Trocken-Helden

  • Naturnah gärtnern ohne gießen
  • von Simone Kern
  • Kosmos Verlag 2021 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • 170 Farbfotos
  • 2 Farbzeichnungen
  • 128 Seiten
  • Format: 25,3 cm x 19,4 cm
  • 20,00 €
  • ISBN 978-3-440-17088-5

Trocken-Helden

TROCKENHEITSTOLERANTE  SCHÖNHEITEN

Rezension von Ulrike Sokul ©

Keine Frage: Die klimatischen Bedingungen fürs Gärtnern haben sich deutlich verändert. Die vertrauten monatlichen Jahreszeitengewohnheiten sind unberechenbarer gewor- den, oft gibt es plötzliche Wechsel von kalten zu warmen, von nassen und sehr nassen bis zu trockenen und sehr trockenen Wetterlagen. Dies macht besonders Gehölzen mit flachen Wurzelsystemen (Fichten) Überlebensprobleme. Doch auch für Obstgehölze, viele Gemüsearten und Stauden wird es schwieriger. Einfach nur mehr zu bewässern ist keine nachhaltige Lösung für diese Probleme, denn Wasser ist kostbar und sollte nur dosiert beispielsweise, bei Aussaat und Anpflanzungen, regelmäßig zum Einsatz kommen.

Die Autorin verschafft uns zunächst einen komprimierten Überblick über die globalen Erwärmungsphänomene, Wetterextreme mit Hitze und Platzregen, veränderte Nieder-schlagsmengen usw. Anschließend betont sie die Notwendigkeit, äußerst verantwor-tungsvoll mit Wasser umzugehen.

Damit Regen leicht versickern kann und zugleich die unterirdischen Grundwasser- speicher füllt, sollten versiegelte Flächen im Garten minimiert werden. Dazu kann man beispielsweise bei Auffahrten und Wegen Sickerpflaster, Fugenpflaster oder Kiesflächen (selbstverständlich ohne versiegelnde Unterlagen) einsetzen. Wasser, das vor Ort versickert, dient dem Pflanzenwachstum und dem Grundwasserhaushalt. Zudem läßt sich Dachflächenwasser leicht in Regentonnen sammeln und später bei Bedarf zum Gießen verwenden. Wer genug Platz hat, kann sogar eine Regen-Zisterne integrieren.

Auch der Boden sollte durch standortgerechte Pflanzungen und strukturelle Gestaltung vor Austrocknung geschützt werden. Eine mehrschichtige Vegetationsdecke bietet Schatten und kühlende Blattverdunstungseffekte. Beiläufig ließe sich übrigens ebenfalls ein Ausgleich für das aufgeheizte Stadtklima schaffen, wenn auch die Innenstädte systematisch durchgrünt würden.

Offene Bodenbereiche des Gartens sollten wahlweise mit organischem Mulch (z.B. Kompost, Laub) oder wasserdurchlässigem Kies- oder Splitmulch bedeckt werden.

Einheimische und fremde Wildpflanzen, die in Extremlagen zuhause sind, haben Wege gefunden, mit kargen Lebensbedingungen und Wasserknappheit auszukommen. Man- che Pflanzen bilden tiefe Wurzeln – so kann der Natternkopf mit seinen bis zu 2,40 cm tiefen Wurzeln sogar in Sandböden überleben -; andere Pflanzen speichern Wasser und Energie in Rhizomen, Wurzelknollen, Zwiebeln oder in fleischigen Blättern, wie bei Dickblattgewächsen (Fetthennen-Arten, Hauswurz und Mauerpfeffer).

Weitere Pflanzen schützen ihre Blätter zusätzlich mit einer Wachsschicht oder feinen Härchen vor zu starker Sonneneinstrahlung und Hitze. Wer aufmerksam hinschaut, erkennt diese sinnvollen Ordnungen der Natur und kann von ihnen lernen.

Mit einer bunten Vielzahl solcher trockenheitsverträglichen Pflanzen beschreibt die Autorin verschiedene Beetgestaltungsmöglichkeiten – je nach Standort und vorhan- dener Bodenbeschaffenheit. So leselustwandeln wir durch Präriebeete, Steppenbeete, einen klassischen „Gravel Garden“ (Kiesgarten), Steinbeete, Natursteinmauern, mediterrane Beete, Sonnenterrassen, trockene Schattenbeete, Vorgärten und Hauszu- gänge, Rosenbeete, Dachbegrünungen, Wildblumenwiesen, Insektenbeete …

Anschließend folgen Hinweise zur schonenden Bodenbearbeitung, Mulchempfehlungen, gartenpflegerischen Maßnahmen und bedachtsamem Gießverhalten. Für junge Gehölz-pflanzungen empfiehlt sich eine Vertiefungsmulde mit Gießrand, weil sich dort Regen-wasser besser sammelt. Wenn dort gegossen wird, dann maximal zweimal wöchentlich großzügig, damit das Wasser in die Tiefe sickert und das Wurzelwachstum in tiefere Bodenschichten angeregt wird.

Bebilderte Pflanzeneinzelportraits stellen eine Anzahl von Gehölzen, Stauden, Gräsern und Zwiebelpflanzen vor, die zu den pflegeleichten Trockenhelden gehören. Eine ausge-wogene Kombination aus einheimischen und eingewanderten Pflanzen bietet ein gutes Blühangebot für die Insektenwelt, da sich in solchen lokal-globalen Pflanzenkombi- nationen Früh- und Spätblüher hervorragend ergänzen.

Dieser Gartenratgeber bietet detailreiche praktische Anleitungen zum Gärtnern angesichts zunehmender Trockenheitsphasen. Die Wissensvermittlung ist übersichtlich strukturiert und erweitert den ökologischen Horizont hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen Klima, Boden, Wasser und Vegetation und animiert zur Einflußnahme auf das Kleinklima im eigenen Garten.

Die vielen attraktiven Fotos von Pflanzkombinationen und Beetgestaltungen wecken unmittelbare Lust, neue botanische Bekanntschaften aus dem anschaulich darge- stellten Fundus trockenheits-toleranter Pflanzen in den Garten einzuladen.

Und da – trotz der Weniger-ist-mehr-Regel – ein bißchen Gießnachhilfe sein darf, zum Ausklang noch ein Hinweis auf den idealen Gießzeitpunkt:

»Empfehlenswert sind die frühen, noch kühlen Morgenstunden. Dann sind Erde und Pflanzen noch feucht vom Tau. Da kann zusätzliches Wasser gut in den Boden ein-dringen. Blätter, welche beim Gießen nass geworden sind, werden ohne Problem in der milden Morgensonne trocknen.« (Seite 85)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/balkon-terrasse-zimmer/11601/trockenhelden

Die Autorin:

»Simone Kern studierte Landschaftsarchitektur und hat im Allgäu ihr eigenes Planungs-büro. Schwerpunkt ihrer vielfältigen Projekte sind naturnahe Gartenanlagen. Dabei sammelte sie langjährige Erfahrungen – stellte damit aber auch hautnah fest, dass sich durch den Klimawandel das Gartenleben massiv verändert. Darauf reagiert sie bei der Gestaltung von Gärten, in denen sich Menschen wohl und geborgen fühlen sollen. Auch Pflanzen und Tiere finden darin neue Lebensräume.
Draußen in der Natur, im eigenen Garten, beim Beobachten, beim Erfahren fremder und heimischer Landschaften – hier holt sie sich ihre Inspirationen.
Über ihre Tätigkeit als Landschaftsarchitektin hinaus engagiert sich Simone Kern seit langem zudem in ökologischen Projekten, insbesondre für den Schutz von Insekten. Ihr praktisches wie theoretisches Wissen gibt sie gerne in Workshops, durch Fachvorträge und Veröffentlichungen weiter.«

Querverweis zu weiteren empfehlenswerten Sachbüchern von Simone Kern:

Der antiautoritäre Garten/Gärten, die sich selbst gestalten“
Der antiautoritäre Garten
„Mein Garten summt/Ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln
Mein Garten summt
„Wilde Kübel – unkompliziert, naturnah und insektenfreundlich“ Wilde Kübel

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Tierisch guter Balkon

  • Kleine Fläche, großer Nutzen – so wird der Balkon zum Tierparadies
  • von Bärbel Oftring
  • KOSMOS Verlag, 2022 www.kosmos.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • Format: 240 x170 mm
  • 160 Farbfotos
  • 128 Seiten
  • 18,00 €
  • ISBN 978-3-440-17411-1

Tierisch guter Balkon
NATÜRLICHE  BALKONBELEBUNG

Rezension von Ulrike Sokul ©

Bereits Bärbel Oftrings Buch „Worauf fliegst du – Tierparadiese pflanzen und pflegen“ (siehe meine Rezension:  Worauf fliegst du – Tierparadiese pflanzen und pflegen ) widmete sich dem Thema, wie sich der Garten so gestalten und bepflanzen läßt, daß Tiere dort gerne einziehen und auskömmlich leben können. Ein Balkon kann ebenfalls naturgemäß eingerichtet werden, doch die Lebensbedingungen und das Kleinklima unterscheiden sich selbstverständlich von denen im Garten.

Doch zunächst stellt die Autorin verschiedene Tiere vor, die sich als Balkongäste ein-finden können: Honig- und Wildbienen, Schmetterlinge und ihre Raupen, Käfer, Schweb- und Florfliegen, Blumenwanzen, Wespen, Spinnen und Blattläuse. Hinsichtlich der Blatt-läuse bieten die Larven von Florfliegen und Marienkäfern natürliche Regulation. Und damit man die nützlichen Helferlein auch richtig erkennt, gibt es aussagekräftige Fotos. In Kurzportraits wird zudem jeweils eine überschaubare Anzahl von Wildbienen und Schmetterlingen in Wort und Bild vorgestellt.

Weitere tierische Besucher sind Vögel (hauptsächlich Amsel, Blaumeise, Kohlmeise, Rotkelchen, Haussperling, Kleiber, Grünfink), und ganz besondere Balkongäste sind Eichhörnchen und Mauereidechsen.

Auf einer Doppelseite des Buches werden Spuren gezeigt, welche die tierischen Gäste hinterlassen. So lernt man u.a. winzige Eier am Stiel kennen (Florfliegeneier), kleine tropfenförmige Gebilde zeugen von verpuppten Hain-Schwebfliegen, und kreisrunde oder ovale Löcher in Blättern stammen von Blattschneiderbienen, die mit diesen Blattstücken ihre Brutzellen auskleiden.

Auf einem Balkon können Pflanzen nur in Kübeln wachsen, und deshalb eignen sich nicht alle Pflanzen gleichermaßen für solche erdmengenmäßig eingeschränkten Gegebenheiten. Gleichwohl gibt es eine Fülle botanischer Möglichkeiten, die auch sehr gut im Topf funktionieren, wenn man einige Spielregeln beachtet. Außerdem soll die pflanzliche Topfverträglichkeit sinnvoll kombiniert werden mit Pflanzen, die für die Bedürfnisse von Tieren geeignet sind. Denn:

 »Für Tiere hingegen sind Pflanzen mehr oder weniger alles, was sie im Leben haben, denn Pflanzen sind ihre Lebensgrundlage als Lebensraum, Versteck und Unterschlupf, Nahrungsquelle, Brut- und Nistplatz sowie Jagdrevier zugleich.« (Seite 38)

Das bedeutet, daß überzüchtete, sterile und die meisten exotischen Pflanzen nicht zur naturgerechten Bepflanzung gehören. Abgesehen von der nicht unbeträchtlichen Gift- und Kunstdüngerladung, welche die konventionell gezüchteten Pflanzen enthalten, sind – man kann es nicht oft genug wiederholen – gefüllte Blütenzüchtungen nur schöner Schein. Denn solche Blüten bieten weder Nektar noch Pollen und disqualifizieren sich somit als Nahrungsquelle für Insekten.

Die Autorin stellt sowohl tabellarisch wie in bebilderten, kurzen Einzelportraits geeignete Bienenblumen vor. Dazu gehören viele pflegeleichte heimische Wildblumen, die sich leicht versamen, so daß beiläufig schon für pflanzlichen Nachwuchs gesorgt ist, und diverse Küchenkräuter, von denen praktischerweise auch der Mensch gerne nascht.

Die Pflanzenempfehlungen sind nach den unterschiedlichen Lichtgegebenheiten (sonnig, schattig, halb-schattig) von Süd-, Nord-, Ost- oder Westbalkonlage geordnet. Die unterschiedlichen  Pflanzenbedürfnisse hinsichtlich mager-trockenem oder nährstoff- reich-feuchtem Substrat werden gut erklärt. Attraktive Fotos von diversen Pflanzkombi- nationen und Balkonszenerien runden die Textinformationen anschaulich ab.

Weitere Kapitel erweitern das Pflanzenspektrum um Kletter- und Rankpflanzen, Wild- und Obststräucher sowie einige Wildrosenarten.

Neben pflanzlichen Nahrungsquellen sind Wasserstellen zum Trinken und zum Baden wichtig. Für Vögel eignen sich flache, nicht zu glatte Wasserschalen (hellfarbige Keramik erwärmt sich im Sonnenlicht nicht so schnell wie dunkle). Auch eine Sandbadestelle läßt sich mit einem etwas tieferen Kübel voll feinen Sands einrichten.

Für Bienen und Wespen füllt man eine flache Schale mit Steinen und gibt dann Wasser hinzu. So können die Insekten trinken, ohne in eine tiefe Wasserfläche zu fallen und dort unterzugehen. Ergänzend kann man auch Moospolster hinzufügen. Auch für Mini- teiche und Sumpfkübel findet sich in diesem Ratgeber eine balkongerechte Anleitung. 

Anschauliche Schritt-für-Schritt-Bauanleitungen für Wildbienennisthilfen aus Bambus, Hartholz und Himbeerstengeln erweitern das Spektrum der balkongastgeberischen Gestaltungsmöglichkeiten. Hinzu kommen Anregungen für diverse Vogelfutter- und Nistmaterialspender und eine Bauanleitung für einen Nistkasten aus Holz.

Zum guten Schluß bietet die Autorin noch einen kleinen Exkurs in die Installation eines Wurmkomposters für den Balkon.  

Bärbel Oftring bietet dem geneigten Leser gut strukturiertes, biologisches Grundlagen-wissen und einfach umzusetzende praktische Anleitungen für eine tierfreundliche Naturbalkoneinrichtung. Dieser animierende Ratgeber eignet sich hervorragend für Anfänger, doch auch bereits kundige Naturbalkongastgeber können hier gewiß noch die eine oder andere ergänzende Anregung finden.

Während der Lektüre wächst man – bei entsprechender natürlicher Aufgeschlossenheit –  immer mehr in die pflanzlich-tierische Perspektive hinein und betrachtet die Welt nicht mehr ausschließlich aus menschlicher Sicht.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber-naturfuehrer/garten/gartengestaltung/14746/tierisch-guter-balkon

Die Autorin:

»Bärbel Oftring ist Diplom-Biologin mit den Schwerpunkten Botanik, Zoologie und Paläontologie. Ihre Liebe zur Natur setzt sie heute als Autorin, Redakteurin und Heraus-geberin von zahlreichen Sachbüchern für Kinder und Erwachsene sowie in erlebnisreichen Naturforscheraktionen in die Tat um. Ihre Bücher vermitteln auf anschauliche und interessante Weise, was es alles über Tiere und Pflanzen in der Natur und im Garten zu entdecken gibt. Viele wurden bereits ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Die engagierte Naturforscherin lebt mit ihrer Familie und ihrem Hund bei Böblingen.«

Querverweis:

Ergänzend empfiehlt sich zudem noch Bärbel Oftrings Sachbuch „Worauf fliegst du/Tierparadiese pflanzen und pflegen“: Worauf fliegst du – Tierparadiese pflanzen und pflegen
und der Ratgeber  „Grüner geht’s nicht – Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon“ von Melanie Öhlenbach Grüner gehts nicht – Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon
sowie „Wilde Kübel – unkompliziert, naturnah und insektenfreundlich“ von Simone Kern: Wilde Kübel – unkompliziert, naturnah und insektenfreundlich

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