Das Antiquariat der Träume

  • von Lars Simon
  • Roman
  • DTV Verlag, Mai 2020  www.dtv.de
  • gebunden
  • 320 Seiten
  • 12,00 € (D), 12,40 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21931-0

LITERARISCHE  HALLUZINATIONEN

Buchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Im „Antiquariat der Träume“ geht es um wahre Liebe, unsterbliche Hoffnung und um die zeitlose Magie von Büchern und Geschichten sowie um die Einwirkungskraft von Büchern auf die Wahrnehmung und Gestaltung von Welt und Wirklichkeit.

Der Stockholmer Verleger Johan Andersson hat bei einem durch einen Orkan verursach-ten Schiffsunglück in der Ostsee die große Liebe seines Lebens verloren. Lina hatte Johan, der ein Liebhaber der Klassiker ist, kurz zuvor ein ganz besonderes Geschenk überreicht: eine handsignierte Erstausgabe der „Singoalla“ von 1864, die sie bei einem geheimnisvollen und schrulligen Antiquar erworben hatte. Dieser Roman von Viktor Rydberg ist ein berühmtes Werk der schwedischen Spätromantik. Kurz nach der Geschenkübergabe verlor Johan im panischen Durcheinander des leckgeschlagenen Schiffs Lina aus den Augen und das Buch aus der Hand.

Für Johan ist Linas Verlust Grund genug, in seinem Leben als Überlebender nun andere Schwerpunkte zu setzen. Er verkauft seine Anteile am Verlag, zieht sich aufs Land zurück und eröffnet im kleinen Örtchen Hedekas ein Antiquariat mit angeschlossenem Literaturcafé.

Er freundet sich mit dem örtlichen Pfarrer an, und Agnes, die früh verwitwete Schwester des Pfarrers, backt für Johans Café köstliche Kuchen und Torten mit wechselnden litera-rischen Motti, und sie hilft auch beim Bedienen aus. Eine gewisse freundschaftliche Ver-trautheit und Zuverlässigkeit bieten diese zwischenmenschlichen Kontakte; dennoch pocht die schmerzliche Leerstelle in Johans Herzen auch vier Jahre nach dem Verlust Linas weiter.

Immer wieder hatte Johan versucht, Angehörige von Lina zu finden, aber sie scheint nicht nur ertrunken zu sein, sondern auch nirgendwo hingehört zu haben. Seine Nach-forschungen zu Linas Identität führen jedoch zu keinem Ergebnis. So rätselt er weiterhin herum, hadert mit dem Schicksal und kann seine Sehnsucht nicht loslassen.

Trost und auch Inspiration bieten indes die Gespräche, die er mit den Figuren aus seinen Lieblingsbüchern führt. Diese Figuren erscheinen ihm leibhaftig, und sie stehen Johan – stets gemäß ihrem fiktiven Charakter – mit klugem Rat und anteilnehmender Reflexion zur Seite. So spricht er ebenso mit William von Baskerville aus „Der Name der Rose“ wie mit Pippi Langstrumpf oder dem weißen Kaninchen aus „Alice im Wunderland“. Und auch Harry Haller aus „Der Steppenwolf“, Gregor Samsa, Doktor Dolittle und Sherlock Holmes sowie Cyrano de Bergerac erscheinen in passenden und gelegentlich auch unpassenden Situationen und geben ihren Betrachtungen des echten Lebens und Einschätzungen zu Problemlösungen lebhaften Ausdruck.

Manchmal, wenn zufällige Ohrenzeugen Johan bei seinen „Selbstgesprächen“ mit in deren Augen unsichtbaren Dialogpartnern ertappen, gerät Johan in den Verdacht geistiger Verwirrung. Doch Johan genießt diese buchstäblichen Literaturgespräche und empfindet sie als Bereicherung. Den von seinen Freunden gelegentlich angeratenen professionellen psychologischen Beistand lehnt er ab. 

Eines Tages trifft Johan beim Einkaufsbummel für sein Antiquariat auf einen alten Antiquar, der ihn in ein interessantes Gespräch verwickelt und der ihm erklärt, daß er wichtige Bücher nur an jene Menschen verkaufe, die sie auch verdienten. Schließlich verkauft er Johan ein verpacktes Buch, das seiner Ansicht nach zu ihm gehöre – allerdings unter der Bedingung, daß auch Johan dieses Buch innerhalb einer bestimmt- en Frist weiterverkaufen solle – ebenfalls ausdrücklich nur an eine Person, bei der dieses Buch in den richtigen Händen sei.

Fasziniert und verwundert läßt sich Johan auf diesen eigenwilligen Handel ein, und als er zu Hause das Buch auspackt, ist es exakt die Ausgabe der „Singoalla“, die er einst von Lina bekommen hatte …

Wie sich nun daraus ein klassisches Happy-End entwickelt, werde ich hier selbstver- ständlich nicht verraten. Die lange offen bleibende Frage nach Linas Verbleib und Herkunft ist spannend, zumal man nicht umhinkommt, diverse eigene Vermutungen zu ihrer realen oder vielleicht doch fiktiven Existenz anzustellen.

Der größte Reiz dieses Romans geht jedoch nicht so sehr von der Liebes- geschichte, sondern viel mehr von den Gesprächen zwischen Johan und seinen literarischen Lieblingsfiguren aus. Es ist sehr amüsant, wie diese jeweils im Habitus und in der sprachlichen Tonlage ihres fiktiven Charakters in Johans Leben treten und ihn beraten, mit ihm philosophieren und ihn auch ein wenig in die richtige Richtung lenken, ohne ihm dabei das eigene Denken, Erkennen, Suchen und Finden abzunehmen. 

 

»Alte Bücher sind die Essenz des Lebens, der Quell aller Freude und manchmal sogar der Ursprung revolutionärer Strömungen. Sie konservieren Gedanken und Emotionen, und setzt man sie in Bezug zur Zeit ihrer Entstehung und hat den Mut, sich darauf einzu- lassen, so wird man genau das bei sich selbst erleben, was derjenige beabsichtigte, der das Werk einst verfasst hat,  ganz gleich wie viele Jahre später man es zur Hand nimmt. Eine gute Geschichte, eine brillante Idee und ein tiefempfundenes Gefühl haben immer-währende Gültigkeit, sie verlieren nichts, sie sind wie exquisiter Wein und werden mit der Zeit immer reifer und wertvoller, allerdings – und das ist der Unter- schied zu gutem Wein – erst sobald man sie genossen hat. Sie reifen im Herzen und nicht in Fass und Weinkeller, wenn Sie verstehen.«  (Seite 239/240)

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/lars-simon-das-antiquariat-der-traeume-21931/

Der Autor:

»Lars Simon, Jahrgang 1968, hat nach seinem Studium lange Jahre in der IT-Branche gearbeitet, bevor er mit seiner Familie nach Schweden zog, wo er als Handwerker tätig war. Heute lebt und schreibt der gebürtige Hesse wieder in der Nähe von Frankfurt am Main. Bisher sind von ihm bei dtv eine dreibändige Comedy-Reihe, das Weihnachtsbuch ›Gustafssons Jul‹ sowie die Urban-Fantasy-Reihe um Zauberlehrling Lennart Malmkvist und seinen sprechenden Mops Bölthorn erschienen. Lars Simon ist ein Pseudonym.«

Querverweis:

Hier entlang zu Lars Simons zauberlehrlingsmagischer Trilogie über Lennart Malmkvist, seinen geerbten Zauberzubehörladen und seinen sprechenden Mops.

Band 1: Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/31/lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen/
Band 2: Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/11/28/lennart-malmkvist-und-der-ganz-und-gar-wunderliche-gast-aus-trindemossen/
Band 3: Lennart Malmkvist und der überraschend perfide Plan des Olav Tryggvason
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/01/26/lennart-malmkvist-und-der-ueberraschend-perfide-plan-des-olav-tryggvason/

 

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Ein Mädchen namens Willow

  • von Sabine Bohlmann
  • mit Illustrationen von Simona Ceccarelli
  • PLANET! Verlag, Januar 2020 www.planet-verlag.de
  • gebunden
  • 256 Seiten
  • Format: 148 x 210 mm
  • 13,00 € (D), 13,40 € (A), 19,50 sFr.
  • ISBN 978-3-522-50664-9
  • Kinderbuch ab 10 Jahren

VON  HEXE  ZU  HEXE

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Kinderbuch wahrt eine zauberhafte Balance zwischen Magie und Wirklichkeit und vermittelt eine positive Vorstellung von Hexen als weisen und heilkundigen Frauen. Naturbeziehungsfähigkeit und elementare Zauberkräfte gehen hier Hand in Hand mit kindlicher Lebensfreude, Entdeckungslust, Freundschaftsfindung und Humor.

Das Mädchen Willow zieht mit ihrem Vater in ein altes Haus, das er von seiner Tante Alwina geerbt hat. Willow hatte schon als kleines Kind in diesem Haus gelebt; doch nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter zog es der Vater vor, an anderen Orten zu leben, da ihn dieser heimatliche Ort auf Schritt und Tritt an seine verstorbene Frau erinnerte. Die Arbeit als Auslandskorrespondent brachte es mit sich, daß er und Willow häufig den Wohnort wechselten. Nun will er jedoch an diesen vertrauten Ort zurückkehren und der inzwischen elfjährigen Willow ein beständiges Zuhause bieten.

Tante Alwina hat den zum Haus gehörigen Wald ausdrücklich ihrer Nichte Willow vererbt, und diese erkundet mit aufgeschlossenem Herzen für die Schönheit der Natur ihr neues Reich. Unterwegs bemerkt sie einen Fuchs, der sie neugierig beobachtet. Nach und nach erinnert sie sich auch wieder an ihre Tante, an bestimmte Bäume und an ihre kindlichen Spiele in diesem Zauberreich. Am nächsten Tag setzt Willow die Inspektion ihres Erbes fort und begegnet wieder dem zutraulichen Fuchs. Diesmal führt er sie zu einem verborgenen, von Efeu und Heckenrosen umrankten kleinen Holzhaus.

In diesem malerischen Hexenhäuschen findet Willow u.a. geheimnisvolle alte Bücher, die sich unerklärlicherweise nicht öffnen lassen, und ein Foto, das ihre noch junge Tante zusammen mit drei weiteren jungen Frauen zeigt, sowie eine kleine abgeschlossene Holztruhe, in die Willows Name hineingeschnitzt wurde.

Im Inneren der Truhe liegt ein dickes, ledergebundenes Buch, das auf seiner Buch-deckelmitte ein Muster aus ineinander verwobenen Spiralen trägt und in den vier Ecken des Buchdeckels vier unterschiedliche Symbole für die vier Elemente. Die Truhe enthält außerdem eine Glaskugel, eine Kupferschale, einen Flacon und vier Ketten mit Amu- letten, die vier Symbole zeigen, welche denen vom Dekor des Buches entsprechen. Die größte Überraschung ist für Alwina allerdings der an sie adressierte Brief ihrer Tante.

Aus diesem Brief erfährt Willow, daß sie die Hexenkraft ihrer Tante geerbt habe. Der Brief enthält präzise und liebevoll formulierte Anweisungen, wie diese Kraft – sofern Willow willens ist, sie anzunehmen und konstruktiv zu nutzen – auf sie übertragen werden kann. Als zuverlässiger Ratgeber fungiert das Buch mit den Symbolen. Dieses Buch mit dem Namen „Grimmoor“ beschriftet sich selbst – in federleichter Schönschrift – und beantwortet auf diese buchstäbliche Weise Willows Fragen, gibt Hinweise auf die nächsten magischen Schritte, erklärt Rituale und gemahnt freundlich und bestimmt, immer wieder daran, daß Willow für Problemlösungen, Beurteilungen und Entschei- dungen aufmerksam ihr Herz befragen solle.

So erfährt Willow beim Hexenkraftübertragungsritual, daß ihr Element das Feuer ist und ihr Krafttier der Fuchs. Um die volle Hexenkraft zu erreichen, muß sie drei weitere Mäd-chen finden, die ebenfalls über eine familiäre Hexenbegabung verfügen und die den drei Elementen Luft, Wasser und Erde zugehörig sind.

Die Suche nach diesen Hexenmädchen führt zu einigen Mißverständnissen, da Willow anfangs noch allzu vordergründig und naiv vorgeht. Doch sie lernt aus den Fehlern und Komplikationen und findet nach und nach die richtigen Hexentalente: Die luftige Valentina ist die erste Verbündete, dann folgt Gretchen, die das Wasser beherrscht, und schließlich Lotti, die für das Element Erde zuständig ist. Von Vollmondritual zu Voll- mondritual wachsen die vier Elemente zusammen, und auch die Freundschaft und Vertrautheit zwischen den Mädchen vertieft sich. 

Die Bündelung der Kräfte kommt genau zur rechten Zeit, denn geschäftstüchtige Immobilieninvestoren wollen Willows Vater das Waldgrundstück abkaufen und den Wald abholzen, um dort ein Einkaufszentrum zu bauen. Doch dank Hexenbuchweisheit und vereinter Hexenkraft wachsen in Willows Wald gleich vier seltene und gefährdete Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen. Somit wird der Wald zu einem privaten Naturschutzgebiet, und ein Verkauf und eine Abholzung kommen keinesfalls mehr in Frage. Diese gute Nachricht nehmen die Junghexen sogleich zum Anlaß, ein kleines Freudenfest mit Mondlicht-Picknick zu feiern.

Sabine Bohlmann erzählt eine spannende und herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, Naturverbundenheit und Magie. Sie wartet ebenso mit phantasievollen Details und attraktiven Zauberrequisiten auf wie mit scha- manischen Anfängerkenntnissen, Mondphasen- und Heilpflanzenwissen.  

Die verwendeten Anrufungen, Hexensprüche und Zauberformeln erscheinen in einfachen Reimen. Auch wenn das Versmaß manchmal etwas hinkt und stolpert, so trägt die Reimform dennoch wesentlich zu einer magischeren Sprachklangebene bei.

Die Illustrationen von Simona Ceccarelli geben den Charakteren und ele- mentaren Saiten der vier Hexenmädchen, den magischen Requisiten und den Krafttieren anschaulich Gestalt. Bemerkenswert sind zudem die illustrierten Buchseiten mit den nächtlichen Szenen, auf denen der Text weiß auf schwarz gedruckt ist, und deren „Lichteffekte“ ganz besonders geheimnisvoll wirken.

Der rote Faden dieser Geschichte ist keineswegs die aggressive Machtaus- übung mit Hilfe von Magie, sondern zwischenmenschliches sowie natur- verbundenes Feingefühl und Miteinander und eine ausgeprägte Herzens- orientierung, die das Werkzeug Magie gleichermaßen in den Dienst des persönlichen menschlichen Lebens wie in den des umfassenderen natürlichen Lebens stellt.

 

»Es gibt Wissende, Unwissende, glaubende Wissende und wissende Wissende, und dann sind da noch die hoffenden Unwissenden, Scharlatane und Möchtegern-Magier, aber die echten, wissenden wissenden Magier, die Hexen, Hexer, Zauberer und Zauberinnen, arbeiten alle mit der Energie der Erde.« (Seite 173)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann-esslinger.de/planet/buecher/buchdetailseite/ein-maedchen-namens-willow-isbn-978-3-522-50664-9/

 

Die Autorin:

»Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh- Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.«
https://www.sabinebohlmann.com/

Die Illustratorin:

»Nach einem halben Leben als Medizinalchemikerin hat Simona Ceccarelli den Laborkittel gegen den Bleistift eingetauscht, um ihrem Kindheitstraum nachzugehen. Ausgerüstet mit einem Diplom in Illustration und Concept Art der Academy of Arts University in San Francisco illustriert sie seit 2016 Bücher, Spiele und andere Produkte für Kinder. Simona Ceccarelli lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern, drei Nationalitäten und vier Sprachen in Basel.«

 

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Die Glocke von Whitechapel

  • Band 7 der übersinnlichen Peter-Grant-Reihe
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »Lies Sleeping«
  • Übersetzung ins Deutsche von Christine Blum
  • DTV Verlag Mai 2019  www.dtv.de
  • Taschenbuch
  • 416 Seiten
  • 10,95 € (D), 11,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21766-8

DAS  GEWISSE  MAGISCHE  ETWAS  NR. 7

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die Erweiterung der alltäglichen Wirklichkeit um eine magische Dimension macht den faszinierenden Reiz dieser phantasievollen Krimi-Serie aus. So wie hier die menschlichen Ermittler der Spezialabteilung der Metropolitan Police von London über magische Fähig-keiten und zauberhafte Kompetenzen verfügen, so tragen die vielfältigen magischen Charaktere durchaus menschliche Züge nebst entsprechend mehr oder weniger liebens-werten Schwächen, und das wiederum läßt die magischen Wesen trotz ihrer übersinn-lichen Überlegenheit fast normal erscheinen.

Für diejenigen, die hier zum ersten Male von Police Constable Peter Grant lesen, erlaube ich mir einen freundlichen Hinweis auf meine ausführliche Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/

Im siebten Band hat Peter Grants Karriere bei der Metropolitan Police von London Fort-schritte gemacht; er ist nun staatlich geprüfter Police Detective. Die geheime Sonderab-teilung, für die er dank seiner natürlichen magischen Begabung arbeitet, wird inzwischen auch vom „normalen“ Polizeibetrieb mit Respekt betrachtet, zumal sich die realen Gefahren magieverdächtiger Kriminalfälle nicht mehr ignorieren lassen.

Peter Grants unmittelbarer Vorgesetzter und Meister ist der elegante Detective Chief Inspector Thomas Nightingale, der Peter und einige weitere Magiebegabte in prak- tischer und theoretischer Magie und magischer Kampfkunst sowie übersinnlicher Wahrnehmung ausbildet.

Neben dem ernsthaften Studium der Magie und alter Sprachen gehören lebhafte Kon- takte zu allerlei magischen und halbmagischen Wesen, der sogenannten Demimonde, sowie zu diversen Naturgöttern und -Göttinnen zum Alltag von Peter Grant und Thomas Nightingale.

Peter ist mit einer sehr attraktiven Flußgöttin, Beverly Brook, liiert, die ihrerseits die jüngere Schwester der Flußgöttin Lady Tyburn ist, die wiederum Peter einst im dritten Band (»Ein Wispern unter Baker Street«) das Leben gerettet hat. Diese unsterblichen Fluß- göttinnen haben ganz und gar menschliche und sehr attraktive Gestalt, aber durchaus elementare magische Fähigkeiten, die man keinesfalls unterschätzen sollte. Und wenn sie einem das Leben gerettet haben, schuldet man ihnen einen Gefallen als Ausgleich.

Erzfeind ist seit dem ersten Band der sogenannte „Gesichtslose“, ein ethisch fragwürdi-ger Magier, der – beiläufig – im vierten Band (»Der Böse Ort«) die einstige Kollegin Peters, Lesley May, auf seine Seite der Macht gezogen hat – ein Verrat und Verlust, der Peter schwer getroffen hat.

Im vorhergehenden sechsten Band („Der Galgen von Tyborn“) konnten die Identität und die üppigen finanzmächtigen Verstrickungen des „Gesichtslosen“ aufgedeckt werden. Leider konnten der „Gesichtlose“ Martin Chorley und seine Komplizin Lesley May der Polizei jedoch entkommen. Immerhin sind nun wenigstens einige Verbündete Martin Chorleys bekannt, und diese werden nun ebenso akribisch wie diskret beobachtet.

Die einvernehmliche Einschätzung, daß Martin Chorley seine unerfreulichen Macht- pläne weiterhin verfolgt, findet im Zusammenhang mit einem magisch-ferngesteuerten Mord und dem gehäuften Diebstahl archäologischer Fundstücke (Ziegel von ehemaligen römischen Kultstätten, die sich auf Londoner Stadtgebiet befanden) Bestätigung.

Die Spuren führen zu einer Glockengießerei, der vom Mordopfer eine Spezialanfertigung in Auftrag gegeben wurde. Bei der Untersuchung erkennt Peter Grant, daß diese Glocke eindeutig „Vestigia“ ausstrahlt. Magische Handlungen und magische Wesen hinterlassen nämlich sogenannte „Vestigia“, magische Spuren, die sich in Materialien, Gegenständen und Gebäuden speichern und von zauberkundig Eingeweihten abgelesen bzw. abgespürt werden können.

Will Martin Chorley etwa ein neues Zeitalter einläuten? Und welche weiteren Machtzu-taten muß er sich dafür beschaffen? Dies herauszufinden und zu verhindern erweist sich als komplex und schwierig. Die magischen Hintergrundrecherchen erfordern die nicht ganz ungefährliche, aber lohnende Kontaktaufnahme mit einigen magischen Wesen, die sich – mehr oder weniger kapriziös – kooperativ verhalten und Peter anschauliche Einblicke in die Stadtgeschichte Londons gewähren.

Singende Schwerter, eine malerisch-musische Fae namens Fingerhut, sprechende Füchse, blutige, rituelle Opferungen, eine Dose Vampirkonfekt und alte Bekannte, wie Mr. Punch, der mörderische Geist des Aufruhrs und der Rebellion, und eine widersprüch- lich taktierende Lesley May sowie eine rätselhafte Prophezeiung machen ihre Aufwartung und halten Peter Grant und seine Kollegen auf Trab.

Vor der vom Autor stets lakonisch, sozioarchitektonisch illustrierten Stadtkulisse Londons erlesen wir rasante Verfolgungsjagden mit dramatischen zauberkampfkünst- lichen Duellen, bei denen sich zeigt, daß Peter in angewandter Magie deutliche Fort- schritte gemacht hat, auch wenn im Vergleich zu Thomas Nightingales langlebiger Zauberbeherrschung immer noch Luft nach oben ist.

„Die Glocke von Whitechapel“ bietet reichlich mitreißende Dramaturgie, lebhafte, kontrastierende Charaktere, phantasievoll-raffinierte Details, amüsante Dialoge, einige köstliche Prisen Genreselbstironie und außergewöhnliches Londoner Lokalkolorit.

Ben Aaronovitch serviert mit dem siebten Peter-Grant-Band eine spannende, quecksilbrige, magische Mischung, in der sich Überraschungs-, Gänsehaut- und Schmunzeleffekte schwungvoll und unterhaltsam abwechseln.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-die-glocke-von-whitechapel-21766/

Hier entlang zur interessanten und informativen DTV-Webseite zur Peter-Grant-Serie:
https://www.dtv.de/special-ben-aaronovitch-urban-fantasy/startseite/c-184

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wuchs in einer politisch engagierten, diskussionsfreudigen Familie in Nordlondon auf. Er hat Drehbücher für viele TV-Serien, darunter „Doctor Who“, ge- schrieben und als Buchhändler gearbeitet. Seine Urban-Fantasy-Serie um Peter Grant ist nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland sensationell erfolgreich und führt regelmäßig die Bestsellerlisten an. Inzwischen widmet sich Ben Aaronovitch ganz dem Schreiben, zur Freude seiner zahlreichen Fans. Er lebt nach wie vor in London.«

Hier entlang zu den Vorgängerbänden:

Band 1: DIE FLÜSSE VON LONDON
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/21/schwarzer-mond-uber-soho/
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/28/ein-wispern-unter-baker-street/
Band 4: DER BÖSE ORT
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/30/der-bose-ort/
Band 5: FINGERHUT-SOMMER
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/14/fingerhut-sommer/
Band 6: DER GALGEN VON TYBORN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/07/27/der-galgen-von-tyburn/

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/28/geister-auf-der-metropolitan-line/

Hier entlang zu Ben Aaronovitchs Schreibausflug in deutsche Gefilde:
DER OKTOBERMANN 
Eine Tobi-Winter-Story
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/11/18/der-oktobermann/

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Lennart Malmkvist und der überraschend perfide Plan des Olav Tryggvason

  • Roman
  • von Lars Simon
  • 3. Band der Lennart-Malmkvist-Reihe
  • Originalausgabe DTV Verlag Dezember 2018  http://www.dtv.de
  • Taschenbuch
  • 352 Seiten
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21760-6

ENTHÜLLUNGEN,  VERWANDLUNGEN  &  EIN  MOPSFIDELES  HAPPY-END

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nach Lennart Malmkvists plötzlicher Umschulung vom Unternehmensberater zum Magier und schicksalshaften Wächter eines von vier Dunklen Pergamenten, welche eine Reanimierung des unheilvollen Schwarzmagiers Olav Tryggvason verhindern sollen, ist sein Leben – gelinde gesagt – gefährlich turbulent geworden. Wer sich über die zauber- haften Details der Vorgeschichte ausführlicher informieren möchte, lese bitte meine Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/31/lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen/

Beiläufig sei jedoch erwähnt, daß unser Zauberlehrling von einem dubiosen Leierkasten- mann mit einem Fluch belegt wurde, der ihm, sobald er eine zarte Herzensneigung zu einer Frau entwickelt, juckenden, pusteligen Hautausschlag beschert – mit einer solchen Liebesallergie werden romantische Entwicklungen sofort erfolgreich blockiert.

Lennart lebt in Göteborg und hat von seinem liebenswert-schrulligen Nachbarn Buri Bolmen einen Zauber- und Scherzartikel-Laden geerbt. Der Testamentsvollstrecker, Advokat Cornelius Isaksson,  hatte Lennart im ersten Band über die magischen Pflichten aufgeklärt, die mit diesem Erbe verbunden sind.

Die mütterlich-herzhafte Nachbarin, Maria Calvino, bekocht Lennard mit köstlichsten italienischen Spezialitäten, und sein guter alter Freund, Frederik Sandberg, ein IT-Spezialist und Star-Wars-Fan, unterstützt und begleitet Lennarts magische Fortschritte und Unternehmungen unbefangen mit den Hilfsmitteln moderner Technik.

Der sprechende Mops Bölthorn, der einst von Olav Tryggvason in diese Hundegestalt gebannt wurde, gibt Lennart Nachhilfeunterricht in Magie – d.h. er gab ihm Nachhilfe, denn am Ende des zweiten Bandes wurde Bölthorn bei einem magischen Kampf gegen Olav Tryggvasons Helfershelfer böse verletzt, und Lennart bangt nun um das Leben des Mopses, der ihm seit seiner magischen Berufung sehr ans Herz gewachsen ist.

Zauberhafte Fügungen, an denen Maria Calvinos Kochkünste nicht ganz unschuldig sind, führen Lennart auf die Spur des zweiten Wächters der Dunklen Pergamente. Kapitän Darraban, Pirat und Magier in einer Person, ist nach einer launigen Unterwasser-Unterredung zwischen Seemann und Landratte ausgesprochen kooperativ.

Ein magisches Segelschiff mit Tarnvorrichtung ist schnell organisiert, und Kapitän Darra-ban verfügt glücklicherweise auch über das richtige Heilmittel für Bölthorn. Über- raschend zeigt sich zudem, daß das Keksdosen-Orakel, mit dem Lennart zuvor stets in Reimform kommunizieren mußte, unter Darrabans barscher Anrede auch in Prosa sprechen kann und daß „es“ tatsächlich der dritte Hüter der Dunklen Pergamente ist.

Blöd ist bloß, daß inzwischen nur das Pergamentviertel des vierten Hüters, als welcher sich Advokat Cornelius Isaksson entpuppt, noch nicht in Olav Tryggvasons Hände gefallen ist. Wenn erst einmal alle vier Teile vereint sind, dann wird der böse Magier seine ganze unheilvolle Macht entfalten können.

Ein abwechslungsreiches, mit zahlreichen weiteren Überraschungen aufwartendes Ver-steckspiel beginnt und ein Wettlauf mit der Zeit, mit der Polizei und Küstenwache, mit den fanatischen Sektenanhängern von „Trygvassons Erben“, die schon seit langem an der Wiederermächtigung Olav Tryggvasons arbeiten, und mit Lennarts ehemaligem Chef, dem Multimillionär Harald Hadding, dessen geheimnisvolle Rolle im magischen Spiel sich erst nach und nach offenbart.

Beim dramatischen magischen Großkampf der vier Wächter und einiger menschlicher Mitstreiter mit Olav Tryggvason und seinen Helfershelfern wird der böse Magier vernichtend geschlagen.

Infolge des Sieges der Wächter kommt es zu einer hochinteressanten – wenn auch für den aufmerksamen Leser nicht unerwarteten – Rückverwandlung von Mops Bölthorn in …

Nun – Elfenzwinkern – ich kann schweigen und verrate nur so viel, daß dadurch beiläufig auch Lennarts verfluchte Liebesallergie keine Rolle mehr spielt.

Die Handlung des dritten und letzten Lennart-Malmkvist-Bandes entwickelt sich nach einem zunächst gemächlichen Beginn rasant. Mit dem Auftauchen des trink- und fluchfesten Charakters des Kapitän Darraban nimmt die Geschichte buchstäblich Fahrt auf. Seine seemännisch-forsche, unberechen- bare Wesensart ist höchst erfrischend und sein Vorrat an maritim-ange- hauchten, schrägen Schimpfworten, Redewendungen und Befehlen schier unerschöpflich. Beinahe gelingt es ihm, Bölthorn als Lesesympathieträger Konkurrenz zu machen – aber nur beinahe.

Lars Simon führt alle Erzählfäden zu einem sinnvoll-zusammenhängenden Ende und serviert uns eine amüsant-aufregende, skurrile Lesekost; gewürzt mit phantasievollen, magischen Details, charakterstarken Figuren, spannender Dramaturgie und vergnüglichem Dialogwitz.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der  Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/lars-simon-lennart-malmkvist-und-der-ueberraschend-perfide-plan-des-olav-tryggvason-21760/

Hier entlang zum ersten Lennart-Malmkvist Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/05/31/lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen/
und hier zum zweiten Band:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/11/28/lennart-malmkvist-und-der-ganz-und-gar-wunderliche-gast-aus-trindemossen/

Der Autor:

»Lars Simon, Jahrgang 1968, hat nach seinem Studium lange Jahre in der IT-Branche gearbeitet, bevor er mit seiner Familie nach Schweden zog, wo er als Handwerker tätig war. Heute lebt und schreibt der gebürtige Hesse wieder in der Nähe von Frankfurt am Main. Bisher sind von ihm bei dtv die Comedy-Romane ›Elchscheiße‹, ›Kaimankacke‹ und ›Rentierköttel‹ sowie der Urban-Fantasy-Roman ›Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen‹ erschienen. Lars Simon ist ein Pseudonym.«

 

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Die kleinen Wunder von Mayfair

  • Roman
  • von Robert Dinsdale
  • Originaltitel: »The Toymakers«
  • Aus dem Englischen von Simone Jakob
  • KNAUR Verlag Oktober 2018   www.droemer-knaur.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • und LESEBÄNDCHEN
  • 464 Seiten
  • 20,00 € (D)
  • ISBN 978-3-426-22672-8

S P I E L R Ä U M E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Die wunderoffene Perspektive eines Kindes kann imaginativ Unmögliches möglich machen: Aus leblosen Stofftieren werden echte Tiere, aus Puppen und Figuren echte Spielgefährten, und Bilderbücher blättern buchstäblich Geschichtenräume auf. Der Schauplatz des vorliegenden Romans ist ein Spielwarenhaus, in dem Spielsachen angeboten werden, die gekonnt zwischen technischer Perfektion und Magie changieren und damit erfolgreich das kindliche Bedürfnis nach Verzauberung befriedigen und bei Erwachsenen kindheitsnostalgische Zuneigung hervorrufen.

Die entscheidenden Zutaten für die Herstellung dieses märchenhaften Spielzeugs sind neben handwerklich-künstlerischem Geschick eine lebhafte Phantasie und die Fähig- keit, sich in die Perspektive eines Kindes zurückzuversetzen. Der Inhaber des Spiel- warenhauses, des Emporiums, ist Papa Jack, dessen Spielzeugmachergabe ihm einst das Leben und die Seele rettete. Seine beiden Söhne Kaspar und Emil erfinden und produ- zieren ebenfalls Spielsachen und wetteifern um die Anerkennung ihres Vaters, der der unübertreffliche Meister seines Fachs ist.

Im Jahre 1906 ist der Spielraum für unverheiratete Mütter sehr klein. Die fünfzehn-jährige Cathy erwartet ein Kind. Ihre Eltern beabsichtigen, Cathy in einem „Heim zur Förderung der Moral“ unterzubringen, wo sie unauffällig ihr uneheliches Kind zur Welt bringen und es anschließend zur Adoption freigeben soll, um die Schande zu vertuschen.

Doch Cathy möchte ihr Kind behalten. Zufällig entdeckt sie die unkonventionelle Stellenanzeige eines Londoner Spielwarenhändlers:

„Fühlen Sie sich verloren? Ängstlich?
Sind Sie im Herzen ein Kind geblieben?
Dann sind Sie bei uns richtig.
Das Emporium öffnet beim ersten Winter-
frost seine Tore.
Keine Erfahrung erforderlich. Kost und
Logis inbegriffen …“
(Seite 24)

Cathy flieht nach London und trifft genau zur alljährlichen Großen Eröffnungsfeier des größten Londoner Spielwarengeschäfts ein. Das Emporium öffnet seine verheißungs- vollen Pforten stets mit dem ersten Winterfrost und schließt seine Pforten, sobald das erste Schneeglöckchen aufblüht. Das ist zwar eine kurze Verkaufssaison, aber das Weihnachtsgeschäft und der zauberhafte Ruf der außergewöhnlichen Spielwaren bescheren dem Emporium in dieser Zeitspanne so viele kaufwillige und kaufkräftige Kunden, daß das Geschäft den Rest des Jahres geschlossen bleiben kann.

Papa Jack und seine Söhne Kaspar und Emil widmen sich also stets von Februar bis Oktober der Erfindung und handwerklichen Herstellung neuer und verbesserter Spiel-sachen und vom ersten Winterfrost bis zum ersten Schneeglöckchenerblühen dem Verkauf ihrer Kreationen. Für die Verkaufssaison werden viele Verkäuferinnen und Verkäufer eingestellt, die während dieser Zeit auch im Emporium wohnen.

So findet Cathy unkompliziert Aufnahme in Papa Jacks Emporium und lernt von den erfahrenen Verkäufern, den Umgang mit den außergewöhnlichen Spielwaren und die Orientierung in den verwirrend beweglichen Gängen, Etagen und verschachtelten Räumen des Emporiums.

Bei den zauberhaften Spielsachen im Emporium verwischen die Grenzen zwischen feinmechanischer Raffinesse und echter Magie. Es gibt Spielzeugtruhen, die von innen wesentlich größer sind als ihre äußere Erscheinung, Spielzeugtiere, die, obwohl sie täglich aufgezogen werden müssen, eine solch lebhafte und situationsbezogene Reaktionsweise zeigen, daß man ernsthaft an ihrem handwerklichen Ursprung zweifelt, Schaukelpferde, die, bevor sie in den Verkauf kommen, erst einmal gezähmt werden müssen, Vögel aus Pfeifenreinigern, die eigentlich unmögliche Strecken fliegen können, und aufziehbare Spielzeugsoldaten, die exerzieren, marschieren, schließen und „tot“ umfallen können und mit denen man große Schlachtformationen nachspielen kann.

Es gibt zusammengefaltete Papierbäume in kleinen Schachteln, die sich nach dem Öffnen ihrer Verpackung zu lebensgroßen Bäumen entfalten, Patchwork-Hasen, die man mit Filz- und Stoffresten und Schrauben füttern kann und die dann kleine Hasen gebären, die bei entsprechender Fütterung noch kleinere Hasen gebären.

Kaspar und Emil interessieren sich beide für die zurückhaltende Cathy, und es dauert nicht lange, bis sie ihr Geheimnis entschlüsseln und dafür sorgen, daß Cathy auch nach der Verkaufssaison im Emporium bleiben darf.

Papa Jack gewährt Cathy Zuflucht, und er gewährt ihr zudem einen tieferen Einblick in seine Herkunft und seine besonderen Fähigkeiten als Spielzeugmacher. Mit einem speziellen Diorama, das Cathy gewissermaßen leibhaftig als Zeugin in Papa Jacks Ver- gangenheit transportiert, erfährt sie, wie er ein sibirisches Arbeitslager überlebt hat. Im Arbeitslager stellte er aus einfachen Zweigen, Blättern, Kiefernzapfen, Moos und Grä- sern bewegliche kleine Figuren her, deren unerklärliche Lebhaftigkeit selbst brutalste Mitgefangene und Wärter in ihren Bann zog und sie milder stimmte.

Aus dieser schweren Zeit seines Lebens stammt Papa Jacks Credo, daß Spielzeug zwar kein Leben retten kann, aber eine Seele. „Einem Menschen können die schrecklichsten –Dinge zustoßen, aber er wird sich nie verlieren, wenn er sich immer daran erinnert, dass  er einmal ein Kind war.“ (Seite 170)

Kaspar, der ältere Sohn von Papa Jack, entwirft Spielzeug, das den magisch-imaginativen Fähigkeiten seines Vaters sehr nahe kommt. Emil, der jüngere Sohn, stellt mit begeister- ter Hingabe, die aufziehbaren Spielzeugsoldaten her, die der absolute Verkaufsschlager des Emporiums sind. Allerdings funktionieren Emils Soldaten wirklich rein mechanisch und vorhersehbar, und Emil beneidet seinen Bruder um das gewisse magische Extra, das er seinen Schöpfungen zu verleihen vermag.

Nun konkurrieren die beiden auch noch um Cathys Gunst; daß sich Cathy für Kaspar entscheidet und dessen Ehefrau wird, kränkt Emil zusätzlich. Doch zunächst leben und arbeiten alle weiter zusammen, und Cathys Tochter Martha wächst in einem geborgen- en familiären Umfeld auf. Kaspar und Emil wetteifern nach wie vor alljährlich mit ihren neuen Spielzeugerfindungen gegeneinander, und man darf Kaspar durchaus vorwerfen, daß er seine erfinderische Überlegenheit gegenüber Emil übertrieben ausspielt.

Als der Erste Weltkrieg ausbricht, wird Kaspar Soldat, und Emil, der wegen seiner Herz-schwäche nicht eingezogen wird, bleibt im Emporium und genießt die konkurrenzlose Zeit. Kaspar kehrt nach Ende des Krieges traumatisiert zurück und spielt unentwegt mit einer Spieluhr, die er im Lazarett konstruiert hat. Diese Spieluhrmelodie, versetzt den Zuhörer, solange er die Kurbel dreht, in eine glückliche Lebensphase zurück, hält ihn jedoch in dieser Zeitschleife gefangen.

Martha gibt im Gegensatz zu den Erwachsenen die Versuche nicht auf, Kaspar aus seiner Erstarrung zu holen, und sie hat damit wortwörtlich spielerischen Erfolg. Kaspar ist zwar sehr verändert, aber er nimmt wieder am Leben Anteil, arbeitet tatkräftig mit und entwirft neues Spielzeug.

Diesmal tritt er jedoch auf eine Weise in Konkurrenz zu Emil, die für Emil unverzeihlich ist. Denn es gelingt Kaspar, die Spielzeugsoldaten so umzuarbeiten, daß sie sich gegen-seitig selber aufziehen können. Diese Unabhängigkeit führt dazu, daß sie langfristig eigenwillig werden und anstelle von Waffen weiße Fahnen schwenken und schließlich eine Rebellion gegen ihren ursprünglichen „Herrscher“, Emil, planen. Der ewige Streit zwischen den Brüdern eskaliert …

Das vorliegende Buch öffnet eine Spielzeug-Wunderkammer nach der anderen und erfreut den Leser mit faszinierenden Spielzeugfantasien und verspielten Geschöpfen, denen die innige Bezugnahme und kindliche Betrachtungsweise mehr Leben einhaucht, als die eingebaute Mechanik vorsieht.

Die psychologische Tiefe der menschlichen Figuren – abgesehen von Papa Jack – und ihre Beweggründe lassen indes zu wünschen übrig. Der Autor steht zudem den männlichen Figuren wesentlich näher als den weiblichen, deren Innenleben er deutlich weniger kenntnisreich auslotet und beschreibt. Folglich erscheinen die liebesgeschichtlichen Elemente des Romans blaß und beiläufig, und die angekündigte Romantik kommt zu kurz. Das unerbittliche Wetteifern zwischen Emil und Kaspar ist der dramaturgische Handlungsantrieb, der fast alle emotionalen Vorräte für sich beansprucht.

Der Einfallsreichtum des Autors bezüglich wundervoller, ja, beseelter Spielzeuge und imaginärer Spielräume ist größer, detailverliebter und hingebungsvoller als der für seine menschlichen Charaktere.

Dies führt dazu, daß man beim Lesen schließlich mehr Anteil am Schicksal der zu Be- wußtsein gekommenen Spielzeugsoldaten nimmt als an der Entwicklung der familiären Situation zwischen den konkurrierenden Brüdern und ihrem Verhältnis zu Cathy. Tat- sächlich ist das Spielzeug – insbesondere der anhängliche Patchwork-Hund Sirius und der würdevolle Kaiserliche Rittmeister – in diesem Roman sympathischer, entwicklungs- und lebenslernfähiger als die Menschen.

Gleichwohl fasziniert dieser Roman mit der Erschaffung eines Ortes, an dem Kindheits-träume wahr werden, und man erliegt gerne dem erlesenen Charme märchenhafter Spielzeugwelten.

„Wenn man jung ist, will man Spielzeug, weil man sich älter fühlen möchte. Man tut so, als wäre man ein Erwachsener, und stellt sich vor, wie das Leben später sein wird. Aber ist man dann erwachsen, ist es umgekehrt; nun will man Spielzeug, weil man sich dadurch wieder jung fühlt. Man will zurück an den Ort, wo einem nichts schaden kann, hinein in eine Zeitschleife, die aus Erinnerungen und Liebe besteht.“
(Seite 247)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.droemer-knaur.de/buch/9595139/die-kleinen-wunder-von-mayfair

 

Der Autor:

»Robert Dinsdale, Jahrgang 1981, wuchs in North Yorkshire auf. Er lebt mit seiner Tochter in Essex. Wenn er sie nicht gerade zur Schule fährt, geht er am Meer spazieren, arbeitet am Computer oder besucht die örtliche Bibliothek. „Die kleinen Wunder von Mayfair“ ist sein dritter Roman.«

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Der Galgen von Tyburn

  • Band 6 der übersinnlichen Krimi-Serie mit Peter Grant
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »The Hanging Tree«
  • Deutsch von Christine Blum
  • DTV Verlag,  Mai 2017    www.dtv.de
  • 416 Seiten
  • 10,95 € (D), 11,30 € (A), 15,50 sFr.
  • ISBN 978-3-423-21668-5

DAS  GEWISSE  MAGISCHE  ETWAS  NR. 6

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Polizeiarbeit ist gefährlich. Polizeiarbeit in Kombination mit Magie ist vielleicht noch gefährlicher, jedenfalls wenn der kriminelle Gegner ebenfalls magische Fähigkeiten mitbringt.

Für diejenigen, die hier zum ersten Male von Police Constable Peter Grant lesen, erlaube ich mir einen freundlichen Hinweis auf meine ausführliche Besprechung des ersten Bandes: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/

Ansonsten genügt es zu wissen, daß die Metropolitan Police von London neben all den normalerweise üblichen kriminalistischen Abteilungen auch über eine spezielle Abteilung für magieverdächtige Verbrechen verfügt. Diese befindet sich in einem separaten Gebäude, dem altehrwürdigen Folly. Detective  Chief Inspector Thomas Nightingale führt diese Abteilung für „abstrusen Scheiß“, wie die anderen Abteilungsleiter gerne abfällig witzeln, und Peter Grant befindet sich in der Ausbildung zum Zauberpolizisten, da seine natürliche Begabung für Magie ihn dafür prädestiniert.

Das Kollegium wird ergänzt durch den Kryptopathologen Dr. Walid und seine Assistentin Dr. Jennifer Vaughan. Neben dem ernsthaften Studium der Magie gehören lebhafte Kontakte zu allerlei magischen und halbmagischen Wesen, der sogenannten Demimonde, sowie zu diversen Naturgöttern und -Göttinnen zum Alltag von Peter Grant und Thomas Nightingale.

Erzfeind ist seit dem ersten Band der sogenannte „Gesichtslose“, ein ethisch-fragwürdiger Magier, der beiläufig im vierten Band (»Der Böse Ort«) die einstige Kollegin Peters, Lesley May, auf seine Seite der Macht gezogen hat – ein Verrat und Verlust, der Peter schwer getroffen hat.

Peter ist mit einer sehr attraktiven Flußgöttin, Beverly Brook, liiert, die ihrerseits die jüngere Schwester der Flußgöttin Lady Tyburn ist, die wiederum Peter einst im dritten Band (»Ein Wispern unter Baker Street«) das Leben gerettet hat. Diese unsterblichen Flußgöttinnen haben ganz und gar menschliche und sehr attraktive Gestalt, aber durchaus elementare magische Fähigkeiten, die man keinesfalls unterschätzen sollte. Und wenn sie einem das Leben gerettet haben, schuldet man ihnen einen Gefallen als Ausgleich.

Peter Grant hat stets einen scharfen sozioarchitektonischen Blickwinkel auf die Stadtentwicklung Londons. Diesmal führen ihn seine Ermittlungen in die Immobilie Hyde Park Nummer Eins, der er „die Eleganz und den Charme eines Kopiergeräts“
(Seite 14) attestiert. In einer dieser „teuersten Wohnungen Großbritanniens“ kam eine Jugendliche durch eine Drogenüberdosis zu Tode.

Eine Gruppe reicher, verwöhnter Jugendlicher hatte sich illegal Zutritt zu einer unge- nutzten Wohnung in Hyde Park Nummer Eins verschafft und dort ein bißchen Party gemacht. Leider hatte ein Dealer den Jugendlichen anstelle von Ecstasy sogenannte Magic Babas verkauft, die einen stärkeren Wirkstoff enthalten, der jedoch langsamer wirkt und deshalb immer wieder zu tödlichen Überdosierungen führt, da der Nutzer meint, die erste Pille sei ein wirkungsloser Blindgänger gewesen.

Ausgerechnet Lady Tys Tochter Olivia ist in diesen Fall verwickelt, da sie ebenfalls Gast auf dieser Party war, und Peter soll sie nach Lady Tys Wunsch aus den Ermittlungen heraushalten. Das gestaltet sich schwierig, weil die Personalien längst aktenkundig sind und Olivia auch noch freiwillig gesteht, daß sie ahnungslos diese Drogen gekauft habe.

Peter sitzt mal wieder zwischen den Stühlen und versucht so diplomatisch wie nur möglich, etwas mehr Licht in den Fall zu bringen. Außerdem sind Peter und Nightingale auf der Suche nach einem gestohlenen magisch-alchemistischen Buch (die dritte Principia), das keinesfalls in die falschen Hände gelangen darf. Reynard Foxman, ein „anthropomorphes Fabelwesen“, will dieses Buch verkaufen und trickstert auch sonst noch lebhaft durch die Geschichte.

Schneller als ihnen lieb ist, sind auch andere magisch bewanderte Menschen auf der Jagd nach diesem geheimnisvollen Buch. Eine Gruppe vierschrötiger Amerikaner und eine der Heilkunst verschriebene Hexe, Lady Helena, und ihre fliegende Hexentochter bemühen sich nach allen Regeln der magischen Kunst, die dritte Principia, die vom Geheimnis des ewigen Lebens handelt, in ihren Besitz zu bringen.

Der Gesichtslose steht in unvermutet naher Beziehung zum Opfer der Drogenüberdosis und sucht auf seine rücksichtslose Weise nach dem Drogendealer. Olivia erweist sich als unschuldig, enthüllt jedoch überraschende Beziehungsdynamiken.

Im Verlauf der Ermittlungen muß Peter sogar gegen Lesley kämpfen, die nicht nur ihr Gesicht –  verdächtig feenhäutig verschönert – zurückbekommen, sondern auch ihre Zauberkampfkünste durchaus verfeinert hat, während es Nightingale und Lady Helena mit dem Gesichtslosen aufnehmen. Dabei werden ein Kaufhaus, ein Parkhaus voller Luxuskarossen und einige Häuser demoliert.

Wer das Alchemie-Buch schließlich bekommt, sei hier nicht verraten. Lesley und der Gesichtslose tauchen unter, und Peter hat ein sehr ernstes, aber versöhnliches Gespräch mit Lady Ty …

Dieser sechste Fall mit dem attraktiven, sinnlich-übersinnlichen Peter Grant ist unterhaltsam, spannend und skurril, aber er erreicht nicht die spritzig-witzige, detailverliebte, quecksilbrige Lesemagie und Stringenz der Vorgängerbände.

Zu viele Zauberkundige verderben die klare Linie, zu viele Anspielungen auf die vorherigen Fälle machen den Handlungsverlauf zähflüssig und diffus. Im übrigen sind die magischen Spezialeffekte bescheiden und die witzigen Dialoge etwas eingerostet. Sehr viele Fragen bleiben offen, als wäre der sechste Band das Vorwort für den siebten …

Gleichwohl kündige ich deshalb Ben Aaronovitch gewiß nicht die Lesetreue. Ich gehe zuversichtlich davon aus, daß sich die Inspiration des Autors bis zum siebten Band wieder erholt.


Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:

https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-der-galgen-von-tyburn-21668/
Der DTV-Verlag hat den Peter-Grant-Krimis außerdem eine eigene Webseite eingerichtet:
https://www.dtv.de/special-ben-aaronovitch-urban-fantasy/startseite/c-184

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wurde  in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane  oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u.a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie  DOCTOR WHO verfasst), arbeitet er als Buchhändler.«

 

Hier geht es chronologisch geordnet zu meinen Besprechungen der ersten fünf Peter-Grant-Krimis:

Band 1: DIE FLÜSSE VON LONDON
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/21/schwarzer-mond-uber-soho/
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/28/ein-wispern-unter-baker-street/
Band 4: DER BÖSE ORT
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/30/der-bose-ort/
Band 5: FINGERHUT-SOMMER
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/14/fingerhut-sommer/

Und nachfolgend ist inzwischen auch der siebte und abschließende Band zu besichtigen:
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/06/10/die-glocke-von-whitechapel/

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/28/geister-auf-der-metropolitan-line/

Hier entlang zu Ben Aaronovitchs Schreibausflug in deutsche Gefilde:
DER OKTOBERMANN 
Eine Tobi-Winter-Story
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/11/18/der-oktobermann/

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Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

  • von Lars Simon
  • Originalausgabe
  • Roman
  • 1. Band der Lennart-Malmkvist-Reihe
  • DTV Verlag,  Oktober 2016    http://www.dtv.de
  • Taschenbuch
  • 432 Seiten
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21651-7

MÖGE  DER  MOPS  MIT  DIR  SEIN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Für die Schnelleser vorab: Ein junger, erfolgreicher Unternehmensberater mit Liebesallergie erleidet einen dramatischen Karriereknick und befindet sich unverhofft in der Umschulung zum Magier.

Hinter dem etwas sperrigen Titel „Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen“ verbirgt sich ein komplex angelegter Roman mit kriminellen, kulinarischen und magischen Elementen sowie eigenwilligen, geheimnisvollen und kapriziösen Charakteren. Der Erzähl- fluß ist ausführlich und gemächlich sowie auf unterhaltsame Weise spannend. Phantasievolle Details, filmreife Situationskomik und überraschende Wendungen runden die Lektüre vergnüglich ab.

Und nun für alle, die es etwas genauer wissen wollen, die minutiöse Version: Lennart Malmkvist lebt im hohen Norden und steht auf der Sonnenseite des Lebens. Er bewohnt eine Mietwohnung in einem luxussanierten Altbau in der Västra Hamngatan, in einem der begehrtesten Stadtviertel Göteborgs. Beruflich ist er als erfolgreichster Unter- nehmensberater für die Investmentfirma HIC AB tätig, die mit Firmen aus der Medien- und Kommunikationsbranche handelt. Lennart bereitet gerade eine Präsentation für eine weitere lukrative Firmenbeteiligung vor, auf die Harald Hadding, der charismatische Herrscher der HIC AB, besonderen Wert legt.

Einen bitteren Wermutstropfen gibt es allerdings schon in Lennarts Leben. Er hat eine Liebesallergie, d.h. sobald er nach einer amourösen Begegnung auch nur den Gedanken an eine weitergehende Beziehung hegt, befällt ihn ein unerträglich juckender, pusteliger Ausschlag. Das bringt ihn stets in die Verlegenheit, sich auf keine Frau wirklich einlassen zu können.

Lennart denkt mit Vergnügen an die vergangene Nacht, die er mit seiner Kollegin Emma verbracht hat, aber seine Vorfreude, sie bald darüber aufzuklären zu müssen, daß sich nichts Bindendes aus dieser Liebeslustnacht ergeben wird, hält sich in Grenzen.

Doch jetzt ist erst einmal Wochenende, und Lennart macht sich auf den Weg einige Einkäufe (Zimtkringel, Zeitung) zu erledigen. Im Treppenhaus wird er von seiner mollig-mütterlichen Nachbarin, Maria Calvino, abgefangen, die ihn bittet, Buri Bolmen, dem Nachbarn im Parterre, einige Kostproben ihrer italienischen Kochkunst abzuliefern.

Buri Bolmen führt im Erdgeschoß des Hauses ein Geschäft für Zauber- und Scherzartikel. Nicht zum ersten Mal wundert sich Lennart, wovon Buri Bolmen eigentlich lebt, denn Kunden haben in seinem mit Kuriositäten vollgestopften Laden größeren Seltenheits- wert als die Ware. Der Inhaber von „Bolmens Skämt- & Förtrollningsgrotta“ ist schon recht betagt,  schrullig-verschmitzt und erinnert mit seinem langen weißen Bart wirklich an einen Zauberer. Er lebt mit Bölthorn, seinem mürrischen Mops, zusammen. Gegenüber Lennart ist Buri Bolmen sehr warmherzig und beinahe großväterlich-zugewandt, und Lennart hat den alten Kauz auch ziemlich gern.

In der nächsten Woche sieht und hört Lennart auf dem Weg zur Arbeit wieder einmal diesen unheimlichen, rotbefrackten Leierkastenmann, der ihn in der letzten Zeit sogar bis in seine Träume verfolgt. Im Traum hatte der Leierkastenmann Lennart nachdrück-lich darauf hingewiesen, daß er sein Schicksal annehmen müsse. Lennart ist irritiert, aber er muß sich auf seine bevorstehende und äußerst karriererelevante Präsentation konzentrieren.

Kaum eine Stunde später steht Lennart fristlos entlassen auf der Straße. Eine plötzliche unerklärliche Sprachstörung Lennarts machte die sorgfältig vorbereitete Präsentation und die zu erwartenden Firmenfusionen zunichte.

Zu Hause blockieren blinkende Polizeiwagen die Straße, und die ermittelnden Beamten informieren Lennart darüber, daß sein Nachbar Buri Bolmen ermordet wurde. Lennart wird von Kommissar Hendrik Nilsson und Kommissarin Maja Tysja vernommen, und schließlich muß er auch noch den Mops bei sich aufnehmen, da das Tier sonst im Tier- heim landen würde.

Lennart ist nicht amüsiert und der Mops offensichtlich auch nicht, aber man arrangiert sich. Maria Calvino kann den Mops, obwohl sie ihn sehr mag, leider nicht nehmen, da sie eine Hundehaarallergie hat. Sie besticht Lennart mit Gaben ihrer unermüdlichen Koch- kunst, und Lennart versucht, erst einmal zur Besinnung zu kommen.

Am nächsten Tag erhält Lennart handschriftliche Post von Advokat Cornelius Isaksson und erfährt, daß Buri Bolmen ihm sein Geschäft und die dazugehörige Immobilie vermacht habe – allerdings unter der Bedingung, daß er sich ein Jahr lang um den Laden und um den Mops kümmere. Lennart ist sprachlos, und Mops Bölthorn beginnt zu sprechen …

Für Lennart öffnet sich eine neue Welt, und er braucht eine ganze Weile, bis er die Erweiterung seiner gewohnten Wirklichkeit um eine magische Dimension akzeptiert. Unter Bölthorns kundiger Anleitung lernt er alltägliche Dinge von magisch aufge- ladenen zu unterscheiden, und so entpuppt sich der Zauberladen als perfekte Tarnung für echte Magie.

„Magie selbst ist, bis auf wenige Ausnahmen, unsichtbar. Nur ihre Auswirkung erkennt man, verstehst du?“ (Seite 252)

Die erste kleine Zauberübung besteht darin, das Zauberlehrlingsbuch aus seiner Tarnung hervorzuzaubern, was Lennart gut gelingt. Und dann wird geübt, geübt, geübt, und Bölthorn klärt Lennart beiläufig darüber auf, das er nun einer der „vier Wächter der Dunklen Pergamente“ sei und Bölthorn sein Adlatus.

Vor beinahe tausend Jahren bannten vier Magier den bösen Geist von Olav Krähenbein in ein steinernes Amulett und seine dunkle Magie in ein Pergament aus der Haut eines schwarzen Wolfes. Das Amulett wurde entzweigebrochen und an weit voneinander entfernten Orten tief vergraben. Das Pergament wurde gevierteilt und von den Magiern ebenfalls an getrennten Orten aufbewahrt und beschützt, damit dieser böse Geist niemals mehr die Möglichkeit hätte, an die Macht zu kommen.

Leider ist nicht alles harmlos, was Archäologen ans Tageslicht befördern, und so geschah es, daß die Amuletthälften wieder zusammengefügt wurden. Nun ist der Schattengeist Olav Krähenbein auf der Suche nach den Pergamenten …

So weit – so klassisch, aber die Zeit drängt, denn der Mord an Buri Bolmen dürfte mit dieser sagenhaften Schattenfigur in Zusammenhang stehen. Außerdem ist Lennarts Kollegin Emma plötzlich verschwunden, und jemand ist in den Zauberladen einge- brochen und hat ihn gründlich durchsucht; das Schwarze Pergament befindet sich nicht mehr in seinem üblichen Versteck.

Lennarts bester Freund, Frederik Sandberg, ist Computerspezialist, Hacker und Star-Wars-Liebhaber. Auf Lennarts Bitte hin recherchiert er illegal nach Emmas Personalakte im System der HIC AB und stellt fest, daß man sich erstaunlich viel Mühe damit gegeben habe, diese ansonsten gänzlich unauffällige Akte zu verstecken.

Wie hängt das alles zusammen? Wer ist Freund und wer ist Feind? Gibt es Gnome und Feen und woran erkennt man sie?  Wer oder was ist der Leierkastenmann? Wer ist der Mörder?

Die strenge, unterkühlt-attraktive Kommissarin Maja Tysja findet indes Lennart ver- dächtig, da er mit dem wertvollen Haus in der Västra Hamngatan ein nicht unbeträcht- liches Erbe von Buri Bolmen erhalten hat. Komplikationen über Komplikationen; wenigstens gibt es regelmäßig köstliches, italienisches Essen bei Maria Calvino, sonst wären Lennart und Bölthorn längst entkräftet.

Wie diese zauberhaft-gefährliche Geschichte tatsächlich ausgeht, verrate ich natürlich nicht, nur, daß dieses vorläufige Ende schon den Anfang der nächsten Geschichte einleitet; es bleiben genug lose Fäden und ungeklärte Andeutungen, die reichlich magieverdächtigen Stoff und zwischenmenschliche Verstrickungen für eine Fortsetzung bieten. Außerdem muß Lennart unbedingt noch viel besser zaubern lernen …

Lars Simons Schreibstil ist atmosphärisch, spannend und abwechslungs- reich sowie bisweilen feinsinnig-nachdenklich, seine Figurenzeichnung ist lebhaft und sinnlich-anschaulich, er läßt sich Zeit, die Charaktere auszumalen, seine phantasievollen magischen Details sind amüsant und dramaturgisch raffiniert, wie beispielsweise das Keksdosenorakel, das nur auf gereimte Fragen antwortet und dabei einen hohen Anspruch an die Reimqualität des Fragenstellers pflegt – ein Garant für heitere Wortduelle zwischen zwei sehr ungleichen Sprachkünstlern.

Besonders gelungen ist die Beziehungsdynamik zwischen Lennart und Bölthorn. Anfänglich distanziert-kritisch entwickelt sie sich zu einer sehr kooperativ-zugeneigten Gemeinschaft. Als magischer Profi muß Bölthorn angesichts von Lennarts magischem Analphabetismus zwar noch oft mit den Mopsaugen rollen, doch langsam wächst Lennart mit „Mut, Entschlossenheit und Vertrauen“ in seine neue Heldenrolle hinein.

Das läßt vorfreudig darauf hoffen, daß es mit Lennart und Bölthorn im Folgeband zauberhaft weitergehen wird.

 

PS:
Ich empfehle die Lektüre ausdrücklich nur mit vollem Magen, denn die überaus leckeren italienischen Unendlichkeitsmenüs, die Lennarts Nachbarin Maria Calvino serviert, kann man sonst nur schwer aushalten. 😉

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/lars-simon-lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen-21651/

Hier entlang zur verlagseigenen Webseite zum Buch mit Übersichtskarte und Fotos von Romanschauplätzen, Autoreninterview mit zauberhaften Hinweisen auf die Fortsetzung der Lennart-Malmkvist-Mops-Reihe und einem leckeren Nachtischrezept … 
https://www.dtv.de/special-lars-simon-lennart-malmkvist-und-der-ziemlich-seltsame-mops-des-buri-bolmen/start/c-1067

Hier entlang zum zweiten Band: Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/11/28/lennart-malmkvist-und-der-ganz-und-gar-wunderliche-gast-aus-trindemossen/
Hier entlang zum dritten, mopsfidelen Band: Lennart Malmkvist und der überraschend perfide Plan des Olav Tryggvason:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/01/26/lennart-malmkvist-und-der-ueberraschend-perfide-plan-des-olav-tryggvason/

 

Der Autor:

»Lars Simon, Jahrgang 1968, hat nach seinem Studium lange Jahre in der IT-Branche gearbeitet, bevor er mit seiner Familie nach Schweden zog, wo er als Handwerker tätig war. Heute lebt und schreibt der gebürtige Hesse wieder in der Nähe von Frankfurt am Main. Bisher sind von ihm bei dtv die Comedy-Romane ›Elchscheiße‹, ›Kaimankacke‹ und ›Rentierköttel‹ sowie der Urban-Fantasy-Roman ›Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen‹ erschienen. Lars Simon ist ein Pseudonym.«

 

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Fingerhut-Sommer

  • Band 5 der übersinnlichen Peter-Grant-Reihe
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »Foxglove Summer«
  • Übersetzung ins Deutsche
  • von Christine Blum
  • Deutsche Erstausgabe August 2015,   DTV-Verlag   www.dtv.de
  • 416 Seiten
  • 10,95 € (D)
  • ISBN 978-3-423-21602-9
  • EPUB
  • 400 Seiten, 7,99 € (D & A)
  • ISBN 978-3-423-42725-8
    fingerhut-sommer-9783423216029

DAS  GEWISSE  MAGISCHE  ETWAS  Nr. 5

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Allerdings, dass kein Beweis für etwas da ist, ist nicht unbedingt ein Beweis dafür, dass etwas nicht da ist.“ (Seite 77)

Dieses Zitat möge als kleine Einstimmung in einen Krimi mit magischen Zutaten dienen. Wenn Sie die Peter-Grant-Reihe noch nicht kennen, sollten Sie zunächst meine Besprechung des ersten Bandes anklicken, um sich mit den außergewöhnlichen und übersinnlichen Rahmenbedingungen vertraut zu machen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/

Also nicht nur anklicken, auch lesen, wenn ich bitten darf … ich warte hier solange gaaaanz geduldig auf Ihre Rückkehr … hmhm – sehr brav … also weiter im Text:

Peter Grant, der attraktive und sehr sympathische Police Constable im Falle magie- verdächtiger, krimineller Energien, wird von seinem Chef, Detective Chief Inspector Thomas Nightingale, aufs Land geschickt. DCI Nightingale ist der letzte praktizierende Meistermagier Englands und Leiter der geheimnisvollsten und zugleich meistbe- lächelten Spezialabteilung für „abstrusen Scheiß“ der Metropolitan Police Londons.

In einem Dorf in Nord-Herefordshire sind zwei elfjährige Mädchen verschwunden, die „gewöhnliche“ Polizei ergreift die üblichen Maßnahmen: Angehörigenbetreuung, groß- angelegte Suchaktionen, Zeugenbefragungen, Recherchen, die aasgeierigen Medien möglichst weit auf Abstand halten usw.

Eigentlich soll Peter nur routinemäßig ausschließen, daß Hugh Oswald, ein ehemaliges Mitglied der Magiergilde, der zufällig in der Nähe des Dorfes zurückgezogen seinen Ruhestand pflegt, nichts mit dem Fall zu tun hat. Denn ein gewisser abtrünniger Magier, der sogenannte „Gesichtslose“, manipuliert für sein zauberhaftes Unwesen gelegentlich altgediente Zauberer und macht sie zu Instrumenten seiner dunklen Absichten. Erst kürzlich – im letzten Fall „Der böse Ort“ https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/30/der-bose-ort/ – war es ihm gelungen, Lesley May, Peters Kollegin in Polizei- und Zauberdiensten, auf seine Seite der Macht zu locken, und Peter leidet noch immer unter diesem Verrat.

Hugh Oswald lebt in einem Turm und züchtet Bienen. Er ist indes schon so alt und geschwächt, daß sich seine bienenfleißige Enkelin um ihn kümmern muß. Nach einem freundlichen Gespräch bei Tee und Honiggebäck sowie einer kooperativen Turmbe- sichtigung nebst Bienenstock schließt Peter aus, daß Hugh Oswald etwas mit dem Entführungsfall zu tun hat.

Gleichwohl bietet Peter Grant den örtlichen Polizeikollegen seine Unterstützung an, denn bei Kindesentführung kann er nicht achselzuckend zur Tagesordnung übergehen, auch wenn zunächst keine magischen Einflüsse erkennbar sind.

Nach dem üblichen kollegialen Geplänkel wegen Peters „inoffizieller“ Sonderabteilung greifen die Kollegen jedoch herzhaft zu und integrieren Peter in die laufende Ermittlung. Er bekommt Akteneinsicht, und dabei fallen ihm doch einige magieverdächtige Kleinig- keiten auf: so hatte eines der entführten Mädchen eine unsichtbare Freundin und die Mikroprozessoren in den aufgefundenen Handys der Mädchen waren zu Sand zerbröselt – eine eindeutige Nebenwirkung magischer Energie.

Außerdem gilt die Gegend als ein Ort gehäufter Ufosichtungen – als wären Peters Leben und sein beruflicher Status nicht schon kompliziert genug.

Zu Peters Freude taucht Beverley Brook auf, eine leibhaftige Flußgöttin, mit der Peter in London auf vertrautem, und verspielt-verliebtem Fuße weilt. Sie unterstützt ihn bei seinen Nachforschungen mit ihren speziellen Landschaftslesefähigkeiten und kümmert sich zugleich rührend um erotische Entspannungsübungen und betörende Übersinnlich- keiten.

Magische Handlungen und magische Wesen hinterlassen sogenannte „Vestigia“, magische Spuren, die sich jedoch an Gegenständen und Gebäuden länger speichern als an natürlichen Objekten. Dementsprechend schwierig ist die magische Spurensicherung und Deutung in dieser ländlichen Umgebung, und Peter studiert die örtlichen Sagen und Legenden, um Anhaltspunkte zu finden. Nach und nach verbinden sich alte Geschichten von Wechselbälgern und neuere Berichte von Ausreißerkindern zu konkreten Hinweisen, wo der Aufenthaltsort der Mädchen sein könnte …

Schließlich muß sich Peter mit gar nicht niedlichen Einhörnern herumschlagen, diversen Fremdbetörungen widerstehen und sich auf einen Tauschhandel mit einer undefinier- baren Art von Fae einlassen …

Zwischendurch trudeln noch etwas zusammenhanglose, kryptische Kurzmitteilungen der abtrünnigen Kollegin Lesley May ein, die eine Bedrohung andeuten, die wohl erst im nächsten Band eine Rolle spielen wird.

Im Vergleich zu den quecksilbrig-quirligen, sehr aufregenden ersten vier magiever- dächtigen Fällen ist der fünfte Fall deutlich entschleunigt und kommt mit angenehm wenig Blutvergießen aus. Irgendwie ahnt man von Anfang an, daß den Mädchen kein Leid angetan wurde; spannend sind nur die Enträtselung ihres Verschwindens und Wiederkehrens sowie die Aufdröselung der damit verbundenen familiären Verstrickungen.

Die Schilderung der bürokratischen Handlungs- und Verantwortungshierarchien sowie die Maßnahmenvorschriften der Polizei bekommt vielleicht etwas viel Raum, wird jedoch durch die durchgängig witzig-ironischen und situationskomischen Dialoge unterhaltsam ausgeglichen.

Die Betrachtungen zur Auswirkung stur-gerader alter Römerstraßen auf die wildge- schwungenen Wegegewohnheiten ortsansässigen Feenvolkes verbreiten durchaus märchenanspielerischen Schmunzelgenuß.

Der Schauplatz London, der in den vorhergehenden Bänden die Kulissenhauptrolle gespielt hat, scheint sowohl Peter Grant als auch seinem Autor wesensnäher zu sein. In „Fingerhut-Sommer“ ist Peter Grant deutlich abzulesen, daß ihn das viele Grünzeug irritiert. Ohne Beverley Brooks naturkundliche Kenntnisse würde er ahnungslos Fingerhuttee trinken und sich dann über seine „Vergeistigung“ wundern.

Die menschlichen Charaktere sind in diesem Fall einfach durchschaubarer, harmloser und provinzieller und die magischen Wesen deutlich „altmodischer“ als die, welche sich in Londons Großstadtgetriebe herumtreiben.

„Fingerhut-Sommer“ bewegt sich an der Grenze zum Genre des Kuschel-Krimis, zumal Peter Grant hier soviel Tee trinkt wie in den vorangegangenen Bänden zusammen. Mich stört dies nicht, gleichwohl sollte es Erwähnung finden. Wer Kriminalromane mit aggressiverer Handlung bevorzugt, sollte sich also anderes Lesefutter suchen oder die ersten vier Bände nocheinmal lesen.

Im fünften Band ist Peter Grant in magischer Hinsicht, bis auf die Hilfe von Beverley Brook, ganz auf sich selbst gestellt. Vielleicht ist dieser Fall deshalb nicht ganz so dramatisch und gefährlich, sozusagen ein mild-spannendes Vorwort zum sechsten Band, in dem hoffentlich wieder alle – vielleicht sogar die abtrünnige Lesley May – ihren Zauberstab schwingen.

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-fingerhut-sommer-21602/

Der DTV-Verlag hat den Peter-Grant-Krimis außerdem eine eigene Webseite eingerichtet: https://www.dtv.de/special-ben-aaronovitch-urban-fantasy/startseite/c-184

PS:
Der sechste Band »The Hanging Tree« erscheint im Mai 2017 bei DTV unter dem deutschen Titel »Der Galgen von Tyburn«.

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u.a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie DOCTOR WHO verfasst), arbeitet er als Buchhändler.«

Hier geht es zu den chronologischen Besprechungen der ersten vier Peter-Grant-Krimis:

Band 1 : DIE FLÜSSE VON LONDON
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/21/schwarzer-mond-uber-soho/
Band 3: EIN WISPERN UNTER BAKER STREET
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/28/ein-wispern-unter-baker-street/
Band 4: DER BÖSE ORT
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/30/der-bose-ort/

und hier geht es weiter zu den Folgebänden:

Band 6: DER GALGEN VON TYBURN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/07/27/der-galgen-von-tyburn/
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/06/10/die-glocke-von-whitechapel/

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/28/geister-auf-der-metropolitan-line/

Hier entlang zu Ben Aaronovitchs Schreibausflug in deutsche Gefilde:
DER OKTOBERMANN 
Eine Tobi-Winter-Story
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/11/18/der-oktobermann/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Der Glühwürmchensommer

  • von Gilles Paris
  • Übersetzt von Carina von Enzenberg
  • Roman
  • Bloomsbury Berlin Verlag   März2015        http://www.berlinverlag.de
  • 224 Seiten
  • Gebunden, mit Schutzumschlag und LESEBÄNDCHEN
  • 16,99 € (D), 17,50 € (A), 22,90 sFr.
  • ISBN: 978-3-8270-1229-6
    Glühwürmchensommer

ELTERN  WAREN  AUCH  MAL  KINDER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Der Glühwürmchensommer“ ist ein sonniges Buch, in dem es zwar durchaus um Leben und Tod geht, aber auf eine so nonchalante Art, daß es berührt, aber nicht bedrückt. Es handelt zudem von der Liebe und ihren Spielarten und von unaufdringlich-übersinnlichen Wahrnehmungen, zu denen empfindsame Kinder leichter Zugang finden als Erwachsene.

Der neunjährige Victor Beauregard ist der Ich-Erzähler des „Glühwürmchensommers“. Seine Familienverhältnisse sind recht unkonventionell: Seine Eltern leben getrennt, wollen aber verheiratet bleiben, sein Vater arbeitet als Fotograf für Reiseführer und reist dementsprechend viel, seine Mutter hat eine Buchhandlung und liest dementsprechend viel.

Seine hübsche vierzehnjährige Schwester verliebt sich öfter als ihr guttut, und seine sogenannte zweite Mama ist die argentinische Malerin Pilar, die sich nach der ersten Buchempfehlung sofort in Victors Mama verliebt hat und seitdem zur Familie gehört.

Victors Vater scheint ziemlich negligeant zu sein, er öffnet seine Post nicht, versäumt Rechnungstermine und weigert sich, das Urlaubsdomizil, das er von seiner verstorbenen Schwester Félicité geerbt hat, jemals wieder zu betreten, da dieser Ort für ihn mit einem Kindheitstrauma belastet ist. Die Mutter behauptet, der Vater weigere sich, erwachsen werden.

Dennoch ist er ein liebevoller, großherziger Vater und offenbar auch nicht eifersüchtig auf Pilar, die er einfach akzeptiert, da sie seiner Ansicht und auch Victors Ansicht nach eine wohltuende Zugabe zum „normalen“ Familienleben ist, auf Mama Nr. 1 aufpaßt und den Alltag mit einer Prise Magie bereichert: z.B. legt sie Tarotkarten und schmuggelt den Kindern kleine Feengeschenke unters Kopfkissen.

Victor sehnt sich sehr nach seinem Vater und nach seiner ganz alltäglichen Anwesenheit. Es ist sein größter Wunsch, daß sie wieder alle zusammenleben, und es wäre auch wunderbar, wenn sein Vater mit an die Côte d‘Azur käme.

Weder die Mutter noch der Vater haben jemals Victors Fragen nach dem belastenden Ereignis aus der Vergangenheit des Vaters beantwortet. Er wird mit der Bemerkung abgespeist, seine Tante Félicité sei kein guter Mensch gewesen und er sei noch zu klein für weitere Informationen.

Doch die Geister der Vergangenheit lassen sich nicht totschweigen, und sie werden noch großen – erlösenden – Einfluß auf den Verlauf dieses Sommerurlaubs haben.

So fährt nun die gesamte Familie – ohne den Vater – auch in diesem Sommer wieder nach Roquebrune-Cap-Martin bei Nizza in die vornehme Résidence, in der sich das geerbte Vier-Zimmer-Appartement befindet.

Victor hat dort einen guten Freund, Gaspard. Außerdem freundet er sich endlich mit Justine an, für die er schon seit dem vergangenen Sommer schwärmt. Die drei Kinder gehen gemeinsam schwimmen und erkunden die Umgebung.

In der Résidence residiert schon seit Jahrzehnten eine Baronin, und auch mit dieser freundet sich Victor an, denn er ist ein warmherziger, höflicher und durchaus schon charmanter Charakter, der offenbar auch bei älteren Damen Sympathie weckt. Von der Baronin erfährt er, daß die ungewöhnlich große Anzahl Glühwürmchen, die in diesem Sommer die Nächte beleuchten, eine besondere, wunscherfüllende Magie mitbrächten, der er Vertrauen schenken solle.

Es zeigt sich, daß die Baronin Tante Félicité kannte; und ihre Beschreibung von Félicités Wesensart schließt für Viktor einen Teil der Wissenslücken über die Kindheit seines Vaters und dessen Verhältnis zur eigenen Schwester.

Bei einem Spaziergang lernt Victor dann noch die Zwillinge Tom und Nathan kennen, die zwar sehr wasserscheu sind, indes aber über einen geheimnisvollen Schlüsselbund verfügen, mit dem sie sich Zugang zu den schönen Gärten und zeitweise unbewohnten Villen vor Ort verschaffen können. Freundlich laden sie Victor zu diesen heimlichen Besichtigungstouren ein und haben auch nichts dagegen, daß Gaston und Justine mitkommen.

Begeistert, entdeckungsfreudig und achtungsvoll dringen die Kinder in verwunschene Gärten und sehr schöne Villen ein und genießen den Reiz des Verbotenen. Tom und Nathan wissen zu jedem Gebäude interessante Hintergrundgeschichten zu erzählen, was die Faszination erhöht.

Indes ist es die Absicht der Zwillinge, Victor die Wahrheit über das tragische Ereignis aus der Kindheit des Vaters zu vermitteln und Victors Vater auf Umwegen dazu zu bringen, sich seinen Ängsten zu stellen.

Dies gelingt ausgesprochen spektakulär und hat viele positive Nebenwirkungen …

„Der Glühwürmchensommer“ ist ein Buch mit viel Sonne, Wind und Meer und bunten Schmetterlingen zwischen den Zeilen. In einem ruhigen, unaufgeregten Tonfall legt Victor Zeugnis ab von einem Sommer voller neuer Lebensweichenstellungen und läßt uns teilhaben an seiner kindlichen Perspektive voller Lebensneugier, Poesie, Feingefühl und Liebesspürsinn.

Außer Zwergen kann jeder groß werden, körperlich jedenfalls. Das ist das, was man mit den Augen sehen kann. Aber innerlich groß werden, das ist schon komplizierter.“
(Seite 27)

„Aber ich möchte mit meiner Traurigkeit allein sein und warten, bis ein weißer Schmetterling sie mit seinem Flügelschlag verscheucht.“
(Seite 57)

„Schöne Worte sind wichtig, wenn man jemanden liebt, aber sich berühren und miteinander eins werden ist wie ein Schlüssel, der alle Türen aufschließt.“
(Seite 68)

Das Titelbild und das sonnengelbe LESEBÄNDCHEN korrespondieren harmonisch mit dem Buchinhalt: Licht, Luft, Meeresglühen, kindliche Unbeschwertheit, kindlicher Mut, frischer Lebensschwung und sonnige Herzenswärme.

Der Autor:

»Gilles Paris wurde 1959 in Suresnes geboren und verdingte sich nach seinem Abitur als Kellner, Medikamententester und Bürohilfe. Er war im Ministerium für Jugend und in verschiedenen Buchverlagen tätig, gründete eine Agentur für Öffentlichkeitsarbeit und schrieb für mehrere Zeitungen als freier Journalist. „Der Glühwürmchensommer“ ist sein vierter Roman.«

 

QUERVERWEIS:

„Der Glühwürmchensommer“ ergänzt sich gut mit dem Roman „TEO“ von Lorenza Gentile, den ich im Mai 2015 besprochen habe : https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/20/teo/

In beiden Geschichten geht es um die kindliche Perspektive auf erwachsene Lebensbedingungen, um die kindliche Sorge um den familiären Zusammenhalt und das kindliche Bedürfnis, die eigenen Eltern in Liebe vereint zu sehen.
TEO ist etwas philosophischer und schwerer im Vergleich zum etwas „leichtsinnigen“
GLÜHWÜRMCHENSOMMER.

Ein Wispern unter Baker Street

  • Band 3 der übersinnlichen Krimiserie mit Peter Grant
  • von Ben Aaronovitch
  • Originaltitel: »Whispers Under Ground«
  • Deutsch von Christine Blum
  • DTV Verlag, Juni 2013    ww.dtv.de
  • 445 Seiten
  • 9,95 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-423-21448-3
    ein_wispern_unter_baker_street-9783423214483

DAS  GEWISSE  MAGISCHE  ETWAS Nr. 3

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Willkommen zum dritten Abenteuer mit dem magischen Police Constable Peter Grant, der nicht mehr der einzige Zauberlehrling von Detective Chief Inspector Thomas Nightingale ist. Die magische Abteilung der Metropolitan Police Londons hat weiblichen Zuwachs bekommen:

Lesley May, Peters Kollegin aus dem „normalen“ Polizeidienst, deren schönes Gesicht im vorletzten Fall durch magischen Mißbrauch zerstört wurde, zeigte bereits im letzten Fall ein lebhaftes Interesse an Zaubertraining, weil sie hofft, daß das, was durch Magie zerstört wurde, auch durch Magie wiederhergestellt werden kann. Sie war im zweiten Band wegen ihrer Verletzungen nur mit datentechnischen Hintergrundrecherchen beschäftigt und offenbarte erst ganz am Schluß ihr magisches Naturtalent.

Thomas Nightingale, Peters Meister und Vorgesetzter, ermahnt seinen männlichen Zauberlehrling zu mehr Disziplin beim Zaubertraining, denn Peter neigt manchmal zu Improvisationen und Ablenkungen, deren Wirkungen – nett ausgedrückt – unkon- trolliert ausfallen.

Aber im Vergleich zu Nightingale, der um 1900 geboren wurde und aus noch unerklär- lichen Gründen seit den 70er Jahren rückwärts altert, ist Peter einfach noch sehr jung.

Thomas und Peter sind weiterhin auf der Suche nach „ethisch fragwürdigen Magiern“. Sie haben inzwischen herausgefunden, daß es in den fünfziger Jahren in Oxford einen „Little Crocodiles“- Club gab, dessen studentische Mitglieder illegal in Magie unterrichtet wurden. Einer dieser Burschen ist der „Gesichtslose“, mit dem Peter im zweiten Band bereits unangenehm e Bekanntschaft gemacht hat.

Doch auch die „normale“ Polizei bittet mal wieder um magischen Beistand. In einem U-Bahn-Tunnel unterhalb der berühmten Baker Street wurde die Leiche eines Kunst- studenten gefunden. Peter soll den Tatort und den Toten auf magische Einflüsse hin untersuchen. Bei der Tatwaffe, einer biskuitfarbenen Tonscherbe, wird er fündig; diese strahlt ein deutliches „Vestigium“ aus: also eine magische Spur.

Die Nachforschungen zur Herkunft der geheimnisvollen Tonscherbe führen Peter und Lesley zu diversen offiziellen und inoffiziellen Trödel- und Kunstmärkten und  in die ungeahnten Tiefen Londons: U-Bahn-Tunnel sind da noch die Spitze des Eisberges. Die Forschungsreise geht in die Abgründe der Kanalisation und verschiedene verborgene Zwischenräume und führt zur Entdeckung einer faszinierenden Population von künstlerisch begabten „Subspezies“.

Dann sind noch äußerst lebensgefährliche Dämonenfallen zu entschärfen, unzuver- läßige Halbfeen zu disziplinieren und überempfindliche Flußgöttinnen – ja, die schon wieder, wie auch in den ersten beiden Bänden – zu besänftigen. Ein zwanghaft, zyklisch wiederkehrender, graffitisprühender Geist im U-Bahn-Tunnel ist dagegen fast schon eine Erholung von den sonstigen magischen Strapazen.

Eine angenehme Abwechslung für Peter, Lesley und Thomas ist, daß sie endlich einmal einen ganz schlicht menschlichen Täter aus Fleisch und Blut zur Verhaftung abliefern können. Damit machen sie sich bei den gewöhnlichen Kollegen doch etwas beliebter.

Auch der dritte Peter-Grant-Band bietet spannende Unterhaltung, raffinierte Krimihandlung, witzige Randbemerkungen und Wortspiele, lesenswerte Charaktere und eine perfekte Dramaturgie sowie eine magische Perspektive auf die Stadt London.

Und falls Sie endlich wissen wollen, was Magie ist – hier kommt ein typisches Peter-Grant-Zitat:Ich sollte einfach behaupten, Magie entstünde durch Feenstaub oder Quantenverschränkung (was  im Prinzip das Gleiche ist wie Feenstaub, nur mit dem Wort »Quanten« drin).“  (Seite 22)

 

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/ben-aaronovitch-ein-wispern-unter-baker-street-21448/

Der DTV-Verlag hat den Peter-Grant-Krimis außerdem eine eigene Webseite eingerichtet:
https://www.dtv.de/special-ben-aaronovitch-urban-fantasy/startseite/c-184

 

PS:
Nun warte ich ungeduldig-vorfreudig auf den vierten Band, der im Mai 2014 auf Deutsch bei DTV erscheinen wird.

Für die Englischkönner ist der vierte Band bereits lieferbar:

  • „Broken Homes“
  • 2013 Orion Publishing Group
  • ISBN 978-0-575-1327-7
  • 320 Seiten, ca. 17 €

Doch bevor der vierte Band von mir für Sie „vorgelesen“ und besprochen wird, genehmige ich mir einige Nachhilfestunden in „Doctor Who“. Ben Aaronovitch hat u.a. Drehbücher für diese englische TV-Kultserie geschrieben.

Wenn ein Autor es schafft, dank seiner Schreib-und Imaginationsfähigkeit, mich – die Fernsehverächterin – dazu zu bewegen, Filme anzuschauen, will das schon etwas heißen! Ich erhoffe mir  –  neben der Science-Fiction-Unterhaltung  −  ein besseres Verständnis für die kleinen „Doctor Who“-Anspielungen, die Ben Aaronovitch in seine Peter-Grant-Serie einarbeitet.

Ich verlasse also jetzt mein Word-Programm und schalte um aufs DVD-Programm …
Tschüß – man liest sich wieder!

 

Der Autor:

»Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u.a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie DOCTOR WHO verfasst), arbeitet er als Buchhändler.«

Hier geht es zu den ersten beiden magieverdächtigen Fällen von Peter Grant:

Band 1 : DIE FLÜSSE VON LONDON
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/14/die-flusse-von-london/
Band 2: SCHWARZER MOND ÜBER SOHO
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/08/21/schwarzer-mond-uber-soho/

Und hier zu den Folgebänden:

Band 4: DER BÖSE ORT
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/04/30/der-bose-ort/
Band 5: FINGERHUT-SOMMER
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/09/14/fingerhut-sommer/
Band 6: DER GALGEN VON TYBURN
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/07/27/der-galgen-von-tyburn/
Band 7: DIE GLOCKE VON WHITECHAPEL
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/06/10/die-glocke-von-whitechapel/

Hier entlang zu einer kurzen Peter-Grant-Geschichte, etwas außerhalb der Reihe:
GEISTER AUF DER METROPOLITAN LINE
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/06/28/geister-auf-der-metropolitan-line/

Hier entlang zu Ben Aaronovitchs Schreibausflug in deutsche Gefilde:
DER OKTOBERMANN 
Eine Tobi-Winter-Story https://leselebenszeichen.wordpress.com/2019/11/18/der-oktobermann/

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