Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen

  • Kinderbuch
  • Illustrationen: Marc Boutavant
  • Text: Toon Tellegen
  • Übersetzung aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
  • Carl Hanser Verlag 2015 www.hanser-literaturverlage.de
  • gebunden,  Fadenheftung
  • Format: 19 x 27 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr.
  • ISBN 978-3-446-24677-5
  • ab 6 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 4 Jahren zum Vorlesen
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MUT  ZUR  WUT

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wut hat viele Gesichter und Ausdrucksformen, einige davon werden in den zwölf Geschichten des Bilderbuches „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ anschaulich vorgeführt.

Da können sich Käfer und Regenwurm nicht darüber einigen, wer von ihnen am wütendsten ist, und geraten darüber so richtig feurig-wetteifernd in Rage. Doch nachdem sie sich ausgetobt haben, können sie sich auch wieder miteinander vertragen.

Die Grille nimmt beim Käfer Nachhilfeunterricht im Wütendsein. Sie lernt den intensiv funkelnden Blick, die passende Mimik und Körperhaltung, aber sie kann sich einfach keine bösen Gedanken ausdenken. Schließlich provoziert der Käfer die Grille, indem er sie und ihr Grillenzirpen als häßlich bezeichnet. Da wird die Grille wirklich wütend und verpaßt dem Käfer eine Ohrfeige, die ihn umwirft. Freundlich hilft die Grille dem Käfer wieder auf, denn ihre bösen Gedanken sind schon wieder verflogen, und sie ist nicht nachtragend. Allerdings ist jetzt der Käfer beleidigt …

Der Elefant ist wütend auf sich selbst, weil er bei seinem Konflikt zwischen Gefühl und Verstand eine schmerzliche Erfahrung – wider besseres Wissen – wiederholt …

Der Igel hingegen wundert sich, daß er das Gefühl der Wut noch nie selbst empfunden hat und es nur aus der Beobachtung anderer Tiere kennt …

Der Klippschliefer ist wütend auf die Sonne, die jeden Abend untergeht und nicht wenigstens einmal für den Klippschliefer eine Ausnahme macht. Doch egal wie sehr er tobt und schimpft: Die Sonne macht, was sie will, und kümmert sich nicht um den Wunsch des Klippschliefers. Ja, wahrscheinlich hört sie ihm noch nicht einmal zu, gleichgültig wie böse er auf sie wird …

Das Eichhörnchen läßt sich von den Unverschämtheiten der wütenden Spitzmaus nicht zu einer Wutreaktion verleiten. Trotz der heftigen Wortattacken und Beleidigungen bleibt es  gelassen, was die Spitzmaus zum enttäuschten Rückzug veranlaßt.

Nilpferd und Nashorn begegnen sich auf einem schmalen Weg, und keines von beiden will ausweichen und den anderen vorbeilassen. Nachdem sie drohend klargestellt haben, daß keines von ihnen nachzugeben bereit ist, setzen sie sich erst einmal hin und schweigen. Dann teilen sie ihren Proviant, schließlich tanzen sie sogar miteinander, und am Abend verabschieden sie sich freundlich und versprechen sich gegenseitig gutgelaunt, einander beim nächsten Treffen auf keinen Fall aus dem Wege zu gehen.

Der Krebs kommt mit einem Musterkoffer voller Wut zur Maus ins Maleratelier und bietet seine Ware an. Die Maus entgegnet, daß sie ganz gut von alleine wütend sein könne, wenn sie das wolle, aber sie läßt sich dennoch das ganze Sortiment zeigen: „leichte, hellrote Wut, runzliger grauer Ärger, grünlicher Zorn und schneeweiße Raserei“.

Ganz unten im Koffer zieht etwas Hellblaues die Aufmerksamkeit der Maus auf sich. Das sei Wehmut, sagt der Krebs, und diese sei eigentlich unverkäuflich. Die Wehmut schaut aus wie ein halbdurchsichtiger Schal, und den wickelt sich die Maus um den kleinen Hals, und schon sagt sie seufzend „Ach…“

Die Ameise erklärt der wütenden Kröte, was sie mit ihrer Wut machen könne. Sie könne die Wut wegpusten, begraben, vergessen, aufessen, ins Meer werfen, sie wegsingen, übermalen, mit ihr tanzen, aber sie könne sie auch hegen und pflegen – doch am besten würfe sie die Wut einfach weg. Also wirft die Kröte die Wut weg, und danach unterhalten sich die beiden über die Zufriedenheit, mit der man nämlich „nie etwas tun müsste.

Die in diesem Kinderbuch versammelten Wutepisoden zeigen, daß Wut (oder sogenannte böse Gefühle und Gedanken) zum Empfindungsspektrum des Daseins gehören. Die vorgestellten Wutszenarien sind nicht todernst, sondern lustig, selbstironisch und leise philosophisch. Die Wut ist keine unausweichliche Naturgewalt, sondern sie ist beherrschbar, dosierbar und sogar verwandelbar.

Die  ausdrucksvollen Zeichnungen von Marc Boutavant geben den Figuren und ihren wechselvollen Gefühlen glaubwürdige Gestalt.

Der Autor Toon Tellegen plaudert nicht alles plakativ aus, sondern deutet an, läßt offen und weckt ein psychologisch-poetisch-philosophisches Nachspürecho, das der Reflexion und Akzeptanz eigener Wuterfahrungen dienlich sein kann. Mit diesem Bilderbuch können Kinder lernen, der eigenen und der fremden Wut mitfühlend zu begegnen und sie etwas schelmischer zu betrachten. Die zwölf Wutgeschichten eignen sich auch als Impuls, um mit Kindern über Wut und Wutanfälle zu sprechen, deren Ursachen zu entdecken und konstruktive Umgangsformen mit der Wut zu finden.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/man-wird-doch-wohl-mal-wuetend-werden-duerfen/978-3-446-24677-5/

 

Der Illustrator:

»Marc Boutavant, 1970 im französischen Dijon geboren, lebt und arbeitet in Paris. Er zählt zu den stilprägenden Illustratoren seiner Generation und ist insbesondere für seine farbenfrohen Werke für Kinder bekannt. Die Geschichten um seinen Bären Mouk und den Esel Ariol wurden beide für das Fernsehen verfilmt. Im Hanser Kinderbuch erschien nach Die große Reise des kleinen Mouk (2008) das von ihm illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen (2015).«

Der Autor:

»Toon Tellegen, am 18.11.1941 in Den Briel, Niederlande geboren, studierte Medizin in Utrecht, arbeitete als Arzt in Kenia und ließ sich als Lyriker in Amsterdam nieder. Heute ist er einer der bekanntesten Schriftsteller der Niederlande. 1997 erhielt er den Theo Thijssenprijs für Literatur, 2004 den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, den Goldenen Griffel bekam er 1988 und 1994, den Silbernen Griffel 1990, 1994, 1997 und 1999. Im Hanser Kinderbuch erschienen sind Josefs Vater (1994), Richtig dicke Freunde (1999) sowie Briefe vom Eichhorn an die Ameise (Hanser 2001). 2015 folgte das von Marc Boutavant illustrierte Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“.«

Querverweis:

Hier geht es zu einem weiterem Kinderbuch von Toon Tellegen: Ein Garten für den Wal
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/03/27/ein-garten-fuer-den-wal/

PS:
Da der konstruktive Umgang mit Gefühlen ein wesentlicher Bestandteil  heilsamer kindlicher Herzensbildung ist, reihe ich meine Rezension von „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ gerne bei  Petra Pawlowskys Projekt KINDER IM AUFWIND ein. Die Künstlerin Petra Pawlowsky hat auf ihrer Webseite „da sein im Netz“ https://pawlo.wordpress.com/ das Projekt KINDER IM AUFWIND initiiert:
»Fragt Ihr Euch auch manchmal, wie unsere Kinder all das verkraften, was an Nachrichten auf sie einstürzt?  Wie sie mit dem anspruchsvollem Leistungsdruck, der Hetze im Alltag, den Medien, den stumpfen Blicken vieler Erwachsener um sie herum zurechtkommen? Wie wir ihnen eine Basis geben können, gelassen, selbstsicher und hoffnungsvoll zu leben und in die Zukunft zu schauen? Eben im Aufwind zu bleiben…«

https://pawlo.wordpress.com/2016/08/18/kinder-im-aufwindchildren-upwind/

Sie lädt weitere Blogger dazu ein, thematisch passende Texte, Bilder, Fotos, Musik, Gemälde, digitale Kunst, Gedichte, Lieder, Zitate usw. per Linkhinweis ergänzend hinzuzufügen. Die bisherigen gesammelten Beitragslinks der anderen aufwindigen Teilnehmer finden sich – thematisch geordnet – hier: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

Giesbert in der Regentonne

  • Text und Illustrationen von Daniela Drescher
  • Kinderbuch
  • Verlag Urachhaus August 2016  www.urachhaus.com
  • 112 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7988-5
  • ab 5 Jahren
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W A S S E R T R E U

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers neues Kinderbuch lädt uns in Wort und Bild in ihren eigenen Garten ein. Ob es der echte Garten oder der Garten ihres Herzens ist, kann ich nicht beurteilen, aber es gefällt mir zauberhaft gut darin.

Die Autorin erzählt, wie eines Regentages Giesbert, ihr hauseigener Regenrinnen-Wicht, so heftig durch die Regenrinne ins Regenfaß gespült wird, daß dabei seine Flöte zerbricht. Giesbert ist untröstlich und weint und klagt und jammert und schreit,  bis ihm der alte Holundergeist, der im Holunderstrauch neben der Regentonne wohnt, eine neue Flöte schnitzt. Da kehrt wieder Ruhe ein, und Giesbert spielt überglücklich eine lustige Danke-schön-Melodie für den alten Holundergeist.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Außer fürs Flötespielen hat der Regentonnen-Wicht eine Vorliebe für selbstgemachte Gedichte, Schnittlauchbrot und Wasserstreiche. Im Kontakt mit den Tieren des Gartens erweist er sich als ebenso hilfsbereit wie verspielt.

 

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Er füttert ein verletztes Rotkehlchen, er veranstaltet ein Schneckenwettkriechen, er hilft einem vergeßlichen Eichhörnchen beim Wiederfinden von Haselnußverstecken, er diszipliniert feuchtfröhlich einen aufdringlichen Waschbären, er ärgert den Kater und verträgt sich wieder mit ihm, er kämpft mit dem verstopften Gartenschlauch, er rettet eine Goldfischdame und begleitet den Quakgesang eines Froschprinzenfroschs mit der Flöte …

Die Heilpflanzengeister (Huflattich und Spitzwegerich) heilen Giesberts Husten, und ein lebenserfahrener Igel hilft ihm, seinen Liebeskummer wegen der unerreichbaren Blumenelfe Gisela zu überwinden.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Die Menschen unterstützt Giesbert – wie der Name schon andeutet – beim Gießen der Pflanzen, und die Regentonne ist immer gefüllt, auch wenn seit langem kein Regen mehr gefallen ist. So ein Regentonnen-Wicht ist halt nur im Wasser ganz in seinem Element. Allerdings kann er – wenn er sehr wütend wird – jedes Wasser zum Überlaufen bringen. Das kommt jedoch nur selten vor, und er hilft auch reumütig beim Aufwischen, wenn es in der Küche oder im Bad zu kleinen Überschwemmungen kommt. Denn sonst hätte die Autorin Giesbert gewiß nicht dazu eingeladen, den Winter in ihrer häuslichen Badewanne zu verbringen. Während draußen das Wasser in der Regentonne vereist und im Garten die Schneeflocken tanzen und wirbeln, sitzt Giesbert gemütlich am Fenster und dichtet:

»Leise fallen Sterne nieder.
Tausend fallen immer wieder!
Jeder bringt uns einen Traum
aus dem großen Weltenraum.
Tausend Träume – immer wieder –
fallen als Schneeflocken nieder.
Und ein Traum, der ist sicherlich
ganz allein und nur für mich

Daniela Drescher ©
  (Seite 110)

Giesberts heiter-umtriebiges Wesen und Wirken wird in kurzen Kapiteln erzählt, die mit einem Umfang von vier bis acht Seiten eine angenehme Vorleselänge haben. Die zahlreichen märchenhaft-schönen – teilweise ganzseitigen –  Begleitbilder sind eine anregende Augenweide.

Daniela Dreschers aquarellierte Illustrationen sind sehr atmosphärisch und zeugen – in ihrer botanischen sowie zoologischen Stimmigkeit – von sehr tiefer Naturverbundenheit und einer entsprechenden Beobachtungsgabe.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

„Giesbert in der Regentonne“ bietet unbeschwerte, warmherzige Vorlesekost. In jeder Episode finden sich für Kinder leicht mitzuempfindende Gefühle und Regungen sowie konstruktive Interaktionen und Problemlösungen.

Der Regentonnen-Wicht, zahlreiche sprechende Tiere und knollennasig-knuffige Pflanzengeister-Wichtel garantieren hier die Verzauberung des Gartenalltags und die Beflügelung der kindlichen Phantasie. Der augenzwinkernd-witzige, sich in die kleinen Nöte und großen Freuden des Regentonnen-Wichts einfühlende Erzählton trägt zusätzlich zur gelungenen Vorlesegeborgenheit bei.

Und ich werde mich nun einmal nach einer Regentonne für meinen Garten umschauen …

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlags-Webseite:
http://trapped.geistesleben.de/buecher/9783825179885/giesbert-in-der-regentonne

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durchihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.«
http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
»Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.«

Herr Eichhorn und der Besucher vom blauen Planeten

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sebastian Meschenmoser
  • Esslinger Verlag 2012                       http://www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden, Fadenheftung, Querformat 17 x 22 cm
  • 62 Seiten
  • ISBN 978-3-480-22883-6
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 14,90 sFr.
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn und der Besucher

U N B E K A N N T E    F L U G O B J E K T E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im vierten Herr-Eichhorn-Band entwischen zwei leuchtend blaue Wellensittiche aus einer Orangerie und fliegen in den Wald. So kommt es, daß der Bär morgens aufwacht und ein unbekanntes und unheimlich-blaues Wesen auf seinem Kopf vorfindet. Der Bär flieht vorsichtshalber, aber das blaue Wesen verfolgt ihn beharrlich, und er kann es nur mit Mühe abhängen.

Der Bär sucht Rat bei Herrn Eichhorn, und sogleich geht die Eichhörnchenphantasie mit ihm durch: Das unbekannte Wesen kann nur von einem anderen Planeten stammen, wahrscheinlich ist es nicht allein gekommen, vielleicht würden sie den Bären entführen und in schreckliche „intergalaktische Schwierigkeiten“ bringen usw.

In Herrn Eichhorns Vorstellungen, die uns auf einigen ganz in schwarz-weiß gehaltenen Bilderbuchseiten präsentiert werden, wimmelt es von amüsanten Anspielungen auf bekannte Science-Fiction-Ikonen. Diese werden zwar wohl hauptsächlich von erwachsenen Lesern erkannt und zugeordnet werden können, aber das beeinträchtigt für kindliche Betrachter nicht das Verständnis der Geschichte.

Herr Eichhorn hat eine tollkühne Idee, um die Außerirdischen in die Irre zu führen. „Dazu musste der Bär sich einfach als Baum verkleiden und einen Baum als Bären.“

Gesagt getan – und schon liegen Herr Eichhorn, der getarnte Bär und der Igel auf der Lauer, um die Außerirdischen bei der Entführung des gefälschten Bären zu beobachten. Doch die unbekannten blauen Flugsubjekte lassen sich nicht täuschen.

Nun beschließen die drei Freunde, das Raumschiff zu suchen und zu verstecken. Sie finden auch wirklich ein unbekanntes, sehr blaues Objekt und tarnen es mit allerlei Grünzeug. Das angebliche Raumschiff ist das blaue Zelt eines Menschen, der im Wald campiert. Im Umfeld des Zeltes treffen wir übrigens auf alte Bekannte aus dem zweiten Band: Zahnbürste, Blechdose und Socken (siehe: „Herr Eichhorn und der erste Schnee“).

Doch die Außerirdischen durchschauen jeden Trick und geben ihre Bärenverfolgung nicht auf.

Voller Panik vor dem Unbekannten fliehen die Tiere auf einen Berg, wo der weise Bock wohnt. Auch dorthin folgen ihnen die blauen Wesen getreulich und zutraulich, und schließlich erkennen Herr Eichhorn, der Bär und die versammelten geflohenen Waldtiere, daß diese blauen Außerirdischen gar keine bösen Absichten haben. Die fremden blauen Wesen hatten bloß ihre Eier auf den Kopf des Bären gelegt und wollten sie dort ausbrüten.

Endlich können sich alle Tiere entspannt zurücklehnen und sich mit den komischen Vögeln anfreunden.

Die Illustrationen sowie der Erzähltext spiegeln einen warmherzigen Blick auf die Tiercharaktere und ihre „menschlichen“ Schwächen. Die heitere Auflösung der vorurteilsbeladenen Angst vor dem Fremdartigen führt zu einem angenehm lehrreichen Schluß.

Sebastian Meschenmoser ist seinem faszinierenden, naturbelassen-künstlerischen Zeichenstil treugeblieben. Besonders beeindruckend sind die Fell- und Gefiederzeichnung und die Wiedergabe der körpersprachlichen Gefühlsregungen der dargestellten Tiere. Der mimische und gestische Ausdruck ist humorvoll und lebhaft, und die Pflanzenwelt grünt und blüht gar sommerlich.

Alle fünf Herr-Eichhorn-Bilderbücher sprechen gleichermaßen zum kindlichen wie zum erwachsenen Betrachter und Leser. Für mich ist es ein Kennzeichen besonders guter Kinderbücher, daß sie über mehrere geistige „Abholebenen“ verfügen. Sebastian Meschenmoser ist dies mit allen vier Bänden herausragend gelungen. Ich lege sie Ihnen allerwärmstens ans Herz!

 

Der Illustrator und Autor:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz. Mit „Fliegen lernen“ hat er 2005 bei Esslinger seinen Erstling veröffentlicht. Dieses ganz besondere Buch hat in den Medien und in der Buchbranche viel Beachtung gefunden. Die Illustrationen daraus wurden auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna als eine der innovativsten Neuerscheinungen präsentiert. 2006 erschien mit „Herr Eichhorn und der Mond“ das zweite Buch von Sebastian Meschenmoser, das ebenfalls große Begeisterung auslöste und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Sparte Bilderbuch, nominiert wurde.«

PS
Hier folgt der Link zum ersten Band von Herrn Eichhorn:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

und zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

sowie zum dritten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weiss-den-weg-zum-gluck/

und zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-konig-des-waldes/

Herr Eichhorn weiß den Weg zum Glück

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sebastian Meschenmoser
  • Esslinger Verlag 2009
  • Neuauflage August 2014               http://www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Hochformat 221mm x 286 mm
  • 64 Seiten
  • ISBN 978-3-480-22544-6
  • 14,99 €
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn weiß den Weg zum Glück

R O M A N T I S C H E     N A C H H I L F E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im dritten Herrn-Eichhorn-Bilderbuch werden Herr Eichhorn und seine beiden Freunde, Igel und Bär, vom Frühling aus dem Winterschlaf geweckt, in den sie zum Ende des zweiten Bandes gefallen waren. Die Welt ist frisch und farbenfroh, und die Illustrationen von Sebastian Meschenmoser sind, der Jahreszeit gemäß, wesentlich bunter als in den Vorgängerbänden.

Während sich Herr Eichhorn und der Bär erst einmal ein ausgiebiges „Frühlingsfrühstück“ einverleiben, hat der Igel gar keinen Hunger, denn er hat am Ufer des Waldteiches eine „wunderschöne Igelin“ gesehen und sich schüchtern wieder zurückgezogen. Nun hat er rosarote Schmetterlinge im Bauch und sucht Rat und Tat bei Herrn Eichhorn.

Hilfsbereit erklärt dieser dem Igel, daß man sich natürlich Ruhm und Ehre durch mutige Heldentaten verdienen muß, um in den Status romantischer Unwiderstehlichkeit zu gelangen. Als erstes probiert Herr Eichhorn verschiedene heldenmäßige „Verkleidungen“ für sich und den Igel aus; schließlich müssen sie ja möglichst gefährlich aussehen, wenn sie „gefährliche Zweikämpfe“ ausfechten wollen.

Nachdem die beiden kleinen Helden eine passende, wilde und reißzahnige „Rüstung“ angelegt haben, suchen sie vergeblich nach einem Gegner. Einige Mäuse, Singvögel und Kaninchen fliehen zwar vor ihnen, aber sie stellen sich nicht dem Kampf.

Inzwischen wundert sich der Bär, wo denn Herr Eichhorn und der Igel geblieben sind. Er stellt sich auf die Hinterbeine und schaut sich nachdenklich-suchend um. Er bemerkt gar nicht, daß ihn die beiden „angreifen“, an ihm ziehen, zerren und zupfen, um ihn zu Boden zu ringen. Da er sie nicht findet, beschließt er, ein Verdauungsschläfchen zu machen, und er legt sich gemütlich nieder. Herr Eichhorn und der Igel meinen daraufhin, sie hätten den Bären besiegt.

Nun sind sie wahre Helden, und der Igel kann sich tapfer der Igelin nähern und ihr ein paar verführerische Blumen überreichen. Indes entpuppt sich die Igelin bei näherem Anschauen als etwas ganz anderes als erwartet…

Geknickt sitzt der Igel auf einem Stein am Teichufer, und Herr Eichhorn hat tröstend einen Arm um ihn gelegt. Da kommt eine Ente vorbei und weiß zu berichten, daß auch sie schon einmal auf eine Liebesillusion hereingefallen sei. Doch was soll‘s, der Frühling ist noch lange nicht vorbei.

Auch im dritten Abenteuer von Herrn Eichhorn gibt es seitenweise Bilderpassagen, die ganz selbstverständlich ohne Worte auskommen. Neben den Hauptfiguren wimmelt es von kleinem Nebengetier (Bienen, Schmetterlinge, Käfer, Schnirkelschnecken, Mäuse, Frösche, Feuersalamander, Libellen und Vögel), das wegen des naturbelassenen Zeichenstils teilweise so gut getarnt ist, daß man es erst nach und nach entdeckt.

Herrn Eichhorns Nahrungsaufnahme am „Unterholzbüfett“ ist von köstlicher Bewegungsdynamik, die verschiedenen Heldenkostümanproben sind einfach findig, der Scheinkampf mit dem großen, großen Bären und den kleinen, kleinen Helden ist zum Schmunzeln, und die ganzheitliche Körpersprache der Tiere ist zum Verlieben schön und lebendig.

Sebastian Meschenmosers Zeichenkunst und seinen spielerischen Ideenreichtum kann ich nur immer wieder bewundern und natürlich weiterempfehlen.

Der Illustrator und Autor:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz. Mit „Fliegen lernen“ hat er 2005 bei Esslinger seinen Erstling veröffentlicht. Dieses ganz besondere Buch hat in den Medien und in der Buchbranche viel Beachtung gefunden. Die Illustrationen daraus wurden auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna als eine der innovativsten Neuerscheinungen präsentiert. 2006 erschien mit „Herr Eichhorn und der Mond“ das zweite Buch von Sebastian Meschenmoser, das ebenfalls große Begeisterung auslöste und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Sparte Bilderbuch, nominiert wurde.«

PS
Anbei der Link zum ersten Band von Herrn Eichhorn:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

und zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

und zum vierten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/

und zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-konig-des-waldes/

Herr Eichhorn und der erste Schnee

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sebastian Meschenmoser
  • Esslinger Verlag 2007                       http://www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden, Fadenheftung, Hochformat 22 x 17 cm
  • 64 Seiten
  • ISBN 978-3-480-22359-6
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 14,90 sFr.
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn und der erste Schnee

S C H N E E J Ä G E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nach dem glücklich überstandenen Monddrama des ersten Herrn-Eichhorn-Bilderbuches geht es im zweiten Band um den ersten Schnee. Nachdem der Bock Herrn Eichhorn von der Schönheit des Schnees und der Schneeflocken vorgeschwärmt hat, beschließt Herr Eichhorn, seinen Winterschlaf so lange aufzuschieben, bis er wenigstens den ersten Schnee zu sehen bekommt.

Doch das Warten auf die ersten Schneeflocken wird ganz schön lang, und die Müdigkeit „übereichhörnt“ ihn immer wieder. Da hilft nur „Bewegung an der frischen Luft“, sagt sich Herr Eichhorn und wuselt und kapriolt dermaßen wortwörtlich springlebendig um seinen Schlafbaum herum, daß einem beim Bilderbuchanschauen ganz schwindelig wird.

Der Igel wird von Herrn Eichhorns Bewegungsdrang aufgestört und von der Sehnsucht, die erste Schneeflocke zu sehen, angesteckt. Allerdings ist der Igel nicht so bewegungswillig, und so singen die beiden Schneejäger „raue Seemannsweisen“, um wach und munter zu bleiben.

Bei diesem Eichhörnchen-Igel-Duett findet der Bär wahrlich keinen Winterschlaf, und so regt er an, daß sie zu dritt nach der ersten Schneeflocke suchen sollen. Es könnte doch möglich sein, daß sie unbemerkt schon längst irgendwo im Wald herumliegt.

Nun machen sich die Drei auf die Suche. Der Bock hatte den Schnee als „weiß und nass und kalt und weich“ beschrieben.
Der Igel findet eine weiße Zahnbürste, Herr Eichhorn findet eine geöffnete Weißblechdose, doch nur der Bär findet ein Objekt, das alle vier Suchkriterien des Schneesteckbriefes erfüllt: eine weiße, nasse, kalte und WEICHE Socke.

Bär, Igel und Eichhörnchen sitzen staunend im Kreis um die Socke herum, und sie kippen fast um vor Müdigkeit, da fällt eine echte Schneeflocke vom Himmel. Hellwach und begreifend schauen die Tiere auf und bewundern den ersten Schneefall. Sie bauen einen Schneemann und ziehen sich dann zum gemeinsamen Winterschlaf in die Bärenhöhle zurück.

Auf dem hinteren Vorsatzblatt sehen wir dann noch, daß die Tiere den Schneemann mit den falschen Schneeflocken-Fundstücken gekonnt garniert haben – zum Erstaunen zweier Holzfäller, die gerade des Weges kommen, und zum Schmunzeln des Lesers bzw. Betrachters.

Es ist bemerkenswert, daß dieses Bilderbuch seitenweise ganz ohne Text auskommt, die Illustrationen von Sebastian Meschenmoser sprechen einfach für sich selbst – das ist eine hohe Kunst. Natürlich wird die Geschichte auch mit Worten erzählt, aber mit Worten geht Herr Meschenmoser emotional stimmig sowie auf das Wesentliche konzentriert um.

Die textfreien Seiten eröffnen beim Vorlesen anregende Spielräume für die kindliche Äußerung eigener Beobachtungen und Vermutungen über den weiteren Verlauf der Geschichte. Dies dürfte die Anteilnahme der Kinder am Schicksal von Herrn Eichhorn und Co wesentlich erhöhen.

Meine Lieblingsszenen sind die Bilderfolgen, in denen Herr Eichhorn und der Igel immer wieder fast einschlafen; das ist so überzeugend, warmherzig und humorvoll gezeichnet, daß ich mich daran gar nicht sattsehen kann.

Eine weitere Besonderheit aller Herr-Eichhorn-Bände ist, daß die Vorsatzblätter in die jeweilige Geschichte mit einbezogen werden. Die Vorsatzblätter sind die Doppelseiten am Anfang und am Ende eines Buches, die den Buchblock (also alle Buchseiten) mit dem Buchumschlag verbinden. Herr Meschenmoser nutzt das vordere Vorsatzblatt für eine erste, wortlose, rein zeichnerische Einstimmung in die Geschichte und das hintere Vorsatzblatt für eine letzte – wortlose – Pointe.

Der Illustrator und Autor:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz. Mit „Fliegen lernen“ hat er 2005 bei Esslinger seinen Erstling veröffentlicht. Dieses ganz besondere Buch hat in den Medien und in der Buchbranche viel Beachtung gefunden. Die Illustrationen daraus wurden auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna als eine der innovativsten Neuerscheinungen präsentiert. 2006 erschien mit „Herr Eichhorn und der Mond“ das zweite Buch von Sebastian Meschenmoser, das ebenfalls große Begeisterung auslöste und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Sparte Bilderbuch, nominiert wurde.«

PS:
Hier folgt der Link zur Besprechung des ersten Bandes vom Herrn Eichhorn:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/

und zum dritten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weiss-den-weg-zum-gluck/

und zum vierten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/

und zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-konig-des-waldes/

 

 

Herr Eichhorn und der Mond

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sebastian Meschenmoser
  • Esslinger Verlag 2007                       http://www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Querformat 17 x 22 cm
  • 48 Seiten
  • ISBN 978-3-480-22231-5
  • 9,95 € (D), 10.30 € (A), 14,90 sFr.
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn und der Mond

M O N D T H E A T E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Herr-Eichhorn-Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser bieten überaus ansprechendes, köstlich-augenzwinkerndes Bilderbuchtheater für kleine und für große Leser bzw. Vorleser. „Herr Eichhorn und der Mond“ ist der erste Band einer Reihe von fünf Bilderbüchern mit dem putzigen Herrn Eichhorn, der von seinem Illustrator in einer – zum Niederknien – drolligen und zugleich natürlichen Art und Weise dargestellt wird.

Ein großer gelber Käseleib rutscht von einem Lieferwagen herunter und rollt die Alm hinab. Er „fliegt“ über einen Felsvorsprung und landet im darunterliegenden Wald – ausgerechnet auf einem Ast vor Herrn Eichhorns Baumhöhle. Herr Eichhorn schaut verschlafen auf das große runde Gelb und denkt, es sei der Mond.

Seine Verwunderung über den ungebetenen Mondbesuch wandelt sich in Sorge, daß man ihn des Monddiebstahls verdächtigen könnte, und schon malt sich Herr Eichhorn in düsteren Farben aus, wie er unschuldig im Gefängnis hockt und den schönen Mond nur noch durch Gitterstäbe betrachten kann.

Da hilft nur eines: Er muß den Mond unauffällig loswerden. Herr Eichhorn strengt sich deshalb mächtig an, den Mond wegzurollen, und schließlich bricht der Ast unter dem Gewicht des Mondes durch, und der gelbe Störenfried folgt der Schwerkraft.

Doch der Käsemond landet nicht auf dem Boden, sondern auf dem Rücken eines Igels. Herr Eichhorn und der Igel mühen sich vergeblich ab, um den Mond vom Igel zu trennen. Dabei werden sie von einem Bock beobachtet, der kurzentschlossen mit seinen Hörnern den Mond aufspießt. Im darauffolgenden Bock-Mond-Igel-Eichhörnchen-Gewühle rennt der Bock vor einen Baum und bleibt mit den Hörnern im Baumstamm stecken. Nun stecken alle, außer Herrn Eichhorn, fest. Herr Eichhorn hält Nachtwache und fragt sich, ob man den Mond wohl wieder reparieren könne.

Nach einer Weile kommt eine Schar Mäuse, die den Mond weitgehend abnagen und somit Bock und Igel befreien. Während die Mäuse mit dicken Bäuchlein ein kollektives Verdauungsschläfchen halten, rauft sich Herr Eichhorn verzweifelt sein Fell. Vom vollen Mond ist nur noch ein sichelförmiges Randstück erhalten geblieben, und Herr Eichhorn sieht sich schon mit Bock, Igel und Mäuseschar in einer Gefängniszelle hocken, und durch die Gitterstäbe fällt kein Fünkchen Mondlicht mehr…

Doch mit vereinten Kräften gelingt es den beteiligten Tieren, den Mond wieder in den Himmel zu schleudern. Andächtig schauen sie sich den himmlischen Sichelmond an, und Herr Eichhorn ist ganz zuversichtlich, daß sich der Mond bald wieder runden wird.

Herr Eichhorn und die anderen Tiere werden von Sebastian Meschenmoser wunderbar naturbelassen und mit ausdrucksvollem Gestus und „sprechender“, gefühlvoller Mimik gezeichnet. Die Farbgebung seiner Bilder ist nicht farbenfroh, sondern sehr dezent. Die Hauptattraktion seiner Zeichnungen ist nicht Farbe, sondern der Eindruck der lebendigen Bewegung und Körperlichkeit der dargestellten Tiere. Sebastian Meschenmoser muß ein sehr feiner und genauer Naturbetrachter sein.

Die Doppelseiten, auf denen Herr Eichhorn sich und seine tierischen Genossen zusammen mit einem Menschen in einer Gefängniszelle eingeschlossen sieht, sind ganz in Schwarzweiß gehalten. Damit grenzt der Autor und Zeichner die Szenen, die nur in Herrn Eichhorns Vorstellung stattfinden, von den wirklichen Szenen in der freien Natur ab.

In Sebastian Meschenmosers Bilderbuch gibt es mehrere Perspektivebenen: der natürliche Lebensraum des Waldes, die Vorstellungen und Ideen von Herrn Eichhorn, und ganz am Rande bzw. in der Kulisse und als Requisitengeber erscheinen Menschen, die jedoch vollkommen ahnungslos bei den Abenteuern der Tiere mitwirken.

 

Der Illustrator und Autor:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz. Mit „Fliegen lernen“ hat er 2005 bei Esslinger seinen Erstling veröffentlicht. Dieses ganz besondere Buch hat in den Medien und in der Buchbranche viel Beachtung gefunden. Die Illustrationen daraus wurden auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna als eine der innovativsten Neuerscheinungen präsentiert. 2006 erschien mit „Herr Eichhorn und der Mond“ das zweite Buch von Sebastian Meschenmoser, das ebenfalls große Begeisterung auslöste und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Sparte Bilderbuch, nominiert wurde.«

PS
Hier folgt der Link zur Besprechung des zweiten Bandes vom Herrn Eichhorn:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/

und zum dritten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weiss-den-weg-zum-gluck/

und zum vierten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/

und zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-konig-des-waldes/