Der Kinder Kalender 2021

  • Mit 52 Gedichten und Bildern aus der ganzen Welt
  • Wochenkalender
  • Herausgegeben von der
  • Internationalen Jugendbibliothek München www.ijb.de
  • Mehrsprachig
  • Erschienen im
  • Verlag edition momente, Juni 2020  www.edition-momente.com
  • Graphische Gestaltung: Max Bartholl
  • 60 Blätter
  • 52 vierfarbige Illustrationen
  • Format: 30,5 x 33 cm
  • Spiralbindung
  • 20,00 € (D/A), 30,50 sFr.
  • ISBN 978-3-0360-5021-8
  • Für Kinder jeden Alters

POESIETAPETE  FÜRS  KINDERZIMMER

Kalenderbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Wieder und wieder komponiert „Der Kinder Kalender“ aus dem Verlag edition momente einen ebenso anregenden wie harmonischen Zusammenklang von Wort und Bild, Gefühl und Verstand, Kind und Welt.

„Der Kinder Kalender 2021“ bietet eine angenehm spielerische Gelegenheit, jede Woche gemeinsam mit Ihrem Kind oder Ihren Kindern ein Gedicht „einzunehmen“. Die Auswahl der Gedichte für diesen Kalender wird von den Mitarbeitern der Internationalen Jugendbibliothek* München alljährlich aus dem reichen Fundus der gesammelten Kinderbücher aus aller Kinder Länder vorgenommen.

Vor dem illustratorischen Originalhintergrund findet sich das Poem in der Originalsprache und –Schrift sowie in einer einfühlsam-professionellen deutschen Übersetzung. So ergänzt sich der unmittelbare Augenschmaus von Illustration und teilweise exotischem Schriftbild mit dem vorgelesenen Ohrenschmaus des Gedichtes.

Vielsaitige Stimmen und Stimmungen kommen hier zu Wort: ein unver- besserliches Kind, drahtige Prinzessinnen, gesprächige Semikolons, ein klagendes O, Meere, Muscheln und Melonen, Fische und Fruchtfliegen, Giraffen und Glühwürmchen, Katzen und Mäuse, Freundschaft, Dank- barkeit, Schmetterlinge, Eisbären, Hydranten, ein Würstchenreigen, Teddybären, Gedanken, Gefühle und Träume, ein Loblied des Buchs, ein magisches Hexenlied, das Geräusch von Seifenblasen, der Trost des Mondlichts, Wind und Wetter und Geblätter …

Die Gedichte sind oft heiter und manchmal ernst, sie sind schläfrig und putzmunter, verträumt und achtsam, städtisch und ländlich, geheimnisvoll und offensichtlich, albern und tiefsinnig, leicht und schwer, selbstironisch, frech, freiheitsliebend – kurz gesagt: Die Kinderlyriktöne, die hier ange- schlagen werden, changieren abwechslungsreich zwischen feinsinniger Poesie und einfacher Belustigung und zeigen dabei eine erfreuliche Welten-weite. An solch einem reichhaltigen und noch dazu internationalen Gedicht- bufett wird wohl jeder Geschmack satt.
Auch die Illustrationen warten mit unterschiedlichen Gestaltungsmitteln und einer großen Bandbreite künstlerischer Stile und Darstellungsformen auf; es wird kunterbunt und monochrom gemalt, gezeichnet, collagiert und kombiniert. Dabei ist die Korrespondenz zwischen Gedicht und Bild stets gelungen, wozu auch die farbliche, grafische und typografische Gestaltung des Kalenderblatt-Layouts durch Max Bartholl, den Hausgrafiker des Verlags edition momente, nicht unwesentlich beiträgt.

Als animierende Zugabe gibt es zudem ein freigebliebenes Kalenderblatt, das die Kinder selber „bedichten“ und bemalen können. Dieses selbstge- staltete Kalenderblatt kann bis zum 1. Dezember 2021 an die Internationale Jugendbibliothek* gesandt werden, welche die fünf schönsten Blätter auswählt und mit einem Kinder Kalender 2022 honoriert.

„Der Kinder Kalender 2021“ wirkt dem Mangel an Poesie im kindlichen Alltag wirksam entgegen. Ein zwangsloses Gedicht pro Woche, das zum Schmunzeln bringt oder zum Nachspüren und Mitdenken anregt, leistet einen nachhaltigen Beitrag zur Förderung der kindlichen Sprachkompetenz und wortwörtlichen Ausdrucksvielfalt und weckt beiläufig auch die kindliche Neugier auf andere Sprachen.

Und auch für den Erwachsenen, dem bei Vorschul- und Leseanfänger- kindern hier die Rolle des Vorlesers zukommt, dürfte es ein bereicherndes Vergnügen sein, wenn ihm gemeinsam mit dem Kind allwöchentlich ein Gedicht zu Ohren kommt und vielleicht sogar zu Herzen geht.

Gerne weise ich darauf hin, daß sich die „abgelaufenen“ Kalenderblätter, die man nicht selber sammeln oder einrahmen möchte, hervorragend als Bastel-, Brief-, Collagen- oder Geschenkpapier eignen und auf diesem Wege auch noch sinnvoll „weitergesagt“ werden können.

 

Hier entlang zum Kinder Kalender 2021 und zur Blätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.edition-momente.com/kalender/kinder-kalender-2021.html

 

* »Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg in München hat, ist die weltweit größte und renommierteste Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von der deutsch-jüdischen Emigrantin Jella Lepman gegründet, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, mit Kinderbüchern Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen. Bücher sollten die Fantasie der deutschen Nachkriegskinder anregen und ihnen eine offene Weltsicht vermitteln.
Die Idee des interkulturellen Dialogs und die Liebe zu guter Literatur bestimmen seit mehr als 60 Jahren die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist ein Ort, an dem die Literaturver- mittlung einen hohen Stellenwert hat und an dem mit Kindern und Erwachsenen der Diskurs über Bücher, Autoren, Illustratoren und Themen gesucht wird
.«  Weitere Informationen:  http://www.ijb.de

Wer Mitglied im »Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek« wird, der bekommt u.a. im ersten Jahr den Kinder Kalender als Begrüßungsgeschenk. http://www.ijb.de/ueber-uns/freundeskreis.html

 

Es sei auch darauf hingewiesen, daß der Verlag edition momente außer dem hier besprochenen Kinder Kalender noch vier weitere bemerkenswerte Kalender publiziert:

Der Klima Kalender 2021  (Besprechung meinerseits folgt)
Unser blauer Planet – Schönheit und Gefahren
Herausgegeben von Hermann Vinke
https://www.edition-momente.com/kalender/klima-kalender-2021.html

Der Literatur Kalender 2021 (Besprechung meinerseits bereits erfolgt)
Momente der Hoffnung
Texte und Bilder aus der Weltliteratur
Herausgegeben von Elisabeth Raabe
https://www.edition-momente.com/kalender/literatur-kalender-2021.html

Der literarische Küchenkalender 2021
Mit Texten, Rezepten & Bildern
Herausgegeben von Sybil Gräfin Schönfeldt
https://www.edition-momente.com/kalender/literarischer-kuechenkalender-2021.html

Der Musik Kalender 2021
Musiker und ihre Sehnsuchtsorte
https://www.edition-momente.com/kalender/musik-kalender-2021.html
Als ebenso lesens- wie hörenswertes Gesamtkunstwerk empfehle ich für den Musik Kalender 2021 gerne die meisterhafte Besprechung von Random Randomsen: https://randomrandomsen.wordpress.com/2020/11/17/veredeln-statt-verubeln-%f0%9f%98%89/

 

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

Frag mich!

  • 118 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen
  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag, Neuausgabe August 2012   http://www.moritzverlag.de
  • Flexcover, Fadenheftung
  • Format 15.3 x 15,3 cm
  • 240 Seiten
  • 15,- € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-250-9
  • Bilderbuch ab 5 Jahren
    Frag mich! Titelbild

A U S D R Ü C K L I C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das handliche Bilderbuch „Frag mich!“ von Antje Damm ist eine anschau- liche Einladung zum Gespräch zwischen Kindern und Erwachsenen.

Auf jeder Doppelseite finden wir eine Frage und eine dazugehörige Illustration, die zwar eine mögliche Antwort anbietet, diese jedoch nicht festlegt, sondern – gewissermaßen als Stichwortgeber – einen großen, assoziativen Wahrnehmungsspielraum eröffnet, der je nach der kindlichen Wesensart und Lebenserfahrung ganz unterschiedlich gefüllt werden kann.

Es sind einfache Fragen, naheliegende, lustige und ernste, oft alltäglich sinnlich-konkrete, aber auch Fragen zu familiär-freundschaftlichen Gefühlsangelegenheiten und Sozialverhaltensaspekten, die das Kind beantworten kann.

Wenn ein dem Kind zugewandter Erwachsener gemeinsam mit ihm durch diesen bunten Fragenkatalog blättert und wenn den kindlichen Antworten und den sich daraus ergebenden Geschichten aktiv zugehört wird, ermög- licht dieses Bilderbuchbühnenbild eine spielerische Übung in Selbstaus- druck, Selbstverständnis und Sprachkompetenz. Dieses Buch bietet vielfältige Denk-, Fühl- und Erinnerungsanstöße, und es fördert die kindliche Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion.

Beide folgen der Spur einer Frage und lassen sich von den Antworten überraschen. Im offenen Gespräch mit dem Kind wird zugleich mit- menschliches, mitweltliches und sprachliches Interesse geweckt, und vielleicht kommt sogar bisher Ungesagtes zu Wort. Denn das ist die wesentliche Absicht dieses Buches: Kinder ausdrücklich zu Wort kommen zu lassen.

Selbstverständlich entfaltet dieses Buch seine Wirkung nur, wenn ein erwachsener Vorleser und Zuhörer „mitspielt“. Doch diese pädagogische Bereitschaft setze ich zumindest bei den Lesern dieser Buchbesprechung optimistisch voraus.

 

FRAG MICH Glaube

Text & Foto von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

FRAG MICH geerntet

Text & Illustration von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

FRAG MICH Schuhe

Text & Foto von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Frag-mich.html

Querverweis:

Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Der Besuch https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Hasenbrote https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das? https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt als Autorin von Kinderbüchern mit ihrem Mann und ihren vier Töchtern in der Nähe von Gießen. Dank ihrer Töchter begann sie sich vermehrt für Bilderbücher zu interessieren und einige zu veröffentlichen.
Für ihr Bilderbuch DER BESUCH https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/  erhielt sie den Leipziger Lesekompass 2015.«

 

Digitale Demenz

  • Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen
  • von Manfred Spitzer
  • Droemer Verlag 2012, http://www.droemer.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • 367 Seiten
  • 19,99 €
  • 978-3-426-27603-7
    Spitzer, Digitale Demenz

BITTE  SCHALTEN  SIE  IHR  GEHIRN  EIN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul©

Möchten Sie gerne Ihr Gehirn besser kennenlernen, geistig auf der Höhe bleiben oder sogar eine neue Stufe erklimmen und mit geschärftem Bewußtsein die falschen Versprechungen der digitalen Revolution durchschauen?

Dann lesen Sie dieses Buch!

Die einzigen weiteren Zutaten, die Sie zur intellektuellen Verarbeitung des in diesem Buch angebotenen Wissens brauchen, sind Ihre Lesekompetenz, ungeteilte Aufmerk- samkeit, Denkfähigkeit und Selbstkontrolle. Kurz gesagt:  Sie brauchen ein lernfähiges Gehirn; einen Bildschirm oder einen Computer brauchen Sie für dieses Wissenswachstum nicht!

Ich setzte hier einen erwachsenen Leser voraus, der in seiner Kindheit und Jugend noch nicht den „Segnungen“ der digitalen „Lernverhinderungsmaschinen“ ausgesetzt war und der eine komplexe Hirnstruktur aufbauen konnte und sich dementsprechend auf einer geistigen Höhe befindet, die sein Kind oder Enkelkind vielleicht schon gar nicht mehr erreicht.

Bereits im Jahre 2007 wählten südkoreanische Ärzte den Begriff „digitale Demenz“, um die bei jungen Erwachsenen zunehmenden Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie Sozialkompetenzdefizite zu beschreiben.

Manfred Spitzer stellt in seinem Buch viele wissenschaftliche medizinische Studien und Experimente vor, die das Lernverhinderungspotential digitaler Medien beweisen.

Der übermäßige und viel zu früh (Baby-TV ab 9 Monaten!) einsetzende „Genuß“ von Bildschirmmedien und digitalen Medien minimiert die Gehirnbildung, wirkt sich nachweislich negativ auf den Spracherwerb und die Lesekompetenz aus, führt über Bewegungsmangel, Streß und Schlafstörungen sogar zum Absterben von Nervenzellen, hat ein hohes Suchtpotential (Online-Computerspiele), läßt die sozialen Gehirnregionen verkümmern und verbequemt zu geistiger und emotionaler Oberflächlichkeit.

„Digitale Medien führen dazu, dass wir unser Gehirn weniger nutzen, wodurch seine Leistungsfähigkeit mit der Zeit abnimmt. Bei jungen Menschen behindern sie zudem die Gehirnbildung; die geistige Leistungsfähigkeit bleibt also von vornherein unter dem möglichen Niveau. Dies betrifft keineswegs nur unser Denken, sondern auch unseren Willen, unsere Emotionen und vor allem unser Sozialverhalten.“ (Seite 322)

Die Erkenntnisse der Neurobiologie zeigen, daß Lerninhalte besser und tiefer im Gedächtnis verankert werden, wenn sie in einem zwischenmenschlichen Kontext vermittelt und erarbeitet worden sind. Beim Lernen wird nicht einfach eine  Information von der Außenwelt ins Gehirn „umgefüllt“, sondern die sensomotorischen Begleiterscheinungen der Informationswahrnehmung und  -Verarbeitung sowie die konzentrierte Aufmerksamkeit führen zur Vertiefung, zur langfristigen und komplexen synaptischen Gedächtnisspur.

Auch soziales Denken und Empathie lernt ein Kind durch reale Kontakte und Erfahrungen; je mehr wirkliche zwischenmenschliche Begegnungen und „greifbare“ Freundschaften ein Kind erlebt, umso stärker werden seine sozialen „Muskeln“ bzw. die neuronale Verknüpfungsdichte in der für diesen Bereich zuständigen Gehirnstruktur.

Für erfolgreiches und nachhaltiges Lernen ist außerdem eine ausreichende Menge an Schlaf wichtig, weil im Schlaf Kurzzeitgedächtnisinhalte ins Langzeitgedächtnis transportiert werden.

Körperliche Bewegung ist ebenso unerläßlich, weil sich dadurch das Wachstum von Nervenzellen vermehrt.

Dies sind nur einige „lernenswichtige“  Aspekte.

Und nun lassen Sie sich bitte durch den Kopf gehen, daß der durchschnittliche Medien- konsum  von Neuntkläßlern in Deutschland  im Jahre 2009 täglich bereits mehr als sieben Stunden betrug!

Liebe Leser, Eltern, Erzieher, Lehrer und Mitmenschen, Sie können sich ausrechnen, wie wenig Zeit da noch für das Leben und Lernen in und an der Wirklichkeit bleibt, ganz zu schweigen von den Nebenwirkungen: Internetsucht, Schlaf- und Bewegungsmangel, Übergewicht, Depression, Vereinsamung, dem Verlust der Konzentrationsfähigkeit durch Multitasking und der wortwörtlichen digitalen Oberflächlichkeit gesurfter Informationsflüchtigkeit sowie vom Aggressions- und Gefühlsabstumpfungslerneffekt kriegerischer Computerspiele.

Trotzdem lobpreisen sogenannte Medienpädagogen die „Medienkompetenz“ als das Bildungswerkzeug an sich. Diese Behauptung und dieses neue Bildungsexperiment stehen im Dienste kommerzieller Interessen und nicht im Interesse des Kindeswohles oder gar der Demokratisierung des Zuganges zu Wissen.

Das leider weit verbreitete Mantra, daß man Kinder so früh wie nur möglich mit digitalen Medien vertraut machen soll, ist nichts weiter als eine Vermarktungsstrategie großer Elektronikkonzerne und Medienunternehmen, die sich ihre zukünftigen Konsumenten schon von ganz klein auf heranzüchten/herandigitalisieren wollen.

Überspitzt könnte ich hier schreiben: Eine Gehirnwäsche-Werbestrategie, die zum Ziel hat, das Gehirn immer mehr auszuschalten, damit man immer mehr darauf angewiesen ist, den Computer einzuschalten – nach dem Motto: Ich google, also weiß ich. Na, dann – gute Nacht, gesunder Menschenverstand!

Je mehr Denkleistung wir in technische Geräte auslagern, wir also denken lassen, anstatt selbst zu denken, umso mehr schrumpft unser geistiges Vermögen.

Besonders bedenklich und empörend ist in diesem Zusammenhang, daß auch öffentliche Institutionen im Chor der Mediengläubigen mitsingen, wie z.B. die Enquete-Kommission »Internet und digitale Gesellschaft« des Deutschen Bundestages.

Medienkompetenz? Die Anwenderkenntnisse für die Benutzung eines Rechners zu erlernen ist wahrlich kein schulfachfüllender Stoff. Ein technisches Gerät bedienen zu können ist nicht gleichbedeutend mit der Erhöhung und Verbesserung meines Wissens, geschweige denn meiner Lern-und Konzentrationsfähigkeit. Genau das wird jedoch unerklärlicherweise  –  und im Widerspruch zu neurobiologischen Erkenntnissen über Lernvorgänge  –  der Anwesenheit von mobilen Computern in Kindergärten und Schulen unterstellt.

Wenn ich weiß, wie ich einen Elektroherd ein- und ausschalte und die Temperatur reguliere, verhilft mir das keineswegs  automatisch  zu Kochkenntnissen. Medienpäda- gogen tun jedoch gerne so, als verströme sich die künstliche Intelligenz ganz mühelos und ohne den lästigen Umweg über geistige Anstrengung  ins Kinderköpfchen.

„Geistiges Training – Lernen – vollzieht sich wie beim Muskel automatisch bei geistiger und körperlicher Anstrengung. Geistig strengen wir uns an, wenn wir uns aktiv mit der Welt auseinandersetzen.
Beim Lernen verändern sich die Synapsen, also die Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Die Leistungsfähigkeit des Gehirns wird gesteigert. Hinzu kommt, dass im Hippocampus, der für die Speicherung neuer Sachverhalte zuständig ist, neue Nervenzellen nachwachsen, die nur dann am Leben bleiben, wenn sie richtig gefordert werden. Lernen nutzt nicht nur die vorhandene neuronale Hardware, sondern benutzt auch neu nachgewachsene und hält sie am Leben. Damit ist eines klar: Wie leistungsfähig wir geistig sind, hängt davon ab, wie viel wir geistig leisten.“
(Seite 60/61)

Vor der Medienkompetenz sollten Sprachkompetenz, Lesekompetenz, Denkkompetenz und Sozialkompetenz auf dem Stundenplan stehen. Wenn diese geistigen Fähigkeiten ausgebildet sind, kann ein Kind z.B. sinnvoll im Internet recherchieren, Wesentliches von Unwesentlichem trennen und wissenswerte Zusammenhänge  erkennen und herstellen, einfach weil es schon über eine Allgemeinbildungsgrundlage verfügt. Wenn im Anschluß daran der Medienkompetenzunterricht ein Aufklärungsunterricht wäre, der die Schüler dazu anregt und anleitet, die medialen Möglichkeiten kritisch zu hinterfragen und verantwortungsbewußter mit den digitalen Angeboten umzugehen, dann wäre dies begrüßenswert.

Sprach-Lese-Denk- und Sozialkompetenz verbessern Bildungschancen, doch genau diese Geistesgaben werden durch zu frühe und zu intensive Mediennutzung geradezu ver- hindert. Trotzdem wetteifern Schulen und Kindergärten darum, wer mehr Computer zur Verfügung hat. Keiner will den vermeintlichen Fortschritt verpassen, den digitale Medien ins Gehirn der Nutzer transportieren sollen. Der Umsatz mit mobilen Rechnern macht ganz gewiß große Fortschritte auch durch den flächendeckenden Einsatz in Kinder- und Klassenzimmern. Doch kognitive Fortschritte für die Kinder sollte man sich davon nicht versprechen!

Medienpädagogen, Medienexperten, E-Learning-Vertreter und Gewaltspiele-Verharm- loser brauchen ganz dringend Nachhilfeunterricht in Neurobiologie und nicht noch mehr und noch jüngere kindliche Versuchskaninchen, die marktwirtschaftlichen Interessen preisgegeben werden.

Manfred Spitzer ist ein Autor, dem Kinder wirklich am Herzen liegen, und er begegnet dem digitalen Marktgeschrei mit fundiertem Expertenwissen über die neurologischen Gegebenheiten des kindlichen und des erwachsenen Gehirns. Wir bekommen reichlich wissenschaftliches „Beweismaterial“ für den schädlichen Einfluß übermäßigen und vor allem zu früh einsetzenden digitalen Medienkonsums.

„Digitale Demenz“ ist ein wertvolles Buch, nicht nur wegen seines informativen und aufklärenden geistigen Gehalts, sondern auch wegen seines Engagements für ethische und pädagogische Werte.

Beschützen Sie Ihr Kind vor der massiven digitalen Verdummung, und erlauben Sie die Nutzung von Computer, Internet und TV nur in kontrollierten und altersgemäßen Dosierungen.

Bitte schalten Sie Ihr Gehirn ein, und lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen! Lesen Sie dieses Buch, lernen Sie aus diesem Buch und schwimmen Sie gegen den digitalen Strom!

Und denken Sie immer daran: Die beste Verlinkung ist die „Synapsenverlinkung“ in Ihrem eigenen Gehirn, da haben Sie Ihr Wissen, Ihr Können und Ihre Erfahrungen wortwörtlich verkörpert und stets zur steckdosenfreien Verfügung.

 

Der Autor:

»Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, geboren 1958, leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, darunter die Bestseller „Lernen“ und „Vorsicht Bildschirm!“ und „Digitale Demenz“. 2004 – 2013 moderierte er die wöchentliche Sendereihe „Geist & Gehirn“ auf Bayern Alpha. Manfred Spitzer ist einer der bedeutendsten deutschen Gehirnforscher. Kaum jemand kann wissenschaftliche Erkenntnisse derart pointiert und anschaulich präsentieren.«

PS:
Leider gibt es dieses Buch inzwischen nur noch elektronisch und zwar zum Schleuderpreis von 0,99 €.
Hier entlang zum E-Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.droemer-knaur.de/ebooks/7928373/digitale-demenz-wie-wir-uns-und-unsere-kinder-um-den-verstand-bringen

 

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