Der kleine Siebenschläfer Eine Schnuffeldecke voller Gutenachtgeschichten

  • Text von Sabine Bohlmann
  • Illustrationen von Kerstin Schoene
  • 19 Gutenachtgeschichten
  • Thienemann Verlag, Juli 2019  www.thienemann.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17,3 cm x 24,5 cm
  • 128 Seiten
  • 12,00 € (D), 12,40 € (A), 17,90  sFr.
  • ISBN 978-3-522-18533-2
  • Vorlesebuch ab 4 Jahren

MUNTERE  GUTENACHTGESCHICHTEN

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine Siebenschläfer, der titelgebende kleine Held einer ebenso beliebten wie possierlichen Bilderbuchreihe von Sabine Bohlmann (Text) und Kerstin Schoene (Illustration), dürfte inzwischen kinderzimmerweltweit bekannt sein. Falls Sie ihn noch nicht kennen, wird es höchste Zeit.

Das vorliegende Buch ist diesmal kein Bilderbuch, sondern eine Sammlung von neun- zehn Gutenachtgeschichten. Es gibt also mehr Vorlesestoff als bei den Bilderbuch- ausgaben, gleichwohl aber auch zahlreiche Begleitillustrationen.

Der kleine Siebenschläfer erwartet ungeduldig die Ankunft der Haselmaus. Vorfreudig bereitet er für sich und seinen besten Freund ein kuscheliges Schlafnest  vor und quen-gelt gegenüber seiner Mutter herum, warum die Sonne ausgerechnet heute sooo langsam unterginge. Endlich kommt die Haselmaus an, und nach Absolvierung einiger unerläßlicher haselmäusiger Zubettgeh-Rituale fehlt  der Haselmaus zum Einschlafen nur noch eines: eine Gutenachtgeschichte.

Doch der kleine Siebenschläfer weiß noch nicht einmal eine einzige klitzekleine Gute-nachtgeschichte. Also macht er sich tapfer auf den Weg, für die schlaflose kleine Haselmaus eine Gutenachtgeschichte zu finden.

Im nächtlichen Wald trifft er viele Tiere. Einige kennt er schon, andere lernt er kennen; er unterhält sich mit ihnen, hilft ihnen und bekommt umgekehrt auch von den Tieren Hilfe, z.B. als er sich verirrt hat und ihm die Pfötchen vom vielen Laufen wehtun. Doch egal, welches Tier er bei diesen Begegnungen nach einer Gutenachtgeschichte fragt: Keines hat eine Gutenachtgeschichte auf Lager – weder der Frosch noch die Fledermaus, auch die Nachtigall nicht und der Igel, der Fuchs, der Biber, der Maulwurf, die Spinne, der Specht, die Schildkröte, der Wolf oder die Eule …

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2019

So kehrt der kleine Siebenschläfer schließlich müde zurück und berichtet der Hasel- maus, daß er leider keine Gutenachtgeschichte gefunden habe. Die Haselmaus fragt ihn, was er denn unterwegs erlebt habe, und da merkt der kleine Siebenschläfer plötzlich ganz be-glückt, daß er eine ganze Menge kleiner erzählenswerter Geschichten gefunden hat. Und so beginnt der kleine Siebenschläfer, der Haselmaus eine Geschichte nach der anderen zu erzählen.

Sabine Bohlmanns Text ist einfühlsam und sehr warmherzig. Thematisch kreisen die Geschichten um die Themen Freundschaft und Zuneigung, Hilfsbereitschaft und Mitge-fühl, Toleranz und Perspektivwechsel, Individualität und Gemeinschaft. Der Seitenum- fang liegt, bei großzügiger Schriftgröße, zwischen sechs und zehn Seiten, wobei diese durch ganz- und halbseitige Illustrationen aufgelockert werden.

Der amüsante Sprachwitz der Autorin, beispielsweise in der Geschichte vom verliebten Frosch, der immer die Buchstaben verdreht und „suzammen“ mit der „schunderwöhnen Kröte Gliefen gänft“, erheitert große Vorleser ebenso wie kleine Zuhörer. Phantasie- volle Details, wie beispielsweise die flotte Ameisenflüsterpost, bieten weitere schöne i-Tüpfelchen fürs Kinderherz.

Die knuffig-naturalistischen Illustrationen von Kerstin Schoene spiegeln die heitere Warmherzigkeit und ausdrückliche Zärtlichkeit der siebenschläfrigen Gutenacht- geschichten harmonisch wider.

Als märchenhafte Gestaltungszugabe sind auf dem Buchdeckel der Titelschriftzug und der abgebildete Vollmond nebst Sternen mit einer Nachtleuchtfarbe überzogen, so daß das Buch im Dunkeln sanft aufleuchtet.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der  Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/der-kleine-siebenschlaefer-eine-schnuffeldecke-voller-gutenachtgeschichten-isbn-978-3-522-18533-2/

Illustration von Kerstin Schoene © Thienemann Verlag 2019

Hier entlang zu den vorhergehenden siebenschläfrigen Bilderbüchern:

Band 1: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/12/02/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-einschlafen-konnte/
Band 2: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht aufwachen wollte
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/09/24/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-nicht-aufwachen-wollte/
Band 3: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der seine Schnuffeldecke nicht hergeben wollte  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/09/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-seine-schnuffeldecke-nicht-hergeben-wollte/
Band 4: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/08/12/die-geschichte-vom-kleinen-siebenschlaefer-der-den-ganzen-tag-lang-grummelig-war/

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben.
Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nacht-zeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.« www.sabinebohlmann.com

Die Illustratorin:

»Kerstin Schoene, geboren 1981 in Haan, studierte Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal. Schwerpunkt ihres Studiums war Illustration bei Wolf Erlbruch. Seit ihrem erfolgreichen Abschluss arbeitet sie freiberuflich als Illustratorin und Grafikdesignerin. Sie zeichnet für verschiedene Verlage, schreibt und illustriert eigene Kinderbücher. Sie lebt, unter Beobachtung eines Fellknäuels, in Haan.«  www.kerstinschoene.de

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Penguin Bloom

  • Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete
  • von Cameron Bloom und Bradley Trevor Greive
  • FOTOBUCH
  • Aus dem australischen Englisch von Ralf Pannowitsch
  • Originaltitel:»Penguin Bloom – The odd little bird who saved a family«
  • KNAUS Verlag  Februar 2017   http://www.knaus-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 20 x 18 cm
  • 208 Seiten
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr.
  • ISBN: 978-3-8135-0761-4

H O F F N U N G S F E D E R F L A U M

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Es kann einem das Leben retten, einem kleinen Vogel das Leben zu retten. Diese beflügelnde Erfahrung machten der australische Fotograf Cameron Bloom und seine Frau Sam, nachdem ein tragischer Unfall ihr Leben erschüttert hatte.

Cameron und Sam Bloom bereisten stets gerne und auf touristisch unausgetretenen Pfaden ferne Länder und Kulturen. Sie waren in Marokko, Mali, Mauretanien, Burkina Faso, Ghana, Togo, Botswana und Äthopien sowie in einigen Ländern des Nahen Ostens, die heutzutage für Touristen zu gefährlich sind.

Nach den Geburten ihrer drei Söhne ruhte die Reiselust eine Weile. Doch als die Jungs aus dem Kleinkinderalter heraus waren, entschieden sich die Blooms weltneugierig und unternehmungslustig zu einer Reise nach Thailand.

Weit abseits vom Massentourismus peilten sie ein kleines Küstendorf am Golf von Thailand an. Nach einem ausgelassenen Tag am Strand entdeckten sie in der Nähe ihres Hotels eine Aussichtsterrasse. Eine Wendeltreppe führte sie hinauf, und alle genossen den weiten Rundumblick, der sich ihnen in nur sechs Metern Höhe bot. Sam lehnte sich an das Geländer, das morsche Geländer gab nach, und Sam stürzte ab …

Sie erlitt viele innere Verletzungen, die schlimmsten davon waren die Wirbelsäulen-verletzungen. Nach diversen Operationen, vielen Monaten medizinischer Behandlungen und Rehamaßnahmen kehrte Sam im Rollstuhl zurück nach Hause.

Sams Körper hatte überlebt, doch ihr Lebenswille war gebrochen. Die Querschnitts-lähmung, der Verlust ihrer Beweglichkeit und Bewegungsfreiheit, immer wieder auftretende Schmerzen und Muskelkrämpfe und das Angewiesensein auf Hilfe machten ihr schwer zu schaffen. Trotz der familiären Fürsorge, Geborgenheit und Liebe, die sie umgab, spürte ihr Mann, daß sich Sam entfernte, daß sie sich merklich vom Leben abwandte.

Eines Tages findet Sams Sohn Noah auf einem Parkplatz ein aus dem Nest abgestürztes Elsterküken mit verletztem Flügel. Sam beschließt spontan, daß sie dieses Küken retten werden. Die kleine Elster bekommt wegen ihres schwarz-weißen Gefieders den Namen Penguin, und Sam kümmert sich mit Eifer um das geschwächte Küken, das anfangs alle zwei Stunden gefüttert werden muß.

Foto Cameron Bloom © KNAUS Verlag 2017

Tatsächlich findet Sam über die Fürsorge und Verantwortung für Penguin neuen Lebensmut. Penguins Flügel heilt, und aus dem Küken wird ein ausgewachsener Vogel, der lebhaft am Familienleben teilnimmt, aber auch unabhängige Ausflüge in die Umgebung unternimmt und das Überleben in der Wildnis meistert.

Foto Cameron Bloom © KNAUS Verlag 2017

Cameron Bloom hat Penguins Aufwachsen und seine Interaktionen mit Sam und den Kindern in anrührenden, heiteren, schönen, tiefsinnigen und „sprechenden“ Fotos dokumentiert. Die kurzen Begleittexte erzählen in warmherzigem Tonfall von den Empfindungen, Erkenntnissen und Erlebnissen mit Penguin, die immer auch Reflexionen der besonders zutraulichen Beziehung zwischen Sam und Penguin sind sowie Zeugnisse von Sams reanimierter Liebe zum Leben. 

Foto Cameron Bloom © KNAUS Verlag 2017

Auf den letzten 18 Seiten des Buches äußert sich Sam selbst zu ihrem Schicksal und beschreibt schonungslos und unsentimental ihre Daseinsbedingungen als Querschnitt-gelähmte; sie erklärt, was ihr hilft und was ihr nicht hilft, und sie verschweigt auch nicht die schmerzliche Sehnsucht nach Beweglichkeit und die Wut und Verzweiflung, die damit einhergehen. Einfühlsam vermittelnd benennt sie, welche Lebensfreuden ihr trotz der Krankheit möglich sind und dankbar von ihr wahrgenommen werden.  Schließ- lich weist sie noch hoffnungsvoll auf die Arbeit von Wings for Life www.wingsforlife.com hin, eine Stiftung, die medizinische Forschung für die Heilung von Rückenmarks- verletzungen finanziert.

Dieser Buchkomposition voll ausdrucksvoller, vielschichtiger Fotografien mit sehr authentischen, feinfühligen Texten gelingt eine beeindruckende Balance von Tapferkeit und Verletzlichkeit, von Sehnsucht und Dankbarkeit. Tiefe Liebe, innige familiäre Lebensverbundenheit, überwältigende Zärtlichkeit und natür- liche Wahrhaftigkeit leuchten ermutigend aus jeder Zeile und jedem Bild.

Foto Cameron Bloom © KNAUS Verlag 2017

»Am wichtigsten war jedoch, dass Penguin uns eins gelehrt hat: Wenn wir uns selbst besser fühlen wollen, gelingt uns das am einfachsten und besten, indem wir anderen Menschen helfen, sich besser zu fühlen.«

(Seite 164)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf  der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Penguin-Bloom/Cameron-Bloom/Knaus/e515201.rhd

 

Der Fotograf und Autor:

»Cameron Bloom begann seine Karriere mit 16 Jahren als Surf-Fotograf an den Stränden Sydneys. Als Fotograf reiste er mit seiner Familie durch die ganze Welt. Seine Arbeiten wurden in internationalen Zeitschriften wie Harper’s Bazaar, Vogue und dem Gourmet Traveller veröffentlicht. „Penguin Bloom“ ist sein erstes Buch.«

Der Mitautor:

»Bradley Trevor Greive AM, 1970 in Tasmanien geboren, wurde mit „The Blue Day Book“ zum internationalen Bestsellerautor. Seine Bücher sind in 115 Ländern erschienen und verkauften sich bisher über 25 Millionen Mal. Für seinen außergewöhnlichen Beitrag zur Literatur und zum Naturschutz wurde ihm im Jahr 2014 der Order of Australia verliehen.«

PS:
Gerne reihe ich „Penguin Bloom“  – sozusagen als Familienlektüre – in Petra Pawlowskys Fundgrube für das Projekt KINDER IM AUFWIND ein: https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

 

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In einer weißen Winternacht

  • Text von Jean E. Pendziwol
  • Illustrationen von Isabelle Arsenault
  • Originaltitel: »Once upon a Northern Night«
  • Aus dem Englischen übersetzt von Brigitte Elbe
  • Verlag Freies Geistesleben,  August 2016  http://www.geistesleben.de
  • 32 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 22,2 x 27,3 cm
  • 14,90 € (D)
  • ISBN 978-3-7725-2682-4
  • Bilderbuch ab 4 Jahren
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EISBLUMENFEIN  UND  SCHNEEFLOCKENZART

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein Atemwölkchenhauch von einem Bilderbuch …

Die Erzählerin, Jean E. Pendziwol, malt mit inniger Zärtlichkeit das Bild einer Winternacht für ein schlafendes Kind.

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Illustration von Isabelle Arsenault © Verlag Freies Geistesleben 2016

Die Zeile „In einer weißen Winternacht“ leitet jede neue Szenerie ein und führt uns aus dem Haus in den Garten und den angrenzenden Wald. Leise fällt der Schnee und hüllt Landschaft und Bäume in glitzerndes Weiß. Langsam füllt sich diese Leinwand aus Schnee mit Leben und Lebensspuren.

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Illustration von Isabelle Arsenault © Verlag Freies Geistesleben 2016

Rehe naschen Äpfel, die am Baum verblieben sind, eine Eule fliegt vorüber – leiser noch als Schnee, zwei Hasen spielen Nachlaufen und verstecken sich vor dem Fuchs, eine kleine Maus mit großen Ohren findet verstreute Körnchen unterm Vogelfutterhaus, die Schneewolken verschwinden und machen  funkelnden Sternen Platz, Nordlichter verfarbzaubern den Himmel, Eisblumen wachsen am Fenster und Mondlicht küßt das schlafende Kind.

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Illustration von Isabelle Arsenault © Verlag Freies Geistesleben 2016

Was Jean E. Pendziwol mit filigranem Textgewebe und poetisch sanft hinge- tupften wenigen Worten malt, wird von der Illustratorin Isabelle Arsenault mit ausdrucksvollem Minimalismus und winterschläfrig-reduzierter Farbpalette in eine traumwandlerische, verspielt-magische Bildersprache übersetzt.

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Illustration von Isabelle Arsenault © Verlag Freies Geistesleben 2016

 

Die stille Eindringlichkeit und Harmonie von Text und Bild stimmen den lesenden Betrachter geradezu meditativ auf die Winterjahreszeit ein.

„In einer weißen Winternacht“ ist ebenso eine Liebeserklärung an den Winter wie eine leise, leise, leise Gutenachtgeschichte – für Kinder und Vorleser, die für den Atem zwischen den Zeilen empfänglich sind.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.geistesleben.de/Buecher-die-mitwachsen/Bilderbuch/In-einer-weissen-Winternacht.html

Die Autorin:

»Jean E. Pendziwol, 1965 in Thunder Bay, Ontario geboren, ist für ihre Geschichten mehrfach ausgezeichnet worden, und ihre Bilderbücher erhalten regelmäßig einen Platz auf den Auswahllisten für Buchpreise. Im kanadischen Groundwood Verlag sind unter anderem die beiden von Nicolas Debon illustrierten Bände Dawn Watch und The Red Sash sowie Marja’s Skis erschienen. Jean E. Pendziwol lebt mit ihrer Familie in Thunder Bay am Oberen See. Die imposante Landschaft des nördlichen Ontario ist eine wichtige Inspirationsquelle für sie. «
http://www.jeanependziwol.com

Die Illustratorin:

»Isabelle Arsenault, 1978 in Sept-Iles, Québec, geboren, zählt zu den renommiertesten Kinderbuchillustratorinnen Kanadas. Dreimal wurde sie mit dem kanadischen Governor General’s Literary Award ausgezeichnet. Wiederholt wurden ihre Bücher von der New York Times auf die Liste der 10 besten illustrierten Bücher gesetzt. Isabelle Arsenault lebt mit ihrer Familie in Montréal.«
http://www.isabellearsenault.com

 

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Die große Wörterfabrik

  • Bilderbuch
  • Originaltitel: »La grande fabrique de mots«
  • Text von Agnès de Lestrade
  • Übersetzung aus dem Französischen
  • von Anna Taube
  • Illustrationen von Valeria Docampo
  • mixtvision Verlag       www.mixtvision-verlag.de
  • 1. Auflage 2010   …   11. Auflage 2015
  • 40 Seiten
  • Fadenheftung
  • 14,90 € (D), 24,90 sFr
  • ISBN 978-3-939435-26-6
  • ab 3 Jahren
    26-6_NEU_die große Wörterfabrik_300 dpi_Originalgröße

S P R A C H V E R M Ö G E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Spätestens nach dem Vorlesen und Betrachten dieses Bilderbuches werden Kinder die Kostbarkeit des Begriffes „WORTSCHATZ“ erfassen und erfühlen. Zugleich zeigt dieses Bilderbuch, daß aufrichtige Gefühle auch mit kleinen Gesten und wenigen Worten Resonanz erzeugen können.

Als Kind zu Wort zu kommen ist nicht immer einfach, und in der vorliegenden Geschichte ist es sogar fast unerschwinglich teuer. Denn der kleine Paul lebt in einem Land, in dem Sprechen nichts Selbstverständliches ist, da man jedes einzelne Wort kaufen und herunterschlucken muß, bevor man es aussprechen kann.

Es gibt eine große Wörterfabrik, die architektonisch an den Turm zu Babel erinnert und in der in allen möglichen Sprachen Wörter am Fließband produziert werden. In den Straßen der Stadt gibt es Geschäfte, die verschiedene einzelne Wörter, Grüße, Kose- worte, Gutenachtwünsche, aber auch Schimpfworte und ganze Reden zum Verkauf anbieten.

Es gibt wertvolle Wörter, die besonders teuer sind und die deshalb nur selten ausge- sprochen werden. Wer zu arm ist, um sich Wörter leisten zu können, bleibt darauf angewiesen, in den Mülleimern nach weggeworfenen Wörtern zu suchen, die häufig nicht besonders attraktiv sind. Auch die Wörter aus dem Sonderangebot sind meist unbrauchbar und wenig alltagstauglich.

Manchmal fliegen jedoch Wörter durch die Luft, und diese werden von den Kindern mit Schmetterlingsnetzen eingefangen und später stolz den Eltern aufgesagt.

Paul ist in das Nachbarmädchen Marie verliebt, und er würde ihr gerne sagen, daß er sie lieb hat. Eine ganze Liebeserklärung ist für Paul unerschwinglich, allerdings hat er drei Wörter mit seinem Schmetterlingsnetz gefangen, und diese drei Wörter möchte er ihr schenken.

Wenn sich die Kinder im Treppenhaus treffen, lächeln sie sich einfach nur an, und Paul ist von Vorfreude erfüllt, Marie seine drei Wörter zu sagen. Doch Paul hat einen Rivalen, Oskar, dessen Eltern sehr reich sind und der in ganzen Sätzen großspurig auf Marie einredet.

Verunsichert hockt Paul auf einer Treppenstufe und zweifelt am Wert seiner drei Wörter. Dennoch konzentriert er sich auf die Liebe in seinem Herzen und läßt seine drei Wörter zu Marie sprechen. Maries Antwort ist ein zarter Kuß auf Pauls Wange. Über- glücklich sagt Paul noch ein weiteres, schon lange sorgsam gehütetes Wort zu Marie, und man ahnt, daß dies der Beginn einer Liebesgeschichte ist, in der sich auch ohne große Worte ein harmonisches Einverständnis entwickeln wird.

Die Illustrationen von Valeria Docampo sind von ausdrucksvoller Nachdenklichkeit und großer Zärtlichkeit und übersetzen das Zwischen-den-Zeilen-Schwebende des Erzähltextes in einfühlsame Bilder. Die Farbgebung kontrastiert zwischen sepiabräunlichen Erdfarben und lebhaften Rottönen, wobei die Rottöne mit der wachsenden Liebes- annäherung deutlich zunehmen.

„Die große Wörterfabrik“ vermittelt Kindern (und Erwachsenen ebenso) anschaulich und poetisch die Bedeutsamkeit von Sprache als zwischen- menschliches Verbindungselement und Gefühlsbotschafter.

Der Verlag empfiehlt das Buch ab 3 Jahren. Ich halte die Altersstufe zwischen 5 und 7 Jahren für angemessener.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://mixtvision.de/buecher/die-grosse-woerterfabrik/

Hier entlang zum romantischen Buchtrailer:
https://www.youtube.com/watch?v=E4lbZpp6BYc

PS:
In unserer Welt kostet das Sprechen kein Geld (außer beim Therapeutenbesuch), sondern nur Zeit. Doch wer nach dem Motto „Zeit ist Geld“ lebt, wird möglicherweise auch mit der Zeit zum Sprechen geizen. Wohin das führt, illustriert das Bilderbuch „Die große Wörterfabrik“ ganz deutlich, nämlich dazu, daß Wörter zur Ware verkommen, statt dem Leben und Lieben Ausdruck zu verleihen.

Die Autorin:

»Wenn Agnès de Lestrade gerade nicht schreibt, liest, träumt oder eine Tasse Tee trinkt, erfindet sie Gesellschaftsspiele, Lieder und hat sogar die Zeit gefunden, selbst zwei hübsche Kinder zu fabrizieren, um all das an ihnen auszuprobieren. Seit ihrem Debüt 2003 erschienen von Agnès de Lestrade bereits über 20 Bücher in französischer Sprache.«

Die Illustratorin:

»Die Inspiration für ihre Illustrationen findet Valeria Docampo im Alltag: der Blick eines Hundes, das Rauschen des Regens im Herbst oder der Duft des Frühstücks. Geboren wurde sie in Buenos Aires, Argentinien, wo sie auch ihr Diplom in Grafikdesign und visueller Kommunikation machte. Seit 2003 widmet sie sich ganz der Illustration für Kinderbücher, immer auf der Suche nach neuen grafischen Techniken.«

Querverweis:

Hier entlang zu drei weiteren Bilderbuchwerken von Valeria Docampo:
Der Bär und das Wörterglitzern
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/04/der-baer-und-das-woerterglitzern/
Der Nussknacker
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/18/der-nussknacker/
Die Schneiderin des Nebels
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/11/13/die-schneiderin-des-nebels/

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