Zwei für mich, einer für dich

  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag 2018  www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17,5 x 24,5 cm
  • 32 Seiten
  • ISBN 978-3-89565-357-5
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

V E R T E I L U N G S G E R E C H T I G K E I T

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Gerechtes Teilen ist ein kindliches Alltagsthema, das durch eine abstandnehmende Betrachtung eine gewisse Entspannung erfahren kann. In Jörg Mühles Bilderbuch „Zwei für mich, einer für dich“ wird die Auseinandersetzung um gerechte Verteilung von Bär und Wiesel anschaulich und witzig vorgeführt.

Der Bär findet im Wald drei Pilze und trägt sie nach Hause. Dort nimmt das Wiesel die Pilze vorfreudig in Empfang und brät sie mit Gewürzen und Petersilie in der Pfanne.

Dann setzen sich die beiden an den tischtuchkarierten Tisch. Der Bär teilt dem Wiesel einen Pilz zu und sich selbst zwei, da er groß sei und viel essen müsse. Das Wiesel findet diese Aufteilung ungerecht und argumentiert, daß es mehr Pilze brauche, weil es klein sei und noch wachsen müsse.

Text und Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2018

Beide finden immer neue und subjektiv durchaus plausible Argumente dafür, daß sie den gerechtfertigteren Anspruch auf die größere Pilzportion haben. Das lebhafte Argumente-Ping-Pong eskaliert, die beiden Freunde schreien sich wütend an, spießen abwechselnd den dritten Pilz auf ihre kampfbereiten Gabeln und bemerken dabei nicht, daß sich ein Fuchs anschleicht. Gerade als das Wiesel dem Bären die Freundschaft kündigen will, schnappt sich der Fuchs den dritten Pilz, verspeist ihn einfach und zieht sich winkend zurück.

Text und Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2018

Empört schauen Bär und Wiesel dem Fuchs nach, kommen zur Besinnung, wünschen sich guten Appetit und lassen sich die beiden verbliebenen Pilze wohlschmecken.

Dann holt das Wiesel sogar noch Nachtisch: Drei leibspeisenverdächtige Walderdbeeren sind aufzuteilen …

Das Buch läßt offen, ob die beiden inzwischen gelernt haben, wirklich zu teilen, oder ob der Gerechtigkeitswettkampf nun wieder von vorne losgeht. Dies eröffnet dem Kind und dem Vorleser interessanten Gesprächsstoff und die Frage nach Ideen, wie man denn drei angemessen durch zwei teilen könnte.

Dieses Bilderbuch bietet reichlich familiären, kinderalltagstauglichen Identifikationsstoff und läßt Kinder mit heiterer Distanz auf einen Streit schauen. Als unbeteiligter Zuschauer ist solch eine Auseinandersetzung lustig und kann kindliche Betrachter durchaus zur Selbstreflexion animieren und konstruktive Lösungen finden lassen.

Die Argumentationsdialoge zwischen Bär und Wiesel sind wahrlich köstlich und ausgesprochen lebensnah, die Zeichnungen spiegeln ebenso die Streit- dynamik wie auch das wiederhergestellte harmonische Einvernehmen der beiden Freunde mit lebhaftem körpersprachlichen Ausdruck. Selten war es so vergnüglich, Lesezeuge eines Streits zu werden.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Buecher-um-mit-Kindern-ins-Gespraech-zu-kommen/Zwei-fuer-mich-einer-fuer-dich.html

 

 

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor, hat eine Tochter im besten Kinderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Querverweis:

Hier entlang zu den putzigen Hasenkind-Pappbilderbüchern von Jörg Mühle:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/29/tupfst-du-noch-die-traenen-ab/

Und nachfolgend zu Megumi Iwasas Kinderbuch „Viele Grüße, deine Giraffe“, welches den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 erhalten hat und von Jörg Mühle illustriert wurde.
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/04/04/viele-gruesse-deine-giraffe/

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Der Bär und das Wörterglitzern

  • Bilderbuch
  • Originaltitel: »Tout au bord«
  • Text von Agnès de Lestrade
  • Illustration von Valeria Docampo
  • Aus dem Französischen von Anna Taube
  • mixtvision Verlag  Juli 2015       http://www.mixtvision-verlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 40 Seiten
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-95854-026-2
  • ab 3 Jahren
  • Dem Buch liegt ein E-Buch-Code bei.
  • Dieser individuelle Code berechtigt zum einmaligen
  • kostenfreien Herunterladen des E-Buches.
    95854-026-2_Der Bär und das Wörterglitzern_300dpi_verkleinert auf 15cm

W Ö R T E R W A N D E L N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nach dem sehr erfolgreichen Bilderbuch „Die große Wörterfabrik“ (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/08/die-grose-worterfabrik/) haben Agnès de Lestrade (Autorin) und Valeria Docampo (Illustratorin) wieder ein poetisches Bilderbuch zum Thema Sprache gestaltet.

„Der Bär und das Wörterglitzern“ handelt davon, Gefühle und Gedanken in Worte zu kleiden, und zwar in Worte, die man sich selbst gleichsam maßschneidert.

Der leuchtend blaue Bär führt uns durch seine Erfahrungsräume: Eine Doppelseite zeigt und beschreibt mit einfachen Worten, was er erlebt, und die nächste Doppelseite zeigt und beschreibt seine persönliche Neukombi- nation von üblichen Worten zu neuen, ihm gemäßer erscheinenden Worten.

langeweilschleichen

Illustration von Valeria Docampo © mixtvision Verlag 2015

stillenecken

Illustration von Valeria Docampo © mixtvision Verlag 2015

So lernen wir ganz neue Vokabeln wie beispielsweise:
traumschweben,
eiszapfenglitzern,
meerrieseln,
langeweilschleichen,
stillenecken,
tränenschwimmen und randspringen.

 

(Anklicken vergößert
die Bilderansicht)

 

 

Die ausdrucksstarken Bilder mit ihren abwechslungsreichen Proportionen und intensiven Farbkontrasten reflektieren mit spielerischer Raffinesse die unterschiedlichen Gefühlsstimmungen und Gedanken sowie die hinspürige Wahrnehmungsweise des Bären.

Der Bär fühlt sich groß, klein, zugewandt, alleine, verträumt, nachdenklich, neugierig, traurig, zuversichtlich, mutig … als gefühlsabschmeckender, wörterverwandelnder und eigenwilliger Namensgeber seiner Empfindung- en geht er von Erfahrung zu Erfahrung und öffnet sich und dem Leser sprachpoetische Horizonte.

Da kann man nur noch lesestaunen und sich – ganz am Rande – vielleicht dazu animieren lassen, selbst neue Worte zu wagen.

 

PS:
Voraussetzung für einen ergiebigen Genuß dieses anspruchsvollen Bilderbuches ist eine entsprechende Bilderbuchvorerfahrung und eine dadurch gewonnene Imaginations- fähigkeit.

 

Querverweis:

Hier entlang zu drei weiteren Bilderbuchwerken von Valeria Docampo:

Die große Wörterfabrik
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/08/die-grose-worterfabrik/
Der Nussknacker
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/18/der-nussknacker/
Die Schneiderin des Nebels
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/11/13/die-schneiderin-des-nebels/

Die Autorin:

»Wenn Agnès de Lestrade gerade nicht schreibt, liest, träumt oder eine Tasse Tee trinkt, erfindet sie Gesellschaftsspiele, Lieder und hat sogar die Zeit gefunden, selbst zwei hübsche Kinder zu fabrizieren, um all das an ihnen auszuprobieren. Seit ihrem Debüt 2003 erschienen von Agnès de Lestrade bereits über 20 Bücher in französischer Sprache.«

Die Illustratorin:

»Die Inspiration für ihre Illustrationen findet Valeria Docampo im Alltag: der Blick eines Hundes, das Rauschen des Regens im Herbst oder der Duft des Frühstücks. Geboren wurde sie in Buenos Aires, Argentinien, wo sie auch ihr Diplom in Grafikdesign und visueller Kommunikation machte. Seit 2003 widmet sie sich ganz der Illustration für Kinderbücher, immer auf der Suche nach neuen grafischen Techniken.«

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Herr Eichhorn und der Besucher vom blauen Planeten

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sebastian Meschenmoser
  • Esslinger Verlag 2012   http://www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden, Fadenheftung, Querformat 17 x 22 cm
  • 62 Seiten
  • ISBN 978-3-480-22883-6
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 14,90 sFr.
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn und der Besucher

U N B E K A N N T E    F L U G O B J E K T E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im vierten Herr-Eichhorn-Band entwischen zwei leuchtend blaue Wellensittiche aus einer Orangerie und fliegen in den Wald. So kommt es, daß der Bär morgens aufwacht und ein unbekanntes und unheimlich-blaues Wesen auf seinem Kopf vorfindet. Der Bär flieht vorsichtshalber, aber das blaue Wesen verfolgt ihn beharrlich, und er kann es nur mit Mühe abhängen.

Der Bär sucht Rat bei Herrn Eichhorn, und sogleich geht die Eichhörnchenphantasie mit ihm durch: Das unbekannte Wesen kann nur von einem anderen Planeten stammen, wahrscheinlich ist es nicht allein gekommen, vielleicht würden sie den Bären entführen und in schreckliche „intergalaktische Schwierigkeiten“ bringen usw.

In Herrn Eichhorns Vorstellungen, die uns auf einigen ganz in schwarz-weiß gehaltenen Bilderbuchseiten präsentiert werden, wimmelt es von amüsanten Anspielungen auf bekannte Science-Fiction-Ikonen. Diese werden zwar wohl hauptsächlich von erwachsenen Lesern erkannt und zugeordnet werden können, aber das beeinträchtigt für kindliche Betrachter nicht das Verständnis der Geschichte.

Herr Eichhorn hat eine tollkühne Idee, um die Außerirdischen in die Irre zu führen. „Dazu musste der Bär sich einfach als Baum verkleiden und einen Baum als Bären.“

Gesagt getan – und schon liegen Herr Eichhorn, der getarnte Bär und der Igel auf der Lauer, um die Außerirdischen bei der Entführung des gefälschten Bären zu beobachten. Doch die unbekannten blauen Flugsubjekte lassen sich nicht täuschen.

Nun beschließen die drei Freunde, das Raumschiff zu suchen und zu verstecken. Sie finden auch wirklich ein unbekanntes, sehr blaues Objekt und tarnen es mit allerlei Grünzeug. Das angebliche Raumschiff ist das blaue Zelt eines Menschen, der im Wald campiert. Im Umfeld des Zeltes treffen wir übrigens auf alte Bekannte aus dem zweiten Band: Zahnbürste, Blechdose und Socken (siehe: „Herr Eichhorn und der erste Schnee“).

Doch die Außerirdischen durchschauen jeden Trick und geben ihre Bärenverfolgung nicht auf.

Voller Panik vor dem Unbekannten fliehen die Tiere auf einen Berg, wo der weise Bock wohnt. Auch dorthin folgen ihnen die blauen Wesen getreulich und zutraulich, und schließlich erkennen Herr Eichhorn, der Bär und die versammelten geflohenen Waldtiere, daß diese blauen Außerirdischen gar keine bösen Absichten haben. Die fremden blauen Wesen hatten bloß ihre Eier auf den Kopf des Bären gelegt und wollten sie dort ausbrüten.

Endlich können sich alle Tiere entspannt zurücklehnen und sich mit den komischen Vögeln anfreunden.

Die Illustrationen sowie der Erzähltext spiegeln einen warmherzigen Blick auf die Tiercharaktere und ihre „menschlichen“ Schwächen. Die heitere Auflösung der vorurteilsbeladenen Angst vor dem Fremdartigen führt zu einem angenehm lehrreichen Schluß.

Sebastian Meschenmoser ist seinem faszinierenden, naturbelassen-künstlerischen Zeichenstil treugeblieben. Besonders beeindruckend sind die Fell- und Gefiederzeichnung und die Wiedergabe der körpersprachlichen Gefühlsregungen der dargestellten Tiere. Der mimische und gestische Ausdruck ist humorvoll und lebhaft, und die Pflanzenwelt grünt und blüht gar sommerlich.

Alle fünf Herr-Eichhorn-Bilderbücher sprechen gleichermaßen zum kindlichen wie zum erwachsenen Betrachter und Leser. Für mich ist es ein Kennzeichen besonders guter Kinderbücher, daß sie über mehrere geistige „Abholebenen“ verfügen. Sebastian Meschenmoser ist dies mit allen vier Bänden herausragend gelungen. Ich lege sie Ihnen allerwärmstens ans Herz!

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten-isbn-978-3-522-45871-9/

Der Illustrator und Autor:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz. Mit „Fliegen lernen“ hat er 2005 bei Esslinger seinen Erstling veröffentlicht. Dieses ganz besondere Buch hat in den Medien und in der Buchbranche viel Beachtung gefunden. Die Illustrationen daraus wurden auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna als eine der innovativsten Neuerscheinungen präsentiert. 2006 erschien mit „Herr Eichhorn und der Mond“ das zweite Buch von Sebastian Meschenmoser, das ebenfalls große Begeisterung auslöste und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Sparte Bilderbuch, nominiert wurde.«

PS
Hier entlang zum ersten Band von Herrn Eichhorn:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/
und zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/
sowie zum dritten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weiss-den-weg-zum-gluck/
und zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes

Herr Eichhorn weiß den Weg zum Glück

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sebastian Meschenmoser
  • Esslinger Verlag 2009
  • Neuauflage August 2014    http://www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Hochformat 221mm x 286 mm
  • 64 Seiten
  • ISBN 978-3-480-22544-6
  • 14,99 €
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn weiß den Weg zum Glück

R O M A N T I S C H E     N A C H H I L F E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im dritten Herrn-Eichhorn-Bilderbuch werden Herr Eichhorn und seine beiden Freunde, Igel und Bär, vom Frühling aus dem Winterschlaf geweckt, in den sie zum Ende des zweiten Bandes gefallen waren. Die Welt ist frisch und farbenfroh, und die Illustrationen von Sebastian Meschenmoser sind, der Jahreszeit gemäß, wesentlich bunter als in den Vorgängerbänden.

Während sich Herr Eichhorn und der Bär erst einmal ein ausgiebiges „Frühlingsfrühstück“ einverleiben, hat der Igel gar keinen Hunger, denn er hat am Ufer des Waldteiches eine „wunderschöne Igelin“ gesehen und sich schüchtern wieder zurückgezogen. Nun hat er rosarote Schmetterlinge im Bauch und sucht Rat und Tat bei Herrn Eichhorn.

Hilfsbereit erklärt dieser dem Igel, daß man sich natürlich Ruhm und Ehre durch mutige Heldentaten verdienen muß, um in den Status romantischer Unwiderstehlichkeit zu gelangen. Als erstes probiert Herr Eichhorn verschiedene heldenmäßige „Verkleidungen“ für sich und den Igel aus; schließlich müssen sie ja möglichst gefährlich aussehen, wenn sie „gefährliche Zweikämpfe“ ausfechten wollen.

Nachdem die beiden kleinen Helden eine passende, wilde und reißzahnige „Rüstung“ angelegt haben, suchen sie vergeblich nach einem Gegner. Einige Mäuse, Singvögel und Kaninchen fliehen zwar vor ihnen, aber sie stellen sich nicht dem Kampf.

Inzwischen wundert sich der Bär, wo denn Herr Eichhorn und der Igel geblieben sind. Er stellt sich auf die Hinterbeine und schaut sich nachdenklich-suchend um. Er bemerkt gar nicht, daß ihn die beiden „angreifen“, an ihm ziehen, zerren und zupfen, um ihn zu Boden zu ringen. Da er sie nicht findet, beschließt er, ein Verdauungsschläfchen zu machen, und er legt sich gemütlich nieder. Herr Eichhorn und der Igel meinen daraufhin, sie hätten den Bären besiegt.

Nun sind sie wahre Helden, und der Igel kann sich tapfer der Igelin nähern und ihr ein paar verführerische Blumen überreichen. Indes entpuppt sich die Igelin bei näherem Anschauen als etwas ganz anderes als erwartet…

Geknickt sitzt der Igel auf einem Stein am Teichufer, und Herr Eichhorn hat tröstend einen Arm um ihn gelegt. Da kommt eine Ente vorbei und weiß zu berichten, daß auch sie schon einmal auf eine Liebesillusion hereingefallen sei. Doch was soll‘s, der Frühling ist noch lange nicht vorbei.

Auch im dritten Abenteuer von Herrn Eichhorn gibt es seitenweise Bilderpassagen, die ganz selbstverständlich ohne Worte auskommen. Neben den Hauptfiguren wimmelt es von kleinem Nebengetier (Bienen, Schmetterlinge, Käfer, Schnirkelschnecken, Mäuse, Frösche, Feuersalamander, Libellen und Vögel), das wegen des naturbelassenen Zeichenstils teilweise so gut getarnt ist, daß man es erst nach und nach entdeckt.

Herrn Eichhorns Nahrungsaufnahme am „Unterholzbüfett“ ist von köstlicher Bewegungsdynamik, die verschiedenen Heldenkostümanproben sind einfach findig, der Scheinkampf mit dem großen, großen Bären und den kleinen, kleinen Helden ist zum Schmunzeln, und die ganzheitliche Körpersprache der Tiere ist zum Verlieben schön und lebendig.

Sebastian Meschenmosers Zeichenkunst und seinen spielerischen Ideenreichtum kann ich nur immer wieder bewundern und natürlich weiterempfehlen.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/herr-eichhorn-weiss-den-weg-zum-glueck-isbn-978-3-522-45805-4/

 

Der Illustrator und Autor:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz. Mit „Fliegen lernen“ hat er 2005 bei Esslinger seinen Erstling veröffentlicht. Dieses ganz besondere Buch hat in den Medien und in der Buchbranche viel Beachtung gefunden. Die Illustrationen daraus wurden auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna als eine der innovativsten Neuerscheinungen präsentiert. 2006 erschien mit „Herr Eichhorn und der Mond“ das zweite Buch von Sebastian Meschenmoser, das ebenfalls große Begeisterung auslöste und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Sparte Bilderbuch, nominiert wurde.«

 

 

Querverweis:

Hier entlang zum ersten Band von Herrn Eichhorn:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/
und zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/21/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee/
und zum vierten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/
und zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes

Herr Eichhorn und der erste Schnee

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sebastian Meschenmoser
  • Esslinger Verlag 2007   http://www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden, Fadenheftung, Hochformat 22 x 17 cm
  • 64 Seiten
  • ISBN 978-3-480-22359-6
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 14,90 sFr.
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn und der erste Schnee

S C H N E E J Ä G E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nach dem glücklich überstandenen Monddrama des ersten Herrn-Eichhorn-Bilderbuches geht es im zweiten Band um den ersten Schnee. Nachdem der Bock Herrn Eichhorn von der Schönheit des Schnees und der Schneeflocken vorgeschwärmt hat, beschließt Herr Eichhorn, seinen Winterschlaf so lange aufzuschieben, bis er wenigstens den ersten Schnee zu sehen bekommt.

Doch das Warten auf die ersten Schneeflocken wird ganz schön lang, und die Müdigkeit „übereichhörnt“ ihn immer wieder. Da hilft nur „Bewegung an der frischen Luft“, sagt sich Herr Eichhorn und wuselt und kapriolt dermaßen wortwörtlich springlebendig um seinen Schlafbaum herum, daß einem beim Bilderbuchanschauen ganz schwindelig wird.

Der Igel wird von Herrn Eichhorns Bewegungsdrang aufgestört und von der Sehnsucht, die erste Schneeflocke zu sehen, angesteckt. Allerdings ist der Igel nicht so bewegungswillig, und so singen die beiden Schneejäger „raue Seemannsweisen“, um wach und munter zu bleiben.

Bei diesem Eichhörnchen-Igel-Duett findet der Bär wahrlich keinen Winterschlaf, und so regt er an, daß sie zu dritt nach der ersten Schneeflocke suchen sollen. Es könnte doch möglich sein, daß sie unbemerkt schon längst irgendwo im Wald herumliegt.

Nun machen sich die Drei auf die Suche. Der Bock hatte den Schnee als „weiß und nass und kalt und weich“ beschrieben.
Der Igel findet eine weiße Zahnbürste, Herr Eichhorn findet eine geöffnete Weißblechdose, doch nur der Bär findet ein Objekt, das alle vier Suchkriterien des Schneesteckbriefes erfüllt: eine weiße, nasse, kalte und WEICHE Socke.

Bär, Igel und Eichhörnchen sitzen staunend im Kreis um die Socke herum, und sie kippen fast um vor Müdigkeit, da fällt eine echte Schneeflocke vom Himmel. Hellwach und begreifend schauen die Tiere auf und bewundern den ersten Schneefall. Sie bauen einen Schneemann und ziehen sich dann zum gemeinsamen Winterschlaf in die Bärenhöhle zurück.

Auf dem hinteren Vorsatzblatt sehen wir dann noch, daß die Tiere den Schneemann mit den falschen Schneeflocken-Fundstücken gekonnt garniert haben – zum Erstaunen zweier Holzfäller, die gerade des Weges kommen, und zum Schmunzeln des Lesers bzw. Betrachters.

Es ist bemerkenswert, daß dieses Bilderbuch seitenweise ganz ohne Text auskommt, die Illustrationen von Sebastian Meschenmoser sprechen einfach für sich selbst – das ist eine hohe Kunst. Natürlich wird die Geschichte auch mit Worten erzählt, aber mit Worten geht Herr Meschenmoser emotional stimmig sowie auf das Wesentliche konzentriert um.

Die textfreien Seiten eröffnen beim Vorlesen anregende Spielräume für die kindliche Äußerung eigener Beobachtungen und Vermutungen über den weiteren Verlauf der Geschichte. Dies dürfte die Anteilnahme der Kinder am Schicksal von Herrn Eichhorn und Co wesentlich erhöhen.

Meine Lieblingsszenen sind die Bilderfolgen, in denen Herr Eichhorn und der Igel immer wieder fast einschlafen; das ist so überzeugend, warmherzig und humorvoll gezeichnet, daß ich mich daran gar nicht sattsehen kann.

Eine weitere Besonderheit aller Herr-Eichhorn-Bände ist, daß die Vorsatzblätter in die jeweilige Geschichte mit einbezogen werden. Die Vorsatzblätter sind die Doppelseiten am Anfang und am Ende eines Buches, die den Buchblock (also alle Buchseiten) mit dem Buchumschlag verbinden. Herr Meschenmoser nutzt das vordere Vorsatzblatt für eine erste, wortlose, rein zeichnerische Einstimmung in die Geschichte und das hintere Vorsatzblatt für eine letzte – wortlose – Pointe.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee-isbn-978-3-522-45804-7/

 

Der Illustrator und Autor:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz. Mit „Fliegen lernen“ hat er 2005 bei Esslinger seinen Erstling veröffentlicht. Dieses ganz besondere Buch hat in den Medien und in der Buchbranche viel Beachtung gefunden. Die Illustrationen daraus wurden auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna als eine der innovativsten Neuerscheinungen präsentiert. 2006 erschien mit „Herr Eichhorn und der Mond“ das zweite Buch von Sebastian Meschenmoser, das ebenfalls große Begeisterung auslöste und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Sparte Bilderbuch, nominiert wurde.«

 

Querverweis:

Hier entlang zur Besprechung des ersten Bandes vom Herrn Eichhorn:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/
und zum dritten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weiss-den-weg-zum-gluck/
und zum vierten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/
und zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes