Bäume

  • von Piotr Socha und Wojciech Grajkowski
  • Originaltitel: »Drzewa«
  • Aus dem Polnischen von Thomas Weiler
  • Gerstenberg Verlag September 2018 www.gerstenberg-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,5 x37,5 cm
  • 80 Seiten
  • durchgehend farbig
  • ISBN 978-3-8369-5654-3
  • 25,00 € (D), 25,70 € (A), 31,60 sFr.
  • Sachbilderbuch ab 5 Jahren

W U R Z E L W I S S E N

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Piotr Socha hat bereits mit seinem Bienen-Sachbilderbuch (siehe meine Besprechung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/) seine beeindruckende ebenso sachkompetente wie heitere Zeichenkunst demonstriert. Dies setzt er nun in Kooperation mit dem Biologen Wojciech Grajkowski mit einem Sachbilderbuch über Bäume fort.

„Bäume“ bietet uns eine weitverzweigte, ganzheitliche Darstellung der größten und langlebigsten Lebewesen unserer Erde. Große Schautafeln illustrieren die faszinierende Vielfalt der Bäume und zeigen ihre kulturelle und ökologische Bedeutung.

Dabei wird auch auf den Rohstoff Holz eingegangen, der für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit eine tragende Rolle spielt. Der älteste archäologische Holzfund ist eine fast 40 Zentimeter lange Eibenholz-Lanzenspitze aus Clacton-on-Sea (Südengland), die 400 000 Jahre alt ist.  Aus Holz wurden und werden Boote, Schiffe, Häuser, Tempel, Masken, Musikinstrumente, Räder, Schlitten, Skier, Waffen, Werkzeuge und Papier hergestellt.

Vom riesig-hochgewachsenen Mammutbaum und umfangreichen Baobab-Baum bis zum zierlichen Bonsai lernen wir viele exotische, aber auch alltägliche und einheimische Bäume kennen. Sogar ausgestorbene Bäume, von denen sich versteinerte Abdrücke und komplette Versteinerungen erhalten haben, werden vorgestellt.

Des weiteren geht das Buch anschaulich und interesseweckend auf folgende Baum-facetten ein: Die Photosynthese, Blattformen, Wurzelarten, Baumsamen und Baum- früchte und ihre natürlichen Verbreitungswege, die Erscheinungsformen des Baumes im Wechsel der Jahreszeiten, Baumbeschneidung, Tiere, die auf oder von Bäumen leben, Tiere, die sich als Rinde, Zweig oder Blatt tarnen, heilige Bäume, Bäume in verschieden- en Religionen, Mythen und Legenden (Robin Hood), Kirchen und Tempel aus Holz, Baumhäuser, Urwälder, Holzfällerwerkzeug und seine Verwendung, Holzmusikinstru- mente, Darwins Lebensbaum und der familiäre Stammbaum …

Illustration von Piotr Socha © Gerstenberg Verlag 2018

Piotr Socha und Wojciech Grajkowski widmen sich der Thematik in der Tat um- fassend, spannen den Bogen vom spannenden Detail zum großen Ganzen der Natur und Kultur. Besonders hervorzuheben ist der diesem Buch eigene Tenor der Dankbarkeit und respektvollen Demut gegenüber Bäumen, die vielleicht am deutlichsten auf der Doppelseite zum Ausdruck kommt, welche in die jahresbe- ringte Lebensspanne eines Mammutbaumes (von 1370 v.Chr. bis zum Jahr 1900 n.Chr.) unzählige Epochen, kulturelle Meilensteine und große Charaktere der Menschheitsgeschichte einfügt und diese fast wie Eintagsfliegen erscheinen läßt.

Die Illustrationen von Piotr Socha verknüpfen naturalistische Präzision und Anschaulichkeit mit farbenfröhlichen, vergnüglich-augenzwinkernden Elementen, die einen perfekten Neugierköder für kindliche Betrachter bieten.

Die erklärenden Texte von Wojciech Grajkowski sind konzentriert-informativ und amüsant-einprägsam. So wird beispielsweise erläutert, daß unverdaute Obstkerne von Vögeln zunächst weiter transportiert werden, um dann schließlich mit dem Vogelkot wieder ausgeschieden zu werden, was dem luftgereisten Obstkern nach der Landung auf der Erde sogleich den passenden Dünger beigibt.

Diesem großformatigen, sorgfältig gestalteten Sachbilderbuch gelingt es, spielerisch und wissenswertvoll am Beispiel der Bäume die vielfältige Verflochtenheit unseres Lebens mit der Natur aufzuzeigen. So kann Wissen Wurzeln schlagen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailkinderbuch&url_ISBN=9783836956543

Hier entlang zu Piotr Sochas Bienen-Bilderbuch, das 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten hat: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/10/02/bienen/)

 

Der Illustrator:

»Piotr Socha studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Seither arbeitet der Illustrator, der zu den beliebtesten Cartoonisten Polens gehört, für diverse bekannte Zeitungen und Zeitschriften und illustrierte zahlreiche Bücher. Für sein Sachbilderbuch Bienen erhielt er 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Er lebt in Warschau.« http://www.piotrsocha.pl

Der Autor:

»Wojciech Grajkowski ist als promovierter Biologe in Warschau sehr vielseitig tätig: Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit schreibt er Biologiebücher für den Grundschulbereich und organisiert Workshops für Lehrer und Studenten. Er hat Piotr Socha schon beim Bienen-Buch beraten.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/

 

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Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere

  • von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt
  • Originaltitel »Les mondes invisibles des animaux microscopiques«
  • Wissenschaftliche Berater:
  • Cédric Hubas und Christine Rollard vom
  • Nationalen Naturkundemuseum in Paris
  • Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart   Februar 2017 www.jacoystuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 25 x 32 cm
  • Mit 10 Ausklappseiten
  • durchgehend farbig
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A)
  • ISBN 978-3-946593-27-0
  • Kindersachbuch ab 9 Jahren

KLEINE WELTEN – GROSSES STAUNEN

Buchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Dieses sorgfältig gestaltete Sachbuch gewährt uns faszinierende Einblicke in mikro-skopische Weltenräume, die mit dem bloßen Auge kaum oder gar nicht zu erkennen sind. Die präzise gezeichneten Mikroorganismen werden in bis zu 150facher Vergrößerung in ihrem jeweiligen Biotop dargestellt.

Wir besichtigen zehn verschiedene Lebensräume, in denen sich Mikroorganismen tummeln. Vom „Wasserballett des Planktons“ geht es zum Strand und von dort zum Meeresgrund. Weitere drei Lebensräume, die uns die Mikroorganismen sehr nahe bringen, sind das heimische Bett (Hausstaubmilbe & Co), die menschliche Haut und die Küche. Draußen geht es  weiter mit dem Waldboden, dem Moosbewuchs an Baum-stämmen, stillen Tümpelgewässern und dem strömenden Flußbiotop.

Mikroorganismen erfüllen unzählige lebensdienliche Aufgaben, wie beispielsweise für die Bildung von Humus (Hornmilben, Springschwänze, Rollasseln) oder die Sauerstoff-produktion (Kieselalgen). Manche sind aus menschlicher Perspektive auch lausig lästig und unangenehm (Flöhe, Krätzmilben, Zecken).

Einige Mikroorganismen, wie beispielsweise das nur 0,4 mm große Bärtierchen oder das nur 0,2 mm kleine Korsettierchen, nennt man extremophil, weil sie über eine Anpass-ungsfähigkeit verfügen, die sie extreme Temperaturen und Druckverhältnisse und sogar Sauerstoffmangel sowie absolute Dunkelheit überleben läßt.

Illustration aus „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2017

Infotafel aus „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2017

Anschauliche Szenenwechsel vom Makrokosmos zum Mikrokosmos führen den Betrachter von Doppelklappseite zu Doppelklappseite in verborgene Kleinstlebens- räume und ihre Bewohner ein. Deren körperlich oft bizarr anmutende Gestalten werden hier in bunter, detaillierter Formenvielfalt wiedergegeben. Ein kurzer Einführungstext erklärt das jeweilige Mikroökosystem, und numerierte informative Steckbriefbe- schreibungen der dazugehörigen Mikroorganismen helfen beim Zuordnen und Wiederfinden auf dem szenischen Wimmelbild des Minibiotops.

Die verwendete Maßstabgröße wird jedesmal deutlich angegeben und eingezeichnet. Besonders anschaulich werden die Größenordnungen jedoch illustratorisch beispiels-weise beim vergleichenden Nebeneinander eines Salzkornfelsens und einiger Staubmilbchen – das öffnet dem aufmerksamen Betrachter wirkungsvoll die Augen fürs Unsichtbare.

Ein lexikalischer Anhang erläutert alle Fachbegriffe, die zuvor zur Sprache gekommen sind, und zeigt auf Schautafeln Milben, Krebstiere und Protisten* sowie eine kleine Geschichte der Mikroskopie von mittelalterlichen Lesesteinen (Lupen) bis zum Elektronenmikroskop.

„Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ vermittelt durch die spannende zeichnerische Inszenierung und die leicht zugängliche Textbe- gleitung auf lebhafte Weise Wissen, Bewunderung und Respekt für die Vielfalt des Lebens, das seit eh und je vom Kleinen zum Großen und vom Großen zum Kleinen kreist.

Wenn Sie dieses Buch für Ihr Kind oder Enkelkind kaufen, kalkulieren Sie in weiser Voraussicht schon einmal die Kosten für ein Mikroskop mit ein …

 

*Protisten sind einzellige, aquatische Lebewesen, die nicht eindeutig dem Tier- oder Pflanzenreich zugeordnet werden können. Dazu gehören u.a. Amöben, Foraminiferen, Glockentierchen, Pantoffeltierchen und Rädertierchen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/kinder-jugendsachbuch/kindersachbuch/die-unsichtbaren-welten-mikroskopisch-kleiner-tiere/

Die Autoren & Illustratoren:

»Hélène Rajcak ist 1981 geboren. Sie hat in Paris Illustration und Textildesign studiert und arbeitet dort heute als Illustratorin für die Presse und für Kinderbücher.
Damien Laverdunt ist 1978 geboren. Er hat Angewandte und Dekorative Kunst studiert, lebt und arbeitet in Paris als Autor, Zeichner und Grafiker und lehrt Angewandte Kunst an einem Gymnasium.«

 

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