Brennnesseln

  • Ein Portrait
  • von Ludwig Fischer
  • Matthes & Seitz Verlag  März 2017   www.matthes-seitz-berlin.de
  • Nr. 32 der Reihe NATURKUNDEN          www.naturkunden.de
  • 168 Seiten
  • mit zahlreichen farbigen Abbildungen
  • Illustrationen: Falk Nordmann
  • Kleinoktav-Format: 12 x 18 cm
  • gebunden, fadengeheftet
  • mit grünem Kopfschnitt
  • ISBN 978-3-95757-407-7
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A), 22,90 sFr.

BRENNEND  INTERESSANT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ludwig Fischer bringt uns mit seinem kulturhistorischen Pflanzenportrait die Brennessel kenntnisreich und respektvoll wieder nahe. Die zunächst unangenehme Berührungsassoziation, die sich beim Gedanken an Brennesseln meist unwillkürlich einstellt, weiß der Autor durch die Aufzählung ihrer heilsamen und nahrhaften sowie ihrer vielseitigen ökologisch relevanten Eigenschaften mehr als auszugleichen.

Einst wuchs die wehrhafte Staude allgegenwärtig nicht nur in der Wildnis, sondern als Kulturfolger und Ruderalpflanze gerne auch in der Nähe menschlicher Siedlungen, beim Misthaufen (die Brennessel mag stickstoffhaltige Standorte), auf Friedhöfen, am Wegesrande, auf Brachflächen und in den Wildniswinkeln kultivierter Gärten. 

»Pflanzenkunde, vor allem Kräuterkunde ist unabdingbar auch Kulturgeschichte«
(Seite 11)

Bereits in der Altsteinzeit wurde die Brennessel als Nahrungspflanze, Heilkraut, Ritualpflanze und Bastfaserlieferantin genutzt. Der Deutsche Wortatlas zählt über 1100 Namen für die Brennessel, und auch sonst hat die Brennessel zahlreiche Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen. Mythen, Märchen und Sagen sprechen von ihr, und das Alte Testament macht sie gar zusammen mit  Dornen und Disteln zu Plagewerk-zeugen göttlicher Bestrafung.

»Die Geschichte der Menschen mit diesem brennenden Kraut spannt sich auf zwischen Verwünschung und Verehrung, zwischen Vertilgung und sorgsamer Nutzung, zwischen Verachtung und Hochschätzung, zuletzt zwischen Vergessen und Wiederentdecken.« (Seite 12)

Botanisch konzentriert sich der Autor hauptsächlich auf die beiden in Europa häufigsten Brennesselarten: Die Große Brennessel und die Kleine Brennessel. Die Große Brennessel kann unter günstigen Bedingungen 2,5 m hoch wachsen und bis zu 20 Jahre alt werden. Die Kleine Brennessel erreicht nur eine Höhe von 40 cm und ist einjährig. Die Blätter der Kleinen Brennessel haben weniger Brennhaare, aber dafür wirkt ihr Nesselgift intensiver.

Das Brennhaar besteht aus einer einzigen Zelle, deren Wände durch Kieselsäure versteift sind; die Spitze des Brennhaares hat eine Sollbruchstelle, die bei der leisesten Berührung abbricht und wie eine Injektionsnadel in die menschliche Oberhaut eindringt und das Nesselgift transportiert.

Mehr als 40 Falterarten bevorzugen im Raupenstadium Brennesseln als Futter. Die Raupen vom Kleinen Fuchs, Landkärtchen, Tagpfauenauge, Admiral u.a. sind monophag, d.h. sie können sich ausschließlich von Brennesseln ernähren. Es ist übrigens noch nicht erforscht, wie die Raupen das Nesselgift entweder verkraften oder beim Verspeisen der Brennesselblätter „umgehen“.

Textilarchäologisch zeigt sich, daß neben Hanf und Leinen auch die Fasern aus den Stengeln der Großen Brennessel zu Stoffen verarbeitet wurden. Nesseltuch hat ähnlich komfortable Trageeigenschaften wie Seide und Leinen und dürfte bis zur Industrialisierung in Heimarbeit und wahrscheinlich weitgehend zum Eigenbedarf  hergestellt worden sein. Im Gegensatz zu Lein und Hanf wurde die Brennessel jedoch nicht angebaut, sondern wild gesammelt. 

Kleine Abzweigungen zu Brennesseldarstellungen in der Bildenden Kunst, zu literarischen Texten mit Brennesselmotiven und volkstümlichen Brennesselbeschwörungen sowie Anwendungen ergänzen den botanischen Spaziergang.

Viele überlieferte Heilwirkungen der Brennessel werden inzwischen von der modernen Wissenschaft bestätigt, und auch ihr hoher Gehalt an wichtigen Vitaminen, Mineralien, Phytohormonen und Spurenelementen ist verifiziert.

Eine kleine Auswahl medizinischer und kosmetischer Anwendungen von der Antike bis in die Neuzeit wird umrissen. Zur Vertiefung kann der geneigte Leser im Anhang den ausführlichen Hinweisen zu weiterführender Literatur folgen. Erwähnt seien hier nur die vitalstoffreichen Brennesselsamen, die das Immunsystem stärken und beiläufig auch eine gewisse aphrodisische Wirkung entfalten.

Einige Rezepte für schmackhafte Brennesselspeisen und Rohkostmixgetränke (wobei die Brennesseln, zur Entschärfung der Brennhaare, kurz mit kochendem Wasser blanchiert werden können) runden das Vademecum ab.

Immer wieder läßt der Autor auch seine persönlichen Erfahrungen mit der Brennessel in den Text einfließen. So berichtet er ebenso staunend wie bewundernd und dankbar davon, daß er einen Apfelbaum in Gesellschaft von Brennesseln gepflanzt und ihm diese Koexistenz seit Jahren eine überreiche Apfelernte beschert habe.

Welche Wirkung die Brennessel zu Füßen des Apfelbaums nun genau entfaltet, bleibt vorläufig noch Spekulation. Doch nicht umsonst wird in der biologischen Landwirtschaft Brennesseljauche als Kraftfutter für Kulturpflanzen eingesetzt.

Große Brennnessel. Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland, Österrreich und der Schweiz, Gera 1885.

Spätestens nach der Lektüre dieses Buches wird man der Brennessel mit Achtung und Bewunderung begegnen und ihr womöglich – wo möglich – mehr Raum im Garten lassen und auch von ihr naschen.

»Sie kann noch mehr sein als eine Heilerin, Ernährerin, Faserlieferantin, Gartenhelferin, ökologische Verbündete – wenn wir sie noch besser zu verstehen lernen, wenn wir uns noch aufmerksamer ihr nähern, könnte sie auch unsere Lehrmeisterin für ein gewandeltes Naturverständnis werden.« (Seite 144)

Und zum Abschluß kann ich hier wieder meinen lobeshymnischen Refrain zur buch- gestalterischen Materie der Reihe NATURKUNDEN kundtun. Auch der Band „Brennnesseln“ (NATURKUNDEN Nr. 32) ist aus schmeichelgriffigem Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten hergestellt. Die Typographie ist satt und lesefreundlich, der Kopfschnitt und die Fadenheftung in dunkelgrün sind farblich fein abgestimmt mit der Farbgebung des Bucheinbandes, und die zahlreichen alten und neuen Illustrationen sind ebenso schön wie aussagekräftig.

Hier finden wir den harmonischen Einklang zwischen substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf …

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/brennnesseln.html?lid=2

 

Der Autor:

»Ludwig Fischer, geboren 1939 in Leipzig, war Professor für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur an der Universität Hamburg. Er ist Landschafts- und Naturtheoretiker, Schriftsteller, Gärtner, Kräuterexperte.«

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59 Kommentare zu “Brennnesseln

  1. Diese Naturkundenreihe verlockt wirklich zum Sammeln. Sie ist so liebevoll gestaltet und so klug und vielseitig geschrieben – es ist fast egal, welche Naturerscheinung ein Bändchen gerade zum Thema hat. Und deine Rezension mal wieder: Zucker!

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  2. Zunächst ist es wieder einmal eine Freude, deine Texte zu lesen. Ganz unabhängig von den besprochenen Büchern, nein, ganz unabhängig geht wohl nicht, aber es macht Spaß, zu lesen, mit wie viel Freude und Sorgfalt du formulierst! Und Brennnesseln sind es wert, genauer unter die Lupe genommen zu werden, weil sie meist einfach als Unkraut gesehen werden.

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    • Herzlichen Dank, lieber Manfred,
      für Deine meinem Schreibstil zugeneigte Resonanz und für Dein Interesse an den Brennesseln. Beides freut mich sehr!
      Du hast richtig erkannt, daß mir sorgfältige, konzentrierte Formulierung eine freudige Pflicht ist. 🙂

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  3. Nur eine kleine Anmerkung zu den Mixgetränken: Man muss die Brennnesseln nicht blanchieren, ich zumindest mache das nie und noch nie hat was im Mund gebrannt. 😉
    Der Mixer macht die Brennhaare rückstandslos unschädlich. Bon appétit!

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  4. Das Buch ist vor ca. 2 Wochen im Radio vorgestellt worden und ich wunderte mich: ein Buch über Brennnesseln🤔 Doch es scheint, die Zeit reif zu sein für die Vergessenen, ausser man kam mit ihr „zufällig“ in Berührung, dann wird jede Begegnung lebendig. Danke dir.

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  5. Brennnesseln? O, da kommen mir viele Assoziationen.
    Sollten wir als Kinder statt Spinat essen (eisenhaltig) – ich hasste beides.
    Die bösen Buben ärgenten die Mädchen mit Brennnesseln, die ärgerten jene zurück.
    Bei mir auf dem Balkon gibts massig Brennnesseln, sie siedeln sich in meinen Blumentöpfen an, wenn sonst alles eingegangen ist.
    Pfauenaugen brauchen Brennnesseln.
    Brennnesseln äußerlich angewendet helfen gegen Rheuma.
    Die biologisch-dynamische Landwirtschaft kommt ohne Brennnesselsud gar nicht aus.
    Mir scheint, das Mädchen, das für ihre in Schwäne verwandelten Brüder Nesselhemdchen weben musste, benutzte Brennnesseln?

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      • Von der Verfasserin der Sevenwaters-Saga oder meinst Du die Urfassung dieser Geschichte?
        Da weiß ich nicht mal den Ursprung der Geschichte.
        Aber ich kenne die Sevenwaters-Saga von Juliett Marillier, in der Sorcha ihre Brüder vom Bann des Fluches erlöste, indem sie für alle Hemden aus Mieren fertigte.

        Da bist du dran, liebe Gerda *lächel*

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      • Es scheint ein wundervolles Buch zu sein, liebe Ulrike, über eine Pflanze,
        die wir zwar alle gut zu kennen glauben und auch fürchten *g*, aber ich glaube,
        das Büchlein hier wird uns eines besseren belehren …
        Ich jedenfalls bin nun brennend interessiert daran, meine dürftigen Kenntnisse zu erweitern 🙂

        Liebe späte Samstagsgrüße von Bruni

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    • Danke für Deinen assoziationsreichen Kommentar, liebe Gerda.
      Der Autor geht ausführlich auf das Nesselmotiv in verschiedenen Märchen ein, für das Andersen Märchen bestätigt er die Brennessel als Faser für die Nesselhemden der Schwanenbrüder. Er erwähnt jedoch auch Varianten, in denen Sternblumen oder Lilien verwebt werden.
      Außerdem wurde literarisch immer wieder fälschlich das mythische Nessos-Hemd mit dem Nesselhemd gleichgesetzt/verknüpft. Das ist wegen der Klangverwandtschaft verständlich, aber wortgeschichtlich nicht korrekt.

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      • Ah, danke! Nessos-Hemd – das ist freilich was anderes. ich schreibe darüber in meinem Romanfragment „Schwanenwege“ folgendes:
        „Wollt ihr wirklich die ganze Geschichte hören, meine Lieben? Kein Happyend, leider..“
        „Schlimmer als die mit Meleager (Bruder der Deianeira) wird sie schon nicht werden,“ meinte Gise zuversichtlich.
        „Glauben Sie? Die Griechen waren unerhört einfallsreich, wenn es darum ging, kunstreich tragische Knoten zu knüpfen. Aber hören Sie selbst:
        Es begann mit der Hochzeitsreise von Herakles und Deianeira. Das junge Paar musste unterwegs einen breiten Fluss überqueren. Als Fährmann war dort ein Zentaur namens Nessos tätig. Ihr wisst, was ein Zentaur ist? Gut. Also, die junge Frau setzt sich auf Nessos’ Rücken und lässt sich von ihm hinübertragen. Nessos gefällt seine reizende Last so sehr, dass er, kaum erreichen sie das andere Ufer, mit ihr auf und davon galoppiert. Herakles schickt ihm einen seiner vergifteten Pfeile hinterher und trifft ihn. Sterbend flüstert Nessos der schönen Deianeira ins Ohr: ‘Tauche dein Tuch in meine blutende Wunde und mach eine Salbe daraus. Wenn Herakles dir einmal untreu wird, bestreiche damit sein Gewand, und du gewinnst ihn sicher zurück.’“.
        Herr Salieri hatte diese Sätze so dramatisch in Gises Ohr geflüstert, dass diese, beschwipst von Wein und Übermüdung, aufgeregt gackerte: „Eine Liebessalbe!“
        „Ja, Gise, das glaubte auch Deianeira. Und da sie bald Grund hatte, an Herakles’ Treue zu zweifeln, präparierte sie ein Untergewand mit der Salbe – und o weh: Herakles zog es an!“
        Hier machte Herr Salieri wieder eine Kunstpause und blickte, die Augenbrauen über den hellblauen Augen dramatisch hochgezogen, in die Runde.
        „Na, und weiter?“ konnte Harald sich nicht enthalten zu fragen.
        „Ach, Harald, die Frauen! Ihre Eifersucht ist uns Männern gefährlich! Das Gift seines eigenen Pfeils – es stammte vom Blut der Hydra, der er in einem früheren Abenteuer die Köpfe abgeschlagen hatte – kehrte über Nessos’ Wunde zu ihm selbst zurück und brachte ihn um. Das Hemd brannte sich in seine Haut ein. Unmöglich es zu entfernen. Herakles litt Höllenqualen. Um sie abzukürzen, ließ er einen Scheiterhaufen schichten, wie man ihn für die Toten machte, und ließ sich hinauftragen. Dann befahl er, den Holzstoß anzuzünden. Doch ehe er verbrannte, entführten ihn die Götter in die Unsterblichkeit.
        Und was tat die Schwester des Meleager, die schöne Deianeira? Sie erhängte sich aus Gram über den Tod ihres Gatten.“

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  6. Wow, dass man über eine einzige Pflanze ein ganzes Buch schreiben kann, ist schon erstaunlich. Da muss ich wohl mal reinschauen, was er da so alles zu erzählen hat.
    Da meine Mutter früher immer Brennesselsuppe kochte – aber nur im Frühjahr mit den ganz jungen Spitzen – ging mir in der Tat zuerst “Lecker!” durch den Kopf 🙂 Eine nette Erinnerung. Danke.

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  7. Noch so ein schönes Buch – begeistert bin 🙂 !!! Wenn man alles so betrachten würde, jede Pflanze, jedes Tier für sich, würde man vermutlich mit noch viel mehr Respekt und auf „Samtpfoten“ durch die Natur streifen. Schön, daß jemand ein Buch bzw. Thema der vielseitigen Brennessel gewidmet hat ! Soweit ich weiß, ist die Brennesselfaser erst in den letzten Jahren für die Textilerzeugung wiederentdeckt worden. Spannend, was diese Pflanze alles schenkt ! Herzlichen Dank, daß du unser Augenmerk wieder auf sowas kostbares gelenkt hast 🙂

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    • Das mit den „Samtpfoten“ und der „Kostbarkeit“ der Brennessel hast Du sehr schön formuliert, liebe Almuth.
      Danke für Deine natürliche Achtsamkeit.
      Zwei Kapitel widmet der Autor der Brennessel als Tuchrohstoff in Vergangenheit und Gegenwart, und grenzt sie auch gegen die weniger strapazierfähige Ramiefaser ab.
      Herzerfreute Grüße 🙂

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      • Das hätte ich nicht gedacht, daß die Brennessel strapazierfähiger ist. Die Pflanze wirkt gar nicht so robust finde ich. So kann der Eindruck mal wieder täuschen. Das geht mir beim Leinen ähnlich. Es ist jedenfalls toll, daß der Brennessel ein ganzes Buch gewidmet wurde und gezeigt wird, daß jedes Mitglied im Kosmos seinen Platz hat 🙂 Kosmische Grüße vom Balkon

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      • Die Große Brennessel ist schon sehr robust, der Stengel läßt sich nur schwer zerreißen. Die Fasern aus der Großen Brennessel sind so zugfest, daß man sogar Taue, Fischernetze, Segel und Zelte aus ihnen hergestellt hat.
        Überhaupt: Ich LIEBE Naturfasern (Leinen, Baumwolle, Hanf) !
        Ich besitze ein Hanf-T-Shirt, nach mittlerweile 15 Jahren zeigt es erste Auflösungserscheinungen – eine traumhafte Qualität und sehr angenehme Trageeigenschaften.
        Naturverbundene Grüße :mrgreen:

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      • Ja, sowas ist toll. Unglaublich ! Ich hatte mal eine Hanfhose. Die hat leider nicht so lange gehalten. Recht hartfaserig. Hat sich dann an den Reibestellen aufgescheuert. Aber vielleicht war die Qualität damals nicht so gut. Es sind jedenfalls tolle Materialien 🙂 Stoffschmeichelnde Grüße 🙂

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  8. Als Krönung dieser Buchschöpfung hätte man vielleicht ins schmeichelgriffige Papier noch kunstvoll einige Brennnesselbrennhaare einarbeiten können. Das würde das sehr facettenreiche Porträt mit einer sinnlichen Erfahrung abrunden. 😉 Anderseits ist genau diese Erfahrung so ziemlich das einzige, was man landläufig mit dieser Pflanze verbindet, die man zwar „kennt,“ von der man nur leider kaum etwas weiß.
    In unseren halbtot gepflegten Landschaften ist sie eigentlich eher selten geworden. Auch an Wegesrändern wird sie, wenn sie überhaupt noch vorkommt, oft sinnlos niedergemäht. Die meisten der von dir hier beschriebenen Fakten waren mir unbekannt. Das erstaunt nicht, da deine Herzensreihe „Naturkunden“ wohl selbst für Experten noch „neuländliche“ Wissensschätze anzubieten hat. In einem früheren Leben habe ich manchmal noch selber Brennnesseln geerntet. Aber seit sie – so zumindest mein Eindruck – rar geworden sind, lasse ich sie lieber als Raupenfutter stehen. Vielleicht kann das von dir hier mit viel Herzblut vorgestellte Buch dazu beitragen, dass man der Brennnessel wieder mehr Raum gibt. Anspruchsvoll ist sie ja nicht. Man muss sie nicht hätscheln und tätscheln 😉 – es genügt, wenn man sie einfach gedeihen lässt.

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    • Lieben Dank für Deinen naturliebhaberisch-sachverständigen Kommentar.

      In meiner Kindheit hatte ich noch viel Sicht- und Hautkontakt mit Brennesseln, und ich habe sogar von meiner Mutter gelernt, wie man sie anfassen kann, ohne sich zu stechen.
      Im Garten meiner Kindheit hatten Brennesseln ihr Refugium, und wir wußten, daß sie eine wichtige Raupenweide und nützliche Heilpflanze ist.

      Da die Brennessel tatsächlich rar geworden ist, nasche ich nur gelegentlich im Vorübergehen einige ihrer schmackhaften Samen.

      Ich hoffe sehr, daß meine Buchbesprechung dazu beiträgt, die Brennesseln einfach leben und wachsen zu lassen. Wenn sie im Garten gar zu viel wird, kann man sie ja mit einer Wurzelsperre einhegen.

      Auch ich habe aus dem vorliegenden Buch einiges über Brennessel gelernt, das mir noch unbekannt war. Doch dafür sind die NATURKUNDEN da – sie begeisteswässern unsere Naturkundigkeit. 🙂

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      • Ja, in meiner Kindheit waren Brennnesseln auch „überall“ sicht- und oft auch fühlbar. 🙂 Auch der Gute Heinrich (wo gibt’s den heute noch?) als Erste Hilfe bei Brennnesselkontakten war durchaus bekannt.
        Mögen möglichst viele „Naturkunden“ über die buchhändlerischen Ladentische wandern, auf dass die Naturkundigkeit ausgiebig begeisteswässert werde. 😀

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      • Ausgerechnet der „Gute Heinrich“ ist mir noch nicht bewußt über den Weg gelaufen. 😉
        Aber ich habe als Kind instinktiv-spontan die klare, wässrige Flüssigkeit aus den Stengeln des Japanischen Riesenknöterichs als Gegenmittel gegen Brennesselbrennen und Mückenstiche benutzt. Auch so kann man die Natur erkunden … :mrgreen:

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      • Ja, wenn man intuitionsgesegnet ist und die richtigen Stoffe erwischt, ist das eine feine Art, die Natur zu erkunden. [Ansonsten könnte es allerdings auch in eine praktische Erkundung des Wortes „verschlimmbessern“ ausarten.]
        Der Gute Heinrich ist mir allerdings auch schon lange nicht mehr untergekommen. :/ An meinen Kindheitswohnorten ist er mir auch nie begegnet. Kennengelernt habe ich ihn bei den Großeltern (den Mamaeltern – die Papaeltern habe ich nie gekannt). Mein Opa (der übrigens Heinrich hieß und ein herzensguter Mensch war) hat mir die Pflanze und deren Anwendung gezeigt (vor annähernd einem halben Jahrhundert). Und die Oma hat den Guten Heinrich manchmal als Suppengemüse verwendet. 🙂

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  9. Ein Umrunden der Nessel würde uns auch gut tun… politisch wie mit dem Rasenmähen … ein Buch, von der Blumenmädchenart und deinem unermüdlichen Bücherstaubnektar sammelndem Sein… sooo lieben Dank dafür, Ulrike… und wieder fehlen dem Blumenmädchen nicht die begeisterten Worte sondern nur die Buchstaben…

    Gefällt 3 Personen

  10. Wohl wahr: Die Naturkunden-Bändchen verlocken zum Sammeln… Den Band über Schnecken liebe ich – herrlich, wie der Verfasser über seine Schnecke namens Nereide (Name eines berühmten Rennpferdes) und ihre Teilnahme an einem Schneckenrennen berichtet.
    Mit dem Brennessel-Band habe ich auch schon geliebäugelt – nach Deiner Rezension jetzt ist die Entscheidung gefallen. 😉

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  11. Mannomann, liebste Ulrike, ich ahne es schon, nicht nur Gänseblümchen muss ich essen (habe diese Woche jede Menge gesehen und mich immer gefragt, ob schon ein Hund sie markiert hat), jetzt als Krönung noch Brennessel?? Aber Spass beseite, das Buch klingt wirklich sehr interessant. Viele Dinge sind uns sicher noch nicht bekannt, besonders wie Pflanzen miteinander in perfekter Coexistenz leben, na ja ich weiss es jedenfalls nicht. Allerliebste Grüße und allerhöchsten Respekt vor Deiner tollen Auswahl, liebe ahnungslose Grüße von mir zu Dir!

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    • Liebstes Sternchen,
      für Dich täte ich die Brennesseln zusammen mit Obst Deiner Wahl erst einmal in den Grüntrunkmixer. 😉
      Die Bedenken bezüglich der Hundbegossenheit von Gänseblümchen teile ich. Selbst hier von der weitgehend gassigangverschonten Wiese, wasche ich die Blüten selbstverständich vor dem Verzehr ab.
      Herzlichen Dank für Deine unvoreingenomme Pflanzenneugier und Dein Lob für meine Buchauswahl.
      Herzensgruß von mir zu Dir!

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  12. Eigentlich käme ich ja nie auf den Gedanken, ein Buch über Brennnesseln zu lesen. Aber wenn es so charmant vorgestellt wird… Trotzdem würde ich eines über unsere Schlüsselblumen vorziehen.
    Aber im Ernst: Wunderbar diese Naturkunden, und das Thema eigentlich zweitrangig. Sei gegrüßt, Petra

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    • Vielen Dank, liebe Petra,
      für Deine Blumen zu meiner Buchbesprechung. 😉
      Ich schließe keineswegs aus, daß in der feinfeinen Reihe der NATURKUNDEN auch einmal ein Band über Schlüsselblumen wächst.
      Sei ganz herzlich gegrüßt von mir 🙂

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