Die Gorgel

  • von Jochem Myjer
  • Originaltitel: »De Gorgels«
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • mit farbigen Illustrationen von Rick de Haas
  • Verlag Freies Geistesleben  März 2017   http://www.geistesleben.com
  • gebunden
  • 175 Seiten
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2789-0
  • zum Vorlesen ab 5 Jahren
  • zum Selberlesen ab 7 Jahren

J U B E L D I B A M B A M!

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In Jochem Myjers Kinderbuch gibt es Gorgel, kleine spitzohrige Wesen, die mit einem Holzstock bewaffnet sind und schlafende Kinder vor den giftgrünen, schädlichen Scheußlingen beschützen. Die Scheußlinge, mit ihrer unverkennbaren Duftmarke fauliger Schweißsocken, brauchen Kinder nur anzuhauchen, und schon bekommen sie eine fiese Erkältung, Bauchweh, Kopfschmerzen oder auch schlimmere Krankheiten.

Die meisten Kinder können weder die Gorgel noch die Scheußlinge sehen, und sie ahnen nichts von den freundlichen Hütern ihres Schlafes und von den Kämpfen, die gelegentlich für ihr Wohlergehen ausgefochten werden.

Doch Melle ist ein Junge, der über eine sehr gute Beobachtungsgabe verfügt; er ist sehr naturkundig, kennt viele Vögel und betrachtet die Welt mit aufgeschlossenem Herzen. So sieht er eines Nachts ein kleines Wesen mit muskulösen Ärmchen und Beinchen auf seiner Bettkante sitzen. Als das Wesen begreift, daß Melle es sehen kann, versteckt es sich blitzschnell; aber so leicht läßt sich Melle nicht abwimmeln.

Es dauert zwar eine Weile, doch schließlich kommt Melle mit dem Gorgel, der Bobba heißt, ins Gespräch. Bobba spricht mit einem lustigen Akzent und führt stolz seine Stockfechtkünste vor, und er erklärt Melle, welche wichtigen Aufgaben Wachgorgel erfüllen. Sie sorgen dafür, daß Kinder gut schlafen, sie heilen Wunden, helfen Kindern bei der Genesung, und sie beschützen sie vor dem schädlichen Einfluß der Scheußlinge.

Alle Gorgel stammen von einer nahegelegenen Insel, auf der zufällig auch Melles Großeltern zu Hause sind. Melle erfährt, daß sein Großvater bei den Gorgeln bekannt und beliebt ist, weil er als Kind ebenfalls die Gorgel sehen konnte und die Freundschaft zu ihnen pflegte.

Als Melle seinem Vater von Bobba erzählt, ist er sehr besorgt, denn rege Wachgorgel-aktivität deutet auf nahende Scheußlingsbedrohung hin. Die Sorge ist berechtigt. Schon in der nächsten Nacht dringt ein Scheußling in Melles Zimmer ein. Bobba kämpft energisch und äußerst tapfer gegen ihn und katapultiert den Scheußling aus dem Fenster, aber der hat Bobba vorher noch ins Bein gebissen, und nun sorgt sich Melle um Bobbas Gesundheit.

Melle und sein Vater beschließen, mit dem verletzten Gorgel einen Besuch bei den Großeltern zu machen. Denn Melles Großvater weiß sehr viel über Gorgel, und auf der Insel leben Bobbas Artgenossen, die ihn hoffentlich heilen können. Der Großvater läßt Melle als Erste-Hilfe-Medizin sogleich Moosbeeren sammeln, mit denen er den fiebernden Bobba füttert.

Melle macht sich mit Bobbas geschwächter Hilfe auf die Suche nach den Inselgorgeln. Dies gelingt reibungslos, die Gorgel nehmen Bobba in ihre Obhut, und sie warnen vor einer Invasion von Scheußlingen, da sie mit ihren feinen Nasen schon die nahende, fiese Duftnote einer großen Gruppe „Grönländischer Scheußlinge“ wittern. Wenn es nicht gelänge, diese Scheußlinge aufzuhalten, dann würden viele Kinder krank werden.

Der findige Melle entwickelt aus den vorhandenen Mitteln des Meeres einen raffinierten Plan, um gemeinsam mit den Inselgorgeln die Scheußlinge zu verjagen. Es erweist sich als großer Glücksfall, daß er naturkundig ist und viel über Tiere und ihre Verhaltens-weisen weiß und trickreich die Hilfe von Taschenkrebsen, Löfflern, Möwen und Seehunden in Anspruch nehmen kann.

Jochen Myjer hat mit „Die Gorgel“ eine ebenso warmherzige wie spannende und naturverbundene Geschichte geschrieben, in der trotz einiger Gefahren und Bedrohungen ein wohltuender Grundton familiärer Geborgenheit, zuverlässiger Fürsorge und inniger Freundschaftsbindung vorherrscht.

Die Gorgel  wecken auf jeden Fall spielend die kindliche Sympathie und Neugier, und ihre zwar geheimnisvoll-märchenhafte, gleichwohl handfest-tatkräftige und zugewandt-lustige Wesensart ist eine Inspiration für große und kleine Menschen mit Beschützerinstinkten und Phantasie.

Dieses Kinderbuch gibt Anlaß zum Lesejubel oder – wie man auf Gorgelisch begeistert auszurufen pflegt – JUBELDIBAMBAM!

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.geistesleben.de/buecher/9783772527890/die-gorgel

 

Der Autor:

»Jochem Myjer 1977 geboren, ist einer der bekanntesten und beliebtesten Kabarettisten und Comedians in den Niederlanden. Sein Biologiestudium gab er nach zwei Jahren auf, um sich ganz dem Kabarett zu widmen. Er war u.a. Moderator der Kindersendung «Kinderen voor Kinderen» und spricht auch im Radio. 2010 gewann er den Cabaret Award als bester Kabarettist. Er lebt mit der Sängerin Marloes Nova zusammen und hat mit ihr zwei Kinder. Sein Buch Die Gorgel wurde 2016 mit dem Prijs van den Nederlandse Kinderjury ausgezeichnet.«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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In einer weißen Winternacht

  • Bilderbuch
  • Text von Jean E. Pendziwol
  • Illustrationen von Isabelle Arsenault
  • Originaltitel: »Once upon a Northern Night«
  • Aus dem Englischen übersetzt von Brigitte Elbe
  • Verlag Freies Geistesleben  August 2016  www.geistesleben.com
  • 32 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 22,2 x 27,3 cm
  • 14,90 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2682-4
  • ab 4 Jahren
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EISBLUMENFEIN  UND  SCHNEEFLOCKENZART

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein Atemwölkchenhauch von einem Bilderbuch …

Die Erzählerin, Jean E. Pendziwol, malt mit inniger Zärtlichkeit das Bild einer Winternacht für ein schlafendes Kind.

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Illustration von Isabelle Arsenault © Verlag Freies Geistesleben 2016

Die Zeile „In einer weißen Winternacht“ leitet jede neue Szenerie ein und führt uns aus dem Haus in den Garten und den angrenzenden Wald.  Leise fällt der Schnee und hüllt Landschaft und Bäume in glitzerndes Weiß. Langsam füllt sich diese Leinwand aus Schnee mit Leben und Lebensspuren.

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Illustration von Isabelle Arsenault © Verlag Freies Geistesleben 2016

Rehe naschen Äpfel, die am Baum verblieben sind, eine Eule fliegt vorüber – leiser noch als Schnee, zwei Hasen spielen Nachlaufen und verstecken sich vor dem Fuchs, eine kleine Maus mit großen Ohren findet verstreute Körnchen unterm Vogelfutterhaus, die Schneewolken verschwinden und machen  funkelnden Sternen Platz, Nordlichter verfarbzaubern den Himmel, Eisblumen wachsen am Fenster und Mondlicht küßt das schlafende Kind.

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Illustration von Isabelle Arsenault © Verlag Freies Geistesleben 2016

Was Jean E. Pendziwol mit filigranem Textgewebe und poetisch sanft hingetupften wenigen Worten malt, wird von der Illustratorin Isabelle Arsenault mit ausdrucksvollem Minimalismus und winterschläfrig-reduzierter Farbpalette in eine traumwandlerische, verspielt-magische Bildersprache übersetzt.

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Illustration von Isabelle Arsenault © Verlag Freies Geistesleben 2016

 

Die stille Eindringlichkeit und Harmonie von Text und Bild stimmen den lesenden Betrachter geradezu meditativ auf die Winterjahreszeit ein.

„In einer weißen Winternacht“ ist ebenso eine Liebeserklärung an den Winter wie eine leise, leise, leise Gutenachtgeschichte – für Kinder und Vorleser, die für den Atem zwischen den Zeilen empfänglich sind.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
http://trapped.geistesleben.de/buecher/9783772526824/in-einer-weissen-winternacht

 

Die Autorin:

»Jean E. Pendziwol, 1965 in Thunder Bay, Ontario geboren, ist für ihre Geschichten mehrfach ausgezeichnet worden, und ihre Bilderbücher erhalten regelmäßig einen Platz auf den Auswahllisten für Buchpreise. Im kanadischen Groundwood Verlag sind unter anderem die beiden von Nicolas Debon illustrierten Bände Dawn Watch und The Red Sash sowie Marja’s Skis erschienen. Jean E. Pendziwol lebt mit ihrer Familie in Thunder Bay am Oberen See. Die imposante Landschaft des nördlichen Ontario ist eine wichtige Inspirationsquelle für sie. «
http://www.jeanependziwol.com

Die Illustratorin:

»Isabelle Arsenault, 1978 in Sept-Iles, Québec, geboren, zählt zu den renommiertesten Kinderbuchillustratorinnen Kanadas. Dreimal wurde sie mit dem kanadischen Governor General’s Literary Award ausgezeichnet. Wiederholt wurden ihre Bücher von der New York Times auf die Liste der 10 besten illustrierten Bücher gesetzt. Isabelle Arsenault lebt mit ihrer Familie in Montréal.«
http://www.isabellearsenault.com

 

 

 

 

 

Die Katze, der Hund, Rotkäppchen, die explodierenden Eier, der Wolf und Omas Kleiderschrank

  • Bilderbuch
  • von Diane und Christyan Fox
  • Originaltitel: »The Cat, the Dog, Little Red, the Exploding Eggs, the Wolf and Grandma’s Wardrobe«
  • Aus dem Englischen von Alexandra Ernst
  • Verlag Freies Geistesleben Februar 2016  http://www.geistesleben.com
  • gebunden. Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Format: 24,5 x 28 cm
  • 15,90 € (D), 16,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7725-2791-3
  • ab 5 Jahren
    9783772527913

S U P E R R O T K Ä P P C H E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es war einmal, eine Katze, die einem Hund das Märchen vom Rotkäppchen vorlesen wollte. Der Hund war zwar ganz Ohr, aber auch ziemlich vorlaut, und unterbrach die Märchenstunde immer wieder, um Zwischenfragen zur Handlung zu stellen, die Charaktereigenschaften der Märchenfiguren zu kommentieren und eigene Ideen in die Geschichte zu schmuggeln.

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Illustration & Text von Diane und Christyan Fox © Verlag Freies Geistesleben 2016

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Illustration & Text von Diane und Christyan Fox © Verlag Freies Geistesleben 2016

 

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Illustration & Text von Diane und Christyan Fox © Verlag Freies Geistesleben 2016

 

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Illustration & Text von Diane und Christyan Fox © Verlag Freies Geistesleben 2016

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Illustration & Text von Diane und Christyan Fox © Verlag Freies Geistesleben 2016

Satz für Satz mußte die Katze die Unwissenheit, den abenteuerlichen Übermut und die eigenwilligen Interpretationen des Hundes korrigieren. So wußte der Hund nicht einmal, was Zuckerwerk sei; er unterstellte dem Rotkäppchen einerseits allerlei Superkräfte, wie beispielsweise einen „Laser der Liebenswürdigkeit“, und andererseits hielt er es für ein bißchen dumm, da es den Wolf nicht als Wolf erkannte, nur weil er die Kleidung der Großmutter angezogen hatte. Schließlich bekam der Hund sogar Mitleid mit dem bösen Wolf und fragte ernsthaft, ob sich die Katze sicher wäre, daß dies ein Kinderbuch sei.

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Illustration & Text von Diane und Christyan Fox © Verlag Freies Geistesleben 2016

 

Die Katze wurde von Unterbrechung zu Unterbrechung, von Mißverständnis zu Mißverständnis und von Zwischenfrage zu Zwischenfrage immer ungehaltener und pfefferte dem Hund schließlich das Märchenbuch an den Kopf; sollte er sich doch selbst ein Buch zum Lesen aussuchen …

Hier wird das gute alte Rotkäppchen mal so richtig aufgemischt, skeptischer Hinterfragung und den Einflüssen einer eigenwillig, action-betonten Perspektive ausgesetzt. Das Ergebnis ist ein witziges, originelles Bilderbuch, in dem die Beziehungsdynamik zwischen Hund und Katze, bzw. zwischen Vorlesegeber und Vorlesenehmer die Hauptrolle spielt.

Das sprachliche Niveau ist, abgesehen von den Märchenzitaten, flapsig-umgangssprachlich und dient wohl kaum der Verfeinerung des kindlichen Sprachvermögens. Gleichwohl dient diese Umgangssprachlichkeit als sprachspielerisches Kontrastmittel durchaus der Unterhaltsamkeit des Textes.

Die comicartigen Zeichnungen und die temperamentvolle Dialogstruktur des Textes bieten ein amüsant-skurriles Vorlesevergnügen mit lustigen, metafiktiven Details, die nebenbei bemerkt, sogar schon auf den Vorsatzblattseiten beginnen. Dort nämlich tauchen Hund und Katze bereits auf, und die Katze erklärt dem Hund, was das Vorsatzpapier sei.

Schließlich kann man gar nicht früh genug vermitteln, daß Lesen bildet; und wenn das, wie im vorliegenden Bilderbuch, auch noch mit Spaß und unmittelbarer Anschaulichkeit verbunden ist, umso besser.

Und wenn Sie nicht andauernd unterbrochen werden, so vorlesen Sie noch heute …

 

Die Autoren und Illustratoren:

»Diane und Christyan Fox haben in den vergangenen 26 Jahren schon mehr als 40 Kinderbücher gemeinsam gestaltet. Christyan hat darüber hinaus noch 37 weitere Bücher verschiedener Autoren illustriert. Nach ihrem gemeinsamen Graphic Design-Studium an der Universität Middlesex verfolgte zunächst jeder für sich seine Karriere, bis sie herausfanden, wie gut sie zusammenarbeiteten. Sie leben mit ihren drei Kindern in der Nähe von London.«

Querverweise:

Hier findet sich noch eine weitere – leicht ernährungslehrhafte – Rotkäppchenvariation:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/03/26/der-liebste-wolf-der-welt/

Und hier ein sehr unkonventionelles und ausgesprochen ungezogenesRotkäppchen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/30/rotkaeppchen-hat-keine-lust/

Löwen zählen

  • Tiere der Wildnis ganz nah
  • Illustrationen von Stephen Walton
  • Text: Katie Cotton
  • Mit einem Vorwort von Virginia McKenna
  • Originaltitel: „Counting Lions“
  • Aus dem Englischen von Brigitte Elbe
  • Verlag Freies Geistesleben  Februar 2016   http://www.geistesleben.com
  • Format: 28 x 34 cm
  • 32 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 19,90 € (D), 20,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7725-2790-6
  • ab 5 Jahren
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HIER  ZÄHLT  DAS  LEBEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Worte verblassen angesichts der stillen Schönheit dieser Bilder!

Stephen Walton ist ein Künstler, dem eigene und fremde Fotografien als Vorlage für seine Kohlezeichnungen dienen. Seine Tierzeichnungen sind sehr lebendig und geben die Texturen von Fell und Gefieder sowie die artspezifische Körpersprache wunderbar plastisch wieder. So echt und dreidimensional erscheinen die aufgeblätterten Tiere, daß man unwillkürlich versucht, sie zu streicheln.

Es werden keine dramatischen Szenen dargestellt, sondern ruhige, friedlich-aufmerksame Momentaufnahmen; gleichwohl haben sie eine starke Ausstrahlung ungezähmter, freier und würdevoller Wildheit.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

Ehrfurcht und Staunen wachsen von Seite zu Seite. Es gibt keine Handlung, sondern einfach nur kurze, meditativ-poetische Bildbeschreibungen. Faszination und Spannung entströmen der beinahe atmenden, körperlichen Nähe zu den abgebildeten Tieren.

Gezeigt werden ein Afrikanischer Löwe, zwei Berggorillas, drei Giraffen, vier Tiger, fünf Afrikanische Elefanten, sechs Äthiopische Wölfe, sieben Kaiserpinguine, acht Unechte Karettschildkröten, neun Gelbbrustaras und zehn Steppenzebras.

Bei der Betrachtung dieser Tiere geht es indes nur beiläufig ums Zählen, sondern recht eigentlich geht es darum, Mitgefühl zu wecken.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

 

Auf den letzten vier Seiten des Bilderbuches gibt es zoologische und ökologische Hintergrundinformationen zu den vorgestellten Tieren sowie deutliche Hinweise auf den jeweiligen Schutzstatus und die Bedrohung ihres Lebens und Lebensraumes durch den Menschen und weiterführende Links zu Naturschutzorganisationen. Das eindringliche Vorwort der Naturschützerin Virginia McKenna unterstreicht die Schutzbedürftigkeit der Wildtiere und die damit verbundene Verantwortung des Menschen.

Die eindrücklichste Qualität, die das vorliegende  Bilderbuch auszeichnet, liegt jedoch in der feinsinnlichen Bildersprache von Stephen Walton, der es mit ihrer intensiven Präsenz nachhaltig gelingt, große und kleine Betrachter zu respektvoller Naturverbundenheit zu animieren.

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llustration Stephen Walton © Verlag Urachhaus 2016 „Löwen zählen“

Der Illustrator:

»Stephen Walton ist Betreuer und Fotograf im Bury Art Museum in Manchester. Seine künstlerische Ausdrucksform und seine Technik haben sich parallel zu seiner Liebe für die Fotografie herausgebildet. Er wurde als Wildlife Artist des Jahres 2013 ausgezeichnet.«

Die Autorin:

»Katie Cotton, die an der Universität Oxford Englisch studiert hat, war im Bildungsbereich tätig. Bevor sie anfing, Bilderbücher für Kinder zu schreiben und herauszugeben.«

 

Kleiner Fuchs Großer Himmel

  • Bilderbuch
  • Text von Brigitte Werner
  • Illustrationen von Claudia Burmeister
  • Verlag Freies Geistesleben   http://www.geistesleben.com
  • Format 27 x 21 cm
  • 48 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • 16,90 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2793-7
  • ab 5 Jahren
    Kleiner Fuchs Großer Himmel Titelbild

DAS  GANZE  LEBEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In diesem äußerst feinfühligen und großherzigen Bilderbuch führt die Erfahrung des Trauerns und Tröstens gleichsam ins allverbindende Herzklopfen des ganzen Lebens.

Der kleine Fuchs trauert um seinen verstorbenen Großvater. Fuchsmama und Fuchspapa erklären ihrem Kind, daß der Großvater nun im Himmel beim GroßenLiebenFuchs sei, der alles wisse und sich bestimmt himmlisch um alle Bedürfnisse des Großvaters kümmere. Diese Vorstellung tröstet den kleinen Fuchs ein wenig, aber nicht ganz.

In der Nacht träumt das Fuchskind davon, wie gut es dem Großvater im Himmel geht, und der Großvater winkt seinem Enkel vertraulich zu.

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Illustration von Claudia Burmeister ©

Wieder ein kleines Stückchen getröstet, sucht der kleine Fuchs am nächsten Tag ein sonniges Fleckchen im Wald auf, wo sein Großvater früher gern zum Sonnenbaden lag. Die Erinnerung weckt wieder Traurigkeit, und das Fuchskind spürt, wie Tränen in seine Augen steigen. Ein Eichhörnchen, das des Weges kommt, fragt den kleinen Fuchs nach dem Grund seiner Trauer und setzt sich in stiller Anteilnahme neben das Fuchskind. Schließlich sagt das Eichhörnchen, daß der Großvater nun beim GroßenLiebenEichhörnchen weile und daß dieses ganz bestimmt gut für den Großvater sorge.

In der folgenden Nacht träumt der kleine Fuchs davon, wie das GroßeLiebeEichhörnchen den Großvater mit leckeren, weichen Sachen füttert, und wieder winken sich Großvater und Enkel vertraulich zu.

Tag für Tag spaziert der kleine Fuchs zu verschiedenen großväterlichen Erinnerungsplätzen und trifft dabei unterschiedliche Tiere, die ihr Mitgefühl zeigen und ihm ihre himmelsgöttliche Version zum Trost anbieten. Trotz seiner Verwirrung über die vielen unterschiedlichen Tiergötter träumt er Nacht für Nacht von seinem Großvater Fuchs in den verschiedenen und doch auch wieder ähnlichen Himmeln.

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Illustration von Claudia Burmeister ©

     ( Anklicken vergrößert die Bilderansicht )

So lernt der kleine Fuchs den Glauben an die GroßeLiebeSchnecke, an den GroßenLiebenBuntspecht und an den GroßenLiebenFrosch kennen. Dann trifft er eine weiße Eule und auch diese weiß von einem gütigen, allwissenden überirdischen Wesen zu berichten.

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Illustration von Claudia Burmeister ©

Als der kleine Fuchs nachfragt, ob die GroßeLiebeWeißeEule so wäre wie der GroßeLiebeFuchs, denkt die weise, weiße alte Eule lange, lange nach und verkündet dem kleinen Fuchs, daß sein Großvater ebenso weit oben im Himmel sei wie ganz nah im Herzen des kleinen Fuchses, weil er ihn lieb habe. Schließlich selbst angenehm überrascht von ihrer neuen Erkenntnis, fügt sie hinzu, daß die GroßeLiebeWeißeEule einfach alles sei und sich in allen Erscheinungen der Natur zeige, sogar im Wald, im Wind im Regen sowie als GroßerLieberFuchs, GroßeLiebeAmeise und und und …

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Illustration von Claudia Burmeister ©

 

Frohgemut läuft der kleine Fuchs daraufhin zu seinen Eltern und erzählt ihnen, was er über die Einheit in der großen Vielheit des Lebens und Glaubens gelernt hat.

„Und in der Nacht träumte das Fuchskind von dem Himmel.
Der war wirklich sehr GROOOOOSSS!!!
Er hatte Platz für alle.

Und DerDieDasGroßeLiebeWeiseAllesAllesAllesWasIst
hatte Großvater Fuchs in seinem
FlügelFlossenPfotenHerzUndAllesAndereAuchArm
und hatte ihn lieb.

So wie den kleinen Fuchs.“

Die Autorin findet für die unterschiedlichen Gottes-, Schöpfungs- und Jenseitsvorstellungen Naturbilder, die ebenso anschaulich wie poetisch und lebensfarben sind. Schön ist zudem, wie sie diese Vorstellungen aus den existenziellen Lebensbedürfnissen der verschiedenen Tiere ableitet. So thront der Schneckengott auf einem riesigen Kopfsalat und das GroßeLiebeEichhörnchen auf einer Riesennuß.

Den Gefühlen des kleinen Fuchses wird in warmherzigen, kindgemäßen Maßeinheiten greifbare Gestalt gegeben: „Da war das Fuchskind ein bisschen froh. Aber immer noch ganz viel traurig.“, oder: „Da war das Füchslein ein kleinkleinkleinesbisschen weniger traurig.“ Die kapitelweise wiederkehrenden tröstlichen Schlüsselsätze geben der Geschichte einen verbindenden, zyklischen Rhythmus und unterstützen die Bilderbuch-Vorlesegeborgenheit.

Die phantasievollen Illustrationen sind in einer Malcollagen-Mischtechnik mit wandelbar-proportionierten Raumperspektiven gestaltet und offenbaren beim verweilenden Betrachten zahlreiche verspielte Details.

Das Bilderbuch „Kleiner Fuchs Großer Himmel“ ist erfüllt von einer tiefen, zärtlichen Lebenszugewandtheit und heiteren Demut. Mit dieser Flügelspannweite gelingt hier das Kunststück, die kleine Endlichkeit tröstlich mit der großen Unendlichkeit zu verbinden. So gehören wir dem Leben, ohne es zu besitzen.

 

Hier geht es zur Verlagswebseite zum Buch, zur Leseprobe und zum Hörbuch:
http://www.geistesleben.de/buecher/9783772527937/kleiner-fuchs-grosser-himmel

 

Die Autorin:

»Brigitte Werner, geboren 1948, lebt und arbeitet im Ruhrgebiet und an der Schlei. Sie wollte immer Lehrerin werden, aber noch lieber wollte sie Geschichten erzählen. Nach zehn Jahren Schuldienst und einem Berg ungeschriebener Bücher ist sie umgestiegen in das Leben ohne festes Gehalt, ohne Chef und Vorschriften, aber mit einem Sack voller Lebensideen. Sie hat in ihrem Kindermitspieltheater gespielt, gewerkelt und die Stücke geschrieben, hat ein paar Preise bekommen und schreibt nun für Kinder und Erwachsene.
Ihr bisher erfolgreichstes Buch ist Kotzmotz der Zauberer.«
Wer noch mehr wissen mag, kann hier nachlesen:
http://www.geistesleben.de/files/embedded/pdf/Werner_Brigitte_11_2010.pdf

Die Illustratorin:

»Claudia Burmeister, geboren 1976, studierte Grafik und Design in Anklam sowie Germanistik und Erziehungswissenschaften an der TU Berlin. Bis 2011 arbeitete sie als Angestellte in einer Wohnstätte für geistig behinderte Menschen in Berlin und nebenberuflich als Grafikerin und Künstlerin. Seit September 2011 wohnt sie mit ihrer Familie samt Uroma in der Mecklenburgischen Schweiz und arbeitet wieder hauptberuflich als Grafik-Designerin, Kunstschullehrerin und Illustratorin.«

Querverweise:

Hier folgen Links zu weiteren Kinderbüchern zu den Themen: Abschied, Tod und Trauer:
Erik und das Opa-Gespenst

https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/
Nur ein Tag
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag
Oma trinkt im Himmel Tee
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/26/oma-trinkt-im-himmel-tee/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Der Tod auf dem Apfelbaum
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/20/der-tod-auf-dem-apfelbaum/
Wie lange dauert Traurigsein?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/03/wie-lange-dauert-traurigsein/

 

 

Ein Märchen im Schnee

  • von Loek Koopmans
  • Bilderbuch
  • durchgehend farbig illustriert
  • gebunden, Fadenheftung
  • 24 Seiten
  • Format: 24 cm x 22 cm
  • 10. Auflage 2014            Verlag Freies Geistesleben     www.geistesleben.com
  • 12,90 €
  • ISBN 978-3-7725-1136-3
  • ab 2 Jahren
    Ein Märchen im Schnee

PLATZ  IST  IM  KLEINSTEN  HANDSCHUH

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Ein Märchen im Schnee“ basiert auf einem russischen Märchen und ist vom niederländischen Illustrator Loek Koopmans nacherzählt und nachgezeichnet worden.

Ein Holzfäller durchquert, begleitet von seinem kleinen Hund, den winterlichen Wald; unbemerkt verliert er einen bunten Wollhandschuh. Der erste Finder des Handschuhs ist ein kleines Mäuschen namens Eil-dich-flink, und genauso flink bezieht es den Handschuh als Winterquartier.

Langsam fängt es an zu schneien. Der Frosch Hinkebein kommt des Weges und fragt, ob er auch in das gemütliche Handschuhheim einziehen darf. Freundlich bittet das Mäuschen Eil-dich-flink den Frosch herein. Es schneit weiter, und ein Häschen namens Schnell-zu-Fuß bittet ebenfalls um Einlaß, und so geht es in einem fort: Es schneit und schneit, und nach und nach bitten ein Fuchs, ein Wildschwein und sogar ein Bär um Unterkunft in der Handschuh-WG.

Gemütlich kuscheln sich die sechs Tiere in dem wundersam dehnbaren Handschuh aneinander, bis der Holzfäller auf der Suche nach seinem Handschuh zurückkehrt und das schöne Märchen leider ein recht nüchternes Ende findet.

Die feinen, ausdrucksvollen Zeichnungen, die kühle Schneestimmung im Kontrast zur bunten Geborgenheit der Tiere in der Handschuhhöhle und der warmherzig-lustige Text: All dies macht „Ein Märchen im Schnee“ zum idealen Vorlesebilderbuch für die Winterjahreszeit.

Das Bedürfnis nach Schutz, Wärme und gemeinschaftlicher Verbundenheit ist gerade ganz kleinen Kindern besonders vertraut. Diese Lebensbedürfnisse am Beispiel tierischer Mitgeschöpfe darzustellen wird zudem Bestätigung und Ermunterung für die kindliche Empathie sein.

Die lustigen Namen der Tiere, die bei jeder erneuten Frage um Einlaß in den Handschuh aufgezählt werden, geben dem kindlichen Vorlesepublikum außerdem die willkommene Gelegenheit, selber die Namen der Tiere aufzusagen oder weitere zu erfinden.

 

Der Illustrator:

»Loek Koopmans ist ein bekannter Illustrator und lebt in Zwolle (Holland) Er wurde 1943 in Haarlem geboren. Seine Bilderbücher sind außer in Niederländisch auch mehrfach in Deutsch, Englisch und Japanisch erschienen. Er war mit seinen Arbeiten bei den berühmten Illustratoren-Ausstellungen in Belgrad, Bologna und Bratislava vertreten

Querverweis:

Wer gerne noch mehr SCHNEEGEFÜHLE kennenlernen möchte, dem sei nachdrücklich das feine Bilderbuch von Sebastian Meschenmoser: Herr Eichhorn und der erste Schnee“ ans Herz gelegt. Dort kann man sehen und staunen, in was sich Schneeflocken verwandeln können, wenn man noch nie welche gesehen hat.
Hier folgt der Link zur Besprechung:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee

Extra Garn

  • Bilderbuch
  • von Mac Barnett
  • Illustrationen von Jon Klassen
  • Aus dem Englischen von Susanne Lin
  • Verlag Freies Geistesleben 2013                    http://www.geistesleben.com
  • 40 Seiten, gebunden
  • Format: 26 x 22 cm
  • 15,90 €
  • ISBN 978-3-7725-2688-6
  • ab 4 Jahren
    9783772526886_10024.png EXTRA GARN

DEN  FADEN  FINDEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Extra Garn“ ist eine schöne, vertrauenserweckende Geschichte über geschenktes Glück und das Glück des Schenkens.

Eines Wintertags findet das Mädchen Annabelle eine kleine Truhe, angefüllt mit kunterbuntem Wollgarn. Sie strickt sich einen Pullover, und weil noch Wolle übrig ist, strickt sie auch  einen Pullover für ihren Hund.

Danach ist immer noch Garn vorhanden und so strickt Annabelle nach und nach für alle menschlichen und tierischen Bewohner ihrer Heimatstadt regenbogenbunte Pullover. Die Wolle scheint kein Ende nehmen zu wollen, und so bestrickt das Mädchen nach den Lebewesen auch die unbelebten Dinge, und die zuvor so triste Stadt wird merklich farbenfroher.

Die Kunde von Annabelles unerschöpflicher Wollgarntruhe erreicht schließlich auch einen modebewußten Erzherzog, der mit seinem Segelschiff anreist. Er will Annabelle die Truhe  für sehr, sehr viel Geld abkaufen, aber Annabelle weigert sich, ihren bunten Schatz zu verkaufen.

Der Erzherzog bezahlt drei Räuber, damit sie für ihn die Wolltruhe stehlen, und dann segelt er mit ihr übers Meer davon zu seiner Burg. Doch als er die Truhe öffnet, ist sie vollkommen leer. Erbost und wütend wirft er die Truhe aus dem Fenster und schickt noch einen bösen Fluch für Annabelle hinterher.

Die kleine Truhe findet auf dem Wasserwege wieder zu Annabelle zurück, aber der böse Fluch erreicht sie nicht. Denn Annabelle lebt bunt und munter weiter…

Der Autor Mac Barnett erzählt seine Geschichte mit großer Gelassenheit in einer prägnanten, einfachen und gleichwohl ausdruckvollen Sprache.

Die Illustrationen von Jon Klassen sind sehr klar und inszenieren durch die kontrastierende Farbgebung (graubraun-schwarzweiße Kulissen gegenüber kunterbunten Strickmaschen) deutlich das wechselnde emotionale Klima im Verlauf der Handlung.

 

Der Autor:

»Mac Barnett wurde 1982 in einem  kalifornischen Bauerndorf geboren und lebt heute als Autor in Berkeley. Bekannt wurde er neben seinen fantasievollen Kinderbüchern durch seine Kriminalromane rund um die Brixton Brothers.  www.macbarnett.com«

 

Der Illustrator:

»Jon Klassen wurde 1981 im kanadischen Winnipeg geboren. Nach seinem Studium am Sheridan College in Oakville, Kanada, ging er nach Amerika und arbeitete zunächst für verschiedene Film- und Videoproduktionsfirmen. Heute lebt er als erfolgreicher Autor und Illustrator in Los Angeles. Mit seinem Buch „Wo ist mein Hut“ wurde er jüngst für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
http://www.burstofbeaden.com «

Traumkaninchen

  • von Daan Remmerts de Vries
  • Aus dem Niederländischen von Arnica Esterl
  • Verlag Freies Geistesleben 2009                                 http://www.geistesleben.com
  • 32 Seiten
  • gebunden
  • Format: 21,4 x 28,6 cm
  • 5 €
  • ISBN 978-3-7725-1115-8
  • Bilderbuch ab 6 Jahren
    9783772511158_Traumkaninchen

L I E B E S B U N (T) D

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eule hat einen schönen Traum von einem weißen Kaninchen. Nach dem Aufwachen sieht sie in der Ferne wirklich ein Kaninchen herumhoppeln. Fliegeflugs folgt sie dem Kaninchen und spricht es ziemlich unmittelbar verliebt an.

Eules Liebeswerben kommt zunächst gar nicht gut bei Kaninchen an, aber Eule gibt nicht auf. Schließlich erwärmt sich Kaninchen doch für Eule, die beiden finden zueinander, sie feiern Hochzeit und gründen eine Familie.

Der Autor und Illustrator Daan Remmerts de Vries hat die Bilder zu seiner Liebestraumgeschichte in einem eigenwilligen, minimalistischen Malcollagenstil gestaltet, der zugleich kindlich-naiv sowie künstlerisch-kompositorisch erscheint.

Besonders ansprechend finde ich den mimischen Ausdruck der Figuren. Ganz oberputzig und herzig sind Eule und Kaninchen und Daan Remmerts de Vries die sechs Eulenkaninchenkinder gelungen.

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Ilustration von Daan Remmerts de Vries © Verlag Freies Geistesleben 2009

„Traumkaninchen“ ist ein außergewöhnliches, inspirierend-phantasievolles Bilderbuch, das mit wenigen wohlgesetzten Zeilen und Dialogen augenzwinkernd eine tief- und traumsinnige Geschichte erzählt. Darüber hinaus ist es eine beflügelnde Ermunterung, Träumen und Sehnsüchten zu vertrauen, denn:

„Träume sind wichtig. Sie verändern die Welt.“  (Seite 24)

 

Hier geht es zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.geistesleben.de/buecher/9783772511158/traumkaninchen

Autor und Illustrator:

»Daan Remmerts de Vries, geboren 1962, lebt in Amsterdam. Neben seinen Büchern für Kinder und Erwachsene schreibt er auch fürs Fernsehen und Theater. Seine Kinderbücher sind bereits mit dem renommierten »Goldenen Griffel« und dem »Silbernen Griffel« ausgezeichnet worden.«

Im Schatten der Wächter

  • von Graham Gardner
  • Aus dem Englischen von Alexandra Ernst
  • Verlag Freies Geistesleben                                    http://www.geistesleben.com
  • 5. Auflage, März 2013
  • 199 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
  • 16,90 €
  • ISBN 978-3-7725-2251-2
  • ab 13 Jahren
  • Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis (Jugendjury)  2005
    Im Schatten der Wächter

M A C H T P R O B E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Elliot steht erschreckend allein im Leben. Gewiß hat er Eltern, aber seine Familie muß mit einem schweren Schicksalsschlag zurechtkommen: Der Vater wurde bei einem brutalen Raubüberfall schwer verletzt und ist seitdem arbeitsunfähig und depressiv. Die Mutter geht verschiedenen schlechtbezahlten Arbeiten nach und versucht die Familie wirtschaftlich über Wasser zu halten. Die Finanzen stehen schlecht, doch es gelingt der Mutter, eine Opferentschädigung zu erhalten, und um Abstand zur Vergangenheit zu gewinnen, ziehen sie in eine andere Stadt.

An seiner alten Schule wurde Elliot mehrfach Opfer brutaler Mißhandlungen durch gewalttätige Mitschüler. Warum das so war, ist nicht eindeutig zu erklären: Lag es an der offensichtlich gebrauchten Schuluniform, an Elliots schmalem Körperbau oder an seinem ohnehin schon angegriffenen psychischen Gleichgewicht? Im Grunde ist es gleichgültig, denn Elliot weiß aus schmerzlicher Erfahrung, daß er einfach nur auf die falsche Weise aufgefallen ist und somit als Opfer ausgesucht  wurde.

Doch der Umzug und seine neue Schule eröffnen Elliot die Möglichkeit, einen anderen, unverletzlichen Elliot zu erschaffen. Generalstabsmäßig plant er seinen ersten Auftritt am Holminster Gymnasium; er läßt sich die Haare kurz schneiden und übt vor dem Spiegel, wie er seine Mimik auf eine undurchdringliche Maske einstellen kann. Elliot hat große Angst, aber es gelingt ihm unerwartet gut, seine Angst zu verbergen. Er hält kleinen Blickduellen stand, gibt schlagfertige Antworten auf Provokationen, und es gelingt ihm, sich für die Schwimmmannschaft der Schule zu profilieren.

Fast beginnt er schon, sich sicherer zu fühlen, da wird er von einem Mitschüler auf die „Wächter“  aufmerksam gemacht. Dieser Mitschüler gehört zu den sogenannten „Beobachtern“ und „Informanten“, die als Boten zwischen den Wächtern und den anderen Schülern fungieren. Die Wächter treten nie selbst in Erscheinung, sie sind nur Strippenzieher der Macht.

Die Wächter führen eine Namensliste mit Opfern, und sie bestimmen die Art und Weise sowie den Ort der „Bestrafung“  und welche Schlägertypen aus der Schülerschaft die Bestrafung in ihrem Auftrage ausführen. Alle Schüler wissen mehr oder weniger Bescheid über dieses System und seine grausamen Regeln, und es finden sich immer viele Zuschauer zu den inszenierten Demütigungen ein. Elliot wird Zeuge einer solchen Aktion, und hinter seiner Maske der Unberührbarkeit lauert die quälende Angst davor, vielleicht auch bald wieder zu den Opfern zu gehören.

Die Wächter sind drei Oberstufenschüler, deren Identität nur ganz wenigen Eingeweihten bekannt ist. Es dauert nicht lange, da wird Elliot durch einen Boten zu den Wächtern geführt. Elliot fürchtet das Schlimmste, doch überraschenderweise sind die Wächter gar nicht an ihm als potentiellem Opfer interessiert, sondern sie wollen ihn als Nachfolger ausbilden, damit die Tradition der Wächter fortgesetzt werden kann.

Die Wächter benutzen den Roman „1984“ von George Orwell und die darin beschriebenen Machtmechanismen als Quellentext und Lehrbuch für ihr perfides Unterdrückungs- und Einschüchterungssystem.

Den harten Panzer, den sich Elliot zugelegt hat, um seine Traumatisierung zu verbergen, halten die Wächter für echt, und dies qualifiziert ihn in ihren Augen zu einem würdigen Nachfolger ihrer Macht.

Außerhalb der Schule freundet sich Elliot zufällig mit einem Jungen an, der auf der Opferliste steht, und deshalb findet innerhalb des Schulbereichs keinerlei Kontakt zwischen den beiden Jungen statt. Elliot verliebt sich in eine Mitschülerin, die über ein beachtliches Selbstbewußtsein und viel Zivilcourage verfügt und sich über die Wächter lustig macht.

Die positiven Gefühle von Freundschaft und Verliebtheit können jedoch im sozialen und psychischen Klima von Angst und Mißtrauen nicht gut gedeihen. Die Machtmöglichkeiten, die sich Elliot plötzlich bieten, machen ihm keinerlei Freude  –  im Gegenteil:  Die Angst, zum Opfer zu werden ist schrecklich, die Angst, zum Täter zu werden, ist jedoch fast ebenso belastend!

Für Elliot beginnt eine nervenaufreibende Gratwanderung zwischen Macht und Ohnmacht, bis Elliot eine Schmerzgrenze erreicht, an der er erkennt, daß er innerlich abstirbt, wenn er so weitermacht.

Schließlich trifft er die mutigste Entscheidung seines jungen Lebens und unterwirft sich weder der Angst noch der Macht.

Der Autor erzählt Elliots Geschichte mit schonungsloser Eindringlichkeit, das Vakuum der Angst  und Selbstentfremdung, in dem sich Elliot befindet, betrifft uns als Leser unmittelbar, die Lektüre ist schmerzhaft-spannend und erschreckend intensiv.

 

Der Autor:

»Graham Gardner, wissenschaftlicher Autor und Forscher auf dem Gebiet Soziale und Politische Geografie an der University of Wales, Aberystwyth. Er ist außerdem leidenschaftlicher Musiker, spielt Rock und Klassik auf dem Klavier. Sein Debüt als Jugendbuchautor mit dem Roman Inventing Elliott (Im Schatten der Wächter) wurde von der Kritik in England begeistert gefeiert.«