Der Nussknacker

  • illustriert von Valeria Docampo
  • Präsentiert vom New York City Ballet
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Mixtvision Verlag  Oktober  2016  http://www.mixtvision.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 40 Seiten
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-95854-093-4
  • laut Verlag: ab 3 Jahren
  • meiner Einschätzung nach: ab 4 Jahren
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B I L D E R B U C H B A L L E T T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Der Nussknacker“ ist der schwungvoll illustrierte Auftakt einer neuen Reihe des New York City Ballets mit den schönsten Ballett-Märchen für Kinder.

E.T.A. Hoffmanns Weihnachtsmärchenklassiker „Nußknacker und Mausekönig“ wurde vor fast 125 Jahren vom Komponisten Piotr Iljitsch Tschaikowski und den Choreographen Marius Petipa und Lew Iwanow als Ballett inszeniert. Der Uraufführung am 18. Dezember 1892 am Mariinski Theater in Sankt Petersburg war damals kein Erfolg beschieden.

1954 – in gutes halbes Jahrhundert später – choreographierte George Balanchine das Ballett für das New York City Ballett neu, und seine Version des „Nußknackers“ kam so gut beim Publikum an, daß sie auch heute noch dort gespielt wird.

Der Text des vorliegenden Bilderbuches basiert auf George Balanchines Inszenierung.

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Illustration Valeria Docampo © MIXTVISION Verlag 2016

Es ist Weihnachten und es herrscht allgemeine Feststimmung. Die kleine Marie bekommt von ihrem Patenonkel, Herrn Drosselmeier, der in seinem Auftreten ein bißchen an einen Zauberer erinnert, einen hölzernen Nußknacker geschenkt. Marie gefällt der Nußknacker sehr und sie mag auch den hübschen Sohn ihres Patenonkels.

Um Mitternacht erwacht Marie und wundert sich, daß der Weihnachtsbaum so groß geworden ist – offenbar ist sie auf Spielzeuggröße geschrumpft.  Ein Mäuseheer, angeführt vom siebenköpfigen Mäusekönig, greift plötzlich an, die Spielzeugsoldaten von Maries Bruder werden lebendig und kämpfen unter der kundigen Führung des ebenfalls belebten Nußknackers gegen die Mäuse.

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Illustration von Valeria Docampo © MIXTVISION Verlag 2016

 

Marie entscheidet schließlich durch einen geschickten Pantoffelwurf den Kampf zugunsten des Nußknackers. Als sich der Nußknacker die Krone des Mäusekönigs aufsetzt, ist der Fluch, der ihn in die hölzerne Gestalt des Nußknackers gebannt hatte, gebrochen, und er verwandelt sich in einen wunderschönen Prinzen, der dem Neffen von Herrn Drosselmeier verdächtig ähnlich sieht.

Die Kinder wandern Hand in Hand durch den Winterwald und gelangen ins Land der Süßigkeiten, wo sie von der Zuckerfee freundlich begrüßt werden. Sie läßt ihre Gäste mit köstlichen Süßspeisen bewirten, und zur Feier des Sieges über den Mäusekönig werden verschiedene bunte Tänze vorgeführt: Ein spanischer heißer Schokoladentanz, ein arabischer Kaffeetanz und ein chinesischer Teetanz. Dazu gesellen sich akrobatische Zuckerstangen, flötende Marzipan-Schäferinnen, kleine Clowns sowie eine Tautropfenfee mit ihrer Zuckerblütentanztruppe.

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Illustration von Valeria Docampo © MIXTVISION Verlag 2016

Auch die Zuckerfee zeigt mit ihrem edlen Kavalier eine Kostprobe ihres anmutigen Tanzvermögens. Zum Abschied finden sich alle zu einem letzten gemeinsamen Tanz zusammen, und Marie kehrt mit ihrem kleinen Prinzen zurück in die wirkliche Welt…

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Illustration von Valeria Docampo © MIXIVISION Verlag 2016

Die Illustratorin Valeria Docampo hat für dieses Bilderbuch eine weitgehend warme, weichzeichnerische Farbpalette gewählt. Die unterschiedlichen Tanzszenerien, die im Land der Zuckerfee spielen, sind sehr, sehr rosapurpurrotbetont und für meinen Geschmack etwas zu dekorativ geraten.

Von den tänzerischen Figuren werden viele klassische Balletthaltungen eingenommen. Auf dem Titelbild sieht man Marie beispielsweise in der Haltung der Arabesque. Auf zwei zusätzlichen Seiten wird die Geschichte (unter der Überschrift: „Magische Fakten“) um interessante bühnentechnische sowie kostümbildnerische Details zur Inszenierung des Balletts unter der Choreographie George Balanchines ergänzt.

Die Illustrationen sind dynamisch-bewegt und zugleich etwas steif, was angesichts der formalisierten Bewegungsabläufe der Ballettdisziplin durchaus eine gewisse Berechtigung findet. Die an der Körpersprache der Figuren deutlich ablesebaren Umgangsförmlichkeiten haben einen eigenwillig-altmodischen Charme.

Der Schneeflockenwalzer wird im Text nicht ausdrücklich erwähnt, sondern schwebt eher beiläufig angedeutet als Bild vorbei.

Dieses dramaturgisch abwechslungsreiche, traumtänzerische Bilderbuchballett ist für Kinder eine schöne Einführung in das Märchen vom „Nußknacker und Mäusekönig“ und eignet sich gut als Vorbereitung auf den Besuch einer entsprechenden Ballettaufführung.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://mixtvision.de/buecher/der-nussknacker/

 

Und ganz ausnahmsweise hier einmal einige tänzerische YouTube-Links zum Ballett:

STREIFLICHTER aus der aktuellen Inszenierung des New York City Balletts in der George-Blanchine-Choreographie vom 25. November 2016 bis 31.Dezember 2016:

Verbindlichen Dank an den Maestro von der sprachmusikalischen Websaite Random Randomsenhttps://randomrandomsen.wordpress.com/  für den dienlichen Hinweis auf den nachfolgenden anmutig-präzisen Ballettauftritt von Nina Kaptsova:

Tanz der Zuckerfee (Nina Kaptsova / Bollschoi Ballett 2010):

 

 

Die Illustratorin:

»Die Inspiration für ihre Illustrationen findet Valeria Docampo im Alltag: der Blick eines Hundes, das Rauschen des Regens im Herbst oder der Duft des Frühstücks. Geboren wurde sie in Buenos Aires, Argentinien, wo sie auch ihr Diplom in Grafikdesign und visueller Kommunikation machte. Seit 2003 widmet sie sich ganz der Illustration für Kinderbücher, immer auf der Suche nach neuen grafischen Techniken.«

 

Querverweis:

Hier entlang zu zwei weiteren Bilderbuchwerken von Valeria Docampo:
Die große Wörterfabrik
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/08/die-grose-worterfabrik/
Der Bär und das Wörterglitzern
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/04/der-baer-und-das-woerterglitzern/

 

 

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45 Kommentare zu “Der Nussknacker

  1. Es gibt Momente im Leben, da muss es einfach ein bisschen Klassik sein. Zu Weihnachten höre ich mir immer den Nussknacker an. Die Musik ist so lebendig. Sie wirkt mit und ohne Ballett. Danke für die Erinnerung!

    Gefällt 1 Person

  2. Wieder so ein wundervolles Bilderbuch, liebe Ulrike, das ich mir zu gerne noch wünschen würde, hätte das Wünschen jetzt noch einen Sinn. So kurz vor dem Fest ist mein Wunschzettel sicherlich von allen Seiten schon abgearbeitet *lach*
    Ich denke mit Freude an mein Bilderbuch, welches ich letztes Jahr von einer meiner Töchter bekommen habe. Ein Traumbuch für Kinder und für mich auch …
    Schon alleine wegen der irre schönen Bilder, die ich hier bei Dir schon sehen durfte.
    Eine Traumillustratorin, so ganz nach meinem Herzchen.
    Und Ballett, welche Frau mag es nicht *g*. Gibt es die überhaupt?

    Herzlichst Bruni

    Gefällt 1 Person

  3. Hach! Das ist ein adventssonntagswürdiger Beitrag eines Sonntagskinds. 🙂 Und wie passend, dass er ausgerechnet am 18. Dezember erscheint.
    „Deine“ Illustratorin hat mich bereits mit dem Titelbild ganz und gar überzeugt. Da ist alles drin. Das Märchenhafte. Die Ballerinenanmut. Und der Weihnachtsbaum wirkt wie ein lebendiges Wesen. Ein Fabelgeheuer, [wenn es Ungeheuer gibt, muss es doch Geheuer auch geben] halb aus dieser Welt und halb aus der Anderwelt. Dieses Titelbild sehen heißt unmittelbar verbezaubert werden. 🙂
    Dieses zauberhafte Ballett zu erleben müsste eigentlich ein Menschenrecht sein. Mir ist vor allem eine (schon etwas länger her) auf dem Eis getanzte Aufführung in unvergesslicher Erinnerung. Ein Bilderbuch, das die märchenhaften und die tänzerischen Elemente gleichermaßen vorstellt, ist dabei sicher ein idealer Einstieg.
    Ein bezauberndes Buch, dass du uns hier nach allen Regeln der Kunst schmackhaft machst, liebe Bücherfee. Und die musikalisch-tänzerische Abrundung macht sich hier ausgesprochen gut. Dass du die Zuckerfee hier unterbringen konntest, freut mich sehr. Ich nenne diese Aufnahme das „Celesta-Duett,“ weil die Kaptsova hier genau so himmlisch tanzt wie die Celesta spielt. 🙂

    Gefällt 7 Personen

    • Diese Rezension mußte einfach am 18. Dezember sein, um der
      Uraufführung Tschaikowskis die gebührende EHRE zu geben.
      Ich finde auch, daß schon alleine das gelungende Titelbild sehr aussagekräftig ist und den märchenhaften und tänzerischen SCHWUNG des Balletts illustriert.

      Die von Dir erwähnte auf dem EIS getanzte Variante klingt ganz zauberhaft. Dann wurde dort wohl eher mit Schlittschuhen getanzt?

      Herzensdank für Dein charmantes Lob, Deine fabelhaften Wortspiele, Deinen fachmännischen Kommentar und die Erwähnung des speziellen Musikinstruments, das ich erst mal nachgoogeln mußte 😉
      https://de.wikipedia.org/wiki/Celesta
      Ich weiß schon, warum ich Dich MAESTRO nenne …
      *verneig*
      *kußhändchenwerf* 🙂

      Gefällt 4 Personen

      • Dieses schöne Detail mit dem 18.12. finde ich auch deshalb sehr passend, weil präzises Timing beim Ballett ja ohnehin essentiell ist. 🙂
        Ja, das war ein Schlittschuhläufer-Ballett («Les Patineurs» sozusagen mit eingebaut). Man kann es nicht mit klassischem Ballett vergleichen. Aber abgesehen von der speziellen Eis-Stimmung erlaubt es durch das Gleiten besonders harmonisch-fließende Bewegungen zur Musik. Und am anderen Ende der Ausdrucksskala sind besonders dynamische Sprünge möglich.
        Hm. Die Celesta. Die habe ich genau durch den Nussknacker kennen gelernt. Und diesen Klang vergisst man nie. 🙂
        Mit einem zugeneigten Gutenachtgruß wünsche ich dir eine himmelsklangverzauberte Nacht. 🐻

        Gefällt 3 Personen

  4. … und jetzt komme ich mit der zauberschönen Nussknacker- Variante von John Neumeier, die ich schon mehrfach bewundern durfte… meine Tochter verweigerte zwar den Ballettunterricht aber dieses Buch hätte ihr gefallen, genau wie die grandiose Aufführung zur Weihnachtszeit in Hamburg… *graziösverbeuge* vor deinem Tutufeinem Instinkt Ulrike!

    Gefällt 4 Personen

  5. Liebste Ulrike, wie schön! Du versetzt mich gerade (mal wieder) in eine zauberhafte kindliche Traumwelt, durch die ich mit Deiner Beschreibung wandeln darf. Oder sollte ich besser tänzerisch schwebend sagen ;-)? Du schaffst es immer wieder, dass ich mich durch’s Buch wandeln sehe😉. Und heute auch noch mit wundervollen Klängen und Tänzen untermalt. Die Zuckerfee ist wirklich bezaubernd :-)! Liebsten Dank für dieses besondere Geschenk am 4. Advent, liebe Bücher-Zauberfee 💕

    Gefällt 5 Personen

    • Liebste Bettina,
      es freut mich zu hören, daß Du meiner Leseeinladung wörtlich und bildlich gerne folgst!
      Angesichts der Ballettmärchenthematik bot sich diesmal eine klangliche Untermalung einfach an.
      Herzensdank für Dein harmonisches Mitschwingen … 🎶

      Gefällt 3 Personen

      • Liebste Ulrike, immer total gerne. Du bist mit Deinen Beiträgen immer ein wahrer Lichtblick! Da fällt das harmonische Mitschwingen sehr leicht, ja es ist überhaupt nicht zu verhindern ;-). Hab‘ einen zauberhaft-harmonischen Wochenstart ✨ ❤️

        Gefällt 2 Personen

  6. Das ist der für mich schönste Beitrag, liebste Ulrike…sozusagen ein Vorweihnachtsgeschenk. Ich liebe Ballett und dann ein so wunderbares Kinderbuch. Ich denke, es ist auch etwas für Ältere, wenn man es mit der wunderbaren Musik verbindet. Vielleicht zu einer Aufführung geht. (Ich habe Sohn 1 zum Ballett angemeldet, sie meinten freundlicherweise, er solle lieber Football spielen).
    Und besonderen Dank auch an Random. Ich bin wirklich ein Fan vieler amerikanischer Dinge, aber selbst hier kann man schon erkennen, dass das amerikanische Ballett nicht an das der Russen herankommt……bei den Herren ganz zu schweigen….Danke für dieses Geschenk, allerliebste Herzensgrüsse, Ann

    Gefällt 7 Personen

    • Dachte ich mir doch schon beim Schreiben der Rezension, daß „Der Nußknacker“ nach Deinem Gusto wäre, liebes Sternchen.
      Danke für Deine sehr persönliche Resonanz auf diese Bilderbuchbesprechung.
      Gewiß ist diese Nußknackerdarstellung auch noch für ältere Kinder und kindliche Erwachsene geeignet.

      Und ja, die Ballettmeisterschaft, die uns Nina Kaptsova hier vortanzt, ist wahrlich atemberaubend!

      Es freut mich sehr, daß Du meine Bilderbuchbesprechung als GESCHENK wahrnimmst!
      Allerliebste Herzensgrüße auch von mir an Dich ❤

      Gefällt 5 Personen

      • Lieben DANK – nun fühle ich mich ausgesprochen gebuchpinselt! 😉
        Ich erweitere aber auch wirklich immer gerne meinen Bücherhorizont, und MUSIK liebe ich sehr, wenn auch auf gänzlich amateurhafte Weise.

        Gefällt 4 Personen

      • Mein Musikwissen ist auch amateurhaft, mein Ballett auch trotz Trainings mit einem Profi, aber dafür ist die Liebe für beides geblieben…und Bücher sowieso, da war ich mal eine Fachfrau, aber das ist auch verjährt ;-)) also Profiamateurin 😉

        Gefällt 4 Personen

  7. Nun, was soll ich sagen. Du siehst mich etwas zerknirscht. Ich habe mir, begeistert wie immer von deiner Rezension, gleich auch noch den „Tanz der Zuckerfee“ angeschaut und war der fälschlichen Meinung, ich könne diesen doch sehr leicht anmutenden Spitzentanz per Anschauung selbst erlernen und an Weihnachten hier uraufführen. Weit gefehlt: ich krieg‘ diese letzte Drehung da, die krieg‘ ich einfach nicht hin! Also werd‘ ich’s doch beim Weihnachtsliedersingen belassen.
    Dir eine schöne Weihnachtszeit und bis ganz bald,

    Michael

    Gefällt 7 Personen

    • Wie bedauerlich, daß ich nicht Augenzeugin Deiner ballettösen Versuchungen sein konnte, lieber Michael.
      Indes freut es mich sehr, daß Du so begeisterungsfähig bist und von meiner Bilderbuchbesprechung beflügelt wurdest, Dich zu solchen Höhen der Anmut aufzuschwingen. Und Singen ist ja auch keineswegs ein kultureller Abstieg, sondern nur eine andere Ausdrucksform weihnachtlicher GeSTIMMTheit. 😉
      Kerzenlichte Adventsabendgrüße von mir zu Dir 🙂

      Gefällt 6 Personen

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