Namiko und das Flüstern

  • von Andreas Séché
  • Roman
  • Jubiläumsausgabe Juli 2018 ars vivendi Verlag  www.arsvivendi.com
  • gebunden
  • bedruckter Leineneinband
  • Fadenheftung
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 176 Seiten
  • 16,00 €(D), 16,90 €(A)
  • ISBN 978-3-86913-976-0

LI E B E S F L ÜS T E R N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Warten ist geflüstertes Sein.“
(Seite 174)

„Namiko und das Flüstern“ ist eine feine Lektüre für Liebhaber leiser Töne, für japanophile Poeten, meditative Philosophen und konZENtrierte Romantiker.

Ein deutscher Journalist fliegt nach Kyoto, um eine Reportage über japanische Gärten zu schreiben. Während seiner Gartenbesichtigungen lernt er eine junge Japanerin namens Namiko kennen, die Germanistik studiert und dem mit der japanischen Kultur unvertrauten Reporter freundlich-entgegenkommend die metaphorische Bedeutung japanischer Pflanzen- und Gartengestaltungsfeinheiten erläutert.

Wechselseitig auf stille Weise voneinander angezogen, freunden sich die beiden an und unternehmen ebenso lehrreiche wie vergnügliche Ausflüge in verschiedene Gärten und Landschaften Japans. Namiko wird für den Journalisten zu seiner persönlichen Reise- führerin in die japanische Kultur und schließlich auch in die Tiefe seines eigenen Herzens.

Namiko übersetzt dem staunenden Reporter die in den Gartenkompositionen offen-sichtlich ablesbaren Geschichten und philosophischen Betrachtungsweisen. So lernt er, die Gärten gleichsam zu lesen. Namiko ist eine eigenwillige, unkonventionelle und phantasievoll-verspielte Begleiterin. Sie beobachtet gerne fremde Menschen und denkt sich Lebensläufe zu ihnen aus, und sie flüstert häufig.

„Flüstern, sagte Namiko immer, das sei betonen, indem man gerade nicht betone. Wenn man die Stimme zurücknehme, verlagere sich das Gewicht  von der Form des Gesagten auf seinen Inhalt und verleihe dem, was man ausdrücken wolle, den unaufdringlichen Hauch des Bedeutungsvollen.“ (Seite 8)
 
Als Denkknacknuß schreibt sie dem Reporter ein Koan auf eine Serviette, nur um ihm später zu erklären, daß ein Koan gerade nicht mit dem Verstand zu lösen sei, sondern das Bewußtsein vom Denken fort zum Sein hinlenken solle.

Streiflichternd malt Namiko asiatische Schriftzeichen und Piktogramme, die auch im Fließtext als Schriftzeichen dargestellt werden,  in den Sand und erklärt sehr anschaulich ihre Bedeutung und Zusammensetzung sowie den langen historischen Atem, den diese Zeichen bis in die Gegenwart tragen. Sie weist auf bemerkenswerte japanische Begriffe hin wie beispielsweise „Fukan-bi“, was übersetzt lautet: „Schönheit, die sich aus der Vogelperspektive offenbart“.  (Seite 47)

Namiko vermittelt dem Reporter auf verspielte, naturverbundene Weise neue sinnliche Erfahrungen, nicht in einem vordergründig erotischen Sinne, sondern als Vertiefung der natürlichen körperlichen Präsenz und Sinneswahrnehmung.

Die Annäherung der beiden Liebenden erfolgt langsam und voller Achtsamkeit. Beim Fest des gewundenen Bachlaufs, bei dem sie wechselseitig poetische Botschaften füreinander schreiben und diese auf einem wunderkerzenbeleuchteten Holzschiffchen zueinander fließen lassen, wird klar, daß ihre Herzen eine gemeinsame Sprache sprechen.

„Namikos Liebkosungen schienen kein Ziel zu haben. Ihr Kuss war ein Kuss und nicht die Vorbereitung auf mehr, jedenfalls empfand ich es so. Er war nicht wie ein Vorspeisenteller, den man schnell leert, ohne ihn wirklich zu genießen, weil man auf dem Tisch Platz für das Hauptgericht schaffen will.“ (Seite 112)

Dieses Buch ist erfüllt von einer Haltung der Wertschätzung, die sich aus der Faszination für die japanische Kultur und einer überaus zärtlichen Daseinsdankbarkeit sowie dem Bewußtsein des Abschieds ergibt. Es ist ein schmerzlich-schöner Nachruf auf eine tiefe Liebe, deren poetisch-philosophisches Echo berührt und inspiriert und den Leser zu lebhafter Selbstreflexion anregt.

Andreas Séchés behutsame Erzählweise beleuchtet in mondlichtsanfter Tonart die Erfahrung wachsender zwischenmenschlicher Nähe und gelebter Poesie.

 

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://arsvivendi.com/Buch/Search/9783869139760-Namiko-und-das-Fluestern-Jubilaeumsausgabe

 

Der Autor:

»Andreas Séché, geboren 1968, schrieb als Journalist für Tageszeitungen und war zwölf Jahre lang Redakteur bei einer Zeitschrift in München, bevor er in seine Heimat, das Rheinland, zurückkehrte. Heute lebt er als Schriftsteller am Niederrhein. Bei ars vivendi sind bisher seine Romane Namiko und das Flüstern (2011), Zwitschernde Fische (2012) und Zeit der Zikaden (2013) erschienen.« http://andreas-seche.de
Hier entlang zum Roman „Zwitschernde Fische“ von Andreas Séché:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/03/28/zwitschernde-fische/

Querverweis:

Eine harmonische, meditative Lektüreergänzung zu diesem Roman ist „Der Tigerbericht“ von Dietrich Wild, der das zen-buddhistische Thema der Gedankenstille noch deutlich vertieft: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2012/12/30/der-tigerbericht/

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Manolito

  • Ein fantastischer Märchen-Roman
  • von Friedrich Hechelmann
  • Knesebeck Verlag September 2017   www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden, mit Schutzumschlag
  • Fadenheftung
  • Format: 19,5 x 23,00 cm
  • 176 Seiten
  • mit 10 schwarzweißen Abbildungen
  • und 30 farbigen Abbildungen
  • ISBN 978-3-95728-060-2
  • 29,95 € (D), 30,80 € (A)
  • ab 10 Jahren

LE B E N S K R Ä F T E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Friedrich Hechelmann ist Maler und Buchillustrator, und er hat für das vorliegende Buch nicht nur zum Pinsel, sondern auch selbst zur Feder gegriffen. Achtsame Liebe zur Natur, Ehrfurcht vor der Schöpfung und eine naturmagisch-poetische Perspektive lassen sich an seinen Bildern ablesen.

Mit seinem Märchen-Roman-Debüt „Manolito“ erzählt Friedrich Hechelmann in Wort und Bild ein modernes Märchen über die Bedrohung der Natur und des Lebens durch menschliche Herzenskälte und Profitgier und über eine mögliche Bewußtseinswende durch heilsame, naturgeistige Lebenskräfte.

Knuth Rabenhorst arbeitet in einem wissenschaftlichen Versuchslabor der Pharma-industrie und führt gehorsam die verlangten Versuche an den „Probanden“ durch. Des Nachts meldet sich bei ihm jedoch angesichts der Qualen der Versuchskaninchen immer häufiger das Gewissen, denn eigentlich ist Knuth ein empfindsamer Mensch – so pflegt er beispielsweise eine Fütter-Freundschaft mit einem dem Raben Kasimir, der ihn regelmäßig auf seinem Balkon besucht.

Doch erst als Knuth seine Anstellung verliert, kommt er ernsthaft  zur Besinnung. In seiner Labor-Kitteltasche findet er den heimlich entflohenen Probanden Nr. 226. Nr. 226 ist nur kichererbsenklein, er hat eine menschliche Gestalt und fleht Knuth an, ihn nicht wieder in das schreckliche Labor zurückzubringen. Knuth läßt endlich sein Mitgefühl zu und verspricht Nr. 226 Schutz und Hilfe und gibt ihm den Namen „Manolito“.

Manolito freut sich, daß er keine Nummer mehr ist, und Knuth freut sich über die anre-gende Gesellschaft Manolitos. Sie diskutieren lebhaft das menschliche, lebensfeindliche Verhalten gegenüber den natürlichen Geschöpfen, und Knuth überlegt sich berufliche Alternativen, da er sich an diesem Zerstörungswerk nicht mehr beteiligen mag.

Während sich Knuth auf Arbeitssuche begibt, erkundet Manolito sein neues Zuhause und freundet sich mit der Hausspinne Liesa und dem Raben Kasimir an. Manolito ist die körperliche Miniaturausgabe eines Menschen, indes hat er die Seele eines Elfen, und deshalb kann er mit allen Tieren sprechen. So erfährt er auch, daß sich immer mehr Tiere auf den geheimen Kontinent Aronia zurückziehen, um der menschlichen Grausamkeit und den durch Umweltverschmutzung lebensverarmten und zerstörten Lebensräumen zu entkommen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zugang nach Aronia wurde vor vielen Jahrtausenden von den Elfen hinter einer für Menschen unsichtbaren Wasserwand verborgen. Tiere finden den Weg nach Aronia jedoch instinktiv, und die wenigen Elfen, die noch als Botschafter in der Menschenwelt unterwegs sind, haben selbstverständlich ebenfalls leichten Zugang. Und so landet Manolito nach einer dramatischen Wende unvermittelt in Aronia.

Die Hummelkönigin Klara nimmt Manolito als Flugpassagier auf und zeigt ihm die wilden, menschenleeren Landschaften Aronias, in denen außer den noch in der Menschenwelt existierenden Tieren auch ausgestorbene Tiere und fast vergessene Fabelwesen leben und wirken. Im Herzen Aronias liegt der Elfenwald. Dort erfährt Manolito mehr über seine Herkunft und seine Bestimmung, und er bekommt ein wertvolles Geschenk, das ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe dienlich sein wird.

So groß, weitläufig und verborgen Aronia auch ist, es ist nicht unverwundbar. Die menschliche Gier nach Bodenschätzen unterhöhlt buchstäblich auch dieses Refugium, und es besteht die akute Gefahr, daß Aronias Schutzschleier gelüftet wird. Aronia benötigt elementare Unterstützung, um sich gegen einen Angriff und eine drohende Invasion der Menschen zu verteidigen.

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

Der Zentrale Rat der Vereinigten Arten Aronias beauftragt Manolito, die Hummelkönigin Klara, die Grasmücke Mathilde, die Fledermaus Philomena und weitere tierische Ver-bündete zum Meister des Windes zu reisen und um seine Unterstützung zu bitten. Die Bewohner Aronias werden ihr Refugium nicht kampflos den „Paarfüßlern“ – so werden die Menschen von den Tieren genannt – überlassen.

Es wird eine sehr abenteuerliche Reise mit harten Bewährungsproben und mit unverhofft-hilfreichen und inspirierenden Begegnungen. So weiß beispielsweise der Delphin Ody, der sie beim Überqueren des Meeres vor dem Ertrinken rettet, weitsichtige Worte über das Wasser zu sagen:

»Ich weiß es vom Wasser … Es hat die gesamte Geschichte der Erde und seiner Bewohner gespeichert. Dem Wasser kann man nichts vormachen. Was man dem Wasser antut, tut man sich selbst an. Bei Luft und Erde ist es dasselbe. Das haben die Paarfüßler nur bis heute nicht begriffen.« (Seite 111)

Die spannende, märchenhafte Handlungsinszenierung fügt sich wunderbar in die vielfältigen Landschaften, ja, eigentlich Seelenlandschaften, die Friedrich Hechelmann entwirft. Dabei eröffnet er einfühlsam Perspektiven der Tiere auf das Handeln der Menschen.

Die katastrophal-zerstörerischen Folgen lebensabgehobener Naturentfremdung werden deutlich formuliert, indes fehlt es keineswegs an weisen Anregungen zu einem Leben in naturachtsamer, wechselseitiger Verbundenheit.

Friedrich Hechelmanns phantastische Illustrationen bieten der Imagination des Lesers ein einladendes Bühnenbild voll geheimnisvoller Lebenstiefe und poetischer Vielschichtigkeit. Sein Erzählstil ist im Vergleich dazu schnörkellos und präzise sowie in den Dialogpassagen gelegentlich etwas schelmisch. Er benutzt klare Worte und kurze Sätze. „Manolito“ ist ein leseleichter, gleichwohl substanzieller und inspirierender Märchen-Roman für kleine und große Menschen, denen die Natur am Herzen liegt. Ich würde die Lesealtersangabe des Verlages dahingehend korrigieren, daß „Manolito“ eine Lektüre von 10 bis 100 Jahren ist.

Zum Ausklang lasse ich uns gerne die Hummelkönigin Klara ihre Vision ins Ohr summen:

»Ich wollte, die Menschen fänden zu ihrer Bestimmung zurück und gingen achtsam mit der Natur um, würden die Geschöpfe und alles, was lebt, bewahren und lieben. Die Erde wird auch dann kein Paradies sein. Solange der Planet um sich selbst und um die Sonne kreist, wird es Tag und Nacht geben. Jedes Ereignis, jedes Lebewesen wird eine dunkle und eine helle Seite haben. Aber im Kern jeden Lebewesens sollte der Respekt vor dem Geheimnis des Lebens stehen. Wenn es so weit ist, werden auch die Elfen ihre Isolation aufgeben und zu uns zurückkehren, zum Wohle aller.« (Seite 90)

Illustration © Friedrich Hechelmann/Knesebeck Verlag

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/manolito/t-1/594

Querverweis:

Hier entlang zu einer von Friedrich Hechelmann illustrierten Märchensammlung
Das Buch der Märchen:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/01/28/das-buch-der-maerchen/

 

Der Autor und Illustrator:

»Friedrich Hechelmann wurde 1948 in Isny im Allgäu geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und zählt seither zu den bedeutendsten Malern des Realismus. In der Kunsthalle im Schloss Isny im Allgäu, wo er heute lebt und arbeitet, hat er einen besonderen Ort gefunden, den er durch großes Engagement zu einem kulturellen Zentrum verwandelt hat. In den mit großer Liebe zum Detail restaurierten Räumen des Schlosses stellt er seine Originalwerke aus, darunter auch Buchillustrationen. Denn Friedrich Hechelmann wurde auch als Illustrator zahlreicher Bücher populär, wie Michael Endes Momo (2009), Cornelia Funkes Die Geisterritter (2011) oder Selma Lagerlöfs Nils Holgersson (Knesebeck, 2013). Manolito ist der erste Roman des Künstlers.«
Besuchen Sie Friedrich Hechelmann auf seiner Webseite: www.hechelmann.de

 

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Was man von hier aus sehen kann

  • von Mariana Leky
  • Roman
  • Dumont Buchverlag Juli 2017   http://www.dumont-buchverlag.de
  • gebunden
  • mit LESEBÄNDCHEN
  • 320 Seiten
  • 20,00 €
  • ISBN 978-3-8321-9839-8

B U C H S T A B E N G I R L A N D E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Was für eine wunderbare, transparente Prosa, eine generationenumarmende, sehr schneckenpostlangsame Liebesgeschichte, so warmherzig, gefühlvoll-nachdenklich, heiter-tiefsinnig und sprachschön, daß man diesen Roman nach der ersten Lektüre sofort noch einmal lesen möchte!

Die Geschichte beginnt im August 1983, als die Ich-Erzählerin zehn Jahre alt ist. Luise lebt in einem kleinen Dorf im Westerwald. Sie wohnt mit ihren Eltern im ersten Stockwerk des windschiefen Hauses von Luises verwitweter Großmutter Selma. Selma selbst wohnt im Parterre, und Luise übernachtet oft und gerne bei ihr.

Luises bester Freund ist der gleichaltrige Martin, der später Gewichtheber werden möchte und bevorzugt Luise zum Trainieren hochhebt. Selmas bester und ältester Freund ist der Optiker, der schon seit Jahrzehnten heimlich-unheimlich in Selma verliebt ist und der eine wachsende Sammlung angefangener, unabgeschickter Liebesbriefe an Selma pflegt.

Selma und der Optiker kümmern sich warmherzig und zugewandt um Luise und Martin. Sie sind es, die ihnen geduldig das Schnürsenkelschleifenbinden, Fahrradfahren und Schwimmen beibringen.

Im örtlichen Eiscafé üben die Alten mit den Kindern anhand der Eiskarte und der Zuckertütchenhoroskope das Lesen. So sind Luises erste selbstentzifferte Worte „Eisbecher Heimliche Liebe“  und die astrologische Charakterisierung des Sternzeichens Löwe.

Wenn Luise gewollt oder ungewollt sich selbst oder andere belügt, fallen stets zuverlässig Dinge von der Wand: Handharken, Makramee-Eulen, Lesetafeln, Pfannen, Schilder usw. – dann weiß Luise, daß sich die Wahrheit bemerkbar macht. Dieser eigenwillige Lügendetektor vermittelt Luise immer wieder interessante Erkenntnisse.

Da das Dorf zu klein für eine Schule ist, pendeln Luise und Martin jeden Morgen mit dem Bus ins Nachbardorf, und vom Bahnhof des Nachbardorfes fahren sie mit dem Regional-zug in die Kreisstadt zur Schule. Die viertelstündige Zugfahrt nutzen sie als spielerische Gedächtnisübung; Martin hat nach und nach alle auffälligen Landmarken auswendig gelernt und zählt sie Luise mit geschlossenen Augen, streckensekundengenau auf, was besonders bei verschneiter Landschaft reizvoll ist.

Das Dorf wird von einem übersichtlichen Soziotop bevölkert.  Da sind noch Luises Vater, der im Dorf als Arzt praktiziert, Luises Mutter, die einen Blumenladen mit dem Namen „Blütenrein“ führt, Alberto, der Inhaber des Eiscafés, Selmas abergläubische Schwägerin Elsbeth, Martins Vater, die traurige Marlies, der Einzelhändler, der Postbote, einige Bauern und sonstige Randfiguren sowie ein großer Hund namens Alaska.

Eine weitere tragende Rolle spielt das Okapi. Es ist zwar nur ein geträumtes Okapi, aber es hat in jeder Hinsicht eine nachhaltige Wirkung. Selma hat in ihrem Leben dreimal von einem Okapi geträumt, und jedesmal ist innerhalb von 24 Stunden jemand Nahes aus dem Dorf gestorben.

Nun hat Selma wieder von einem Okapi geträumt. Sie ist bemüht, dieses Omen gegenüber Luise herunterzuspielen, aber das funktioniert ganz und gar nicht. Die Nachricht über Selmas Okapitraum macht sehr schnell die Runde im Dorf. Alle Menschen sind beunruhigt und liegen mehr oder weniger auf der Lauer: Schlägt das Herz normal? Könnte einen heute eine friedliche Kuhherde überrennen? Drohen Dachziegel, Äste oder schwere Lampen vom Himmel zu fallen? Welche Wahrheit muß noch unbedingt ans Licht, bevor es vielleicht zu spät ist? Wegen der zu lüftenden Wahrheiten werden viele Briefe geschrieben und mündliche Geständnisse gemacht, die ohne die Aussicht auf den Tod weiter im Verborgenen geblüht hätten …

Zwölf Jahre später macht Luise in der Kreisstadt eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Bei einem Wochenendbesuch im Dorf läuft ihr am Waldrand der buddhistische Mönch Frederick, der gerade Gehmeditation praktiziert, über den Weg. Frederik ist Gast im „Haus der Einkehr“, einem zum Seminarhaus umfunktionierten Hof. Die beiden kommen etwas holperig und zugleich seltsam vertraut ins Gespräch, und Luise faßt sich ein Herz und bittet Frederik um seine Telefonnummer.

Fredrik lebt in einem buddhistischen Kloster in Japan. Es wird viele Ungewißheiten, Freiräume, Verstockungen, Selbstreflexionen und ausführliche Briefgespräche sowie den regelmäßigen Pulsschlag von zahlreichen Selma-Geburtstagsfeiern brauchen, bis sich Luise und Frederik wiedersehen und das Gleichgewicht der Herzen endlich erreicht ist.

Wir lesen hier keine rosa Liebeszuckergußromanze, sondern gefühlsechte, menschenkenntnisreiche, reife Herzensqualität. Die Geschenke und Verluste des Lebens gehen in diesem weisen Roman harmonisch Hand in Hand, Gefundenes wird verloren und Verlorenes wird gefunden, Vertrauen umarmt Verletzlichkeit.

Mariana Leky charakterisiert und inszeniert ihre Figuren mit einer bewundernswerten psychologischen Tiefenschärfe und einem feinen Sinn für Humor. Eine überaus zärtliche, sinnlich-schwebende Sprachmelodie und augenzwinkernde Verspieltheit erleichtert die Schwerkraft des Schicksals.

Mariana Lekys Roman wartet nicht nur mit einer der schönsten und längsten Liebeserklärungen auf, die ich je gelesen habe, sondern mit lebensechten Originalen, die man nicht so schnell vergißt, ja, die man nach Beendigung der Lektüre sogar ausdrücklich vermißt.

 

Als Leselockhäppchen folgen nun noch drei  Zitate:

»„Du gehst selbstverständlich trotzdem zur Schule“, sagte Selma, die immer wusste, was ich dachte, als hingen meine Gedanken in Buchstabengirlanden über meinem Kopf… « (Seite 18)

»„Sind noch alle da?“ fragte ich.
Selma und der Optiker sahen sich an, und dann erfand Selma die Welt zum zweiten Mal.
„Nein“, sagte sie. „Es sind nicht mehr alle da. Aber die Welt gibt es noch. Die ganze Welt minus eins.“ « (Seite 122)

»Er schaute auf seine Hände, als läge meine Frage dort, als hielte er sie, damit wir sie von allen Seiten betrachten konnten.« (Seite 198)

 

Hier entlang zum Buch und zur aussagekräftigen LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
http://www.dumont-buchverlag.de/buch/leky-was-man-von-hier-aus-sehen-kann-9783832198398/

 

Die Autorin:

»Mariana Leky studierte nach einer Buchhandelslehre Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Bei DuMont erschienen der Erzählband ›Liebesperlen‹ (2001), die Romane ›Erste Hilfe‹ (2004) und ›Die Herrenausstatterin‹ (2010) sowie ›Bis der Arzt kommt. Geschichten aus der Sprechstunde‹ (2013). Sie lebt in Berlin und Köln. Mit ihren ersten Erzählungen gewann sie den Allegra Preis 2000. Für den 2001 bei DuMont erschienenen Erzählband ›Liebesperlen‹ wurde sie mit dem Niedersächsischen Literaturförderpreis und dem Stipendium des Landes Bayern ausgezeichnet. 2005 wurde sie für ihren Roman ›Erste Hilfe‹ mit dem Förderpreis für junge Künstler in der Sparte Dichtung/Schriftstellerei des Landes NRW ausgezeichnet.«

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Anton und Stups

  • Bilderbuch
  • Text von Claire Freedman
  • Aus dem Englischen von Nina Scheweling
  • Illustrationen von Kate Hindley
  • Thienemann Verlag  Juli 2016     www.thienemann.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 26,6 x 26,6 cm
  • 32 Seiten
  • 12,99 € (D), 13,40 € (A)
  • ISBN 978-3-522-45818-4
  • ab 4 Jahren
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D R E I E C K S B E Z I E H U N G

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Freunde finden ist ein großes Thema für kleine Kinder, besonders wenn sie, etwa durch einen Umzug, in eine neue Gegend versetzt werden, wo sie außer den Familienmitgliedern noch niemanden kennen. Das Bilderbuch „Anton und Stups“ bietet ein glaubwürdiges und warmherziges Szenario vom Suchen und Finden neuer Freunde in einer fremden Umgebung.

Antons Familie ist vom Land in die Großstadt umgezogen. Anton plagt das Heimweh nach dem gewohnten ländlichen Umfeld, und er vermißt seine Freunde, die nun für ihn unerreichbar sind.

An einem regnerischen Tage rafft er sich auf und erkundet sein Stadtviertel. Niemand nimmt Notiz von ihm, und das fühlt sich ziemlich einsam für Anton an. Da entdeckt er einen kleinen, verlorenen, durchnäßten Hund auf dem Bürgersteig. Er schleift eine rote Leine hinter sich her; und als Anton sich die Hundemarke ansieht, steht da nur der Name „Stups“. Weit und breit ist kein Herrchen oder Frauchen in Sicht.

Spontan nimmt Anton die Leine in die Hand, und Stups freut sich offensichtlich über seinen neuen Begleiter. Die beiden vertragen sich gut, und Anton nimmt Stups mit nach Hause. Fröhlich spielen und kuscheln sie miteinander; nur abends wirkt Stups etwas betrübt, und er schaut sehnsüchtig aus dem Fenster.

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Illustration von Kate Hindley © Thienemann Verlag 2016

Anton ist sich darüber im Klaren, daß ihm Stups nicht gehört und daß es jemanden gibt, der ihn schmerzlich vermißt. Gewissenhaft fertigt er Steckbriefe seines Findehundes an und verteilt diese plakativ in der Nachbarschaft, in der stillen Hoffnung, daß sich gleichwohl niemand darauf melden möge.

Tatsächlich meldet sich auch niemand. Anton macht es sich mit Stups gemütlich, und er fühlt sich gar nicht mehr einsam. Einige Tage nach der Steckbriefaktion geht Anton bei Nieselregen mit Stups in der Nähe eines kleinen Parks spazieren. Plötzlich zieht Stups heftig an seiner Leine, reißt sich los und rast auf ein kleines Mädchen zu, das traurig auf einer Schaukel sitzt. Beklommen erkennt Anton, daß dies wohl die rechtmäßige Besitzerin von Stups ist.

Das Mädchen herzt den Hund, stellt sich sehr freundlich als Lisa vor und bedankt sich bei Anton dafür, daß er so gut für Stups gesorgt hat. Tapfer hält Anton seine Tränen zurück, erwidert Lisas strahlendes Lächeln und fragt schüchtern, ob Lisa ihn denn einmal besuchen wolle. Lisa geht sehr nett darauf ein und regt an, daß sie doch sofort etwas zusammen unternehmen könnten.

In diesem Augenblick hört es auf zu regnen, und die Sonne durchdringt die Wolken. Plötzlich fühlt sich Anton nicht mehr verlassen und fremd, und auch die Stadt wirkt nicht mehr so abweisend auf ihn. Zu dritt stromern sie durch die Straßen und setzen sich in ein Eiscafé, das sogar Eisnäpfchen für Hunde anbietet …

Die Autorin erzählt Antons Geschichte in einfachen Worten, die nahe am kindlichen Herzen entlang geschrieben sind und alle Empfindungen direkt benennen. In Verbindung mit den einfühlsamen, farbenfrohen Illustrationen, ihren verspielten Details und der deutlich ablesbaren mimischen Gefühlspalette wird hier ein sehr konstruktiver Umgang mit dem Bedürfnis nach sozialem Kontakt gezeigt.

„Anton und Stups“ ist eine schöne Ermutigung für alle Kinder, die sich neue Freundschaften ersehnen oder vielleicht auch einfach „nur“ einen vierbeinigen Spielgefährten.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.thienemann-esslinger.de/thienemann/buecher/buchdetailseite/anton-und-stups-isbn-978-3-522-45818-4/

Die Autorin:

»Claire Freedman verließ mit sechzehn die Schule und arbeitete anschließend als schlechteste Sekretärin aller Zeiten, Verkäuferin bei Harrods und als Zahnarzthelferin. Dann entdeckte sie endlich ihren Traumberuf und wurde Schriftstellerin. Seitdem verfasste sie über 50 erfolgreiche Bilderbücher. Sie lebt mit ihrem Mann in Essex.«

Die Übersetzerin:

»Nina Scheweling war schon während ihres Studiums der Anglistik, Germanistik und Neueren Geschichte als Literaturübersetzerin tätig. Nach ihrem Abschluss entdeckte sie ihre Liebe fürs Kinderbuch und arbeitet seitdem als freie Übersetzerin und Lektorin in Freiburg und Stuttgart.«

Die Illustratorin:

»Kate Hindley, Jahrgang 1986, studierte Illustration am Fallmouth College of Art. Heute lebt und arbeitet sie in Birmingham – neben einer Schokoladenfabrik.«

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren amüsanten Bilderbuch mit Illustrationen von Kate Hindley: „Wie man ein Wollmammut wäscht“: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/29/wie-man-ein-wollmammut-waescht/

Der Tod auf dem Apfelbaum

  • Bilderbuch
  • von Kathrin Schärer
  • mit einem Vorwort des Palliativmediziners Gian Domenico Borasio
  • Atlantis Verlag 2015   www.atlantis-verlag.ch
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format: 26,3 x 25,2 cm
  • 36 Seiten
  • 14,95 € (D), 15,40 € (A), 24,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7152-0701-8
  • ab 4 Jahren

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    Illustration Kathrin Schärer: Der Tod im Apfelbaum © Atlantis Verlag 2015

AUF  IMMER  UND  ENDLICH

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Wer der Ansicht ist, der Tod habe keine Lebensberechtigung, der wird in diesem Bilderbuch anschaulich und tiefsinnig eines Weiseren belehrt. „Der Tod auf dem Apfelbaum“ ist fraglos ein außerordentlich empfehlenswertes Buch für Kinder und für Erwachsene, die sich mit der Sterblichkeit auseinandersetzen wollen oder müssen.

Der alte Fuchs und seine Füchsin sind körperlich nicht mehr so stark wie in ihren jungen Jahren. Deshalb bewacht der Fuchs eifersüchtig die Äpfel auf „seinem“ Apfelbaum und verscheucht so gut er kann Vögel, Eichhörnchen, Hasen, Mäuse, Würmer und andere Apfelmitesser. Die anderen Tiere sind jedoch flinker als er, und Furcht haben sie auch keine mehr vor dem langsamen Fuchs.

Apfelbaum Wiesel Fuchs

Illustration Kathrin Schärer: Der Tod im Apfelbaum © Atlantis Verlag 2015

Die Schlauheit des Fuchses hat indes nicht nachgelassen und auch sein Hunger nicht; so baut er eine Falle und fängt damit ein kleines Wiesel. Dieses Wiesel bittet um Gnade und beteuert, es sei ein Zauberwiesel. Ließe der Fuchs es frei, würde es ihm einen maßgeschneiderten Zauber schenken, der „auf immer und ewig“ halte.

Der Fuchs denkt scharf nach und wünscht sich, daß jeder – mit Ausnahme der Bienen -, der auf seinen Apfelbaum fliege oder klettere, daran festkleben möge, bis er den Zauber wieder löse. Der Zauber funktioniert: Schon am ersten Tag kleben zahlreiche Tiere am Baum und beschweren sich lautstark. Zwar löst der Fuchs um seiner lieben Ruhe willen den Zauber und läßt die Tiere wieder frei, aber die klebrige Angelegenheit spricht sich herum, und alle Tiere meiden fortan den Apfelbaum.

Der Tod auf dem Apfelbaum Fuchs und Tod

Illustration Kathrin Schärer: Der Tod im Apfelbaum © Atlantis Verlag 2015

Der Fuchs und seine Füchsin haben nun ihr kleines Apfelparadies und genießen üppige Mengen unzerpickter und wurmfreier Äpfel. Eines Tages steht der Tod unter dem Apfelbaum, um den Fuchs zu holen. Er sieht ganz freundlich aus, ein bißchen wie eine helle, transparentere Version vom alten Fuchs. Der alte Fuchs äußert raffiniert eine letzte Bitte. Der Tod möge ihm doch noch einen schönen, roten Apfel vom Baum holen. Der Tod klettert auf den Baum und bleibt kleben. Triumphierend meint der Fuchs, nun könne er auf immer und ewig leben. Der Tod lächelt und wartet im Apfelbaum.

Die Zeit vergeht, und schließlich stirbt die alte Füchsin. Weinend beklagt sich der Fuchs beim Tod, wie das geschehen konnte, er habe ihn doch gebannt. Da antwortet ihm der Tod weise: „Du hast nur deinen eigenen Tod gebannt. Ich kann gleichzeitig anderswo sein, in anderer Gestalt. Kein einziges Lebewesen wäre ja sonst gestorben in den letzten Jahren – kein Tier, kein Mensch, keine Pflanze. Wie würde die Erde da aussehen? Das Leben braucht mich.“

Geknickt schleicht der Fuchs davon. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Der Fuchs wird älter und älter und schwächer und schwächer, seine Sinne lassen merklich nach, die Knochen schmerzen, und alle Freunde, alle Freuden sind vergangen.

So hinkt er zum Apfelbaum und befreit seinen Tod. Der Tod pflückt noch einen Apfel und steigt vom Baum herunter. Die beiden teilen sich schweigend diesen Apfel, und schließlich schmiegt sich der alte Fuchs leichten Herzens in die Umarmung mit dem Tod und zieht mit ihm davon.

Die Illustratorin Kathrin Schäfer hat für dieses Bilderbuch ein altes Märchenmotiv (Gerne hätte ich erfahren, welchem Märchenkreise dieses Motiv entnommen wurde.) schelmisch-poetisch neuerzählt und mit warmherzigen Bildern in einer Kombination aus Mal- und Collagentechnik in Szene gesetzt. Besonders gelungen ist der mimische Ausdruck der Tiere, der die wechselnden Gefühle anrührend-lebhaft vermittelt.

„Der Tod auf dem Apfelbaum“ ist ein Bilderbuch, das zu Herzen geht und tief berührt. Es ist von einer sanftmütigen Intensität und ruhigen Klarheit, die leise lächelnd dem natürlichen Kreislauf von Leben und Tod die Ehre gibt.

 

Hier geht es zum Buch nebst Leseprobe auf der Verlags-Webseite:
http://ofv.ch/kinderbuch/detail/der-tod-auf-dem-apfelbaum/101740/

Autorin und Illustratorin:

»Kathrin Schärer, geboren 1969 in Basel, studierte Zeichen- und Werklehrerin an der Hochschule für Gestaltung Basel. Sie unterrichtet an einer Sprachheilschule und arbeitet als Illustratorin. Wiederholt hat sie eigene Texte illustriert und in langjähriger Zusammenarbeit und mit großem Erfolg Geschichten von Lorenz Pauli. Für ihr Gesamtwerk war Kathrin Schärer für den Hans-Christian-Andersen-Preis 2012 und für den Astrid Lindgren Award 2014 nominiert. »Johanna im Zug« (2009, Atlantis) wurde 2011 mit dem Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis ausgezeichnet.«

Webseite: http://kathrinschaerer.ch/

Querverweis:

Hier folgen Links zu weiteren Kinderbüchern zu den Themen: Abschied, Tod und Trauer:

Ente, Tod und Tulpe
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/06/13/ente-tod-und-tulpe/
Erik und das Opa-Gespenst
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/05/erik-und-das-opa-gespenst/
Kleiner Fuchs Großer Himmel
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/23/kleiner-fuchs-grosser-himmel/
Nur ein Tag
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/13/nur-ein-tag/
Oma trinkt im Himmel Tee
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/11/26/oma-trinkt-im-himmel-tee/
Opa Meume und ich 
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/opa-meume-und-ich/
Überall & Nirgends / Gedichte über Tod und Trauer
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/07/03/ueberall-nirgends/
Wie lange dauert Traurigsein?
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/12/03/wie-lange-dauert-traurigsein/

 

Zwischen den Jahren 2015


Rezeptvorschlag für ein ganzes Jahr

Man nehme zwölf Monate,
putze sie ganz sauber
von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst
und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teil,
so daß der Vorrat genau für ein Jahr reicht.
Es wird jeder Tag einzeln angerichtet
aus einem Teil Arbeit
und zwei Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge drei gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu,
ein Teelöffel Toleranz,
ein Körnchen Ironie
und eine Prise Takt.
Dann wird die Masse reichlich mit Liebe übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man
mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten
und serviere es täglich mit Heiterkeit
und einer guten, erquickenden Tasse Tee.

Catharina Elisabeth Goethe
(1731 – 1808)

 

Antiquarisches Buch 176 jpg von Bettina Liebsch

Foto Bettina Liebsch ©

 

29. Dezember, Anno 2015

 

Geneigte Leserin, geneigter Leser

wieder ist die Zeit reif, meinem treuen Blogpublikum DANKE zu sagen.
Der lebendig wachsende Leserradius freut mich sehr. Doch das Herzerfreulichste sind die konstruktive KOMMENTARKULTUR, die sich hier entfaltet, und die regen wechselseitigen Resonanzen und Anregungen.

Ich bedanke mich von ganzem Herzen für all die begeisterten, anerkennenden, freudigen, dankbaren, harmonischen, inspirierenden, geistreichen, sympathischen, persönlichen, ausdrücklich-zugewandten, heiter-wortspielerischen sowie gelegentlich charmant-flirtenden Kommentare.

Es ist sehr beglückend und motivierend, solch ein VIELSTIMMIGES und kunterbuntes ECHO zu bekommen.

Ich wünsche ALLEN ein lebendiges, seelenvolles und liebevolles Jahr 2016 mit zauberhaften Lektüresternstunden …

Auf Wiederlesen
Ihre
Ulrike Sokul von Leselebenszeichen

 

PS
Meiner vielseitigen Haus- und Hoffotografin Bettina Liebsch ( www.kunsthandlung-steinbach.de ) danke ich von Herzen für das feine „altmodische“ Bücherbild, das dem Rezept für ein ganzes Jahr vorzüglich zur schmückenden Zierde dient.

 

 

 

Frohe Weihnachten, Zwiebelchen!

  • von Frida Nilsson
  • Illustrationen von Anke Kuhl
  • Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger
  • Gerstenberg Verlag September 2015   www.gerstenberg-verlag.de
  • 128 Seiten
  • gebunden
  • Format 16 x 21,5 cm
  • 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr.
  • ISBN 978-3-8369-5860-8
  • ab 8 Jahren
    Frohe Weihnachten, Zwiebelchen! Titelbild

EINE  SCHÖNE  BESCHERUNG

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Frohe Weihnachten, Zwiebelchen!“ ist eine Geschichte, die ganz nahe am ebenso verletzlichen wie tapferen kindlichen Herzen geschrieben wurde.

Stig, der als Säugling von seiner Mutter den Kosenamen Zwiebelchen bekommen hat, wünscht sich sehnlich ein Fahrrad zu Weihnachten. Doch seine alleinerziehende Mutter hat nicht genug Geld, um ihm einen solch kostspieligen Wunsch zu erfüllen, und sie ermahnt ihn freundlich, sich doch bitte ein alternatives Geschenk zu überlegen.

Zwiebelchen hat aber nun einmal diesen einen Wunsch, und auf dem Fußweg zur Schule beobachtet er neidisch seinen Klassenkameraden Elmar – der begleitet von seinem Vater – mit dem Rad zur Schule fährt.

Elmar hat also nicht nur ein Fahrrad, er hat auch einen Vater. Denn Stig vermisst nicht nur ein Fahrrad, sondern auch einen Vater. Schon oft hat er versucht, seine Mutter dazu zu bewegen, nach Stockholm zu fahren und seinen Vater kennenzulernen. Aber seine Mutter will nichts von diesem Mann wissen; nur ihn, das Zwiebelchen, das hätte sie unbedingt gewollt.

Nachdenklich geht Stig auf dem weiteren Weg zur Schule an einer Autoreparatur- werkstatt vorbei, die Karl gehört. Karl gilt als komischer Vogel, er hinkt, er hat einen kleinen Hühnerstall auf seinem Werkstattgelände, und angeblich kann er Hühner hypnotisieren. Das bringt Zwiebelchen auf die Idee, daß er Karl fragen könne, ob er vielleicht auch Mütter dahingehend hypnotisieren könne, daß sie trotz Geldmangels einen Fahrradwunsch erfüllen.

Zwiebelchen im Chor

Illustration von Anke Kuhl © Gerstenberg Verlag 2016

Schüchtern nähert er sich Karl und ist angenehm überrascht, daß dieser zwar äußerlich etwas verlottert ist, aber sehr freundlich mit ihm und mit den Hühnern spricht. Zwiebelchen besucht Karl nun öfter und lernt einiges über Hühner und wie man sich ihr Vertrauen erwirbt. Tatsächlich ist er mit der Hühnerpflege und der wachsenden zutraulichen Verbindung zu Karl eine ganze Weile von seiner Fahrradbesessenheit abgelenkt und erwägt sogar, sich stattdessen etwas von Lego zu wünschen.

Zwiebelchen radelt

Illustration von Anke Kuhl © Gerstenberg Verlag 2016

Seine Mutter freut sich über den Kontakt, den er mit Karl aufgenommen hat, und sie scheint ihn auch zu mögen. Bei einer weihnachtlichen Schulaufführung sitzt seine Mutter zusammen mit Karl im Publikum, und Stigs Mitschüler spekulieren laut darüber, ob der komische Vogel wohl sein unbekannter Vater sei. Das geht Stig zu weit, und er reagiert schroff und abweisend auf Karl und stellt sich seinen richtigen Vater irgendwie glanzvoller und toller vor.

So kommt es, daß Stig sich von allen unverstanden und peinlich-bemitleidetet fühlt und er einfach ein verwaistes Fahrrad „mitnimmt“ und versucht, sich – trotz des einsetzenden Schneefalls – auf den Weg nach Stockholm zu machen. Der emotionale Aufruhr in seinem Herzen weicht mit zunehmender Kälte und Dunkelheit der Sehnsucht nach seiner Mama und dem Zweifel, ob er bei seinem richtigen Vater überhaupt erwünscht sei, ja, er zweifelt sogar an seiner grundsätzlichen Liebenswertigkeit.

Zwiebelchen umarmt

Illustration von Anke Kuhl © Gerstenberg Verlag 2016

Schließlich durchdringt das Licht eines Autoscheinwerfers das Schneegestöber; am Steuer des Wagens sitzt Karl. Zwiebelchen ist sehr froh und dankbar, daß Karl ihn offenkundig gesucht und gefunden hat und ihn fürsorglich zurück nach Hause bringen möchte. Stig und seine Mutter sprechen sich danach – gemütlich aufs Sofa gekuschelt – gründlich aus, und Stig wünscht sich von ganzem Herzen, daß sie gemeinsam mit Karl Weihnachten feiern … und Hühner streicheln.

„In seiner Brust, die vom vielen Weinen noch ganz wund ist, fliegt sein Herz herum wie ein eben aufgewachter Winterschmetterling.“
(Seite 52)

Zwiebelchen mit Huhn

Illustration von Anke Kuhl © Gerstenberg Verlag 2016

Frida Nilsson schlüpft in dieser Weihnachtsgeschichte einfühlsam in die kindliche Wahrnehmungs- und Gefühlswelt und beschreibt diese sozial- sensibel, ungeschönt, situationskomisch und warmherzig sowie mit spielerischem Tiefsinn. Besonders anrührend empfinde ich die Unmittel- barkeit in der sprachlichen Darstellung der kindlichen Bedürfnisse, Hoffnungen, Interpretationen, Konflikte und Sehnsüchte.

Die Illustrationen von Anke Kuhl geben den emotionalen Abwechslungs- reichtum dieser Geschichte mit ausdrucksvollem Minimalismus wider.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836958608&highlight=zwiebelchen

 

Die Autorin:

»Frida Nilsson, geb. 1979 in Örebro, Schweden, arbeitete als Moderatorin für das schwedische Kinderfernsehen und schreibt seit 2004 äußerst erfolgreich Kinderbücher. In Schweden wird sie von der Presse gern mit Roald Dahl verglichen, der einer ihrer Lieblingsautoren ist. Viele ihrer Geschichten sind für das schwedische Kinderradio veretont worden. Für Hedvig! Im Pferdefieber wurde Frida Nilsson 2006 für den Augustpreis nominiert; 2014 wurde sie mit dem Astrid Lindgren Priset für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.
Bei Gerstenberg sind von ihr außerdem erschienen: Hedvig! Das erste Schuljahr und Hedvig! Die Prinzessin von Hardemo, beide Bücher mit Bildern von Anke Kuhl.«

Die Illustratorin:

»Anke Kuhl, geb. 1970, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Sie hat Freie Kunst an der Uni Mainz und Visuelle Kommunikation an der HFG Offenbach studiert und arbeitet seit ihrem Abschluss 1998 als freie Illustratorin und Grafikerin in der Ateliergemeinschaft »labor«. 2002 wurde sie mit dem Troisdorfer Bilderbuchstipendium ausgezeichnet, 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.«

Die Übersetzerin:

»Friederike Buchinger, geb. 1973, lebt mit Tochter, Hund und Meerschweinchen in der Pfalz. Sie übersetzt seit 2001 aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen und hegt dabei eine besondere Liebe zu Kinderbüchern im Allgemeinen und den schrägen, unangepassten im Besonderen. Ihre Übersetzung von Ich, Gorilla und der Affenstern wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Die große Wörterfabrik

  • Bilderbuch
  • Originaltitel: »La grande fabrique de mots«
  • Text von Agnès de Lestrade
  • Übersetzung aus dem Französischen
  • von Anna Taube
  • Illustrationen von Valeria Docampo
  • mixtvision Verlag       www.mixtvision-verlag.de
  • 1. Auflage 2010   …   11. Auflage 2015
  • 40 Seiten
  • Fadenheftung
  • 14,90 € (D), 24,90 sFr
  • ISBN 978-3-939435-26-6
  • ab 3 Jahren
    26-6_NEU_die große Wörterfabrik_300 dpi_Originalgröße

S P R A C H V E R M Ö G E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Spätestens nach dem Vorlesen und Betrachten dieses Bilderbuches werden Kinder die Kostbarkeit des Begriffes „WORTSCHATZ“ erfassen und erfühlen. Zugleich zeigt dieses Bilderbuch, daß aufrichtige Gefühle auch mit kleinen Gesten und wenigen Worten Resonanz erzeugen können.

Als Kind zu Wort zu kommen ist nicht immer einfach, und in der vorliegenden Geschichte ist es sogar fast unerschwinglich teuer. Denn der kleine Paul lebt in einem Land, in dem Sprechen nichts Selbstverständliches ist, da man jedes einzelne Wort kaufen und herunterschlucken muß, bevor man es aussprechen kann.

Es gibt eine große Wörterfabrik, die architektonisch an den Turm zu Babel erinnert und in der in allen möglichen Sprachen Wörter am Fließband produziert werden. In den Straßen der Stadt gibt es Geschäfte, die verschiedene einzelne Wörter, Grüße, Kose- worte, Gutenachtwünsche, aber auch Schimpfworte und ganze Reden zum Verkauf anbieten.

Es gibt wertvolle Wörter, die besonders teuer sind und die deshalb nur selten ausge- sprochen werden. Wer zu arm ist, um sich Wörter leisten zu können, bleibt darauf angewiesen, in den Mülleimern nach weggeworfenen Wörtern zu suchen, die häufig nicht besonders attraktiv sind. Auch die Wörter aus dem Sonderangebot sind meist unbrauchbar und wenig alltagstauglich.

Manchmal fliegen jedoch Wörter durch die Luft, und diese werden von den Kindern mit Schmetterlingsnetzen eingefangen und später stolz den Eltern aufgesagt.

Paul ist in das Nachbarmädchen Marie verliebt, und er würde ihr gerne sagen, daß er sie lieb hat. Eine ganze Liebeserklärung ist für Paul unerschwinglich, allerdings hat er drei Wörter mit seinem Schmetterlingsnetz gefangen, und diese drei Wörter möchte er ihr schenken.

Wenn sich die Kinder im Treppenhaus treffen, lächeln sie sich einfach nur an, und Paul ist von Vorfreude erfüllt, Marie seine drei Wörter zu sagen. Doch Paul hat einen Rivalen, Oskar, dessen Eltern sehr reich sind und der in ganzen Sätzen großspurig auf Marie einredet.

Verunsichert hockt Paul auf einer Treppenstufe und zweifelt am Wert seiner drei Wörter. Dennoch konzentriert er sich auf die Liebe in seinem Herzen und läßt seine drei Wörter zu Marie sprechen. Maries Antwort ist ein zarter Kuß auf Pauls Wange. Über- glücklich sagt Paul noch ein weiteres, schon lange sorgsam gehütetes Wort zu Marie, und man ahnt, daß dies der Beginn einer Liebesgeschichte ist, in der sich auch ohne große Worte ein harmonisches Einverständnis entwickeln wird.

Die Illustrationen von Valeria Docampo sind von ausdrucksvoller Nachdenklichkeit und großer Zärtlichkeit und übersetzen das Zwischen-den-Zeilen-Schwebende des Erzähltextes in einfühlsame Bilder. Die Farbgebung kontrastiert zwischen sepiabräunlichen Erdfarben und lebhaften Rottönen, wobei die Rottöne mit der wachsenden Liebes- annäherung deutlich zunehmen.

„Die große Wörterfabrik“ vermittelt Kindern (und Erwachsenen ebenso) anschaulich und poetisch die Bedeutsamkeit von Sprache als zwischen- menschliches Verbindungselement und Gefühlsbotschafter.

Der Verlag empfiehlt das Buch ab 3 Jahren. Ich halte die Altersstufe zwischen 5 und 7 Jahren für angemessener.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://mixtvision.de/buecher/die-grosse-woerterfabrik/

Hier entlang zum romantischen Buchtrailer:
https://www.youtube.com/watch?v=E4lbZpp6BYc

PS:
In unserer Welt kostet das Sprechen kein Geld (außer beim Therapeutenbesuch), sondern nur Zeit. Doch wer nach dem Motto „Zeit ist Geld“ lebt, wird möglicherweise auch mit der Zeit zum Sprechen geizen. Wohin das führt, illustriert das Bilderbuch „Die große Wörterfabrik“ ganz deutlich, nämlich dazu, daß Wörter zur Ware verkommen, statt dem Leben und Lieben Ausdruck zu verleihen.

Die Autorin:

»Wenn Agnès de Lestrade gerade nicht schreibt, liest, träumt oder eine Tasse Tee trinkt, erfindet sie Gesellschaftsspiele, Lieder und hat sogar die Zeit gefunden, selbst zwei hübsche Kinder zu fabrizieren, um all das an ihnen auszuprobieren. Seit ihrem Debüt 2003 erschienen von Agnès de Lestrade bereits über 20 Bücher in französischer Sprache.«

Die Illustratorin:

»Die Inspiration für ihre Illustrationen findet Valeria Docampo im Alltag: der Blick eines Hundes, das Rauschen des Regens im Herbst oder der Duft des Frühstücks. Geboren wurde sie in Buenos Aires, Argentinien, wo sie auch ihr Diplom in Grafikdesign und visueller Kommunikation machte. Seit 2003 widmet sie sich ganz der Illustration für Kinderbücher, immer auf der Suche nach neuen grafischen Techniken.«

Querverweis:

Hier entlang zu drei weiteren Bilderbuchwerken von Valeria Docampo:
Der Bär und das Wörterglitzern
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/10/04/der-baer-und-das-woerterglitzern/
Der Nussknacker
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/12/18/der-nussknacker/
Die Schneiderin des Nebels
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/11/13/die-schneiderin-des-nebels/

 

Die Botschaft der Vögel

  • Text von Kate Westerlund
  • Illustrationen von Feridun Oral
  • 3. Auflage 2014  Michael Neugebauer Edition   http://www.minedition.com
  • gebunden
  • Format: 14,7  x 18,6 cm
  • 32 Seiten
  • ISBN 978-3-86566-230-9
  • 8,95 € (D), 9,20 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren

MEHR  ALS  EINE  FRIEDENSTAUBE

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Im Bilderbuch „Die Botschaft der Vögel“ erzählt eine alte Eule einer Vogelschar eine vereinfachte Weihnachtsgeschichte aus Sicht der Tiere: Ein besonderes Kind kam in einem Stall zur Welt, und die dabei anwesenden Tiere verstanden mit ihren Herzen die Botschaft der Liebe, die von diesem Kinde ausging. Die Vögel trugen diese Botschaft als ein besonderes Lied in die Welt hinaus.

Als ein kleines Rotkehlchen nachfragt warum sie denn dieses Lied nicht mehr sängen, da meinen einige Vögel, daß die Menschen kein Interesse mehr daran hätten und ohnehin nicht mehr zuhören könnten oder wollten. Doch das Rotkehlchen regt an, dieses Lied gerade den Kindern vorzusingen, denn diese könnten noch mit dem Herzen hören und somit jede Sprache verstehen.

Gemeinsam beschließen die Vögel, die „frohe Botschaft“ den Kindern vorzusingen. Sie fliegen in alle Himmelsrichtungen und geben die Botschaft von Vogel zu Vogel sowie von Kind zu Kind weiter, bis schließlich ein weltumspannender Reigen von Kindern entsteht und die Kinder die Botschaft „des Segens, der Freude und der Liebe“ vorsingen und vorleben.

Das letzte Wort dieser Geschichte lautet: FRIEDEN. Frieden in mehr als sechzig Sprachen, rund um die Welt.

Die Illustrationen sind bei der Darstellung der zahlreichen Vogelarten schön natura- listisch und bei der Darstellung der Menschen und der menschlichen Umgebungen naiv-kindlich. Diese zeichnerische „Zweisprachigkeit“ ist abwechslungsreich und paßt gut zu der überaus polyglotten Friedensbotschaft, die hier anschaulich vermittelt wird.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.minedition.com/books/detail/26?country_id=1

Der Illustrator:

»FERIDUN ORAL wurde 1961 in der Türkei geboren und lebt in Istanbul. Nach seinem Kunststudium begann er Kinderbücher zu veröffentlichen, die in vielen Ländern verlegt wurden. Er hat an vielen nationalen und internationalen Ausstellungen teilgenommen und auch viele Preise gewonnen, darunter eine Auszeichnung der UNESCO in Japan.«

Die Autorin:

»KATE WESTERLUND wurde in Florida geboren und lebt heute in Salzburg. Sie hat einen Hochschulabschluss in Erziehungswissenschaften und Humanistik. Kate glaubt an die kreative Kraft der Fantasie, die das Leben bereichert. Sie hat viel von Kindern und deren Klugheit gelernt, mag die Farbe Violett und den Jazz. «

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