Ich hab doch keine Angst!

  • Der kleine und der große Igel, Band 2
  • Text und Illustration von Britta Teckentrup
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2022 www.jacobystuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 28,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-96428-130-2
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Cover_ICH HABE KEINE ANGST_2022.indd
ERMUTIGUNG  ZUR  ANGST

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Der kleine Igel, der im ersten Band (siehe meine Besprechung: Warte doch mal!) ein erfolgreiches Beispiel für kindliche Verzögerungstaktik hinsichtlich des Zubettgehens bot, wacht nun morgens auf, und der große Igel ist nicht anwesend. Zunächst sucht der kleine Igel rund ums Haus nach dem großen Igel, doch dort scheint er nicht zu sein. Der kleine Igel fürchtet sich und überlegt, ob der große Igel vielleicht im Keller sein könne. Auch der dunkle Keller ist etwas angsteinflößend, aber der kleine Igel sagt sich selbst, daß er keine Angst habe und geht langsam die Kellertreppe hinab.

Zum Glück kommt ihm dort schon der große Igel entgegen, und als dieser fragt, ob sich der kleine Igel geängstigt habe, antwortet der kleine Igel, erleichtert über das Wieder-finden,: „Ich hab doch keine Angst!“.

Die beiden Igel unternehmen einen Ausflug in den Wald und pfeifen dabei ein Lied. Viel-leicht pfeifen sie ein Lied, weil der Wald nicht nur schön, sondern auch „etwas unheim-lich“ ist. Allerdings wird es tatsächlich erst unheimlich, als sie spontan mit dem Pfeifen aufhören und das Lied trotzdem weitergepfiffen wird. Es zeigt sich daraufhin, daß eine Schar Vögel Gefallen am Igellied findet und dieses einfach weiterzwitschert. Sie ent-schuldigen sich beim kleinen Igel und versichern ihm, daß sie ihn nicht erschrecken wollten. Wieder antwortet der kleine Igel mit: „Ach was, ich hab doch keine Angst!“.

Die beiden Igel laufen weiter. Plötzlich wittern sie Fuchsgeruch, und der große Igel ruft dem kleinen Igel zu, er solle sich fest einigeln und den Hang hinunterrollen. So entkom-men sie der Gefahr. Der große Igel fragt beim kleinen Igel nach, ob er auch solch große Angst gehabt habe, doch der kleine Igel sagt wieder, wenn auch mit leiser Stimme, seinen Spruch von der Angstlosigkeit auf.

Die beiden geraten noch in weitere mehr oder weniger gefährliche Situationen, und stets wiederholt sich das Dialogmuster. Der große Igel vermutet zu Recht, daß der kleine Igel Angst gehabt habe, doch der kleine Igel verneint – wenig glaubwürdig – seine Angst.

Erst auf dem Weg nach Hause gibt der kleine Igel gegenüber dem großen Igel endlich zu, daß er doch Angst gehabt habe. Lächelnd bestätigt der große Igel den kleinen Igel mit den Worten: „Ich weiß, kleiner Igel, und das ist auch gut so.“ 

So vermittelt der große Igel dem kleinen Igel einfühlsam und fürsorglich, daß Angst manchmal berechtigt ist und zudem eine sinnvolle Schutzfunktion hat. Auch zuvor hat der große Igel bereits dadurch, daß er stets unbefangen seine eigene Angst zugab, dem kleinen Igel ein gutes Beispiel für eine angemessene und authentische Gefühlsreaktion geboten.

Auch der zweite Band vom großen und vom kleinen Igel bietet Kindern leicht zugäng- liche Identifikationsmöglichkeiten. Außerdem regen die beschriebenen Gefahren- situationen und die Angstverleugnung des kleinen Igels dazu an, mit Kindern zu besprechen, wie sie selbst eine ähnliche Situation empfinden würden, oder auch generell nachzufragen, wovor sie Angst haben, und einen konstruktiven Umgang mit der Angst zu finden.

Britta Teckentrup hat die zweite Geschichte vom großen und kleinen Igel illustratorisch in eine schöne Wald- und Stadtrandkulisse gebettet. Die gewissermaßen „pflanzen- echte“ Farbtönung und die abwechslungsreichen Lichteffekte sind sehr stimmungsvoll. Kleine Details, wie die auf fast jeder Seite umherkrabbelnden und fliegenden Ameisen, Falter, Grashüpfer, Käfer, Glühwürmchen, Vögel und ein munteres Eichhörnchen, laden von Seite zu Seite zum Wiederentdecken ein.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/neuerscheinungen/ich-hab-doch-keine-angst/

Hier entlang zum ersten Band vom großen und kleinen Igel: Warte doch mal!

Die Autorin & Illustratorin:

»Britta Teckentrup, geboren 1969 in Hamburg, hat in London Kunst studiert. Nach siebzehn Jahren in England, während derer sie zahlreiche erfolgreiche Bilderbücher weltweit veröffentlichte, lebt sie heute mit ihrer Familie in Berlin. http://www.brittateckentrup.com/«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/
Werbung

Igel

Igel (Naturkunden Nr. 76)
I G E L E R K U N D I G U N G E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In dieser Naturkunde begegnet uns der Igel als biologisches Wesen mit seinen art-spezifischen Fähigkeiten und Lebensbedürfnissen sowie als Modell für künstlerische Darstellungen malerischer und bildhauerischer Art und als Charakterfigur in Fabeln, Legenden, Märchen und Bilderbüchern.

Igel sind einzelgängerische, nachtaktive und scheue Tiere, welche die Nähe zu Artge-nossen nur zum Zwecke der Fortpflanzung suchen. Ihr Stachelkleid besteht aus 6000 – 8000 Stacheln, von denen jede über einen eigenen kleinen Muskel verfügt. Bevor ein Igel sich zu seiner passiven Selbstverteidigung einrollt, „stellt er seine Stacheln in einer raffi-nierten Kreuz-und-Quer-Anordnung auf, in der sich die Stacheln gegenseitig stützen (Seite 23). Diese Anordnung schauten sich die Menschen von der Antike bis ins Mittel-alter für ihre militärischen Lanzenaufstellungen ab, und diese Formation wurde auch tatsächlich „Igelstellung“ genannt.

Der Geruchssinn ist der ausgeprägteste Sinn des Igels. Er schnüffelt und schnuppert unentwegt und kann sogar Regenwürmer in der Erde wittern. Igel sind keine Vegetarier. Wenn sie an Obst, Pilzen oder Nüssen knabbern, sind sie sehr wahrscheinlich auf der Jagd nach den darin verborgenen Würmern oder Schnecken. Beim Fressen schmatzen Igel un-überhörbar, weil sie ihre Nahrung sehr gut kauen und einspeicheln. Mit einem speziellen Riechorgan, dem Jacobsonschen Organ, können Igel sogar Gerüche schmecken. Igel können unbeschadet giftige Schlangen und Skorpione verspeisen, aber Milch ist für sie unbekömmlich.

Der Hörsinn des Igels ist immerhin noch drei bis viel Mal besser als der des Menschen, und sie können Töne im Ultraschallwellenbereich wahrnehmen.

Bedroht ist der Igel durch den Schwund natürlicher Lebensräume, Parasiten, Straßen-verkehr, industrielle Landwirtschaft, Pestizide und Insektizide, steril aufgeräumte Gärten sowie durch den Einsatz von Laubbläsern, Rasentraktoren und Mährobotern. Zudem bringt der Klimawandel mit deutlich wärmeren Wintern den Winterschlaf- rhythmus der Igel in lebensbedrohliche Unordnung.

Beim Igel verbinden sich – aus menschlicher Perspektive –  stachelige Unnahbarkeit mit knopfäugiger Possierlichkeit. Angesichts eines naturbelassenen Gartens, der seinen Revierbedürfnissen entspricht, kommt der Igel mit der Nähe zu Menschen zurecht, läßt sich gut beobachten und nimmt auch Futter an. Doch als klassisches Streicheltier eignet er sich nicht, er ist und bleibt ein Wildtier und entzieht sich aufdringlichen Kontaktver-suchen.

Menschen sind schon lange von Igeln fasziniert. So finden sich unter prähistorischen Tierfiguren neben Bison, Höhlenbär und Mammut auch kleine Igelfiguren. Im alten Ägypten waren Igel-Amulette beliebte Grabbeigaben.

Der Künstler Günther Uecker hämmerte 1964 aus Nägeln unterschiedlicher Länge die Körperform eines Igels auf ein Stück Holz, und je nach Generationenzugehörigkeit wer-den sich einige Leser noch an die mehr oder weniger kulinarischen Käse-Igel vergangen-er Partybüffets erinnern.

Igel spielen auch eine beachtliche literarische Rolle z.B. in den Grimmschen Märchen „Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel“ und „Hans mein Igel“ oder in Hans Falladas „Geschichte vom getreuen Igel“.

Der berühmte Igel „Mecki“ begann in den 30er-Jahren des 20.Jahrhunderts seine Karriere als Puppentrickfilmstar und belebte ab 1949 die alljährlich fortgesetztenen Mecki-Bilderbücher der Zeitschrift „Hörzu“. Nach wie vor erscheinen immer wieder Kinder- und Bilderbücher, die Igel als Hauptcharaktere inszenieren (siehe meine vorhergehende Bilderbuchbesprechung der Serie „Der große und der kleine Igel“ Warte doch mal! ).

Im Anschluß an die zoologischen und kulturhistorischen Igelbetrachtungen werden neben dem bei uns beheimateten Braunbrustigel noch einige außereuropäische Igelarten in kurzen Einzelportraits vorgestellt.

Und zum Abschluß kann ich hier wieder meinen lobeshymnischen Refrain zur buchge-stalterischen Materie der Reihe NATURKUNDEN singen. So ist auch der Band „Igel“ (NATURKUNDEN Nr. 76) aus schmeichelgriffigem Papier für Einband, Vorsatzblätter und Buchseiten hergestellt. Die Typographie ist satt und lesefreundlich, der braune Kopf-schnitt ist farblich fein abgestimmt mit der Farbgebung des Bucheinbandes; die Faden-heftung erscheint diesmal interessant farbkontrastisch in dunkelblau, und die zahlreichen alten und neuen Illustrationen sind ebenso schön wie aussagekräftig.

Hier finden wir den harmonischen Einklang zwischen substanzieller innerer und äußerer Buchqualität, wie sie für die von Judith Schalansky herausgegebene Reihe NATURKUNDEN Standard ist. Da kommt Sammellust auf!

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/igel.html?lid=2

Die Autorin:

»Verena Auffermann, geboren in Höxter, wurde nach einer Buchhandelslehre und dem Studium der Kunstgeschichte neben ihrer Tätigkeit als Dozentin und Herausgeberin vor allem als Kritikerin u. a. für DIE ZEIT und Süddeutsche Zeitung bekannt. Darüber hinaus ist sie als Jurorin, Moderatorin und Dozentin tätig. Zahlreichen Veröffentlichungen folgte zuletzt 2009 ein literaturwissenschaftlicher Sammelband, der unter dem Titel 100 Autorinnen in Portraits. Von Atwood bis Sappho, von Adichie bis Zeh im Herbst 2021 in einer erweiterten Neuedition im Verlag Piper erschienen ist. 2016 veröffentlichte Verena Auffermann eine Bildbiografie über Henry James.«

Der Illustrator:

»Falk Nordmann, Zeichner und Illustrator, lebt und arbeitet in Berlin. Ab 2007 Umschlaggestaltungen und Autorenportraits, seit 2013 Tierillustrationen der Reihe Naturkunden für Matthes & Seitz Berlin.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Warte doch mal!

  • Der große und der kleine Igel, Band 1
  • Text und Illustration von Britta Teckentrup
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2021  www.jacobystuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 28,5 cm
  • 32 Seiten
  • 14,00 € (D), 14,49 € (A)
  • ISBN 978-3-96428-113-5
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Warte doch mal (Der große und der kleine Igel, Band 1)

IM WARTEZIMMER DER NATUR

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Wenn es um die Verschiebung des Zeitpunkts geht, sich zum schlafen zu betten, ent- wickeln kleine Kinder einen beachtlichen verzögerungstaktischen Erfindungsreichtum.

So geschieht es auch in der vorliegenden Bilderbuchgeschichte. Der kleine und der große Igel sind auf dem Weg nach Hause. Nachdem der kleine Igel mit dem großen Igel ausführlich den Sonnenuntergang betrachtet hat, bittet der kleine Igel darum, noch den Mondaufgang zu abzuwarten. Danach müssen noch Blumendüfte eingeatmet werden und den Eulen, Fröschen und Fischen sollten sie  unbedingt auch jedem einzeln noch eine Gute Nacht wünschen. Der Leuchtspur eines Glühwürmchens folgen die beiden ebenfalls, und schließlich schläft der kleine Igel beim Zählen der Sterne ein und wird vom großen Igel nach Hause getragen.

Die einzelnen Etappen des verzögerten Nachhausewegs folgen einem gleichbleibenden Dialogmuster. Der kleine Igel bittet um einen Aufschub, nachsichtig gewährt der große Igel diesen Aufschub und mahnt gleichwohl freundlich die späte Stunde und die zuneh-mende nächtliche Kälte an. Nur während der Betrachtung des zauberhaften Glühwürm-chentanzes vergißt auch der große Igel einmal die Zeit.

Die liebevolle Zugewandtheit des großen Igels zum kleinen Igel kommt sowohl in den Gesprächen als auch im illustrativen körpersprachlichen Gestus deutlich zum Ausdruck.

„Warte doch mal!“ bietet Kindern erzählerisch leichten emotionalen Identifikationsstoff und illustratorisch sehr schöne naturverbundene Szenenbilder.

Die in natürlichen, gedeckt-bunten Farbtönen gestalteten Illustrationen von Britta Teckentrup vermitteln stimmungsvoll Dämmerlicht und Nachtatmosphäre. Kleine Details wie die auf jeder Seite umherkrabbelnden und fliegenden Ameisen, Falter, Grashüpfer, Käfer und Glühwürmchen laden von Seite zu Seite zum Wiederfinden ein.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/bilderbuch/warte-doch-mal-2/

Die Autorin & Illustratorin:

»Britta Teckentrup, geboren 1969 in Hamburg, hat in London Kunst studiert. Nach siebzehn Jahren in England, während derer sie zahlreiche erfolgreiche Bilderbücher weltweit veröffentlichte, lebt sie heute mit ihrer Familie in Berlin. http://www.brittateckentrup.com/«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Ich will kein Eichhörnchen mehr sein

  • Text und Illustration von Olivier Tallec
  • Originaltitel: »J‘aurais voulu«
  • Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
  • Gerstenberg Verlag, Juni 2022 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28 x 20 cm
  • 36 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 13,00 € (D)
  • ISBN 978-3-8369-6173-8
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

U_6173_1A_BILD_ICH_WILL_KEINE_EICHHOERNCHEN_MEHR_SEIN.indd

CHIMÄREN-THEATER

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Olivier Tallecs Eichhörnchen mangelt es auch im dritten Band der Serie deutlich an Ausgewogenheit und Selbstgenügsamkeit. War es im ersten Band extrem besitzan-spruchsvoll (siehe: Das ist mein Baum) und im zweiten Band unmäßig gierig bis zur Zerstörung seiner Nahrungsgrundlage (siehe: Nur ein kleines bißchen ), so ist es nun im dritten Band mit seinem „langweiligen“ Eichhörnchendasein unzufrieden.

Ich will kein Eichhörnchen mehr sein. Biberwunsch

Text und Illustration von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2022

Mißmutig lehnt es alle eichhörnchentypischen Fähigkeiten ab und beneidet stattdessen die bewundernswerten Talente des Bibers. Doch nach einem Tag mit Bibertätigkeiten erkennt das Eichhörnchen, daß Bäumefällen viel zu anstrengend ist, ganz zu schweigen von den ewig nassen Füßen. Erschöpft liebäugelt es damit, als Hirsch mit imposantem Geweih durch den Wald zu stolzieren.

Allerdings hat auch das Hirschsein nachteilige Seiten, denn ein klassisches Fluchttier muß verflixt oft vor potenziellen Jägern fliehen. Völlig aus der Puste an einen Baum gelehnt, erscheint dem Eichhörnchen nun das Igeldasein äußerst attraktiv … und so geht es eine Weile weiter mit diversen tierischen Daseinsalternativen von Eule bis Weinbergschnecke.

Ich will kein Eichhörnchen mehr sein. Igelwunsch

Text und Illustration von Olivier Tallec © Gerstenberg Verlag 2022

Stets erweisen sich die zuvor beneideten Vorteile in der Praxis als unvermutet wenig erfreulich und sogar als anstrengend, gefährlich und nachteilig. Schließlich kommt das Eichhörnchen etwas geknickt zu der Einsicht, daß es doch lieber ein Eichhörnchen bleiben möchte. Und zu seinem nicht geringen Erstaunen trifft es dann auch noch ein Wildschwein, das offensichtlich lieber ein Eichhörnchen wäre.

Die illustratorische Inszenierung der diversen Eichhörnchen-Identitätswechsel ist äußerst amüsant gestaltet. Zuerst wird das kleine Eichhörnchenkörperchen mit einem breiten, flachen Biberschwanz ausgestattet, dann kommt ein Hirschgeweih hinzu und ein Igelstachelpelz, und alle diese Accessoires bleiben ihm erhalten, so daß es nur noch sein Eichhörnchenköpfchen und seine Pfoten als Eichhörnchen ausweisen.

Das Eichhörnchen idealisiert die anderen Tiere, deren Eigenschaften es maßlos über- bewertet, während es sein gewohntes Eichhörnchensein abwertet. Es geht dem Eichhörnchen dabei weniger um Neid auf andere Gaben, sondern mehr um die Unzu-friedenheit mit dem alltäglich Vertrauten, das vermeintlich zu wenig Glanz versprüht. Manchmal braucht es offensichtlich Umwege, um die eigenen Qualitäten und Daseins- bedingungen angemessen wahrzunehmen und wertzuschätzen.

So bietet dieses Bilderbuch für Kinder und ihre Vorleser animierenden Gesprächsstoff für selbstreflexive und kommunikative Gedankenspiele: Wie sehe ich mich? Würdige ich mich selbst? Wie sehe ich andere? Sehe ich die Anderen wirklich, oder erliege ich nur meiner Vorstellung von ihnen? Wie werde ich von anderen gesehen, und welche Rolle spielt das für meine Selbstwahrnehmung? Wer oder was würde ich gerne einmal ausprobieren zu sein?

Doch unabhängig von tieferen sinnbildlichen Bilderbuchbetrachtungen ist dieses Buch überaus vergnüglich. Denn Olivier Tallecs Illustrationen geben dem Eichhörnchen eine solch lebhafte und deutlich ablesbare Mimik und ausdrucksvolle Körpersprache, daß Kinder dieser Geschichte auch sehr gut ohne den Begleittext folgen können.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Bilderbuch/Ich-will-kein-Eichhoernchen-mehr-sein.html?noloc=1

Hier entlang zum ersten Band: Das ist mein Baum Das ist mein Baum
Und hier zum zweiten Band: Nur ein kleines bißchen  Nur ein kleines bißchen

Der Autor und Illustrator:

»Olivier Tallec, geb. 1970, hat an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris studiert und teilt seitdem seine Zeit zwischen Design und Illustration. Seine Bücher wurden in zahlreichen Ländern veröffentlicht und ausgezeichnet.«

Querverweis:

Ergänzend bietet sich zudem das Bilderbuch „Wär ich doch…“  von Mies van Hout an. Auch dort geht es um das Thema, jemand anderes sein zu wollen… Wär ich doch

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

Das ist mein Papa!

  • Text & Illustration von Mies van Hout
  • Originaltitel: »Dit is mijn papa!«
  • Übersetzung von Maria Werner
  • aracari verlag, 1. Auflage August 2020 www.aracari.ch
  • Format: 20,5 x 20,5 cm
  • 16 Seiten
  • durchgehend vierfarbig
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 16,50 sFr.
  • ISBN 978-3-907114-16-2
  • Pappbilderbuch ab 1 Jahr (laut Verlag)
  • ab 2 Jahren (nach meiner Einschätzung)

Das ist mein Papa

PAPAS  ZUM  AUSSUCHEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Mit diesem Bilderbuch können kleine Menschenkinder kleinen Tierkindern die richtigen Väter zuordnen.

So fragt etwa der kleine Igel: „Wer ist mein Papa?“, und auf der gegen- überliegenden Seite werden folgende vier Kandidaten zur Auswahl angeboten: Stachelschwein, Kaktus, Seeigel und Igel. Die anschließende Doppelseite zeigt dann den Igel-Papa in anschmiegsam-verspielter Interaktion zusammen mit seinem Igel-Kind.

Bei der Kaulquappe und der Raupe ist die Zuordnung für Kleinkinder selbstverständlich schwieriger, da sich die Körperformen deutlich unterscheiden. Entsprechende kindliche Naturvorerfahrungen wären hilfreich (wenn nicht sogar erforderlich) oder zusätzliche elterliche Erklärungen zur Metamorphose – was in Anbetracht der Alterszuordnung recht anspruchsvoll ist.   

Das ist mein Papa_Raupe

Illustration von Mies van Hout © aracari verlag 2020

Das ist mein Papa_Schmetterling

Illustration von Mies van Hout © aracari verlag 2020

Zum Abschluß fragt auch ein kleiner Junge, wer sein Papa sei. Dies gibt uns ein besonders lustiges Rätsel auf, denn zur Auswahl stehen ein Affe, eine Eule, ein Bär und ein Roboter. Und man muß schon genau hinsehen, um die Verkleidung zu erkennen.

Dieses Bilderbuch bietet Kindern und Eltern unterhaltsamen Rätselspaß und beiläufig etwas Naturkunde. Die leuchtend farbenfrohen Illustrationen von Mies van Hout sind graphisch sehr klar und minimalistisch und gleichwohl mimisch ablesbar. Mies van Houts Bildersprache verfügt über einen ganz unmittelbaren kindgemäßen Charme, der Kindern übrigens auch ein anregendes Vorbild fürs Selbermalen sein kann.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.aracari.ch/page/de/buecher/detail?id=292

Die Autorin & Illustratorin:

»Mies van Hout wurde 1962 geboren und studierte an der Kunstakademie in Groningen Grafikdesign. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin und hat seitdem viele Bilderbücher illustriert. Ihr Buch »Brave Ben« wurde mit dem niederländischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Zwischenzeit

  • von Natalie Berghahn
  • Roman
  • WESTKREUZ Verlag 2016, www.westkreuz-verlag.de
  • Broschur
  • 224 Seiten
  • 19,90 €
  • ISBN 978—3-944836-29-4

Zwischenzeit
NACHBARSCHAFTEN  UND WAHLVERWANDTSCHAFTEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieser Roman setzt sich aus einem spannenden Figuren- und Perspektivenmosaik zusammen, dessen Zentrum die eigenbrötlerische Johanne und ihr Refugium bilden. Da Johanne zu Beginn des Romans sehnsüchtig auf die alljährliche Wiederkehr der Mauer-segler wartet, deren luftige Anmut sie bewundert, wage ich zunächst eine Vogelperspek-tive auf die Romanszenerie.

Aus dieser erhöhten Sicht zeigt sich eine alte Siedlung am Stadtrand. Das Haus von Johanne und das ihrer unmittelbaren Nachbarin Eva verfügen noch über die ursprüng-lichen großen Gärten, während die anderen Grundstücke inzwischen durch einige neue Häuser bauverdichtet und entsprechend kleingartig ausfallen.

Eva hat Alzheimer und unzählige Katzen. Kontaktfreudig bietet sie jedem Passanten eine Hausbesichtigung an. So spricht sie auch Juan an, einen illegalen Einwanderer aus Ecuador, der nach einem Streit mit seiner deutschen Freundin auf der Suche nach einem vorübergehenden Schlafplatz ist. Er nimmt die Einladung ins Haus an, ist aber nicht angetan vom desolaten Zustand des Haushalts, und als Evas mobiler Pflegedienst eintrifft, versteckt er sich flugs im Garten. Dort entdeckt er ein Gartenhäuschen, das seinen Bedürfnissen genügt, und richtet sich dort ein.

Etwas entfernter, aber doch in fußläufiger Nachbarschaft lebt Petra recht gutbürgerlich mit ihrem Mann. Petra hat nach schmerzlich unerfüllt gebliebenem Kinderwunsch ein Pflegekind aufgenommen. Die achtjährige Brinda wurde aus der Obhut ihrer psycho-tischen Mutter genommen, doch der Schatten der mütterlichen Wahnvorstellungen und Ängste „vor der Strafe der Engel“, deren obskure Vorschriften man befolgen müsse, wirkt  nach und erschwert Petra den Herzenszugang zu Brinda. Vielleicht ist es aber auch Petras eigene Liebesbedürftigkeit, die dem traumatisierten Kind nicht angemessen gerecht werden kann.

Nun nähern wir uns Johanne: Johanne spricht fünf Fremdsprachen und kennt die latei-nischen Namen von Pflanzen und Tieren, aber sie hat große Probleme, mit Menschen zu sprechen. Selbst einfache zwischenmenschliche Begegnungen bedeuten für sie Angst und Unsicherheit. Ihre seltsam verzögerte kommunikative Reaktionszeit führt zu pein- lichen Mißverständnissen, die dann wiederum den Streß erhöhen. Deshalb meidet sie Menschen weitmöglichst, verhält sich meist mürrisch abweisend und einsilbig, wenn sie angesprochen wird, und möchte vom – wie sie es nennt – „Sprech“ am liebsten verschont bleiben.

Dabei ist Johanne durchaus selbstreflektiert und bedenkt ihr Anderssein und ihre kommunikative Phasenverschiebung recht selbstironisch mit folgenden Worten:  „Ein Strickfehler in Johannes Kopf, eine Laufmasche im Hirngespinst sozusagen, eine von vielen.“ (Seite 53)

Am besten versteht sie sich mit Tieren und Pflanzen. Sie lebt sehr zurückgezogen, in einem alten Haus, das sie von ihrer Großmutter geerbt hat, kultiviert selbstversor- gerisch ihren großen Garten, hält eine kleine Schar Hühner und pflegt einen drei- pfotigen Igel, den sie als Unfallopfer auf der Straße gefunden hat. Das wenige Geld, das sie braucht, verdient sie sich mit der polyglotten Übersetzung diverser Spielanleitungen.

Gelegentlich zieht sie nachts los und macht mit Hilfe eines sehr scharfen Jagdmessers – die Klinge besteht aus zweiundreißiglagigem Damaszenerstahl – die Straßen igelsicher und die Autoreifen platt.  

Deshalb ist sie, neben ihren üblichen Ängsten – „schimmelige Haustierangst und grelle Planetenangst“ -, auch entsprechend erschrocken, als zwei Polizisten bei ihr anklopfen. Doch sie erkundigen sich bloß, ob Johanne zufällig ein Kind aus der Nachbarschaft ge- sehen habe. Dieses Kind sei seinen Pflegeeltern weggelaufen und man vermute, daß es sich irgendwo in der Nähe versteckt habe. Davon hat Johanne – bis auf die Suchplakate – nichts mitbekommen, und nachdem die kriminalistische Begutachtung von Johannes Gartenschuppen auch nichts ergeben hat, verabschieden sich die Polizisten wieder.

Johanne hat aber durchaus gemerkt, daß sich in ihrem Schuppen nicht alles am rechten Platz befindet und schaut später noch einmal nach, wobei die das vermißte Mädchen entdeckt. Nach dem ersten Schreck lädt Johanne das Kind einfach zum Mittagessen ein. Erstaunlicherweise funktioniert die Kommunikation in diesem Fall ziemlich reibungslos. Johanne empfindet Brinda nicht als Störenfried, und Brinda weiß die unaufdringliche Fürsorge Johannes zu schätzen.

Juan, der vom Fenster „seines“ Gartenhäuschens schon gelegentlich neugierige Blicke auf Johanne geworfen hat, möchte den Versuch wagen, die spröde Schöne zu verführen. Er pflückt einen Blumenstrauß und klopft an Johannes Tür. Sie ist keineswegs empfäng- lich für seinen Charme, aber sie bietet ihm immerhin einen Brennesseltee an. Langsam wird es voll in Johannes Einsiedlerleben.

Später bringt dann noch ein sympathischer, einarmiger Tierschützer mit dem Internet-spitznamen „Mauersegler“ einige aus einem Tiertransporter befreite Hühner vorbei. Denn Johanne hatte sich zuvor angeboten, diese armen Hühner aufzupäppeln.

Die Situation wird immer komplizierter und verwickelter, indes – so viel darf ich verraten –  löst sich alles passabel auf. Brinda und Petra kommen auf dem Umweg über Johanne zu einer ersten echten Annäherung und Vertrauensbasis, und schließlich wird sogar Brindas Geburtstag in Johannes Garten gefeiert, und es scheint, als keime langsam auch für Johanne ein erfreulicher Zuwachs an möglicher zwischenmenschlicher Nähe und Verbundenheit.

Bei diesem Roman ist die einfühlsame, sehr stimmige Figurenzeichnung besonders her- vorzuheben und zu loben. Dieses lebhafte Panoptikum außergewöhnlicher Charaktere, die ebenso in biografischen Rückblenden wie aktuellen Verhaltensmustern dargestellt werden, transportiert vielfältige Sichtweisen auf das Leben, stellt so manche Selbstver- ständlichkeit in Frage und weitet den Horizont für jene Menschen, deren Daseinsvor-aussetzungen beängstigend, schwierig und verletzlich oder schlicht etwas schräg und seltsam sind.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.westkreuz-verlag.de/de/zwischenzeit

 

Die Autorin:

»Natalie Berghahn, geboren 1966, ist gelernte Kinderkrankenschwester und lebt mit ihrem Sohn und zwei Pflegekindern am Rand von Hamburg. Sie hat ein Faible für Tiere, Gärten und ungewöhnliche Geschichten.«
Hier entlang zu weiteren Informationen rund ums Buch auf Natalie Berghahns Blog: „FUNDEVOGELNEST- GEFUNDENES UND ERFUNDENES“ https://fundevogelnest.wordpress.com/about/

Querverweis:

Johannes kommunikative Blockade hat mich stark an das noch wenig bekannte Phänomen des selektiven Mutismus erinnert. Daher bietet sich ergänzend „Das Mundschloß“ von Simone Dräger an. Dieses Buch ist ein autobiografischer Bericht über das Leben mit selektivem Mutismus, einer Krankheit aus dem Autismusspektrum, die es den Betroffenen sehr schwer macht, in kommunikativen Kontakt zu kommen.
„Wie soll ein Mensch sich weitersagen, wenn die Anwesenheit unvertrauter Menschen oder das Betreten ungewohnter Räume so viel Angst auslösen, daß sich das wahre Selbst ver- schließt, der sprachliche Ausdruck blockiert und der Körper beinahe erstarrt ist, während das Denken krampfhaft darum kreist, irgendwie doch noch passende Worte und soziale Gesten hervorzubringen, ja, schließlich sogar das Denken verschwimmt und nur noch das Überleben eine Rolle spielt? Das ist mehr als „normale“ Schüchternheit, das ist selektiver Mutismus.“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/09/das-mundschloss/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Die Schneemacher

  • Bilderbuch
  • Illustrationen von Renata Liwska
  • Text von Marsha Diane Arnold
  • Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
  • Gerstenberg Verlag   September 2017  www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Format: 20 x 22,5 cm
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 13,30 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5975-9
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

S C H N E E R E Z E P T E

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Es ist Winter und Dachs schaut in sehnsüchtiger Erwartung von Schnee durch sein Fernrohr in den Himmel. Angesichts von Dachsens Ungeduld sagt Igel nur weise: „Es schneit, wenn es so weit ist.“

Damit gibt sich Dachs nicht zufrieden. Er trommelt auf Töpfen und Pfannen herum, um den Himmel aufzuwecken. Doch davon schneit es keineswegs; nur Kaninchen, Wühlmaus und Beutelratte laufen herbei und fragen, weshalb Dachs einen solchen Lärm veranstalte.

Igel erklärt, daß Dachs den Himmel zum Schneien bewegen will. Kaninchen schlägt  vor, Steine in die Wolken zu werfen, damit die Wolken Löcher bekämen, aus denen dann der Schnee fiele. Alle Tiere, außer dem geduldigen Igel, werfen Steine in den Himmel, aber es fallen nur Steine und kein bißchen Schnee.

Wühlmaus erinnert sich an ein Schneerezept ihrer Oma: Man müsse einen besonderen Schneetanz mit guten Freunden tanzen. Gesagt – getan, aber außer der Freude am Tanzen und Blasen an den Füßen zeitigt auch der Schneetanz kein Ergebnis.

Illustration von Renata Liwska © Text von Marsha Diane Arnold © Gerstenberg Verlag 2017

Auch Beutelrattes Rat, die Schlafanzüge falsch herum anzuziehen, um Schnee zu provozieren, bringt keine einzige Schneeflocke hervor. 

Geknickt sitzen die Tiere beieinander, der Igel gemahnt noch einmal weise an die unberechenbare Zuverlässigkeit des Jahreslaufes, und die Tiere finden sich nunmehr einfach damit ab, auf den Schnee zu warten. Sie versüßen sich die Wartezeit mit Spielen und kleinen Nickerchen. Und dann – endlich! – fallen die ersten Schneeflocken …

Illustration von Renata Liwska © Gerstenberg Verlag 2017

Die niedlich gezeichneten, weich konturierten, etwas stofftierig anmutenden Figuren mit ihrer drolligen Mimik und Körpersprache schmiegen sich leicht ans Kinderherz.

Der Text beschreibt in anschaulichen, einfachen Worten die eifrigen Bemühungen der „Schneemacher“. Die lebhaften Dialoge werden durch die ruhigen Erklärungen des Igels entspannt und ausgeglichen.

Ungeduld ist zwar keine Tugend, angesichts von kindlicher Schneesehnsucht jedoch verständlich. Gleichwohl lernen wir aus diesem feinen Bilderbuch, daß sich Schnee nicht machen läßt. Schnee kann – wie so vieles im Dasein – einfach nur geschehen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836959759&highlight=schnee

 

Die Autorin:

»Marsha Diane Arnold, geboren 1948 in den USA, wuchs auf einer kleinen Farm in Kansas auf und wohnt heute in Florida. Sie studierte Literatur und hatte lange Jahre eine Zeitschriftenkolumne, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Kinderbüchern widmete.«

Die Illustratorin:

» Renata Liwska, geboren in Polen, wuchs in Warschau auf und lebt heute in Calgary, Kanada. „Das laute Buch. Das leise Buch“ wurde mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet und stand auf der Liste Die besten 7. 2010 erhielt sie die Goldmedaille der Society of Illustrators.  «

 

Verschneite Querverweise:

Hier entlang zum einem weiteren von Renata Liwska illustrierten Bilderbuch:
Stille Nacht. Ein leises Weihnachtsbuch“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/22/stille-nacht/

Und zu Sebastian Meschenmosers Schneesucher-Bilderbuch:
Herr Eichhorn und der erste Schnee“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

Sowie zu Loek Koopmans‘ tierischer Schneehandschuh-WG:
Ein Märchen im Schnee:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/23/ein-marchen-im-schnee/

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

 

Der rote Faden

  • 2. Oli-Band
  • llustrationen von Eve Tharlet
  • Text von Anne-Gaëlle Balpe
  • Deutsche Textbearbeitung von Bruno Hächler
  • Michael Neugebauer Edition  2014 www.minedition.com
  • 2. Auflage 2016
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 29,3 x 22 cm
  • 32 Seiten
  • 13,95 € (D), 14,40 € (A)
  • ISBN 978-3-86566-185-2
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

GEBEN  UND  NEHMEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eines windigen Tages geht der Wichtel Oli spazieren. Er hält einen roten Wollfaden in der Hand, den er im Vorgängerbilderbuch „Der blaue Stein“  (siehe meine vorherige Besprechung https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/24/der-blaue-stein/ ) gefunden und sorgsam aufbewahrt hat. Im ersten Band zeigte sich Oli als ein kleiner Meister der Intuition, und im zweiten Band ist er ein kleiner Meister der Freigiebigkeit.

Der Wind reißt Oli den Faden aus der Hand und trägt ihn hoch in eine Baumkrone bis in das Nest eines Vogels. Der Vogel bedankt sich bei Oli für das perfekte Nestbaumaterial und schenkt dem Wichtel zwei Federn. Oli freut sich, daß der rote Faden für den Vogel nützlich ist, und geht weiter seines Weges.

Er trifft eine Ameise, die ein Boot braucht, um über den See nach Hause zu gelangen. Kurzerhand bastelt Oli aus den Federn ein Segelboot für die Ameise, die Oli ihrerseits zum Dank drei Samenkörner aus ihrer Sammlung schenkt.

Die Samenkörner verschenkt Oli an einen hungrigen Igel. Der Igel wiederum bietet Oli zum Dank etwas an, das von einem Baum heruntergeflogen ist und sich in seinen Stacheln verfangen hat.

Und das ist … na, schon erraten?

Es ist der rote Faden. Der Igel entschuldigt sich, daß er Oli nur so wenig zum Austausch anbieten könne, doch Oli sagt weise „Es ist viel mehr, als du glaubst…“

Schließlich stellt sich Oli lächelnd in den Wind und läßt den roten Faden wieder fliegen.

Im vorliegenden Bilderbuch wird der sich vervielfältigende Wert des Teilens und Weitergebens mit warmherzigen Illustrationen und einfühlsamen Worten anschaulich und kindgerecht in Szene gesetzt.

Als Nachhilfestunde in Gemeinwohlökonomie für Börsenmakler und Invest- mentbanker wird sich „Der rote Faden“ zwar eher nicht durchsetzen, aber vielleicht verhindert dieses Bilderbuch, daß Kinder Börsenmakler oder Investmentbanker werden wollen. Dann wäre für alle viel gewonnen …

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:   http://www.minedition.com/books/detail/369?country_id=1

Die Autorin:

»Anne-Gaëlle Balpe wurde 1975 geboren und lebt in Paris. Schreiben ist ihre Leidenschaft. Die Bücher, die sie als Kind fasziniert haben, begleiten sie auch heute noch. Mit ihren eigenen Geschichten möchte sie Kindern diese Faszination, die sie selber erlebt hat, weitergeben.«

Die Illustratorin:

»Eve Tharlet ist Kindern und Erwachsenen auf der ganzen Welt von ihren pfiffigen Märchen-Interpretationen und natürlich vom Erfolgskaninchen PAULI her bekannt. 1956 in Frankreich geboren, wuchs sie in Deutschland auf. Sie absolvierte ihre Studien an der Ecole des Arts Décoratifs in Straßburg. Seit 1981 publiziert Eve Tharlet Bücher, für die sie diverse Auszeichnungen erhielt. Die Künstlerin lebt heute in Priziac, Frankreich.«

Querverweis:

Hier entlang zum 1. Oli-Band: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/24/der-blaue-stein/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

  • llustrationen: Marc Boutavant
  • Text: Toon Tellegen
  • Übersetzung aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
  • Carl Hanser Verlag 2015 www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden,  Fadenheftung
  • Format: 19 x 27 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-446-24677-5
  • Kinderbuch ab 6 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 4 Jahren zum Vorlesen
    Tellegen_24677_Umschlag_DruckNEU.indd

MUT  ZUR  WUT

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wut hat viele Gesichter und Ausdrucksformen, einige davon werden in den zwölf Geschichten des Bilderbuches „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ anschaulich vorgeführt.

Da können sich Käfer und Regenwurm nicht darüber einigen, wer von ihnen am wütendsten ist, und geraten darüber so richtig feurig-wetteifernd in Rage. Doch nachdem sie sich ausgetobt haben, können sie sich auch wieder miteinander vertragen.

Die Grille nimmt beim Käfer Nachhilfeunterricht im Wütendsein. Sie lernt den intensiv funkelnden Blick, die passende Mimik und Körperhaltung, aber sie kann sich einfach keine bösen Gedanken ausdenken. Schließlich provoziert der Käfer die Grille, indem er sie und ihr Grillenzirpen als häßlich bezeichnet. Da wird die Grille wirklich wütend und verpaßt dem Käfer eine Ohrfeige, die ihn umwirft. Freundlich hilft die Grille dem Käfer wieder auf, denn ihre bösen Gedanken sind schon wieder verflogen, und sie ist nicht nachtragend. Allerdings ist jetzt der Käfer beleidigt …

Der Elefant ist wütend auf sich selbst, weil er bei seinem Konflikt zwischen Gefühl und Verstand eine schmerzliche Erfahrung – wider besseres Wissen – wiederholt …

Der Igel hingegen wundert sich, daß er das Gefühl der Wut noch nie selbst empfunden hat und es nur aus der Beobachtung anderer Tiere kennt …

Der Klippschliefer ist wütend auf die Sonne, die jeden Abend untergeht und nicht wenigstens einmal für den Klippschliefer eine Ausnahme macht. Doch egal wie sehr er tobt und schimpft: Die Sonne macht, was sie will, und kümmert sich nicht um den Wunsch des Klippschliefers. Ja, wahrscheinlich hört sie ihm noch nicht einmal zu, gleichgültig wie böse er auf sie wird …

Das Eichhörnchen läßt sich von den Unverschämtheiten der wütenden Spitzmaus nicht zu einer Wutreaktion verleiten. Trotz der heftigen Wortattacken und Beleidigungen bleibt es  gelassen, was die Spitzmaus zum enttäuschten Rückzug veranlaßt.

Nilpferd und Nashorn begegnen sich auf einem schmalen Weg, und keines von beiden will ausweichen und den anderen vorbeilassen. Nachdem sie drohend klargestellt haben, daß keines von ihnen nachzugeben bereit ist, setzen sie sich erst einmal hin und schweigen. Dann teilen sie ihren Proviant, schließlich tanzen sie sogar miteinander, und am Abend verabschieden sie sich freundlich und versprechen sich gegenseitig gutgelaunt, einander beim nächsten Treffen auf keinen Fall aus dem Wege zu gehen.

Der Krebs kommt mit einem Musterkoffer voller Wut zur Maus ins Maleratelier und bietet seine Ware an. Die Maus entgegnet, daß sie ganz gut von alleine wütend sein könne, wenn sie das wolle, aber sie läßt sich dennoch das ganze Sortiment zeigen: „leichte, hellrote Wut, runzliger grauer Ärger, grünlicher Zorn und schneeweiße Raserei“.

Ganz unten im Koffer zieht etwas Hellblaues die Aufmerksamkeit der Maus auf sich. Das sei Wehmut, sagt der Krebs, und diese sei eigentlich unverkäuflich. Die Wehmut schaut aus wie ein halbdurchsichtiger Schal, und den wickelt sich die Maus um den kleinen Hals, und schon sagt sie seufzend „Ach…“

Die Ameise erklärt der wütenden Kröte, was sie mit ihrer Wut machen könne. Sie könne die Wut wegpusten, begraben, vergessen, aufessen, ins Meer werfen, sie wegsingen, übermalen, mit ihr tanzen, aber sie könne sie auch hegen und pflegen – doch am besten würfe sie die Wut einfach weg. Also wirft die Kröte die Wut weg, und danach unterhalten sich die beiden über die Zufriedenheit, mit der man nämlich „nie etwas tun müsste.

Die in diesem Kinderbuch versammelten Wutepisoden zeigen, daß Wut (oder sogenannte böse Gefühle und Gedanken) zum Empfindungsspektrum des Daseins gehören. Die vorgestellten Wutszenarien sind nicht todernst, sondern lustig, selbstironisch und leise philosophisch. Die Wut ist keine unausweichliche Naturgewalt, sondern sie ist beherrschbar, dosierbar und sogar verwandelbar.

Die  ausdrucksvollen Zeichnungen von Marc Boutavant geben den Figuren und ihren wechselvollen Gefühlen glaubwürdige Gestalt.

Der Autor Toon Tellegen plaudert nicht alles plakativ aus, sondern deutet an, läßt offen und weckt ein psychologisch-poetisch-philosophisches Nachspürecho, das der Reflexion und Akzeptanz eigener Wuterfahrungen dienlich sein kann. Mit diesem Bilderbuch können Kinder lernen, der eigenen und der fremden Wut mitfühlend zu begegnen und sie etwas schelmischer zu betrachten. Die zwölf Wutgeschichten eignen sich auch als Impuls, um mit Kindern über Wut und Wutanfälle zu sprechen, deren Ursachen zu entdecken und konstruktive Umgangsformen mit der Wut zu finden.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/man-wird-doch-wohl-mal-wuetend-werden-duerfen/978-3-446-24677-5/

 

Der Illustrator:

»Marc Boutavant, 1970 im französischen Dijon geboren, lebt und arbeitet in Paris. Er zählt zu den stilprägenden Illustratoren seiner Generation und ist insbesondere für seine farbenfrohen Werke für Kinder bekannt. Die Geschichten um seinen Bären Mouk und den Esel Ariol wurden beide für das Fernsehen verfilmt. Im Hanser Kinderbuch erschien nach Die große Reise des kleinen Mouk (2008) das von ihm illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen (2015).«

Der Autor:

»Toon Tellegen, am 18.11.1941 in Den Briel, Niederlande geboren, studierte Medizin in Utrecht, arbeitete als Arzt in Kenia und ließ sich als Lyriker in Amsterdam nieder. Heute ist er einer der bekanntesten Schriftsteller der Niederlande. 1997 erhielt er den Theo Thijssenprijs für Literatur, 2004 den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, den Goldenen Griffel bekam er 1988 und 1994, den Silbernen Griffel 1990, 1994, 1997 und 1999. Im Hanser Kinderbuch erschienen sind Josefs Vater (1994), Richtig dicke Freunde (1999) sowie Briefe vom Eichhorn an die Ameise (Hanser 2001). 2015 folgte das von Marc Boutavant illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“.«

Querverweis:

Hier geht es zu einem weiterem Kinderbuch von Toon Tellegen: Ein Garten für den Wal
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/27/ein-garten-fuer-den-wal/

PS:
Da der konstruktive Umgang mit Gefühlen ein wesentlicher Bestandteil  heilsamer kindlicher Herzensbildung ist, reihe ich meine Rezension von „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ gerne bei  Petra Pawlowskys Projekt KINDER IM AUFWIND ein. Die Künstlerin Petra Pawlowsky hat auf ihrer Webseite „da sein im Netz“ https://pawlo.wordpress.com/ das Projekt KINDER IM AUFWIND initiiert:
»Fragt Ihr Euch auch manchmal, wie unsere Kinder all das verkraften, was an Nachrichten auf sie einstürzt?  Wie sie mit dem anspruchsvollem Leistungsdruck, der Hetze im Alltag, den Medien, den stumpfen Blicken vieler Erwachsener um sie herum zurechtkommen? Wie wir ihnen eine Basis geben können, gelassen, selbstsicher und hoffnungsvoll zu leben und in die Zukunft zu schauen? Eben im Aufwind zu bleiben…«

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/18/kinder-im-aufwindchildren-upwind/

Sie lädt weitere Blogger dazu ein, thematisch passende Texte, Bilder, Fotos, Musik, Gemälde, digitale Kunst, Gedichte, Lieder, Zitate usw. per Linkhinweis ergänzend hinzuzufügen. Die bisherigen gesammelten Beitragslinks der anderen aufwindigen Teilnehmer finden sich – thematisch geordnet – hier: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Giesbert in der Regentonne

  • Text und Illustrationen von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus August 2016  www.urachhaus.com
  • 112 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7988-5
  • Kinderbuch ab 5 Jahren
    giesbert-in-der-regentonne-titelbild

W A S S E R T R E U

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers neues Kinderbuch lädt uns in Wort und Bild in ihren eigenen Garten ein. Ob es der echte Garten oder der Garten ihres Herzens ist, kann ich nicht beurteilen, aber es gefällt mir zauberhaft gut darin.

Die Autorin erzählt, wie eines Regentages Giesbert, ihr hauseigener Regenrinnen-Wicht, so heftig durch die Regenrinne ins Regenfaß gespült wird, daß dabei seine Flöte zerbricht. Giesbert ist untröstlich und weint und klagt und jammert und schreit,  bis ihm der alte Holundergeist, der im Holunderstrauch neben der Regentonne wohnt, eine neue Flöte schnitzt. Da kehrt wieder Ruhe ein, und Giesbert spielt überglücklich eine lustige Danke-schön-Melodie für den alten Holundergeist.

giesbert-in-der-regentonne-schnittlauchbrot

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Außer fürs Flötespielen hat der Regentonnen-Wicht eine Vorliebe für selbstgemachte Gedichte, Schnittlauchbrot und Wasserstreiche. Im Kontakt mit den Tieren des Gartens erweist er sich als ebenso hilfsbereit wie verspielt.

 

giesbert-in-der-regentonne-schneckenschub

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Er füttert ein verletztes Rotkehlchen, er veranstaltet ein Schneckenwettkriechen, er hilft einem vergeßlichen Eichhörnchen beim Wiederfinden von Haselnußverstecken, er diszipliniert feuchtfröhlich einen aufdringlichen Waschbären, er ärgert den Kater und verträgt sich wieder mit ihm, er kämpft mit dem verstopften Gartenschlauch, er rettet eine Goldfischdame und begleitet den Quakgesang eines Froschprinzenfroschs mit der Flöte …

Die Heilpflanzengeister (Huflattich und Spitzwegerich) heilen Giesberts Husten, und ein lebenserfahrener Igel hilft ihm, seinen Liebeskummer wegen der unerreichbaren Blumenelfe Gisela zu überwinden.

giesbert-in-der-regentonne-kapuzinerkresse

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Die Menschen unterstützt Giesbert – wie der Name schon andeutet – beim Gießen der Pflanzen, und die Regentonne ist immer gefüllt, auch wenn seit langem kein Regen mehr gefallen ist. So ein Regentonnen-Wicht ist halt nur im Wasser ganz in seinem Element. Allerdings kann er – wenn er sehr wütend wird – jedes Wasser zum Überlaufen bringen. Das kommt jedoch nur selten vor, und er hilft auch reumütig beim Aufwischen, wenn es in der Küche oder im Bad zu kleinen Überschwemmungen kommt. Denn sonst hätte die Autorin Giesbert gewiß nicht dazu eingeladen, den Winter in ihrer häuslichen Badewanne zu verbringen. Während draußen das Wasser in der Regentonne vereist und im Garten die Schneeflocken tanzen und wirbeln, sitzt Giesbert gemütlich am Fenster und dichtet:

»Leise fallen Sterne nieder.
Tausend fallen immer wieder!
Jeder bringt uns einen Traum
aus dem großen Weltenraum.
Tausend Träume – immer wieder –
fallen als Schneeflocken nieder.
Und ein Traum, der ist sicherlich
ganz allein und nur für mich

Daniela Drescher ©
  (Seite 110)

Giesberts heiter-umtriebiges Wesen und Wirken wird in kurzen Kapiteln erzählt, die mit einem Umfang von vier bis acht Seiten eine angenehme Vorleselänge haben. Die zahlreichen märchenhaft-schönen – teilweise ganzseitigen –  Begleitbilder sind eine anregende Augenweide.

Daniela Dreschers aquarellierte Illustrationen sind sehr atmosphärisch und zeugen – in ihrer botanischen sowie zoologischen Stimmigkeit – von sehr tiefer Naturverbundenheit und einer entsprechenden Beobachtungsgabe.

giesbert-in-der-regentonne-garten

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

„Giesbert in der Regentonne“ bietet unbeschwerte, warmherzige Vor- lesekost. In jeder Episode finden sich für Kinder leicht mitzuempfindende Gefühle und Regungen sowie konstruktive Interaktionen und Problem- lösungen.

Der Regentonnen-Wicht, zahlreiche sprechende Tiere und knollennasig-knuffige Pflanzengeister-Wichtel garantieren hier die Verzauberung des Gartenalltags und die Beflügelung der kindlichen Phantasie. Der augenzwinkernd-witzige, sich in die kleinen Nöte und großen Freuden des Regentonnen-Wichts einfühlende Erzählton trägt zusätzlich zur gelungenen Vorlesegeborgenheit bei.

Und ich werde mich nun einmal nach einer Regentonne für meinen Garten umschauen …

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPORBE auf der Verlags-Webseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Giesbert-in-der-Regentonne.html

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durchihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.«
http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Und hier entlang zum zweiten Band mit dem Regenrinnen-Wicht Giesbert: „Giesbert hört das Gras wachsen“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/10/giesbert-hoert-das-gras-wachsen/
Und hier entlang zum dritten Band: „Giesbert und der Gluckerbach“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/08/19/giesbert-und-der-gluckerbach/

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
»Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/