Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet

  • Die 100 häufigsten Fragen und Antworten
  • von Sylvia Harke
  • Verlag Via Nova   März 2016  www.verlag-vianova.de
  • kartoniert
  • 286 Seiten
  • Format: 15,5 x 22 cm
  • 18,95 € (D), 19,50 € (A)
  • ISBN 978-3-86616-356-0

ENDLICH  HOCHGESCHÄTZT: HOCHSENSIBILTÄT

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Zum Thema Hochsensibilität gibt es noch reichlich aufklärerischen Bedarf, sowohl für Menschen, die mit dieser neurologisch bedingten Gabe ausge- stattet sind, als auch für die sogenannten Normalsensiblen – schließlich müssen wir alle miteinander auskommen, und gegenseitiges Verständnis ist hilfreich, erleichtert die Kommunikation und das Zusammenleben.

Hochsensibilität ist nicht ansteckend, denn sie ist keineswegs eine Krank- heit, Neurose oder Heulsusigkeit, sondern ein angeborenes Persönlichkeits- merkmal, das bei ungefähr 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung auftritt. Hochsensible Menschen HABEN nicht Hochsensibilität, sondern sie SIND hochsensibel!

Hochsensible verfügen über eine sehr differenzierte Wahrnehmung und ausgeprägte Empathie. Sie denken in größeren Zusammenhängen, sie neigen zu Reflexion, zu Verantwortungsbewußtsein und Sorgfalt, zu schöngeistigen Interessen und zu Naturverbundenheit. Meist sind sie empfindsame Idealisten, denen Wettbewerbs-mentalität fremd ist und die Wahrheitsliebe und Gerechtigkeitssinn wertschätzen. Tiefsinnige Gespräche und Qualitätsbeziehungen liegen ihnen deutlich näher als oberflächlicher „Smalltalk“ und flüchtige Bekanntschaften.

Oft interessieren sie sich schon in der Kindheit für metaphysische und philosophische Fragen und haben Freude an künstlerischem Selbstausdruck. Phantasie, Intuition und Selbstgenügsamkeit sind vertraute und zuverlässige Begleiter hochsensibler Menschen, sofern man ihnen diese Begabungen nicht „aberzieht“.

Die kognitive und sensorische Wahrnehmung ist bei Hochsensiblen intensiver und detailreicher. Dies führt einerseits zu einer wesentlich tieferen und komplexeren neurologischen Informationsverarbeitung und zu einem sehr guten Gedächtnis; andererseits ist der Punkt der Reizüberflutung schneller erreicht. Daher rührt u.a. die Abneigung Hochsensibler gegenüber Lärm, Hektik, Menschenmassen und Gewalt (etwa Gewaltszenen in Filmen und Büchern).

Wenn alle  Erfahrungen einen langen und nachhaltigen, emotionalen Nachgeschmack hinterlassen, ist es ratsam, die Reizmenge zu dosieren und für ausreichenden Entspannungsausgleich zu sorgen.  Die kommerzialisierte, laute, naturentfremdete, stumpfherzige und konkurrenzbetonte neoliberale Arbeits- und Lebenswelt ist für Hochsensible besonders belastend. Es gelingt nicht jedem, sich gegenüber ungesunden Normierungen abzugrenzen, und die Anpassung an wesensfremde Bedingungen kann auf die Dauer zu Chronischer Erschöpfung, Depression und Burn-out führen.

Das vorliegende Buch bietet eine eingängige Einführung in die Hochsensibilität und gibt gezielt und komprimiert Antwort auf 100 Einzelfragen. Die Fragen sind nach sinnvollen Oberbegriffen geordnet und erlauben ein direktes Nachschlagen bei den Themen, die den jeweiligen Leser besonders ansprechen. Es werden die Lebensbereiche Beruf, Partnerschaft, Kindheit, Streßverarbeitung, Gesundheit, Gesellschaft und Spiritualität aufgegriffen. Jedes Kapitel klingt mit einer Liste konstruktiver Affirmationen aus.

Im Kapitel „Hochsensible und ihr Gefühlsleben“ findet sich zudem eine bemerkenswert klare und einleuchtende tabellarische Darstellung der wissenswerten Unterschiede zwischen emotionaler Intensität (Hochsensibilität) und emotionaler Instabilität (Bipolare Störung, Borderline, Folgen komplexer Traumatisierungen und anderer Persönlichkeitsstörungen).

Im Kapitel „Hochsensible Kinder“ listet eine ebenfalls sehr stringente tabellarische Darstellung die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ADHS und Hochsensibi- lität auf. Dies sind wichtige Informationen, die ein Kind vor Fehldiagnosen bewahren können.

Dieses Buch entstand als Fortsetzung zu Sylvia Harkes erstem Buch „Hochsensibel – Was tun?“ (erschienen 2014 beim Verlag Via Nova:
https://www.verlag-vianova.de/hochsensibel-was-tun.html).

Die Autorin hat die vielen neuen und zum Teil auch provokanten Fragen zum Thema Hochsensibilität, die im Verlauf ihrer Seminar– und Vortragstätigkeit an sie gestellt wurden, gesammelt und im vorliegenden, sehr praxisbezogenen Buch schlüssig und lösungsorientiert beantwortet.

„Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet“ informiert umfassend über das Phänomen der Hochsensibilität, erklärt kompetent viele Detailfragen und erfreut durch lebensnahe Anregungen zum konstruktiven Umgang mit feinfühligen „Antennen“ und filterloser Wahrnehmung. Die Autorin ermutigt Hochsensible zu Selbsterkenntnis und zur Selbstwertschätzung ihrer hochsensiblen Eigenschaften sowie zur Selbstrücksichtnahme auf die persönlichen, empfindsamen Bedürfnisse.

Hochsensibilität birgt ein reiches Bündel achtsamer, empathischer, harmonisierender, idealistischer, kommunikativer, musischer, sozial- kompetenter und zwischenmenschlicher Fähigkeiten, die für jede Gesellschaft bereichernd und im Idealfall wegweisend sind.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.verlag-vianova.de/hochsensibel-ist-mehr-als-zartbesaitet.html

Die Autorin:

»Sylvia Harke ist Diplom-Psychologin und selbst hochsensibel. Sie lebt in Süddeutschland und gründete mit ihrem Mann Arno die hsp academy. Gemeinsam halten sie Vorträge und Seminare zur Hochsensibilität. Die Autorin ist Expertin in den Bereichen HSP Coaching, Kreativitätsförderung und Kinderpsychologie.«  mehr unter: www.hsp-academy.de

Querverweis:

Ein weiteres leselohnendes Buch über Hochsensibilität habe ich voriges Jahr rezensiert.
»Hochsensibel. Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potenzial entfalten«
von Eliane Reichardt: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/06/20/hochsensibel/
Das Thema hat SEHR große Publikumsresonanz und einen ellenlangen Kommentarschweif (da fanden sich viele Hochsensible) ausgelöst …

Musikalischer Querverweis:

Die Stuttgarter Sängerin und Liedermacherin Rebekka Adam kann sogar ein Lied von Hochsensibilität singen: https://beckyadam.wordpress.com/2013/10/17/13/

Weiterführende Webseiten zur Hochsensibilität:

Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität,
IFHS e.V. in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
www.hochsensibel.org
www.zartbesaitet.net
www.ifhs.ch

(Berufs-)verband pro Sensitivität und Empathie im Beruf,  VSEB e.V.: www.vseb.org

Hilfe für hochsensible Kinder und Jugendliche: www.hochsensiblehilfe.de

Wer gerne wissen möchte, ob er hochsensibel ist, kann den nachfolgenden kleinen Test absolvieren. HSP-Test-Fragebogen: http://www.zartbesaitet.net/survey/site.php?a=su_onepage&su_id=1

Wer mag, kann mir seine hochsensible Punktezahl in der Kommentarsektion kundtun.
Ich habe 282 ……………………………………………………………………………………………………………………….

 

 

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Frag mich!

  • 118 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen
  • von Antje Damm
  • Moritz Verlag, Neuausgabe August 2012   http://www.moritzverlag.de
  • Flexcover, Fadenheftung
  • Format 15.3 x 15,3 cm
  • 240 Seiten
  • 15,- € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-89565-250-9
  • Bilderbuch ab 5 Jahren
    Frag mich! Titelbild

A U S D R Ü C K L I C H

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das handliche Bilderbuch „Frag mich!“ von Antje Damm ist eine anschau- liche Einladung zum Gespräch zwischen Kindern und Erwachsenen.

Auf jeder Doppelseite finden wir eine Frage und eine dazugehörige Illustration, die zwar eine mögliche Antwort anbietet, diese jedoch nicht festlegt, sondern – gewissermaßen als Stichwortgeber – einen großen, assoziativen Wahrnehmungsspielraum eröffnet, der je nach der kindlichen Wesensart und Lebenserfahrung ganz unterschiedlich gefüllt werden kann.

Es sind einfache Fragen, naheliegende, lustige und ernste, oft alltäglich sinnlich-konkrete, aber auch Fragen zu familiär-freundschaftlichen Gefühlsangelegenheiten und Sozialverhaltensaspekten, die das Kind beantworten kann.

Wenn ein dem Kind zugewandter Erwachsener gemeinsam mit ihm durch diesen bunten Fragenkatalog blättert und wenn den kindlichen Antworten und den sich daraus ergebenden Geschichten aktiv zugehört wird, ermög- licht dieses Bilderbuchbühnenbild eine spielerische Übung in Selbstaus- druck, Selbstverständnis und Sprachkompetenz. Dieses Buch bietet vielfältige Denk-, Fühl- und Erinnerungsanstöße, und es fördert die kindliche Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion.

Beide folgen der Spur einer Frage und lassen sich von den Antworten überraschen. Im offenen Gespräch mit dem Kind wird zugleich mit- menschliches, mitweltliches und sprachliches Interesse geweckt, und vielleicht kommt sogar bisher Ungesagtes zu Wort. Denn das ist die wesentliche Absicht dieses Buches: Kinder ausdrücklich zu Wort kommen zu lassen.

Selbstverständlich entfaltet dieses Buch seine Wirkung nur, wenn ein erwachsener Vorleser und Zuhörer „mitspielt“. Doch diese pädagogische Bereitschaft setze ich zumindest bei den Lesern dieser Buchbesprechung optimistisch voraus.

 

FRAG MICH Glaube

Text & Foto von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

FRAG MICH geerntet

Text & Illustration von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

FRAG MICH Schuhe

Text & Foto von Antje Damm © Moritz Verlag 2012

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Frag-mich.html

Querverweis:

Hier sind weitere Kinder- und Bilderbücher von Antje Damm zu bewundern:

Der Besuch https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/
Hasenbrote https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/07/17/hasenbrote/
Regenwurmtage https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/10/regenwurmtage/
Was ist das? https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/08/13/was-ist-das/

Die Autorin und Illustratorin:

»Antje Damm, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Architektur in Darmstadt und Florenz und lebt als Autorin von Kinderbüchern mit ihrem Mann und ihren vier Töchtern in der Nähe von Gießen. Dank ihrer Töchter begann sie sich vermehrt für Bilderbücher zu interessieren und einige zu veröffentlichen.
Für ihr Bilderbuch DER BESUCH https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/05/06/der-besuch/  erhielt sie den Leipziger Lesekompass 2015.«

 

TEO

  • von Lorenza Gentile
  • Aus dem Italienischen
  • von Annette Kopetzki
  • DTV Verlag  1.Mail 2015               www.dtv.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • und LESEBÄNDCHEN
  • 200 Seiten
  • 18,90 € (D), 19,50 € (A), 26,90 sFr
  • ISBN 978-3-423-28051-8
    teo-9783423280518

Z E I C H E N S P R A C H E

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine Geschichte über ein Kind, das seinen Selbstmord plant, dürfte zunächst lektüreabschreckend wirken, aber ich verrate hier hemmungslos, daß die Geschichte ein gutes Ende nehmen wird. Damit Sie nun nicht denken, bei diesem Buch handele es sich eine reißerisch-hilflose Betroffenheitsjammerklageschrift, verrate ich außerdem, daß Teo kein Opfer ist, sondern ein kleiner tapferer Held, der sich mutig und einfallsreich für die Menschen einsetzt, die ihm am Herzen liegen.

„Aber ich mag es, wen ich mich was trauen muss, besonders wenn es um was Wichtiges geht.“ (Seite 11)

Der achtjährige Teo vermißt seit geraumer Zeit ein glückliches Familienleben. Seine Eltern streiten viel miteinander und scheinen sich immer weiter voneinander zu entfernen. Von seinen Klassenkameraden, die bereits Lebenserfahrung mit geschiedenen Eltern haben, weiß er, daß es drei elterliche Verhaltensphasen gibt: In der ersten Phase wird lautstark gestritten, in der zweiten Phase herrscht Schweigen, und in der dritten Phase verläßt ein Elternteil die familiäre Wohnung – und dann kommt die Scheidung.

Da sich die häusliche Stimmung in Teos Familie bereits der dritten Phase annähert, will und muß Teo irgendwie seine „Eltern retten“. In einem Buch über Napoleon hat Teo kürzlich gelesen, daß dieser Feldherr alle Schlachten gewonnen habe – allerdings hat Teo das Buch noch nicht ganz ausgelesen und ahnt noch nichts von Waterloo.

Teo möchte unbedingt Napoleon um Rat fragen, wie er die Schlacht für den Erhalt seiner Familie gewinnen könne. Zwar ist Napoleon schon gestorben, aber Teo kennt auch die Sage von Orpheus. Wenn es dem alten Griechen Orpheus gelungen ist, ins Jenseits zu gehen, um seine verstorbene Frau zurückzuholen, warum sollte Teo dann nicht auch Napoleon aufsuchen und befragen können?

Doch wo genau ist das Jenseits?

Teo forscht und sucht nach Orientierung. Im sonntäglichen Gottesdienst stellt er Gott fünfmal die gleiche Frage (als Kind muß man hartnäckig fragen, das kennt er schon von menschlichen Erwachsenen, und warum sollte ein göttlicher Erwachsener da über eine bessere Zuhörbegabung verfügen?), doch er bekommt keine Antwort. Er beschwert sich bei seiner Mutter über Gottes Schweigsamkeit, und seine Mutter erklärt ihm, daß Gott sich weniger durch direkte Rede äußere, sondern mehr durch Zeichen, die er einem schicke und die man dann entsprechend zu deuten habe.

Das Warten auf ein Zeichen Gottes wird für Teo zu einer ziemlichen Geduldsprobe, und er sorgt sich, ob Gott, da er ja schon sehr alt ist, vielleicht genauso vergeßlich wie Teos Großmutter geworden sei.

Sein fernöstliches Kindermädchen bereichert seine spirituelle Nachfrage mit Informationen zur Reinkarnation, die er, weil er sich das Wort nicht merken kann, einfach „Religion des Kreislaufs“ nennt.

Sein bester Freund Xian, der ein kleines Mathegenie ist und allen Menschen einen Zahlenwert zuordnet, erklärt Teo, daß man, wenn man stirbt, einfach eine negative Zahl werde, man gehe über die Null, wechsle die Seite und würde unsichtbar.

Eine Klassenkameradin behauptet folgende Adresse für das Paradies:
„Es ist ganz oben im letzten Stockwerk des Himmels, und nur Gottes Flugzeug kommt da hin.“ (Seite 32)

Die gesammelten Informationspuzzleteilchen über Gott und die Welt, Gut und Böse, Sünde, Beichte und Vergebung, Hölle und Paradies, die Wirkungskraft von Träumen und die indirekte Sichtbarkeit des Unsichtbaren führen zu kindlich vereinfachten, indes durchaus erfrischend-naheliegenden kosmologischen Schlußfolgerungen. Teo faßt seine Erkenntnisse u.a. folgendermaßen zusammen:

» KATHOLIKEN:
     HÖLLE: wenn du böse bist und NICHT beichtest

     PARADIES: böse oder gut, Hauptsache, du beichtest

RELIGION DES KREISLAUFS:
     Gut sein: du wirst als Mensch wiedergeboren
     Böse sein: du wirst als Tier, Gemüse oder Gießkanne
     wiedergeboren (das sind bloß Beispiele, es gibt un-
     endlich viele Möglichkeiten, so viele wie Eissorten)
     …

ATHEISTEN:
     Nichts, null, Leere   «
(Seite 136)

Dieser verwirrende Spielraum macht die Suche nach Napoleon leider nicht einfacher. Teo muß nicht nur herausfinden, ob Napoleon gut oder böse war – also im Himmel oder in der Hölle weilt. Sondern falls falls die Buddhisten recht haben, muß Teo herausfinden, in was sich Napoleon möglicherweise verwandelt hat.

Doch egal welche Glaubensrichtung Teo einschlägt: Der Weg ins Jenseits bedeutet, daß Teo sterben muß. Kurz bevor Teo seine Absicht in die Tat umsetzt, schenkt er spontan einem Penner einen Fünf-Euro-Schein – auch mit dem Hintergedanken, mit dieser kleinen guten Tat seine Chancen auf den Zutritt ins Paradies zu verbessern. Der Penner bedankt sich lächelnd, und die beiden kommen ins Gespräch. Dieses zufällige Gespräch rettet Teo das Leben und offenbart sich als das ermutigende Zeichen, auf das Teo sehnsüchtig gehofft hat.

Teo begreift, daß er als Lebender viel mehr bewirken kann und daß es mit dem Sterben – weiß Gott – noch längst nicht eilt.

„Ich muss mir nur vorstellen, dass mein Leben ein Buch ist und jeder Tag eine Seite, und wenn ich die von heute umblättere, steht da geschrieben: NOCH DAS GANZE LEBEN.“ (Seite 195)

Lorenza Gentile gelingt in dieser Geschichte eine subtile inhaltliche und stilistische Balance zwischen dem tiefen Ernst des kindlichen Anliegens und dem unbefangenen, naiven Charme der kindlichen Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen. Offenbar konnte sich die Autorin den unbestechlichen Kinderblick auf das Verhalten der Erwachsenen bewahren.

„Teo“ ist ein kurzes Buch, ein modernes Märchen, ein leichter Lesehapps für einen Nachmittag, gleichwohl mit einem lebhaften Nachgeschmack von Herzensbildung und philosophischem Humor.

Das wolkenschwebende Titelbild ist eine passende Illustration der unaufdringlichen Weisheit, die den Text umschwebt.

 

Die Autorin:

»LORENZA GENTILE wurde 1988 in Mailand geboren. Ihre Leidenschaft für Literatur und das Theater entstand schon in der Kindheit, die sie in Florenz und Mailand verbrachte. Sie studierte Drama und Theaterwissenschaften an der Goldsmith University, London, und besuchte die internationale Theaterschule Jacques Lecoq in Paris. Teo ist Lorenza Gentiles erster Roman.«

Ein sympathisches Interview mit der Autorin finden Sie unter:
http://www.dtv.de/special/lorenza_gentile­_teo/interview/2222/

Die Übersetzerin:

»ANNETTE KOPETZKI, geboren 1954 in Hamburg, war Universitätsdozentin und Journalistin in Italien. Sie übersetzt seit vielen Jahren Belletristik und Lyrik aus dem Italienischen, darunter Pier Paolo Pasolini, Erri De Luca, Andrea Camilleri und Alessandro Baricco.«

Lächeln ist die beste Antwort

  • 88 Wege asiatischer Gelassenheit
  • von Bernhard Moestl
  • KNAUR Verlag, April 2015                   www.droemer-knaur.de
  • gebunden
  • 255 Seiten mit LESEBÄNDCHEN
  • und mit zahlreichen japanischen Vignetten
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-426-65561-0
    Lächeln ist die beste Antwort

K(R)AMPFLOSES  SIEGERLÄCHELN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

In seinem Buch „Lächeln ist die beste Antwort“ beschreibt Bernhard Moestl in 88 kurzen, eingängigen Kapiteln seine theoretischen und praktischen Erfahrungen mit der fernöstlichen Weltsicht und Menschenanschauung und vergleicht sie mit der westlichen (europäischen) Lebensauffassung.

Der pendelnde Blick vom Westen in den Osten und vom Osten in den Westen ist interessant und lehrreich und zugleich kurzweilig. Wie tief mögliche Einsichten und lebensphilosophische Anregungen sinken, bleibt dem Leser unaufdringlich selbst überlassen.

Der Autor schöpft aus dem Fundus seiner langjährigen Aufenthalte und häufigen ausgiebigen Reisen durch viele asiatische Länder (China, Kambodscha, Laos, Malaysia, Thailand, Vietnam). So dienen oft Reiseerlebnisse und alltägliche harmonische oder ärgerliche zwischenmenschliche Situationen und Mißverständnisse als Einstieg in eine konzentriert-pragmatische Reflektion über die asiatische Geisteshaltung zu äußeren Gegebenheiten.

Dabei behandelt Bernhard Moestl die Relativität von Schwäche und Stärke sowie Sieg und Niederlage, die Übung des Nichts-Tuns, spezielle asiatische Dienstleistungs- haltungen, die Freuden der Absichtslosigkeit, Fragen der Samurai-Ehre, Erfolg, Führungsstilvarianten, einleuchtende Zenmeister-Anekdoten, die Energieeffizienz der Shaolin-Kampfkunst, Gedankendisziplin, Achtsamkeit, Kommunikationswege, den Nutzen der Langsamkeit, den unschätzbaren Wert des Lobens und noch viele Themen mehr.

Da jedes Kapitel mit einer Frage an den Leser ausklingt, wird durch die geöffnete Fragetüre jeder dazu eingeladen, den Lesestoff auf das eigene Leben anzuwenden und den gewöhnlichen Wahrnehmungsblickwinkel zu erweitern oder sogar zu ändern.Wenn man den Fragen vertiefend nachgeht, die einen besonders ansprechen, kann sich die Tür zu einigen ganz neuen Antworten und frischen Selbsterkenntnissen öffnen.

Nun einige Beispiele zur Inspiration:

„Was bedeutet »unmöglich« ?“ (Seite 35)

„Wobei verlieren Sie den Geist des Anfängers am ehesten?“ (Seite 43)

„Welches Wort gibt Ihnen die meiste Kraft?“ ( Seite 86)

Wie fördern Sie Ihre größte Stärke?“ (Seite 108)

„Womit winken Sie Ihren Erfolg herbei?“ (Seite 119)

„Wann hätten Sie das letzte Mal die Tür zu Ihrem Bewusstsein besser geschlossen gelassen?“ (Seite 122)

„Was könnte ich lernen, wenn ich Sie nachahmte?“ (Seite 129)

„Welche vermeintliche Schwäche ist Ihre größte Stärke?“ (Seite 181)

Selbst wenn Sie keine endgültigen Antworten auf Ihre Fragen finden, so wird doch wenigstens das vertraute Gedankenmobile tüchtig in Bewegung versetzt, und vielleicht geschieht in absichtsloser Gelassenheit doch eine Umordnung des Geistes.

Und zum guten Schluß noch ein lächelndes Lob für die ästhetisch-stimmige „Verpackung“ des vorliegenden Buches. Der karpfengemusterte Buchum- schlag verspricht reichen geistigen Fang und harmoniert vollkommen mit den schönen hell- und dunkelblauen japanischen Vignetten, die jedes Kapitel dezent schmücken. Und das feine dunkelblaue LESEBÄNDCHEN ist eine praktische und bereichernde Zugabe.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.droemer-knaur.de/buch/8169953/laecheln-ist-die-beste-antwort

Der Autor:

»Bernhard Moestl, geboren 1970 in Wien, ist Vortragsredner und Business-Coach mit den Schwerpunkten Bewusstsein und Führung. Er ist Autor erfolgreicher Sachbücher, in denen er die Erfahrungen zugänglich macht, die er bei Aufenthalten in Asien gesammelt hat, wo er u.a. im Shaolin-Kloster die Kampfkunst der Mönche erlernt hat. Diese Erkenntnisse nutzt er für seine Bücher und Seminare.« www.bernhardmoestl.com

PS
Am Ende des Buches folgt eine umfängliche und freundlich-aufmerksame Danksagung, u.a. auch an alle Buchhändler. Daraus ergibt sich für mich – als Buchhändlerin – folgende Frage:
Wie verträgt sich dies mit der Tatsache, daß der Autor auf seiner Webseite die Werbung  für seine Bücher direkt mit Amazon verlinkt?
Und zweite Frage: Wie lange wird es noch lokale Buchhandlungen geben, wenn nicht nur all die Bequemlichkeitskonsumenten, sondern auch immer mehr Verlage und Autoren zu willigen Handlangern und Dienern von Amazon werden?

 

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Vom Elefanten, der wissen wollte, was Liebe ist

  • Text von Leen van den Berg
  • Illustrationen von Kaatje Vermeire
  • Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
  • Gerstenberg Verlag 2014    http://www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden, Fadenheftung
  • Format 33,5 cm x 23,5 cm
  • 32 Seiten, 14,95 €
  • ISBN 978-3-8369-5772-4
  • Bilderbuch ab 5 Jahren
    Vom Elefanten Titelabbildung

L I E B E S E R K L Ä R U N G E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Bilderbuch eignet sich für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, denn den Wortschatz der Liebe zu erweitern, lohnt sich in jeder Altersstufe.

Vielerlei Tiere, einige Menschen, Apfelbäume, Steine, Scheeflocken und sogar Schneewittchen treffen sich zu einer Versammlung, um über eine Frage zu reflektieren, die der Elefant auf dem Herzen hat: »Woher weiß man, dass man jemanden liebt?«

Alle Versammelten – außer der protokollführenden, bebrillten Ameise – haben eine Antwort auf die Frage des Elefanten. Die Antworten sind variantenreich, und sogar Sonne, Mond und Sterne sowie Wolken, Wind und Meer geben ihrer Liebeserfahrung Ausdruck:

»Wenn ich meine Liebste sehe, werde ich rot«, flüsterte der Apfel verlegen.
»Wir schmelzen füreinander«, gurrten die Schneeflocken.
»Ich denke noch alle Tage an ihn«, sagte die Großmutter, »auch wenn er schon eine ganze Zeit nicht mehr da ist. Jede Woche suche ich ein schönes Gedicht aus. Das lese ich dann an unserem Lieblingsort.«

Der Elefant bedankt sich für die dargebotenen „Liebeserklärungen“ und macht sich liebesbeflügelt auf den Weg zu seiner Liebsten.

Die Ameise ist erleichtert, daß die Versammlung zu Ende ist und daß sie nicht noch mehr »Unsinn « aufschreiben muß, denn sie kann sich mit dem Thema Liebe nicht anfreunden, dafür hat sie »keine Zeit«, aber wahrscheinlich ist sie einfach noch nicht von der Liebe berührt worden. Während die anderen – liebeserfahrenen – Teilnehmer fast alle paarweise den Versammlungsort verlassen, hetzt die Ameise los und liefert nur kurz das Protokollbuch bei Herrn Schildkröte ab.

Die Illustrationen von Kaatje Vermeire sind in einem Malcollagenstil gestaltet, mit sehr dezenten Farben und feinen Schraffuren sowie vielen liebevollen und entdeckenswerten Details. Die vielschichtige Mischtechnik und die durchscheinende Verträumtheit der bildlichen Darstellung entsprechen der poetischen und zärtlichen Sprache, in der hier die vielfältige Einzigartigkeit des Liebesempfindens zu Wort kommt.

Vom Elefanten Innenabbildung

Illustration von Kaatje Vermeire © Gerstenberg Verlag 2014

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836957724

 

DIE  AUTORIN  UND DIE  ILLUSTRATORIN:

»Leen van den Berg, 1956 in Brüssel geb., studierte Geschichte in Leuven und Psychologie in Brüssel. Seit 1995 veröffentlicht sie Kinderbücher. Van den Berg war einige Jahre Dozentin für Kreatives Schreiben in den Niederlanden. Heute gibt sie Schreibkurse in Belgien, Südafrika und Surinam.
Kaatje Vermeire, 1981 in Gent geb., studierte Grafik- und Werbedesign sowie Freie Grafik an der Akademie in Gent. 2007 erschien ihr erstes Bilderbuch. Inzwischen werden ihre Bücher in zahlreichen Ländern veröffentlicht

 

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