvasons Erben“, deren erklärtes Ziel es ist, dem bösen Magier Olav Tryggvason wieder zu seiner alten Macht zu verhelfen.

Henrietta Hellström steht auf dieser Liste, und da sie zufällig in Göteborg wohnt, beschließt Lennart, ihr einen vorsichtigen Besuch abzustatten. Als Adresse ist ein Nebengebäude des Naturhistorischen Museums angegeben. An der Haustür werden Lennart und Bölthorn von einem sichtlich verwirrten Herrn empfangen, welcher der Direktor des Museums und der Ehemann Henriettas ist.

Eine magische Einflußaura ist im ganzen Haus spürbar, und der Hausherr klagt darüber, daß jeden Tag ein unsichtbares Wesen seine Küche demoliere, seit seine Frau verschwunden sei.  Es stellt sich heraus, daß Henrietta entführt worden ist; am Runenstein im innerstädtischen Wald Trindemossen, der sich an den Museumspark anschließt, hat man ihre blutverschmierte Jacke gefunden.

Die Polizei tappt im Dunklen und bei der strengen Kommissarin Maja Tysja steht Lennart auch sogleich wieder unter Generalverdacht, da er immer dort auftaucht, wo gerade ein mysteriöses Verbrechen geschehen ist.

Während Lennart mit verborgenen magischen Mitteln und unter offensichtlicher polizei-licher Observierung seine Nachforschungen anstellt, räumt sein Freund Frederik das Lager des Zauberladens auf, um das Geschäft auf die baldige Neueröffnung vorzu- bereiten. Außerdem richtet er einen Online-Verkauf ein und verkauft ahnungslos das unscheinbare Keksdosen-Orakel, das Lennart mit wohlgereimten Vorhersagen zu versorgen pflegt. Doch dies ist nur eine Panne von vielen und bei weitem nicht die schlimmste …

Das Finanzamt plagt Lennart mit einer beträchtlichen Erbschaftssteuerforderung, da er nicht nur den krimskramigen Laden von Buri Bolmen geerbt hat, sondern auch die dazugehörige wertvolle Immobilie.

Lennarts seltsame Liebesallergie, die ihm, sobald er auch nur eine leise Herzensneigung zu einer Frau entwickelt, unerträglich juckende rote Pusteln am ganzen Körper beschert, zeigt sich diesmal sowohl bei der Wiederbegegnung mit seiner ehemalige Kollegin Emma als auch bei einer „unwirklichen“ Begegnung mit Kommissarin Maja Tysja. Der zwielichtige Leierkastenmann, der schon in ersten Band eine dubiose Rolle spielte, erklärt Lennart, daß er diese Liebesallergie, einem Fluch verdanke.

Ein Kobold mit dem Namen Svartalf muß mit magischen Kochkünsten gebannt werden. Lennart erfährt – nach einigem magischen Kräftemessen – vom durchaus kooperativen Svartalf, daß dieser mit der Fee Vanadia verheiratet ist. Wegen seiner kulinarischen Fleischgelüste hat sie ihn aus ihrem Feenreich verbannt. Er liebe seine Fee jedoch noch immer und wolle sehr gerne zu ihr zurückkehren.

Bölthorn und Lennart wagen einen Ausflug ins Feenreich, dessen Eingang sich an mobilen Portalen stets irgendwo im Trindemossen-Wald befindet. Dazu müssen gefährliche, aber humorvolle Wächter überzeugt werden, doch dies gelingt besser als erwartet. Die Fee ist verwirrend schön und äußerst machtvoll und durchaus verhandlungsbereit, sofern Svartalf dem Fleischgenuß abschwöre. Lennarts scherzhafte Bemerkung, im Feenreich ernähre man sich also feegan, versteht sie zwar nicht, aber sie verspricht Lennart eine großzügige Belohnung, wenn es ihm gelänge, Svartalf von seinem Fleischhunger zu kurieren.

Die Aufklärung der Entführung, der Schutz des Dunklen Pergaments, die Ehekrise von Svartalf und Vanadia, das Entziffern von Runen, das Ertragen von Verwandlungsdruck-wellen und die magische Präparierung eines Elfensteins sowie die Verteidigung des eigenen Lebens gegen menschliche und magische Angreifer bringen Lennart Malmkvist an seine Grenzen. Er ist magiebegabt, aber er hat erst wenig Erfahrung und Übung, und so endet dieser Band mit einem ziemlich harten Klippenhänger …

Auch Lennart Malmkvists zweiter Zauberfall bietet spannende kriminalistische Verwinkelungen, abwechslungsreiche Szenerien mit Göteborger Lokalkolorit, charakterstarke, skurrile Figuren, Dialog- und Situationskomik und erstaunliches Zaubererlatein sowie angedeutete Zusammenhänge, welche die Leseneugier auf eine weitere Fortsetzung unbedingt wachhalten.

Besonders vergnüglich sind Malmkvists alltägliche Schwierigkeiten, sein zauberhaftes Wissen und magisches Wirken und Tun angemessen zu vertuschen und zu tarnen. Hantieren Sie mal unauffällig mit einem Zauberstab oder sprechen mit geschraubten Reimen in eine verbeulte Keksdose, ganz zu schweigen von lebhaften Diskussionen mit einem Mops  …

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/lars-simon-lennart-malmkvist-und-der-ganz-und-gar-wunderliche-gast-aus-trindemossen-21704/

Hier entlang zum ersten Lennart-Malmkvist-Band:
https://www.dtv.de/buch/lars-simon-lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen-21651/

 

Der Autor:

»Lars Simon, Jahrgang 1968, hat nach seinem Studium lange Jahre in der IT-Branche gearbeitet, bevor er mit seiner Familie nach Schweden zog, wo er als Handwerker tätig war. Heute lebt und schreibt der gebürtige Hesse wieder in der Nähe von Frankfurt am Main. Bisher sind von ihm bei dtv eine dreibändige Comedy-Reihe, das Weihnachtsbuch „Gustafssons Jul“ sowie der erste Band der Lennart-Malmkvist-Reihe „Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen“ erschienen. Lars Simon ist ein Pseudonym.«

 

So schön sind die Jahreszeiten

  • Mit Matz, Fratz und Lisettchen
  • von Kazuo Iwamura
  • Aus dem Japanischen von Hana Christen
  • Gereimt von Rose Pflock
  • Nord Süd Verlag März 2017  http://www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 24,6 x 24,4 cm
  • 112 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A), 28,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10401-5
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

E I C H H Ö R N C H I S C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die warmherzigen Bilderbücher mit den Eichhörnchengeschwistern Matz, Fratz und Lisettchen, die dem japanischen Pinselschwung Kazuo Iwamuras entsprungen sind, gibt es schon seit über 30 Jahren. Nun hat der Nord-Süd-Verlag vier der beliebtesten Bilderbücher von Kazuo Iwamura in einem Sammelband gebündelt.

Wir begleiten die niedlichen Eichhörnchenkinder durch einen Jahreslauf. Im Frühling entdecken sie ein hungriges Vogelküken und bemühen sich hilfsbereit, es mit Kiefernzapfen und Kirschblütennektar zu füttern. Doch der kleine Vogel hält seinen Schnabel geschlossen. Schließlich erscheint die Vogelmutter mit einer Raupe, und schon sperrt das Küken seinen Schnabel auf. So lernen die Eichhörnchen, daß Geschmäcker verschieden sind.

Illustration Kazuo Iwamura © Nord Süd Verlag 2017 Sammelband: „So schön sind die Jahreszeiten“

Im Sommer wird eifrig auf einer improvisierten Wippe gewippt, bis es zu regnen anfängt. Matz, Fratz und Lisettchen finden Schutz in einer Erdhöhle. Dort hocken schon zwei Mäuschen, und später gesellt sich noch ein Kaninchenkind hinzu. Nach anfänglichem Fremdeln rücken alle gemütlich zusammen und überstehen das heftige Sommergewitter. Als schließlich die Sonne wieder scheint, wird mit den neuen Spielkameraden noch eifriger gewippt, und alle haben großen Spaß miteinander.

Im Herbst helfen die Geschwister dem Eichhörnchenpapa beim Eichelnsammeln für den Wintervorrat, und die Mama strickt etwas aus roter Wolle. Am nächsten Morgen sind drei kleine Pullover fertig und werden von Matz, Fratz und Lisettchen erfreut angezogen. Wohlgewärmt hüpfen sie durch den herbstlichen Wald und treffen einen Bären, der sich mit roten Früchten vollfrißt und ihnen den Winterschlaf erklärt. Sie finden rote Pilze, rote Beeren, rote Blätter und einen leuchtend roten Sonnenuntergang.

»Der Tag war voller Abenteuer!
Nun sitzen sie zu Haus am Feuer
und ihre Mäulchen stehn nicht still,
weil jeder was erzählen will.«

Der Winter wartet selbstverständlich mit Schnee auf, und Matz, Fratz und Lisettchen lernen – mit allen dazugehörigen Aufs und Abs – Schlittenfahren …

„So schön sind die Jahreszeiten“ ist ein schönes, gemütliches und sehr familiäres Wohlfühlbilderbuch. Genau das Richtige für kuschelige Vorlesestunden mit kleinen und großen Eichhörnchen.

Die Illustrationen von Kazuo Iwamura sind ebenso präzise wie verspielt und vermitteln eine Atmosphäre von geborgener Entdeckerlust.

Der eingängige, lustig-gereimte Text von Rose Pflock harmoniert fein mit den augenzwinkernd-warmherzigen Illustrationen und gibt den Geschichten einen vorleseförderlichen melodischen Schwung.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseblätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.book2look.com/book/13X7zjKZlT

Der Illustrator:

»Kazuo Iwamura, geboren 1939 in Tokio, ist einer der bekanntesten japanischen Bilderbuchkünstler. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Kazuo Iwamura lebt in Tochigi, Japan. Dort steht auch sein Museum für Bilderbuchillustration.«

Die Reimerin:

»Rose Pflock, geboren 1929 in Reichenau, Oberlausitz, Deutschland. Sie war nach ihrem Gesangsstudium mehrere Jahre als Sängerin an verschiedenen Theatern tätig. Rose Pflock schreibt seit Langem Texte für Kinder. Besonders gerne und gut schreibt sie Reime.«

Wölfe

  • Ein Portrait
  • von Petra Ahne
  • Matthes & Seitz Verlag  Oktober 2016   http://www.matthes-seitz-berlin.de
  • Nr. 27 der Reihe NATURKUNDEN          http://www.naturkunden.de
  • 144 Seiten
  • mit zahlreichen farbigen Abbildungen
  • Kleinoktav-Format: 12 x 18 cm
  • gebunden, fadengeheftet
  • Mit schwarzem Kopfschnitt
  • 18,– € (D), 18,50 € (A), 22,90 sFr
  • ISBN 978-3-95757-333-9
    woelfe-titelbild

EIN  WOLF  IST  EIN  WOLF  IST  EIN  WOLF

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Petra Ahne nähert sich dem Wolf kulturhistorisch und vergleicht kurzweilig und facettenreich die menschliche Haltung gegenüber Wölfen im Wandel der Zeit. Dabei verrät der menschliche Blick auf die wilde Natur – selbst bei manchem Naturforscher – meist sehr viel mehr über die menschliche Werteskala und anthropozentrische Vorurteile als über das schlicht biologisch-überlebensnotwendig begründete Verhalten des Wolfes.

In der Vergangenheit galt der Wolf als böse und bedrohlich, und er wurde gnadenlos und grausam vom Menschen gejagt und verfolgt. Beiläufig diente er auch noch als Projektionsfläche für diverse ungezügelte Triebe, wie sie beispielsweise bei den erotischen Untertönen des Märchens vom Rotkäppchen (in der mündlichen Überlieferung) mitschwingen. Die Schriftstellerin Angela Carter reanimierte Ende der Siebzigerjahre mit der Geschichte „Die Gesellschaft der Wölfe“ diese leicht verstörende Urversion des Rotkäppchens.

Im Hexenhammer, dem juristischen Grundlagenwerk der Hexenverfolgung, wurde die zauberische Verwandlung von Menschen in Tiergestalten bzw. Werwölfe ausführlich erörtert, und somit war die Dämonisierung des Wolfs als Verbündeter des Teufels perfekt.

Lange noch wurde der Wolf in Generationen von Tierlexika als böswilliger Schädling und blutrünstiger, heimtückischer Jäger dargestellt, mit abschreckenden Illustrationen wurde seine Bedrohlichkeit entsprechend untermalt. Angesichts der brutalen und rücksichtslosen Jagdmethoden, die Menschen gegenüber Wölfen anwandten und die den Wolf vielerorts gänzlich ausgerottet bzw. vertrieben haben, ist die  Frage berechtigt, wer hier eigentlich die Verkörperung des Bösen ist.

Die Autorin demontiert den einst so beliebten Mythos vom Alpha-Wolf. Der amerikanische Wolfsforscher David Mech hat herausgefunden, daß intensive Dominanzhierarchie nur bei willkürlich zusammengeführten Wölfen in Gefangenschaft vorkommt. In freier Wildbahn bestehen die Rudel aus einem erweiterten Familienverband, in dem die Elterntiere als natürliche Autorität tonangebend sind.

In diesem vielfältigen Panoptikum wird auch auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Hund und Wolf eingegangen und über Jack Londons Roman „Ruf der Wildnis“, in dem ein „zivilisierter“ Hund wieder verwildert, also wölfisch wird, reflektiert.

Wölfe sind sehr anpassungsfähige Tiere, mit ausgeprägtem familiären und kommunikativen Sozialverhalten, deren Nahrung Fleisch ist (bevorzugt Wildfleisch). Daß sie damit menschlichen Jägern nach wie vor in die Quere kommen, ist verständlich; indes sind Menschen, im Gegensatz zu Wölfen, keineswegs auf fleischliche Nahrung angewiesen.

Erst in jüngerer Zeit geht die menschliche Biophilie so weit, daß auch der Wolf als schützenswert und als relevanter Bestandteil des ökologischen Gleichgewichtes positive oder zumindest faszinierte Aufmerksamkeit erfährt.

Bei manchen Menschen ist die Faszination dermaßen groß, daß sie ihr Leben den Wölfen widmen. So finden u.a. die Pianistin Hélène Grimaud und der Philosoph Mark Rowland mit ihrer Liebe zu den Wölfen Erwähnung – moderne Romantiker auf der Suche nach dem inneren Wolf, denen der Wolf als Symbol menschlicher Wildnissehnsucht erscheint.

Petra Ahne gelingt eine wohlausgewogene Perspektive, die zwischen kulturhistorischen und aktuellen zoologischen Informationen sowie naturliebhaberischer Zuneigung gekonnt changiert und uns das fremdvertraute Wolfswesen nahebringt und viele suggestive Vorurteile kompetent entkräftet.

Seit der Wolf unter Artenschutz gestellt wurde und nicht mehr verfolgt wird, kehrt er zurück. Im Bundesland Sachsen leben inzwischen die meisten Wolfsrudel Deutschlands. Hier gibt es seit dem Jahr 2003 das Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und –forschung. Mit Hilfe der Telemetrie werden per Sender die Wege der Wölfe und die Reviergröße kartographisch erfaßt. Außerdem werden Wolfskotproben untersucht, um herauszufinden welche Beutetiere gefressen wurden. Die Untersuchung mehrerer tausend Proben ergab, daß die Wölfe zu 96 Prozent Rehe, Hirsche und Wildschweine fressen und nur zu 0,6 Prozent Schafe und andere Nutztiere.

In Deutschland leben bereits in sechs Bundesländern wieder Wölfe. Für Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wird Wolfsbesiedelung erwartet, sie „gelten als Wolferwartungsland“ (Seite 96).

Zahlreiche farbige Illustrationen runden den Text anschaulich ab. Die historischen Abbildungen zeugen deutlich von der ideologischen und psychologischen Wertung, mit der die Darstellung des Wolfs auch im zeichnerischen Ausdruck erfolgte. Erst die zwölf Wolfsportraits, in denen die weltweit bekanntesten Wolfsarten (vom Eurasischen Grauwolf über den Polarwolf bis zum Mexikanischen Wolf) beschrieben werden, zeigen gegenwärtige Illustrationen von Falk Nordmann, die den Wolf, ohne menschliche Zugaben einfach Wolf sein lassen.

Besondere Erwähnung und ausdrückliches Lob verdient zudem die schöne gestalterische Ausstattung des Buches: schmeichelgriffiges Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten, satte, lesefreundliche Typographie, farbliche Abstimmung des Kopfschnittes und der Fadenheftung mit der Farbgebung des Bucheinbandes. Hier finden wir den harmonischen Einklang von substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe Naturkunden Standard ist.

Da kommt Sammellust auf, und von den 36 bisher erschienen Titeln dieser exquisiten Buchreihe interessieren mich sogleich drei Titel brennend, drei glühend, und weitere drei funkeln mich verführerisch an …*

Zum Ausklang nun noch ein Zitat, das eine schöne Kostprobe von Petra Ahnes subtilem Sprachstil serviert:

»Es passiert etwas mit einer Landschaft, in der Wölfe leben. Ihre unsichtbare Anwesenheit ist wie eine leise Melodie, die die Stimmung verändert. Indem sie ihre Fremdheit und Ungreifbarkeit in den Wald unserer Spaziergänge tragen, machen sie aus ihm einen reicheren, geheimnisvolleren Ort. Einen, der den Menschen spüren lässt, dass hier eine größere Ordnung gilt als die, die er zu seinem Vorteil geschaffen hat; eine die ihn vom Zentrum an den Rand rückt. Es sieht so aus, als müssten wir dieses Gefühl öfter zulassen, wenn wir eine Zukunft haben wollen. Der Wolf könnte uns dabei helfen.«
(Seite 112)

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Russischer Wolf: Illustration von Falk Nordmann © Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2016

Die Autorin:

»Petra Ahne, geboren 1971 in München, studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Publizistik in Berlin und London. Sie ist Redakteurin im Ressort Seite 3/Magazin bei der Berliner Zeitung

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/woelfe.html?lid=5

*Hier entlang zur Buchreihe NATURKUNDEN:
http://www.matthes-seitz-berlin.de/reihe/naturkunden.html

Das geheime Leben der Bäume

  • Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
  • die Entdeckung einer verborgenen Welt
  • von Peter Wohlleben
  • Hörbuch
  • gelesen von Roman Roth und Peter Wohlleben
  • vollständige Lesung
  • Produktion: der Hörverlag 2015/16
  • erschienen im Hörverlag Oktober 2016   www.hoerverlag.de
  • Buchvorlage: Ludwig Verlag
  • 6 CDs in Pappschachtel
  • Laufzeit: ca. 6 Stunden, 54 Minuten
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-2477-2
    Das geheime Leben der Baeume von Peter Wohlleben

B A U M S C H U L E

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohlleben führt uns mit Gefühl, Verstand und Sinnlichkeit durch den Wald und lehrt uns das Staunen. Er doziert nicht, er erzählt!

Aktuelle naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden von ihm sehr eingängig- komprimiert wiedergegeben und um seine langjährigen persönlichen Erfahrungen als Förster kurzweilig ergänzt.

Hätten Sie gewußt, daß Buchen gerne kuscheln? Ja, auch wenn sie sehr nahe beieinanderstehen, konkurrieren sie keineswegs miteinander um Nährstoffe, Licht und Wasser, sondern bei Bedarf füttern sie sich wechselseitig – über das komplexe unterirdische Wurzel- und Pilzfädchensystem – mit Glucoselösung. Buchenkinder stehen sehr lange im Schatten ihrer Mutter, weshalb sie nur langsam wachsen können. Doch diese „Erziehung durch Lichtdrosselung“ führt zu wesentlich stabilerem Wachstum und somit auf lange Sicht zu überlebenstüchtigeren Buchen.

Bäume kommunizieren über Duftstoffe und über chemische sowie elektrische Signal-übertragungen miteinander. Werden beispielsweise die Blätter eines Baumes von Raupen angefressen, so teilt der befallene Baum dies seiner Nachbarschaft über Duftsignale mit. Sowohl der befallene Baum wie auch die benachbarten verändern daraufhin die chemische Zusammensetzung des Pflanzensafts in ihren Blättern – was von Bitterstoffen bis hin zu  insektenspezifischen Giftstoffen reicht. Darüber hinaus verfügen Bäume auch über besondere Rettungslockdüfte, um natürliche Freßfeinde der angreifenden Insekten herbeizurufen.

Auch unterirdisch wird lebhaft kommuniziert. Ein Teelöffel Waldboden enthält mehrere Kiometer Pilzhypen. Der Vergleich dieser Pilzfäden mit der Glasfaservernetzung des Internets liegt nahe. Tatsächlich spricht man inzwischen schon vom „woodwideweb“.

Peter Wohlleben beschreibt die Bäume mithin nicht als isolierte Einzelwesen, sondern als Teil einer Lebensgemeinschaft. Dazu gehören auch Waldtiere, konkurrierende sowie kooperative Verhältnisse zwischen Bäumen und anderen Pflanzen sowie der erst zu einem kleinen Teil erforschte Mikrokosmos des Waldbodens. Die Mikroorganismen, die an der „Schnittstelle von Werden und Vergehen“ ihre wertvolle, unsichtbare Arbeit verrichten, werden ebenso gewürdigt wie Klimarelevanz, Luftfilterwirkung, Wasser- und CO₂-Speicherkapazität der Bäume.

Schädliche menschliche Eingriffe in den Gleichgewichtsorganismus Wald werden fundiert kritisiert und sinnvollen Maßnahmen zur ökologischen Bewirtschaftung, zum Schutz, Erhalt und zur Reanimierung heimischer Urwälder gegenübergestellt.

Egal welchem Detail sich der Autor widmet, stets ist seine Darstellung faszinierend, anschaulich und geradezu spannend, und stets fügen sich die Einzelheiten zu einer ganzheitlich Einheit.

Peter Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume“ ist ein wahrer Lichtblick in der Vermittlung von Wissen über Wald und Bäume. Seine einfühlsame, naturliebhaberische Haltung ist in jeder Zeile zu spüren und dürfte vielen Lesern/Hörern eine lebensdienliche Baumperspektive eröffnen.

Die Hörbuchversion enthält eine Bonus-CD, auf der Peter Wohlleben von seinem beruflichen Werdegang erzählt. Dies ist eine interessante Zugabe – im O-Ton -, die sehr authentisch davon berichtet, wie ein Mensch seiner Berufung folgt und nicht damit aufhört, von den Bäumen zu lernen.

Hier geht es zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e514159.rhd

Das geheime Leben der Baeume von Peter WohllebenDie Buchausgabe ist im Mai 2015 beim Ludwig Verlag erschienen: Das geheime Leben der Bäume
Was sie fühlen, wie sie kommunizieren –
die Entdeckung einer verborgenen Welt
von Peter Wohlleben
gebunden, mit Schutzumschlag, 224 Seiten
19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
ISBN 978-3-453-28067-0
Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e478046.rhd
Seit Oktober 2016 gibt es das Buch zusätzlich als Bildband: https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Leben-der-Baeume/Peter-Wohlleben/Ludwig/e502460.rhd

 

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute einen umweltfreundlichen Forstbetrieb in der Eifel, den er zu einem urwaldähnlichen Laubwald zurückgeführt hat. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Im Ludwig Verlag erschien 2016 sein Bestseller „Das Seelenleben der Tiere“.«

Der Vorleser:

»Roman Roth, geboren 1980 in Frankfurt am Main, hat über Umwege zu seiner jetzigen Tätigkeit als Schauspieler und Sprecher gefunden. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann. Nach ersten Erfahrungen als Schauspieler entschied er sich 2006 für eine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Er übernimmt regelmäßig Rollen in Theater, Film und Fernsehen, spielte u.a.    in dem Spielfilm Der letzte Zug. Seit 2012 lebt er als freischaffender Schauspieler in Berlin.«

Querverweis:

Hier entlang zu Peter Wohllebens Buch „Das Seelenleben der Tiere“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/
und zu Christopher D. Stones Klassiker des Umweltrechts „Haben Bäume Rechte?“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/06/18/haben-baume-rechte/

 

PS:
Schon mein Leben lang habe ich ein inniges Verhältnis zu Bäumen. Was dabei herauskommen kann, wenn man Bäumen zuhört, mag ein Poem illustrieren, das ich meiner alten Lieblingsbuche abgelauscht habe:

 

BAUMSCHULE

 

Ich sehe was
was Du nicht siehst
sagt mir der Baum
mit einer Hand in der Erde
mit der Anderen im Himmel
aus meinem Holz
sind Türen gemacht
die sich nur nach innen öffnen
komm näher Menschlein
hier lernst Du was fürs Leben
verlier ruhig ein bißchen
den Verstand
und laß Dich ein
sieh nur
hör nur
spüre
und vergiß es nie
auch in Deinem Körper
schlägt das Herz der Erde

 

Ulrike Sokul©
10/ 1995

 

 

 

 

Titus und der verwunschene Wald

  • Die Märchenabenteuer von Titus Haselschein
  • von Theodor Serapion
  • mit Illustrationen  von Mirjam Zels
  • erschienen bei der MÄRCHENAKADEMIE Bamberg www.maerchenakademie.de
  • konzipiert und herausgegeben von »Innovation durch Sprache«:
  • Dr. Martin Beyer/ Corporate Story & Creative Writing
  • gebunden, mit grünem LESEBÄNDCHEN
  • 160 Seiten
  • Format: 21,4 cm x 21,4 cm
  • 14,95 €
  • ISBN 978-3-00-052964-1
  • Altersempfehlung: 8 bis 12 Jahre
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MÄRCHEN  MITMACHEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Märchenakademie – das wäre etwas für mich gewesen! Doch ich bin kein Kind mehr, und so bleibt mir nur der kleine Trost, eine feenstaubige Buchbesprechung zu verfassen und beiläufig die Kunde von der Märchenakademie zu verbreiten.

Der Märchenlehrling Titus Haselschein darf – im Gegensatz zu mir – die Märchenakademie besuchen. Dies tut er mit Begeisterung schon seit zwei Jahren. Der Musterschüler kann viele Märchen auswendig, und in den Fächern Ausdauererzählen, Spannung & Gänsehaut, Richtiges Atmen, Märchenbuchbinderei und Märchengesang hat er lauter Einser. Nur in Märchentanz hat er eine Vier, da ist er einfach zu schwerfällig und zu tollpatschig.

Das dritte Ausbildungsjahr ist ein Praktisches Jahr, d.h. alle Märchenlehrlinge werden zur Erweiterung ihres Märchenhorizontes in die verwunschenen und wilden Wälder rund um die Märchenakademie geschickt. Jeder muß alleine losziehen und bekommt lediglich einen Schnurberryrucksack aus echtem Piratensegeltuch, gefüllt mit Proviant und Werkzeug, sowie einen Kompaß mit. Bücher sind im Praktischen Jahr nicht erlaubt, denn es ist Sinn und Zweck dieses Jahres, Märchen am eigenen Leibe zu erfahren.

Titus ist schon ein wenig mulmig zumute, denn der Wald birgt viele geheimnisvolle Wesen, die Nächte sind richtig dunkel, und er ist ganz auf sich alleine gestellt. Doch seine erste Begegnung mit Märchenwesen beginnt ziemlich lustig mit den Sieben Zwergen.

Als diese von Titus darüber informiert werden, daß er als Märchenlehrling unterwegs sei, um spannende Abenteuer zu erleben, warnen sie ihn eindringlich vor den Gefahren, die auf ihn lauern, und bieten ihm die freigewordene Stelle als Haushälter in ihrem Häuschen an, das nach Schneewittchens Heirat ganz schön verwahrlost sei. Dort wäre er auch sicher und geschützt, und nach einem Jahre stellten sie ihm gerne ein löbliches Zeugnis aus.

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Illustration Mirjam Zels © Märchenakademie 2016

Dankend lehnt Titus das wenig verlockende Angebot ab und wird kurzerhand von den Zwergen an die nächstbeste Kastanie gefesselt. Dort habe er Bedenk- und Befürchtungszeit genug, und wenn die Zwerge später aus dem Bergwerk von ihrer Arbeit zurückkämen, fragten sie ihn gerne noch einmal, ob er nicht doch ihr Haushälter sein wolle.

So hatte sich Titus seine ehrenvollen Märchenabenteuer nicht vorgestellt. Hilflos an einen Baum geschnürt, unerreichbaren Juckreizen ausgesetzt und – raschel, raschel, raschel – wer naht sich Titus da von oben aus dem Kastanienblätterdach? Rabea Wintergrün, eine Elfe, eine sehr schnippische Elfe, die sich vehement dem Klischee widersetzt, das Elfen schön, zart und hilfsbereit seien. Erst nachdem Titus ihr den Schneewittchen-Rap vorgesungen und ihn sogar mit ihr einstudiert hat, ist sie bereit, ihn zu befreien.

Von nun an bestreiten Titus und Rabea die Märchenabenteuer gemeinsam, auch wenn wir das Wort bestreiten durchaus buchstäblich verstehen dürfen. Denn die beiden können sich einfach nicht darüber einigen, ob die goldene Märchenregel, daß das Gute über das Böse triumphiere und die Gerechtigkeit siege, wahr sei oder ob alles, was geschehe, reiner Zufall sei.

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Illustration Mirjam Zels © Märchenakademie 2016

Titus und Rabea begegnen einem seltsamen Hexenhausmakler (mit dem Namen Stanislaus McKimsey), Aschenputtels Stiefschwestern, diversen Prinzen und Königen, dem Bösen Wolf (der Reime reimt und Früchte verzehrt), einem Botenfrosch, Rapunzel, Dornröschen, einem überarbeiteten Schloßgärtner, dem Gestiefelten Kater, den Bremer Stadtmusikanten und mehrfach dem explosiven Rumpelstilzchen.

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Illustration Mirjam Zels © Märchenakademie 2016

Die Märchencharaktere verhalten sich meist nicht der Erwartung gemäß. Titus und Rabea müssen ganz schön improvisieren, um Gefahren zu meistern und Probleme zu lösen. Das Rumpelstilzchen ist der einzige Charakter, der unverschlechterlich so agiert, wie es im Märchenbuche steht.

Nach einem Jahr und vielen unfreiwilligen Tanzstunden mit Rabea kehrt Titus an die Märchenakademie zurück; sein Professor lobt ihn besonders dafür, daß er die Freundschaft einer Elfe gewonnen hat …

Der geheimnisvolle Autor erzählt das Märchen im Märchen vergnüglich-humorvoll und mit metafiktiven Randbemerkungen, die „interprosaische“ Dialoge zwischen dem Erzähler und Titus sowie die direkte einbeziehende Ansprache der Leser ermöglichen. Die metafiktiven Einlassungen tragen zur Verzauberung des Leseerlebnisses bei und regen zu eigenen Reflexionen an.

Stilistisch bedient sich der Autor einer sprachlichen Kombination aus klassischem Märchenton und maßvoller Umgangssprache sowie amüsanten Wortspielen, witzig-rätselhaften Wortabkürzungen und anspielungsreichen Namensschöpfungen. Für zusätzliche Spannung und Heiterkeit bürgen die überraschenden, oft untypischen Verhaltensweisen der Märchenfiguren und die Beziehungsdynamik zwischen Rabea und Titus.

Voraussetzung für diesen märchenselbstironischen Lesegenuß ist selbstverständlich, daß Kinder mit den Originalmärchen vertraut sind! Das hoffe ich jedenfalls. Denn eine Kindheit ohne Märchen ist zwar möglich, aber eigentlich eine unmögliche Kindheit.

In „Titus und der verwunschene Wald“ wird ebenso anschaulich wie anregend vorgespielt, wie vielseitig sich der klassische Märchenschatz  weiterspinnen und in andere Darstellungsformen übersetzen läßt. Das zeitlose Element der Märchen kann sich mit modernen musischen Ausdrucksformen durchaus fruchtbar verbinden, wie man an den im Buch vorgestellten Märchen-Rap-Liedtexten ablesen kann. Zwei Refrains aus dem Rapunzellied mögen dies demonstrieren:

» Rapunzel lass dein Haar herunter!
Hier draußen wär‘ dein Leben bunter.
Rapunzeldidunzeldipunzeldidu,
niemand singt so traurig wie du.

Rapunzel lass Dein Haar herunter!
Jetzt wird dein Leben endlich bunter.
Rapunzeldidunzeldipunzeldidu,
niemand singt so fröhlich wie du. «

(Seite 103/104)

Wenn eine solche Märchenzubereitung heutigen Kindern die Beschäftigung mit Märchen schmackhaft macht und sie darüber hinaus dazu animiert, sich zum Mitgestalter märchenhafter Inszenierungen „ausbilden“ zu lassen und eine Karriere als Märchenerzähler anzustreben, dann finde ich das ganz zauberhaft. So ist „Titus und der verwunschene Wald“ zugleich ein originelles, spannendes, phantasieanstiftendes und vergnügliches Kinderbuch und ein charmant-verlockender Botschafter für die Märchenakademie.

 

Eine fast zwanzigminütige Vorleseprobe kann man hier belauschen:
http://maerchenakademie.de/buch/

 

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Illustration Mirjam Zels © Märchenakademie 2016

 

Der Autor:

»Theodor Serapion ist ehemaliger Schüler der Märchenakademie. Mehr über ihn findet sich auf seiner Webseite: www.theodor-serapion.de

Die Illustratorin:

«Mirjam Zels lebt in Hamburg und illustriert und schreibt preisgekrönte Kinderbücher, unter anderem für Carlsen und für die Märchenakademie. www.mirjamzels.de «

Die Märchenakademie:

Die Märchenakademie gibt es wirklich. Sie hat ihren Sitz in Bamberg.
»Die Märchenakademie bildet aus! Schülerinnen und Schüler der 3. bis 6. Schulklassen können bei der Märchenakademie mitmachen und sich zu wunschpunschgenialen Märchenexperten ausbilden lassen: in Workshops, auf der Webseite und in weiteren Spiel- und Lernformen, die an der Universität des Saarlandes entwickelt werden!
Alle Informationen darüber gibt’s auf unserer Webseite www.maerchenakademie.de

 

PS:
Die Künstlerin Petra Pawlowsky hat auf ihrer Webseite „da sein im Netz“ https://pawlo.wordpress.com/ das Projekt KINDER IM AUFWIND initiiert.

In ihren eigenen Worten: »Fragt Ihr Euch auch manchmal, wie unsere Kinder all das verkraften, was an Nachrichten auf sie einstürzt?  Wie sie mit dem anspruchsvollem Leistungsdruck, der Hetze im Alltag, den Medien, den stumpfen Blicken vieler Erwachsener um sie herum zurechtkommen? Wie wir ihnen eine Basis geben können, gelassen, selbstsicher und hoffnungsvoll zu leben und in die Zukunft zu schauen? Eben im Aufwind zu bleiben…«

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/18/kinder-im-aufwindchildren-upwind/

Sie lädt weitere Blogger dazu ein, thematisch passende Texte, Bilder, Fotos, Musik, Gemälde, digitale Kunst, Gedichte, Lieder, Zitate usw. per Linkhinweis ergänzend hinzuzufügen.

Da ich der kindheitsselbsterfahrenen Überzeugung bin, daß Märchen ein elementarer Bestandteil heilsamer Herzensbildung sind und daß der kindliche Geist von Märchen beflügelt wird, reihe ich meine Rezension von „Titus und der verwunschene Wald“ gerne bei KINDER IM AUFWIND ein.

 

 

Abenteuer mit Ungeheuer

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus   August 2015     http://www.urachhaus.com
  • 144 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 19,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7937-3
  • ab 5 Jahren
    Abenteuer mit Ungeheuer

M U T E R T Ü C H T I G  U N G

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers erstes Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“ ist eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.

Piff, das Eichhörnchen, klopft aufgeregt an die Eingangstür zur Wurzelbehausung des Wichtels Tock und berichtet atemlos von einem schrecklichen Ungeheuer, das in der vergangenen Nacht rücksichtslos seine Eichelvorräte geklaut habe. Der weise Wichtel lädt Piff und den mitaufgeschreckten Maulwurf Eduard erst einmal zum ausgiebigen Frühstück ein, um in Ruhe die Einzelheiten aus dem Bericht des Eichhörnchens zu sortieren.

Tocks Haustür

Illustration von Daniela Drescher ©

Danach besichtigen die drei den „Tatort“, und sie müssen erkennen, daß wahrlich ein großes Wesen seine Wühlspuren hinterlassen hat. Tapfer fassen die kleinen Freunde den Entschluß, das diebische Ungeheuer zu verfolgen.

Waldweg am Tage

Illustration von Daniela Drescher ©

Das flinke Eichhörnchen hüpft die erste Wegstrecke locker zweimal ab, während sich Tock und Eduard mit ihren kurzen Beinchen über Stock und Stein und Kraut abmühen müssen. Ungeduldig treibt Piff die Freunde zur Eile an; aber schließlich wird auch er müde, und gemeinsam verbringen sie die erste Nacht im Walde.

Nachtwald

Illustration von Daniela Drescher ©

Die Verfolgung des Ungeheuers dauert länger, als sie sich zunächst gedacht haben. Nebenbei müssen sie sich noch mit Waldzauseln herumärgern, die das Prädikat „kleine Ungeheuer“ durchaus verdient hätten.

Waldzausel

Illustration von Daniela Drescher ©

(Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Unterwegs treffen sie einen Dachs und ein Kaninchen, die beide ebenfalls von den ungeheuerlichen Spuren eines fremden Lebewesens erzählen, das offenbar auf dem Weg zum dunklen Weiher sei. Nun sinkt den Freunden der Mut, denn der Weiher des alten Wassermann-Königs gilt als sehr gefährlich, und kaum jemand hat es bisher gewagt, sich ihm zu nähern.

Während eines schrecklichen Gewitters finden sie Unterschlupf bei einem freundlichen Kräuterweiblein, der Waldgundel. Diese bewirtet sie köstlich und warmherzig und amüsiert sich still über die ganze Ungeheueraufregung und meint seelenruhig, es gebe kein Ungeheuer. Näher erläutert sie ihr geheimnisvolles Wissen zwar nicht, aber sie versorgt die drei kleinen Freunde großzügig mit Proviant und gibt ihnen ein verschnürtes Päckchen mit, das sie öffnen sollen, wenn sie es brauchen.

Waldgundelstube

Illustration von Daniela Drescher ©

Von einem Uhu bekommen sie die Information, daß das Ungeheuer sich ungehobelt im Schlamm gewälzt habe und inzwischen schon am dunklen Weiher angekommen sein müßte. Doch als sie schließlich den einsamen Weiher inmitten einer lieblichen Waldlichtung erreichen, sind sie überrascht, wie schön und friedlich und gar nicht dunkel es dort ist.

Piff ist sogleich wieder übermütig, fällt bei der Suche nach dem Ungeheuer ins Wasser und muß von seinen Freunden gerettet werden. Doch – oh Schreck! – da bittet noch jemand um Hilfe – und das ist das Ungeheuer, das im Uferschlamm feststeckt und eigentlich sogar sehr höflich – wenn auch etwas seltsam – spricht.

Piff ist mißtrauisch, Eduard hilfsbereit, und Tock packt flink und geistesgegenwärtig das Geschenk der Waldgundel aus: Eine kleine Flöte. Tock bläst in die Flöte, eine wunderschöne Melodie erklingt, und mit ihr taucht der Wassermann-König nebst Nixengefolge aus der Tiefe des Weihers auf. Der Wassermann-König schaut zunächst streng umher, wer ihn da in seiner Ruhe zu stören wage, aber er ist dennoch recht umgänglich. Die Besucher müssen sich der Reihe nach vorstellen und ihre Geschichte erzählen.

Das Ungeheuer nennt sich Lionel Wildschwein und kommt von weither … So erfahren die kleinen Helden, daß ihr Ungeheuer keinerlei feindliche oder böse Absichten hat, sondern einfach nur fremd in ihrem Wald ist und nicht wußte, daß es die Eichelvorräte von Piff gefressen hatte. Schließlich bieten sie dem einsamen Lionel aufrichtig ihre Freundschaft an und kehren gemeinsam zum Ausgangspunkt zurück, bereichert um die Erkenntnis, daß die meisten Ungeheuer nur in Gedanken und Vorstellungen ihr Unwesen treiben.

Wildschweinritt

Illustration von Daniela Drescher ©

Der feinsinnige Erzählton sowie die harmonisch begleitenden, atmosphärschen Bilder von Daniela Drescher offenbaren märchenhafte Vielschichtigkeit, eine detailliert-kenntnisreiche Liebe zur Natur und eine überaus warmherzige  Mitgeschöpflichkeit.

Zahlreiche einheimische, namentlich erwähnte sowie zeichnerisch dargestellte Pflanzen und Kräuter geben dem waldigen Abenteuer sinnliche Würze.

Akelei

Illustration von Daniela Drescher ©

Abenteuer mit Ungeheuer“ ist ein ideales Vorlesebuch, geschrieben und gemalt von einer Künstlerin, die weiß, wie eine Vorlesegeschichte für Kinder sinnvoll strukturiert sowie handlungs- und dialogdramaturgisch lebhaft inszeniert werden sollte.

Dazu gehört die gelungene Beziehungsdynamik zwischen dem sowohl innerlich wie äußerlich sprunghaften und wichtigtuerischen Eichhörnchen Piff, dem behäbig-verträumten, diplomatischen Maulwurf Eduard und dem besonnenen, fürsorglichen und tapferen Wichtel Tock. Auch die rituellen Wiederholungen, wie z.B. das allabendliche Pfeifchenpaffen von Tock, das in seiner Rauchwölkchenbildung die jeweiligen Tagesgeschehnisse reflektiert, sind für den Vorleserhythmus geradezu maßgeschneidert.

Sehr ansprechend sind zudem die gelegentlichen metafiktiven, ja, philosophischen Abzweigungen des Erzählverlaufs, in denen die Autorin aus dem Buch heraus ins wirkliche Leben greift, so wie in den nachfolgenden Zitaten:

„Er sah, dass es Tock sehr ernst damit war, und niemand, nicht einmal Piff, wagte es, dem Wichtelmann zu widersprechen. So wie man dem Weihnachtsmann nicht widerspricht, oder dem ersten Schnee, dem Frühlingssturm oder dem Duft der Pfefferminze.“
(Seite 21)

Eduards Seele war berührt vom Zauber des Wachsens. Denn wenn die Seele größer wird, wird man immer auch ein wenig traurig … Weißt du, was ich meine? Etwa so, wie sich das Wachsen deiner Knochen mit einem leisen Ziehen bemerkbar macht.“
(Seite 139)

 

Die Autorin & Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen weltweit bekannt, von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause. Neben ihren eigenen Bilderbüchern ha sie mehrere Klassiker der Weltliteratur illustriert und gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Abenteuer mit Ungeheuer ist ihr erstes erzählendes Kinderbuch, das sie selbst geschrieben und illustriert hat.«
Mehr Informationen auf ihrer Webseite: http://www.danieladrescher.de

Querverweise:

Hier folgen die Links zu drei weiteren sehens- und lesenswerten Kinderbüchern mit Illustrationen von Daniela Drescher:

Die Wichtelreise  (Denys Watkins-Pitchford)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/22/die-wichtelreise/

Ein Sommernachtstraum (William Shakespeare)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/09/ein-sommernachtstraum/

Die kleine Elfe feiert Weihnachten (Text und Illustration von Daniela Drescher)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/18/die-kleine-elfe-feiert-weihnachten/

Herr Eichhorn und der König des Waldes

  • BILDERBUCH
  • Text und Illustrationen von
  • Sebastian Meschenmoser
  • Thienemann Verlag Juli 2015           http://www.thienemann.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 64 Seiten
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-522-43800-1
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn und der König des Waldes

D U F T N O T E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wie freue ich mich über das Bilderbuchwiedersehen mit Herrn Eichhorn!
Denn ich bin schon seit dem ersten Band (HERR EICHHORN UND DER MOND https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/) unsterblich in Herrn Eichhorn verliebt.

Nun liegt der fünfte Band „Herr Eichhorn und der König des Waldes“ vor und becirct mich aufs neue mit dem naiven Charme seines Eichhornhauptdarstellers und den wunderbar naturbelassenen, lebendigen Zeichnungen von Sebastian Meschenmoser.

Herr Eichhorn und seine beiden besten Freunde, Igel und Bär, besuchen den alten Steinbock und lauschen ergriffen seiner Sage vom König des Waldes.

Der König des Waldes erscheine alle hundert Jahre nur einmal, er sei von tierischer Mischgestalt, könne den Körper eines Hirschen haben, den Kopf eines Fuchses, die Ohren vom Hasen. Seine Krone sei aus Laub, und der Morgenstern ziere sein weises Herz. „Was der König sagt, ist Recht und Gesetz.“ und sollte befolgt werden, weil es zu einem besseren Leben führe. Herr Eichhorn ist tief beeindruckt und träumt die ganze Nacht vom König.

 

Herr Eichhorn und der König des Waldes. NESTjpg(Anklicken vergößert die Ansicht)

Wenig später stromert ein kleiner Hund, ein Jack-Russel-Terrier, der zu kampierenden Ausflüglern gehört, durch Herrn Eichhorns Waldviertel. Er trägt ein Halsband mit einem deutlich sichtbaren Stern, und beim Herumwühlen im Unterholz haben sich zwei belaubte Zweige so in seinem Halsband verfangen, daß sie wie ein kleines Geweih hinter seinen Ohren hervorlugen. Wie es Hundeart ist, hebt er hier und da sein Bein und hinterläßt seine Duftmarke.

Dies macht er auch an Herrn Eichhorns Baumstamm. Da Eichhörnchen SEHR feine Nasen haben, erwacht Herr Eichhorn, klettert auf seinen Ausguckast und „erkennt“ staunend, daß anscheinend der König des Waldes erschienen ist. Ehrfürchtig verneigt er sich vor dem König und bittet um Anregungen für ein besseres Leben.

Der verspielte Hund führt nun anschaulich und zum Mitmachen vor, was für ihn erfüllende Tätigkeiten sind, und Herr Eichhorn sowie verschiedene weitere Waldbewohner buddeln eifrig Löcher, laufen im Kreis herum, kratzen sich an den Ohren und lassen sich darüber belehren, wie oberwichtig es ist, überall – besonders an seinem Wohnorte – seine Duftmarke zu hinterlassen. Danach verabschiedet sich der „König“, denn sein Mittagessen wartet.

Herr Eichhorn und der König des Waldes. Königsregelnjpg.(Anklicken vergrößert die Bilder)

Die Duftmarkenregel macht schnell die Runde, und alle Tiere halten sich an den Rat des Königs. Doch ein besseres Leben kommt durch diese neue Regel nicht in Sicht, im Gegenteil – der Wald beginnt zu stinken.

Herr Eichhorn hält sich dauernd die Nase zu und sehnt sich nach neuerlichem königlichen Rat, doch der ist ja erst in hundert Jahren fällig. Nach einem kräftigen Regenguß besinnen sich die Tiere des Waldes indes darauf, daß sie ganz gut auf eine solch zweifelhafte, königliche Lebensregel verzichten können.

Nun, da die Luft wieder gereinigt ist und es einfach nur angenehm nach Gras duftet, begreifen sie, daß sie schon JETZT ein schönes Leben haben und eigentlich gar kein Verbesserungsbedarf besteht.

Das ganz besondere Stilmerkmal Sebastian Meschenmosers ist seine zeichnerische Meisterschaft in der Wiedergabe der Körpersprache, Mimik und Physiognomie der dargestellten Tiere. Der gelungene Eindruck lebendiger Bewegung, die naturbelassene, dezente Farbgebung sowie die dynamische Choreographie von sparsamem Text und üppiger Bildwelt mit Texturen von Baumrinden, Flechten und Fell sind eine entdeckenswerte Augenweide.

Der skizzenhafte und doch detailverspielte, ja, an Naturstudien erinnernde Zeichenstil mit Blei- und Buntstift wird in diesem Band um drei Doppelseiten in Öltechnik ergänzt. Diese waldigen „Ölgemälde“ illustrieren die Sage vom „König des Waldes“ und sind eine absichtliche Anspielung auf die romantischen Waldansichten Caspar David Friedrichs.

In Respekt vor dem künstlerischen Schaffen Caspar David Friedrichs erschiene mir jedoch ein diesbezüglicher Hinweis im Buche angemessen. Bereits im zweiten Band HERR EICHHORN UND DER ERSTE SCHNEE gab es eine köstliche Anspielung auf das Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich.

Die Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser eignen sich ebenso für kindliche wie für erwachsene Betrachter. Die kunsthistorischen Anspielungen sind keineswegs eine Überforderung für Kinder, sondern eine sanfte Hinführung zu alternativen künstlerischen Sichtweisen, die zumindest bei musisch veranlagten Kindern auf zusätzliche Resonanz treffen können. Auch für den Kunstunterricht in der Grundschule öffnen sich hier interessante gestalterische Spielräume, um die Bildsprache eines Malers „lesen“ zu lernen oder sich zu eigenen Bildvariationen anregen zu lassen.

Doch abgesehen von malstiltheoretischen Erwägungen ist „Herr Eichhorn und der König des Waldes“ eine heiter-nachdenkliche Geschichte, mit liebenswerten Tiercharakteren und witzigen Wendungen. Kurz: „Herr Eichhorn und der König des Waldes“ laden ein zu einem phantastisch-natürlichen Bilderbuch-Waldspaziergang, der viel Anlaß zum Schmunzeln gibt.

Mit seiner Doppelbegabung als Zeichner und Erzähler erschafft Sebastian Meschenmoser eine entzückend lebendige und warmherzige Symbiose aus Bild und Wort.

Herr Eichhorn und der König des Waldes.frische Luft.Alle Illustrationen  von Sebastian Meschenmoser ©

Der Autor und Illustrator:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz, lebt und arbeitet in Berlin. Mit „Fliegen lernen“ veröffentlichte er 2005 bei Esslinger sein erstes Bilderbuch, das sofort viel Beachtung fand. Sein zweites Buch, „Herr Eichhorn und der Mond“, der erste Band der erfolgreichen Reihe, wurde 2007 für den Jugendliteraturpreis nominiert. Inzwischen erschienen neun Bilderbuch-geschichten, zuletzt „Gordon und Tapir“, ebenfalls nominiert für den Jugendliteraturpreis 2015 in der Sparte Bilderbuch.«
Seine künstlerische Webseite: http://www.sebastian-meschenmoser.de/

Ein nettes Interview mit Sebastian Meschenmoser gibt es hier zu besichtigen:
http://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/extras-events/geschichten-detail/im-gespraech-mit-kuenstler-sebastian-meschenmoser/

 

QUERVERWEISE auf die ersten vier Bände vom Herrn Eichhorn:

HERR EICHHORN UND DER MOND
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

HERR EICHHORN UND DER ERSTE SCHNEE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

HERR EICHHORN UND DER BESUCHER VOM BLAUEN PLANETEN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/

HERR EICHHORN WEISS DEN WEG ZUM GLÜCK
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weis-den-weg-zum-gluck/

Ein Märchen im Schnee

  • von Loek Koopmans
  • Bilderbuch
  • 10. Auflage 2014  Verlag Freies Geistesleben     www.geistesleben.com
  • durchgehend farbig illustriert
  • gebunden, Fadenheftung
  • 24 Seiten
  • Format: 24 cm x 22 cm
  • 12,90 €
  • ISBN 978-3-7725-1136-3
  • ab 2 Jahren
    Ein Märchen im Schnee

PLATZ  IST  IM  KLEINSTEN  HANDSCHUH

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Ein Märchen im Schnee“ basiert auf einem russischen Märchen und ist vom niederländischen Illustrator Loek Koopmans nacherzählt und nachgezeichnet worden.

Ein Holzfäller durchquert, begleitet von seinem kleinen Hund, den winterlichen Wald; unbemerkt verliert er einen bunten Wollhandschuh. Der erste Finder des Handschuhs ist ein kleines Mäuschen namens Eil-dich-flink, und genauso flink bezieht es den Handschuh als Winterquartier.

Langsam fängt es an zu schneien. Der Frosch Hinkebein kommt des Weges und fragt, ob er auch in das gemütliche Handschuhheim einziehen darf. Freundlich bittet das Mäuschen Eil-dich-flink den Frosch herein. Es schneit weiter, und ein Häschen namens Schnell-zu-Fuß bittet ebenfalls um Einlaß, und so geht es in einem fort: Es schneit und schneit, und nach und nach bitten ein Fuchs, ein Wildschwein und sogar ein Bär um Unterkunft in der Handschuh-WG.

Gemütlich kuscheln sich die sechs Tiere in dem wundersam dehnbaren Handschuh aneinander, bis der Holzfäller auf der Suche nach seinem Handschuh zurückkehrt und das schöne Märchen leider ein recht nüchternes Ende findet.

Die feinen, ausdrucksvollen Zeichnungen, die kühle Schneestimmung im Kontrast zur bunten Geborgenheit der Tiere in der Handschuhhöhle und der warmherzig-lustige Text: All dies macht „Ein Märchen im Schnee“ zum idealen Vorlesebilderbuch für die Winterjahreszeit.

Das Bedürfnis nach Schutz, Wärme und gemeinschaftlicher Verbundenheit ist gerade ganz kleinen Kindern besonders vertraut. Diese Lebensbedürfnisse am Beispiel tierischer Mitgeschöpfe darzustellen wird zudem Bestätigung und Ermunterung für die kindliche Empathie sein.

Die lustigen Namen der Tiere, die bei jeder erneuten Frage um Einlaß in den Handschuh aufgezählt werden, geben dem kindlichen Vorlesepublikum außerdem die willkommene Gelegenheit, selber die Namen der Tiere aufzusagen oder weitere zu erfinden.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.geistesleben.de/buecher/9783772511363/ein-maerchen-im-schnee

Der Illustrator:

»Loek Koopmans ist ein bekannter Illustrator und lebt in Zwolle (Holland) Er wurde 1943 in Haarlem geboren. Seine Bilderbücher sind außer in Niederländisch auch mehrfach in Deutsch, Englisch und Japanisch erschienen. Er war mit seinen Arbeiten bei den berühmten Illustratoren-Ausstellungen in Belgrad, Bologna und Bratislava vertreten

Querverweis:

Wer gerne noch mehr SCHNEEGEFÜHLE kennenlernen möchte, dem sei nachdrücklich das feine Bilderbuch von Sebastian Meschenmoser: Herr Eichhorn und der erste Schnee“ ans Herz gelegt. Dort kann man sehen und staunen, in was sich Schneeflocken verwandeln können, wenn man noch nie welche gesehen hat.
Hier folgt der Link zur Besprechung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee