Ein Mädchen namens Willow

  • von Sabine Bohlmann
  • mit Illustrationen von Simona Ceccarelli
  • PLANET! Verlag, Januar 2020 www.planet-verlag.de
  • gebunden
  • 256 Seiten
  • Format: 148 x 210 mm
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 19,50 sFr.
  • ISBN 978-3-522-50664-9
  • Kinderbuch ab 10 Jahren

VON  HEXE  ZU  HEXE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Kinderbuch wahrt eine zauberhafte Balance zwischen Magie und Wirklichkeit und vermittelt eine positive Vorstellung von Hexen als weisen und heilkundigen Frauen. Naturbeziehungsfähigkeit und elementare Zauberkräfte gehen hier Hand in Hand mit kindlicher Lebensfreude, Entdeckungslust, Freundschaftsfindung und Humor.

Das Mädchen Willow zieht mit ihrem Vater in ein altes Haus, das er von seiner Tante Alwina geerbt hat. Willow hatte schon als kleines Kind in diesem Haus gelebt; doch nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter zog es der Vater vor, an anderen Orten zu leben, da ihn dieser heimatliche Ort auf Schritt und Tritt an seine verstorbene Frau erinnerte. Die Arbeit als Auslandskorrespondent brachte es mit sich, daß er und Willow häufig den Wohnort wechselten. Nun will er jedoch an diesen vertrauten Ort zurückkehren und der inzwischen elfjährigen Willow ein beständiges Zuhause bieten.

Tante Alwina hat den zum Haus gehörigen Wald ausdrücklich ihrer Nichte Willow vererbt, und diese erkundet mit aufgeschlossenem Herzen für die Schönheit der Natur ihr neues Reich. Unterwegs bemerkt sie einen Fuchs, der sie neugierig beobachtet. Nach und nach erinnert sie sich auch wieder an ihre Tante, an bestimmte Bäume und an ihre kindlichen Spiele in diesem Zauberreich. Am nächsten Tag setzt Willow die Inspektion ihres Erbes fort und begegnet wieder dem zutraulichen Fuchs. Diesmal führt er sie zu einem verborgenen, von Efeu und Heckenrosen umrankten kleinen Holzhaus.

In diesem malerischen Hexenhäuschen findet Willow u.a. geheimnisvolle alte Bücher, die sich unerklärlicherweise nicht öffnen lassen, und ein Foto, das ihre noch junge Tante zusammen mit drei weiteren jungen Frauen zeigt, sowie eine kleine abgeschlossene Holztruhe, in die Willows Name hineingeschnitzt wurde.

Im Inneren der Truhe liegt ein dickes, ledergebundenes Buch, das auf seiner Buch-deckelmitte ein Muster aus ineinander verwobenen Spiralen trägt und in den vier Ecken des Buchdeckels vier unterschiedliche Symbole für die vier Elemente. Die Truhe enthält außerdem eine Glaskugel, eine Kupferschale, einen Flacon und vier Ketten mit Amu- letten, die vier Symbole zeigen, welche denen vom Dekor des Buches entsprechen. Die größte Überraschung ist für Alwina allerdings der an sie adressierte Brief ihrer Tante.

Aus diesem Brief erfährt Willow, daß sie die Hexenkraft ihrer Tante geerbt habe. Der Brief enthält präzise und liebevoll formulierte Anweisungen, wie diese Kraft – sofern Willow willens ist, sie anzunehmen und konstruktiv zu nutzen – auf sie übertragen werden kann. Als zuverlässiger Ratgeber fungiert das Buch mit den Symbolen. Dieses Buch mit dem Namen „Grimmoor“ beschriftet sich selbst – in federleichter Schönschrift – und beantwortet auf diese buchstäbliche Weise Willows Fragen, gibt Hinweise auf die nächsten magischen Schritte, erklärt Rituale und gemahnt freundlich und bestimmt, immer wieder daran, daß Willow für Problemlösungen, Beurteilungen und Entschei- dungen aufmerksam ihr Herz befragen solle.

So erfährt Willow beim Hexenkraftübertragungsritual, daß ihr Element das Feuer ist und ihr Krafttier der Fuchs. Um die volle Hexenkraft zu erreichen, muß sie drei weitere Mäd-chen finden, die ebenfalls über eine familiäre Hexenbegabung verfügen und die den drei Elementen Luft, Wasser und Erde zugehörig sind.

Die Suche nach diesen Hexenmädchen führt zu einigen Mißverständnissen, da Willow anfangs noch allzu vordergründig und naiv vorgeht. Doch sie lernt aus den Fehlern und Komplikationen und findet nach und nach die richtigen Hexentalente: Die luftige Valentina ist die erste Verbündete, dann folgt Gretchen, die das Wasser beherrscht, und schließlich Lotti, die für das Element Erde zuständig ist. Von Vollmondritual zu Voll- mondritual wachsen die vier Elemente zusammen, und auch die Freundschaft und Vertrautheit zwischen den Mädchen vertieft sich. 

Die Bündelung der Kräfte kommt genau zur rechten Zeit, denn geschäftstüchtige Immobilieninvestoren wollen Willows Vater das Waldgrundstück abkaufen und den Wald abholzen, um dort ein Einkaufszentrum zu bauen. Doch dank Hexenbuchweisheit und vereinter Hexenkraft wachsen in Willows Wald gleich vier seltene und gefährdete Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen. Somit wird der Wald zu einem privaten Naturschutzgebiet, und ein Verkauf und eine Abholzung kommen keinesfalls mehr in Frage. Diese gute Nachricht nehmen die Junghexen sogleich zum Anlaß, ein kleines Freudenfest mit Mondlicht-Picknick zu feiern.

Sabine Bohlmann erzählt eine spannende und herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, Naturverbundenheit und Magie. Sie wartet ebenso mit phantasievollen Details und attraktiven Zauberrequisiten auf wie mit scha- manischen Anfängerkenntnissen, Mondphasen- und Heilpflanzenwissen.  

Die verwendeten Anrufungen, Hexensprüche und Zauberformeln erscheinen in einfachen Reimen. Auch wenn das Versmaß manchmal etwas hinkt und stolpert, so trägt die Reimform dennoch wesentlich zu einer magischeren Sprachklangebene bei.

Die Illustrationen von Simona Ceccarelli geben den Charakteren und ele- mentaren Saiten der vier Hexenmädchen, den magischen Requisiten und den Krafttieren anschaulich Gestalt. Bemerkenswert sind zudem die illustrierten Buchseiten mit den nächtlichen Szenen, auf denen der Text weiß auf schwarz gedruckt ist, und deren „Lichteffekte“ ganz besonders geheimnisvoll wirken.

Der rote Faden dieser Geschichte ist keineswegs die aggressive Machtaus- übung mit Hilfe von Magie, sondern zwischenmenschliches sowie natur- verbundenes Feingefühl und Miteinander und eine ausgeprägte Herzens- orientierung, die das Werkzeug Magie gleichermaßen in den Dienst des persönlichen menschlichen Lebens wie in den des umfassenderen natürlichen Lebens stellt.

 

»Es gibt Wissende, Unwissende, glaubende Wissende und wissende Wissende, und dann sind da noch die hoffenden Unwissenden, Scharlatane und Möchtegern-Magier, aber die echten, wissenden wissenden Magier, die Hexen, Hexer, Zauberer und Zauberinnen, arbeiten alle mit der Energie der Erde.« (Seite 173)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/planet/buecher/buchdetailseite/ein-maedchen-namens-willow-isbn-978-3-522-50664-9/

 

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh- Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.«
https://www.sabinebohlmann.com/

Die Illustratorin:

»Nach einem halben Leben als Medizinalchemikerin hat Simona Ceccarelli den Laborkittel gegen den Bleistift eingetauscht, um ihrem Kindheitstraum nachzugehen. Ausgerüstet mit einem Diplom in Illustration und Concept Art der Academy of Arts University in San Francisco illustriert sie seit 2016 Bücher, Spiele und andere Produkte für Kinder. Simona Ceccarelli lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern, drei Nationalitäten und vier Sprachen in Basel.«

 

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Giesbert und der Gluckerbach

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Band 3 mit Giesbert dem Regenrinnenwicht
  • Verlag Urachhaus, Juni 2020  www.urachhaus.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 96 Seiten
  • durchgehend farbig illustriert
  • 18,00 € (D), 18,50 (A)
  • ISBN 978-3-8251-5248-2
  • Kinderbuch ab 5 Jahren

NEUES  VOM  REGENRINNENWICHT

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Giesbert der Regenrinnenwicht, der bei der Autorin und Illustratorin Daniela Drescher im Garten und in der Regentonne lebt, hat wieder einige neue Erfahrungen gemacht, die uns Daniela Drescher nun lebhaft erzählt und ermalt.

So hat Giesbert sogar den Garten zum ersten Mal verlassen, weil er einer Entenmutter mit ihren Küken zum nahegelegenen (nur für Menschenfüße nahegelegen, für Wichtel-füße ist es schon eine ganz ordentliche Wegstrecke) Gluckerbach gefolgt ist. Während die Entenmutter noch nach einer flachen Stelle sucht, um den Schwimmunterricht mit den Küken zu beginnen, fällt ein Küken plötzlich in den Bach und wird von der Strömung mitgerissen. Giesbert springt sofort hinterher – immerhin ist Wasser sein Element -, um das Küken zu retten. Doch das Fließgewässer ist auch für Giesbert eine Herausforde-rung, und es gelingt ihm erst nach einer ganzen Weile, sich gemeinsam mit dem Küken und mit Hilfe eines überragenden Astes aus der Strömung zu ziehen.

Auf dem Weg nach Hause treffen sie einen freundlichen Biber, der sie zu einem leckeren Brunnenkresse-Frühstück in seinen Biberbau einlädt. Nun sind die Beiden gestärkt und gehen frohen Mutes weiter. Sie begegnen einem Eisvogel, einem Frosch, einer Ringel-natter und einer Wasseramsel, und sie bewundern eine Gruppe Libellen, die übers Wasser tanzen; aber der Weg zum heimischen Garten wird Giesbert doch recht lang.

Zum Glück naht da schon Giesberts Freund, der alte Kater Munz, der sich auf die Suche nach Giesbert gemacht hatte, da er nicht wie sonst üblich zum Frühstück erschienen war. Giesbert und das Küken steigen auf den Rücken des Katers. So kommen sie deutlich schneller voran und werden zu Hause freudig empfangen.

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2020

Im heimischen Garten kümmern sich neben Giesbert allerlei Krautwichte und Wichte- linen und Elfen um das Gedeihen der Pflanzen. Giesbert inspiziert alltäglich die Beete, plaudert hier und da und dort mit der Wichtelnachbarschaft und mit allerlei Tieren. Mal braucht ein Gartenschläfer zauberhafte Unterstützung beim Nestbau, mal lernt er eine verirrte Schild kröte kennen und mal hilft er einem Igel beim Laubsammeln für sein Winternest.

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2020

Manchmal braucht Giesbert Hilfe von der Autorin. Bei Bauchweh bittet er sie nämlich, ihm einen Fencheltee zu kochen. Daniela Drescher näht ihm sogar noch ein sanft wärmendes Kirschkernkissen – bei solcher Pflege wird der Wicht schnell wieder gesund und munter. Und einen kleinen Reim gibt es als Nebenwirkung ebenfalls:

»Tut dir mal das Bäuchlein weh,
trinke etwas Fencheltee.

Und rumpelt es in deinem Bauch,
hilft ein Kirschkernkissen auch.«

(Seite 75)

 

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2020

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2020

In einer sommerlichen Sternschnuppennacht zeigt sich Giesberts glückliche Genüg- samkeit. Nach der zweiten Sternschnuppe fällt ihm gar kein Wunsch mehr für sich selbst ein, und so sammelt er bei den Gartentieren Wünsche und schickt bei den nachfolgenden Sternschnuppensichtungen freudig diese Wünsche ins Weltall.

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2020

Als kleine Zugabe für kindliche Giesbert-Kenner beantwortet die Autorin im Anschluß an die Geschichten noch drei häufig gestellte Kinderfragen zu Giesbert. Wir erfahren, ob Giesbert überhaupt Haare unter seinem Hut hat, von welcher Pflanze sein Blätterhut ist und ob er wirklich bei Daniela Drescher wohnt.

Ich bin zwar schon erwachsen, gleichwohl hoffe ich, daß Giesbert noch lange bei Daniela Drescher verweilt und natürlich-märchenhaften Stoff für weitere Geschichten liefert.

Giesbert ist ein sehr sympathisches Wesen, er ist naturverbunden, mitfühlend, lebens- bejahend, entdeckungsfreudig, verspielt, hilfsbereit, heiter und zugewandt, ja, einfach unwiderstehlich wichtelig.

Daniela Drescher erzählt feinsinnig, vielschichtig und warmherzig, mit augenzwinkerndem Humor. Die Episoden haben eine übersichtliche Länge, sie sind durchgehend farbig illustriert – oft ganzseitig – und begleiten das schelmische Lese- und Vorlesevergnügen mit atmosphärischen Bühnen- bildern. Die Illustrationen sind botanisch und zoologisch ebenso präzise wie märchenhaft-stimmungsvoll.

Daniela Drescher gelingt es wieder und wieder, in Wort und Bild Alltäg- liches und Natürliches ins poetische Licht zu rücken und konstruktiv-kommunikatives Miteinander gefühlsecht darzustellen – so werden die kindliche Phantasie bereichert, Herzensbildung gefördert und magische Naturverbundenheit sanft vermittelt.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Daniela-Drescher/Giesbert-und-der-Gluckerbach.html

 

Hier entlang zum ersten Band „Giesbert in der Regentonne“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/11/10/giesbert-in-der-regentonne/
und zum zweiten Band „Giesbert hört das Gras wachsen“:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/10/giesbert-hoert-das-gras-wachsen/

Die Autorin & Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966, ist eine international gefeierte Illustratorin und Autorin. Ihre Bilderbücher und illustrierten Kinderbücher bestechen durch einen Stil, der Kinder wie Erwachsene weltweit anspricht. In ihren mittlerweile über 40 Büchern ver-mittelt sie ihren jungen Lesern einen unmittelbaren Zugang zur Natur sowie zu sozialen Themen. Darüber hinaus setzt sie sich regelmäßig für Naturschutzorganisationen ein. «

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2020

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Der stille Stein

  • Text und  Illustration von Brendan Wenzel
  • Originaltitel: »A Stone Sat Still«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Thomas Bodmer
  • NordSüd Verlag, August 2019 www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28 cm x 23 cm
  • 56 Seiten
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A), 20,90 sFr.
  • ISBN 978-3-34-10501-2
  • Bilderbuch ab 5 Jahren

S T E I N A L T

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein Stein liegt still in der Landschaft, in der Nähe eines Gewässers. Eine Schnecke kriecht langsam über ihn hinweg, Vögel überfliegen ihn schnell, eine Schlange nutzt den Stein als sonnige Aufwärmterrasse; Tag und Nacht und der Wandel der Jahreszeiten verändern das farbliche Erscheinungs- bild des Steins. Für einen großen Elch ist der Stein nur ein Kiesel, für ein winziges Insekt hingegen ein riesiger Berg. Tiere hinterlassen ablesbare Duftspuren auf dem Stein, Pflanzen überwuchern ihn, kleine Nagetiere nutzen ihn als Zufluchtsort, für eine Grille bietet er die passende Freilichtbühne zum Zirpen …

Illustration aus „Der stille Stein“ von Brendan Wenzel © 2019 NordSüd Verlag AG, Zürich/ Schweiz

Das Wasser steigt, und der Stein wird zur Insel, wird überflutet und setzt sein Dasein unter Wasser fort, mit Wasserpflanzen, Seeschnecken, Fischen und Seepocken …

Mit wenigen langsamen Worten erzählt Brendan Wenzel, wer und was dem stillen Stein begegnet.

Die abwechslungsreichen Bilder sind in einer Kombination aus verschie- denen Maltechniken und Collagenelementen gestaltet und illustrieren mit überwiegend gedeckter Farbpalette Jahreszeiten- und Lichtwechsel und das Wachstum der Pflanzen in der Nachbarschaft des Steins sowie die tierischen Besucher mit ihren Wahrnehmungsperspektiven und ihren unterschied- lichen Interaktionen mit dem Stein.

„Der stille Stein“ ist ein meditatives Bilderbuch, das dem Betrachter viel Raum läßt und die Sinne für alltägliche Naturerscheinungen öffnet. Dieses Bilderbuch eignet sich hervorragend, um sich gleichsam zu erden, um einfach zu SEIN und sich dem Atem zeitloser Zeit hinzugeben. Es empfiehlt sich in dieser Hinsicht für Kinder ebenso wie für Erwachsene.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://nord-sued.com/programm/der-stille-stein/

Illustration aus „Der stille Stein“ von Brendan Wenzel © 2019 NordSüd Verlag AG, Zürich/ Schweiz

Der Autor & Illustrator:

»Brendan Wenzel studierte am New Yorker Pratt Institute. Seine besondere Vorliebe gilt der Darstellung von Tieren. Er arbeitet mit verschiedenen Magazinen und Umweltorga-nisationen zusammen. 2017 gelang ihm der internationale Durchbruch mit dem Buch »They All Saw a Cat«, das im Frühjahr 2018 bei NordSüd erschienen ist und in diesem Jahr in die Ehrenliste der Caldecott-Medaille aufgenommen wurde. Brendan Wenzel lebt im Bundesstaat New York.«

Querverweis:

Hier entlang zu Brendan Wenzels Bilderbuch „Alle sehen eine Katze“, in dem er ebenso abwechslungsreich wie anschaulich illustiert, daß die menschliche Sichtweise nur eine von vielen möglichen ist, und er dem Betrachter buchstäblich die Augen für tierische Wahrnehmungsmöglichkeiten und Sichtweisen öffnet. https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/07/04/alle-sehen-eine-katze/

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KARMA COOKING

  • Koch dich glücklich!
  • von Diana Johannsen und
  • Shirley Michaela Seul
  • TRINITY Verlag   März 2017  www.trinity-verlag.de
  • gebunden
  • Format: 13,5 cm x 17,5 cm
  • 240 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-95550-225-6

D A S E I N S R E Z E P T E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Karma Cooking“ ist ein Kochbuch für Körper, Geist und Seele.

Hier geht es weniger um Rezepte und Zutatenlisten, sondern vielmehr um die geistige Haltung und liebevolle Präsenz bei der Zubereitung von Nahrung, also um die mentale und emotionale Würze, die Sie – bewußt oder unbewußt – den Speisen hinzufügen.

Fragen Sie sich selbst, ob Sie beim Kochen mit Liebe, Bewußtheit und Dankbarkeit bei der Sache sind oder gehetzt, beiläufig und abgelenkt sowie belastet von Sorgen, Streß und negativen Gedanken oder schlichter Kochunlust. Die vorherrschende Stimmung beim Kochen überträgt sich und lädt das Essen entsprechend auf.

So regt die Autorin einleuchtend dazu ein, vor dem Kochen die Hände und die Gedanken zu waschen, und serviert eine Fülle weiterer Anregungen, die Speisen und das dazu verwendete Wasser konstruktiv zu  besprechen, zu segnen und mit verschiedenen Symbolen, Licht- und Farbvisualisierungen aufzuladen.

Eine weitere lebenswichtige Zutat ist das entspannt-konzentrierte Dasein und ganze Dabeisein beim Kochen. Die Autorin zündet dafür als Zentrierungsanker eine Kerze in ihrer Küche an und praktiziert die Yogi-Vollatmung. Es genügt jedoch auch, wenn man sich seines Atems gewahr ist und ihn allein dadurch vertieft. Die Hauptsache ist, daß sich die Gedanken beruhigen und daß nun gekocht oder gebacken wird und nichts anderes sonst.

Es tut gut, wenn die Gedanken das, was wir in der Küche gerade tun, begleiten und nicht zur Steuererklärung, der kritischen politischen Weltlage oder einer noch ungeklärten Streitfrage abschweifen. Sind wir mit Körper, Geist und Seele anwesend, werden die Zutaten sinnlich wahrgenommen, dankbar gewürdigt, übersichtlich geordnet, gesäubert und verarbeitet. Schritt für Schritt und genußvoll schon bei der Zubereitung nährt die Hingabe an den Augenblick die liebevolle Präsenz.

Mit welchen Symbolen man die fertige Speise oder die einzelnen Zutaten „bestrahlen“ möchte, entscheidet man am besten nach persönlichem Empfinden. Die Blume des Lebens, das Reiki-Energie-Symbol Cho Ku Rei, das Unendlichkeitssymbol oder einfach ein gemaltes Herz seien hier als Anregung genannt. Ob man als spirituelle Zugabe eine Affirmation, ein Mantra, ein Gebet oder einen Segensspruch, eine Farb- oder Licht- visualisierung oder eine Kombination dieser Zugaben anwendet, bleibt der eigenen Experimentierfreude und religiösen Vorliebe frei überlassen.

„Karma Cooking“ wartet mit  achtundzwanzig veganen Koch- und Backrezepten auf, deren Zutatenlisten neben den materiell-irdischen Zutaten um zwei bis drei himmlische Zutaten – beispielsweise Liebe, Freude, Demut, Dankbarkeit, Glück, Gesundheit, Mut, Vertrauen, Zufriedenheit, Zuversicht – ergänzt werden. Die Zubereitungsbeschreibungen sind übersichtlich und praxiserprobt. Es sind leichte, unkomplizierte, alltagstaugliche Rezepte wie Apfelkuchen, Auberginenmus, Erdbeermarmelade, Gemüsebrühe, Indische Linsensuppe, Kartoffelgratin, Kartoffelsuppe, Pizza Buschetta con Rucola, Risotto, Rübli-Geburtstagskuchen und Rohkost-Schokoladenkuchen.

Wer mit veganer Ernährung fremdelt, braucht keine Angst vor den Ernährungshin- weisen und Rezepten zu haben. Die Autorin erläutert ihre Entscheidung für eine vegane Ernährungsweise ohne missionarische Attitude – „… wir sind hier nicht beim Rechthaberwettessen.“ (Seite 80) -, sondern bittet einfach nur um eine Erweiterung und Ergänzung des Kochhorizontes auch für vegane Speisen.

Die Autorin schreibt aus einer von der Yoga-Philosophie geprägten Geisteshaltung des Mitgefühls mit allen Wesen und der Verbundenheit allen Lebens. Die Erfahrungsberichte aus ihrer privaten und beruflichen Kochtätigkeit sind authentisch und erklingen in heiterer Leichtigkeit.

Der beste Ernährungsratgeber und Kochassistent ist nach Ansicht der Autorin unsere innere Weisheitsinstanz. Sie nennt diese Instanz „Little Guru“. Diese innere Stimme spricht leise, doch in meditativer Gestimmtheit und achtsamer Aufgeschlossenheit kann man sie nicht überhören und so manchen lebensdienlichen Impuls empfangen.

Geben Sie Ihren Speisen den Geschmack von Liebe, machen Sie ein Rezept zum Gebet, rühren Sie Gegenwärtigkeit, Güte, Heilung, Hoffnung, Kraft, Lebensfreude, Sinnlichkeit, Vertrauen und Wertschätzung in Ihr Essen – es ist keine Frage, daß man den Unterschied schmecken kann!

Ich kann dies aus langjähriger eigener Erfahrung bestätigen, denn es ist mir keineswegs neu, meine Speisen zu segnen und mit Symbolkräften anzureichern. Eine meiner Lieb-lingssegnungsformeln beim Kochen und Backen lautet: „Liebe Speise, munde fein, sollst ein Genuß für alle sein!“ So spreche ich zum Kuchenteig, zum Eintopf, zur Gemüse-pfanne, zur Pizza, zur Suppe, zu den Nudeln, der Soße, dem Salat, dem Nachtisch und zum selbstgemachten Brotaufstrich.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.trinity-verlag.de/Buecher/243/KarmaCooking.html

Die Autorin:

»Diana Johannsen ist Wasserbotschafterin, Yoga-Lehrerin und Inhaberin der Koch-Community Karma Cooking in Herrsching am Ammersee. Sie gibt energetisch-vegane Kochkurse und betreibt einen veganen Cateringservice. Zusammen mit ihrem Mann Percy Johannsen organisiert sie das Namasté Yogafestival namaste-yoga.de .«  www.karmacooking.de

Die Co-Autorin: Shirley Michalea Seul  http://www.shirley-michaela-seul.de

Querverweis:

„KARMA COOKING“ ergänzt sich harmonisch mit dem Sachbuch „YOGAN“ von Dominik Grimm, das Yogapraxis und vegane Ernährungsprinzipien ausgewogen miteinander vereint: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/21/yogan/

Wer das Thema des achtsamen Daseins im Hier & Jetzt gerne vertiefen möchte, dem empfehle ich zusätzlich das konZENtrativ-inspirierende  Buch „DER TIGERBERICHT“ von Dietrich Wild: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/der-tigerbericht/

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Manolito

  • Ein fantastischer Märchen-Roman
  • von Friedrich Hechelmann
  • Knesebeck Verlag September 2017   www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 19,5 x 23,00 cm
  • 176 Seiten
  • mit 10 schwarzweißen Abbildungen
  • und 30 farbigen Abbildungen
  • ISBN 978-3-95728-060-2
  • 29,95 € (D), 30,80 € (A)
  • ab 10 Jahren

LE B E N S K R Ä F T E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Friedrich Hechelmann ist Maler und Buchillustrator, und er hat für das vorliegende Buch nicht nur zum Pinsel, sondern auch selbst zur Feder gegriffen. Achtsame Liebe zur Natur, Ehrfurcht vor der Schöpfung und eine naturmagisch-poetische Perspektive lassen sich an seinen Bildern ablesen.

Mit seinem Märchen-Roman-Debüt „Manolito“ erzählt Friedrich Hechelmann in Wort und Bild ein modernes Märchen über die Bedrohung der Natur und des Lebens durch menschliche Herzenskälte und Profitgier und über eine mögliche Bewußtseinswende durch heilsame, naturgeistige Lebenskräfte.

Knuth Rabenhorst arbeitet in einem wissenschaftlichen Versuchslabor der Pharma-industrie und führt gehorsam die verlangten Versuche an den „Probanden“ durch. Des Nachts meldet sich bei ihm jedoch angesichts der Qualen der Versuchskaninchen immer häufiger das Gewissen, denn eigentlich ist Knuth ein empfindsamer Mensch – so pflegt er beispielsweise eine Fütter-Freundschaft mit einem dem Raben Kasimir, der ihn regelmäßig auf seinem Balkon besucht.

Doch erst als Knuth seine Anstellung verliert, kommt er ernsthaft  zur Besinnung. In seiner Labor-Kitteltasche findet er den heimlich entflohenen Probanden Nr. 226. Nr. 226 ist nur kichererbsenklein, er hat eine menschliche Gestalt und fleht Knuth an, ihn nicht wieder in das schreckliche Labor zurückzubringen. Knuth läßt endlich sein Mitgefühl zu und verspricht Nr. 226 Schutz und Hilfe und gibt ihm den Namen „Manolito“.

Manolito freut sich, daß er keine Nummer mehr ist, und Knuth freut sich über die anre-gende Gesellschaft Manolitos. Sie diskutieren lebhaft das menschliche, lebensfeindliche Verhalten gegenüber den natürlichen Geschöpfen, und Knuth überlegt sich berufliche Alternativen, da er sich an diesem Zerstörungswerk nicht mehr beteiligen mag.

Während sich Knuth auf Arbeitssuche begibt, erkundet Manolito sein neues Zuhause und freundet sich mit der Hausspinne Liesa und dem Raben Kasimir an. Manolito ist die körperliche Miniaturausgabe eines Menschen, indes hat er die Seele eines Elfen, und deshalb kann er mit allen Tieren sprechen. So erfährt er auch, daß sich immer mehr Tiere auf den geheimen Kontinent Aronia zurückziehen, um der menschlichen Grausamkeit und den durch Umweltverschmutzung lebensverarmten und zerstörten Lebensräumen zu entkommen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zugang nach Aronia wurde vor vielen Jahrtausenden von den Elfen hinter einer für Menschen unsichtbaren Wasserwand verborgen. Tiere finden den Weg nach Aronia jedoch instinktiv, und die wenigen Elfen, die noch als Botschafter in der Menschenwelt unterwegs sind, haben selbstverständlich ebenfalls leichten Zugang. Und so landet Manolito nach einer dramatischen Wende unvermittelt in Aronia.

Die Hummelkönigin Klara nimmt Manolito als Flugpassagier auf und zeigt ihm die wilden, menschenleeren Landschaften Aronias, in denen außer den noch in der Menschenwelt existierenden Tieren auch ausgestorbene Tiere und fast vergessene Fabelwesen leben und wirken. Im Herzen Aronias liegt der Elfenwald. Dort erfährt Manolito mehr über seine Herkunft und seine Bestimmung, und er bekommt ein wertvolles Geschenk, das ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe dienlich sein wird.

So groß, weitläufig und verborgen Aronia auch ist, es ist nicht unverwundbar. Die menschliche Gier nach Bodenschätzen unterhöhlt buchstäblich auch dieses Refugium, und es besteht die akute Gefahr, daß Aronias Schutzschleier gelüftet wird. Aronia benötigt elementare Unterstützung, um sich gegen einen Angriff und eine drohende Invasion der Menschen zu verteidigen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zentrale Rat der Vereinigten Arten Aronias beauftragt Manolito, die Hummelkönigin Klara, die Grasmücke Mathilde, die Fledermaus Philomena und weitere tierische Ver-bündete zum Meister des Windes zu reisen und um seine Unterstützung zu bitten. Die Bewohner Aronias werden ihr Refugium nicht kampflos den „Paarfüßlern“ – so werden die Menschen von den Tieren genannt – überlassen.

Es wird eine sehr abenteuerliche Reise mit harten Bewährungsproben und mit unverhofft-hilfreichen und inspirierenden Begegnungen. So weiß beispielsweise der Delphin Ody, der sie beim Überqueren des Meeres vor dem Ertrinken rettet, weitsichtige Worte über das Wasser zu sagen:

»Ich weiß es vom Wasser … Es hat die gesamte Geschichte der Erde und seiner Bewohner gespeichert. Dem Wasser kann man nichts vormachen. Was man dem Wasser antut, tut man sich selbst an. Bei Luft und Erde ist es dasselbe. Das haben die Paarfüßler nur bis heute nicht begriffen.« (Seite 111)

Die spannende, märchenhafte Handlungsinszenierung fügt sich wunderbar in die vielfältigen Landschaften, ja, eigentlich Seelenlandschaften, die Friedrich Hechelmann entwirft. Dabei eröffnet er einfühlsam Perspektiven der Tiere auf das Handeln der Menschen.

Die katastrophal-zerstörerischen Folgen lebensabgehobener Naturentfremdung werden deutlich formuliert, indes fehlt es keineswegs an weisen Anregungen zu einem Leben in naturachtsamer, wechselseitiger Verbundenheit.

Friedrich Hechelmanns phantastische Illustrationen bieten der Imagination des Lesers ein einladendes Bühnenbild voll geheimnisvoller Lebenstiefe und poetischer Vielschichtigkeit. Sein Erzählstil ist im Vergleich dazu schnörkellos und präzise sowie in den Dialogpassagen gelegentlich etwas schelmisch. Er benutzt klare Worte und kurze Sätze. „Manolito“ ist ein leseleichter, gleichwohl substanzieller und inspirierender Märchen-Roman für kleine und große Menschen, denen die Natur am Herzen liegt. Ich würde die Lesealtersangabe des Verlages dahingehend korrigieren, daß „Manolito“ eine Lektüre von 10 bis 100 Jahren ist.

Zum Ausklang lasse ich uns gerne die Hummelkönigin Klara ihre Vision ins Ohr summen:

»Ich wollte, die Menschen fänden zu ihrer Bestimmung zurück und gingen achtsam mit der Natur um, würden die Geschöpfe und alles, was lebt, bewahren und lieben. Die Erde wird auch dann kein Paradies sein. Solange der Planet um sich selbst und um die Sonne kreist, wird es Tag und Nacht geben. Jedes Ereignis, jedes Lebewesen wird eine dunkle und eine helle Seite haben. Aber im Kern jeden Lebewesens sollte der Respekt vor dem Geheimnis des Lebens stehen. Wenn es so weit ist, werden auch die Elfen ihre Isolation aufgeben und zu uns zurückkehren, zum Wohle aller.« (Seite 90)

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/manolito/t-1/594

Querverweis:

Hier entlang zu einer von Friedrich Hechelmann illustrierten Märchensammlung
Das Buch der Märchen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/01/28/das-buch-der-maerchen/

 

Der Autor und Illustrator:

»Friedrich Hechelmann wurde 1948 in Isny im Allgäu geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und zählt seither zu den bedeutendsten Malern des Realismus. In der Kunsthalle im Schloss Isny im Allgäu, wo er heute lebt und arbeitet, hat er einen besonderen Ort gefunden, den er durch großes Engagement zu einem kulturellen Zentrum verwandelt hat. In den mit großer Liebe zum Detail restaurierten Räumen des Schlosses stellt er seine Originalwerke aus, darunter auch Buchillustrationen. Denn Friedrich Hechelmann wurde auch als Illustrator zahlreicher Bücher populär, wie Michael Endes Momo (2009), Cornelia Funkes Die Geisterritter (2011) oder Selma Lagerlöfs Nils Holgersson (Knesebeck, 2013). Manolito ist der erste Roman des Künstlers.«
Besuchen Sie Friedrich Hechelmann auf seiner Webseite: www.hechelmann.de

 

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Das geheime Netzwerk der Natur

  • Wie Bäume Wolken machen und Regenwürmer Wildschweine steuern
  • von Peter Wohlleben
  • LUDWIG Verlag   September 2017  https://www.randomhouse.de/Verlag/Ludwig/55000.rhd
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • 224 Seiten
  • ISBN 978-3-453-28096-0
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A)  26,9o sFr.

N A T U R L I E B H A B E R

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Peter Wohllebens neues Buch öffnet unser Denken und unsere Sinne für die komplexen natürlichen Kreisläufe und Wechselwirkungen unserer Mitwelt. Dabei spielen große und kleine sowie kurzfristige und langfristige Zusammenhänge zwischen den zoologischen und botanischen Arten ebenso eine tragende Rolle wie geologische und klimatische Entwicklungen und der Einfluß der menschlichen Zivilisation.

Das Spektrum der anschaulichen Beispiele für natürliche Gleichgewichte und Selbst-organisationen sowie positive und negative menschliche Einflußnahmen reicht vom winzwinzigen, unterirdischen Mikroorganismus bis zum Baumriesen, vom Moospolster, das ein Vielfaches seines Gewichtes an Wasser speichern kann, bis zur Gewitterwolke, die innerhalb weniger Minuten pro Quadratkilometer bis zu 30 000 Kubikmeter Wasser abregnen lassen kann, vom CO₂- und Stickstoffkreislauf bis zum Für und Wider winterlicher Vogelfütterung, von Ameisen-Blattlaus-Lebensgemeinschaften bis zum evolutionären Hörwettbewerb zwischen Fledermäusen und Nachtfaltern …

Peter Wohlleben weckt sogleich im ersten Kapitel mit der Überschrift „ Warum Wölfe Bäumen helfen“ unsere Neugier. Denn der Zusammenhang zwischen Bäumen und Wölfen ist ja zunächst nicht offensichtlich.

Im 19. Jahrhundert wurden im Yellowstone-Nationalpark auf Druck der umliegenden Farmer systematisch alle Wölfe ausgerottet. Das hatte zur Folge, daß sich die Hirsche massiv vermehrten und insbesondere die Gräser und Baumschößlinge an den Flußufern wegfraßen. Die verödeten, pflanzenarmen Uferregionen boten zu wenig Nahrung für Vögel, deren Artenspektrum abnahm; Biber, die auf Uferbäume angewiesen sind,  verschwanden ebenfalls. Da die Uferböschungen kaum noch einen schützenden Pflanzenbewuchs hatten, wurde bei Hochwasser viel Erdreich mitgerissen, die Erosion beschleunigte sich, und die Flußläufe mäandrierten beträchtlich.

1995 wurden wieder Wölfe im Yellowstone-Nationalpark angesiedelt, und es begann eine „trophische Kaskade“, d.h. „eine Veränderung des gesamten Ökosystems über die Nahrungskette, von oben beginnend“. (Seite 11) Die Wölfe jagten die Hirsche, die Hirschpopulation nahm ab, und die verbliebenen Hirsche hielten sich nur noch kurz an den offenen Uferstreifen auf, da sie die Wölfe fürchteten und sich zum Selbstschutz bevorzugt in weniger sichtoffenen Waldarealen aufhielten.

Die Bäume und die Pflanzenvielfalt kehrten zurück, und nach einigen Jahren waren die Flußufer wieder natürlich befestigt, die Biber kehrten zurück, und in Folge der Biberstaudämme gab es mehr Tümpel, mehr Tümpel förderten die Ansiedlung von Amphibien, und auch die Vogelvielfalt wurde wieder größer …

In Anbetracht der Tatsache, daß „Deutschland auf die Fläche bezogen eines der wildreichsten Länder der Erde ist“ (Seite 16), sollten wir die Rückkehr der Wölfe also gelassen begrüßen und nicht auf hysterische Schlagzeilen gewisser Blättchen hereinfallen. Menschen gehören nicht zum Beutespektrum des Wolfs, und selbst Vieh und Haustiere machen lediglich 0,75 Prozent seiner Nahrung aus. Tatsächlich sind streunende oder verwilderte Hunde viel gefährlicher, da sie keine natürliche Scheu vor Menschen haben.

Peter Wohlleben vermittelt dem Leser eine ganzheitliche Perspektive, er berichtet ausgewogen von Chancen, Gefahren und möglichen Lösungen für menschengemachte Probleme. Er schreibt eigentlich nicht, sondern er erzählt, und dies auf eine solch lebendige, interesseweckende und faszinierende Weise, daß selbst schon sehr naturverbundene Leser nach der Lektüre mit noch wacherem Blick durch Wald und Wiesen streifen.

„Das geheime Netzwerk der Natur“ legt uns mit Gefühl die Natur ans Herz und hebt uns mit Verstand die feinverästelte Komplexität der Natur ins Bewußtsein.

Kritiker, die Peter Wohllebens einfühlsame Erzählweise als unwissenschaftlich bemängeln, verkennen in verkopfter oder profitbeschränkter Welt- und Selbstsicht unsere eigene menschliche Natur, die nämlich am erfolgreichsten durch eine emotionale Ansprache berührt und motiviert wird. Nur wer die Natur liebt, wird ihr mit Achtsamkeit und Respekt begegnen, lebensfeindliche Einmischungen vermeiden und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um ihren Erhalt und Schutz bemühen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-geheime-Netzwerk-der-Natur/Peter-Wohlleben/Ludwig/e515800.rhd

Das Hörbuch ist parallel zum Lesebuch im Hörverlag erschienen, in bewährter sonorer Stimmqualität gelesen von Peter Kaempfe.

Das geheime Netzwerk der Natur

von Peter Wohlleben
gelesen von Peter Kaempfe
der Hörverlag  https://www.randomhouse.de/Verlag/der-Hoerverlag/70000.rhd
Hörbuch CD (gekürzt)
6 CDs in Pappklappschachtel
Laufzeit: ca. 6 Stunden, 44 Minuten
ISBN: 978-3-8445-2727-8
19,99 € (D), 22,50 € (A) , 28,50 sFr.

Hier entlang zum Hörbuch und zur HÖRPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Das-geheime-Netzwerk-der-Natur/Peter-Wohlleben/der-Hoerverlag/e528126.rhd

 

Querverweis:

Hier entlang zu meiner Rezension von Peter Wohllebens „Das geheime Leben der Bäume“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/02/06/das-geheime-leben-der-baeume/ und „Das Seelenleben der Tiere“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/01/30/das-seelenleben-der-tiere/

Der Autor:

»Peter Wohlleben, Jahrgang 1964, wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforst-verwaltung. Um seine ökologischen Vorstellungen umzusetzen, kündigte er und leitet heute eine Waldakademie in der Eifel. Er ist Gast in zahlreichen TV-Sendungen, hält Vorträge und Seminare und ist Autor von Büchern zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz. Mit seinen Bestsellern Das geheime Leben der Bäume und Das Seelenleben der Tiere hat er Menschen auf der ganzen Welt begeistert.« https://wohllebens-waldakademie.de/

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Irgendwo brennt ein Feuer im Eis

  • Eine Erzählung über Vulkane, Gebirge und die Schätze der Erde
  • Text und Fotos von Andreas Pflitsch
  • Illustrationen von Dirk Steinhöfel
  • Arena Verlag  Juni 2017    www.arena-verlag.de
  • 48 Seiten
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 26 cm x 32,8 cm x 1,2 cm
  • abgerundete Buchecken
  • ISBN 978-3-401-60248-6
  • 19,99 € (D), 20,60 € (A)
  • ab 9 Jahren

FEUER, WASSER, ERDE, LUFT  UND  EIS

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

» Aber so ist das im Leben. Manche Dinge brauchen Zeit, um sich zu entwickeln.
So wie die Gegend hier.
«  (Seite 8)

Dieses Zitat sollten wir in Anbetracht der erdgeschichtlichen Zeiträume und Zusammen-hänge, die uns in diesem erzählenden Abenteuersachbuch vermittelt werden, stets im Sinn behalten.

Wie schon im ersten Gemeinschaftswerk von Andreas Pflitsch und Dirk Steinhöfel, das uns das Geheimnis der Höhlen erschloß (siehe meine Rezension vom  Oktober 2014 https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/08/irgendwo-in-der-tiefe-gibt-es-ein-licht/), erwartet den geneigten Leser und Betrachter auch im neuen Buch eine interessante und lebendige Einführung in ein erdgeschichtliches Wissensgebiet. Hier wird auf spannende Weise Wissen vermittelt und mit beeindruckendem Bildmaterial Forscherdrang und Entdeckerfreude geweckt.

Die Geschwister Jonas und Sophie haben wieder eine Einladung von ihrem amerika-nischen Urgroßvater Elias bekommen. Diesmal geht es nach Alaska. Voll aufgeregter Vorfreude steigen sie in Anchorage aus dem Flugzeug und werden von ihrer Tante Janis herzlich in Empfang genommen.

Elias hat sich versteckt und läßt den Kindern nach und nach bruchstückhafte Botschaften und Hilfsmittel zukommen, damit sie die von ihm gestellte, zunächst ganz rätselhafte Suchaufgabe lösen. Bereits dem Einladungsbrief lag das Bruchstück einer alten Kupferplatte mit geheimnisvollen Gravierungen bei. Im Verlauf der Suche werden sich die Hinweise und die Metallplatte zu einem sinnvollen Ganzen runden.

In Begleitung ihrer Tante erkunden die Kinder die Gegend und bewundern die imposanten Berge. Viele davon sind, obwohl schneebedeckt, Vulkane – eine gute Gelegenheit, einen kleinen Exkurs über Plattentektonik, Gebirgsbildung, Gebirgsfaltung, und Vulkantypen (Schildvulkane, Schichtvulkane) ins Gespräch zu bringen.

Illustrationen von Dirk Steinhöfel © Fotos von Andreas Pflitsch © Arena Verlag 2017

Im Informationszentrum des Wrangell-St.-Elias-Nationalparks schauen sich die Kinder eine Landkarte mit eingezeichneten Kontinentalplatten an, und Tante Janis‘ Erläuterungen zur unterschiedlichen Konsistenz der Erdschichten und Erdmantel- schichten werden in anschauliche Graphiken übersetzt.

Das ist der Moment, in dem man ein bißchen das Gefühl für den festen Boden unter den Füßen verliert. Denn unser fester Boden ist eine vergleichsweise dünne Haut – die sogenannte kontinentale Kruste -, die auf der Lithosphäre liegt, und diese wiederum befindet sich auf dem Erdmantel, der aus plastischem Material besteht. Das, was wir – außer bei Erdbeben – als unbewegliche Landmasse erleben, schwimmt tatsächlich auf dem zähflüssigen Gestein des Erdmantels. Dazu kommen noch die Ozeanböden, welche die ozeanische Kruste bilden.

Ozeanböden sind schwerer als Kontinentalböden, und sie sinken nach und nach in die weichere Erdmantelschicht ab. So entstehen Risse und Spalten in der Ozeanplatte, aus denen Magma aufsteigt, und dies drückt die Ozeanplatten auseinander und läßt sie bis zu 12 cm jährlich wachsen.

Illustrationen von Dirk Steinhöfel © Fotos von Andreas Pflitsch © Arena Verlag 2017

Parallel zur Suche nach Elias wird das Thema Vulkanismus, die Entstehung von Erdbeben, Magmablasen, die Funktion von Stratovulkanen, die Rolle von Wasser und Wasserdampf sowie die Ausfällung von Metallen und die Entstehung von Gold-, Silber- und Kupferadern, aber auch unterschiedlicher Gesteinsarten und Fossilien erklärt. Daneben eröffnen sich uns großartige Ausblicke auf imposante Vulkanausbrüche, Lavaströme und wunderschöne Gebirgslandschaften.

Und die Kinder finden natürlich auch ihren Urgroßvater wieder, in einer alten verlassenen Minenstadt …

Die Verknüpfung einer zwischenmenschlichen Rahmenhandlung mit der Vermittlung von naturwissenschaftlichem Sachwissen hat den Reiz, daß die Informationen im familiären Gespräch erzählt, erörtert und rekapituliert werden. Das ist lebhafter und für Kinder gewiß anregender zu lesen als ein rein faktischer Sachbuchtext.

Das faszinierende Bildmaterial und die 3D-Optik bannen sowohl den kindlichen wie den erwachsenen Betrachter ganz unmittelbar. Bereits das außergewöhn- liche Großformat und die grafische Gestaltung von Dirk Steinhöfel, die dem Buch detailverspielt das Aussehen eines verwitterten Forschertagebuchs gibt, ist eine Einladung zum Leseabenteuer.

Dirk Steinhöfel hat die Fotografien mit eigenen Illustrationen ergänzt und teilweise collagiert und ein spannendes, computergraphisch montiertes Layout gestaltet, das den sachkundig-erzählenden Text von Andreas Pflitsch kongenial untermalt und veranschaulicht.

Ich hoffe, daß dieses wissens- und sehenswerte Buch von vielen jungen Lesern entdeckt wird und sie auf eine spannende und aufschlußreiche Lesereise in unterirdische Gefilde mitnimmt.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.arena-verlag.de/artikel/irgendwo-brennt-ein-feuer-im-eis-978-3-401-60248-6

Hier entlang zum ersten Abenteuersachbuch von Andreas Pflitsch und Dirk Steinhöfel:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/10/08/irgendwo-in-der-tiefe-gibt-es-ein-licht/

 

Der Autor:

» Prof. Dr. Andreas Pflitsch wurde 1958 geboren. Er lehrt in den Bereichen Geografie und Sicherheitsforschung und arbeitet als Spezialist für  Klimatologie an extremen Standorten (Gletscherhöhlen, Lavahöhlen, U-Bahntunnel). Neben Arbeiten in Alaska, den Rocky Mountains und dem Mittleren sowie Süd-Westen der USA baut er das Forschungszentrum zur Lava- und Eishöhlenforschung „Akeakamei“ auf Hawaii auf. «  http://www.andreas-pflitsch.de

Der Illustrator:

» Dirk Steinhöfel wurde 1964 geboren. Als freiberuflicher Autor und Illustrator im Bereich Kinder- und Jugendliteratur entwickelt er vor allem detaillierte Graphic Novels sowie Cover für Fantasyliteratur und Dystopien. « www.der-dreizehnte-engel.de

 

PS:

Schade finde ich, daß der Verlag offenbar bei der Herstellung nachlässig war.

Das Titelbild ist, verglichen mit dem spektakulären Bildmaterial des Buches und im Vergleich mit dem geheimnisvoll einladenden Titelbild des Vorgängerbandes, leider etwas lahm und zahm geraten. Hatte der Verlag dabei Angst vor der Angst? Vulkanismus ist nun einmal kein gemütliches Gebiet, sondern ein durchaus dramatisches und auch beängstigendes Thema, das liegt einfach in der Natur der Sache.

Wieso sind die Buchnieten, die man außen auf dem Titelbild sieht, auf den Innenseiten plötzlich verschwunden? Im Vorgängerband wurden die Blattlochungen und die Buchbindeschnur des Forschertagebuchs auch auf den Innenseiten weitergeführt, was die dreidimensionale optische Wirkung verstärkte.

Ausgerechnet bei der plakativen Autorenkurzinfo auf dem hinteren Buchdeckel fand für den Autor eine unerklärliche Umschulung zum Geologen statt. Tatsächlich ist Andreas Pflitsch jedoch Klimageograph und Höhlenforscher und beim ersten Buch wußte der Verlag das auch noch.

 

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Giesbert in der Regentonne

  • Text und Illustrationen von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus August 2016  www.urachhaus.com
  • 112 Seiten
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 17 x 24 cm
  • 17,90 € (D)
  • ISBN 978-3-8251-7988-5
  • Kinderbuch ab 5 Jahren
    giesbert-in-der-regentonne-titelbild

W A S S E R T R E U

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Daniela Dreschers neues Kinderbuch lädt uns in Wort und Bild in ihren eigenen Garten ein. Ob es der echte Garten oder der Garten ihres Herzens ist, kann ich nicht beurteilen, aber es gefällt mir zauberhaft gut darin.

Die Autorin erzählt, wie eines Regentages Giesbert, ihr hauseigener Regenrinnen-Wicht, so heftig durch die Regenrinne ins Regenfaß gespült wird, daß dabei seine Flöte zerbricht. Giesbert ist untröstlich und weint und klagt und jammert und schreit,  bis ihm der alte Holundergeist, der im Holunderstrauch neben der Regentonne wohnt, eine neue Flöte schnitzt. Da kehrt wieder Ruhe ein, und Giesbert spielt überglücklich eine lustige Danke-schön-Melodie für den alten Holundergeist.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Außer fürs Flötespielen hat der Regentonnen-Wicht eine Vorliebe für selbstgemachte Gedichte, Schnittlauchbrot und Wasserstreiche. Im Kontakt mit den Tieren des Gartens erweist er sich als ebenso hilfsbereit wie verspielt.

 

giesbert-in-der-regentonne-schneckenschub

Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Er füttert ein verletztes Rotkehlchen, er veranstaltet ein Schneckenwettkriechen, er hilft einem vergeßlichen Eichhörnchen beim Wiederfinden von Haselnußverstecken, er diszipliniert feuchtfröhlich einen aufdringlichen Waschbären, er ärgert den Kater und verträgt sich wieder mit ihm, er kämpft mit dem verstopften Gartenschlauch, er rettet eine Goldfischdame und begleitet den Quakgesang eines Froschprinzenfroschs mit der Flöte …

Die Heilpflanzengeister (Huflattich und Spitzwegerich) heilen Giesberts Husten, und ein lebenserfahrener Igel hilft ihm, seinen Liebeskummer wegen der unerreichbaren Blumenelfe Gisela zu überwinden.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

Die Menschen unterstützt Giesbert – wie der Name schon andeutet – beim Gießen der Pflanzen, und die Regentonne ist immer gefüllt, auch wenn seit langem kein Regen mehr gefallen ist. So ein Regentonnen-Wicht ist halt nur im Wasser ganz in seinem Element. Allerdings kann er – wenn er sehr wütend wird – jedes Wasser zum Überlaufen bringen. Das kommt jedoch nur selten vor, und er hilft auch reumütig beim Aufwischen, wenn es in der Küche oder im Bad zu kleinen Überschwemmungen kommt. Denn sonst hätte die Autorin Giesbert gewiß nicht dazu eingeladen, den Winter in ihrer häuslichen Badewanne zu verbringen. Während draußen das Wasser in der Regentonne vereist und im Garten die Schneeflocken tanzen und wirbeln, sitzt Giesbert gemütlich am Fenster und dichtet:

»Leise fallen Sterne nieder.
Tausend fallen immer wieder!
Jeder bringt uns einen Traum
aus dem großen Weltenraum.
Tausend Träume – immer wieder –
fallen als Schneeflocken nieder.
Und ein Traum, der ist sicherlich
ganz allein und nur für mich

Daniela Drescher ©
  (Seite 110)

Giesberts heiter-umtriebiges Wesen und Wirken wird in kurzen Kapiteln erzählt, die mit einem Umfang von vier bis acht Seiten eine angenehme Vorleselänge haben. Die zahlreichen märchenhaft-schönen – teilweise ganzseitigen –  Begleitbilder sind eine anregende Augenweide.

Daniela Dreschers aquarellierte Illustrationen sind sehr atmosphärisch und zeugen – in ihrer botanischen sowie zoologischen Stimmigkeit – von sehr tiefer Naturverbundenheit und einer entsprechenden Beobachtungsgabe.

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Illustration von Daniela Drescher © Verlag Urachhaus 2016

„Giesbert in der Regentonne“ bietet unbeschwerte, warmherzige Vor- lesekost. In jeder Episode finden sich für Kinder leicht mitzuempfindende Gefühle und Regungen sowie konstruktive Interaktionen und Problem- lösungen.

Der Regentonnen-Wicht, zahlreiche sprechende Tiere und knollennasig-knuffige Pflanzengeister-Wichtel garantieren hier die Verzauberung des Gartenalltags und die Beflügelung der kindlichen Phantasie. Der augenzwinkernd-witzige, sich in die kleinen Nöte und großen Freuden des Regentonnen-Wichts einfühlende Erzählton trägt zusätzlich zur gelungenen Vorlesegeborgenheit bei.

Und ich werde mich nun einmal nach einer Regentonne für meinen Garten umschauen …

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPORBE auf der Verlags-Webseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Kinderbuch/Giesbert-in-der-Regentonne.html

 

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durchihre Illustrationen inzwischen weltweit bekannt. Von den USA über ganz Europa bis China sind ihre Bücher in den Kinderzimmern zu Hause – eine Künstlerin, die ihr Spektrum immer wieder erweitert und sich neu erfindet. Daniela Drescher gestaltet die Kinderseite im Lebensmagazin a tempo. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.«
http://www.danieladrescher.de

Querverweis:

Und hier entlang zum zweiten Band mit dem Regenrinnen-Wicht Giesbert: „Giesbert hört das Gras wachsen“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/10/10/giesbert-hoert-das-gras-wachsen/
Und hier entlang zum dritten Band: „Giesbert und der Gluckerbach“
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2020/08/19/giesbert-und-der-gluckerbach/

Hier entlang zu Daniela Dreschers erstem und ebenfalls sehr lesens- und sehenswertem Erzählbuch „Abenteuer mit Ungeheuer“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/16/abenteuer-mit-ungeheuer/
»Eine romantisch-poetisch gestimmte und gelungene Symbiose aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit und Märchen.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/