Giesbert hört das Gras wachsen

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus   August 2018  www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 104 Seiten
  • Format: 17 x 24 cm
  • 18,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-5174-4
  • Kinderbuch ab 5 Jahren

LIEBENSWERTER GARTENGESELLE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das Wiederlesen mit dem Regenrinnen-Wicht Giesbert ist die reine Freude und beglückt mit schelmischem Humor, Naturverbundenheit und lebhaftem Miteinandersein.

Falls Sie Giesbert noch nicht kennen, nehmen Sie doch erst einmal eine Leseabzweigung zu meiner Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/10/giesbert-in-der-regentonne/

Giesbert lebt nun schon eine ganze Weile im Hause der Autorin und Illustratorin Daniela Drescher. In der warmen Jahreszeit wohnt er im Garten und planscht in seiner Regen-tonne, in der kalten Jahreszeit wohnt er im Haus und planscht in der Badewanne.

Er ist ein freundlicher und hilfsbereiter kleiner Naturgeist, der voller Lebensfreude und Entdeckerlust ist und dankbar die Annehmlichkeiten jeden Tages wahrnimmt, auf seiner Gartenschaukel schaukelt, fröhliche Melodien auf seiner Holunderholzflöte spielt und gelegentlich, z.B. nach dem Kosten frisch gekochter Himbeermarmelade oder einer philosophischen Begegnung mit einem Raben, ein kleines Gedicht reimt.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

In dreizehn Episoden nehmen wir Leseanteil an Giesberts Alltag, seinen konstruktiven Problemlösungen, seiner Fähigkeit, einfache Freuden wertzuschätzen, und seinem freundschaftlichen Miteinander mit benachbarten Wichteln, Pflanzen und Tieren.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Allerdings kann er auch mal wütend werden, z.B. wenn ein frecher Ziegenbock störrisch seine Regentonne attackiert. Giesberts Wut äußert sich dann darin, daß er einen roten Kopf bekommt und Wasser zum Überlaufen bringt. Im Falle des unnachgiebigen Ziegen-bocks entsteht sogar eine kleine Regenwolke, die exakt auf den Ziegenbock abregnet, und das wirkt ungemein abschreckend.

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Giesbert lernt einen klugen Raben kennen, der seine Frage, warum der Himmel blau sei, damit beantwortet, daß Blau die Lieblingsfarbe der Vögel sei. Ein verirrter Wolf bekommt von Giesbert astronomische Wegweisung in den Norden, ein eigenbröt- lerischer, staubiger Eckenwicht wird mit Hilfe von Haferkeksen zu etwas mehr Umgänglichkeit bestochen.

Als Giesbert eines blühenden Frühlingsmorgens eine tote Amsel findet, wird sie von ihm und zwei Mitwichteln würdevoll beerdigt. Giesbert wird vom Kätzchen Ilvi nach einem Sturm aus dem Baum, in den der Wind ihn geweht hat, gerettet. Und am schönsten ist die spontane Geburtstagsfeier für Giesbert, der eigentlich garnicht weiß, wann er Geburtstag hat und wie alt er ist.

„Giesbert hört das Gras wachsen“ bietet auch praktische Anregungen zur Beschäftigung in und mit der Natur. So erklärt er der Autorin fachwichtelmännisch, wie man einen Lausche-Tag verbringt: Man schließe die Augen, sehe sich die Welt mit den Ohren an und sammle die Geräusche, die man dabei hört.

Die Erzählkapitel haben einen vorleseangenehmen Textumfang von vier bis acht Seiten, und sie werden von zahlreichen, teilweise ganzseitigen Bildern harmonisch begleitet.

Daniela  Dreschers atmosphärisch-naturverbundenen, botanisch und zoologisch ebenso präzise wie verspielten Illustrationen verzaubern kleine und große Betrachter auf den ersten Blick.

Giesberts lebensfröhliches Wesen und Wirken, sprechende Tiere, farben- frohe, wildwüchsige Vegetation und knollennasig-knuffige Pflanzen- und Hausgeister-Wichtel sowie gelegentlich augenzwinkernde metafiktive Kommentare der Autorin vermitteln ein warmherziges und schelmisches Lese- und Vorlesevergnügen mit behutsam-beiläufigen, naturmagischen Anregungen und Andeutungen, welche die kindliche Vorstellungskraft lebhaft bereichern. So werden Märchen wahr.

 

Zum Ausklang noch ein Gedicht von Giesbert:

»Warum ist der Rabe schlau?
Und warum ist der Himmel blau?

Wieso können Wale singen
und das Meer zum Schwingen bringen?

Woher weiß das Spinnenkind,
wie Netze gut zu spinnen sind?

Wie viel Duft ist in der Blüte?
So viele Fragen – meine Güte!

Ist die Welt nicht irgendwie
voller Wunder und Magie?«

Daniela Drescher ©
(Seite 45)

Illustration Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2018

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE und zum anschaulichen Buchtrailer auf der Verlagswebseite: https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Giesbert-hoert-das-Gras-wachsen.html

Hier entlang zum ersten Giesbert-Band „Giesbert in der Regentonne“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/10/giesbert-in-der-regentonne/

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.« http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.

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Die Welt der Gorgel

  • Text von Jochem Myjer
  • Illustrationen von Rick de Haas
  • Originaltitel: »De wereld van de Gorgels«
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • Verlag Freies Geistesleben  März 2018  http://www.geistesleben.com
  • Format: 25 x 33,5 cm
  • 32 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 17,00 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2839-2
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

KLEINE HELFERLEIN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Gorgel sind kleine, spitzohrige, wehrhafte Wesen, deren wichtige Aufgabe es ist, Kinder vor den Scheußlingen zu beschützen. Die giftgrünen, gelbgiftigen Scheußlinge wiederum betrachten es als ihre Aufgabe,  Krankheiten und Unannehmlichkeiten zu verbreiten, weshalb sie auch so eindeutige Namen wie „Gelbgeränderter Bauchgrippenscheußling“, „Gemeiner Grünrotzscheußling“, „Mittlerer Brechreizscheußling“ usw. tragen.

Falls diese Wesen Ihrer elterlichen Aufmerksamkeit bisher entgangen sein sollten, liegt es daran, daß sowohl Gorgel als auch Scheußlinge stets nachtaktiv sind und sich sehr gut und geschwind verbergen können. Nur wenige Menschenkinder verfügen über „Superaugen“ und erspähen gelegentlich einen Gorgel.

Das vorliegende Bilderbuch erzählt und illustriert das Aufwachsen des tapferen Gorgels Bobba. Bobba lebt mit seiner Familie und vielen anderen Gorgeln auf einer Insel. Nachts gehen alle Gorgelkinder in die Schule und werden von ihren Gorgellehrern sorgfältig auf ihre spätere Aufgabe als Wachgorgel vorbereitet. Sie lernen alles über die gefährlichen Scheußlinge, trainieren das Stockfechten und Verstecken und üben ihre geheimen magischen Heilkräfte.

Wenn der Sommer und somit auch der Sommerschlaf der Scheußlinge vorbei ist, wird jedem Wachgorgel ein Menschenkind anvertraut, für dessen Wohlergehen er von nun an verantwortlich ist.

Bobba macht sich auf den Weg zu dem lebhaften Jungen Melle, richtet sich ein Schlafnest verborgen hinter den Büchern von Melles Bücherregal ein und bewacht Melles Schlaf. Er erkundet auch das Wohnhaus und nascht heimlich von der Schokocreme, wenn das Glas nicht verschlossen ist.

Eines Nachts riecht Bobba plötzlich einen drohenden Angriff der Scheußlinge. Blitzschnell schlägt er sie mit seinem Wachgorgelstock in die Flucht und befördert sie zum Fenster hinaus, nur einem gelingt es ganz kurz, auf Melles Mundwinkel zu pusten. Melle bekommt daraufhin einen kleinen Schnupfen, der jedoch unter Bobbas nächtlich-heimlicher Pflege schnell verfliegt.

Die Wachgorgel kümmern sich in den Monaten mit R, also von September bis April, um ihre Schützlinge. Von Mai bis August haben sie Ferien und kehren auf ihre Heimatinsel zurück. So nimmt denn Bobba Ende April mit einem leichten Kuß auf die Nase Abschied vom schlafenden Melle, der ihm im Verlauf der achtmonatigen Begleitung schon voll und ganz ans Herz gewachsen ist.

Diese Bilderbuchausgabe der Gorgel-Geschichte ist eine Ergänzung zu dem zuvor erschienenen Kinderbuch „Die Gorgel“, in dem Bobba und Melle sich kennenlernen und gemeinsam die Gorgel-Insel vor einer Invasion der Scheußlinge verteidigen. Das vorliegende Bilderbuch eignet sich wahlweise als Einstimmung auf dieses Kinderbuch oder als Ergänzung.

In der Bilderbuchausgabe wird ausführlich das Alltagsleben der Gorgel in ihren gemütlichen Höhlenwohnungen und ihre Ausbildung zum Wachgorgel dargestellt, während die Kinderbuchausgabe ausführlich vom freundschaftlichen Miteinander zwischen Bobba und Melle handelt (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/19/die-gorgel/).

Das Bilderbuch „Die Welt der Gorgel“ wird von Jochem Myjer in warmherzig-heiterem Tonfall erzählt, und die ebenso phantasievoll-einfühlsamen wie witzigen Illustrationen von Rick de Haas geben der Geschichte ein lebhaft-anschauliches Bühnenbild.

Die Gorgel  wecken spielend die kindliche Sympathie und Neugier, und ihre zwar geheimnisvoll-märchenhafte, gleichwohl handfest-tatkräftige und zugewandt-lustige Wesensart ist eine Inspiration für große und kleine Menschen mit Beschützerinstinkten und Phantasie.

 

Hier entlang zum  Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.geistesleben.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/Die-Welt-der-Gorgel.html

Hier entlang zum ersten Gorgel-Buch:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/19/die-gorgel/

 

Ergänzend zu den Gorgel-Büchern gibt es auch knuffelige Kuschel-Gorgel
in Form einer weichen 30 cm hohen
Plüschpuppe aus hochwertigem Material (CE zertifiziert),

Preis 19,00 €  siehe: https://www.geistesleben.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/Kuschel-Gorgel.html

Eine heilsame Wirkung der Plüsch-Gorgel-Anwesenheit kann ich zwar nicht versprechen, aber ausprobieren kann man es doch einfach einmal … 😉

 

Der Autor:

»Jochem Myjer, 1977 geboren, ist einer der bekanntesten und beliebtesten Kabarettisten und Comedians in den Niederlanden. Sein Biologiestudium gab er nach zwei Jahren auf, um sich ganz dem Kabarett zu widmen. Er war u.a. Moderator der Kindersendung «Kinderen voor Kinderen» und spricht auch im Radio. 2010 gewann er den Cabaret Award als bester Kabarettist. Er lebt mit der Sängerin Marloes Nova zusammen und hat mit ihr zwei Kinder. Sein Buch Die Gorgel wurde 2016 mit dem Prijs van den Nederlandse Kinderjury ausgezeichnet.«

Der Übersetzer:

»Rolf Erdorf, geboren 1956, studierte Romanistik, Germanistik und Niederländische Philologie und arbeitete im Anschluss einige Jahre als freier Journalist für den niederländischen Rundfunk. Seit 1989 ist er hauptberuflich niederländisch-deutscher Übersetzer mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur sowie Kunst- und Kulturgeschichte. Für seine Übersetzungen aus der nieder-ländischen Kinder- und Jugendliteratur erhielt er mehrere Preise, darunter den renommierten niederländischen Martinus Nijhoff Prijs sowie den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Gustav-Heinemann-Friedenspreis

Der Illustrator:

»Rick de Haas, geboren 1960, besuchte die Kunstakademie in Den Bosch und ist heute ein sehr gefragter Illustrator für Bilder- und Kinderbücher.«

 

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Das Geheimnis der Bienen

  • Alles, was wir wissen sollten
  • Mit Anleitung zum gesunden Bienenstock
  • von Rob & Chelsea McFarland
  • Originaltitel: »Save The Bees With Natural Backyard Hives«
  • Aus dem Amerikanischen von Imke Brodersen
  • GOLDMANN Verlag   Mai 2017   www.goldmann-verlag.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • Format: 17 cm x 21 cm
  • 176 Seiten
  • ca. 80 farbige Fotos
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 20,50 sFr.
  • ISBN 978-3-442-17666-3

HONIGHANDWERK  &  BIENENPFLEGE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul  ©

Vom Gärtnern zum Imkern ist es manchmal nur ein kleiner Schritt. Rob & Chelsea McFarland nutzten ihren Biogarten gerne als natürlichen Ausgleich zum künstlichen Streß ihres Arbeitslebens in der Medien- und Technologiebranche. Und dann erschien eines Tages ein wilder Bienenschwarm in ihrem Garten.

Sie organisierten sich professionelle Hilfe beim örtlichen Imker. Der Schwarm wurde eingefangen und in einen Bienenstock übergesiedelt. Rob & Chelsea waren so fasziniert und begeistert von den Bienen – man spricht dabei auch gerne scherzhaft vom „Bienenfieber“-, daß sie Hobbyimker wurden und 2011 die Umweltschutzorganisation HoneyLove.org ( https://honeylove.org/ )   gründeten.

Zunächst entwickelten sie eine Medienkampagne und gründeten eine Bürgerinitiative, um die Bienenhaltung in Los Angeles zu legalisieren, denn in den USA ist es nicht in jeder Stadt erlaubt, zu imkern.

Liebe zu den Bienen, Naturverbundenheit und lebendige Neugier sowie Offenheit  für ergänzende neue und unverhoffte Erkenntnisse und Perspektiven sind der rote Faden, der erfreulich ansteckend durch dieses Einsteigerbuch für Freizeitimker führt.

Elf übersichtliche Kapitel mit ebenso schönen wie informativen Fotos vermitteln Grundlagenwissen über Biologie, Verhalten und Lebenszyklus der Bienen sowie über Bienenweiden, Pollen, Nektar, Bienenbrot und Sirup. Die materielle Ausrüstung des Imkers vom Schutzanzug über den Smoker bis zum Stockmeißel sowie zwei Sorten von Bienenstöcken – die Langstroth-Beute und die kenianische Oberträgerbeute – werden mit ihren jeweiligen Vorzügen dargestellt.

Ergänzend kommen Hinweise auf Standortkriterien für Bienenstöcke und Rettungs-maßnahmen bei Problemen mit Krankheiten und Parasiten hinzu sowie auf effektive Methoden angesichts aggressiver Bienen oder auf diplomatische Strategien angesichts überängstlicher Mitmenschen.

Vorbeugend weisen die Autoren darauf hin, daß man in der Nähe von Bienenstöcken keine Bananen essen sollte, da das Verteidigungspheromon der Bienen nach süßer Banane riecht – man könnte damit einen falschen Alarm mit einem echten Bienenangriff auslösen.

Zum Abschluß folgt ein Kapitel über die Werkzeuge und das bienenschonende Verfahren der Honiggewinnung, das von anschaulichen Schritt-für-Schritt-Fotos begleitet wird.

Ein Stichwortverzeichnis hilft beim gezielten Nachlesen zu Detailfragen. Außerdem empfehlen die Autoren ausdrücklich jedem angehenden Imker, sich erfahrene Imker als Mentoren zu suchen, da Bücherlesewissen nur durch praktische Erfahrung fruchtbar wird. Die Stärke und Lebenskraft der Bienen liegt in ihrem kommunikativen und arbeitsteiligen, sozialen Miteinander; das dürfte auch für Imker gültig und dienlich sein.

Hobbyimker können einen wertvollen Beitrag gegen das weltweite Bienensterben leisten, da sie ein vielfältiges Experimentierfeld für Imkern ohne Gifteinsatz „beackern“. Da sie nicht auf kommerziellen Ertrag angewiesen sind und mehr Honig für die Überwinterung ihrer Bienenvölker reservieren, entwickeln sich widerstandsfähigere Bienenvölker, die auch mit dem Varroamilbenbefall besser fertig werden.

Das Problem der chemischen Milbenbehandlung ist, daß die Milben durch Selektion immer stärker und resistenter werden und die Bienen immer schwächer. Bio-Imker versuchen durch eine künstliche Brutpause die Milbenvermehrung auszubremsen, da sich die Milben nur in den Brutzellen des Bienenstocks entwickeln können.

Die Autoren vertreten überzeugend und sachkundig aufklärend das Prinzip der behandlungsfreien Bienenhaltung, plädieren jedoch ausdrücklich für einen konstruktiv-informativen Austausch zwischen Bio-Imkern und konventionellen Imkern, da dem Erhalt der Bienenvölker mit besserwisserischer Engstirnigkeit nicht gedient sei.

„Das Geheimnis der Bienen“ bietet mit beflügelnder Bienenbegeisterung eine ganzheitliche Kombination aus fundiertem Fachwissen und praktischen Anleitungen zur naturverbundenen Bienenhaltung.

 

»In der Kunst des Imkerns ist die Beute die Leinwand, die Bienenpflege die Farbe und die Gesundheit der Bienen unser Kunstwerk. Die einzigen Kritiker, auf die ein Imker hören sollte, sind seine Bienen.«
(Seite 170)

Im Anhang finden sich Hinweise auf Webseiten zum Thema Imkern für den deutschsprachigen Raum, von denen ich nachfolgend eine Auswahl aufliste:

www.deutscherimkerbund.de
www.die-honigmacher.de

www.mellifera.de
www.bienenkiste.de
www.schwarmboerse.de
www.bienenweidekatalog-bw.de

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Paperback/Das-Geheimnis-der-Bienen/Rob-McFarland/Goldmann-TB/e507484.rhd

Die Autoren:

»Rob & Chelsea McFarland begannen ihren beruflichen Weg in der Medien- und Technologiebranche. Nachdem sich ein wilder Bienenschwarm in ihrem Garten niedergelassen hatte, entdeckten die beiden ihre Begeisterung für das Imkern. Sie gründeten 2011 die Umweltschutzorganisation HONEYLOVE, mit der sie Aufklärung betreiben und Menschen zur urbanen Bienenhaltung anregen möchten. Seitdem arbeiten sie und ihre Mitstreiter mit Begeisterung daran, einer neuen Generation von Imkern das Geheimnis der Bienen näherzubringen.«
Mehr Informationen auf: https://honeylove.org/

 

Querverweis:

Zum Thema Bienen und Mitweltschutz empfehle ich zusätzlich dringend das aufklärerische Büchlein von Ute Scheub: »Ackergifte? Nein danke! Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft«. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/12/ackergifte-nein-danke/

Wer anspruchsvolle Sachbuchlektüre braucht, findet bei Randolf Menzels und Matthias Eckholdts Buch „Die Intelligenz der Bienen“ ebenso faszinierenden wie hochkonzentrierten Wissensnektar. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/24/die-intelligenz-der-bienen/

Bienenperspektivisch ergänzend leseempfiehlt sich der Roman „Die Bienen“ von Laline Paul.
Dieser Roman ist ein speziesübergreifender erzählerischer Annäherungsversuch an die komplexe Lebensform eines Bienenschwarms, übersetzt in menschliche Gefühlskategorien. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/16/die-bienen/

Und Maja Lundes Roman „Die Geschichte der Bienen“. Dieser Roman hat das Potenzial, vielen Menschen fühlbar und bewußtseinsbildend zu vermitteln, wie sehr unsere Existenz vom Bienenfleiß unzähliger Bestäuberinsekten abhängt. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/07/die-geschichte-der-bienen/

Hugo, streck die Fühler aus!

  • von Lena Avanzini
  • Titelbild und Illustrationen
  • von Joëlle Tourlonias
  • Obelisk Verlag   2013             http://www.obelisk-verlag.at
  • 144 Seiten, gebunden
  • 11,95 €
  • ISBN 978-3-85197-705-9
  • ab 10 Jahren
    HUGO, streck die Fühler aus-Titelbild

SEI  FREUNDLICH  ZU  ALLEN  LEBEWESEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wir Menschen leben in Wohngemeinschaft mit allerlei Krabbeltierchen, die sich zwar meist bemühen, für uns möglichst unsichtbar zu bleiben, z.B. indem sie sehr winzig oder nachtaktiv sind oder sich ausgezeichnet verstecken, aber gänzlich entgehen sie unserer Aufmerksamkeit nicht. Die menschliche Toleranzschwelle gegenüber diesen Mitessern und Untermietern reicht von freundlich-entspannt bis hygiene-hysterisch-feindlich.

Ich begegne den ein, zwei Silberfischchen, denen ich manchmal des Nachts auf meinen Badezimmerfliesen über den Weg laufe, mit respektvoller Gelassenheit; weiß ich doch, daß diese Winzlinge unseren Planeten schon ein paar Milliönchen Jahre länger bewohnen als die Menschheit.

Hugo, der kleine, tapfere Held in Lena Avanzinis „schabenteuerlicher“ Geschichte, ist ein belesener Silberfischjüngling mit ausgesucht höflichen Umgangsformen, der wegen zu großer Luftrockenheit aus der Städtischen Bibliothek ausziehen muß. Nach einem gefährlichen Weg durch diverse Abflußrohre kommt er in einer Badewanne an, die praktischerweise einen feinen Riß im Porzellan hat, so daß er herauskrabbeln kann.

HUGO-Zuckerwürfel

Illustration Joëlle Tourlonias © Obelisk Verlag 2013

Erschöpft landet er auf dem gefliesten Fußboden und stürzt sich hungrig auf das dortige Büfett: Hautschuppen und Haare. Dort findet ihn Bianca, ein Silberfischmädchen, und nach anfänglich futterneidischem Geplänkel lädt sie ihn zu sich nach Hause ein. In dieser Silberfisch-Kleinfamilienwohnung, die sich hinter einem Bodenriß befindet, lernt Hugo Biancas Vater, ihre heilkundige große Schwester und ihren kleinen Bruder Paulchen kennen. Sie wollen gerade Paulchens erste Häutung feiern und bereiten ein Würfelzucker-Fondue zu. Hugo wird herzlich aufgenommen und umfühlert.

Seine Gastfamilie klärt ihn über die günstigen Lebensbedingungen im Haushalt dieser Menschen auf, die sich nicht feindlich gegenüber ihren mehrbeinigen Untermietern verhalten. Die kleine Tochter des Hauses streut sogar manchmal extra Zuckerkrümel auf den Boden und empfindet keinen Abscheu, wenn sie gelegentlich ein Silberfischchen zu sehen bekommt.

Hugo, der in Menschenkunde immer nur von der tödlichen Gefahr dieser zweibeinigen Riesenspezies gehört hat, ist überrascht und erfreut. Nicht alle Menschen sind böse und insektentödlich, da kann man sich doch endlich mal entspannen.

In der Küche gibt es eine Schule für die Insektenkinder mit einer ganz außerge- wöhnlichen Lehrerin, einer vegetarischen Spinne, die Frau Merian heißt. In dieser Menschenwohnung leben u.a. noch zwei Grillen, einige Asseln, eine Motte, diverse Eintagsfliegen, Blattläuse und Staubläuse in friedlicher Koexistenz miteinander.

Neugierig und wagemutig beobachten Hugo und Bianca das Menschenmädchen im Schlaf, und da Hugo lesen kann, liest er Bianca vor, was das Menschenmädchen in ihr Tagebuch geschrieben hat. So erfahren sie, daß das Mädchen ihre verstorbene Mutter vermißt und sich wegen der neuen Frau, die ihr Vater kennengelernt hat, Sorgen macht.

HUGO-Tagebuchblatt

Illustration Joëlle Tourlonias © Obelisk Verlag 2013

Die Sorgen sind nicht nur aus menschlicher, sondern auch aus insektischer Sicht berechtigt. Diese Frau zieht schließlich ein und putzfimmelt durchs Haus, so daß kaum ein Hautschüppchen mehr übrig bleibt, sie tritt und schlägt nach jedem Mehrbeiner, der ihr über den Weg läuft, und das Schlimmste ist: Sie hat einen Termin mit einem Kammerjäger vereinbart.

Weiterhin erfahren die Silberfischchen aus dem Tagebuch, daß die neue Menschenfrau sich auch als Stiefmutter ziemlich giftig verhält und die Stieftochter in ein Internat abschieben will.

Doch man soll kleine Menschen und winzige Insekten niemals unterschätzen. Wenn alle zusammenhalten, kann man sich erfolgreich wehren und Wahrheiten ans Licht bringen, die eine befreiende Wirkung für alle Beteiligten ermöglichen.

Mir gefällt es sehr, daß in dieser Geschichte nicht die typischen tierischen Niedlichkeitskandidaten auftreten, sondern Insekten. Die Autorin schildert die vielbeinigen Gestalten, ihre individuellen Charakterzüge, ihr soziales Miteinander und ihre natürlichen Lebensbedürfnisse und Überlebenssorgen sehr sympathisch und empathieweckend. Die Handlung ist abwechslungsreich, flott und spannend und wird in einem humorvollen, zartironischen Tonfall mit viel kreativem Wortwitz erzählt.

Die Illustrationen und warmherzig-lustigen Insektenportraits von Joelle Tourlonias sind eine gelungene und harmonische Zugabe zum Text.

Den Rat, den Hugo von seiner Mutter mit auf den Lebensweg bekommen hat: „Sei freundlich zu allen Lebewesen!“, können sich große und kleine Menschen ruhig hinter die Ohren schreiben. Doch das tun sie gewiß alle gerne, nachdem sie Hugo und seine Mitsilberfische durch all die Freuden, Schrecken und Abenteuer des Haushaltsinsektenlebens begleitet haben.

 

HUGO-Kuschel

Illustration Joëlle Tourlonias © Obelisk Verlag 2013

 

Die Autorin:

»Lena Avanzini lebt als Musikpädagogin und Autorin in Innsbruck. Im Jahr 2012 veröffentlichte sie „Tod in Innsbruck“, für den sie 2012 mit dem  Glauserpreis für das beste Krimidebüt ausgezeichnet wurde. Wenn sie nicht an neuen Romanen schreibt oder mit Schülern ein Hühnchen rupft, bewundert sie die Berge. Meistens jedoch von unten.«  http://www.lena-avanzini.at

Die Illustratorin:

»Joëlle Tourlonias, geboren 1985 in Hanau, hat Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Illustration und Malerei an der Bauhaus Universität Weimar studiert. 2009 machte sie sich selbständig und zeichnet, malt, lebt und liebt seitdem in Düsseldorf.«
http://joelletourlonias.blogspot.co.at/

Minima Animalia

  • Ein Stundenbuch der Natur
  • von Andreas Weber
  • mit einem Vorwort von Hildegard Kurt
  • im Oktober 2012 erschienen bei:
  • thinkOya, einem Imprint des Drachen Verlages        http://www.think-oya.de
  • 144 Seiten, Klappenbroschur, Fadenheftung
  •  ISBN 978-3-927369-68-9
  • 22,80 €

Weber_MinimaAnimalia

VOM   SCHNEEGLÖCKCHENGLÜCK

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit seinem Stundenbuch der Natur „Minima Animalia“ durchstreift Andreas Weber einen Jahreskreis, der dem natürlichen Kalender folgt: also beginnt das Jahr nicht mit dem ersten Januar, sondern mit dem Frühling  –  der wahren Zeit des Anfangs.

Andreas Weber läutet den Frühling mit einem Loblied auf die Schneeglöckchen ein. Zunächst schenkt er uns eine sinnliche, ja: liebkosende Beschreibung der anmutigen kleinen Blumen und in der „gedanklicheren“ Fortsetzung eine philosophische und biologische Reflexion über Wildnis und Zivilisation.

Wie bereits in seinem bekanntesten Buch „Alles fühlt“  (siehe meine Besprechung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/03/21/alles-fuhlt/  )
geht es dem Autoren darum, die Trennung zwischen Verstand und Gefühl, Subjekt und Objekt, Mensch und Natur als künstlich zu enttarnen und die dementsprechend fließenden Grenzen zwischen Innen und Außen zu illustrieren.

In seiner Einleitung zu „Minima Animalia“ schreibt er: „Eine Biologie als Wissenschaft des Mit-Fühlens zeigt: Das Poetische ist das stärkste Moment der Wirklichkeit. Die lebenden Wesen machen diesen Grundcharakter bloß sichtbar. Poiesis – die verkörperte Selbstherstellung des Organischen – ist eine Variante des grundlegend poetischen Charakters des Ganzen. Poesie eine andere. Die empirische Avantgarde der Biologie nähert sich dabei wieder einer alten Position an: Für Aristoteles bestand der Charakter des Lebendigen genau in seinem poietischen Charakter – diesseits der Spaltung in Sprache und Fleisch.“  (Seite 24)

Andreas Weber läßt sich von den Naturerscheinungen berühren und inspirieren und tastet Wort für Wort, Blütenblatt um Blütenblatt nach einer Sprache, welche die Freude, die Poesie und den Zauber des Lebendigen möglichst unmittelbar wiedergibt. Er bemüht sich um einen frisch-geschlüpften Blick in die Mitwelt und um eine Sprachgestaltung, die sinnlich- körperliche Erfahrungen und seelische Empfindungen evoziert.

„Alles sind poetische Bilder, es besteht einzig die Hürde, sie zu erkennen, und alle geben im Wahrgenommenwerden wieder einer neuen Poesie Raum. Alles ist Ausdruck, weil ich mitten darin bin.“  (Seite 68)

Der Autor verfügt über eine naturempfindsame, teilnehmende Wahrnehmung, die uns allen gegeben ist, aber nur von einigen gepflegt wird. Als wehmütiger Biograph des Lebens spricht er auch den zerstörerischen Einfluß des menschlichen Umganges mit der Natur an und stellt sich wahrheitstapfer der Sorge und dem Schmerz über die alltäglichen Verluste an lebendiger Vielfalt und regenerativem Gleichgewicht.

Zugleich erschreibtschafft er eine poetische NaturKUNDE, deren mitfühlende Spiegelung wesentlich, WIRKlich und lebensdienlich ist. Hier erlesen und erleben wir Lebensnähe statt Lebensferne und Lebensfülle statt Lebensleere.

Der Puls des GANZEN Lebens schlägt im Refugium dieser kurzen poetisch-verdichteten Textminiaturen und Meditationen. Sie umkreisen Begegnungen und Vorkommnisse in und mit der natürlichen Welt: Sonnenauf- und Untergänge, Bäume, Blumen, Gräser, Moose, Flechten, Vögel, Insekten, Eidechsen, Eichhörnchen, Steine, Kastanienfrüchte, Kinder, Gewässer, Fische, Steine, Wolken, Wind und Wetter, Sonne, Mond und Sterne und die Jahreszeitenstimmung kommen hier zu Wort  –  natürlich- kultürlich durch die Perspektive und die Sprachwerkzeuge eines menschlichen Wesens.

Ein Mensch ist als Lebewesen unter Lebewesen unterwegs und erfährt dabei eine zutiefst beglückende Lebensverbundenheit und Lebensfreude, ein Dasein im MITEINANDERSEIN. Mensch und Natur sind nicht getrennt, sondern Natur und Mensch sind ineinander enthalten, also gibt es kein Geschehen, das uns nicht alle MITEINANDER betrifft.

„Das Gefühl bleibt, dass die Wesen und Gestalten eigentlich vollkommen transparent sind, dass sich in ihrem So-Sein so deutlich ihr Wie-Sein enthüllt, in ihren Qualitäten ihre Qualität, dass alle ihre Rolle im Leben spielen und ich sie darin sehe – etwas von abgrundtiefer Solidarität.“ (Seite 104)

Andreas Weber sind Natur und Leben eine Herzensangelegenheit, und das sollten sie für uns alle sein.

 

Der Autor:

»Andreas Weber, geboren 1967, studierte Biologie und Philosophie in Berlin, Freiburg, Hamburg und Paris und promovierte bei Hartmut Böhme und Francisco Varela über Natur als Bedeutung. Als freier Publizist schreibt er regelmäßig Beiträge für Geo, Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Greenpeace Magazin, National Geographic, mare und Oya.«

Im Berlin Verlag erschienen 2007: „Alles fühlt“ und 2008: „Biokapital“,
bei Ullstein „Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur“ (2011)

PS: (post scriptum = Nachschrift)

Nur eines finde ich schade – gerade bei einem Buch von solcher Sprachsensibilität – :
Die Textüberschriften sind auf lateinisch (Gattungsbezeichnungen, wie ich mir als Nichtlateinerin zwar durchaus zusammenreimen kann), und das kann auch gerne so sein; aber eine zusätzliche Übersetzung ins Deutsche (vielleicht in Klammern dahinter oder darunter gestellt oder ∗ fußnotig ∗ souffliert) fände ich entgegenkommend. Bei den gelegentlichen englischen und französischen Gedichten und Zitaten halte ich es sogar für unerläßlich.