Der Nussknacker

  • illustriert von Valeria Docampo
  • Präsentiert vom New York City Ballet
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Mixtvision Verlag  Oktober  2016  http://www.mixtvision.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 40 Seiten
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-95854-093-4
  • laut Verlag: ab 3 Jahren
  • meiner Einschätzung nach: ab 4 Jahren
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B I L D E R B U C H B A L L E T T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Der Nussknacker“ ist der schwungvoll illustrierte Auftakt einer neuen Reihe des New York City Ballets mit den schönsten Ballett-Märchen für Kinder.

E.T.A. Hoffmanns Weihnachtsmärchenklassiker „Nußknacker und Mausekönig“ wurde vor fast 125 Jahren vom Komponisten Piotr Iljitsch Tschaikowski und den Choreographen Marius Petipa und Lew Iwanow als Ballett inszeniert. Der Uraufführung am 18. Dezember 1892 am Mariinski Theater in Sankt Petersburg war damals kein Erfolg beschieden.

1954 – in gutes halbes Jahrhundert später – choreographierte George Balanchine das Ballett für das New York City Ballett neu, und seine Version des „Nußknackers“ kam so gut beim Publikum an, daß sie auch heute noch dort gespielt wird.

Der Text des vorliegenden Bilderbuches basiert auf George Balanchines Inszenierung.

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Illustration Valeria Docampo © MIXTVISION Verlag 2016

Es ist Weihnachten und es herrscht allgemeine Feststimmung. Die kleine Marie bekommt von ihrem Patenonkel, Herrn Drosselmeier, der in seinem Auftreten ein bißchen an einen Zauberer erinnert, einen hölzernen Nußknacker geschenkt. Marie gefällt der Nußknacker sehr und sie mag auch den hübschen Sohn ihres Patenonkels.

Um Mitternacht erwacht Marie und wundert sich, daß der Weihnachtsbaum so groß geworden ist – offenbar ist sie auf Spielzeuggröße geschrumpft.  Ein Mäuseheer, angeführt vom siebenköpfigen Mäusekönig, greift plötzlich an, die Spielzeugsoldaten von Maries Bruder werden lebendig und kämpfen unter der kundigen Führung des ebenfalls belebten Nußknackers gegen die Mäuse.

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Illustration von Valeria Docampo © MIXTVISION Verlag 2016

 

Marie entscheidet schließlich durch einen geschickten Pantoffelwurf den Kampf zugunsten des Nußknackers. Als sich der Nußknacker die Krone des Mäusekönigs aufsetzt, ist der Fluch, der ihn in die hölzerne Gestalt des Nußknackers gebannt hatte, gebrochen, und er verwandelt sich in einen wunderschönen Prinzen, der dem Neffen von Herrn Drosselmeier verdächtig ähnlich sieht.

Die Kinder wandern Hand in Hand durch den Winterwald und gelangen ins Land der Süßigkeiten, wo sie von der Zuckerfee freundlich begrüßt werden. Sie läßt ihre Gäste mit köstlichen Süßspeisen bewirten, und zur Feier des Sieges über den Mäusekönig werden verschiedene bunte Tänze vorgeführt: Ein spanischer heißer Schokoladentanz, ein arabischer Kaffeetanz und ein chinesischer Teetanz. Dazu gesellen sich akrobatische Zuckerstangen, flötende Marzipan-Schäferinnen, kleine Clowns sowie eine Tautropfenfee mit ihrer Zuckerblütentanztruppe.

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Illustration von Valeria Docampo © MIXTVISION Verlag 2016

Auch die Zuckerfee zeigt mit ihrem edlen Kavalier eine Kostprobe ihres anmutigen Tanzvermögens. Zum Abschied finden sich alle zu einem letzten gemeinsamen Tanz zusammen, und Marie kehrt mit ihrem kleinen Prinzen zurück in die wirkliche Welt…

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Illustration von Valeria Docampo © MIXIVISION Verlag 2016

Die Illustratorin Valeria Docampo hat für dieses Bilderbuch eine weitgehend warme, weichzeichnerische Farbpalette gewählt. Die unterschiedlichen Tanzszenerien, die im Land der Zuckerfee spielen, sind sehr, sehr rosapurpurrotbetont und für meinen Geschmack etwas zu dekorativ geraten.

Von den tänzerischen Figuren werden viele klassische Balletthaltungen eingenommen. Auf dem Titelbild sieht man Marie beispielsweise in der Haltung der Arabesque. Auf zwei zusätzlichen Seiten wird die Geschichte (unter der Überschrift: „Magische Fakten“) um interessante bühnentechnische sowie kostümbildnerische Details zur Inszenierung des Balletts unter der Choreographie George Balanchines ergänzt.

Die Illustrationen sind dynamisch-bewegt und zugleich etwas steif, was angesichts der formalisierten Bewegungsabläufe der Ballettdisziplin durchaus eine gewisse Berechtigung findet. Die an der Körpersprache der Figuren deutlich ablesebaren Umgangsförmlichkeiten haben einen eigenwillig-altmodischen Charme.

Der Schneeflockenwalzer wird im Text nicht ausdrücklich erwähnt, sondern schwebt eher beiläufig angedeutet als Bild vorbei.

Dieses dramaturgisch abwechslungsreiche, traumtänzerische Bilderbuchballett ist für Kinder eine schöne Einführung in das Märchen vom „Nußknacker und Mäusekönig“ und eignet sich gut als Vorbereitung auf den Besuch einer entsprechenden Ballettaufführung.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://mixtvision.de/buecher/der-nussknacker/

 

Und ganz ausnahmsweise hier einmal einige tänzerische YouTube-Links zum Ballett:

STREIFLICHTER aus der aktuellen Inszenierung des New York City Balletts in der George-Blanchine-Choreographie vom 25. November 2016 bis 31.Dezember 2016:

Verbindlichen Dank an den Maestro von der sprachmusikalischen Websaite Random Randomsenhttps://randomrandomsen.wordpress.com/  für den dienlichen Hinweis auf den nachfolgenden anmutig-präzisen Ballettauftritt von Nina Kaptsova:

Tanz der Zuckerfee (Nina Kaptsova / Bollschoi Ballett 2010):

 

 

Die Illustratorin:

»Die Inspiration für ihre Illustrationen findet Valeria Docampo im Alltag: der Blick eines Hundes, das Rauschen des Regens im Herbst oder der Duft des Frühstücks. Geboren wurde sie in Buenos Aires, Argentinien, wo sie auch ihr Diplom in Grafikdesign und visueller Kommunikation machte. Seit 2003 widmet sie sich ganz der Illustration für Kinderbücher, immer auf der Suche nach neuen grafischen Techniken.«

 

Querverweis:

Hier entlang zu zwei weiteren Bilderbuchwerken von Valeria Docampo:
Die große Wörterfabrik
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/08/die-grose-worterfabrik/
Der Bär und das Wörterglitzern
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/04/der-baer-und-das-woerterglitzern/

 

 

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Was wir uns wünschen

  • von Ulf Stark
  • Originaltitel: »En liten bok om kärlek«
  • Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
  • Mit Schwarz-weiß-Illustrationen von Lina Bodén
  • Verlag Urachhaus     August 2016   www.urachhaus.com
  • gebunden
  • 112 Seiten
  • 12,90 € (D), 13,30 € (A)
  • ISBN 978-3-8251-7984-7
  • ab 7 Jahren
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MIT  GEFÜHL

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Was wir uns wünschen“ ist eine warmherzige Weihnachtsgeschichte, die in der Vergangenheit spielt und gleichwohl die Zeitlosigkeit elementarer zwischenmenschlicher Bedürfnisse zeigt.

Eine Kindheit im Krieg ist kein Zuckerschlecken; davon kann der Junge Fred ein Lied singen. Alle Lebensmittel sind rationiert, und zum alltäglichen Mangel kommt ein besonders kalter Winter belastend hinzu. Seine Mutter, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hat, arbeitet als Straßenbahnschaffnerin, und Fred hilft nachmittags einem freundlichen Nachbarn als Ausrufer und Lieferant beim Weihnachtsbaummarktstand aus.

So kann er auch etwas zum Haushalt beitragen. Fred darf zusätzlich zu seiner kleinen Umsatzbeteiligung alle Holz- und Zweigreste mitnehmen, mit denen später der häusliche Kachelofen befeuert wird.

Fred vermißt seinen Vater, der als Soldat an der Grenze zu Finnland dient, und er ärgert sich über den Politiker mit dem kleinen schwarzen Schnurrbart, der diesen Krieg angefangen hat.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Wenn Fred wichtige Lebensfragen hat, setzt er sich in die Kleiderkammer unter den Sonntagsanzug seines Vaters und holt sich väterlichen Rat, indem er das Rauschen der Lüftungsklappe in echte Antworten uminterpretiert. Manche Dinge muß man eben von zu Mann zu Mann besprechen.

Fred ist sehr gut in Mathematik und heimlich verliebt in seine Klassenkameradin Elsa. Bei der nächsten Klassenarbeit versucht er, Elsa die Lösung für eine Rechenaufgabe, mit der sie offensichtlich nicht klar kommt, zuzustecken. Dabei wird er erwischt, und seine Absicht, sich bei Elsa beliebt zu machen, wird pompös und peinlich verfehlt.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Nach der Schule arbeitet er wieder am Weihnachtsbaumstand und bedient eine elegante, offensichtlich wohlhabende Dame. Fred trägt ihr den Weihnachtsbaum nach Hause, und sie gibt ihm ein sehr üppiges Trinkgeld. Seufzend äußert sie ihren Wunsch nach Frieden, und Fred (dessen Name Frieden bedeutet) stimmt ihr zu. Daraufhin schenkt sie ihm noch eine Tafel Schokolade und ein kristallenes Parfümfläschchen, in dem noch ein kleiner Rest von Parfüm ist. Fred hält die Dame für eine gute Fee, denn immer, wenn er ein Tröpfchen von ihrem Parfüm verreibt, fühlt er sich froh und zuversichtlich.

Fred beratschlagt sich in seinen imaginativen Gesprächen mit seinem Vater, wie er das Mogelzettelproblem lösen und Elsas Herz erreichen könne. Liebe sei nichts für Feiglinge, meint sein Vater.

Fred besteht in den folgenden Tagen eine Mutprobe ganz anderer Art als geplant. Geplant ist ein offenes Wort an Elsa; das führt jedoch, durch Freds schüchterne Wortverlegenheit, nur zu weiteren Mißverständnissen. Ungeplant und ganz spontan öffnen Fred und sein bester Kumpel Oskar heimlich die Schulvitrine mit den naturwissenschaftlichen Schauobjekten und bekleben das dortige Skelett mit einem Hitlerbärtchen aus schwarzem Isolierband.

Am nächsten Schultag gibt es auf der Suche nach den „Tätern“ ein dickes Donnerwetter vom Schuldirektor. Fred und Oskar beweisen Zivilcourage und gestehen ihren Streich. Sie bekommen eine Verwarnung und eine Fünf in Betragen. Bei der Verwarnung, die von der Klassenlehrerin für die Eltern verfaßt wird, beweist diese wiederum viel Zivilcourage durch die unkonventionelle Formulierung, die ein ausdrückliches Lob für den Schülerstreich enthält.  Dementsprechend positiv reagiert Freds Mutter, die zudem mein, daß Freds Vater stolz auf seinen Sohn wäre, wenn er von seiner „Heldentat“ erführe.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Von seinem Vater weiß Fred, daß man für die Liebe manchmal ein Opfer bringen müsse. Also packt er seine Trinkgeld-Schokolade in ein herausgerissenes Blatt aus einem alten Popeye-Comic und schreibt ein Liebesbriefchen dazu. Beide Gaben schmuggelt er am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in Elsas Schreibpult.

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Illustration von Lina Bodén © Verlag Urachhaus 2016

Obwohl sein Brief ein wenig holperig und ungeschickt ist, kommt er entschieden positiv bei Elsa an. Sie wartet auf dem Schulhof auf Fred und begleitet ihn zum Weihnachts-baummarktstand, wo er noch einen versprochenen Restweihnachtsbaum abholen darf. Gemeinsam tragen sie den Baum zu Freds Wohnhaus. Dort umarmt Elsa Fred und schenkt ihm einen blauen Taschenspiegel mit der Bemerkung: „Wenn du da reinguckst, siehst du einen, den ich gern hab.“ (Seite 89)

Nun, diese Herzensangelegenheit ist schon mal gut eingefädelt und läßt hoffen. Und die Sehnsucht nach dem Vater wird ganz überraschend auch noch gestillt – wenigstens für Heiligabend …

Ulf Stark transportiert uns mit seinem einfühlsamen Text schnurstracks in Freds Herz. Schon nach wenigen Seiten ist der atmosphärische Zeitsprung in die Vergangenheit perfekt, und die verschiedenen Charaktere werden uns vertraut. Freds Klassenlehrerin, die eine wahre pädagogische Lichtgestalt repräsentiert, verdient ganz besondere Leseaufmerksamkeit.

Die feinen, konzentrierten Schwarz-weiß-Illustrationen von Lina Bodén bringen den Zeitgeist und die Gefühlstemperatur der Erzählung stimmungsvoll zur Geltung.

Anrührend sind außerdem die – im Vergleich zu heutigen Usancen –  bescheidenen kindlichen Weihnachtswünsche. Es geht um Schlittschuhe und eine Mundharmonika, aber ansonsten ist der Wunschtraum nach üppigen Nahrungsmitteln und nach Frieden viel ausgeprägter als der nach spielerischen Dingen. Fred zeigt auch großen Einfalls- reichtum beim Geschenkebasteln. So holt er vom Schrottplatz Messingmuttern, poliert sie blank und fädelt sie zu einem glänzenden Armband auf, das er seiner Mutter schenkt.

In einer Sprache, die einfach und zugleich ganz zartfühlend und sinnlich-greifbar ist, stellt der Autor die kindlichen Herzensregungen dar: voller Mitgefühl, mit leisem Tiefgang und mit einer freundlichen Portion schelmischen Humors.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825179847/was-wir-uns-wuenschen

Der Autor:

»Ulf Stark, geboren 1944 in Stockholm, knüpfte bereits in seiner Gymnasialzeit Kontakte zu Schriftsteller- und Künstlerkreisen und debütierte 19-jährig mit einem Lyrikband. Seit Jahrzehnten ist er freier Kinderbuchautor und seine Bücher sind nicht nur in Schweden, sondern auch in vielen anderen Ländern sehr erfolgreich und wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Nils-Holgersson-Plakette, dem Astrid-Lindgren-Preis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis

Die Illustratorin:

»Lina Bodén, geboren 1980 in Stockholm, hat an der traditionsreichen Beckmanns Designhochschule studiert und malt seit fast einem Jahrzehnt erfolgreich Illustrationen für Kinderbücher und Belletristik, für Zeitungen, Werbung, Verpackungen und Textildruck. Sie lebt mit ihrer Familie in Stockholm.«

Du spinnst wohl!

  • Eine außergewöhnliche Adventsgeschichte in 24 Kapiteln
  • Text und Illustrationen von Kai Pannen
  • Tulipan Verlag 2015      http://www.tulipan-verlag.de
  • 104 Seiten
  • Format: 24,5 x 17 cm
  • gebunden, Fadenheftung
  • mit zahlreichen farbigen Illustrationen
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3.86429-231-6
  • zum Selbsterlesen ab 8 Jahren
  • zum Vorlesen ab 4 Jahren
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WENN DER WEIHNACHTSBRATEN DIE  FLIEGE MACHT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Du spinnst wohl!“ ist eine außergewöhnliche, köstliche Geschichten- zubereitung. Ebenso skurril wie besinnlich verkörpern hier eine Stubenfliege und eine Hausspinne den friedenstiftenden Geist der Weihnacht. In 24 Kapiteln werden aus Fremden Freunde, und  aus Feindschaft wird Nächstenliebe.

Stubenfliege Bisy geht ausgerechnet am 1. Dezember der Hausspinne Karl-Heinz ins Netz. Bisy zappelt herum, Karl-Heinz wird aus seinem Mittagsschläfchen gerissen, erhebt sich von seinem Sofa, „schlüpft in vier seiner sechs Pantoffeln“, begutachtet seine Beute und wickelt die Fliege mit Spinnfäden ein. Bisy schimpft empört herum, er habe Termine und könne sich nun gar nicht hier einwickeln lassen und einfach abhängen. Ungerührt verkündet Karl-Heinz, daß Bisy nun nur noch einen einzigen Termin zu erwarten habe, nämlich den, als Weihnachtsbraten für Karl-Heinz zu enden.

Am 2. Dezember quengelt Bisy so lange herum, bis Karl-Heinz für ihn seine Termine schriftlich – nach Diktat von Bisy – absagt.

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2o15

Am 3. Dezember leidet Bisy unter Juckreiz und behauptet, sterben zu müssen, wenn Karl-Heinz ihm nicht unverzüglich die Nase kratze. Entnervt seilt sich Karl-Heinz zu seinem zukünftigen Braten ab und kratzt ihn ganz vorsichtig. Dabei entspinnt sich ein Gespräch über die ungesellige Lebensweise der Spinnen. Bisy bedauert Karl-Heinz, der niemanden hat, der ihm den Rücken kratzt. Karl-Heinz erklärt ganz sachlich, daß Spinnen nun mal dazu neigen, alles zu fressen, was sich in ihre Nähe wage, einschließlich anderer Spinnen, und daher lebten Spinnen eben besser alleine.

 

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2o15


Am 4. Dezember  knurrt Bisys Magen so laut, daß Karl-Heinzens Ruh‘ dahin ist. Er verhungere, klagt Bisy, und Karl-Heinz ist besorgt, er will schließlich keinen verhungerten Braten essen. Also bietet er an, was seine Vorratskammer hergibt. Diverse Insektenspezialitäten werden von Bisy empört abgelehnt, aber gegen ein Honigbrot hat er nichts einzuwenden.

 

Langsam findet Karl-Heinz Gefallen daran, Bisy zu füttern, gerät in großzügige Gastgeberlaune und serviert Erdbeeren mit Sahne, Marzipantorte und Pfannkuchen. Nach dem gemeinsamen Schmaus betont Karl-Heinz jedoch, daß er Bisy nur deshalb mit seinen Leckereien gefüttert habe, damit er am Weihnachtsabend besser schmecke.

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2o15

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von  Adventskalendertag zu Adventskalendertag kommen sich Bisy und Karl-Heinz immer näher, sie diskutieren, streiten und vertragen sich wieder. Als Bisy erkrankt, entführt Karl-Heinz den Doktor (einen Skarabäus), der eine Erkältung diagnostiziert und einen Heilsaft verordnet.

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2015

Sie unternehmen kleine Ausflüge durchs Haus (Bisy bleibt dabei angeleint). Die beiden backen zusammen Weihnachtsplätzchen, tauschen Kochrezepte aus, das Netz wird weihnachtlich geschmückt, sie spielen Ich-seh-was-was-du-nicht-siehst, und sie erzählen sich gegenseitig Geschichten, Witze und Lebenserinnerungen.

 

 

Und am 24. Dezember gibt eine wirklich schöne – vegetarische – Bescherung …

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Illustration von Kai Pannen © Tulipan Verlag 2o15

Die Idee, eine Fliege und eine Spinne miteinander zu verknüpfen ist herrlich schräg, und die farbenfrohen, lustigen Illustrationen mit ihren verspielten Details bieten eine ausdrucksvoll-dynamische Darstellung der ungleichen Charaktere und ihrer Entwicklung.

Bisy ist weltgewandt, gesellig, sehr unternehmungslustig und verfügt über kommunikativ-suggestive Geschicklichkeit. Karl-Heinz ist mißtrauisch, einzelgängerisch, häuslich, und er will unhinterfragt seinen Gewohnheiten folgen.

Während Bisy mit seinem unerschütterlichen Optimismus darauf hofft, Karl-Heinz durch neue Erfahrungen zu einer Veränderung seiner „spinnenden“ Lebenseinstellung zu bewegen und natürlich auch sein eigenes Leben zu retten, ist Karl-Heinz anfangs noch so stur seiner Spinnentradition verbunden, daß er zunächst  seine Sympathie für den zukünftigen Weihnachtsbraten nicht so recht wahrhaben will.

Bisy denkt nicht daran, sich seinem vermeintlich unabwendbaren Schicksal zu fügen. Im Gegenteil: Er besteht darauf, daß man sich selbst und seine Situation immer verändern kann. Mit seiner kommunikativen Kompetenz, seinem Ideenreichtum, seinem Humor und seinem Mitgefühl, das sogar den Freßfeind mit einbezieht, umgarnt er Karl-Heinz und bewegt ihn zu einem Sinneswandel.

Der feine Humor des Autors zeigt sich in vielen kleinen Details; so lehnt z.B. der Skarabäus-Doktor nach der Behandlung von Bisy eine Einladung zum Tee ab, da er noch einen Termin bei „einem Tausendfüßler mit Fußpilz“ habe. Oder Bisy erzählt eine Geschichte von einem schmächtigen, tapferen Spinnenmädchen und verkleidet sie mit einem Spiderman-Kostüm.

Diese schräg-charmante und zwischen den Zeilen der witzigen Dialoge durchaus tiefsinnige Adventsgeschichte läßt kleine und große Leser die Welt mit anderen Augen sehen. Das lob‘ ich mir!

 

 

Hier geht es zum Buch auf der Verlags-Webseite, dort gibt es auch einen kurzen Einblick ins Buch: http://www.tulipan-verlag.de/Buecher/Du-spinnst-wohl.html?listtype=search&searchparam=Du%20spinnst

Und als Hörbuch gibt es den versponnenen Spaß (2 CDs zu 14,95 €) auch noch:
http://www.headroom.info/du-spinnst-wohl-237.html

Und hier gibt es außerdem noch einen digitalen Adventskalender zum Buch/Hörbuch,Türchen für Türchen mit Hörproben und Überraschungen …
http://www.duspinnstwohl.de

 

Der Autor und Illustrator:

»Kai Pannen wurde am Niederrhein geboren. Er studierte Malerei und Film in Köln und arbeitet seitdem als Illustrator und Trickfilmer. In den letzten Jahren hat er zahlreiche Bücher für verschiedene Verlage illustriert. An der Animation School Hamburg war er Dozent für Animation und Storyboard. Daneben betätigt er sich als Produzent für animierte Kinder-Kurzfilme. Kai Pannen lebt mit seiner Familie in Hamburg.«
Mehr auf www.kaipannen.de.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frohe Weihnachten, Zwiebelchen!

  • von Frida Nilsson
  • Illustrationen von Anke Kuhl
  • Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger
  • Gerstenberg Verlag September 2015   www.gerstenberg-verlag.de
  • 128 Seiten
  • gebunden
  • Format 16 x 21,5 cm
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5860-8
  • ab 8 Jahren
    Frohe Weihnachten, Zwiebelchen! Titelbild

EINE  SCHÖNE  BESCHERUNG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Frohe Weihnachten, Zwiebelchen!“ ist eine Geschichte, die ganz nahe am ebenso verletzlichen wie tapferen kindlichen Herzen geschrieben wurde.

Stig, der als Säugling von seiner Mutter den Kosenamen Zwiebelchen bekommen hat, wünscht sich sehnlich ein Fahrrad zu Weihnachten. Doch seine alleinerziehende Mutter hat nicht genug Geld, um ihm einen solch kostspieligen Wunsch zu erfüllen, und sie ermahnt ihn freundlich, sich doch bitte ein alternatives Geschenk zu überlegen.

Zwiebelchen hat aber nun einmal diesen einen Wunsch, und auf dem Fußweg zur Schule beobachtet er neidisch seinen Klassenkameraden Elmar – der begleitet von seinem Vater – mit dem Rad zur Schule fährt.

Elmar hat also nicht nur ein Fahrrad, er hat auch einen Vater. Denn Stig vermisst nicht nur ein Fahrrad, sondern auch einen Vater. Schon oft hat er versucht, seine Mutter dazu zu bewegen, nach Stockholm zu fahren und seinen Vater kennenzulernen. Aber seine Mutter will nichts von diesem Mann wissen; nur ihn, das Zwiebelchen, das hätte sie unbedingt gewollt.

Nachdenklich geht Stig auf dem weiteren Weg zur Schule an einer Autoreparatur-werkstatt vorbei, die Karl gehört. Karl gilt als komischer Vogel, er hinkt, er hat einen kleinen Hühnerstall auf seinem Werkstattgelände, und angeblich kann er Hühner hypnotisieren. Das bringt Zwiebelchen auf die Idee, daß er Karl fragen könne, ob er vielleicht auch Mütter dahingehend hypnotisieren könne, daß sie trotz Geldmangels einen Fahrradwunsch erfüllen.

Zwiebelchen im Chor

Illustration von Anke Kuhl ©

Schüchtern nähert er sich Karl und ist angenehm überrascht, daß dieser zwar äußerlich etwas verlottert ist, aber sehr freundlich mit ihm und mit den Hühnern spricht. Zwiebelchen besucht Karl nun öfter und lernt einiges über Hühner und wie man sich ihr Vertrauen erwirbt. Tatsächlich ist er mit der Hühnerpflege und der wachsenden zutraulichen Verbindung zu Karl eine ganze Weile von seiner Fahrradbesessenheit abgelenkt und erwägt sogar, sich stattdessen etwas von Lego zu wünschen.

Zwiebelchen radelt

Illustration von Anke Kuhl ©

Seine Mutter freut sich über den Kontakt, den er mit Karl aufgenommen hat, und sie scheint ihn auch zu mögen. Bei einer weihnachtlichen Schulaufführung sitzt seine Mutter zusammen mit Karl im Publikum, und Stigs Mitschüler spekulieren laut darüber, ob der komische Vogel wohl sein unbekannter Vater sei. Das geht Stig zu weit, und er reagiert schroff und abweisend auf Karl und stellt sich seinen richtigen Vater irgendwie glanzvoller und toller vor.

So kommt es, daß Stig sich von allen unverstanden und peinlich-bemitleidetet fühlt und er einfach ein verwaistes Fahrrad „mitnimmt“ und versucht, sich – trotz des einsetzenden Schneefalls – auf den Weg nach Stockholm zu machen. Der emotionale Aufruhr in seinem Herzen weicht mit zunehmender Kälte und Dunkelheit der Sehnsucht nach seiner Mama und dem Zweifel, ob er bei seinem richtigen Vater überhaupt erwünscht sei, ja, er zweifelt sogar an seiner grundsätzlichen Liebenswertigkeit.

Zwiebelchen umarmt

Illustration von Anke Kuhl ©

Schließlich durchdringt das Licht eines Autoscheinwerfers das Schneegestöber; am Steuer des Wagens sitzt Karl. Zwiebelchen ist sehr froh und dankbar, daß Karl ihn offenkundig gesucht und gefunden hat und ihn fürsorglich zurück nach Hause bringen möchte. Stig und seine Mutter sprechen sich danach – gemütlich aufs Sofa gekuschelt – gründlich aus, und Stig wünscht sich von ganzem Herzen, daß sie gemeinsam mit Karl Weihnachten feiern … und Hühner streicheln.

„In seiner Brust, die vom vielen Weinen noch ganz wund ist, fliegt sein Herz herum wie ein eben aufgewachter Winterschmetterling.“
(Seite 52)

Zwiebelchen mit Huhn

Illustration von Anke Kuhl ©

Frida Nilsson schlüpft in dieser Weihnachtsgeschichte einfühlsam in die kindliche Wahrnehmungs- und Gefühlswelt und beschreibt diese sozialsensibel, ungeschönt, situationskomisch und warmherzig sowie mit spielerischem Tiefsinn. Besonders anrührend empfinde ich die Unmittelbarkeit in der sprachlichen Darstellung der kindlichen Bedürfnisse, Hoffnungen, Interpretationen, Konflikte und Sehnsüchte.

Die Illustrationen von Anke Kuhl geben den emotionalen Abwechslungsreichtum dieser Geschichte mit ausdrucksvollem Minimalismus wider.

 

Die Autorin:

»Frida Nilsson, geb. 1979 in Örebro, Schweden, arbeitete als Moderatorin für das schwedische Kinderfernsehen und schreibt seit 2004 äußerst erfolgreich Kinderbücher. In Schweden wird sie von der Presse gern mit Roald Dahl verglichen, der einer ihrer Lieblingsautoren ist. Viele ihrer Geschichten sind für das schwedische Kinderradio veretont worden. Für Hedvig! Im Pferdefieber wurde Frida Nilsson 2006 für den Augustpreis nominiert; 2014 wurde sie mit dem Astrid Lindgren Priset für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.
Bei Gerstenberg sind von ihr außerdem erschienen: Hedvig! Das erste Schuljahr und Hedvig! Die Prinzessin von Hardemo, beide Bücher mit Bildern von Anke Kuhl.«

Die Illustratorin:

»Anke Kuhl, geb. 1970, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Sie hat Freie Kunst an der Uni Mainz und Visuelle Kommunikation an der HFG Offenbach studiert und arbeitet seit ihrem Abschluss 1998 als freie Illustratorin und Grafikerin in der Ateliergemeinschaft »labor«. 2002 wurde sie mit dem Troisdorfer Bilderbuchstipendium ausgezeichnet, 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.«

Die Übersetzerin:

»Friederike Buchinger, geb. 1973, lebt mit Tochter, Hund und Meerschweinchen in der Pfalz. Sie übersetzt seit 2001 aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen und hegt dabei eine besondere Liebe zu Kinderbüchern im Allgemeinen und den schrägen, unangepassten im Besonderen. Ihre Übersetzung von Ich, Gorilla und der Affenstern wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«

Petronella Apfelmus, Band 3

  • Schneeballschlacht und Wichtelstreiche
  • von Sabine Städing
  • Mit Illustrationen von SaBine Büchner
  • Boje Verlag    November 2015   www.boje-verlag.de
  • 208 Seiten
  • gebunden
  • laminierter Pappband
  • mit zartfliederfarbenem LESEBÄNDCHEN
  • 12,99 € (D), 13,40 € (A), 18,90 sFr.
  • ISBN: 978-3-414-82427-1
  • ab 8 Jahren
    Petronella Apfelmus, Band 3 Titelbild

W I C H T E L W I R R E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Zwillinge Lea und Luis freuen sich schon sehr auf das Weihnachtsfest. Die Kinder wohnen in einem alten Müllerhaus, und ihre Eltern betreiben in der Mühle eine Backstube nebst einem sehr beliebten Café. Der weitläufige Garten der Mühle beherbergt viele alte Apfelbäume und Petronella Apfelmus, eine Apfelhexe.

Daß Petronella eine Hexe ist, wissen allerdings nur Lea und Luis, und selbstverständlich hüten sie das Geheimnis um ihre hilfreiche und zauberhafte Freundin, die sich dank einer magischen Strickleiter so klein schrumpfen kann, daß sie – standesgemäß – ihr Zuhause in einem Apfel eingerichtet hat. Die Strickleiter funktioniert so, daß man beim Aufwärtsklettern kleiner wird und beim Abwärtsklettern wieder auf normal-menschliches Maß „heranwächst“.

Petronella ist mit dem Auskurieren ihrer Erkältung und den Vorbereitungen für den weihnachtlichen Besuch ihrer drei Schwestern – allesamt Wetterhexen – beschäftigt. Lea und Luis stehen am Fenster und schauen in den dunklen, verregneten Garten und überlegen gerade, ob sie Petronella bitten können, dafür zu sorgen, daß es endlich anfängt zu schneien, da beobachten sie eine Sternschnuppe, die geradewegs in den Garten fällt. Neugierig gehen die Kinder in den Garten, finden jedoch keine Spur von der Sternschnuppe.

Petronella Apfelmus 3, Wichtel

Illustration von SaBine Büchner © Boje Verlag 2015

Enttäuscht kehren sie ins Haus zurück, heimlich gefolgt von dem, was sie für eine Sternschnuppe gehalten haben. Die Sternschnuppe ist nämlich ein frecher Weihnachtswichtel, der den Weihnachtsmann bei einem Rentierschlitten-Probeflug so geärgert hat, daß dieser ihn ausgesetze, damit er auf dem langen Fußweg in den Norden Gelegenheit hat, über seine bösen Streiche nachzudenken und sich zu besinnen.

Nisse, der Weihnachtswichtel, denkt zunächst nur daran, sich ein warmes und behagliches Plätzchen zu suchen, da kommt ihm eine Backstube gerade recht. Und aus lauter Trotz gegen seine Bestrafung und weil die Kinder ihm ahnungslos die Tür vor der Nase zugeschlagen haben, spielt er den Kindern in den nächsten Tagen einige Streiche. Er verknotet ein Schlafanzughosenbein von Luis, futtert die Schokolade aus Leas Adventskalender usw. Da sich die Geschwister gegenseitig verdächtigen, ist die Vorweihnachtsstimmung ziemlich getrübt.

Petronella Apfelmus 3, Hinzens Heinzelleute

Illustration von SaBine Büchner © Boje Verlag 2015


Währenddessen ist Petronellas Apfelwohnung unter der tatkräftigen Hilfe von „Hinzels Haushaltsheinzel GmbH“ blitzeblank geputzt und feierlich aufgeräumt worden, die ersten Schneeflocken fallen vom Himmel und die Wetterhexen treffen ein.

Nach ein paar Tagen mit dicker Luft zwischen den Zwillingsgeschwistern sieht Luis, als er nachts zur Toilette geht, den Wichtel. Er weckt Lea, und gemeinsam verfolgen sie seine Spuren und vertragen sich wieder miteinander.

Petronella Apfelmus 3, Kuchenbalance

Illustration von SaBine Büchner © Boje Verlag 2015

Nach mißlungenen Einfangversuchen mit einer magischen Koboldfalle, veräppelten Apfelmännchen, diversen Mißverständnissen, weiteren Streichen und Schabernacken sowie amüsant-gewöhnungsbedürftigen Hexenauftritten im Café droht jedoch wirkliches Unheil, als die Kerzen des Adventskranzes unbeaufsichtigt niederbrennen – da jedoch besinnt sich Nisse, weckt die Kinder und verhindert erfolgreich eine Ausbreitung des Feuers.

Lea und Luis bedanken sich bei Nisse, der ganz zerknirscht auf der Fensterbank im Kinderzimmer hockt und den Kindern tatsächlich vom Weihnachtsmann erzählt und von seiner eigenen Untauglichkeit als Weihnachtswichtel.

Petronella legt nach der guten Tat des Wichtels per Eiskristalleitung beim Weihnachtsmann ein gutes Wort für Nisse ein, und der Weihnachtsmann holt ihn – mit allem Schlitten- und Rentierzubehör persönlich ab. Zuvor bekommen Lea und Luis selbstverständlich noch ein echtes Wichtelgeschenk überreicht. Nun ist Weihnachten für alle gerettet.

Im dritten Band von Petronella Apfelmus menschelt, hexelt und wichtelt es ganz ordentlich, gleichwohl bewegen sich die dargestellten Gefühle und zwischenwichtelmenschlichen Reaktionen im Spektrum heiterer Spannung. Der Wichtel ist zwar frech, aber keineswegs bösartig, und gelegentlichen Streit zwischen Geschwistern, hätte es auch ohne die Nachhilfe des Wichtels geben können.

Sabine Städing schreibt in einem familiären, einfühlsam-augenzwinkernden und wortspielerischen Stil, mit anschaulicher Dramaturgie und phantasievollen Details. Außerdem denkt sie sich pfiffig-gereimte Zaubersprüche aus, die möglicherweise von den lesenden Kindern aufgegriffen und angewendet werden …

Bei folgendem Zauberspruch: »Nicht erst morgen, sondern heute ruf ich
Hinzens Heinzelleute!« komme ich gar selber in Versuchung …

Die knuffigen Illustrationen von SaBine Büchner übertragen den Erzähltext in humorvoll-warmherzige Bilder mit lebhafter Situationskomik und stimmungsharmonischen Charakterzeichnungen.

Hier gibt es eine kleine Leseprobe:
http://www.bic-media.com/mobile/mobileWidget-jqm1.4.html?buyButton=no&showExtraShopButton=false&fullscreen=yes&isbn=9783414824271

Querverweis:

Hier finden Sie zum ersten Band von Petronella Apfelmus:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/07/petronella-apfelmus/
Und hier zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/25/petronella-apfelmus-band-2/

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren und hat sich schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Nach ihren drei Büchern rund um das Hexenmädchen Magnolia hat sie mit „Petronella Apfelmus“ eine neue Hexenfigur für jüngere Leser geschaffen. Nach „Petronella Apfelmus – Verhext und festgeklebt“ und „Zauberschlaf und Knallfroschchaos“ ist dies bereits der dritte Band rund um die kleine Hexe und ihre Freunde. Das nächste Abenteuer ist in Vorbereitung.«

Die Illustratorin:

»SaBine Büchner, geboren 1964 in Wuppertal, arbeitete als Sozialpädagogin in einem Kinderheim, bevor sie Kommunikationsdesign in Wuppertal und Animation an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg studierte. Sie hat zahlreiche Bücher illustriert und auch eigene Bilderbücher veröffentlicht. Ihre Arbeiten wurden bereits mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. «

Auch den dritten Band von „Petronella Apfelmus“ gibt es parallel als Hörbuch:
Gelesen von Nana Spier
Lübbe Audio
Hörbuch, bearbeitet
2 CDs ,148 Minuten
12,99 €
ISBN: 978-3-7857-5185-5

Hier finden Sie u.a. eine Hörkostprobe:
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_5342866

Und als E-Buch gibt es das Buch ebenfalls:
https://www.luebbe.de/bastei-entertainment/ebooks/kinderbuecher/petronella-apfelmus/id_5445598

PS:
Auf dem Buch befindet sich ein Aufkleber, der auf die vom Verlag initiierte, einmalige GELD-ZURÜCK-GARANTIE-Aktion für das vorliegende Buch hinweist.
Wenn Ihnen oder Ihrem Kind das Buch nicht gefallen hat, können Sie es zusammen mit einer kurzen Mißfallensbegründung sowie der Angabe von Name und Kontoverbindung an den Verlag zurückschicken und sich den Ladenpreis des Buches erstatten lassen. Diese Aktion ist gültig bis September 2016.

Da muß ich doch einmal verwundert eine Augenbraue heben!

Wieso sollte ein schlichter Umtausch in ein anderes Buch nicht genügen? Ich finde diese Form der ökonomisierten Kundenbindung weder angemessen noch erzieherisch wünschenswert! Diese GELD-ZURÜCK-MANIE habe ich noch nie verstanden und dort, wo ich selber als Kunde agiere, auch noch nie praktiziert.

Vermutlich dient diese Aktion ohnehin nur Marktforschungszwecken sowie einer Konsumentenlaunenmessung und sonstigen Datenerhebungsunerheblichkeiten; Statistiker wollen schließlich beschäftigt sein 😉

 

Stille Nacht

  • Das leise Weihnachtsbuch
  • Bilderbuch
  • TEXT: Deborah Underwood
  • ILLUSTRATIONEN: Renate Liwska
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Gerstenberg Verlag September 2014         http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 18 x 21,5 cm
  • 32 Seiten durchgehend farbig
  • Fadenheftung
  • 9,95 €
  • ISBN 978-3-8369-5785-4
  • ab 3 Jahren
    Stille Nacht TITELBILD

SENSATION  DER  STILLE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Stille Nacht“ ist ein Bilderbuch, mit dem kleine Kinder für die emotionale Schnittstelle zwischen äußerem Impuls und innerer Regung sensibilisiert werden können.

Niedliche, an Stoffkuscheltiere erinnernde Tierfiguren (Bären, Kaninchen, Igel, Eulen u.a.) erleben alltägliche vorweihnachtliche Szenen, die mit einem kurzen Satz unterschrieben sind, der stets mit Das Leise, wenn…“ beginnt.
Stille Nacht, Eule

(Anklicken vergrößert die Bilderansicht)


Es geht um den winzigen Moment der Stille, der zwischen den Erfahrungen und Gefühlen entsteht, die das Leben uns beschert. Dieser leise Zwischenraum wird in zartbunten Bildern mit weichen Konturen in Szene gesetzt und mit wenigen Worten nur angedeutet. So stimmt die Abfolge der Bilder und Worte anschmiegsam darauf ein, Zwischentöne zu erkennen, hinzuhören und die Gefühlswahrnehmungen zu verfeinern.

Mit „Stille Nacht“ machen wir einen sehr empfehlenswerten Bilderbuchausflug, der mit leisen Worten sowie leisebunten und leiseleichten Bildern eine Atmosphäre atmender Stille hervorruft und dabei gleichwohl zum An- und Aussprechen von Gefühlen anregt.

Stille Nacht Soufflierfuchs

Die Autorin:

»Deborah Underwood, geboren 1962 in den USA, wuchs in einer kleinen Stadt im Staat Washington auf. Sie studierte Philosophie; heute schreibt sie Kinderbücher und singt in einem Kammerchor. Die Autorin von über 25 Sachbüchern lebt in Kalifornien

Die Illustratorin:

»Renata Liwska, geboren in Polen, wuchs in Warschau auf und lebt inzwischen in Kanada. Für „Das leise Buch“ wurde sie mit der Goldmedaille des Society of Illustrators ausgezeichnet.«

 

Das kleine Weihnachtstier

  • Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen
  • von Rudolf Herfurtner
  • Illustrationen von Ina Hattenhauer
  • Gerstenberg Verlag, September 2014         http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • 128 Seiten
  • Format 16 x 21,5 cm
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN 978-3-8369-5714-4
  • Ab 8 Jahren zum Selbsterlesen
  • Ab 5 Jahren zum Vorlesen
    Das kleine Weihnachtstier TITELBILD

GEFALLENE  ENGEL  UND  LIEBE  TEUFEL

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Hier werden uns vier Weihnachtsgeschichten der etwas anderen Art präsentiert. Es gibt keine zimtduftenden Glanzbildwelten, sondern eine augenzwinkernde, mit Humor gewürzte alltägliche Märchenhaftigkeit.

Die Geschichten „Ein Notenwart fällt vom Himmel“ und „Das Vermächtnis des Professor Pulex“ handeln zwar von der klassischen Weihnachtsgeschichte mit allem Maria-Joseph-Christkind-Krippen-Drum-und-Dran, aber die Geschichten werden uns aus ungewohnter Perspektive und recht eigenwillig erzählt, mit weniger himmlischer Perfektion und mehr menschlichen sowie engelhaften Schwächen.

Die Geschichte „Das kleine Weihnachtstier“ hat mir am besten gefallen. Der Kleine Weihnachtsteufel bekommt seinen ersten Auftrag; er soll beim Weihnachtsfest der Familie Bichlmeier Unfrieden stiften. Widerwillig hat der Alte Teufel ihm erlaubt, sich statt mit einem feurigen Besen mit einem Schlitten auf den Weg zu machen. Bevor der Kleine Weihnachtsteufel losdüsen darf, bekommt er noch einige teuflische Ratschläge; vor allem wird er an die Regel erinnert, bloß nichts Freundliches zu tun.

Begeistert saust der Kleine Weihnachtsteufel mit seinem Schlitten bergab und freut sich wie ein Kind. Gar nicht boshaft, sondern ziemlich glückselig, schließt er die Augen und kracht mit dem Schlitten in eine Fichte. Bei diesem Zusammenprall fällt nicht nur reichlich Schnee auf den Kleinen Teufel, sondern auch ein kleines, niedliches Felltierchen, das ihn allerliebst anschaut. Grundsatzvergessen und gerührt setzt er das Tierchen in einen seiner Fäustlinge, um es zu wärmen, und behauptet lautstark, daß das „aber kein Mitleid“ sei.

Gemeinsam suchen sie nun die Familie Bichlmeier heim. Nach der heimlichen Beobachtung der ganz und gar nicht bilderbuchmäßigen Familienverhältnisse und der ärgerlichen Stimmung, die dort vorherrscht, begnügt sich der Kleine Weihnachtsteufel mit kleinen Sabotageakten, denn von froher Weihnacht kann bei dieser Familie auch ohne teuflische Einmischungen nicht die Rede sein.

Wie es dann doch noch zu einer unerwartet herzerwärmenden Wendung kommt, das verrate ich hier natürlich nicht.

Die letzte Geschichte „Das gläserne Weihnachtskind“ ist ein feines Märchen über die Zerbrechlichkeit von Harmonie und über gemeinschaftliches Wirken, um das verlorene Gleichgewicht wiederherzustellen.

Die zahlreichen Illustrationen von Ina Hattenhauer mit ihrer eigenwilligen, schrägen und humorvollen Bildersprache und der zurückhaltenden Farbgebung passen sehr gut zum Stil dieser unkonventionellen Weihnachtsgeschichten.

 

Der Autor:

»Rudolf Herfurtner, geboren 1947 in Wasserburg am Inn, studierte Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften in München, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Für seine Kinder- und Jugendbücher, Hörspiele, Drehbücher und Theaterstücke wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Großen Preis der Volkacher Akademie für Kinderbücher.«

Die Illustratorin:

»Ina Hattenhauer ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Sie studierte an der Bauhaus-Universität Weimar und am Minneapolis College of Art and Design in den USA, schloss ihr Studium 2009 als Diplom-Designerin ab und arbeitet seitdem als selbständige Illustratorin in Weimar

Die Botschaft der Vögel

  • Bilderbuch
  • Text von Kate Westerlund
  • Illustrationen von Feridun Oral
  • 3. Auflage 2014 Michael Neugebauer Edition   http://www.minedition.com
  • 32 Seiten
  • Format: 25 cm x 25 cm
  • ISBN 978-3-86566-139-5
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ab 4 Jahren
    Die Botschaft der Vögel

MEHR  ALS  EINE  FRIEDENSTAUBE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im Bilderbuch „Die Botschaft der Vögel“ erzählt eine alte Eule einer Vogelschar eine vereinfachte Weihnachtsgeschichte aus Sicht der Tiere: Ein besonderes Kind kam in einem Stall zur Welt, und die dabei anwesenden Tiere verstanden mit ihren Herzen die Botschaft der Liebe, die von diesem Kinde ausging. Die Vögel trugen diese Botschaft als ein besonderes Lied in die Welt hinaus.

Als ein kleines Rotkehlchen nachfragt warum sie denn dieses Lied nicht mehr sängen, da meinen einige Vögel, daß die Menschen kein Interesse mehr daran hätten und ohnehin nicht mehr zuhören könnten oder wollten. Doch das Rotkehlchen regt an, dieses Lied gerade den Kindern vorzusingen, denn diese könnten noch mit dem Herzen hören und somit jede Sprache verstehen.

Gemeinsam beschließen die Vögel, die „frohe Botschaft“ den Kindern vorzusingen. Sie fliegen in alle Himmelsrichtungen und geben die Botschaft von Vogel zu Vogel sowie von Kind zu Kind weiter, bis schließlich ein weltumspannender Reigen von Kindern entsteht und die Kinder die Botschaft „des Segens, der Freude und der Liebe“ vorsingen und vorleben.

Das letzte Wort dieser Geschichte lautet: FRIEDEN. Frieden in mehr als sechzig Sprachen, rund um die Welt.

Die Illustrationen sind bei der Darstellung der zahlreichen Vogelarten schön naturalistisch und bei der Darstellung der Menschen und der menschlichen Umgebungen naiv-kindlich. Diese zeichnerische „Zweisprachigkeit“ ist abwechslungsreich und paßt gut zu der überaus polyglotten Friedensbotschaft, die hier anschaulich vermittelt wird.

 

Der Illustrator:

»FERIDUN ORAL wurde 1961 in der Türkei geboren und lebt in Istanbul. Nach seinem Kunststudium begann er Kinderbücher zu veröffentlichen, die in vielen Ländern verlegt wurden. Er hat an vielen nationalen und internationalen Ausstellungen teilgenommen und auch viele Preise gewonnen, darunter eine Auszeichnung der UNESCO in Japan.«

Die Autorin:

»KATE WESTERLUND wurde in Florida geboren und lebt heute in Salzburg. Sie hat einen Hochschulabschluss in Erziehungswissenschaften und Humanistik. Kate glaubt an die kreative Kraft der Fantasie, die das Leben bereichert. Sie hat viel von Kindern und deren Klugheit gelernt, mag die Farbe Violett und den Jazz. «

Die kleine Elfe feiert Weihnachten

  • Bilderbuch
  • von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus         http://www.urachhaus.de
  • 3. Auflage 2011
  • 24 Seiten, gebunden
  • Format: 20,8 x 23 cm
  • 12,90 €
  • ISBN 978-3-8251-17740-9
  • ab 4 Jahren
    9783825177409_Elfe und Weihnachten

EINE   SCHÖNE   BESCHERUNG

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die kleine Elfe Flirr, die manchen vielleicht aus dem Vorgängerbuch „Die kleine Elfe kann nicht schlafen“ schon vertraut ist, sucht ein Winterquartier. Sie wandert durch den eingeschneiten Wald und begegnet einigen hilfsbereiten Tieren.

Als die kleine Elfe vor dem Schneegestöber hinter einem Baum Schutz sucht, findet sie ein frierendes und hungriges Zwergenkind, das dem Weihnachtmann entgegengehen wollte und sich dabei verirrt hat. Fürsorglich teilt sie ihre bescheidenen Vorräte mit dem Zwergenkind, und sie gehen gemeinsam weiter.

Nach einer Weile  treffen sie den Weihnachtsmann, der mit seinem Esel und dem berühmten Sack mit den vielen Geschenken unterwegs ist. Die beiden dürfen auf dem Esel reiten und begleiten den Weihnachtsmann eine ganze Nacht lang. Am nächsten Morgen kommen sie beim Zuhause des Zwergenkindes an, der Weihnachtsmann überreicht jedem ein Geschenk und verabschiedet sich.

Die kleine Elfe Flirr feiert mit der Zwergenfamilie ein gemütliches Weihnachtsfest und wird von ihr eingeladen, den ganzen Winter über in ihrer behaglichen Zwergenbehausung zu bleiben.

Welches Geschenk die kleine Elfe vom Weihnachtsmann bekommen hat, verrate ich hier nicht, das dürfen Sie schon selbst herausfinden…

„Die kleine Elfe feiert Weihnachten“ ist ein warmherziges, empfindsam illustriertes  Bilderbuch, in dem es um Hilfsbereitschaft und das Glück einfacher, elementarer und geteilter Freuden geht.

Und wie immer bei der Illustratorin Daniela Drescher sind die Bilder von erstaunlicher botanischer und zoologischer Genauigkeit, gepaart mit einer feinsinnigen, seelenvollen und zauberhaften Atmosphäre.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825177409/die-kleine-elfe-feiert-weihnachten

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen mittlerweile weltweit bekannt. Neben eigenen Geschichten hat sie mehrere Klassiker der Weltliteratur illustriert. Daniela Drescher lebt in Blaubeuren am Blautopf, ist verheiratet und Mutter von vier Kindern
http://www.danieladrescher.de