Abschweifung Nr. 3

BUCHGESICHTER

von Ulrike Sokul ©

Einer meiner Lieblingsautoren ist Walter Moers. Wer das noch nicht weiß oder – fast undenkbar – keinen Leseschimmer von Walter Moers‘ Büchern hat, kann sich unter den nachfolgenden Links einen lebhaften Eindruck meiner Walter-Moers alias Hildegunst-von-Mythenmetz-Begeisterung verschaffen:

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/12/25/die-13½-leben-des-kaptn-blaubar/
ENSEL UND KRETE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/02/05/ensel-und-krete/
RUMO  https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/05/28/rumo

Walter Moers ist Schriftsteller und Comiczeichner und läßt sich schon seit Jahrzehnten nicht mehr fotografieren, gibt Interviews per E-Post und schickt den Zeitungs- redaktionen zur Illustration ein lustiges Comic-Selbstportrait. Auch auf der Buchmesse zeigt er sich nicht,  und ein Verlagsmitarbeiter verteilt Moers-Autogramme mit einem Stempel in die Bücher der hoffnungsvollen Lesegetreuen.

Gerne stelle ich mir vor, daß Walter Moers unerkannt über die Buchmesse schlendert, die eitel-oberflächliche Autorenwerbetrommel-Plakatierung und den blickundichten Laufsteg der Buchvermarktung beäugt und sich in seiner Unsichtbarkeit und unbehelligten Privatsphäre sonnt.

Nun, als Bestsellerautor kann er sich das selbstverständlich leisten. Ein talentierter, aber noch unbekannter Autor wird sich wahrscheinlich dem Druck angeblich werbewirksamer,  optischer Selbstdarstellungen, Interviews und öffentlicher Lesungen nur schwer entziehen können.

Doch ich schweife ab, kommen wir zum eigentlichen Thema:  Besichtigen wir die buchvermarkterische, plakatschreierische Autorenfoto-Überproportionierung.

Autorenfotos  waren einst – als ich meine Buchhändlerausbildung anno 1983 begann – nur eine briefmarkengroße Randbemerkung zur Literatur. Inzwischen bekommen Autorenfotos oft mehr Selbstdarstellungsplatz eingeräumt als substanzielle Informationen zu Inhalt, Stil und Thema oder zur buchgestalterischen Qualität.

Immer häufiger frage ich mich inzwischen beim Durchblättern der halbjährlichen Verlagsvorschauen und diverser Buchkundenkataloge, ob ich das illustre Magazin „Gala“ betrachte oder einen Buchwerbekatalog: DIN-4-große (manchmal sogar doppelseitig) dramatisch, piefig, pseudotiefsinnig, blödsinnlich, frischfrisiert-gefärbt, bartschattig, zwanghaft-lässig, romantisch oder distanziert-denkerisch, schüchtern-gequält oder narzisstisch-selbstherrlich, freundlich, unfreundlich, gelassen, genervt, schutzbedürftig, souverän, abenteuerlustig, abstoßend bis attraktiv inszenierte, kunterbunte oder schwarzweiße Autoren- und Autorinnenfotos fungieren als Blickfang für wortkarge Buchbeschreibungen und zweizeilige biographische Hinweise. Über die deutlich abschreckende Wirkung mancher dieser Fotos will ich mich hier gar nicht weiter auslassen.

Früher gab es wesentlich mehr TEXT-Informationen zum Buch und zum Verfasser und viel weniger Autorenbilder. Meist  hatten die Schriftstellerportraits bescheidenes Paßbildformat oder unbescheideneres Postkartenformat, und nienienie füllten die Portraits eine ganze Seite im kostbar-teuren Katalograum aus. Aber das war lange vor der Erfindung von Facebook.

Offen gestanden: Mich stört diese aufdringliche fotogene Überbetonung. So porentief-bartstoppelkratzig-augenschatten-sorgenfaltig-wimpernzähl-nahe möchte ich den Schriftstellern gar nicht kommen. Selbst wenn ich in das eine oder andere Buch durchaus verliebt sein kann, heißt das noch lange nicht, daß ich mich in den Autor oder die Autorin verlieben möchte.

Gerade angesichts der modernen bildbearbeitungstechnischen Mogelmöglichkeiten traue ich diesen Bildern auch nicht wirklich. (Eine rühmliche Ausnahme davon sind die wunderbar einfühlsam-echten, ungezwungenen, geistvollen und beseelten Autorenportraits der Fotografin Isolde Ohlbaum. http://www.ohlbaum.de/ )

Mir ist ein aussagekräftiger Text genug, das Aussehen des Verfassers ist für mich absolut nebensächlich. Interviews hingegen erregen durchaus meine Neugierde, wenn die gestellten Fragen und die gegebenen Antworten interessant sind.

Wenn die Worte, die ein Buch empfehlen sollen, auf eine Bildlegende zum Autorenfoto reduziert werden, dann – finde ich – sind die Proportionen schmerzhaft verschoben.

Gebt mit Zitate als Köder, und wenn sie mir schmecken, beiße ich an!

Indes, meine Klage ist nicht neu. Bereits 1939 äußerte sich der Schriftsteller Erich Maria Remarque in seinem Tagebuch zu rampenlichten Äußerlichkeiten mit folgenden Worten:

„Photographiererei u. Getue, weiter nichts. Alles ist dauernd in Pose.“  

 

Querverweis:

Hier entlang zu Abschweifung Nr. 1: BUCHSTABENSUPPE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/11/05/abschweifung-nr-1/
Hier entlang zu Abschweifung Nr. 2: MEIN LIEBER SCHWAN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/06/03/abschweifung-nr-2/

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61 Kommentare zu “Abschweifung Nr. 3

  1. Liebe Ulrike, ein interessanter Beitrag. Es war mir nicht bewußt, daß das auf dem Buchmarkt schon so weit um sich greift (aber wo eigentlicht nicht ?!). Ich bin viele Jahre mit einer Freundin zu einer Meisterschau der Floristen gegangen, die ihre Abschlußarbeiten präsentierten. Immer wieder waren fantastische Sachen dabei ! In den ersten Jahren waren die Beteiligten noch in DIN A4 Größe oder kleiner dargestellt, dann kam etwa A3, bald kamen Bilder in Ganzkörpergroße dazu und das letzte Mal, als ich da war, ist schon ein paar Jahre her, prangte über dem Eingang ein riesiges Plakat, ca. 2 x 3 m, mit den beteiligten Prüflingen. Während die Selbstdarstellung jedes Jahr größer wurde, schrumpften die Kunstwerke (naja, fast) 😉 Ist es Facebook und dem 5-Minuten-Internetruhm geschuldet, daß die Selbstdarstellung einen derart großen Raum einnimmt ??? – Mal sehen, was als nächstes kommt: vielleicht Bücher mit einer ganzen Serie von Autorenbildern und zum Schluß eine kleine bescheidene Kurzgeschichte 😉

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    • Liebe Almuth,
      vielleicht steht die Großartigkeit der bildlichen Selbstdarstellung bei Facebook & Co. oft im umgekehrt proportionalen Verhältnis zum inneren Selbstwertgefühl.
      Ich denke nicht, daß die Autorenfotos die Texte aus den Büchern ersetzen werden. Nur die Werbeplakatierung für Bücher ist oft sehr bildlastig.
      Danke für Deine Resonanz und Deine floristischen Erfahrungen zum angesprochenen Thema. 🙂

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      • Stimmt, du hast ja von den Katalogen gesprochen. Da bin ich wohl abgeschweift. Trotzdem interessant, welchen Stellenwert die Bilder bekommen haben. Da gehts ja auch um die Vermarktung und die Verlage scheinen zu glauben, mit den größeren Autorenfotos jemanden ansprechen zu können. Sind ja nun aber keine Schauspieler…deine Beschreibungen der unzähligen „spannenden“ Posen war jedenfalls sehr amüsant und ich konnte es mir bildlich vorstellen, hihi !! 🙂

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      • Ich habe mir einfach eine Weile beim Betrachten der teilweise unsäglichen Werbefotos Notizen gemacht, wie sie auf mich wirken, und das habe ich dann in meiner Abschweifung aufgelistet. Ich hatte durchaus meinen Spaß an dieser Zuspitzung! 🙂

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      • Du auch, herzallerliebste Grüße von Nachtschwärmerin zu Nachtschwärmerin (Sind Nachtschwärmer nicht zarte, elfengleiche Wesen, die die Dunkelheit mit Licht erfüllen, damit alle anderen, die schlafen, sich nicht sorgen müssen 😉 ?! Honigsüße Bienenträume noch dazu 🙂

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      • Schöne Idee, aber ich glaub um die Uhrzeit bin ich geistig nicht mehr so auf der Höhe 😉 – Wie schön, daß du ausgeschlafen hast ! Neidvolle Grüße von der verquollenen Bienenhüterin 🙂

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      • Da frage ich mich doch aber, ob die Personen, die durch diese Werbung angesprochen werden sollen, Anhänger von Bildern oder von Text sind. Ganz naiv würde ich annehmen, dass Menschen, die heute noch Bücher kaufen und lesen, doch zu den textverliebten Traditionalisten zählen dürften. In diesem Sinne ginge die Werbung eindeutig an ihnen vorbei.

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      • Danke für Dein nachdenkliches Echo, liebe Corinna.
        Ich kann Deiner Vermutung nur beipflichten.
        Die Mediengestalter, die solche Werbeprospekte und Kundenkataloge entwerfen, sind jedoch nicht unbedingt traditionelle Leser. Es ist wahrscheinlich schwer meßbar, welche Form der Werbung wirkungsvoller ist. Mehr Werbetext bedeutet, daß eine längere Aufmerksamkeitsspanne vom Publikum verlangt wird, und im smarten Wischundweggeklicke ist ein Bild schlicht und einfach schneller und unmittelbarer.

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  2. Ehrlich gesagt, betrachte ich mir zwar auch die Fotos der Autoren , aber sie sind mir nicht wichtig. Klein reicht mir völlig aus. Groß muß es wahrhaftig nicht sein, ich wüßte auch nicht, wozu. Die Inhaltsangabe ist mir wichtig. Empfinde ich ein Buch als hochinteressant, interessiert mich auch das Aussehen des Autors und ich google ihn oder sie. Aber eigentlich eher wegen seines Lebensweges und wieder spielt sein Aussehen eine sehr untergeordnete Rolle.
    Eine liebe Freundin von mir ist ein echter Fan von Herrn Walser, reiste ihm lange Zeit zu Lesungen nach und lernte ihn und seine Frau dann auch kennen. Nur wegen ihr interessierte mich sein Aussehen und seine Augenbrauen scheinen inzwischen schon eine Art von Markenzeichen zu sein 🙂

    Walter Moers liebt es also auch nicht, fotografiert zu werden, wie schööön. Es macht ihn mir jetzt doppelt sympatisch, liebe Ulrike. Für mein eiziges Buch mußte ich mich auch fotografieren lassen und das war für mich eine echte Strafe. Ich mag es schon im privaten Bereich nicht und dann dieses Probieren, Posen, entsetzlich …

    Herzliche Grüße von Bruni

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    • Danke für Dein ausführliches Echo, liebe Bruni.
      Mir ist ebenfalls der INHALT wichtiger als die VERPACKUNG!
      Es ist bei mir – wie bei Dir – so, daß das Gesicht eines Schriftstellers erst nach der Lektüre eine maßvolle Neugier in mir weckt. Manchmal würde ich auch gerne die HÄNDE sehen oder den Schreibtisch … dennoch sind das Nebensächlichkeiten.
      Für ein aktuelles, öffentliches Foto von mir würde ich meine fotografische Freundin, die auch mein Blogtitelbild mit den alten Büchern geknipst hat, in Anspruch nehmen. Ich denke, mit einer vertrauten Person kommen entspanntere Bilder zustande, und dank der Digitalfotografie lassen sich sehr viele Fotos machen, von denen die fotogensten ausgesucht werden können.
      Gutenachtgruß von mir an Dich 🙂

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      • Lass von ihr doch mal ein öffentliches von Dir für uns alle machen, liebe Ulrike…
        Wir waren damals im Rosengarten der inzwischen leider verstorbenen Freundin, also eine feine entspannte Kulisse, aber ich mag es halt nicht … weiß der Kuckuck warum *g*
        Die Pressefotografen sollten wohl unbedingt, aber sie hatten ihre liebe Not mit mir und ich habe dann gesagt, das reicht nun für immer.

        Liebe Grüße an Dich

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  3. Ich finde es sehr interessant, dass du Walter Moers in diesem Rahmen erwähnst, dessen Name wohl jedem bekannt sein sollte. Gewusst habe ich seine Ferne von Selbstdarstellung nicht 🙂
    Der Autor ist ja etwas ganz Merkwürdiges. Dabei steht die eigentliche Person im Hintergrund, stattdessen vertritt er einen Wahrheitswert oder einen qualitativen Gehalt (ein Prinzip?), anders als im 17./18. Jh bei dem die Anonymität die Glaubwürdigkeit einer Schrift untermauern konnte. Und dieses schafft nicht der Autor aussschließlich selbst, natürlich sind Leser und Kritiker ebenfalls verantwortlich für das Bild des Autors, bis dieser erneut in Erscheinung tritt. Ja, die Selbstdarstellung ist geschicktes Marketing. Ich denke ein hübsches Foto verstrahlt eher eine persönliche Note aus, abgesehen von einer Live-Vorlesung mit Frage und Antwort – als hätte das Aussehen maßgebliche Auswirkungen auf die Qualität. Nicht nur der Individualisierung geschuldet, Prinzipien sind wohl zu abstrakt und Gesichter machen’s leicht zugänglich, wie die ein oder anderen Emoticons.
    Spannend 😉 Danke für die Exkursion.

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    • Danke für Deine Reflexionen!
      Als menschliche Spezies sind wir in besonderer Weise darin geübt, Gesichter zu LESEN. Ein gelungenes Foto hat selbstverständlich Ausstrahlung und erzählt etwas über die abgelichtete Person.

      Die Buchwerbeautorenfotos sind jedoch oft extrem KONSTRUIERT und effekthascherisch, und das stößt mich dann generell eher ab als an. 😉
      Wenn bei der Werbung für Bücher, der Schwerpunkt und der Darstellungs- spielraum auf der Äußerlichkeit des Autors liegt, statt auf Inhalt und Stil seines Werkes, dann stimmt die Balance einfach nicht mehr.

      Bei Lesungen kommt es darauf an, daß ein Autor gut und geübt vorlesen kann, und gerne in kommunikativen Kontakt mit seinem Publikum kommt. Das ist nicht allen Schriftstellern gegeben und läßt sich auch nur graduell verbessern.

      Gutenachtgruß von der kamerascheuen Bücherfee 🙂

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  4. Anscheinend haben die Vermarkter der geschriebenen Kunst schlicht das Konzept der sogenannten bildenden Kunst übernommen, die schon längst zu einem großen Selbstdarstellungstheater verkommen ist. Die Inszenierung der eigenen Persönlichkeit wurde spätestens seit Dali zum Kunstinhalt. Dalis Ego-Darstellungen waren noch echte Provokationen.
    Heute ist die Performance das beliebteste Kunstwerk, ohne das schier gar nichts mehr geht.

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  5. In der Tat sprichst du ein Thema an, welches mir im Kopf herum ging, als ich mein erstes Buch zu Markte tragen wollte und gerade deshalb entschied ich mich für eine Zeichnung aus meiner Jugend, einem gewissen Dorian Grey nicht unähnlich und damit schuf ich mir die Sicherheit jederzeit unterwegs zu sein ohne behelligt zu werden. Der Umstand, dass heute vor allem junge gutaussehende Frauen Erfolg auf dem Buchmarkt haben verursacht Stirnrunzeln bei mir. Nie hat mich das Aussehen oder Gesicht eines Autors interessiert, weder bei Herman Melville, Tolkien oder Asimov. Wozu auch, ich wollte ja die Bücher lesen und nicht den Autor kennen lernen. Vielleicht ist noch interessant woher ein Schriftsteller kommt, warum er schreibt und wie er seine Arbeit verrichtet, doch der Rest ist das hochglatte Parkett der Eitelkeiten, welches ich nicht betreten will. Danke für deinen Beitrag liebe Ulrike!

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    • Wie schön, daß wir uns einig sind, lieber Arno!
      Außer einer Zeichnung zöge ich für mich auch noch einen feinen Scherenschnitt anstelle eines Fotos in Erwägung. 😉
      Diese fotomodelligen Erfolgsautorinnen sind mir auch suspekt. Das ist wie mit einigen gutaussehenden Schauspielern, die einfach nur aussehen, aber gar nicht schauspielern können und nur über ein minimales mimisches Ausdrucksvermögen verfügen.

      Das Aussehen eines Autors interessiert mich erst nachträglich, also nachdem ich seine Bücher kennen- und schätzengelernt habe. Aber es interessiert mich nur beiläufig, viel wissenswerter sind mir z.B. seine Wertekoordinaten.
      Danke für Dein Echo als Schriftsteller und Leser!

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      • Ein Scherenschnitt a la Hitchcock wäre doch lustig 😉 Der Vergleich mit Schauspielern ist sehr gut. Wo wäre ein Bogart oder eine Bette Davis heute, würde es nur nach Aussehen gehen. Wir werden immer mehr zur glattgebügelten jugendlichen Gesellschaft, obwohl unser Durchschnittsalter dauernd steigt. Ich sehe natürlich fabelhaft aus und habe die Geschmeidigkeit einer Katze, aber damit möchte ich wirklich keine Punkte sammeln 😀 Dir einen besinnlichen Karfreitag liebe Ulrike!

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      • Die Aussicht auf ein Scherenschnittportrait erscheint mir immer attraktiver, je mehr ich darüber nachsinne.
        Schauspielerische Charakterköpfe gibt es heute auch noch, aber ich fürchte die Bandbreite hat insgesamt nachgelassen.
        Ja, eines der Hauptkennzeichen unserer Gesellschaft ist ihre UNREIFE in fast jeder Hinsicht!
        Ich sehe natürlich märchenhaft aus und kann mich – als Feenfigürchen – sogar unsichtbar machen, wenn mir danach ist. *schelmischguck* 🙂
        Dir noch heiterbunte Osterfeiertage, lieber Arno!

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  6. Ich möchte meistens gar nicht wissen, wie die Autoren aussehen. Denn, wenn jemand unsympathisch aussieht, hab ich keine Lust mehr, seine oder ihre Bücher zu lesen. Und wenn die noch so gut sind, aber ich habe dann beim Lesen immer diese Person vor Augen und das stört mich.
    Eine kurze Beschreibung über den Autor reicht vollkommen.
    Wenn ich Autorin wäre, tät ich mich auch verstecken und niemand wüsste etwas über mich. 😅

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    • Danke für Deine kamerascheue Resonanz. 😉
      Manche Autorenfotos können einen echt erschrecken und dann ist der Leseimpuls einfach vergiftet, das ist mir auch schon passiert.
      Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Autorenfotos, nur die überdimensionierten medialen Blickfanginszenierungen nerven mich. Und wenn man so wie ich als Buchhändlerin jedes Halbjahr stapelweise Buchkataloge wälzt, kann man dieser Fotoinflation nicht ausweichen.
      Vielleicht ist die Neugier auf Schriftstellerfotos bei mir auch nicht so ausgeprägt, weil ich einige persönlich kenne – allerdings nur ziemlich unberühmte. 😉

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      • Kleine Fotos sind okay, dann aber ganz schlicht. Manchmal werde ich neugierig, was selten passiert und google dann. Aber auch nur, wenn ich was richtig gutes gelesen habe.
        Das ist die neue Zeit heute, dass einem dann eher Bilder entgegenspringen. Überhaupt ist es doch alles anders, früher als Buchhändlerin war das nicht viel einfacher? Ich wollte damals diesen Beruf ausüben und hatte mich leider doch für etwas anderes entschieden, worüber ich mich heute noch ärgere. Als Quereinsteiger kommt man da heutzutage niemals mehr rein.

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  7. Ach was hab ich herrlich gelacht! Du schreibst immer so wunderbar blumig und fröhlich und ansteckend. Das war so eine Freude und auch so wahr, dass ich es gleich meinem Freund vorlesen musste, der auch gut schmunzelte. Ich mag deine glossenhaften „Abschweifungen“ und würde mich über mehr freuen!
    Höchst sympathisch!
    Dunkle abendliche Grüße
    Katha

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    • Liebe Katha,
      das freut mich nun ganz besonders, daß Du als Vertreterin der jüngeren Generation an meiner Abschweifung zur Fotoüberbetonung Gefallen findest.
      Danke auch für Deine Komplimente zu meinem Schreibstil und für Deinen ausdrücklichen Wunsch nach Abschweifungszugaben.
      Mal abwarten, was sich mir diesbezüglich noch für lustige Themen aufdrängen.
      Gutenächtliche Grüße 🙂

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    • Danke für Deine positive Rückmeldung, liebe Ulrike.
      Wie man ja bei meinen vorigen Beitrag „Brief an D.“ gut ablesen kann, wirkt ein gut gewähltes, substanzielles Zitat durchaus leseverführerisch – ganz ohne fotografische Inszenierung.
      Mondvolle, abendrosarötliche Grüße von mir bis zu Dir 🙂

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  8. … ‚Money makes the World go round‘ – Cabaret… und als solches sollte man es als Leser auch sehen. Neben den den tiefgründig, begabten Schreibern gibt es halt auch die schreibenden Unterhaltungssternchen für die unmusikalischen unter uns… jedem sein Starschnittposter 😉

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  9. Vielleicht gibt es ja bald Kataloge mit lebensgroßen Autorenplakaten für Möchtegernliteraturgroupies? 😉 Von marktforscherischem Interesse wäre natürlich die Frage, was verkaufsfördernder ist: Die hochglanzpolierte Fresse oder doch das Konterfei, dem das Lesepublikum am liebsten die Fresse polieren möchte?
    Mit dieser Abschweifung vom Essentiellen zum Unwesentlichen zäumt man allerdings meines Erachtens das Literaturpferd bei seinem Schweif auf und leistet ihr damit wohl langfristig einen Bärendienst. Denn die Literatur lebt ja doch von der Lust des Publikums auf erlesene Inhalte. Werden diese oberflächlichkeitslastig vermarktet, werden sich etliche potenzielle Käufer nach und nach abwenden. Und wie viele (oder eben wenige) davon sich letztlich wieder den eigentlichen literarischen Inhalten zuwenden, wird sich erst noch weisen.

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    • Literaturgroupies kann man auf der Buchmesse reichlich beobachten, sie stehen Schlange dafür, ein Selfie von sich mit ihrem Lieblingsautor knipsen zu dürfen. Ich finde das peinlich.

      Es gibt bereits Plakatwerbung mit „AutorenStarFotos“ – meist in den Großstädten und oft auf Bahnhöfen. Die multiplikatorische Wirkung massenhaft platzierter Werbeinfoimpulse und die unmittelbar suggestive Wirkung von Bildern ist verkaufsfördernd. Doch ich fürchte, sie ist verkaufsfördernd auf Kosten der Buchvielfalt, da die demonstrativste Werbung fast immer für die bereits erprobten Bestsellerautoren stattfindet.
      Unberühmt berühmt zu werden ist wohl ebenso Glückssache wie ein Sechser im Lotto. 🙂
      Ich stimme Dir zu, daß die Literatur von der Lust auf erlesene Inhalt lebt. Indes macht sich schon länger zahlenzählerische (betriebswirtschaftliche) Inhaltsignoranz und monokulturelles Buchmodetrendgefolge auf dem Buchmarkt unschön breit.
      Danke für Deine nachdenkliche Resonanz! 🙂

      Gefällt 3 Personen

      • Dass Monokulturen längerfristig eine riskante Angelegenheit sind, sollte im Prinzip auch zur Grundausstattung betriebswirtschaftlichen Denkens gehören. Allerdings frage ich mich manchmal, wie viel Raum vor lauter Betriebswirtschaft für das Denken da noch übrig bleibt. Viel kann es nicht sein. [Und das nicht nur in der Literatur.]
        In absehbarer Zukunft wird es vielleicht bestsellerschreibende Software geben. Und die Literaturgroupies können sich die Seriennummer des Programms auf den Hintern tätowieren lassen. 😉 Das wäre auch der passende Ort, da der unkritische Verzehr von literarischem Fastfood ohnehin recht eigentlich eine Form des ANALphabetismus darstellt.

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  10. Ich bin auch ein Walter Moers Fan und die Zamonien Bücher gesprochen von Dirk Bach habe ich mir bestimmt schon alle 4x angehört, wunderbar 🙂 Ja ja die Äußerlichkeiten scheinen auch in der Literatur Welt immer mehr an Bedeutung zu gewinnen, da ich aber ja nur noch Ebooks lese oder Hörbücher höre, weiß ich gar nicht wie die Autoren aussehen, außer ich google mal, mache ich aber so gut wie nie. Und wenn…. wiedererkennen würde ich auf der Straße keinen 🙂

    Gefällt 3 Personen

    • Walter Moers, möge er prangen mit seinen Worten und uns sein Gesicht verschweigen solange es ihm beliebt! Die Zamonienhörbücher habe ich immerhin auch schon GERNE 3x gehört. *ggg*

      Als Buchhändlerin habe ich selbstverständlich intensiven Blickkontakt mit zahlreichen Verlagsvorschaukatalogen und Buchwerbebroschüren, und von daher kommt mein Überdruß an dieser Phrasen-Visagen-Inszenierung.
      Als Leserin kannst Du dieser fotogenen Invasion leichter aus dem Weg gehen und Dich schön auf den Text konzentrieren.
      Kamerascheue Grüße 🙂

      Gefällt 2 Personen

  11. In der Kulturbetriebvermarktung, sei es in Literatur, Musik, Theater kommt es heute meist auf Sexappeal, Schönheit, etwas Sex und Crime und danach erst auf das Können an! Was ein Glück, daß es auch Autoren gibt wie Houllebecq, an dem jeder Fotograf scheitert -:))
    Ein talentierter junger Mensch, der optisch nicht gut zu vermarkten ist, hat größte Schwierigkeiten.
    Isolde Ohlbaum erforscht die Seele der von ihr Porträtierten und sie würde wahrscheinlich auch nie die Newcomer und Youngster ablichten. Ich habe all ihre Fotobände.
    Ich staune auch oft bei den Verlagsvorschauen und dem Marktgeschrei um das jeweilige Buch, darüber könnte man schon wieder einen Roman verfassen -:))
    Tragen wir es mit Fassung und Gleichmut und bilden wir uns ein Urteil über den Inhalt des Dargebotenen…… aber Walser könnte sich wirklich mal seine Augenbrauen trimmen lassen -:)))
    Schmunzelgruß in Deine Osterfeiertage, was wirst Du lesen?
    Karin

    Gefällt 7 Personen

    • Danke für Deinen ausführlichen, bestätigenden und kennerischen Kommentar, liebe Karin.
      Ja, der Jahrmarkt der eitel-oberflächlichen, hormonwirtschaftlichen Nichtigkeiten grassiert im ganzen Kulturbetrieb.
      Die nächste Stufe des „Untergangs des Abendlandes“ ist wahrscheinlich erreicht, wenn Autoren Trikots mit Verlagslogos tragen müssen. 😉

      Ich werde mich jedenfalls weiterhin darum bemühen, Bücher nicht nach dem Aussehen ihrer Autoren zu beurteilen.
      Ich gebe Robert Walser gegenüber Martin Walser den Lesevorzug, aber das hat gar nichts mit dem Walserschen Augenbrauengebüschel zu tun. 😉

      Über die Ostertage werde ich entweder das Sachbuch „Die Intelligenz der Bienen“ lesen oder den neuen NATURKUNDEN-Band über Brennesseln.
      Harmonisch-schmunzelige Grüße von mir an Dich

      Gefällt 5 Personen

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