Engel, Hase, Bommelmütze

  • 24 Adventsgeschichten
  • Hrsg. von Brigitte Weninger
  • Kapitelbilder von Miriam Cordes
  • durchgehend farbig illustriert
  • 10., überarbeitete Auflage September 2017 Nord Süd Verlag  www.nord-sued.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21,5 x 25,8 cm
  • 112 Seiten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A), 25,90 sFr.
  • ISBN 978-3-314-10418-3
  • Vorlesebuch ab 4 Jahren

V I E L S T I M M IG E   HA R M O N I E

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Ein alter Hase bewundert den winterlichen Sonnenuntergangshimmel und erinnert sich dabei an seine Großmutter. Diese hatte immer behauptet, das Abendrot sei ein Zeichen dafür, daß die Engel im Himmel Plätzchen backten. Im nächsten Augenblick landet vor seiner Nase etwas unsanft ein kleiner Engel mit einer gelben Bommelmütze. Bei der Landung im Gras hat sein weißes Kleid einen feuchten Erdfleck abbekommen, und der Hase rät dem kleinen Engel, nicht daran herumzuwischen, sondern abzuwarten, bis der Fleck getrocknet sei und man ihn dann leicht ausbürsten könne.

Der Engel setzt sich nun neben den Hasen ins Laub und berichtet, daß er auf Erden unterwegs sei, um ein ganz besonderes Geschenk zu finden. Der Hase meint, daß eine saftige Mohrrübe ein wunderbares Geschenk wäre, und serviert auch gleich eine passen-de Geschichte dazu. Dem Engel gefällt diese Geschichte, und er erzählte nun auch seinerseits eine Geschichte. So wechseln sich die beiden einfallsreich mit Geschichtenerzählen ab und finden schließlich genau darin das gesuchte besondere Geschenk.

Die Rahmenhandlung und ein Teil der einzelnen Erzählgeschichten dieser Advents-geschichtensammlung sind von der Herausgeberin, Brigitte Weninger, verfaßt worden. Die Illustratorin, Miriam Cordes, hat die Einbandzeichnung und die schönen, anschmieg-samen Bilder zur Rahmenhandlung gemalt.

Des weiteren finden wir in diesem sorgfältig zusammengestellten Adventsgeschichten-buch Texte von Max Bollinger, Géraldine Elschner, Bruno Hächler, Wolfram Hänel, Marcus Pfister, Karl Rühmann, Gerda Maria Scheidl und Leo Tolstoi. Die Namen dieser Autoren hätten – aus Respekt vor ihnen – auch unter den Überschriften zu den einzelnen Erzählungen genannt werden sollen. Es reicht meiner Einschätzung nach nicht hin, diese nur im Inhaltsverzeichnis aufzuführen. 

Illustratorisch schmücken das Werk außerdem Bilder von Sonja Bougaeva, Alexandra Junge, Anne Möller, Birte Müller, Marcus Pfister, Mirko Rathke, Judith Rossell, Elena Schern, Nina Spranger, Eve Tharlet und  Julie Wintz-Litty.

Brigitte Weninger bettet die einzelnen Geschichten einfühlsam in die Rahmen- handlung ein und verbindet sie sehr geschickt. Der inhaltliche Erzählfluß wirkt wie aus einem Guß, obwohl viele Autoren ihren Beitrag leisten. Die Bilder der unterschiedlichen Illustratoren sind stilistisch abwechslungsreich und erscheinen oft ganz- oder doppelseitig, was ebenso der kindlichen Betrachtung wie der vorleserischen Bildkulisse anschaulich entgegenkommt.

Die Adventsgeschichten aus  „Engel, Hase, Bommelmütze“ sind ausgesucht warmherzig, hintergründig, märchenhaft, schelmisch, verspielt und weise. Selten findet man vorweihnachtliche Geschichtensammlungen, bei denen die Text-Zusammenstellung so stimmig ist wie hier. „Engel, Hase, Bommelmütze“ bietet gefühlvolle, gleichwohl völlig kitschfreie, vorweihnachtliche Vorlesekost. Solch substanzielle Geschichten kann man sich mit Vergnügen auch wiederholt – alle Jahre wieder – wohlbekömmlich zu Gemüte führen.

 

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://nord-sued.com/programm/engel-hase-bommelmuetze/

Die Autorin und Herausgeberin:

»Brigitte Weninger, geboren 1960 in Kufstein, Österreich, arbeitete 20 Jahre lang als Kindergartenpädagogin, bevor sie sich ganz dem Schreiben zuwandte. Sie hat mehr als 60 Bücher veröffentlicht, die in 40 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden sind. Daneben engagiert sie sich besonders für die Lese- und Schreibförderung und die Erzählkultur.« http://www.brigitte-weninger.at/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/
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Aus der Ferne Auf der Kippe

  • von Wilhelm Genazino
  • BILDER  UND  TEXTE
  • dtv Verlag  Juli 2012                       http://www.dtv.de
  • 132 Seiten
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978-3-423-14126-0
    aus_der_ferne_auf_der_kippe-9783423141260

BILDERGEDANKEN  UND  GEDANKENBILDER

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Bilder sprechen eine Sprache, die jeder ein wenig anders versteht, dennoch kann man von einer gewissen Allgemeinverständlichkeit ausgehen.

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino hat alte Photographien ausgesucht und zusammengestellt, die ihn zu kleinen assoziativen Geschichten, möglichen Deutungen und imaginierten Psychogrammen angeregt haben. Es sind professionelle Photos, Postkarten und ganz private, angestaubte Aufnahmen, die er auf Flohmärkten und in Antiquariaten aufgestöbert hat. Egal ob künstlerisch komponiert, laienhaft inszeniert oder unscharf und verwackelt: Jedes Bild kommt zu Wort.

Der Autor erläutert auf dem Buchrücken: Der Schriftsteller, der das Poetische erobern will, muss Kontakt mit übersehenen Details aufnehmen und mit diesen in eine Art Versenkung eintreten.“

Die Ergebnisse von Genazinos Versenkung in bedeutungsvolle Nebensächlichkeiten stehen in Form kleiner, sehr dichter Texte von maximal einer Seite Länge neben den jeweiligen Photographien.

Die Betrachtungen, die Wilhelm Genazino zu den Bildern anstellt, sind nachdenklich, amüsant, manchmal abgründig. Sie sind ironisch, ohne zu verletzen: menschliche Schwäche, Eitelkeit, Verletzlichkeit, Lächerlichkeit, Widersprüchlichkeit und Würde werden auf mitfühlende Weise und mit einer alltagstauglichen Prise Phantasie nacherzählt.

So kommt es zu interessanten Miniaturen der Merkwürdigkeiten des menschlichen Lebens und der scheinbar sprachlosen Dinge, die in Wirklichkeit sehr vielsagend sein können. Mein Lieblingsbeispielsatz dazu:

Das Eingeknicktsein der Kissen ist das Zeichen für die Unüberwindbarkeit der Wohnzimmer.“ (Seite 86)

Das Paradoxe aller Photographie wird in diesem „Bilderbuch“ überdeutlich: Einerseits der Versuch der Verewigung des Augenblicks, andererseits die nicht zu übersehende Tatsache, daß die Lebensdauer der meisten Photos bei weitem die der abgebildeten Lebewesen übersteigt.

Die anspielungsreiche Inanspruchnahme der Bilder durch Worte und die damit verbundene einladende Aufforderung, nicht flüchtig, sondern genau hinzuschauen, gewährt den verblassenden Dokumenten vergangener Lebensaugenblicke und dem willigen Mitbetrachter und Leser eine Atempause mit durchaus tiefsinnigen Einsichten.

Dieses Buch ist ein passendes Geschenk für alle an Photographie Interessierten. Die Verbindung von Bild und hintersinniger Textreflexion verspricht und hält abwechslungsreiche Kurzweil.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/wilhelm-genazino-aus-der-ferne-auf-der-kippe-14126/

Der Autor:

»Wilhelm Genozino wurde 1943 in Mannheim geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist, später als Redakteur und Hörspielautor. Als Romanautor wurde er 1977 mit seiner »Abschaffel«-Trilogie bekannt. Für sein umfangreiches Werk wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, u.a. erhielt er 1998 den Großen Literaturpreis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste, 2004 den Georg-Büchner-Preis, 2007 den Kleist-Preis, 2011 wurde er in die Akademie der Künste gewählt. Seine Taschenbücher erscheinen im DTV-VERLAG.«

Die Spieluhr

  • Eine Novelle
  • von Ulrich Tukur
  • Ullstein Verlag Berlin, Oktober 2013          http://www.ullstein-verlag.de
  • in Leinen gebunden
  • 150 Seiten
  • 18  €
  • ISBN 978-3-550-08030-2
  • Taschenbuchausgabe  Oktober 2014
  • 10,99 €
  • ISBN 978-354-861234-8
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B  I  L  D  E  R  R  E  I  G  E  N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Die Spieluhr“ von Ulrich Tukur ist eine musische, malerische und musikalische Geschichte, poetisch, geheimnisvoll und vielschichtig; sprachlich wunderbar geschliffen, anziehend altmodisch, niveauvoll  –  ja: ELEGANT. Ich bin hingerissen, solches Sprachgut bei einem Autoren der Gegenwart erlesen zu dürfen!

Ulrich Tukur, der den meisten wohl als Schauspieler bekannt sein dürfte und vielleicht auch als Musiker und Sänger der Tanzkapelle „Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys“, offenbart mit der Novelle „Die Spieluhr“ ein weiteres beachtliches Talent als Schriftsteller.

Der Autor erzählt von den Dreharbeiten zur Filmbiographie der Malerin Séraphine Louis. Im Film verkörpert er Wilhelm Uhde, einen deutschen Kunstsammler, der 1912 bei einem Urlaubsaufenthalt in der französischen Kleinstadt Senlis das außergewöhnliche Maltalent von Séraphine entdeckt und fördert.

Ulrich Tukur beginnt als Ich-Erzähler mit der Gegenwart seiner Ankunft am Drehort, leitet dann über in die Vergangenheit und beschreibt einfühlsam Wilhelm Uhde und Séraphine Louis sowie die unkonventionelle Begegnung und Verbindung zwischen akademischer Kultiviertheit und mystisch-religiösem Naturtalent.

Zurück in der Gegenwart berichtet der Autor von einem Problem bei den Dreharbeiten: Der Filmarchitekt hat trotz umfänglicher Hausbesichtigungen noch nicht den passenden Drehort für die Inszenierung von Séraphines Unterkunft gefunden. Der Regisseur will keinen Studioaufbau, sondern unbedingt etwas Echtes.

Der Regieassistent Jean-Luc, der fertiges Filmmaterial nach Paris zum Entwickeln bringen soll, verschwindet spurlos und taucht sichtlich erschüttert zwei Tage später wieder auf und erzählt, daß er unterwegs zufällig (oder schicksalhaft) ein verborgenes Schloß entdeckt habe. Dort befände sich ein Raum, der sich perfekt als Séraphines Filmzimmer eigne. Er hätte schon alles mit dem Schloßherrn besprochen, der sogar bereit sei, die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Jean-Luc versucht seine irrlichternden Erfahrungen mit dem geheimnisvollen Schloß und seinen Bewohnern in Worte zu fassen; nicht ganz zu Unrecht befürchtet er, von seinen Zuhörern für verrückt gehalten zu werden. Der Schloßherr, der Marquis von Montrague, hat ihn freundlich und mit bescheidener Gastlichkeit im Küchengewölbe aufgenommen. Beim Abendbrot erklingt eine betörend schöne Musik aus der oberen Etage, und der Marquis erklärt, daß sein Sohn Amadé im alten Spiegelsaal Cembalo spiele; der Sohn habe das musikalische Talent einer Ahnin aus dem 18. Jahrhundert geerbt.

Während der Marquis erzählt, wie diese Ahnin, Marie-Élisabeth de Courtils, dank ihrer musikalischen Virtuosität und ihrer besonderen Schönheit zur Zeit der Französischen Revolution  – wortwörtlich – ihren Kopf retten konnte, schaut Jean-Luc gewissermaßen durch die Augen des Marquis auf das Portrait der Marquise Marie-Élisabeth de Courtils. Sodann sieht er, wie die Bildleinwand aus dem Rahmen gelöst wird; dahinter erscheint ein Schloßsaal, der vom revolutionären  Pöbel gestürmt und verwüstet wird… Plötzlich sitzt er wieder im Küchengewölbe und lauscht dem Bericht des Marquis, der inzwischen von den Verhältnissen im Schloß zur Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg berichtet.

Schließlich begleitet der Schloßherr Jean-Luc zu seinem Gastzimmer und erwähnt beiläufig, daß dort einst eine Magd gewohnt habe, die später als Malerin zu Ruhm gekommen sei. Auf dem Weg dorthin passieren sie eine Portraitgalerie; im unbeständigen Kerzenlicht  –  das Schloß verfügt nicht über einen Stromanschluß  –  scheinen die abgebildeten Personen seltsam bewegt und lebendig zu sein. Der Marquis schickt seinen Gast mit der ausdrücklichen Bitte und Warnung zu Bett, des Nachts keinesfalls sein Zimmer zu verlassen.

Jean-Luc inspiziert die altmodische Kammer und betrachtet eine gerahmte, sentimentale Mariendarstellung. Als er den Kerzenleuchter näher an das Bild hält, öffnet sich der gemalte Mund und die Madonna spricht zu Séraphine und gibt ihr Anweisungen zum Mischen der Farben für ein Gemälde des Paradiesbaumes…

Der Regisseur und die anderen Filmkollegen nehmen diese seltsame Geschichte erst einmal so hin und fahren für den Rest des Tages mit den Dreharbeiten fort. Nach Drehschluß soll Jean-Luc dem Aufnahmeleiter und dem Filmausstatter das Schloß zeigen. Er fährt mit ihnen den gleichen Weg, den er genommen hatte, aber es findet sich kein Schloß. Auf die scherzhafte Frage, welche Sorte Drogen er denn eingenommen habe, reagiert Jean-Luc empört; er macht sich alleine auf die weitere Suche und verschwindet im Wald.

Jean-Luc bleibt verschwunden und wird als vermißt gemeldet. Die Dreharbeiten gehen weiter und werden abgeschlossen. Ulrich Tukur genießt den letzten Sommerabend vor seiner Abreise auf der Terrasse seines Hotelzimmers und reflektiert selbstkritisch über seine Darstellung des Wilhelm Uhde. Unverhofft erscheint Jean-Luc in sehr abgerissener Verfassung auf der Terrasse, bittet um Speise und Trank und vertraut Ulrich Tukur die Fortsetzung seiner unglaublichen Geschichte an.

Trotz der Warnung des Marquis hatte Jean-Luc seine Schlafkammer verlassen undwar dem Klang der überirdischen Cembalomusik gefolgt, die ihn zum Spiegelsaal führte. Amadé, der Cembalospieler, freute sich sehr über den Besuch Jean-Lucs und ein wenig Unterhaltung und empfing ihn mit gutem alten Wein. Doch das im Saal befindliche, seltsam leuchtende Gemälde der Marquise Marie-Élisabeth de Courtils beanspruchte Jean-Lucs ganze Aufmerksamkeit, und er war mehr denn je unwiderstehlich angezogen von ihrer verheißungsvollen Schönheit und Ausstrahlung. Amadé machte sich zwar lustig über Jean-Lucs  Entflammtheit, führte ihm jedoch auch vor, wie er durch das Aufziehen einer magischen Spieluhr in die Welt hinter dem gemalten Bild gelangen könnte…

Nach dieser Beichte verschwindet Jean-Luc erneut, und erst ein halbes Jahr später erfährt Ulrich Tukur im Zusammenhang mit den Synchronisationsarbeiten zum Film, daß sich Jean-Luc erhängt hat. Außerdem hat er einen Brief für Ulrich Tukur hinterlassen. Dieser Brief und seine Betroffenheit über den Tod  des jungen Mannes veranlassen ihn, den Spuren Jean-Lucs zu folgen und sich selbst auf die Suche nach dem eigentümlichen Schloß zu begeben.

Er findet das wirklich-unwirkliche Schloß im Jahre 1944 und betritt eine Reihe von changierenden Räumen; Gobelins führen in wirkliche Landschaften, und Landschaften wieder in geschlossene Räume, Menschen gelangen in Bilder und Bilder in Menschen, man weiß nicht mehr, ob Menschen Bilder betrachten oder umgekehrt. Die Spieluhr spielt nach einer traumwandlerischen Choreographie mit Raum und Zeit und Leben.

Auch äußerlich hat dieses faszinierende Buch viel zu bieten:
Es ist in puderig-blaugrünes Leinen gebunden, mit einem floralen Motiv im Goldprägedruck als Titelbild, die Vorsatzblätter sind aus schwarzem, atlasseidig anmutendem Papier, die Serifen-Typographie  » Centaur «  ist reizvoll antiquarisch, gleichwohl gut und sehr klar leserlich. Das Verlagslogo ist unauffällig, beinahe unsichtbar ins Leinen eingeprägt, und es gibt ein LESEBÄNDCHEN. Ich liebe Lesebändchen, sie sind schön, praktisch und luxuriös.

Die Gestaltung (von Sabine Wimmer, Berlin) des Buches läßt es wie ein neues, altes Buch erscheinen, das gut in ein Buchhändlerschaufenster von 1913/14 gepaßt hätte. Angesichts unserer plakativen, bildinflationären Sehgewohnheiten ist diese Buchgestalt von wohltuender Unaufdringlichkeit und harmoniert ausdrücklich mit dem feinsinnigen Text.

Zum Ausklang noch ein Zitat als Leseleckerbissen:

„Ich sammelte die herausgefallenen Kerzen ein, steckte sie zurück und zündete sie an. Die Gegenstände um mich herum, ihrer nächtlichen Gestaltlosigkeit entrissen, flossen zögerlich zurück in die Form, die ihnen vom Licht bestimmt war.“ (Seite 54)

 

Der Autor:

»Ulrich Tukur, 1957 in Viernheim geboren, ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise, 2013 wurde ihm der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache verliehen. 2005 erschien sein Erzählungsband Die Seerose im Speisesaal. Ulrich Tukur lebt mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, in Venedig.«