Klangmeditationen für Körper & Seele

  • Geführte Meditationen zur Entspannung und Stärkung der Selbstheilungskräfte
  • von Bettina Steiner
  • Text und Stimme: Bettina Steiner
  • Klangschalen, Gongs, Monochord und Harfe: Bettina Steiner
  • Percussion: Martin Ruhland
  • Aufnahme, Mischung und Mastering: Rhythmus Studio Berlin, Alex Hötzinger
  • Grafikdesign: Ela Samson
  • Fotos: Monika Moosreiner
  • 1 CD in Pappklappschuber
  • Spieldauer 57:30 Min.
  • 17,80 €
  • Bezug über:
  • http://www.malamusic.de/
  • http://www.silenzio.com/
  • http://www.buecher.de/
    KLANGMEDITATIONEN CD-Titelbild

    CD Klangmeditationen © Bettina Steiner

     

GESTIMMTE  STILLE

CD-Besprechung von Ulrike Sokul ©

Für diese Heilkur brauchen Sie keinen langen Weg zurückzulegen. Sie können einfach bequem zu Hause bleiben,  Sie legen die CD ein, machen es sich im Sitzen oder Liegen gemütlich und geben sich dem Lauschen hin, und Sie können die Klangmeditationen sooft es Ihnen gefällt, wiederholen und genießen …

Bettina Steiners natürlich-sanftmütige Stimme leitet Sie nach einer kurzen Einleitung und klanglichen Einstimmung in eine geführte Körperentspannung (ca. 22 Minuten Dauer); im Anschluß daran erfolgt eine klangliche Harmonisierung und danach eine geführte Meditation zum Ursprung der Selbstheilungskräfte (ca. 20 Minuten Dauer); zum Ausklang gibt es eine kurze klangliche Harmonisierung und Aktivierung.

Die instrumentale Begleitung – musikalisch wäre zuviel gesagt, da keine Melodien erklingen –  durch Gongs, Klangschalen, Monochord, Harfe und Percussion erzeugt lange nachschwingende, leise verhallende Töne, welche die Stille einleiten.

Der CD-„Beipackzettel“ verlautet: »Folgen Sie dem Klang der Stille und kommen ganz bei sich an. Die Klänge finden ganz von selbst ihren Weg dorthin, wo sie heilsam und harmonisierend wirken können… Die Klänge der Klangschalen und Gongs entspannen und wirken auf der Körperebene wie eine feinstoffliche Massage.«

Der Wechsel von Klang, Stille und Stimme ruft ein Empfinden von Zeitlosigkeit und innerer Weite hervor. Der Raum zwischen Klang und Stille ist eine sanfte Übung des Nach-innen-Hörens.

Während die erste Meditation den Körper entspannt und „erleichtert“ und dadurch seine Präsenz und Empfänglichkeit erhöht, führt die zweite Meditation imaginativ in eine Seelenlandschaft und verbindet den Lauschenden mit seinen natürlichen Selbstheilungskräften. Dies kann uns auf eine heilsame Balance von Körper, Geist und Seele einstimmen.

Die erstaunliche Entspannungswirkung der Klangmeditationen kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Vor lauter Entspannung verschlief ich dreimal hintereinander die zweite geführte Meditation. Erst am vierten Tage war ich offenbar ausgeRUHT genug, um beiden Meditationen bewußt und aktiv zu lauschen.

Mit ihrer klaren, sympathisch-vertrauenerweckenden Stimme, in der ein Lächeln mitschwingt, mit der liebevollen Wortwahl und der dezenten Klangbegleitung gelingt es Bettina Steiner, dem Hörer harmonisierende Impulse zu vermitteln.

Auf diesem Wege vertiefen wir auch den EINKLANG mit unserer Seele…

Direktlink zur CD nebst Hörproben:
http://www.malamusic.de/praxis-cds/klangmeditationen-f%C3%BCr-k%C3%B6rper-und-seele/

 

Die Klangkünstlerin:

»Bettina Steiner wirkt als Licht- und Klangheilerin. Sie gibt Einzelsitzungen, veranstaltet Klangmeditationen sowie Klangreisen und leitet Seminare zu den Themen Medialität, Licht- und Klangheilung. Sie empfindet Licht und Klang als die Ursprünge unserer Schöpfung und somit als liebevolles und wirkungsvolles Instrument der Heilung.«
mehr unter: www.herz-und-seele.com
www.lichtklaenge.com

Außerdem pflegt Bettina Steiner das sehr empfehlenswerte, liebevoll inspirierende WordPress-Blog:
HERZUNDSTERNENKIND      https://herzundsternenkind.wordpress.com/
Hier finden sich energetische „Erste Hilfe“-Anregungen, Meditationen, kleine Geschichten aus dem Allgäu, herzerfüllte musikalische Kostproben und heilsame Rezepte sowie berührende Lichtimpulse und ein poetischer Sternenspaziergang

 

 

 

Frau Kassel will Wunder

  • von Ulrike Schwieren-Höger
  • Roman
  • Verlag Hergarten-Media GmbH Juli 2015
  • Kartoniert
  • 224 Seiten
  • 12,90 €
  • ISBN 978-3-936822-96-0
    Frau Kassel will Wunder

H E I L U N G S P A R C O U R S

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die sich im Krankheitsfalle nicht nur behandeln lassen wollen, sondern auch selbstbestimmt handelnd an ihrer Heilung mitwirken möchten, finden Sie in „Frau Kassel will Wunder“ ein gutes Vorbild, inklusive Risiken, Chancen und Nebenwirkungen. Die Autorin schreibt nicht eindimensional GEGEN Schulmedizin und FÜR Alternativmedizin, sondern sie strebt die Erweiterung des Heilungsspielraums um viele Wege und wahlweise auch Wunder an.

Charlotte Kassel, eine Anwältin, ist an Krebs erkrankt und befindet sich zwecks Chemotherapie in einem Kölner Krankenhaus. Ihre Frage nach alternativen, naturheilkundlichen oder einer ganzheitlich mehrere Methoden verbindenden Behandlung wird mit der Begründung abgewimmelt, es gäbe zu wenig seriöse Studien und man wolle nicht herumexperimentieren.

Dr. Paul Junckers, ein Onkologe, ist unzufrieden mit der Schulmedizin. Es reicht ihm nicht, nur den Körper zu behandeln, er möchte Geist und Seele in die Therapie einbeziehen. Deshalb hat er gekündigt und sich in ein einsames, altes Bauernhaus in der Eifel zurückgezogen, wo er nun erste Schritte als Geistheiler unternimmt und die Tradition der Eifler Spruchheiler und Gesundbeter erforscht.

Eines Nachts schleicht sich Charlotte trotzig aus der Klinik, einfach um mal andere Luft zu atmen und normales Leben zu spüren. Weit kommt sie nicht, die körperliche Schwäche veranlaßt sie dazu, sich auf die Stufen vor dem Eingang hinzusetzen. Ein Passant spricht Charlotte besorgt an, setzt sich neben sie und zieht sogar seinen Parka aus, um sie damit zu wärmen. Sie kommen ins Gespräch, und der Mann zeigt Charlotte eine Glaskugel und behauptet, daß er darin Wunder sammle.

Kurz darauf erscheint ein Pfleger und bringt Charlotte zurück in ihr Zimmer. Aber sie hat die E-Mail-Anschrift ihrer Zufalls-Treppenbekanntschaft und beginnt einen lebhaften Briefwechsel mit dem freundlichen Unbekannten namens Paul. Diesem Brieffreund vertraut sie im ausführlichen Schriftgespräch ihre Gedanken, Empfindungen, Entdeckungen, Zweifel und Hoffnungen an. Paul ermutigt sie und vermittelt ihr auch philosophisch-therapeutische Hinweise.

Im Gespräch mit ihrer Ärztin erfährt Charlotte, daß sie eine schleichende Form des Krebswachstums hat, was einerseits die Behandlung erschwert und andererseits einen gewissen Zeitspielraum ermöglicht. Während die Ärzte noch prüfen wollen, ob eine Stammzellentransplantation sinnvoll sei, verläßt Charlotte die Klinik und besucht ihre Schwester, die in der Eifel lebt. In dieser ländlichen Umgebung erhofft sich Charlotte bessere Besinnungsmöglichkeiten und Erholung vom Großstadtleben.

Die fürsorglich-zugewandte Begegnung auf der Kliniktreppe und der briefliche Austausch mit Paul haben den Impuls und die Hoffnung in Charlotte geweckt, sich eigenverantwortlich nach alternativen, ganzheitlichen Heilungsmöglichkeiten umzusehen.

Zwar wurden auch zuvor schon diverse wohlgemeinte Heilversprechen an Charlotte herangetragen, sei es die ewige Gesundheit durch Rohkosternährung, die Früherkennung von Schockerlebnissen, die sich im Hirnscann ablesen ließen oder Transzendentale Meditation, aber jetzt wächst Charlottes Wunsch und Wille, ihren eigenen Weg zu gehen und mutig einiges auszuprobieren.

Mit ihrer Schwester, die sich der matriarchalen Naturreligion verbunden fühlt und einem Wicca-Kreis angehört, reflektiert sie über ihre familiären und religiösen Prägungen und über das Überschreiten familiärer und religiöser Verbote und Grenzen.

Charlotte sucht und findet, befaßt sich mit Achtsamkeitsübungen, Naturverbundenheit, Lichtmeditation, Quantenphysik und Quantenmedizin sowie Geistheilung. Sie lernt ihren Atem zu lenken, besser im Augenblick verankert zu SEIN und weniger zu denken, sie besucht spirituelle Zentren (Findhorn, Tempel von Damanhur) und erfährt Glaubwürdiges und Zweifelhaftes, sie trifft einen verspielten Weisen und eine liebevolle Heilerin, ihre Achtsamkeit und ihr Vorstellungsvermögen wachsen sowie ihr Gespür für das, was ihr wirklich gut tut. Schließlich empfängt sie sogar im Traum eine heilsame Botschaft von ihrer verstorbenen Großmutter.

Kurz: Sie kommt sich selbst wirklich näher, sie schöpft Hoffnung und Zuversicht, und eine Andeutung von Liebe liegt offenbar auch auf ihrem weiteren Weg …

Nicht umsonst hat sich Charlotte einen Spruch von Albert Einstein als neues Lebensmotto erwählt: „Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines.“

Eingebettet in die spannende Rahmenhandlung der Heilungssuche und Lebenssehnsucht Charlotte Kassels öffnet dieser Roman anschaulich-anregende Perspektiven auf Krankheit und Heilung, Angst und Vertrauen, Normalität und Verrücktheit, Transformation und Stagnation, Leben und Tod, Selbstakzeptanz und Mut. Wer diesen Wegweisern gerne vertiefend folgen möchte, findet im Anhang eine entsprechende Literaturliste.

Zufällig habe ich eines der dort empfohlenen Bücher ebenfalls besprochen und zwar im Stil eines Medikamenten-BEIPACKZETTELS:
Das Geheimnis der Heilung. Wie altes Wissen die Medizin verändert“ von Joachim Faulstich: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/15/das-geheimnis-der-heilung/

Die Autorin:

»Ulrike Schwieren-Höger, 1951 geboren, hat lange Zeit als Redakteurin für große Tageszeitungen gearbeitet und in mehreren Verlagen Reiseführer sowie Bildbände veröffentlicht.
Eine schwere Erkrankung führte sie in Grenzbereiche. Sie besuchte alternative Zentren, trat in Kontakt mit Geistheilern und erkannte, dass Heilung ein Prozess ist, der Körper Geist und Seele gleichermaßen umfasst, und zum Umdenken auffordert. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie einfühlsam zu dem Roman „Frau Kassel will Wunder“.«

Mehr auf:   https://schwierenhoeger.com/

PS:
Eine weitere feine Rezension dazu gibt es bei REINGELESEN: https://reingelesen.wordpress.com/2016/05/25/frau-kassel-will-wunder-noch-ein-blogparaden-special/

 

Aus der Lesevorratskammer Nr.1

Buchbesprechungssammelsurium von Ulrike Sokul ©

Da Weihnachten naht, will ich nachfolgend die „Was-schenke-ich-bloß-Verlegenheit“ sowie die „Was-wünsche-ich-mir-Unentschlossenheit“ ein bißchen lindern und 10 ausgewählte Bücher, zwei Hörbücher, die sechsbändige Thursday-Next-Serie und drei Bilderbücher sowie eine MUSIK-CD aus meinem Besprechungsfundus noch einmal besonders hervorheben.

 

Im Hause Longbourn
von Jo Baker
448 Seiten
Knaus Verlag

Im Hause Longbourn von Jo BakerDieser klassengesellschaftliche Perspektivwechsel im Jane-Austen-Gewand fasziniert vom ersten bis zum letzten Satz durch inhaltliches und stilistisches Fingerspitzengefühl.

Jo Baker stellt in ihrem Roman die Menschen in den Mittelpunkt, die in „Stolz und Vorurteil“ fast unsichtbar hinter den Kulissen wirken. So findet nun die „herrschaftliche“ Handlung von „Stolz und Vorteil“ in Hintergrund statt und bildet die Kulisse für die Schicksale des Personals, das im Haus Longbourn, dem Wohnsitz der Familie Bennet, arbeitet.

Die Autorin erzählt uns die Liebesgeschichte des Hausmädchens Sarah und des Hausdieners und Kutschers James, die beide im Hause Longbourn arbeiten. Und wenn ich hier schreibe arbeiten, so meine ich keine 40-Stunden-Woche mit sechs Wochen bezahltem Jahresurlaub, sondern ich meine eine Arbeit von sehr früh morgens bis sehr spät abends, und wenn die Herrschaften weit nach Mitternacht von einem festlichen Ball zurückkehren, chauffiert von einem schlaflosen Kutscher, muß selbstverständlich auch jemand vom Hauspersonal aufbleiben und den tanzerschöpften Familienmitgliedern die Haustür aufhalten, Tee und Gebäck servieren und anschließend noch beim Auskleiden helfen …

Die ideale Lektüre für Jane-Austen-Liebhaber und Dowton-Abbey-Gucker!
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/09/im-hause-longbourn/

 

Das Buch der Kinder
von A.S. Byatt
896 Seiten
S.Fischer Verlag
u1_978-3-10-004417-4.2097263.jpg Das Buch der Kinder
Dieser Künstlerroman schüttet ein Füllhorn an idealistischen Vorstellungen und „Zeitgeistern“ des Fin de siècle und der künstlerischen Ideale der „Arts and Crafts“ – Bewegung (William Morris, John Ruskin) vor dem Leser aus und bietet ein opulentes, kultiviertes und ästhetisch gedecktes Lesebüfett.

„Das Buch der Kinder“ ist ein sinnlicher Roman, detailverliebt ausführlich sowohl in der Darstellung der Charaktere als auch in der Wiedergabe alltäglicher und künstlerischer Gegenstände, der Räume, Möbel, Kleidungsstile, Schmuckstücke, Buchumschläge und Illustrationen, Keramikgefäße und Skulpturen, Stoffe, Farben, Muster, Texturen und Ornamente.

Dabei liegt der Schwerpunkt des Romans auf der Entwicklung der Kinder, die den Wider-sprüchen und Auswirkungen der unkonventionellen Beziehungsexperimente und Sozialreformen ihrer Eltern ausgesetzt sind. Es gibt dunkle Geheimnisse, zahlreiche Verstrickungen, eheliche, uneheliche und Kuckuckskinder.

Es ist ein hochinteressantes, lebendiges und wissensvolles Buch, das sich nicht für die Lektüre in kleinen Häppchen vor dem Schlafen eignet, sondern für ausführliche Schmökersofastunden, in denen man sich ganz auf die komplexe Geschichte und die vielfältigen und verschlungenen Wege einlassen kann.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/26/das-buch-der-kinder/

Das Schweigen des Sammlers
von Jaume Cabré
845 Seiten
Insel Verlag

17522_CabreDie Familie, von der in diesem anspruchsvoll ausführlichen Roman erzählt wird, ist klein: Vater, Mutter und Sohn. Adrià Ardèvol ist ein hochbegabtes Einzelkind, das in einem geistig-kulturell üppig ausgestatteten Elternhaus in Barcelona aufwächst, in dem es Anerkennung für intellektuelle Leistungen, aber keine Liebe gibt und keine elterliche Wahrnehmung für das Kindsein eines Kindes.

Adriàs Vater betreibt ein luxuriöses Antiquitätengeschäft in Barcelona, doch der Erwerb so mancher der Kostbarkeiten fand nicht unbedingt zu fairen und legalen Bedingungen statt. Die wertvollsten Funde schmücken als unverkäufliche Sammlerstücke das väterliche Arbeitszimmer. Und hier kommen die Schicksalsfäden, die mit bestimmten Gegenständen zusammenhängen, zu Wort und Wirkung: eine Storioni-Geige von 1764, ein uraltes goldenes Amulett, einige Bilder und diverse alte Urkunden und Handschriften sind gewissermaßen weitere Familienmitglieder und haben einen beträchtlichen biographischen Einfluß auf die Familie Ardèvol.

Die Dinge aus der Privatsammlung seines Vaters sind mehr Fluch als Segen für ein unbe-schwertes und unschuldiges Leben, denn die Art und Weise ihrer Entstehung, die Schicksale früherer Eigentümer, kurz: die Geschichten, die in diesen Dingen stecken, haben Nachwirkungen bis in die Gegenwart.

Jaume Cabré wechselt immer wieder zwischen der Ich-Erzählerperspektive und der Allwissenden-Erzählperspektive, und er wechselt – teilweise völlig übergangslos – die Zeitebenen und Schauplätze: Barcelona im 20. Jahrhundert, die Klöster Santa Maria de Gerri und Sant Pere de Burgal im 14. und 15. Jahrhundert, die Orte Pardàc, Cremona und Paris im 17. und 18. Jahrhundert, Rom von 1914 bis 1918 und Ausschwitz-Birkenau 1944.

Dieses wortwörtlich changierende Textgewebe ist faszinierend, äußerst komplex, spannend und einfach virtuos. Was für ein genialer Kunstgriff, die verschiedenen Charaktere, Zeitebenen und Schauplätze durch eine palimpsestartige Schreibweise ineinander übergehen und unterschiedliche Schichten der Vergangenheit durchschimmern zu lassen!

Dieser Roman beansprucht eine möglichst ununterbrochene Leseaufmerksamkeit – dann ist er fesselnd, und man findet sich auch in den wechselnden, changierenden Erzähl- und Zeiträumen sowie der außergewöhnlichen Textstruktur zurecht. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/24/das-schweigen-des-sammlers/

Montedidio
von Erri de Luca
224 Seiten
List Verlag

MONTEDIDIOcsm_9783548611877_cover_d14b42011b„Montedidio“ ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von Abschied und Neubeginn, von ersten Lebensgefahren und -Rettungen, Wundern und Verwundungen.

Der Ich-Erzähler ist ein dreizehnjähriger Junge, der von seinem Vater einen Bumerang aus Akazienholz zum Geburtstag geschenkt bekommen hat und diesen hütet wie einen geheimen Schatz. Er lebt mit seinen Eltern in Neapel, im Stadtteil Montedidio; der Lebensabschnitt, von dem hier berichtet wird, spielt zeitlich Anfang der 60er Jahre.
Mit unwillkürlicher Selbstverständlichkeit kommen zudem gute Wünsche, böse Flüche, luftige Geister und ratgebende Engel zu Wort.

All das wird in einer zutiefst achtsamen, ungekünstelten Sprache erzählt: feinfühlig, lebensreif, sinnlich, wortwörtlich mit Hand und Fuß und zugleich poetisch und andächtig sowie mit einer elementaren Männlichkeit, die in der heutigen Literatur ganz selten anzutreffen ist.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/09/montedidio/

Montedidio ist eine Lektüre, die sich vorzüglich mit dem nachfolgenden Hörbuch „paart“:

Das Decamerone
von Giovanni Boccaccio
HÖRBUCH
der Hörverlag

Das DECAMERONE Hörbuch46 Geschichten aus dem Decamerone und vorzügliche Sprecher bieten fast 12 Stunden lang eine kultivierte Auditüre des berühmten Klassikers von Giovanni Boccaccio.

Der galante und elementare Eros, die tiefe Menschenkenntnis dieser Episoden und das unerwartet moderne Menschenbild Giovanni Boccaccios sind wahrlich eine Bereicherung des Herzenshorizontes.

Die schöne, sehr stilvolle Sprache und der filigran ziselierte Satzbau fügen sich zu einer Geschichtenschatztruhe mit feinen Intarsien aus Poesie, Humor, Sinnlichkeit, Komik, Tragik, Lebensfreude, Liebeslust, Glück und Leid, Seufzern und Tränen, Körper und Seele, Weisheit und Dummheit, Wahrheit und Lüge, Sein und Schein – kurz: vielgestaltig, lebensbunt und mitmenschlich.

Alle Sprecher und Sprecherinnen dieser – bisher vollständigsten Lesung des Decamerone – treffen ganz wunderbar und sehr fein nuanciert den schelmisch-burlesken sowie den empfindsamen Tonfall Boccaccios. Besonders hervorzuheben sind der »König der Vorleser« Gerd Westphal, der die Rahmenhandlung liest und die besondere Gestimmtheit des Decamerone ganz unvergleichlich evoziert, und Uwe Friedrichsen, der – frivol, kecklich und augenzwinkernd – die Rolle des Dioneo spricht.

Sprachkunst und Sprechkunst finden sich in diesem Hörbuch zu beiderseitigem, befruchtendem Entzücken vorzüglich zusammen!
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/17/das-decamerone/

Und die nachfolgende Musik-CD-Besprechung führt den Liebesreigen heiter weiter:

Lieder von Liebe, Wein und Tod
von Carl Michael Bellman
Doppel-CD

BellmancdcoverDer schwedische Nationaldichter und Komponist , Carl Michael Bellman (1750 – 1795) gilt als „Urvater des Liedermachers“

Die „Lieder von Liebe, Wein und Tod“ von Petter Udland Johansen und dem Ensemble Pratum Musicum ist die umfassendste Sammlung von Carl Michael Bellman Liedern, die bisher in deutscher Sprache erschienen ist.

Carl Michael Bellman schrieb über die Welt in der er zu Hause war, beim sogenannten „bunten Volk“, dessen Leben sich in Tavernen, Spelunken und der freien Natur abspielte. Seine Lieder sind Miniaturepen und -Dramen, welche die Freuden und Leiden einfacher Menschen durch Vers, Wort und Musik in Szene setzen. Die Texte sind lebensvoll und todesmutig, deftig, frivol, verspielt, herzhaft, sinnlich, humorvoll, elegisch, fröhlich, poetisch, selbstironisch, zärtlich, naturliebhaberisch und sehr trunken.

Neben dem „anspruchsvollen Rokoko-Gesang“ auch all diesen Gefühlsfacetten schauspielerisch-stimmlich Ausdruck zu geben ist überzeugend gelungen. Der Zusammenklang von Musik und Sprache hat bei dieser Bellman-Wiederbelebung eine fast schon berauschende Unmittelbarkeit. Die künstlerische Sorgfalt, mit der bei dieser Produktion vorgegangen wurde, erstreckt sich auch auf das ausführliche CD-Beiheft, das auf seinen 47 Seiten alle Liedtexte, Informationen zu Leben und Werk Carl Michael Bellmans sowie zeitgenössische Illustrationen und Kommentare wiedergibt.

Die Verpackungshülle der Doppel-CD – geschmückt mit dem Gemälde „Galante Szene“ (1744) von Jean-Marc Nattier (le Jeune) – ist graphisch und ästhetisch sehr harmonisch gestaltet und korrespondiert trefflich mit dem musikalischen Inhalt.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/10/06/lieder-von-liebe-wein-und-tod/

Firmin
von Sam Savage
211 Seiten
List Verlag

9783548609218_cover.jpg Frimin großDie kleine Ratte, die auf den Papierfetzen von „Finneganns Wake“, das Licht der Welt bzw. das Flimmerlicht einer Neonröhre im Keller einer Antiquariatsbuchhandlung erblickt – das ist Firmin, der tierisch literarische Held des Romans von Sam Savage.

Wir schreiben die frühen sechziger Jahre, und die Buchhandlung befindet sich in einem heruntergekommenen Stadtteil, dem Scollay Square in Boston.

Firmin ist etwas zarter besaitet als seine zwölf Geschwister und bekommt zu wenig Rattenmuttermilch. Der Hunger treibt ihn dazu, Bücher anzunagen, und nach einiger Zeit entdeckt Firmin bei dieser Bücherdiät, daß er lesen kann. Während seine Geschwister und seine Mutter das Nest verlassen, richtet sich Firmin, wissenshungrig und neugierig, in der Zwischendecke der Buchhandlung ein, beobachtet das Geschäftsleben, lernt die Stammkunden kennen und lauscht interessiert und teilnahmsvoll den Gesprächen der Menschen.

Durch ausgiebige Lektüre und heimliche nächtliche Kinobesuche bildet sich Firmin weiter: „Mein Verstand wurde schärfer als meine Zähne.“ In seinen Tagträumen bewegt er sich auf Augenhöhe zwischen Charakteren aus den Klassikern der Weltliteratur und führt geistreiche Gespräche.

Firmin lebt ein einsames Leben, er ist der unbeobachtete Beobachter und der absolute Außenseiter. Seinen Artgenossen ist er zu humanistisch, und Menschen sehen nur ein Tier – ja sogar Ungeziefer – in ihm.

Firmins geistige Größe steht im krassen Gegensatz zu seiner wortwörtlichen Sprachlosigkeit, doch er sucht tapfer nach einer Möglichkeit, die Sprachbarriere zu überwinden. Schließlich kommt er auf die Idee, sich der Taubstummenzeichensprache zu bedienen, ein entsprechendes Handbuch hat die Buchhandlung auf Lager. Nach tapferen Proben, in denen er unter Ganzkörpereinsatz eine menschliche Hand darzustellen versucht, reichen seine Fähigkeiten jedoch nur für zwei leserliche Zeichen: „Auf Wiedersehen“ und „Reißverschluß“ …  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/26/firmin/

Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger
von Meir Shalev
288 Seiten
Diogenes Verlag

978-3-257-24200-3.jpg Meine russische GroßmutterDie besten Geschichten schreibt immer noch das Leben, man muß sie nur erzählen, weitersagen und weitergeben. Tatsachen dienen dabei als Rankhilfe für alle möglichen Geschichtenverästelungen, Wörterblütenschmuck und Phantasiefrüchte.

Der israelische Romancier Meir Shalev schöpft für den Roman „Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger“ bewegliche Wahrheiten aus dem biographischen Brunnen seiner Vorfahren und Verwandten.

Die Hauptperson ist seine Großmutter Tonia, die Hauptsache ist ein Staubsauger, und die Haupthandlung dreht sich ums Putzen.

Zwischen diesen drei Eckpunkten knüpft Meir Shalev ein facettenreiches, interessantes und menschenkenntnisreiches Geschichtennetz. Die Großmutter erzählt, der Großvater, die Mutter, der Vater, die Onkel, die Tanten: Alle erzählen gern und viel und haben keine Scheu, die tatsächlichen Tatsachen nur als Vorwort für eigenwillige und kreative Ausschmückungen, Ergänzungen, Interpretationen und Variablen der Wahrheit zu nutzen. In Meir Shalevs Buch kommen sie alle zu Wort, und so mäandern um die Geschichte des Staubsaugers viele Nebengeschichten, die jedoch einen anschaulichen und sinnvollen Beitrag zum Gesamtbild liefern.

Sprachlich besonders reizvoll und amüsant sind die familientypischen Redewendungen und die grammatischen Eigenwilligkeiten der Großmutter, die der Autor stilistisch aufgreift und mit denen wir als Leser bald ganz selbstverständlich und vertraut auf Du sind. Ein paar liebenswürdige und schmackhafte Prisen Jiddisch bekommen wir außerdem serviert.

Die Figuren dieses Romans erscheinen so echt, leibhaftig und greifbar lebendig, daß man nach Beendigung der Lektüre das Gefühl hat, sie wirklich kennengelernt zu haben. Das liegt nicht nur daran, daß es wirkliche Menschen sind und wir auch einige Photographien zur Illustration angeboten bekommen, sondern an der malerischen, sinnlichen, warmherzigen und humorvollen Erzählweise. Shalevs Erzählton hat eine starke Ausstrahlung, die sich dem Gedächtnis lebhaft einprägt und die Leseerfahrung beinahe in Lebenserfahrung verwandelt.

Und auch die Belehrung über das richtige und geschlechtsspezifische Auswringen des Putzlappens auf Seite 84 hat eine gewisse pragmatische Faszination, die mir ein unwillkürliches Schmunzeln entlockte und mich – das gebe ich gerne zu – in Versuchung führte, diese Anleitung praktisch zu überprüfen.

Die ideale Lektüre für Putzteufel und für Leser, die biographische Romane mögen.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/31/meine-russische-grosmutter-und-ihr-amerikanischer-staubsauger/

Stich ins Wespennest
D.E. Stevenson
350 Seiten
Manhattan Verlag

Stich ins Wespennest von D E StevensonBeim „Stich ins Wespennest“ handelt es sich um eine sehr geschickt konstruierte Geschichte in der Geschichte oder, kurz zitiert, um „einen Roman über eine Frau, die einen Roman über eine Frau geschrieben hat, die einen Roman geschrieben hat.“

Es ist eine vergnügliche Lektüre der leichten Muse, gleichwohl aber nicht gedankenlos.

Der Schauplatz des Romans ist ein kleines englisches Dorf namens Silverstream zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Die unscheinbre Miss Barbara Buncle, die aus Geldnot einen Roman mit dem Titel „Der Störenfried“ verfasst hat und die dabei auf das in ihrem Dorf befindliche Figurenpersonal zurückgegriffen hat, mischt die Dorfbewohner tüchtig auf.

Zwar hat sie die Namen verändert und den Roman unter dem Pseudonym John Smith veröffentlicht, aber ihre gute Beobachtungsgabe und scharfsinnige Menschenkenntnis – in Verbindung mit einer naiven Wahrheitstreue in der schriftlichen Wiedergabe – führen dazu, daß sich die Personen aus dem Roman leicht den realen Vorbildern zuordnen lassen.

Niemand verdächtigt die unscheinbare Miss Buncle, obwohl sie selbst in ihrem Buch auch vorkommt. Allerdings hat sie eine deutliche charmantere und selbstsichere Version ihrer Person entworfen, und das ist zunächst die beste Tarnung.

Miss Buncle, die von allen sympathischen Personen im Dorf geschätzt und von den Unsympathischen chronisch unterschätzt wird, schreibt munter an einer Fortsetzung des „Störenfrieds“ und benutzt die aktuellen, aufgeregten Nachforschungen und dörflichen Geschehnisse als weitere Bausteine für die Romanfortsetzung. Durch den inzwischen zum Bestseller avancierten Erfolg ihres Romans bessert sich Miss Buncles finanzielle Situation, sie kann sich neu und geschmackvoller kleiden, und sie wird selbstbewußter und mutiger.

Im weiteren fließenden Übergang von Fiktion zu Wirklichkeit und umgekehrt, läuten auch schon bald die Hochzeitsglocken für Miss Buncle …    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/25/stich-ins-wespennest/

Die Spieluhr
Novelle
von Ulrich Tukur
150 Seiten
Ullstein Verlag

csm_9783550080302_cover_ Die Spieluhr175f6ec799„Die Spieluhr“ von Ulrich Tukur ist eine musische, malerische und musikalische Geschichte, poetisch, geheimnisvoll und vielschichtig; sprachlich wunderbar geschliffen, anziehend altmodisch, niveauvoll – ja: ELEGANT. Ich bin hingerissen, solches Sprachgut bei einem Autoren der Gegenwart erlesen zu dürfen!

Der Autor erzählt von den Dreharbeiten zur Filmbiographie der Malerin Séraphine Louis. Im Film verkörpert er Wilhelm Uhde, einen deutschen Kunstsammler, der 1912 bei einem Urlaubsaufenthalt in der französischen Kleinstadt Senlis das außergewöhnliche Maltalent von Séraphine entdeckt und fördert.

Es gibt ein Problem bei den Dreharbeiten: Der Filmarchitekt hat trotz umfänglicher Hausbesichtigungen noch nicht den passenden Drehort für die Inszenierung von Séraphines Unterkunft gefunden.

Der Regieassistent Jean-Luc, der fertiges Filmmaterial nach Paris zum Entwickeln bringen soll, verschwindet spurlos und taucht sichtlich erschüttert zwei Tage später wieder auf und erzählt, daß er unterwegs zufällig ein verborgenes Schloß entdeckt habe. Dort befände sich ein Raum, der sich perfekt als Séraphines Filmzimmer eigne.

Jean-Luc versucht seine irrlichternden Erfahrungen mit dem geheimnisvollen Schloß und seinen mysteriösen Bewohnern in Worte zu fassen; nicht ganz zu Unrecht befürchtet er, von seinen Zuhörern für verrückt gehalten zu werden; zumal es ihm nicht gelingt, den Weg zum Schloß wiederzufinden, und er von den Kollegen damit aufgezogen wird, was er denn geraucht habe. Empört macht er sich daraufhin alleine wieder auf die Suche und einige Zeit später folgt der Autor den Spuren Jean-Lucs.

Er findet das wirklich-unwirkliche Schloß und betritt eine Reihe von changierenden Räumen; Gobelins führen in wirkliche Landschaften, und Landschaften wieder in geschlossene Räume, Menschen gelangen in Bilder und Bilder in Menschen, man weiß nicht mehr, ob Menschen Bilder betrachten oder umgekehrt. Die Spieluhr spielt nach einer traumwandlerischen Choreographie mit Raum und Zeit und Leben …

Auch die äußere Gestaltung dieses faszinierenden Buches ist außergewöhnlich hochwertig-bibliophil: Es ist in puderig-blaugrünes Leinen gebunden, mit einem floralen Motiv im Goldprägedruck als Titelbild, die Vorsatzblätter sind aus schwarzem, atlasseidig anmutendem Papier, die Serifen-Typographie »Centaur« ist reizvoll antiquarisch, gleichwohl gut und sehr klar leserlich. Das Verlagslogo ist unauffällig, beinahe unsichtbar ins Leinen eingeprägt, und es gibt ein LESEBÄNDCHEN.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/01/29/die-spieluhr/

 

Thursday-Next-Reihe
von Jasper Fforde
6 Bände
2429 Seiten
dtv Verlag

Geben Sie es ruhig zu: Wenn Sie könnten, würden Sie auch mal gerne wortwörtlich in ein Buch einsteigen und mitspielen. In der Buchreihe mit der LiteraturAgentin Thursday Next bekommen Sie einen metafiktiven Vorgeschmack, wie das aussehen könnte …

der_fall_jane_eyre-9783423212939.jpg Der Fall Jane Eyrein_einem_anderen_buch-9783423212946.jpgThursday Next 2
Thursday Next, die weibliche Hauptfigur in diesen buchstäblich hinterlisterarischen Kriminalromanen, arbeitet als „LiteraturAgentin“, und in dieser Rolle sucht sie nicht nach verheißungsvollen neuen Schriftstellertalenten, sondern sie und ihre Kollegen beschützen die vorhandene Literatur vor unbefugten, verbrecherischen Eingriffen wie Raubdrucken, gefälschten Manuskripten und sonstigen Manipulationen, die gegen die literarische Ordnung verstoßen. Für außergewöhnliche Komplikationen sorgt dabei zusätzlich der Umstand, daß die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit durchlässiger sind, als bisher vermutet.

Gleich im ersten Band wird Jane Eyre aus ihrem Buch heraus entführt …

Thursday Next arbeitet für „SpecOps-27 (LiteraturAgenten)“, einer ihrer Lieblingskollegen arbeitet für „SpecOps-17(Vampir- und Werwolfentsorgung)“ und trägt den –  für literarisch Eingeweihte – vielsagenden Namen Spike Stoker.
im_brunnen_der_manuskripte-9783423212953.jpg Thursday Next 3
Eine große Rolle spielt außerdem „SpecOps-12“, die „ChronoGarde“, deren Aufgabe es ist, den korrekten Ablauf der „StandardEreignisLinie“ zu überwachen, Zeitfalten auszubügeln und dann und wann Apokalypsen zu vermeiden. Die zeitreisebefähigten Agenten kommen also negativen oder unerwünschten Ereignissen nachträglich zuvor.

Dann ist da noch Onkel Mycroft, der geniale Erfinder des Legosteinfilters für Staubsauger und des „ ProsaPortals“:  eine Erfindung, die es ermöglicht, buchstäblich in ein Buch einzusteigen. Und es gibt die  „Goliath Corporation“, einen skrupellosen, profitgierigen Großkonzern, der systematisch die Demokratie untergräbt und um jeden Preis seine Macht auf die fiktionale Welt ausdehnen will.

es_ist_was_faul-9783423212960.jpg Thursday Next 4 irgendwo_ganz_anders-9783423212977.jpg Thursday Next 5

In Jasper Ffordes Buchmultiversum ist die sogenannte wirkliche Welt schon reichlich schräg, aber die Buchwelt übertrifft sich hier gewissermaßen selbst. Wie dramatisch es hinter den Kulissen der gedruckten Buchstaben, Worte und Sätze zugeht, das weiß Jasper Fforde mit funkelndem Einfallsreichtum und Liebe zum kleinsten literarischen Detail spannend und sehr amüsant zu erzählen. Der bürokratische Verwaltungsapparat und Sicherheitsdienst (Jurisfiktion) der Buchwelt ist mindestens so papierkramreich wie in der Außenwelt, ganz zu schweigen von den logistischen und technischen „BackStory“- Herausforderungen. Also ohne mobiles „Fußnotofon“ geht schon mal gar nichts; und haben Sie gewußt, daß das ISBN-System den „JurisfiktionAgenten“ zur Ortung von Büchern  dient?

wo_ist_thursday_next-9783423214537Jasper Fforde verfügt über eine geistreiche und humorvolle Kombinationsgabe; von Band zu Band steigert er sich mit einfallsreichen Ideen, komplex konstruiert bis ins kleinste erlesene Detail. Die historischen und literarischen Arrangements, die er gestaltet, sind abenteuerlustig, wunderbar wortspielerisch und vielschichtig.

Die Wiederbegegnung mit bekannten literarischen Figuren, Themen und Schauplätzen, die von Jasper Fforde gekonnt in den Handlungsverlauf seiner Thursday Next Geschichte eingewoben werden, bietet anregenden Spielraum für fantasievolle und heiter-ironische Neuinterpretationen und kuriose Assoziationen. Neben vielen englischen Klassikern finden z.B. auch Eichendorff, Kafka und Konrad Duden Erwähnung.

Garniert wird das Ganze noch mit dem Thema Zeitreisen und den sich daraus ergebenden Paradoxien und Schlußfolgerungsvariablen.

Für Liebhaber geistreich-skurriler Metafiktion bietet Jasper Ffordes Thursday-Next-Serie buchstäblich vielseitige und verführerisch unterhaltsame LekTÜREN …

Gebündelte Besprechung der Bände 1 -5
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/01/thursday-next-band-1-5/
Besprechung von Band 6
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/03/wo-ist-thursday-next/

 

Das Geheimnis der Heilung
Wie altes Wissen die Medizin verändert
von Joachim Faulstich
351 Seiten
Droemer Knaur Verlag

Faulstich, Das Geheinis der HeilungDer Autor Joachim Faulstich offeriert mit „DAS GEHEIMNIS DER HEILUNG“ eine faszinierende Sammlung und Beschreibung teilweise jahrtausendealter Heilungsmethoden, wie z.B. die schamanische Trancereise oder die Macht der Imagination. Dieses alte Wissen kombiniert er mit modernen Erkenntnissen, z.B. aus der Hirnforschung, die entdeckt hat, daß es auf gehirnphysiologischer Ebene keinen Unterschied zwischen einer gedachten oder tatsächlich ausgeführten Handlung gibt. Das wiederum ist eine wissenschaftliche Bestätigung der Wirkungsweise von Imagination.

Die Lektüre des Therapeutikums macht den Leser/die Leserin unabhängig von monokausalen, einseitigen Erklärungsmodellen. Sie eröffnet viele Wege zur Heilung, stellt sie vor und bringt sie miteinander in Verbindung.

Krankheit und Heilung stehen in einem nur teilweise sichtbaren Zusammenhang; eine maßgebliche Rolle spielen dabei die unendlich komplexen Wechselwirkungen und Rückkopplungen zwischen Körper, Geist und Seele, aber auch die Beziehung, die Kommunikationstiefe und das Vertrauensverhältnis zwischen Heiler und Heilungssuchendem sowie die generellen Lebensbedingungen des Betroffenen.

Die wesentlichsten Zutaten für eine integrierende Heilkunde sind die geistig-seelische Aufgeschlossenheit für altes und neues Heilwissen und die Entwicklung einer möglichst vielschichtigen Bewußtseinstransparenz, die der Komplexität unseres Lebensgewebes umfassender gerecht werden. Das Buch „Das Geheimnis der Heilung“ ist selbst das beste Beispiel für eine wertschätzende und würdigende Betrachtungsweise, bei der Spiritualität und Wissenschaft Hand in Hand gehen und den Spielraum für Heilung erweitern.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/05/15/das-geheimnis-der-heilung/

„Das Geheimnis der Heilung“ ergänzt sich fein mit dem nachfolgenden TIGERBERICHT:

Der Tigerbericht
von Dietrich Wild
65 Seiten mit 2 CDs
Sheema Medien Verlag

buchcover_tigerberichtBeim Tigerbericht, der in Kombination von Textbuch und Hörbuch vorliegt, bietet sich die Gelegenheit, je nach Neigung lesend zu lauschen oder lauschend zu lesen. In jedem Falle werden sich die KonZENtration, die erfrischende Weite und die weise Gelassenheit dieser Geschichte wohltuend offenbaren.

Der Erzähler erzählt, wie er bei einer einsamen Wanderung durch die Wüste Sinai an einer Oase rastet und einem Meister begegnet. Zunächst wird er ohne Worte unterrichtet, durch freundliches, achtsames Wahrgenommensein und alltägliche Verrichtungen: Wasser holen, Feuer machen, Teetrinken, Lächeln, Verbeugungen und durch einfaches miteinander Schweigen.

Die schmucklose Sprache ist von einer poetischen und philosophischen Präzision, die Inhalt und Form zu einer stillen Harmonie vereint und gerade durch das Weglassen übergewichtigen Wortgepäcks eine Ruhe und kontemplative Präsenz hervorzurufen vermag, die den Leser – weit über jedes Wort hinaus – zuhören lehrt.

Der Tigerbericht ist eine gute Medizin, wenn man mal wieder in komplizierten Gedankengebäuden herumirrt und sich selbst zu ernst und das Leben zu schwer nimmt. Er räumt die Gedanken auf, klärt und leert den aufgewühlten Geist, schärft die Sinne und erinnert mit unaufdringlicher Eindringlichkeit an das Wesentliche: an das Dasein und Dabeisein im Jetzt und an die heilsame Selbstvergessenheit im reinen Tun.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/der-tigerbericht/

 

Und für die lieben Kleinen noch kurz und bündig drei oberputzige Bilderbücher:

Der Bücherschnapp
Jeder braucht eine Gutenachtgeschichte
ab 4 Jahren
Ellermann Verlag

9783770745005.jpg Der Bücherschnapp

Hier wird mit vorbildlichen Vorleseinterieurs, lustigen Reimen und liebevoll-lebhaften Illustrationen das lauschige Vorleseglück mit unwiderstehlicher Anziehungskraft in Szene gesetzt.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/31/der-bucherschnapp/

Stille Nacht
Das leise Weihnachtsbuch
ab 3 Jahren
Gerstenberg Verlag

Stille Nacht TITELBILD


Mit „Stille Nacht“ machen wir einen sehr empfehlenswerten Bilderbuchausflug, der mit leisen Worten sowie leisebunten und leiseleichten Bildern eine Atmosphäre atmender Stille hervorruft und dabei gleichwohl zum An- und Aussprechen von Gefühlen anregt.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/22/stille-nacht/

Der letzte Tiger
a
b 4 Jahren
Kerle Verlag

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Dieses Bilderbuch legt konstruktive, naturverbundene geistige Samen in Kinderherzen, was ein durchaus wichtiger Aspekt zu einer enkeltauglichen Rettung der Erde ist.

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/09/18/der-letzte-tiger/

 

So, und jetzt ran an die WUNSCHZETTEL … es sind noch 18 Tage bis zur Bescherung! Meinen bescheidenen Beitrag für entspanntes Schenken habe ich hiermit hoffentlich geleistet.

CRADLE TO CRADLE

  • Einfach intelligent produzieren
  • von Michael Braungart und William McDonough
  • Aus dem Amerikanischen von
  • Karin Schuler und Ursula Pesch
  • Neuauflage Piper Verlag, Februar 2014               www.piper.de
  • Taschenbuchausgabe
  • 236 Seiten
  • 9,99 € (D), 10,30 € (A), 13,90 sFr.
  • ISBN 978-3-492-30467-2
  • E-Buch-Ausgabe WMEPUB
  • 8,99 € (D), 8,99 € (A), 10,00 sFr.
  • ISBN  978-3-492-96479-1
    Cradle to Cradle

NATURGETREU   UND   ENKELTAUGLICH

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es gibt Bücher, die mich allein schon wegen der ihnen vorangestellten Widmung unmittelbar ansprechen und zum Weiterlesen verlocken; so ist es mir auch bei diesem Buch geschehen. Ich zitiere die Widmung:

„Für unsere Familien und für alle Kinder aller Lebewesen für alle Zeiten“

Die ganzheitliche BetrachtungsWEISE, die in diesen Worten zum Ausdruck kommt, durchzieht das gesamte Buch.

Die Autoren nehmen sich die Stoffkreisläufe der Natur zum Vorbild. In der Natur wird kein Müll produziert; abgestorbene pflanzliche und tierische Materialien dienen als Nahrung und Wiege für weitere Lebensformen. Die Produktionsweise der Natur folgt dem Prinzip „von der Wiege zur Wiege“ (cradle to cradle), und der Müll ist kein Müll, sondern ein Nährstoff. Das einfachste Beispiel für diese sinnvolle und lebensdienliche Art der Verwertung findet sich im Atem: Menschen und Tiere atmen Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. Die Pflanzen nehmen das Kohlendioxid auf und nutzen es für ihr Wachstum und „atmen“ im Austausch Sauerstoff aus.

Im Gegensatz dazu haben die meisten menschlichen Produkte eine begrenzte Lebenszeit – „von der Wiege bis zur Bahre“ -, belasten durch zahlreiche giftige Bestandteile oder ihre nur schwer bis gar nicht auflösbare Verbindung von biologischen und technischen Stoffen die Mitwelt und verschwenden zugleich wertvolle Rohstoffe.

Auf unseren Müllhalden lagern viele sogenannte »Monsterhybriden«, Dinge, die aus zusammengemischten technischen und biologischen Materialien bestehen, die nicht mehr zurückgewonnen werden können und oft auch noch toxische Nebenwirkungen haben. Ein konventionell hergestellter Schuh aus chromgegerbtem Leder mit einer Sohle aus bleihaltigen Polymeren belastet die Mitwelt bei der Herstellung (giftige Abwässer und giftige Arbeitsbedingungen), beim Tragen des Schuhs (durch Abriebpartikel der Sohle und durch den krebserregenden Chromkontakt mit der Haut des Schuhverbrauchers), und schließlich landet der abgetragene Schuh dann auf der Müllhalde oder in der Müllverbrennung.

Michael Braungart ist Chemiker, und William McDonough Architekt. Die beiden Autoren haben schon verschiedene Materialien, Produktions- und Gebäudesysteme entwickelt, welche die langfristigen Wirkungen und regenerativen Möglichkeiten von Form und Funktion eines Produktes von Anfang an berücksichtigen. Sie gehen also weit über die nachträgliche Installation ökoeffizienter Verbesserungen hinaus, die ein schlechtes Produkt lediglich etwas weniger schlecht machen, aber nicht grundsätzlich das Einbahnstraßensystem einer Wegwerf- und Verschmutzungsproduktion beenden.

„Was wäre geschehen, fragen wir uns manchmal, wenn die industrielle Revolution in Gesellschaften stattgefunden hätte, in denen die Gemeinschaft höher geschätzt wurde als das Individuum und in denen die Menschen nicht an einen Lebenszyklus von der Wiege bis zur Bahre geglaubt hätten, sondern an Reinkarnation?“ ( Seite 135)

Die deutschsprachige Ausgabe dieses Buches ist zu hundert Prozent auf wiederverwertetem Altpapier gedruckt; dies bezeichnen die Autoren als „ein Beispiel für Öko-Effizienz – Optimierung des Bestehenden anstatt echter Innovation.“ (Seite 11) Diesen Kerngedanken erläutern sie im folgenden Zitat:

Stellen wir uns ein Buch vor, das kein Baum ist. Nicht einmal Papier. Stattdessen besteht es aus Kunststoff, der unter einem völlig anderen Materialparadigma entwickelt worden ist, aus Polymeren, die ohne Qualitätseinbuße praktisch unendlich oft recycelbar sind – bei denen ihr weiteres Leben bei der Entwicklung im Vordergrund gestanden hat und nicht erst als unangenehme nachträgliche Überlegung eingeflossen ist. Dieses »Papier« braucht keine gefällten Bäume und kein Chlor, das dann in die Gewässer fließt. … es kann recycelt werden, und was noch wichtiger ist, es hat das Potenzial zum Upcycling: Es kann auseinandergenommen und als qualitativ hochwertiges, nützliches Polymer wiederverwendet werden. (Seite 98f)

Dieses Buchmaterial hat zudem die praktische Nebenwirkung, daß man es in der Badewanne lesen kann, da es wasserfest ist.

Das Design-Konzept der Autoren trägt die Überschrift Öko-Effektivität. „Öko-effektive Planer erweitern ihr Blickfeld und haben neben dem vorrangigen Zweck eines Produkts oder Systems auch das Ganze im Auge. Was sind die Ziele und die möglichen Wirkungen, sowohl direkt wie auch in größeren zeitlichen und räumlichen Zusammenhängen? Zu welchem – kulturellen, wirtschaftlichen, ökologischen – Großsystem werden dieses produzierte Ding und dieser Produktionsprozess gehören?“
(Seite 109)

Es werden viele ermutigende Beispiele für wirklich nachhaltige Materialentwicklungen und Produktionsprozesse vorgestellt. Verpackungen können selbst ein nützliches Produkt sein, wie z.B. Senf- oder Marmeladengläser, die sich anschließend als Trinkgläser nutzen lassen, oder Verpackungen können aus leicht und ungiftig verrottendem Material (Reisstroh, ungiftige Polymere) hergestellt sein, das zusätzlich mit einheimischen Pflanzensamen versehen wird. Diese Verpackungen (einschließlich der Samen) können wiederum in die Landschaft (oder auf den Komposthaufen) geworfen werden, wo sie schnell biologisch abgebaut werden, den Boden als Nährstoff bereichern und zur Verbreitung von Pflanzen beitragen.

In jeder Hinsicht klimafreundliche Grasdächer werden vorgestellt, intelligente Lüftungs- und Kühlsysteme, die kluge Nutzung natürlichen Sonnenlichts – allein aufgrund der Einbeziehung der solaren Südausrichtung von Gebäuden, Windschutzhecken, die schön aussehen und zahlreichen Kleintieren Lebensraum bieten, raffinierte Abwasserklärmethoden, die altes landwirtschaftliches Wissen mit moderner Ingenieurskunst kombinieren …

Manches bleibt noch im Ideenstadium, wie z.B. eine Waschmaschine, die das Waschmittel zurückgewinnt. Oder wie wäre es mit Autos, die die Luft reinigen, anstatt sie zu verschmutzen?

„Produkte können entweder aus Materialien bestehen, die biologisch bzw. physikalisch abbaubar sind und so zu Nahrung für biologische Kreisläufe werden, oder aus technischen Materialien, die in geschlossenen technischen Kreisläufen bleiben, in denen sie fortwährend als wertvolle Nährstoffe für die Industrie kreisen. Damit diese beiden Metabolismen intakt, produktiv und nutzbringend bleiben, muss die Kontamination des einen durch den anderen unbedingt vermieden werden.“ (Seite 136)

Angestrebt wird ein Design, das Abfall grundsätzlich vermeidet, weil die verwendeten Materialien problemlos wieder in den biologischen oder technischen Stoffkreislauf eingespeist werden können.

Ein weiterer lebensdienlicher Aspekt ist die Berücksichtigung unterschiedlicher lokaler Gegebenheiten und Materialien sowie die Einbeziehung natürlicher und kultureller Vielfalt. Es gibt nicht eine Lösung, die für die ganze Welt funktioniert, sondern vielfältige kleine und große Möglichkeiten mit regionalen Besonderheiten und sinnvollen nachhaltigen Spezialitäten. Als willkommene Nebenwirkung bringen solche Produkte und Produktionsformen für Produzenten und Konsumenten eine bessere und wesentlich gesündere Lebensqualität.

„Statt die Natur als reines Werkzeug für menschliche Ziele zu benutzen, können wir alles daran setzen, Werkzeuge der Natur zu werden, die auch ihren Zielen dienen.“ (Seite 193)

Michael Braungart und William McDonough verlangen Erfindergeist, speziesübergreifende Empathie, ein Wirtschaften des wechselseitigen Gebens und Nehmens – wie es uns die Natur vorbildlich vorlebt – und die Bereitschaft zu einer industriellen Re-Evolution.

Dies wird unser aller Kräfte erfordern, und es wird eine ewige Aufgabe sein. Aber schließlich ist ja genau das die Chance für uns Menschen und für alle Lebewesen auf dieser wunderschönen kleinen Erde.“ (Seite 227)

Die Autoren:

»Michael Braungart ist Chemiker und Präsident des Hamburger Umweltinstituts und Professor für Chemische Verfahrenstechnik und Stoffstrommanagement an der Fachhochschule Lüneburg sowie Wissenschaftlicher Leiter der 1987 von ihm gegründeten EPEA Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg. Er ist Mitbegründer von McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC) in Charlottesville, Virginia, USA und des Hamburger Umwelt-Instituts (HUI). Seine Arbeiten sind in zahlreichen Zeitschriften in Europa und in den USA veröffentlicht worden, und er hält regelmäßig Vorträge und unterrichtet als Gastdozent an internationalen Universitäten.«

»William McDonough war von 1994 bis 1999 Professor für Architektur an der University of Virginia. Er ist Gründer von William McDonough & Partners, eines international operierenden Architekturbüros für ökologisch, sozial und ökonomisch intelligente Bauweise. Er ist Mitbegründer von McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC) in Charlottesville, Virginia.
1996 erhielt er den Presidential Award for Sustainable Development, 2003 den Presidential Green Chemistry Challenge Award und 2004 den National Design Award – drei hohe Ehrungen im Bereich Umweltschutz, die vom amerikanischen Präsidenten vergeben werden.«

PS:
Die einzige Ungeschicklichkeit, in Bezug auf die deutschsprachige Ausgabe des Buches, liegt in der unübersetzten Übernahme des englischen Titels. Ich bezweifle sehr, daß der Titel spontane Allgemeinverständlichkeit garantiert.

Lächeln ist die beste Antwort

  • 88 Wege asiatischer Gelassenheit
  • von Bernhard Moestl
  • KNAUR Verlag April 2015                   www.droemer-knaur.de
  • gebunden
  • 255 Seiten mit LESEBÄNDCHEN
  • und mit zahlreichen japanischen Vignetten
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-426-65561-0
    Lächeln ist die beste Antwort

K(R)AMPFLOSES  SIEGERLÄCHELN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In seinem Buch „Lächeln ist die beste Antwort“ beschreibt Bernhard Moestl in 88 kurzen, eingängigen Kapiteln seine theoretischen und praktischen Erfahrungen mit der fernöstlichen Weltsicht und Menschenanschauung und vergleicht sie mit der westlichen (europäischen) Lebensauffassung.

Der pendelnde Blick vom Westen in den Osten und vom Osten in den Westen ist interessant und lehrreich und zugleich kurzweilig. Wie tief mögliche Einsichten und lebensphilosophische Anregungen sinken, bleibt dem Leser unaufdringlich selbst überlassen.

Der Autor schöpft aus dem Fundus seiner langjährigen Aufenthalte und häufigen ausgiebigen Reisen durch viele asiatische Länder (China, Kambodscha, Laos, Malaysia, Thailand, Vietnam). So dienen oft Reiseerlebnisse und alltägliche harmonische oder ärgerliche zwischenmenschliche Situationen und Mißverständnisse als Einstieg in eine konzentriert-pragmatische Reflektion über die asiatische Geisteshaltung zu äußeren Gegebenheiten.

Dabei behandelt Bernhard Moestl die Relativität von Schwäche und Stärke sowie Sieg und Niederlage, die Übung des Nichts-Tuns, spezielle asiatische Dienstleistungshaltungen, die Freuden der Absichtslosigkeit, Fragen der Samurai-Ehre, Erfolg, Führungsstilvarianten, einleuchtende Zenmeister-Anekdoten, die Energieeffizienz der Shaolin-Kampfkunst, Gedankendisziplin, Achtsamkeit, Kommunikationswege, den Nutzen der Langsamkeit, den unschätzbaren Wert des Lobens und noch viele Themen mehr.

Da jedes Kapitel mit einer Frage an den Leser ausklingt, wird durch die geöffnete Fragetüre jeder dazu eingeladen, den Lesestoff auf das eigene Leben anzuwenden und den gewöhnlichen Wahrnehmungsblickwinkel zu erweitern oder sogar zu ändern.Wenn man den Fragen vertiefend nachgeht, die einen besonders ansprechen, kann sich die Tür zu einigen ganz neuen Antworten und frischen Selbsterkenntnissen öffnen.

Nun einige Beispiele zur Inspiration:

„Was bedeutet »unmöglich« ?“ (Seite 35)

„Wobei verlieren Sie den Geist des Anfängers am ehesten?“ (Seite 43)

„Welches Wort gibt Ihnen die meiste Kraft?“ ( Seite 86)

Wie fördern Sie Ihre größte Stärke?“ (Seite 108)

„Womit winken Sie Ihren Erfolg herbei?“ (Seite 119)

„Wann hätten Sie das letzte Mal die Tür zu Ihrem Bewusstsein besser geschlossen gelassen?“ (Seite 122)

„Was könnte ich lernen, wenn ich Sie nachahmte?“ (Seite 129)

„Welche vermeintliche Schwäche ist Ihre größte Stärke?“ (Seite 181)

Selbst wenn Sie keine endgültigen Antworten auf Ihre Fragen finden, so wird doch wenigstens das vertraute Gedankenmobile tüchtig in Bewegung versetzt, und vielleicht geschieht in absichtsloser Gelassenheit doch eine Umordnung des Geistes.

Und zum guten Schluß noch ein lächelndes Lob für die ästhetisch-stimmige „Verpackung“ des vorliegenden Buches. Der karpfengemusterte Buchumschlag verspricht reichen geistigen Fang und harmoniert vollkommen mit den schönen hell- und dunkelblauen japanischen Vignetten, die jedes Kapitel dezent schmücken. Und das feine dunkelblaue LESEBÄNDCHEN ist eine praktische und bereichernde Zugabe.

 

Der Autor:

»Bernhard Moestl, geboren 1970 in Wien, ist Vortragsredner und Business-Coach mit den Schwerpunkten Bewusstsein und Führung. Er ist Autor erfolgreicher Sachbücher, in denen er die Erfahrungen zugänglich macht, die er bei Aufenthalten in Asien gesammelt hat, wo er u.a. im Shaolin-Kloster die Kampfkunst der Mönche erlernt hat. Diese Erkenntnisse nutzt er für seine Bücher und Seminare.«
www.bernhardmoestl.com

PS
Am Ende des Buches folgt eine umfängliche und freundlich-aufmerksame Danksagung,  u.a. auch an alle Buchhändler. Daraus ergibt sich für mich – als Buchhändlerin – folgende Frage:
Wie verträgt sich dies mit der Tatsache, daß der Autor auf seiner Webseite die Werbung  für seine Bücher direkt mit Amazon verlinkt?
Und zweite Frage: Wie lange wird es noch lokale Buchhandlungen geben, wenn nicht nur all die Bequemlichkeitskonsumenten, sondern auch immer mehr Verlage und Autoren zu willigen Handlangern und Dienern von Amazon werden?

Die alte Göttin und ihre Pflanzen

  • Wie wir durch Märchen zu unserer Urspiritualität finden
  • von Wolf-Dieter Storl
  • Kailash Verlag 2014             http://www.kailash-verlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 13,5 x 17,5 cm
  • 272 Seiten
  • 16,99 € (D), 17,50 € (A), 24,50 sFr.
  • ISBN 978-3-424-63080-0
    Die alte Goettin und ihre Pflanzen von Wolf-Dieter Storl

W A L D E S W U R Z E L N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit seinem Buch „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“ öffnet uns Wolf-Dieter Storl einen Weg zu uralten Wurzeln unseres Daseins. Auf seine lebendig-erzählende Weise ermöglicht er uns eine „reanimierende“ Spurenlese in unserer kollektiven Seelenlandschaft, in der Geistiges und Körperliches sowie Pflanzliches, Tierisches und Menschliches nicht getrennt, sondern „kommunikativ“ verbunden sind.

Er verknüpft Erkenntnisse der Anthropologie, Botanik, Ethnologie sowie Etymologie und erklärt mit einfühlsamem Gespür den symbolischen Gehalt und den Zusammenhang alter Märchen und Zauberpflanzen.

Die Neuzeit umfaßt nur einen sehr kurzen Zeitraum, die Steinzeit hingegen – nach den neuesten archäologischen Erkenntnissen – fast drei Millionen Jahre.

Die Menschen liefen zu Fuß auf der lebendigen Haut der Erde und kommunizierten mit ihr. Diese innige Naturnähe hat uns zutiefst geprägt. Beinahe 99 Prozent unseres Daseins als Homo sapiens verbrachten wir Menschen auf diese Weise als freie, durch die Natur streifende Jäger und Sammlerinnen.“ (Seite 18)

Unsere mitteleuropäische Kultur wuchs in einer lebensgrünen Landschaft mit waldreicher Vegetation. Die durch das Kontinentalklima bedingten großen Temperaturschwankungen teilten den Jahreslauf in vier deutlich unterscheidbare Jahreszeiten. So erläutert uns der Autor zunächst anschaulich „Das Medizinrad der europäischen Waldvölker“.

Die vier Kardinalpunkte Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleichen sowie Sommer- und Winter-Sonnenwenden bilden das Sonnenkreuz. Man nennt es auch das keltische Radkreuz oder Slawenkreuz, dessen senkrechte Achse den Stamm des Weltenbaums darstellt.“ (Seite 24) „Zwischen den vier Kardinalpunkten des Jahresrads wurden vier weitere eingefügt, die sogenannten Kreuzvierteltage in Februar, Mai, August und November.“ (Seite 24)

Diese acht Zeiträume des keltischen Jahres mit ihren Übergangsfesten und Ritualen sowie den damit verbundenen mehrdimensionalen Schnittstellen zwischen der Menschen, Götter- und Geisterwelt haben – wenn auch in christianisierter Verkleidung, verstandesüberbetonter Beschränktheit und Oberflächlichkeit – bis in unsere Zeit überlebt.

Für die Kelten begann der neue Jahreszyklus im November zu Samhain…“ „In der Samhain-Nacht (englisch: Halloween) schwärmen die Totengeister aus und betteln um milde Gaben und SpeisungDas altheidnische Fest lebt weiter in Allerseelen, Allerheiligen, Volkstrauertag und anderen Totengedenktagen.“ (Seite 26)

Unter fast allen gegenwärtigen Jahresfesten schimmert noch immer die naturzyklische, beseelte Sichtweise unserer Ahnen hindurch. Viele Märchen und Sagen überliefern ebenfalls die wesentlich naturverbundenere Kultur und Weltanschauung der indigenen europäischen Waldvölker (Kelten, Germanen, Slawen). Der Glaube an eine dreifaltige Göttin (Jungfrau, Mutter, weise Alte) und ihren befruchtenden männlichen Gefährten gehört dazu sowie die Zuordnung bestimmter Pflanzen und Tiere zu bestimmten Gestaltwerdungen und „Mondphasen“ der Göttin.

Das Leben wurde als Kreislauf des Keimens, Werdens, Blühens, Reifens, Fruchtens, Welkens und Vergehens und wieder Neuwerdens betrachtet und erfahren, so wie es jeder, der heute noch einen Garten pflegt oder der aufmerksam MIT der Natur lebt, noch immer erleben kann, wenn er einfach seine Sinne nutzt und seine Seele „einschaltet“.

Viele Märchen erlauben zudem eine schamanische Lesart. Diese Lesart einleuchtend, sehr anschaulich und faszinierend darzustellen ist das große Verdienst des Autors.

Beispielsweise ist der Weg der Goldmarie im Märchen von Frau Holle eigentlich ein Initiationsweg: Die Spindel, die in den Brunnen fällt, kann als Symbol für den Lebensfaden betrachtet werden. Der Brunnen führt von der Oberwelt (Diesseits) in die Unterwelt (Jenseits), und hier zeigt sich, in Goldmaries Handlungen, wes Geistes Kind sie ist. Sie dient der Frau Holle, die eine Verkörperung der Göttin als Herrin über Leben und Tod ist. Nach einer gewissen Zeit der seelischen Reifung darf Goldmarie – belohnt mit Gold – ihren Lebensfaden wieder aufnehmen (bzw. wiedergeboren werden) und in die Welt zurückkehren – wobei man hier das Gold nicht wörtlich verstehen sollte, sondern eher als seelischen Glanz und Reichtum.

Frau Holle ist mit dem Holunderstrauch verknüpft, der wiederum die helle und die dunkle Seite der Göttin illustriert: Zur Mittsommerzeit erfreuen uns die lieblichen Blütendolden, die wie zartes, brautschleieriges Spitzengewebe aussehen, und im reifen Spätsommer schenken uns die dunklen, herbschmeckenden Beeren Heilkräfte für den bevorstehenden Winter.

Wolf-Dieter Storl erzählt allseits bekannte Märchen, bettet diese in ihre jeweiligen botanischen, ethnologischen, etymologischen und symbolischen Bezüge und erschließt somit eine wesentlich elementarere Einsicht in die alten Märchenüberlieferungen.

Aus der angebotenen Wissensfülle dieses Buches kann ich hier nur einige Stichworte streifen:

Den drei Verkörperungen der Göttin entsprechen die Farben Weiß, Rot und Schwarz. Schneewittchens Mutter wünscht sich ein Kind „so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz“.
Kraniche, Störche und Schwäne gelten als Seelenvögel, die zwischen den Welten vermitteln können. Und sagen wir nicht auch heute noch, wenn uns eine AHNUNG befällt „Mir schwant etwas…“ ?
Aschenputtels Schuhe symbolisieren ein gutes, bodenständiges Verhältnis zu Mutter Erde.
Immergrüne Pflanzen (Tannenbaum, Stechpalme) bestärken in dunklen Winterzeiten die Hoffnung auf die Wiedergeburt des Lichtes (oder des Sonnenkindes).

Welch vielschichtige Bedeutung Apfelbäume, Bären, Brennesseln, Drachen, Farn, Fliegenpilz, Gänseblümchen, Haselstrauch, Hirsche, Johanniskräuter, Marienkäfer, Mistelzweige, Raben, Schneeglöckchen, Wachholderbeeren, Weißdorn usw. haben, dürfen Sie sich gerne selbst erlesen…

Die ganzheitliche Weltanschauung der vorchristlichen Zeit ist keineswegs ausgestorben sondern sie sagt sich – märchenhaft verborgen – bis heute weiter.

Die Lektüre von „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“ hat mich ganz wunderbar genährt.Und ich bin von größter und erneuerter Dankbarkeit erfüllt, daß meine Eltern mir eine märchen- und naturverbundene Kindheit ermöglicht haben, so daß die Erkenntnisse aus vorliegendem Buch für mich nicht theoretisch bleiben, sondern ganz und gar lebendig sind und mich zutiefst berühren, begeistern, beflügeln und bewurzeln. Göttin sei Dank!

 

Der Autor:

» Dr. Wolf-Dieter Storl, geboren 1942, ist Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Er wanderte 1954 mit seinen Eltern in die USA (Ohio) aus, wo er die meiste Zeit in der Waldwildnis verbrachte. Nach dem Studium der Botanik und Völkerkunde an der Ohio State Universitiy lehrte er als Dozent für Soziologie und Anthropologie an der Kent State University. 1974 promovierte er als Doktor der Ethnologie in Bern.
Seine zahlreichen Reisen und Feldforschungen prägten sein Denken und fanden ihren Niederschlag in vielen erfolgreichen Büchern. Wolf-Dieter Storl lebt seit 1988 mit seiner Familie auf einem Einsiedlerhof im Allgäu.
Gärtnern, aber noch mehr die wilde, ursprüngliche Natur, die Wildpflanzen und Tiere, waren immer schon eine Quelle der Inspiration für ihn und formten seine Lebensphilosophie. Von den Cheyenne und anderen traditionellen Völkern in Asien und Afrika, sowie von den Überlieferungen und Erzählungen europäischer Bauern und Kräuterkundigen, erfuhr er viel über das Wesen der Pflanzen, über ihre »spirituellen« Dimensionen. Pflanzen sind für ihn nicht nur botanische Gegenstände, sondern haben, durch ihre Wechselbeziehung mit den Menschen, auch eine kulturelle, sprachliche, heilkundliche und mythologische Identität.
Die traditionelle Pflanzenheilkunde der indigenen europäischen Waldvölker, der Kelten, Germanen und Slawen sowie des frühchristlichen Mittelalters, sind gegenwärtig seine Hauptinteressensgebiete. Diese Forschungen machen den Inhalt des Großteils seiner Bücher aus. «

PS:
Auf youtube abzurufen ist zudem ein sehr interessantes Webinar – ein 90-minütiges Frage-Antwort-Gespräch/Interview mit Wolf-Dieter Storl und dem Moderator Thomas Schmelzer von mystica.tv über sein Buch „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“
vom 2. November 2014: http://youtu.be/IWccfXdj6d0

Im Heyne Verlag ( www.randomhouse.de/heyne ) sind außerdem folgende Bücher
von Wolf-Dieter Storl erschienen:

Mit Pflanzen verbunden
Meine Erlebnisse mit Heilkräutern und Zauberpflanzen
ISBN: 978-3-453-70100-7
8,95€ (D), 9,20 € (A) 13,50 sFr.

Ich bin ein Teil des Waldes
Der „Schamane aus dem Allgäu“ erzählt sein Leben
ISBN: 978-3-453-70098-7
8,95 E (D), 9,20 € (A) 13,50 sFr.

Hier folgt eine Auflistung weiterer Bücher von Wolf-Dieter Storl, die alle im
AT-Verlag ( www.at-verlag.ch ) erschienen sind:

Borreliose natürlich heilen
ISBN 978-3-03800-360-1
19,90 € (D), 20,50 € (A), 29,90 sFr.

Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor
ISBN 978-3-85502-693-7
17,90 € (D), 18,40 € (A), 26,90 sFr.

Naturrituale
Mit schamanischen Ritualen zu den eigenen Wurzeln finden
ISBN 978-3-85502-964-8
23,90 € (D), 24,60 (A), 34,90 sFr.

Pflanzen der Kelten
Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender
ISBN 978-3-85502-705-7
25,90 € (D), 26,70 € (A), 39,90 sFr.

Pflanzendevas
Die geistig-seelischen Dimensionen der Pflanzen
ISBN 978-3-85502-763-7
23,90 €(D), 24,60 € (A), 34,90 sFr.

Yogan

  • Veganes Leben und Yoga
  • von Dominik Grimm
  • KNAUR MENSSANA Verlag, Oktober 2014       www.mens-sana.de
  • 248 Seiten
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • 14,99 €
  • ISBN 978-3-426-87682-4
    YOGAN

DER  GESCHMACK  VON  LIEBE

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Yoga und vegane Ernährung: Zwei Wege, die sich gut ergänzen und wechselseitig unterstützen. Da Yoga neben den körperlichen Aspekten auch eine Disziplin ist, um mehr Mitgefühl mit allen Lebewesen zu entwickeln, fügt es sich wunderbar zu der weitreichenden Schonung von Natur und Mitgeschöpfen, die mit einem veganen Lebensstil einhergeht.

In Abwandlung der fünf Säulen des Hatha-Yoga des Yogameisters Swami Vishnudevananda (1927-1993) ordnet Dominik Grimm sein Yogan-Konzept in folgende sechs Säulen:

Asanas (Yogastellungen),
Shavavasana
(Tiefenentspannung),
Pranayamas
(Yogaatemübungen),
Meditation und positives Denken,
das Studium der Schriften sowie
die gesunde Ernährung.“

(Seite 21)

Nach einer kurzen und klaren Einführung in die Yogaphilosophie sowie in die körperlichen und geistigen Dimensionen der Yogapraxis stellt er eine übersichtliche Menge von Yogastellungen, Entspannungs-, Atem- und Meditationsübungen vor. Neben den verständlichen und anschaulichen Übungsanleitungen (teilweise mit Fotos) und Praxistipps gibt er auch ethische yogische Lebensregeln wieder, und diese wiederum verweisen harmonisch auf das vegane Konzept, durch die tierfreie Nahrungsmittel-auswahl Leiden, Grausamkeit, Unfrieden und Mangel in unserer Welt zu verringern.

Bei den Hinweisen zur gesunden, vollwertigen, pflanzlichen Ernährung werden gesundheitliche, ökologische, ökonomische, nachhaltige und soziale Aspekte berücksichtigt. Es fehlt auch nicht der wichtige Rat zur Supplementierung von Vitamin B 12 und – in der dunklen Jahreszeit – auch Vitamin D. Die glaubwürdigen VEGAN-Etiketten der European Vegetarian Union (EVU) und der Vegan Society werden aufgelistet und abgebildet.

In einem kurzen Kapitel werden einige besonders reichhaltige und gesundheitsförderliche Nahrungsmittel (z.B. Amarant, Brennessel, Ingwer, Lein, Moringa) vorgestellt und mit einem schnellen Rezept zur Verarbeitung als Smoothie, Creme oder Müsli ergänzt.

Ein wiederkehrender roter Faden dieses lesens- und nachlebenswerten Buches ist die bewußte Betonung der unendlichen Verbundenheit und Nichtgetrenntheit aller Lebensformen, die Wechselwirkung unseres Handelns mit dem großen Ganzen sowie die einleuchtende Erkenntnis, daß die umfassendere Entwicklung von Empathie und Liebe zu mehr Lebensfreude beiträgt – für uns selbst und für alle anderen Wesen.

Yoga geschieht nicht nur auf der Yogamatte. Yoga und Yogan sind viel mehr als die Beschäftigung mit uns selbst. Die Zeit, die wir mit uns allein verbringen, gibt uns die Kraft und die Energie, die wir benötigen, um Großartiges in der Welt bewirken zu können, Gutes zu tun und mitfühlend mit allen Lebewesen umzugehen. Voller Respekt und Achtung vor dem Leben. Voller Mitgefühl und Liebe. Zu allem und jedem.“ (Seite 65)

Der Autor geht auch auf Leser ein, die den im vorliegenden Buch vorgestellten yoganen Lebensstil über sich selbst hinaus weiter in die Welt tragen wollen. Achtsam regt er dazu an, besonders angesichts nicht- oder noch nicht oder gar nie vegan-motivierter Mitmenschen Mitgefühl zu haben. Denn missionarischer Übereifer ist nur ein weiteres Egospielchen im Weltenrettergewand. Seine Anregungen und Denkanstöße zum sinnvollen Weitersagen und zwanglosen Vorleben persönlicher Ideale zeugen von großer zwischenmenschlicher Reife.

„Yogan“ ist ein durchdachtes, durchfühltes und durchlebtes Buch, es ist sehr differenziert und eingängig formuliert und von ausdrücklicher Ausgewogenheit.

Ich kann es nur von ganzem Herzen empfehlen!

NAMASTÉ…

PS:
Für weitere Informationen und Aktualisierungen können Sie die folgenden Webseiten des Autors besuchen.
Yogan – Yoga und veganes Leben:   www.yogan-om.de
Yogakasha – Zeit für dich              :   www.yogakasha.de

Der Autor:

»Dominik Grimm, geboren 1986, ist biologisch-technischer Assistent. Durch seine Leidenschaft für das Apnoetauchen kam er zum Yoga und beschäftigte sich während seiner Yoga-Lehrer-Ausbildung immer mehr mit veganer Ernährung.
Er gründete das Label
Yogan und startete den Blog www.yogan-om.de, auf dem er die yogane Philosophie vorstellt und der von vielen Tausenden gelesen wird. Heute gibt er Yoga-Unterricht sowie Yogan-Seminare.«

Sein

  • von Adyashanti
  • Die wahre Natur der Erleuchtung
  • Aus dem Amerikanischen von Jochen Lehner
  • amerikanischer Originaltitel: »The End of Your World«
  • O.W. Barth Verlag, August 2014                          http://www.ow-barth.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 205 Seiten
  • 19,99 €
  • ISBN 978-3-426-29231-0
    SEIN

ERLEUCHTUNG   UND   IHRE   NEBENWIRKUNGEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein Buch wie ein Blick in einen klaren Wasserspiegel, zwischen den Worten öffnet sich die tiefe Transparenz zeitloser Wahrheitsschau und eine herzerfüllte Wahrhaftigkeit, die aus der stillen Quelle allen Seins schöpft.

Der Autor, dessen Name Adyashanti übersetzt »ursprünglicher Friede« heißt, ist ein spiritueller Lehrer, der seit seinem 25. Lebensjahr tiefgreifende Erleuchtungserfahrungen erlebt. Das Buch enthält zwölf Vorträge sowie ein Interview, in denen Adyashanti verschiedene Aspekte der Erleuchtungserfahrung und ihre Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele erhellend erläutert und auf die subtilen Egoverteidigungsstrategien hinweist, die trotz Erleuchtung in Erscheinung treten können.

Mit Erleuchtung ist in diesem Kontext nicht nur die absolute und dauerhafte Erleuchtung gemeint, sondern auch eine Erscheinungsform der Erleuchtung, bei der Menschen für einen Moment oder einen längeren Zeitraum die Erfahrung des ungetrennten Einsseins machen und anschließend ein neues Gleichgewicht zwischen Alltagsrealität und erleuchtetem Durchblick finden müssen und zugleich „ihren“ Erleuchtungskeim reifen lassen möchten.

„Das Bewusstsein weitet sich, und das Gefühl, ein getrennt existierendes Ich zu sein, verschwindet, doch dann zieht sich das Bewusstsein wieder zu wie der Verschluss einer Kamera, und statt der eben noch erlebten Nicht-Zweiheit oder Nondualität, der wahren Einheit, herrscht überraschenderweise wieder der dualistische »Traumzustand«.“ (Seite 18)

Spontane Erleuchtungserfahrungen geschehen nicht nur spirituellen Suchern, sondern auch Menschen, die keinem meditativen Übungsweg folgen. Erleuchtung geschieht einfach – unabhängig von persönlichen Vorlieben und egoangetriebenen Selbstveredelungsabsichten.

Doch ausgerechnet bei den Themen Bewußtseinserweiterung, Erleuchtung und Meditation kommt es zu diversen Egoblähungen, die jedoch durchaus heilbar sind.

Das alte Ego zeigt sich an der Hintertür, wenn man z.B. Spiritualität dazu benutzt, dem Leben auszuweichen und sich unberührbar in Transzendenz einzuigeln, anstatt den Abwasch zu erledigen oder zwischenmenschliche Nähe zuzulassen. Auch Überlegenheitsgefühle kommen vor, am besten nimmt man sie nicht ernst.

Adyashanti beschreibt Entwicklungsstufen und Stolpersteine des spirituellen Weges und erzählt freimütig und authentisch von seinem Lebenslauf und seiner Erleuchtungsvertiefung. Er rät zu ehrlicher, rückhaltloser Zuwendung zu allen aufkommenden Gefühlen (es darf auch wehtun), zu bewußtem, erlebendem Erforschen und Hinterfragen persönlicher Konditionierungen, Denkmuster, Glaubenssätze und Fixierungen, um ihre illusionäre Natur aufzudecken und sich von der Identifikation mit ihnen befreien zu können.

Es ist kein Weg, auf dem wir etwas werden. Vielmehr legen wir hier alles ab, was wir nie wirklich gewesen sind, wir legen die Selbsttäuschung ab.“ (Seite 114)

Ebenso empfiehlt er auch nachdrücklich das Leben als Lehrmeister: „… als größtes »Ego-Lösungsmittel« erwies sich das Leben selbst,…“ (Seite 107)

Adyashantis Erklärungen und Empfehlungen sind pragmatisch und erfreulich alltagstauglich. Bei energetischen Turbulenzen und Übersensibilitäten in Zusammenhang mit Erleuchtungserfahrungen kann man sich z.B. mit Akupunktur oder Akupressur helfen lassen oder einfach eine Weile barfuß laufen.

Die Integrierung der Erleuchtungsperspektive in die „normale“ Wirklichkeit erfordert eine gewisse Übung, und dieses Buch ist ein sehr hilfreicher Wegbegleiter für die anfänglich damit verbundenen geistigen Schwankungen, körperlich-energetischen Veränderungen und emotionalen Hindernisse sowie für die unvermeidliche Ego-Demontage und sonstigen karmischen Kleinkram.

„Da wacht kein Ich auf, sondern das, was wir wirklich sind, wacht vom Ich auf. Es erwacht von der Suche und vom Sucher.“ (Seite 16)

Doch auch wenn man selbst noch kein Erwachen erlebt hat, ist dieses Erleuchtungsbuch sehr inspirierend, und es belüftet den – aufgeschlossenen – Geist.

 

Der Autor:

»Adyashanti, mit bürgerlichem Namen Stephen Gray, ist ein spiritueller Lehrer, dessen Ruf sich inzwischen weit über die Grenzen der USA ausbreitet. Seit seinem 25. Lebensjahr erlebt er tiefgreifende Erleuchtungserfahrungen. 1996 wurde er von seinem Zen-Meister autorisiert, öffentlich zu lehren. Er bietet seitdem Retreats und Satsangs an, die frei von jeder Tradition und Religion sind. Seine Lehren sind eine offene Einladung, zu erkunden und zu erkennen, was das wahre und befreiende Herzstück aller Existenz ist. Er lebt mit seiner Frau Mukti in Kalifornien und ist dort spiritueller Leiter seiner Organisation Open-Gate-Sangha. Mehr unter:
www.adyashanti.org «

PS:
Dieses Buch ergänzt sich hervorragend mit folgenden „Erleuchtungsbüchern“, die ich ebenfalls besprochen habe:

„Heilung braucht Wahrheit“ von Klaus Konstantin

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/26/heilung-braucht-wahrheit/

„Die Frau, die an einem Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte“
Erfahrung einer Erleuchtung
von Yolande Duran-Serrano und Laurence Vidal

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/07/die-frau-die-an-einem-ganz-normalen-sommertag-plotzlich-keine-gedanken-mehr-im-kopf-hatte/

Naturgeister

  • Wahre Erlebnisse mit Elfen und Zwergen
  • von Marjorie Johnson
  • Übersetzung aus dem Englischen von Dr. Edith Zorn
  • Umschlaggestaltung unter Verwendung eines
    Gemäldes von Petra Arndt: Annette Wagner
  • Aquamarin Verlag                           http://www.aquamarin-verlag.de
  • 8. Auflage 2013
  • 346 Seiten
  • Taschenbuch, 12,95 €
  • ISBN 978-3-89427-140-4
    NATRUGEISTER

F  E  E  N  F  U  N  D  U  S

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Buch weckt die Sehnsucht, den Alltag wieder mit mehr Feenstaub zu bestäuben.

Wer der Existenz von Naturgeistern gegenüber aufgeschlossen ist, kann in dieser wahrlich umfänglichen, farbenfrohen Sammlung von Augen- und Seelenzeugenberichten naturgeistiger Begegnungen genüßlich schwelgen – und im Falle eigener diesbezüglicher Erfahrungen Vergleiche anstellen und sich zu tieferen Betrachtungsweisen anregen lassen.

Die Autorin Marjorie Johnson fungiert in diesem Buch gewissermaßen als „Elfensekretärin“. Sie hat selbst viele Erfahrungen mit Naturgeistern gemacht und sammelt seit 1936 Berichte anderer Menschen, die über den „Elfenblick“ verfügen.

Die schriftlichen Zeugnisse über Erlebnisse mit unterschiedlichen Naturgeistern stammen größtenteils aus Großbritannien und wurden meist in Briefform an die Autorin geschickt. Diese ordnet die Berichte den verschiedenen Naturgeist-Gattungen und Elementen zu und fügt gelegentlich auch eigene Beobachtungen und Erlebnisse mit Baumgeistern, Elfen, Feen, Gnomen, Kobolden, Zwergen usw. ein. Darüber hinaus zitiert sie stellenweise aus anderen Büchern zum Thema, um bestimmte Sachverhalte näher zu erläutern oder auf interessante Parallelen hinzuweisen.

Einige sehr ausführliche Darstellungen stammen von hellsichtigen Menschen, die sich ganz bewußt auf eine Kontaktebene mit Elementarwesen begeben können und denen auch differenzierte Zusammenhänge hinsichtlich des Ineinandergreifens aller Daseinsformen offenbart wurden.

Oft erzählen „normale“ Menschen, die in einer besonderen – meist sehr entspannten – Stimmungslage ganz unerwartet im Garten, im Wald, beim Spaziergang, beim Picknick, aber auch im Wohnhaus Naturgeister gesehen, gehört und manchmal auch längerfristig kennengelernt haben. Die Kommunikation scheint sowohl akustisch wie telepathisch zu funktionieren.

Die Variantenvielfalt der „äußeren“ Erscheinungsformen ist groß: Manche Naturgeistportraits sind vager, flüchtiger, ätherischer Art, manche kunterbunt-glanzbildchenhaft-sentimental und manche eher irdisch-tarnfarbig-natürlich – was wohl damit zu erklären ist, daß diese Wesen sich auf den Betrachter und seine Geisteshaltung einzuschwingen vermögen und seine Vorurteile bestätigen können. Außerdem geht aus den Berichten hervor, daß es Naturgeister gibt, die eine Neigung zur Mode bestimmter Zeitalter kultivieren.

Wir lesen von hilfreichen und heilsamen Elfen, Feen und Zwergen, die sich um Pflanzen, Tiere, Mineralien und sogar um Menschen kümmern, von zauberhafter Musik, von anmutigen Feentänzen, verspielter Elfenmagie, ernsthaften Baumhütern und neckischen Kobolden. Wir treffen Feuergeister, Wasserelfen, Gnome, Sylphen und Engelwesen. Alle Menschen, deren Erfahrungen hier wiedergegeben werden, fühlten sich durch die Begegnung mit Naturgeistern beglückt, getröstet, „wiederbelebt“ und inspiriert.

Wem hier das Feenflügelschlagen und Gewichtel angesichts des häufig schädlichen menschlichen Umgangs mit der Natur zu unpolitisch ist, dem sei versichert, daß es bei den Naturgeistbotschaften nicht an Hinweisen fehlt, wie unheilvoll sich Massentierhaltung, Schlachthäuser, Tierversuche und Vivisektionen in jeder Hinsicht für alle Beteiligten auswirken.

Ähnlich wie unser individueller Schutzengel unsere menschliche Entwicklung bewacht und fördert, so unterstützen und „ belebenskräftigen“ die Naturgeister Pflanzen, Tiere, Landschaften und bestimmte „heilige“ Orte.

„Viele Leute müssen Wichtel gesehen haben, fürchten aber, dass man ihnen nicht glaubt. Doch die Wahrheit lässt sich weder leugnen noch sollte das zarte Leben und die Arbeit der Elfen und Zwerge der Unwissenheit zum Opfer fallen. Dies ist nicht die einzige Welt, die sie besuchen. Sie reisen viel, und ihre Geschwindigkeit kennt keine Grenzen. Sie kennen und verstehen unsere Sprache und sind sich unserer Gedanken bewusst. Tatsache ist, dass es keine Lebenssphäre ohne sie gibt; Tiere und Vögel wissen genau um sie. Sie sind Teil des Gottesgeistes und dienen uns mehr als die meisten Menschen ahnen.“ (Seite 218, Zitat aus dem Brief von Vera Westmoreland)

 

PS:
Es war für mich ein neuer Aspekt, daß Naturgeister gelegentlich auch Tiergestalt annehmen können, um „unsere Aufmerksamkeit zu erregen“. Das läßt mich im Nachhinein mit ganz anderen Augen auf einen Grashüpfer schauen, den ich einmal in meinem Garten auf einem alten, ausgebleichten Holzstück in Lotossitzstellung vorgefunden habe. Minutenlang bewunderte ich entzückt die grünen gekreuzten Beinchen und die absolute Regungslosigkeit des Insekts, und ich wünschte mir – nicht zu ersten Male – , einfach mit den Augen photographieren zu können. Schließlich lief ich ins Haus, um meine Kamera zu holen. Doch als ich zurückkehrte, befand sich der Grashüpfer wieder in einer ganz natürlichen Stellung. Dennoch fühlte ich mich sehr beschenkt und beschwingt und bezaubert…

Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte

  • Erfahrung einer Erleuchtung
  • von Yolande Duran-Serrano
  • und Laurence Vidal
  • Originaltitel: Le Silence Guérit
  • Aus dem Französischen von Jochen Lehner
  • 224 Seiten, Klappenbroschur
  • 14,99 €
  • KNAUR MENSSANA Verlag, März 2014                         http://www.mens-sana.de
  • ISBN 978-3-426-65744-7
    Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag

BESPRECHUNG  DES  UNAUSSPRECHLICHEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wie sagt man Erleuchtung weiter?

Beginnen wir mit dem greifbar Faktischen: Yolande Duran-Serrano war keine spirituelle Sucherin, dennoch erfaßte sie im Sommer 2003 eine plötzliche Erleuchtungserfahrung. Auf einmal waren ihre Gedanken einfach weg, und sie fand sich in der Stille wieder, bzw. die Ich-Identifikation löste sich in gedankenloser, stiller Präsenz auf.

Das Buch besteht aus Gesprächen/Interviews, die die Journalistin und Autorin Laurence Vidal mit Yolande Duran-Serrano geführt hat. Die Kapitel mit den präzisen Fragen und den von Stille getränkten Antworten wechseln sich ab mit Verarbeitungsreflexionen und geistigen „Verdauungserfahrungen“ der Autorin, der im Verlauf der tiefen Begegnungen mit Yolande auch „eigene“, belichtende Entwicklungsschritte geschehen.

Doch das EIGENTLICHE findet sich in diesem Buch zwischen den Zeilen, die Sprache ist Bestandteil der polaren Wirklichkeit und kann die Erfahrung von EINSSEIN, von NICHTGETRENNTHEIT, von absoluter PRÄSENZ, von UNSICHTBARER KLARHEIT nur andeuten und umschreiben. Wenn es sich mitteilt, dann hört das Hören – unabhängig von der Persönlichkeit des Lesers oder der Leserin.

Yolande beschreibt den Zustand, in dem sie sich befindet, in einfachen, klaren Worten:
„Wie ich früher nicht aufhören konnte zu denken, selbst wenn ich wollte, so kann ich heute zu denken versuchen, und es geht nicht. So einfach ist das. Alles ist einfach. Alles ist ruhig. Alles ist neu und bleibt ohne Kommentar. Ein Augenblick erscheint und stirbt. Dann wieder einer. Du gehst vollkommen im Augenblick auf.“ (Seite 40/41)

Befreit von mentalen Filtern und psychologischen Bedingungen, erlebt Yolande eine „erfüllte Leere“, ein intensives, lebendiges Empfindungsspektrum, das stets begleitet wird von bedürfnisloser und bedingungsloser Liebe. Ohne PERSÖNLICHKEIT lebt es sich offenbar wesentlich freier, leichter und heiterer.

„So einfach: nicht mehr diese Person zu sein, die fühlt. Da ist Fühlen, sonst nichts.“ (Seite 135)

Das Leben, das sie führt, bzw. das Leben, dem sie sich einfach überläßt, ist nicht abgehoben oder asketisch abgesondert, es ist kontaktfreudig: Es wird gesungen, getanzt, gelacht, meditiert, gesprochen und geschwiegen, Essen und Trinken (und sogar Rauchen) werden genossen. Es gibt Beziehungen, Freundschaften, Einkaufsbummel, Arbeit, Reisen und grenzenloses Vertrauen.

Da ist niemand – da ist Erleuchtetsein, Einsicht, Freude, Gelassenheit, Hingabe, Heilung, Liebe und Wissen, aber kein subjektives Meister-Ego. Yolande hebt immer wieder hervor, daß es nichts zu tun gibt, nichts zu denken, nichts zu erreichen. Sie mischt sich nicht mehr ein, sondern sie kann einfach alles Geschehen geschehen lassen!

„Lasst Euch vollkommen auf das ein, was der Augenblick euch gerade bietet. Euer individuelles Bewusstsein ist universelles Bewusstsein, legt also euer Herz und euren Geist hinein. Denkt an nichts anderes. Wenn das natürlich geschieht, ohne Anstrengung, ist es der höchste Zustand überhaupt. Es ist »diese Sache«, das Absolute, die höchste Wirklichkeit – und sie sucht euch. Sie wird euch in dem Augenblick finden, den sie als den richtigen bestimmt. In diesem Zustand jenseits aller Zustände, in diesem ewig und spontan schlagenden großen Herz wird euch offenbar werden, wer ihr wirklich seid.“ (Seite 141)

Erwachen, das ist das Offenbarwerden der Einheit von allem. Darin zeigt sich etwas: Bevor du dieses gewordene Bewusstsein bist, gleich ob individuell oder universal, bist du etwas, das gleichsam flussaufwärts liegt. Wir alle sind »diese Sache «, dieses Absolute, nur wird das von diesem Bewusstsein verdeckt.
»Diese Sache« ist also da, diese Kraft ist da. Sie wird dich finden. Sie wird Besitz von dir ergreifen und dich die wahre Wirklichkeit sehen lassen. Sie ist es, die dich lehrt.
Euer wahres Wesen entdecken: Da ist nichts als ihr, und wenn ihr das einmal wisst, nichts als Liebe.“
(Seite 142)


In diesem „Erleuchtungsbuch“ finden sich Passagen von berührender Anziehungskraft und atmender Weite. Es ist eine Einladung in eine Wirklichkeit, die zugleich wirklicher und unwirklicher erscheint als das „normale“ Alltagsbewußtsein, und es ist eine erinnernde Ermutigung dazu, EINFACH das SEIN sein zu lassen.

Dem Text dieses Buches ist eine Widmung vorangestellt. Mit diesem ganz offen bleibenden Satz, dessen Echo mich sanft erschüttert hat, möchte ich diese Besprechung des Unaussprechlichen gerne ausschwingen lassen:

Dem Leben, das für uns sorgt

PS:
Yolande Duran-Serrano wurde 1963 in Frankreich geboren. Nach ihrer spontanen Erleuchtungserfahrung ging sie zu Ärzten und Psychotherapeuten, weil sie sich das Geschehen, das sich in ihr abspielte, überhaupt nicht erklären konnte. Doch es hält bis heute mit steigender Intensität an.

Inzwischen ist Yolande eine spirituelle Lehrerin ohne Anbindung an irgendeine spezielle Tradition.

http://www.yolande.info