Der Literatur Kalender 2022

  • Momente der Erinnerung
  • Texte und Bilder aus der Weltliteratur
  • Wochenkalender
  • Herausgegeben von Elisabeth Raabe
  • Gestaltet von Max Bartholl
  • Verlag edition momente, 2021 www.edition-momente.com
  • 60 Blätter
  • 53 Fotos
  • Format: 32,5 x 24 cm
  • Spiralbindung
  • 22,00 € (D/A), 33,50 sFr.
  • ISBN 978-3-0360-2022-8

Literatur_2022.indd

L E B E N S R Ü C K B L E N D E N

Kalenderrezension  von Ulrike Sokul ©

Unter dem Jahresmotto „Momente der Erinnerung“ blättern wir mit dem  „Literatur Kalender 2022“von Kalenderwoche zu Kalenderwoche durch die Erinnerungen berühmter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Zitate aus Autobiografien, Briefen, Interviews, Tagebüchern und Vorträgen werden mit stimmig ausgewählten Autoren- fotos kombiniert. Meist sind es Fotos, die öffentlich noch nicht „ausgewalzt“ worden sind und über eine große persönliche und atmosphärische Ausstrahlungskraft verfügen. So bekommen die Worte ein Gesicht, das gleichsam mitspricht.

Diese Erinnerungsaugenblicke umfassen große und kleine, flüchtige und tiefgreifende, leichte und schwere, schöne und schreckliche, dankbare und erfüllende Erfahrungen und Lebensprägungen. Die vielfältigen Erinnerungen kreisen um Glück und Trauer, Be-reicherung und Verlust, Trost und Wehmut, Besinnlichkeit und Entdeckungslust, Ver- trautheit und Befremdung, Einsamkeit und Verbundenheit, Orte und Landschaften.

Victoria Ocampo erinnert sich an ein schwarzes Abendkleid mit Pailletten und an die damit verknüpfte feierliche Stimmung, Marguerite Duras schwelgt in den Schattierung- en der himmlischen Lichtverhältnisse der Atlantikküste, John Berger gemahnt daran, sich zu erinnern, wie es war, in den Schlaf gesungen zu werden, Joyce Johnson erinnert sich, wie sie einst in einer Jazzkneipe neben Jack Kerouac an der Theke stand und auf den letzten Auftritt Miles Davis‘ gewartet hat, die libanesische Schriftstellerin, Malerin und Philosophin Etel Adnan erinnert sich an ihre glücklichen multikulturellen Kind- heitserfahrungen zwischen Beirut und Damaskus.

Literatur_2022.indd

Foto: Brigitte Friedrich © Zitat von Adam Zagajweski aus seinem Essay-Band „Poesie für Anfänger“, Carl Hanser Verlag

Die Brüder Edmond und Jules Goncourt werfen einen wohlwollenden Blick zurück auf ihren Reiseaufenthalt in Berlin, Thomas Mann erinnert sich der landschaftlichen Schönheit seines einstigen Sommerhauses in Nida auf der Kurischen Nehrung, Judith Kerr gedenkt angesichts des Erfolgs ihres Buches „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ ihrer Eltern und bedauert, daß diese nicht miterleben konnten, wie sie Schriftstellerin wurde,  Richard Wright postuliert für sich das Schreiben als Weg zur Freiheit, der Dichter Velimir Chlebnikov holt aus den „tiefen Gängen“ seiner Erinnerungen eine kindliche Szene über das Erklettern eines Geländerpfeilers hervor.

Peter Härtling beschreibt das assoziative Wesen seiner Erinnerungen, die sich nicht an eine Chronologie halten und dennoch zu einem sinnvollen Zusammenhang finden, Alain Robbe-Grillet reflektiert über Sinn, Unsinn und die Aussagekraft von Erinnerungen, André Gorz schwärmt von der ersten Begegnung mit seiner späteren Frau Doreen Keir, Carson McCullers erinnert sich an ihre Zeit in der creative community in Brooklyn Heights, und Ruth Klüger besteht entschlossen darauf, ihre Erinnerungen zu bewahren…

Literatur_2022.indd

Foto: Bridgeman Images ©

Der Literaturkalender 2022 stellt ebenso allgemein bekannte wie eher nischenbekannte Autoren  vor und bietet eine allwöchentliche Gelegenheit, ganz neue Lesebekanntschaf-ten zu machen und alte Lesebekanntschaften aufzufrischen.

Jedes Kalenderblatt wird zudem über sorgfältige Text- und Bildlegenden um Hinter- grundinformationen und Querverweise zu Leben und Werk der betroffenen Autoren ergänzt, und in den am Kalenderende angehängten biographischen Blättern finden sich in namensalphabetischer Reihenfolge kurzkonzentrierte Lebensläufe der zitierten Autoren.

Max Bartholl hat die Kalenderblätter wieder einmal stilsicher zu einer attraktiven, klaren Komposition aus Text, Bild, Kalendarium, Layout, Typografie und dezenter Farbgebung gestaltet.

Der Literaturkalender 2022 aus dem Verlag edition momente serviert jede Woche auf ebenso dekorative wie informative Weise anschauliche, abwechslungsreiche und anre-gende literarisch-biografische Lesehäppchen, die zu weitreichendem Nachlesen in Buch-form verführen können oder einfach den Alltag musisch inspirieren.

PS:
Der Literatur Kalender 2022 aus dem Verlag edition momente wurde auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Kalenderpreis des Deutschen Buchhandels in der Kategorie „BESTER LONGSELLER“ ausgezeichnet. Der Literatur Kalender erscheint in seiner mittlerweile schon klassischen Qualität seit 1985 …

Hier entlang zum Kalender nebst vorköstlicher Blätterprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.edition-momente.com/kalender/literatur-kalender-2022.html

Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Verlag edition momente außer dem hier besprochenen Literatur Kalender noch drei weitere bemerkenswerte Kalender publiziert:

Der Kinder Kalender 2022 (Besprechung meinerseits folgt)
Mit 52 Gedichten und Bildern aus der ganzen Welt
Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliothek
https://www.edition-momente.com/kalender/kinder-kalender-2022.html

Der literarische Küchenkalender 2022
Mit Texten, Rezepten und Bildern
Herausgegeben von Sybil Gräfin Schönfeldt
https://www.edition-momente.com/kalender/literarischer-kuechenkalender-2022.html

Der Musik Kalender 2022
Musik – Ein Fest fürs Leben
https://www.edition-momente.com/kalender/musik-kalender-2022.html

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

20 Kommentare zu “Der Literatur Kalender 2022

  1. Daß sich der Verlag auf deine Rezension als Empfehlung bezieht, deutet auf ein verwandtes Qualitätsempfinden hin … 😉
    Danke, ich werde ihn 2-fach bestellen – dieser erscheint mir besonders gut gelungen zu sein. Obwohl ich selbst, wie so viele andere auch, zu wenig Wände habe, um ihn selbst aufzuhängen 😉 … aber inhaltlich kannibalisieren werde ich ihn vor Weitergabe ganz bestimmt.

    Gefällt 1 Person

    • Wie ich Deinem Kommentar entnehme, bist Du meinem Link zur edition-momente-Verlagswebseite gefolgt und hast dort ein Zitat aus einer meiner früheren Literatur-Kalender-Rezensionen entdeckt. Ich habe zum Literatur-Kalender tatsächlich schon seit meiner Buchhändlerausbildung eine innige und vertraute „Beziehung“. Hinzu kommt, daß die Verlegerinnen auch einen außergewöhnlich guten und echten kommunikativen Austausch mit ihren Rezensenten pflegen und von diesen gelegentlich das eine oder andere löbliche und werbewirksame Zitat hervorheben. 🙂
      Des Weiteren danke ich Dir für Deinen ausdrücklichen Literatur-Kalender-Konsumrausch! 😉

      Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank, liebe Sonja, für Deine Zustimmung zu meiner Kalenderempfehlung. Erstaunlich finde ich, daß Du es schaffst, die Kalenderblätter stets erst zum aktuellen Zeitpunkt aufzublättern. Ich bin einfach grundsätzlich zu neugierig, und selbst wenn ich keine Rezension schreiben würde, wofür ja die Kenntnis des ganzen Kalenders eine offensichtliche Voraussetzung ist, würde ich mich durchblättern und zumindest Lesestichproben naschen. 🙂

      Gefällt 2 Personen

  2. Das ist wieder eine feine und liebevolle Präsentation dieses edlen Kalenders. Es ist gewiss eine bemerkenswerte und höchst erfreuliche Qualität dieser Kalender, dass sie Bilder und Texte bieten, die nicht „öffentlich ausgewalzt worden“ sind. [Also saloppbildlich gesprochen: kein „Wühltisch der hinlänglich bekannten Fotos und Zitate.“ 😉 ]
    Einerseits neige ich ja dazu, diese Kalender eher als Bücher zu betrachten, die so ganz beiläufig mit einem Kalendarium dekoriert sind. Auch wenn die Texte naturgemäß eher kurz gehalten sind, ist ihr Gehalt doch von hohem Nährwert. Eine vollwertmahlzeitliche Naschköstlichkeit, sozusagen. Anderseits sind es eben doch durch und durch Kalender – nicht zuletzt durch die täglichen Geburtstagskinder sehr dazu angetan, den Alltag mit Literatur zu durchdringen.

    Gefällt 5 Personen

    • Verbindlichen Dank für Deine kalenderkennerische Resonanz und Deine zutreffenden Bemerkungen zur erfreulichen Qualität und zum literarisch-naschköstlichen Nährwert dieses Kalenders. Gewiß trägt ein solcher Lesebuchkalender lebhaft dazu bei, „den Alltag mit Literatur zu durchdringen“. 🙂
      Darf ich an dieser Stelle nachfragen, ob sich der Maestro auch wieder dem vortrefflichen Musik Kalender 2022 mit einer klangvollen Rezension widmen wird?
      Dann werde ich selbstverständlich wieder entsprechende Linkewinke in meine Rezensionen einfügen. 😉

      Gefällt 3 Personen

  3. Liebe Ulrike, danke für die Auswahl des Kalenderblatts mit den Duineser Elegien des polnischen Dichters ist überaus aktuell und gelungen, -es gibt wenig neues polit.-thematisch gesehen – wie ich finde… ich habe Sehnsucht nach mehr dieser zeitlosen Weisheiten aus der Poesie, dazu würde ich mir eine Buchvorstellung wünschen… falls Dir so etwas mit der Brieftaube oder einer Eule aus Hogwarts ins Haus flattert, herzlichst aus dem Norden…

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Iris, vielen Dank für Deine zugeneigte Rückmeldung. Für mich war die Bekanntschaft mit Rilkes Duineser Elegien einst ebenfalls ein poetisches Schlüsselerlebnis, deshalb habe ich dieses Kalenderblatt für die illustratorische Ausschmückung meiner Rezension ausgewählt.
      Deine Sehnsucht nach mehr zeitlosen Weisheiten aus dem Reich der Poesie kann ich gut mitempfinden. Falls mir ein passendes diesbezügliches Buch „zufällt“, werde ich mich diesem gerne rezensorisch widmen.
      Bis dahin kannst Du Dir gerne einmal meine Buchbesprechung zu Emiliy Dickinsons Gedichten zu Gemüte führen: Emily Dickinson Gedichte

      „Schnee“ von Maxence Fermine könnte Dir auch gefallen. Dieser Roman balanciert – wie ein Haiku – zwischen dem Sagbaren und Unsagbaren. Es ist ein Buch zum Innehalten, zum stillen Mitschwingen und eine poetische Liebes- erklärung an den Schnee und seine zauberhafte Gestaltungskraft. Schnee

      Und wenn Du es geistreich-amüsant, schelmisch und weise magst, kann ich Dir noch sehr, sehr, sehr Robert Gernhards Poesie-Vorlesungen „Was das Gedicht alles kann“ ans Herz legen: Was das Gedicht alles kann
      sowie auch seine eigenen köstlichen Gedichte „In Zungen reden“: In Zungen reden

      Mit herzlichen Grüßen aus dem reichhaltigen Leselebenszeichen-Fundus!

      Gefällt 3 Personen

Sie dürfen gerne ein Wörtchen mitreden, wenn's konveniert!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s