Was ist das?

  • Ein Spiel- und Ratebuch
  • Antje Damm
  • Pappbilderbuch
  • Gerstenberg Verlag  4. Auflage Januar 2017  http://www.gerstenberg-verlag.de
  • 48 Seiten
  • Format: 15 x 15 cm
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 13,30 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5231-6
  • ab 2 Jahren

W A N D E L B A R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Auf der ersten Seite sehen wir zwei schlanke Möhrchen; drehen wir die Seite um, sehen wir einen in Kreide hinzugezeichneten Hasen, und die Möhrchen sind jetzt seine Öhrchen.

So geht es von Seite zu Seite, von Verwandlung zu Verwandlung. Die Überraschung gelingt gänzlich ohne Worte und ist dabei eine amüsante Schule des Sehens.

Bildgestalterische Mischtechniken sind Antje Damms Spezialität. Sie kombiniert und arrangiert alltägliche Gegenstände mit ergänzenden Zeichnungen, diversen Bastel- und Naturmaterialien und verwandelt solcherart einen Gartenschlauch in eine Schlange,  eine grüne Wäscheklammer in ein Krokodil, ein Brötchen in eine Schildkröte, eine Gemüsebürste in einen Igel, bunte Bonbons in Käfer, ein Wollknäuel in ein Schaf usw.

Illustration Antje Damm © Gerstenberg Verlag 2017

Illustration Antje Damm © Gerstenberg Verlag 2017

Kinder werden mit diesem Bilderbuch dazu angeregt, neugierig mitzuraten, Dinge neu, anders und in ungewohnten Verbindungen zu erkennen sowie das verborgene „Leben“ einer Form oder Struktur spielerisch weiterzudenken. Vielleicht bekommen sie sogar Lust, selber solche Bilderrätsel herzustellen.

Dank der übersichtlichen Darstellungsweise, der dicken Pappseiten und dem handlichen Format ist „Was ist das?“ ein Bilderbuch, mit dem schon kleine Kinder ab zwei Jahren vergnüglich die inszenierten Verwandlungen betrachten und „beraten“ können.

Ich will bloß hoffen, daß sich meine Zahnbürste gleich nicht in einen Tausendfüßler verwandelt – indes, Sie merken jetzt schon, daß die Beschäftigung mit solchen Büchern nicht nur bei Kindern ganz schön die Phantasie anregt …

 

Querverweis:

Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Der Besuch
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Frag mich!
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/13/frag-mich/
Hasenbrote
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/

 

Die Autorin:

«Antje Damm wurde in Wiesbaden geboren. Sie studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt heute mit ihrer Familie, ihrem Mann und vier Kindern, in der  Nähe von Gießen. Nach den Geburten ihrer ersten beiden Töchter begann sie mit dem Schreiben und Zeichnen von Bilderbüchern und ist damit außerordentlich erfolgreich.«

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Die Gorgel

  • von Jochem Myjer
  • Originaltitel: »De Gorgels«
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • mit farbigen Illustrationen von Rick de Haas
  • Verlag Freies Geistesleben  März 2017   http://www.geistesleben.com
  • gebunden
  • 175 Seiten
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2789-0
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren
  • zum Selberlesen ab 7 Jahren

J U B E L D I B A M B A M!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In Jochem Myjers Kinderbuch gibt es Gorgel, kleine spitzohrige Wesen, die mit einem Holzstock bewaffnet sind und schlafende Kinder vor den giftgrünen, schädlichen Scheußlingen beschützen. Die Scheußlinge, mit ihrer unverkennbaren Duftmarke fauliger Schweißsocken, brauchen Kinder nur anzuhauchen, und schon bekommen sie eine fiese Erkältung, Bauchweh, Kopfschmerzen oder auch schlimmere Krankheiten.

Die meisten Kinder können weder die Gorgel noch die Scheußlinge sehen, und sie ahnen nichts von den freundlichen Hütern ihres Schlafes und von den Kämpfen, die gelegentlich für ihr Wohlergehen ausgefochten werden.

Doch Melle ist ein Junge, der über eine sehr gute Beobachtungsgabe verfügt; er ist sehr naturkundig, kennt viele Vögel und betrachtet die Welt mit aufgeschlossenem Herzen. So sieht er eines Nachts ein kleines Wesen mit muskulösen Ärmchen und Beinchen auf seiner Bettkante sitzen. Als das Wesen begreift, daß Melle es sehen kann, versteckt es sich blitzschnell; aber so leicht läßt sich Melle nicht abwimmeln.

Es dauert zwar eine Weile, doch schließlich kommt Melle mit dem Gorgel, der Bobba heißt, ins Gespräch. Bobba spricht mit einem lustigen Akzent und führt stolz seine Stockfechtkünste vor, und er erklärt Melle, welche wichtigen Aufgaben Wachgorgel erfüllen. Sie sorgen dafür, daß Kinder gut schlafen, sie heilen Wunden, helfen Kindern bei der Genesung, und sie beschützen sie vor dem schädlichen Einfluß der Scheußlinge.

Alle Gorgel stammen von einer nahegelegenen Insel, auf der zufällig auch Melles Großeltern zu Hause sind. Melle erfährt, daß sein Großvater bei den Gorgeln bekannt und beliebt ist, weil er als Kind ebenfalls die Gorgel sehen konnte und die Freundschaft zu ihnen pflegte.

Als Melle seinem Vater von Bobba erzählt, ist er sehr besorgt, denn rege Wachgorgel-aktivität deutet auf nahende Scheußlingsbedrohung hin. Die Sorge ist berechtigt. Schon in der nächsten Nacht dringt ein Scheußling in Melles Zimmer ein. Bobba kämpft energisch und äußerst tapfer gegen ihn und katapultiert den Scheußling aus dem Fenster, aber der hat Bobba vorher noch ins Bein gebissen, und nun sorgt sich Melle um Bobbas Gesundheit.

Melle und sein Vater beschließen, mit dem verletzten Gorgel einen Besuch bei den Großeltern zu machen. Denn Melles Großvater weiß sehr viel über Gorgel, und auf der Insel leben Bobbas Artgenossen, die ihn hoffentlich heilen können. Der Großvater läßt Melle als Erste-Hilfe-Medizin sogleich Moosbeeren sammeln, mit denen er den fiebernden Bobba füttert.

Melle macht sich mit Bobbas geschwächter Hilfe auf die Suche nach den Inselgorgeln. Dies gelingt reibungslos, die Gorgel nehmen Bobba in ihre Obhut, und sie warnen vor einer Invasion von Scheußlingen, da sie mit ihren feinen Nasen schon die nahende, fiese Duftnote einer großen Gruppe „Grönländischer Scheußlinge“ wittern. Wenn es nicht gelänge, diese Scheußlinge aufzuhalten, dann würden viele Kinder krank werden.

Der findige Melle entwickelt aus den vorhandenen Mitteln des Meeres einen raffinierten Plan, um gemeinsam mit den Inselgorgeln die Scheußlinge zu verjagen. Es erweist sich als großer Glücksfall, daß er naturkundig ist und viel über Tiere und ihre Verhaltens-weisen weiß und trickreich die Hilfe von Taschenkrebsen, Löfflern, Möwen und Seehunden in Anspruch nehmen kann.

Jochen Myjer hat mit „Die Gorgel“ eine ebenso warmherzige wie spannende und naturverbundene Geschichte geschrieben, in der trotz einiger Gefahren und Bedrohungen ein wohltuender Grundton familiärer Geborgenheit, zuverlässiger Fürsorge und inniger Freundschaftsbindung vorherrscht.

Die Gorgel  wecken auf jeden Fall spielend die kindliche Sympathie und Neugier, und ihre zwar geheimnisvoll-märchenhafte, gleichwohl handfest-tatkräftige und zugewandt-lustige Wesensart ist eine Inspiration für große und kleine Menschen mit Beschützerinstinkten und Phantasie.

Dieses Kinderbuch gibt Anlaß zum Lesejubel oder – wie man auf Gorgelisch begeistert auszurufen pflegt – JUBELDIBAMBAM!

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.geistesleben.de/buecher/9783772527890/die-gorgel

 

Der Autor:

»Jochem Myjer 1977 geboren, ist einer der bekanntesten und beliebtesten Kabarettisten und Comedians in den Niederlanden. Sein Biologiestudium gab er nach zwei Jahren auf, um sich ganz dem Kabarett zu widmen. Er war u.a. Moderator der Kindersendung «Kinderen voor Kinderen» und spricht auch im Radio. 2010 gewann er den Cabaret Award als bester Kabarettist. Er lebt mit der Sängerin Marloes Nova zusammen und hat mit ihr zwei Kinder. Sein Buch Die Gorgel wurde 2016 mit dem Prijs van den Nederlandse Kinderjury ausgezeichnet.«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Giesbert in der Regentonne

  • Text und Illustrationen von Daniela Drescher
  • Kinderbuch
  • Verlag Urachhaus August 2016  www.urachhaus.com
  • 112 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7988-5
  • ab 5 Jahren
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W A S S E R T R E U

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers neues Kinderbuch lädt uns in Wort und Bild in ihren eigenen Garten ein. Ob es der echte Garten oder der Garten ihres Herzens ist, kann ich nicht beurteilen, aber es gefällt mir zauberhaft gut darin.

Die Autorin erzählt, wie eines Regentages Giesbert, ihr hauseigener Regenrinnen-Wicht, so heftig durch die Regenrinne ins Regenfaß gespült wird, daß dabei seine Flöte zerbricht. Giesbert ist untröstlich und weint und klagt und jammert und schreit,  bis ihm der alte Holundergeist, der im Holunderstrauch neben der Regentonne wohnt, eine neue Flöte schnitzt. Da kehrt wieder Ruhe ein, und Giesbert spielt überglücklich eine lustige Danke-schön-Melodie für den alten Holundergeist.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Außer fürs Flötespielen hat der Regentonnen-Wicht eine Vorliebe für selbstgemachte Gedichte, Schnittlauchbrot und Wasserstreiche. Im Kontakt mit den Tieren des Gartens erweist er sich als ebenso hilfsbereit wie verspielt.

 

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Er füttert ein verletztes Rotkehlchen, er veranstaltet ein Schneckenwettkriechen, er hilft einem vergeßlichen Eichhörnchen beim Wiederfinden von Haselnußverstecken, er diszipliniert feuchtfröhlich einen aufdringlichen Waschbären, er ärgert den Kater und verträgt sich wieder mit ihm, er kämpft mit dem verstopften Gartenschlauch, er rettet eine Goldfischdame und begleitet den Quakgesang eines Froschprinzenfroschs mit der Flöte …

Die Heilpflanzengeister (Huflattich und Spitzwegerich) heilen Giesberts Husten, und ein lebenserfahrener Igel hilft ihm, seinen Liebeskummer wegen der unerreichbaren Blumenelfe Gisela zu überwinden.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Die Menschen unterstützt Giesbert – wie der Name schon andeutet – beim Gießen der Pflanzen, und die Regentonne ist immer gefüllt, auch wenn seit langem kein Regen mehr gefallen ist. So ein Regentonnen-Wicht ist halt nur im Wasser ganz in seinem Element. Allerdings kann er – wenn er sehr wütend wird – jedes Wasser zum Überlaufen bringen. Das kommt jedoch nur selten vor, und er hilft auch reumütig beim Aufwischen, wenn es in der Küche oder im Bad zu kleinen Überschwemmungen kommt. Denn sonst hätte die Autorin Giesbert gewiß nicht dazu eingeladen, den Winter in ihrer häuslichen Badewanne zu verbringen. Während draußen das Wasser in der Regentonne vereist und im Garten die Schneeflocken tanzen und wirbeln, sitzt Giesbert gemütlich am Fenster und dichtet:

»Leise fallen Sterne nieder.
Tausend fallen immer wieder!
Jeder bringt uns einen Traum
aus dem großen Weltenraum.
Tausend Träume – immer wieder –
fallen als Schneeflocken nieder.
Und ein Traum, der ist sicherlich
ganz allein und nur für mich

Daniela Drescher ©
  (Seite 110)

Giesberts heiter-umtriebiges Wesen und Wirken wird in kurzen Kapiteln erzählt, die mit einem Umfang von vier bis acht Seiten eine angenehme Vorleselänge haben. Die zahlreichen märchenhaft-schönen – teilweise ganzseitigen –  Begleitbilder sind eine anregende Augenweide.

Daniela Dreschers aquarellierte Illustrationen sind sehr atmosphärisch und zeugen – in ihrer botanischen sowie zoologischen Stimmigkeit – von sehr tiefer Naturverbundenheit und einer entsprechenden Beobachtungsgabe.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

„Giesbert in der Regentonne“ bietet unbeschwerte, warmherzige Vorlesekost. In jeder Episode finden sich für Kinder leicht mitzuempfindende Gefühle und Regungen sowie konstruktive Interaktionen und Problemlösungen.

Der Regentonnen-Wicht, zahlreiche sprechende Tiere und knollennasig-knuffige Pflanzengeister-Wichtel garantieren hier die Verzauberung des Gartenalltags und die Beflügelung der kindlichen Phantasie. Der augenzwinkernd-witzige, sich in die kleinen Nöte und großen Freuden des Regentonnen-Wichts einfühlende Erzählton trägt zusätzlich zur gelungenen Vorlesegeborgenheit bei.

Und ich werde mich nun einmal nach einer Regentonne für meinen Garten umschauen …

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlags-Webseite:
http://trapped.geistesleben.de/buecher/9783825179885/giesbert-in-der-regentonne

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durchihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.«
http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
»Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.«

Der Sandelefant

  • Bilderbuch
  • Text von Rinna Hermann
  • Illustrationen von Sanne Dufft
  • Verlag Urachhaus   Februar 2015   http://www.urachhaus.de
  • 28 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 20,8 x 23 cm
  • 13,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7916-8
  • ab 3 Jahren
    Der Sandelefant

S A N D K A S T E N P A L E T T E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer Phantasie hat, kann sich nicht langweilen, selbst wenn gerade niemand sonst zum Spielen da ist.

Der kleine Paul sitzt ganz allein im Sandkasten, und kein anderes Kind ist in Sicht. So spielt er also stillvergnügt vor sich hin und zeichnet Spuren in den warmen, weichen Sand, bis sich die Umrisse eines großen Elefanten zeigen. Zufrieden schmiegt sich Paul in die Rüsselkuhle des Sandelefanten und schläft ein.

Paul erwacht wieder, weil ihn ein Elefantenrüssel sanft anstupst. Erstaunt schaut er zu, wie der Elefant sich nun aus dem Sand erhebt – ganz so groß hatte sich Paul einen lebensgroßen Elefanten nicht vorgestellt, und dann hebt ihn der Elefant auch noch vorsichtig auf seinen Rücken und sagt freundlich-gelassen, sie gingen nun spielen.

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Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2015

Der Elefant trompetet einen Zauberspruch: „Sindbad – Sandbad – Sausesand! Hurra auf geht’s in Sandburgland!“ Nachdem sich der – vom Elefantenfüßestampfen – aufgewirbelte Sand wieder gesetzt hat, stehen sie vor einer riesigen Sandburg. Hier wimmelt es vor vielerlei Tieren und einigen Kindern, und Paul spielt ausgiebig, begeistert und einvernehmlich mit allen.

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Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2015

Dann zieht ein Sommergewitter auf; die Sandburg sowie die Tiere wirbeln sandstürmisch durcheinander und zerfallen einfach wieder zu Sandkörnern. Nur die Kinder sind noch da. Paul beginnt nach seinem Elefanten zu graben, doch ein nettes Mädchen klärt ihn lächelnd darüber auf, daß es einen anderen Weg gebe, um die Tiere wieder hervorzurufen …

Diese in einfachen, anschaulichen Worten erzählte Geschichte erschafft fließende Übergänge zwischen verträumtem Wachsein und wachem Verträumtsein. Die schönen, überzeugend-sandkörnig gezeichneten Illustrationen geben dem Erzähltext synästhetisch erlebbare Gestalt.

Kinder mit viel Phantasie werden sich durch dieses Bilderbuch bestätigt fühlen, und Kinder mit wenig Phantasie werden hoffentlich dazu angeregt, eine möglichkeitsoffenere Perspektive zu entwickeln und die Phantasie als Spielfreund zu entdecken.

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Illustration Sanne Dufft © Verlag Urachhaus 2015

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.urachhaus.de/buecher/9783825179168/der-sandelefant

Die Autorin:

»Rinna Hermann, geboren 1975 in Berlin, ist Studienrätin und arbeitete im Verlagswesen und in der Schule. Das Geschichtenerzählen liebte sie schon lange, bevor sie schreiben konnte. Ihr Leben führte sie von Berlin nach Belfast, London, Sydney, in die Bretagne und wieder nach Berlin – wo sie heute mit Mann und Kindern lebt und als Autorin und Lehrerin arbeitet.«

Die Illustratorin:

»Sanne Dufft, geboren 1974, machte in Glencraig, Nordirland, eine Ausbildung zur Heilpädagogin. Anschließend studierte sie Diplom-Kunsttherapie in Nürtingen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Tübingen. Der Sandelefant ist ihr erstes Bilderbuch.«

 

 

 

 

Das Land ManGlaubtEsKaum

  • Erforscht und beschrieben von Norman Messenger
  • Aus dem Englischen von
  • Katharina Orgass und Gerald Jung
  • Gerstenberg Verlag 2013                   www.gerstenberg-verlag.de
  • 32 Seiten
  • mit Falt- und Klappseiten
  • Format: 23,5 x 30,5 cm
  • 16,95 €
  • ISBN 978-3-8369-5708-3
  • ab 5 Jahren
    Das LandManGlaubtEsKaum

PANOPTIKUM  DER  PHANTASIE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bücher sind Türen, durch die man neue Welten betreten kann. „Das Land ManGlaubtEsKaum“ führt uns in ein Land der Phantasie, genauer gesagt auf eine geheimnisvolle, märchenhafte Insel, deren beweglicher Standort sich im Unbestimmten befindet.

Norman Messenger hat diese Insel zufällig entdeckt und begeistert erforscht. Er hat eine Karte der Insel angefertigt und ihre ganz besondere Fauna und Flora in zahlreichen Zeichnungen festgehalten. Die Insel selbst konnte er natürlich nicht festhalten, denn diese hat sich auf ihre unberechenbare Weise gewissermaßen hinter seinem Entdeckerrücken wieder davon gemacht.

Zunächst dürfen wir die Übersichtskarte der Insel begutachten, auf der die verschiedenen heiteren und düsteren Regionen eingezeichnet und mit verheißungsvollen Andeutungen beschrieben werden.

Nach dieser kurzen Einführung folgen auf zwölf Doppelseiten mit jeweils einer zusätzlichen Aufklappseite zwölf Anschauungstafeln mit den faszinierenden Spezialitäten der einzelnen Inselbereiche.

Als erstes werden uns die menschenähnlichen, aber puppenkleinen Inseleinheimischen vorgestellt, die in farbenfrohen, formenverspielten Häusern am Fuße des Bücherberges wohnen. Der Bücherberg besteht aus buchförmigen Felsbrocken, die reifen, aufbrechen und aus deren geöffneten Seiten am Abend Gutenachtgeschichten raunen.

Auf den folgenden Seiten treten ganz erstaunliche Pflanzen, Tiere und Landschaftsformen in Erscheinung: Nudelbäume, auf denen Nudelnester wachsen, seltene, nur im Schatten gedeihende Schokoladenbäume, Falkenfalter, Geisterfalter, Ineinanderhöhlen zum Verirren, Faltbäume mit Faltblättern, Steinotter, bissige Glockenranken, gruselige Finsterberge, Riesendrachenlibellen, Wackelpudding-Quallen, Schiffsbäume, Flachzangen-Kormorane, Kußmuscheln, ein Alphabet-Baum mit Buchstabenfrüchten …

Doch genug der Worte über Worte; kommen wir zu den buchstäblich phantastischen und sehr ästhetischen Zeichnungen. All die seltsamen Geschöpfe und Lebensräume hat Norman Messenger in einer überaus feinen Aquarelltechnik mit sanft abgestufter Farbpalette wiedergeben. Als zusätzliche Augenweide stattet er seine Bilder mit vielen Details, winzigen Mustern und zarten Ornamenten aus.

Dabei bringt er vertraute Formen, Farben und Funktionen in unvertraute Zusammenhänge, und dieser Verfremdungseffekt erweitert die gewöhnlichen Sehgewohnheiten um außergewöhnliche optische Neuordnungen.

Dieses Bilderbuch mit seinen faszinierenden Schöpfungen spielerischer und künstlerischer Kreativität beeindruckt und öffnet uns ein Schlaraffenland der Phantasie.

 

Der Autor und Illustrator:

»Norman Messenger, geboren und aufgewachsen in Liverpool, arbeitete zunächst als Artdirector in London, bevor er sich ab 1978 ganz auf das Illustrieren konzentrierte. Er hat sich nicht nur als Buchillustrator, sondern auch mit Illustrationen für Zeitschriften einen Namen gemacht. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Association of Illustrators. Heute lebt er mit seiner Frau in Gloucestershire auf dem Land.«

 

Pirat der Seifenmeere

  • von Andreas Hartmann
  • Farbillustrationen von Ina Worms
  • 72 Seiten, gebunden
  • Format: 16 x 24 cm
  • Obelisk Verlag, Februar 2014             http://www.obelisk-verlag.at
  • 10,95 €
  • ISBN 978-3-85197-722-6
  • ab 7 Jahren
    Pirat der Seifenmeere9783851977226

BADEZIMMER  AHOI

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Kindergeschichten mit fließenden Übergängen zwischen Phantasie und Wirklichkeit gibt es viele. Diesmal können wir das Fließen ruhig wortwörtlich nehmen, denn der „Pirat der Seifenmeere“ ist ein Buch für kleine Wasserratten.

Der kleine Junge, der in dieser Geschichte eine fantastische Karriere als Pirat absolviert, ist ein schönes Beispiel dafür, daß das beste und unerschöpflichste Spielzeug für Kinder immer noch die Phantasie ist.

Peter sitzt in der Badewanne und wartet darauf, daß seine Mutter kommt, um ihm die Haare zu waschen. Doch dank seiner kindlichen InsPIRATion erscheint hinter einem Badeschaumberg ein kleines schwarzes Piratenschiff mit einer kunterbunten Halunkenschar von Seeräubern.

Der Anführer, Kapitän Krausbart, berichtet dem erstaunten Peter, daß sie auf der Flucht vor den Schiffen des Königs seien. Die Piraten haben nämlich die Tochter des Gouverneurs an Bord – mit deren Einverständnis, da sie sich in den Steuermann verliebt hat. Und nun werden die scheinbaren Entführer von einer ganzen Flotte gejagt. Ist doch quallenklar, daß Peter hilfsbereit ein bißchen für Gegenwind sorgt und die königliche Flotte auf gebührenden Abstand zum Piratenschiff bringt.

Zum Dank übergibt ihm Krausbart das Kommando über eines seiner Schiffe und schärft ihm ein: „Bereite der Piratenehre keine Schande. Sonst komme ich und hole mir das Schiff zurück!“ Als Peters Mutter das Badezimmer betritt, sieht Peter gerade noch, wie Kapitän Krausbart zum Abschied seinen Hut schwenkt und hinter Schaumbergen verschwimmt.

Beim nächsten Badetag besteigt Peter sein eigenes blutrotes Piratenschiff, und er trägt eine schwarze Augenklappe (wegen des Haarshampoos, das so fürchterlich in den Augen brennt). Abenteuerlustig durchquert er die Seifenmeere und findet auf einer einsamen Insel eine Gruppe ausgesetzter Piraten. Kurzentschlossen nimmt er die Mannschaft an Bord, und schon kann es losgehen mit Schiffe-Kapern und Schätze-Erbeuten.

Wenn man „die Seifenmeere kennt wie meine Badewanne“, kann man getrost einmal den Stöpsel aus der Meereswanne ziehen und das Meer abfließen lassen, um ein feindliches Schiff zu Fuß zu entern.

Und so geht es weiter: von Badetag zu Badetag werden wilde Abenteuer bestanden und Meeresungeheuer besiegt, es gibt Streit und Versöhnung und zum guten Schluß ein Riesenlob von Kapitän Krausbart für Peters vorzügliche Piratenqualitäten.

Nur Peters Eltern wundern sich über die regelmäßigen Überschwemmungen und Seifenkanonenkugeln, die neuerdings das Badezimmer zieren…

Der Autor, Andreas Hartmann, würzt die kindlichen Abenteuer mit echtem Seeräubervokabular und lustigen Wortspielen, die dem Schiffspapagei, der immer alles ganz anders versteht, in den Schnabel gelegt werden. Sehr ansprechend und kindgerecht finde ich zudem die beiden Extraseiten mit den Erklärungen zu Segelschiffsfachbegriffen und Piratensprache.

Die bunten Illustrationen von Ina Worms greifen zeichnerisch die Badezimmerrequisiten auf und verwandeln sie in Meeres- und Seemannszubehör. Den lustigen, warmherzigen Bildern gelingt das Kunststück, wie sehr gekonnte Kinderzeichnungen zu erscheinen.

 

 

Der Autor:

Andreas Hartmann wurde 1973 in Berlin geboren. Nachdem sich das Ingenieurswesen für ihn rasch als Irrweg entpuppte, studierte er Erziehungswissenschaften. Er arbeitete in verschiedenen Bereichen – nur nicht in der Sozialarbeit. Auf verschlungenen Pfaden verschlug es ihn schließlich zum Schreiben und Übersetzen. Das tut er heute noch. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Berlin. Zusätzliche Informationen finden sich auf seiner Homepage:   http://www.klippenschreiber.de

Ich möchte noch hinzufügen, daß Andreas Hartmann ein weiteres Kinderbuch – DER HERR DER WOLKEN – veröffentlicht hat, das ich ebenfalls besprochen habe – siehe:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/24/der-herr-der-wolken/

Die Illustratorin:

»Ina Worms ist in der Nähe von Bonn geboren und aufgewachsen. Sie hat an der FH Trier Kommunikationsdesign studiert mit Schwerpunkt Design Buch und war für ein Auslandssemester an der Akademie der Schönen Künste in Krakau. Sie lebt und arbeitet heute in Köln als Illustratorin.«
http://www.ina-worms.de

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär

  • von Walter Moers
  • inszenierte Lesung mit Musik
  • der Hörverlag, November 2013            www.HOERVERLAG.DE
  • 16 CDs
  • Laufzeit: 18 Stunden 33 Minuten
  • 49,99 €  (D), 56,10 € (A), 65,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-1330-1

Gelesen von: Dirk Bach, Wolfgang Völz
Regie: Claudia Gehre / Thomas Krüger
Sounddesign: Michal Krajczok unter Mitwirkung von Marian Mentrup
und Niklas Kammertöns; Gesang: Larissa Blau; singende Säge: Katharina Micada
Supervising: Walter und Elvira Moers
Technik: Christoph Bette / Mango Studios, Köln
und Talking Animals Sound Department, Berlin
Produktion: Hessischer Rundfunk 2002/ der Hörverlag 2013

Käpt'n Blaubär Hörbuch__

P  H  A  N  T  A  S  I  A     K  O  M  P  L  E  X  I  E  N  S  I  S

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Geneigte Hörerin, geneigter Hörer,

mit dem Genuß dieses Hörbuches erlauschen Sie sich eine neue Welt, ach – was untertreibe ich hier: Sie erlauschen sich neue Welten ! Sie laben sich an einem Büfett der Phantasie, bis Sie glauben, so viele Ideen passen doch gar nicht in eine Geschichte – geschweige denn in ein Leben.

Aber es ist ja kein einfaches Leben, sondern es sind die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär, und da darf es schon ein bißchen mehr sein als bei uns menschlichen Eintagsfliegen.

Ort der Handlung ist der Kontinent ZAMONIEN, eine Lebenswelt, angefüllt mit so vielen erstaunlichen Wesen, Wundern und moersschen Phantasmagorien, daß es ein eigenes Lexikon dafür gibt, namentlich das  „Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung“ von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, aus dem im Verlauf der abenteuerlustigen und abenteuerlistigen Handlung immer wieder zitiert wird.

Wir begleiten den Blaubären von seinen Findelkindanfängen an und durchreisen Zamonien in alle sieben Himmelsrichtungen:  von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, von Vorher zu Nachher bis Zuhause.

Zunächst wird Blaubär von Zwergpiraten vor dem Versinken im Malmstrom gerettet und durch Algenfütterung großgezogen, danach weinen wir mit ihm für die Klabautergeister, lauschen seinem Sprachunterricht bei den Tratschwellen, lassen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen auf der Feinschmeckerinsel (gourmetica  insularis) und freuen uns über seine Rettung durch den vegetarischen Rettungssaurier Deus X Machina – kurz Mac genannt.

Wir lernen mit ihm in der Nachtakademie des siebengehirnigen Eydeeten Prof. Dr. Abdul Nachtigaller  und erfahren neidvoll von der Möglichkeit der Wissensübertragung durch Intelligenzbakterien.

Wir folgen Blaubär durch das Finsterberghöhlenlabyrinth und erhalten eine schmerzliche Lektion bezüglich der Vertrauenswürdigkeit von Stollentrollen. Im großen Wald retten wir uns zusammen mit Blaubär im letzten Augenblick vor der gefräßigen Waldspinnenhexe, indem wir in ein Dimensionsloch springen und unwahrscheinlicherweise auch wieder in die richtige Dimension zurückfallen.

Danach folgt eine lange Karawanenreise mit den geheimnisvoll verhüllten Gimpeln durch die Süße Wüste auf der Suche nach der mobilen, kontaktscheuen Stadt Anagrom Ataf.

Sodann landen wir Abenteuerlustigen im ewigen Tornado und können nur dank mathematischer Präzision wieder herauskatapultiert werden.

Hindernisse in Form eines abgelegten Bolloggkopfes (Bolloggs sind Riesenzyklopen, die auch ohne Kopf leben können) müssen überwunden bzw. von Riesenohr zu Riesenohr durchwandert werden. Bei dieser hirnsträubenden Gehirnüberwindung wird  Blaubär von 16 U, einer schlechten, aber dennoch sehr freundlichen und hilfsbereiten Idee tatkräftig unterstützt.

Wir folgen Blaubär in die zukunftsträchtige Stadt Atlantis und erleben seine spektakuläre Karriere als Lügengladiator…

Und hier breche ich meine Aufzählung ab, denn schließlich will ich Sie hier ja bloß mit ein paar Leselockhäppchen zum Genuß des GANZEN verführen.

Eine vollständige Hörbuchfassung  der  „13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ gibt es seit  dem Jahre 2002. Das Neue an der Hörbucheinspielung  aus dem Jahre 2013 ist die Kombination mit Musik und Naturgeräuschen. Ich habe seinerzeit die „unmusikalische“ Fassung gehört und ich war damals schon begeistert, beglückt und entzückt  – sowohl von Walter Moers Phantasiereichtum und Humor als auch von der lebhaften, einfühlsamen und kongenialen Stimmdramaturgie Dirk Bachs.

Nun habe ich die neue Fassung genossen und dabei zunächst bemerkt wie viele köstliche Einzelheiten der Geschichte bei mir schon im „See des Vergessens“ (eine Hirnregion, die nichtzamonischen Neurologen einiges an Erforschungsbedarf bieten dürfte) untergegangen waren.

Doch Wiederhören macht doppelte Freude:  Vorfreude und Wiedererinnerungsfreude!

Die klangfarbige Untermalung des gesprochenen Textes ist unaufdringlich und sehr stimmig. Es gibt leichte, elektronische Stimmverzerrungen bei den telepathisch übertragenen Zitierpassagen aus dem Lexikon von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, Musik, Grillenzirpen, Lagerfeuerknistern, Gongschläge, Stimmenrauschen, Stimmengewirr, Zeitungsrascheln, eine wiederkehrende Kapiteleinleitungsmelodie und sogar Applaus.

Mit diesem Hörbuch werden sowohl Kenner wie Neulinge gerne zu Gast in Zamonien sein und sich staunend ein Abenteuer nach dem anderen aus der phantasiefreudigen, unerschöpflichen Geschichtenvorratskammer von Walter Moers servieren und schmecken lassen.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-13-1-2-Leben-des-Kaeptn-Blaubaer/Walter-Moers/der-Hoerverlag/e449491.rhd

Und das Schönste ist, daß es noch so viel Nachschub gibt, denn „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ sind erst der Anfang, der erste von bisher sieben Zamonien-Romanen. Das ist eine unendliche Geschichte, die sich sehen, hören und lesen läßt.


Außerdem gibt es inzwischen auch  –  in echt  –  ein ZAMONIEN-Lexikon, für bereits Moersinfizierte eine bereichernde Zugabe und Erinnerungshilfe – Sie erinnern sich doch an den „See des Vergessens“ ?

VFqaERNRUU0T0RRMk1qSkJNa0kyUVRSRFJVSXlSalV0YmpRdVluTXhOR0UkYzJWc1pXTjBhVzl1UFhSbWIyd3hNV0V5T0RRNVpURmxPVGMxTXpBdyZ3PTgwMCZoPTYwMCZxPTc1JnQ9MTM4NjI1NzU1MQ__Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent
Von A wie Anagrom Ataf bis Z wie Zamomin

Von Anja Dollinger und Walter Moers
Illustriert von Walter Moers
Gestaltet von Oliver Schmitt
Knaus Verlag 2012
gebunden, 311 Seiten
22,99 € (D), 23,70 € (A), 30,90 sFr.
ISBN 978-3-8135-0530-6
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Passend zum neuen Hörgenuß ist im Knaus Verlag 2013 auch der neue Augenschmaus – die farbige Buchausgabe erschienen:

Moers Blaubär BUCH Die  13½ Leben des Käpt’n Blaubär 

von Walter Moers
mit zahlreichen Farbillustrationen von Walter Moers
gebunden
704 Seiten
29,99 € (D), 30,90€ (A),  39,90 sFr.
ISBN 978-3-8135-0572-6

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
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Querverweise:

Weitere zamonische Zutaten finden Sie unter folgenden Links:
ENSEL  UND  KRETE   https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/
RUMO  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/28/rumo/

Der Autor:

»Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus in die Herzen der Leser und Kritiker geschrieben. Alle seine Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“, „Die Stadt der träumenden Bücher“, „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ und „Der Schrecksenmeister“ waren Bestseller. Neben dem Kontinent Zamonien mit seinen zahlreichen Daseinsformen und Geschichten hat Walter Moers auch so erfolgreiche Charaktere wie den Käpt’n Blaubär, das Kleine Arschloch und die Comicfigur Adolf geschaffen.«

Die Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

»Wolfgang Völz kam 1930 in Danzig zur Welt. Er hat Bäcker gelernt, aber früh mit der Schauspielerei begonnen. Bekannt wurde er in Deutschland durch die Rolle des Chauffeurs in „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ und vor allem durch die Kultserie „Raumschiff Orion“. Wolfgang Völz lieh vielen internationalen Stars wie Michel Piccoli, Mel Brooks und Peter Ustinov seine Stimme. Generationen von Kindern kennen ihren urigen, markanten Klang, weil er den alten brummigen „Käptn Blaubär“ spricht. Sie passt auch hervorragend ins Reich des kleinen Königs Kalle. Wolfgang Völz lebt mit seiner Famlie in Berlin.«

 

Lola auf der Erbse

  • von Annette Mierswa
  • Mit Bildern von Stefanie Harjes
  • TULIPAN Verlag 2008                 http://www.tulipan-verlag.de
  • gebunden
  •  195 Seiten
  •  9,95 €
  • 978-3-939944-10-2
  • ab 8 Jahren
    Lola

H E R Z E N S Q U A L I T Ä T E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Lola auf der Erbse“ ist keine Prinzessin auf der Erbse, sondern ein achtjähriges Mädchen, das mit seiner Mutter auf einem Hausboot lebt. Die Mutter hat eine kleine Wäscherei in der Stadt. Sie steckt sich gerne Blüten ins Haar und schmückt auch das Hausboot mit vielen, bunten Blumentöpfen.

Lola ist klein für ihr Alter und wird oft für viel jünger gehalten, als sie ist. Die kleine Lola will nicht mehr wachsen, seitdem ihr Vater vor drei Jahren die Familie verlassen hat. Sie weigert sich auch, ihren Hals zu waschen, weil sie den letzten Kuß ihres Vaters dort gleichsam aufbewahrt. Außerdem trägt sie stets Schuhe mit einem weißen und einem schwarzen Schnürsenkel, um sich daran zu erinnern, „dass ihr Vater zuletzt gesagt hatte, alles habe zwei Seiten und sie solle immer darauf achten, beide zu sehen. Denn es gebe keinen Schatten ohne Licht, keinen schönen Tag ohne einen trüben und keine Mama ohne einen Papa.“ (Seite 7)

In der Schule ist Lola eine Außenseiterin, aber das nimmt sie weitgehend unbekümmert hin. Ihr bester Freund ist ein Nachbar, der alte Fischer Solmsen, der sich rührend und großväterlich um Lola kümmert und ihr märchenhafte Geschichten erzählt, die in blühende Phantasie und Poesie verpackte Lebensweisheiten sind.

Kurz vor Lolas neuntem Geburtstag kommt es zu einer familiären Krise, weil Lolas Mutter sich neu verliebt hat. Lola ist wild entschlossen ist, den neuen Mann nicht zu mögen.

Nach trotzigen Reaktionen, dramatischen Auftritten, Tränen und sanft aufklärenden Gesprächen zwischen Mutter und Tochter und auch zwischen dem weisen alten Solmsen und Lola verarbeitet Lola die schmerzliche Wahrheit, daß ihr Vater sich nicht  „in Luft aufgelöst hat“, sondern mit einer anderen Frau nach Kuba ausgewandert ist. Sie empfindet zum ersten Mal nicht nur Sehnsucht nach ihrem Vater, sondern auch Wut.

Sie vollzieht kleine Lösungsschritte, z.B. wäscht sie sich spontan den Hals und am nächsten Tag bemerkt sie, daß sie mindestens zwei Zentimeter gewachsen ist. Das ist ein Grund zur Freude, und ganz, ganz langsam kann sich Lola mit dem Gedanken anfreunden, in Zukunft zwei Väter zu haben; denn wie sagt ihre Mutter so treffend:  „Im Herzen ist mehr Platz, als du dir vorstellen kannst.“ (Seite 122)

Die kindliche Anhänglichkeit und Solidarität mit dem Vater, die unterschwellige Hoffnung, der Vater möge vielleicht doch irgendwie zurückkehren, das Festhalten an alten Erinnerungs-schätzen und die dennoch langsam aufkeimende Sympathie zu dem neuen Partner der Mutter werden sehr feinfühlig und in all ihrer aufwühlenden Widersprüchlichkeit erzählt.

„Lola auf der Erbse“  ist ein wunderbar warmherziger Kinderroman, in dem die Kinder Kinder sind und in dem die Erwachsenen  –  auf erfreulich unneurotische Weise  –  erwachsen sind und eine zwischenmenschliche Orientierung bieten, an der ein Kind wahrlich wachsen kann.

Der Zeichenstil der Buchillustrationen von Stefanie Harjes ist in seiner Kombination aus kindlichem und künstlerischem Ausdruck eine harmonische Widerspiegelung und phantasievoll verspielte Ergänzung der Geschichte.

 

Die Autorin:

»Annette Mierswa, geboren 1969 in Mannheim, tätig für Film, Theater und Zeitung, arbeitet heute als freie Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Hamburg. Ihre Romane „Lola auf der Erbse“ (2008) und „Samsons Reise“ (2011) wurden mit diversen Preisen ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. „Lola auf der Erbse“ ist 2013 u. a. mit Christiane Paul verfilmt worden (Prädikat: Besonders wertvoll) und auch als Hörbuch erhältlich. «

Mehr auf www.annettemierswa.de

 

Die Illustratorin:

»Stefanie Harjes, geboren 1967 in Bremen, studierte Illustration und Malerei an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg und Prag. Sie arbeitet als freischaffende Illustratorin in Hamburg vor allem für Buch- und Zeitschriftenverlage und hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise für Ihre Arbeiten erhalten, u. a. den Österreichischen Jugendbuchpreis sowie die Auszeichnung für zwei der Schönsten Bücher Deutschlands. Stefanie Harjes wurde 2010 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«