Die wundersamen Abenteuer von Pippa Katzenöhrchen

  • von Martine Glaser
  • mit Bildern von Eline van Lindenhuizen
  • aus dem Niederländischen von Meike Blatnik
  • Gerstenberg Verlag Januar 2016     http://www.gerstenberg-verlag.de
  • Format: 16 x 21,5 cm
  • gebunden
  • 240 Seiten
  • 14,95 e (D), 15,40 € (A), 19,40 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5891-2
  • ab 8 Jahren zum Selbsterlesen
  • ab 5 Jahren zum Vorlesen
    Die wundersamen Abenteuer von Pippa Katzenöhrchen

ZAUBERGLÜCK  UND  ZAUBERPECH

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Einzigartigkeit spielt in diesem Kinderbuch eine wichtige Rolle. Das kleine Mädchen Pippa hat ganz besondere Ohren: Sie laufen spitz zu wie bei einer Katze, und sie haben einen feinen Haarflaum. Ihre Eltern haben Pippa deshalb direkt nach der Geburt den Kosenamen Pippa Katzenöhrchen gegeben.

Als Pippa nach der Einschulung von einigen Kindern wegen ihrer Ohren aufgezogen wird, stellt sie sich nach einer Phase der Verunsicherung vor den Spiegel, betrachtet ihre Ohren von allen Seiten und sagt sich selbstbewußt: „Ich bin Pippa Katzenöhrchen und mich gibt es nur einmal: Alle blöden Quälgeister können mir mal den Buckel runterrutschen.“ (Seite 8)

Eines Tages langweilt sich Pippa; ihre Mutter ist konzentriert damit beschäftigt, einen Tisch anzustreichen, und Pippa bequengelt sie damit, doch bitte mit ihr den Jahrmarkt zu besuchen. Die Mutter weist darauf hin, daß sie viel zu tun habe, und Pippa weist darauf hin, daß sie mit ihren Katzenöhrchen schon die ganze Zeit die fröhliche Musik höre und unbedingt zum Jahrmarkt müsse. Genervt sagt die Mutter, daß sie sich wünsche, Pippas Öhrchen würden verschwinden.

Zu beider Schrecken erfüllt sich dieser Wunsch augenblicklich. Während ihre Mutter erschüttert mit dem herbeigerufenen und ratlosen Doktor spricht, schwingt sich Pippa wütend auf ihr Fahrrad, um sich auf die Suche nach ihren Ohren zu machen. Denn ohne ihre Katzenöhrchen fehlt ihr ein wesentliches Element ihres Selbstverständnisses.

Sie begegnet einem Zauberer, Magister Hippolytus Weißlein, der sich nach einem Zauberunfall den eigenen Körper weggezaubert hat, und hilft ihm pfiffig dabei, sich wieder an den Zauberspruchversprecher zu erinnern und den richtigen Umkehrzauber-spruch zu finden. Nur Pippas Ohren kann der Zauberer nicht wieder herbeizaubern. Magister Weißlein schenkt Pippa zum Abschied und als Dank für ihre Hilfe fünf Zauberkraft-Pillen, die sie beim erfolgreichen Bestehen der folgenden Abenteuer unterstützen.

Pippa lernt sprechende Schlangen kennen, die es gar nicht seltsam finden, daß sie keine Ohren hat, denn Schlangen haben auch keine Ohren und kommen gut damit zurecht.

Nach einer Flugreise – dank Zauberflugpille – muß Pippa auf dem Boot von Hermann dem Rächer notlanden. Hermann will Wale vor Walfängern retten, und Pippa hilft ihm gerne und tatkräftig dabei. Anschließend transportiert Hermann Pippa zur nächsten Hafenstadt und teilt sein letztes bißchen Geld mit ihr.

In der fremden Stadt muß sich Pippa alleine durchschlagen; sie trifft auf einige wenig vertrauenerweckende Menschen, und ihre Sehnsucht nach der Geborgenheit ihres Zuhauses wird immer größer.

Als sie schon ganz verzweifelt ist und nicht weiß, wo sie nachts schlafen soll, begegnet sie einem freundlichen Jungen namens Pablo, der sie mit zu sich nach Hause nimmt. Sie teilt sich ein Bett mit Pablos Schwester, und beim Frühstück lernt Pippa Pablos Mutter und seine sieben Geschwister kennen. Pablos Vater malt wunderschöne Bilder, aber er ist ein unbekannter Künstler, und die Familie ist arm. Doch Pippa gelingt es, zusammen mit Pablo und dank einiger glücklicher Zufälle, dem unbekannten Maler zu sensationeller Bekanntheit zu verhelfen.

Bereichert um ermutigende Lebenserfahrungen und neue Freundschaften, kehrt Pippa schließlich glücklich nach Hause zurück. Und die Ohren? Nun, soviel sei hier verraten: die Katzenöhrchen kommen auch wieder zurück.

Denn, wie Magister Weißlein raten würde: „Alles, was du brauchst, trägst du bereits bei dir. Die besten Lösungen kommen von innen, nicht von außen.“ (Seite 63)

Die Autorin, Martine Glaser, erzählt Pippas Geschichte in einfacher, eingängiger und schelmisch-witziger Sprache, und die zahlreichen, begleitenden Schwarz-weiß-Zeichnungen von Eline van Lindenhuizen geben die jeweilige Handlung angemessen wieder.

Ich konnte indes beim Lesen mit Pippa nicht richtig warm werden. Die emotionale Ebene und die Figurenzeichnung bleiben – für mein Empfinden – zu oberflächlich, und auch der Handlungsverlauf erscheint mir zu konstruiert; selbst die durchaus phantasievollen Details wirken auf mich in ihrer Darstellungsweise seltsam nüchtern und unterkühlt. Die sehr direkte Artikulation aller Emotionen, dieses sofortige Stimmungsausplaudern, ohne daß zuvor zwischen den Zeilen erzählerisch eine Stimmung erzeugt wurde, verhindern genau die zauberhaften Erzählnuancen, die der Geschichte märchenhaftes Herzblut eingeflößt hätten.

Für mich ist „Die wundersamen Abenteuer von Pippa Katzenöhrchen“ kein Herzensbuch, sondern einfach nur ein nettes Buch.

 

Die Autorin:

»Martine Glaser wollte eigentlich Malerin werden. Ein Ferienjob nach ihrem Kunststudium bescherte ihr jedoch eine Anstellung im sozialen Wohnungsbau. Hier war sie bis 2007 tätig, zuletzt in leitender Funktion. Seitdem arbeitet sie freiberuflich als Schriftstellerin für Kinder und Jugendliche und als Journalistin für verschiedene Radiosender und Magazine. Die wundersamen Abenteuer von Pippa Katzenöhrchen ist ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.»

Die Illustratorin:

»Eline van Lindenhuizen, geboren 1983 in Meppeln, lebt in Kampen. Nach einem Illustrationsstudium an der Minerva Academy in Groningen arbeitet sei als freie Illustratorin. Neben Zeichnen und Malen liebt sie Bücher und Flohmärkte.

Die Übersetzerin:

«Meike Blatnik, geboren 1974, studierte Neuere deutsche Literatur und Philosophie in Berlin. Seit Studienende arbeitet sie in der Presseabteilung eines Berliner Verlages und übersetzt vornehmlich Kinder- und Jugendbücher aus dem Niederländischen.«

Abenteuer mit Ungeheuer

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus   August 2015     http://www.urachhaus.com
  • 144 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 19,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7937-3
  • ab 5 Jahren
    Abenteuer mit Ungeheuer

M U T E R T Ü C H T I G  U N G

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers erstes Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“ ist eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.

Piff, das Eichhörnchen, klopft aufgeregt an die Eingangstür zur Wurzelbehausung des Wichtels Tock und berichtet atemlos von einem schrecklichen Ungeheuer, das in der vergangenen Nacht rücksichtslos seine Eichelvorräte geklaut habe. Der weise Wichtel lädt Piff und den mitaufgeschreckten Maulwurf Eduard erst einmal zum ausgiebigen Frühstück ein, um in Ruhe die Einzelheiten aus dem Bericht des Eichhörnchens zu sortieren.

Tocks Haustür

Illustration von Daniela Drescher ©

Danach besichtigen die drei den „Tatort“, und sie müssen erkennen, daß wahrlich ein großes Wesen seine Wühlspuren hinterlassen hat. Tapfer fassen die kleinen Freunde den Entschluß, das diebische Ungeheuer zu verfolgen.

Waldweg am Tage

Illustration von Daniela Drescher ©

Das flinke Eichhörnchen hüpft die erste Wegstrecke locker zweimal ab, während sich Tock und Eduard mit ihren kurzen Beinchen über Stock und Stein und Kraut abmühen müssen. Ungeduldig treibt Piff die Freunde zur Eile an; aber schließlich wird auch er müde, und gemeinsam verbringen sie die erste Nacht im Walde.

Nachtwald

Illustration von Daniela Drescher ©

Die Verfolgung des Ungeheuers dauert länger, als sie sich zunächst gedacht haben. Nebenbei müssen sie sich noch mit Waldzauseln herumärgern, die das Prädikat „kleine Ungeheuer“ durchaus verdient hätten.

Waldzausel

Illustration von Daniela Drescher ©

(Anklicken vergrößert die Bildansicht)

Unterwegs treffen sie einen Dachs und ein Kaninchen, die beide ebenfalls von den ungeheuerlichen Spuren eines fremden Lebewesens erzählen, das offenbar auf dem Weg zum dunklen Weiher sei. Nun sinkt den Freunden der Mut, denn der Weiher des alten Wassermann-Königs gilt als sehr gefährlich, und kaum jemand hat es bisher gewagt, sich ihm zu nähern.

Während eines schrecklichen Gewitters finden sie Unterschlupf bei einem freundlichen Kräuterweiblein, der Waldgundel. Diese bewirtet sie köstlich und warmherzig und amüsiert sich still über die ganze Ungeheueraufregung und meint seelenruhig, es gebe kein Ungeheuer. Näher erläutert sie ihr geheimnisvolles Wissen zwar nicht, aber sie versorgt die drei kleinen Freunde großzügig mit Proviant und gibt ihnen ein verschnürtes Päckchen mit, das sie öffnen sollen, wenn sie es brauchen.

Waldgundelstube

Illustration von Daniela Drescher ©

Von einem Uhu bekommen sie die Information, daß das Ungeheuer sich ungehobelt im Schlamm gewälzt habe und inzwischen schon am dunklen Weiher angekommen sein müßte. Doch als sie schließlich den einsamen Weiher inmitten einer lieblichen Waldlichtung erreichen, sind sie überrascht, wie schön und friedlich und gar nicht dunkel es dort ist.

Piff ist sogleich wieder übermütig, fällt bei der Suche nach dem Ungeheuer ins Wasser und muß von seinen Freunden gerettet werden. Doch – oh Schreck! – da bittet noch jemand um Hilfe – und das ist das Ungeheuer, das im Uferschlamm feststeckt und eigentlich sogar sehr höflich – wenn auch etwas seltsam – spricht.

Piff ist mißtrauisch, Eduard hilfsbereit, und Tock packt flink und geistesgegenwärtig das Geschenk der Waldgundel aus: Eine kleine Flöte. Tock bläst in die Flöte, eine wunderschöne Melodie erklingt, und mit ihr taucht der Wassermann-König nebst Nixengefolge aus der Tiefe des Weihers auf. Der Wassermann-König schaut zunächst streng umher, wer ihn da in seiner Ruhe zu stören wage, aber er ist dennoch recht umgänglich. Die Besucher müssen sich der Reihe nach vorstellen und ihre Geschichte erzählen.

Das Ungeheuer nennt sich Lionel Wildschwein und kommt von weither … So erfahren die kleinen Helden, daß ihr Ungeheuer keinerlei feindliche oder böse Absichten hat, sondern einfach nur fremd in ihrem Wald ist und nicht wußte, daß es die Eichelvorräte von Piff gefressen hatte. Schließlich bieten sie dem einsamen Lionel aufrichtig ihre Freundschaft an und kehren gemeinsam zum Ausgangspunkt zurück, bereichert um die Erkenntnis, daß die meisten Ungeheuer nur in Gedanken und Vorstellungen ihr Unwesen treiben.

Wildschweinritt

Illustration von Daniela Drescher ©

Der feinsinnige Erzählton sowie die harmonisch begleitenden, atmosphärschen Bilder von Daniela Drescher offenbaren märchenhafte Vielschichtigkeit, eine detailliert-kenntnisreiche Liebe zur Natur und eine überaus warmherzige  Mitgeschöpflichkeit.

Zahlreiche einheimische, namentlich erwähnte sowie zeichnerisch dargestellte Pflanzen und Kräuter geben dem waldigen Abenteuer sinnliche Würze.

Akelei

Illustration von Daniela Drescher ©

Abenteuer mit Ungeheuer“ ist ein ideales Vorlesebuch, geschrieben und gemalt von einer Künstlerin, die weiß, wie eine Vorlesegeschichte für Kinder sinnvoll strukturiert sowie handlungs- und dialogdramaturgisch lebhaft inszeniert werden sollte.

Dazu gehört die gelungene Beziehungsdynamik zwischen dem sowohl innerlich wie äußerlich sprunghaften und wichtigtuerischen Eichhörnchen Piff, dem behäbig-verträumten, diplomatischen Maulwurf Eduard und dem besonnenen, fürsorglichen und tapferen Wichtel Tock. Auch die rituellen Wiederholungen, wie z.B. das allabendliche Pfeifchenpaffen von Tock, das in seiner Rauchwölkchenbildung die jeweiligen Tagesgeschehnisse reflektiert, sind für den Vorleserhythmus geradezu maßgeschneidert.

Sehr ansprechend sind zudem die gelegentlichen metafiktiven, ja, philosophischen Abzweigungen des Erzählverlaufs, in denen die Autorin aus dem Buch heraus ins wirkliche Leben greift, so wie in den nachfolgenden Zitaten:

„Er sah, dass es Tock sehr ernst damit war, und niemand, nicht einmal Piff, wagte es, dem Wichtelmann zu widersprechen. So wie man dem Weihnachtsmann nicht widerspricht, oder dem ersten Schnee, dem Frühlingssturm oder dem Duft der Pfefferminze.“
(Seite 21)

Eduards Seele war berührt vom Zauber des Wachsens. Denn wenn die Seele größer wird, wird man immer auch ein wenig traurig … Weißt du, was ich meine? Etwa so, wie sich das Wachsen deiner Knochen mit einem leisen Ziehen bemerkbar macht.“
(Seite 139)

 

Die Autorin & Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen weltweit bekannt, von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause. Neben ihren eigenen Bilderbüchern ha sie mehrere Klassiker der Weltliteratur illustriert und gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Abenteuer mit Ungeheuer ist ihr erstes erzählendes Kinderbuch, das sie selbst geschrieben und illustriert hat.«
Mehr Informationen auf ihrer Webseite: http://www.danieladrescher.de

Querverweise:

Hier folgen die Links zu drei weiteren sehens- und lesenswerten Kinderbüchern mit Illustrationen von Daniela Drescher:

Die Wichtelreise  (Denys Watkins-Pitchford)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/22/die-wichtelreise/

Ein Sommernachtstraum (William Shakespeare)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/09/ein-sommernachtstraum/

Die kleine Elfe feiert Weihnachten (Text und Illustration von Daniela Drescher)
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/18/die-kleine-elfe-feiert-weihnachten/

Kuschelflosse, Band 1

  • Das unheimlich geheime Zauber-Riff
  • Bilderbuch
  • Text und Illustrationen von Nina Müller
  • Magellan Verlag   Juli 2014                   www.magellanverlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • 80 Seiten
  • Format: 20,5 x 24,5 cm
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN 978-3-7348-2801-0
  • ab 4 Jahren
    Kuschelflosse

K U S C H E L A B E N T E U R E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Fischverliebte können in diesem Bilderbuch ungeahnte Entdeckungen machen. Die vier Hauptfiguren leben unter Wasser in Fischhausen. Zuerst lernen wir den Fellfisch Kuschelflosse kennen, der, wie sein Name schon andeutet, gerne herumkuschelt. Jeden Tag zelebriert er mit seinem Haustier Flauschi eine Traumstunde, bei der die beiden gemütlich aneinander gekuschelt der Musik aus dem Unterwasserradio lauschen.

Dieses eigenwillige Radio verfügt über einen Geheimsender, der eines wässrigen Tages von einem zauberhaften, bunten Riff berichtet, wo eine uralte Zauberschildkröte leben solle, die Wünsche erfüllen könne. Der Weg dorthin sei geheimer als geheim, und nur wenige hätten ihn bisher gefunden.

Kuschelflosse ist sofort Feuer und Flamme bzw., um im richtigen Element zu bleiben: er kann seine Flossen nicht ruhen lassen, bis er seine drei besten Freunde mit seinem Wunschfieber angesteckt hat. Seebrillchen Sebi, ein kluges und belesenes Seepferdchen, Schwimmerdbeere Emmi, ein erdbeerförmiges und erdbeerfarbenes Fischmädchen, und Herr Kofferfisch, der in seinem Kofferbauch alles Mögliche transportieren kann, sind sofort begeistert.

Am nächsten Tag schwimmen die vier Freunde mit freudiger Erwartung ins größte Abenteuer ihres Lebens. Zunächst begegnen ihnen im „Grinsegras-Tal“ lustige Grinsegräser, die etwas verwackelte Sprechgewohnheiten haben, beim Passieren der „spannenden Schlucht“ sucht sich eine gefährliche Feuerqualle Kuschelflosse zum Imbiß aus, aber seine drei Freunde überlisten den Freßfeind mit einer Badeblubberkugel.

Die freundliche Rosa Muschel, der sie nach dieser überstandenen Gefahr begegnen, schenkt ihnen einen Findefisch, der alle Wege findet. Nach einigen größeren und kleineren Hindernissen kommen sie endlich am Zauberriff an, und die schwerhörige Zauberschildkröte erfüllt, nach einigen lustigen Mißverständnissen, Kuschelflosses Wunsch nach dem Aller-aller-aller-aller-aller-Wertvollsten, was es auf der ganzen Welt gibt.“ Was das ist, dürfen Sie bei der Lektüre gerne selbst entdecken…

Die Illustrationen von Nina Müller sind kindlich-verspielt, ein bißchen comicartig sowie fröhlich-bunt, und sie geben die Charaktere der sympathisch-schrägen Fischfiguren treffgenau wieder.

Die Geschichte von Kuschelflosse und seinen Freunden wird von Nina Müller in einfachen, anschaulichen und witzigen Worten erzählt, als Beispiel nenne ich die müde Schnecke in Zeitlupe.“ Die sprachspielerischen Elemente, mit denen sie den Text bereichert, dürften beim Vorlesen eine Quelle für viel kindlichen Spaß sein.

„Kuschelflosse“ ist eine abenteuerlustige Geschichte, bei der die Betonung eindeutig auf LUSTIG liegt. Der recht umfangreiche Text ist übersichtlich auf neun Kapitel verteilt, so daß ein wohlportioniertes Vorlesen in sinnvollen Abenteuerschwimmzügen ermöglicht wird. Dank des skurrilen Humors löst sich die Spannung schließlich stets in Schmunzeln auf.

Naturgesetzliche Präzision dürfen Sie beim Eintauchen in diese Unterwasserwelt nicht erwarten, aber Sie können einen Seeigelverkehrsstau erleben und sich darüber wundern, warum und wozu Fische eine Badewanne brauchen.

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Nina Müller, geboren 1977 in Bayreuth, studierte Kommunikationsdesign in Wiesbaden und Sydney, bevor sie nach München zog und als Art Director in einer der renommiertesten Werbeagenturen Deutschlands arbeitete. Heute hat sie ihr eigenes Designbüro in Bayreuth und genießt neben den konzeptionellen Aufgaben mehr Zeit für ihre liebste Leidenschaft: das Schreiben und Illustrieren fantastischer Geschichten mit einzigartigen Charakteren

PS:

Magellan, ein neuer Kinderbuchverlag (Geburtstag war im Frühjahr 2014), der sich nach einem berühmten Seefahrer und Entdecker nennt, macht seinem Namen alle Ehre durch die Entdeckung und Verlegung neuer, noch unbekannter Talente jenseits des Massengeschmacks.

Außerdem hat sich dieser Verlag auf die Fahne geschrieben, bei der Herstellung seiner Bücher einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Sie werden auf dem Buchmarkt nicht viele Verlage finden, die außer dem Hinweis auf FSC-Mix-Papier auch noch Farben auf Pflanzenölbasis, Lacke auf Wasserbasis und lösungsmittelfreie Klebstoffe verwenden und die hauptsächlich in Deutschland produzieren.

Ich wünsche dem originellen, ganzheitlich-nachhaltigen Buchprogramm des Magellan Verlages viel Erfolg, unzählige Leser und unbezahlbare Begeisterung.

http://www.magellanverlag.de

Die Schatzinsel

  • von Robert Louis Stevenson
  • Hörspiel
  • Hörspielbearbeitung: Heinz-Dieter Sommer
  • Regie: Leonhard Koppelmann
  • Musik: Henrik Albrecht
  • Produktion: Hessischer Rundfunk 2014
  • erschienen im Hörverlag, Oktober 2014               http://www.hoerverlag.de
  • 4 CDs
  • Laufzeit ca. 3 Stunden und 59 Minuten
  • 19,95 €
  • ISBN 978-3-8445-1591-6
  • Buchvorlage HANSER Verlag: Übersetzung & Herausgabe von Andreas Nohl
  • Die Rollen und ihre Sprecher:
  • Jim Hawkins: Maximilian von der Groeben       Long John Silver: Udo Wachtveitl
  • Dr. David Livesey: Sylvester Groth                  Squire John Trelawney: Gerd Wameling
  • Käptn Billy Bones: Thomas Fritsch                       Kapitän Smollett: Ulrich Pleitgen
  • Israel Hands: Wolf-Dietrich Sprenger                    Stevenson: Ulrich Noethen
  • Ben  Gunn: Matthias Habich                                       Papagei: Dirk Leonhard
    u.v.a.
    Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson

D O N N E R K I E L

Hörspielbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ach, die alten Vertrauten meiner kindlichen Abenteuerlust und Phantasie, hier sind sie endlich wieder: Jim Hawkins, Long John Silver, Dr. David Livesey, Squire John Trelawney, Ben Gunn u.v.a.m.

Unzählige Male habe ich als Kind der Schatzinsel gelauscht und nachgeträumt. Damals gab es die EURPOA-Schallplatten, die in ihrer Kinderserie Märchen und klassische Abenteuergeschichten als Hörspiele inszenierten – oft mit dem unübertroffenen Hans Paetsch als tragende Rolle oder Hintergrunderzähler und stets mit dramatischer Musik, gespielt vom EUROPA-Studioorchester.

Ich finde es überaus erfreulich, daß immer wieder „erwachsene“ Versionen alter Klassiker als Hörspiel produziert werden. So läßt man sich – auf der Erinnerungsgrundlage der kindlichen Begeisterung, ergänzt um den erwachsenen Erfahrungshorizont – wunderbar behaglich mit Abenteuern verwöhnen.

Die vorliegende Hörspielinszenierung hat meine Erwartung wahrlich noch übertroffen. Die Rollenbesetzungsliste ließ mich bereits frohlocken, doch die „ganzheitliche Darreichungsform“ dieses Hörspiels hat mir ganz und gar und prächtig gefallen.

Die plakative Aussage auf der Rückseite der CD-Hülle: »SO haben Sie die SCHATZINSEL noch NIE gehört!« kann ich nur unterschreiben. Denn es kommt nicht nur die Romanhandlung zu Wort, sondern auch die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel.

Neben einer virtuos-atmosphärischen musikalischen Untermalung und Begleitung wurden auch einige Lieder hinzugefügt und eingesungen, die stilistisch wunderbar mit der Schatzinselstimmung und der schillernden Figur des Long John Silver harmonieren. Überhaupt geben die hier und da wiederholt einfließenden Lieder oder auch auch nur Lied- und Melodiefetzen der ganzen Geschichte zusätzlichen, sehr attraktiven Schwung.

Die überaus geschickt in den Handlungsverlauf eingeschobenen Ausflüge in die Entstehungsgeschichte der Schatzinsel erweitern die Abenteuergeschichte um den zwischenmenschlich-literarischen Hintergrund Robert Louis Stevensons.

Ich fand es hochinteressant, zu erfahren, daß Stevenson die Inspiration zur Schatzinsel durch eine Schatzkarte bekam, die sein kleiner Stiefsohn gezeichnet hatte. Zunächst spielerisch begann er, Figuren in diese Karte hineinzudichten und dem Stiefsohn dazu eine Seeräubergeschichte zu erzählen. Schließlich – wie es oft bei phantasievollen Schriftstellern der Fall ist – verselbständigten sich die ausgedachten Charaktere und schrieben sich beinahe von selbst.

Auch ein metafiktives Gespräch zwischen den literarischen Charakteren Long John Silver und Kapitän Smollett über die unterschiedliche Attraktivität von Schurken und Helden hat viel selbstironischen Reiz. Ich fand es spaßig, wie die beiden Figuren beim Geräusch des Tintenfaßaufschraubens eifrig wieder an ihre Buchposition eilen.

Ausnahmslos alle beteiligten Sprechspieler verstimmlichen ihre jeweilige Rolle lebhaft und mit überzeugender InsPIRATion und, wie mir scheint, auch mit viel Spielgenuß. Es ist bewundernswert, wie es ihnen gelingt, nur durch das Medium der Stimme soviel Lebensstoff zu vermitteln.

Als Zugabe folgt im Anschluß an das Hörspiel noch ein – von Hans Sarkowicz moderiertes – Gespräch mit dem Hörspiel-Autor Heinz-Dieter Sommer, dem Regisseur Leonhard Koppelmann und dem Komponisten Henrik Albrecht. Dieser Werkstattbericht gewährt einen spannend-reflektierenden Einblick in die Produktions- und Gestaltungsbedingungen eines solchen Hörkunstwerkes.

Die 4 CDs nebst Textheftchen mit Hintergrundinformationen sind in einer Papphülle untergebracht, und eine Schatzkarte bekommen wir natürlich auch noch dazu.

Nun fällt mir gerade auf, daß ich bei meiner Besprechung die inhaltliche Kenntnis der Schatzinselgeschichte einfach vorausgesetzt habe. Doch um dem Klassiker die gebührende Ehre zu geben, folgt nun eine sehr geraffte Zusammenfassung:

Der junge Held ist der siebzehnjährige Jim Hawkins, und er ist auch der Erzähler des ganzen Abenteuers. Dieses Abenteuer beginnt mit dem Einzug eines geheimnisvollen Seemannes unbestimmbarer Herkunft in die Matrosenschänke von Jim Hawkins Vater. Der neue Gast ist bärbeißig und ebenso jähzornig wie rumsüchtig, er will mit Käptn angeredet werden, und er singt oft das berüchtigte Lied von den „Fünfzehn Mann auf des Totenmannes Kiste –jo-ho-ho-jo, und `ne Buddel voll Rum!“ Außerdem fürchtet er sich sehr vor einem einbeinigen Seemann und zahlt Jim monatlich einen Silbergroschen dafür, daß er ihm sofort meldet, wenn ein solcher Seemann im Umkreis des Wirtshauses auftauchen sollte.

Eines Tages kreuzt ein weiterer seltsamer Seemann auf, der sich „Schwarzer Hund“ nennt, und der sogenannte Käptn bekommt nach einem handgreiflichen Streit mit dem neuen Gast einen Schlaganfall. Zufällig ist Dr. David Livesey gerade auf dem Weg zum Wirtshaus, um nach Jims schwerkrankem Vater zu sehen. Widerwillig rettet Dr. Livesey dem Käptn das Leben, indem er ihn zu Ader läßt.

Als der Käptn wieder zu Bewußtsein gekommen ist, vertraut er Jim an, daß er der Steuermann des verstorbenen Kapitäns Flint war und eine Schatzkarte von ihm „geerbt“ habe, hinter der nun der Rest von Flints alter Mannschaft her sei.

Einige Zeit später bekommt der Käptn erneut verdächtigen Besuch und regt sich danach so sehr auf, daß er an einem zweiten Schlaganfall stirbt. Jim durchsucht die Seemannskiste und nimmt einige Papiere sowie die Schatzkarte an sich. Anschließend berät er sich mit dem örtlichen Gutsherrn Squire John Trelawney und Dr. David Livesey. Bei näherer Inspektion der Karte und der beiliegenden Dokumente, die eine genaue Buchführung der beträchtlichen Piratenbeute enthalten, stellt sich heraus , daß sie wahrlich die Schatzkarte vor sich haben, die den Standort der vergrabenen Schätze des blutrünstigen Piratenkapitäns Flint bezeichnet.

Squire Trelawney ist die Aussicht auf diesen Schatz so viel wert, daß er ein Schiff ausrüsten läßt, einen Käpitän engagiert und mit Hilfe einer Zufallsbekanntschaft, dem einbeinigen Schiffskoch Long John Silver, eine Schiffsbesatzung organisiert.

Jim Hawkins ist zunächst mißtrauisch, da er an den einbeinigen Seemann denken muß, den der verstorbene Vorbesitzer der Schatzkarte so gefürchtet hatte. Doch John Silver erweist sich als so gepflegter, kultivierter und leutseliger Mann, daß sich Jims Bedenken sofort verflüchtigen. Außerdem kümmert er sich fast väterlich um Jim, erklärt ihm geduldig seemännische Fachbegriffe und gewinnt so sein jugendliches Vertrauen.

Schließlich sticht das Schiff „Hispaniola“ in See. An Bord befinden sich Jim Hawkins als Schiffsjunge, Squire Trelawney, Dr. Livesey, Kapitän Smollett und der angebliche Schiffskoch Long John Silver sowie zahlreiche Matrosen, die sich nach der Ankunft auf der Schatzinsel fast alle als alte Piraten aus der ehemaligen Mannschaft von Kapitän Flint entpuppen.

Nach ambivalenten Bündnissen, waghalsigen Ränkespielen, gefährlichen Schiffsmanövern, diversen kämpferischen Auseinandersetzungen und nicht wenigen Toten gewinnen die „guten“ Helden das Rennen um den Schatz und die sichere Heimkehr in den heimatlichen Hafen. Nur Long John Silver stiehlt sich raffiniert in die Freiheit, und irgendwie schafft es dieser charismatische Hasardeur, daß man ihm diese Freiheit gönnt.

Ja, ich weiß, ich habe den Papagei nicht erwähnt, die tolle Szene im Apfelfaß und die Begegnung mit Ben Gunn und, und, und…
Aber – ZUM DONNERKIEL – Sie können ja das Hörspiel hören oder das Buch lesen. Also AHOI, segeln Sie in die nächste örtliche Buchhandlung und erbeuten Ihre Schatzinsel. Es lohnt sich!

 

Sollten Sie zufällig in der kleinen Großstadt SOLINGEN wohnen, haben Sie sogar die einmalige Gelegenheit, dieses Hörspielkunstwerk in der Buchhandlung „Die Schatzinsel“ zu erwerben.
Ich finde, besser geht’s nicht:

 Die Schatzinsel
Buch & Meer
Forststr. 1
42697 Solingen
Tel: 0212 – 38 32 95 10
Fax: 0212 – 38 32 95 11
http://www.schatzinsel-solingen.de

 

»Robert Louis Stevenson kam am 13. November 1850 in Edinburgh zur Welt. Er studierte erst Maschinenbau, dann Jura, erkrankte an Tuberkulose und verließ seine Heimat, weil ihm das Klima nicht bekam. Stevenson reiste um die Welt, liebte die Südsee und arbeitete als Schriftsteller. Er schrieb Essays, Gedichte, Reisebücher und Romane.
„Die Schatzinsel“ erschien 1883. Die letzten Jahre lebte Robert Louis Stevenson auf Samoa. Dort starb er mit nur 44 Jahren Ende 1894

RUMO

  • & Die Wunder im Dunkeln
  • von Walter Moers
  • Gelesen von Dirk Bach
  • Produktion Hessischer Rundfunk
  • Hörbuch Hamburg Verlag  2008        http://www.hoerbuch-hamburg.de
  • Ungekürzte Lesung, Dauer: 1500 Minuten
  • 16 CDs
  • 59,95 € (D), 67,30 € (A)
  • ISBN 978-3-89903-800-2
    moers-rumo-hoerbuch-9783899038002

DAS    WIRD     SIE     UMHAUEN!

oder: EINE HELDENREISE, WIE SIE IM BUCHE STEHT

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Rumo & Die Wunder im Dunkeln“, der dritte ZAMONIEN-Roman von Walter Moers, ist eine weitverzweigte, sehr spannende und betont kämpferische Heldengeschichte. Es fließt sehr viel Blut, gemildert durch eine schöne Prise Liebesromantik und moerstypischen Humor sowie wort – und gedankenspielerische Wendigkeit. Ich habe jedenfalls gezittert und gebangt, gestaunt und geschmunzelt, mitgelitten und mich mitgefreut und viel Schlaf geopfert, da ich die vielen Klippenhänger kaum aushalten konnte.

Walter Moers scheut sich nicht, wirklich fies-böse Charaktere darzustellen, gewissermaßen das Kontrastmittel des Bösen dramaturgisch und auch kathartisch einzusetzen. Der Autor wagt zudem den paradoxen Perspektivwechsel und läßt auch die Ereignisbewertung der sogenannten Bösen zu Wort kommen, die, als sie von den sogenannten Guten bekämpft werden, nicht begreifen, wieso und weshalb ihnen so böse mitgespielt werden kann.

Der erste Teil der Geschichte spielt in der „Obenwelt“, also im oberirdischen Zamonien, der zweite Teil in der „Untenwelt“, tief, tief in unterirdischen, düsteren Gefilden unterhalb der zamonischen Oberfläche. Die graphische Gestaltung der CDs greift diese Färbung des Handlungsverlaufes durch die jeweilige weiß- bzw. schwarzhintergründige CD-Etikettierung auf.

Da der Held, Rumo, ein Wolpertinger ist, werde ich hier zunächst ein bißchen Wolpertinger-Kunde betreiben:

Einer beliebten Legende nach, entstammt die zamonische Daseinsform der Wolpertinger der Liebesverbindung von Prinzessin Silbermilch und Prinz Kaltbluth. Prinzessin Silbermilch war von einer bösen Hexe in ein Reh verwandelt worden und Prinz Kaltbluth in einen Wolf. Im Großen Wald rettete der Wolf-Prinz der Reh-Prinzessin mehrfach das Leben, die beiden verliebten sich und bekamen Nachwuchs: den ersten Wolpertinger.

Wolpertinger sehen aus wie Hunde, und sie tragen auf dem Kopf zwei kleine Hörner. Sie unterscheiden sich individuell je nach der Hunderasse, die sich in ihnen ausprägt, die Spannbreite umfaßt die ganze Hundevielfalt vom kleinen Rehpinscher bis zur Deutschen Dogge, manchmal kommen auch Dachse, Füchse und Wölfe vor.

Außerdem teilen sie sich in eine wilde und in eine zivilisierte Kategorie. Die Wilden bleiben Vierbeiner, während die Zivilisierten sich zu Zweibeinern aufrichten und sprechen lernen. Zivilisierte Wolpertinger tragen Kleidung, und viele von ihnen leben in der Stadt Wolperting, die auf bemerkenswert gemeinwohlartige Weise sozial organisiert ist und zudem ein vorzügliches Bildungssystem eingerichtet hat.

Da sie das Erbe von Jäger und Gejagtem in sich vereinen, verfügen Wolpertinger über sehr feine Instinkte und Reflexe und extrem hochentwickelte Sinnesorgane, die synästhetische Wahrnehmungen ermöglichen, z.B. das Sehen von Gerüchen und Geräuschen. Sie sind überdurch-schnittlich schnell und stark, und sie haben ein perfekt gewachsenes Präzisionsgebiß, das als natürliche Waffe die sonstigen Waffenkünste der Wolpertinger ergänzt.

Zu Beginn ist unser Held noch ganz klein, ein niedlicher Wolpertinger-Welpe, der entführt wird und bei den Teufelsfelszyklopen in der Speisekammer-Grotte landet. Die Teufelsfelszyklopen bevorzugen frische Nahrung, um genau zu sein: lebendige, zappelnde, schreiende … näher möchte ich mich zu diesem Kapitel nicht äußern – ich bin nämlich Vegetarierin.

Und falls Sie der Ansicht sind, das Teufelsfelszyklopen, moralisch betrachtet, das Allerletzte sind, so kann ich Sie nur warnend darauf hinweisen, daß im weiteren Verlauf der Geschichte noch viel gemeinere und irrsinnig-bösartigere Wesen auftreten werden. Denn noch befinden wir uns in der vergleichsweise harmlosen Obenwelt.

Während seines unfreiwilligen Aufenthaltes bei den Teufelsfelszyklopen freundet sich Rumo mit einem anderen Gefangenen an. Für Smeik, eine lebenserfahrene Haifischmade, ist der kleine Rumo eine willkommene Ablenkung von der ständigen Todesangst, und er bringt Rumo das Sprechen und die theoretische Seite des Kämpfens bei, indem er ihm zahlreiche Kampf- und Duellgeschichten erzählt. So erfährt Rumo Wissenswertes von der sagenhaften Schlacht im Nurnenwald, bei der sich zwei Söldnerheere aus Blutschinken, Dämonenkriegern, Werwölfen und Yetis bis zum bitteren Ende bekämpften, und wie – aus alchemistischem Übermut – die gefürchteten Kupfernen Kerle und ihr Anführer General Ticktack entstanden sind. Smeik berichtet von diversen Belagerungen der Lindwurmfeste und den Verteidigungsmethoden ihrer Bewohner.

Rumo wächst sehr schnell heran, wie das bei Wolpertingern üblich ist; Smeik trichtert ihm einen waghalsigen Fluchtplan ein und erklärt ihm einen strategisch wichtigen Schwachpunkt der Teufelsfelszyklopen. Als Rumo groß und stark sowie appetitlich genug geworden ist und bei einem barbarischen Festmahl der Teufelszyklopen als Rohkostleckerbissen auf den Tisch kommt, greift und beißt er gnadenlos zu und setzt Smeiks Zyklopenvernichtungsplan erfolgreich in die blutige, aber befreiende Tat um. Rumos erste Heldentat ist vollbracht, aber verglichen mit seinen späteren Taten ist diese nur eine Fingerübung.

Rumo und Smeik wandern eine Weile gemeinsam durch Zamonien und meistern kleinere Herausforderungen. Sie begegnen dem freundlichen Eydeeten Dr. Oztafan Kolibril, und Smeik macht eine hochinteressante, simulierte Entdeckungsreise durch Kolibrils Gehirnwindungen. Kolibril verfügt zwar nur über vier Gehirne und beklagt sich darüber, daß er keine sieben Gehirne hat wie sein Lehrer Dr. Abdul Nachtigaller, aber für mein ein und einzigstes Gehirn waren die dargebotenen phantastischen, wissenschaftlichen Entdeckungen und Erkenntnisse vollkommen ausreichend.

Kolibril macht sich sodann auf den Weg nach Nebelheim, um mit Hilfe einer aurakarto-graphischen Aufnahme dem eigentlichen Wesen des nebulösen Nebelheimer Nebels auf die Spur zu kommen.

Auch Rumo und Smeiks Wege trennen sich vorläufig. Smeik folgt, nach einer erschütternden Weinprobe, seinem neuen Freund Kolibril nach Nebelheim, um diverse mikro- und makrokosmische Fragen und Zusammenhänge zu klären. Rumo folgt der Witterung des „silbernen Fadens“, der ihn nach Wolperting führt.

Der „silberne Faden“ ist eine Liebesfährte, welche die weiblichen Wolpertinger auslegen, um ihre Lebensgefährten anzuziehen, aber das weiß unser Held noch nicht, er weiß nur, daß er einer unbestimmten Sehnsucht folgt.

In der Stadt Wolperting muß Rumo zur Schule gehen, er lernt Lesen, Schreiben, Rechnen, Schachspielen, Heldenkunde und Zahnpflege, und natürlich werden verschiedene Kampfkünste zur Selbstverteidigung trainiert. Er wird geschult in waffenlosem und in bewaffnetem Kampf, er bekommt sehr differenzierten Beißunterricht, er lernt Bogenschießen, Fechten, Messerwerfen und Schattenboxen, und er verfeinert seine Körperbeherrschung.

Rumo hat eine besondere Begabung für das Kämpfen und für das Schreinerhandwerk, aber in Liebesdingen ist er ein hilflos-naiver Tollpatsch. Schon am ersten Schultag erkennt er, daß seine Mitschülerin, Rala, für ihn die Quelle des silbernen Fadens ist, aber das stürzt ihn nur in Verwirrung und pubertäre Sprachlosigkeit.

Da Rumo lieber Taten als Worte sprechen läßt, beschließt er, auf den Rat seines Schreinermeisters zu hören und für seine heimliche Liebste einen „Liebesfetisch“ zu schnitzen, eine kleine Schatulle aus dem besten Holz, das es in Zamonien gibt: aus dem Holz der Nurnenwaldeiche.

Kleiner Heldenhaken an der Holzbeschaffung ist die Lebensgefahr, in die er sich begeben muß, um an den bösartigen Nurnen vorbei bis zur Eiche vorzudringen, doch das steigert nur die romantische Überzeugungskraft der Liebesgabe. Nurnen sind eine fleischfressende, halbpflanzliche, halbinsektische Daseinsform, mit acht hölzernen Beinen und grünen Fangranken und einem von blutroten Blättern bedeckten Leib.

Rumo macht sich unverzüglich auf den Weg, nur begleitet von seinem Schwert, mit dem er in telepathischer Verbindung steht. In die Legierung seiner Schwertklinge sind Seelenanteile eines friedlich-musisch veranlagten Stollentrolls namens Löwenzahn und eines SEHR kriegerisch-blutrünstigen Dämonenkriegers namens Grinzold eingeschmolzen.

Nachdem Rumo erfolgreich die Begegnung mit einer Nurne zu seinen Gunsten entschieden hat und ihr sogar ein rotes Blatt als Trophäe abschneiden konnte, erreicht er die Nurnenwaldeiche und bespricht mit ihr sein romantisches Anliegen. Die riesige Eiche bedient sich der Tiere, die in ihrem Umkreis leben, als Sprechorgan, und so entsteht ein vielstimmiges und informatives Gespräch zwischen Rumo und dem eloquenten Baum. Schließlich genehmigt die Eiche Rumo einen passenden Ast für seinen Holzbedarf und bedankt sich für die Unterbrechung ihrer Einsamkeit. Sie bekommt – nurnenbedingt – nicht allzu oft Besuch zum Plaudern.

Rumo verläßt ohne weitere Zwischenfälle den Nurnenwald, rastet am Waldrand und beginnt sogleich mit den Schnitzarbeiten. Löwenzahn ist begeistert, und Grinzold ist empört über die friemelige, künstlerische Nutzung der Schwertklinge. Die Streitgespräche zwischen Grinzold und Löwenzahn sind stets sehr amüsant, nicht unbedingt für Rumo, aber für uns Zuhörer bzw. Leser. Dennoch halten die beiden Streitklingen treu – abgesehen von gelegentlichen Ohnmachtsanfällen Löwenzahns – zu ihm und unterstützen Rumos Heldentaten mit ihren jeweiligen blutigen und unblutigen Kenntnissen und Talenten.

Als Rumo nach Wolperting zurückkehrt, findet er eine verlassene Stadt vor. Alle Bewohner sind verschwunden. Nun beginnt Rumos Abstieg nach Untenwelt. Die Finsternisse, Gefahren und Schrecken, die dort lauern, dürfen sie gerne ohne meine vorbereitende Hilfe aushalten; ein bißchen Heldenmut müssen Sie schon mitbringen.

Nur soviel: In Untenwelt herrscht der Wahnsinn, es ist die HÖLLE. In der Untenweltstadt Hel ist sogar die Architektur grausam, ganz zu schweigen von den grausigen Inszenierungen und Kämpfen im „Theater der schönen Tode“ und den völlig durchgeknallten Tyrannentypen wie General Ticktack oder Gaunab dem Neunundneuzigsten, Herrscher von Hel. Der krankhafte Größenwahn wird sehr anschaulich dargestellt und zugleich entlarvend lächerlich gemacht, z.B. verpaßt der Autor König Gaunab einen silbenverdrehenden Sprachfehler. Die lieböseste Beschäftigung dieses sinnwahnigen Nigskö ist das Tentö; nur keine Sorge: Nach einer kleinen Eingewöhnungszeit in diese Sprechungewohnheiten kommt man ausdurch hindater.

Walter Moers entfaltet ein grandioses Panoptikum von Charakteren, Emotionen, Geisteszuständen, Szenerien, Dingen und Lebewesen. Er erschreibschafft monströse Monster, Ameisenzähler, Mondlichtschatten, Krankheiten und Heilmittel, Elme (putzige Felltierchen mit Schnabel, die Rumo vor dem Erfrieren bewahren), kreuz- und querdenkende Eydeeten, selbstironisch-untote Yetis, schmerzlose Narben, Auragraphen, Einhörnchen, Elfenjade, Forschgeister, Fünkelzwerge, Schubladenorakel … die Liste ließe sich noch lange, lange verlängern.

Dirk Bach als Vorleser oder besser: Mitspieler wird ihnen allen mit seiner panakustischen Vielgestaltigkeit gerecht, ja – er kann sogar mädchenhaft klingen und auch märchenhaft, exaltiert und bescheiden, alt und jung, ernst und lustig, schelmisch und verschlagen, charmant und schüchtern, mechanisch und tierisch, müde und munter, erregt und gelassen, donnernd und flüsterleise, wirr und weise; und en passant spricht er auch noch fließend Drehsilbisch.

Manchmal meinte ich sogar, die Mimik hören zu können, aber das liegt vielleicht daran, daß ich Synästhetin bin.

Walter Moers umschnörkelt Rumos Abenteuer mit Ausflügen in den Mikrokosmos der „unvorhandenen Winzlinge“, mit scheinbaren Nebenhandlungen, bizarren wissenschaftlichen Experimenten und mit biographischen Erinnerungsrückblenden verschiedener Protagonisten, die sich jedoch nach und nach absolut sinnvoll in den Gesamtzusammenhang fügen.

Wahrlich, ich bewundere die epische Präzision, die hier bis ins winzigste Detail inszeniert wird!

Ein weiterer Grund zum Schwärmen sind die literarischen Anspielungen, z.B. die herrlichen Mantel- und Degen-Reminiszenzen bei der Beschreibung des idealen Fechtgartens à la Uschan De Lucca, dem Fechtlehrer von Wolperting.

Wenn ich mir etwas aus dem Buch, zur Manifestation in meiner Wirklichkeit, wünschen dürfte, könnte ich mich gar nicht entscheiden, was ich lieber besäße:

Ein Otztaskop, um mich mikrokosmischen Betrachtungen hinzugeben?
Einen Baldachin aus geräuschverdauender Seide, der traumhafte Stille garantiert ?
Oder doch lieber ein telepathisches Schwert zur unterhaltsamen Selbstverteidigung?

Vielleicht bescheide ich mich zunächst mit dem nächsten ZAMONIEN-Roman.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/moers-rumo-424/

Die Taschenbuchausgabe von „Rumo“ ist im Piper Verlag erschienen.
rumo-taschenbuchausgabe
704 Seiten
mit zahlreichen Illustrationen von Walter Moers

14,– € (D), 14,40 € (A)

ISBN 978-3-492-24177-9

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.piper.de/buecher/rumo-die-wunder-im-dunkeln-isbn-978-3-492-24177-9

PS:
Können Sie das Rätsel, das Smeik Rumo aufgibt, lösen?
„Was wird immer kürzer je länger es wird?“

Meine Hörbuchbesprechung ist es nicht, denn die ist im Vergleich zur 704-seitigen Buchausgabe fast unvorhanden kurz.

 

Querverweis:

Und nachfolgend noch die Links zu meinen Besprechungen der ersten beiden ZAMONIEN-Romane:
Die  13½ Leben des Käpt’n Blaubär  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/
Ensel und Krete  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/

Der Autor:

»Walter Moers, 1957 in Mönchengladbach geboren, ist der Erfinder des »Käpt’n Blaubär« und hatte auch große Erfolge mit den Büchern um »Das kleine Arschloch« und der Comic-Figur »Adolf«. 1999 stürmte der Roman »Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär« die Bestsellerlisten. Dem folgten inzwischen mehrere sehr erfolgreiche Romane nach, die ebenfalls auf dem phantastischen Kontinent Zamonien spielen.«

Der Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

 

Pirat der Seifenmeere

  • von Andreas Hartmann
  • Farbillustrationen von Ina Worms
  • 72 Seiten, gebunden
  • Format: 16 x 24 cm
  • Obelisk Verlag, Februar 2014             http://www.obelisk-verlag.at
  • 10,95 €
  • ISBN 978-3-85197-722-6
  • ab 7 Jahren
    Pirat der Seifenmeere9783851977226

BADEZIMMER  AHOI

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Kindergeschichten mit fließenden Übergängen zwischen Phantasie und Wirklichkeit gibt es viele. Diesmal können wir das Fließen ruhig wortwörtlich nehmen, denn der „Pirat der Seifenmeere“ ist ein Buch für kleine Wasserratten.

Der kleine Junge, der in dieser Geschichte eine fantastische Karriere als Pirat absolviert, ist ein schönes Beispiel dafür, daß das beste und unerschöpflichste Spielzeug für Kinder immer noch die Phantasie ist.

Peter sitzt in der Badewanne und wartet darauf, daß seine Mutter kommt, um ihm die Haare zu waschen. Doch dank seiner kindlichen InsPIRATion erscheint hinter einem Badeschaumberg ein kleines schwarzes Piratenschiff mit einer kunterbunten Halunkenschar von Seeräubern.

Der Anführer, Kapitän Krausbart, berichtet dem erstaunten Peter, daß sie auf der Flucht vor den Schiffen des Königs seien. Die Piraten haben nämlich die Tochter des Gouverneurs an Bord – mit deren Einverständnis, da sie sich in den Steuermann verliebt hat. Und nun werden die scheinbaren Entführer von einer ganzen Flotte gejagt. Ist doch quallenklar, daß Peter hilfsbereit ein bißchen für Gegenwind sorgt und die königliche Flotte auf gebührenden Abstand zum Piratenschiff bringt.

Zum Dank übergibt ihm Krausbart das Kommando über eines seiner Schiffe und schärft ihm ein: „Bereite der Piratenehre keine Schande. Sonst komme ich und hole mir das Schiff zurück!“ Als Peters Mutter das Badezimmer betritt, sieht Peter gerade noch, wie Kapitän Krausbart zum Abschied seinen Hut schwenkt und hinter Schaumbergen verschwimmt.

Beim nächsten Badetag besteigt Peter sein eigenes blutrotes Piratenschiff, und er trägt eine schwarze Augenklappe (wegen des Haarshampoos, das so fürchterlich in den Augen brennt). Abenteuerlustig durchquert er die Seifenmeere und findet auf einer einsamen Insel eine Gruppe ausgesetzter Piraten. Kurzentschlossen nimmt er die Mannschaft an Bord, und schon kann es losgehen mit Schiffe-Kapern und Schätze-Erbeuten.

Wenn man „die Seifenmeere kennt wie meine Badewanne“, kann man getrost einmal den Stöpsel aus der Meereswanne ziehen und das Meer abfließen lassen, um ein feindliches Schiff zu Fuß zu entern.

Und so geht es weiter: von Badetag zu Badetag werden wilde Abenteuer bestanden und Meeresungeheuer besiegt, es gibt Streit und Versöhnung und zum guten Schluß ein Riesenlob von Kapitän Krausbart für Peters vorzügliche Piratenqualitäten.

Nur Peters Eltern wundern sich über die regelmäßigen Überschwemmungen und Seifenkanonenkugeln, die neuerdings das Badezimmer zieren…

Der Autor, Andreas Hartmann, würzt die kindlichen Abenteuer mit echtem Seeräubervokabular und lustigen Wortspielen, die dem Schiffspapagei, der immer alles ganz anders versteht, in den Schnabel gelegt werden. Sehr ansprechend und kindgerecht finde ich zudem die beiden Extraseiten mit den Erklärungen zu Segelschiffsfachbegriffen und Piratensprache.

Die bunten Illustrationen von Ina Worms greifen zeichnerisch die Badezimmerrequisiten auf und verwandeln sie in Meeres- und Seemannszubehör. Den lustigen, warmherzigen Bildern gelingt das Kunststück, wie sehr gekonnte Kinderzeichnungen zu erscheinen.

 

 

Der Autor:

Andreas Hartmann wurde 1973 in Berlin geboren. Nachdem sich das Ingenieurswesen für ihn rasch als Irrweg entpuppte, studierte er Erziehungswissenschaften. Er arbeitete in verschiedenen Bereichen – nur nicht in der Sozialarbeit. Auf verschlungenen Pfaden verschlug es ihn schließlich zum Schreiben und Übersetzen. Das tut er heute noch. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Berlin. Zusätzliche Informationen finden sich auf seiner Homepage:   http://www.klippenschreiber.de

Ich möchte noch hinzufügen, daß Andreas Hartmann ein weiteres Kinderbuch – DER HERR DER WOLKEN – veröffentlicht hat, das ich ebenfalls besprochen habe – siehe:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/07/24/der-herr-der-wolken/

Die Illustratorin:

»Ina Worms ist in der Nähe von Bonn geboren und aufgewachsen. Sie hat an der FH Trier Kommunikationsdesign studiert mit Schwerpunkt Design Buch und war für ein Auslandssemester an der Akademie der Schönen Künste in Krakau. Sie lebt und arbeitet heute in Köln als Illustratorin.«
http://www.ina-worms.de

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär

  • von Walter Moers
  • inszenierte Lesung mit Musik
  • der Hörverlag, November 2013            www.HOERVERLAG.DE
  • 16 CDs
  • Laufzeit: 18 Stunden 33 Minuten
  • 49,99 €  (D), 56,10 € (A), 65,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-1330-1

Gelesen von: Dirk Bach, Wolfgang Völz
Regie: Claudia Gehre / Thomas Krüger
Sounddesign: Michal Krajczok unter Mitwirkung von Marian Mentrup
und Niklas Kammertöns; Gesang: Larissa Blau; singende Säge: Katharina Micada
Supervising: Walter und Elvira Moers
Technik: Christoph Bette / Mango Studios, Köln
und Talking Animals Sound Department, Berlin
Produktion: Hessischer Rundfunk 2002/ der Hörverlag 2013

Käpt'n Blaubär Hörbuch__

P  H  A  N  T  A  S  I  A     K  O  M  P  L  E  X  I  E  N  S  I  S

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Geneigte Hörerin, geneigter Hörer,

mit dem Genuß dieses Hörbuches erlauschen Sie sich eine neue Welt, ach – was untertreibe ich hier: Sie erlauschen sich neue Welten ! Sie laben sich an einem Büfett der Phantasie, bis Sie glauben, so viele Ideen passen doch gar nicht in eine Geschichte – geschweige denn in ein Leben.

Aber es ist ja kein einfaches Leben, sondern es sind die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär, und da darf es schon ein bißchen mehr sein als bei uns menschlichen Eintagsfliegen.

Ort der Handlung ist der Kontinent ZAMONIEN, eine Lebenswelt, angefüllt mit so vielen erstaunlichen Wesen, Wundern und moersschen Phantasmagorien, daß es ein eigenes Lexikon dafür gibt, namentlich das  „Lexikon der  erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung“ von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, aus dem im Verlauf der abenteuerlustigen und abenteuerlistigen Handlung immer wieder zitiert wird.

Wir begleiten den Blaubären von seinen Findelkindanfängen an und durchreisen Zamonien in alle sieben Himmelsrichtungen:  von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, von Vorher zu Nachher bis Zuhause.

Zunächst wird Blaubär von Zwergpiraten vor dem Versinken im Malmstrom gerettet und durch Algenfütterung großgezogen, danach weinen wir mit ihm für die Klabautergeister, lauschen seinem Sprachunterricht bei den Tratschwellen, lassen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen auf der Feinschmeckerinsel (gourmetica  insularis) und freuen uns über seine Rettung durch den vegetarischen Rettungssaurier Deus X Machina – kurz Mac genannt.

Wir lernen mit ihm in der Nachtakademie des siebengehirnigen Eydeeten Prof. Dr. Abdul Nachtigaller  und erfahren neidvoll von der Möglichkeit der Wissensübertragung durch Intelligenzbakterien.

Wir folgen Blaubär durch das Finsterberghöhlenlabyrinth und erhalten eine schmerzliche Lektion bezüglich der Vertrauenswürdigkeit von Stollentrollen. Im großen Wald retten wir uns zusammen mit Blaubär im letzten Augenblick vor der gefräßigen Waldspinnenhexe, indem wir in ein Dimensionsloch springen und unwahrscheinlicherweise auch wieder in die richtige Dimension zurückfallen.

Danach folgt eine lange Karawanenreise mit den geheimnisvoll verhüllten Gimpeln durch die Süße Wüste auf der Suche nach der mobilen, kontaktscheuen Stadt Anagrom Ataf.

Sodann landen wir Abenteuerlustigen im ewigen Tornado und können nur dank mathematischer Präzision wieder herauskatapultiert werden.

Hindernisse in Form eines abgelegten Bolloggkopfes (Bolloggs sind Riesenzyklopen, die auch ohne Kopf leben können) müssen überwunden bzw. von Riesenohr zu Riesenohr durchwandert werden. Bei dieser hirnsträubenden Gehirnüberwindung wird  Blaubär von 16 U, einer schlechten, aber dennoch sehr freundlichen und hilfsbereiten Idee tatkräftig unterstützt.

Wir folgen Blaubär in die zukunftsträchtige Stadt Atlantis und erleben seine spektakuläre Karriere als Lügengladiator…

Und hier breche ich meine Aufzählung ab, denn schließlich will ich Sie hier ja bloß mit ein paar Leselockhäppchen zum Genuß des GANZEN verführen.

Eine vollständige Hörbuchfassung  der  „13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ gibt es seit  dem Jahre 2002. Das Neue an der Hörbucheinspielung  aus dem Jahre 2013 ist die Kombination mit Musik und Naturgeräuschen. Ich habe seinerzeit die „unmusikalische“ Fassung gehört und ich war damals schon begeistert, beglückt und entzückt  – sowohl von Walter Moers Phantasiereichtum und Humor als auch von der lebhaften, einfühlsamen und kongenialen Stimmdramaturgie Dirk Bachs.

Nun habe ich die neue Fassung genossen und dabei zunächst bemerkt wie viele köstliche Einzelheiten der Geschichte bei mir schon im „See des Vergessens“ (eine Hirnregion, die nichtzamonischen Neurologen einiges an Erforschungsbedarf bieten dürfte) untergegangen waren.

Doch Wiederhören macht doppelte Freude:  Vorfreude und Wiedererinnerungsfreude!

Die klangfarbige Untermalung des gesprochenen Textes ist unaufdringlich und sehr stimmig. Es gibt leichte, elektronische Stimmverzerrungen bei den telepathisch übertragenen Zitierpassagen aus dem Lexikon von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, Musik, Grillenzirpen, Lagerfeuerknistern, Gongschläge, Stimmenrauschen, Stimmengewirr, Zeitungsrascheln, eine wiederkehrende Kapiteleinleitungsmelodie und sogar Applaus.

Mit diesem Hörbuch werden sowohl Kenner wie Neulinge gerne zu Gast in Zamonien sein und sich staunend ein Abenteuer nach dem anderen aus der phantasiefreudigen, unerschöpflichen Geschichtenvorratskammer von Walter Moers servieren und schmecken lassen.

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-13-1-2-Leben-des-Kaeptn-Blaubaer/Walter-Moers/der-Hoerverlag/e449491.rhd

Und das Schönste ist, daß es noch so viel Nachschub gibt, denn „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ sind erst der Anfang, der erste von bisher sieben Zamonien-Romanen. Das ist eine unendliche Geschichte, die sich sehen, hören und lesen läßt.


Außerdem gibt es inzwischen auch  –  in echt  –  ein ZAMONIEN-Lexikon, für bereits Moersinfizierte eine bereichernde Zugabe und Erinnerungshilfe – Sie erinnern sich doch an den „See des Vergessens“ ?

VFqaERNRUU0T0RRMk1qSkJNa0kyUVRSRFJVSXlSalV0YmpRdVluTXhOR0UkYzJWc1pXTjBhVzl1UFhSbWIyd3hNV0V5T0RRNVpURmxPVGMxTXpBdyZ3PTgwMCZoPTYwMCZxPTc1JnQ9MTM4NjI1NzU1MQ__Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent
Von A wie Anagrom Ataf bis Z wie Zamomin

Von Anja Dollinger und Walter Moers
Illustriert von Walter Moers
Gestaltet von Oliver Schmitt
Knaus Verlag 2012
gebunden, 311 Seiten
22,99 € (D), 23,70 € (A), 30,90 sFr.
ISBN 978-3-8135-0530-6
Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Zamonien/Walter-Moers/Knaus/e424385.rhd

 

Passend zum neuen Hörgenuß ist im Knaus Verlag 2013 auch der neue Augenschmaus – die farbige Buchausgabe erschienen:

Moers Blaubär BUCH Die  13½ Leben des Käpt’n Blaubär 

von Walter Moers
mit zahlreichen Farbillustrationen von Walter Moers
gebunden
704 Seiten
29,99 € (D), 30,90€ (A),  39,90 sFr.
ISBN 978-3-8135-0572-6

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-13-12-Leben-des-Kaeptn-Blaubaer/Walter-Moers/Knaus/e440931.rhd

 

Querverweise:

Weitere zamonische Zutaten finden Sie unter folgenden Links:
ENSEL  UND  KRETE   https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/
RUMO  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/28/rumo/

Der Autor:

»Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus in die Herzen der Leser und Kritiker geschrieben. Alle seine Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“, „Die Stadt der träumenden Bücher“, „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ und „Der Schrecksenmeister“ waren Bestseller. Neben dem Kontinent Zamonien mit seinen zahlreichen Daseinsformen und Geschichten hat Walter Moers auch so erfolgreiche Charaktere wie den Käpt’n Blaubär, das Kleine Arschloch und die Comicfigur Adolf geschaffen.«

Die Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

»Wolfgang Völz kam 1930 in Danzig zur Welt. Er hat Bäcker gelernt, aber früh mit der Schauspielerei begonnen. Bekannt wurde er in Deutschland durch die Rolle des Chauffeurs in „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ und vor allem durch die Kultserie „Raumschiff Orion“. Wolfgang Völz lieh vielen internationalen Stars wie Michel Piccoli, Mel Brooks und Peter Ustinov seine Stimme. Generationen von Kindern kennen ihren urigen, markanten Klang, weil er den alten brummigen „Käptn Blaubär“ spricht. Sie passt auch hervorragend ins Reich des kleinen Königs Kalle. Wolfgang Völz lebt mit seiner Famlie in Berlin.«