Abschweifung Nr. 3

BUCHGESICHTER

von Ulrike Sokul ©

Einer meiner Lieblingsautoren ist Walter Moers. Wer das noch nicht weiß oder – fast undenkbar – keinen Leseschimmer von Walter Moers‘ Büchern hat, kann sich unter den nachfolgenden Links einen lebhaften Eindruck meiner Walter-Moers alias Hildegunst-von-Mythenmetz-Begeisterung verschaffen:

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/
ENSEL UND KRETE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/
RUMO  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/28/rumo

Walter Moers ist Schriftsteller und Comiczeichner und läßt sich schon seit Jahrzehnten nicht mehr fotografieren, gibt Interviews per E-Post und schickt den Zeitungs- redaktionen zur Illustration ein lustiges Comic-Selbstportrait. Auch auf der Buchmesse zeigt er sich nicht,  und ein Verlagsmitarbeiter verteilt Moers-Autogramme mit einem Stempel in die Bücher der hoffnungsvollen Lesegetreuen.

Gerne stelle ich mir vor, daß Walter Moers unerkannt über die Buchmesse schlendert, die eitel-oberflächliche Autorenwerbetrommel-Plakatierung und den blickundichten Laufsteg der Buchvermarktung beäugt und sich in seiner Unsichtbarkeit und unbehelligten Privatsphäre sonnt.

Nun, als Bestsellerautor kann er sich das selbstverständlich leisten. Ein talentierter, aber noch unbekannter Autor wird sich wahrscheinlich dem Druck angeblich werbewirksamer,  optischer Selbstdarstellungen, Interviews und öffentlicher Lesungen nur schwer entziehen können.

Doch ich schweife ab, kommen wir zum eigentlichen Thema:  Besichtigen wir die buchvermarkterische, plakatschreierische Autorenfoto-Überproportionierung.

Autorenfotos  waren einst – als ich meine Buchhändlerausbildung anno 1983 begann – nur eine briefmarkengroße Randbemerkung zur Literatur. Inzwischen bekommen Autorenfotos oft mehr Selbstdarstellungsplatz eingeräumt als substanzielle Informationen zu Inhalt, Stil und Thema oder zur buchgestalterischen Qualität.

Immer häufiger frage ich mich inzwischen beim Durchblättern der halbjährlichen Verlagsvorschauen und diverser Buchkundenkataloge, ob ich das illustre Magazin „Gala“ betrachte oder einen Buchwerbekatalog: DIN-4-große (manchmal sogar doppelseitig) dramatisch, piefig, pseudotiefsinnig, blödsinnlich, frischfrisiert-gefärbt, bartschattig, zwanghaft-lässig, romantisch oder distanziert-denkerisch, schüchtern-gequält oder narzisstisch-selbstherrlich, freundlich, unfreundlich, gelassen, genervt, schutzbedürftig, souverän, abenteuerlustig, abstoßend bis attraktiv inszenierte, kunterbunte oder schwarzweiße Autoren- und Autorinnenfotos fungieren als Blickfang für wortkarge Buchbeschreibungen und zweizeilige biographische Hinweise. Über die deutlich abschreckende Wirkung mancher dieser Fotos will ich mich hier gar nicht weiter auslassen.

Früher gab es wesentlich mehr TEXT-Informationen zum Buch und zum Verfasser und viel weniger Autorenbilder. Meist  hatten die Schriftstellerportraits bescheidenes Paßbildformat oder unbescheideneres Postkartenformat, und nienienie füllten die Portraits eine ganze Seite im kostbar-teuren Katalograum aus. Aber das war lange vor der Erfindung von Facebook.

Offen gestanden: Mich stört diese aufdringliche fotogene Überbetonung. So porentief-bartstoppelkratzig-augenschatten-sorgenfaltig-wimpernzähl-nahe möchte ich den Schriftstellern gar nicht kommen. Selbst wenn ich in das eine oder andere Buch durchaus verliebt sein kann, heißt das noch lange nicht, daß ich mich in den Autor oder die Autorin verlieben möchte.

Gerade angesichts der modernen bildbearbeitungstechnischen Mogelmöglichkeiten traue ich diesen Bildern auch nicht wirklich. (Eine rühmliche Ausnahme davon sind die wunderbar einfühlsam-echten, ungezwungenen, geistvollen und beseelten Autorenportraits der Fotografin Isolde Ohlbaum. http://www.ohlbaum.de/ )

Mir ist ein aussagekräftiger Text genug, das Aussehen des Verfassers ist für mich absolut nebensächlich. Interviews hingegen erregen durchaus meine Neugierde, wenn die gestellten Fragen und die gegebenen Antworten interessant sind.

Wenn die Worte, die ein Buch empfehlen sollen, auf eine Bildlegende zum Autorenfoto reduziert werden, dann – finde ich – sind die Proportionen schmerzhaft verschoben.

Gebt mit Zitate als Köder, und wenn sie mir schmecken, beiße ich an!

Indes, meine Klage ist nicht neu. Bereits 1939 äußerte sich der Schriftsteller Erich Maria Remarque in seinem Tagebuch zu rampenlichten Äußerlichkeiten mit folgenden Worten:

„Photographiererei u. Getue, weiter nichts. Alles ist dauernd in Pose.“  

 

Querverweis:

Hier entlang zu Abschweifung Nr. 1: BUCHSTABENSUPPE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/11/05/abschweifung-nr-1/
Hier entlang zu Abschweifung Nr. 2: MEIN LIEBER SCHWAN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/06/03/abschweifung-nr-2/

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RUMO

  • & Die Wunder im Dunkeln
  • von Walter Moers
  • Gelesen von Dirk Bach
  • Produktion Hessischer Rundfunk
  • Hörbuch Hamburg Verlag  2008        http://www.hoerbuch-hamburg.de
  • Ungekürzte Lesung, Dauer: 1500 Minuten
  • 16 CDs
  • 59,95 € (D), 67,30 € (A)
  • ISBN 978-3-89903-800-2
    moers-rumo-hoerbuch-9783899038002

DAS    WIRD     SIE     UMHAUEN!

oder: EINE HELDENREISE, WIE SIE IM BUCHE STEHT

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Rumo & Die Wunder im Dunkeln“, der dritte ZAMONIEN-Roman von Walter Moers, ist eine weitverzweigte, sehr spannende und betont kämpferische Heldengeschichte. Es fließt sehr viel Blut, gemildert durch eine schöne Prise Liebesromantik und moerstypischen Humor sowie wort – und gedankenspielerische Wendigkeit. Ich habe jedenfalls gezittert und gebangt, gestaunt und geschmunzelt, mitgelitten und mich mitgefreut und viel Schlaf geopfert, da ich die vielen Klippenhänger kaum aushalten konnte.

Walter Moers scheut sich nicht, wirklich fies-böse Charaktere darzustellen, gewissermaßen das Kontrastmittel des Bösen dramaturgisch und auch kathartisch einzusetzen. Der Autor wagt zudem den paradoxen Perspektivwechsel und läßt auch die Ereignisbewertung der sogenannten Bösen zu Wort kommen, die, als sie von den sogenannten Guten bekämpft werden, nicht begreifen, wieso und weshalb ihnen so böse mitgespielt werden kann.

Der erste Teil der Geschichte spielt in der „Obenwelt“, also im oberirdischen Zamonien, der zweite Teil in der „Untenwelt“, tief, tief in unterirdischen, düsteren Gefilden unterhalb der zamonischen Oberfläche. Die graphische Gestaltung der CDs greift diese Färbung des Handlungsverlaufes durch die jeweilige weiß- bzw. schwarzhintergründige CD-Etikettierung auf.

Da der Held, Rumo, ein Wolpertinger ist, werde ich hier zunächst ein bißchen Wolpertinger-Kunde betreiben:

Einer beliebten Legende nach, entstammt die zamonische Daseinsform der Wolpertinger der Liebesverbindung von Prinzessin Silbermilch und Prinz Kaltbluth. Prinzessin Silbermilch war von einer bösen Hexe in ein Reh verwandelt worden und Prinz Kaltbluth in einen Wolf. Im Großen Wald rettete der Wolf-Prinz der Reh-Prinzessin mehrfach das Leben, die beiden verliebten sich und bekamen Nachwuchs: den ersten Wolpertinger.

Wolpertinger sehen aus wie Hunde, und sie tragen auf dem Kopf zwei kleine Hörner. Sie unterscheiden sich individuell je nach der Hunderasse, die sich in ihnen ausprägt, die Spannbreite umfaßt die ganze Hundevielfalt vom kleinen Rehpinscher bis zur Deutschen Dogge, manchmal kommen auch Dachse, Füchse und Wölfe vor.

Außerdem teilen sie sich in eine wilde und in eine zivilisierte Kategorie. Die Wilden bleiben Vierbeiner, während die Zivilisierten sich zu Zweibeinern aufrichten und sprechen lernen. Zivilisierte Wolpertinger tragen Kleidung, und viele von ihnen leben in der Stadt Wolperting, die auf bemerkenswert gemeinwohlartige Weise sozial organisiert ist und zudem ein vorzügliches Bildungssystem eingerichtet hat.

Da sie das Erbe von Jäger und Gejagtem in sich vereinen, verfügen Wolpertinger über sehr feine Instinkte und Reflexe und extrem hochentwickelte Sinnesorgane, die synästhetische Wahrnehmungen ermöglichen, z.B. das Sehen von Gerüchen und Geräuschen. Sie sind überdurch-schnittlich schnell und stark, und sie haben ein perfekt gewachsenes Präzisionsgebiß, das als natürliche Waffe die sonstigen Waffenkünste der Wolpertinger ergänzt.

Zu Beginn ist unser Held noch ganz klein, ein niedlicher Wolpertinger-Welpe, der entführt wird und bei den Teufelsfelszyklopen in der Speisekammer-Grotte landet. Die Teufelsfelszyklopen bevorzugen frische Nahrung, um genau zu sein: lebendige, zappelnde, schreiende … näher möchte ich mich zu diesem Kapitel nicht äußern – ich bin nämlich Vegetarierin.

Und falls Sie der Ansicht sind, das Teufelsfelszyklopen, moralisch betrachtet, das Allerletzte sind, so kann ich Sie nur warnend darauf hinweisen, daß im weiteren Verlauf der Geschichte noch viel gemeinere und irrsinnig-bösartigere Wesen auftreten werden. Denn noch befinden wir uns in der vergleichsweise harmlosen Obenwelt.

Während seines unfreiwilligen Aufenthaltes bei den Teufelsfelszyklopen freundet sich Rumo mit einem anderen Gefangenen an. Für Smeik, eine lebenserfahrene Haifischmade, ist der kleine Rumo eine willkommene Ablenkung von der ständigen Todesangst, und er bringt Rumo das Sprechen und die theoretische Seite des Kämpfens bei, indem er ihm zahlreiche Kampf- und Duellgeschichten erzählt. So erfährt Rumo Wissenswertes von der sagenhaften Schlacht im Nurnenwald, bei der sich zwei Söldnerheere aus Blutschinken, Dämonenkriegern, Werwölfen und Yetis bis zum bitteren Ende bekämpften, und wie – aus alchemistischem Übermut – die gefürchteten Kupfernen Kerle und ihr Anführer General Ticktack entstanden sind. Smeik berichtet von diversen Belagerungen der Lindwurmfeste und den Verteidigungsmethoden ihrer Bewohner.

Rumo wächst sehr schnell heran, wie das bei Wolpertingern üblich ist; Smeik trichtert ihm einen waghalsigen Fluchtplan ein und erklärt ihm einen strategisch wichtigen Schwachpunkt der Teufelsfelszyklopen. Als Rumo groß und stark sowie appetitlich genug geworden ist und bei einem barbarischen Festmahl der Teufelszyklopen als Rohkostleckerbissen auf den Tisch kommt, greift und beißt er gnadenlos zu und setzt Smeiks Zyklopenvernichtungsplan erfolgreich in die blutige, aber befreiende Tat um. Rumos erste Heldentat ist vollbracht, aber verglichen mit seinen späteren Taten ist diese nur eine Fingerübung.

Rumo und Smeik wandern eine Weile gemeinsam durch Zamonien und meistern kleinere Herausforderungen. Sie begegnen dem freundlichen Eydeeten Dr. Oztafan Kolibril, und Smeik macht eine hochinteressante, simulierte Entdeckungsreise durch Kolibrils Gehirnwindungen. Kolibril verfügt zwar nur über vier Gehirne und beklagt sich darüber, daß er keine sieben Gehirne hat wie sein Lehrer Dr. Abdul Nachtigaller, aber für mein ein und einzigstes Gehirn waren die dargebotenen phantastischen, wissenschaftlichen Entdeckungen und Erkenntnisse vollkommen ausreichend.

Kolibril macht sich sodann auf den Weg nach Nebelheim, um mit Hilfe einer aurakarto-graphischen Aufnahme dem eigentlichen Wesen des nebulösen Nebelheimer Nebels auf die Spur zu kommen.

Auch Rumo und Smeiks Wege trennen sich vorläufig. Smeik folgt, nach einer erschütternden Weinprobe, seinem neuen Freund Kolibril nach Nebelheim, um diverse mikro- und makrokosmische Fragen und Zusammenhänge zu klären. Rumo folgt der Witterung des „silbernen Fadens“, der ihn nach Wolperting führt.

Der „silberne Faden“ ist eine Liebesfährte, welche die weiblichen Wolpertinger auslegen, um ihre Lebensgefährten anzuziehen, aber das weiß unser Held noch nicht, er weiß nur, daß er einer unbestimmten Sehnsucht folgt.

In der Stadt Wolperting muß Rumo zur Schule gehen, er lernt Lesen, Schreiben, Rechnen, Schachspielen, Heldenkunde und Zahnpflege, und natürlich werden verschiedene Kampfkünste zur Selbstverteidigung trainiert. Er wird geschult in waffenlosem und in bewaffnetem Kampf, er bekommt sehr differenzierten Beißunterricht, er lernt Bogenschießen, Fechten, Messerwerfen und Schattenboxen, und er verfeinert seine Körperbeherrschung.

Rumo hat eine besondere Begabung für das Kämpfen und für das Schreinerhandwerk, aber in Liebesdingen ist er ein hilflos-naiver Tollpatsch. Schon am ersten Schultag erkennt er, daß seine Mitschülerin, Rala, für ihn die Quelle des silbernen Fadens ist, aber das stürzt ihn nur in Verwirrung und pubertäre Sprachlosigkeit.

Da Rumo lieber Taten als Worte sprechen läßt, beschließt er, auf den Rat seines Schreinermeisters zu hören und für seine heimliche Liebste einen „Liebesfetisch“ zu schnitzen, eine kleine Schatulle aus dem besten Holz, das es in Zamonien gibt: aus dem Holz der Nurnenwaldeiche.

Kleiner Heldenhaken an der Holzbeschaffung ist die Lebensgefahr, in die er sich begeben muß, um an den bösartigen Nurnen vorbei bis zur Eiche vorzudringen, doch das steigert nur die romantische Überzeugungskraft der Liebesgabe. Nurnen sind eine fleischfressende, halbpflanzliche, halbinsektische Daseinsform, mit acht hölzernen Beinen und grünen Fangranken und einem von blutroten Blättern bedeckten Leib.

Rumo macht sich unverzüglich auf den Weg, nur begleitet von seinem Schwert, mit dem er in telepathischer Verbindung steht. In die Legierung seiner Schwertklinge sind Seelenanteile eines friedlich-musisch veranlagten Stollentrolls namens Löwenzahn und eines SEHR kriegerisch-blutrünstigen Dämonenkriegers namens Grinzold eingeschmolzen.

Nachdem Rumo erfolgreich die Begegnung mit einer Nurne zu seinen Gunsten entschieden hat und ihr sogar ein rotes Blatt als Trophäe abschneiden konnte, erreicht er die Nurnenwaldeiche und bespricht mit ihr sein romantisches Anliegen. Die riesige Eiche bedient sich der Tiere, die in ihrem Umkreis leben, als Sprechorgan, und so entsteht ein vielstimmiges und informatives Gespräch zwischen Rumo und dem eloquenten Baum. Schließlich genehmigt die Eiche Rumo einen passenden Ast für seinen Holzbedarf und bedankt sich für die Unterbrechung ihrer Einsamkeit. Sie bekommt – nurnenbedingt – nicht allzu oft Besuch zum Plaudern.

Rumo verläßt ohne weitere Zwischenfälle den Nurnenwald, rastet am Waldrand und beginnt sogleich mit den Schnitzarbeiten. Löwenzahn ist begeistert, und Grinzold ist empört über die friemelige, künstlerische Nutzung der Schwertklinge. Die Streitgespräche zwischen Grinzold und Löwenzahn sind stets sehr amüsant, nicht unbedingt für Rumo, aber für uns Zuhörer bzw. Leser. Dennoch halten die beiden Streitklingen treu – abgesehen von gelegentlichen Ohnmachtsanfällen Löwenzahns – zu ihm und unterstützen Rumos Heldentaten mit ihren jeweiligen blutigen und unblutigen Kenntnissen und Talenten.

Als Rumo nach Wolperting zurückkehrt, findet er eine verlassene Stadt vor. Alle Bewohner sind verschwunden. Nun beginnt Rumos Abstieg nach Untenwelt. Die Finsternisse, Gefahren und Schrecken, die dort lauern, dürfen sie gerne ohne meine vorbereitende Hilfe aushalten; ein bißchen Heldenmut müssen Sie schon mitbringen.

Nur soviel: In Untenwelt herrscht der Wahnsinn, es ist die HÖLLE. In der Untenweltstadt Hel ist sogar die Architektur grausam, ganz zu schweigen von den grausigen Inszenierungen und Kämpfen im „Theater der schönen Tode“ und den völlig durchgeknallten Tyrannentypen wie General Ticktack oder Gaunab dem Neunundneuzigsten, Herrscher von Hel. Der krankhafte Größenwahn wird sehr anschaulich dargestellt und zugleich entlarvend lächerlich gemacht, z.B. verpaßt der Autor König Gaunab einen silbenverdrehenden Sprachfehler. Die lieböseste Beschäftigung dieses sinnwahnigen Nigskö ist das Tentö; nur keine Sorge: Nach einer kleinen Eingewöhnungszeit in diese Sprechungewohnheiten kommt man ausdurch hindater.

Walter Moers entfaltet ein grandioses Panoptikum von Charakteren, Emotionen, Geisteszuständen, Szenerien, Dingen und Lebewesen. Er erschreibschafft monströse Monster, Ameisenzähler, Mondlichtschatten, Krankheiten und Heilmittel, Elme (putzige Felltierchen mit Schnabel, die Rumo vor dem Erfrieren bewahren), kreuz- und querdenkende Eydeeten, selbstironisch-untote Yetis, schmerzlose Narben, Auragraphen, Einhörnchen, Elfenjade, Forschgeister, Fünkelzwerge, Schubladenorakel … die Liste ließe sich noch lange, lange verlängern.

Dirk Bach als Vorleser oder besser: Mitspieler wird ihnen allen mit seiner panakustischen Vielgestaltigkeit gerecht, ja – er kann sogar mädchenhaft klingen und auch märchenhaft, exaltiert und bescheiden, alt und jung, ernst und lustig, schelmisch und verschlagen, charmant und schüchtern, mechanisch und tierisch, müde und munter, erregt und gelassen, donnernd und flüsterleise, wirr und weise; und en passant spricht er auch noch fließend Drehsilbisch.

Manchmal meinte ich sogar, die Mimik hören zu können, aber das liegt vielleicht daran, daß ich Synästhetin bin.

Walter Moers umschnörkelt Rumos Abenteuer mit Ausflügen in den Mikrokosmos der „unvorhandenen Winzlinge“, mit scheinbaren Nebenhandlungen, bizarren wissenschaftlichen Experimenten und mit biographischen Erinnerungsrückblenden verschiedener Protagonisten, die sich jedoch nach und nach absolut sinnvoll in den Gesamtzusammenhang fügen.

Wahrlich, ich bewundere die epische Präzision, die hier bis ins winzigste Detail inszeniert wird!

Ein weiterer Grund zum Schwärmen sind die literarischen Anspielungen, z.B. die herrlichen Mantel- und Degen-Reminiszenzen bei der Beschreibung des idealen Fechtgartens à la Uschan De Lucca, dem Fechtlehrer von Wolperting.

Wenn ich mir etwas aus dem Buch, zur Manifestation in meiner Wirklichkeit, wünschen dürfte, könnte ich mich gar nicht entscheiden, was ich lieber besäße:

Ein Otztaskop, um mich mikrokosmischen Betrachtungen hinzugeben?
Einen Baldachin aus geräuschverdauender Seide, der traumhafte Stille garantiert ?
Oder doch lieber ein telepathisches Schwert zur unterhaltsamen Selbstverteidigung?

Vielleicht bescheide ich mich zunächst mit dem nächsten ZAMONIEN-Roman.

 

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
http://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/moers-rumo-424/

Die Taschenbuchausgabe von „Rumo“ ist im Piper Verlag erschienen.
rumo-taschenbuchausgabe
704 Seiten
mit zahlreichen Illustrationen von Walter Moers

14,– € (D), 14,40 € (A)

ISBN 978-3-492-24177-9

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.piper.de/buecher/rumo-die-wunder-im-dunkeln-isbn-978-3-492-24177-9

PS:
Können Sie das Rätsel, das Smeik Rumo aufgibt, lösen?
„Was wird immer kürzer je länger es wird?“

Meine Hörbuchbesprechung ist es nicht, denn die ist im Vergleich zur 704-seitigen Buchausgabe fast unvorhanden kurz.

 

Querverweis:

Und nachfolgend noch die Links zu meinen Besprechungen der ersten beiden ZAMONIEN-Romane:
Die  13½ Leben des Käpt’n Blaubär  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/
Ensel und Krete  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/

Der Autor:

»Walter Moers, 1957 in Mönchengladbach geboren, ist der Erfinder des »Käpt’n Blaubär« und hatte auch große Erfolge mit den Büchern um »Das kleine Arschloch« und der Comic-Figur »Adolf«. 1999 stürmte der Roman »Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär« die Bestsellerlisten. Dem folgten inzwischen mehrere sehr erfolgreiche Romane nach, die ebenfalls auf dem phantastischen Kontinent Zamonien spielen.«

Der Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

 

Ensel und Krete

  • Ein Märchen aus Zamonien
  • von Walter Moers
  • ungekürzte Lesung von Dirk Bach
  • 1 mp3-CD,  Laufzeit: 7 Stunden, 20 Minuten
  • der Hörverlag, November 2013               www.HOERVERLAG.DE
  • ISBN  978-3-8445-1353-0
  • 19,99 € (D), 22,50 € (A), 28,50 sFr.
    Ensel und Krete HÖRBUCH

Sprecher: Dirk Bach
Regie: Thomas Krüger
Buchvorlage: Knaus Verlag
Produktion: Hessischer Rundfunk 2002

HEXENHUTPILZE  IM  CHLOROPHYLLIDYLL

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der zweite ZAMONIEN-Roman von Walter Moers knüpft gekonnt an das verheißungsvolle Ende des ersten an – siehe meine genüßliche und kennerische Besprechung vom Dezember 2013: „Die 13 ½  Leben des Käpt’n Blaubär“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/

Ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß Walter Moers nicht der wirkliche Autor des vorliegenden Werkes ist, sondern der Übersetzer des wahren Schriftstellers, Hildegunst von Mythenmetz. Walter Moers nimmt die spielerische Mühe auf sich, uns das ausufernde Werk dieses Schreibosauriers aus dem Zamonischen ins Deutsche zu übertragen. Dank und Orm-Segen sind ihm für diese literarische Meisterleistung gewiß!

Nachdem Käpt’n Blaubär und seine Buntbärenartgenossen wieder im Großen Wald eingezogen sind, herrschen eitel Sonnenschein und strenge Chlorophylleuphorie im wiederbesiedelten Forst.

Wir folgen Dirk Bachs lesespielfreudiger Stimme in ein erstaunliches Waldparadies:
Die Buntbären haben den Großen Wald weitgehend  kultiviert und zivilisiert (aber nicht weitgehend genug – da müßte jetzt ein schadenfrohes Stollentroll-„Kähähä“  ertönen). Sie bewirtschaften und pflegen den Wald nachhaltig, sie betätigen sich als fleißige Imker und Blaubeerenwinzer, und sie haben für jeden Touristengeschmack die passende Waldpension nebst graduell abgestimmtem, wohldosiertem Verwilderungsangebot.

Bauming, so der neue Name des Großen Waldes, hat sich in ein attraktives, zamonisches Traumurlaubsziel verwandelt. Die Besucher können wandern, picknicken, Waldlehrpfaden folgen, ihre Kinder botanisch-pädagisch betreuen lassen, Forellen räuchern und beruhigt schlafen, gut bewacht von den allgegenwärtigen „Brandwächtern“ und „Waldhütern“.

Dieser grüne Himmel auf Erden enthält jedoch sehr viele Verbotsschilder, die ausdrücklich davor warnen, den wirklich wilden Bereich des Waldes zu betreten. Das sollte uns zu denken geben, schließlich gibt es kein Licht ohne Schatten …

Die kleinen Heldchen in dieser Geschichte heißen Ensel und Krete und gehören zur Daseinsform der freundlich-friedlichen und niedlichen Fhernhachenzwerge. Ensel und Krete sind Zwillinge und achteinviertel Jahre jung, und sie verbringen ihren Urlaub in Bauming.

Während Krete ganz zufrieden mit dem Kinderprogramm ist, langweilt sich ihr Bruder, der sich, inspiriert von seiner ausgiebigen „Prinz-Kaltbluth-Romane“-Lektüre, nach verbotenen Abenteuern jenseits der vorgeschriebenen Touristenpfade sehnt. Beim vorschriftsmäßigen Himbeerensammeln überredet Ensel seine Schwester dazu, einmal etwas UnerLAUBtes zu tun:

Sie verlassen den erLAUBten, befestigten Wanderweg und gehen richtig in den Wald hinein. Ensel will eine Eiche erklettern oder wenigstens einen verborgenen Schatz finden. Um sich nicht zu verlaufen, legen die beiden eine Spur aus gepflückten Himbeeren, die leider hinter ihrem Rücken von einem Erdgnömchen freudig entdeckt und eingesammelt werden.

Natürlich finden die beiden Herzchen nicht mehr zurück und verirren sich immer tiefer im unbewohnten, finsteren Teil des Waldes…

Walter Moers, alias Hildegunst von Mythenmetz, unterbricht die weitere Erzählung mit diversen „Mythenmetzschen Abschweifungen“, in denen er die eigene Geschichte kommentiert und gesellschaftskritische und literaturkritikerkritische Anmerkungen macht. Einmal gibt er aus purer künstlerischer Freiheit sowie launischer Willkür einige Seiten lang nur „Brummli, Brummli, Brummli“ von sich. Diese Passage abwechslungsreich zu lesen ist Dirk Bach  –  Hexenhut ab  –   wirklich gelungen.

Hildegunst erweist uns die Gunst und lädt uns in seine Schreibwerkstatt ein: Er öffnet seine Inspirationsduftschubladen, schwadroniert gönnerhaft über gute und schlechte Bücher, über das Orm (eine Art mystischer, dichterischer Inspirationsgabe, ein unfaßbares poetisches Fluidum),  klärt uns über die „Sieben Grundtugenden des Dichters“ auf und verabreicht uns Regelsätze wie z.B. „Alle gute Literatur lügt. Gute Literatur lügt gut, schlechte Literatur lügt schlecht.“

Kurz: Er zählt auf und rechnet ab, zieht literarische Bilanz, doziert über seine poetischen Auffassungen und übt Kollegenschelte, zudem schweift er auch noch ab zu Fragen des zamonischen Steuerrechts, zu Feinschmeckerrezepten, zu seinen hypochondrischen Befindlichkeiten und so weiter und so weiter … wobei er sich ununterbrochen in geistreicher Selbstgefälligkeit die Ehre gibt.

Diese metafikitiven, mythenmetzschen Ausschweifungen sind höchst unterhaltsam und charakterisieren eine Figur, die in den Romanen  „Die Stadt der Träumenden Bücher“ und  „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ die Hauptrolle übernehmen wird. Doch da sind wir jetzt noch nicht  –  kehren wir zurück zu den armen verirrten Zwergenkindern.

Ensel und Krete begegnen der dunklen, verdrängten, ungezähmten Seite des Waldes, und sie werden beinahe von einem Laubwolf verspeist. Sie müssen hungern, da ihre botanischen Kenntnisse nicht ausreichen, um die seltsamen und teilweise makaber-unnatürlichen Gewächse, die ihren strapaziösen Weg säumen, als giftig oder ungiftig einzuordnen.

Auf der Suche nach Wasser tritt Ensel in einen Tümpel aus schwarzer, zäher Flüssigkeit und schließt so Bekanntschaft mit einem geschmolzenen Meteor. Dieser vermittelt ihm eine telepathisch übertragene, meteorschweifige Reise durchs Weltall;  außerdem erfährt Ensel, wie die böse Waldspinnenhexe einst im Großen Wald  ankam.

Der Wald wird immer bedrohlicher, unheimlicher und verhexter. Ensel und Krete werden vom Stollentroll getäuscht und von Sternenstaunern enttäuscht.

Krete ertrinkt fast im Treibgras und wird von einer kapriziösen Orchidee mit sehr, sehr langer Pflanzenzunge gerettet. Zum diplomatischen Dank graben sie die ausgesprochen kommunikative Pflanzendiva aus und versprechen, sie zu einem behaglicheren Waldstandort zu transportieren.

Ganz klassisch finden Ensel und Krete auf einer Waldlichtung ein kleines Häuschen. Zögernd treten sie ein, auf dem Herd steht ein Topf, gefüllt mit verführerisch duftenden Knödeln (leckere alte Bekannte aus „Die13 ½  Leben des Käpt’n Blaubär“). Ahnungslos und ausgehungert verschlingen die Kinder die köstlichen Knödel, die leider, leider, leider ein ganz fieser, fieser Hexenköder sind …

An dieser Stelle lasse ich Sie jetzt ganz und gar und gnadenlos im Ungewissen über den Ausgang des Märchens.

Und bevor es feministische Schelte wegen der bösen Hexe gibt: Hildegunst von Mythenmetz läßt es sich nicht nehmen, in einer seiner Abschweifungen eine herzhafte Hexenapologie zu formulieren und den Begriff der bösen Hexe nur für bedauerliche seltene und böse Ausnahmen gelten zu lassen.

Mit „Ensel und Krete“ gelingt Walter Moers neben einer spannenden Märchenneuerzählung eine sehr einfühlsame Darstellung kindlicher Charaktere. Die Figurenzeichnung, Beziehungsdynamik und das Erfahrungswachstum der Geschwister Ensel und Krete zeugen von psychologischem Feinsinn und erfreulich kindlichem Gemüt.

Walter Moers‘ Sprachstil ist amüsant, anspielungsreich, erfinderisch, geistreich, genüßlich, sinnlich, vieldeutig und wortspielerisch. Dirk Bach, als Vorleser, wird allen Facetten der moers-mythenmetzschen Eloquenz AUSGESPROCHEN gerecht. Dirk Bach (1961 – 2012) bespielt virtuos und nuanciert das Instrument seiner Stimme und verleiht allen Charakteren eine eigene lebhafte, akustische Gestalt. Es ist wahrlich ein Fest, ihm zu lauschen! DANK sei ihm dafür in seinen himmlischen Höhen.

Im Anschluß an das Märchen von „Ensel und Krete“ erzählt uns Walter Moers noch – als kleine, kurzweilige Zugabe  – die halbe Biblio-Biographie des Hildegunst von Mythenmetz. Spätestens nach diesen ersten fünfhundert Lebensjahren (Hildegunst gehört zur Daseinsform der vernunftbegabten, aufrechtgehenden Dinosaurier, die eine durchschnittliche Lebenserwartung von tausend Jahren haben) schwant uns, daß das nicht das letzte mythenmetzsche Wort gewesen sein kann.

Hier wie auch an anderen Stellen des vorliegenden bzw. vorgelesenen Buches zeigt sich Walter Moers‘ erzählerischer Weitblick. Leser, die mit den nachfolgenden Werken vertraut sind, werden in „Ensel und Krete“ viele Ideenkeime erkennen, die in späteren ZAMONIEN-Romanen bunteste Blüten und reichhaltigste Früchte treiben.

Walter Moers besitzt eine Vorstellungskraft, die ich lieber Vorstellungsmagnetismus nenne, da sie so unwiderstehlich-anziehend ist und eine unheilbare Lesesucht auslösen kann.

Der Autor verfügt über eine wunderbare Beobachtungs- und Beschreibungsgabe, nichts ist ihm zu klein oder zu groß, um nicht dichterisch bemerkt, erfaßt und verarbeitet zu werden. Dazu kommen spürbare kreative Ausgelassenheit, die verwegene Verbindung von Tiefsinn und Verspieltheit, herzhafter Humor, schriftstellerische Selbstironie und absolute dramaturgische Präsenz.

Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus!

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Ensel-und-Krete/Walter-Moers/der-Hoerverlag/e451649.rhd

 

PS:
Die Taschenbuchausgabe von „Ensel und Krete“ ist im Goldmann Verlag erschienen.

Ensel und Krete von Walter Moers

  • Ensel und Krete
  • von Walter Moers
  • 254 Seiten
  • mit Illustrationen von Walter Moers
  • ISBN  978-3-442-45017-6
  • 9,95 € (D), € 10,30 € (A),  13,50 sFr.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Ensel-und-Krete/Walter-Moers/Goldmann-TB/e79201.rhd

 

 

 

Der Autor:

»Der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz ist der bedeutendste Großschriftsteller Zamoniens. Berühmt wurde er durch seine 25-bändige Autobiographie „Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers“, ein literarischer Bericht über seine Abenteuer in ganz Zamonien und vor allem in der Bücherstadt Buchhaim.
Sein Schöpfer Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen, weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus, in die Herzen der Leser und Kritiker geschrieben. Alle seine Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“, „Die Stadt der träumenden Bücher“, „Der Schrecksenmeister“ und „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ waren Bestseller.
Neben dem Kontinent Zamonien mit seinen zahlreichen Daseinsformen und Geschichten hat Walter Moers auch so erfolgreiche Charaktere wie den Käpt’n Blaubär, das Kleine Arschloch und die Comicfigur Adolf, die Nazisau geschaffen.«

 

Der Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

 

 

 

 

 

 

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär

  • von Walter Moers
  • inszenierte Lesung mit Musik
  • der Hörverlag, November 2013            www.HOERVERLAG.DE
  • 16 CDs
  • Laufzeit: 18 Stunden 33 Minuten
  • 49,99 €  (D), 56,10 € (A), 65,00 sFr.
  • ISBN 978-3-8445-1330-1

Gelesen von: Dirk Bach, Wolfgang Völz
Regie: Claudia Gehre / Thomas Krüger
Sounddesign: Michal Krajczok unter Mitwirkung von Marian Mentrup
und Niklas Kammertöns; Gesang: Larissa Blau; singende Säge: Katharina Micada
Supervising: Walter und Elvira Moers
Technik: Christoph Bette / Mango Studios, Köln
und Talking Animals Sound Department, Berlin
Produktion: Hessischer Rundfunk 2002/ der Hörverlag 2013

Käpt'n Blaubär Hörbuch__

P  H  A  N  T  A  S  I  A     K  O  M  P  L  E  X  I  E  N  S  I  S

Hörbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Geneigte Hörerin, geneigter Hörer,

mit dem Genuß dieses Hörbuches erlauschen Sie sich eine neue Welt, ach – was untertreibe ich hier: Sie erlauschen sich neue Welten ! Sie laben sich an einem Büfett der Phantasie, bis Sie glauben, so viele Ideen passen doch gar nicht in eine Geschichte – geschweige denn in ein Leben.

Aber es ist ja kein einfaches Leben, sondern es sind die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär, und da darf es schon ein bißchen mehr sein als bei uns menschlichen Eintagsfliegen.

Ort der Handlung ist der Kontinent ZAMONIEN, eine Lebenswelt, angefüllt mit so vielen erstaunlichen Wesen, Wundern und moersschen Phantasmagorien, daß es ein eigenes Lexikon dafür gibt, namentlich das  „Lexikon der  erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung“ von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, aus dem im Verlauf der abenteuerlustigen und abenteuerlistigen Handlung immer wieder zitiert wird.

Wir begleiten den Blaubären von seinen Findelkindanfängen an und durchreisen Zamonien in alle sieben Himmelsrichtungen:  von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, von Vorher zu Nachher bis Zuhause.

Zunächst wird Blaubär von Zwergpiraten vor dem Versinken im Malmstrom gerettet und durch Algenfütterung großgezogen, danach weinen wir mit ihm für die Klabautergeister, lauschen seinem Sprachunterricht bei den Tratschwellen, lassen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen auf der Feinschmeckerinsel (gourmetica  insularis) und freuen uns über seine Rettung durch den vegetarischen Rettungssaurier Deus X Machina – kurz Mac genannt.

Wir lernen mit ihm in der Nachtakademie des siebengehirnigen Eydeeten Prof. Dr. Abdul Nachtigaller  und erfahren neidvoll von der Möglichkeit der Wissensübertragung durch Intelligenzbakterien.

Wir folgen Blaubär durch das Finsterberghöhlenlabyrinth und erhalten eine schmerzliche Lektion bezüglich der Vertrauenswürdigkeit von Stollentrollen. Im großen Wald retten wir uns zusammen mit Blaubär im letzten Augenblick vor der gefräßigen Waldspinnenhexe, indem wir in ein Dimensionsloch springen und unwahrscheinlicherweise auch wieder in die richtige Dimension zurückfallen.

Danach folgt eine lange Karawanenreise mit den geheimnisvoll verhüllten Gimpeln durch die Süße Wüste auf der Suche nach der mobilen, kontaktscheuen Stadt Anagrom Ataf.

Sodann landen wir Abenteuerlustigen im ewigen Tornado und können nur dank mathematischer Präzision wieder herauskatapultiert werden.

Hindernisse in Form eines abgelegten Bolloggkopfes (Bolloggs sind Riesenzyklopen, die auch ohne Kopf leben können) müssen überwunden bzw. von Riesenohr zu Riesenohr durchwandert werden. Bei dieser hirnsträubenden Gehirnüberwindung wird  Blaubär von 16 U, einer schlechten, aber dennoch sehr freundlichen und hilfsbereiten Idee tatkräftig unterstützt.

Wir folgen Blaubär in die zukunftsträchtige Stadt Atlantis und erleben seine spektakuläre Karriere als Lügengladiator…

Und hier breche ich meine Aufzählung ab, denn schließlich will ich Sie hier ja bloß mit ein paar Leselockhäppchen zum Genuß des GANZEN verführen.

Eine vollständige Hörbuchfassung  der  „13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ gibt es seit  dem Jahre 2002. Das Neue an der Hörbucheinspielung  aus dem Jahre 2013 ist die Kombination mit Musik und Naturgeräuschen. Ich habe seinerzeit die „unmusikalische“ Fassung gehört und ich war damals schon begeistert, beglückt und entzückt  – sowohl von Walter Moers Phantasiereichtum und Humor als auch von der lebhaften, einfühlsamen und kongenialen Stimmdramaturgie Dirk Bachs.

Nun habe ich die neue Fassung genossen und dabei zunächst bemerkt wie viele köstliche Einzelheiten der Geschichte bei mir schon im „See des Vergessens“ (eine Hirnregion, die nichtzamonischen Neurologen einiges an Erforschungsbedarf bieten dürfte) untergegangen waren.

Doch Wiederhören macht doppelte Freude:  Vorfreude und Wiedererinnerungsfreude!

Die klangfarbige Untermalung des gesprochenen Textes ist unaufdringlich und sehr stimmig. Es gibt leichte, elektronische Stimmverzerrungen bei den telepathisch übertragenen Zitierpassagen aus dem Lexikon von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, Musik, Grillenzirpen, Lagerfeuerknistern, Gongschläge, Stimmenrauschen, Stimmengewirr, Zeitungsrascheln, eine wiederkehrende Kapiteleinleitungsmelodie und sogar Applaus.

Mit diesem Hörbuch werden sowohl Kenner wie Neulinge gerne zu Gast in Zamonien sein und sich staunend ein Abenteuer nach dem anderen aus der phantasiefreudigen, unerschöpflichen Geschichtenvorratskammer von Walter Moers servieren und schmecken lassen.

Hier entlang zum Hörbuch und zur Hörprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Die-13-1-2-Leben-des-Kaeptn-Blaubaer/Walter-Moers/der-Hoerverlag/e449491.rhd

Und das Schönste ist, daß es noch so viel Nachschub gibt, denn „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ sind erst der Anfang, der erste von bisher sieben Zamonien-Romanen. Das ist eine unendliche Geschichte, die sich sehen, hören und lesen läßt.


Außerdem gibt es inzwischen auch  –  in echt  –  ein ZAMONIEN-Lexikon, für bereits Moersinfizierte eine bereichernde Zugabe und Erinnerungshilfe – Sie erinnern sich doch an den „See des Vergessens“ ?

VFqaERNRUU0T0RRMk1qSkJNa0kyUVRSRFJVSXlSalV0YmpRdVluTXhOR0UkYzJWc1pXTjBhVzl1UFhSbWIyd3hNV0V5T0RRNVpURmxPVGMxTXpBdyZ3PTgwMCZoPTYwMCZxPTc1JnQ9MTM4NjI1NzU1MQ__Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent
Von A wie Anagrom Ataf bis Z wie Zamomin

Von Anja Dollinger und Walter Moers
Illustriert von Walter Moers
Gestaltet von Oliver Schmitt
Knaus Verlag 2012
gebunden, 311 Seiten
22,99 € (D), 23,70 € (A), 30,90 sFr.
ISBN 978-3-8135-0530-6
Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Zamonien/Walter-Moers/Knaus/e424385.rhd

 

Passend zum neuen Hörgenuß ist im Knaus Verlag 2013 auch der neue Augenschmaus – die farbige Buchausgabe erschienen:

Moers Blaubär BUCH Die  13½ Leben des Käpt’n Blaubär 

von Walter Moers
mit zahlreichen Farbillustrationen von Walter Moers
gebunden
704 Seiten
29,99 € (D), 30,90€ (A),  39,90 sFr.
ISBN 978-3-8135-0572-6

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-13-12-Leben-des-Kaeptn-Blaubaer/Walter-Moers/Knaus/e440931.rhd

 

Querverweise:

Weitere zamonische Zutaten finden Sie unter folgenden Links:
ENSEL  UND  KRETE   https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/
RUMO  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/28/rumo/

Der Autor:

»Walter Moers hat sich mit seinen phantastischen Romanen weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus in die Herzen der Leser und Kritiker geschrieben. Alle seine Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“, „Die Stadt der träumenden Bücher“, „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ und „Der Schrecksenmeister“ waren Bestseller. Neben dem Kontinent Zamonien mit seinen zahlreichen Daseinsformen und Geschichten hat Walter Moers auch so erfolgreiche Charaktere wie den Käpt’n Blaubär, das Kleine Arschloch und die Comicfigur Adolf geschaffen.«

Die Sprecher:

»Dirk Bach (1961-2012) war Schauspieler, Moderator, Hörbuch- und Synchronsprecher und zählte im deutschen Fernsehen wie auf der Bühne zu den populärsten Komikern.
Nach ersten Erfahrungen auf Studentenbühnen wurde er 1992 festes Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses. Einem breiteren Publikum wurde er 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL und Super RTL) bekannt. Es folgten die Serien „Lukas“ (1996-2001, ZDF) und „Der kleine Mönch“ (2002, ZDF). Seit 2004 führte er zusammen mit Sonja Zietlow durch die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. In der „Schillerstraße“ (Sat.1) wirkte Dirk Bach 2004 und 2005 als Freund von Cordula Stratmann mit und kehrte 2009 als Kurier und Freund von Jürgen Vogel dorthin zurück. 2009 moderierte er die Sendung „Einfach Bach“ bei Sat.1. Im Sommer 2010 gehörte er zum Ensemble der Wormser Nibelungen-Festspiele.
Zu seinen Auszeichnungen zählen: 1996 ‚Telestar‘, 1999 und 2007 ‚Deutscher Comedypreis‘ und 2001 die ‚Goldene Kamera‘. Für seinen sozialen Einsatz hat er im Jahr 2000 den ‚Humanitary Award‘ erhalten.«

»Wolfgang Völz kam 1930 in Danzig zur Welt. Er hat Bäcker gelernt, aber früh mit der Schauspielerei begonnen. Bekannt wurde er in Deutschland durch die Rolle des Chauffeurs in „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ und vor allem durch die Kultserie „Raumschiff Orion“. Wolfgang Völz lieh vielen internationalen Stars wie Michel Piccoli, Mel Brooks und Peter Ustinov seine Stimme. Generationen von Kindern kennen ihren urigen, markanten Klang, weil er den alten brummigen „Käptn Blaubär“ spricht. Sie passt auch hervorragend ins Reich des kleinen Königs Kalle. Wolfgang Völz lebt mit seiner Famlie in Berlin.«