KARMA COOKING

  • Koch dich glücklich!
  • von Diana Johannsen und
  • Shirley Michaela Seul
  • TRINITY Verlag   März 2017  www.trinity-verlag.de
  • gebunden
  • Format: 13,5 cm x 17,5 cm
  • 240 Seiten
  • 18,00 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-95550-225-6

D A S E I N S R E Z E P T E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Karma Cooking“ ist ein Kochbuch für Körper, Geist und Seele.

Hier geht es weniger um Rezepte und Zutatenlisten, sondern vielmehr um die geistige Haltung und liebevolle Präsenz bei der Zubereitung von Nahrung, also um die mentale und emotionale Würze, die Sie – bewußt oder unbewußt – den Speisen hinzufügen.

Fragen Sie sich selbst, ob Sie beim Kochen mit Liebe, Bewußtheit und Dankbarkeit bei der Sache sind oder gehetzt, beiläufig und abgelenkt sowie belastet von Sorgen, Streß und negativen Gedanken oder schlichter Kochunlust. Die vorherrschende Stimmung beim Kochen überträgt sich und lädt das Essen entsprechend auf.

So regt die Autorin einleuchtend dazu ein, vor dem Kochen die Hände und die Gedanken zu waschen, und serviert eine Fülle weiterer Anregungen, die Speisen und das dazu verwendete Wasser konstruktiv zu  besprechen, zu segnen und mit verschiedenen Symbolen, Licht- und Farbvisualisierungen aufzuladen.

Eine weitere lebenswichtige Zutat ist das entspannt-konzentrierte Dasein und ganze Dabeisein beim Kochen. Die Autorin zündet dafür als Zentrierungsanker eine Kerze in ihrer Küche an und praktiziert die Yogi-Vollatmung. Es genügt jedoch auch, wenn man sich seines Atems gewahr ist und ihn allein dadurch vertieft. Die Hauptsache ist, daß sich die Gedanken beruhigen und daß nun gekocht oder gebacken wird und nichts anderes sonst.

Es tut gut, wenn die Gedanken das, was wir in der Küche gerade tun, begleiten und nicht zur Steuererklärung, der kritischen politischen Weltlage oder einer noch ungeklärten Streitfrage abschweifen. Sind wir mit Körper, Geist und Seele anwesend, werden die Zutaten sinnlich wahrgenommen, dankbar gewürdigt, übersichtlich geordnet, gesäubert und verarbeitet. Schritt für Schritt und genußvoll schon bei der Zubereitung nährt die Hingabe an den Augenblick die liebevolle Präsenz.

Mit welchen Symbolen man die fertige Speise oder die einzelnen Zutaten „bestrahlen“ möchte, entscheidet man am besten nach persönlichem Empfinden. Die Blume des Lebens, das Reiki-Energie-Symbol Cho Ku Rei, das Unendlichkeitssymbol oder einfach ein gemaltes Herz seien hier als Anregung genannt. Ob man als spirituelle Zugabe eine Affirmation, ein Mantra, ein Gebet oder einen Segensspruch, eine Farb- oder Licht- visualisierung oder eine Kombination dieser Zugaben anwendet, bleibt der eigenen Experimentierfreude und religiösen Vorliebe frei überlassen.

„Karma Cooking“ wartet mit  achtundzwanzig veganen Koch- und Backrezepten auf, deren Zutatenlisten neben den materiell-irdischen Zutaten um zwei bis drei himmlische Zutaten – beispielsweise Liebe, Freude, Demut, Dankbarkeit, Glück, Gesundheit, Mut, Vertrauen, Zufriedenheit, Zuversicht – ergänzt werden. Die Zubereitungsbeschreibungen sind übersichtlich und praxiserprobt. Es sind leichte, unkomplizierte, alltagstaugliche Rezepte wie Apfelkuchen, Auberginenmus, Erdbeermarmelade, Gemüsebrühe, Indische Linsensuppe, Kartoffelgratin, Kartoffelsuppe, Pizza Buschetta con Rucola, Risotto, Rübli-Geburtstagskuchen und Rohkost-Schokoladenkuchen.

Wer mit veganer Ernährung fremdelt, braucht keine Angst vor den Ernährungshin- weisen und Rezepten zu haben. Die Autorin erläutert ihre Entscheidung für eine vegane Ernährungsweise ohne missionarische Attitude – „… wir sind hier nicht beim Rechthaberwettessen.“ (Seite 80) -, sondern bittet einfach nur um eine Erweiterung und Ergänzung des Kochhorizontes auch für vegane Speisen.

Die Autorin schreibt aus einer von der Yoga-Philosophie geprägten Geisteshaltung des Mitgefühls mit allen Wesen und der Verbundenheit allen Lebens. Die Erfahrungsberichte aus ihrer privaten und beruflichen Kochtätigkeit sind authentisch und erklingen in heiterer Leichtigkeit.

Der beste Ernährungsratgeber und Kochassistent ist nach Ansicht der Autorin unsere innere Weisheitsinstanz. Sie nennt diese Instanz „Little Guru“. Diese innere Stimme spricht leise, doch in meditativer Gestimmtheit und achtsamer Aufgeschlossenheit kann man sie nicht überhören und so manchen lebensdienlichen Impuls empfangen.

Geben Sie Ihren Speisen den Geschmack von Liebe, machen Sie ein Rezept zum Gebet, rühren Sie Gegenwärtigkeit, Güte, Heilung, Hoffnung, Kraft, Lebensfreude, Sinnlichkeit, Vertrauen und Wertschätzung in Ihr Essen – es ist keine Frage, daß man den Unterschied schmecken kann!

Ich kann dies aus langjähriger eigener Erfahrung bestätigen, denn es ist mir keineswegs neu, meine Speisen zu segnen und mit Symbolkräften anzureichern. Eine meiner Lieb-lingssegnungsformeln beim Kochen und Backen lautet: „Liebe Speise, munde fein, sollst ein Genuß für alle sein!“ So spreche ich zum Kuchenteig, zum Eintopf, zur Gemüse-pfanne, zur Pizza, zur Suppe, zu den Nudeln, der Soße, dem Salat, dem Nachtisch und zum selbstgemachten Brotaufstrich.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.trinity-verlag.de/Buecher/243/KarmaCooking.html

Die Autorin:

»Diana Johannsen ist Wasserbotschafterin, Yoga-Lehrerin und Inhaberin der Koch-Community Karma Cooking in Herrsching am Ammersee. Sie gibt energetisch-vegane Kochkurse und betreibt einen veganen Cateringservice. Zusammen mit ihrem Mann Percy Johannsen organisiert sie das Namasté Yogafestival namaste-yoga.de .«  www.karmacooking.de

Die Co-Autorin: Shirley Michalea Seul  http://www.shirley-michaela-seul.de

Querverweis:

„KARMA COOKING“ ergänzt sich harmonisch mit dem Sachbuch „YOGAN“ von Dominik Grimm, das Yogapraxis und vegane Ernährungsprinzipien ausgewogen miteinander vereint: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/21/yogan/

Wer das Thema des achtsamen Daseins im Hier & Jetzt gerne vertiefen möchte, dem empfehle ich zusätzlich das konZENtrativ-inspirierende  Buch „DER TIGERBERICHT“ von Dietrich Wild: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/der-tigerbericht/

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Monsieur Jean und sein Gespür für Glück

  • von Thomas Montasser
  • Roman
  • Thiele Verlag September 2015   www.thiele-verlag.com
  • 256 Seiten
  • Format: 11,5 x 18,5 cm
  • zweifarbig gedruckt, gebunden
  • mit Schutzumschlag und LESEBÄNDCHEN
  • 18,– € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-85179-311-6
    Monsieur Jean und sein Gespür für Glück

DIPLOMAT  DER  HERZEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem Thomas Montasser in seinem vorhergehenden Roman, dem beruflichen Ethos und Wirkungskreis wahrer Vollblutbuchhändler schmeichelhaft-romantisierend die Ehre gegeben hat – nachzulesen in meiner Besprechung vom 10.Juni 2015: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/06/10/ein-ganz-besonderes-jahr/
betritt er in seinem neuen Roman „Monsieur Jean und sein Gespür für Glück“ das Hotel- und Caféhausgewerbe.

Jean Picard wird von allen Monsieur Jean genannt. Streng genommen heißt er Giacomo Piccoli. Die Strenge Sichtweise überlassen wir indes einmal dem behördlichen Auge … wir widmen uns Monsieur Jean lieber aus der zwischenmenschlichen Perspektive.

Monsieur Jean hat 43 Jahre im Grandhotel Tour au Lac (Zürich) gearbeitet, die letzten Jahre als von Gästen und Kollegen hochgeschätzter, diskret-hilfsbereiter, kultiviert- zuvorkommender und vertrauenswürdiger Nachtconcierge, und nun wurde er in den Ruhestand entlassen.

Er ist seit längerer Zeit Witwer, und kürzlich ist einer seiner engsten Freunde, der ein kleines Bistro betrieben hat, plötzlich verstorben; doch Monsieur Jean ergibt sich nicht der Melancholie, sondern er schaut wachen Auges auf die Welt und in seine Mitmen-schen. Er verfügt über große Menschenkenntnis, und man kann seine Wesensart als wohltätig – im psychologischen Sinne, manchmal aber auch im finanziellen – bezeichnen. Nie hat er vergessen, daß ihm einst durch eine gute Tat ein neues Leben ermöglicht wurde, und er ist bestrebt, diese gute Tat durch sein eigenes Handeln fortzusetzen.

Monsieur Jean ist die Diskretion in Person, gleichwohl hat er ein Notizbuch, das seine persönliche Buchführung über die Besonderheiten, Empfindlichkeiten, Geheimnisse, Vorlieben und Wünsche der Hotelstammgäste und auch der Hotelangestellten enthält.

Er flaniert aufmerksam durch Zürich, erlaubt sich kurze biographische Lebensrück- blenden und dankbare Betrachtungen, und er bemerkt erfreut, daß das ehemalige Bistro seines verstorbenen Freundes von einer jungen Frau mit viel Herzblut in ein Café umgestaltet wird. Wie es seine menschenfreundliche Art ist, nimmt er sogleich großen Anteil an dieser Veränderung.

Monsieur Jean wird der erste Stammgast im Café de Balzac und macht sich einfühlsam Gedanken, wie er die charmante Inhaberin Anastasia Feodora Baljanina darin unter- stützen könne, mehr Gäste ins Café zu locken und diesem einen guten Ruf als attraktive Lokalität zu verschaffen. Kurz: Er nimmt Anastasia unter seine behutsamen Fittiche.

Außerdem nutzt er seine freie Zeit und seine komplexen Verbindungen, um einige unglückliche Geschichten der ihm vertrauten Hotelgäste, vielleicht zu einem besseren Ende führen zu können

Monsieur Jean ist ein Meister der Beziehungspflege, er hilft auf viele Arten und Weisen, mit konkreten Anregungen, kleinen Fingerzeigen, dadurch, daß er jemanden kennt, der jemanden kennt usw. usf. Er koordiniert, organisiert, synchronisiert und balanciert – und manchmal schummelt er auch ein wenig, wenn es der guten Absicht dienlich ist.

So mancher Abschnitt endet damit, daß Monsieur Jean jemanden um einen Gefallen bittet, ohne daß wir als Leser sofort erfahren, was für ein Gefallen dies denn sei. Man ahnt allerdings, daß die unausgesprochenen Einzelheiten zu einem festlichen Finale führen werden.

Anastasias Hund betrachtet derweil die Ereignisse und Begegnungen aus seiner unbestechlichen Nasenperspektive und kommentiert die zwischenmenschlichen Verknüpfungen dementsprechend elementar-humorig. Als Sahnehäubchen zum guten Ende aller Geschichten erfährt schließlich auch Monsieur Jean eine unerwartete Amorbeflügelung …

Dieser Roman ist wie ein Tanz, die zunächst unverbundenen Personen werden nach und nach in einen Reigen eingebunden, dessen beinahe unsichtbarer Choreograph Monsieur Jean ist. Da einige Figuren aus dem künstlerischem Milieu stammen und auch Monsieur Jean musische Neigungen pflegt , fehlt es auch nicht an musikalischen Randschnörkeln Opernzitaten und Poesie.

Die stimmige äußere Gestaltung des Buches verdient ebenfalls ausdrückliches Lob. Folgende Vorzüge finden sich hier: Ein handliches Format (11,5 x 18,5 cm), eine sehr lesefreundliche Typographie auf cremeweißem Papier in Verbindung mit weinroten Versalien zum Kapitelanfang, weinrote Paginierung und Sternchenvignetten, ein weinrotes LESEBÄNDCHEN und als Vorsatzblatt die Farbfotografie einer klassischen Hotelportiers-Tischglocke aus hochglanzpoliertem Messing sowie ein verführerisch-appetitliches Bild auf dem Schutzumschlag.

Als Lesegast in diesem Roman werden wir mit einer feinsinnig-eleganten Sprache, stilechten Charakteren, kultivierten Umgangsformen, einer weltläufigen, milden Sozialkritik und erfreulich vielen konstruktiven, neuen Lebensweichenstellungen verwöhnt.

Manchem Leser mag das vom Autor kunstvoll geknüpfte Beziehungsgeflecht und das fügsame Ineinandergreifen der Umstände zu märchenhaft erscheinen. Ich für meinen Teil finde es jedoch ermutigend, von einem Menschen zu lesen, der so tief mitdenkt und mitfühlt und so großherzig, gütig, empathisch und lebensdankbar ist, daß man ihn sich spontan als Freund oder Nachbarn herbeiwünscht.

 

Zum Ausklang noch zwei Lesehäppchen:

„Es fiel ihn also leicht, großzügig zu sein, ein Umstand, der ihm das Leben erleichterte. Denn Monsieur Jean schätzte Großzügigkeit. In ihr zeigte sich der Charakter eines Menschen.“ (Seite 34/35)

„So, wie es eine Kunst war, die Welt im Kleinen einzufangen, war es eine Kunst, sich selbst nicht auf kleine Gedanken zu beschränken. Monsieur Jean war gut darin, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Er liebte die Freiheit, die ihm seine Erfahrung, seine Professionalität und Menschenkenntnis im Kopf verschafften – und den Umstand, dass ihm das Amt des Concierge zwar eine gewisse Autorität und Würde verlieh, die Uniform ihn aber zugleich als Mensch hinter dem Amt zurücktreten ja unsichtbar werden ließ. Diese Kunst des Unsichtbarseins hatte Monsieur Jean in all den Jahren so vervoll-kommnet, dass er auch außerhalb des Tour au Lac – jederzeit wie auf Knopfdruck aus der Wahrnehmung seiner Mitmenschen verschwinden konnte.“ (Seite 127)

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.thiele-verlag.com/buch/monsieur-jean-und-sein-gesp%C3%BCr-f%C3%BCr-gl%C3%BCck

Querverweis:

Hier entlang zu meiner Besprechung des Romans Ein ganz besonderes Jahr von Thomas Montasser:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/06/10/ein-ganz-besonderes-jahr/

Der Autor:

»Thomas Montasser arbeitete als Journalist und Universitätsdozent und war Leiter einer kleinen Theatertruppe. Er schrieb große Epochenromane (Die verbotenen Gärten), und unter den Pseudonym Fortunato auch Kinderbücher (Zauber der Wünsche). Als Vater von drei Kindern lebt er mit seiner Familie in München. Mit seinem Roman Ein ganz besonderes Jahr (Thiele Verlag, 2014) erreichte der Autor sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum eine großartige Resonanz.«

 

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Arche Literatur Kalender 2016

  • Der glückliche Augenblick
  • Wochenkalender
  • Herausgegeben von Elisabeth Raabe und Regina Vitali
  • Arche KALENDER Verlag     http://arche-kalender-verlag.com/startseite.html
  • Graphische Gestaltung von Max Bartholl
  • 60 Blätter, 53 Photos
  • Format: 31,5 x 24 cm
  • 22,– €
  • ISBN 978-3-0347-6019-4
    Arche Literatur Kalender 2016 Titel

A R C H E T Y P I S C H

Kalenderbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Der glückliche Augenblick“ – so lautet das Motto des Arche Literatur Kalenders für 2016. Hierin können wir wöchentlich nachlesen, welche besonderen Augenblicke des Glücks Schriftstellerinnen und Schriftsteller litera-biographisch in Briefen, Erinnerungen und Tagebüchern fixiert haben.

Illustriert werden die zitierten Augenblicke mit ausgesucht ausdrucksvollen Photographien der jeweiligen Verfasser. Diese Bilder werden ergänzt durch Hintergrund-informationen zu Leben, Werk und Augenblicksanlaß sowie um ausführliche Bildlegenden und gelegentliche Querverweise und Beziehungsbezüge zwischen den Autoren.

Die sorgfältige und attraktiv-klare graphische Komposition von Text, Bild und dezenter Farbgebung verdankt sich dem bewährten „archetypischen“ Graphiker Max Bartholl.

Die Schwerpunkte der beschriebenen Augenblicke variieren beträchtlich: Liebesglück, Begeisterungsglück, Befreiungsglück, Entdeckungsglück, Genesungsglück, Harmonieglück, Überlebensglück, Überraschungsglück, Reiseglück und Leseglück …

Meist ist es kein überschwengliches Glück, oft erscheint es scheu, bescheiden, ganz alltäglich, gefährlich, heimlich, ironisch, sättigend, versöhnlich, sehnsüchtig, ernst, melancholisch, fast verloren, zerbrechlich – dann aber wieder alles überragend, berauschend, feierlich, heiter, tänzerisch, beflügelnd, großzügig, magisch, überpersönlich-historisch und wendepunktmarkierend und so lange ausstrahlend, wie es das nachfolgende Zitat zum Ausdruck bringt:

Den ganzen Tag bummelte ich mit Sartre durch das beflaggte Paris, ich betrachtete die festtäglich herausgeputzten Frauen, die den Soldaten um den Hals fielen. Eine Fahne blitzte hoch oben auf dem Eifelturm. Was für ein Aufruhr in meinem Herzen! Es kommt selten vor, daß man mit einer lang ersehnten Freude im Augenblick der Erfüllung noch übereinstimmt; ich hatte dieses Glück … Wie immer das Nachher aussehen mochte, nichts könnte mir diese Augenblicke nehmen. Nichts hat sie mir genommen; sie strahlen aus meiner Vergangenheit mit einem Glanz, der nie verblich.“
(Simone de Beauvoir zum 25. August 1944, dem Tag der Befreiung von Paris)

Blatt für Blatt dreht sich das kultivierte Kalenderkarussell des Arche Literatur Kalenders und läßt uns in Wort und Bild teilhaben an unvergesslichen Augenblicken großen und kleinen Glücks.

Unter nachfolgendem Link können Sie ein wenig im Kalender blättern:
http://arche-kalender-verlag.com/arche-literatur-kalender-2016.html

 

Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Arche Kalender Verlag außer dem besprochenen Literaturkalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert hat:

Arche Musik Kalender 2016
http://arche-kalender-verlag.com/arche-musik-kalender-2016.html

Arche Küchen Kalender 2016
http://arche-kalender-verlag.com/arche-kuechen-kalender-2016.html

Arche Kinder Kalender 2016 (Besprechung folgt am 18.10.2015)
http://arche-kalender-verlag.com/arche-kinder-kalender-2016.html

Geburtstagskalender (immerwährend)
http://arche-kalender-verlag.com/arche-geburtstagskalender.html

Herr Eichhorn und der erste Schnee

  • Bilderbuch
  • Text und Illustration von Sebastian Meschenmoser
  • Esslinger Verlag 2007   http://www.thienemann-esslinger.de
  • gebunden, Fadenheftung, Hochformat 22 x 17 cm
  • 64 Seiten
  • ISBN 978-3-480-22359-6
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A), 14,90 sFr.
  • ab 4 Jahren
    Herr Eichhorn und der erste Schnee

S C H N E E J Ä G E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nach dem glücklich überstandenen Monddrama des ersten Herrn-Eichhorn-Bilderbuches geht es im zweiten Band um den ersten Schnee. Nachdem der Bock Herrn Eichhorn von der Schönheit des Schnees und der Schneeflocken vorgeschwärmt hat, beschließt Herr Eichhorn, seinen Winterschlaf so lange aufzuschieben, bis er wenigstens den ersten Schnee zu sehen bekommt.

Doch das Warten auf die ersten Schneeflocken wird ganz schön lang, und die Müdigkeit „übereichhörnt“ ihn immer wieder. Da hilft nur „Bewegung an der frischen Luft“, sagt sich Herr Eichhorn und wuselt und kapriolt dermaßen wortwörtlich springlebendig um seinen Schlafbaum herum, daß einem beim Bilderbuchanschauen ganz schwindelig wird.

Der Igel wird von Herrn Eichhorns Bewegungsdrang aufgestört und von der Sehnsucht, die erste Schneeflocke zu sehen, angesteckt. Allerdings ist der Igel nicht so bewegungswillig, und so singen die beiden Schneejäger „raue Seemannsweisen“, um wach und munter zu bleiben.

Bei diesem Eichhörnchen-Igel-Duett findet der Bär wahrlich keinen Winterschlaf, und so regt er an, daß sie zu dritt nach der ersten Schneeflocke suchen sollen. Es könnte doch möglich sein, daß sie unbemerkt schon längst irgendwo im Wald herumliegt.

Nun machen sich die Drei auf die Suche. Der Bock hatte den Schnee als „weiß und nass und kalt und weich“ beschrieben.
Der Igel findet eine weiße Zahnbürste, Herr Eichhorn findet eine geöffnete Weißblechdose, doch nur der Bär findet ein Objekt, das alle vier Suchkriterien des Schneesteckbriefes erfüllt: eine weiße, nasse, kalte und WEICHE Socke.

Bär, Igel und Eichhörnchen sitzen staunend im Kreis um die Socke herum, und sie kippen fast um vor Müdigkeit, da fällt eine echte Schneeflocke vom Himmel. Hellwach und begreifend schauen die Tiere auf und bewundern den ersten Schneefall. Sie bauen einen Schneemann und ziehen sich dann zum gemeinsamen Winterschlaf in die Bärenhöhle zurück.

Auf dem hinteren Vorsatzblatt sehen wir dann noch, daß die Tiere den Schneemann mit den falschen Schneeflocken-Fundstücken gekonnt garniert haben – zum Erstaunen zweier Holzfäller, die gerade des Weges kommen, und zum Schmunzeln des Lesers bzw. Betrachters.

Es ist bemerkenswert, daß dieses Bilderbuch seitenweise ganz ohne Text auskommt, die Illustrationen von Sebastian Meschenmoser sprechen einfach für sich selbst – das ist eine hohe Kunst. Natürlich wird die Geschichte auch mit Worten erzählt, aber mit Worten geht Herr Meschenmoser emotional stimmig sowie auf das Wesentliche konzentriert um.

Die textfreien Seiten eröffnen beim Vorlesen anregende Spielräume für die kindliche Äußerung eigener Beobachtungen und Vermutungen über den weiteren Verlauf der Geschichte. Dies dürfte die Anteilnahme der Kinder am Schicksal von Herrn Eichhorn und Co wesentlich erhöhen.

Meine Lieblingsszenen sind die Bilderfolgen, in denen Herr Eichhorn und der Igel immer wieder fast einschlafen; das ist so überzeugend, warmherzig und humorvoll gezeichnet, daß ich mich daran gar nicht sattsehen kann.

Eine weitere Besonderheit aller Herr-Eichhorn-Bände ist, daß die Vorsatzblätter in die jeweilige Geschichte mit einbezogen werden. Die Vorsatzblätter sind die Doppelseiten am Anfang und am Ende eines Buches, die den Buchblock (also alle Buchseiten) mit dem Buchumschlag verbinden. Herr Meschenmoser nutzt das vordere Vorsatzblatt für eine erste, wortlose, rein zeichnerische Einstimmung in die Geschichte und das hintere Vorsatzblatt für eine letzte – wortlose – Pointe.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/herr-eichhorn-und-der-erste-schnee-isbn-978-3-522-45804-7/

 

Der Illustrator und Autor:

»Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte freie bildende Kunst in Mainz. Mit „Fliegen lernen“ hat er 2005 bei Esslinger seinen Erstling veröffentlicht. Dieses ganz besondere Buch hat in den Medien und in der Buchbranche viel Beachtung gefunden. Die Illustrationen daraus wurden auf der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna als eine der innovativsten Neuerscheinungen präsentiert. 2006 erschien mit „Herr Eichhorn und der Mond“ das zweite Buch von Sebastian Meschenmoser, das ebenfalls große Begeisterung auslöste und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2007, Sparte Bilderbuch, nominiert wurde.«

 

Querverweis:

Hier entlang zur Besprechung des ersten Bandes vom Herrn Eichhorn:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/19/herr-eichhorn-und-der-mond/
und zum dritten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/26/herr-eichhorn-weiss-den-weg-zum-gluck/
und zum vierten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/08/28/herr-eichhorn-und-der-besucher-vom-blauen-planeten/
und zum fünften Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/22/herr-eichhorn-und-der-koenig-des-waldes

 

 

Extra Garn

  • Bilderbuch
  • von Mac Barnett
  • Illustrationen von Jon Klassen
  • Aus dem Englischen von Susanne Lin
  • Verlag Freies Geistesleben 2013                    http://www.geistesleben.com
  • 40 Seiten, gebunden
  • Format: 26 x 22 cm
  • 15,90 €
  • ISBN 978-3-7725-2688-6
  • ab 4 Jahren
    9783772526886_10024.png EXTRA GARN

DEN  FADEN  FINDEN

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Extra Garn“ ist eine schöne, vertrauenserweckende Geschichte über geschenktes Glück und das Glück des Schenkens.

Eines Wintertags findet das Mädchen Annabelle eine kleine Truhe, angefüllt mit kunterbuntem Wollgarn. Sie strickt sich einen Pullover, und weil noch Wolle übrig ist, strickt sie auch  einen Pullover für ihren Hund.

Danach ist immer noch Garn vorhanden und so strickt Annabelle nach und nach für alle menschlichen und tierischen Bewohner ihrer Heimatstadt regenbogenbunte Pullover. Die Wolle scheint kein Ende nehmen zu wollen, und so bestrickt das Mädchen nach den Lebewesen auch die unbelebten Dinge, und die zuvor so triste Stadt wird merklich farbenfroher.

Die Kunde von Annabelles unerschöpflicher Wollgarntruhe erreicht schließlich auch einen modebewußten Erzherzog, der mit seinem Segelschiff anreist. Er will Annabelle die Truhe  für sehr, sehr viel Geld abkaufen, aber Annabelle weigert sich, ihren bunten Schatz zu verkaufen.

Der Erzherzog bezahlt drei Räuber, damit sie für ihn die Wolltruhe stehlen, und dann segelt er mit ihr übers Meer davon zu seiner Burg. Doch als er die Truhe öffnet, ist sie vollkommen leer. Erbost und wütend wirft er die Truhe aus dem Fenster und schickt noch einen bösen Fluch für Annabelle hinterher.

Die kleine Truhe findet auf dem Wasserwege wieder zu Annabelle zurück, aber der böse Fluch erreicht sie nicht. Denn Annabelle lebt bunt und munter weiter…

Der Autor Mac Barnett erzählt seine Geschichte mit großer Gelassenheit in einer prägnanten, einfachen und gleichwohl ausdruckvollen Sprache.

Die Illustrationen von Jon Klassen sind sehr klar und inszenieren durch die kontrastierende Farbgebung (graubraun-schwarzweiße Kulissen gegenüber kunterbunten Strickmaschen) deutlich das wechselnde emotionale Klima im Verlauf der Handlung.

 

Der Autor:

»Mac Barnett wurde 1982 in einem  kalifornischen Bauerndorf geboren und lebt heute als Autor in Berkeley. Bekannt wurde er neben seinen fantasievollen Kinderbüchern durch seine Kriminalromane rund um die Brixton Brothers.  www.macbarnett.com«

 

Der Illustrator:

»Jon Klassen wurde 1981 im kanadischen Winnipeg geboren. Nach seinem Studium am Sheridan College in Oakville, Kanada, ging er nach Amerika und arbeitete zunächst für verschiedene Film- und Videoproduktionsfirmen. Heute lebt er als erfolgreicher Autor und Illustrator in Los Angeles. Mit seinem Buch „Wo ist mein Hut“ wurde er jüngst für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
http://www.burstofbeaden.com «

Die kleine Elfe feiert Weihnachten

  • Text und Illustration von Daniela Drescher
  • Verlag Urachhaus   http://www.urachhaus.de
  • 3. Auflage 2011
  • 24 Seiten, gebunden
  • Format: 20,8 x 23 cm
  • 12,90 €
  • ISBN 978-3-8251-17740-9
  • Bilderbuch ab 4 Jahren
    9783825177409_Elfe und Weihnachten

EINE   SCHÖNE   BESCHERUNG

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die kleine Elfe Flirr, die manchen vielleicht aus dem Vorgängerbuch „Die kleine Elfe kann nicht schlafen“ schon vertraut ist, sucht ein Winterquartier. Sie wandert durch den eingeschneiten Wald und begegnet einigen hilfsbereiten Tieren.

Als die kleine Elfe vor dem Schneegestöber hinter einem Baum Schutz sucht, findet sie ein frierendes und hungriges Zwergenkind, das dem Weihnachtmann entgegengehen wollte und sich dabei verirrt hat. Fürsorglich teilt sie ihre bescheidenen Vorräte mit dem Zwergenkind, und sie gehen gemeinsam weiter.

Nach einer Weile  treffen sie den Weihnachtsmann, der mit seinem Esel und dem berühmten Sack mit den vielen Geschenken unterwegs ist. Die beiden dürfen auf dem Esel reiten und begleiten den Weihnachtsmann eine ganze Nacht lang. Am nächsten Morgen kommen sie beim Zuhause des Zwergenkindes an, der Weihnachtsmann überreicht jedem ein Geschenk und verabschiedet sich.

Die kleine Elfe Flirr feiert mit der Zwergenfamilie ein gemütliches Weihnachtsfest und wird von ihr eingeladen, den ganzen Winter über in ihrer behaglichen Zwergenbehausung zu bleiben.

Welches Geschenk die kleine Elfe vom Weihnachtsmann bekommen hat, verrate ich hier nicht, das dürfen Sie schon selbst herausfinden…

„Die kleine Elfe feiert Weihnachten“ ist ein warmherziges, empfindsam illustriertes  Bilderbuch, in dem es um Hilfsbereitschaft und das Glück einfacher, elementarer und geteilter Freuden geht.

Und wie immer bei der Illustratorin Daniela Drescher sind die Bilder von erstaunlicher botanischer und zoologischer Genauigkeit, gepaart mit einer feinsinnigen, seelenvollen und zauberhaften Atmosphäre.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Die-kleine-Elfe-feiert-Weihnachten.html

Die Autorin und Illustratorin:

»Daniela Drescher, geboren 1966 in München, ist durch ihre Illustrationen mittlerweile weltweit bekannt. Neben eigenen Geschichten hat sie mehrere Klassiker der Weltliteratur illustriert. Daniela Drescher lebt in Blaubeuren am Blautopf, ist verheiratet und Mutter von vier Kindern
http://www.danieladrescher.de

 

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